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Von der Freude ein Kind zu sein

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21.01.18 11:21
Fertiggestellt

Ich war vielleicht fünf oder sechs Jahre alt, als ich anfing davon zu träumen, eines Tages reich zu werden. Allerdings wußte ich nicht so recht, wie ich zum Reichtum hätte kommen können. Vielleicht durch eine Erbschaft, oder ein Lotterie-Gewinn -obwohl ich nie spielte!-oder durch die Heirat einer Königin. Manchmal dachte ich sogar ein Bandit oder Pirat zu werden, der reichen Leute ihr unrechtmäßig erworbenes Geld wegschnappt.

Welche Idee mich aber am meisten beeindruckte war, ich würde Geld selber drucken. Nur große Scheine aber! Welche Währung, war in dem Moment zweitrangig. Ich fantasierte damit oft, und konnte nicht einmal sagen, ob es ernst war, oder nur ein verrücktes Spiel.

Spannend wurde dann an manchen Abenden vor dem Einschlafen. Eingehüllt in den anfangs noch kühlen Decken meines Bettes, wartete ich regungslos, bis langsam der Körper sich beruhigte und entspannte. Manchmal glaubte ich sogar, ich würde auf einer Wolke liegen und am Himmel schweben.

Währenddessen reisten meine Gedanken in unscheinbare Welten. Ich sah mich mit Tieren sprechen und mit Menschen Handeln. Ich strengte mich an, Wörter oder Zeichen zu entziffern und zu lesen, die auf Papier oder Schilder, plötzlich vor meinen Augen tauchten. Und dann waren sie da. Diese Banknoten. Diese farbigen Geldscheine von denen mir immer unmöglich war zu erkennen, was für welche es waren.

Ich stellte mir einen ganz großen Haufen vor, ein riesiger Berg aus Geldscheinen. Dann konzentierte ich mich auf das tiefste. Ich drückte ganz fest die Augen zu, um diese Scheine noch besser zu betrachten und wahrzunehmen. Sie schwebten über meinem Kopf! Ich versuchte meine ganze Energie zu sammeln und auf meine Gedanken zu steuern und zu leiten. -Es wäre möglich gewesen, daß, mit etwas Konzentration und starkem Wille, diese Geldscheine, die im ersten Moment nur eine Fiktion waren, sich dann langsam durch meine gesammelte Energie materialisierten und Wirklichkeit werden würden!- Anscheinend war die Aktion so anstrengend, daß ich danach sofort einschlief.

Eines Morgens stand ich ganz schnell auf, und das erste was ich tat, war nachschauen, ob einige von den Geldscheinen doch nicht auf dem Boden lagen, oder sich unter der Bettdecke mit mir gewälzt hatten.

Meine Mutter kam ins Zimmer, als ich am Boden lag und unter das Bett kroch. Sie fragte mich natürlich was ich da täte, und als ich mein Traum erzählte und erklärte was das Suchen bezweckte, sagte sie lächelnd :

-Du brauchst nicht mehr zu suchen. Ich habe das Geld schon Heute früh für dich eingesammelt. Im Laufe des Tages werde ich dir eine große Tafel Schokolade kaufen. Einverstanden?-

-Oh ja!- schrie ich.

Von dieser Freude zehre ich noch Heute. ©

 

G. C. 1994

Autorennotiz

Die Geschichte ist uralt. Bis auf ein paar stilistische Änderungen, habe ich sie so übernommen, wie ich sie damals geschrieben hatte.

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Sätze:31
Wörter:466
Zeichen:2.689

Kategorisierung

Diese Story wird neben Familie auch in den Genres Fantasy, Nachdenkliches und gelistet.