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Der Furchtgenießer

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30.06.26 13:10
12 Ab 12 Jahren
In Arbeit

Mittlerweile in einen Rollstuhl gezwängt, lässt er es sich nicht nehmen, persönliche Danksagung für sein Abendmahl, von dem er hofft, es sei nicht das Letzte, zu überbringen. Man merkt ein bisschen, das er bemüht ist, nirgends anzuecken, damit Petrus ihm die Pforte zum Himmel nicht verwährt, aber es gibt schlechtere Anlässe, kalkuliert höflich zu sein und wahrscheinlich ist es einfach Teil seiner Prägung, in formhafter Manier durch den Tag zu leben. Die Frau 2 Tische, von ihm aus gesehen rechts, hat ganz andere Sorgen, die vermutet nämlich, das man gemeldet hat, dass sie ihr Abendessen bereits um halb fünf bekommt, statt um fünf, damit sie einem unliebsamen Mitbewohner aus dem Weg gehen kann. Wann immer das Telefon klingelt, befürchtet sie, erkennbar am nervösen Zittern, es handle sich dabei um einen Anruf, der ihre schwer kriminelle Vorgehensweise, beenden soll, letztens hat sie mich flüsternd gefragt, ob es jetzt so weit ist. Ich sagte nein, das hat mit dir nichts zu tun, doch länger als für die Dauer, die das Auslöffeln ihrer Suppe in Anspruch nahm, konnte sie das wohl nicht beruhigen. Der ehemalige Bauer, der vom Furchtgenießer aus einen Tisch links, direkt an der Wand mit den andersweltlichen Gemälden verweilt, die für diesen, also den Furchtgenießer, nicht dem Bauern, einen Vorgeschmack auf die ungefähren, optischen Gegebenheiten seiner Vorstellung der Ewigkeit bieten, der - also der Bauer, der versucht sich regelmäßig einmal alle zwei Monate, von selbst dort hinzuverfrachten, in dem er testet, wie lange es dauert, bis jemand bemerkt, das er ungewöhnlich lange, vor dem Abgrund der höchsten Stufe der Treppe steht. Einsam und um seine einstige Habe gebracht, trauert er Zeiten nach, die ihm in der Retrospektive angenehmer erscheinen, als sie es vermutlich tatsächlich waren.

Eine ganz andere Frau, die für ihre spät gefundene Freundin Zigaretten bei mir schnorrt, fragt hin und wieder, ob ich wisse wo sie heute übernachten würde. "Zweiter Stock mit Blick auf den örtlichen Nahversorger und einen ganz passablen Kirschbaum" sage ich.

Dem Furchtgenießer, den ich so bezeichne, weil er es vorzieht, sich an die Angst vorm Tod zu klammern, um es Leben zu nennen, würde es wahrscheinlich egal sein, wo man ihn hinbrächte, solange er sich dafür bedanken dürfte und bedanken würde er sich, ja, das würde er.

Der übliche Rest, er sitzt beschäftigt mit Stricken, Brettspielen und unbeholfenen Verwandten, eine Episode ab, die einzig und allein, von deren Betrachtungsweise abhängt. Viele die alles verloren haben, besitzen doch noch alles, was man besitzen kann, manche nutzen es, für den Rest ist es ein Gefängnis, das keine Wände kennt.

Autorennotiz

Ein kurzer Einblick in die Gedankenwelt eines Henkermahlzeit Zubereiters.

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HerrGauloisess Profilbild HerrGauloises

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Sätze: 9
Wörter: 464
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