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| Wörter: | 513 | |
| Zeichen: | 3.310 |
„The arrival of the Queen of Sheba“ von G.F. Händel, die Königin von Saba also, erreichte mich neulich als Musikempfehlung meines englischen Freundes.
Wir sprachen über meine einstige Entscheidung gegen eine klassische Gesangskarriere, die im Stimmfach „Soubrette“ gestartet hätte. Sich im geschnürten Überhangsdekoltée singend öffentlich begrapschen zu lassen, kichern, intrigieren, kreischen, huschen? Unauffällig nach Luft für akrobatische Gesangstöne schnappen, dabei noch adrett aussehen und komödiantisch sein?
Diesen Prototyp an Frau also wieder und wieder auf der Bühne erwecken?
Danke, NEIN. Her Royal Woman Highness mag das so nämlich nicht, verriet sie mir. Wer begehrt gegen diese Souveränität auf? Ich gebe besser klein bei.
„30% ist englisch, der Rest ein wilder Mix aus indo-germanischen Stämmen, schwedisch, irisch, holländisch, spanisch, italienisch, französisch, Balkanvölker - und ein Schuss Orient ist auch noch dabei“, schwärmt meine Cousine aufgeregt. Opas Genanalyse war pure Spielerei für ihn, er schweigt dazu amüsiert.
Wie das wohl alles in diese Familienlinie hineingekommen ist, die sich vermutlich seit dem 12.Jahrhundert auf kleinstem territorialem Raum bewegte, fernab von internationalen Handelsplätzen - oder doch nah genug? Den Urgroßvater verschlug es dann doch jahrelang nach Paris... Sherlock Holmes hätte Einiges zu tun, Licht in dieses genetische Dunkelbunt zu leuchten. Meine Funzel ist dafür nicht hell genug. Die Familienchronik klingt brav, eine Bibelname-Wiederholung nach dem anderen, Exotisches da eher weit gefehlt.
Aber was ist nun damit? König Charles Iii. hatte sich in dem schönen Heimatdörfchen meines Opas, an einem Uraltzipfel der Welt, vor Jahren ein Haus gekauft und komplett restaurieren lassen. Warum? Was weiß good old Charly? Meine Funzel blinkt wild! Da könnte doch mal... ja, warum denn nicht...?
Ich beschließe, mich als unerkannten Abkömmling des britischen Königshauses zu feiern, um endlich eine medial präsentable Familienbiografie zu haben. Bisschen Glamour, Narzissmus-Make-up auflegen. Peter Maffay hatte es zwar auch in dieses pittoreske Omega-Örtchen geschafft, aber sorry, Royalty beats Schlagerstar, auch wenn man sich auf einer Hochzeitsfeier im Ort einmal beinahe auf die Füße trat. Wie andernorts die Universitäten-Rankings. „Oh, Oxford, Harvard? Dort zwar nur kopiert als Praktikantin? Macht nichts, der Karriere-Algorithmus springt an. KI schafft das schon.“
Der missing link zur Royalty, der wird sich sicher noch finden. Finden lassen. Andere fälschen sogar ganze Berufslaufbahnen. Hm… Körpergröße? Charity? Allerdings muss ich mir das noch gut überlegen, mich offiziell in solche erlauchte Kreise einzureihen, kursierte da doch auch Kurioses, dass dort seltsame Wesen leben sollen, mit denen ich dann den Genpool teilen würde, mit kaum erfrischenden Aussichten. Diverse Hutvarianten trage ich zumindest auch gerne, auch mal mit dem G´day-mate-Aufdruck, man muss sich schließlich die entfernten Kolonien auch und gerade in Zeiten des Klimawandels noch warm und lieferfreudig genug halten.
Ein Schwert, mit dem ich einmal meine Geburtstagstore anschneiden könnte wie die verstorbene Queen, wäre noch ein schönes Accessoire. Ein hervorragendes Grillutensil für einen kolossalen Gemüsespieß an heißen Sommerabenden. Soviel Royalty muss sein.
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Teichmann • Vor 44 Minuten | |
| Liebe Musenzeit, da ist doch gleich ein ganz anderes Leben in dieser Schreibbude. Ich bin entzückt. "Genetisches Dunkelbunt" ist so schön, alles andere ist auch vortrefflich. Es klingt (in meinen Leseohren) mitunter nach Arno Schmidt. Ich hoffe, dir sagt die Referenz zu. Wir wissen beide, was von dem Mann zu halten ist, der seiner Frau nachsagte: "Stumme Anbetung, die Schreibmaschine schreiben kann." Das Zitat aus dem Gedächtnis. | ||
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