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5.5.2019 0:57
12 Ab 12 Jahren
Fertiggestellt

Biep biep biep biep. Dingdongdingdong. Die Augen noch nicht auf. Nur Geräusche. Nervige, monotone Geräusche. Technische Geräusche. Man kennt diesen Moment des Aufwachens. Ganz sicher ist man sich nicht, wo und ob man ist. Normalerweise klärt sich der Zustand nach einigen Sekunden. Normalerweise ergibt der Check aller körperlichen Systeme: alles ist ok, liegt‘s im Bett, wird wohl Morgen sein.

Augen auf. Hmmmm, ne, ich weiss nicht wo ich bin. Ich seh´ aber auch schlecht, die Brille fehlt. Hier ist es hell. Links ist es dunkel, dahinter ein heller Bereich. Entfernte Stimmen. Augen wieder zu. Bringt ja eh nichts.

Irgendwas spüre ich am Hals. Ich dreh den Kopf. Immer noch da. Ich versuche den Kopf auf dem Kissen neu zu sortieren. Kopf ist ganz schön schwer. Es gelingt aber. Am Hals ist immer noch etwas.

BringBringBringbringbringbgring. Neues Geräusch. Neues nervigstes Geräusch. Augen auf. Eine Frau kommt heran. Sie nimmt die Decke hoch. Kabel auf meiner nackten Brust. Sie spricht. Bring – es hört auf, zum Glück. Interaktion mit der Person nicht möglich. Sie spricht mit mir, tüdelt an mir rum.  Augen zu. Weg.

Ich bin ein Kleinkind. Liege in einem Labor, wie in einem Thriller. Eine Stimme spricht über eine Sprechanlage aus einem anderen Raum zu mir. Wenn ich richtig antworte, bekomme ich meinen Lieblingsjoghurt.

Biep biep biep. Dingdongdingdong. Augen auf. Das gleiche verschwommene Bild wie zuvor. Keine Ahnung wo ich bin, was hier vor sich geht. Eine Frau kommt heran. „Ich muss dir nochmal Blut abzapfen“. Sie geht an meinen Hals. Ist sie ein Vampir? Ich versuche zu reagieren, es gelingt mir nicht. Zu schwach. Ich versuche mich unter der Decke neu zu sortieren. Es gelingt nicht wirklich. Aber auch da, irgendetwas berührt mich an den Beinen. Hä?! Über mir an der Decke ist eine Uhr. Das erkenne ich! Die Zeiger leider nicht. Und Schmetterlinge, aufgepinnt wie in einer wissenschaftlichen Sammlung. Komisch. Augen zu.

Ich liege auf einer Tiefkühltheke. Es riecht nach Fisch und sonstigem Meeresgetier. Es ist ein wenig kalt. Der Laden wird geschlossen und es wird geputzt. Ich werde geputzt. Die Leute sprechen nicht sehr freundlich mit mir.

Biep biep biep biep. Augen auf. Eine Frau ist bei mir und bewegt mich im Bett. Mir dreht sich alles. Sie bewegt mich hin und her. Sie spricht mit mir. Immer noch eine komische Situation in der ich mich befinde. Einfluss nehmen kann ich nicht. Über mich ergehen lassen. Aushalten. Augen zu.

Ich liege in einem staubigen Zimmer. Kann kaum atmen. Zwischen kratzigen Kissen. Befreien kann ich mich nicht. Da sind noch andere, sie führen irgendwas im Schilde.

Biep biep biep biep. Augen auf. „Hallo Malte, ich muss dir nochmal Blut abzapfen.“ Oh shit, wieder der Vampir. Ich versuche zu sprechen. Es funktioniert nicht. Ich versuche es noch einmal, hole tiefer Luft. Nö, funktioniert nicht. Jetzt bekommt der Vampir wieder mein Blut und ich, ich kann nichts dazu sagen, nicht mal fragen warum, was, wieso und überhaupt. Wenn ich den Kopf auf die Brust senke, merke ich einen Widerstand. Es kratzt auf meiner Brust. Was ist hier los? War ich nicht im Krankenhaus? Sollte ich nicht operiert werden? Aber ich war doch vor der OP auf einem ganz anderen Zimmer. Hä? Hä? Häääääää? Augen zu.

Ich bin bei meinen Eltern zuhause. Alle sind auf der Terrasse, gute Stimmung. Ich liege im Bett. Will auch raus zu den anderen. Meine Mutter kommt zu mir, spricht mit mir. Ich will sprechen, kann aber nicht. Ich nehme alle Kraft, um zu zappeln, bin unruhig. Meine Mutter wird streng. Warum kann ich nicht zu den anderen, warum muss ich hier liegen? Wut. Verzweiflung. Tränen.

Biep biep biep biep. Augen auf. Zwei Personen sind bei mir. Sie sprechen mit mir. Ihre Stimmen sind bekannt. Es sind meine Eltern. Daran kann ich mich orientieren. Sie verbinden mich mit der Realität. Meine Mutter spricht mit Säuselstimme zu mir. Sie nimmt meine Hand. Wärme. Geborgenheit. Halt. Alles wird gut. Tränen, hier und da. Meine Mutter geht zur elektrischen Steuerung des Betts. Sie fährt unvermittelt das Kopfteil hoch. Ahhhhh. „Stopp!“ schreie ich, es hört nur leider niemand. Ich versuche meine Mutter wütend anzuschauen. Sie wird streng. Ich habe Schmerzen. Sie will das Bett nicht wieder absenken. Ich zappele wütend, bin unruhig. Meine Mutter hat kein Verständnis. Wut. Verzweiflung. Tränen. Nach einer Weile gehen sie wieder. Ich bin wieder allein. Allein, in einer Welt die ich nicht kenne. Ohne Möglichkeit meine Umgebung zu beeinflussen. Allein und ausgeliefert. Augen zu.

Da ich ins englische Königshaus einheirate, bin ich Weihnachten in den Palast geladen. Aber ich brauche noch ein Geschenk für die Queen. Ich besuche Harrods, es ist allerdings kurz vor Ladenschluss. Ich bleibe nachdem die Geschäfte schließen. Ich klettere ins oberste Regal, für das Geschenk der Queen. Ich stürze ab. Kabel sind um mich herum, ich bin bewegungsunfähig. Irgendwann kommt mich der Sicherheitsdienst holen. Ich werde im Laden in einem Bett festgehalten. Handschellen an Füßen und Händen. Am Morgen kommen einige Schaulustige und schauen sich den zukünftigen Prinzen an, der beim Einbruch erwischt wurde.

Biep biep biep biep. Augen auf. Meine Eltern sind da. Geborgenheit. Halt. Ich nehme eine andere Haltung im Bett ein. Sortiere meine Beine unter der Decke. Es gelingt nicht. Nächster Versuch. Nein, immer noch nicht. Ich habe eingesehen, dass ich offenbar nicht sprechen kann. Ich schaue auf meine Hände. Fixiert. Ausgeliefert. Ich zappele, bin unruhig. Es ändert nichts. Meine Augen bleiben mir, um meine Umwelt zu beeinflussen. Ziemlich dürftig. Verzweiflung. Tränen. Augen zu.

Neben mir in meinem Harrodsbett ist ein weiteres Bett. Davor eine Frau. Meine Eltern sind auch nach London gekommen. Sie fragen die Dame nebenan nach Stift und Papier. Sie geben mir den Stift in die Hand und halten mir einen Block hin. Ich schreibe mühsam etwas. Sie können es nicht lesen. Wir geben auf.

Biep biep biep biep. Wieder sind meine Eltern da. Mein Vater hält eine kleine Tafel mit dem Alphabet. Sie sprechen mit mir. Ich soll meine Antwort mit dem Finger buchstabieren. Ich bin nicht mehr fixiert. Hebe meinen Arm, zeige auf H. „E“ Ich zeige auf A. „I“. Mein Arm zittert. Ich kann ihn nicht ausgestreckt halten. Auch mit meinem Finger kann ich nicht sprechen. Verzweiflung. Augen zu.

Eigenständig atmen. Dem Pflegepersonal „Danke“ sagen. Selbst den Becher greifen und mit Strohhalm trinken. Weihnachtsessen essen (und es wieder erbrechen). Auf der Bettkante sitzen. Geduscht werden. Im Rollstuhl nach draußen geschoben werden. Wind spüren. Pläne für den Rest des Lebens machen.      

Biep biep biep biep. Dingdongdingdong. Die Augen noch nicht auf. Nur Geräusche. Nervige, monotone Geräusche. Technische Geräusche. Man kennt diesen Moment des Aufwachens. Ganz sicher ist man sich nicht, wo und ob man ist. Normalerweise klärt sich der Zustand nach einigen Sekunden. Normalerweise ergibt der Check aller körperlichen Systeme: alles ist ok, liegt‘s im Bett, wird wohl Morgen sein.

Augen auf. Hmmmm, ne, ich weiss nicht wo ich bin. Ich seh´ aber auch schlecht, die Brille fehlt. Hier ist es hell. Links ist es dunkel, dahinter ein heller Bereich. Entfernte Stimmen. Augen wieder zu. Bringt ja eh nichts.

Irgendwas spüre ich am Hals. Ich dreh den Kopf. Immer noch da. Ich versuche den Kopf auf dem Kissen neu zu sortieren. Kopf ist ganz schön schwer. Es gelingt aber. Am Hals ist immer noch etwas.

BringBringBringbringbringbgring. Neues Geräusch. Neues nervigstes Geräusch. Augen auf. Eine Frau kommt heran. Sie nimmt die Decke hoch. Kabel auf meiner nackten Brust. Sie spricht. Bring – es hört auf, zum Glück. Interaktion mit der Person nicht möglich. Sie spricht mit mir, tüdelt an mir rum.  Augen zu. Weg.

Ich bin ein Kleinkind. Liege in einem Labor, wie in einem Thriller. Eine Stimme spricht über eine Sprechanlage aus einem anderen Raum zu mir. Wenn ich richtig antworte, bekomme ich meinen Lieblingsjoghurt.

Biep biep biep. Dingdongdingdong. Augen auf. Das gleiche verschwommene Bild wie zuvor. Keine Ahnung wo ich bin, was hier vor sich geht. Eine Frau kommt heran. „Ich muss dir nochmal Blut abzapfen“. Sie geht an meinen Hals. Ist sie ein Vampir? Ich versuche zu reagieren, es gelingt mir nicht. Zu schwach. Ich versuche mich unter der Decke neu zu sortieren. Es gelingt nicht wirklich. Aber auch da, irgendetwas berührt mich an den Beinen. Hä?! Über mir an der Decke ist eine Uhr. Das erkenne ich! Die Zeiger leider nicht. Und Schmetterlinge, aufgepinnt wie in einer wissenschaftlichen Sammlung. Komisch. Augen zu.

Ich liege auf einer Tiefkühltheke. Es riecht nach Fisch und sonstigem Meeresgetier. Es ist ein wenig kalt. Der Laden wird geschlossen und es wird geputzt. Ich werde geputzt. Die Leute sprechen nicht sehr freundlich mit mir.

Biep biep biep biep. Augen auf. Eine Frau ist bei mir und bewegt mich im Bett. Mir dreht sich alles. Sie bewegt mich hin und her. Sie spricht mit mir. Immer noch eine komische Situation in der ich mich befinde. Einfluss nehmen kann ich nicht. Über mich ergehen lassen. Aushalten. Augen zu.

Ich liege in einem staubigen Zimmer. Kann kaum atmen. Zwischen kratzigen Kissen. Befreien kann ich mich nicht. Da sind noch andere, sie führen irgendwas im Schilde.

Biep biep biep biep. Augen auf. „Hallo Malte, ich muss dir nochmal Blut abzapfen.“ Oh shit, wieder der Vampir. Ich versuche zu sprechen. Es funktioniert nicht. Ich versuche es noch einmal, hole tiefer Luft. Nö, funktioniert nicht. Jetzt bekommt der Vampir wieder mein Blut und ich, ich kann nichts dazu sagen, nicht mal fragen warum, was, wieso und überhaupt. Wenn ich den Kopf auf die Brust senke, merke ich einen Widerstand. Es kratzt auf meiner Brust. Was ist hier los? War ich nicht im Krankenhaus? Sollte ich nicht operiert werden? Aber ich war doch vor der OP auf einem ganz anderen Zimmer. Hä? Hä? Häääääää? Augen zu.

Ich bin bei meinen Eltern zuhause. Alle sind auf der Terrasse, gute Stimmung. Ich liege im Bett. Will auch raus zu den anderen. Meine Mutter kommt zu mir, spricht mit mir. Ich will sprechen, kann aber nicht. Ich nehme alle Kraft, um zu zappeln, bin unruhig. Meine Mutter wird streng. Warum kann ich nicht zu den anderen, warum muss ich hier liegen? Wut. Verzweiflung. Tränen.

Biep biep biep biep. Augen auf. Zwei Personen sind bei mir. Sie sprechen mit mir. Ihre Stimmen sind bekannt. Es sind meine Eltern. Daran kann ich mich orientieren. Sie verbinden mich mit der Realität. Meine Mutter spricht mit Säuselstimme zu mir. Sie nimmt meine Hand. Wärme. Geborgenheit. Halt. Alles wird gut. Tränen, hier und da. Meine Mutter geht zur elektrischen Steuerung des Betts. Sie fährt unvermittelt das Kopfteil hoch. Ahhhhh. „Stopp!“ schreie ich, es hört nur leider niemand. Ich versuche meine Mutter wütend anzuschauen. Sie wird streng. Ich habe Schmerzen. Sie will das Bett nicht wieder absenken. Ich zappele wütend, bin unruhig. Meine Mutter hat kein Verständnis. Wut. Verzweiflung. Tränen. Nach einer Weile gehen sie wieder. Ich bin wieder allein. Allein, in einer Welt die ich nicht kenne. Ohne Möglichkeit meine Umgebung zu beeinflussen. Allein und ausgeliefert. Augen zu.

Da ich ins englische Königshaus einheirate, bin ich Weihnachten in den Palast geladen. Aber ich brauche noch ein Geschenk für die Queen. Ich besuche Harrods, es ist allerdings kurz vor Ladenschluss. Ich bleibe nachdem die Geschäfte schließen. Ich klettere ins oberste Regal, für das Geschenk der Queen. Ich stürze ab. Kabel sind um mich herum, ich bin bewegungsunfähig. Irgendwann kommt mich der Sicherheitsdienst holen. Ich werde im Laden in einem Bett festgehalten. Handschellen an Füßen und Händen. Am Morgen kommen einige Schaulustige und schauen sich den zukünftigen Prinzen an, der beim Einbruch erwischt wurde.

Biep biep biep biep. Augen auf. Meine Eltern sind da. Geborgenheit. Halt. Ich nehme eine andere Haltung im Bett ein. Sortiere meine Beine unter der Decke. Es gelingt nicht. Nächster Versuch. Nein, immer noch nicht. Ich habe eingesehen, dass ich offenbar nicht sprechen kann. Ich schaue auf meine Hände. Fixiert. Ausgeliefert. Ich zappele, bin unruhig. Es ändert nichts. Meine Augen bleiben mir, um meine Umwelt zu beeinflussen. Ziemlich dürftig. Verzweiflung. Tränen. Augen zu.

Neben mir in meinem Harrodsbett ist ein weiteres Bett. Davor eine Frau. Meine Eltern sind auch nach London gekommen. Sie fragen die Dame nebenan nach Stift und Papier. Sie geben mir den Stift in die Hand und halten mir einen Block hin. Ich schreibe mühsam etwas. Sie können es nicht lesen. Wir geben auf.

Biep biep biep biep. Wieder sind meine Eltern da. Mein Vater hält eine kleine Tafel mit dem Alphabet. Sie sprechen mit mir. Ich soll meine Antwort mit dem Finger buchstabieren. Ich bin nicht mehr fixiert. Hebe meinen Arm, zeige auf H. „E“ Ich zeige auf A. „I“. Mein Arm zittert. Ich kann ihn nicht ausgestreckt halten. Auch mit meinem Finger kann ich nicht sprechen. Verzweiflung. Augen zu.

Eigenständig atmen. Dem Pflegepersonal „Danke“ sagen. Selbst den Becher greifen und mit Strohhalm trinken. Weihnachtsessen essen (und es wieder erbrechen). Auf der Bettkante sitzen. Geduscht werden. Im Rollstuhl nach draußen geschoben werden. Wind spüren. Pläne für den Rest des Lebens machen.      

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Diese Story wird neben Nachdenkliches auch im Genre Schmerz & Trost gelistet.