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Dämmerung

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30.08.22 14:33
6 Ab 6 Jahren
Fertiggestellt

 

Es dämmerte leicht, als sich die lautstarke Meute wiederholt zum "Feierabendbier" am Steg der Entzugsklinik traf. Jeden Abend wartete Konnetzki, ob der Anruf "kommen Sie mal morgen früh zum pusten" noch kommt.

Bis 22:00 Uhr konnte der Anruf von den Schwestern erfolgen. Jetzt war es halb elf abends und Konnetzki bekam heute keinen Anruf. Er hatte im Supermarkt alles für den Abend besorgt. Bier und Jägermeister.

Jetzt waren er und seine "Leidensgenossen" wieder bei bester Laune in geselliger Runde.

Dabei hatten sich allesamt wieder einmal vorgenommen, "dieses Mal, da schaff ichs".

Konnetzki hatte ein Gewaltproblem, wenn er trank. Er hatte unzählige Haftstrafen abgesessen, mehrmals den Entzug versucht, doch er entkam dem Alkohol einfach nicht. Jetzt war er hier im Rahmen eines Therapie statt Strafe Programms. Ein schlechtes Gewissen war ständiger Begleiter, doch der Druck war größer.

Sowohl von der Sucht als auch von den Anderen, denn niemand ist gern allein abhängig.

 

Früher hatte er ein Haus mit Garten, eine Frau und drei Kinder, die er schon seit sie 10 Jahre alt waren nicht mehr sehen durfte. Ein Grund für ihn noch mehr zu trinken. Er verlor das Haus, weil alles Geld für Alkohol drauf ging. Daraufhin ließ sich seine Frau Linda scheiden und nahm die Kinder mit. Konnetzki landete nach einem langen Weg durch Ämter und Behörden schließlich ganz unten. Hatte weder Wohnung, noch Schuhe am Leib.

Er hatte mühselig pfandflaschen gesammelt und konnte sich dadurch ein gebrauchtes Zelt besorgen in welchem er unter einer S-Bahnbrücke hauste. Der Wind pfiff stark durch die Brücke, sodass es einem noch wesentlich kälter vorkam, als es war. Doch Alkohol wärmt von innen und lässt die Situation viel erträglicher erscheinen.

 

Seine Exfrau Linda, hatte immer versucht den Kontakt aufrecht zu erhalten aber irgendwann fehlte ihr die Kraft sich mit anzusehen, wie er immer tiefer sank.

Ihr war es ziemlich peinlich als sie ihre Kinder fragten, wer der Mann war, den sie grüßte, der in der Bushaltestelle lag.

 

Der Kältebus kam im Winter jede nacht und auch Konnetzki hatte mal Glück, einen Platz in einer Notunterkunft zu ergattern. Doch auch da beklauten sich die Leute gegenseitig und der Gestank war kaum auszuhalten. Aber er hatte Glück, einen Sozialarbeiter zu treffen, der es gut mit ihm meinte. Er schaffte es ihn in einer Obdachlosenunterkunft unterzubringen, wo Konnetzki es auch kurzzeitig schaffte sich an die Regeln zu halten. Er ging mit ihm zum Sozialamt, sodass er auch Unterstützung bekam. Eines Tages aber bekam er einen Rückfall und sehnte sich so sehr nach Alkohol, dass er eine Ältere Frau schubste und ihr die Handtasche wegriss.

Da es viele Zeugen gab, wurde er gleich noch beim Schnaps kaufen verhaftet.

Jetzt war er in der Klinik gelandet weil man ihn zum Entzug verurteilt hatte. Er hatte auch den festen Willen, doch die geselligen Abende wollte er nicht vermissen. Er trank einige Biere und Schnäpse, wie er es von "zu Hause" kannte...

 

 

Am Ende hatte er seinen "normalen" Pegel erreicht und fühlte sich wieder wie ein Mensch. Kein Zittern, keine Schmerzen, einfach "Mensch".

 

Alles schien so schön normal, als eine unachtsam weggeworfene Zigarrete (es waren seit Wochen über 30 grad und es hatte in der ganzen Zeit nicht geregnet), den steg so schnell entzündete, dass man es gar nicht so schnell begreifen konnte. Die Leute konnten sich nur noch ins Wasser retten. Konnetzki hatte leider nie schwimmen gelernt.

Er versuchte sich irgendwie über Wasser zu halten, aber Panik machte sich in ihm breit, er strampelte, er schrie, er schluckte Wasser, er japste nach Luft...vergebens. Als die Rettungskräfte eintrafen, waren Konnetzkis Schreie bereits verstummt...

Autorennotiz

Die Idee zu meiner allerersten Heschichte kam mir in einer Klinik für Psychosomatik und Suchtkrankheiten.

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Autor

Willis Profilbild Willi

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Kapitel:2
Sätze:34
Wörter:621
Zeichen:3.682

Kurzbeschreibung

Eine Geschichte über eine Alkoholiker, der versucht, der Droge zu entkommen.