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Die Angst in Fünf Akten

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13.7.2017 10:07
12 Ab 12 Jahren
Fertiggestellt

Akt 1: Staubgeflüster

Die Luft war trocken, zäh vom Staub, der zeitlos in ihr schwebte. Elli sah ihn nicht, doch sie roch ihn: muffig und geheimnisschwer. Sie roch Staub und altes Holz, vergessene Mottenkugeln und uraltes Bücherpapier. Sie roch den Duft von schwarzen Geheimnissen.

Das kleine Mädchen wollte nicht wissen, welche Geheimnisse es waren.

Und doch war sie hier, auf dem vergessenen Dachboden des alten Hauses. Ein böser Ort war dies, das spürte sie jetzt. Doch wie hätte sie es wissen können, als sie sich hierher flüchtete? Wie hätte sie den Fehler dessen erahnen können?

Denn etwas war hinter ihr her. Etwas Schreckliches.

 

Akt 2: Bärentrost

Nur ihr Plüschbär war bei ihr, ein weißer Stofffreund mit weichem Fell und freundlichen, schwarzen Knopfaugen. Schon immer war er an der Seite des kleinen Mädchens gewesen, so lange sie denken konnte. Abends drückte Elli ihn an sich, vergrub ihr Gesicht in seinem Fell und wusste, dass sie geborgen war.

Er war bei ihr, wenn sie mit jemandem reden wollte, und er war bei ihr, wenn sie Trost suchte. Dieses simple Stofftier war so viel mehr für sie. Es war ihr treuester Freund und engster Vertrauter.

Und nun musste ihr Bär sie vor den bösen Monstern in den Schatten beschützen.

 

Akt 3: Schattenraunen

Elli konnte die Kreaturen nicht sehen, aber sie wusste dennoch, dass sie da waren. Sie lauerten auf sie, schlichen um sie herum und pirschten sich langsam näher. Die Bestien warteten nur darauf, das kleine Mädchen zu zerreißen.

Sie hatte Angst, natürlich, entsetzliche Angst sogar. Wimmernd drückte sie ihren Teddy fest an sich und kniff die Augen zusammen. Vielleicht würden die Monster dann ja verschwinden, wenn Elli sie nicht mehr sehen konnte.

Sie hoffte es so sehr.

Ein Knurren, direkt an ihrem Ohr. Elli schrie auf, ein spitzer Schrei der Furcht. Geht weg, geht weg, GEHT WEG!

Die Monster waren gekommen.

 

Akt 4: Jägerbegierden

Die Angst war eine unerbittliche Jägerin. Heimtückisch lauerte sie auf ihre Beute, wartete geduldig auf den richtigen Moment zum Zuschlagen. Wie aus dem Nichts schien sie zu kommen, völlig unerwartet und überraschend. Ihre Klauen waren scharf, tief schnitten sie in das Fleisch, zerrissen es in tausend blutige Stücken, bis von ihrer Beute nichts mehr übrig blieb als ein wimmerndes Ding, reduziert auf die primitivsten Triebe.

Elli begegnete dieser unerbittlichen Jägerin in diesem Moment. Sie schrie, doch wer würde sie hören? Ihre Schreie waren stumm, voll Entsetzen und Hoffnungslosigkeit auf Erlösung.

Die Jägerin war auf der Pirsch und Elli ihre Beute.

 

Akt 5: Gedankenwelten

Die Monster waren schreckliche Gegner, das kleine Mädchen konnte nicht gegen sie bestehen, gegen die Handlanger der Jägerin Angst. Sie war zu nichtig und klein, zu schwach und wehrlos.

Allzu fürchterlich waren die Kreaturen, Ausgeburten der Hölle. Mit Zähnen und Klauen bewaffnet, mit Hörnern und hässlichen, scheußlichen Fratzen versehen. Faulendes Fleisch hing in Fetzen herab, ein fürchterlicher Gestank erhob sich.

Wo kamen sie nur her? Was waren sie? Warum waren sie hinter der kleinen Elli her?

Sie wollte das alles nicht! Sie wollte weg von hier, zu Mama und Papa.

Oder spielte sich alles vielleicht nur in ihrem Kopf ab?

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irinaverenes Profilbild
irinaverene Am 4.4.2017 um 11:47 Uhr
Hallo!

Eine interessante Idee, die Angst in fünf Akten. Die Umsetzung gefällt mir eher weniger. Zwar hast du einen recht angenehmen Schreibstil, die Titel sind schön gewählt und du kannst Umgebung und Geschehen fließend und bildlich beschreiben, aber die gewählte Szene finde ich persönlich recht langweilig, fast schon klischeehaft. Ein kleines Mädchen mit Teddy an einem düsteren Ort? Schon tausendmal gesehen, gelesen, etc.

Inhaltlich und von der Wortwahl her gibt es in der Gesamtheit einige Wiederholungen und ich finde die einzelnen Akte deshalb wenig aufschlussreich. Hätte mir von diesem Aufbau mehr erhofft, vielleicht eine erkennbare Steigerung, Intensivierung, oder unterschiedlichere Eindrücke und Facetten.

"Sie roch den Duft von schwarzen Geheimnissen." -> Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, huh? Ein paar kleine Unstimmigkeiten in der Zeitform sind mir zudem aufgefallen.

Was ich wiederum sehr nett fand, war die kleine Pointe am Schluss.

LG
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AuctrixMundi
M
(Autor)
Am 4.4.2017 um 12:12 Uhr
Hallo,

Pro Tipp #6: Keine Rachekommentare schreiben. Mir ist klar, dass du diesen Kommentar nur geschrieben hast, weil dir meiner offensichtlich etwas aufgestoßen ist. Das tut mir leid, war aber nicht beabsichtigt. Insofern kann ich leider nicht so viel hieraus entnehmen, weil nicht sicher ist, was davon deiner reinen Meinung zu meinem Text entspringt und was in Reaktion auf meinen Kommentar entstand. Schade. Die Kritikpunkte sind ja offensichtlich sehr ähmlich zu meinen. Das kann Zufall sein, das kann aber auch der Situation geschuldet sein.
Viele Meinungen sind natürlich immer besser, aber ich persönlich bin der Ansicht, dass man sehr wohl mit gängigen Tropes spielen kann, wie ich es hier tat, und es immer auf die Umsetzung ankommt. Und das ist persönlicher Geschmack. Da das nicht jeden Geschmack treffen kann: So be it.
Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod ist ein Gerücht, das aus sprachlich-linguistischer Sicht keinen Sinn ergibt. Warum an alten Normen festhalten, wenn die Sprachentwicklung sich davon wegbewegt? Gäbe es das nicht, würden wir heute noch im Urindogermanischen festhängen, und das wäre schade, denn dann wäre unsere Sprache nicht ansatzweise so differenziert und zeitgemäß. Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod ist schon lange akzeptabel und wird innerhalb kurzer Zeit auch in der Dudengrammatik erscheinen und damit auch normativ als grammatisch eingestuft.

Pointe: Gehört zum Drabble dazu. Aber schön, dass wenigstens das gelungen ist!

Information am Rande: Der Text spiegelt persönliche Erfahrungen wieder. Persönliche Erfahrungen haben selten den schematischen Aufbau des Freitag'schen Dramenschemas, das mittlerweile mitunter als überholt gilt.

Einen schönen Tag noch.

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Sätze:33
Wörter:551
Zeichen:3.179

Kurzbeschreibung

Die Angst war eine unerbittliche Jägerin.