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Der Ruf des Glases

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10.05.21 20:55
12 Ab 12 Jahren
Fertiggestellt

Dunkel sind die Nächte längst nicht mehr;
Zwar ist der Himmel sternenleer,
Doch an den Häusern, an den Wänden,
Sind grelle Lichter aufzufinden.
Auch ist es nachts nicht mehr so still;
Volltrunken torkeln Menschenmassen
Laut grölend durch die dunklen Gassen;
Es macht hier jeder, was er will.


Ich bin geflüchtet aus der alten Welt,
Und hatt’ mein Seelenheil im Blick.
Doch alles, was mich dort gequält
Ist auch hier wieder zurück.
So geh’ ich nun, wie jede Nacht,
Zur kleinsten Bar der ganzen Stadt.
Ich hör den Trunkenbold, der lauthals lacht;
Wie sehr bin ich das alles satt.


Ich atme durch und gehe rein
In den gottverdammten Sündenpfuhl.
Wie immer bin ich nicht allein,
Und setz’ mich erstmal auf ‘nen Stuhl.
Ich zünd’ ‘ne Zigarette an,
Führ’ sie zum Mund und ziehe dran.
Der Rauch von mir ist kein Problem,
Es sind die Andern, die mir auf den Zeiger geh’n.


Nun schau dir an, wie sie da sitzen:
Den Kopf mit ihren Händen stützen,
Der Stall der Hose steht weit offen,
Das zehnte Bier bereits gesoffen
Und die Kippen sind ins Glas geworfen.
Wie sehr ich sie verabscheue
Das Pack aus Losern und Versagern.
Ich bin zwar oft mit mir am Hadern,
Doch schwöre ihnen immer Treue.


Ich kipp’ den Fusel in mich rein,
Als sei’s das Letzte, was ich tu.
Das Bier spricht mir den Kummer klein
Und schnürt mir meine Seele zu.
Es stinkt nach Qualm und Alkohol;
Ich fühle mich hier nicht mehr wohl.


Ich schau zur Uhr – Schon kurz nach Vier.
Gott, ich hatte zu viel Bier.
Kaum aufrechtstehend stapf’ ich raus,
Aus meinem schönen Himmelshaus.
Umnebelt falle ich zu Boden.
“Was ist aus mir denn bloß geworden?”

Autorennotiz

Dieses kurze Gedicht ist im Rahmen eines Workshops meiner Uni entstanden. Ich hoffe es gefällt euch.

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BerndMooseckers Profilbild
BerndMoosecker Am 10.05.2021 um 19:37 Uhr
Hallo Cedi001,
das Gedicht gefällt mir, aber wann ist es entstanden? Ich gehe zwar nie in eine Kneipe und nur alle paar Jahre einmal in ein Restaurant, aber selbst bis zu mir ist durchgedrungen, rauchen in der Kneipe ist verboten :-)
Wenn das Gedicht neueren Datums ist, dann entspringt es wohl Deiner Fantasie.

Das war eigentlich nicht das, über was ich schreiben wollte.

Du hast auf humoristische Weise dargestellt, dass zu viel Alkohol ungesund ist. Rauchen natürlich auch, aber wie in meiner Eingangsbemerkung ausgeführt - Rauchen in der Kneipe ist verboten.

Dass Du in der ersten Strophe das anspricht, was heute Lichverschmutzung heißt und auch die Lärmbelastung in Dein Gedicht eingebaut hast, das alles passt zusammen.

Gruß Bernd
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BerndMoosecker Am 11.05.2021 um 13:30 Uhr
@Cedi001 Hallo Cedi,

danke für Deine ausführliche Antwort auf meinen kleinen Kommentar.

Ich fasse einmal kurz zusammen, was Du geantwortet hast - es ist Deine dichterische Freiheit.

Ich bin alt genug, die Kneipen angefüllt mit blauem Dunst kenne ich noch, das war aber vor 50 Jahren. Danach habe ich mir das Rauchen und Kneipengehen abgewöhnt :-) Du hast aber die Atmosphäre in diesen Kneipen gut getroffen.

Gruß Bernd
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Cedi001 (Autor)Am 10.05.2021 um 20:55 Uhr
Hi Bernd,
erstmal Danke, dass dir mein Gedicht gefallen hat. Freut mich zu hören. :)

Um deine Frage zu beantworten: Der Text ist recht jung. Ich habe ihn vor etwa zwei Wochen geschrieben. Ich hatte es in der Notiz kurz erwähnt, aber der Text ist in einem "Kreatives Schreiben" Workshop an meiner Uni entstanden, bei welchem wir Bilder bekommen haben, von welchen wir uns inspirieren lassen sollten.

Das Bild, das für dieses Gedicht als Inspiration gedient hat, hatte eine sehr rauchige Großstadtstimmung. Und so kam das dann zustande. Das ist aber eigentlich nicht wichtig zu wissen, weshalb ich es auch erst nicht erwähnt hatte.

Außerdem bin ich mir im Klaren, dass in mittlerweile (glaube ich) allen Kneipen das Rauchen verboten ist, aber ich dachte mir, um die Szene stärker wirken zu lassen bedarf es diesen Rauch eben. Aber sowas mache ich öfter. Wie bei Pipi Langstrumpf mache ich mir die Welt, wie sie mir gefällt. ;)

Hoffe das hat ein wenig geholfen.
Gruß Cedi
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Autor

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Wörter:296
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Kurzbeschreibung

Ein Mann detailliert seine Erfahrungen aus der Kneipe. Diese sind voller Alkohol und Kummer.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Drama auch in den Genres Alltag und Humor gelistet.