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Verfluchtes Glück - Eine Adventskalendergeschichte

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06.12.25 21:57
6 Ab 6 Jahren
Fertiggestellt

Meghan, eine eher zierliche und mit ihren 116 Jahren auch recht junge Lindenfee, stand am Fenster einer einladend wirkenden Backstube. Das golden schimmernde Haar fiel ihr in sanften Wellen bis zu ihren Hüften und verbarg die glitzernden durchsichtigen Flügel. Nach einer langen und harten Zeit der Ausbildung hatte sie vor etwas mehr als 16 Jahren, zu ihrem hundertsten Geburtstag, endlich einen Schützling zugewiesen bekommen. Es war der Tag gewesen, auf den sie nächtelang hin gefiebert hatte - und dann war ihr bloß das Bild eines hässlichen, schrumpeligen Neugeborenen präsentiert worden. Das war‘s. Keine offizielle Veranstaltung, keine Begrüßungsrede und keine glamouröse Aufnahme in das Protektoriat, wie es zuvor bei ihren zwei besten Freundinnen der Fall gewesen war. Sie hatte damals tagelang darüber nachgegrübelt, was sie in ihrer Ausbildung falsch gemacht hatte, wo sie diese doch als Jahrgangsbeste abgeschlossen hatte. Es hatte lange gedauert, bis sie verstanden hatte, dass diese fast schon auffällige Unauffälligkeit nichts mit ihr zu tun hatte, sondern viel mehr mit dem Kind, dass es zu beschützen galt.

Jean-Jacques Lukas Berger (wer um Himmels Willen gibt seinem Kind einen solchen Namen?!) war der Sohn einer französischen Mechanikerin und eines deutschen Musikproduzenten. Bis vor etwa einem halben Jahr waren die Dinge so gelaufen wie sie sollten, von den gelegentlichen Prügeleien in der Grundschule und den kleinen Reibereien mit seinen Eltern während der Pubertät mal abgesehen. Seine schulischen Leistungen waren okay, er war kein Überflieger, aber besonders ab der Mittelstufe ein für sein soziales Engagement respektierter Schüler. Kurz, Jean-Jacques Lukas hatte nur wenig ihrer Aufmerksamkeit in Anspruch genommen, die meiste Zeit hatte sie in der Familienkonditorei ausgeholfen. Doch das hatte sich geändert. Seit dem Umzug mit seinen Eltern, übte sein neues Umfeld einen negativen Einfluss auf ihn aus. 

Jean-Jacques Lukas schien plötzlich wie ausgewechselt. Anstatt wie zuvor auf Provokationen gelassen zu reagieren und andere mit seiner besonnenen Art zum Nachdenken zu bringen, schien er nun geradezu nach Streit und Aggressivität zu suchen. Aus einem bescheidenen Jungen, der es stets geschafft hatte, seine Freunde mit seinen außergewöhnlichen Witzen zum Lachen zu bringen, war ein übellauniger, gieriger junger Mann geworden, dessen grimmige Miene den ein oder anderen schon aus einigen Metern Entfernung zum Schaudern brachte.

„Meghan, das musst dir ansehen, wir brauchen deine Hilfe!“, die alarmierte Stimme ihrer Schwester Kathy riss die Lindenfee aus ihren Gedanken. Mit schnellen Schritten folgte Meghan ihrer Schwester in den unteren Teil der Bäckerei, wo die Öfen standen. Übler Gestank schlug ihnen entgegen. Kathy spurtete in Richtung des Fensters, um die qualmende Hitze, die aus dem größten der Backöfen zu kommen schien, zu vertreiben. Doch ein Schrei ihrer Schwester ließ sie innehalten: „Nicht! Bist du wahnsinnig?!“ Irritiert drehte Kathy sich um. „Wenn das hier das ist, was ich glaube, dann haben wir ein mächtiges Problem. Und zwar ein deutlich Größeres als das Verbrennen unserer beliebten Glücksplätzchen!“ Ein irres Grinsen stahl sich auf Kathys Gesicht: „Und wenn schon! Lassen wir es raus in die Welt, all das verbrannte Glück!“ Schon wieder machte sie sich am Fenstergriff zu schaffen, doch Meghan war schneller. Noch ehe ihre Schwester reagieren konnte, hatte sie sie über ihre Schulter geworfen und rannte so schnell es mit dem zusätzlichen Gewicht ging, in die gemütliche Familienküche ohne auf Kathys Kreischen, Kratzen und Treten zu achten. Erschöpft lies Meghan sie auf die Küchenbank fallen, doch ihre Schwester schlug weiter um sich, als wäre der Teufel persönlich hinter ihr her. Dieser Vergleich lies die junge Lindenfee zusammenfahren. Was, wenn dem tatsächlich so war? Wenn sie mit ihrer Vermutung Recht behielt und das Böse sich im Herzen ihrer Schwester einfraß? Panisch drehte Meghan sich im Kreis, auf der Suche nach irgendjemandem, irgendetwas, das ihr helfen könnte. „Die Glückskekse!“, schoss es ihr durch den Kopf. Doch siedend heiß fiel ihr ein, dass diese ja soeben im Gift des Unheils ertränkt worden waren. Verzweifelt riss sie sämtliche Schubladen auf, in denen die Familie ihre Notfall-Rationen aufbewahrte, doch auch hier herrschte gähnende Leere. 

Verzweifelt drehte Meghan sich um, als sie Kathy in Richtung des Bads davon stolpern sah. Und in ihrer Hand… in ihrer Hand hatte sie eine kleine Dose, gefüllt mit der eigenen Rettung! Vernunftsplätzchen! Dass sie da noch nicht selber drauf gekommen war! Es war zwar keine längerfristige Lösung, aber zumindest würde es hoffentlich helfen, dass ihre Schwester sich nicht länger wie eine Außerhimmlische verhielt. Mit einem schnellen Sprint hatte sie Kathy eingeholt und versperrte ihr den Weg: „Was willst du?“, fauchte diese. „Dich zur Vernunft bringen!“, knurrte Meghan, als ihr klar wurde, dass ihre Schwester die kostbaren Plätzchen wohl im Klo versenken wollte. Nach kurzem Gerangel schaffte sie es, ihr die Dose aus der Hand zu reißen. Weitere Minuten später, hatte sie Kathy endlich dazu überredet, eins der Vernunftsplätzchen zu essen, indem sie behauptete, sie würden das Unheil in der Welt verstärken. Und tatsächlich schien es zu wirken. „Mama, Mama ist noch da unten! Sie ist wie tot umgefallen, als sie den Backofen geöffnet hat!“, rief Kathy entsetzt, als sie sich der brenzligen Lage bewusst wurde. 

„Mensch Kathy!“, zischte Meghan wütend und bekam sogleich Gewissensbisse, als sie in die traurigen Augen ihrer kleinen Schwester blickte. Sie konnte doch nichts dafür, dass das Böse sie übermannt hatte; im Grunde war es ein Wunder, dass Meghan selbst keinen Schaden genommen hatte. Schließlich hatte auch sie die mächtige Aura gespürt, die das Gift in der Backstube hinterlassen hatte. Ohne weiter darüber nachzugrübeln, lief sie schnellen Schrittes in Richtung der Backstube, doch als sie bemerkte, dass ihre Schwester ihr folgte, blieb sie abrupt stehen. Mit einem entschuldigenden Blick wandte sie sich um und erinnerte Kathy angespannt: „Du nicht, Schwesterherz, du hast für heute genug totes Feuergift abbekommen.“ „Aber was, wenn du dort drinnen genauso einen Anfall bekommst wie ich oder umkippst, so wie Mama?“, wandte diese ein. „Das wird nicht passieren.“, erwiderte Meghan und hoffte, dass ihre Stimme nich so zittrig klang, wie sie sich fühlte. „Pass auf.“, fügte sie sicherheitshalber an, als sie dem verzweifelten Blick ihrer Schwester begegnete, „Wenn ich in, sagen wir fünf Minuten, noch nicht zurück bin, dann holst du Hilfe, okay?“ Das „Wenn es dann noch nicht zu spät ist“, das ihr auf der Zunge lag, verschluckte sie lieber. Kathy wusste genauso gut, wie brenzlig die Situation war und wie viel auf der Kippe stand, deshalb rechnete Meghan es ihr hoch an, dass sie nicht weiter diskutierte und seufzend nickte. 

Umso weiter die Lindenfee sich der Tür zur Backstube näherte desto mehr spürte sie allerdings, wie ihre Selbstsicherheit schwand und beinahe hätte sie sich nun doch ihre Schwester herbei gewünscht. Doch schnell verbot sie sich diesen Gedanken und verbannte die Angst, die sich in ihren Adern anstaute. Als sie nach einer gefühlten Ewigkeit endlich ihr Ziel erreicht hatte, öffnete sie die Tür nur so viel, wie es nötig war und schlüpfte schnell durch den Spalt, um dem Bösen nicht die Möglichkeit zu geben, sich im gesamten Haus zu verteilen. 

Der Schock fuhr Meghan durch alle Glieder, als sie ihre Mutter entdeckte, die leblos hinter dem Ofen lag. Hastig nahm die Lindenfee ihren schlaffen Arm, legte ihn um ihre Schulter und trug den schweren Körper hinaus. Erschöpft ließ sie sich draußen gegen die Tür sinken. „Kathy!“, rief sie mit letzter Kraft, „Hilf mir mal!“ Gemeinsam trugen die zwei Schwestern mit brennenden Augen den Leichnam ihrer Mutter ins sonst so heimelige Wohnzimmer. Doch heute war die Atmosphäre eisig kalt, sogar die Lampe flackerte bloß einmal kurz auf und erlosch dann, als Meghan den Lichtschalter betätigte. Tränen kullerten den Geschwistern über die Wangen, als Kathy plötzlich keuchte. 

„Sie lebt!“, rief die junge Lindenfee aufgeregt. Doch Meghan schüttelte den Kopf: „Es tut mir leid, Kat. Wir können nichts mehr für sie tun.“ Doch ihre Schwester ließ sich nicht von ihrem Einwand beirren und beharrte: „Nein Meggi, sie lebt noch, das weiß ich einfach!“ „Sei nicht albern, die Realität zu ignorieren, bringt Mama auch nicht zurück und das weißt du.“, wollte Meghan die Diskussion beenden. Sie konnte es nicht ertragen, wie Kathy ihren größten Wunsch aussprach und die Realität verdrehte. Meghan konnte den Worten ihrer Schwester einfach keinen Glauben schenken, sie durfte nicht hoffen, sonst würde sie an dieser abermaligen Enttäuschung zugrunde gehen. Eine zarte Hand legte sich auf Meghans Schulter und so gerne sie dem Blick ihrer Schwester ausgewichen wäre, das brachte sie einfach nicht übers Herz. „Schau auf ihren Bauch.“, forderte diese die ältere Lindenfee auf und tatsächlich, in sehr unregelmäßigen Abständen konnte man ein schwaches Heben und Senken des Zwerchfells erahnen. „Du könntest Recht haben“, gab Meghan unsicher zu. „Bloß weiß ich trotzdem nicht, wie wir sie aus diesem seltsamen Koma aufwecken können.“ „Was ist mit den Keksen?“, wollte Kathy verzweifelt wissen, „Irgendeine Sorte wird doch bestimmt helfen!“ „Ja,“, erwiderte ihre Schwester knapp, „die Lebenspralinen würden uns jetzt gute Dienste leisten, um Mama neue positive Energie einzuflößen, aber…“, sie zögerte kurz, „so kurz vor Weihnachten haben wir alle Plätzchen und Pralinen schon dem Weihnachtsmann geliefert. Und auf der Erde scheint es momentan nur so vor Wut, Kummer, Verzweiflung und Hass zu wimmeln, dass wir unsere Notfall Rationen gleich mit verschickt haben, um ein wenig Hoffnung und Freude in die Menschenwelt zu bringen. Das einzige was uns jetzt noch geblieben ist, nachdem die Backstube vergiftet wurde, ist die kleine Dose Vernunftsplätzchen.“ Es zerbrach ihr das Herz, die Verzweiflung in den Augen ihrer kleinen Schwester zu sehen, aber egal wie sehr sie sich anstrengte, ihr wollte einfach kein Ausweg einfallen. „Dann müssen wir eben zum Weihnachtsmann!“, rief Kathy kurzentschlossen, aber so einfach war das nicht. Der alte Zwerg namens Bartholomäus mit dem weißen Bart wohnte viele Kilometer nordwestlich von hier in einer einsamen Einsiedlerwohnung, und nur seine Wichtel wussten, wo genau diese sich befand. Zu dieser Zeit jedoch, so kurz vor dem heiligen Fest, würde sich Bartholomäus Tag und Nacht in seiner Weihnachtswichtelwerkstatt verkriechen, um die letzten Vorbereitungen zu treffen. Und wo diese sich befand, nun ja, man sagte es führe ein geheimer Tunnel aus der Wohnung des Zwerges dorthin, aber niemand wusste es genau. 

Es war also kein Erfolg versprechendes Vorhaben. Doch es war die einzige Chance, ihrer Mutter noch zu helfen, mochte sie auch noch so gering sein. Also packten die zwei Lindenfeen ihre sieben Sachen zusammen, die Dose mit den letzten sieben Vernunftskeksen, Wasser, Proviant für die lange Reise, zwei warme Wolldecken, Futter für die Rentiere, die Schneekugel, durch die Meghan ihren Schützling Jean-Jacques Lukas stets im Blick behalten konnte und natürlich das heilige Familienamulett, das ihnen die Fähigkeit des magischen Backens verlieh und das sie niemals allein im Haus zurück ließen. Da ihr Vater vor zwei Wochen für eine wichtige Mission des Protektoriats in die Menschenwelt geschickt worden war und angesichts des Zustands ihrer Mutter, blieb ihnen also nichts anderes übrig, als sie und das Amulett mitzunehmen. Insbesondere in diesen Zeiten, wo es das Böse sogar geschafft hatte, Unheil im Universum des Glücks zu verbreiten. 

Als die Rentiere gesattelt und der kleine Schlitten an das Zaumzeug von Lizzy angebracht war, verstauten sie das Gepäck und legten ihre Mutter vorsichtig, in Decken eingewickelt auf die Sitzbank, wo sie sie vorsichtshalber noch fest gurteten. Und dann ging es los. Mit einem etwas mulmigen Gefühl im Magen, stiegen die Geschwister auf ihren Rentieren gen Himmel. Kathy war auf Merlin durch die geringere Last etwas schneller, aber sie hielt ihn zurück und ließ Meghan die Führung übernehmen, so wie sie es ihr versprochen hatte. 

Schnell zogen unter ihnen die hell erleuchteten Dörfer und die Wälder, die einen geheimnisvollen lila Schimmer verbreiteten, vorüber und schon bald hatte das kleine Reisegrüppchen die ersten schneebedeckten Berge erreicht. Doch erst hier wurde es wirklich gefährlich. Eine unbekannte Gegend. Überall Schnee und Eis. Endlose Weite. Und keine Spur eines einzigen Lebewesens. Zumindest bis sie ihn sahen. Einen Vogel mit einer Flügelspanne von an die sechs Meter, den Kopf eines Adlers, doch der muskulöse, breite Körper strahlte die Aura eines Löwen aus. Eines Löwen auf der Jagd. Und sein durchdringender Blick war genau auf sie gerichtet, der gebogene Schnabel schon geöffnet und die scharfen Klauen ausgefahren. Alle Zeichen standen auf Angriff. 

„Ein Trigoretirus“, rief Kathy verwundert, sie schien noch nicht begriffen zu haben, wer das anvisierte Opfer war. „Ja Kat,“, antwortete Meghan in leichter Panik. „Und zwar nicht irgendein Trigoretirus. Das ist Trira, der König der Lüfte. Und er scheint verflucht zu sein, sonst würde er uns nicht auf so einen Abstand verfolgen! Nichts wie weg hier!“

Meghan ließ sich zwei Meter nach unten sinken und schoss dann im Sturzflug in den Schatten der Berge. Doch da ertönte plötzlich ein markerschütternder Schrei. „Meggie, HILFE!!“ Als sie sich umdrehte jagte ihr ein eiskalter Schauer der Angst über den Rücken. Trira hielt Kathy fest in seinen Klauen und Merlin schien sich nicht entscheiden zu können, ob er unter ihr bleiben sollte, um sie im Falle eines Sturzes aufzufangen, oder ob er den Trigoretirus selbst angreifen sollte, dann aber eine eigene Gefangennahme riskierte und die junge Lindenfee dabei vermutlich in den Tod stürzte. Meghan drehte eine so scharfe Kurve, dass der Schlitten hinter ihr zu schlingern begann, aber Lizzy hielt sich tapfer in der Luft und schaffte es irgendwie, das Gespann zu stabilisieren. In großen Sprüngen eilten sie Kathy zur Hilfe, die allerdings von dem grausamen Vogel immer höher getragen wurde. Mit letzter Kraft schaffte Lizzy es, noch einmal zu beschleunigen und die beiden einzuholen. Bevor Trira realisieren konnte, was hier geschah, packte Meghan ihre Schwester bereits an der Taille. Im gleichen Moment bäumte Merlin sich auf der anderen Seite auf und erwischte den Trigoretirus mit einem Huf am Kopf, sodass dieser zur Seite taumelte und Kathy endlich los ließ. Unter dem zusätzlichen Gewicht, sackte Lizzy erschöpft einige Meter nach unten, doch das war vermutlich ihre Rettung. Denn der Vogel hatte sich schneller berappelt, als ihnen lieb war und versuchte nun, Meghan vom Rentier zu reißen. Nur um Haaresbreite verfehlte er sie und nahm dann die Verfolgung auf. Kathy schaffte es irgendwie, in der Luft wieder auf Merlin zu wechseln, der gleichmäßig neben ihnen her preschte. Wie auf Kommando jagten die beiden Rentiere nun noch schneller in den Abgrund hinab, aber Trira war schnell und holte wieder auf. 

„Da!“, schrie Kathy in den brausenden Wind und zeigte auf eine schmale Felsspalte. Merlin und Lizzy reagierten sofort. Sie wechselten die Richtung und flogen direkt darauf zu. Meghan bezweifelte, dass sie dort hindurch passen würden. Andernfalls würden sie entweder beim Aufprall auf das Gestein zu Brei zerquetscht oder durch die Klauen des Vogels qualvoll getötet werden. Aber es blieb ihnen keine andere Wahl. Die Lindenfee kniff die Augen zusammen und rechnete fast schon damit, gleich aus dem Hier und Jetzt zu schwinden. Doch wie durch ein Wunder gelangte selbst der Schlitten durch die Felsspalte. Als Meghan die Augen wieder öffnete, schaute sie geradewegs in die wütenden Augen mehrerer alter Kampfwichtel.

Alles, was Meghan in diesem Moment wahrnahm, war das rasende Klopfen ihres Herzens, das beim Anblick dieser eisblauen Augen und der auf sie gerichteten Spaten, aus ihrer Brust zu springen drohte. Sie konnten jetzt nicht noch einen Kampf ausfechten, dazu waren sie alle viel zu schwach. Aber zurück war auch keine Option, denn dort lauerte sicherlich noch immer Trira und wartete nur auf eine Gelegenheit, sie in sein Nest der Dunkelheit zu verschleppen. Angestrengt suchte Meghan nach einem Ausweg, doch ihr wollte partout nichts einfallen. Es war ihre Schwester, die sie aus der brenzligen Situation rettete. „Hallo?“, meinte Kathy unsicher, aber es klang eher wie eine Frage. Sämtliche Kampfwichtelköpfe drehten sich ihr zu. „Ehh, i-ich bin Kathy, und das ist meine Schwester Meghan. Wir wollen euch nichts Böses!“ Daraufhin trat ein Wichtel vor, der etwas größer als die anderen war. „Woher seid ihr und wie habt ihr uns gefunden?“, fragte er mit feindseliger Stimme. Also begann die jüngere Lindenfee zu erzählen. Vom Unglück mit ihrer Mutter in ihrem Heimatdorf, von der Reise, auf die sie sich begeben hatten und von dem Trigoretirus, vor dem sie sich hier in Sicherheit gebracht hatten. „Verflixter Schlittenbruch! Verzwickter Rentierzahnausfall! Verlorene Kinderwünsche! Verkümmerter Weihnachtsbaum!“, begann der alte Wichtel zu fluchen als Kathy ihre Geschichte beendet hatte, doch er wurde unterbrochen, als sich eine Hand auf seine Schulter legte: „He, Lutzi, das bringt uns doch auch nicht weiter, beruhige dich!“ 

Besorgt schauten sich die Geschwister an. Immerhin hatte die Kampfwichtelbande endlich ihre Spaten gesenkt und auch der feindselige Blick war etwas anderem gewichen, was Meghan allerdings mindestens genauso viel Angst einjagte - Sorge. Wenn sich selbst diese scheinbar furchtlose Bande trotz ihrer Spaten vor dem fürchteten, was da draußen vor sich ging, dann war es wirklich schlimm. „Naja, dann kommt mal mit“, grummelte Lutzi und die Wichtel traten zur Seite, um ihnen Platz zu machen. Nur drei weitere Spatenkämpfer folgten ihnen in den dunklen, schmalen Felsgang. Ein mulmiges Gefühl machte sich in Meghans Magen breit. Sie fühlte sich wie eine Gefangene in dieser Horde und nur die Anwesenheit ihrer Schwester, ihrer Rentiere und ihrer Mutter, mochte sie auch noch so leblos scheinen, bewahrte sie davor, durchzudrehen. Aber im Moment sah sie keinen Ausweg aus dieser Situation und vielleicht konnten diese alten Wichtel ihnen ja tatsächlich weiterhelfen. Die Frage war nur, konnten die beiden Lindenfeen diesen verrückten Kreaturen trauen?

Autorennotiz

Das Kapitel für den nächsten Tag wird jeden Tag am Vorabend hochgeladen. Auf Instagram ist außerdem unter Amelika_Buch jeden Morgen das neue Kapitel als Hörspiel zu finden.

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Autor

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Kapitel: 7
Sätze: 184
Wörter: 3.022
Zeichen: 18.413

Kurzbeschreibung

Als die kleine Bäckerei der Lindenfeen, deren Gebäcke Licht, Hoffnung und Liebe ins Herz eines jeden Geschöpfes bringen, von einem Fluch ins Chaos gestürzt wird, ist für Meghan klar, dass sie etwas unternehmen muss. Doch allein hat sie keine Chance! Und dann ist da auch noch Jean-Jaques Lukas, der dem Bösen verfallen ist. Eine unaufhaltsame Spirale der Macht verdunkelt das Licht der Weihnacht…

Kategorisierung

Diese Story wird neben Abenteuer auch in den Genres Fantasy und Familie gelistet.