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| Kapitel: | 24 | |
| Sätze: | 1.041 | |
| Wörter: | 13.636 | |
| Zeichen: | 78.291 |
Der Wind heult durch die Gassen wie ein hungriger Wolf. Irina steht am Fenster und schaut dem Tanz der bunten Blätter zu. Es ist ein kalter Herbsttag, Irina liebt diese Jahreszeit. Sie wäscht sich das Gesicht, kämmt sich die Haare und zieht sich die wärmste Jacke an. Vorsichtig öffnet sie die Haustür. Eine Windböe erfasst sie und wirft sie beinahe zu Boden. Doch Irina will trotz des Sturms in den Wald gehen. Dort möchte sie viele bunte Blätter sammeln und damit etwas basteln.
Der Boden ist glitschig und schmutzig, da es zuvor geregnet hat. Irina rutscht aus und bekommt den kalten Boden zu spüren. Sie bleibt liegen, da sie kaum noch atmen kann. Dann wird sie bewusstlos und fällt in einen tiefen Traum.
*
Ein Flüstern in der Ferne. Irina schlägt die Augen auf. Doch da ist kein Wald, kein Sturm, alles ist anders. Ihr Körper fühlt sich federleicht an. Sie erschrickt und denkt, dass es sich um etwas Ausserkörperliches handeln muss. Trotz allem wird sie neugierig und erkundet die seltsame Umgebung.
Vor ihr stehen die Ruinen einer Stadt. Es sieht aus, als hätte es ein Erdbeben gegeben oder einen Krieg. Beim Eingang stehen zwei hölzerne Pfosten, die ein Schild mit dem Schriftzug «Träumlitz, Stadt des Grauens» tragen. Diese Bezeichnung passt sehr gut, denn was zu sehen ist, ist schrecklich. Die Wohngebäude sind total zerstört, aber die Menschen fühlen sich trotzdem wohl. Unter ihnen bewegen sich auch schwarze Gestalten, aber von denen hält sich Irina fern. Es sind Geister, die alle einmal als Menschen gelebt haben. Irina ist das alles unheimlich, und sie möchte aus Träumlitz verschwinden. Sie legt sich auf den Gehweg, schliesst die Augen und hofft, dass sie aufwacht. Doch leider funktioniert das nicht. Feiner Staub steigt ihr in die Nase. Sie niest so laut, dass alles als Echo zurückkommt. Vorsichtig und leise versucht sie aufzustehen, damit sie niemand hört.
«Irina, kann ich dir helfen?», fragt überraschend eine bekannte Stimme. Irina erschrickt und fällt gleich wieder zu Boden. Vor ihr steht ein schlanker Mann. Irina schaut zu ihm auf. Der Mann hat kurzes graues Haar und ein verletztes Auge, Blut läuft ihm über das Gesicht. Sie erkennt ihren verstorbenen Lehrer und wird traurig. Er will sie hochziehen, doch sie hilft sich selber auf die Beine. Es ist ihr unheimlich, und sie rennt davon. Sie möchte diese Stadt dringend verlassen, aber sie findet keinen Ausgang. «Hallo, ist hier jemand?», ruft sie weinend. Hilflos und verängstigt sucht sie jemanden, der ihr beistehen kann.
Plötzlich knirscht es hinter ihrem Rücken. Ein Gebäude stürzt zusammen, aber von den Bewohnern kommt niemand heraus. Die Türe bleibt stehen, und dahinter erblickt Irina einen Jahrmarkt. Ein buntes T-Shirt flattert im Wind. In einer Kiste liegen frische Aprikosen. Doch sind sie echt? Irina ist neugierig und klaut ein paar davon. Die Verkäuferin bemerkt den Diebstahl. «Hey du, bleib sofort stehen!», ruft sie laut. Sie versucht Irina ein Bein zu stellen, erfolglos. Zu ihrem Glück ist die Marktfrau ein Geist und kann keine Menschen anfassen. Doch die Alarmanlage geht los, und die Träumlitzer Polizei erscheint auf dem Platz. Irina flieht und versteckt sich unter den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes. An ihr huschen schwarze Gestalten in Uniformen vorbei. Sie muss sich zusammenreissen, damit sie nicht aus lauter Angst schreit. Doch plötzlich kullern die Aprikosen aus ihrer Unterhose heraus und rollen an ihr vorbei. «Oh nein, Mist», flüstert sie. Einer der Männer bleibt stehen und hebt eine Aprikose hoch. Er schnuppert daran. Dann entdeckt er Irinas Fussspur, die er glücklicherweise nicht verfolgen kann. Er wendet sich ab und verschwindet wieder im Jahrmarkt. Irina atmet erleichtert auf, sie fühlt sich aber müde und schläft auf dem schmutzigen Träumlitzer Boden ein.
*
Etwas Weiches, Feuchtes, das sich wie ein Waschlappen anfühlt, streichelt Irinas Gesicht. Sie wacht aus ihrem Koma auf. Die Augenlider sind noch schwer, sie kann sie kaum öffnen. In weiter Ferne hört sie zwei Personen miteinander reden, sie haben weinerliche Stimmen. Irina macht ihre Augen noch einmal zu, merkt aber, dass die Stimmen immer lauter werden, dann wacht sie richtig auf. Sie schaut sich vorsichtig um und sieht zwei Frauen, beide mit Masken. Der Raum ist weiss, und sie liegt in einem weichen weissem Bett. Es ist ein Spitalzimmer, und sie ist an ein Beatmungsgerät angeschlossen.
«Kind, du bist endlich wach, ich habe dich schmerzlich vermisst», hört sie eine Stimme erleichtert sprechen. «Papa, bin ich froh, dass du hier bist. Was ist passiert, und weshalb weinst du?» Irinas Vater erzählt, dass sie bewusstlos im Nebelwald von einer Joggerin gefunden wurde. Diese habe sogleich reagiert und ihn telefonisch alarmiert, dank der Visitenkarte, die sie vorgefunden habe. Irina muss noch eine Nacht in ihrem separaten Spitalzimmer bleiben, bis alle Untersuchungen beendet sind. Wahrscheinlich bekommt sie dann einen neuen Inhalator.
Am Tag danach, als Irina nach Hause geht, fühlt sie sich immer noch erschöpft. In ihrer Tasche steckt ein neues Medikament. Die Packungsbeilage warnt vor einer Unmenge von Nebenwirkungen. Sie schluckt trotzdem eine Tablette. Doch als sie sich auf ihr Bett legt, bekommt sie starke Kopfschmerzen, vor ihren Augen wird es schwarz und ihr Körper wird federleicht.
*
Irina spürt eine kühle Brise. Sie öffnet die Augen und sieht rings um sich herum weisse Wände. Gitterstäbe an den Fenstern verhindern eine Flucht. Ist sie in einem Gefängnis? Sie bemerkt, dass sie mit Handschellen und Fussfesseln an ein Klappbett gekettet ist. Durch die Gitterstäbe beobachtet sie schwarze Gestalten, die hin- und hergehen. «Hey, was ist hier los? Hilfe, wo bin ich?», ruft Irina verzweifelt. Sie befürchtet, wieder in Träumlitz zu sein.
Dann öffnet sich die Tür ihrer Zelle, und eine schneeweisse, wunderschöne Frau tritt herein. Sie befreit Irina von ihren Fesseln und erzählt ihr, dass sie von einem lebenden Menschen hier in Träumlitz eingesperrt wurde. Der Grund sei, dass sie bewusstlos im Jahrmarkt gelegen habe. Irina möchte natürlich wissen, wer so etwas getan hat, aber die Frau verrät es ihr nicht. Irina ist wütend, dass sie wieder in Träumlitz gelandet ist und möchte diesen Ort dringend verlassen. Sie bittet die Frau um Hilfe. Doch diese gibt nur den knappen Hinweis, dass Efeu helfen könnte. Kaum hat sie das gesagt, fangen in Irinas Zelle Efeuranken an zu wuchern. Irina rupft an einer Ranke und hofft damit Träumlitz verlassen zu können. Doch ihre Hoffnung ist vergebens, die Frau hat sie angeschwindelt. Sie schwebt als Geist grinsend davon.
Irinas Gedanken: «Warum muss das sein? Was habe ich Falsches getan?» Sie hat Tränen in den Augen und Schmerzen in den Beinen. Ihre Füsse sind wieder an eine weisse, schwere Kugel gekettet. Zappelnd und schreiend versucht sie sich zu befreien, erfolglos. Plötzlich sie hört ein Geräusch und sieht eine schwarze Gestalt mit einem grossen Schlüsselbund. Es ist ihr verstorbener Lehrer, der sie aus der misslichen Lage befreit. Er spricht Irina an, obwohl er weiss, dass es verboten ist, mit lebenden Menschen zu sprechen.
«Komm Irina, ich öffne dir die Zelle. Du bist unschuldig, du gehörst nicht hierher.» Irina bedankt sich bei ihm mit einem kurzen Nicken und rennt ängstlich davon. Sie schaut sich in Träumlitz um, ob es eine Möglichkeit zum Aufwachen gibt. Auf einem ausgetrockneten Sandweg wachsen kleine Bäume. An den Ästen treiben schon ein paar kleine Knospen, eine davon fängt sogar an zu blühen. Sie hat einen intensiven, unbekannten Duft. Stimmen von Menschen und Verstorbenen sind an diesem Ort nicht zu hören. Es ist unheimlich.
Irina will eine Knospe abreissen, doch kaum hat sie es versucht, bemerkt sie eine kleine Blüte auf ihrer Hand. Die Knospe hat sich in eine Kirschblüte verwandelt. Irina ist erfreut, dass es hier auch schöne Dinge gibt und nicht nur Geheimnisvolles. Leider kommt ihre Freude zu früh, denn die Situation nimmt eine düstere Wendung.
Der trockene Boden, der von Rissen durchzogen ist, beginnt plötzlich zu beben. Alle Bäume fallen um, auch der kleine Kirschbaum wird entwurzelt, und es beginnt zu donnern. Regen bleibt jedoch aus, es handelt sich um ein Erdbeben. Die junge Frau verspürt Angst und versucht zu fliehen. Der Boden bricht auf und der Sandweg verwandelt sich in eine tiefe Schlucht. Irina rutscht aus und fällt hinunter. Es fühlt sich an, als wäre sie in eine grosse Schüssel gefallen. Sie versucht aus dieser Schlucht hinaus zu klettern, doch es gelingt ihr nicht.
Im Halbdunkeln entdeckt sie ein morsch gewordenes Holzschild mit einer kaum lesbaren Schrift. Das Einzige, was sie darauf erkennen kann, ist «Träumlitz, Strand der Vergessenheit». Es gibt noch einen weiteren Text, der jedoch unleserlich ist, die Schrift ist zu blass. Irina findet die Situation seltsam, denn weit und breit gibt es keinen Strand zu sehen. Sie kämpft weiterhin darum, sich zu befreien, um wieder an die Oberfläche und damit zur Stadt zu gelangen, doch es ist aussichtslos. Ganz unerwartet wird sie von einem grossen Wasserschwall überrascht. Irina kämpft gegen die Strömung, während weitere heftige Wellen sie überrollen. Schliesslich wird sie auf einen trockenen, sandigen Strand gespült. Der Sand reizt ihre Augen, und sie spuckt salziges Wasser aus.
Irina erholt sich nur langsam von diesem Schreck. Die Sonne scheint intensiv, und es wird ihr zu heiss, weshalb sie sich unter einen schattenspendende Strauch legt, an dem kleine Bananen wachsen. Doch ihre Ruhe wird bald gestört. «Hey, Schatz», ruft eine männliche Stimme aus der Ferne. Die Stimme ist Irina fremd, denn an diesem Strand vergisst man alles und ist sich oft nicht mal seiner Identität bewusst.
«Hey, bleib stehen, lass mich nicht allein!», ruft die Stimme, als Irina verängstigt weglaufen will. Irina legt sich wieder in den Sand. Die Stimme kommt ihr jetzt vertraut vor, doch sie ignoriert sie und dreht sich mit geschlossenen Augen zur Seite.
Plötzlich fühlt sie Hände, die ihren Rücken massieren. Erschrocken schreit sie auf, es ist der Mann, der ihr zugerufen hat. Er hält ihr die Hand vor den Mund, um ihren Schrei zu dämpfen. «Hey, was denkst du dir, fass mich nicht an», ruft Irina panisch. Der Mann wirkt betrübt ob ihrer Abweisung und bemüht sich, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. «Erkennst du mich nicht mehr? Wir kennen uns doch», sagt er verzweifelt und bietet ihr eine Banane an. Endlich schaut Irina ihn an und bedankt sich für die Frucht. Obwohl sie ihn an diesem Strand des Vergessens nicht erkennt, fühlt sie sich wohl und beginnt mit ihm zu flirten. Er stellt ihr unzählige Fragen, die sie aufgrund ihrer Vergesslichkeit nicht beantworten kann.
Irina versucht sich zu erinnern, warum sie sich in Träumlitz befindet und wer der Mann am Strand ist. Obschon vieles unklar ist, verweilt sie an diesem Ort, da sie sich auf eine seltsame Weise wohl fühlt. «Wir müssen hier weg, man kann sich an nichts erinnern», sagt der Mann zu Irina.
Die junge Frau geht auf den attraktiven Mann zu und umarmt ihn. Sie verbringen eine längere Zeit zusammen. Irina sieht einen kleinen grünen Zweig im Sand und versucht ihn zu berühren. Doch ihre Strandbekannschaft hält sie davon ab und legt sich über sie. Die beiden beginnen einander zu küssen, obwohl sie nach wie vor beduselt sind.
Nach einigen Minuten kommt Irina wieder zu sich und erinnert sich, wer sie ist und mit wem sie geküsst hat. Sie wird ganz rot, verrät aber dem Mann nicht, dass sie ihn erkannt hat. «Irina, wir müssen von hier weg. Ich glaube, ich weiss, wie wir entkommen können», sagt er schüchtern. Er nimmt sie an der Hand, und gemeinsam suchen sie nach einem Ausweg. Irina ermüdet rasch, weil sie mit ihm so schnell gehen muss. Sie wird ungeduldig und verplappert sich. «Herr Predoew, ich möchte eine Pause machen, ich bin erschöpft», keucht sie. Er sieht sie überrascht an, da ihm klar wird, dass sie sich an ihn erinnert und auch seine eigenen Erinnerungen zurückkehren. «Warum haben wir einander geküsst? Wir gehören doch nicht zusammen», wirft er Irina vor. Traurig senkt sie den Kopf und erklärt ihm, dass dieses Missgeschick passiert ist, weil sie beide vergesslich waren und unbewusst zueinander gefunden haben.
Auf dem Weiterweg bleibt die Atmosphäre angespannt, der Weg durch den Wald in der Nähe des Strandes ist sumpfig, so dass es bei jedem Schritt quietscht. Der Boden ist mit Tannennadeln übersät, und die Bäume stehen derart schief, als könnten sie jeden Moment umfallen. Irina beklagt sich darüber, dass sie müde ist und Schmerzen in den Füssen hat. Aufgrund eines Halluxes fällt es ihr schwer, barfuss auf dem linken Fuss zu stehen und längere Strecken zu gehen. «Okay Irina, lass uns eine Pause machen und uns auf diese Holzbank setzen.» Irina fühlt sich aber unwohl, hier alleine mit Herrn Predoew zu sein, und auch er zeigt keine grosse Begeisterung vom Alleinsein. Doch er fühlt sich verantwortlich, denn Irina würde hier alleine nicht klarkommen.
«Ähm, ich hätte da eine kleine Frage. Darf ich Sie beim Vornamen nennen? Wir haben uns schliesslich nie vorgestellt», fragt Irina schüchtern. Er sieht sie ernst an und überlegt, ob er sich ihr wirklich nähern möchte, aber er schweigt. Schliesslich stehen beide auf und setzen ihren Weg fort. Gemeinsam kommen sie zu einem grossen, verlassenen Holzhaus. Irina zittert vor Angst und Tränen sammeln sich in ihren Augen. Sie fühlt sich etwas übel, hat Kopfschmerzen und schwitzt. Ihr Begleiter versucht sie zu beruhigen und verspricht, bei ihr zu bleiben.
Vorsichtig öffnet Irina die Tür und tritt ins düstere Haus. Ein lautes Hauchen erschreckt sie, doch Angst ist unbegründet, denn es ist nur der starke Wind, der durch die Fenster bläst. Allerdings ist eines der Fenster beschädigt, und es sieht beinahe so aus, als ob hier Einbrecher gewesen wären. «Irina, lass uns schnell von hier verschwinden. Wir wissen nicht, wem dieses merkwürdige alte Haus gehört!», ruft ihr Herr Predoew zu. Doch die junge Frau gehorcht ihm nicht. Ihre Neugier wächst, und sie beginnt, die Zimmer wie ein kleines Kind zu erkunden. In einem Raum hängen dicht nebeneinander zahlreiche Spiegel, die an den Wänden mit goldenen Nägeln befestigt sind. Die Reflexionen sind so intensiv und verwirrend, dass Irina den Ausgang nicht mehr findet. Panik überkommt sie, und sie schreit laut auf, in der Hoffnung, dass ihr Begleiter doch noch ins Haus kommen wird. Plötzlich knurrt es überlaut hinter ihr. Sie setzt sich verängstigt auf den Boden. In ihrem Kopf schwirrt der Gedanke: «Was war das?». In einem der Spiegel sieht sie ihr eigenes Abbild, das ihr zuzwinkert. «Ah, wer bist du?», ruft sie erschrocken. Herr Predoew, der Irinas Schrei gehört hat, betritt das Haus und kommt zu ihr in das seltsame Zimmer. «Was geht hier nur vor?», denkt er.
Die Situation wird zunehmend rätselhafter. Plötzlich springt Irinas Spiegelbild aus dem Spiegel, der danach zerbricht. Vor ihr steht nun ihre Doppelgängerin mit einem düsteren Ausdruck. Doch das ist nicht alles, denn die Gestalt kann sogar sprechen und fragt mit drohender Stimme: «Hey, was denkst du dir, ich bin Torbellino, und das ist mein Haus. Was erlaubst du dir, hier einzudringen?». Das Spiegelbild, wütet und stösst Irina aus dem Zimmer, während weitere Spiegel zerbersten. Kurz darauf erscheint auch das Spiegelbild von Herrn Predoew vor ihr, was Irina noch mehr Angst einjagt. In panischer Eile rennt sie aus dem Haus und flüchtet mit ihrem echten Begleiter durch den Wald. Doch die Spiegelbilder verfolgen sie und vermehren sich schnell.
«Huh, endlich sind wir diese Ungeheuer los», freut sich Irina zu früh. Ihr Gesichtsausdruck ändert sich jedoch schnell, als plötzlich zwei Männer vor ihr auftauchen, die wie ihr Begleiter aussehen. Die Augen der beiden Predoews beginnen rot zu leuchten, und ihr Ausdruck verwandelt sich in eine bedrohliche Fratze. Die junge, naive Frau beginnt zu schreien, während der echte Predoew gegen die Spiegelgeister kämpft. Er nutzt einen abgebrochenen Ast, um die Kreaturen zu bekämpfen. Irina hat jedoch ihre Zweifel und setzt ihren Weg durch den Wald fort. «Liebling, bleib stehen, ich kann nicht mehr. Ich habe meine Doppelgänger mit einem Ast besiegt», ruft er ihr laut keuchend nach. Misstrauisch läuft sie, mit Tränen in den Augen, weiter. Doch da der Waldboden uneben und voller Wurzeln ist, stolpert sie und fällt hin. Dann spürt sie eine Hand, die sanft durch ihr Haar fährt. Es ist tatsächlich Herr Predoew, der sie tröstet: «Komm, gib mir deine Hand und lass uns diesen Wald so schnell wie möglich verlassen.» Irina beginnt wieder zu lächeln. Dennoch bleibt eine gewisse Angst in ihr, weil Herr Predoew ihr erzählt hat, dass die Spiegelgeister zwar unsichtbar, aber garantiert nicht tot sind.
Nachdem die beiden den Wald hinter sich gelassen haben, stehen sie an einer Kreuzung. Es gibt zahlreiche Wegweiser, doch die beiden wissen nicht, welcher der richtige ist, keiner zeigt nach „Träumlitz, Stadt“. «Oh nein, auch das noch! Wir haben uns verlaufen, wie kommen wir jetzt in die Stadt?», weint Irina und klammert sich an Herrn Predoew, während sie ihm in die Augen schaut. Er versichert ihr, dass sie einen Ausweg finden werden, und dass er an ihrer Seite bleibt. Plötzlich vernimmt Irina Stimmen. «Hey, schau mal her, ich glaube, das ist ein Spielplatz, zwei Leute spielen Baseball und ein dritter schaut zu», sagt sie zu ihm. Skeptisch hält er Irina davon ab, sich den Fremden zu nähern, doch sie ignoriert seine Warnung, reisst sich von ihm los und geht zur Wiese. «Irina, hilf mir, ich kann nicht aufstehen“, ruft der Zuschauer verzweifelt, „erkennst du mich denn nicht mehr?». Als sie ihn ansieht, erkennt sie plötzlich, wer um Hilfe ruft. Es ist Pedro, ein mittlerweile erwachsener Mann, den sie aus ihrer Schulzeit kennt, als sie noch Teenager waren. Irina versucht ihm auf die Beine zu helfen und zu einer nahegelegenen Bank zu bringen. Doch er ist zu schwer, und sie hat selber schon Schwierigkeiten, auf den Beinen zu bleiben. Traurig lässt der junge Mann den Kopf hängen und bleibt auf der Wiese sitzen. Irina ruft Herrn Predoew, doch der zeigt kein Interesse und lässt Irina allein mit dem jungen Mann. «Irina, du weisst, wie ich dazu stehe, komm sofort zurück zu mir auf den Weg. Vielleicht ist er ein Dämon wie diese Spiegelfiguren.» Als er ihren traurigen Blick sieht, empfindet er doch Mitleid und nähert sich vorsichtig Pedro, der verzweifelt da sitzt. Er bemerkt, dass Pedro querschnittgelähmt ist. «Irina, bitte hilf mir. Wir können ihn nicht einfach auf der Wiese zurück lassen, zu zweit bringen wir ihn sicher zur Bank.» Sie beginnt zu lächeln und schaut dankbar zu ihrem Begleiter.
«Ich muss euch unbedingt vor etwas warnen. Man kann Träumlitz nicht einfach ohne Hilfe verlassen», schluchzt Pedro und erzählt, dass die Gegend hier gefährlich sei und er durch einen Teil des Waldes gekrochen sei. Überall gebe es Menschen ohne Scham. Diese haben die Kontrolle über sich verloren und machen sich zum Gespött. Irinas und Herr Predoews Kräfte lassen nach, es ist ihnen nicht möglich, Pedro durch Träumlitz zu tragen. Enttäuscht müssen sie ihn auf einer Bank zurück lassen.
Irina ist das nicht recht, sie wendet Pedro den Rücken zu, und ohne sich von ihm zu verabschieden, rennt sie davon. «Hey, warte auf mich und hör endlich auf zu fliehen!», ruft ihr Herr Predoew verzweifelt nach. Die junge Frau läuft in rasantem Tempo an den Menschen vorbei, die sich schamlos aneinander kuscheln – und das völlig nackt. Doch sie ist davon unbeeindruckt und rennt weiter, bis sie über eine Wurzel stolpert und hinfällt. Ihr Begleiter kommt atemlos zu ihr, reicht ihr die Hand und hilft ihr auf die Beine. Sie setzen ihren Weg fort, bis sie schliesslich einen morschen, hölzernen Wegweiser entdecken, auf dem «Träumlitz, Stadt» steht. Irina beginnt erleichtert zu lächeln. «Wir haben es geschafft, juhu, wir sind bald dort!», sagt sie.
Herr Predoew bleibt jedoch vorsichtig und zieht es vor, einen anderen Weg zu wählen, da der empfohlene völlig ausgetrocknet ist. Dennoch überzeugt ihn Irina, mit ihr auf diesem Pfad zu gehen, denn er ist ihr vertraut. Es handelt sich um denselben ausgetrockneten, sandigen Weg, den sie beim ersten Besuch in Träumlitz gegangen ist.
Die beiden halten vor einem riesigen Gebäude an. Es sieht fast so zerfallen aus wie die Ruinen, die Irina bereits gesehen hat, und ähnelt einer typischen Fabrik. Hohe, schlanke Schornsteine ragen empor. Es ist laut und man hört Maschinen knattern, die vermutlich etwas herstellen. Irina wird neugierig und fragt sich, was das ist. Vorsichtig öffnet sie eine Tür - und ist schockiert von dem, was sie sieht. Sie möchte laut schreien, behält jedoch ihre Fassung. An den Wänden hängen überall Reagenzgläser, die an transparenten Schläuchen befestigt sind. Durch diese fliesst ununterbrochen Blut. Darüber, an Kleiderbügeln, hängen zahlreiche Leichen. Herr Predoew, der draussen auf dem Gehweg zurück geblieben ist, wagt sich noch nicht in die die Fabrik. Irina überwindet ihre Angst, nähert sich einer Leiche und betrachtet sie, als hätte sie so etwas noch nie zuvor gesehen. Doch dann erschrickt sie. Unter einer Leiche hängt ein totes Kind, das sie anblinzelt. Jetzt hat sie genug! Sie stürmt schreiend hinaus. Herr Predoew kommt ihr entgegen und umarmt sie. «Komm, lass uns hier weggehen, es ist unglaublich, dass es hier eine Leichenfabrik gibt.»
Irina ist frustriert, da sie immer noch in Träumlitz feststeckt und noch keinen Weg gefunden hat, um aufzuwachen und zurück zu ihrem echten Leben in Frankenbaum am Rhein zu gelangen. Sie legt sich auf den ausgetrockneten Gehweg, den sie vom ersten Träumlitz Besuch kennt und hofft auf eine Rückkehr. Sie dreht sich mit geschlossenen Augen auf dem Boden, zuerst auf den Rücken und dann auf den Bauch. Doch es hilft nichts, was sie bedauert, und auch Herr Predoews Hilfe ist erfolglos. In Irinas Pyjama steckt inzwischen viel Sand. Sie ist verärgert darüber, weil sie nicht verschmutzt aufwachen will.
Auf einmal rumpelt es, und der Boden beginnt zu beben. Eine feurige Schrift erscheint mit den Worten: «Willkommen in Träumlitz, hahaha. Blutige Grüsse, euer Geist Torbellino». Irina verspürt Angst und sucht Halt bei ihrem Freund, der sie liebevoll umarmt. Beide stehen verzweifelt da und sind unschlüssig, was sie tun sollen. «Kann ich dir helfen?», fragt jemand Irina. Die Stimme kommt ihr bekannt vor; es ist ihr verstorbener Lehrer, der ihnen hinterher gegangen ist. Er warnt sie vor Torbellino und dessen Gefährlichkeit. «Was willst du von uns? Du bist tot, lass Irina in Ruhe!» schreit Predoew wütend. Der Lehrer wirft ihm einen finsteren Blick zu und schwebt durch die Mauer eines Hauses davon. Das macht die beiden noch unruhiger, denn es handelt sich offensichtlich nicht um den echten Lehrer, sondern um einen Geist, was nichts Gutes verheisst.
Nach einer längeren Wegstrecke entdeckt Irina ein altes, unheimliches Gebäude. Ein Türschild fehlt. Die Bewohner wollen anonym bleiben. Die Tür des Hauses hängt schief, als könnte sie jeden Moment aus den Angeln fallen. Rings um das Haus verläuft eine Mauer, die das Gebäude schützen soll. Irinas Neugier ist geweckt, sie will das Haus betreten. Ihr Begleiter zögert erneut und bleibt draussen stehen. Irina tritt ein und schaut in die verlassenen Zimmer. Überall liegen Papierfetzen, einst wohl wichtige Dokumente. Neben diesen sind blutige Spuren zu sehen. In einem der Räume findet sie eine Taschenlampe, die überraschenderweise noch funktioniert. Irina fragt sich, wer wohl hier gewesen ist. Unerschrocken erkundet sie die weiteren Zimmer im Haus. Alle Räume sind unbewohnt, nur im Wohnzimmer scheint sich jemand aufzuhalten. Irina hört Stimmen und versteckt sich im Schlafzimmer unter einem zurückgelassenen Bett.
Unter dem Bett entdeckt sie ein zerknittertes Blatt Papier. Darauf sind Zeichnungen zu sehen, die an einen Arbeitsplan erinnern. Einige Schriftzüge sind mit Mühe lesbar. Sie ist erschüttert von dem, was sie liest und beginnt leicht zu zittern. Sie muss sich jedoch zusammenreissen, um nicht entdeckt zu werden und bemüht sich, möglichst leise zu sein. «Plan A: Alle jungen Frauen, die unerwünscht nach Träumlitz gelangen, müssen getötet werden. Plan B: Die Leichname der Frauen werden den Vampiren vorgeworfen, damit sie Menschenblut aussaugen können. Das restliche Blut wird in Reagenzgläser abgefüllt. Torbellino, der Chefspiegelgeist, bringt sie dann zur Fabrik, wo neue Leichen hergestellt werden. Seid jedoch vorsichtig und haltet euch von den Gotteskindern fern. Manchmal gibt es hier Menschen, die nicht zu uns gehören.» Irina nimmt den Zettel an sich, faltet ihn so gut wie möglich und schleicht aus dem Raum. Vorsichtig bewegt sie sich in Richtung Wohnzimmer und beobachtet fünf Vampire, von denen zwei in Rollstühlen sitzen. Diese Geschöpfe wirken furchterregend. Sie haben lange, spitze Ohren, grässliche Zähne und ihre Gesichter haben einen grünlichen Farbton.
Herr Predoew, der draussen auf Irina wartet, wird unruhig und macht sich Sorgen. Er geht ins Haus und sieht Irina beim Lauschen zu. «Sei vorsichtig, schau dich gut um!», flüstert er ihr leise zu. Torbellino steht hinter Irina und bemerkt ihre Neugier, lässt sie aber in Ruhe und macht sich unsichtbar. Herr Predoew, der alles beobachtet hat, ist erleichtert, dass der Spiegelgeist verschwunden ist.
Irina belauscht weiterhin die Vampire im düsteren Wohnzimmer, wo kaputte Spiegel und zerrissene Arbeitspläne an den Wänden hängen. Auf dem schmutzigen Boden führt eine Blutspur zu einer vergitterten Metalltür. Irina öffnet sie, eine steinerne Treppe führt in den Keller hinunter. Irina bleibt auf der obersten Stufe stehen. Ängstlich ruft sie: «Hallo, ist hier jemand?». Da sie keine Antwort erhält, entscheidet sie sich, die Tür wieder zu schliessen. Sie entdeckt einen Putzschwamm und versucht den schmutzigen Boden und die seltsame Blutspur vor der Kellertür zu reinigen. Doch ohne Wasser gestaltet sich das jedoch als schwierig.
«Mit etwas Wasser gäbe es vielleicht auch eine Möglichkeit, in meinem Bett aufzuwachen, in der Nähe meiner Lieben», hofft Irina. Sie vergisst dabei, dass sie nicht allein in diesem Haus ist und ruft viel zu laut: «Herr Predoew, wenn ich einen Wasserhahn finde, können wir möglicherweise durch eine Wasserlache in die irdische Welt zurückkehren».
Doch Herr Predoew hört ihren Ruf nicht, da er sich zurück gezogen hat und sich draussen auf der Treppe ausruht. Auf eigene Faust schleicht Irina durchs Haus, bis sie ein Badezimmer findet. Sie dreht den Wasserhahn so weit auf, wie es nur geht. Wasser spritzt überall hin, und schon bald steht Irina bis zu den Knien im Wasser. «Mist!», denkt sie. Da ihr Begleiter nicht in der Nähe ist, versucht sie, sich zu retten, bevor das Wasser noch weiter steigt, und sie ertrinken könnte. Mit letzter Kraft klettert sie durch das Fenster. Bevor sie jedoch draussen ist, hört sie Schritte. Ein Vampir öffnet kurz darauf die Tür zum Badezimmer und kreischt. Irina denkt nicht länger über die Situation nach, sie ist einfach nur froh, wieder bei Herrn Predoew zu sein. «Wo warst du so lange? Das hätte böse enden können», stammelt ihr Freund ängstlich.
Irina bleibt stumm und hat Tränen in den Augen. Wieder hat sie eine Gelegenheit verpasst, um aufzuwachen. «Lass uns hier verschwinden, komm, beeile dich!», schreit sie hysterisch.
Herr Predoew schliesst sich Irina an, und gemeinsam verlassen sie über den Gehweg das geheimnisvolle Gebäude. Allerdings sind sie nicht alleine, was ihnen zuerst nicht bewusst ist. «Oh nein, hinter uns sind Vampire in Rollstühlen», bemerkt Irina. Ihr Begleiter rät ihr, nicht zurückzuschauen und weiterzulaufen. Beide sind ausser Atem, während das Haus in die Ferne rückt. Irina glaubt, endlich in Sicherheit zu sein. An der Strasse gibt es erneut eine Kreuzung mit Wegweisern, doch sie sind unlesbar. «Hm, hier sehe ich einen Kanaldeckel. Vielleicht sollten wir hinunterklettern und herausfinden, wohin der Kanal führt», schlägt Irina vor. Als sie versucht, den steinernen Deckel zu heben, ertönt ein lauter Knall, und der Deckel wirbelt durch die Luft. Herr Predoew, der neben ihr steht, wischt sich Schmutz vom Gesicht. Beide beginnen zu lachen, da sie nicht wissen, wohin der Deckel geflogen ist.
Irina steigt vorsichtig in die Kanalisation hinab. Ihr Freund ist davon wenig begeistert und getraut sich nicht, ihr zu folgen. Als sie alleine unten steht, fühlt sie sich aber unsicher, schliesslich schafft sie es, Herr Predoew zu überzeugen, zu ihr zu kommen. Das Wasser ist giftgrün und schmutzig, die Wände des Kanaltunnels sind von Pflanzen überwuchert. «Komm schon, wir müssen hier verschwinden, sonst bekommen wir grüne Flecken auf unseren Kleidern», sagt Irina ungeduldig. Das Schmutzwasser steigt plötzlich an, so dass Irina schwimmend eine Öffnung sucht. Ihr Begleiter fühlt sich unwohl und beginnt zu zittern, als er ein piepsendes Geräusch hinter sich hört. «Komm schon, du Feigling, wir schwimmen weiter. Mach dir keine Sorgen, ich bin ja bei dir», sagt Irina.
Zum guten Glück können sich die beiden auf eine steinerne Galerie retten. In der Ferne erblicken sie ein Licht. Es markiert eine hölzerne Türe, die wahrscheinlich aus dem Untergrund hinaus führt. Irina versucht die Tür zu öffnen, doch da ertönt ein lautes Geheul. Die beiden erschrecken und stolpern wieder ins grüne Wasser. «Ah, Hilfe!», ruft Herr Predoew. Irina reagiert spöttisch und nennt ihn einen Memme. Das heulende Geräusch schwillt an, Irina bekommt jetzt auch Angst und verliert ihren Mut. Die beiden tauchen unter Wasser in der Hoffnung, dass das Geräusch verstummt, doch dort wird es noch dröhnender. Irina glaubt ersticken zu müssen, sie braucht dringend Luft. Sie steigt aus dem Wasser auf die Galerie. Vor Schreck droht sie wieder ins Wasser zurückzufallen, denn ein grässliches Wesen mit roten Laseraugen starrt sie an. Es ist ein Vampir, begleitet von einem zweiten, der im Rollstuhl sitzt. «Hm, was haben wir hier, einen Eindringling?», faucht einer mit düsterer Stimme. Und schon nähert sich ein weiterer Unmensch. Auch Herr Predoew, der aus dem Wasser steigt, sieht diese Monster vor sich. «Irina, lass uns schnell verschwinden», sagt er, ergreift ihre Hand, und dann rennen sie gemeinsam los. Einen der Vampire, der sich ihnen in den Weg stellen will, können sie noch rechtzeitig ins Wasser stossen. Es entfaltet sich eine wilde Verfolgungsjagd, da ihnen auch die anderen Kreaturen nachsetzen. Die beiden laufen bis zur völligen Erschöpfung über die Galerie.
Mit Müh und Not erreichen sie wieder eine Holztür, die aus der Kanalisation hinausführt. Obwohl auch hier unheimliche Geräusche zu hören sind, schliessen sie die Tür vorsichtig auf. Hastig gehen sie hindurch und wollen wieder abschliessen, damit ihnen die Vampire nicht folgen können. «Oh nein, wo ist der Schlüssel? Er ist mir entglitten», ruft Irina verzweifelt. Herr Predoew versucht, sie zu beruhigen. Er entdeckt den Schlüssel auf dem dreckigen Boden und schafft es gerade noch rechtzeitig, die Tür hinter sich zu schliessen. Über eine hölzerne Treppe steigen sie auf. Beide sind überrascht, als sie auf einem Dachboden ankommen und fragen sich, was das soll.
«Toll, jetzt sind wir hier eingesperrt. Ich kann keinen Weg nach unten finden», beschwert sich Herr Predoew. Doch Irina hat eine Möglichkeit zur Flucht entdeckt. Sie findet ein geöffnetes Dachfenster und schlägt vor, dort hinauszuspringen. Ihr Begleiter zögert wie gewohnt, doch da es keine andere Option gibt, muss er schliesslich mit Irina springen.
Die beiden landen auf einem Heuhaufen, der sich weich und angenehm anfühlt. Komisch ist nur, dass sie wieder von zerfallenen Mauern umgeben sind. Es handelt sich um eine ehemalige Scheune im Stadtzentrum von Träumlitz. Irina erinnert sich, dass sie dort einmal zufällig vorbeigegangen ist, als sie eine Ehe geschlossen hat. Vom Standesamt sieht man jetzt nur noch Ruinen, da alles aus einem merkwürdigen Grund zerstört ist. Sie erzählt Herrn Predoew, dass sie einmal einen Bekannten geheiratet hat, und dass sie den Ehering, den sie am Ringfinger trägt, nicht mehr abziehen kann. Sie müsse dieses lästige Ding in Träumlitz immer tragen.
Auf dem Weiterweg begegnen sie einem Jungen, der nach seiner Mutter ruft. Irina setzt sich neben ihn. Das Kind schaut sie merkwürdig an und behauptet, sie sei seine Mutter. Irina steht auf und möchte sich mit Herrn Predoew heimlich davonstehlen. Doch der Junge folgt den beiden, ohne dass sie es merken. Irina äussert, dass sie erschöpft sei und sich gerne hinsetzen würde, allerdings gibt es im Augenblick keine bequeme Möglichkeit, um sich auszuruhen.
Herr Predoew wird ungeduldig, denn Irina klagt dauernd über quälende Schmerzen, die von ihren Füssen ausgehen, sie könne einfach nicht mehr schnell laufen. «Hör endlich auf zu klagen. Ich glaube, ich habe herausgefunden, wie wir aus Träumlitz entkommen und dann wieder in der realen Welt aufwachen können», sagt er genervt. Er wischt Irina die Tränen vom Gesicht und versucht, sie zu beruhigen.
Nach einem langen und mühsamen Spaziergang durch die Stadt entdecken die beiden in der Ferne eine Wiese. Irina beginnt hoffnungsvoll zu lächeln. Ob es dort einen Ausweg gibt? Doch ihre Freude ist verfrüht. Plötzlich spürt sie Hände, die ihren Rücken berühren. Eine Stimme flüstert: «Mama, warte auf mich, du kannst mich nicht einfach im Stich lassen.» Beide erschrecken für einen Moment, da es sich um den Jungen handelt, der Irina für seine Mutter hält. In Gedanken möchten sie sich die beiden am liebsten still und leise davonstehlen, doch sie können es nicht übers Herz bringen und fragen den Jungen nach seinem Alter und dem Aufenthaltsort seines Vaters. Das Kind kann jedoch keine dieser Fragen beantworten und weiss seltsamerweise nicht einmal, wie alt es ist. Es ist frustrierend. Kurz darauf erscheint ein weiteres Kind, das aussieht wie Irina mit acht Jahren.
«Ach Mist, das sind zwei Dämonen, wir wurden hereingelegt. Lass uns hier verschwinden!», ruft Herr Predoew ängstlich. Der Junge und das Mädchen vermehren sich und umzingeln Irina. Mittlerweile sind es schon sieben dieser Wesen. Irina ist völlig verzweifelt und weiss nicht, wie sie damit umgehen soll. Vor Angst zitternd hat sie jedoch eine geniale Idee. «Wir sollten versuchen, in dieser Dimension zu Gott zu beten. Er kann uns helfen, aber wir müssen es im echten Glauben tun.» Herr Predoew ist davon nicht begeistert, da er nichts mit dem Glauben an Jesus Christus anfangen kann. Doch er gibt nach, und beide fordern die Dämonen im Namen Gottes auf, zu verschwinden. Es scheint zu wirken, denn diese werden unsichtbar. Irina umarmt Herrn Predoew und ist froh, dass er bei ihr geblieben ist. Hand in Hand setzen sie ihren Weg fort.
«Komm, lass uns auf der weichen Wiese entspannen», flüstert Irina Herrn Predoew zu. Er zeigt sich offen für die Idee und legt sich neben sie. Sie verbringen dort eine Weile, während viele Gedanken durch ihren Kopf schwirren. Plötzlich spüren sie etwas Feuchtes und realisieren, dass ihr gemütlicher Platz ein schwindender Weiher ist. Irina ist darüber erfreut und hofft, dass sie durch dieses Gewässer nach Hause gelangen können. «Sieh mal, hier gibt es einen wässerigen Bereich, das ist ein gutes Zeichen. Lass uns hier durchgehen. Ich erinnere mich, dass man durch Weiher und Wasserfälle zurückkehren kann», ruft Irina begeistert. Beide stehen auf und gehen vorsichtig in die Wasserlache. Irina kneift die Augen zusammen und wünscht sich Glück, doch dann kommt die grosse Enttäuschung. Sie haben bloss nasse Füsse und befinden sich immer noch in Träumlitz. Dennoch geben sie nicht auf und suchen weiter nach einem Ausweg. Doch es passiert nichts. Irinas Begleiter verliert erneut die Geduld. Dennoch fasst er sich und versucht weiterhin, gemeinsam mit Irina, einen Ausweg zu finden.
Irina vernimmt eine Vielzahl von Stimmen. Es scheint, als ob sich mehrere Personen in dieser merkwürdigen Dimension aufhalten. Sie wird von den Stimmen magisch angezogen und fragt sich, wer sich hinter der Gartenhecke befindet. Ihr Freund hält sie jedoch zurück und warnt sie davor, auf die Stimmen zuzugehen, da es sich auch um eine Falle handeln könnte, und sie möglicherweise erneut von Geistern umzingelt würden.
«Irina, hast du wirklich keine Angst? Es ist merkwürdig, dass du einerseits hier alles entdecken willst und andererseits glücklich darüber wärst, Träumlitz verlassen zu können», äussert Herr Predoew verärgert. Nachdenklich blickt sie ihn an und erklärt, dass sie keine Furcht vor den Dämonen habe, da sie eine andere Kraft in sich trage. Irina verdeutlicht, dass jemand, der die Macht Gottes besitzt, sich vor diesen Kreaturen nicht fürchten müsse. Dennoch gibt sie zu, dass sie manchmal verwirrt sei, da Träumlitz eine andere Dimension darstellt, und sie schon einmal getäuscht worden sei. Nur vor dem Spiegelgeist Torbellino habe sie ein gewisses Unbehagen, da dieser ihr fast zum Verwechseln ähnlich sehe.
Da ihr Begleiter diese Überlegungen nicht teilt, bleibt er schweigsam und hört lediglich zu. Er gibt keinen Kommentar ab und verhält sich eine Zeit lang still. Nach einer Weile wagt er dann doch, etwas zu sagen: «Ah, interessant, eine Frau, die keine tiefgreifende Angst empfinden kann.» Irina wendet sich beleidigt von ihm ab und blickt auf die Wiese. «Denkst du nicht, dass wir uns an einer anderen Stelle ausruhen sollten?», murmelt Herr Predoew und gähnt. Irina sieht ihn seltsam an und nennt ihn einen Faulpelz. Sie hat kein Interesse, hier herumzusitzen und möchte lieber nach einem Ausweg suchen. «Ist hier irgendjemand? Wer kann uns helfen, hier wegzukommen?», ruft sie laut.
Irinas Hilferuf bleibt unbeantwortet, und das Echo ihrer Stimme hallt zurück. Und wieder beginnt die Erde unter ihr zu beben, der Boden wird von zahlreichen Rissen durchzogen. Irina taumelt und stürzt, auch Herr Predoew verliert das Gleichgewicht und fällt zu Boden. Die beiden werden durch die sich teilende Erde voneinander getrennt. «Hilfe, kommen Sie zu mir!», ruft Irina. Doch ihr Begleiter kann ihr nicht beistehen, da er sich auf der anderen Seite des Risses befindet. Er steht auf, nimmt einen langen Anlauf und versucht zu Irina hinüberzuspringen. Aber das gelingt ihm nicht, er rutscht aus und fällt zu Boden. Der Riss wird immer breiter. Irina versucht ebenfalls aufzustehen, doch sie rutscht immer wieder auf dem nassen Gras aus. Beide geben schliesslich auf und bleiben auf dem Boden liegen, getrennt durch den breiten Riss. Irina hofft, dass das Beben bald endet und der Riss nicht weiter wächst. Doch dieser hat sich mittlerweile in eine grosse Schlucht verwandelt. Irina rutscht beinahe aus, kann sich aber an Grasbüscheln festhalten, um nicht in die Tiefe zu stürzen. Sie fragt sich, was sich in der dunklen Schlucht befindet oder was dort geschieht. «Herr Predoew, wo sind Sie?», ruft sie verzweifelt, erhält jedoch keine Antwort, und ihr Herz beginnt panisch zu klopfen. Ihr Körper fühlt sich kalt an, ihre Beine kann sie kaum spüren, sie friert. Sie wälzt sich hin und her, um sich aufzuwärmen. Staunend stellt sie fest, dass sich ihre Hose rot färbt und auf den Seiten Taschen wachsen. Vor ihr liegen längliche, rote Kapseln, die wie Medikamente aussehen. Vorsichtig berührt Irina mit einem Finger eines dieser Dinge.
Sie sammelt die Kapseln ein und sucht nach weiteren. Sie steckt sie in ihre rechte Hosentasche. Jetzt will sie nur noch herauszufinden, welche Wirkung sie haben. Dabei vergisst sie, dass hinter ihr die Schlucht ist. Sie rutscht aus, fällt in die Tiefe und landet mit dem Rücken auf einer harten Felsplatte. «Ah, wo bin ich?», fragt sie sich, während sie vor Schmerzen stöhnt.
Sie stellt fest, dass ihr linker Fuss leicht blutet. Mit einem Ärmel ihres Pyjamas versucht sie ihn zu reinigen. Doch ihre Bemühungen sind vergeblich und die Blutung bleibt bestehen. Auch ein zweiter Versuch ist erfolglos. Einen Ausweg aus der Schlucht kann sie auch nicht sehen, denn es gibt keinerlei Licht. Als sie aufstehen will spürt sie Wasser, das die Felsplatte umgibt. Leider reicht der Wasserstand nicht aus, um darin zu schwimmen. Dafür verschwindet unerwartet das Blut von ihrem Fuss. Ein mulmiges Gefühl überkommt sie, und sie ruft nach Herrn Predoew. Vergeblich. Nun ist sie ganz auf sich allein gestellt und muss herausfinden, wie sie aus der finsteren Tiefe entkommen kann.
Plötzlich hört sie das Flügelschlagen von Vögeln. Sie vermutet, dass es von überdimensionalen Geiern kommen muss, die sich über abgestürzte Tiere her machen. Irina steht auf und watet ein Stück weit einer Felswand entlang. Doch ihr Gefühl von Unsicherheit wächst, und verzweifelt lehnt sie sich gegen die Wand. Wasser tropft von ihrer Hose mit den aufgeblähten Säcken. Sie fragt sich, was wohl die roten Kapseln sollen, die beinahe herausfallen. Haben sie eine Wirkung? Sie nimmt eine davon in die Hand, winzige, kaum lesbare Schriftzeichen leuchten auf: «Hoch hinauf in Luft hinaus». Was wohl das bedeuten mag? Irina entscheidet sich, ein Risiko einzugehen und lutscht an einer dieser Kapseln. Der Geschmack ist köstlich, er erinnert an Erdbeeren. Plötzlich fühlt sie sich federleicht und bemerkt, dass sie über dem Boden schwebt. «Oh, was? Ich kann fliegen?», staunt sie. Vor Schreck stösst sie einen Schrei aus.
Irina hat kalt. «Brr, das ist wirklich frostig», zittert sie. Mit beiden Händen reibt sie sich Arme und Beine, doch das hilft nicht. Auf einmal vernimmt sie ein Plätschern. Woher das wohl kommen mag? Vorsichtig watet Irina weiter. Das Geräusch wird immer lauter. Zu ihrer Überraschung entdeckt sie in der Felswand einen Lichtstreifen, durch den sie die Schlucht verlassen kann, aber noch immer in der Tiefe bleibt. Zu ihrem Trost gibt es zumindest Tageslicht. Erleichtert atmet sie auf. Vor ihr erstreckt sich ein Weiher, und das Plätschern stammt von einem Wasserfall, der in diesen stürzt. Sie freut sich, weil sie hofft, durch dieses Wasser aus Träumlitz entkommen zu können, gespannt betritt sie das Gewässer. Ob dies der Weg zurück in die reale Welt sein wird? Nein, erneut wird sie enttäuscht, sie wird nur ganz nass. «Oh nein, ich bin immer noch hier», ruft sie verzweifelt.
Das gesamte Gebiet um den Weiher herum ist sumpfig. Sie versucht auf festen Boden zu gelangen, doch sie sinkt noch weiter ein, bis zu den Knien und hat immer grössere Mühe, sich fortzubewegen. Es scheint nicht leicht zu sein, aus diesem Sumpf zu kommen. «Was soll ich jetzt tun? Ich komme nicht weiter», denkt Irina besorgt. In der Ferne kann sie einige Bäume erkennen. Von dort her hört sie eine männliche Stimme, diese kommt ihr bekannt vor. Zu ihrer Überraschung ist es Herr Predoew, der sich mit jemand anderem unterhält. Irina ruft ihm freudig und laut zu. Er hört ihren Ruf und eilt in ihre Richtung, während sie immer tiefer einsinkt. Tränen füllen ihre Augen und ihr Herz schlägt schnell. Sie hofft, dass ihr Begleiter sie rechtzeitig vor dem Ertrinken retten kann. «Irina, ich komme gleich zu dir, mein Schatz», ruft er ihr zu. Irina ist so weit eingesunken, dass nur noch ihre Hände aus dem Schlamm herausragen. Sie spürt, wie jemand sie packt und mit aller Kraft herauszieht. Es ist Herr Predoew, der offenbar unsinkbar ist und sie in höchster Not rettet. Die beiden umarmen einander vor Freude und setzen ihren Weg gemeinsam fort. Sie hält ihn vorsichtshalber an der Hand, um nicht erneut in den schmutzigen Sumpf zu sinken.
Ihr Begleiter berichtet von Menschen, die ebenfalls nach Träumlitz gelangt sind. Er erklärt, dass er wegen eines kleinen Risses in der Wiese gewarnt wurde, weil sich dahinter Verstorbene aus der realen Welt aufhalten, die seltsamerweise aber keine Geister sind. «Oh nein, wird dieser Spuk in Träumlitz denn niemals enden?», klagt Irina. Jetzt muss sie jedoch mutig bleiben und sich nicht fürchten. Sie erzählt Herrn Predoew von den roten, länglichen Kapseln, die sie gefunden hat und in ihren Hosentaschen aufbewahrt. Nach dem Verzehr einer Kapsel habe sie ein leichtes Gefühl des Schwebens verspürt. Merkwürdig.
Irina und Herr Predoew fühlen sich nach dem langen Fussmarsch durch den Wald erschöpft. Beide beginnen zu gähnen und suchen einen weichen Platz unter einem Baum. «Wow, es wird allmählich dämmerig, hier könnten wir gut rasten», sagt Irina. Sie lehnt sich an Herrn Predoew und schläft in seinen Armen ein. Er bleibt noch eine Weile wach, während sich der Himmel verdunkelt und funkelnde Sterne sichtbar werden. Irina schläft tief und fest, weshalb er sie nicht wecken möchte. Die Nacht vergeht viel zu schnell, und das Licht des Morgens kehrt zurück.
Herr Predoew wird durch ein Geräusch geweckt. «Irina, Irina, wach auf!», flüstert er. Sie gähnt und ist etwas verärgert. Noch immer müde vergisst die junge Frau, dass sie sich in Träumlitz befindet, und sehnt sich danach, wieder einzuschlafen. Ihr Begleiter ist ungeduldig, weil Irina so träge wirkt. «Wir müssen hier weg!», bestimmt Herr Predoew mit strenger Stimme.
Die beiden machen sich wieder auf den Weg. Sie vernehmen ein Geräusch und vermuten, es könnte ein Tier sein, da eine Spur darauf hinweist. Herr Predoew zeigt sich etwas ängstlich: «Irina, beeil dich, könntest du nicht ein klein wenig schneller gehen?». Darauf erhält er keine Antwort, da Irina noch von ihrer Müdigkeit geplagt wird. Sie gehen weiter durch den Wald, bis Irina überrascht stehen bleibt. Sie entdeckt den Baum, unter dem sie geschlafen haben. Komisch ist nur, dass er jetzt von Tannen umgeben ist. An jeder Tanne hängen viele kleine Spiegel, die so hell leuchten, dass Irina alles verkehrt herum sieht. Herr Predoew stürzt zu Boden, weil ihn einer dieser Spiegel geblendet hat. Irina verspürt erneut ein Gefühl der Unsicherheit und schliesst die Augen. Das hilft ihr jedoch nicht, und sie fällt auch zu Boden. Sie bleibt liegen und beginnt zu weinen, da ihr Begleiter bewegungslos neben ihr liegt. «Bitte wachen Sie auf, lassen Sie mich nicht allein. Wach auf, mein Schatz!» Traurig streichelt Irina seine Hand und gibt ihm einen Kuss auf die Wange, in der Hoffnung, dass er wieder zu sich kommt. Dann legt sie ihren Kopf auf seinen Bauch und wünscht, dass er seine Augen öffnet. Dabei bemerkt sie nicht, dass sie beobachtet wird. Endlich schlägt Herr Predoew die Augen auf. Irina ist erleichtert, dass ihr Freund wieder bei Sinnen ist. Doch der ist noch müde, und findet sich nicht sofort zurecht.
Noch wankt Herr Predoew etwas, Irina hält ihn deshalb an der Hand, bis er wieder sicher gehen kann. Doch sie sind anscheinend nicht allein, da sie beim Gehen Schritte hinter sich hören. «Oh nein, Irina, du musst mir jetzt versprechen, nicht nach hinten zu schauen. Wir müssen so schnell wie möglich rennen.» Glücklicherweise befolgt sie seinen Rat und setzt seine Anweisungen um. Dennoch wird Irina neugierig. Während sie weiter rennen, stellt sie ihrem Begleiter keuchend unzählige Fragen. Der bleibt plötzlich stehen, denn ein Verfolger ist nicht mehr zu hören, und schaut sich verständnislos um. Irina erklärt ihm, dass sie sich immer noch unter der Erde befinden, da sie in die Schlucht gefallen seien. Er ergänzt, dass er aus Angst geschrien habe, als er in die Schlucht gefallen sei.
«Herr Predoew, schauen Sie, dort führt ein Weg auf einen Hügel. Wir müssen diesen nehmen, wahrscheinlich erreichen wir dann wieder die Oberfläche, wo ich meine Kapseln gefunden habe.» Doch auf halber Strecke stellen überrascht fest, dass der Weg endet.
«Mach dir keine Sorgen, es wird sicherlich einen Ausweg geben, damit wir zur Wiese an der Oberfläche gelangen», sagt Herr Predoew. Als es im Wald etwas ruhiger wird, offenbart er, dass sie vom Spiegelgeist Torbellino verfolgt worden seien und deshalb schnell handeln mussten. Er vermutet, dass diese Spiegel an den Tannen dem Geist gehören.
Irina hat eine Idee: Sie schlägt Herrn Predoew vor, die roten Kapseln, die sie entdeckt hat, zu kauen. Sie hofft, dadurch fliegen zu können, steht doch auf den Kapseln 'Hoch hinauf in Luft hinaus'. Er zeigt sich nicht begeistert und lehnt zunächst ab. Doch Irina gelingt es, ihn zu überzeugen. Sie begeben sich auf den weglosen kleinen Hügel. Dort wollen sie eine Kapsel kauen, aufspringen und erfahren, ob sie fliegen können. «Wir müssen schliesslich irgendwie aus der Tiefe an die Oberfläche kommen», räuspert sich Irina. Ihr Begleiter stimmt zu, und sie kauen eine dieser roten, länglichen Kapseln.
Hand in Hand möchten sie durch die Luft gleiten. Doch es klappt nicht so, wie sie es sich erhofft haben. «Autsch, mein Rücken!», ruft Herr Predoew. Seine Kapsel zeigt keine Wirkung, und er fällt zu Boden. Irinas Kapsel hingegen funktioniert hervorragend, und sie schwebt wie ein Vogel durch die Luft. Ihre leuchtend roten Hosen strahlen und ihre Energie ist beeindruckend. In diesem Moment denkt sie nicht an Herrn Predoew und lässt ihn rücksichtslos zurück. Irina fliegt mit voller Kraft hinauf, bis zu einer Baumkrone und singt laut: «Hoch hinauf in Luft hinaus, oh wie schön das Leben sein kann.» Sie spürt ihren Körper kaum. Es fühlt sich alles federleicht an, ein Wohlbefinden durchströmt sie. Sie bewegt ihre Arme als würde sie schwimmen. Fröhlich beginnt sie ein Lied zu singen und vergisst dabei, dass sie sich in Träumlitz befindet. Noch während des Flugs lässt die Wirkung der Kapsel nach, sie nimmt deshalb eine weitere zu sich. Die anderen bewahrt sie auf, in der Hoffnung, sie später verwenden zu können.
Von einer hohen Position aus erblickt sie in der Ferne einen weiteren Wasserfall. Ihre Energie reicht trotz der zweiten Kapsel nicht aus, und sie stürzt auf eine Wiese hinab. Glücklicherweise landet sie weich in einem Gebüsch. Neugierig schaut sie sich um und erkennt, dass sie leider nicht an dem Ort ist, wo sie in die Schlucht gefallen ist. «Wo bin ich? Hier ist niemand in der Nähe», denkt sie verzweifelt. Sie reisst sich jedoch zusammen und bemüht sich, nicht in Panik zu geraten.
Erst jetzt verspürt sie überall einen Juckreiz. Ihr Gesäss ist von kleinen Stacheln übersät, die sich in ihrer Kleidung verfangen haben. Sie kratzt sich und hofft, dass das unangenehme Gefühl bald nachlässt. Irina zieht ihr Oberteil aus und schüttelt es, doch das bringt ihr wenig, der Juckreiz bleibt bestehen und sie zieht es wieder an. Sie versucht, die Situation zu ignorieren und herauszufinden, wo sie sich befindet. Alles um sie herum ist unbekannt, und sie kann sich nicht erinnern, jemals hier gewesen zu sein.
Plötzlich stolpert sie über etwas Weisses und fällt in eine Pfütze. «Welch Pech, schon wieder schmutzig!», ruft sie frustriert. Ein Schauer überkommt sie, als sie bemerkt, dass unter ihren Füssen Knochen liegen und weitere auf einer Wiese verstreut sind. Es macht ihr etwas Angst, doch sie fasst einen der Überreste an, um zu überprüfen, ob sie einen Albtraum hat. Als ihr klar wird, dass die Situation echt ist, schreit sie beinahe. «Aber wessen Knochen sind das? Von welchem Wesen stammen sie?», sagt sie lauter, als beabsichtigt. Sie versucht die Knochen zu ignorieren und geht einfach darüber hinweg. Doch noch beschäftigt sie der Gedanke an Herrn Predoew, den sie zurückgelassen hat. Mit einem schlechten Gewissen und mit feuchten Augen ruft sie ihm. Doch es bleibt still, offensichtlich ist er nicht in der Nähe. Irina erkennt, dass die Knochen auf dem Weg menschlichen Ursprungs sind. Sie ist schockiert, doch ihr Interesse daran, herauszufinden was hier vor sich geht, wächst. «Ein Friedhof? Kann so etwas hier wirklich sein?», denkt sie bei sich, «wohl kaum, aber was könnte es dann sein?“ Sie fühlt sich bedrückt. Der Ort ist äusserst unangenehm, denn es handelt sich um eine Totenschlucht. «Wie komme ich hier nur vorbei?», denkt sie verzweifelt, «einen Umweg gibt es nicht.» Sie nähert sich einem morschen Baumstamm, hinter dem zahlreiche blasse Menschen sitzen. Sie wirken ausgehungert und ihre Gesichter sind fahl und eingefallen. Irina wendet sich an eines dieser Wesen und bittet es darum, Platz zu machen, da sie passieren muss. Doch keiner der halb lebenden Menschen reagiert auf sie. Irina sieht sich nun gezwungen, sich durchzudrängen. «Pass doch auf, du bist soeben auf mich getreten», beschwert sich ein bleicher Mann. Sie geht vorsichtig weiter und versucht, keines der Wesen zu berühren. Ein mulmiges Gefühl überkommt sie, als sie den Weg über den Baumstumpf hinter sich lässt.
Als sie sich umdreht, wird ihr bewusst, dass diese Menschen noch leben. Bei ihrem letzten Kontakt hatte ihr eines dieser Wesen erklärt, dass sie zwar tot seien, jedoch die Wahl zwischen Himmel und Hölle oder abzuwarten hätten. Irina will sich jedoch nicht an dieses Erlebnis erinnern, da sie bei ihrem letzten Zusammentreffen von einem Halbtoten berührt wurde und dabei sehr erschrocken war.
Von ihrem langen Spaziergang fühlt sich Irina erschöpft, sie wünscht sich, einen Baum zu finden, unter dem sie sich ausruhen kann. In der Ferne erblickt sie eine mächtige Linde. «Wie komme ich nur dorthin?», denkt sie. Der Baum scheint jedoch näher zu sein, als sie annimmt, ihre Müdigkeit hat sie die Distanz falsch einschätzen lassen. Schliesslich fällt Irina zu Boden und verletzt sich am Knöchel. «Oh nein, auch das noch, schon wieder mein Hallux», stöhnt sie unter Schmerzen. Trotzdem schläft sie auf dem harten Gehweg ein und träumt von ihrer Heimat, «Frankenbaum am Rhein». Doch leider ist sie nach wie vor in Träumlitz.
Etwas Hartes drückt auf Irinas Rücken, so dass sie erwacht. Sie merkt, dass sie an die dicke Linde gefesselt ist, zu der sie unterwegs war. Irina beginnt zu weinen und ruft um Hilfe, doch niemand antwortet. Erst nachdem sie sich beruhigt hat und erneut eingeschlafen ist, vernimmt sie eine männliche Stimme. «Irina, ich bin hier», flüstert diese. Es ist Herr Predoew, der ebenfalls durch diesen Wald nahe der Totenschlucht gewandert ist. Die junge Frau lächelt vor Freude. «Pst, wir müssen vorsichtig sein, der Spiegelgeist Torbellino hat mich gefesselt, ich bin auf der anderen Seite des Stammes.» Irina ist überrascht. Sie hat nicht gewusst, dass Torbellino Menschen berühren kann. Nun vermutet sie, dass auch sie von ihm gefangen wurde. Sie versucht verzweifelt ihre Fesseln zu lösen, indem sie sich am Baum reibt. Leider bleibt dies vergeblich, sie kann sich nicht aus ihrer Gefangenschaft befreien.
«Irina, ich bin frei, mein Seil ist gerissen», murmelt Herr Predoew. Vorsichtig schleicht er zu Irina und unterstützt sie dabei, sich zu befreien. Irina umarmt ihn mit Tränen vor Freude. Doch er muss sie warnen, da er nicht sicher ist, ob Torbellino noch in der Nähe ist und sie beobachtet. Beide entscheiden sich, vorsichtig davon zu schleichen und möglichst auf nichts auf dem Boden zu treten, damit es keine Geräusche gibt. Irina verspürt ein wenig Angst, doch sie haben kaum eine andere Möglichkeit, wenn sie hier entkommen möchten.
Irina hat eine Idee. «Wir könnten einen zweiten Versuch mit den roten Kapseln machen, um zu entkommen», flüstert sie ihrem Begleiter zu. Dieser reagiert jedoch nicht mit Begeisterung, da er beim letzten Versuch im Stich gelassen wurde. «Das kommt nicht in Frage, diesmal bleibst du bei mir. Ich möchte dich nicht noch einmal verlieren.» Aufgrund der Situation geraten sie in einen Streit. Schliesslich gibt er nach und sagt zu Irina, dass sie ihren eigenen Weg gehen solle, er komme auch ohne sie zurecht.
Herr Predoew, der sich allein durch Träumlitz wagt, fühlt sich doch etwas unsicher. Ein mulmiges Gefühl überkommt ihn. Er blickt umher und hofft, auf der anderen Seite des Wasserfalls anzukommen, den er zusammen mit Irina entdeckt hat. Plötzlich wird er von einem grellen Licht geblendet und stürzt zu Boden. In der Ferne sieht er eine goldene Pyramide, umgeben von Bäumen. Er vernimmt auch Stimmen anderer Menschen, die indianische Lieder singen. Das lässt nichts Gutes erahnen. Er erinnert sich noch an sein erstes Erlebnis in Träumlitz. Zögernd bleibt er stehen und beschliesst, zu Irina zurückzukehren. «Irina, Irina, wo bist du? Es tut mir leid, dass ich weggegangen bin!», ruft er verzweifelt in den Wald.
«Ich bin da, mein Schatz», ruft Irina fröhlich und springt in die Arme von Herrn Predoew. Sie küssen einander. Irinas Begleiter berichtet von der goldenen Pyramide, die er entdeckt hat, sowie von den indianischen Melodien. Er erklärt Irina, dass es wahrscheinlich der gleiche Ort ist, an dem sie sich erstmals in Träumlitz begegnet sind.
Irina und Herr Predoew befinden sich immer noch in der Nähe der dicken Linde. Plötzlich stolpert die junge Frau über das am Boden liegende Seil, mit dem sie zuvor gefesselt waren. Zögernd fragt sie ihren Freund erneut, ob er nicht noch einmal versuchen möchte, eine Kapsel zu kauen, damit sie gemeinsam fliegen könnten. Er lässt sich überzeugen und bindet das eine Ende des Seils um seinen Bauch. «Was tust du da?», fragt Irina. Herr Predoew plant, sich damit zu sichern und den anderen Teil des Seils um Irina zu wickeln. «Wenn wir beide die rote Kapsel nehmen und es bei mir wieder nicht funktioniert, sind wir verbunden, und wenn du fliegst, kannst du mich mitschleppen.» Irina ist nicht besonders begeistert, da sie befürchtet, dass ihr Begleiter schwerer ist als sie, und sie das Gleichgewicht in der Luft verlieren könnte. Doch sie haben nicht viel Zeit, um über alles nachzudenken. Irina sehnt sich einfach danach, endlich aus Träumlitz zu entkommen und in ihrem Bett in Frankenbaum am Rhein aufzuwachen.
«Komm, lass uns auf den Baum klettern. Wir müssen aus der Höhe springen, um fliegen zu können», empfiehlt Irina. Herr Predoew hat ein wenig Höhenangst und zittert mit den Händen. Nachdem die beiden in die Baumkrone geklettert sind und sich auf einem Ast niedergelassen haben, können sie die goldene Pyramide in der Ferne bewundern. Nun beginnt auch Irina zu zittern, da sie ebenfalls nicht schwindelfrei ist. Herr Predoew nimmt ihre Hände, um sie zu beruhigen. «Wow, schau mal, gerade sind ein paar besondere Tiere vorbeigeflogen, sie sehen aus wie kleine Flugsaurier», staunt Irina. Ihr Begleiter hat jedoch ein merkwürdiges Gefühl und möchte die Vögel nicht näher betrachten. «Komm Irina, lass uns die Kapsel einnehmen und davonfliegen», stammelt Herr Predoew. Irina schaut konzentriert auf die Pyramide und erinnert ihren Freund daran, dass dieser Ort nicht sicher sei. «Weisst du noch, wie wir in dieses Gebäude gestürmt sind und beinahe von einer Menschenmenge überrannt wurden? Dort gab es merkwürdige Ureinwohner, die uns verfolgt haben», sagt Irina. Ängstlich erklärt sie Herrn Predoew, dass sie auf keinen Fall dorthin zurückkehren möchte, und dass sie beim Fliegen darauf achten müssen, das Gleichgewicht zu halten, damit sie nicht hinunterfallen. Irina bindet nun das andere Seilende um ihren Bauch, so dass sie mit Herrn Predoew verbunden ist. Nun kann es losgehen.
Als die beiden abheben, beginnt Herr Predoew zufrieden zu lächeln. «Irina, ich schwebe tatsächlich! Die Kapseln haben funktioniert.» Irina wird jedoch misstrauisch, da es nicht einfach ist, jemanden an einem Seil durch die Luft zu ziehen. Sie fliegen über eine grosse Wiese, auf der Tiere leben, die fast wie kleine Dinosaurier aussehen. Es handelt sich jedoch nicht um Urtiere, sondern um einzigartige Geschöpfe aus Träumlitz. «Sieh nur, wie schön das ist! Hinter uns fliegen kleine Vögel mit Gesichtern, deren Augen den Menschen ähnlich sind, ihre Köpfe sind aber flachgedrückt und ihre Schnäbel fast so lang wie menschliche Arme», schwärmt die junge Frau. Ihr Begleiter weist sie darauf hin, dass er sich aufs Schweben konzentrieren muss und nicht gleichzeitig sprechen kann. Am Himmel ziehen Wolken auf, wodurch die Sicht stark eingeschränkt wird. Irina ist verzweifelt und bemüht sich, nicht mit einem der Vögel zusammenzustossen.
Plötzlich reisst das Seil, und die beiden verlieren einander im Nebel. Irina merkt erst nachträglich, dass alles leichter geht, weil ihr Begleiter nicht mehr am Seil hängt. «Herr Predoew, wo sind Sie?», ruft sie verzweifelt. Durch den dichten Nebel sieht sie fast nichts, sie beschliesst deshalb zu landen. Sie bewegt ihre Arme kräftig, als würde sie schwimmen. Schliesslich entdeckt sie eine Wiese, auf der sich die sonderbaren Wesen mit Früchten der Bäume ernähren. Vorsichtig stellt Irina ihre Füsse auf den Boden, um das Gras zu fühlen. Sie setzt sich behutsam hin und beobachtet die seltsamen Tiere, die Nahrung holen und sich gegenseitig jagen. Einige von ihnen sind fleischfressende Vögel, etwa so gross wie eine menschliche Hand. Eindrücklich sind auch die seltsamen Kreaturen, die lange Hälse wie Giraffen haben. «Wo sind nur die merkwürdigen Vögel, die ich während des Schwebens gesehen habe?», denkt Irina und vergisst dabei, dass Herr Predoew verloren gegangen ist. Neugierig geht sie auf die Suche.
Ganz in der Nähe ihres Landeplatzes befindet sich eine kleine Höhle. «Was könnte sich wohl darin befinden?», fragt sich Irina. Um hineinzukommen, muss sie in die Knie gehen, da der Eingang sehr nieder ist. Sie kriecht hinein und stösst sich dabei den Kopf an. «Igitt, der Boden hier ist schlammig, und ich kann nichts sehen, weil es dunkel ist», schreit Irina laut und hysterisch.
In der Höhle, in die sich Irina gezwängt hat, leuchtet ein grünes Licht. Sie beobachtet räuberische Vögel, die gerade andere kleine Tiere fangen. Trotz dieser Szenerie fühlt sich Irina unwohl und versucht, aus dem engen Raum zu entkommen, da sie kaum Bewegungsfreiheit hat. Plötzlich beginnen die Vögel zu kreischen. Hinter ihren Schnäbeln befindet sich ein zweites Gebiss mit grässlichen, scharfkantigen Zähnen. Der Kopf dahinter ist kaum zu erkennen, da er flach und deformiert aussieht. Die Augen strahlen in einem unheimlichen Rot. Am langen, dicken Schwanz der Vögel hängt eine seltsame kleine Kugel. Irina hat ein ungutes Gefühl und beginnt zu zittern. Vom Boden der Höhle her empfindet sie ein Stechen. Aufstehen ist leider nicht möglich, da der Platz zu eng ist, sie fühlt sich gefangen. Sie konzentriert sich auf das grüne Licht, um herauszufinden, was hier vor sich geht. Auf dem Boden entdeckt sie erneut menschliche Knochen, als wäre dieser Ort einst eine Grabstätte gewesen. «Hilfe, Hilfe, hört mich denn niemand? Was geschieht hier?», ruft Irina in Panik. Doch sie erhält keine Antwort und muss sich mit aller Kraft selbst aus dieser unheimlichen Höhle befreien. Plötzlich wird ihr bewusst: «Oh nein, wo ist Herr Predoew?». Sie ruft nach ihm, doch es kommt keine Antwort, da er anscheinend nicht in der Nähe ist. Sie hofft inständig, dass keiner der menschlichen Überreste zu ihrem Begleiter gehört. Schliesslich gelingt es Irina, sich aus der Höhle zu befreien, kurz bevor der Eingang zusammenstürzt.
Nachdem sich Irina aus der Höhle befreit hat, schläft sie müde auf der Wiese ein. Sie sinkt in einen tiefen Schlaf und träumt von der goldenen Pyramide aus ihrem ersten Erlebnis in Träumlitz. Und das ist ihr Traum:
«Ein helles Leuchten zog mich in seinen Bann, es war eine prächtige Pyramide. Vorsichtig näherte ich mich dem Gebäude, öffnete eine Tür und wollte hineinsehen, um zu erfahren, was sich dort verbarg. Die schwere Tür öffnete sich automatisch, und ich hörte schrille Stimmen in verschiedenen Sprachen. Eine Menschenmenge stürzte auf mich zu, und ich fiel zu Boden. Glücklicherweise blieb ich unverletzt und konnte wieder aufstehen. Doch kaum war ich auf den Beinen, rannten erneut Menschen in panischer Angst auf mich zu und flohen aus der Pyramide. 'Ist hier jemand? Hallo, was ist hier los?' Ich ging auf eine weitere Tür in diesem Gebäude zu, auch diese öffnete sich von selbst. Ein Mann, der nicht zu den Fliehenden gehörte, und etwas kleiner war als ich, rannte verwirrt umher. Er packte meine Hand und zog mich in einen anderen Raum, was mir zunächst Angst einflösste. 'Hey, keine Angst, bleib bei mir, ich helfe dir.' Die Tür hinter uns fiel ins Schloss, und ich war mit diesem Mann im kleinen Raum der Pyramide eingeschlossen. Er war frustriert und fluchte, da er nicht an seinen Arbeitsplatz zurückkehren konnte, denn dazu hätte er Träumlitz verlassen müssen. Dieser Mann sprach erstaunlich gut meine Sprache und stellte sich als Herr Predoew vor.
Ich wurde verlegen, denn ich wusste, wer er in der Realität war, da er durch soziale Medien berühmt geworden war. Im Raum befand sich ein kleiner Tisch mit einem winzigen Stuhl. Er setzte sich darauf und schien müde zu sein. In einer anderen Ecke des Raumes sass zu unserer Überraschung ein weinendes Teenager-Mädchen am Boden. Ich näherte mich ihm vorsichtig, tröstete es und sprach es an. Es antwortete in einer merkwürdigen Sprache, die mir unbekannt war. Ihr Deutsch war sehr schlecht.
Von Herrn Predoew erfuhr ich, dass wir von Urwaldbewohnern verfolgt wurden. Langsam wurde mir alles unheimlich, und ich begann in den Wänden des Raumes nach einer Geheimtüre zu suchen, in der Hoffnung, eine Möglichkeit zur Flucht zu finden. Aber nichts liess sich bewegen, und aus dem kleinen Waschbecken kam kein Wasser. Das Mädchen weinte weiterhin, und ich versuchte es zu beruhigen. Es bezweifelte, jemals hier herauszukommen. Plötzlich öffnete sich die goldene Tür, und ich rannte so schnell ich konnte aus der Pyramide hinaus. Doch ich glitt auf dem schmutzigen Boden aus, und Herr Predoew, der hinter mir stand, half mir auf. 'Hey, ich bleibe bei dir, vielleicht kann ich dir helfen, aus Träumlitz zu entkommen.'
Ich war erleichtert, nicht mehr alleine an diesem seltsamen Ort zu sein. Plötzlich sahen wir sie wieder, die urtümlichen Menschen, die wie aus der Steinzeit aussahen. Sie trugen kurze Röcke, egal ob Mann oder Frau, und ihre Kleidung sah aus, als wäre sie aus Strohhalmen oder feinen Bambuszweigen gefertigt worden. 'Komm, lass uns hier verschwinden, ich möchte endlich weg von hier', flüsterte Herr Predoew. Doch die Pyramide liess mir keine Ruhe, neugierig berührte ich ihre Aussenwände. Überall waren grosse Hieroglyphen zu sehen, die etwas zu bedeuten schienen, doch lesen konnte ich die Schrift nicht. Als ich mit meinem Zeigefinger auf ein Zeichen tippte, begann die Schrift in einem knalligen Rot zu leuchten, als wäre es Neonlicht. Ich erschrak so sehr, dass ich sofort davonrannte, Herr Predoew keuchte hinter mir her. Die seltsamen Ureinwohner bemerkten uns und verfolgten uns bis zum Wald. Zum Glück gab es dort einen Wasserfall, und gemeinsam entkamen wir aus Träumlitz. 'Oh wie schön, endlich liege ich wieder zu Hause in meinem weichen Bett,' dachte ich. Dann stand ich auf, wusch mir das Gesicht im Badezimmer und legte mich wieder ins Bett.»
Doch Irina hat dies alles nur geträumt. Sie ist enttäuscht, dass sie noch immer in Täumlitz ist. Tränen treten in ihre Augen, verzweifelt wälzt sie sich auf dem Boden vor der Höhle.
Irina fasst all ihren Mut zusammen und klettert erneut auf einen Baum. Drei rote Kapseln hat sie noch, eine davon kaut sie, um neue Kraft zu tanken. Dann sucht sie fliegend Herrn Predoew, der bei einem der vielen Wasserfälle sein muss. Aber er ist nicht zu finden.
Und dann verliert auch die Kapsel ihre Wirkung, und Irina stürzt ab. Sie fällt in einen merkwürdigen Wasserfall, den sie bisher noch nie gesehen hat. Das Wasser tritt aus einem Fels hervor, ist bemerkenswert klar und plätschert schräg nach unten, neben einen steilen, steinernen Weg. Da hat es nirgendwo Algen oder Wasserpflanzen. «Seltsam. Ich bin nicht im Geringsten nass geworden, obwohl ich in dieses Wasser gefallen bin», denkt Irina. Sie schaut sich um und versucht Herrn Predoew zu finden.
Sie ruft laut nach ihm, denn sie vermisst ihren Begleiter, da sie schon eine Weile alleine ist. In der Ferne kann sie einen Wald erkennen, aber sie hat nicht vor, ihn dort zu suchen und alles allein zu erkunden. Irina setzt sich auf eine nahegelegene Wiese und gönnt sich eine Pause. Plötzlich hört sie Geräusche, die vom Wald her kommen. «Irina, ich bin so froh, dich hier zu finden», ruft eine männliche Stimme, die immer näher kommt. Es ist Herr Predoew, der völlig ausser Atem in ihre Arme stürzt. Beide haben Tränen der Freude in den Augen, da sie endlich wieder vereint sind. Er erzählt ihr, dass er vor Torbellino, dem Spiegelgeist, geflohen sei. Dieser habe ihn verfolgt, nachdem er versehentlich einen hängenden Spiegel berührt habe, während er durch den Wald gegangen sei.
«Wir sollten so schnell wie möglich hier weg, denn wir wissen nicht, ob wir beobachtet werden. Ich möchte auf keinen Fall mehr durch diesen Wald gehen. Hoffentlich gibt es hier noch einen anderen Pfad», äussert Herr Predoew. Irina entdeckt einen sandigen Weg, der auf die andere Seite des breiten Wasserfalls führt. Beide entschliessen sich, diesen Weg zu nehmen, in der Hoffnung einen Teich zu finden, durch den sie, wie auch schon, Träumlitz verlassen könnten. Stunden vergehen, und es ist kein stehendes Gewässer in Sicht.
«Vielleicht sollten wir versuchen, wieder zurück in die Innenstadt von Träumlitz zu gelangen. Ich möchte meinen lästigen Ring los werden, von dem ich dir erzählt habe», kichert Irina verlegen. Herr Predoew beginnt zu lachen und macht Witze über Irina. Doch sie findet das nicht amüsant und schaut ihn wütend an. Schliesslich beruhigt er sich und hört auf zu lachen. Er stimmt zu, dass sie in die Stadt zurückkehren sollten, wo sie sich besser auskennen. Doch einfach wird es nicht sein, denn der Weg dorthin ist lang und die roten Kapseln wirkungslos.
Irina und Herr Predoew sind nun schon eine ganze Zeit lang zu Fuss unterwegs, und weit und breit ist keine Stadt in Sicht. Beide gähnen und entscheiden sich, am Strassenrand eine Pause einzulegen. Schon dämmert es, die Sicht wird zunehmend schlechter und die Sterne am Himmel beginnen zu funkeln. «Brr, ich friere, es ist so kalt», klagt Irina. Ihr Begleiter umarmt sie und wärmt ihren Rücken mit seinen Händen. Irina schläft in seinen Armen ein, schnarcht laut und versinkt in einen tiefen Schlaf. Die Nacht vergeht viel zu schnell und bald bricht der Morgen an. Als Irina aufwacht, hat sie ein Büschel Gras im Mund und spuckt es aus. «Igitt, warum habe ich Gras gegessen?», denkt sie. Neben ihr sitzt ihr Begleiter mit einem schelmischen Grinsen und macht sich über sie lustig. «Wow, seit wann bist du eine Kuh? Du hast fast die ganze Wiese verschlungen.» Irina findet das nicht lustig, denn der Geruch macht ihr weiterhin zu schaffen. «Hast du mir etwa Gras in den Mund gesteckt? Was soll das für ein Unsinn sein?», fragt sie verärgert. Ihr Begleiter kann sich vor Lachen kaum halten und gesteht, dass er ihr den Streich gespielt hat, da er wegen ihres lauten Schnarchens nicht schlafen konnte.
Die beiden stehen auf, strecken sich und setzen ihren Weg fort. In der Ferne erkennt man eine Stadt, Irina und Herr Predoew kommen ihr näher. «Juhe, wir sind endlich da! Ich hoffe, wir finden dort einen Weg, der uns aus Träumlitz rausführt», sagt Irina. Sie freut sich jedoch zu früh, denn es wird noch eine Weile dauern, bis sie die Stadt erreichen.
Plötzlich ruft jemand von weit her Irinas Namen. «Irina, Irina, bleib stehen, dieser Ort ist viel zu gefährlich für dich. Lass dir bitte von mir helfen.» Die Stimme kommt ihr bekannt vor, und sie hält an. Herr Predoew ist aber skeptisch und will nicht, dass Irina mit der Stimme diskutiert. «Komm, wir nehmen einen anderen Weg, die Stimme kommt immer näher. Wir müssen vorsichtig sein, weil wir nicht wissen, wem sie gehört», sagt Herr Predoew. Irina möchte trotzdem auf dem eingeschlagenen Weg weitergehen, weil sie denkt, dass ihr verstorbener Bekannter sie ruft. Ihr Begleiter hält sie weiterhin davon ab weiterzugehen und erwähnt, dass man nicht mit Toten sprechen darf. Endlich kommt Irina zur Vernunft und sie suchen einen anderen Weg. Plötzlich hören die beiden ein lautes Geräusch. Es ist ein neuer Wasserfall, dieser sieht ganz anders aus als die bisher gesehenen. Er fliesst aus einer Felswand heraus und ist sehr gross. Er stürzt in einen Teich, in dem es winzig kleine Fische und Frösche gibt. Irina bewundert diesen Ort. «Oh wie schön, schau dir das mal an, hier gibt es kleine Wassertiere und Insekten. Das erinnert mich ganz an den schönen Wasserfall in meinem Dorf Frankenbaum am Rhein.» Herr Predoew erinnert Irina daran, dass sie sich immer noch in Träumlitz befindet und sie vorsichtig sein müsse. Irina hält ihre Hände ins Gewässer, um das frische Nass zu spüren. Sie erschrickt, auch dieses Wasser ist nicht real, sie wird kein bisschen nass.
In der Nähe liegen flache, grosse Steine, die aussehen wie graue Sitzkissen. Auf einem davon sitzt ein junger Mann mit rotbraunem lockigem Haar. Man kann aber nur seinen Rücken sehen, da er sich abgedreht hat. Irina ist wieder einmal neugierig und geht näher an diesen Mann heran und möchte wissen, um wen es sich da handelt. «Irina, bist du verrückt geworden? Wir wissen nicht, wer dieser Mann ist und ob wir ihm vertrauen können, bleib ihm fern», sagt Herr Predoew ängstlich und zerrt Irina zu sich. «Jetzt mach dir mal nicht in die Hose und sei keine Memme. Wir brauchen dringend von jemandem Hilfe, wenn wir aus Träumlitz verschwinden wollen. Wir schaffen das nie alleine, und ich möchte endlich nach Hause.» trotzt Irina verzweifelt. Herr Predoew tröstet sie und entscheidet sich, gemeinsam diesem Mann entgegenzugehen, um ihn zu fragen, ob er den Rückweg aus Träumlitz kenne. Der Mann sieht traurig aus, er lässt seinen Kopf hängen. «Hey, Sie da, wie ist Ihr Name? Und weshalb sind Sie traurig?», fragt Irina neugierig. Die fremde Person dreht Irina den Kopf zu, sein Gesicht ist voller Schminke, als wäre er aus einem Zirkus geflohen. Er hat unübersehbar blaue Augen und ist angemalt wie ein Clown. Auf seinem T-Shirt steht 'Träumlitzer Clown'. Seine Hände kann man kaum sehen, da diese aus Scheren bestehen. «Entschuldigung, können Sie mir und meinem Freund weiterhelfen? Wir stecken hier in Träumlitz fest und wollen wieder nach Hause.»
Der Träumlitzer Clown lächelt Irina schüchtern an. Er erzählt ihr, dass wahrscheinlich dieser Wasserfall der Retourweg sei, weil er andere Menschen beobachtet habe, die in seinen Strahl gesprungen seien und unsichtbar wurden. «Sie wissen also, wie man von hier entkommen kann? Bitte helfen Sie uns, ich möchte schon so lange wieder nach Hause gehen und sehne mich nach meiner Umgebung», sagt Irina. «Ich kenne dich doch, du kommst mir bekannt vor, und hör auf, mich zu siezen», antwortet er genervt. Irina weiss aber nicht, um wen es sich handelt, und der Mann gibt nichts über sich preis. Doch als er sieht, dass die junge Frau nicht alleine ist und einen Begleiter an ihrer Seite hat, bekommt er Erbarmen. Er erklärt ihr, dass sie mit voller Wucht in den Wasserfall hineinspringen müsse, es brauche etwas Mut, sie müsse es einfach wagen. Irina wird nervös und fängt an zu zittern. «Kannst du mir einen grossen Gefallen tun? Ich trage die ganze Zeit einen bescheuerten Ehering an meinem Finger. Kannst du mir diesen entfernen mit deinen Scheren?», fragt Irina mit einem scheuen Blick. Der Mann lacht sich kaputt und neckt Irina, weil sie hier jemanden geheiratet hat. «Oh, hast du hier einen Verehrer? Weshalb ist dein Ehemann nicht hier?». Ihm kommen die Tränen vor Lachen, und er kann sich kaum erholen. Herr Predoew mischt sich ein und sagt diesem unbekannten Mann, dass das nicht witzig sei. Irina habe aus Versehen in Träumlitz einen Bekannten geheiratet, den sie hier mehrmals angetroffen habe. Der Unbekannte hört auf zu grinsen und verrät Irina, dass er nicht aus Träumlitz sei, er wohne an einem anderen Ort.
Irina fängt an, unzählige Fragen zu stellen, sie möchte natürlich wissen, woher er kommt. Er verrät ihr, dass er sie im realen Leben kenne, aber nicht besonders gut mit ihr auskomme. Er möchte darum anonym bleiben, weil sie den Kontakt mit ihm abgebrochen habe. «Also Irina, zeig mir deinen Ring, ich versuche, ihn mit der Eisenschere zu entfernen.» Vorsichtig hält sie ihre Hand hin und kneift die Augen zu. Sie kann das nicht mit ansehen, sie hat ein bisschen Angst, dass er sie sticht. Er versucht immer wieder ihren Fingerring zu entfernen, doch seine Scheren sind zu wenig scharf dafür. «Es tut mir leid Irina, aber ich kann dir diesen Ring nicht entfernen. Und ich hoffe, dass ich diese Scheren endlich los werde. Denn ich muss immer, wenn ich hier in Träumlitz bin, mit diesen Dingern herumlaufen», beklagt sich der Mann. Irina ist geschockt und läuft davon, weil ihr dieser Typ mysteriös vorkommt und man nicht weiss, ob er tatsächlich echt ist oder ob er doch hier in Träumlitz lebt. Doch dann dreht sie sich um und kehrt wieder zu ihm zurück.
Er verspricht: «Ich bringe euch beide nach Hause, vertraut mir. Hm, Irina, was hast du hier in deinen Hosentaschen? Rote Kapseln? Du weisst bestimmt, dass du damit fliegen kannst, oder?». Irina fühlt sich genervt, dass dieser fremde Typ sie einfach an den Hosentaschen berührt. «Lass das und hör auf mich anzufassen», sagt sie wütend. Der anonyme Mann mit dem Clowngesicht erklärt Irina, dass sie diese Kapseln nicht hätte mitnehmen dürfen, weil sie nicht ihr gehören. Er befiehlt Irina, die Hosentaschen zu leeren, bevor er sie auf den Rückweg bringt. Sie zögert kurz, dann gehorcht sie ihm.
Der Unbekannte nimmt Irinas eine Hand, und Herr Predoew die andere. Gemeinsam springen sie in den Wasserfall hinein. Irina fühlt sich federleicht und spürt keinen Aufprall im Wasser.
*
Sie bemerkt, dass sie niemand mehr hält, kann aber kaum atmen. Sie hat das Gefühl unter einem Tuch zu liegen. Sie zappelt heftig und hofft keine Schwere mehr zu spüren. Es gelingt ihr mit den Füssen ein Hindernis wegzustossen, das sie stört.
Dann hört sie ein lautes Weinen, weiss aber immer noch nicht, wo sie sich befindet. «Hilfe, Hilfe, wo bin ich? Ich kann kaum atmen», ruft sie hysterisch. Endlich hilft ihr jemand, es ist ihre Tante. «Mein Mädchen, du lebst! Wir dachten alle, du seist tot. Du bist eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht.» Irina hat Tränen in den Augen und kann kaum sprechen, da sie noch benommen ist. Sie macht ihre Augen wieder zu, um sich zu erholen. Daraus wird aber nichts, ihre Eltern, die Geschwister und weitere Angehörige wecken sie wieder auf, und die Mutter legt ihr einen nassen und kühlenden Waschlappen auf das Gesicht.
Als Irina endlich wahrnimmt, wo sie ist, fängt sie an zu lächeln. «Ihr werdet mir niemals glauben, was ich gerade alles erlebt habe. Ich war aus meinem Körper in eine mysteriöse Dimension gegangen.» Sie umarmt Mama und Papa und ist froh, wieder bei ihnen zu Hause zu sein. «Irina, du musst dich noch ausruhen. Du siehst erschöpft aus. Und ich glaube dir, was du mir da sagst. Aber am besten erzählst du bei nächster Gelegenheit alles deinem Psychiater», sagt die Mutter.
Seit diesem Vorfall im letzten Oktober kann Irina wieder ruhig schlafen und wird nicht mehr von Träumlitz gequält.
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