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Die Fliegen im Netz der Spinne

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25.9.2018 15:00
16 Ab 16 Jahren
Fertiggestellt

3 Charaktere

Yuki

Eigentlicher Name Clara. Sie ist ein junges fröhliches Mädchen, die in einem Discounter arbeitet. Zuden ist sie ein großer Fan von Animes und Mangas.

Katrin

Ältere Schwester von Yuki, welche aber im Gegensatz zu ihr introvertiert und zynisch ist. Hat keine reguläre Stelle und schlägt sich mit Aushilfsjobs durch.

Pierre

Junger, charmanter Mann, der französische Floskeln benutzt.

Hey Leute, darf ich mit Euch ehrlich reden? Es ist mir wirklich ernst dabei und eine Herzensangelegenheit!

Hört einfach zu, selbst wenn dieses Thema das banalste auf der Welt ist: der Alltag. Um uns ganz dafür hinzugeben, lassen wir die Faktoren Schicksalsschläge und Extremsituation weg.

Jetzt können wir reden, vor allem wie der Durchschnittsmensch das erlebt. Mal ehrlich, jeder kann davon ein Lied singen: Man steht am Morgen auf, macht sich für den Tag fertig und geht seinen Pflichten nach, ob als Schüler oder Erwachsener. Lerne gut, wähle einen passenden Beruf und arbeite bis dir der Ruhestand winkt, dann Feierabend.

Zugegeben, das hört sich nicht aufregend an und solch ein Gedanke graust jeden, auch mir. Um diesen Trott zeitweise zu entkommen, geht man Hobbys nach, arbeitet ehrenamtlich in einem Verein oder man nimmt einfach Urlaub und reist irgendwo hin.

Glaubt mit, selbst ich wünsche ab und zu eine Flucht aus der Tristesse. Manchmal, sei es ein Wink des Schocksals oder eine Laune des Zufalls, passiert es auch.

Doch niemand möchte freiwillig in etwas hineingezogen werden, was ihn in große Schwierigkeiten bringen könnte.

Da, genau bei diesem Punkt, passierte es jemanden, auch wenn es manche als Gerücht abtun. Erst fing es harmlos an, dann jedoch wird man tiefer und tiefer in einem Sumpf einzogen, wo es kein Entkommen mehr gibt.

Lest aber selbst, von Beginn an.

''Und wieder geht ein Tag zu Ende", sagte Clara, lieber Yuki genannt, gelangweilt zu sich selbst, während sie die Tür zu ihrer Wohnung aufschloss.

Der Beruf eines Mitarbeiters in einem Discounter war nun wirklich nicht aufregend. Die eine Hälfte bestand darin an der Kasse zu sitzen, nur um Waren einzuscannen und freundlich mit Kunden zu reden, egal wie nervig sie waren. Bei der anderen verbrachte man die Zeit damit, neu eingelieferte Produkte um die Regale zu legen. Ein Vorteil vom Letzteren war, dass der einfache Angestellte meist alleine arbeitet und kein Chef andauernd auf die Finger schaute.

Ganz klar, mit diesen Bedingungen konnte Yuki gut leben, wenn auch der Lohn nicht so hoch war. Daran wollte sie keineswegs mehr denken, nur noch der Feierabend zählte, unter ihrer Vorstellung eine Runde auf einer Nintendo-Konsole zu spielen. Mit einem Grinsen im Gesicht ging sie hinein und freute sich schon darauf.

"Hey, kleine Schwester", hallte es sogleich aus dem Wohnzimmern, was Yuki aber kaum überraschte. Wie man es aus der Begrüßung herausnehmen konnte, handelte es sich um ihre ältere Schwester Katrin.

Im Gegensatz zu Yuki, hatte sie keine feste Stelle, sondern schlug sich als Aushilfe und Gelegenheitsarbeiterin durch. Freizeit besaß sie relativ viel und vergeudete es mit Fernsehen, Computerspiele oder Internet.

Bei dieser Angelegenheit konnte Yuki nur ärgerlich den Kopf schütteln, nach ihrer Meinung konnte das Schwesterherz doch irgendwas sinnvolleres machen. Andererseits trag sie immerhin etwas zum Unterhalt bei und tätigte alle wichtigen Erledigungen, zum Beispiel Rechnungen bezahlen oder Einkaufen. Außerdem brachte es Yuki nicht übers Herz ihre Verwandte vor die Tür zu setzen. Sie hatten sich nur einander und mussten zusammenhalten.

"Servus", grüßte Yuki zurück und ging sogleich ins Schlafzimmer, um etwas bequemeres zu tragen. Der Fernseher war laut eingestellt, das konnte sie bis hierher hören, was aber nicht weiter störte. Es lief gerade eines ihrer Lieblingsanimes, den wollte sie sofort ansehen. Sogleich im Wohnzimmer angekommen, erlebte das Mädchen eine freudige Überraschung.

"Ich habe dir Pizza gemacht, frisch aus dem Ofen", es war immer schön, dass Katrin an ihrer Schwester dachte und mit einer Pizza ging nichts schief.

"Wie war dein Tag?", fragte Katrin nach, obwohl sie sich die Antwort denken konnte.

"Der gleiche Trott", sagte Yuki routiniert, sie wollte dazu keinen neuen Satz verschwenden. Mehr wollte die beiden auch nicht reden und lieber den Anime schauen. Der Abend wurde sowieso keineswegs großartig genutzt, nach dem Fernsehen kam noch das Surfen im Internet dran und schlußendlich das Bett.

"Ach, hab's vergessen zu sagen", Katrin hatte noch eine kleine Nachricht, "heute bekam ich von einem Kunden ein saftiges Trinkgeld! Das spendete ich Wolfi.''

Yuki lächelte über beide Ohren, ihre Schwester spendete immer großzügig. Zwar wird es noch dauern bis Wolfi voll wird, aber dann können sie sich endlich ihren Herzenstraum erfüllen.

Hier noch eine kurze Erklärung: Die beiden meinen mit Wolfi eine große Spardose, die sie in einem 1-Euro-Laden gekauft haben. Weil man darauf einen Wolf und einen frechen Spruch sah, kam Yuki spontan der Spitzname Wolfi auf und nennen es absofort so.

Und mit dem Traum, da wollen sie einmal im Leben nach Japan reisen. Im Kindesalter kamen die beiden schon mit Animes in Kontakt und entwickelten früh eine Faszination dafür. Nach und nach lernten sie über die Animes die japanische Kultur, Geschichte und Mentalität kennen und fassten den Entschluss das Land persönlich kennenzulernen.

"Langsam geht es voran", murmelte Yuki vor sich hin, zufrieden, dass ihr Traum früher oder später wahr sein wird, "und nur alles dank meiner Schwester."

"Was für ein schöner Tag", bemerkte Katrin, während sie das Wohngebäude verließ. Heute war einer ihrer freien Tage und den kostete sie mit einem langen Spaziergang aus. Zwar bot eine kleine Stadt nicht viel, aber darüber wollte sie sich keineswegs beschweren. Immerhin befanden sich dort alle wichtigen Ämter, sowie Geschäfte und Ärzte, am schönsten war jedoch ein angrenzender Wald, wo man die Stille genießen konnte.

Katrin fand diese Option äußerst verlockend, entschied sich aber in eine ganz andere Richtung zu gehen. Sie schlenderte lässig an Wohnblocks vorbei mit einem klaren Ziel vor Augen. In der Nähe befand sich nämlich ein Kindergarten, die sie und ihre kleine Schwester besucht hatten.

"Ach, dieser alte Schuppen steht ja noch!", bemerkte Katrin, während sie unauffällig daran vorbei ging. Die Kleinkinder hatten gerade Pause und befanden sich alle auf dem Hof. Dabei beobachtete die junge Frau, wie eine ziemlich alte Dame ein Mädchen anschrie.

'Oh man, die Kleine heult ja richtig', Katrin wurde es übel im Bauch, früher musste sie auch das über sich ergehen lassen.

"Du alte Schachtel", murmelte sie verachtend, "du tust der Kleinen keinen Gefallen. Sie wird dich dafür nur hassen."

Irgendwie war es verlockend, einfach über den Zaun zu klettern und dieser Furie einfach eine reinzuhauen, doch das würde nachher nur größeren Ärger hervorrufen. Die Kleine musste es leider aushalten, schlimmer noch, es könnte sich in ihr Gedächtnis einbrennen.

"Na ja, es gab für mich etwas noch schlimmeres", für Katrin, welche gerade weiterging, gab es eine Sache, die ihr schwer zu schaffen machte und sie meint felsenfest, dass dies überhaupt erst sie in die derzeitige Situation geführt hätte.

Rückblick: Vor ein paar Jahren hatte Katrin ein ehrzeiges Ziel vor Augen, eine Forscherin zu werden und in einem Institut zu arbeiten. Am meisten reizte es ihr neue Arzneistoffe zu entdecken, mit denen sie den Menschen helfen kann.

Zuerst machte sie das Abitur in einem beruflichem Gymnasium und beendete es mit guten Noten. Zwar konnte die junge Frau schon jetzt eine Universität besuchen, entschied sich aber eine Ausbildung zu machen. Zu ihrem Glück gab es in einer großen nahen Stadt eine Schule, in der man sich zum Pharmazeutisch-technischen Assistenten (kurz PTA) ausbilden lassen konnte.

Katrin erlebte dort gute Zeiten, vielleicht verklärte sie es auch. Der Unterricht war breit gefächert, neben pharmazeutischen Inhalten gab es Naturwissenschaften, Sprachen, Wirtschaftskunde und praktische Übungen. Sie dachte damals, es würde alles reibungslos verlaufen und konnte bald den nächsten Schritt starten. Doch weit gefehlt!

Das Unheil nahm seinen Lauf, als sie einen Praktikumsplatz suchen musste. Katrin hasste es nur daran zu denken. Sie bewarb sich wirklich bei jeder Apotheke, erhielt jedoch nur Absagen. Entweder man hat schon jemanden oder es war den Angestellten zu anstregend einen Lehrling unter ihre Fittiche zu nehmen. Erst auf den letzten Drücker fand sie schließlich eine Stelle, jedoch ohne zu wissen, was für eine Furie die dortige Apothekerin war.

Katrin verachtete diese Frau vom ganzen Herzen und nahm nie ihren Namen im Mund.

Schon zu Anfang musste die junge Frau nur Meckereien von ihr ertragen und als sie dann einmal wegen einer Nichtigkeit angeschrieen wurde, rastete sie komplett aus , was das Ende bedeutete.

Zuerst musste Katrin eine ellenlange Gardinenpredigt von dieser Schachtel ertragen und anhören, wie unfähig sie war und das hatte nicht gereicht. Später redete sie über das Mädchen schlecht und ruinierte ihren Ruf komplett.

Katrin fand es erst heraus, als sie sich bei einer anderen Apotheke bewarb und keine Antwort nach längerer Zeit erhielt. Sie stellte dann einen der Angestellten zur Rede und erfuhr dadurch die Wahrheit. Diese Verleumdung war ihre persönliche Hiobsbotschaft und brach ihr förmlich das Genick.

Das Mädchen verlor jegliche Hoffnung eine Stelle zu finden, Erfahrungen zu sammeln, Rücklagen anzulegen und später ein Studium zu beginnen. Sie zog bei ihrer kleinen Schwester Yuki ein und machte um nicht vollends nutzlos zu sein Minijobs. So lebte sie in den Tag hinein und ohne den Willen aufzubringen etwas im Leben zu machen.

"Daran ist nur diese alte Hexe Schuld", das war ihre feste Überzeugung zu der momentanen Situation. Katrin ballte dabei ihre Hände zu Fäuste, " erst machte sie mir das Leben schwer, dann setzte sie mich vor die Tür und nun ruiniert sie mein Leben."

Die hätte auf jeden eine saftige Lektion verdient, nur welche? Katrin würde sich da schon etwas überlegen. Vielleicht ein äußerst gemeiner Streich oder besser gleich eine Rufmordkampagne. Irgendwann käme schon eine Idee.

Inzwischen war sie schon eine ganze Strecke gegangen und kam am ICE-Bahnhof an, ohne zu wissen, dass jemand ein Auge auf sie geworfen hat.

 

Katrin hatte schon einen ordentlichen Weg zurückgelegt und den ICE-Bahnhof, welches zudem mit dem regionalen Busverkehr verknüpft ist, erreicht. Dort wollte sie sich auf die nächstbeste Bank setzen und das Wetter ein wenig genießen, aber da ertönte eine fremde männliche Stimme.

"Bonjour, mademoiselle" rief er, " geht es Ihnen gut? Ist mit Ihnen alles in Ordnung?".

'Oh nein', dachte sich Katrin, 'einen selbsternannten Helfer kann ich gar nicht gebrauchen.'

Sie drehte sich zu dem Fremden um und sah einem jungen Mann, chich angezogen, sportlicher Körper, kurzes braunes Haar, fast schon eine Glatze, schmales Gesicht und eine schlichte Brille. Für die Brünette war er jediglich ein Durchschnittstyp und seine französischen Floskeln machten ihn kein deut attraktiver.

"Wie kommen Sie darauf, dass es mir schlecht geht?", die junge Dame versuchte erst gar nicht höflich zu klingen.

"Sie sehen traurig aus, Mademoiselle, aber auch wütend. Ist Ihnen vielleicht etwas schlimmes passiert oder hat Ihnen jemand was getan?", fragte der Typ, womit er sogar nicht ganz unrecht hatte.

'Wow, tolle Beobachtungsgabe', ging es Katrin durch den Kopf, gwürzt mit Sarkasmus, 'werd doch Detektiv und tritt in die Fußstapfen von Sherlock Holmes. Auf so einen hat die Welt schon lange gewartet.'

"Mach mal halblang, wer sind Sie überhaupt?", fragte sie direkt, wer wusste, was für eine Person das war.

"Excuse-moi", dem Herrn schien es peinlich zu sein, "ich hätte mich wirklich zuerst vorstellen müssen. Mein Name ist Pierre und bin ein Mensch, der gerne anderen hilft."

'Wow, womit habe ich diese Glück verdient', dachte sie und sagte sogleich, "warum interessiert Sie mein Wohlbefinden?"

"Liegt an mon père. Er sah sich selbst als ein Chevalier an und brachte mir viel über den Umgang mit anderen bei. Einer seiner wichtigsten Lektionen war, dass wenn ein Mann einer Madame nicht helfen kann kein richtiger Mann sei."

'Hör auf mit diesem Gentleman-Gefassel. Das ist ja schlimmer als der hohlste Anmachspruch', die Brünette verkniff es sich diesen Satz laut auszusprechen, 'wenn du den Frauen wirklich helfen willst, dann werd doch Entwicklungshelfer und geh in ein Dritte-Welt-Land. Dort gibt es genug Probleme.'

Sie hatte auch schon langsam genug von diesem Kerl und besaß für solch einen Fall eine gute Ausrede. Katrin zuckte ihren linken Arm hervor, schaute auf die Uhr und sagte theatralisch entsetzt: " Oh nein, schon so spät. Sorry, aber hab noch einen wichtigen Termin."

Sogleich stand die junge Frau auf und ging schnellen Schrittes weg.

"Dürfte wenigstens noch Ihren Namen erfahren?", rief Pierre ihr hinterher.

"Katrin", antwortete sie leicht und hoffte diesen Typen nie mehr wieder zu sehen.

"Endlich Sonntag!", Yuki freute sich immer auf diesen Tag, da stand keine Arbeit an, Chillzeit. Katrin hatte schon das Frühstück vorbereitet und wartete bis Yuki sich fertigmachte und gemeinsam essen konnten. Nach dem Mahl verzog sich Katrin dann ins Wohnzimmer und schaltete die Nintendo-Konsole ein, Zeit zum Zocken für sie.

Da jedoch trübte sich die Laune von Yuki erheblich, wenn ihre große Schwester das tat. Sie hatte schon oft beobachtet, wie Katrin mit gelangweiltem, gar desinteressiertem Gesichtsausdruck ein Spiel nach dem anderen durchzockte, ganz vertieft und ohne Kontakt zur Außenwelt.

Es nervte ihr ganz gewaltig und sie beschloss daher einfach einen Spaziergang zu machen, soll Katrin doch erneut mit Mario oder Link auf Abenteuer gehen.

'Nichts für ungut, ihr beide seid tolle Helden', entschuldigte sich Yuki gedanklich bei den Figuren, sie selbst hatte auch mit ihnen gute Erinnerungen, während die Braunhaarige ins Freie ging.

Ach ja, für sie tat das Gehen ohne Ziel gut, man vergaß die Sorgen und lebte den Moment. Zwar begrüßte ein starker Wind Yuki, doch der fühlte sich gut an, wie eine Erfrischung.

"Ach, meine liebe Schwester", begann das Mädchen mit einem Selbstgespräch, "warum musste es denn so kommen?"

Yuki dachte unwillkürlich an ihre gemeinsame Vergangenheit, an harte Zeiten, die mit Zuversicht und Träumen bewältigt wurden. Ihre Probleme damals waren genau jene, die jeder durchmachen musste: Erwachsene, die einen nur anschrien bis man heulte, Schuldruck und Mitschüler, die andere wegen Nichtigkeiten mobben. Trotzdem hielten sie durch und standen füreinander da. Na gut, Yuki wollte doch ehrlich sein: Es gab da mal eine echt fiese Zicke, die sie so sehr schikanierte, dass die Braunhaarige die Schule wechseln musste. Nichtsdestotrotz hat sie mit diesem Kapitel abgeschlossen und dachte nie mehr daran.

Ganz anders Katrin: Nach diesem Vorfall in der Apotheke wurde sie von einem ehrzeigen Mädchen mit großen Ambitionen zu einem zynischen Loser, der keine Kraft mehr aufbringt etwas aus dem Leben zu machen. Oh je, früher hatte Yuki ihre Schwester bewundert und nahm sich auch vor Weiterbildung zu betreiben.

Jetzt wurde sie durch diese Gedanken erst richtig traurig, traurig über das ungerechte Los von Katrin. Warum hatte man ihr nur Steine in den Weg gelegt, sie ist doch eine liebenswerte Person und musste doch so viel einstecken. Vielleicht ging Yuki viel zu hart mit ihr um, sie meckerte nur anstatt ihre Schwester zu unterstüzen. Ja, Katrin war zwar willenlos, aber die machte immerhin ein paar Minijobs und half sogar mit kleinen Spenden um ihren gemeinsamen Traum von der Japanreise zu verwirklichen.

"Ich muss für meine Schwester da sein , sie braucht mich", Yuki fasste neuen Mut. Nach dem Spaziergang würde sie erst einmal mit ihr reden und nach einer Lösung suche. Doch trotz diesem guten Vorsatz wollte das Mädchen noch einen kleinen Abstecher zum Spielplatz machen, dort wo die beiden als Kinder viel Zeit verbrachten und der heute besser den je aussah.

"Oh man, wie sehr es sich in all den Jahren verändert hat", Yuki war überrascht über den jetzigen Zustand und spürte auch ein wenig Neid auf die spielenden Kinder. Damals in ihrer Zeit gab es noch kein Klettergerüst oder Skatanlagen, sogar ein Minigolfplatz wurde errichtet. Die Kleinen sollten es nach ihrer Ansicht schätzen nier noch frei spielen zu dürfen, mit dem Heranwachsen werden die Probleme beginnen.

Zwar lud dieser Ort vor allem Familien ein, jedoch entdeckte Yuki auf ihrem Weg entlang einen jungen Mann, der gerade mit zwei Frauen sprach. Er schien wohl witzig zu sein, denn die Beiden kicherten unaufhörlich. Ein Mann mit Humor, das wäre für sie ein wichtiges Kriterium bei der Partnerwahl. Sein durchschnittliches Aussehen war dagegen zweitrangig.

Wie es der Zufall so wollte oder war es Schicksal, blickte der Typ in ihre Richtung und lächelte dabei. Nie hätte Yuki gedacht, dass auch mal ein Park als Single-Börse dienen könnte. Er winkte ihr zu und deute an, einfach mal herzukommen. Yuki ließ sich das nicht zweimal sagen und stieß zu der Gruppe hinzu, was sollte schon passieren.

"Bonjour Mademoiselle, je m'appelle Pierre", war seine Begrüßung, ob er Franzose war?

"Eh, je ne parle pas francais", antwortete Yuki unsicher, sie sprach nur das, was ihre Schwester im Fremdsprachenunterricht gelernt hatte.

"Pardon Mademoiselle, dumme Angewohnweit von mir. Fangen wir lieber von vorn an'', ihm es ein wenig peinlich zu sein, "mein Name ist Pierre und die netten Mädchen hier sind Giselle und Mimi.''

"Ich heiße Clara, aber ihr könnt mich auch gerne Yuki nennen", sie sollte so selbstbewusst wie möglich herüberkommen.

"Anime-Fan?'', fragte Pierre sogleich interessiert.

"Ja und eine Bewunderin der japanischen Kultur obendrein.''

"Je comprends, das Land der aufgehenden Sonne, wo moderne Technik und Pop-Kultur auf alte Traditionen trifft'', er klang charmant und auch poetisch, jedenfalls nach deer Ansicht seiner Begleiter. Aber Yuki fand, dass der junge Herr sich gut auskannte.

''Och Pierre, das war so wunderschön, wie ein Gedicht'', sagte die Dame mit den blonden Haaren. Wie sie hieß, interessiert Yuki nicht im geringsten. Ihre Aufmerksamkeit galt nun vor allem Pierre.

"Mon dieu, ich glaube nun alles über Animes zu wissen," Pierre schien matt zu sein, was eigentlich auch kein Wunder war. Nachdem er Yuki traf und kennen lernte, beschlossen die beiden einen Spaziergang zu machen und sie sprach pausenlos über die Trickfilme aus Japan.

"Ach, ich bin selbst keine Expertin darin", Yuki war da bescheiden und auch verlegen. Sie waren jetzt auch allein, weil die anderen Damen, Giselle und Mimi ihre eigenen Wege gingen. Doch die Zeit zu zweit währte nur kurz weil die beiden schnell zum Ziel ankamen, der Wohnung von Yuki und Katrin. Wie es der Zufall so wollte, stand auch die Letztgenannte vor der Eingangstür.

"Hey Yuki, wo warst du den..", sie brachte keinen vernünftigen Satz mehr heraus und stammelte beim Anblick von Pierre, genau demselben Typen am Busbahnhof. Die Brünette fragte sich, wieso Fortuna ihr das antat. Es fehlte nur noch, wenn die Kinnlade offen stehen blieb.

"Also Pierre, das ist meine große Schwester Katrin...", doch mehr konnte Yuki nicht sagen, weil Katrin schnell zu ihr hinging und einige Meter wegzerrte.

"Entschuldigung, aber ich muss mit ihr unter vier Augen reden", sagte die junge Dame, was für ihn kein Problem darstellte und es gelassen hinnahm.

"Hast du einen Vogel diesen Kerl mitzubringen", es klang mehr nach einer Beschuldigung denn einer Frage.

"Was ist los mit dir, so paranoid habe ich dich nicht gesehen. Er ist doch nett!", Yuki verstand überhaupt nicht, was da gerade passierte.

Katrin sammelte sich um eine vielleicht längere Erklärung abzugeben und hoffte, dass ihre kleine Schwester es versteht: "Diesem Jungen bin ich schon mal begegnet und das nicht vor langer Zeit am ICE-Bahnhof. Er faselte davon, dass ich Probleme hätte und bot mir deswegen Hilfe an. Seit wann glaubt du passiert so was?"

"Hey Pierre", rief Yuki auf einmal, was Katrin perplex werden ließ, "stimmt es, dass du meine Schwester am Busbahnhof getroffen hast? Und auch bemerktest, dass sie Probleme hat?"

"Spinnst du total?", schrie die Brünette, ganz und gar nicht begeistert.

"Oui", antwortete Pierre seelenruhig, "sie saß auf einer Bank und sah triest aus. Dachte, ich könnte ihr vielleicht helfen."

"Da hast du es, Schwesterherz!'', Yuki meinte die gegenwärtige Situation zu verstehen, "selbst Dritte sehen deine Sorgen und Ängste an."

Doch das machte Katrin nur wütend, was gingen denn ihre Angelegenheiten anderen an. Sie ließ ihren Ärger einfach aus: "Na schön Yuki, du hast gewonnnen. Ich lass jetzt einfach mein Herz sprechen. Kommt alle her, ich erzähle euch, was mir widerfuhr, warum ich eine Zynikerin geworden bin.

Hey, da fällt mir was besseres ein. Wozu gibt es das Internet, jeder ist doch auf irgendeine Seite angemeldet. Ich poste es einfach auf Facebook und twittere dazu. Mal sehen, was die User sagen, vielleicht haben sie Tipps oder bieten mir professionelle Hilfe an. Na Yuki, das ist die beste Idee, die ich jemals habe."

"Oh Katrin, schon wieder das?", Yuki hasste es, wenn so was passierte. Immer musste ihre Schwester seit dem Apothekenpraktikum zu jedem Thema irgendwas zynisches und sarkastisches sagen als wäre es ihr einziges Vergnügen geworden.

"Arrête! Schluss mit den Streit", nun mischte sich Pierre ein, "Yuki, ich verstehe deine Vertraute schon. Wieso sollte man einen wildfremden Mann intime Sorgen anvertrauen."

Nun wandte er sich an Katrin: "Ich muss mich bei dir entschuldigen wegen vorhin am Bahnhof. Du wolltest warscheinlich nur allein sein und ich bin einfach so hereingeplatzt. Pardon!''

Die Brünette fand ihn doch schon langsam sympathisch, vor allem wegen seiner Vernunft und Einsicht.

"Wir sollten uns zuerst besser kennen und lernen einander zu vertauen. Gibt mir einfach eine Chance."

"Aber wie? Beim Einkaufen helfen? Ich weiß es nicht", Katrin hatte keine Ahnung wie man da anfängt. Sie selbst redete nur mit ihrer kleinen Schwester und sonst kam nur Smalltalk mit Lieferanten, Bediensteten und Beamten.

"Wenn ich darüber nachdenke", Pierre schien eine Idee zu haben, "mon père sagte immer, dass Vertrauen ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft ist und auf Gegenseitigkeit beruht."

"Leider ist das zu einem wertvollem Gut in unserem heutigen Alltag geworden, ich spreche da aus Erfahrung.''

"Trotzdem ist es gut, den ersten Schritt zu wagen und jemanden um einen Gefallen zu bitten.''

"Worauf willst du hinaus?", Katrin wurde doch wieder vorsichtig, keine Ahnung was er für Hintergedanken hatte.

"Ich sollte eigentlich in Koblenz aufkreuzen und einem Freund eines Bekannten ein Umschlag übergeben. Vielleicht, so denke ich es, kann es jemand von euch machen.''

"Koblenz, warum nicht", Yuki fand den Vorschlag gut, "meine große Schwester hat sowieso viel Freizeit und die Stadt ist keine halbe Stunde entfernt."

"Yuki", die Brünette erhob ihren Einwand, "wir wissen doch gar nicht, was es genau ist, wer der Empfänger ist und noch wo das Treffen stattfindet. Ich möchte zuerst mehr Informationen!"

"Da ist nicht verwerfliches! Mein Bekannter ist ein Künstler und ehemaliger Dozent an der dortigen Universität. Er möchte ein paar Zeichnungen und Grafiken einer angehenden Malerin ansehen und ein Student namens David soll die Werke nehmen und es ihm bringen. Ah, ich hab's! Katrin, du könntest doch zur Universität fahren und den Umschlag dort abgeben. Ich kann das so arrangieren wie es für dich und David natürlich am angenehmsten ist. Und...?''

"Nun gut, das ist machbar", Katrin gab doch schließlich nach und Yuki freute sich darüber. Endlich könnte ihre Schwester doch mal was anderes machen.

"Warum tue ich das?", meckerte Katrin, während sie aus dem Auto stieg. Die junge Dame war tatsächlich nach Kobelnz gefahren, auch wenn es ihr zutiefst widersträubte. Das änderte auch nichts, als Pierre fünzig Euro Fahrgeld gab (eigentlich ein großzügige Trinkgeld) und Ort und Zeit des Treffpunktes in ihrem Interesse lag.

Schlecht gelaunt nahm Katrin den Umschlag mit den ganzen Zeichnungen, schloß die Tür (nach ihrer Ansicht eine notwendige Sicherheitsmaßnahme) und machte sich auf dem Weg.

Glücklicherweise konnte sie auf dem gepflasterten Parkplatz neben der Universität parken und nicht auf die beiden anderen im Abseits, wobei der weit entfernte nur ein Schotterplatz war.

Katrin sah gleich einen Informationsstand mit einer Schranke für die Einfahrt, dem Zoll irgendwie ähnlich. Es gab aber noch einen weiteren Einlass, der sich weiter rechts befand und die junge Dame nur zu gerne nutzte um sogleich am Campus zu sein.

Die Hochschule selbst bestand aus mehreren Gebäuden, welche jeweils mit einem Buchstaben gekennzeichnet waren, die sich um den großen Platz verteilten. Katrin sah zudem ein steinerndes Wahrzeichen, was an einem rechtwinkligen Dreieck erinnterte. Sie schenkte jedoch dem keine große Beachtung wie auch alles andere hier, ihr war nur diese Übergabe wichtig.

Glücklicherweise fand das vor der Bibliothek der Schule statt, die sie auch sofort entdeckte. Ein Gebäude, dessen Außenseiten aus Glas waren, wodurch man einen Blick ins Innere werfen konnte, fast so als wolle man zeigen, hier gibt es nichts zu verbergen. Dazu durchzog noch eine graue horizontale Linie das Bücherhaus und darauf prankte das Wort "Willkommen" in etlichen Sprachen.

Die Studenten selbst gingen da ein und aus, verstauten ihre Habseligkeiten in Schließfächer der Vorhalle und nahmen nur die nötigsten Utensilien mit. Neben dem Eingang stand ein junger Mann, einfach gekleidt, leicht gebräunte Haut und ordentlicher Kurzhaarschnitt. Katrin vermutete, dass er wohl die Zeichnungen in Empfang nehmensoll und lag auch richtig. Als dieser nämlich sie bemerkte, winkte der Kerl sie zu sich.

"Guten Tag", sagte er, "Sie bringen wohl den Umschlag mit den Bildern."

"Genau", bestätigte Katrin und übergab die Ware sofort. Der Herr öffnete kurz nach dem Erhalt das Einband und schaute sich fasziniert die Zeichnungen an. Die junge Dame durfte schon einen Blick hineinwerfen als Pierre ihr die Hülle reichte, auch sie fand die Bilder gut.

"Mein Respekt", er war begeistert, "warum ist diese Maya eigentlich nicht selbst gekommen? Sie hätte dazu viel erzählen können?"

"Sie hat beruflich viel zu tun", erklärte Katrin kurz und knapp. Pierre hatte ihr schon die Situation erklärt, Maya sei eine Bekannte von ihm, die davon träumt eine Künstlerin zu sein. Diese Illustrationen fertig sie in ihrer Freizeit an und möchte mal gerne die Meinung eines erfahrenen Malers hören.

"Eine Frage", Katrin konnte nicht widerstehen, "sind Sie selbst Zeichner?"

"Schön wärs, aber ich bin mit einem sehr bekannten Künstler befreundet. Er heißt Herr Tomalski und hat schon viel erreicht. Seine Werke verkaufen sich im dreistelligen Bereich und schmücken ganze Ausstellungen", erklärte der Student.

"Warum ist er dann nicht selbst gekommen?"

"Na ja, Herr Tomalski weigert sich vehement überhaupt einen Fuß auf dem Campus zu setzen seit der Studiengang Kunstwissenschaften abgeschafft wurde. Nach seiner Meinung eine ignorante Dummheit ohnesgleichen."

Katrin konnte das gut nachvollziehen, sie selbst würde nie wieder einen Fuß in die Apotheke dieser alten Hexe setzen. Schlimmer noch, das Mädchen hat sogar eine Abneigung gegen diese Läden entwickelt, allgemein aus Enttäuschungen und schlechter Erfahrung.

"Schade drum", ihr fiel kein besserer Ausdruck ein.

"Es kommt jetzt zwar unerwartet", der Kerl hatte irgendwas geplant und Katrin gefiel das überhaupt nicht, "aber hätten Sie Lust mit mir etwas in der Mensa zu essen."

"Na ja, eigentlich bin ich nur hergekommen um diesen Umschlag abzuliefern. Ich wollte eigentlich nun gehen."

"Ich lade Sie dazu ein, immerhin machten Sie sich die ganze Mühe hier herzukommen. Da ist es wohl das Mindeste, wenn ich das Essen spendiere.''

Katrin fand diesen Vorschalg wiederum nicht schlecht und stimmte zu. Sogleich gingen die beiden in den Speiseraum, nahmen das Tagesangebot (Steak mit Gemüse) und setzten sich an ein Tisch nahe dem Fenster, wo man eine Straße mit vorbeifahrenden Autos sah und im Hintergrund die Stadt.

"Ich sollte mich schon langsam mal vorstellen", sagte der junge Mann, "Daniel Schiffer und Student an der hiesigen Uni. Mache Englisch und Germanistik auf Lehramt.''

"Katrin Meller", gab das Mädchen kurz und knapp zur Antwort, sie wollte jedoch nicht so viel über ihr derzeitiges Leben reden, "ausgebildete PTA."

"PT-was?", Daniel schien mit dem Begriff nichts anfangen zu können.

"Pharmazeutisch-technischer-Assistent", erklärte sie grob, "das sind die Leute, die Sie in der Apotheke bedienen."

"Ach so!", jetzt fiel bei ihm der Groschen, "die, die dir sagen wie man die Medikamente einnehmen muss."

"Genau so in die Richtung."

"Sag mal", Daniel wollte mehr wissen, "was macht eine PTA denn sonst noch? Ich wette, es gehört noch mehr dazu."

"Richtig, es gibt immer was zu tun", Katrin erzählte nun, achtete jedoch darauf nur neutrale Sachen zu erwähnen, "eingelieferte Arzneien müssen verstaut werden, Kunden möchten eine gute Beratung und immer wird etwas hergestellt, zum Beispiel Salben, Kapseln oder auch Zäpfchen."

"Ein breites Spektrum", resümierte Daniel, "ich dagegen lese und analyse die verschiedensten Texte oder Werke. Ich komm mir manchmal wie in der Schule vor."

"Wirklich, aber ich finde das interessant. Wie kamen Sie dazu diesen Studiengang zu wählen?"

"Hatte einen engagierten Lehrer in der Schulzeit, bei ihm machte der Unterricht Spaß. Ich will selbst mal so einer werden. Vielleicht ist es auch was für Sie? Schon mal überlegt ein Studium anzufangen?"

"Na ja", das erinnerte Katrin an ihren zerstörten Traum, "ich plane da was in die Richtung, am liebsten Naturwissenschaften."

"Dann bewerben Sie sich doch hier! Die Uni bietet da einiges an: Angewandte Naturwissenschaften, eine Kombination aus Physik und Chemie, BioGeoWissenschaften, ein Fach über Umweltschutz, der Zwei-Fach-Bachelor mit Physik oder Physik mit Chemie oder Biologie auf Lehramt", Daniel zählte auf, was man da machen konnte.

"Danke sehr, ich werd es mir überlegen", sagte Katrin und fügte hinzu, "das Essen war sehr lecker, aber ich gehe jetzt. Auf Wiedersehen."

"Tschüss, denk darüber nach", Daniels letzte Worte.

Während Katrin den Campus verließ, dachte sie über das Gespräch nach. Ein Studium anfangen? Das Mädchen wollte es machen, direkt nach der Ausbildung und ein paar Jahren Erfahrung in Arbeit und Selbstständigkeit.

'Nein, sei doch ehrlich zu dir selbst! Kannst du das überhaupt?', Katrin fiel das schwer, sich das einzugestehen. Seit diesem Vorfall hang sie nur noch zuhause herum, machte hier und da einen Aushilfsjob und meckerte über ihre unfaire Situation. Jetzt auf Morgen einfach so Studieren, braucht man nicht dafür mehr?

Das Mädchen seufzte dabei, ihr fehlt schon lange der Wille etwas zu machen. Brauchte sie vielleicht Hilfe?

"Freut mich, dass deine Schwester es geschafft hat. Maya wird sich darüber freuen", Pierre war gut gelaunt durch die Nachricht.

"Na ja, Katrin ist alles andere als begeistert", Yuki schien diese Tatsache zu amüsieren.

Die Beiden gingen gerade in einem Wald spazieren, der Tag war wunderschön. Die Sonne schien durch das Blätterwerk, der Wind entlockte den Ästen sanfte Töne und hier und da konnte man einen Vogel zwitschern hören. Auch andere Menschen gingen durch den Forst und genoßen es einfach, meist Familien oder Jogger.

"Trotzdem danke ich euch dafür, nicht jeder würde es machen,merci beaucoup", Pierre sagte es schon oft genug.

"Kein Thema! Wenn du für uns wieder einen Auftrag hast, erledigen wir ihn gerne", eine Selbstverständlichkeit für Yuki, selbst wenn ihre Schwester davon gar nicht begeistert wäre.

"Wirklich? Ich mein selber, dass es für Katrin eine ziemliche Strapaze war, auch wenn ich fünzig Euro gab. Immerhin machte sie ja die ganze Arbeit und ich lehnte mich faul zurück und genoß den Tag, c'est terrible!"

"Ach, fühl dich deswegen nicht schuldig. Ehrlich gesagt hast du ihr sogar einen Gefallen getan. Meine Schwester hängt, wenn sie keinen Aushilfsjob macht faul in der Wohnung herum und verplempert ihre Zeit. Jetzt aber konnte sie mal raus und die Universität von Koblenz kennen lernen. Vielleicht, selbst wenn es Wunschdenken ist, entschließt sich meine Große dazu einzuschreiben", Yuki glaubte aber selbst nicht, dass so was passieren könnte.

"Klingt so, als möchtest du sie loswerden? Excuse-moi, wenn ich was falsches gesagt habe", der Jünglich bereute seine ausgesprochenen Gedanken.

"Nein, es ist schon in Ordnung. Es ist einfach so, dass Katrin seit Monaten keine feste Stelle hat und sich deswegen nutzlos fühlt. Früher wollte sie studieren in einer Hochschule, davor jedoch erst einmal einen Beruf erlernen und selbstständig leben. Nach einem Vorfall verlor sie allerdings jeglichen Willen und grämt sich bis heute."

"Mon dieu, darum ist Mademoiselle Katrin so traurig, fiel mir schon bei der ersten Begegnung auf. Ich wollte ihr da schon helfen!"

"Na ja, meine Schwester ist in dieser Hinsicht äußerst stur. Sie lehnt jegliche Hilfe ab als bräuchte sie kein Mitleid", Yuki wurde selbst dabei traurig, sie wollte Katrin unterstützen und ihr Leid beenden.

"Rede doch einfach mit ihr! Sag, was du meinst und lasse keine Ausreden durch. Katrin muss auch mal die unbequeme Wahrheit hören. Ich meinerseits werde für euch da sein und immer ein offenes Ohr haben", Pierre wusste, was zu tun war. Das stand für Yuki fest, keine Aufschieberei mehr!


"Hast du dich wieder mit Pierre getroffen?", fragte Katrin neugierig und hoffte ehrlich, dass es nur ein einfacher Spaziergang durch den Wald war.

"Ja, wir haben nett geredet", antwortete Yuki lapidar.

"Ach wirklich, und über was habt ihr geredet?"

"Oh man, ist das ein Verhör? Kann man nicht einmal mehr mit einem guten Menschen einfach mal so sprechen? Pierre hat sich für den erwiesenen Gefallen bedankt", Yuki nervte es, wie skeptisch ihre Schwester gegenüber ihn ist und fuhr dann jedoch in eine andere Richtung fort, es musste sein, "wir haben aber auch ein wenig über dich gesprochen!"

"Was?", Katrin war davon ganz und gar nicht begeistert, "hast du einen Knall? Du kannst doch nicht gleich mit jedem dahergelaufenen Kerl über meine Probleme reden. Wer weißt, was er mit diesen Informationen macht!"

"Bitte, Pierre will nur helfen. Es fiel ihm schon bei der ersten Begegnung auf, dass du unglücklich bist."

"Na ja", die Brünette erinnerte sich sehr gut an dieses Ereignis, "ihn gehen aber meine Privatangelegenheiten nichts an. Er kam damals einfach auf mich zu, sprach drauf los und ich schüttelte ihm mein Herz aus. Nein! Niemand mischt sich ein."

Katrin wandte sich von Yuki ab und machte es sich auf Sofa bequem um gleich darauf mit der Konsole zu spielen. Auch in der Hoffnung, dass das Thema nun endlich beendet sei. Doch da täuschte sie sich gewaltig!

Yuki stellte sich entschlossen vor ihr und stemmte die Arme an die Lehne, Katrin musste sich stellen und gar nicht auf die Idee kommen wieder abzuhauen.

"Hör zu!", begann sie äußerst ernst und duldete keine Widersprüche, "wir alle möchten dir helfen, auch ich! Wenn du schon nicht den Arsch hochkriegst, dann fange ich an."

"Mit was?", Katrin wollte sarkastisch klingen, aber ihre Frage stellte sie wie ein trotziges Schulmädchen.

"Ich spreche mit dir über deine derzeitige Situation", Yuki brachte es auf den Punkt, "du gammelst nur noch herum, machst ein paar Minijobs um dich gut zu fühlen und tust keinen Finger um an der gegenwärtigen Lage etwas zu ändern. Du bist einfach zu einer Versagerin geworden!"

Diese Tatsache traf Katrin ziemlich schwer, obwohl sie schon so was erwartet hat. Dennoch war es verletzend.

"Du bist nicht mehr die große Schwester, die ich einst kannte und bewunderte. Früher warst du voller Energie und Träume, mit den Willen ausgestattet diese durchzuführen, genau wie unsere liebsten Anime-Helden. Du beendetest das Gymnasium als eine der Besten und hättest einfach direkt studieren können.

Ich dagegen schloss nur die Hauptschule ab und wurde zu einer Kassiererin in einem Discounter. Niemals könnte ich aus deinem Schatten treten. Also, was ist mit dir?"

"Erzähl doch keinen Scheiß", Katrin hasste das, was sie da gerade hörte, "du hast wenigstens einen Beruf, denn du überall ausüben kannst, eine gute Wohnung und führst ein unabhängiges Leben. Du bringst es sogar fertig, eine Schmarotzerin zu ernähren.

Jetzt sieh mich mal an, eine ehemalige Einser-Schüler mit großen Träumen. Ich dachte wirklich mit solch guten Zeugnissen würden mir jede Tür offen stehen, wie naiv! Ich musste erst hart auf die Schnauze fallen um zu das wirklich wichtige zu lernen, wie hart und ungerecht doch das Leben ist.

Keinem interessierte meine schulischen Leistungen, noch nahm jemand Rücksicht auf meine Bedürfnisse. Die alte Hexe selbst nutzte mich nur als billige Hilfskraft aus, ohne die Mühe aufzubringen mir etwas über den Apothekenbetrieb beizubringen. Sie meckerte über jede Kleinigkeit und traute mir nichts zu. Dann setzte sie mich vor die Tür und brandmarkte mich als dumme Nuss mit Aggressionsproblemen.

Die anderen sind wie Schafe und hören lieber auf das, was sie sagte anstatt mit mit darüber zu reden. Denkst du wirklich, dass es sich für mich lohnt nach all diesen Tiefschlägen wieder aufzustehen?"

"Hey", Yuki klang nun sanft und zufrieden mit dem Ergebnis, "es gibt doch immer einen Ausweg! Erlern einfach einen anderen Beruf oder wage endlich ein Studium. Ich meinerseits werde dir immer zur Seite stehen, komme was da wolle."

"Ich danke dir", Katrin sackte zusammen, glücklich solch eine Schwester zu haben, eine einzelne Träne lief über das Gesicht.


"Hey Katrin", Yuki war ganz aufgeregt, es waren mehrere Tage vergangen, "Pierre hat uns nach Köln eingeladen."

"Wow", Katrin klang nicht gerade überrascht, "und wohin? Ein teures Club?"

"Das Beste kommt erst!", Yukigrinste über beide Ohren, "wir dürfen selbst bestimmen, was das Ziel ist."

"Wunderbar! Wir fahren endlich wieder mal zum Zoo", Yuki freute sich wie ein kleines Kind auf diesen Ausflug.

Katrin selbst konnte es auch kaum erwarten dahin zu kommen, die beiden waren schon lange nicht mehr dort und verbanden mit dem Ort die schönsten Erinnerungen. Nichtsdestotrotz fragte sie ernst: "Wie hat aber Pierre darauf reagiert? Sicherlich plante er etwas anderes."

"War überrascht, erklärte sich jedoch einverstanden", Yuki wollte nicht so viele Wörter dafür verschwenden, was ihrer Schwester nur Recht war. Sie fuhr immerhin das Auto auf der A3 und brauchte keine Ablenkung. Zwar besaß die Brünette Talent im Autofahren, geschult durch einen guten Lehrer und Erfahrung, doch sie hatte großen Respekt vor der Autobahn. Die Strecke war noch weit, wer wusste schon, was da noch alles passieren konnte.

Das Wetter zeigte sich zumindest von seiner guten Seite mit teilweise bedecktem Himmel, wobei die Wolken keine Lust hatten es regnen zu lassen. Nur die anderen Fahrer auf dem Asphalt nervten, entweder durch ihr Gehupe oder leichtsinnige Manöver. Später kam noch eine Baustelle hinzu, die eine ganze Spur blockierte und so einen kleinen Stau verursachte. Alle Verkehrsteilnehmer wurde gezwungen durch das Nadelöhr zu fahren, natürlich mussten die auch drängeln und hupen.

Katrin war einfach nur froh, als sie dieses Hindernis hinter sich lassen konnte und ohne weitere Zwischenfälle endlich in Köln ankamen. Routiniert folgte das Mädchen den Verkehrsschildern bis sie ein Parkplatz unter einer Autobahn erreichte.

Nachher mussten beide Schwestern zweimal die Straße überqueren um am Ziel anzukommen, den Kölner Zoo. Pierre stand längst davor und als er seine Gäste sah, begrüßte er sie ausgiebig: "Salut Yuki und Katrin, hab ihr es gut geschafft?"

"Meine Schwester kann gut fahren, kein Problem", sagte Yuki selbstbewusst und voller Stolz, als hätte sie die ganze Strecke gefahren. Katrin hätte da bescheidener geantwortet.

Kaum war das Trio vereint, stellte Pierre sofort eine Frage, die ihn länger unter den Fingern brannte: "Sagt mal, warum wollt ihr ausgerechnet den Tiergarten besuchen? Wir können auch in einen angesagten Club gehen können, ich kenn da ein paar Leute."

"Dieser Zoo ist einfach für uns ein besonderer Ort, wir verbinden mit damit immer schöne Erinnerungen", die jüngere Schwester antwortete mit leuchtenden Augen, wie ein süßes Kind.

"C'est bon, keine weiteren Fragen. Besorgern wir uns die Karten."

Das Trio holte die besagten Tickets von einer älteren Kassiererin, die freundlich und hochmotiviert war. Wahrscheinlich arbeitete sie gerne an einem so besonderen Ort.

"Schauen wir zuerst nach den Säugetieren und Vögeln nach, dann kommen die Wechselwarmen dran", schlug Katrin vor und erhielt die Zustimmung der beiden. Bei früheren Besuchen hatten sie das immer so gemacht, zuerst die Außengehegen und dann das Terrarium, Aquarium und Insektarium. Die Brünette fragte sich manchmal dabei, ob es für die drei letztgenannten nicht noch so ein Oberwort gab.

So nahm das Trio einen ausgiebigen Spaziergang , schauten sich die Tiere an und versuchten sich mit ihrem Wissen über Fauna und Flora zu übertrumpfen. Jeder nannte dabei auch sein liebstes Geschöpf, bei Pierre war es der Tiger. Als sie bei dessen Gehege vorbei kamen, streifte ein riesiges Exemplar an einer Glaswand vorbei. Man konnte die Großkatze in ihrer ganzen Anmut und Stärke bewundern, der junge Mann selbst beobachtete den Jäger fasziniert.

"Kein Wunder, dass die Völker Asiens den Tiger König des Dschungels nennen", schwärmte er, "groß und majestätisch. Dennoch versteht der Herrscher sich unerkannt an seine Beute heranzuschleichen und zuzuschlagen. Das Opfer bemerkt nicht einmal, was ihn da geschieht."

"Ich dagegen mag lieber die Pinguine", funkte Yuki dazwischen, Raubtiere fand sie eher unheimlich, "sie sehen einfach nur süß aus mit ihrem Watschelgang, aber im Wasser gehen die dann wie Torpedos ab. Und die Vögel sind noch dazu treusorgende Eltern und kümmern sich liebevoll um ihrem Nachwuchs. Vielleicht können wir das sogar sehen!"

Das Trio setzt den Weg fort, passierte das Regenwaldhaus und eine Einrichtung, wo die Menschenaffen untergebracht sind. Nachher wurden die Elefanten bewundert und dann kamen endlich die Pinguine dran. Alle beobachteten sie bei ihren unterschiedlichen Tätigkeiten. Einige watschelten wirklich, andere standen gelangweilt in der Gegend und blickten nach allen Seiten, ein paar Exemplare dagegen schwammen eine Runde im Wasser. Als jedoch ein Pfleger mit einem Eimer Fisch kam, entfaltete sich eine Gruppendynamik unter den Vögeln. Sie drängten sich zu dem Arbeiter, während dieser eine Handvoll Futter nahm und es zu ihnen warf. Jeder der Frackträger versuchte einen Leckerbissen zu ergattern, drängeln und stehlen waren da keine Ausnahme.

"Sieht nicht gerade kameradschaftlich aus", neckte Pierre, in der Hoffnung Yuki zu ärgern.

"Ist normal unter Tieren, ganz besonders im Zoo", antwortet diese gelassen, "beim Nachwuchs aber werden dann Beschützerinstikte wach."

"Je comprends", der Junge sagte dazu nichts mehr und wandte sich nun an Katrin, "was ist mit dir? Welches Tier magst du am liebsten? Wir haben schon unsere Favoriten genannt."

"Spinnen! Ganz einfach", gab sie knapp zur Antwort und zuckte mit den Schultern.

"L'araignée!", Pierre wich erschrocken zurück und machte ein angeekeltes Gesicht, "pourquoi? Ausgerechnet dieses Krabbelvieh. Ich dachte, du magst lieber Pferde oder Pandas."

"Wie zu erwarten! Viele Menschen fürchten sich vor den Arachniden einfach nur, weil diese anders sind", Katrin klang ein wenig enttäuscht, "aber damit tut man ihnen Unrecht. Die Achtbeiner leisten nämlich sehr viel für die Menschen und wir müssen es gebürend anerkennen. Sie vertilgen die ganzen lästigen Insekten wie Fliegen oder Mücken, ihre Fäden sind stabiler als Stahl, ja die Wissenschaftler versuchen diesen Stoff künstlich verherzustellen. Selbst das Gift von manchen Arten wird für medizinische Zwecke genutzt. Wir aber begegnen ihnen mit Abscheu und fühlen uns erst wohl, wenn ein Achtbeiner zerquetscht wurde. Für mich sind sie arme, missverstandene Geschöpfe."

"Allons, allons! Gute Erläuterung, aber ich und die Krabbeltiere werden trotzdem keine Freunde."

Das Trio sah sich noch die restlichen Tiere im Außengehege an und danach ging es ins Aquarium mit den Fischen und Terrarium, wo die ganzen Amphibien und Reptilien beheimatet sind. Ins Insektarium, ein Stockwerk höher gingen nur Yuki und Katrin, Pierre passte aus gutem Grund.

"Der Tag ist noch jung!", bemerkte Pierre und hatte recht. Die Sonne stand nach wie vor am Firmament und scheinte fröhlich auf die Stadt.

"Was haltet ihr davon, wenn wir und ein Eis gönnen und den Rheion bewundern?"

Die beiden Mädchen nickten zustimmend und taten es einfach.

Der Rhein, der durch Köln floss, war träge und sanft. Das Sonnenlicht spiegelte die Oberfläche, fast wie ein Funkelmeer. An den Ufern sammelten sich Menschen, ob Cliquen oder Familien. Sie alle eint der schöne Tag und die Muße eine unbeschwerte Weile am Wasser zu verbringen. Auch das Trio, bestehend aus Yuki, Katrin und Pierre nutzten diese einmalige Gelegenheit.

"Es ist schön hier", sagte Yuki zu dieser Idylle, "ich wette man kann da all seine Sorgen vergessen."

"Oder seine Probleme", fügte ihre große Schwester jux hinzu und schaute auf die glücklichen Leute.

"Ach wirklich?", fragte Pierre neugierig, "was sind das für Sorgen und Probleme, von denen ihr redet?"

"Vergiss das einfach! Belaste dich nicht damit", tat Katrin hastig aber ruhig ab, sie bereute schon jetzt ihre vorherige kopflose Aussage.

"Viens danc! Wir sind doch jetzt Freunde, du musst nicht deinen Kummer in dich hineinfressen. Teil es uns mit, vielleicht kann ich helfen sonst zerbricht du noch daran. Das war genauso wie bei unserer ersten Begegnung, du leidest", Pierre schien es äußerst ernst um das Wohlbefinden seiner Kamerden zu sein.

"Er hat Recht, so kann es nicht weitergehen", Yuki stellte sich ganz klar auf seine Seite, hielt aber eine Hand bereit, "du hast mir schon alles erzählt und das tat dir gut. Trau dich einfach und öffne deinen Geist."

"Bitte nicht!", Katrin fühlte sich komplett unwohl, bei ihrer kleinen Schwester ging es ja, aber konnte sie einen Fremden wirklich vertrauen? Zwar wurde Pierre doch langsam zu einem Freund, aber war man schon bereit dafür?

"Weißt du, Mademoiselle, jeder muss ein Päckchen mit sich herumtragen. Selbst ich bin keine Ausnahme, mon dieu."

"Wirklich, was ist es denn?", fragte die Brünette neugierig und spontan, wollte es jedoch zurücknehmen. Wenn sie schon nichts erzählen will, wieso sollte sie sich das Recht nehmen in die Privatangelegenheiten anderer einzumischen.

"Der Selbstmord meines Bruders!", Pierre sagte es einfach so und ohne jeglichen Vorbehalt. Diese Aussage rief bei den beiden Mädchen schieres und blankes Entsetzen hervor. Warum ausgerechnet bei diesem Jungen, er wirkte so lebensfroh, Trauer konnte man bei ihm nicht entdecken. Vielleicht war das nur die äußere Hülle, um den Kern zu schützen.

"Das ist ja schrecklich, wie ist es passiert?", fragte Yuki, am ganzen Körper zitternd, so was extremes hatte sie noch nie in ihrem Umfeld gehört.

"Er litt unter Depressionen, c'est terrible. Anstatt sich helfen zu lassen, verkroch er sich in die Einsamkeit und setzte einfach so sein Leben ein Ende. Ich hatte lange Zeit getrauert und gefragt warum und weshalb. Antworten erfuhr ich nie, aber kein Mensch sollte so leiden. Das hab ich mir zu Herzen genommen, genau wie es mon père wollte."

Katrin kamen nun ihre eigenen Probleme ganz klein und unbedeutend vor. Es gab wirklich immer einen Menschen, den es noch schlechter erging als man selbst.

"Ich muss mich entschuldigen", Katrin war der Meinung, dass sie Pierre etwas schuldig war, "du hattest wahrscheinlich mehr gelitten als ich jemals. Trotzdem gehst du mutig und souverän mit diesem Thema um. Ich denke du solltest auch von meinen Sorgen erfahren."

"Merci für dein Vertauen", der junge Mann lächelte, glücklich über die positive Entwicklung.

"Also", die Brünette holte aus, sie hatte viel zu erzählen, "früher hatte ich große Ambitionen und Träume, wollte eine Forscherin werden und in einem Institut arbeiten, dieses Ziel schrieb ich mir schon in der Grundschule auf. Ich lernte fleißig, kam aufs Gymnasium und machte ein Abitur mit Bestnoten. Doch dann nahm das Unglück seinen Lauf, in dem ich mich entschied vor dem Studium den Beruf des Pharmazeutisch-technischen-Assistenten zu lernen..."

"Pourquoi?", unterbracht Pierre, "mit einem Hammerabitur könntest du doch den Bachelor und Master in Handumdrehen schaffen."

"Ich wollte zuerst lieber eine Tätigkeit erlernen mit dem man überall arbeiten kann und Apotheken werden immer gebraucht. Außerdem trainiert es die Selbstständigkeit. Doch zurück, ich lernte in den Beruf in einer privaten Schule und musste zum Schluss ein sechsmonatiges Praktikum absolvieren. Ich geriet jedoch an eine Furie, die mich wegen jeder Kleinigkeit anschrie und meinte ich sei dumm. Eines Tages hielt ich es nicht mehr aus und schrie sie an. Die Folge davon war, dass die Hexe mich nach erfolgreichem Abschluss der Lehre vor die Tür setzte und den anderen Apothekern erzählte ich sei unzuverlässig und aggressiv. Da wird mir niemand eine Chance geben", Katrin wurde bei diesem Lebensabschnitt melancholisch und stieß einen Seufzer aus.

"Wie heiß eigentlich diese Apothekerin? Nur so aus Neugier", fragte Pierre interessiert.

"Frau Gretel, sie betreibt die Hof-Apotheke, zwanzig Autominuten von unserem Zuhause entfernt", die Brünette merkte gar nicht, wie viele Informationen sie doch preisgab.

"Mon dieu, trauriges Los", war seine Meinung dazu und wandte sich dann an Yuki, "willst du vielleicht auch etwas erzählen?"

"Zwar habe ich damit schon abgeschlossen, aber gerne", fing sie an, "Während meiner Schulzeit gab es eine richtig fiese Mitschülerin namens Stella Klein, die mich nach Strich und Faden schikaniert hatte."

"Pourquois? Weshalb?"

"Weil ich ein Fan von Animes, Mangas und Nintendo bin."

"Was ist daran so schlimm? Je ne comprends pas", obwohl er wusste, dass Rowdys jede Nichtigkeit nehmen um ihre Opfer zu tyrannisieren.

"Sie meint, japanische Comics seien was für Perverse und Spiele von Nintendo Kinderkram. In den Pausen damals, wenn ich einen Manga las, kam die mit ein paar Tussis angelaufen, nahm mir den Druck aus der Hand und warf es in hohen Bogen weg."

"Aber hast du denn dich nicht gewehrt?", Pierre regte sich schon langsam über dieses Thema auf.

"Schon oft, aber Stella schaffte es immer wieder den Spieß umzudrehen. Sagte ich ihr meine Meinung, war ich schwach. Verteidigte meine Interessen, würde ich einsam bleiben. Redete mit einem Lehrer, galt ich als Petze und Schwächling", Yuki glaubte zwar mit dieser Sache abgeschlossen zu haben, aber dennoch sprach sie mit einer tiefen Bitternis in ihrer Stimme, "später isolierte die Göre mich nach und nach und machte aus mir eine Außenseiterin. Ich wurde gemieden, Mitschüler warfen schräge Blicke zu, selbst gute Kumpels wandten sich von mir ab. Das hielt ich nicht mehr aus und wechselte schließlich die Schule."

"C'est lâche!", der Junge war darüber empört, nicht auf diese Stella, sondern auch auf Yuki, "du hast einfach so aufgegeben und das Feld geräumt? Oh nein, das war für deine Mobberin ein Sieg auf ganzer Linie und eine Ermutigung weiterzumachen. Sie hat wahrscheinlich dann einfach das nächste Opfer ausgesucht und es schikaniert, weil du schwach bist und nicht weiter gekämpft hast."

"Der Schulwechsel erschien mir damals als einziger Ausweg, du hast kein Recht mich zu verurteilen", rechtfertigt sich Yuki und zeigte ihre Verärgerung, "außerdem ist Stella nie weit gekommen. Sie selbst träumte davon ein berühmter Star zu werden und muss doch als Sekretärin in einer Firma arbeiten, die kein Schwein kennt."

Währenddessen beobachtete Katrin das Geschehen mit besorgtem Blick. Das es sich so entwickeln würde, hätte sie nie gedacht.

"Ach, ich glaub schon langsam, dass dieser Ausflug doch keine Idee war", stellte Pierre nüchtern fest, "wir wollten nur Spaß haben und stattdessen zerstreiten wir uns wegen ein paar Lapalien aus der Vergangenheit. Mon père hatte mir immer beigebracht für seine Träume, Ideale und Freunde zu kämpfen. Es schmerzt mich zu hören, wenn jemand durch andere leidet und kann nicht einfach so wegschauen. Versteht es bitte!"

Yuki beruhigte sich durch diese Worte, er hatte ja Recht. Sie stammelte nur ein "Ist schon gut", mehr nicht.

"Es wird schon langsam spät, vielleicht sollten wir uns langsam verabschieden", nun ergriff Katrin die Initiative und hoffte die Situation ein wenig zu entschärfen.

"Stimmt, ich muss morgen früh auf den Beinen sein. Pardon meine Damen, dass der Tag nicht so gut gelaufen ist. Also, au-revoir", mit diesen Worten verabschiedete sich Pierre und ging weg.

Die beiden Mädchen machten sich auch auf dem Heimweg, Katrin musste über diesen Tag und die Vergangenheit nachdenken. Bei Yuki dagegen machte sich Traurigkeit breit, der Zoo von Köln war immerhin ihr liebster Ort und nun meinte sie, dass der Platz befleckt wurde.

"Warum hast du vorgeschlagen, dass wir uns im Wald treffen?", meckerte eine blonde Frau missmutig, während sie mit einem Mann den Weg entlang ging.

"C'est simple Stella, ich liebe den Forst einfach. Hier kann man sich am besten entspannen und über alles reden. Nicht so in einer Disco oder Bar, wo jeder mithören kann", erklärte ihr Begleiter gelassen.

"Pfiff, dabei wären letztgenannte Plätze viel besser, da kannst du mir wenigstens einen Drink spendieren!", motzte sie weiter, "du kennst doch gute Clubs in Köln und Frankfurt. Beim nächsten Mal gehen wir irgendwo dorthin."

Der letzte Satz von ihr klang wie ein Befehl, der keinen Widerspruch duldete. Für den Mann war diese Frau wirklich anstrengend.

"Ach", Stella fiel dabei etwas ein, "sagtest du nicht, dass du Halbfranzose bist, Jean?"

"Oui", antwortete er kurz und knapp, mit einem Kopfnicken als belegende Geste.

"Oh man, dann musst du dich doch auch in irgendeiner Stadt in Frankreich auskennen. Es wäre schön, wenn du mich nach Paris bringen würdest, viel besser als Köln oder Frankfurt. Vielleicht werde ich da von einem Agenten einer Agentur entdeckt", sie geriet dabei ins Schwärmen, endlich berühmt zu werden.

"Bild dir nicht so viel darauf ein! Paris ist genau wie jede andere Stadt, die Leute machen sich nur eine romantische Vorstellung davon. C'est la vie."

"Sag mal, musst du so reden mit deinem französischen Kauderwelsch?", Stella war davon sichtlich genervt.

"Eine Angewohnheit! Manche finden die Phrasen aber auch ziemlich reizend", Jean wollte sich nicht rechtfertigen, er war mit sich zufrieden, "aber kommen wir doch zurück zu Paris. Du möchtest also von Talentscouts entdeckt werden. Willst du etwa Model werden?"

"Ein VIP, ob Model, Schauspieler oder Sänger ist mir egal", die Blondine klang streng, "davon träumte ich schon seit ich klein war. Doch meine Eltern haben mich nie unterstützt."

Sie wurde dabei wütend und ein Schwall Verachtung mischte sich in ihre Stimme: "Immer waren sie dagegen. Darf ich zu einem Casting gehen? Nein!

Darf ich dieses Foto ins Netz stellen? Auf gar keinen Fall!

Darf ich mit meiner Freundin verreisen, es gibt da einen tollen Club in Berlin. Nein, nein und nochmals nein!

Ich sollte etwas anständiges lernen und siehe da, was passiert ist: eine Sekretärin bei einer Kennt-doch-kein-Schwein-Unternehmen in der Pampa. Sie haben mir alles versaut!"

"Vielleicht meinten sie es ja nur gut. Deine Eltern wollten doch, dass du einen anständigen Beruf hast mit dem du überall arbeiten kannst. Sei nicht zu hart zu ihnen", Jean versuchte die Wogen zu glätten.

"Dann danke Mum und Dad, dass ihr mich zum lernen gezwungen habt, anstatt mich bei meinem Traum zu unterstützen."

Stella zeigte hemmungslos wie sie ihre Eltern hasste: "Nie gönnten sie mir etwas und bestraften mich sogar. Hausarrest, weil ich die Schule geschwänzt habe um zu einem Vorsprechen zu gehen. Handyverbot wegen ein paar anzüglichen Selfies. Kontrolle meiner Hausaufgaben und Klassenarbeiten..."

Jean war es schon langsam leid, sich ihr Gemecker anzuhören. Diese Zicke gehörte zu den Personen, die alles dafür taten um berühmt zu werden. Selbst wenn er zu diesem Thema kein großer Experte war, so war sich Jean sicher, dass Bekanntheit ein zweischneidiges Schwert war. Einerseits kennen die Leute dich, andererseits hast du keine Privatspähre, weil jeder dich auf der Straße ansprechen oder fotografieren will. Die Popularität kann ebenso wieder schnell verschwinden wie sie gekommen war, nachher tut man wirklich alles um im Gespräch zu bleiben.

Doch der Mann wusste, dass er deswegen nicht mit Stella in den Wald ging.

"...ich will doch nur ein Promi sein, Millionen verdienen, ein Jet-Set-Leben führen, eine Villa in Kalifornien besitzen..."

Sie redete immer weiter bis die Göre aber schließlich zu einem brisanten Punkt angelangt war: "Das einzig schöne für mich ist das Aufziehen von Dummköpfen."

Jean wurde jetzt hellhörig, darauf hatte er gewartet: "Wie meinst du das?"

"Eben, andere Leute fertig machen. Tat ich schon seit der Schule, es findet sich immer ein Loser oder Sonderling, den man schikanieren kann. Fühlt sich gut an, ich komme mir dabei wie eine Königin vor."

"Aber schon mal daran gedacht, ob du den Mensch damit geschadet hast?"

"Interessiert mich nicht! Dummköpfe kommen und gehen, die sind alle gleich. Aber, die Jetzige ist ziemlich nützlich."

"Wie meinst du das?", hakte Jean nach.

"In unserer Firma haben wir eine Neue, so eine junge Frau aus Kroatien, Natascha heißt die. Oh man, die ist so gutgläubig", Stella nahm kein Blatt vor den Mund, "denkt in Deutschland wäre das Leben besser und hofft auch einen lieben Freund zu finden, da kotze ich nur."

Die Zicke hatte gut reden, sie war doch selbst naiv mit den Berühmtsein.

"Doch sei's drum, ich kann die für meine Zwecke nutzen. Gibt mir immer Geld, wenn ich was brauche und tut jeden Gefallen. Sie denkt wirklich, dass ich dann ihr meine Freunde und Bekannte vorstelle. Vergiss es Natascha."

Stella lachte dabei aus Schadenfreude, nur Jean nicht, er war still und in sich gekehrt. Solch eine Sorte von Frau hasste er, erinnerte sie ihn doch an eine unangenehme Angelegenheit aus der Vergangenheit.

Oh nein, diese Zicke bekommt ihre gerechte Strafe noch früh genug, da war sich Jean sicher. Er tat das nicht nur für sich, sondern auch für jemand anderen und jetzt auch für all diejenige, die unter Stella leiden mussten.

Der junge Mann konnte sich sicher, dass er ungestört sein Werk verrichten kann, nur die Bäume werden seine Zeugen sein.


"Oh nein, so ein Mist!", fluchte Yuki daheim.

"Was ist passiert, hast du dich verletzt?" fragte ihre Schwester aus der Küche.

"Ich hab eine Seite aus meinem Lieblingsmanga zerrissen, das ist los."

Ausgerechnet jetzt! Normalerweise ging Yuki immer behutsam mit ihren Comics um, vor allem seit der Zeit mit Stella. Diese Zicke zeigte damals kein Respekt und sah in diesen Drucken immer nur Müll, den man schnell entsorgen musste. Doch das waren Schätze, mit denen man sorgsam umgehen musste, das hatte sich Yuki verinnerlicht, bis zu diesem Augenblick.

"Warte kurz, ich werd dir helfen", sagte Katrin und eilte herbei um den Schaden so gut wie es geht zu beheben.

In einer Kleinstadt herrschte eine stille dunkle Nacht, niemand war auf den Straßen unterwegs als hätten sich alle schlafen gelegt. Aber halt, etwa alle? Nein, mit nichten!

An einer Straße stand ein großes Auto, welches drei Personen beherbergte. Sie waren jedoch keine Einwohner der Ortschaft oder Durchreisende, sie kamen aus einem ganz bestimmten Grund hierher. Nämlich, auf der anderen Straßenseite stand eine Apotheke, eine die schon längst geschlossen hatte. Doch das machte den Trio überhaupt nichts aus, ganz im Gegenteil.

"Also das ist die Apotheke, die wir für Silberfuchs abfackeln sollen?", fragte ein junger Mann.

"Nicht ganz, wir können ein paar Arzneien mitgehen lassen und irgendwo verhökern", rief diesmal ein Mädchen.

"Na was soll's, solange die Aktion reibungslos abläuft, können wir von mir aus Souveniers nehmen. Wespe, hast du an alles gedacht?''

Der Kerl hatte sich an die junge Frau gerichtet, die Wespe hieß.

"Ja, ja, Handschuhe, Masken, Beutel, Ersatzschlüssel und Brennzeug. ich hab's doch", sie war genervt davon, wie oft ihr Kollege den Plan durchging, selbst jetzt noch, "immerhin musste ich ja als Praktikantin bei dieser Frau Gretel arbeiten und oh Mann, Silberfuchs hatte Recht, die ist eine Furie. Ihre eigenen Angestellten lästern über sie und selbst die anderen Apotheker können sie nicht leiden. Das war vor allem ein Ärger als ich den Eingangsschlüssel mitgehen ließ, aber es hat sich gelohnt! Also, Einsamer Wolf, ziehen wir es endlich durch!"

"Sagt mal, müssen wir das wirklich machen", nun meldete sich der Dritte und Letzte im Bund.

"Bitte Grizzly, wir haben es doch schon durch", es waar wieder der erste Mann mit dem Namen Einsamer Wolf, "diese Apothekerin ist eine schlechte Person und muss bestraft werden. Sie hatte schon manche zum Teufel geschickt und das wir ihre Existenzgrundlage zerstören ist nur mehr als gerecht."

"Verstehen, aber was ist wenn uns jemand sieht?"

"Keine Sorge. Niemand ist auf den Straßen unterwegs und es ist gerade ein Uhr morgens. Ich und Wespe machen das schnell und du muss uns nur dann schnell von hier wegbringen."

"Ja Grizzly, wir tun nur Gutes", es wwar Wespe, die mit einer süßen Stimme redete und ihre Arme um den Bären legte, "Frau Gretel ist eine schlimme Person. Sie behandelt die eigenen Angestellten wie Arbeitstiere. Wenn einer nicht die gewünschte Arbeitsleistung erbringt, wird dieser in die Wüste geschickt. Die Apotheker selbst redet dann noch schlecht über den. Es ist für die Personen, die unter ihr leiden mussten.

Vergiss nicht, auch jeder von uns hatte eine harte Zeit durchgemacht!"

Nein, Grizzly würde das niemals vergessen.


Viele Menschen litten durch andere aus nichtigen Gründen. Seien es Kollegen, die dich nur schikanieren oder der Vorgesetzte, der dich herablassend behandelt. Selbst Bär war da keine Ausnahme, auch er musste vieles ertragen und zwar durch einen Lehrer.

Nach seiner Vorstellung musste eine Lehrkraft nicht nur Lerninhalte vermitteln, sondern auch seine Schüler und deren Charakterzüge kennen, denn jeder ist ein Individuum, die Stärken und Schwächen um entsprechend reagieren zu können.

Doch er hatte einen Pädagogen, der den harten und strengen Weg bevorzugte, ohne Rücksicht auf Einzelne. Immer wenn ein Fehler passierte, selbst ein kleiner stand Geschrei an bis die Tränen.

Grizzly hasste diesen Typen über alles, er selbst hatte meist nur geheult und ließ es sich gefallen Kamel genannt zu werden. An schlimmsten war es, dass es sich auf sein Selbstbewusstsein und seine schulischen Leistungen auswirkte. Bär besaß nie das Gefühl etwas mit Links zu schaffen, selbst ein einfacher Test wurde zu einer Belastungsprobe. Dabei war er sehr klug und konnte viel, nur der Lehrer machte ihn klein.

Das Ganze ging sogar so weit, dass Grizzly wegen diesen Pädagogen sitzen bleiben musste, eine Schande nach seinem Empfinden. Zwar war der nachfolgende Erzieher um vieles besser und er wurde sogar Jahrgangsbester, aber die Klassenwiederholung blieb wie ein bitter Nachgeschmack.

Eines Tages jedoch erschien der Meister und Silberfuchs. Der Boss war charismatisch, hilfsbereit und ein Mann der Tat. Er bestrafte Grizzlys ehemaligen Lehrer, indem er dessen Auto sabotierte, wodurch es zu einem Unfalltod kam.

Der Meister half auch Wespe mit einem schlimmen Stalker und Einsamer Wolf, als er von einer Gang tyrannisiert wurde. Sie alle, ja selbst Bär, empfanden es als Gerechtigkeit und schworen dem Chef die Treue. So entstand eine Bande, die klaute, Botengänge ausführte und Selbstjustiz ausübte. Der Meister versprach zudem, sie in tiefe Geheimnisse einzuweihen, wenn sie so weit seien.

Jetzt jedoch dachte Grizzly kritischer War das Gerechtigkeit, die der Boss da ausübte? Nein, es war eine Befriedigung der Rachegelüste, reine Vergeltungssucht.

Dennoch, Bär war der Meinung, vor allem um sein Gewissen zu beruhigen, dass diese Aktionen keine Unschuldigen trafen und vielleicht halfen sie sogar denen.


"Gut, zieht es durch, ich warte solange", gab Grizzly schließlich nach, sollen seine Freunde es doch tun.

"Das wollte ich hören", Wespe war darüber glücklich und umarmte ihn noch fester, ließ ihn danach los um fortzufahren, "okay Einsamer Wolf, Showtime!"

"Das macht neununddreizig siebenundvierzig", sagte der Kassiererlehrling freundlich zu Katrin, die gerade beim Einkauf im Discounter war. Dieser Typ machte nach ihrer Meinung seinen Job gut, er schob die ganzen Artikel schnell durch den Scanner und fing kein Gequatsche an. Jetzt musste nur noch von Katrins Seite die Zahlung erfolgen.

Hierzu jedoch nahm das Mädchen einfach einen Fünfzig-Euroschein heraus, sie hatte keine Lust das ganze Kleingeld aus der Brieftasche zu nehmen. Kaum erhielt sie das Restgeld, so verließ die Brünette sogleich den Laden mit dem vollen Einkaufswagen.

Katrin verstaute dann den Einkauf im Kofferraum ihres Wagens, allerdings hatte sie noch vor einen kleinen Abstecher im Gartencenter zu machen, nicht jedoch um Blumen zu kaufen. Dort gab es nämlich auch einen Kiosk zu dem das Mädchen immer gerne hingeht, sowohl um nach neuen Zeitschriften zu sehen als auch wegen der freundlichen Betreiberinnen.

Routinemäßig ging die Brünette hin, schaute sich die Regale mit den Blättern durch, doch es gab nichts neues, nur der alte Trott. Wenigstens konnte sie die Zeitung kaufen, sonst wäre der Besuch ein kompletter Reinfall.

Katrin nahm sich also die Gazette, wechselte mit der Inhaberin noch ein paar Worte während der Bezahlung und verließ das Center. Die Heimfahrt mit dem Auto und das anschließende Tragen des Einkaufs in die Wohnung sollte nur kurz erwähnt werden.

Die Bude war weil Yuki arbeitete still, was Katrin nur umso besser gefiel, da sie jetzt freie Zeit hatte. Das Mädchen verstaute die ganzen Lebenmittel und nach getaner Arbeit nahm sie die Zeitung mit ins Wohnzimmer, die musste noch gelesen werden bevor wieder die Nintendo Switch zum Einsatz kam.

"Och man, nichts Neues", stöhnte Katrin, während sie die Blätter überflog. In der Presse stand wieder mal was über die Politiker, dann war ein Unfall der aus Verlässigkeit passiert und...

Das Mädchen blieb bei einem Artikel stehen, bei der weiße Buchstaben auf schwarzem Grund standen: "Apotheke ausgeraubt und angezündet."

Eigentlich wäre es für sie nichts besonderes, stände da nicht, dass es sich genau um die Hof-Apotheke von Frau Gretel handelte, also dort, wo sie ihr Praktikum gemacht hatte.

Katrin las sogleich bestürzt und entsetzt den Text. Da wurde kurz geschrieben, dass vorgestern Unbekannte in die Apotheke eindrangen, einige Medikamente entwendeten und anschließend die Einrichtung in Brand setzten. Die Feuerwehr musste gerufen werden genau wie die Polizei. Laut den Ordnungshütern handelte es sich höchstwahrscheinlich um eine Einbrecherbande, die die gestohlenen Arzneien verpfänden möchten. Die Inhaberin selbst, Frau Gretel, ist darüber verzweifelt und beklagt auf den Trümmern ihrer Existenz zu stehen. Ermittlungen laufen derweil weiter, aber von den Tätern fehlt jede Spur.

Dem Mädchen stockte der Atem, wurde nervös, obwohl sie nicht wusste warum. Es war doch wahrscheinlich nur ein wirklich dummer Zufall, dass Verbrecher ausgerechnet diese Apotheke zerstört haben. Ja, es hätte doch jede andere treffen können, in der Ortschaft gab es nämlich noch zwei weitere. Doch komisch, es beruhigte sie kein bisschen, fast meinte die Brünette, dass jemand es gezielt getan hatte.Was wäre jedoch, wenn es den so sei!

Jetzt fühlte sich Katrin erst recht unruhig. Ihre Intuition meldete sich zu Wort und redete ihr ein, dahinter steckt mehr. Wer sollte jedoch dieser Frau, selbst wenn sie eine Furie war, so was antun? Ein verärgerter Kunde? Nein, sie hatte eine solide Stammkundschaft, manche fuhren sogar extra zu ihr. Die Angestellten? Sie lästerten ja hinter vorgehaltener Hand und mochten die Chefin nicht besonders, jedoch kam das auch nicht in Frage. Den eigenen Arbeitsplatz anzünden? Nein, das wäre ein Eigentor. Einige bemühen sich eine andere Stelle zu finden. Vielleicht ein ehemaliger Arbeitnehmer? Bevor die Brünette ihr Praktikum dort machte, gab es vorher schon eine, die unfair behandelt und gefeuert wurde. Dazu verbreitete Frau Gretel üble Nachrede.

Irgendjemand hatte es aus Rache gemacht, praktisch eine offene Rechnung. Die Medikamente gab es wohl als Belohnung.

"Ach nein", Katrin wusste nicht weiter, sie konnte sich keinen Reim darauf machen, wer nun der Täter war. Vielleicht stimmte die Vermutung der Polizei doch und es war eine Einbrecherbande. Nein! Ihr sechster Sinn wollte sich nicht damit zufrieden geben. Vielleicht ließ sie einfach die vergangenen Tage Revue passieren: Eigentlich geschah letzte Woche nichts, Das Mädchen machte ihre Aushilfsjobs und schickte Bewerbungen los ohne die Hoffnung angenommen zu werden. Weiter, da war ja auch der Zoobesuch in Köln mit Pierre und der Rhein.

"Moment mal!", der Brünette fiel was auf, hatten nicht sie und Yuki von ihren Probleme und Sorgen erzählt? Konnte vielleicht dieser Kerl dahinter stecken? Immerhin gefiel es ihm nicht, wie die beiden einfach so kampflos aufgeben haben und nahm es selbst in die Hand.

Ach, zu absurd. Wieso sollte Pierre solche schreckliche Dinge tun? Er war doch ein guter Mensch und machte nicht den Eindruck eines Verrückten. Dieser Gedanke wurde von dem Mädchen wieder schnell verworfen.

Doch irgendwie ließ sie das nicht mehr los.

 

"Was ist das den für eine Überraschung?", fragte Yuki unsicher, ungewöhnlich zu ihrem fröhlichen und extrovertiertem Charakter. Sie spazierte mit Pierre in einem Wald und das schon seit einer Weile.

"Hab Geduld", gab dieser gut gelaunt zurück, was jedoch dem Mädchen gar nicht gefiel. Seit dem Besuch im Köln hatte er sich für Wochen nicht mehr gemeldet und nun tauchte er aus heiterem Himmel einfach so auf. Ihre Schwester hatte sie sogar vor ihm gewarnt, doch das war alles Humbug. Seit Katrin diesen Zeitungsartikel über die Brandstiftung ihres ehemaligen Praktikumsplatzes gelesen hatte, war sie ein wenig paranoid geworden, vermutete gar dass Pierre dahinter steckte.

Für Yuki jedoch war daran nichts dran. Wahrscheinlich hatte Pierre einfach nur etwas Abstand und Zeit für sich gebraucht. Sie hatten ja ziemlich heftig debattiert wie man mit Problemen klar kommen sollte. Doch irgendwas nagte an ihr, das Mädchen konnte nicht sagen was.

"Sag mal Pierre", Yuki versuchte es erneut, sie wollte es unbedingt wissen, "warum kontaktierst du mich gerade jetzt? Seit der Sache mit Köln habe ich nichts von dir gehört."

"Excusez-moi Mademoiselle, ich hatte einfach viel zu tun. Das mit Köln tut mir wirklich leid, da brauchte jeder von uns wohl ein wenig Zeit für sich. Diese Überraschung jedenfalls soll als Wiedergutmachung dienen."

"Freut mich, was ist es den genau?"

"Attendez, sonst wäre es keine Überraschung mehr", Pierre scherzte gut gelaunt, ihm hatte das Alleinsein gut getan, als er plötzlich auffuhr: "Ah, regarde! Da ist die Lichtung, wir sind angekommen!"

Beide erreichten einen freien Platz im Forst, der wunderschön und unberührt war. Grünes Gras bedeckte den Boden, vereinzelt standen Gänseblümchen, die den Ort für sich beanspruchten. Die anderen Blumen wuchsen am Rand in der Nähe zu den Bäumen.

Yuki gefiel dieser Ort, das Einzige was sie störte war, dass graue Wolken teilweise die Sonne verhüllten. Pierre störte das weniger, er stellte sich in die Mitte und genoss es als gebe es ein applaudierendes Publikum.

"Also, was möchtest du mir nun zeigen?", fragte Yuki die sich zu ihm gesellte.

"Weißt du noch von unserem Gespräch am Rhein", begann Pierre als wolle er etwas erzählnen.

"Eh ja, bist du immer noch deswegen sauer?"

"Nein, es war gut, dass du mir von deiner Vergangenheit erzählt hattest und vor allem über diese miese Schülerin, die dich einst mobbte. Das ließ mich nicht los!"

"Okay und was bedeutet das?", sie konnte sich daraus keinen Reim machen.

"C'est simple, ich beschloss dir zu helfen und habe nach Stella Klein gesucht, die du mir nanntest. Man wird wohl nie seine Peiniger vergessen", Pierre hielt inne, wahrscheinlich um gleich fortzufahren.

Yuki indes wollte es kaum glauben. Hatte er wirklich nach dieser Bitch gesucht und sie zur Rede gestellt. Nett von ihm, wirklich. Doch das war schon lange her, konnte es man einfach nicht belassen und nach vorn schauen.

Der junge Mann fuhr endlich fort: "Ich habe sie schließlich gefunden und näher kennen gelernt. Aber man, Stella ist eine schlimme Person, denkt nur an ihre Karriere als VIP und behandelt andere Menschen wie der letzte Dreck. Von Reue, gar Sühne keine Spur. Deswegen habe ich die Schnepfe schlicht und einfach umgebracht."

Umgebracht! Das konnte doch nicht wahr sein, Yuki hatte sich wohl verhört. Umgebracht! Nein, es musste ein Scherz sein, ein wirklich schlechter, ohne Sinn und Verstand.

"Pierre, soll das die Überraschung sein? Mich einfach so zu veräppeln, das geht so nicht."

"Non, sans blaque! Deine Peinigerin liegt unter der Erde, dafür habe ich selbst gesorgt", dem Junge war es vollkommen ernst, doch Yuki wollte es immer noch nicht so richtig glauben.

"Wieso solltest du so etwas tun?", sie suchte nach einer logischen Erklärung, "diese Angelegenheit liegt schon Jahre zurück und ich hab damit abgeschlossen. Stella müsste es so ähnlich gehen."

"Du irrst dich!", er sagte es in solch einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete, "diese Zicke hatte nach deinem Abgang nicht aufgehört, ganz im Gegenteil. Sie nahm sich das nächste Opfer und es ging so weiter. Ihr Jetziges ist eine junge Frau und die Tyrannin nutzte deren Naivität hemmungslos aus. Ich konnte doch nicht wegschauen und musste ihr Einhalt gebieten."

"Und das ist also die Lösung, indem du sie einfach umbringst?", Yuki wurde ohnmächtig vor Wut, "dann steckt du auch wahrscheinlich hinter dem Apothekenbrand. Sag mir, warum?"

"Mademoiselle, ich tat dir und deiner Schwester nur einen Gefallen!", das abscheulichste daran war, dass der Kerl einfach so seelenruhig blieb, gar stolz darauf war.

"Du spinnst doch, ich hab nie um deine Hilfe gebeten", schrie das Mädchen auf, "du bist einfach nur schizophren und verrrückt."

"Non, ich sehe mich selbst eher als ein Mann der Tat. Man kann nicht ewig überlegen, sondern man muss schon etwas machen um Gerechtigkeit zu erlangen."

"Scheiß auf deine Gerechtigkeit, ich gehe jetzt zu den Bullen", Yuki wollte schon kehrt machen. doch da packte Pierre sie geschwind am Handgelenk und klammerte sich fest.

"Ma chérie, du enttäuscht mich maßlos", er bedauerte sichtlich diese Wendung, "dabei sind wir uns ähnlicher als du denkst. Jeder leidet doch irgendwie, es gibt keine Ausnahmen! Du und Katrin könntet ein Teil unserer Familie sein, aber daraus wird leider nichts."

"Das ist auch gut so! Ich werd wenigstens kein Schwein", sagte das Mädchen fest entschlossen und versuchte sich vehement aus dem eisernen Handgriff zu befreien.

"C'est faux! Ihr seid einfach mental schwach und feige. Nur mit Mut und Skrupellosigkeit kann man es weit bringen. Deswegen bist du nur eine einfache Kassiererin und deine Schwester eine Loserin."

Seine Worte brachten das Fass zum Überlaufen. In Yuki erwachten durch den Zorn und Überlebenswillen ungeahnte Kräfte. Sie holte mit ihrem freien Arm aus undschlug heftig gegen den Kopf von Pierre. Der Junge hatte mit so viel Widerstand nicht gerechnet, der Hieb brachte ihn aus dem Konzept und er verlor die Kontrolle über seinen Körper.

Das Mädchen nutzte intuitiv die Chance und rieß sich los. Jedoch schaffte sie es nicht zu den Bäumen, denn Pierre kam schnell wieder zu sich und packte die Fliehende erneut.

"Zut alors!", fluchte er ungehalten aber mit Respekt, "j'ai sous-estimé. Du hast Potential. Mit dir hätten wir eine tolle Bande abgegeben."

Yuki versuchte nochmals ihn zu schlagen, doch diesmal fiel er nicht darauf herein. Er wich gekonnt aus und verdrehte ihren Arm.

Bevor das Mädchen sich weiter wehren konnte, drückte Pierre ihr ein feuchtes Tuch auf den Mund.

"C'est bon einen Helfer zu haben", sagte er zufrieden, diesmal ging nichts schief.

"Chloroform...", nuschelte die Arme, während sie langsam das Bewusstsein verlor.

"Yuki, was hast du dir dabei gedacht!", meckerte Katrin außer sich vor Wut, als sie nach einem kurzen Spaziergang einen Notizzettel in der Küche fand.

'Treff mich kurz mit Pierre, alles Liebe Yuki', stand da in schnörkeliger blauerr Schrift auf gelbem Grund.

Zwar hielt die Brünette die eigenmächtige Aktion ihrer Schwester für äußerst unklug, aber sie glaubte selbst immer noch nicht daran, dass hinter der Brandstiftung Pierre steckte und er ein psychotischer Täter war. Auch Yuki konnte sich das nicht vorstellen, versprach jedoch vorsichtig zu sein.

Katrin redete sich selbst ein, dass schon nichts bei dem Treffen passieren würde und beschloss einfach etwas anderes zu machen. Genau! Was gäbe es schöneres als ein neues Spiel für die Nintendo Switch zu testen und dabei eine kühle Cola zu trinken.

Das Mädchen setzte es sofort in die Tat um und zockte ohne jegliche Gedanken bis der Controller warnend aufrief, dass der Akku gleich alle ist.

"Spielverderber! Gerade jetzt", meckerte sie frustriert und beendete schweren Herzens das Spiel. Die Switch-Konsole erhielt ihre wohlverdiente Pause und der Controller konnte sich genüsslich mit Strom vollessen.

Die Zeit war dabei wie im Flug vergangen, für manche war sowas nur eine Verschwendung, für Katrin dagegen ein Ausflug in eine fantastische Welt. Doch Yuki ließ sich immer noch nicht blicken.

"Wo bleibt sie denn?", Die Brünette machte sich schon langsam Sorgen um sie und holte ihr Smartphone heraus um ihr eine Nachricht zu schreiben. Zu ihrer eigenen Verwunderung zeigte das Display an, dass jemand eine Message geschrieben hat und zwar von Yuki und sogar vor einer halben Stunde! Katrin schämte sich ein wenig, dass sie beim Zocken einfach alles vergisst, doch Schwamm drüber.

Sie öffnete sofort das Nachrichtenfenster, fand jedoch einen merkwürdigen Text: 'Schau im Briefkasten nach! :-)'

Das Mädchen wusste beim Lesen nicht, ob es vielleicht nur ein dummer Scherz von Yuki und Pierre war. Doch Moment, ihre kleine Schwester mochte zwar eine lebensfrohe Frau sein, doch solche Albernheiten waren ihr fremd, vielleicht steckte da mehr dahinter.

Eine innere Stimme riet Katrin vorsichtig zu sein, hier war was faul, Yuki machte keine Scherze. Konnte ihr Verdacht auf diesen Kerl doch wahr sein? Wenn ja, dann befand sich ihre Schwester in großer Gefahr. Sie sollte die Polizei darüber informieren, doch war es ratsam. Vielleicht taten die es als dummen Scherz ab und Katrin war sich nicht wirklich hundertprozent sicher.

Die Brünette beschloss schlußendlich doch im Brieffach nachzusehen, damit alle Zweifel endgültig verschwanden. Entschlossen nahm sie die Schlüssel und ging mit schnellen Schritten hinunter. Kurz vor der Eingangstür stoppte das Mädchen um sich die Umgebung draußen genau anzuschauen, es könnte ja sein, dass sie von jemanden erwartet wurde. Jedoch befand sich niemand dort, alles sah sauber und normal aus.

Langsam und aufmerksam ging Katrin nach draußen, öffnete das Fach und fand einen gefalteten Zettel. Sie entnahm das Schreiben unf kehrte in ihre Wohnung zurück, es erschien ihr sicherer den Inhalt dort zu lesen, was sie auch tat:

"Bonjour Katrin,

wir haben Yuki! Wenn du sie lebend sehen willst, erschein morgen um 12:00 beim Schwimmbad und komm allein.

Ein Typ in braunem Shirt mit Bärenmotiv wird dich erwarten. Keine Polizei, wir merken es!

Au-revoir."

Dieser Text stach Katrin mitten ins Herz. Pierre war also doch der Täter und nun hatte er Yuki in seiner Gewalt, nicht ausdenken zu was er fähig sein kann. Das Mädchen musste wohl oder übel die Anweisungen befolgen für ihre Schwester.

Resigniert ließ sie den Zettel fallen, eine endlose Nacht stand bevor.

Das Schwimmbad lag am Rand der Stadt, umarmt von einem Wald. Solch eine Einrichtung ist ein ganz besonderer Ort. An heißen Sommertagen gehen die Menschen hin um nach Abkühlung und Zerstreuung zu suchen, Jugendcliquen amüsieren sich bei einer Flasche Bier, Familien genießen die gemeinsame Zeit und Kinder lernen das Schwimmen. So geht es immer zu, bis auf einem Tag, einem schicksalhaften.

Nicht weit entfernt erschien eine Gestalt, die sich dem Wasserpark langsamen Schrittes näherte. Ihr Blick war starr auf das Gebäude gerichtet, ihrem Ziel. Sie zeigte keinerlei emotionale Regung, nur den Drang endlich eine Ungewissheit zu klären.

Ja, es war Katrin, welche sich auf dem Weg machte. Zwölf Uhr am Schwimmbad.

Sie konnte nur daran denken, alles andere hatte keine Bedeutung.

Mann im braunem Shirt mit Bärenmotiv. Dieser würde vielleicht alles kläres können.

Keine Polizei, sonst ist sie tot. Die Lage war äußerst ernst, Späße konnte sicch niemand mehr leisten.

Diese Gedanken gingen Katrin durch den Kopf, sonst herrschte in ihr nur kalte Leere, keine Emotionen, keine Wünsche, keine Hoffnungen.

Das Schwimmbad erschien mit jedem Schritt näher und näher, man könnte danach greifen. Sie beschleunigte ihren Gang, der Drang zu wissen wie es Yuki geht erfüllte den Körper.

Mehr Details wurden sichtbar, der Parkplatz vor der Einrichtung, ein Steinmotiv mit dem Schriftzug des Gebäudes, eine Tafel mit Informationen für Wanderer und der besagte Typ. Tatsächlich!

Die Brünette wollte es kaum glauben, selbst wenn im Brief die genauen Hinweise standen.

Er wartete am Fuß der Treppe, die zum Schwimmbad führte, ein Kerl mit breitem kräftigen Körperbau. Seine dunkelbraunen Haare wirkten ungepflegt, der Bart an seinem Gesicht passte nicht, es ließ ihn nur älter aussehen.

Das markanteste Merkmal war jedoch sein T-Shirt, ohne jeden Zweifel. Es musste nicht mehr erwähnt werden, dass es braun war und man einen Bären sah. Dabei war jedoch die Pose des Raubtiers interesseant. Wer das Motiv designt hatte, wollte offenbar etwas animalisches, wildes und gefährliches schaffen. Die Kreatur wurde zwar nicht komplett dargestellt, aber man erkannte, dass es auf seinen Hinterbeinen stand und Oberkörper das ganze Shirt in Beschlag nahm. Der Bär fletschte die Zähne und holte mit der Pranke aus um zuzuschlagen.

Alles in einem konnte man sagen, dass dieser Typ aus der Wildnis stammte. Trotzdem war genau diesr die einzige Bezugsperson zu Yuki.

Katrin hatte keine andere Wahl, sie musste die bittere Pille schlucken. Langsam aber entschlossen ging sie zu diesem Kerl, während dieser sie schon längst erspäht hatte und aufmerksam ihre Schritte verfolgte.

"Katrin Meller?", fragte er mit müder Stimme, offenbar hatte der Hüne wenig geschlafen.

"Ja", mehr wollte die Brünette nicht sagen.

Der Mann schaute auf und blickte sich um, auf der Suche nach einem Polizisten oder einem Komplizen des Mädchens.

"Ich bin allein, so wie es Pierre will!"

Er sah sie skeptisch an, aber gab sich mit der Aussage zufrieden.

"Gut, dann komm mit", ohne weiteres setzte er sich in Bewegung, kein Interesse, ob ihn das Mädchen folgte oder nicht.

Unsicher über das Vorgehen folgte Katrin dem Hünen hinterher. Der Weg führte direkt in den Wald, ausgerechnet dort. Das Mädchen verband mit dieser Gegend ebenfalls schöne Erinnerungen wie mit dem Kölner Zoo, dort wurden Spaziergänge unternommen, man konnte sich entspannen und die Sorgen vergessen. Musste dieser Ort wirklich mit einem Schandfleck besudelt werden, wie es mit Tierpark der Fall war?

Katrin musste bei diesen Gedanken seufzen, während sie dem Kerl tiefer in den Forst folgte.

Die Stille, welche bei einem Spaziergang eigentlich angenehm war, wurde in dieser Situation unerträglich. Kein Laut lenkte sie von ihren Sorgen ab, fühlte sich von der Welt in Stich gelassen.

"Hm... hm...", die Brünette begann schon zu murren, dann lauter und lauter bis sie dier Aufmerksamkeit des Mannes erweckte.

"Alles in Ordnung?", seine Frage klang äußerst unbeholfen und nur naiv.

"Ernsthaft?", warf Katrin zynisch zurück, "erst muss ich erfahren, dass Pierre ein eiskalter Psychopath ist, dann entführt er meine Schwester und nun gehe ich in eine offensichtliche Falle!"

"Versteh es auch nicht", murmelte er böse.

"Interessant", merkte Katrin neugierig an, "vollzieht dein Kollege immer solche eigenmächtige Aktionen?"

"Geht dich nichts an, du redest zu viel."

"Ach man, wohl verschlossen, aber darf ich wenigstens deinen Namen erfahren", zumindest das wollte sie wissen.

"Grizzly", offenbar ein Spitzname, der gut zu ihm passte, "nun Schluss!"

Das Mädchen wusste, dass dieser Bär jetzt nicht mehr reden würde und folgte ihm stumm weiter. Die Beiden drangen tiefer und tiefer in den Wald vor, jegliches Zeitgefühl ging verloren.

Katrin wurde zunehmend ungeduldiger um das Befinden ihrer Schwester.

"Sag mal, wann sind wir endlich da?", platzte es aus ihr heraus, die Ungewissheit trieb sie noch in den Wahnsinn.

"Gleich, siehst du die Lichtung?"

Das Mädchen schaute nach und sah es.

"Yuki!", schrie Katrin aufgewühlt als sie ihre Schwester gefesselt an einem Baum sah. Die Kleine schaute mit tristen Augen zu ihr, jegliche Hoffnung verloren. Nicht weit stand Pierre mit einem ernsten und verärgertem Gesicht. Das Mädchen ließ trotzdem den Kerl außer Acht und rannte zu ihrer Schwester und umarmte sie unter Tränen.

"Yuki, ich dachte schon dich nie mehr wiederzusehen", weinte Katrin wie noch nie zuvor, nur dieser Moment existierte einzig und allein.

"Du hättest nicht herkommen sollen", die Kleine freute sich ganz und gar nicht auf das Wiedersehen, "dieser Pierre ist ein Verrückter, ein Mörder, ein Psychopath!"

"C'est bon, die beiden Schwestern sind endlich da", kommentierte er salopp und mit einem Hauch Freude in der Stimme. Grizzly währenddessen stellte sich neben ihn, wirken wie ein ungleiches Paar, der eine schlank und kühl, der andere kräftig und unbeholfen.

"Sag mal, du Arsch", Katrin löste die Umarmung und schaute mit zornigem Blick zu den beiden Jungs, die Erleichterung von vorhin war komplett dem Hass gewichen, "warum tust du uns das an?"

"C'est faux, nicht ich bin daran schuld, sondern ihr habt mich in diese Lage gebracht. Dabei wollte ich euch doch nur helfen", Pierre war sich keiner Schuld bewusst, während er sich die Brille zurechtrückte.

"Helfen! Wow, wie aufmerksam von dir", warf die Brünette sarkastisch zurück, "danke, dass du die Apotheke meiner Ex-Chefin angezündet hast, ich fühle mich jetzt viel besser. Wirklich, etwas besseres ist mir nie passiert. Was hast du nun als nächstes den vor?"

"Provozier ihn nicht. Er ist ein skrupelloser Mörder und schreckt vor nichts zurück", warnte Yuki eindringlich und laut. Der Mistkerl hat Stella Klein umgebracht und damit geprahlt eine Wohltat gemacht zu haben."

Katrin weitete bei diesen Worten die Augen und schaute entsetzt zu ihrer kleinen Schwester und dann zu Pierre, die Lichtung selbst wurde dunkel als Wolken die Sonne bedeckten und glich nun eher einen umheimlichen Ort.

"Warum?", fragte Katrin entsetzt aber sie ließ sich davon nicht einschüchtern, "was gibt dir das Recht dazu solch eine Tat zu verüben?"

"Eine lange Geschichte!", antwortete Pierre kurz und knapp und stellte nun selbst eine Frage, "ihr wisst doch noch, wie ich euch von dem Selbstmord meines Bruders erzählt habe, oder...?"

Er wartete jedoch nicht ab, ob die beiden Mädchen ihm ein Zeichen geben, sondern fuhr direkt fort: "Ich hab allerdings euch nicht erzählt, warum er solch einen drastischen Schritt gemacht hat.

Hierfür hole ich aus und erzähl die Geschichte von vorn: Früher war ich ein kleiner schwächlicher Junge, ein Opfer für Hänseleien somit. Doch ich hatte jemanden, der sich um mich sorgte, meinen großen Bruder. Er verteidigte mich vor den Rüpeln, war selbstbewusst und wusste sich in jeder Situation zu helfen. Ein Vorbild, mon héros.

Gab es ein Ziel, so wurde dieses erreicht. Stand ein Konflikt an, so gingen alle Parteien als Sieger hervor. Oui, mein Bruder hatte das Zeug die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Doch dann kam dieses Mädchen..."

Pierre, vorher die Ruhe und Gelassenheit in Person, wurde langsam emotional und ballte energisch seine linke Hand zu einer Faust. Katrin sah, dass dieses, was jetzt kommen würde, dem Kerl sehr nahe ging. Selbst die Natur war auf seiner Seite, als sich der Himmen weiter verdunkelte.

"Mon héros verliebte sich unsterblich in sie, mon dieu, doch die Beziehung war einseitig! Während er alles für sie tat, nutzte diese Bitch ihn nur aus. Eine teure Kette, kein Problem, zahl ich doch. Designer-Klamotten, was soll's. Ich meinerseits versuchte ihn klar zu machen, was für eine schlimme Frau sie war, jedoch wollte er davon nichts hören.

Tout à coup, das Miststück verließ ihn urplötzlich, ohne einen ersichtlichen Grund zu nennen. Für meinen Bruder jedoch brach eine Welt zusammen und der einst strahlende Held war nur noch ein Schatten seiner selbst. Natürlich versuchte ich mon héros zu helfen, ihn zu ermutigen und über diese Bitch hinwegzukommen. Allerdings ließ das Flittchen den Mann trotzdem nicht in Ruhe.

Fortlaufend schicke sie ihn Bilder von ihrem tollen neuem Leben und neuen Freund. Das gab meinen Bruder nun endgültig den Rest und beschloss sein Leben durch einen Strick zu beenden.

Was für eine seltsame Ironie! Mon héros meisterte alles und doch wurde ihm ein selbstsüchtiges Mädchen zum Verhängnis."

Pierre hielt inne, sien Gesicht verzerrte sich zu einer grotesken Maske während ihm langsam die Tränen liefen. Matrin und Yuki sahen den Kerl in solch einem Zustand zum ersten Mal.

"Ich selbst war am Boden zerstört, fühlte mich von der Welt in Stich gelassen. Niemand, selbst die Polizei tat nichts gegen die Bitch. L'espair ging verloren und ich dachte darüber nach meinem Bruder zu folgen, doch dann erschien ein neues Licht! Der Meister trat in mein Leben."

Er lächelte jetzt und hielt sein Gesicht dem Himmel entgegen als wäre das sein schönster Moment: "Er erteilte dieser Hure ihre wohlverdiente Strafe und nicht nur mir half er. Auch meinem compagnon Grizzly..."

Der Kerl deutete auf seinen Begleiter an und fuhr fort: "...und weiteren Menschen in Not. Wir wurden für ihn zu einer Familie und er zu einem Vater für uns."

"Aber was hat den dein Meister dieser Frau angetan?", Katrin wollte es wissen, war dieser Unbekannte ebenfalls ein skrupelloser Mensch.

"Er sorgte dafür, dass sie einen tödlichen Autounfall erlitt. Ich selbst hätte die Hure aber gerne noch etwas leiden gesehen, ihre selbstgefällige Visage kotzte mich nur an."

Die Brünette schaute zu dem Kerl und dann zu Yuki, beide wusste nun, dass der Typ einfach nur widerlich war. Ungeachtet dessen fuhr er fort: "Unser Boss hat für uns viel getan und da wollte ich auch etwas gutes für euch tun, aber leider wisst Ihr meine Unterstützung nicht zu schätzen.."

"Halt's Maul", schrie Katrin zornig, diese Arroganz des Mannes ekelte sie nur noch, "wir haben nie um deine Hilfe gebeten, noch freuen wir uns über deine Verbrechen. Du bist einfach nur ein eitler, selbstgerechter Vollidiot, der kaum besser ist als das Mädchen von denen du erzähltest."

Pierre schien das jedoch kaum zu beeindrucken und redete einfach weiter: "Ich bedauere wirklich eure Entscheidung und Ihr zwingt mich nun dazu drastische Maßnahmen zu ergreifen. Zum Schutz unserer Familie werde ich euch eliminieren."

Er zückte eine Pistole hervor und richtete sie gegen die Mädchen. Es herrschte eine unruhige Stille zwischen den beiden Parteien, jeder blieb ungerührt, nur Grizzly ertrug diese Situation nicht, die drohte außer Kontrolle zu geraten.

"Was tust du da!", schrie der Hüne entsetzt über die Absichten seines Kameraden, das konnte er nicht mehr still hinnehmen.

"Wie ich schon sagte, der Schutz unserer Familie geht vor", Pierre blickte ungerührt und kalt auf die jungen Frauen, bereit zur Tat.

"Sie sind aber unschuldig! Kannst du das mit deinem Gewissen überhaupt vereinbaren?"

"Boucle-la! Wir können keine Zeugen gebrauchen", er wollte schon den Abzug betätigen als urplötzlich sein eigener Kollege seinen Arm mit der Pistole packte und es nach oben streckte. Dabei umklammerte Grizzly ihn noch dazu wie eine Anaconda, nur damit er keine weitere grausige Tat mehr begehen konnte.

"Le traîte! Warum tust du das deinen eigenen Bruder an?", Pierre versuchte sich aus den Fängen zu befreien, wobei er ungehemmt fluchte.

"Du gehst zu weit. Ich kann das nicht mehr tatenlos zusehen", schrie Grizzly, während er sich ganze Mühe gab, den Kerl festzuhalten.

"Ich sehe es genauso!", brüllte auf einmal Katrin, die auf die beiden zuraste und im letzten Moment einen Elektroschocker hervor zuckte.

"Zut...!!", mehr konnte Pierre nicht sagen als er von dem Gerät getroffen wurde. Der Strom floss durch seinen Körper und beraubte hin seines Bewusstseins. Er sackte ohnmächtig wie eine leere Hülle zusammen in den Armen von Grizzly. Dieser nahm sofort die Gelegenheit war, schnappte sich die Pistole und warf es im hohen Bogen weg.

"Wir müssen ihn sofort fesseln bevor er wieder aufwacht", Grizzly drückte seinen Kollegen auf den Boden und zwar so, dass er sich kaum bewegen konnte für den besagten Fall.

"Hinter dem Baum wo die violetten Blumen stehen findet ihr Seile", rief Yuki, sie hatte schon vorher beobachtet wie Pierre dort die Schnürre versteckte.

Katrin ließ sich das nicht zweimal sagen und holte die Gegenstände, womit Pierre von ihr und Grizzly gefesselt werden konnte. Nach der getanen Arbeit befreite die Brünette endlich ihre Schwester, welche sich sofort in die Arme von Katrin warf.

"Danke...", brachte sie mit zittriger Stimme heraus und vergoß bittere Tränen. Wie zum Schein, dass alles sich zum besseren wendet, lichtete sich der Himmel, fast ein Happy End.

"Ich bin immer bei dir", tröstete Katrin Yuki und weinte selbst vor Erleichterung.

"Sorry Mädels", rief Grizzly ernst, "ich unterbrech euch nur ungern mit dem Wiedersehen, aber wir müssen die Polizei holen."

"Gut, dann mache ich es", Yuki rappelte sich auf und wollte schon weg gehen.

"Bist du sicher?", fragte Katrin besorgt, ob sie es nach all dem schaffen konnte, doch diese nickte nur entschlossen und machte sich auf den Weg.

"Meine Achtung, du warst gut vorbereitet", lobte Grizzly die Brünette, während er auf dem bewusstlosen Pierre saß. Die Stimmung hatte sich nach dem kleinen Sieg über den Psychopathen ein wenig gelockert, wenn es auch noch nicht vorbei war.

"Den Elektroschocker habe ich mir schon vor langer Zeit angeschafft, dient zur Selbstverteidigung einfach. Ich bin nur froh, dass du mich nicht vorher gründlich untersucht hast, sonst wer wusste was passieren könnte", Katrin war nur glücklich darüber, dass diese Situation glimpflich ausgegangen war, während sie im Gras hockte, "Das Gerät habe ich in den Innentaschen meiner Jacke versteckt, aber man hätte es durch Abtasten entdecken können."

"Da war ich wohl nachlässig, aber zum Glück. Ich hoffe nur, dass Yuki bald mit den Bullen kommen wird."

Die Beiden warten schon eine Weile, immerhin musste die Kleine aus dem Wald raus, die Polizei anrufen, auf deren Ankunft warten und diese schließlich zum Tatort führen. Für sie war es erst zu Ende, wenn Pierre sicher hinter Schloß und Riegel saß.

"Sag mal", fragte die junge Frau aus Neugier und um die Zeit totzuschlagen, "ist Grizzly dein richtiger Name?"

"Nein, es ist ein Deckname wie sie alle einen aus der Bande benutzen", dabei zeigte der Hüne auf Pierre, "der hier nennt sich Silberfuchs und..."

"Aw...", der Kerl kam langsam wieder zu sich, er ächzte und stöhnte wie ein gequältes Tier. Katrin wurde sofort aufmerksam und beobachtete ihn genau, immerzubereit ihn erneut K.O. zu kriegen.

"Zut..", murmelte Pierre benommen, "wo bin ich?"

Er sah sich um, so gut wie es sein Körper erlaubte und erinnerte sich wieder.

"Grizzly, du mieser Verräter! Wie konntest du dich gegen deinen eigenen Bruder stellen, der Meister wird es dir nie verzeihen."

"Deine Meinung ist mir egal, ich kann das Ganze nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren", der Hüne nutzte jetzt auch seine Arme um den ehemaligen Kollegen tiefer in den Boden zu drücken.

"Du hast verloren", meldete sich Katrin, die aufgestanden war, "Yuki müsste bald zurück sein, mit der Polizei im Schlepptau. Vielleicht wird dir der Knastaufenthalt gut tun."

"C'est faux! Ihr denkt wohl, dass es vorbei ist? Non, mit nichten! Mein Meister, der Schatten ist überall, weiß alles und wird jeden, der seine Kinder verletzt eliminieren. Ihr werdet ihm nicht entkommen, er wird euch selbst im entferntesten Winkel der Erde finden."

"Katrin!", es war die Stimme von Yuki, die durch den Wald hallte. Die Brünette schaute in die Richtung, aus der es kam und entdeckte erfreut, dass ihre kleine Schwester endlich gekommen ist mit zwei Polizeibeamten.

"Was geht hier vor?", fragte sogleich einer von ihnen, als sie an der Lichtung ankamen.

Pierre setzte auf einmal ein höhnisches Grinsen auf und lachte sogar: "Zut, mit mir ist es wohl vorbei. Da kann ich ja auch gestehen."

Alle Blicke richteten sich auf ihn, in Erwartung auf etwas Schlimmes. Der Himmel verdunkelte sich wieder als ob es die folgende Szenerie unterstützen wollte, selbst der Wind bließ stärker und erzeugte ein unheimliches Heulen.

"Ich habe Stella Klein umgebracht und ihren Körper irgendwo hier vergraben. Mein unzuverlässiger Kollege Grizzly, Wespe und Einsamer Wolf haben die Hofapotheke ausgeraubt und in Brand gesetzt.

Ihr werdet mich jedoch nicht lebend kriegen, ich selbst entscheide, wann ich gehen werde."

Er malmte seinen Kiefer und einer der Polizisten bemerkte viel zu spät, was der Kerl genau vorhatte.

"Oh nein, Zyankali", rief dieser entsetzt.


Was danach passierte, wird hier nur kurz angeschrieben: Nach diesem Vorfall stellte sich Grizzly der Polizei und wurde verhaftet. Kurze Zeit später fanden die Kriminalbeamten auch die beiden Komplizen und durch Bärs Mithilfe konnten sie dazu gebracht werden sich zu ergeben.

Das Trio wurde durch ein Gericht zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Was Yuki und Katrin anbelangt, so nahm die Polizei sie ins Zeugenschutzprogramm auf, aufgrund der Annahme, dass der Anführer der Bande, Schatten einen Racheakt ausüben könnte.

Für die beiden Mädchen endete dieses Kapitel und ein neues machte sich auf.

Es war ein sonniger Tag in Deutschland, perfekt um etwas tolles zu erleben. Manche, sei es eine Familie oder gute Freunde, steigen ins Auto und fahren in eine der Großstädte wie Köln, München oder Hamburg. Die Möglichkeiten sich zu entspannen oder zu amüsieren sind hierbei vielfältig.

Auf der A3 jedoch war ein Auto unterwegs mit einem klaren Ziel vor Augen. Vorne saß ein junger Mann mit zerzaustem Haar am Steuer, neben ihm eine ältere Frau, die ihre blonde Mähne zu einem Dutt gebunden hatte und hinten zwei Mädchen, nämlich Yuki und Katrin oder nun unter ihren neuen Namen Susan und Sarah.

"Sagt mal", fragte Katrin, nein Sarah aus Langeweile, sie hatte es satt einfach nur die Autobahn anzusehen, "muss der Umzug nach Kanada wirklich sein? Ich verstehe schon, warum wir in den Zeugenschutzprogramm aufgenommen wurden, doch geht das nicht zu weit."

"Ist besser für euch!", sprach der Fahrer, "Wolfgang, unser Kriminalkommisar hat einen sechsten Sinn für Gefahren. Wenn der Chef meint und da liegt er immer richtig, dass ihr in Gefahr seid, dann ist es so."

"Matthias verunsichere sie nicht! Die Beiden hatten schon genug durchgemacht und nun ändert sich ihr Leben radikal", belehrte ihn seine Kollegin streng, Sarah konnte davon ein Lied, wie oft sie schon für Fehler angemeckert wurde. Doch es stimmte schon, dass sich alles für sie und ihre kleine Schwester geändert hatte, die gewohnte und vertraute Umgebung wurde für immer verlassen, ihre Arbeit gekündigt und alle Gegenstände, selbst die Switch, die nicht für die Auswanderung nötig waren, wurden entsorgt. Sie nahmen nur das Nötigste mit, Papiere und Kleidung für eine ungewisse Zukunft, weit weg von der Vergangenheit und den Dämonen.

Susan indessen blieb während der Fahrt seltsam still, was nicht so ihre Art war. Sarah war das nicht entgangen und es schmerzte sie ihre Schwester so zu sehen.

"Alles in Ordnung...Susan?", fragte die Brünette, wobei es ihr ungewohnt war die neuen Namen zu benutzen.

"Ja bestens", antwortete die Kleine monoton, der Blick starr nach unten gerichtet. Der Vorfall schien immer noch an ihr zu nagen.

"Geht es dabei um Stella Klein?", nun mischte sich Matthias ein, "mach dir deswegen keine Vorwürfe, du hast ja nicht keinen Mordauftrag abgegeben!"

"Ich fühle mich aber dennoch schuldig", warf Susan verärgert zurück, "immerhin habe ich diesen Pierren den Namen gesagt."

"Matthias, warum bist du nur so unsensibel", schnitt die Blonde ab.

"Wollte nur helfen Bettina."

"Konzentrier dich lieber auf's Fahren. Ich will heil am Flughafen ankommen. Auch lass das mit deiner Hilfe! Die Armen haben schon genug durchgemacht, sie brauchen einfach Zeit um das zu verarbeiten."

"Aber soll sie sich denn etwa für immer schuldig fühlen? Nein, das Leben geht, man muss nach vorne schauen. Susan hat ja als noble Geste Blumen auf das Grab von Stella gelegt", rechtfertigte sich Matthias.

"War das Mindeste", Susan hatte keine Lust mehr auf dieses Gerede und wandte ihren Kopf zum Fenster um sich die Landschaften anzusehen, fügte aber hinzu, "ich wollte nicht deren Angehörige unter die Augen treten."

"Das reicht, du hörst dich genauso an wie ich vor ein paar Monaten", plötzlich ergriff Sarah das Wort, sie konnte das nicht, mehr länger ertragen, "was ist aus meiner kleinen fröhlichen Schwester geworden? Die, die mir mal den Marsch geblasen hat, als ich in der Lethargie versank."

"Halt mir keine Predigt, du kannst dich doch selbst an der Nase fassen! Vor der Hofapotheke warst du eine ehrgeizige und tatkräftige junge Frau, die hoch hinaus wollte. Halte mir nicht den Spiegel vor", schrie Susan gereizt.

"Ja, das stimmt! Ich erlitt viele Niederlagen damals und verlor einfach den Mut weiterzumachen. Aber du gabst mir Halt während dieser Zeit und standest mir bei. Du hast sogar nicht einmal davor zurückgeschreckt mir eine ehrliche schonungslose Meinung zu sagen.

Als große Schwester habe ich in dieser Zeit versagt, ich hätte mich um dich kümmern sollen, nicht umgekehrt."

Sarah hielt inne, mehr sagte sie nicht. Doch ihre Worte erzielte eine ungeahnte Wirkung, denn Susan schaute zu ihr auf.

Die Brünette fuhr dann fort: "Das mit Kanada sehe ich so: Es stimmt schon, dass wir vor einer großen Veränderung stehen. Das vertraute Umfeld ist weg, liebgewordene Sachen verschwinden, nur eine unklare Zukunft bleibt.

Jedoch sehe ich es auch als eine Chance. Wir lernen neue Menschen kennen, neue Freunde und vieles mehr. Matthias hat Recht mit den Blick nach vorn und wir sollten uns daran richten."

"Ihr seid aber nicht allein", Mattihas mischte sich wieder ein, "Kathy, die Schwester von Wolfgang wird sich um euch kümmern. Sie ist eine klasse Frau, wenn ich nur an ihren letzten Besuch denke.."

"Hier geht es nicht um dich", unterbrach Bettina streng, "und deine Vorlieben."

"Ich mein ja nur.."

"Nein, das Gerede heben wir uns für den Flughafen auf, fahr einfach weiter und bau keinen Unfall."

Damit endete die Diskussion vorläufig, während die Fahrt zum eigentlichen Zie, dem Frankfurter Flughafen weiterging. Nennenswertes geschah unterwegs nichts, der Verkehr folgte seiner Routine und das Wetter gab sich freundlich und verwöhnte die Fahrer mit Sonnenschein. Matthias grummelte immer noch wegen der Strenge Bettinas, doch als er die Schilder entdeckte, die zum Flughafen führten, hob sich seine Laune. Er folgte den ausgewiesenen Weg bis zu den Parkplätzen, wo er eine Weile brauchte um eine freie Fläche zu finden.

Nach dem Parken und den Ausstieg konnte das Quartett schließlich zum Terminal gehen, dort wo sich das Check-In und die Gepäckabgabe befanden.

"Katrin... Sarah", rief Susan ihrer Schwester zu als sie schon langsam zur Registratur gehen sollten.

"Ja?", fragte diese sichtlich neugierig.

"Ich hab über das nachgedacht was du im Auto erzählt hast", auf Susans Gesicht zeichnete sich ein Lächeln ab, "wir sollten wirklich die Einreise nach Kanada als eine Chance ansehen und dort nach neuen Zielen suchen."

Sie streckte dabei ihren kleinen Finger aus, "geben wir uns ein Versprechen! Wir stehen uns gegenseitig bei und verfolgen beide einen Traum."

"Was soll das?", flüsterte Bettins leise zu Matthias, die beiden Mädchen sollten es nicht hören.

"Kenne ich aus Animes", antwortete er salopp, "sie geben sich ein Versprechen und besiegeln dies mit den kleinen Finger."

"Worauf du einen lassen kannst", ungeachtet der beiden streckte Sarah ebenfalls ihren kleinen Finger aus. Beide Schwestern schworen sich immer zusammenzubleiben und lächelten dabei, bevor sie nun endlich den nächsten Schritt machen.

"Du kommst reichlich spät Schatten", sprach eine Frau mit ernster Stimme in einem dunklen Zimmer. Das Licht wurde bewusst ausgelassen, was auch immer ihre Gründe waren. Nur die aufgehende Tür vertrieb ein wenig die Finsternis und ein Mann trat hinein. Er schloss sofort die Pforte, niemand sollte ihnen zuhören und alles wurde wieder in Dunkelheit getaucht.

"Vergaß die Zeit", war seine läppische Entschuldigung und hob wie ein Ahnungsloser die Hände, selbst wenn sein Gesprächspartner es nicht sehen konnte.

"Keine Blödeleien Schatten, du steckst tief in der Scheiße! Deine Schützlinge haben ziemlich viel Mist angestellt und die Oberen sind davon überhaupt nicht begeistert", fuhr sie streng fort.

"Aber Loreley", der Kerl nahm es sichtlich gelassen hin, "ich bin der derjenige, der am meisten zu Leiden hat. Jedes meiner Kinder hätte ein guter Akteur werden können, doch einer nach dem anderen enttäuschte mich auf's bitterste. Zuerst Grizzly, der sich gegen seinen Bruder wandte und sich der Polizei stellte, dann Wespe und einsamer Wolf.

Doch am meisten schmerzt mich der Tod von Silberfuchs, aber mehr seine Dummheit. Brachte hinter meinem Rücken eine Frau um, stiftete seine Geschwister zur Brandstiftung an und wollte zwei weitere Mädchen ermorden."

"Heul...", Loreley kommentierte das sarkastisch, fuhr dann ernst fort, "wissen sie von der Organisation?"

"Nein, natürlich nicht! Ich wollte es ihnen jedoch in den nächsten Monaten erzählen, was sich aber erledigt hat."

"Gut, aber Sie müssen für eine Weile untertauchen. Die Oberen haben Sie dazu befohlen nach Griechenland zu gehen."

"Wirklich?", Schatten klang eher erfreut denn entsetzt, "dann ist es wohl so."

"Maulwurf wird Sie morgen um sechs abholen. Sei pünktlich!"

"Wie Sie wünschen."

Autorennotiz

Hallo Leute, dies ist eines meiner ersten Romane. Liest es ruhig durch und schreibt eure Kommentare.

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Autor

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Kapitel:20
Sätze:1.112
Wörter:17.704
Zeichen:105.251

Kurzbeschreibung

Eigentlich fing es für zwei Schwestern harmlos an. Ihr Leben glich genau wie jedem anderen. Doch dann lernten sie einen Typen kennen, ohne zu ahnen, was ihnen bevorstand.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Thriller auch in den Genres Philosophie und Alltag gelistet.

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