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Die Leere

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29.03.21 14:26
6 Ab 6 Jahren
Fertiggestellt

Ich wusste ganz genau was ich fühle. Es war ein komisches, aber dennoch ein vertrautes Gefühl. Warum vertraut fragst du? Weil ich dieses Gefühl öfters habe. Das Gefühl kompletter Leere. Immer dann, wenn ich es fühle weiß ich, dass mir meine Gefühle zu viel werden und ich einfach alles abschalte. Wie das geht? Ich weiß es nicht. Es ist wie einen Lichtschalter auszuschalten. Wieso mir meine Gefühle zu Kopf steigen? Ich denke, das liegt an meinem Leben. Das Leben das mir meine Eltern geschenkt haben. Nein warte, aufgezwungen haben. Ich will nicht mehr und ich habe auch noch nie gewollt. Wie ich das weiß? Ich habe ein fotographisches Gedächtnis, ich kann mich an jede einzelne Sekunde erinnern, die ich je erlebt habe. Was daran schlimm ist? Eben genau das. Jede einzelne Sekunde von Leid und Schmerz, habe ich in meinem Gedächtnis.  Und genau das bringt mich um. Ich wurde viel zu viel verletzt. Psychisch als auch physisch. Wenn ich zurück denke an meinen 5. Geburtstag könnte ich zusammenbrechen. Ich wurde von meiner Mutter geschlagen. Oder an den 18. August 2018, da wurde mir zum ersten Mal das Herz gebrochen von einem Jungen. Die Leere ist mein bester Freund. Ich freue mich immer darauf, dass mir alles zu viel wird, damit ich in die komplette Leere eintauchen kann. Sie ist ein befreiendes Gefühl. Sie flickt die ganzen Wunden mit Nadel und Faden wieder zusammen, bis sie wieder aufreißen. Aber bis das passiert, spielen meine Gefühle verrückt. Ich versuche immer so lang wie nur möglich wach zu sein, nur damit ich nicht zu viel nachdenke bei dem Versuch einzuschlafen. Ich lenke mich immer mit irgendwas ab. Wenn ich dann erschöpft genug bin, gehe ich schlafen. Ich hasste es nachzudenken. Zu viele Erinnerungen, zu viele Gefühle und zu wenig Leere. Leere, dieses Wort klingt schon wie eine Erleichterung. Wie sich das anfühlt? Hm, ich glaube ich würde so den Tod beschreiben. Sinnlich und erleichtert. Erleichtert von der außen Welt, erleichtert von sich selbst und erleichtert von den eigenen Gedanken. Wie soll ich sagen, ich bin anders als alle anderen. Nein, nicht wegen meinem fotographischen Gedächtnis. Wegen meiner Persönlichkeit, wegen meiner Geschichte und wegen meiner Vorliebe für die Leere. Wenn ich könnte, würde ich gerne einmal alles, was mir auf der Seele liegt einfach heraus heulen, aber das geht nicht. Wieso nicht? Ich kann nicht mehr weinen. Wieso? Ich denke, es liegt daran, dass ich schon zu verletzt bin. Ich glaube die Leere hat all meine jetzigen Wunden vorübergehend geheilt. Ich muss nun zurück in die Realität. Bis zum nächsten Mal.

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RhodaSchwarzhaars Profilbild
RhodaSchwarzhaar Am 04.04.2021 um 20:10 Uhr
Dass du über die Leere schreibst, in die sich jemand flüchtet, fand ich einen guten Ansatz. Auch das sie die Leere braucht, um ihren Erlebnissen zu umgehen aber die Begründung auf das fotografische Gedächtnis folgend war nicht so meins. Das jemand geschlagen wird und davon ein Trauma hat, macht in meinen Augen auch ohne ein fotografisches Gedächtnis genau das, was auch ohne es immer wieder bildlich in ihrem Kopf kommen würde, vor allem weil sie es ja auch mit einem bestimmten Tag, dem Geburtstag verbinden kann und das ihr Herz gebrochen wurde, macht das Gleiche. Was sieht sie da, was sie bildlich nicht mehr vor Augen haben will und auch nicht mehr schlafen kann?
Einen SMS Text oder Zettel, wie er oder sie beim Schluss machen schon einen neuen Partner hat? Ich kann jedenfalls aus den Angaben nicht ableiten, warum das ein fotografisches Gedächtnis schlimmer macht.
Was deine Rechtschreibung betrifft, sind mir jetzt nicht wirklich Fehler aufgefallen aber wenn du dir da unsicher bist, kannst du im Internet nach Rechtschreibkorrektur suchen. Ich selbst nutze die Funktion bei Duden. Meine Rechtschreibung ist auch nicht einwandfrei.
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