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Lebensfreude

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10.06.20 22:44
12 Ab 12 Jahren
Fertiggestellt

Jetzt war sie also wohl bald zu Ende, diese gefährliche Krise mit dem neuartigen Virus. Nun gut, es würden neue folgen. Allein diese Unruhen auf der Welt wegen der Ungerechtigkeit machten ihn nachdenklich.

Am besten wäre es, sein Haus noch einmal zusätzlich zu sichern. Nie konnte man genau wissen, was einem schlussendlich den Garaus machen würde. Aber warum hatten so viele so schreckliche Angst, dass ihnen etwas zustoßen könnte oder sie nicht politisch korrekt behandelt würden?

Das bisschen Leben bestand doch nur aus Kaufen und Scheinen. Auch jetzt setzte die Politik wieder alles auf die Ankurbelung des Konsums. Im Wachstum liege der Schlüssel zu allem Wohlstand, predigen die einschlägig Interessierten schon immer. Und dabei wollen immer mehr Mäuler gefüttert werden, erheben immer mehr Menschen Anspruch auf die gleiche Lebensweise.

Wie soll man sich da noch abgrenzen, wie herausragen aus der riesigen Masse? Und wenn man sich dann so absichern muss, dass keiner mehr sehen und bestaunen kann, was man sich durch harte Arbeit und teuren Konsum erschaffen hat? Dann macht doch das Kaufen keinen Spaß mehr, ob mit oder ohne Maske!

Er lehnte sich zurück und zog an seiner Meerschaumpfeife. Dem Glauben, mit dem man noch vor einigen Jahrzehnten so manche unerwünschte Entwicklung hatte verlangsamen können, hatte die Shoppingcommunity ja auch weitgehend abgeschworen. Dafür gab es heute neue Prediger, die mit ihren Visionen einer anderen Welt neue Jünger hinter sich scharen konnten.

Im Grunde genommen war es so doch immer gewesen, seit Anbeginn der Menschheit:

Ich will anders sein als du, ich will mehr haben.

Ich bin anders als du, und das macht mich wertvoll.

Ich habe mehr und kann mehr kaufen, deshalb fühle ich mich besser und habe mehr Macht.

Mehr Macht, um mehr zu kaufen und mehr zu scheinen.

 

Das wäre ja nicht auszuhalten, wenn ich doch nur einer von vielen Milliarden wäre.

Wenn mein Leben keinen Sinn hätte.

 

Gleich morgen würde er den Sicherheitstechniker bestellen. Und dann noch etwas Schönes kaufen.

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Diese Story wird neben Nachdenkliches auch im Genre Sarkasmus gelistet.