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Eine Welt

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12.7.2017 20:24
In Arbeit

"Eine Welt , in der niemand etwas gegen Unrecht sagt, solange es einem gut geht.

Eine Welt, in der alles nur noch in Geld aufgewogen wird.

Eine Welt, in der die Leute bei der Partnerwahl nach dem Vermögen gehen.

Eine Welt, in der man ein Vermögen durch den Verkauf der eigenen Würde machen kann.

Eine Welt, in der Markennamen mehr als eine eigene Identität zählen.

Eine Welt, in der man nur noch sich selbst vertrauen kann.

Eine Welt, in der man wohl besser ein rundes Nichts als ein eckiges Etwas ist.

Alle wissen es.

Doch niemand sieht es.

Eine Welt."

 

L. klappte seinen Laptop zu.

"War gar nicht so schwer", sagte er zu sich selbst und stand von seinem Schreibtischstuhl auf. In 30 Minuten musste er seinen kleinen Bruder abholen, aber als er durch das Fenster in den Garten schaute verzog sich seine Miene. Es regnete.

Der findet auch ohne mich den Weg nach Hause, dachte er sich. Also entschloss sich L. noch eine neue Folge seines Lieblingsyoutubers A. anzuschauen. Dieser machte sich mal wieder komplett lächerlich und zum Gespött der Leute, filmte es und ludt es auf der bekanntenVideoplattform YouTube hoch. Aber L. fand es lustig. Und neben ihm wahrscheinlich auch noch die anderen 800 000 Abonennten. A. verdiente sich damit seinen Lebensunterhalt und L. bewunderte ihn dafür.

Es hatte aufgehört zu regnen. Perfekt, dann kann ich meine neuen Ultraboosts anziehen und meinen Bruder doch noch abholen, freute L. sich und zog den schwarzen Schuhkarton unter dem Bett hervor. Sein ganzes Gespartes hatte er für das Paar Schuhe ausgegeben. Eigentlich wollte diese in einer anderen Farbe, aber es waren immer noch Ultraboosts und das waren sie ihm wert gewesen. Immerhin hatte J. aus der Parallelklasse auch immer die neusten und teuersten Sachen und der hatte sogar eine Freundin, die stand total auf den ganzen Kram, den J. immer hatte, sagten die anderen oft. Er zog sich die Schuhe an, lief die Treppe runter und schnappte sich noch die dünne Jacke mit den Asiatischen Schriftzeichen zum überziehen. Er hatte keine Ahnung, was die bedeuteten, aber im Internet stand, die sollten gerade cool sein.

Auf dem Weg zum Kindergarten, in dem sein kleiner Bruder war, sah er, wie jeden Tag, die Obdachlosen, die sich mit dem bisschen Geld was sie hatten, ihren Hunden und sich etwas zu trinken und zu essen kauften. L. wollte die Hunde manchmal streicheln, aber seine Mutter befahl ihm immer, sich von diesen Leuten fern zu halten. Mit solchen Leuten geben wir uns nicht ab, sagte sie immer. Er verstand nicht warum, aber akzeptierte es.

Also tat L. auch dies.

L. war erst 13 Jahre alt.

Und doch schon ein Teil dieser Welt.

Eine Welt , in der niemand etwas gegen Unrecht sagt, solange es einem gut geht.

Eine Welt, in der alles nur noch in Geld aufgewogen wird.

Eine Welt, in der die Leute bei der Partnerwahl nach dem Vermögen gehen.

Eine Welt, in der man ein Vermögen durch den Verkauf der eigenen Würde machen kann.

Eine Welt, in der Markennamen mehr als eine eigene Identität zählen.

Eine Welt, in der man nur noch sich selbst vertrauen kann.

Eine Welt, in der man wohl besser ein rundes Nichts als ein eckiges Etwas ist.

Alle wissen es.

Doch niemand sieht es.

Eine Welt, die unsere ist.

Autorennotiz

Ist mir nicht ganz so gelungen, wie ich mir das vorgestellt habe...

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Autor

Izanamis Profilbild Izanami

Bewertung

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Statistik

Sätze:31
Wörter:559
Zeichen:3.164

Kurzbeschreibung

Konsumgesellschaft, wie sie sich selbst und andere sieht, verpackt in der Person L.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Alltag auch im Genre Nachdenkliches gelistet.

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