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| Sätze: | 59 | |
| Wörter: | 604 | |
| Zeichen: | 3.748 |
An Orten, die das Zeitalter der technischen Hyper-Moderne repräsentieren, sind heitere Szenen an der Tagesordnung. Sie lassen mich an die Zukunft der Menschheit glauben, in der beruhigenden Verbundenheit des undurchschaubar Allzumenschlichen.
Es beginnt damit, dass ich am Flughafen regelmäßig heiter auf Socken in Plastiktüten durch den Check-In rutsche, weil mein weibliches Schuhwerk verdächtig sei. Der hohe Schaft, ein potentieller Schurke, war's mal wieder!
Ab und zu wird mein in die Jahre gekommenes, brav funktionierendes tablet gestreichelt, mit einem "hot stuff"-Check-Wischpapierchen, weil - nun, könnte irgendwie etwas nicht ok sein, ich weiß nur bis heute nicht, was genau das wäre. Vielleicht, weil ich meine Updates nicht regelmäßig mache? "Wir checken eh nur bei denen, die freundlich aussehen, damit wir die geforderte Prozentzahl an Checks machen", war mal eine Aussage, die je nach Veranlagung beruhigend oder auch nicht sein kann. Für die Netten ist also ein Exra-Plausch drin.
Zwei kleine Gläschen Heimathonig entwischten einst dem durchsichtigen Zwangsbeutel und versteckten sich im Kofferdingemeer, bis sie entdeckt wurden.
In Shipol nun, auf dem Weg nach Wien, wandert mein Handgepäck wieder einmal zum Check-Point. Ein vollbärtiger Security-Hüne starrt mit Röntgenblick, und mein aktiviertes Oberstübchen blinkt nun in der hellen Erklärungsnot der Unschuldigen. Dieses Mal befriedigte ich meine Shoppinglust nämlich ausschließlich mit dem Erwerb von Ideengut (sprich: Museumsbesuchen) und Papierwaren. Warum war ich denn nun hier?!
"There is an item in the middle I have to check."
Ok. Hm. Was zum Kuckuck...?
Gespannt beobachte ich seine Hand, die gezielt in mein Köfferchen greift, die Kleider wie ein Schaufelbagger wegschiebt...
- blink! blink! - Mein geplagtes Hirn findet das Alarmierende immer noch nicht... -
Ich schaue also, gebannt wie das Kaninchen - und staune: Das verdächtige Material ist... ja, also wirklich... ich fass es nicht: Ein Buch.
EIN. BUCH!
Nicht DAS Buch.
EINES.
Eines der vielen. Kein Verbotenes. Nix mit Index. Oder - inzwischen doch?!
Mein Blick muss so dämlich sein, dass sich der Sicherheitsangestellte laut vergewissern muss, ob der Titel stimme. Akzentfrei akzentuiert er:
"Das Buch der Weisheit."
Den Autor spricht er nicht aus.
Ja. Zu dieser Tat war ich fähig. Unfassbar.
Ich besitze eine reisefreundliche Taschenbibliotheks-Ausgabe von Jorge Bucays Werk, das mir Verspätungen, Umleitungen und dergleichen ein wenig versüßen soll. Eine Art candy-Shop für produktives Nachdenken. Neulich zum Beispiel, als ich von Stuttgart mit außerplanmäßigem Stop quer durch Deutschland in einer Art "Schwäbische Kehrwoche" über Hamburg zurück nach Wien zurückreisen durfte. Ein kostenloser Rundflug, nur, dass ich den weder buchte noch wollte. Wie andere auf Schokolade bekomme ich bei Stress Hunger auf solcherart Bücher. Dazu gibt es bei der AUA noch die Mozartkugel, sogar, wenn Flüge ausgelagert werden. Eine gute Story wäre auch was.
Die Wege der Fluggesellschaften erscheinen mir also so unergründlich wie die Wege zum Wissen. Aber wo ein Wille...
So kam das Büchlein also auch auf diese Reise wieder mit. Und erheitert nun eine Person mehr.
Warum das Büchlein denn ein Sicherheitsrisiko darstellen würde, frage ich vorsichtig nach, als es nun ordentlich geschüttelt und mit Wischpapierchen behandelt wurde.
"A lot of paper", war die rätselhafte Antwort. "The machine can't see through it."
Aha! Der fehlende Durchblick!
Das ist mir durchaus bekannt. Wir verstehen uns also. Das beruhigt mich wieder. Der Hirnalarm erlischt.
Aufatmend gehe ich weiter zum Gate, nun in der Gewissheit, dass nicht nur ich in einem Buch blättern muss, um zu wissen, was es wirklich ist: Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch...
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JamalTuschick • Vor 47 Minuten | |
| Liebe Musenzeit, schön die reizende Episode hier noch einmal zu lesen. Du dekonstruierst den Airport-Flair und ersetzt ihn mit deinem Flair. | ||
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Brig7 • Vor einer Stunde und 2 Minuten | |
| Spannend erzählt. Nun war ich genauso gespannt . Herrlich! Passt zu unserem Thema der untergegangenen Kultur. Ist ja auch mein derzeitiges Laura Projekt"Unter der Zeit", suche nun eine Heimat dafür. | ||
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