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| Sätze: | 49 | |
| Wörter: | 927 | |
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Ich kann nicht sagen, wann es angefangen hat. Vielleicht war es schon immer da - dieses Gefühl, am Rand zu stehen. Nah genug, um dazuzugehören, aber nie nah genug, um wirklich gesehen zu werden. Ich war immer da aber auch nicht, immer wieder, wenn mich jemand gebraucht hat, ein offenes Ohr brauchte oder einfach nur Mitgefühl. Ich war immer die erste die zuhörte. Doch niemand hat mir jemals zugehört. Dieses Gefühl von Angst nie genug für jemanden zu sein. Dieses Gefühl falsch auszusehen oder nicht ins Schema zu passen. Das Gefühl von Angst, die ich nicht beschreiben hat. Als hätte mir jemand die Luft geraubt, um zu atmen, ohne dass jemand jemals da war. Als würde jemand mir meine Farbe geraubt, ohne jemals in meine Augen gesehen zu haben.
Es wäre nicht das erste Mal, das ich so fühle. Vielleicht schmerzt es genau deshalb so sehr. Immer wieder verliere ich mich in Menschen, die mich nicht sehen. Ich mache sie zum Mittelpunkt meines Lebens, halte fest, obwohl ich weiss, sie sehen mich nicht, nicht meine Gefühlen oder Gedanken. Alles, was ich will, ist Liebe, die mich nicht verletzt. Ich gebe mir Mühe, nicht zu viel zu fühlen, aber es gelingt mir nie. Ich bin müde davon, alleine zu hoffen das eines Tages jemand in mein Leben tritt der mich wirklich will und nicht nur so tut. In Solchen Momenten ist meine Hoffnung wie Glas. Durchsichtig und zerbrechlich. Ich gebe diese in Hände, die wissen, wie man sie fallen lässt. Die wissen, was sie anrichten. In meinem Kopf schwimmen immer diese einen Fragen: Was fehlt mir? Warum reicht es nie? Vielleicht habe ich gelernt, Liebe mit Warten zu verwechseln. Mit Aushalten.
Vielleicht liegt genau dort mein größter Irrtum.
Dass ich dachte, Liebe müsse weh tun, damit sie echt ist. Dass ich glaubte, Sehnsucht sei ein Beweis für Bedeutung. Also saß ich jahrelang vor verschlossenen Türen und nannte das Hoffen. Ich sammelte die kleinen Krümel von Aufmerksamkeit wie verhungernde Vögel Brotstücke sammeln. Und jedes Mal redete ich mir ein, diesmal würde es reichen.
Aber Menschen können ganze Stürme in einem Herzen auslösen, ohne jemals zu erfahren, dass sie darin gelebt haben.
Niemand sah die Nächte, in denen ich wach lag und Gespräche wieder und wieder durchging. Niemand sah die Tränen, die ich wegwischte, bevor sie überhaupt mein Gesicht erreichen konnten. Niemand sah die Art, wie ich mich selbst immer kleiner machte, damit andere sich nicht eingeengt fühlten. Wie ich meine Bedürfnisse verschluckte, bis sie zu einem Kloß wurden, der irgendwo zwischen Herz und Kehle stecken blieb.
Und irgendwann fragte ich mich, wann ich eigentlich aufgehört hatte, für mich selbst zu existieren.
Denn ich hatte so viel Zeit damit verbracht, geliebt werden zu wollen, dass ich vergessen hatte, wie es sich anfühlt, sich selbst nicht zu verlassen.
Vielleicht ist das die einsamste Art von Schmerz.
Nicht, wenn andere gehen.
Sondern wenn man sich selbst dabei zusieht, wie man immer wieder Menschen hinterherläuft, die niemals stehen bleiben wollten.
Ich denke oft an die Version von mir zurück, die noch an Wunder glaubte. An das Mädchen, das dachte, Liebe würde anklopfen und bleiben. Das nicht wusste, dass manche Menschen kommen, nur um einem beizubringen, wie sich Verlust anfühlt.
Manchmal vermisse ich sie.
Weil sie noch nicht gelernt hatte, wie still ein Herz werden kann, nachdem es zu oft gebrochen wurde.
Heute trage ich all diese alten Geschichten in mir. Jede Enttäuschung lebt irgendwo zwischen meinen Rippen weiter. Wie Geister, die nachts durch leere Räume wandern. Manche Wunden heilen nicht. Sie lernen nur, leiser zu bluten.
Und trotzdem…
Trotz allem gibt es einen Teil in mir, der sich weigert zu sterben.
Einen kleinen, zitternden Funken.
Er lebt in den Momenten, in denen die Sonne mein Gesicht berührt. In Liedern, die mich plötzlich an etwas erinnern, das ich nie hatte. In den Sekunden zwischen zwei Atemzügen, in denen ich mir vorstelle, wie es wäre, endlich anzukommen.
Nicht bei jemand anderem.
Bei mir.
Vielleicht wartet dort keine große Liebe.
Vielleicht wartet dort einfach nur Frieden.
Vielleicht muss nicht jemand kommen, um mich zu retten. Vielleicht muss ich aufhören, mich an Menschen festzuhalten, die meine Hände nie wirklich greifen wollten.
Vielleicht bin ich nicht zu viel.
Vielleicht war ich nur immer dort, wo man nicht wusste, was man mit einem Herzen anfangen soll, das so tief fühlt.
Und vielleicht wird eines Tages jemand vor mir stehen, meine Narben betrachten und nicht nach einem Fluchtweg suchen.
Jemand, der bleibt.
Nicht weil ich perfekt bin.
Nicht weil ich leicht zu lieben bin.
Sondern weil er in meinen dunklen Stunden dieselben Sterne sieht wie in meinem Licht.
Bis dahin werde ich lernen, mich selbst nicht mehr zu verlassen.
Denn das traurigste Ende meiner Geschichte wäre nicht, allein zu bleiben.
Sondern mein ganzes Leben lang nach Liebe zu suchen und dabei nie zu bemerken, dass die Person, die am meisten darauf gewartet hat, gesehen zu werden, immer ich selbst war.
Die Welt spricht oft von gebrochenen Herzen. Aber niemand spricht darüber, wie es sich anfühlt, jahrelang mit einem Herzen zu leben, das nie gebrochen wurde, weil es nie wirklich festgehalten wurde. Das ist eine andere Art von Trauer. Eine, die keinen Abschied kennt. Nur eine endlose Reihe von Hoffnungen, die langsam zu Erinnerungen werden.
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