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Firmenpolitik

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26.01.20 16:38
16 Ab 16 Jahren
Fertiggestellt

Alle in der Firma werden versammelt. Wichtiges soll angekündigt werden heute. Wir im Produkt-Team wissen, es handelt sich auch um unsere Teamleiterin.

Nach der Fusion letzte Woche mit der anderen Firma sind viele Positionen der höheren Stufen doppelt besetzt. Die Investoren werden entscheiden, wer bleibt, für anonyme Mitarbeiter wie wir haben sie keine Zeit und keinen Plan, wir schauen auf eine ungewisse Zukunft. Ich denke an meine Frau und unsere vier Kinder.

Unsere Firma hat sich im großen Sitzungsraum versammelt. Unser Vorstandsvorsitzende, der immer die Reden im großen Sitzungsraum hält, gefolgt vom technischen Direktor, ist heute nicht da, stattdessen ist der Vorstandsvorsitzende der anderen Firma da und hält heute die Rede. Ich schaue auf unseren technischen Direktor, der still daneben steht und es nur mit schwarzer Miene schafft zuzuhören, er sagt auch nichts, als der andere Vorstandsvorsitzende fertig ist.

Im Hintergrund in der Ecke erblicke ich den Teamleiter vom Produkt-Team der anderen Firma, ich stoße meinen Kollegen an und wir beobachten diesen Teamleiter, wie zuversichtlich und gerade er da steht.

Es wurde also angekündigt, dass ein paar Änderungen in der Firma stattfinden werden, aber dass wir uns dennoch keine Sorgen machen brauchen und uns fleißig dem normalen Arbeitsalltag widmen sollen.

Es ist meine vierte Firma hier in Berlin, in der ich mich einfach danach sehne, friedlich und unbesorgt arbeiten zu können. Diese bescheuerte Politik in Firmen, sie bringt nichts als Chaos und leere Oberflächlichkeiten. Firmen wollen gut aussehen, egal wie, und das Inkompetente soll irgendwie als das Kompetenteste von allem an Investoren verkauft werden.

In der nächsten Woche versammelt man uns wieder im großen Sitzungsraum und wir sehen unsere Teamleiterin, die seit zwei Wochen nicht im Büro gewesen war. Wir erfahren jetzt, dass es entschieden ist, sie muss gehen.

Das neue Leitungspersonal an der Macht ist mehrheitlich aus der anderen Firma, und sie haben sich für ihre eigenen Leute entschieden. Somit haben wir den zuversichtlich gerade stehenden Teamleiter, zuständig für unser Team, so lange es uns noch geben darf.

Heute ist unser alter Vorstandsvorsitzende da. Es ist ein Abschiedstag. Eine Person nach der anderen aus dem alten Leitungspersonal unserer Firma steigt auf die Bühne, unsere Teamleiterin, später der technische Direktor mit einer noch düstereren Miene als letzte Woche. Die Abschiedsreden sind entweder kurz oder es gibt sie nicht. Als letzter steigt unser alter Vorstandsvorsitzende auf die Bühne. Obwohl er bestimmt genug verdiente und bestimmt ein sorgenloseres Leben bisher hatte als ich mit meinen fünf Mäulern zu füttern zu Hause, bemitleide ich ihn. Wir schauen alle zu, wie er als letzter auf der Guillotine enthauptet wird.

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Jordeu Am 31.01.2020 um 8:06 Uhr
Ich bin begeistert von der Vielfalt der Inhalte, die MUNZ widerspiegelt. Glaubhaft und überzeugend. Der Spannungsbogen ist immer da. Man darf getrost mit einer Wende rechnen.
Sehr vielversprechend. Unbedingt empfehlenswert. Ein neuer Stern am Autorenhimmel.

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