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Für Gönül...

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18.05.20 22:55
6 Ab 6 Jahren
Fertiggestellt

"Mir ist traurig" sagte das kleine Mädchen. "Warum bist du so traurig?" hab ich das kleine Mädchen mit den schwarzen Zöpfen gefragt...
Es saß vor mir auf der Schaukel vom Spielplatz und scharte mit einem Fuß im Sandboden. Eigentlich setzen sich die Kinder doch auf die Schaukel, um in den Himmel zu fliegen - aber dieses Kind nicht. Sie hockte auf der Schaukel mit gesenktem Kopf und einem Gesicht, das trauriger nicht sein konnte.
"Sie wollen mich nicht" antwortete es leise und schaute mich nicht einmal dabei an. Dann holte sie tief Luft und stieß einen Seufzer aus, der mich tief berührte. "Wer will dich nicht? Die anderen Kinder?" fragte ich leise. "Ja..." sagte sie und scharte weiter mit ihren Füßen im Sand und schniefte. Dann ging ich in die Hocke und sah, dass ein paar Tränchen an ihren weichen Wangen herunterliefen. "Wie heißt du?" wollte ich von ihr wissen. "Gönül..." flüsterte sie schluchzend.
"Das ist ein außergewöhnlich schöner Name, den ich noch nie gehört habe. Er klingt, wie der Name einer Fee, die ich einst kennen gelernt habe" sagte ich. Daraufhin hob sie ihren Kopf und schaute mich mit ihren braunen Augen an. Sie war so wunderschön. Ihre Grübchen neben ihren Mundwinkeln, waren auch ohne Lächeln deutlich zu sehen... und ein kleines Stubsnäschchen zierte die Mitte ihres Gesichts. Neben gerade dieser konnte ich auf der linken Seite ein kleines rundes Muttermal entdecken, welches sich frühere Filmstars gerne künstlich zueigen gemacht haben.
"Du bist so ein wunderschönes Mädchen, das hier nicht so traurig auf einer Himmelsschaukel sitzen und weinen sollte" sagte ich lächelnd zu ihr. Dann schaute sie mich ungläubig an und fragte:"Aber... das kann nicht sein. Niemand findet mich hübsch. Hast du mich denn nicht richtig angeschaut?" "Doch. Das habe ich. Sehr genau sogar" sagte ich zu Gönül. "Das verstehe ich nicht. Alle sagen zu mir, dass ich dorthin zurück gehen soll, woher ich komme. Dabei komme ich doch aus Hamburg. Und meine Augen... ich schiele. Siehst du das denn nicht?" sagte sie mit fragendem Blick zu mir.
"Hm... Nein, das habe ich gar nicht gesehen. Ich habe nur dein gutes Herz gesehen, das vielen Menschen hier fehlt" antwortete ich, während ich meine Hand auf ihre kleine Schulter legte, die scheinbar eine schwere Last mit sich trug.
"Willst du mit mir schaukeln?" fragte sie mich. "Ja. Sehr gerne sogar" antwortete ich ihr. Dann setzte ich mich auf die zweite Schaukel neben Gönül und wir flogen beide lachend in den Himmel...

Für Gönül: Ich hab Dich nie vergessen Gönül - auch nach 32 Jahren nicht... :-)
 

Autorennotiz

Schreibt mir gerne Eure Gedanken und Ideen zu dieser Geschichte...

P.S. Gönül gab es wirklich. Ich hoffe, es geht ihr gut.

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BerndMooseckers Profilbild
BerndMoosecker Am 21.05.2020 um 11:58 Uhr
Hallo Silly,

da fällt mir nur eine Wort ein - ergreifend! Oder doch besser - tief betroffen?

Gruß Bernd
Sillys Profilbild
Silly (Autor)Am 21.05.2020 um 16:25 Uhr
Oh, vielen Dank Bernd. Ich freue mich, dass diese kleine Geschichte so berührend ist.

Gruß Silly

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2 Bewertungen

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Sätze:56
Wörter:462
Zeichen:2.552

Kurzbeschreibung

Es geht um eine Begegnung, die ich als Praktikantin im Kindergarten hatte - und die uns allen vielleicht zeigt, dass das äußere Erscheinungsbild unwichtig ist. Egal, wie wir aussehen und woher wir kommen: Wir haben alle ein Herz, das angenommen werden möchte...