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Blickwinkel

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7.12.2018 7:52
12 Ab 12 Jahren
In Arbeit

Blickwinkel

Ernte - Kapitolskind Anna

​​​Sonnenlicht fiel in weichen Strahlen in das Zimmer und tauchte den Raum in ein helles Licht. Die Vorhänge am Fenster bauschten sich in der weichen Brise, die durch das offene Fenster drang.
Anna schlug die Augen auf und das erste was sie sah, war Rosa, ihr pinkes Schaf. 
Grummelnd drehte sie sich zur Seite, als sie Schritte auf der Treppe hörte und dann das charakteristische Geräusch einer Klinke ertönte, die hinabgedrückt wurde.
„Anna“, hörte sie ihre Mutter leise sagen, „das Frühstück steht schon am Tisch, möchtest du nicht auch kommen?“
Anna blieb still und mit geschlossenen Augen liegen, sie wollte ihre Mutter austricksen und konnte sich bei dem Gedanken ein kleines Grinsen nicht verkneifen.
„Schäfchen, schläfst du noch?“ Die Stimme ihrer Mutter hatte einen amüsierten Ton angenommen und leise Schritte, vom Teppich gedämpft, verrieten Anna, dass sie sich dem Bett näherte.
„Ist mein Schäfchen noch auf seiner Traumwiese?“
Mittlerweile wurde Annas Körper vom Kichern geschüttelt und als die Hand ihrer Mutter unter die Decke fuhr und begann, sie an den Fußsohlen zu kitzeln, quietschte sie.
„Nein!“, jauchzte sie und zog die Beine an. Sie bekam kaum Luft vor Lachen, während ihre Mutter sie weiter kitzelte, bis sie schließlich japsend dalag.
Die smaragdgrünen Locken ihrer Mutter waren bei dem Spiel durcheinandergekommen, doch die schönen goldenen Blumen um ihre Augen waren unverändert. Schon oft war Anna mit ihren Fingern darübergefahren um herauszufinden, ob sie nicht doch wuchsen, doch Mama hatte ihr erklärt, dass es sich um Tinte handelte, die unter die Haut gestochen wurde. Keine echten Blumen.
Daraufhin hatte Anna das Gesicht verzogen.
„Tut das nicht weh?“ hatte sie gefragt und ihre Mutter skeptisch angeschaut.
Ihre Mutter hatte gelacht. „Ein bisschen“, hatte sie erklärt. „Aber schau, wenn man etwas möchte, wodurch man schöner ausschaut, dann muss man auch manchmal Schmerzen ertragen.“
Anna hatte nachgedacht. „Ich glaube, ich will das auch. Dann ist man schön. Und ich will schön sein.“
„Du bist schön, mein Schäfchen“, war die liebevolle Antwort gewesen. „Aber noch darfst du dir kein Tattoo machen lassen. Wenn du ein bisschen größer bist, dann darfst du.“
Anna war enttäuscht gewesen, doch zu ihrem Geburtstag hatte ihre Mutter sie zum Friseur mitgenommen und Anna hatte sich Strähnchen färben lassen dürfen.
„So viele, wie ich alt bin“, hatte sie gesagt und eine Hand mit fünf gestreckten Fingern in die Höhe gehoben, woraufhin der Friseur ihr lächelnd fünf Strähnen pink gefärbt hatte.

„Na komm, Anna. Meine Güte, bist du schwer geworden.“
Anna klammerte sich an den Hals ihrer Mutter, während diese sie die Stufen hinuntertrug. Durch die hohen Fenster des Stiegenhauses schien die Sonne, die jetzt schon hoch am Himmel stand.
Unten angekommen wand Anna sich, sodass sie auf den Boden gelassen wurde und lief voraus in das Esszimmer. Es war mit cremefarbener Stofftapete ausgekleidet und der lange Tisch war wie üblich mit einem weißen Tuch bedeckt. Frische Blumen standen in einer Kristallvase in der Mitte des Tisches. An einer kurzen Seite war ein Fernseher befestigt, welcher in einem schwachen Blau glühte und leise vor sich hinsummte.
Ihr Bruder Antonius saß schon auf seinem Platz rechts neben ihrem Vater Liam. Seine hellbraunen Locken bildeten einen gewissen Kontrast zu ihren dunklen Haaren, doch die blauen Augen des Dreizehnjährigen waren die gleichen wie ihre eigenen.
„Heute finden die Ernten statt, Anna“, jauchzte er mit vollem Mund. „Heute startet ein neues Jahr der Hungerspiele.“
Anna konnte sich nur dunkel an die letzte Ernte erinnern. Am stärksten war da die Erinnerung an die Freude ihres Bruders, welcher noch Wochen danach von den spannenden Spielen gesprochen hatte, die für Abwechslung im Kapitol gesorgt hatten.
„Immer mit der Ruhe, Antonius“, sagte ihre Mutter streng. Lynn hatte sich von einer Bediensteten Tee nachschenken lassen und legte nun Wurst auf ihr Brötchen. Anna hatte schon immer gefunden, dass der Brotkorb ein Kunstwerk war. Oder besser gesagt, die Brötchen darin. Blumen-, vogel- und kreisförmige Brötchen, manche süß, manche salzig. Einmal war sie mit ihrer Mutter bei einem Bäcker gewesen, der merkwürdige grüne Brotlaibe verkauft hatte. Lynn hatte ihr erklärt, dass dies Brot aus Distrikt 4 sei, das zu Ehren des Siegers der Hungerspiele verkauft wurde, doch Anna hatte gefunden, dass das Brot komisch geschmeckt hatte. Warum machte man das Brot so grün, wenn man es doch wunderbar flaumig und weiß haben konnte?
Das Frühstück verlief lustig und Anna hatte sich ihren Kakao ganz alleine eingeschenkt und dabei auch nur ganz wenig danebengeschüttet. Doch das machte nichts, das Tischtuch würde schon heute beim Mittagessen wieder sauber sein. Eine der Frauen, die nie etwas sagten, was Anna oft sehr unhöflich von ihnen fand, weil man doch seine Mitmenschen grüßte, hatte ihr einen Teller Waffeln gebracht. Sie waren pink und hellblau kariert und Anna klatschte freudig in die Hände. Waffeln in ihrer Lieblingsfarbe gab es nur zu besonderen Anlässen. Sie bedankte sich nicht, denn ihr Vater hatte ihr einmal gesagt, es seien Verräter, die man nicht ansprechen durfte. Außerdem wollte sie sich nicht bedanken, die Bediensteten sahen ihr ja nicht einmal in die Augen.

Irgendwann blickte Liam auf die Uhr.
„Jetzt sollten die Ernten bald beginnen.“ Tatsächlich schaltete sich, kaum, dass die Worte verklungen waren, der Bildschirm an der Wand ein.
Anna war der Mann vertraut, den man nun sah. Ceaser Flickerman war häufig im Fernsehen zu sehen und Anna gefiel es, dass er sich so oft die Haare neu färbte. Dieses Jahr waren sie blau. Taubenblau nannte ihre Mutter diese Farbe, doch Anna fand das komisch. Wann waren Tauben jemals blau?
„Willkommen Ladys und Gentleman an diesem wunderschönen Tag zu der mitunter wichtigsten Zeremonie des Jahres. Heute wird sich entscheiden, welche tapferen jungen Frauen und tapferen jungen Männer bei den diesjährigen 74. Hungerspielen ihre Distrikte vertreten dürfen.“
Ceaser machte eine kurze Pause, welche Anna sofort nutzte.
„Warum dürfen eigentlich nur die Distrikte diese Spiele spielen?“, fragte sie. Doch niemand antwortete ihr und so beobachtete sie auch wieder gebannt den Fernseher.
„In wenigen Minuten werden die Erntezeremonien durch die Ernte in Distrikt 1 eingeleitet werden. Freuen Sie sich mit mir, unsere Tribute kennenzulernen und gemeinsam mit ihnen die diesjährigen Spiele zu erleben.“

„Lass uns ins Wohnzimmer gehen, Liam.“ Lynn hatte sich erhoben und auch Antonius sprang auf. Als Anna mit ihren Eltern ins Wohnzimmer kam, hatte sich ihr Bruder schon auf einem der hübschen weißen Sessel niedergelassen und beobachtete mit angezogenen Knien die Geschehnisse auf dem Bildschirm. Hier war dieser größer und hing, eingerahmt von goldenem Stuck, an der Längsseite des Raumes, gegenüber von den hohen Fenstern, welche ein Bediensteter auf einen Wink ihres Vaters hin mit den Vorhängen bedeckte. Gut, jetzt sah man auch viel besser.
„Warum heißen die Ernten Ernten?“, fragte sie ihren Vater, als sie sich gemeinsam auf dem größten Sofa niederließen. „Es wird ja kein Getreide geerntet. Und warum dürfen bei uns keine Ernten stattfinden?“
Ihr Vater lachte. „Bei den Ernten werden die mutigsten jungen Menschen ausgelost, welche ihre Distrikte vertreten dürfen. Genauso wie bei der Ernte von Getreide werden die rohen Tribute hier ins Kapitol gebracht, wo sie dann eine kleine Ausbildung erhalten und sich beweisen müssen, gleich Weizen, der gemahlen wird, bevor sie in den Spielen kämpfen.“
„Und warum kämpfen sie?“, fragte Anna. „Wäre es nicht viel schöner, wenn sie miteinander spielen würden?“
„Anna, sei doch kein Kleinkind. Natürlich kämpfen sie, sonst wäre es ja langweilig.“ Antonius hatte einen begeisterten Ausdruck in den Augen. „Die Distrikte haben das Kapitol einmal hintergangen, also ist es jetzt ihre Pflicht, für uns zu kämpfen, damit wir Spaß haben. Und bei uns gibt es keine Ernten, weil wir nie was Schlimmes gemacht haben, wie die Distrikte.“
Anna überlegte. Wenn das so war … ihnen wurde ja gezeigt, wie es ging, wie man kämpfte. Ganze drei Tage lang, also waren sie selbst schuld, wenn sie die Spiele verloren. Außerdem würden sie ja wieder nach Hause kommen, in einer Holzkiste. Wahrscheinlich waren sie nach den Spielen müde und so konnten sie in einer Kiste schlafen, während sie nach Hause gebracht wurden. Allerdings würde Anna an ihrer Stelle ein Bett bevorzugen, in einer Kiste zu liegen musste sehr unbequem sein.

Im Fernsehen sah man nun einen Platz voller Menschen, umgeben von wunderschönen Häusern. Anna erinnerte sich, dass ihr Vater sagte, dass das Distrikt 1 sei, ein schöner Ort, wo ganz viele Juwelen und Schmuck und auch das Armband hergestellt wurde, welches sie immer um ihr linkes Handgelenk trug. Wo war das überhaupt? Sie sah sich um. Wahrscheinlich hatte ihre Mutter vergessen, es ihr mitzunehmen, als sie sie zum Frühstück geholt hatte. Schnell stand sie auf und lief hinauf.
Dort auf dem kleinen Schreibtisch lag es, ein schönes Armband mit rosa Glitzersteinen. Sie nahm es an sich und lief wieder hinunter.

„Willkommen, Menschen aus Distrikt 1, willkommen zur Ernte der diesjährigen 74. Hungerspiele.“ Der Mann auf der Bühne hatte schöne Augen, ganz violett, obwohl Anna sich sagte, dass rosa noch viel schöner wäre. Auf einer Leinwand wurde ein kurzer Film gezeigt, was Anna ein bisschen langweilte, da sie nicht genau verstand, was das sein sollte. Was bedeutete ‚Aufstand‘ und ‚Hochverratsvertrag‘? Aber war ja auch egal.
Nun ging der Moderator, denn kein anderer war der Mann mit den violetten Augen, zu einer der großen Kugeln, welche mit Papierstücken gefüllt waren. Die Kugeln waren sehr groß und Anna war sich sicher, dass sie in einer von ihnen bequem sitzen könnte.

„Glimmer Shew!“
Auf den Ruf kam aus einer Reihe ganz vorne bei der Bühne ein Mädchen hervor und Anna war sich sicher, es war das schönste Mädchen, dass sie je gesehen hatte. Als man sie von ganz nah zeigte, sah Anna, dass sie grüne Augen hatte. Und so schöne blonde Haare, nur ein bisschen dunkler als die von Tara, eine Freundin ihrer Mutter. 
Glimmer ging zur Bühne, wo sie von dem Moderator lächelnd empfangen wurde.
Gleich darauf wurde ein zweiter Name verlesen. Der Junge, Marvel, hatte braune Haare und sah irgendwie nett aus. 
„Ich will, dass das Mädchen gewinnt“, sagte Anna. „Sie ist so schön.“ Begeistert beobachtete sie, wie die beiden Tribute sich die Hände schüttelten, während ihre Finger mit dem Armband spielten. Die glänzenden Steine hatten längst ihre Hauttemperatur angenommen und fühlten sich inzwischen leicht klebrig an.
Es gab einen Schnitt und Ceaser war wieder zu sehen, der die Ernte aus Distrikt 2 ankündigte.
„Sei nicht dumm, Anna.“ Antonius warf ihr einen verächtlichen Blick zu. „Man soll nicht gewinnen, weil man schön ist, sondern weil man gut kämpfen kann und mutig ist.“

Der Hauptplatz von Distrikt 2 lag im Schatten eines Berges. Es war nicht so schön, wie in Distrikt 1, aber immer noch waren die Häuser gepflegt und die Menschen schienen sich zu freuen. Das Mädchen, was ausgelost wurde, war eher klein, aber Anna fand, dass sie mutig aussah. Genau wie ihr Bruder gesagt hatte, was ein Sieger sein sollte. Dann sollte halt dieses Mädchen gewinnen. Der Junge sah unfreundlich aus, außerdem fand Anna ihn unhöflich, weil er den Moderator unterbrochen hatte, der gerade den eigentlichen Gewinner der Ernte begrüßen wollte. Er hatte einfach reingerufen und dann durfte er auch noch den Platz des Gezogenen einnehmen. Das fand Anna unfair.

Die Wärme des Zimmers machte Anna schläfrig und sie lehnte sich an ihren Vater, der den Arm um sie legte. Zwölf Ernten sollten es sein, hatte er gesagt. Jetzt waren sie schon bei der vierten und langsam wurde Anna langweilig. Bei der fünften Ernte wurde ein Mädchen ausgewählt, das echte rote Haare hatte, wie Feuer, was Anna noch nie gesehen hatte. Sie kannte bloß die komischen Orangetöne der Perücken im Schaufenster ein paar Straßen weiter. Die Leute, die sie kannte, hatten blondes, oder blaues Haar. Oder grünes, wie ihre Mutter. Einmal hatte sie sogar goldenes Haar gesehen. Doch das Mädchen, Finch hieß sie, erschien ihr nicht sehr mutig, also durfte sie auch nicht gewinnen, weil Gewinner mussten mutig sein, hatte Antonius gesagt.
Je länger die Ernten dauerten, desto unschöner wurden die Distrikte. Die Häuser bei der zehnten Ernte waren nur sehr klein. Die beiden Gewinner der Ernte waren vielleicht so alt wie Antonius, aber Anna fand, dass Antonius mutiger war. Das Mädchen begann sogar zu weinen, als sie auf der Bühne stand. Anna verstand nicht, warum, sie würde doch nicht lange von Zuhause weg sein. Sie würde zurückkommen in einer schönen Holzkiste, die konnte man bestimmt auch noch verwenden. Vielleicht für Blumen. Aber womöglich hatte das Mädchen einfach sehr schnell Heimweh.

Die Häuser bei der elften Ernte sahen aus, als würden sie gleich auseinanderfallen. 
„Warum reparieren sie die Häuser nicht?“, fragte Anna. 
„Wahrscheinlich können sie es sich einfach nicht leisten“, erklärte ihr Vater. „Sie sind so weit von hier entfernt, dass das Kapitol ihnen nicht so leicht helfen kann, also müssten sie es selbst tun.“
Anna fand es komisch, dass sie es nicht taten. Sie hatte gehört, dass in Distrikt 11 Lebensmittel angebaut wurden, vielleicht fanden sie Häuser dann einfach nicht so wichtig. In Distrikt 2 gab es Bauarbeiter, die auch wussten, wie das ging, also waren dort die Häuser schön.
Sie fand auch, dass die Menschen in den ‚äußeren Distrikte‘ wie ihre Mutter sie manchmal nannte, nicht so schön aussahen, sie waren zwar schlank, wie ihre Mutter immer sein wollte, aber ihre Gesichter waren faltig, schon bei den ganz jungen Menschen, wie Anna fand. Außerdem sahen sie bei der Ernte nie mutig aus, eher ängstlich.

Anna gähnte und war froh, als Ceaser die Ernte in Distrikt 12 ankündigte. Sie fand die ganze Sache irgendwann immer langweilig, weil es sich letztendlich immer wiederholte, aber ihre Mutter sagte, dass Anna es genießen sollte, wenn die Spiele waren. Denn immerhin fanden diese nur einmal im Jahr statt und auch die Vorbereitung auf die Spiele sei wichtig, da könne man die Tribute kennenlernen.
Das Mädchen, welches gezogen wurde, hatte genauso blondes Haar wie Glimmer und war sehr klein. Anna erinnerte sich, dass in Distrikt 11 auch so ein kleines Mädchen gezogen worden war. Was für ein Glück sie hatten. Sie waren so jung und trotzdem durften sie in den Spielen mitmachen. Doch ein Schrei war zu hören und ein älteres Mädchen in einem hellblauen Kleid stürzte nach vorne. Hellblau! Eine von Annas Lieblingsfarben.
Das Mädchen schob die Gezogene nach hinten. „Ich melde mich freiwillig“, keuchte sie. „Ich melde mich freiwillig als Tribut.“ Wahrscheinlich klang sie so ängstlich, weil sie sich sorgte, nicht schnell genug gewesen zu sein und dem kleinen Mädchen ihren Platz überlassen zu müssen. Doch die Sorge war unbegründet, die Betreuerin mit dem rosa Haar bat sie lächelnd auf die Bühne.

Sie hieß Katniss und Primrose, deren Platz sie eingenommen hatte, war ihre Schwester. 
„Warum hat sie ihrer Schwester nicht ihren Platz gelassen?“, fragte Anna. „Hätte sie nicht stolz auf sie sein sollen, dass sie die Ernte gewonnen hat? Vielleicht hätte sie ja sogar die Spiele gewonnen.“
„Ach Anna, so kleine Kinder können nicht gewinnen“, lachte Antonius und sah seine Schwester mit amüsiert funkelnden Augen an. „Und jetzt ist immerhin mal was los, Distrikt 12 hatte schon seit Jahren keinen Freiwilligen mehr. Es ist besser, dass sie sich freiwillig gemeldet hat. Bei älteren Leuten wird das Spiel spannender.“
Liam lachte. „Natürlich, mein Sohn. Aber es kommt auch darauf an, was sie können. Distrikt 12 kann nie etwas sonderlich gut, auch nicht sehr gut kämpfen.“
„Warum nicht?“, fragte Anna. „Sie können es ja lernen.“ 
„Sie haben hier im Kapitol ja drei Tage Zeit, zu trainieren, aber da sie zu Hause nie kämpfen müssen, können sie mit Distrikt 1, 2 und 4 nicht mithalten. Die sind immer die Besten, da sie auch schon zu Hause trainiert haben.“
Anna überlegte. Das klang logisch. Und während sie beobachtete, wie ein blonder Junge auf die Bühne kletterte und mit Katniss die Hand schüttelte, nahm sie sich vor, so bald wie möglich ihren Bruder zu überreden, mit ihr zu üben, falls sie doch einmal in den Spielen kämpfen durfte. Dann wollte sie auch so mutig aussehen, wie das Mädchen aus 2.

Als die Ernte aus 12 zu Ende war, war das Wappen von Panem zu sehen. Anna fand immer, dass das Wappen langweilig aussah, nur ein Adler, aber ihr gefiel, dass es golden war. Wichtige Dinge waren immer aus Gold, damit man ihren Wert sah. So wie der Schmuck ihrer Eltern zum Beispiel. Das Lied, die Hymne, wie ihre Mutter sie nannte, war dasselbe, was Anna schon seit ihrer Geburt immer wieder hörte, aber trotzdem mochte sie es. Es klang wichtig und elegant. So elegant, wie die Damen, die manchmal zum Abendessen kamen, wo Anna dann immer das weiche weiße Kleid anziehen musste, das sie auf gar keinen Fall schmutzig machen durfte. Und so wichtig wie das goldene Wappen und wie die Spiele, die Abwechslung in das Kapitol bringen sollten.

Die Sonne stand schon tief, als Anna in ihr Zimmer ging. Sie legte das Armband auf ihren Nachttisch und blickte aus dem Fenster. Die Häuser waren alle ganz bunt, genauso wie die Menschen. Wie schön es doch war, in so einer bunten Stadt zu leben, wo niemand aussah wie der andere. Es war so viel schöner als die kaputten Häuser in den Distrikten. Aber dafür durften die Leute von dort in die Spiele. Wenn sie es sich überlegte, dann gefiel es ihr in ihrer Stadt besser. Immerhin gab es die Spiele nur einmal im Jahr, aber sie war immer hier in dieser bunten, lebendigen, von freudiger Erwartung erfüllten Stadt.

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Kurzbeschreibung

Die Tribute sind die Stars der Hungerspiele. So war es auch bei den 74. Hungerspielen. Doch wie sah es mit den Leuten im Hintergrund aus? Was sah ein Kapitolskind die Ernte? Was hielt ein Wettbuchmacher aus Distrikt 9 von dem Ergebnis des Einzeltrainings? Was dachte Präsidentin Coin, als Katniss die Beeren in die Höhe hielt? Verschiedene Blickwinkel auf die Spiele, verschiedene Meinungen und verschiedene Hoffnungen.

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