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Gesegnet von den Sternen

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14.02.26 10:06
6 Ab 6 Jahren
In Arbeit

Autorennotiz

Stopp! Bevor du mit dem Lesen beginnst, solltest du darauf achten (Okay, das klingt bisher wie diese Warnungen auf Arbeitsblättern), dass diese Story wahrscheinlich kein Ende haben wird. Ich bin nicht sonderlich gut darin, Geschichten zu Ende zu schreiben, meistens bleibe ich einfach mittendrin stecken. Vielleicht werde ich nicht mal in den spannenden Teil hineinkommen. Aber wenn das dir egal ist - Herzlichen Glückwunsch, du hast hiermit eine unfertige Story bekommen!

"Carrie? Hallo? Erde an Carrie!", rief eine Stimme und weckte mich aus meinen Gedanken. "Ups, äh, tut mir leid. Ich bin wohl etwas in meinen Gedanken vertieft gewesen!" Grace gab mir einen freundlichen Stoß. "Dann solltest du dringend mal aufwachen! Wir wollten doch mit Kora die Chemie-Hausaufgaben erledigen!" Ich nickte. "Ja, du hast recht!" Der Schulflur war jeden Tag überfüllt und roch nach Schweiß und Kaugummi. Anfangs fand ich das noch echt unangenehm, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Ich bin Carrie, eine Schülerin mit zu vielen Gedanken und zu vielen Fragen. Immer wenn die Lehrer fragten, ob man alles verstanden hat, meldete ich mich nochmal und stellte eine Frage. Aber irgendwie war es immer eine falsche Frage, die mir böse Blicke von meinen Mitschülern bescherte. Fragen wie: "Warum verwenden wir eigentlich lateinische Buchstaben, wenn heutzutage doch keiner mehr Latein spricht?" oder: "Warum kommt nach der Unendlich nicht einfach Unendlich-eins?" oder: "Wozu sollen wir die Überschrift zweimal unterstreichen, wenn man nach einem Mal Unterstreichen schon sieht, dass sie unterstrichen ist?" Ich fragte mich wirklich warum alle diese Fragen seltsam fanden, aber mit diesen Fragen war auch ich seltsam. Niemand wollte etwas mit mir zu tun haben, niemand freute sich, wenn ich durch die Tür ins Klassenzimmer kam. Zum Glück hatte ich noch Grace und Kora, meine zwei besten Freundinnen und Lernpartnerinnen. Grace hatte glatte schwarze Haare, trug meistens neonfarbene Kleidung und liebte Dinge, die sie von anderen unterscheideten. Seltsamerweise machte genau das sie beliebt. Kora dagegen hatte weißblonde Haare, die sie immer zu zwei Zöpfen zusammenband und trug meistens beigefarbene Klamotten, dazu gehörte immer ein Rock. Ich hatte goldblonde Locken und trug nie auffällige Kleidungsstücke an mir. Denn aus Erfahrung wusste ich, dass es immer leichter war, wenn man sich unsichtbar verhielt. Dann verlieren andere einen aus ihrem Blickfeld und lassen einen auch in Ruhe. Grace und ich traten durch die Tür des Chemieraums, der bis auf Kora und uns komplett leer war. Kora saß an einem der Metalltische und kritzelte etwas in ihren Block. Sie hob den Kopf und strahlte über ihr ganzes Gesicht, als sie uns entdeckte. "Na endlich, da seit ihr ja! Ich warte hier schon seit einer halben Stunde!" Grace setzte sich zu ihr. "Sorry, aber Carrie war mal wieder in ihren Gedanken unterwegs!" Ich kam auch an den Tisch und holte mir einen der Hocker. "Ich weiß, ich weiß, aber als wir Freundinnen wurden, wusstet ihr was euch erwarten wird!" Kora schüttelte den Kopf. "Nein, keine Freundinnen. Beste Freundinnen! Und das für immer!" Die Chemie-Hausaufgabe bestand darin, den Aufbau eines chemischen Elements zu beschreiben. Uns wurde Kupfer zugeteilt. "Also", begann Kora. "Ich habe mir notiert, dass-" Die Tür schlug auf und unterbrach Kora. Joe, ein nervtötender Junge in meiner Klasse, kam zusammen mit seinen zwei Freunden in den Raum. Links von ihm stand Naila, ein arrogantes und ekelhaft reiches Mädchen, rechts von ihm Teo, ein dicker Junge mit furchtbar viel Haargel im Haar. Joe warf uns einen selbstsicheren Blick zu. "Was macht ihr denn hier?", fragte er. Seine Stimme klang leicht quietschend, aber das war bei ihm ja normal. "Wir wollen unsere Chemie-Hausaufgaben hier erledigen! Und ihr, ihr Popelsäcke?", fragte Grace. Ich wollte unter den Tisch kriechen bevor mich das Trio entdeckte, doch es war bereits zu spät. Teo zeigte auf mich. "Hey, bist du nicht die, wegen der wir mehr Geschichtshausaufgaben bekommen haben?" Ich starrte auf die Tischplatte. "Äh... ja?", murmelte ich. In Geschichte habe ich Mrs. Yang gefragt, warum der rote Punkt in der Mitte der japanischen Flagge für die aufgehende Sonne steht und meinte, dass viele Sachen, wie der Mond zum Beispiel, dort gar nicht respektiert werden. Tja... großer Fehler. Mrs. Yang war Japanerin und war ziemlich empört. "Wenn du mehr von Flaggen verstehst, als die Japaner, dann kannst du gerne eine eigene Flagge für Japan gestalten - mit einer symbolischen Hintergrundgeschichte! Und das gilt auch für alle anderen!"  "Ich saß zwei Stunden an an meinen Hausaufgaben!", knurrte Naila. Alle fanden sie einschüchternd, sogar die meisten Jungs. Und ich genauso. "Ich, äh..." Ich suchte eine Ausrede. Eine schnelle, glaubwürdige, irgendeine! "Das war doch nicht ihre Schuld!", verteidigte Kora mich. "Wenn, dann ist es eure eigene Schuld, weil ihr auch nur ein paar Sätze schreiben könntet!" Joe machte einen Schritt nach vorne. "Ist doch egal, verschwindet von hier! Wir machen unsere Hausaufgaben hier!" Grace schüttelte den Kopf. "Wir waren zuerst hier, also könnt ihr selbst verschwinden!" Naila musterte mich mit einem durchdringenden Blick. "Ihr könnt einfach gehen, oder ihr lernt es auf die harte Tour!" Grace hatte keine Angst und stellte sich vor mich. "Wie willst du uns schon von hier verjagen, schwarze Königin? Zusammen mit deinem Fettklotz und Quitschestimmchen an deiner Seite?" Naila gab nicht nach. "Ich habe den schwarzen Gürtel in Kung Fu und Dinge, mit denen ihr nichts zu tun haben wollt!" Joe ging zur Tür. "Kommt, Leute. Es gibt bessere Orte zum Hausaufgaben machen! Lassen wir diese Freaks ihren Kram erledigen, wir machen sie wann anders fertig!" Naila sah aus, als wollte sie mich mit bloßen Händen in Stücke reißen, und sie hätte es sicher auch getan, doch sie gab nach und folgte, mit einem letzten Todesblick an mich gerichtet, Joe und Teo aus dem Klassenzimmer. Als die Tür zuknallte stöhnte ich laut und ließ mich auf den Tisch sinken. Das ist mein Alltag, den ich schon mein Leben lang durchstand. Und obwohl ich wünschte, es gäbe ein anderes Schicksal für mich, muss ich mich wohl damit abfinden und die Außenseiterin sein. ​​​​​​

Der Wind wehte mir ins Gesicht und die Abgase der Autos stachen mir in die Nase als ich nach Hause lief. Es war ein grauenvoller Tag, wie jeder andere. Nachdem wir unsere Hausaufgaben erledigt hatten, sind wir in die Cafeteria gegangen um etwas zu essen. Doch der letzte freie Sitzplatz war neben Naila und obwohl ich viel lieber im stehen gegessen hätte, setzte ich mich zu ihr. Sie hatte darauf meine Pizza weggenommen und meinen Kopf gegen den Tisch geschlagen. Und das war noch der harmlose Teil. Denn danach erzählte sie allen, dass ich in Teo verknallt wäre, was überhaupt nicht gut geendet hat. Und als wäre mein Leben nicht schon ruiniert gewesen, hatte sie mich auch noch gegen den stellvertretenden Schulleiter geschubst, der darauf dachte, dass ich ihn geschubst hatte. Und so landete ich heute beim Nachsitzen und wurde zu oft gefragt, was ich an Teo so toll fand. Wenigstens glaubten mir Grace und Kora, dass ich nicht in den schwitzenden Haargel-Typ verliebt war. Plötzlich hielt ein Auto neben mir, ein schwarzer Van mit verdunkelten Fensterscheiben. Kurz darauf stieg eine Frau aus, sie trug ein buntes Kleid und darüber einen pinken Mantel. Über ihren Augen trug sie eine Sonnenbrille und auf ihren glatten, blonden Haaren lag ein großer Sonnenhut mit Blumen. "Carrie Millerson", begann sie. "Steig bitte ein." Ich schüttelte meinen Kopf und stolperte rückwärts. "Nein, ich werde sicher nirgendwo einsteigen!" Die Frau seufzte und holte ein Klapphandy aus ihrer Manteltasche. Sie klappte es auf und murmelte irgendwelche Worte hinein, dann packte sie es wieder weg. "Carrie, du musst einsteigen", wiederholte die Frau. Ich wollte wegrennen, doch meine Beine wollten sich ausgerechnet jetzt nicht bewegen. "Ich kenne Sie doch nicht mal! Was wollen Sie von mir?" "Ich habe keine Zeit dir das zu erklären. Nicht hier, nicht jetzt." Die Frau machte eine Handbewegung und zwei große, breite Männer stiegen aus dem Van, packten mich und setzten mich auf den Rücksitz. Einer der Männer verschloss meine Tür. Auch die Frau kam dazu und setzte sich neben mich. "Was soll das alles?", fragte ich. Die Frau sah aus dem Fenster. "Hast du schon mal etwas von Mondstern gehört?" Ich schüttelte den Kopf, bekam als Antwort aber nur eine schwarze Tüte. "Zieh sie dir über den Kopf", forderte die Frau. Bevor ich etwas erwidern konnte, klebte die mir den Mund mit Klebeband zu und setzte mir die Tüte so über den Kopf, dass ich nichts sehen konnte. Jetzt stand es offiziell fest: Ich wurde entführt. Von fremden Leuten. Und niemand würde nach mir suchen, daher meine Eltern zu sehr in ihre Arbeit vertieft waren, um überhaupt zu bemerken, dass ich verschwunden war und Grace und Kora in den nächsten Wochen beim Schüleraustausch in New York sein werden. Ich spürte, wie das Auto anhielt und jemand meine Tür öffnete. Ich wurde nach draußen geführt, wo es kühl und windig war. Und schließlich wurde mir die Tüte vom Kopf gerissen. Ich befand mich in einer engen Straße, an den Ecken standen Mülltonnen oder kaputte Zigarettenautomaten, die Läden waren geschlossen und heruntergekommen, andere komplett leer. Doch als ich mich umdrehte erschrak ich gewaltig. Eine wunderschöne, riesige Luxusvilla mit Marmorwänden und einem Garten voller Kirschbäumen belegte die ganze Straße. Die Frau stieg aus dem Auto und ich wurde zum Eingang der Villa geführt. "Willkommen bei den Vells!", rief die Frau und öffnete die Tür. Der Boden schimmerte silbrig, an den Wänden hingen Porträts einer reichen Familie. Auf einem der Bilder saß ein Mädchen auf einem Sofa und streichelte eine weiße Katze, die einen mürrischen Gesichtsausdruck hatte. Auf einem anderen Bild waren eine junge Frau und ein junger Mann abgebildet, beide hatten braune Locken und türkisfarbene Augen, wahrscheinlich waren sie Geschwister. Schließlich trat ich ins riesige Wohnzimmer voller edler Möbel. Die Frau setzte sich auf einen Sessel und bat mich, mich auf den Sessel daneben zu setzten, was ich auch tat. Einer der Männer riss mir mein Klebeband vom Mund, nickte der Frau zu und verschwand dann. "Ich bin Valeria Vell", erklärte die Frau dann. "Warum haben Sie mich entführt?", konterte ich nur. "Du hättest ja auch einfach einsteigen können, aber weil du es nicht wolltest, mussten wir Plan B ergreifen!" Ich verschränkte die Arme vor meiner Brust. "Erklären Sie mir was das soll!" Valeria lächelte mitleidsvoll. "Mondstern", sagte sie nur, genau wie vorhin. "Was ist das?", fragte ich. "Ich wünschte, wir könnten länger reden. Und irgendwann werden wir das auch. Aber uns bleibt keine Zeit, du fliegst morgen früh nach London. Alles ist bereits gebucht und bezahlt, genau wie dein Hotel." Ich riss die Augen auf. "Was?! Ich soll um die halbe Welt fliegen? Wieso?!" Die Frau lächelte mir nur noch ein letztes Mal zu und stand dann auf. "Chris wird dich morgen um 7 Uhr abholen!"

Chris war ein blondhaariger Mann mit einem warmherzigen Lächeln. Er war ca. 40 Jahre alt und trug ein kariertes Hemd und eine bequem aussehende Jeans. Er wirkte anders, als die anderen Leute, die ich bisher kennengelernt habe, freundlicher, wärmer und nicht so förmlich. "Hey!", begrüßte er mich heute Morgen, als ich in das runde, blaue Auto stieg. "Schon aufgeregt?", fragte er und fuhr los. "Äh, ja", antwortete ich. "Ich fahre völlig grundlos auf Anweisung einer völlig fremden Frau nach London!" Chris lächelte. "Ich weiß, es kann schwer sein, wenn man noch unwissend über die Pläne der Vells ist. Aber man gewöhnt sich schnell dran!" Ich legte meinen Kopf schief. "Sind Sie kein Vell?" Chris lachte, ein warmes, angenehmes Lachen. "Nein, nein, ich könnte nie so ernst und reich sein wie sie! Ich bin nur der Fahrer, und das auch nur manchmal! Sie teilen ihre Geheimnisse nicht mit mir, was mich auch oft aufregt, aber ich treffe dafür ab und an nette Leute!" Ein kaum merkliches Lächeln erschien auf meinen Lippen. Chris hatte irgendwas Aufmunterndes an sich, dass einen selbst auch etwas fröhlich machte. Wir kamen am Flughafen an und Chris half mir meinen Koffer aus dem Kofferraum zu holen. Ich sah nochmal zu ihm zurück und er winkte mir zum Abschied zu. Ich winkte auch kurz und betrat dann das Gebäude. Der einzige Grund, warum ich überhaupt hier war, war, dass Valeria gemeint hat, dass sie mich sonst wieder "entführen" müsste. Also würde ich so oder so nach London kommen, und ohne einer Tüte über dem Kopf zu reisen, finde ich viel besser. Ich schaute auf eine große Uhr an einer Wand. Ich hatte noch einige Stunden Zeit bevor mein Flug startete. Also entdeckte ich einen Bubble Tea Laden und entschied mich, etwas zu kaufen. An der Theke stand eine Frau, die ein Lächeln hatte, dass wie festgetackert aussah. Das machte sie mir sofort unsympathisch. "Kann ich dir helfen?", fragte sie. "Einen Pfirsich Bubble Tea, bitte!", sagte ich. Die Frau tippte etwas in den Kassenautomat ein ohne mich aus dem Augen zu lassen. "Deine Bestellung kommt in Kürze!", rief sie noch und ich setzte mich an einen der Plastiktische. Auf der anderen Seite des Flughafens waren Luxus-Geschäfte, Parfümerien und Klamottenläden. Die selbe Frau wie vorhin kam zu meinem Tisch und reichte mir meinen Bubble Tea. Doch auch während ich ihn trank, beobachtete sie mich, als sie eine Sicherheitskamera. Als ich fertig war ging ich erneut zur Theke um zu bezahlen. "70 Dollar!", forderte die Frau. "Was?!", rief ich. Wie konnte ein Bubble Tea, der sogar noch gezuckerter und chemischer schmeckte, als die Billig-Getränke aus dem Supermarkt, so teuer kosten? Die Frau antwortete nicht, sondern schaute mich weiterhin erwartungsvoll an. "70 Dollar!", wiederholte sie. "I-Ich hab so viel Geld nicht!", stotterte ich. Wie aus dem Nichts erschien ein Wachmann, der ganz und gar nicht freundlich aussah. "Junge Dame, du willst nicht bezahlen?", fragte er. Ich schüttelte den Kopf. "Doch, doch, ich will bezahlen! Aber das ist viel zu teuer und ich habe nicht genug-" "Wo sind deine Eltern?", konterte der Mann. "Ich fliege allein!", meinte ich. Und es war ja auch die Wahrheit. "Na, na! Bei uns darf man erst ab 18 allein fliegen!" Der Wachmann packte mich am Arm und zog mich in einen Raum, der wie ein Wartezimmer aussah. Es gab Bänke, doch auf allen saßen Kinder und Jugendliche, mit nicht sehr fröhlichen Gesichtsausdrücken. Ich setzte mich auf einen leeren Platz und sah, wie der Wachmann kopfschüttelnd in den Sicherheitsraum nebenan ging. Neben mir saß niemand, doch vor mir ein Junge. Er hatte braune Haare und las in einer Zeitschrift. Oder besser: Er tat so. Sofort erkannte ich, dass er in Wirklichkeit mit seiner Uhr etwas anstellte. Er drückte darauf, schaute zum Sicherheitsraum und drückte wieder auf die Uhr, wenn einer der Wachmänner seine Runde drehte um zu schauen, ob niemand entkommen war. "Was machst du da?", flüsterte ich dem Jungen zu, als der Wachmann seine Runde abgeschlossen hatte. "Ich stoppe die Zeit!", antwortete er. "Ich habe schon so gut wie alles für den perfekten Ausbruch erledigt! Aber..." Er schaute zum Ausgang. "Die Tür ist abgeschlossen!" Ich blickte zu einem Fenster des Sicherheitsraums. Der Schlüssel hing genau dort. "Ich kann das erledigen!", meinte ich. "Aber nur, wenn du dafür sorgst, dass ich es auch raus schaffe!" Der Junge nickte grinsend. "Dann hol den Schlüssel! Genau... jetzt!" Ich warf mich zu Boden und kroch zur Tür. Doch die war kein Problem für mich. Ich hatte so etwas Ähnliches schon mal abgezogen. Damals wurde ich wegen Naila zum Nachsitzen verdonnert, dabei hatte ich absolut gar nichts getan. Sie ist nur zu einem Lehrer gegangen und hat behauptet, ich hätte sie von der Treppe geschubst. In Wirklichkeit war ich aber die ganze Zeit im Klassenzimmer gesessen und hatte mein Frühstück gegessen! Der Lehrer meinte, dass sowas nicht in Ordnung sei und dann war ich schon am darauffolgenden Nachmittag beim Nachsitzen. Es war genau dasselbe, wie jetzt. Ich öffnete die Tür, die nicht abgeschlossen war, und entdeckte, dass nur zwei Wachmänner da waren. Der, der immer die Runden drehte und der, der mich hierher geschleppt hatte. Beide waren von irgendeinem Handyspiel abgelenkt. Ich kroch also zu einer Ecke und wartete, bis der eine Wachmann wieder seine Runde drehte. Als er außer Sichtweite war, flitzte ich zu seinem Stuhl und griff den Schlüssel, dann huschte ich wieder hinaus, als wäre nie etwas geschehen. Der Junge war schon an der Tür. "Komm!", zischte er. Ich rannte zu ihm und hielt ihm den Schlüssel vor die Nase. "Tadda! Ein Schlüssel, wie vereinbart!" Der Junge lachte und öffnete die Tür. Freiheit. Vorerst. Und ich würde nichts mehr kaufen.

Ich und der Junge der streiften durch die Gänge des Flughafens, auf der Suche nach der Sicherheitskontrolle. Ich wusste echt nicht warum, immerhin würden die Wachmänner uns dann wieder in diesen dummen Raum stecken. "Ich bin Kevin", sagte der Junge. "Carrie", antwortete ich. "Was machst du ganz allein hier?", fragte Kevin. "Ich fliege nach London." Kevin nickte langsam. "London ist bestimmt schön. Ich muss nach Frankreich!" Ich lächelte. Meine Eltern haben mir, als ich noch klein war, immer Bilder von Paris gezeigt. Sie hatten sich dort kennengelernt. Damals war meine Mutter noch die wunderschöne Clementine, die ihr ganzes Leben von einer eigenen Modefirma träumte. Und mein Vater war noch der fröhliche Jim, der Frankreichs bester Schokoladtier werden wollte. Doch das Leben ist kein Wunschkonzert. Zwar haben meine Eltern sich gefunden, doch heute arbeiteten sie den ganzen Tag im Büro, kamen Abends mit dunklen Augenringen nach Hause und stressten sich in jeder Minute. "Frankreich ist doch schön", meinte ich. "Da gibt es den Eiffelturm und köstliche Baguettes und Croissants!" Kevin nickte erneut. "Ich weiß. Meine Eltern wollen unbedingt, dass ich gehe. Und anfangs hatte ich auch diese schönen Gedanken von warmen Gebäck und einzigartigen Kunstwerken. Aber dann habe ich herausgefunden warum ich dorthin soll. Ich muss-" "Flug nach London, noch eine halbe Stunde!", rief die Flughafenansagerin und ich riss erschrocken die Augen auf. Ich rannte zur Sicherheitskontrolle und sagte, meine Eltern wären schon durchgegangen. Man ließ mich also auch durch und ich rannte zu meinem Flug. "Reisepass, bitte!", forderte die Frau am Einlass. Ich reichte ihn ihr. Und gleich dazu die Flugtickets, die ich per Post bekommen habe. Die Frau zog die Augenbrauen hoch. "Sitzplatz 13? Wow, gute Wahl!" Ich fragte mich, was bei meinem Sitz so toll sein sollte, ich flog doch nur ganz normal Flugzeug. Als ich ankam sah ich es: Ich flog in Goldklasse. Ich gehörte zu den vier Leuten, die mit einer besseren Klasse als Erste Klasse flogen. "Das muss ein Fehler sein!", meinte ich, doch die Leute schauten nur auf mein Flugticket und erwiderten: "Nein. Kein Fehler. Das ist eine große Ehre hier mitfliegen zu dürfen!" Mein Sitz war breit und weich, ich hatte ein IPad vor mir und einen eigenen Tisch. Das Flugzeug startete und eine Frau mit einem Essenswagen kam herein. "Ein Glas Rotwein und ein Stück Buttercremetorte", bestellte ein kleiner, rundlicher Mann mit einem Schnurrbart. "Für mich, ein dünnes Stück Erdbeertorte und ein Glas alkoholfreien Sekt!", meinte eine dünne Frau mit jede Menge Make Up im Gesicht. "Geräucherte Forelle und ein Vanille-Milchshake!", sagte ein Mann in einem Anzug. Alle schauten mich gespannt an. "E-Ein Mineralwasser und ein Erdnussbutter-S-Sandwich, bitte!", murmelte ich zitternd. Ich war nicht sonderlich geübt darin, Leuten zu sagen, was sie mir geben sollen, deshalb bestellte ich nichts zu Kompliziertes. Die anderen Gäste stöhnten. "Mädchen, was für ein kaputter Geschmack!", rief der Mann im Anzug. "Wenigstens ein Stück Torte könntest du dir nehmen!", sagte die Frau. "Und ich werde nicht zulassen, dass du diesen Dreck in der Goldklasse isst!", meinte der schnurrbärtige Mann und drückte auf einen Knopf. Die Frau mit dem Essenswagen kam wieder herein. "Ein großes Stück Schokosahnetorte, eine Himbeerlimonade, gebackene Kartoffeln mit Edelgouda und Pistazieneiscreme mit Sahne!", rief der Mann und die Frau reichte mir das Essen. Noch nie hatte ich etwas so Gutes gegessen. Die Leute in der Goldklasse waren sehr nett, ich gewann eine Partie Schach gegen Fabian, den Mann im Anzug, und wir schauten eine englische Dokumentation über die Royal Familie an. Schließlich landete das Flugzeug und ich stieg aus. "War schön dich kennenzulernen!", verabschiedete sich Cloe, die Frau mit dem vielen Make Up und schlenderte davon. "Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder!" Etwas später stand ich auf der Straße vor den Flughafen und stieg in einen Bus, der zur Innenstadt fuhr. Hallo London!

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Kapitel: 4
Sätze: 359
Wörter: 3.473
Zeichen: 20.323

Kurzbeschreibung

Carrie ist an ihrer Schule und auch überall sonst eine Außenseiterin. Doch eines Tages verändert eine mysteriöse Frau ihr Leben und Geheimnisse, die auf Ewigkeiten unbekannt sein sollten, kamen ans Licht.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Fantasy auch im Genre Science Fiction gelistet.

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