Storys > Romane > Fantasy > Splitt - Entzweit

Splitt - Entzweit

34
1
25.6.2019 21:47
12 Ab 12 Jahren
Heterosexualität
Homosexualität
In Arbeit

 

           Splitt – Entzweit

 

 

 

 

Es ist nicht immer eine Illusion,

 

                           was wir nicht verstehen ... 

 

 

                 ...es könnte etwas Größeres sein ... 

 

 

...etwas Wichtiges!

 

 

 

 

 

 

Prolog

 

„Meine Damen und Herren. Hier ist er! Der einzige und wahre Meister der Magie ... Chapeau! Applause! Applause meine Damen und Herren! Lassen Sie sich in die Welt des Erstaunens und der Unwirklichkeit entführen“, schrie der Ansager der Show durch die Lautsprecher des prall gefüllten Saals, im Herzen Las Vegas. Die Vorstellung, auf die das ganze Publikum sehnlichst wartete, sollte gleich beginnen.

Chapeau stand hinter der Bühne und bangte seinen Einsatz entgegen. Und wie jedes Mal wurde er nach wie vor genauso nervös, wie zu Beginn seiner Karriere.

Es wir nie anders sein. Trotz der langen Erfahrung kehrte sie Nervosität immer wieder zurück. Er ist ja gerade mal seit zwei Jahren dabei und mit seinen zarten 19 Lebensjahren, einer der jüngsten fortgeschrittenen Magier in diesem Geschäft und das mit seiner eigenen Show. Das konnte nicht jeder von sich behaupten.

Ihr fragt euch wie er so schnell, so erfolgreich wurde? Da gibts es ein kleines Geheimnis, das nur er kennt und vielleicht könnte man das als Schummeln ansehen, doch tun das die Magier nicht immer? Irreführen und die Leute zum Narren halten? Sie um die Nase herumführen, so dass sie nicht merken, wenn sich der Trick eigentliche direkt vor   ihnen abspielt?

Bei Chapeau war es etwas anders …:

Seine Tricks sind – wie sollte man es sagen? – spezieller als die seiner Kollegen. Denn seine Zauberei ist – und jetzt einen tosenden Trommelwirbel bitte – echt!

Es ist echte und reine Magie!                             

So, jetzt ist der Hase aus dem Hut - kleiner Scherz unter Zaubern. –

                                                    

Sie kam vor zwei Jahren, urplötzlich und ohne Vorwarnung und seitdem war sie ein Teil seiner selbst. Woher diese Kraft kam und was sie zu bedeuten hatte, darüber zerbrach sich Chapeau nach wie vor den Kopf, doch ändern konnte er an seiner Situation nichts mehr und so hatte der junge Mann beschlossen, das Beste daraus zu machen und Geld damit zu verdienen.

 

                                                            

Lauter Applaus mischt sich mit der Eröffnungsmusik, We Will Rock You, von Queen, ein Klassiker, der nie alt wurde, und deutete damit an, dass die Show jeden Moment beginnen sollte.                                                    

Kurz straffte der Magier seine Schultern, richtete nochmal seine Kleidung und als es Zeit wurde, betrat er grinsend und winkend die Bühne.

Das Scheinwerferlicht blendete ihn im ersten Moment und ließ kurz weiße Punkte vor seinen Augen tanzen, doch er ist und bleibt ein Profi! Von so etwas ließ er sich nicht aus der Fassung bringen.            

Sowas gehörte zum Business!                                    

Der Lautstärkepegel steigt an, kaum dass der Spot seine Silhouette einfing.

Chapeau lachte auf.

Vor allem konnte er deutlich die weiblichen Rufe hören, die aufreizend zu ihm rüber hallten.

Sein Publikum bestand zu 70% aus schönen, jungen und gutbetuchten Damen, wie ein Blick ihm in die erste Reihe gleich wieder deutlich machte. Das er heute wieder auf seine Kosten kommen würde, war ein kleiner Bonus.

„Danke“, rief Chapeau gegen den Lärm an, nachdem der Applaus langsam nachgelassen hat.

„Danke und herzlich Willkommen im la Chapellerie“, begrüße er alle.

Warum Chapellerie, fragt ihr euch? Ganz einfacher Grund: Als ich mal eine Zaubershow besucht habe, hat mir der damalige Zauberer - wenn ich ehrlich bin weiß ich nicht mal mehr seinen Namen – seinen schwarzen Zylinder geschenkt. Aus ihm hatte er ein weißes Kaninchen gezogen und egal wie klischeehaft das auch sein mag, es hatte mich gefesselt und ich trage diesem Zylinder immer noch. Deswegen ist mein Künstlername auch Chapeau. Meinen echten Namen kennt niemand.

Um mein Privatleben mache ich ein großes Geheimnis und um dieses Geheimnis bewahren zu können ist nicht nur der Zylinder mein Markenzeichen, sondern auch eine schwarze Maske. Das schreckt die Ladies nicht davon ab, scharren weise herzukommen und meine Magie zu sehen. Das… und vielleicht auch meine unglaublichen grünen Augen. Scherz bei Seite. Ich habe zwar grüne Augen, aber sooo unglaublich sind die auch nicht....

 

„Kommen wir zu meinem ersten Trick,“ verkündete der Magier und holte einen Stapel Spielkarten heraus.

Kaum das er das Päckchen zu Tage brachte, ging ein aufgeregtes Raunen durch den halben Saal.

„Ah, ich sehe einigen kennen den Trick bereits“, grinste er das Publikum keck an und erntete dafür laute Pfiffe.

Lachend warf er den Stapel ins Publikum. Die Erste Reihe zuckte kurz zusammen, ehe sie fasziniert nach Oben blickten.

Über ihren Köpfen blieben die Plastikplättchen in der Luft hängen, wie auf dünnen Fäden. Keinen Millimeter bewegten sie sich vor oder zurück, nicht einmal durch einen Windhauch, ließen sich die Karten aus ihrer Starre reißen.

Bis Chapeau plötzlich mit dem Finger schnippte. Die Lautsprecher schalten das Geräusch im ganzen Saal wieder. Es herrschte eine unheimliche Stille. Keiner wagte es zu atmen, alle warteten nur auf den einen Moment.

Und dann geschah es…

Die Spielkarten wurden immer heller und heller. Glühten förmlich im zarten Licht und mit einem Mal wandelten sie sich in eine Vielzahl kleiner gelb-leuchtender Schmetterlinge.

Hier und da hörte man ein „Ohhh“ und ein „Ahhh“, doch der eigentliche Trick sollte noch folgen.

Mit einer weit ausholenden Handbewegung, brachte der Magier die Lichter in Bewegung. Die kleinen Schmetterlinge fingen an, aufgeregt mit den Flügel zu schlagen. Es entstand ein Tanz aus bunten Lichtern. Wie ein Schwarm, fegten die entstandenen Wesen über die Köpfe der Zuschauer hinweg und explodierten in einem Feuerwerk aus Licht und Farben hinter ihrem Dirigenten.

Kurz herrschte die Ruhe noch an, bis plötzlich tosender Beifall hereinbrach.

 

 

So ging der ganze Abend weiter. Hier und da ein klassischer Trick, eine zersägte Jungfrau oder das plötzliche Verschwinden eines Objektes. Nichts Besonderes für einen Mann seiner Zaubererklasse. Es war eben sein täglicher Brotverdienst.

Doch diesmal hatte Chapeau sich etwas Außergewöhnliches überlegt. Etwas das seine Kollegen zwar hin und wieder versucht haben, aber mit ihren Spezialeffekten nur eine Illusion vorgaukelten und kläglich daran scheiterten.

„So, jetzt kommt der Höhepunkt meiner Show“, verkündete der schwarzhaarige Magier.

Leichte Musik begleitete die Einführung. „Ich werde heute die Grenzen der Physik brechen und beweisen, dass die Schwerkraft manipulierbar ist.“

Wieder ging ein Raunen durch die Reihen. Ungläubig und skeptisch.

„Ich werde heute versuchen zu fliegen!“

Es war nicht die Tatsache, das er diesen Trick aufführen wollte, welches die Leute in Erstaunen versetze, sondern das Extreme.

Die Vorstellungen Chapeaus bestanden in erster Linie aus Standard Tricks. Doch anders als seine Kollegen, baute er die Tricks soweit aus, dass absolut kein Zweifel an ihrer Echtheit bestand. Die Leute glaubten nicht an echte Magie und das nutze er zu seinem Vorteil aus. Er kann ihnen alles als einen Trick vorführen und keiner würde merken, das echte Magie direkt vor ihren Nasen vorgeführt wurde!

So auch Heute.

Chapeau bat seine Assistentin dem Publikum zu zeigen, das er an keinen Seilen oder anderen Hilfsmitteln hing.

Das einzig schwierige an diesem Trick war nur... er hat ihn noch nie versucht. Seit er das erste Mal seine Magie entdeckt hatte, wünschte er sich das Fliegen zu versuchen, doch seine Angst und Unsicherheit, hatte ihn immer steht's gelähmt und so hatte er es nie wirklich versucht.

Es war heute Premiere und Chapeau hatte keinen blassen Schimmer ob es funktionieren würde oder ob er sich nur bis auf die Knochen blamiere. Denn das Dumme an seiner Magie war ... sie hatte, wie alles Schöne im Leben auch, ihre Grenzen. Doch fliegen? Das hatte er noch nie gemacht!

Chapeau schlug in die Hände und stellte sich in Position.

„Keine Tricks mehr,“ flüsterte er sich selbst Mut zu.

Als er die Augen schloss, zuckten wie immer, wenn er von der inneren Macht gebraucht machte, kleine Stromfunken durch seine Adern. Sie waren minimal und kaum spürbar, doch für ihn machte es deutlich, dass er anderes war, als alle anderen. Die feinen Härchen in seinem Nacken stellten sich auf und ein leichtes Kribbeln rann durch seinen Körper.

Er hatte oft in „Selbstfindebüchern“ gelesen, man solle sich konzentrieren und auf seine Mitte hören. Das helfe einem den Stress zu reduzieren und seine Balance zu finde. Das hatte ihm schon oft geholfen, doch diesmal war es etwas komplizierter. Es war, als würde ihn etwas davon abhalten seine Kraft bis zur Grenze auszuschöpfen.

Kurz erlaubte sich Chapeau einen kleinen Blick ins Publikum. So viele Menschen sahen ihm jetzt dabei zu wie er versagte, doch dann viel sein Augenmerk auf eine spezielle Person.

Pax!

Besagte Person, sah mit großen Augen auf die Bühne. Verfolgte jede seiner Bewegungen. Chapeau kannte ihn. Kann ihn sogar sehr gut. Doch Pax hatte davon keine Ahnung.

Die grünen Augen des Magiers lagen noch Wimpernschläge lang auf dem anderen Jungen.

Er gab ihm Mut. 

Mit einem Mal war seine Unsicherheit wie weggeblasen. Er schloss seine Augen wieder und konnte nun deutlich die Leichtigkeit spüren die seinen gesamten Körper durchströmte. Spürte wie die Füße den Boden nicht mehr berührten und er immer weiter nach Oben stieg.

Als der Magier die Augen aufschlug, schwebte er circa einen Meter über dem Boden.

Stolz durchfuhr seinen Körper und Adrenalin pumpte durch all seine Venen. Das Gefühl war unbeschreiblich. Jeder Millimeter, jede Faser, seines Körpers war angespannt, doch es nahm Chapeau nicht die Leichtigkeit und das Hochgefühl seines Stolzes.

Eher er noch etwas weiteres unternehmen konnte, brach die Kraft und Chapeau landete unsanft auf dem harten Boden der Bühne. Lautes Klatschen begleitete seinen Absturz, doch er nahm es mit Stolz hin.

„Das nächste Mal sollte ich eine Matte hinlegen“, scherzte er und rieb sich übertrieben über den Hintern.

Die Menge lachte und jaulte vor Begeisterung. So sollte ein Abschluss sein, dachte Chapeau sich und winkte dem Publikum zu.

Perfekt!

„Bevor ich den Abend hier beende“, der Magier ließ seinen Blick schweifen und blieb wieder bei Pax hängen, doch da hielt er sich nicht weiter auf. Eine vornehme Dame forderte seine Aufmerksamkeit. „Sie Mme.“

Die füllige Lady im mittleren Alter, mit deutlich fiel falschem Holz vor der Hütte, sah verblüfft auf, als er auf sie deutete.

„Sie sind aus gutem Hause, das sehen meine Augen deutlich“, zwinkerte er ihr keck zu und meinte ihren ganzen Schmuck damit.

Sie kicherte mit ihrer hohen fipsigen Stimme auf. Dabei wippten ihre Brüste in ihrem recht offenen Dekolleté auf und ab und Chapeau hatte wirklich Angst sie würden jeden Moment rausfallen.

„Hatten Sie nicht eine recht glänzende und große Kette bei sich? Sie sah recht teuer aus, das habe ich gleich bemerkt“, deutete der Magier grinsend auf ihren Hals.

Flink griff sie sich an die Stelle. Wollte überprüfen was der Magier in anzudeuten versuchte und als ihre Finger nur Haut, ohne das teuere Schmuckstück ertasteten, wäre sie beinahe ohnmächtig vom Sitz gefallen. Panik stieg in den wässrigen blauen Augen auf. Ihr Gatte hielt sie jedoch aufrecht und sprach beruhigende Worte in ihr Ohr. Sätze wie: „Wir werden dir eine neue kaufen.“ Und „So teuer war sie auch nicht.“

Ablehnung stieg in Chapeau auf und für einen kurzen Moment musste er sich zusammen reißen um den Trick hier nicht sofort abzubrechen. Doch er rief sich zur Ordnung, war er schließlich ein Profi. Außerdem würden sie es eh zu spüren bekommen!

„Keine Panik Mme, sehen sie da“, er deutete auf eine Frau, vier Reihen hinter ihr. „Ist das da ihre Kette?“

Alle Blicke huschten zu dem jungen Mädchen. Erstaunt sah dieses an sich herab und konnte ihren Augen nicht trauen. An ihrem Hals prangte die verschwundene Kette. Alle lachten und klatschten und die runde Dame bedankte sich bei dem Mädchen, als sie ihr die Kette überreichte. Damit war auch der letzte „Trick“ vollbracht. 

 

Als sich Chapeau verabschiedete, wurden die Stimmen lauter. Winkend grinste er nochmal in die Menge, warf der überglücklichen, reichen Schrulle auf Reihe 1 einen Handkuss zu, eher seine Gestallt in einer weißen Rauchwolke verschwand.

Was diese nette Dame jedoch nicht wusste, war..., dass ihre Kette den Platz mit einer Fälschung getauscht hatte.

Lachend griff Chapeau in die Innentasche seines Jacketts und holte das schöne Schmuckstück hervor. Tja von den Zaubertricks konnte man kein vernünftiges Leben führen, deswegen diese Nebenbeschäftigung. Chapeau war nicht nur Zauberer, sondern auch Dieb. Es waren nur kleine Bagatelle und nur ab und zu, man will ja nicht auffallen. Kette hier, Ring da. Solange es sich mit seiner Magie, und dem netten Fälscher von Nebenan, vereinbaren lässt, wieso nicht? Schadet ja niemanden. Die Leute, die er beklaute, sind reiche Schnösel, die zu viel Schotter hatten und es verkraften könnten.

Wieder ein erfolgreicher Abend hinter mir. Man bin ich gut! Chapeau war sichtlich stolz auf sich, so könnte ruhig jeder Abend werden!

Jetzt konnte er getrost nach Hause gehen und sich ins Bett hauen, schließlich war es schon weit nach 3 Uhr nachts.

 

„Ares! Hast du die letzte Milch aus dem Kühlschrank genommen und nicht wieder aufgefüllt?!“, brüllte eine hohe, weibliche Stimme aus der Küche. 

„Nein, ich war es nicht“, brummte Ares zurück und löffelte weiter seine Frühstücksflaks. 

Ares war müde. Er konnte sich jetzt nicht auch noch mit seiner keifenden Freundin auseinander setzten. 

Die Nacht war einfach zu kurz gewesen. 

Gähnend schielte der Teenager auf sein Handy. 8:42 

 Vielleicht sollte er seine Show etwas kürzen? Hier und da einige Tricks entfernen, dann wäre er auch frühe im Bett. 

Außerdem musste er heute noch zum Pfandleiher und die Kette, die er gestern in seinen Besitz genommen hatte umtauschen, bevor die Alte bemerkte, das es sich um eine Fälschung handelte. 

Ares kicherte in seinen Löffel. Ihr Gesicht würde er gerne mal sehen...

„Was ist so lustig?“ Plötzlich baute sich ein Schatten vor ihm auf und holte den Magier aus seiner Grübelei. Er musste nicht aufsehen um zu wissen, um wen es sich handelte. 

Johanna „Jo“ Monrow! 

Sie ist seine beste Freundin. Zusammen wohnten Ares und das keifende, blonde Ding, in einer WG im Herzen Vegas. Der dritte im Bunde war Pax. Pax war auch der Junge aus seiner Show und sein bester Freund. Seit der Schulzeit und seinem damaligen Umzug nach LA, waren sie unzertrennlich. Zusammen sind sie auch nach Vegas gezogen und jeder ging seinen Träumen nach. Naja, zumindest versuchte man das.

Jo war ein halbes Jahr jünger als er und Pax. Mit ihren 18 Jahren, war sie das Nesthäkchen in ihrer Männerbude, wogegen Ares und Pax bereits 19 waren. 

Ares zuckte nur mit den Schultern und ging nicht auf ihre Frage ein.

„Ich weiß das du es warst!“, knurrte sie ihren Mitbewohner an und ihre blauen Augen sprühten mörderische Funken auf die Schüssel voller Milch.

„Vielleicht war es Pax?“ Versuchte Ares abzulenken und kaute weiter genüsslich seine knusprigen Flakes. 

Hmmm Schoko... Ich mag Schoko. 

„Der pennt noch!“

„Nicht mehr lange, wenn du so weiter brüllst“, entgegnete Ares ruhig und erhob sich von seinem Stuhl. „Schon mal im Schrank geschaut?“

„Halltest du mich für so blöd?“ 

Nach dieser Frage stieg Jo´s Wut noch eine Spur weiter an und Ares beschloss darauf nicht zu antworten.

Gemächlichen Schrittes, begab sich der Schwarzhaarige in die Küche, dort sammelte er kurz seine Kraft. 

Wie schon gesagt: Seine Magie hatte Grenzen und diese Grenzen zeigten sich deutlich in seiner Energie. Sein Körper war, vom gestern Abend, immer noch ganz ausgelaugt. So schön diese Kräfte auch waren, sie verbrauchten doch eine Menge seiner Reserven. Wie das jedoch zu Stande kam, hat Ares noch nicht herausgefunden.  

Zu dem Zeitpunkt, als sich seine Magie entwickelt hatte, starben seine Eltern, also konnte er sie auch nicht nach dem Wieso fragen. Diese Zeit war für ihn unglaublich schwer gewesen. In einer neuen Stadt und dann auch noch ohne Eltern auskommen....    

Doch das war jetzt Vergangenheit. Jetzt sah Ares nach vorne. Machte sein eigenes Geld und lebte sein Leben. Alleine. 

Naja, fast alleine... rief er sich die Nervensäge im Wohnzimmer wieder in den Sinn. 

„Also los gehts,“ murmelte er und rieb sich die Hände. 

Solche Sachen sollten ihm eigentlich keine Schwierigkeit bereiten. Es war nur ein einfacher „Beschwörungszauber“, aber Ares spürte deutlich, wie sich sein ganzer Körper dagegen sträubte. 

Als Ares seine Hand an die Tür des Vorratsschrankes legte, jagte der Energieimpuls durch seine Sehnen. Vor seinen Augen stellte er sich die blöde Milchpackung vor, wie sie im Schrank stand. Kurz wackelte und knarzte das Holz der Oberfläche, ehe es ruhig wurde.

Ares Knie knickten beinahe ein, so ausgelaugt war er. An seiner Jogginghose wischte er sich die schweißnassen Hände ab. Die Anstrengung lag deutlich in seinem Gesicht geschrieben. Schweißtropfen rannen ihm die Schläfen hinab, sammelten sich im Nacken und saugten sich in sein blaues T-Shirt. 

Ich sollte mich wieder ins Bett legen, dachte sich der Teenager, als er die Packung ergriff und sie vor Jo abstellte. 

Ihre blauen Augen weiteten sich und kurz erinnerte das blonde Mädchen Ares an ein aufgescheuchtes Reh, welches einem Jäger begegnete, doch im nächsten Moment wandelte sich der Ausdruck. 

„Wie, woher... WO zum Geier hast du die Milch her?!“, blaffte sie ihren Freund an und von der Überraschung war weit und breit keine Spur mehr zu sehen. „Ich habe doch die Schränke durchsucht“, brabbelte sie vor sich her, als sie die Packung skeptisch beäugte. 

„Scheinbar warst du nicht gründlich“, neckte Ares sie und goss sich einen Kaffee ein. „Ist übrigens die letzte und da du sie aufmachst, musst du auch welche besorgen.“, grinste Ares sie an. „Außerdem…“ 

„LEUTE ihr werdet nicht glauben was gestern passiert ist!“, schrie plötzlich eine Stimme den beiden entgegen und unterbrach Ares abrupt. Keine Sekunde später tauchte auch die Person auf, zu der die Stimme gehörte. 

Ein dunkelhäutiger Junge, im gleichen Alter wie Ares, schlitterte mit freiem Oberkörper in die Küche. 

Beinahe hätte sich Ares bei dem Anblick an seinem Getränk verschluckt, konnte sich aber noch rechtzeitig fangen. Hustend wand sich der Schwarzhaarige von dem Anblick ab. 

Pax Jackson, in Ares Augen wohl der ziemlich heißeste Kerl, den er je gesehen hatte, schritt halb nackt und fröhlich grinsend in die Küche und schnappte Ares den Kaffeebecher aus der Hand. 

Sein Körper wies keinen Makel auf. Mit athletischen Muskeln und straffer, schokoladenfarbener Haut, konnte der Typ einem ziemlich das Selbstbewusstsein rauben. 

Ares seufzte schwer.

Pax Haare waren kurz, schwarz und akkurat geschnitten. An jedem Ohrläppchen, hing ein Silber farbiger Stecker. Um seine Handgelenke schlagen sich einzelne Bänder. Ob von Festivals oder auch nur aus Leder, Pax nahm sie niemals ab und Ares fragte sich insgeheim, ob die demnächst mal seine Ellbogen erreichen würden, wenn es so weiter ginge. Alles in allem, war Pax eine verdammt coole Socke und so brachte er es auch nach außen. 

„Verdammt Pax, zieh dir was an!“, fauchte Ares, immer noch hustend und vergebens nach Luft ringend. 

Hitze stauchte sich in seinem Kopf. Mit Mühe drang er die Röte zurück. Den Klau seines Kaffees, hatte er nicht einmal registriert. 

„Was Los Westwood!? Neidisch?“, grinste Pax seinen Freund an, zog dann aber trotzdem sein Shirt über, welches ihm viel zu kurz war und dank der tiefsitzenden Jogginghose, nicht wirklich hilfreich war. Der tiefe Bariton seiner Stimme, drang Ares unter die Haut. Vor allem wenn sie auch noch so verschlafen klang.     

„Träum weiter Jackson“, konterte Ares und zog seinerseits sein Shirt ein Stück weit nach oben. 

Auch er hatte keinen sooo schlechten Body, gestand sich Ares ein. Schließlich konnte auch er einen kleinen Six-, oder zumindest Fourpack nachweisen. 

„Schluss damit! Ihr Testosteron gesteuerten Affen. Setzte euch hin und esst! Pax du wolltest was erzählen?“ Jo, die wieder ruhiger war, nachdem sie ihre Milch bekommen hatte und nun frühstücken konnte, sah auffordernd ihren Freund an. 

Ja Freund! Pax und Jo waren ein Paar, auch wenn sie versuchten, es geheim zu halten, hat es Ares schon lange bemerkt. Zwar hangen sie es nicht an die Glocke, doch Ares wusste Bescheid. Alles in allem war er aber froh, wenn die beiden nicht vor ihm turtelten, was sie auch nicht machten. Die Beiden waren seit dem Kindergarten befreundet, da konnte sich ja schlecht nichts entwickeln. Oder? 

Doch nicht nur seine Freunde hatten ein Geheimnis ... Er hatte sogar mehrere... Und es versetzte ihm immer einen leichten Stich, es ihnen nicht erzählt zu haben. Jetzt war es leider zu spät... 

„Gestern ist er geflogen. So richtig und ohne Drähte, dass hätte man bemerkt. Aber da waren keine, keine Ahnung wie er das gemacht hat, aber es war unglaublich. Er war unglaublich“, sprudelte es aus Paxs Mund. 

Jo und Ares sahen sich ahnungslos an. 

„Wo von sprichst du?“, wollte die Blonde nun wissen. 

Ares hielt sich ruhig. Schließlich wusste er, wovon, beziehungsweise wem Pax hier so begeistert sprach. 

Eine kleine, warme Welle von Stolz durchflutete Ares. Er ließ es sich nicht anmerken, doch Ares freute sich immer über Pax Bewunderung.  

„Na Chapeau!“ Pax warf die Hände in die Luft. „Ich war doch gestern in seiner Show“, antwortete er kopfschüttelnd. 

...Und da war es! Sein Geheimnis! Jo und Pax wussten nicht, wer Chapeau in Wirklichkeit war. Sie wussten nicht, dass Ares der mysteriöse Magier ist und auch nicht wie er sein Geld verdiente.

„Was soll an dem Hochstapler so Besonders sein?!“ Jo mochte ihn nicht. Mochte Chapeau nicht und das machte sie immer deutlich klar. 

„Mach ihn nicht schlecht Jo,“ verteidigte Pax seinen Helden. 

Und da war es wieder. Dieser kleine schneidende Schmerz in seiner Brust, der Ares verriet, dass er wieder seine Freunde belüge. Er wollte sie nur beschützen, wollte sie nicht dieser unbekannten Welt aussetzten, von der er selbst noch keine Ahnung hatte. Doch eins wusste Ares - Sie war düster und gefährlich.       

„Komm Ares, sag doch auch was dazu. Dir gefällt Chapeau doch auch oder?“, bittend sahen die blauen Augen Ares an. 

Jetzt saß er zwischen den Stühlen! 

Ares fuhr sich seufzend durchs schwarze Haar. „Naja, ich weis nicht. Ich habe ihn noch nie live gesehen, daher...“, zuckte er mit den Schultern. „Außerdem muss ich los.“

Schnell schnappte er seinen leeren Becher und erhob sich vom Stuhl. Einen bösen Blick zu Pax werfend, wusch er die Tasse und räumte sie weg. Jetzt blieb er auch noch ohne seinen Kaffee.    

„Du kannst mich doch nicht in so einer wichtigen Situation allein lassen!“, protestierte Pax. Was er zurück bekam, war nur eine hochgezogene Augenbraue. 

Kopfschüttelnd verließ Ares dem Raum. Er hörte Jo´s sanfte Stimme die deutlich sagte: „Siehst du! Keiner interessiert sich für deinen blöden Magier.“ 

Ares konnte das kleine Stechen in seinem Herzen, nicht verhindern. 

Keine Ahnung wie lange er sein Geheimnis noch von den beiden verbergen konnte... oder wollte. Von Mal zu Mal viel es ihm immer schwerer. 

Leise schloss sich seine Zimmertür, sperrte die äußeren Geräusche ab. Hier konnte er, er selbst sein. In seinem kleinen, gemütlichen Zimmer. Die Sonne strahlte durch die leichten weißen Fenstervorhänge und überflutete den Raum mit ihrer Wärme. Beleuchtete die weißen Möbel, bestehend aus seinem Schreibtisch, einem Schrank und einer Kommode die direkt am Bettende stand. Das Lacken war immer noch, von der zu kurzen Nacht, zerwühlt und am liebsten hätte sich Ares wieder in jene verkrochen, hätte er nicht eine dringende Angelegenheit zu erledigen gehabt.

Kurz fiel sein Blick auf seinen Rucksack, ließ den Teenager seufzen und schließlich zum Schrank schlendern. Dort kramte er eine Jeans raus und schlüpfte aus seiner bequemen Jogginghose in den rauen Stoff der Denim. Als Ares an seinem Shirt roch und kurz die Augen verdrehte, entschied er sich dafür ein neues anzuziehen und wenn er wieder da wäre, in die Dusche zu gehen. Bein rausgehen schnappte er sich den Rucksack, mit dem Grund für seinen frühen Ausflug und seine ZIP Jacke. Wieder glitt sein Blick zum Bett. Mist! Er hatte absolut keine Zeit sich darum zu kümmern! Knurrend bewegte sich seine Hand Richtung Lacken Ein sanfter, blauer Strahl Schlich sich aus seinen Fingerspitzen, drang ihn die Bettwäsche und erweckte sie zum Leben. Kissen lauschte sich auf. Decke falteten sich ordentlich am Bettende. Schweiß rann Ares die Stirn hinab als er sich aus dem Zimmer Schlich. 

Vorsichtshalber verschloss er seine Zimmertür, schließlich war seine Verkleidung noch darin. Nicht das einer seiner Mitbewohner in seinem Zimmer rumwühlte, aber sicher ist sicher. Der Schlüssel drehte sich, das Schloss rastete zu und um die Ecke kam ein grummelnder Pax. Ruckartig blieb er stehen. Seine Stirn legte sich in Falten, als sein Blick zu dem Schlüssel huschte.

„Hast du was zu verbergen?“ Die ausgelassene Stimmung von vorhin war spurlos verschwunden.

Paxs Zimmer lag genau neben Ares seinem. Sie wohnten schon seit zwei Jahren Tür an Tür und doch war Ares noch nie in dem benachbarten Zimmer gewesen. 

„Alles gut“, entgegnete er weniger freundlich. 

Woher die plötzliche Wut her kam, war ihm unbegreiflich, doch sie war da. Mit einem Schlag und ohne jegliche Vorwarnung, fing es erst nur ganz leicht an. In seinem Bauch, ganz weit hinten, fing es an zu grummeln. Dann breitete es sich Stückchenweise immer weiter nach oben aus. Ließ kleine Blitze in seinen Venen explodieren. Ares spürte die Magie deutlich. Sie versetzte ihm einen Schub, Adrenalin pumpte durch ihn durch.

Mit einem Schatz war er vor Pax. Griff an dessen T-Shirt und knallte ihn unsanft gegen die Wand. Sie waren gleich groß, das bemerkte Ares zum ersten Mal deutlich. 

Noch nie waren sich die beiden Teenager so nahe. 

Pax öffnete den Mund. Wollte etwas sagen. Er wehrte sich nicht gegen den Griff. 

Pax war nie einer gewesen, der handgreiflich wurde. Daher mochten ihn die Leute auch so sehr. 

Pax war einer der guten Jungs. Immer am helfen und die Probleme mit Worten lösen, als mit Fäusten. 

Zwar war Ares auch kein Rowdy, doch jetzt im Moment war da diese Wut, die er nicht kontrollieren konnte. Im Gegensatz zu Pax, war Ares hin und wieder in einer Schlägerei verwickelt gewesen. Und jedes Mal hatte er es genossen. War er nun ein schlechter Mensch? Er hatte zumindest nie selbst Streit gesucht. Nur sich verteidigt! 

Pax Hand hob sich, Ares kam es vor, wie in Zeitluppe, als sie sich sanft auf seine Schulter legte. Ares zuckte zusammen. Diese leichte Berührung, war schlimmer als ein Schlag und doch kam es dem schwarzhaarigen vor, als hätte ihn Pax geschlagen. Nun war er wieder klar im Kopf. War wieder da und sich der Präsenz des dunkelhäutigen Jungen bewusst.

Sofort zog Ares seine Hände zurück, nuschelte ein „Sorry“ und verschwand so schnell seine Beine ihm tragen konnten aus der Wohnung.   

 

Sein Kopf schwirrt und pochte schmerzhaft, als er die Straßen Vegas entlanglief. Er hätte auch mit dem Bus fahren können, oder mit dem alten klapprigen Fahrrad, welches im Keller stand, doch Ares entschied sich zu Fuß zu gehen. Er musste den Kopf frei bekommen. Musste analysieren was vorgefallen war und wie es zu so einem Aussetzer kommen konnte. 

 

Als Ares den Wohnkomplex, im Herzen Las Vegas verließ, war es bereits Mittag. Die Sonne knallte ohne erbarmen auf die Erdbewohner nieder und verschonte keinen einzigen arbeitenden Menschen. 

Nach zwanzig Minuten Fußmarsch, kam er endlich an seinem Zielort an. Eine kleine, schäbige Bude mit einer Leuchtreklame über der Tür und der Aufschrift „OPEN“. Das Schild hatte schon weitaus bessere Tage erlebt, da nur vereinzelte Lichter blinkten. Die Tür war aus Glas und dahinter vergittert. 

Ein leises „Bling“ ertönte, als Ares die Tür aufschwang. Im Inneren des Geschäfts war es dreckig und staubig. Vieles gab es hier nicht. Vereinzelte Regale standen an den Wänden, in denen sich aller möglicher Krimskrams verteilte. Einen Putzlappen hatten die auch schon lange nicht mehr gesehen. Einige Schritte weiter saß ein Mann hinter der Theke und las in seiner Zeitung. 

„Pavel?“, rief Ares fragend zu dem blonden Mann herüber, doch der schien in nicht zu hören. 

Seine Haare schauten wirr aus dem Beanie heraus. Sie reichten ihm bis zum Kin. Ares kannte den Mann schon einige Zeit. Normalerweise trug Pavel immer einen Dutt, wenn die Zotteln länger waren, schien es jetzt aber, als wäre der Blonde beim Frisör gewesen. 

Ares trat dichter an den Tresen. Räusperte sich kurz, erhielt aber immer noch keine Reaktion. Pavel strich sich abwesend die Haare auf der linken Seite hinters Ohr und entblößte die scheußlichen Tunneloringe und… was Ares die Augen verdrehen ließ… Kopfhörer die in seinen Ohren hingen. Kopfschüttelnd ergriff er eines der Kabel und zog es raus. Sofort sprang der Blonde fluchend auf. Ares verstand kein Wort, da Pavel halb Tscheche halb Russe und zu einem Teil Japaner war, zumindest verkündet er es so. Wer weiß welche Gene sich bei ihm noch so verbargen. Das mit Japaner könnte man sogar noch glauben, denn seine Gesichtszüge waren fein und auch an den schwarzen Augen könnte man es erahnen. 

„Verdammt Ares! Erschreck mich doch nicht so alter“, schimpfte Pavel und verstauchte das Musikgerät in eine Schublade. 

Kurz wischte er sich die Hände an seinem beigen Hoody ab und reichte sie seinem Gegenüber. Mit erhobener Augenbraue ergriff der Schwarzhaarige die da gebotene Hand und schlug ein. Danach versuchte er sie so unauffällig wie möglich der Jeans abzuwischen. Wer weis wo Pavel seine Hände überall hatte heute? Ein Blick auf den Tresen ließ in tief seufzen. Nicht nur ein halb gegessenes Sandwich lag da, auch allerlei merkwürdige Zeitschriften. Näher wollte Ares nicht darauf eingehen. 

„Was kann ich für dich tun mein Freund?“ Pavel lehnte sich weiter über die Theke und ein gewisses, erwartungsvolles Funkeln trat in die tiefen, schwarzen Augen. 

„Ich habe da etwas bei dem ich deine Hilfe brauche“, erklärte Ares und holte das schöne Schmuckstück aus der Tasche. 

Augenblicklich zuckten Pavels Augenbrauen ungläubig nach oben. „Ohhhh wow! Wo hast du dich mein Leben lang versteckt du Schönste alles Schönen“, haute er und drehte die Kette in alle Richtungen. 

„Auf dem Hals einer reichten, alten Schabracke“, feixte der Schwarzhaarige. „Wie viel kannst du mir dafür geben?“

„Hmm schwer zu sagen. Es ist nicht gerate eine Brosche oder sonst irgendein Firlefanz, was du hier anschleppst. Das, mein Guter, wird schwer.“ Pavel kramte sein Refraktometer herauf und schon war er in seinem Element. 

„Die Klunker sind wirklich echt“, hauchte er ehrfürchtig. „Wie zum Geier hast du die in die Finger bekommen?“ 

Ares öffnete den Mund und wollte Antworten, doch Pavel durchschnitt in. „Ich will es gar nicht wissen! Ich werde etwas Zeit brauchen um einen vernünftigen Käufer zu finden. Du weist wie die Sache abläuft.“ Pavels Blick huschte immer wieder vom Collier zu Ares und wieder zurück. 

„Ja ich weiß. Melde dich dann“, verabschiedete sich Ares. 

Kopfschüttelnd warf er Pavel, welcher ihn nicht mehr beachtete noch einen letzten Blick zu, dann verließ er die Pfandleihe endgültig. Genau das war es hier… eine Pfandleihe, für all die netten Bürger Las Vegas, doch was sich hinter dem Tresen abspielte, war eine völlig andere Welt. Hehlerware, Drogen und sogar Waffen konntest du über den Blonden Mann beschaffen. 

Pavel war ein netter Mann, drei oder vier Jahre, Ares konnte es nicht mehr sagen, älter als er selbst. 

Immer wieder unterhielten sie sich nicht nur über die Ware, auch über private Sachen, wie Frauen und Familie, tauschten sie sich aus. Pavel hatte nichts von beidem mehr. Seine Eltern starben, genauso wie Ares seine auch, vor langer Zeit. Und seine Frau? Seine Frau hatte ihn verlassen… nur wenige Monate nach der Ehe. Seit der Zeit baute sich Pavel seine Zukunft in diesem Geschäft auf.     

Weitere 40 Minuten vergingen in denen Ares die Straßen entlang lief. So langsam musste er die Show für heute Abend vorbereiten. Er wäre wieder der gleiche Ablauf. Tag für Tag. Nacht für Nacht. Ares kam mittags hierher, machte seine Vorbereitungen. Keiner durfte das kleine Theater, während der Zeit betreten. Und sobald es Abend wurde, zog er seine Maske über und wurde zu Chapeau. Er trat auf, ging wieder nachhause, schlief und am nächsten Tag ging das gleiche Spiel wieder los.  

 

Knarzend öffnete sich die schwere Eingangstür des alten, im 40er Jahre gebauten, Gebäudes. Über der Tür prang ein großes Schild. Darauf stand in großen Lattern: Chapeau, la Chapellerie und ein großes Bild, welches den Künstler höchstpersönlich zeigte.    

Wie auch gestern, schaltete Ares das große Deckenlicht an. Die Scheinwerfer erhellten sofort den ganzen Raum. 

Als Ares nach oben auf die Bühne ging und die Augen für einen kurzen Moment schloss, hörte er das Publikum, wie es applaudierte und nach einer Zugabe schrie. Es war ein schönes Gefühl. Ein Gefühl von Akzeptanz und des Daheimseins. Ein Gefühl, das der Magier nicht missen wollte. Und deswegen tat er sich das jeden Tag an. 

 

Die Stunden bis zum Abend rannen dahin, wie kleine Sandkörner in einem endlosen Stundenglas. Eher sich Ares versah, war es auch schon Zeit für einen weiteren Abend voller Magie und Mysterien. 

Auch heute waren die Plätze wieder reichlich gefüllt und die Stimmung, wie jeden Abend hervorragend. Immer wieder huschten seine Augen über die Menge, auf der Suche nach Beute, auf der Suche nach einer nächsten Gelegenheit, auf der Suche nach blauen Augen. Doch er fand nur die erste Sache.  

Ein Trick war besser als der Andere und Chapeau war im Rausch seiner Magie gefangen. Alles lief wie am Schnürchen.

 

Plötzlich kippte die Situation mit einem Mal und Ares Welt brach in sich zusammen. Wie ein Kartenhaus in einer herbstlichen Brise. 

Lautes Getrampel dröhnte von draußen in das voll besuchte Theater. Stimmen erhoben sich und wurden lauter. Das Publikum bekam langsam Panik. 

SIE stoben die Treppen hinab, wie eine Horde wild gewordener Bullen. In ihren blauen Uniformen, bewaffnet mit Schlagstöcken und Pistolen ... Cops.

Augenblicklich kam einer der Polizisten auf Chapeau zu gerannt. Mit erhobener Waffe schrie er ihm etwas zu, doch Ares konnte ihn nicht verstehen. 

Wie durch Watte drangen die Geräusche zu ihm durch. War das eine Razzia? Ein Überfall? Oder bloß ein schlechter Scherz? 

Ares wusste nicht, wo ihm der Kopf stand, bis der Cop ihn erreicht hatte und er ihn nun deutlich klarer hören konnte. Doch Ares wünschte sich, er hätte es nicht gehört. 

„Mr. Chapeau sie sind verhaftet, wegen dem Einbruch beim Juwelier High. Sie haben das Recht zu schweigen...“ 

Mehr drang nicht in sein Gehirn durch. Einbruch? Welcher Einbruch? 

Das Klicken der Handschellen war unnatürlich laut in seinem Gehör und die Schwere des Metalls, die nun fest und schuldig um seine Handgelenke lagen, machten seine Situation deutlich. Er war verhaftet! 

Die Polizisten drängten ihn in einen Streifenwagen. Blitzlicht der Kameras blendete ihn. Er konnte kaum hinsehen. Er Musste auch nicht hinsehen, um zu wissen, dass sein Gesicht die morgige Schlagzeile schmücken würde. 

 

Im schrillen Ton der Sirenen, rauschten die Polizeiwägen davon.   

 

Der Raum in den sie Ares brachten, war alt und abgenutzt. Nichts außer einem Tisch und zwei Stühlen, auf dem einen er nun saß, war hier zu finden. Keine Fenster, keine Blumen, die die graue Umgebung etwas freundlicher hätten gestalten könnten. Nichts! Außer der Kälte und des Hier und Jetzt. 

Es war einer dieser typischen Verhörräumen, wie Area sie aus dem Fernseher kannten. In der Ecke könnte r noch die Kamera ausmachen. Immer dachte er, es sei ein Klischee und jetzt sollten wohl, der gute und der böse Cop kommen und ihn in die Mangel nehmen. 

Ganz toll! Seufzte er und knallte mit dem Kopf auf die Tischplatte. Sofort bereute er es.

Die Tür öffnete sich, ein Mann trat ein. Seine Marke wies ihn als Hauptkommissar aus. Ein so hohes Tier zur Befragen? Was hatte er verbrochen!?

„So Mr. ....,“ Er sah auf seine Unterlagen und runzelte die Stirn. „Warum ist kein richtiger Name angebenden?“, fluchte er zu seinem Kollegen, der keine fünf Minuten nach ihm reingekommen war. 

Er war dünn und schmächtig. Mit einer großen Hornbrille und dem Ordner untern Arm, war er entweder der Praktikant, Lehrling oder irgend ein Büroheini. 

„Es muss da drin stehen, Chef“, brabbelte er schnell und linste in die Unterlagen, dabei immer seine Brille hinauf schiebend. „Eigenartig...“

Seufzend maskierte sich der Chef das Nasenbein. „Wie dem auch sei. Ihnen wird schwerer Diebstahl im mehreren Fällen vorgeworfen. Wir haben sie auf Video und Kamera.“ 

Bitte was?! Verblüfft sah Chapeau sein Gegenüber an. „Ich sage nichts ohne meinen Anwalt.“ Diesen Satz hatte er in so manch einer Krimiserie gesehen und hatte nie gedacht, dass er jemals in so eine Situation geraten könnte. Ob ihn eines seiner Opfer doch etwas bemerkt hatte? Nein, dass könnte sich Ares nicht vorstellen und doch saß er nun hier. In diesem stickigen Gebäude mit diesem Polizisten gegenüber. 

Scheinbar hatte der Kommissar mit so einer schnellen Antwort nicht gerechnet, denn eine Vene auf seiner glänzenden Stirn fing gefährlich an zu pumpen. Leichte rote Flecken bedeckten das blase, vom Falten zersetzte Gesicht. Das dünne, braune Haar war mit vielen grauen Strähnen durchzogen. Attraktivität sah anders aus, grinste Ares in sich. 

„Verdammt! Nehmt ihm diese Maske ab! Wir sind doch nicht beim Kinderfaschin!“, brüllte er. Kleine Spucktropfen flogen aus dem Mund und landeten auf dem Tisch. Angewidert verzog Ares das Gesicht. Diese Geste schien dem Kommissar das letze bisschen Geduld zu rauben. Augenblicklich sprang er auf. Umrundete den Tisch und ergriff Chapeaus Maske. Panik machte sich in Ares breit. Seine Hände waren gefesselt. Er konnte sich nicht wehren. Könnte nicht verhindern, dass seine Tarnung aufflog. Jetzt! Hier! In diesem Moment! Die grünen Augen fixierten das Helferlein. Ein leichter Impuls fing durch Ares Körper. Plötzlich schrie der dürre Mann aus. Erschrocken sprang er auf. Der Ordner in seinen Händen fing an sich zu bewegen. Blätter flogen daraus und fingen an zu qualmen. Schnell lies der Kommissar von ihm ab und rannte seinem Kollegen zu Hilfe. Ein kleines Feuer entzündete sich. Die Beamten rannten wie aufgeschreckte Hühner im Raum herum und Ares war nur nach lachen zu mute. Das kleine „Zing“ der Sprinkleranlage in der Decke, verwandelte Ares lachen jedoch schnell ins Gegenteil. Augenblicklich kam das kalte Nass auf sie herab und verwandelte den Boden in eine riesige Pfütze. Nichts blieb mehr trocken auch Ares nicht. Seufzend schüttelte er den Kopf. Sein Zylinder schirmte ihn zum Teil ab, so dass das Gesicht immerhin trocken blieb. Der Rest jedoch war politisch nass. 

„So arbeitet also die Polizei von La Vegas? Vernichten Unterlagen und setzten das Gebäude in Brand“, erklang eine spöttische Stimme aus Richtung Tür. 

Ares hob den Kopf und wäre am liebsten im Erdboden verschwunden. Könnte er zwar, doch es wäre nicht hilfreich, redete er sich ein. 

In der Tür stand ein Mann den Ares nur zu gut kannte. Sein grauer Anzug spante sich um breite Schulter. Die langen Beine steckten in ebenfalls grauen Hosen. Das schwarze Hemd bildete einen einfachen Kontrast. Die ersten Knöpfe waren offen, befindet Hitze in Las Vegas auch kein Wunder. Blaue, strenge Augen blickten die Anwesenden an und das wie immer akkurat getrimmte Blonde Haare, welches an den Seiten bereits ergraut war, rundete das Bild ab. Ares kannte ihn. Nicht so gut, doch die vielen Fotos in ihrem Wohnzimmer taten ihr Übriges. 

„Wer sind sie!?“, fluchte der Kommissar und starte wutentbrannt den Neuankömmling an.

„FBI. Ab hier übernehme ich“, war die knappe Antwort und als der FBI Agent seine Marke dem Kommissar vor die Nase hielt, stellte dieser keine Fragen mehr. Ares könnte die Vene pulsieren sehen. Wurde sie größer? Ares blieb keine Zeit darum zu grübeln. Eine kräftige Hand schob sich auf seinen Oberarm und hievte mit Leichtigkeit Ares nach Oben. 

„Wir nehmen Raum 2“, verkündete der FBI Typ und blickte die Polizisten mit erhobener Augenbraue an. Diese nickten nur.

„Mr. Westwood... schauen sie nicht so schockiert drein. Wir sind das FBI. Glauben sie wir würden jemanden wie Sie nicht im Auge haben?“, rollte der FBI Typ mit den Augen.

„Agent Monrow, bitte verraten sie Jo nicht, wer ich wirklich bin. Das kennt niemand und ich möchte, dass es auch so bleibt“, bettelte Ares, die Ketten an seinen Handgelenken klirrten auf dem metallenen Tisch. 

Sie saßen in Raum Nummer 2. hier sah es identisch aus wie im Raum vorher. Mit dem kleinen Unterschied, das es hier keine Kameras gab.

Nathan Monrow war Jos Vater. Ares kannte ihn nur von gelegentlichen Besuchen und von den zahlreichen Fotos. Er und seine Tochter haben sich auseinander gelebt. Was der Grund dafür war, wusste Ares nicht. Jo sprach nur ungern von ihrer Familie.

„Keine Sorge Mr. Westwood. Es geht hier nicht um ihr kleines Geheimnis.“ Monrow setzte sich ihm gegenüber und ließ die Akte vor seine Nase fallen. 

Das Foto eines maskierten Mannes sprang Ares sofort ins Auge. Mit der Maske und dem Zylinder auf dem Kopf, sah der Typ fast genauso aus wie Chapeau. Wäre da seine dunkle Haut nicht gewesen...

Aber das kann nicht sein!

„Das bin ich nicht!“, protestierte Ares sofort los. Wollten die ihm etwas anhängen!? Ihn unschuldig - naja fast unschuldig - ins Gefängnis stecken?! 

Ares spürte Wut in meinem Körper aufsteigen. Spürte die Energie, wie sie ausbrechen wollte. Das durfte er jetzt nicht zulassen, schließlich konnte er hier doch keine Magie anwenden! 

Mit Mühe unterdrückte er das Zittern seiner Handflächen und die Kraft, die sich vibrierend in seinem Inneren sammelte. 

„Ganz ruhig Kleiner, wir wollen dir nichts anhängen“, sprach Monrow besänftigend auf Ares ein. 

Konnte er meine Gedanken lesen?!, dachte Ares lauernd. 

Es fiel ihm deutlich schwer ruhig zu bleiben, also bohrte er seine Fingernägel in die Handflächen. Versuchte konstant ein und aus zu atmen. 

„Wir wissen, dass du das nicht bist“, er deutete auf das Foto. „Aber wir haben gehofft, du könntest uns helfen heraus zu finden, wer es ist.“ 

Agent Monrow lehnte sich zurück und verschränkte abwartend die Arme vor der breiten Brust. 

„Wie kommen Sie darauf ich könnte ihnen helfen?“

„Schau mal weiter in die Akte. Darin steht alles, was du wissen musst“, antworte der Agent. 

Skeptisch blätterte Ares von Seite zu Seite. 

„Das kann doch nicht wahr sein“, murmelte er, je mehr Informationen er lass.

Dieser andere Kerl... er ist wie ich! 

„Woher haben Sie diese... Woher wissen Sie von...?“, stotterte der Teenager. Panik machte sich in ihm breit. Er war aufgeflogen! Aber sowas von!

„Weist du Ares... ich darf dich doch Ares nennen?“, erkundigen sich Monrow freundlich, doch Ares konnte nur stumm nicken. 

„Wir haben dich schon lange auf dem Schirm. Und deinen Hokuspokus ...naja, sagen wir mal so. Solange es niemanden verletzt hat, haben wir es toleriert. Es gibt eine bestimmte Abteilung beim FBI, die sich um Menschen mit speziellen Fähigkeiten kümmert und sie beobachtet. Wenn keiner sich auffällig verhält, lassen wir diese Personen in Ruhe. Wenn aber einer aus der Reihe tanzt“, damit meinte er den Typen auf dem Foto. „Dann sind wir gezwungen einzugreifen.“

Ares hatte nicht gewusst, dass es noch andere Menschen wie ihn gab. Seit zwei Jahren hat sich der Teenager wie ein Außerirdischer gefühlt und mit dem Wissen gelebt, er wäre der Einzige mit solchen Fähigkeiten. Doch nun sollte sich allen ändern? Konnte er wirklich glauben, dass es noch mehr seiner Art gab?

Sein Kopf schwirrte. Es waren deutlich zu viele Informationen. 

Es musste raus!

Funken fingen an, um seine Handflächen zu sprühen. Rot, Orange, Gelb. In den verschiedensten Tönen. Ares Kopf war dem explodieren nahe. 

Wieso hat die Agency ihn nicht früher kontaktiert!? Warum das Ganze?! 

„Dieser maskierte, hat einige wertvolle Sachen geklaut, von denen wir wissen, wenn sie in die falschen Hände geraten wäre das verheerend. Es sind eine Art Splitter. Wie die eines Kristalls“, redete Nathan Monrow weiter. „Verstehst du? Ares?“

Schweiß rann Ares die Stirn hinab, ließ ihn blinzeln. Er konnte dem Angent nicht mehr zuhören. Wie durch Watte drang die tiefe Stimme zunahm durch. 

Etwas Feuchtes lief seine Wange hinab. Es war nicht nur der Schweiß. Tränen mischten sich mit der anderen Flüssigkeit, bildeten eine salzige Spur aus Verzweiflung und Trauer, bis sie letztendlich auf den Tisch tropften und sich dort zu einer kleinen Lache formten.   

  

„Warum kann ich ihnen da behilflich sein? Wenn es andere wie mich gibt, kann da keiner von denen helfen?!“, krächzte Ares verzweifelt. 

Seine Stimme drohte ihm zu versagen. Soweit war er schon! Heulte hier vor einem Erwachsenen wie ein kleines Kind!

„Das Problem ist, Ares. Es gibt keinen der die gleichen Fähigkeiten hat wie du. Verstehst du?“, antwortet Monrow ruhig, kam dabei ein Stück weit nach vorne. „Deine „Magie“ ist etwas Besonderes. Die Anderen haben nur eine Fähigkeit, wie zum Beispiel Telekinese. Du aber kannst das alles in einem, das gab´s noch nicht Ares, und dieser Typ“, Monrow deute mit dem Finger auf das Foto „kann das auch. Deswegen sind die Anderen machtlos.“ 

Der Agent blickte den Teenager vor sich an. Das verzweifelte und nasse Gesicht des Jungen, weckten Monrows Vatergefühle. 

Kurz tätschelte er die Hand des Gefangenen. Wollte ihm Trost spenden und zeigen das alles in Ordnung war, schließlich hatte auch er eine Tochter in dem gleichen Alter. Jo mag zwar nicht das gleiche durchmachen wie dieser Junge, doch auf Grund seiner Arbeit, war Monrow selten zu Hause. Er wusste um die Trauer und Einsamkeit eines geliebten Menschen und Ares hatte sie beide verloren, Vater und Mutter. 

 

Etwas Besonders? Diese Worte kreisten in Ares Kopf rum, wie ein Hubschrauber über Las Vegas. So hatte ihn noch nie jemand genannt. 

Kurz nahm er das Foto in die Hand und sah es sich genauer an. Ewas an seinem Doppeltgänger kam ihm bekannt vor, doch er konnte beim besten Willen nicht rausfinden was es war. Sein Inneres schrie es ihm entgegen, doch Ares verstand die Worte nicht.  

Der Schwarzhaarige wischte sich energisch über das Gesicht. Entfernte die Spuren seiner Schwäche. „Kein Wort! Zu niemandem! Keiner darf erfahren wer ich wirklich bin, dann helfe ich ihnen auch,“ 

Ares hatte einen Entschluss gefasst. 

Wenn dieser Typ genauso war wie er, dann könnte Ares vielleicht mehr über sich erfahren. Woher er diese Kräfte hatte oder wieso er sich so von den anderen unterschied.  

Ares willigte ein. Die Handschellen schlugen klirrend aneinander, als er Monrows Hand ergriff und sie schüttelte. Es war ein Abkommen. Ein Abkommen der gegenseitigen Hilfe. Hoffentlich war es auch die richtige Entscheidung. 

 

„Wieso wurde ich eigentlich verhaftet?!“, fielen dem Gefangenen die Handschellen wieder ein, die jetzt doch recht unangenehm wurden. 

„Reine Vorsichtsmaßnahme“, versicherte Monrow und schloss diese verfluchten Dinger wieder auf. „Das ist Spezialanfertigung für Leute wie dich“, Monrow sah auf die Handschellen. 

„Eigentlich solltest du nicht einmal das kleinste Fünkchen Magie benutzen könne, doch du hast es geschafft den Raum zum Beben zu bringen.... Verblüffend.“ Monrows Blick glitt an den Handschellen vorbei auf Ares Hände. Seine Stirn kräuselte sich in grüblerischer Mine. 

Erstaunt sah Ares auf seine Hände. Die Magie beruhigte sich zwar wieder und normalisierte sich mehr oder weniger, doch etwas stimmte nicht. Sie lief nicht ihn ihrer gewohnten Bahn. Plötzlich zuckte eine Schmerzenswelle durch den Körper des Teenagers. Zischend krümmte er sich zusammen.

„Was zum...!“, entfuhr es Ares durch zusammen gebissene Zähne. 

Sein Körper spannte sich an und kleine Spannungsladungen drangen nach außen.       

„Ares, ich möchte das du mich begleitest.“ Monrow, der die Situation nachdenklich beobachtet hatte, griff den Jungen am Unterarm und zog den Teenager auf die Beine. 

Kurz musste Ares schnaufen und sich fasse. Die Schmerzen ebneten ab und er folgte dem größeren Mann widerwillig. 

 

Stumm gingen sie den Gang entlang. Ares wusste bei bestem Willen nicht, wo er hier war, bis sein Vordermann plötzlich das Schweigen brach. 

„Wie geht es Jo?“, wollte er wissen, als wären sie bei einem Kaffeekränzchen.  

Etwas aus dem Konzept gebracht musste Ares kurz überlegen. „Ihr gehts ganz gut soweit. Sie arbeitet und hat einen Freund“, antwortet Ares und musste an die Beiden denken. 

Was sie wohl gerade taten? Machten sie sich Sorgen um ihn? Haben sie überhaupt bemerkt, dass er weg war?

Wieder herrschte Stille. Scheinbar wusste der ältere Mann um Jos Beziehung Bescheid, denn er fragte nicht weiter nach und auch Ares versank wieder in seinen eigenen Gedanken, bis sie plötzlich an eine Tür kamen. 

„Das ist unser Forschungslabor“, verkündete Monrow. „Meine Mitarbeiter haben mich gebeten dich hier her zu bringen, solltest du einwilligen.“ 

Monrow schob die schwere Eisentür auf und legte einen hellen Raum frei. Staunend ging der Teenager hinein. 

Es war wie in einem Sciencefiction Film. So als würde man in einem Raumschiff stehen oder eine Zeitreise in die Zukunft machen. 

Überall standen Tische mit verschiedenen Reagenzgläsern und Computern, allerlei Hightech Zeugs lag hier und da rum. 

Ares füllte sich wie James Bond, der gleich seine Gadgets bekommen sollte. 

Doch Monrow blieb nicht stehen. Er ging weiter durch den Raum und wurde von den Leuten begrüßt, doch Ares gegenüber herrschte Misstrauen. Skeptisch wurde er von alles Seiten beäugt. Getuschel wurde wieder lauter. Der Teenager versuchte, cool und gelassen zu bleiben, auch wenn er sich am liebsten hinter dem breiten Rücken des Agents versteckt hätte. 

„Hi“, „Hallo“ und „Wie geht´s?“, waren so seine coolen Gesprächsfloskeln. Mehr brachte er auch nicht raus. Was sollte er auch sonst noch sagen? Schließlich hatte er immer noch sein Kostüm an und fühlte sich wie auf dem Präsentierteller. 

„Chapeau beweg dich!“, erklang eine laute Stimme und erst jetzt merkte Ares, dass er stehen geblieben war. 

Die Wissenschaftler um ihm herum, sahen ihn an. Stumm, ängstlich und missbilligend. Es war ihm unangenehm, so zog Ares seinen Zylinder tiefer ins Gesicht und beeilte sich, zu dem wartenden Agent zu kommen, schließlich wollte Ares seine Wut nicht auf sich ziehen. 

„Hier drinnen gibt es etwas, das dir helfen sollte deine Kraft besser zu kontrollieren“, setzte Monrow ihn in Kenntnis. Ares verstand nur Bahnhof. Was sollte ihm helfen? 

„Ich habe dir vorhin von den Schmuckstücke erzählt...“

Mit hochgezogenen Augenbrauen beobachtete der blonde Mann sein Gegenüber, eher er seufzte und einen Knopf drückte. Die Türen schoben sich mit einem leisen Zischen auseinander und entblößten reine Dunkelheit. Ares konnte nichts erkennen, aber es war, als würde etwas nach ihm rufen. 

Wie ein leiser Hauch, streichelte dieses Nichts sein Gesicht, berührte sein Inneres und trieb ihm Schweißperlen auf die Stirn. 

„Deine Mutter gab es uns nach deiner Geburt. Ich denke es ist an der Zeit.“

Bitte was?! Was geht hier vor? Meine Mutter?

„Meine...?“, mehr brachte Ares nicht raus. 

Er spürte eine große Hand auf seiner Schulter, eine kleine Bewegung und plötzlich verlor Ares den Stand und stürzte in die unbekannte Dunkelheit

2

Nichts als Schwärze empfing Ares in diesem endlos wirkenden Raum. Nicht einmal die Hand vor seinen Augen konnte er sehen.

„Hey?“, schrie er gegen die Dunkelheit an. „Ist hier jemand?“, „Was soll der Mist!“

Doch nichts und niemand antwortet ihm.

Orientierungslos bewegte sich der Teenager in das Unbekannte.

Der Boden fühlte sich flach und eben unter seinen schwarzen Schnürschuhen an. Als würde er auf einem Spiegel laufen. Nur das leise Klackern der Sollen begleitete ihn in der Stille.

Er hätte ja seine Magie benutzen könne, doch etwas in seinem Inneren war wie blockiert. Kurz hob er die Hand vor sein Gesicht, nicht einmal die konnte er sehen. Dann versuchte Ares sich zu konzentrieren, um wenigstens ein kleines Glimmen oder Leuchten zu erzeugen. Fehlanzeige! Seine Magie war wie weggeblasen!

Die Dunkelheit drückte schwer auf seinen Kopf. Gaukelte ihm allesmögliche vor. Schatten die nicht hier sein sollten. Geräusche die es nicht geben konnte.

„Hallo?“ Schatten huschten an ihm vorbei. Kreuzten seinen Weg oder liefen direkt in ihn hinein. Es wurden immer mehr und mehr. Kämpften miteinander, schlachteten sich ab. Ares konnte ihre Bewegungen nur wage sehen, konnte sie nicht verfolgen. Plötzlich stürmte einer Horde von Wesen, die der Teenager nicht zuordnen konnte, auf ihn ein. Erhoben waren ihre Schwerter, bereit zu zuschlage, zu morden. Ares duckte sich, kauerte sich zu einem Klumpen auf dem kalten Boden zusammen. Angst kroch ihm in die Glieder.            

Auf einmal drang ein leichtes Surren an sein Ohr. War das wieder nur Einbildung? Ares hob den Kopf. Die Schatten waren verschwunden, nur das stätige Surren drang durch die Schwärze zu ihm durch.

Es knallte. Zwang, den an Bodenkauernden, auf die Beine zu springen. Flink wirbelte der Schwarzhaarige herum, konnte aber nicht ausmachen woher es zu kommen schien.

Wie ein Irrer drehte er sich im Kreis, um seine eigene Achse, wollte etwas sehen! Finden woher die Geräusche kamen! Aber es blieb weiterhin genauso dunkel.

Zu dem Surren gesellte sich eine leise Stimme. Es war nur ein Hauch, doch sie kam ihm bekannt vor. Ares konnte nicht verstehen worüber sie sprach. Sie war viel zu leise und undeutlich. 

Plötzlich flackerte ein Licht auf. Nicht weit von ihm. Es war auch nicht wirklich hell. Doch es war immerhin etwas, was Ares half nicht mehr in vollkommener Dunkelheit herum zu stolpern.

Achtsam bewegte sich Ares darauf zu. Es war nicht die Neugier, dich ihn dahinzog. Es war etwas Anderes. Etwas Tieferes. Er konnte es nicht genau erklären. Es war ein inneres Empfinden, welches ihn leitete.

Nun stand er davor und wusste nicht, was er machen sollte. Sollte er es berühren? Würde es ihn verbrennen?

Unsicher sah Ares dem Licht dabei zu, wie es sich, in einer nicht wahrnehmbaren Brise, zu wiegen schien. Die Stimme wisperte unaufhaltsam weiter. Jetzt konnte Ares auch erkennen, dass es sich um eine männliche zu handeln schien.

 Auf einmal flackerte das Licht noch mehr auf und verformte sich, bewegte sich. Es fing an zu tanzen, formte seine Kreise um Ares herum, Wiegte sich von einer Seite zur anderen. Faszinierend folge Ares dem Schauspiel. Im Mitten des Lichtes konnte Ares etwas ausmachen, etwas das aussah wie ein zerbrochener Stein. Ein kleines funkelndes Stück Steinchen.   

Plötzlich verschwand das Licht und ein stechender Schmerz durchzog den Schwarzhaarigen schlagartig. Diese kleine, zarte Flamme hatte sich brutal in seine Brust gerammt. Wie ein Schwert, durchspießte sie ihn, fraß sich in seine Innereien. Eine Schmerzenswelle nach der anderen jagte durch seinen Körper, begleitet vom Singsang der Stimme.

Ares schrie auf, verzweifelt und voller Schmerz. Der Schrei vermischte sich mit der Stille und hallte wieder. Dumpf und träge. Sein Kopf sandte einen Impuls nach dem andern auf, glaubte gleich verbrennen zu müssten. Schmerzhaft bäumte sich sein Körper auf. Wie Flammen pulsierte das Licht in Ares Venen. In der Dunkelheit konnte er das Licht in seinem Inneren deutlich strahlen sehen. Er glühte förmlich von Innen heraus.

Oh Gott, wann hört es auf!?, flehte Ares verzweifelt, doch kein Laut verließ seine Lippen.

Keuchend brach er zusammen. Das Licht sammelte sich an seinem Unterarm, glühte und zeichnete verschnörkelte Muster nach, bis es abklang und ein Symbol hinterließ. Doch Ares war bereits in seiner Ohnmacht gefangen und konnte es nicht sehen. Das Zeichen, das in markierte, als das was er war... 

 

 

*

 

Vor 2 Jahren

 

„Ares? Schläfst du noch?“, rief eine ruhige, weibliche Stimme die Treppe rauf zum ersten Stock des Einfamilienhauses im Herzen LAs.

Eine schöne, konforme Gegend, in welche man sich gerne zur Ruhe setzte und einen Schwall Kinder zeugen konnte.

So dachte auch Familie Westwood, die erst vor kurzem hergezogen waren. Eine kleine Familie, bestehend aus drei Mitgliedern. Vater, Mutter und Sohn. Ein Sohn der heute seinen ersten Tag in seiner neuen Schule hatte.

„Nein, Mom!“

Panisch sprang Ares aus den weichen Lacken seines mittelgroßen Bettes. Ein wilder Traum hatte den jungen Mann in seinen Armen festgehalten und wollte den Teenager nicht mehr loslassen.

Verdammt! Schimpfte Ares fluchend und hätte sich beinahe in der Decke verheddert. Wie eine Anakonda umschlang das weiche Stück Stoff seine Beine und hinderte in daran sich zu bewegen. Mit Mühe und Not kämpfte sich der Teenager aus dem Gewirr aus Beinen und Stoff und konnte letztendlich als Sieger daraus gehen. 

Schnell hastete er in das kleine Badezimmer, was er sein Eigen nennen konnte, da es niemanden gab der es sich mit ihm teilen musste. Ares war ein Einzelkind. Was seine Vorteile hatte, wie zum Beispiel, das eigene Badezimmer. Vorbei an dem ganzen Chaos, welches in meinem Zimmer herrschte und Ares war froh, nicht über die ganzen Kartons zu stolpern, die hier immer noch herumstanden.

Während er nun im Bad stand und versuchte mit einer Hand die Zähne zu schrubben und mit der anderen das schwarze Vogelnest, welches sich seine Haare schimpften, in Ordnung zu bringen, dachte er über heute nach und ihm viel auf, das er an nichts dachte. Sein Kopf war, erschreckender Weise, wie leergefegt.

Ares versuchte darüber nachzudenken was er anziehen sollte, oder wie er sich verhalten sollte, schließlich musste er einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Es war nicht nur das neue Jahr an einer neuen Schule, sondern auch sein letztes an der Highschool.

Doch alles was er in seinem Kopf hatte, war Leere… gähnende Leere. Ares hatte keine Angst vor dem -Was wird- oder -Sein könnte-. In seinem Kopf hatte nur ein einziger Gedanke Platz. Sein Vater und das „Gespräch“, welches sie neulich geführt hatten.

Seufzend riss Ares seinen Blick von seinem Spiegelbild ab, da war eh nichts mehr zu retten.

Ein Blick auf sein Handy... „Fu...!“, reichte ihm um keine Sekunde später auch schon die Treppe runter zu sausen.

 

„Hattest du das nicht schon gestern angehabt?“, empfing ihn der tadelnde Blick Helen Westwoods. Dieser gewisse Ausdruck in ihren klaren, alleswissenden Augen, lag auf der Jeans und dem schwarzen Hemd, das ihr Sohn trug.

Immer wenn sie mit Ares Kleidungsstil nicht einverstanden war, sah sie ihn immer genau SO an.

„Ich habe ein frisches T-Shirt angezogen.“, verteidigte sich Ares und zupfte an dem grauen Shirt herum, um es zu verdeutlichen. Es war ein grauenvolles Stück Kleidung, doch er hat in der Eile kein besseres gefunden. Sein gesamter Kleiderschrank, steckte noch halbwegs in einem der Kartons, die in seinem Zimmer verteilt standen. Man sollte meinen, nach zwei Wochen, in denen die Familie Westwood schon in diesem Haus wohnte, sollte es machbar sein alles auszupacken! Ares war da nicht so sicher. Seiner Meinung nach, hatte er noch genügend Zeit dafür. Das er jedoch, nun immer seine Anziehsachen suchen musste, war ihm bei dem Gedankengang nicht in den Sinn gekommen.   

Kopfschüttelnd strich sich Ares Mutter die blonden Locken aus der Stirn. „Du solltest wirklich mehr auf dein Äußeres achten.“ 

Wenn Ares diese Frau so ansah, konnte er nicht glauben, dass sie seine Mutter sein sollte. Sie war so wunderschön und perfekt. Mit ihrer zierlichen Figur, den blonden Haaren und den grünen Augen, glich diese Frau einer Göttin.

Sein Dad hatte ihm als Kind, oft die Geschichte ihrer Begegnung erzählt. Er hatte scherzhaft gemeint, sie sei vom Himmel herabgestiegen und ihn als Ehemann auserkoren, weil sie seine schwarzen Haare so sehr liebte. Doch Ares wusste, es waren nur Gutenachtgeschichten. Geschichten die nicht wahr waren, die er aber trotzdem gerne wieder hören würde.    

Zart, strichen schmale Finger durch sein Haar, die gleichen schwarzen wie von seinem Vater und holten Ares aus den Träumereien.

„Was ist los Liebling? Du bist so still heute.“, frage sie. „Du hast doch keine Angst vor der neuen Schule? Soll ich mitkommen?“, lachte sie und die grünen Augen strahlten im Glanz eines Smaragds.

Vielleicht war sie wirklich eine Göttin?

Wieder zupfte sie an den Haaren ihres Sohnes.

„So ist es besser. Nicht zu bändigen. Wie bei deinem Vater,“ murmelte sie und versuchte das Chaos in Ordnung zu bringen.

„Wenigstes habe ich deine Augen. Sonst würde ich glauben, ich sei adoptiert,“ seufzte Ares schließlich und gab seiner Mutter einen Kuss auf die Schläfe.

Sollte er noch länger trödelt, würde er garantiert zu spät kommen.

 

„Ares, dein Vater wartet im Auto. Er wollte dich zur Schule fahren.“ Kurz schlich sich ein trauriger Blick in die schönen Augen, doch war er schnell wieder verschwunden, als sie wieder geradeaus schaute, aus dem Fenster in den Vorgarten. Dort parkte bereits ein Auto mit laufendem Motor. Wartend… Ungeduldig.  

Ares Hand lag bereits auf dem Türgriff, doch etwas hielt ihn einen Augenblick davon ab, raus zu gehen. Es war eins dieser nagenden Gefühle, die man nicht richtig einordnen konnte.

Als Ares sich nochmal umdrehe, stand seine Mutter mit dem Rücken zu ihm. Kurz beschlich ihn ein schlechtes Gefühl, so als würde man etwas versprochen haben und dann vergessen es einzuhalten.

Ares schüttelte den Kopf. Was sollte er seiner Mutter schon versprochen haben?

Die Tür fiel ins Schloss, sperrte sie und das nagende Unbehagen aus.     

 

Schnell beeilte sich Ares die Einfahrt herunter zu sprinten. Seinen Vater warten zu lassen war eine Todsünde. 

„Auch endlich wach?“, brummte die Stimme von Michael Westwood, kaum dass sein Sohn die Tür öffnete.

„Tut mir leid, Sir“, entschuldigte sich Ares wie ein braver Sohn.

Sein Vater ist ein Kriegsveteran. Als junger Bursche war er in Europa stationiert. In Griechenland, um genau zu sein, da hatte er auch Helen kennengelernt. Somit war Ares halb Amerikaner und halb Grieche. Wobei er noch nie das Heimatland seiner Mutter besucht hatte, nicht ein einziges Mal in seinen 17 Jahren.

 

Die müden braunen Augen von Michael Westwood, sahen stur gerade aus, während er das Auto flink durch den Verkehr der Großstadt manövrierte. Keiner der beiden Männer sprach auch nur ein Wort. Es herrschte eine Stille im Auto und keine angenehmen und gelassenen, sondern die angespannte und bedrückende Art.

Es gab einen Grund, warum Ares Dad wütend auf ihn war. Sie hatten einen schlimmen Streit und daran war allein Ares schuld. Hätte er seinem Vater, nicht sein größtes Geheimnis anvertraut, wäre es nie dazu gekommen. Seitdem herrschte Eiseskälte zwischen den beiden. Michael sprach mit seinem Sohn nur die wichtigsten Worte, blickte ihm nicht in die Augen und wenn es doch passierte, so sah Ares jedes Mal nur Enttäuschung in ihnen.

 

Ruckartig blieb das Fahrzeug stehen. Ares sah aus dem Fenster. Sie waren da. Die neue Schule. Wie ein Statement ragte das weiße Gebäude empor. Ein Statement zum Neuanfang oder Niedergang.

Ares war froh, dass er nicht mitten im Schuljahr wechseln musste. Sein Vater hatte die Beförderung, die ihm angeboten wurde, soweit nach hinten geschoben, dass sein Sohn die alte Schule bis zu den Sommerferien besuchen konnte, doch nun war es soweit. Eine Woche Schonfrist hatte er gehabt, diese ist nun vorbei.     

Quietschend öffnete sich die Beifahrertür des alten Chevys. Das Geräusch erinnerte Ares an einen Seufzer, den er sich mit Mühe verkneifen konnte. Bevor er jedoch ausstieg, sagte er noch zu seinem Vater: „Ich bin immer noch dein Sohn“ und ohne einen Blick auf den älteren Mann zu werfen, stieg er aus. Ares wollte nicht wieder die Enttäuschung sehen, nicht jetzt, wenn er einen neun Abschnitt beginnen wollte.

Micheal erwiderte nichts und als die Autotür hinter ihm ins Schloss fiel, fuhr sein Dad davon.

Ares sah ihm nicht nach.

 

Die Schultern strafend, machte er sich auf, in die neue Schule.

Sein erstes Ziel war das Sekretariat. Was der neue Schüler auch zum Glück schnell fand, doch dann kam das Problem mit den Klassen. Ein Blick auf den Plan, den die nette Dame ihm ausgehändigt hatte, brachte Ares nicht weiter. Alles sah gleich aus und verwirrte ihn umso mehr.

Knurrend knüllte er das unnütze Ding zusammen und warf es im hohen Bogen in den Mülleimer. Ohne Mühe landete der Abfall genau da, wo er sollte.

„Nicht schlecht.“

Erschrocken wirbelte Ares zu der Stimme um. Ein Junge im selben Alter stand vor ihm und klatschte in die Hände. Seine Augen strahlten in einem klaren, unnatürlichen Blau. Ares viel auf wie seltsam die Augen waren, bei einem Afroamerikaner war das schon etwas ungewöhnlich, den seine Haut erinnerte Ares an Vollmilchschokolade. Die Haare waren genauso schwarz wie die von Ares, doch sie standen nicht, wie nach einem Stromschlag ab, sondern waren zu kleinen Zöpfen, an die Kopfhaut geflochten.

Verwirrt sah Ares den anderen Teenager an.

„Der Wurf“, kommentierte er seine Aussage und schien die Verwirrung in Ares Gesicht bemerkt zu haben.

Oh.

„Ja danke“, grinste Ares debil und wäre am liebsten im Erdboden verschwunden. Hatte er wirklich geglaubt der Typ meinte ihn?!

Ich Depp!

„Ich bin Pax. Pax Jackson.“ Hielt der Teenie Ares die Hand hin.

„Ares Westwood.“

„Ares?“, Paxs Augen weiteten sich und Schalk tanzte in ihnen.

„Meine Mutter ist Griechin. Frag nicht... Pax“, verdrehte Ares nur die Augen und musste in das Lachen mit einstimmen.

„Stimmt. Mit meinem Namen haben ich es auch nicht grad gut erwischt. Meine Eltern sind schon lange nicht mehr da, daher kann ich niemanden die Schuld geben. Wobei... Ares ist ja der griechische Gott des Krieges und Pax soll ja der Frieden sein. Also Ares... ab jetzt pass ich auf, dass du keinen Mist baust“, lachte Pax und boxte Ares in die Schulter. „Also, wo musst du hin?“

Etwas verwirrt, von so viel Euphorie, hielt Ares seinem neuen Freund den Zettel hin, den er zuvor von der Sekretärin erhalten hatte.

„Was für ein Zufall. Ich gehe in die gleiche Klasse“, grinste der Andere und deutete mit einem Kopfnicken an, ihm zu folge.

Ares wunderte sich über Pax. Soviel Freude konnte doch nicht in einem normalen Menschen stecken?!

Kopfschüttelnd folgte er seinem Klassenkameraden und scheinbar, neuen besten Freund.

  

Als die Beiden die Klasse erreichten, waren die Gänge bereits leergefegt. Der Unterricht hatte vor einigen Minuten begonnen und sie waren nun die Letzten.

Vor dem Klassenzimmer blieben sie stehen und Pax klopft an die Tür. Eine weibliche Stimme bat ihn, herein zu kommen. Bevor Ares jedoch das Klassenzimmer betreten konnte, zwinkerte ihm Pax aufmunternd zu.

„Tut mir leid Mrs Fieldson fürs zu spät kommen, aber ich habe da jemanden aufgabeln müssen“, erklärte er seiner Lehrerin und zog den neuen Schüler am Ärmel in die Klasse und ließ ihn vorne alleine stehen.

Pax schlängelte sich durch die Reihe, klatschte hier und da bei einem Mitschüler ein und setzte sich anschießend an einen Tisch, in der hinteren Reihe. Neben ihm saß ein blondes Mädchen. Dieses grinste Pax an, kaum dass er Platz genommen hatte und fing sofort an, mit ihm zu tuscheln.

Seufzend reichte Ares der wartenden Lehrerin den Zettel mit seinen Daten. Seine neuen Mitschüler starrten ihn erwartungsvoll an. Mache Mädchen kicherten hinter vorgehaltenen Händen und sahen den Neuen mit schmachtenden Blicken an. Mache waren weniger subtil und zwinkerte ihm zu oder warfen Handküsschen. Die Jungs waren nicht begeistert. Das konnte Ares an den bösen Blicken sehen.

Das konnte ja ein tolles Jahr werden! Seufzte der Neu.   Auf einmal fühlte sich Ares unsicher. Er kam sich vor wie ein Anschauungsobjekt. Kurz schluckte er den Kloß hinunter und fing an sich kurz vorzustellen, wobei alle bei seinem Namen anfingen zu lachen, nur nicht Pax und das blonde Mädchen. Vielleicht war sie ihm doch sympathischer als angenommen.

Nachdem Ares fertig war, winkte die Blondine ihm zu. Neben ihr war noch ein Platz frei. Gerade als Ares sich zu ihr setzen wollte, rutschte sie weiter und zwischen ihr und Pax blieb es Leer. Kurz zögerte Ares. Doch was sollte er machen? Weiter hier herumstehen wie ein Vollidiot und auf den leeren Stuhl starren, oder sich neben den anderen Jungen setzen? Seine Entscheidung wurde ihm abgenommen, den Pax sog ihn kurzerhand nach unten und Ares nahm brav Platz. Gerade rechtzeitig, denn Mrs Fieldsohn warf ihm bereits einen strengen Blick zu.

Ares räusperte sich und packte seine Tasche aus, während Pax ihn angrinste und ihn in die Schulter boxte. Wenn Pax das öfters machte, würde er bald blaue Flecken bekommen.

„Willkommen im Irrenhaus. Das ist Jo“, deutete er auf das blonde Mädchen, doch wir kamen nicht mehr dazu uns näher kennen zu lernen denn Fieldson hatte den Unterricht begonnen.

 

Es vergingen keine zwei Stunden, da öffnete sich plötzlich die Tür des Klassenzimmers und ein Mann mit kahlem Kopf und karierter Alter-Mann-Jacke sauste in das Zimmer.

„Das ist der stellvertretende Direktor“, flüsterte Jo. 

Zielstrebig steuerte der kahle Mann die Lehrerin an, reichte ihr einen Zettel und verschwand wieder so schnell wie er gekommen war. Kurz flogen ihre Augen über das Stück Papier, ehe sie ihren Blick hob. Kurz suchte sie Augenkontakt und blieb an Ares hängen.

Als hätte ihm jemand ins Gesicht geschlagen, war ihm speiübel. Alles fing an nach hinten zu rutsche, Angst kroch Ares in die Glieder und ließ sie taub werden. Mrs Fieldson rief seinen Namen, er hörte ihre Stimme, spürte Paxs Hand um seinen Arm der ihn stützend hielt, doch alles war wie in Watte getaucht.

Pax zog ihn aus dem Klassenzimmer. Ares stolperte und viel auf alle Vier. Die Erde bebte plötzlich unter seinen Händen oder war es nur das Zittern seiner Glieder? Ares wusste es nicht. Er war gelähmt. Konnte nichts hören und nichts fühlen, bis auf diesem Schmerz, tief in seinem Inneren. Er erinnerte sich an das Gefühl, welches er heute Morgen in der Küche gehabt hatte. Es war beinahe das gleiche, nur viel intensiver.   

 

Wie eine weit entfernte Gewitterfront, hörte er lautes Stimmengewirr. Es wurde immer lauten, bis es plötzlich über ihm hereinbrach. Klar und deutlich. Ares hob den Blick, sah die panisch schreienden Mitschüler durcheinander rennen. Sie quetschten oder drängelten sich an ihm vorbei, nur um als erstes aus dem Gebäude zu kommen. 

Doch Ares bewegte sich keinen Millimeter. Er hatte es gespürt, noch bevor es seine Lehrerin aussprach. „Ares, kommst du bitte zu mir?“

 Seine Eltern... Sie waren tot!

 

*

Gegenwart

 

Es ließ nach. Die Vibration ließen nach, klangen ab und verschwanden endgültig.

Zitternd lag Ares auf dem kalten Steinboden, dieser dunklen Halle. Konnte nichts sehen und nichts fühlen. Nur die Hitze an seinem Unterarm. Eine unerklärliche Kraft wuchs in ihm heran.

Es kam Ares vor, als wäre ein Stück von ihm wieder da. Als wäre das verlorene Puzzelstück an seinen rechtmäßigen Platz gelegt worden. Ares füllte sich wieder ganz.

Tränen kullerten seine Wange herab. Er hatte schon lange nicht mehr an die Zeit gedacht... an die Zeit als seine Eltern starben und sein ganzes Leben sich änderte.

Damals stand ihm Pax zur Seite und hat auf ihn aufgepasst, so wie er es versprochen hatte. Von da an waren die beiden unzertrennlich. Ares und Pax. Krieg und Frieden.

Das zischende Geräusch der Schiebetür hörte er nicht, auch nicht die Schritte die sich ihm näherten. Erst als sich eine Hand auf seine Schulter legte, bewegte sich der Teenager.

„Komm mein Junge, steh auf. Du hast sicher Fragen.“ Frank Monrows Stimme klang wie ein Flüstern in seinen Ohren.

Weg war der strenge FBI Ton. Frank klang mehr nach einem besorgten Vater, als nach einem Agenten einer Bundesbehörde.

Schwerfällig erhob sich Ares und stand auf wackeligen Beinen. Ein starker Arm ergriff ihn stützend und führte Ares in das helle Licht der offenen Tür.

 

„Möchtest du ein Glas Wasser?“, wollte der Agent wissen und sah ruhig auf den schwarzhaarigen Jungen. doch Ares schüttelte nur mit dem Kopf, er wollte nichts. Nur verstehen was hier vor sich ging und was das vorhin war. Wieso füllte er sich mit einem Mal so anderes? So viel stärker?

Ares blickte sich in dem Raum um. Hier sah es aus, wie in einem normalen Büro. Sah man von den ganzen Fotos an den Wänden ab, die verschiedene Personen zeigten, die ihre Kräfte vorführten.

Ein großer, unordentlicher Schreibtisch stand am Ende des Raumes, dahinter ein Schrank. Ares saß auf seinem schwarzen Sofa am Fenster. Es war offen und ein leichter Windhauch spielte mit den Vorhängen. Draußen ging langsam die Sonne unter. Wie lange Ares schon hier war? Sein Blick schweifte weiter und blieb an dem einzigen anderen Menschen in diesem Raum hängen.

Agent Monrow saß ihm gegenüber auf dem Sessel. Zwischen Ihnen war ein kleiner runder Tisch. Kurz musste Ares an das Bild eines Seelenklempners denken. Fehlte nur noch, dass Monrow einen Notizblock rausholte und ihm Frage gestellte wie: „Wie fühlen Sie sich?“

Ares legte seine Maske und den Hut ab und fuhr sich durchs verschwitzte Gesicht. Seine schwarzen Strähnen klebten unangenehm in Nacken und Stirn. Er sollte mal dringen zum Frisör gehen.

„Was war das in dem Raum?“, stellte er die Frage, die ihm ohne Pause im Kopf spuckte.        

„Was es war, kann ich dir nicht genau sagen, nur das deine Mutter es hier verwahrt hat, bis du soweit warst. Leider konnte sie es dir nicht selbst geben“, kurz machte Monrow eine Pause. „Ob du soweit bist oder nicht, kann ich nicht sagen, aber wir brauchen deine Hilfe, bei der Ergreifung vom Maskendieb. Ich weiß der Name ist nicht sehr einfallsreich. Du solltest jetzt stark genug dafür sein und brauchst keine billigen Tricks mehr zu verwenden.“

Überlegend sah Ares auf seine Hände. Sollte er nun wirklich mehr können? Wenn es so funktioniert wie die Male davor, dann... Ares brauchte sich nicht mal anzustrengen. Ohne Mühe glomm eine kleine Flamme in meiner Handfläche auf.

Wahnsinn!   

„Der Maskendieb ist stark. Ich hoffe du bist es auch.“

Das hoffe ich auch!

„Du solltest jetzt nach Hause gehen und dich ausruhen. Wir melden uns, wenn es etwas neues gibt“, verabschiede sich Monrow an der Tür und schob Ares aus der Bürotür. Bevor der Teenager auch noch etwas erwidern konnte, wurde diese direkt vor seiner Nase zugeschlagen.

Was zum...!?

Wolle der Agent ihm nicht seine Fragen beantworten?

 

Etwas verdattert machte sich Ares auf den Weg Richtung seiner Wohnung. Er wollte einfach nur noch ins Bett!

Viele Fragen schwirrten in seinem Kopf, doch die sollte er kurz bei Seite schieben. Diese neue unbekannte Kraft forderte seinen Tribut und Ares Körper fühlte sich nicht wie sein eigener an. Er sollte sich wirklich eine Mütze Schlaf gönnen und sich morgen mit dem Thema auseinandersetzen.

 

Die Sonne war bereits am Untergehen, als der, jetzt wieder als Chapeau verkleidete, Teenager die Straßen in Richtung seiner Wohnung lief.

Grummelnd rammte er die Hände in seine Taschen.

Hätte mich nicht einer der FBI Typen nach Hause fahren können?! Schließlich habe ich es ihnen zu verdanken, dass ich am anderen Ende der Stadt gestrandet bin.

Ares war so in seinen Gedanken versunken, dass er die Person erst nicht sah. Als die beiden zusammenprallten, reagierte sein Körper automatisch. Er griff nach dem fremden Körper, wollte ihn vom Fallen abhalten, doch plötzlich ließ er zischend wieder los. Ein kleiner, aber schmerzhafter Stromschlag ging von ihm aus und jagte durch seinen Körper. Auch die fremde Person schrie kurz auf und machte einen Satz nach hinten. Ares ganzer Körper verkrampfte sich augenblicklich. Es war eine Stimme, die Ares ziemlich vertraut vorkam. Sofort riss er seinen Blick nach vorne. 

Verdammt! Pax!

Panik durchströmte ihn.

Kann er mich erkennen?

Blitzschnell griff Ares in sein Gesicht. Die Maske war noch an ihrem Platz, zum Glück!

„Oh man, Chapeau!“, flüsterte Pax heiser.

Die blauen Augen strahlten in an, wie die bunten Reklametafeln um sie herum. Autos fuhren hupend vorbei. Menschen blieben stehen und beäugten ihn, schließlich war er Chapeau. Lange sah ihn Pax faszinierend an, doch dann schlich sich ein anderer Ausdruck in die blauen Augen, ein skeptischer.

„Warte mal, du kommst mir bekannt vor.“

Das war der Moment, in dem die Panik in Ares Körper überschwappte. Ein Krächzen entfloh seiner Kehle, gepaart mit einem „Iks“. Die nächsten Geschehnisse passierten zu schnell, um sie kontrollieren zu können:

Paxs Augen weiteten sich. Er hob die Hand. Ares floh.

Mit einem lauten Knall verschwand sein Körper von der Straße und hinterließ Nichts außer einer Staubwolke und einem schockierten Teenager.

 

Als Ares die Augen wieder öffnete, er hatte nicht mal bemerkt, dass er sie geschlossen hatte, sah er sein Zimmer vor sich.

Ich bin tatsächlich in meiner Wohnung aufgetaucht!

So eine weite Strecke zurück zulegen ist – war – für ihn unmöglich!

Erleichtert seufzte er auf und entledigte sich seines Fracks. Als er gerade die Knöpfe am seinen Hemdsärmeln öffnen wollte, zuckte er schmerzhaft zusammen. Der weiße Stoff streifte unangenehm über seinen Unterarm. Schnell zog er dem Ärmel nach oben und entblößte eine Art Tattoo. Ein dicker schwarzer, in sich nicht geschlossener Kreis umrandete ein spitz zulaufendes A. Die Ränder waren noch leicht gerötet, als wäre es wirklich erst frisch gestochen.

„Was zum...“, flüsterte Ares überrascht.

Ares wollte mit dem Finger darüberfahren, es spüren. Die leichte Unebenheit der Tinte. Die Empfindlichkeit der Haut.

Lange starrte Ares auf die Markierung, versunken in seinen Gedanken. Plötzlich klopfte es laut an seiner Tür und als hätte er sich gestochen, zuckte der Teenager zusammen.

„Ares? Bist du das?“, rief Jo fragend.

Klopfend stand seine blonde Mitbewohnerin an der Tür.

„Seit wann bist du wieder da?“ Kaum hatte sie die Frage gestellt, drehte sich der Türknauf und Jo quetschte sich, ohne auf eine Antwort zu warten, zwischen Tür und Angel.

Panisch riss Ares die Hände hoch. Er hatte noch seine Verkleidung an!

Vergessen war das Tattoo und was passiert war. Sie dürfte ihn so nicht sehen! 

Wieder entfloh ihm ein kleiner Impuls aus der Hand, ohne dass er es kontrollieren konnte. Wie eine unsichtbare Welle löste es sich aus seinen Händen und umfing das Mädchen. Jo wurde mit einem Mal langsamer, bewegte sich in Zeitlupe.

Oh Gott, jetzt habe ich auch noch die Zeit angehalten?!, panisch sah der Teenager auf seine Freundin.

Was sollte er jetzt tun?! Wie konnte er das rückgängig machen?!

Ares raufte sich die Haare. Ging zu Jo, wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht, doch sie verzog keine Miene.

Gerade als Ares in Panik ausbrechen wollte, bemerkte er die minimale Bewegung ihrer Haare. Scheinbar hielt es nicht für lange.

Ares sah wie Jos Körper langsam aus der Starre erwachte, ihre Bewegung tauten auf. Erleichtert seufzte der Teenager auf, doch blieb ihm nicht viel Zeit um sich darüber zu freuen. Er hatte immer noch seine Verkleidung an. Schnell riss er sich die Sachen vom Leib und stopfte sie in den Schrank. Gerade noch rechtzeitig, denn Jo erlangte im gleichen Moment, wie Ares sich die Jogginghose hochzog, ihre normale Geschwindigkeit wieder.

„Wieso stehst du hier nur in Hosen rum?“ Die Blondine sah ihn skeptisch an, wand den Blick jedoch nicht von ihm ab.

Ares Atmung ging schnell und unkontrolliert. Er füllte sich, als wäre er einen Marathon gelaufen. Das Adrenalin in seinen Venen, wollte nicht aufhören zu rasen.

Kurz räusperte sich der Schwarzhaarige. Jos Musterung war ihm unangenehm, also schnappte er flink sein Oberteil, streifte es sich über und versuchte die Blondine dabei nicht anzusehen, zu peinlich war ihm die Situation. 

„Das ist mein Zimmer!“, blaffte Ares seine Gesellschaft an. „Ich kann hier rumlaufen wie ich will!“

Der Schwarzhaarige spürte, wie Hitze seine Wangen hochkroch. War das peinlich!

Jos Blick verfinsterte sich augenblicklich und im nächsten Moment bereute es Ares, sie so angefahren zu haben. Das Donnerwetter, welches kommen sollte, würde er sich am liebsten ersparen.

Jo öffnete den Mund, bereit Ares zu zerquetschen wie eine niedere Kreatur, plötzliches Gepolter lenkte die Beiden von der Situation ab. Ein Schlüssel wurde hektisch im Schloss gedreht, bis die Tür krachend aufflog.

„Leute ihr werdet nicht glauben, wenn ich gerade getroffen habe!“ Pax sauste in die Wohnung und blieb, hektisch atmend vor seinen Mitbewohnern stehen.

Seine Stirn glänzte vor Schweiß, ebenso sein durchnässtes T-Shirt. Abwartend sah er von Jo zu Ares und zog das nasse Stück Stoff über den Kopf. Entblößte die sich schnell bewegende Brust. 

„Wir sollten wohl raten“, flüsterte Ares dem Mädchen zu.

„Den heiligen Geist?“, seufzte sie jedoch theatralisch zurück.

„In Vegas wäre das sogar möglich“, lachte Ares auf und boxte Pax in die Schulter.

Doch das Gesicht des Anderen verzog sich zu einer sauren Miene, scheinbar war ihm nicht nach Scherzen zu mute. „Hört auf mit dem Quatsch!“

Ares wusste natürlich von wem er sprach, schließlich war der Magier ja dabei. Live und in Persona.

Auf einmal viel Ares etwas auf: Wie kam Pax so schnell her? Sie waren am anderen Ende der Stadt!

Fragen konnte ihn Ares ja schlecht... oder...

„Also erzähl, wenn hast du getroffen und wo?“ Mit verschreckten Armen, wartete Ares auf die Antwort.

Auf seinen Unterarmen bildete sich eine leichte Gänsehaut, als er an ihren Zusammenprall denken musste. Dieser Blitz... es war nicht normal.

Paxs Gesicht hellte sich wieder auf und das Strahlen kehrte wieder in die blauen Augen zurück.

„Es war Chapeau!“, verkündete er, als hätte er gerade im Lotto gewonnen.

„Wir sind uns am Polizeirevier über den Weg gelaufen. Das war sooo...“

„Polizeirevier? Das ist aber ein ziemliches Stückchen bis hierher.“, bemerkte Ares Stirnrunzelnd.

Wie hat es Pax so schnell hierhergeschafft?

„Ja, naja... da war ein Taxi... es. Es spielt doch jetzt keine Rolle wie ich herkam!“, brauste der blauäugig Teenager auf. „Habt ihr nicht verstanden was ich euch gerade versuche zu erklären?!“

„Ja doch, haben wir“, Jo verdrehte die Augen. „Du hast diesen Scharlatan getroffen. Ja und? Ist doch auch nur ein Mensch.“

Scharlatan? Aua!

„Ist ja nicht so, als würde er Babys aus brennenden Häusern retten oder so!“, schimpfte Jo.

Nun war die blonde Frau wirklich in Kampflaune.

Ob es zu spät ist, um die Kurve zu kratzen?! Dachte sich Ares schluckend. Mit den zwei Streitenden wollte er jetzt lieber nicht in einem Raum sein! Kurzentschlossen schob er die beiden über die Schwelle, schließlich standen alle noch in seinem Zimmer und knallte die Tür kurzerhand zu. Er brauchte dringend Schlaf. Sein Körper war ausgezehrt und matt. Ares wollte sich nicht vorstellen, wie weit seine Augenringe hängen mussten. Außerdem musste er sich nun dringend überlegen, wie er weiter machen sollte. „Chapeau“ wurde schließlich von der Polizei verhaftet. Dass warf immerhin ein schlechtes Image auf ihn und die Show und noch dazu die Sache mit den FBI...

Als sein Kopf endlich auf dem weichen Kissen lag, brauchte es keine fünf Minuten, ehe sich die grünen Augen schlossen und Ares in einen tiefen Schlaf fiel. 

 

Schatten rannten an ihm vorbei. Schreiend, Hilfe suchend, verzweifelt. Alles war in Düster, getaucht in Schwarz und Blau. Hin und wieder sah er Rot. Doch woher die Farben kamen, konnte er nicht einordnen. Sein Kopf schwirrte, drehte sich ohne einen klaren Gedanken fassen zu können.

Ein stehender Schmerz durchfuhr seinen Körper. Ließ in auf die Knie fallen. Da war wieder Rot. Es breitete sich aus. Unter ihm, vor ihm, über ihm. Überall!

Ares wollte schreien. Wollte um sich schlagen und von hier verschwinden.

Er blickte nach unten. Sah den Grund seines Schmerzes, fühlte die Klinke, die herausragte, ihn aufspießte.

Etwas Nasses ran ihm den Mundwinkel entlang. Sofort wischte es Ares weg. Rot. Wieder diese Farbe.

Ein Schatten rannte auf ihn zu. Mit glänzender Waffe erhoben. Ares hörte das Surren, das zerschneidende Geräusch.

Feedback

Logge Dich ein oder registriere Dich um Storys kommentieren zu können!

0
Augureys Profilbild
Augurey Am 20.06.2019 um 11:33 Uhr Mit 1. Kapitel verknüpft
Hallo CasBacker!
Willkommen auf Storyhub erstmal. Hab gerade in deine Geschichte reingelesen (nur den Prolog bisher) und muss sagen, die Hintergrundidee find ich sehr spannend und interessant. Ich liebe Zeitgenössische Fantasy und Magie und Zirkusluft klingt genau nach meinem Beuteschema (und passt auch gut zusammen). Leider gibt es an der Umsetzung soweit ich sie bisher gelesen habe, noch einiges an Verbesserungsbedarf. Ich fang mal mit dem Formalen an: Du solltest die Geschichte dringend nochmal auf Zeitformen überarbeiten, denn du wechselst ständig zwischen Gegenwart und Vergangenheit, was nicht nur falsch ist, sondern auch den Lesefluss sehr hemmt. Die Einschübe, in denen du den Leser direkt ansprichst, waren ebenfalls eher ein Hemmnis und verwirrend, vorallem der zweite als du in die Ich-Perspektive gewechselt bist. Und auch sonst sind so einige Fehler und Stilblüten drin. Zu Chapeu (der mir herzlich unsympathisch ist) könnte ich viel sagen, aber da ich nicht weiß, ob das Absicht ist, schweige ich erstmal. Mein Tipp: Wenn du wirklich in ein paar Passagen den Leser direkt ansprechen willst, dann mach es mit einer völlig neutralen, außenstehenden Stimme und lasse Sachen wie "So, jetzt ist der Hase aus dem Hut - kleiner Scherz unter Zaubern." weg. Denn die sind es, die verwirren. Ich hoffe, du konntest was mit meinem Feedback anfangen. Denn wie gesagt, die Hintergrundidee gefällt mir sehr gut und ich würde mich freuen, wenn daraus was Gutes werden würde. Den Kartentrick fand ich übrigens sehr interessant! Grüße, Augurey
Mehr anzeigen
CasBackers Profilbild
CasBacker (Autor)Am 20.06.2019 um 13:21 Uhr
Hallo Augurey,
danke für deine Kritik und Lob. Ich bin gerade dabei alles noch mal durchzulesen und die beschriebenen Passagen zu ändern. :)
Schade das Chapeau auf dich unsympathisch wirkt. Ich hoffe, das ändert sich im Laufe der Geschichte. ^^

Gruß
Cas

Autor

CasBackers Profilbild CasBacker

Bewertung

Noch keine Bewertungen

Statistik

Kapitel:3
Sätze:1.226
Wörter:14.256
Zeichen:83.180

Kurzbeschreibung

Der 19-jährige Ares ist Zauberkünstler aus Leidenschaft. Mit seiner eigenen Show in Vegas, verdient er so sein Geld. Doch Ares hat ein Geheimnis... seine Magie ist echt! Woher er die kam und was es damit auf sich hat, weiß er nicht. Bis plötzlich ein Dieb auftaucht und sich als Doppelgänger ausgibt. Vielleicht kann der mysteriöse Maskierte im verraten, woher diese Kräfte kamen, denn der Andere hat auch welche... genau wie Ares! Ein Abenteuer beginnt und offenbart Ares nicht nur seine Gefühle, sondern auch sein Schicksal.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Fantasy auch in den Genres Abenteuer, Liebe und Freundschaft gelistet.