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Magische Tinte...

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26.04.20 14:37
6 Ab 6 Jahren
Fertiggestellt

Gestern Abend ist etwas wundersames passiert... Meine Gedanken wollten sich absolut nicht zu Worten in ganzen Sätzen formulieren; wie sehr ich mich auch anstrengte - es ging nicht.

Ich saß in der Küche am Tisch, hatte mein Kinn in meine Hände gelegt und dachte darüber nach, wie ich endlich wieder mit dem Schreiben von Geschichten weitermachen könnte. Doch es war alles durcheinander im Kopf. Lauter unscheinbare Ideen, die mir jedoch keine Geschichten "erzählten". Dann erinnerte ich mich, wie es eigentlich überhaupt bei mir begonnen hatte mit dem Schreiben...

Damals fing ich in der 1. Klasse an, die ersten Buchstaben und Silben zu schreiben. Ach, eigentlich war es mehr ein Gekritzel, denn ich bin Linkshänderin und sollte damals unbedingt mit rechts schreiben lernen. Mein Füller war ein geduldiges Werkzeug und gab her, was er konnte. Doch mein Schriftbild war eine einzige Katastrophe.

Irgendwann waren mein Lehrer und meine Mutter der Meinung, dass es vielleicht doch egal wäre, welche Hand ich zum Schreiben benutzen würde: Die rechte ("liebe") Hand oder die linke ("böse") Hand. Aber es war schon zu spät. Ich kritzelte weiterhin mit der rechten Hand meine fast unleserlichen Buchstaben und Worte auf die Linien der Schreibhefte.

Es blieb dann nur die eine Lösung: Ich musste in einem Schönschreibförderkurs meine "Hieroglyphen" aufbessern. Tatsächlich verbesserte sich mein Schriftbild und voller Eifer versuchte ich auch zuhause in den Übungsheften meine Worte lesbarer zu machen. Denn ich wollte es: Ich wollte schreiben lernen, weil ich erkannte, dass ich mehr damit machen konnte. Nicht nur Diktate und Aufsätze für die Schule - nein. Auch meine Ideen, Gedanken und Wünsche würde ich endlich mit Worten beschreiben und ihnen ein Bild geben können.

Es hatte sich wirklich für mich gelohnt, fleißig zu üben und nicht aufzugeben. Meine Zensuren in Rechtschreibung waren sehr gut geworden, und ich war froh (vielleicht auch ein wenig stolz), dass ich es geschafft hatte.

Alle diese Gedanken und Erinnerungen, wie ich das Schreiben gelernt hatte, waren plötzlich in meinem Kopf gestern Abend. Und da fiel mir mein alter Füller wieder ein, mit dem alles begann. Natürlich existiert er nach 43 Jahren nicht mehr. Aber ich habe mir vor einiger Zeit einen ganz neuen gekauft, den ich noch nicht mal aus der Verpackung genommen und benutzt hatte.

Ich ging ins Büro zum Schreibtisch, nahm ihn aus der Schublade und packte ihn endlich aus. Dann schraubte ich ihn auf, schob die Tintenpatrone hinein und schraubte ihn wieder zu: Er war nun "betriebsbereit". Wie damals nahm ich den Füller in die rechte Hand und habe diese Geschichte geschrieben - auf Papier...

Und wenn ich heute wählen müsste zwischen Tastatur und Füller, dann kennt Ihr schon meine Antwort...

Autorennotiz

Wer möchte, darf mir gerne etwas dazu schreiben: Anmerkungen, Ideen oder einfach so.

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BerndMooseckers Profilbild
BerndMoosecker Am 12.05.2020 um 15:53 Uhr
Oh, das kenne ich. Rechts schreiben, habe ich gelernt und meine Schrift ist unleserlich gewesen und sie ist unleserlich geblieben. Schreiben auf der Schiefertafel, das war die Hölle. Bei mir kam eine weitere Erfahrung dazu, meine Rechtschreibung war wirklich gut, aber ich versagte bei Diktaten. Ich konnte nicht so schnell schreiben, wie der Diktierende sprach. Alle Klassenkammeranden konnten schnell genug schreiben, ich habe es nie geschafft.

Du hast die Not des um erzogenen Linkshänders treffend beschrieben. mir hat es sinnbildlich den Magen umgedreht.

Gruß Bernd
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Sillys Profilbild
Silly (Autor)Am 12.05.2020 um 20:50 Uhr
Vielen lieben Dank Bernd. Es ist schon irgendwie etwas besonderes, finde ich, wenn man sich an solche Dinge zurückerinnern kann... an die Schwierigkeiten - aber auch an die Lösungen.

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Sätze:25
Wörter:470
Zeichen:2.758

Kurzbeschreibung

Die Magie des Schreibens - wie ich sie kennen gelernt habe...