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ELEMENT - Das Schicksal der Erde

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13.6.2019 14:07
16 Ab 16 Jahren
Heterosexualität
Fertiggestellt

2 Charaktere

Wood

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Watery

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Gestern noch war es undenkbar, heute ist es ein Wunder und morgen schon, ist es eine Legende.
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Pró-lógos

Sie bezeichnen sich selbst als die Schöpfer, die vier großen Gottheiten, von denen jeder ein Element verkörpert: Behemoth, der Herr der Erde, Leviathan, die Herrin des Wassers, Ziz, der Herr des Himmels und Tannin, der Herr des Feuers.

Zusammen erschufen sie aus dem wirbelnden Chaos des Nebels und des Erebos die wunderbare Welt ‚Gäa‘. Tannin umschloss mit seinen schmelzenden Feuern die Erde Behemoths und sorgte mit der Hilfe von Leviathans Wasser für fruchtbaren Boden. Nach und nach überzogen weite Wiesen und Wälder die trostlosen Ebenen. Flüsse und Bäche bahnten sich ihre Wege durch die endlosen Gebirgsketten und riesige Ozeane umschlangen die Lande mit ihren breiten und goldfarbenen Küsten. In den kalten Gegenden fegte Eis und Schnee über die gefrorene Erde und in den warmen Gebieten brannte das unsichtbare Feuer über den heißen Sand.

Doch Ziz, der das gewaltige Himmelsgewölbe über Gäa beherrschte, missfiel der geringe Einfluss auf die Entstehung ihrer neuen Welt. Denn egal wie viel Luft er über sie auch hinweg blies, es hatte nie die schöpferische Kraft der anderen drei Elemente. Daher beschloss er seine Seele, die, wie auch er, aus Luft bestand, wie eine heruntergefallene Tonscheibe zu zerbrechen und hinab auf die leblose Welt zu schicken. Seine so entstandenen Seelensplitter, die auf Ewigkeit mit seinem Luftelement in Verbindung stehen werden, flossen in die Umgebung ein und setzten sich in sogenannte Medien fest, also Objekte, die eine Seele in sich aufnehmen konnten. Schon bald wandelten die ersten Tiere, Fabelwesen und andere Geschöpfe auf Gäa umher und entwickelten ohne sein weiteres Zutun einen eigenen Lebenszyklus. Wenn ein Medium starb, kehrte die Seele von ganz allein zu Ziz in den Himmel zurück. Sie wird dort automatisch von jeglichen Erinnerungen und Gefühlen gereinigt und dann erneut auf Gäa in einem neuen Körper wiedergeboren. Viele Jahrtausende hielt sich dieser Zyklus aufrecht und ließ immer neue Formen und Gestalten entstehen.

Obwohl die vier großen Gottheiten jederzeit über Gäa wachten, übersahen sie dennoch eine Gattung, die sich deutlich schneller entwickelte, als jede andere und zwar die Menschen. Sie breiteten sich weit über die Grenzen ihres Lebensraumes hinweg aus. Dabei rodeten sie ganze Wälder nieder, um an deren Stelle ihre endlos wachsenden Dörfer und Städte zu errichten, pflügten große Flächen Land für Getreide und Feldfrüchte um und tranken auf ihren Wegen Flüsse und Seen leer. Es ging so weit, dass sie die Lebensräume anderer Lebewesen zerstörten und sich sogar selbst untereinander bekriegten. Alles, was die vier Schöpfer einst erbaut hatten, wurde von ihnen in kürzester Zeit wieder vernichtet. Den Göttern missfiel dieses zerstörerische Verhalten, auch, weil sie das Gleichgewicht ihres neu erschaffenen Lebens gefährdet sahen. Da sie aber außerhalb ihres Elements nicht eingreifen konnten, versuchten sie sie stattdessen mit verheerenden Erdbeben, Überschwemmungen, Stürmen und Vulkanausbrüchen für immer von ihrer Welt zu verbannen. Doch die Menschen überstanden die schlimmsten Katastrophen und breiteten sich bei dem kleinsten Anzeichen von Ruhe weiter über Gäa aus. Auch Ziz konnte seine so leichtfertig herausgegebenen Seelenteile nicht so einfach wieder zu sich holen, da sie, je länger sie von ihm getrennt waren, immer mehr einen freien Willen entwickelten und sich daher nicht mehr zusammensetzen ließen.

Um ihre Welt nicht vollständig zu verlieren, denn das war es, was sie bei dieser andauernden Zerstörung voraussahen, waren die Gottheiten gezwungen, wenige Auserwählte der Menschen mit ihren vier elementarischen Kräften: Erde, Wasser, Luft und Feuer zu versehen. Mit diesen sollten sie das Gleichgewicht und den Frieden auf Gäa wiederherstellen. Damit sie jedoch nicht abermals die Kontrolle über das Geschehen verloren, verbanden sie ihre geschenkten Gaben dieses Mal mit ihren Gesetzen und Idealen. Die wenigen Auserwählten der Menschen, und damit auch die ersten Elementare, nannten sich selbst Kronos. Sie bildeten aus ihrem jeweiligen Element, mit der Zeit, immer mächtigere Techniken aus. Sie kombinierten ihre Kräfte sogar untereinander, um somit auf neue, noch stärkere und vielfältigere Elemente zugreifen zu können. Ihre Fähigkeiten und die Verbundenheit mit den Göttern machten sie unfassbar stark, überlegen und dennoch unantastbar gegenüber jeglicher Art von Gewalt und Bosheit. Mit ihrer übermächtigen Stärke boten sie den Menschen Schutz vor den unzähligen Gefahren Gäas an, wenn sie im Gegenzug diese nicht mehr zerstörten. Dieses Abkommen zwischen den Menschen und Elementaren hält bis heute an und wird auch so schnell nicht wieder gebrochen werden.

Doch trotz der fast überall hoch angesehenen Elementare werden die immer größer werdenden Spannungen zwischen den unzähligen Völkern Gäas dem ewigen Frieden schon bald ein Ende setzen und den vielleicht größten und folgenschwersten Krieg der Menschheitsgeschichte entfachen.


Abschnitt I – Die Theus-Prüfung

Kap.    1  -  Der Morgen über Nereid
Kap.    2  -  Wood und Sand
Kap.    3  -  Das Prüfungsgelände
Kap.    4  -  Die Besprechung
Kap.    5  -  Bezaubernde Watery
Kap.    6  -  Der Kampf gegen den Zyklopen
Kap.    7  -  Ringmoon
Kap.    8  -  Das Erwachen
Kap.    9  -  Eine zweite Chance?

Abschnitt II – Ein unausweichliches Ereignis

Kap. 10  -  Ajax
Kap. 11  -  Der blaue Palast
Kap. 12  -  Schwere Schicksale
Kap. 13  -  Die geheime Versammlung
Kap. 14  -  Brüderchen Root
Kap. 15  -  Der erwünschte Einbrecher
Kap. 16  -  Das Amphitheater
Kap. 17  -  Ein äußerst gefährlicher Auftrag
Kap. 18  -  Der wahre Hintergrund
Kap. 19  -  Flame und Pyro

Abschnitt III – Der Wald Hestia

Kap. 20  -  Die Reise beginnt
Kap. 21  -  Der erste Angriff
Kap. 22  -  Zwischen Spott und Vernichtung
Kap. 23  -  Unterwelt
Kap. 24  -  Der Idyllische See
Kap. 25  -  Echte Liebe?
Kap. 26  -  Eine tragische Jagd
Kap. 27  -  Die kleine Katze
Kap. 28  -  Der Kriegsrat

Abschnitt IV – Bis an die Grenzen

Kap. 29  -  Streitigkeiten
Kap. 30  -  Das sinnlose Duell
Kap. 31  -  Der Tod von Innen
Kap. 32  -  Soakings Auftauchen
Kap. 33  -  Langeweile
Kap. 34  -  Wundersame Träume
Kap. 35  -  Die Waldgeister
Kap. 36  -  Der Anfang einer großen Liebe
Kap. 37  -  Abscheulicher Tierfriedhof
Kap. 38  -  Die Hetzjagd

Abschnitt V – Das Orakel von Delphi

Kap. 39  -  Der Nabel der Welt
Kap. 40  -  Die 13 Soulhunter
Kap. 41  -  Morgendlicher Lärm
Kap. 42  -  Das gemeinsame Training
Kap. 43  -  Zeichen setzen
Kap. 44  -  Das Ritual der Pythien
Kap. 45  -  Die erste Vorhersage
Kap. 46  -  Die zweite Vorhersage
Kap. 47  -  Pythons Zorn

Abschnitt VI – Ein Stein, eine Liebe, ein Geheimnis

Kap. 48  -  Ein großer Fehler
Kap. 49  -  Süchtig nach dem Stein
Kap. 50  -  Wer trägt die Last?
Kap. 51  -  Die Entschlüsselung der Weissagung
Kap. 52  -  Gefühlschaos
Kap. 53  -  Das Brechen der Grenzen
Kap. 54  -  Vertrauen gewinnen
Kap. 55  -  Die Beichte
Kap. 56  -  Traumjäger

Abschnitt VII – Ein Wink der seltsamen Zwischenfälle

Kap. 57  -  Der Körpertausch
Kap. 58  -  Angriff der zwei Kämme
Kap. 59  -  Neue Erfahrungen
Kap. 60  -  Eine heikle Angelegenheit
Kap. 61  -  Die duplizierenden Pflanzen
Kap. 62  -  Gemeinsam sind wir stark
Kap. 63  -  Aufbruch
Kap. 64  -  Die Jagd nach dem goldenen Fisch
Kap. 65  -  Woods sehnlichster Wunsch
Kap. 66  -  Die Macht der Symbole

Abschnitt VIII – Unzertrennlich

Kap. 67  -  Ein folgenschwerer Konflikt
Kap. 68  -  Verständnis zeigen
Kap. 69  -  Vier Verehrer und eine Geschichte
Kap. 70  -  Die Todesvision
Kap. 71  -  Ice und Diamond
Kap. 72  -  Im Bann der Sirenen
Kap. 73  -  Die Kraft des Glaubens
Kap. 74  -  Eine unglaubliche Rettung
Kap. 75  -  Zärtliche Berührungen

Abschnitt IX – Am Rande des Wahnsinns

Kap. 76  -  Ajax vs. Root
Kap. 77  -  Untergang der Kulturen
Kap. 78  -  Der Stausee
Kap. 79  -  Verkehrte Welt
Kap. 80  -  Der Bau der Foliage
Kap. 81  -  Wildes Zusammenspiel
Kap. 82  -  Rückkehr nach Hestia
Kap. 83  -  Eine schier unmögliche Flucht
Kap. 84  -  Jäger und Gejagte
Kap. 85  -  Zweifel


Glōssario

Danksagung

 


Kapitel 1 - Der Morgen über Nereid


 

Die ersten Lichtstrahlen des Helios durchbrachen schwach die Nebeldecke über Nereid. Einige Ziegeldächer und Turmspitzen ragten aus dem Nebel hervor und ließen nur erahnen, welch eine große und prachtvolle Stadt sich darunter verbarg.

Nereid war die Hauptstadt der Menschen von Thessalien, Hochburg der Elementare und Zufluchtsort aller heimatlosen und ziellos umherirrenden Wanderer. Zu ihrer bedeutsamsten Zeit war die Stadt nicht nur die größte im gesamten hellenischen Reich, sondern galt auch in vielen Bereichen der Philosophie, Wissenschaft, Architektur, Kunst und Astronomie als führend. Dies war aber vor allen Dingen den stark mit der Natur verbundenen Elementaren zu verdanken, die schon seit ihrem Anbeginn hier wohnten. Denn durch ihre Fähigkeiten verstanden sie mehr über die Naturphänomene und ihre Zusammenhänge, als es ein Mensch jemals könnte. Da die Gefahr bestand, dass die ringförmige Stadt oft Ziel eines Angriffes durch andere Länder werden konnte, wurde schon beim Erbau darauf geachtet, sie durch den im Norden befindlichen Götterberg Othrys zu schützen. Auch der im Osten und Westen befindliche Wald Hestia, der schon seit Ewigkeiten Menschen den Zugang erheblich erschwerte und Nereid fast vollständig umschloss, machte es Belagerern unmöglich, sie von den Seiten her einzunehmen. Trotz der enormen Größe Nereids war der einzige Zugang für Händler und Durchreisende die ungeschützte Südseite, der Demeter. Entlang des Demeters, welcher vor allem von Bauern bewirtschaftet wurde, wurde deshalb eine riesige, aus rotem, schwarzem und weißem Naturstein gefertigte Palisadenmauer von beachtlicher Erscheinung erbaut. Allein das Stadttor maß weit über 60 Fuß und alle zwei Stadion weit entfernt stand ein steinerner Wachturm. In diesem wiederum waren mehr als 20 Stadtwächter untergebracht und konnten bei Gefahr in wenigen Minuten mit zusätzlichen Hopliten aufgestockt werden. Diesen, und den verhältnismäßig vielen dort lebenden mächtigen Elementaren, war es zu verdanken, dass es einem feindlichen Heer noch nie gelungen war, näher als bis zur Stadtmauer zu gelangen.

Heute war es ruhiger als sonst. Denn nur wenige Menschen waren bereits erwacht, die die herrlichen Gesänge der einheimischen Vogelwelt vernehmen konnten. Die Bewohner, die weitläufig als Nereiden bezeichnet wurden, fühlten sich in ihrer schönen Stadt sicher. Dies lag unter anderem auch daran, dass sie annahmen, dass die vier Schöpfer auf der Spitze des Berges Othrys lebten und über sie alle wachten. Denn wie an jedem Morgen lag auch heute wieder der Schatten des Berges wie eine schützende Hand über dem nebelverhangenen Nereid. Es zeichnete sich im Augenblick allerdings eine kleine Unebenheit auf der ansonsten glatten Oberfläche des Felsens ab. Erst von Nahem konnte man erkennen, dass es sich dabei um eine Person handelte, die versuchte an der steilen Felswand hinaufzuklettern.

Die Person war ein junger Mann namens Wood. Er hatte stark verfilztes Haar und einen freien Oberkörper, der kräftig gebräunt, durchtrainiert und mit etlichen blauen Schriftzeichen verziert war. Um seinen Hals trug er einen, an einem Lederband befestigten blauen Stein und um seine Taille war ein Gürtel aus breiten Stoffbahnen geschnürt, an dem ein kleines Messer hing. Er trug eine geflickte, weite Hose mit Schnallen an beiden Seiten und auf seinem Rücken war ein großes, stabiles Fass geschnallt. Seine für Fremde so schon ungewöhnliche Erscheinung wurde noch dadurch verstärkt, dass aus seinen Fingern und Zehen feste Wurzeln hervortraten, die sich in die harte Felswand bohrten. Er war ein geschickter, allerdings auch waghalsiger Elementar, der die Macht über das Holz besaß. Er konnte frei über es verfügen, aber wie alle Elementare, war auch er an die Gesetze der Natur gebunden und musste sich an deren strenge Regeln halten. Nur durch diese war es ihm aber unter anderem möglich, solch eine steile Bergformation fast ohne Probleme zu erklimmen. Vollkommen verschwitzt wischte sich Wood mit seiner rechten Hand den Schweiß von der Stirn. Anschließend legte er seinen Kopf weit in den Nacken und spähte hinauf zum nächsten Felsvorsprung. Wood hielt kurz inne, um neue Energie zu sammeln. Nach einem kurzen, aber kraftvollen Sprung ergriff er mit seiner freien Hand den Vorsprung. Schnell traten die Wurzeln erneut aus den Fingern hervor und bohrten sich in das gräulich schimmernde Gestein, wobei kleine Steinchen abplatzten und an der Felswand herunter rieselten. An einer Hand nun lose über dem scheinbar endlosen Abgrund hängend, holte er ein wenig Schwung und klammerte sich wieder mit allen Vieren an dem Bergrücken fest. Der nächste Abschnitt wies keinerlei Risse oder Vertiefungen zum Festhalten auf und so kletterte er nur mit der Hilfe seiner Hand- und Fußwurzeln Stück für Stück weiter die steile Gesteinsformation empor.

Nach ein paar Fuß weiter bergauf fiel seine Aufmerksamkeit auf den Schatten seines linken Arms. Er kletterte jedoch zunächst noch weiter, bis er auf einmal anhielt und nachdenklich auf der Stelle verharrte. Wood blickte erneut auf den Schatten seines Armes. Er zog die Wurzeln seiner Hand aus dem Gestein und hielt ihn etwas weiter vom Felsen weg, damit er für ihn wie der Zeiger einer Sonnenuhr fungieren konnte. Der Helios war beim Aufgehen nämlich inzwischen um die Bergkante herumgekommen und verursachte nun bei Woods Arm einen langgezogenen, gut erkennbaren Schatten. Dies versetzte ihm einen leichten Schreck. Er sah zwar sicherheitshalber noch einmal neben sich, um den genauen Stand des Helios zu prüfen. Doch er ging stark davon aus, dass er zu spät kommen würde, wenn er sich jetzt nicht auf den Rückweg machte. Wood sah nach oben und stöhnte. Er hatte noch nicht einmal die Wolkengrenze erreicht, die die Spitze des Berges verborgen hielt. Er verlagerte seine Position und musterte mit zu Schlitzen geformten Augen den Nebel unter sich, in der Hoffnung vielleicht irgendetwas darin erkennen zu können. Doch das war unmöglich. Ein kleiner glitzernder Schweißtropfen perlte von seiner Nasenspitze herunter, welcher hinab sauste und auf ewig in dem undurchsichtigen Nebelschleier verschwand. Mit dem Gesicht wieder zum Felsen, stemmte sich Wood, ohne die Wurzelfinger zu lösen, mit seinen Füßen gegen die Gesteinswand. Er blieb für kurze Zeit in dieser hockenden Position und hielt seinen Atem an. Dann lockerte er seine Wurzeln, stieß sich mit beiden Beinen so stark wie möglich von der Wand ab und ließ sich rücklings vom Bergrücken fallen. Unter seinen Füßen befand sich nun der schwach rötlich schimmernde Himmel und über seinem Haupt das unter der Nebeldecke befindliche Nereid. Wood schloss die Augen, breitete die Arme weit aus und genoss den langen Weg im freien Fall nach unten. Ein kalter Wind der morgendlichen Frische fegte ihm dabei übers Gesicht und füllte beim Einatmen seine Lungen wieder langsam mit Luft. Ein entspanntes Lächeln breitete sich über seine Mundwinkel aus, denn in seinem Bauch verspürte er ein aufregendes Kribbeln. Die Kleidung flatterte vom starken Fallwind wild hin und her. Kopfüber tauchte er durch den immer dünner werdenden Dunst und drehte sich, bevor er vollständig hindurchtrat, langsam um seine eigene Achse. Über Wood tat sich der Nebel wieder vollständig auf und hätte ihm einen herrlichen Blick über das wunderbare Nereid mit seiner einzigartigen steinernen Architektur geben können, doch noch hatte er die Augen geschlossen und ließ den Wind weiter um seinen Körper wehen.

Kurz über den höchstliegenden Häusern der Stadt riss Wood die Augen weit auf. Blitzschnell schleuderte er eine aus seinem Handgelenk kommende Ranke auf die erstbeste Kuppelspitze zu, die er in seiner Nähe erspähen konnte. Er schwang, fest mit beiden Händen an der Ranke ziehend, ein kurzes Stück daran und drehte sich wie eine Schraube zwischen zwei eng aneinander stehenden Häusern hindurch. Er ließ auf der anderen Seite wieder los und rutschte, um seine enorme Geschwindigkeit noch weiter zu verringern, mit den nackten Füßen auf dem Holzbalken eines Vordaches herunter. Dabei hielt Wood nach seinem nächsten vor ihm liegenden Weg ausschau. Erneut kam eine Ranke aus seinem Handgelenk. Diese wickelte er dieses Mal um eine vor ihm befindliche Brücke, die den Übergang zweier steinerner Türme bildete. Mit einem kraftvollen Zug an der Ranke schwang er sich unter ihr hindurch auf einen der vielen Tempel der Stadt zu. Dabei schauten ihm zwei Stadtwächter auf der Brücke hinterher, die ganz überrascht waren, was gerade mit so hoher Geschwindigkeit unter ihnen hindurch geflogen war.

Nachdem er den Tempel erreicht hatte, ließ Wood die zuletzt erschaffene Ranke an der Kante des Tempeldaches abrupt los und schoss durch die Schwungkraft wie ein Pfeil durch den menschenleeren Seitengang des Tempels. Links und rechts schnellten an ihm die riesigen schneeweißen Marmorsäulen vorbei. Kurz vor dem Ende des Tempels griff Wood nach den Rillen der letzten Säule und schwang sich um sie herum. Er stieß sich mit den Beinen an der Säule ab und sprang auf die Spitze eines nahestehenden Holzpfahls. Von da aus nutzte er die Vorwärtsbewegung des Absprunges und hopste zum nächsten Holzpfahl und übernächsten, immer weiter geradeaus. Beim letzten ließ Wood sich absichtlich fallen und glitt über einen umgestürzten Steinquader direkt in ein Erdloch einer verfallenen Ruine. Durch ein kurzes Tunnelsystem rutschend, in einer Kurve gekonnt mit einer Hand unter sich und den Füßen an der Decke, kam er auf der anderen Seite wieder richtig herum heraus. Dort ließ er sich, mit einem zufriedenen Grinsen, ein kurzes Stück hinter dem Felsvorsprung, auf dem der zerstörte Tempel einst erbaut wurde, fallen. Wood wusste, was er tat. Er kannte die Dächer Nereids wie kein zweiter. Es gab keinen schnelleren Weg durch die Stadt als seinen. Und so ging es auch weiter, immer sein Ziel im Auge. Mit einer weiteren Ranke schwang er sich durch die offenen Fenster quer durch die oberste Etage eines mehrstöckigen Wohngebäudes. Ein gerade aus seinem Bett aufgestandener Mann bemerkte nur noch den Luftzug, nachdem Wood schon durch sein Schlafzimmer hindurch gesaust war. Auf der anderen Seite des Gebäudes machte Wood mit Hilfe zweier Ranken einen Salto in der Luft und stieß sich von einer Hauswand ab. Von dort aus drehte er sich im Sprung zu einem Fahnenmast, der aus einem grünlichen Flachdach waagerecht herausschaute. Nachdem er die Stange gefasst hatte, drehte er sich noch zweimal um sie, flog gut zwanzig Fuß zu Boden und landete dann direkt vor den Füßen einer Person.

RUMMS!

 


Kapitel 2 - Wood und Sand


 

Sand, Elementar des Sandes und Woods bester Freund, schaute mit einem kritischen Blick zu ihm herunter. Wood, dessen viele Manöver ihn augenscheinlich kaum angestrengt hatten, richtete sich aus der kleinen Vertiefung, die er beim Aufschlag hinterlassen hatte, auf, klopfte sich den Staub von der Hose und zog die Lederriemen an seinem Fass nach. Erst jetzt sah er zu Sand hoch. Er pustete ein paar Haarsträhnen zur Seite und erblickte dann seinen schüttelnden Kopf.

„Was ist? Warum siehst du mich so an?“, fragte Wood mit seiner von Natur aus tiefen, aber dennoch sanftmütigen Stimme. Dabei öffnete und schloss er mehrmals seine Hände, da seine Finger von der langen Klettertour steif geworden waren und schmerzten. Sand erwiderte nichts, sondern drehte sich von ihm weg und pausierte kurz auf der Stelle. Dann ging er die menschenleere Gasse hinunter. Wood folgte ihm eiligst.

Sand war etwas kleiner als Wood und trug am ganzen Körper viele Stoffe und Gewänder. Das einzig Auffällige an seiner gesamten Erscheinung war eine kleine Tasche an seiner Taille, weil ansonsten alles andere unter den breiten Gewändern verdeckt war. Um seinen Kopf, hatte er ein weisses Tuch gewickelt, das seine Haare verdeckte. Wood vermutete aufgrund der Farbe von Sands Augenbrauen, dass es hellbraun war. Sicher konnte er sich aber nicht sein, weil er ihn noch keinen einzigen Morgen ohne Kopftuch gesehen hatte. Wood verstand sich schon immer gut mit Sand, was auch daran lag, dass er demselben Elementar-Grundtyp angehörte wie er. Aber im Gegensatz zu ihm war Sand eher der typischere Elementar. Denn er lebte konsequent nach deren harten Regeln und übte sich strebend in Geduld und Bescheidenheit. Er bereitete sich immer auf alles gut vor und benutzte seine Fähigkeiten wirklich nur im Training oder im äußersten Notfall.

Beide folgten dem abschüssigen Verlauf der Gasse, die, von dem mit einem grünen Dach versehenen Badehaus, welches den beiden als Treffpunkt diente, wegführte. Links und rechts der Gasse standen, mit einfachen Mosaiken besetzte, blaue Mauern, die gelegentlich durch Hinterhofeingänge unterbrochen wurden. Nach ein paar Schritten innerer Ruhe antwortete Sand seinem Freund mit einem ermahnenden, aber beherrschten Unterton. Dabei wendete er jedoch seinen Blick von dem Weg vor ihm nicht ab.

„Du bist zu spät, Wood! Du solltest die Theus-Prüfung ein wenig ernster nehmen, sonst wird dich dein überschwänglicher Charakter noch zu den Wegen der Ate führen.“

Wood zog eine Augenbraue hoch und sah zu seinem Freund.

„Der Weg ist das Ziel, mein alter Freund. Ich nehme die Prüfungen sogar sehr ernst. Um sie zu bestehen, gehe ich nur einen anderen Weg, als du“, sagte Wood selbstsicher, hielt dann aber doch kurz inne und fuhr gedankenversunken fort: „Aber die Stadt mit ihren vielen Menschen und beengenden Häusern stört meine elementarische Verbindung mit der Natur. Erst auf dem Berg bekomme ich ihre Nähe wieder zu spüren, die mir dann neue Kraft schenkt. Kraft, die ich für diese Prüfung sehr gut gebrauchen kann.“

Sand wäre bei diesen Worten beinahe ein Lächeln über die Lippen gehuscht. Er wusste zwar, welche Wirkung es für einen Elementar hatte, der Natur nahe zu sein und am besten sogar noch auf dem Götterberg Othrys, an dessen Spitze es vor elementarischer Energie nur so strahlte. Aber er konnte seine Worte trotzdem nicht so richtig ernst nehmen. Denn er kannte Wood schon seit so vielen Sternenzyklen und war sich daher sogar ziemlich sicher, dass er die Prüfung heute beinahe vergessen hatte. Woods leichtfertige Art und Weise, Ziele zu erreichen, würde er nie verstehen. Vor allem dann nicht, wenn man bedachte, welch großes Ziel heute noch vor ihnen lag.

Sand und Wood bogen auf eine wesentlich breitere und belebtere Straße der Stadt ab. Schmieden, Werkstätten der Zimmerer, Töpfer, Färber und Weber, aber auch große Wohnhäuser von bis zu drei Stockwerken und mehr säumten die aus Kopfsteinpflaster bestehende Straße. Tiefe Furchen hatten sich mit der Zeit in sie gegraben, die es den Leuten mit ihren Fuhrwerken und Handkarren immer schwerer machten, voranzukommen. Zudem wirbelten die vielen rotierenden Räder stetig feinkörnigen Sand auf, sodass die Straßen und Wege davon überall leicht eingetrübt waren. Selbst so früh am Morgen waren auf einer der wichtigsten Hauptverkehrsadern Nereids schon erstaunlich viele Menschen unterwegs, auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen bei den Händlern, die sich im untersten Ring angesiedelt hatten. Es hatte zwar noch kein Stand geöffnet, aber jeder wollte der Erste sein, wenn es darum ging, die besten Stücke für sich zu beanspruchen. Die Leute kannten die Elementare und deren machtvolle Atmosphäre, wenn sie sich in ihrer Nähe befanden und daher beachteten sie Wood und Sand kaum. Nur ein paar Kinder beendeten kurz ihr Spiel und schauten den Beiden neugierig hinterher. Sie gingen, dessen aber ungeachtet, schweigend die lange Straße weiter hinunter, bis sie an einigen Tempelanlagen vorbeikamen. Es gab viele Heiligtümer und Tempel in Nereid, die aus Ehrfurcht und Achtung vor ihren Göttern erbaut wurden. Neben den vier großen Gottheiten glaubten die Menschen nämlich auch noch an viele andere, die sie für ihr Handeln befragen und verantwortlich machen konnten, wie Hyperion, der Gott des Helios, Artemis, die Göttin der Jagd oder Gnosis, der Gott der Erkenntnis.

Sand bog um den zweistöckigen Tempel des Äolos, dem Hüter der Winde, der mit der Zeit schon stark verwittert war, und Wood folgte, wie Sand feststellte, nur zögerlich.

„Hast du dir das Prüfungsgelände denn nicht schon angesehen?“, fragte ihn Sand daraufhin überrascht und blickte zu ihm zurück. „Es wird doch schon seit mehreren Morgen aufgebaut.“

Beide sahen sich argwöhnisch an.

„Wenn du den Pfad deines Weges kennst, achtest du nicht mehr so sehr auf ihn und tapst schneller in eine Falle. Ein wahrer Krieger sollte sich deshalb auch immer auf sein Wissen verlassen und nicht auf das vorher Gesehene blind vertrauen, Sanny“, antwortete Wood ihm darauf gelassen, was sich sogar leicht amüsiert anhörte.

Sand wusste, dass Wood sich mit dieser Art zu reden immer über seine geschwollene Aussprache lustig machte. Daher reagierte er auch gar nicht weiter auf seine lästerliche Äußerung, sondern blieb einfach stehen und drehte sich immer noch zu ihm blickend zur Seite, so dass Wood an ihm vorbeischauen konnte.

„Reicht dein momentanes Wissen auch für das dort unten aus?“, fragte Sand mit finsterer Miene und deutete mit seiner rechten Hand auf das Ende des Weges.

Das vor ihnen befindliche offene und große Gelände überraschte Wood nun doch sehr. Er machte noch ein paar wenige Schritte nach vorne, wobei sich sein Gesichtsausdruck, je genauer er hinsah, immer mehr zu einem Staunen verzog.

 


Kapitel 3 - Das Prüfungsgelände


 

Die diesjährige 7. Theus-Prüfung fand, wie alle anderen Prüfungen auch, auf dem Lehr- und Trainingsgelände der Elementarjugend statt. Nur war es dieses Mal mit gigantischen Gehegen und Käfigen übersät, worin verschiedenartige, monströse Untiere eingesperrt oder angekettet waren. Ein langer abschüssiger Pfad, sowie drei weitere Pfade, einer aus jeder Himmelsrichtung, führten zwischen den abgesperrten Bereichen zu dem im Zentrum befindlichen Hain hinunter. Der Hain war ein rundliches Gebäude aus Holz und Gestein, das von ellenbreiten Holzpfählen, wie bei den Säulen eines Tempels, umsäumt war. Rechts und links gab es noch zwei Anbauten und vor dem Gebäude stand gut sichtbar eine große Sonnenuhr, die mit der Hilfe des Helios die momentane Uhrzeit anzeigte. Etliche Teilnehmer und dutzende neugierige Zuschauer hatten sich um die Umzäunungen versammelt, um die darin befindlichen Wesen besser bestaunen zu können. In den Gehegen konnte man erkennen, wie einige Elementare und freiwillige Helfer versuchten, die schier unmögliche Aufgabe zu bewerkstelligen, die wilden Kreaturen unter Kontrolle zu bekommen. Das Gebrüll der unzähligen Tiere lag in der Luft, was gelegentlich durch einen Aufschrei oder einen aufgebrachten Ruf unterbrochen wurde. Das Ganze hatte etwas so Bizarres, dass niemand es so richtig hätte beschreiben können. Denn an diesem Ort trafen sich die Ordnung der fast vollkommen symmetrisch angelegten Anlage, mit dem Chaos der sich darin befindlichen Naturgewalten.

Auch wenn es Woods Stolz widersprach, musste er zugeben, die Lage bei weitem unterschätzt zu haben. Bei dem, was er jetzt sagte, ließ er eine deutlich erkennbare Unsicherheit in seiner Stimme erklingen. „Fabelwesen?!“

Sand erkannte sein leichtes Unbehagen sofort, sagte jedoch, trotz seiner Genugtuung ihm gegenüber, nichts. Denn einem Fabelwesen allein stand schon jeder ehrfurchtsvoll gegenüber, doch so vielen von ihnen und das auch noch auf so engem Raum, hätten selbst den tollkühnsten Mann auf der Stelle erschaudern lassen. Sand bezweifelte, dass irgendjemand vor dieser Prüfung jemals auch nur im Entferntesten eines solch außergewöhnlichen Anblicks zu Teil werden konnte. Beide blieben noch kurz auf ihrer erhöhten Position stehen, wobei eine leichte Windböe über die Anhöhe hinwegfegte. Sie überblickten mehrmals schweigend den riesigen Platz, doch es gab einfach viel zu viele Details, als das sie alles hätten im Kopf behalten können.

Schließlich begaben sie sich über eine schmale Treppe zu dem überschaubaren Gelände herunter. Als sie unten angekommen waren, kamen sie an den ersten eingezäunten Bereichen vorbei. Dort erspähten sie auch gleich etwas von dem blutigen und grotesken Schauspiel, welches die Bürger Nereids schon seit den frühen Morgenstunden voller Eifer verfolgten. Denn links von ihnen, auf einer großen, sandigen Fläche, versuchten gerade vier Helfer die schreckliche, dreiköpfige Lernäische Schlange, die Hydra, die sich von ihren Ketten befreit hatte, wieder einzufangen. Mit langen Lanzen und Sarissas drängten sie das drachenähnliche Geschöpf zurück an die Balustrade. Alle in dem Gehege mussten ihre Köpfe weit nach hinten neigen, um zu den mit Schuppen und Stacheln besetzten Häuptern der haushohen Kreatur heraufschauen zu können.

Unter dem Schock der Zuschauer nutzte ein Kopf des Wesens plötzlich die Unachtsamkeit eines der Männer aus und schnappte ihn sich blitzschnell mit ihren rasiermesserscharfen Zähnen. Verzweifelt zog der sich nun im Maul befindliche Mann sein Schwert aus der Scheide, schwang damit panisch herum und erwischte dabei den langen Hals des ihn festhaltenden Kopfes. Der Hals trennte sich an der Schnittstelle ab und der Kopf zusammen mit dem Helfer fiel Richtung Boden. Bevor er ihn jedoch erreichte, schnellten aus der offenen Halswunde der Hydra auch gleich zwei neue Köpfe heraus, die den Mann wieder in der Luft abfingen. Zuerst zerrten sie freudig an ihm und rissen ihn dann schließlich in zwei Hälften. Die hilflos am Boden stehenden drei anderen Helfer nutzten das unvorhergesehene Opfer und ketteten einen der nun vier Köpfe, der den anderen Beiden gierig beim Fressen zusah, wieder an die stabile Holzbalustrade.

Wood, der sich von vorhin emotional wieder gefangen hatte, verzog bei diesem Anblick nur kurz das Gesicht und bahnte sich dann mit Sand einen Weg durch die vielen Menschen.

„Die Leute werden von solchen Spektakeln immer wieder angezogen, wie die Insekten vom Licht“, sagte Wood angewidert, aber mit seiner wieder üblichen Gelassenheit. Dabei schaute er gelangweilt beim Gehen auf seine Füße. Allerdings versuchte er damit nur etwas Distanz zu seiner Umgebung zu gewinnen. Denn eine für ihn unbekannte Unruhe, die er vor Sand nicht offen zeigen wollte, machte sich immer mehr in ihm breit. „Wo glaubst du, hat das Komitee so viele dieser sagenhaften Geschöpfe her?“

Sand, der sich vorher, im Gegensatz zu Wood, gründlich informiert hatte, wusste auf seine Frage natürlich die Antwort.

„Das kann ich dir sagen, mein Freund. Sie kommen aus ganz Gäa, oder noch genauer gesagt aus Helas, den nördlichen Landen: Thrakien und Illyrien, ein paar jenseits der ägäischen Seenplatte Lydien und sogar zwei aus den weit entfernten Ländern hinter dem inneren Meer: Numidien und Ægypthen. Die 7. Theus-Prüfung in diesem Sternenzyklus ist in dieser Form einmalig. Sie war eigentlich für den letzten Sternenzyklus geplant, aber da hatten sie noch nicht so viele dieser teilweise doch recht exotischen Geschöpfe zusammen.“ Sand hielt kurz inne und erzählte dann weiter. „Der eigentliche Ablauf der heutigen Prüfung ist zwar noch geheim, aber ich vermute mal, dass wir gegen sie kämpfen müssen, um zu bestehen. Tja, ich würde sagen, was für die einen billiger Nervenkitzel ist, wird für uns Prüflinge schon sehr bald bitterer Ernst bedeuten.“

Wood schaute überrascht auf und runzelte dann nachdenklich die Stirn.

„Kämpfen? Es könnte doch passieren, dass ein oder zwei von ihnen im Duell verletzt oder gar getötet werden. Dürfen wir das denn überhaupt?“, fragte Wood und schaute auf eine der rechten Umzäunungen, wo gerade ein riesiges, farbenfrohes Wesen, dessen Namen er nicht kannte, sich laufend aufsplitterte und wieder neu zusammensetzte. Dies machte deren Aufsicht fast unmöglich, denn die aufgesplitterten Teile liefen jedes Mal eigenständig wild umher, bevor sie sich wieder an einer anderen Stelle neu zu einem einzelnen großen Tier zusammentaten.

„Glaube mir Wood, das sind alles Geschöpfe, die niemand mehr vermissen wird. Boshafte, abscheuliche Kreaturen, Launen der Götter, die irgendwo auf Gäa die Menschen und Tierwelt bedrohten und ihre Städte und Ländereien verwüsteten. Außerdem denke ich nicht, dass diese Wesen nach dieser Prüfung noch einmal freigelassen werden. Auch wenn es mir im Herzen sehr weh tut, das zu sagen, aber lebend stellen sie für alle einfach eine viel zu große Gefahr dar.“

Einerseits wunderte sich Wood über den Aufwand dieser Prüfung. Denn in der Regel zielten die Prüfungen meistens nur darauf ab, ihre elementarischen Fähigkeiten gekonnt zu gebrauchen oder gelerntes Wissen der Ältesten in bestimmten Lektionen gewissenhaft umzusetzen, auch wenn er glaubte, dass dies hier ihre Fähigkeiten bei weitem überstieg. Zum anderen überraschte es ihn, dass Sand so darüber dachte, da er eigentlich immer derjenige war, der in jedem etwas Gutes sah und für die Gerechtigkeit der Minderheiten kämpfte. Aber wahrscheinlich hatte Sand recht. Sie würden möglicherweise immer ungerecht behandelt werden, ob sich die Elementare da nun einmischten oder nicht. Aber sie gleich zu bekämpfen, obwohl sie zu einem Teil der Natur gehörten, war trotzdem fraglich. Denn Fabelwesen waren von Natur aus ungezügelte und durchaus gefährliche, aber leider auch missverstandene Geschöpfe. Das, was sie nämlich von anderen Tieren unterschied, war ihre Einzigartigkeit und darum auch ihr Hass gegenüber all jenen, von denen sie nicht akzeptiert wurden. Also, was war nun der wirkliche Hintergrund dieser absonderlichen Prüfung?

Während Wood über die Prüfung nachdachte, gingen sie beide weiter den Weg entlang und erhaschten dabei zwischen den Menschenmengen einige Blicke auf das, was ihnen wahrscheinlich noch bevorstand und mit jedem Schritt, den sie machten, immer näher rückte. In einigen hochgelegenen Käfigen flatterten dutzende stymphalische Harpyien, die mit ihren teilweise menschlichen Körpern versuchten, die sie festhaltenden Schlösser aufzubekommen. In einem, in der Erde eingesetzten, riesigen hölzernen Becken drängten verzweifelt ein paar Elementare eine mächtige, gehörnte Meereskreatur mit dem vollen Einsatz ihrer Fähigkeiten zurück auf den Grund. Und auf dem Boden der unteren Bereiche versuchte gerade eines der ungewöhnlichsten Mischwesen, die prächtige feuerspeiende Chimära, ihr Gefängnis zu zerstören. Wood erinnerte sich, dass einige dieser Wesen einmal von den neun Weisen in ihren Lesungen erwähnt wurden. Doch dort wurden sie viel mehr als sagenumwobene Fantasiewesen dargestellt, als als wirklich in ihrer Welt herumstreifende Gefahren. Darum hatte er davon leider auch nicht mehr allzu viel behalten. Da er aber nicht untalentiert war und sich auch immer gut auf seine Fertigkeiten verlassen konnte, hatte sich Wood eh noch nie gut auf eine Prüfung vorbereitet und bestand sie auch so. Doch dieses Mal war es etwas anderes. Trotz seines Elements, was ihm normalerweise jegliche Furcht und Befangenheit in schwierigen Situationen von ihm nahm, war seine innere Ruhe leicht angegriffen.

Um sich jedoch weiterhin nichts davon anmerken zu lassen, versuchte er, sich mit belanglosen Gesprächen von der Prüfung abzulenken.

„Wir sind freie Elementare, die für die Erhaltung des Friedens in diesem Land zuständig sind und ihn mit dem Einsatz unseres Lebens verteidigen. Warum stellen wir uns nur immer wieder so zur Schau? Wer hat sich das mit den Theus-Prüfungen überhaupt ausgedacht? Ich finde es furchtbar, Menschen und Elementare in Ränge zu unterteilen oder was meinst du dazu?“

Sand wusste, dass Wood deren Bedeutung ganz genau kannte, denn selbst die ungebildetsten Menschen kannten sie. Er antwortete ihm aber dennoch, weil auch er seine innere Anspannung ein wenig herunterfahren musste, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Vor seinem inneren Auge ging Sand nämlich schon alle Varianten durch, wie er bei jedem einzelnen Geschöpf am besten vorgehen würde, sich damit aber nur unnötig verrückt machte.

„Es kommt darauf an, wie man es betrachtet. Denn es fing alles einmal vor mehreren Generationen mit einem Mann namens Eurystheus an, dem achten König von Nereid. Er hatte, aufgrund einiger Kriege oft unter Attentaten von assyrischen Assassinen zu leiden. Darum forderte er von den Elementaren seiner Stadt, ihm noch zusätzlich zu der gemeinnützigen Arbeit, die sie neben dem Erhalt des Friedens sowieso schon verrichteten, auch als Begleitschutz zu dienen. Es kamen für ihn dabei aber nur die Stärksten infrage“, Sand hielt wieder kurz inne, was immer wie eine spannungsaufbauende Pause herüberkam und fuhr dann weiter fort. „Also ließ er von den ältesten Weisen der Stadt zwölf Prüfungen zusammenstellen, heute noch kurz Theus-Prüfungen genannt und teilte die daraus resultierenden Ränge der Elementare den entsprechenden Arbeiten zu. Die vom einfachen Kräutersammeln für die Heilkundigen bis hin zu dem Anführen von Soldaten in großen und bedeutsamen Schlachten gingen. Eurystheus selbst bekam als Beschützer selbstverständlich nur die drei fähigsten Kämpfer, die sogenannten Legendären Krieger, sowie es auch heute noch Brauch ist. Und da sind gewisse Ränge schon irgendwie wichtig. Denn wer will schon jemanden an der Spitze einer Armee oder für den Begleitschutz des Königs einsetzen, der kaum Erfahrung hat? Obwohl es für unsere heutige Periode eigentlich kaum noch eine Rolle spielt, zumindest das mit dem Begleitschutz. Unser jetziges Oberhaupt, König Fulgur, ist nämlich selbst der weiseste und stärkste Elementar der Stadt und das macht diese Regelung eigentlich…, hmm, wie könnte ich mich da am besten ausdrücken, unsinnig…, hey Wood, hörst du mir überhaupt noch zu?“

Das tat er nicht mehr, da seine Aufmerksamkeit durch eine besonders große und aufgebrachte Menschenmenge vor einer der Umzäunungen abgelenkt wurde. Sie befanden sich jetzt ganz in der Nähe des im Mittelpunkt stehenden Hains.

„Was ist denn da los?“, fragte Wood neugierig und schritt gemächlich auf den Tumult zu.

Allerdings war Sand dieses Mal auch überfragt, denn bei seinem letzten Durchgang befand sich an dieser Stelle nur ein großes, leeres Gehege. Mühselig versuchte er die vielen Leute zu überblicken, ob er vielleicht jemanden daraus erkannte, der ihm eine Antwort darauf hätte geben können.

„Hey Sky!“, rief Sand auf einmal in die Menge hinein. „Was gibt es denn hier so Besonderes zu bestaunen?“

Ein schmächtiger und feminin aussehender junger Mann, auf den Sand und Wood nun zugingen, drehte sich aus dem Menschenauflauf zu Sand um. Er sprach mit einer ruhigen und bedachten Stimme.

„Hmm…, oh, hallo Sand, Wood. Seid gegrüßt, ihr beiden.“

Sky war der Enkel des Königs und musste daher immer und überall einen guten Eindruck hinterlassen, was er auch dieses Mal wieder deutlich tat. Er war in edle, goldverzierte Gewänder gehüllt. An seinen kurzen Haaren lief ein langer, schmaler Zopf hinten am Kopf herunter. Er hatte strahlendweiße Zähne und war auch vom äußeren Erscheinungsbild sehr gut gepflegt und fein. Auf seinem Gewand, welches so samtig weich war, dass es einer Wolke glich, war das Familienwappen der Airs eingenäht.

„Das glaubt ihr mir nie, wenn ich es euch erzähle“, sagte er leicht aufgeregt, hielt aber stets seine stolze und kontrollierte Haltung aufrecht. „Seht selbst, was das Komitee kurz vor Prüfungsbeginn noch herbeigeschafft hat!“

Wood und Sand schauten sich, erstaunt von Skys Reaktion, kurz gegenseitig an und dann neugierig an ihm vorbei. Ihr Blick blieb sofort an dem riesigen silberschimmernden Geschöpf hängen, welches sich in dem Gehege, wie alle anderen Fabelwesen auch, mit aller Kraft von seinen Ketten zu befreien versuchte. Das Wesen hatte die Form eines Drachen, mit großen Schwingen und einem mit Stacheln besetzten wild um sich peitschenden Schwanz. Der Einzige Unterschied war nur der, dass dieser hier aus hunderten verschiedenartigen Waffen und Schneidwerkzeugen bestand: Kurz-, Breit-, Langschwerter, Beile, Äxte, Dolche und sogar einige Speer- und Pfeilspitzen. Die Augen, die offenbar aus jeweils einer Sichel für die Pupille und zwei Krummschwertern für die Augenlider bestand, wirkten boshaft, aber auch gleichzeitig eiskalt und leer. Ihr entsetzliches Kreischen klang wie Schwertschneiden, die aufeinander gerieben wurden und ging jedem durch Mark und Bein.

„Die sagenumwobene Scarzôul oder auch von vielen einfach nur Klingenschwertbestie genannt“, sagte eine grünhaarige Elementarin namens Plant, die sich von den hinteren Reihen aus meldete und, wie alle anderen Anwesenden auch, zu dem Geschöpf heraufblickte. Auch sie trug, anders als Wood, der bis auf seine Leinenhose fast kaum etwas anhatte, hübsche, traditionelle Gewänder. Grashalme schauten vereinzelt aus ihren langen glatten Haaren hervor.

Alle Umstehenden drehten sich verwundert zu ihr und bildeten um sie herum automatisch einen Halbkreis. Plant blickte nun in die vielen fragenden Gesichter.

„Eine Legende besagt, dass dieses unglaubliche Fabelwesen aus den finsteren Seelen, der in einer großen und verheerenden Schlacht gefallenen Soldaten besteht. Die Seelen der verstorbenen Krieger haben ihre Schwerter nie losgelassen und bilden somit die äußere Form dieser Bestie, so, wie sie heute hier vor uns steht. Es heißt, dass sie erst dann besiegt werden kann, wenn die rachsüchtigen Seelen endlich ihren langersehnten Frieden gefunden haben.“

Das Erstaunen und gleichzeitige Entsetzen war in den Gesichtern aller Anwesenden deutlich zu erkennen. Stille machte sich in der Runde breit und wurde plötzlich von einer weiteren hinzukommenden Person unterbrochen.

„Na Woody, siehst du dich nach einem passenden Haustier für dich um?!“

Wood stöhnte leise und drehte sich in die Richtung, aus der die Stimme kam, da er schon ganz genau wusste, von wem diese Worte nur kommen konnten. Es war Flame. Auch er war ein Elementar und trug ein traditionelles hübsches Gewand. Allerdings war seines rot und bestand aus sich überlappenden Stoffen, die mit einem eingenähten Familienwappen der Fires versehen waren. Flame selbst besaß rote, zu Berge stehende Haare und hatte stets einen arroganten Blick drauf. Er war, wie immer, mit seinem besten Kumpel Stone, einem ruhigen, aber sehr stämmigen Elementar unterwegs. Wood hasste Flame, weil er sich auf seine reinseelige Kronosabstammung und seinen Vater Pyro, einen der drei Legendären Krieger der Stadt, mächtig was einbildete. Als er die Menge betrat, machten einige einen Schritt zur Seite und ließen ihn bis zu Wood hindurchgehen.

„Oh, die Klingenschwertbestie. Die hat mein Vater gefangen. War ganz einfach, hat er gesagt. Wood, nimm es mir bitte nicht übel, aber die werde ich einschmelzen und mir einen Anhänger daraus fertigen, denke ich. Der wird dann meine Sammlung wunderbar ergänzen“, sagte Flame überheblich und holte ein paar umgelegte Anhänger aus seinem Gewand hervor, woran geschmolzene Gegenstände hingen. „Die wäre sowieso eine Nummer zu groß für dich und deine Bruchbude. Also, tut mir wirklich leid, aber du musst dich wohl nach einem anderen Haustier für dich umsehen.“

Wood reagierte nicht auf seine unangebrachten Sprüche. Denn wenn er jetzt antworten würde, begäbe er sich nur auf sein niederes Niveau. Er verstand nur nicht, wie sich ein Elementar so abscheulich zu anderen verhalten konnte. Das wäre doch schon der erste Schritt zu einer für Elementare eigentlich unbekannten düsteren Seite.

„Achtung!“, riefen einige der Anwesenden, als die Klingenschwertbestie auf einmal ihren mit Schwertern besetzten Schwanz um sich schlug und eine Klinge sich daraus löste, die dann in einem hohen Bogen über den Zaun in die Menge schleuderte. Glücklicherweise konnten alle noch schnell genug darauf reagieren, sodass niemand verletzt wurde. Überrascht sahen sie schweigend auf das zwischen Wood und Flame aufgekommene Schwert, welches nun mit der Spitze im Boden steckte. Von der scharfen Klinge schien eine unheilvolle Aura auszugehen.

GONG! GONG!

Glockenschlaege zerissen die Stille. Der Glockenmeister läutete die Glocken im oberen Teil des Hains, von wo aus er einen guten Blick auf die Sonnenuhr hatte. Gleichzeitig wurde damit auch der Beginn der Theus-Prüfung angekündigt.

„Na dann, Algu di Sindré Holzjunge und pass gut auf, dass du dein sperriges Fass nicht verlierst“, lachte Flame spöttisch, klopfte ihm dabei auf die Schulter und zog das Schwert aus der Erde, welches er dann gemütlich um sich schwang. Schließlich begab er sich, sowie auch die anderen Teilnehmer, in die Richtung des Hains.

Nur Wood blieb als Einziger von den Elementaren zurück und stand noch mit einigen wenigen schaulustigen Bürgern Nereids gedankenversunken am Gehege der Scarzôul. Sand bemerkte dies, stoppte seine Schritte und blickte verwundert zu ihm zurück.

„Was ist mit dir, Wood? Kommst du nicht?“

Wood hatte ein ungutes Gefühl in der Brust. Allerdings wusste er nicht, ob es von Flames dummen Sprüchen kam oder von der Tatsache, dass er sterben würde, wenn er gegen die Klingenschwertbestie antreten müsste. Er verbarg schnell seine Unsicherheit und folgte Sand und den Anderen mit so ruhigen Schritten in das Gebäude, wie es ihm seine unterdrückte Aufregung zuließ.

 


Kapitel 4 - Die Besprechung


 

„Seid gegrüßt, meine Schüler! Es freut mich, dass ihr heute alle hier seid und, wenn ihr euch bereit dafür fühlt, dann werden an der diesjährigen 7. Theus-Prüfung voraussichtlich 36 Elementare teilnehmen“, hallte die Stimme des Sprechers, einer der neun Weisen namens Terpsichore, im Hain wieder.

Terpsichore war ein stattlicher alter Mann und ein hochgeschätzter Sophós von Nereid. Man sah ihm sein jahrhundertelanges Leben in seinem bedrückten und faltendurchzogenen Gesicht, halb verdeckt durch einen langen weißen Bart, deutlich an. Da er eine weite braune Kutte trug, blieb alles andere an ihm darunter verborgen.

Die restlichen acht Weisen, auch in braune Kutten gehüllt, saßen hinter ihm vor einem großen, breiten Vorhang und verfolgten schweigend das Geschehen. Alle Teilnehmer waren Elementare des 6. Ranges und hatten sich auf aus zwei ineinandergeschobenen Holzbrettern bestehenden Stühlen im Raum verteilt. Nur einige Helfer und höherrangige Elementare, die ihre Arme hinter ihrem Rücken verschränkt hielten, standen, noch völlig fertig von den Vorbereitungen, an den Hallenwänden und beobachteten die Prüflinge. Wood, der mit Sand leicht mittig saß, sah sich neugierig in der Halle um. Sie war nur schlicht ausgestattet. An der Decke hing eine brennende Feuerschale, an den Wänden waren Fackeln angebracht und am Boden standen vereinzelt schön bemalte Keramikkrüge und -töpfe. Sie waren zwar jetzt alle drinnen, aber die vielen unterschiedlichen Geräusche der Fabelwesen waren auch hier noch deutlich zu hören.

‚Im Hain kommt es einem so vor, wie in einem Käfig, um den sich eine ganze Menge wilder Raubtiere tummeln‘, überlegte Wood angespannt. ‚Sie warten nur noch darauf, dass ihre Beute wieder herauskommt, um endlich erlegt zu werden.‘

„Nun zum Ablauf“, fuhr der Weise fort und holte Wood aus seinen Gedanken. Dabei tippte er mit seinen Fingern auf das vor ihm stehende Pult. „Ihr werdet euch gleich einzeln nach vorne begeben und von einem der Schatzmeister in die Listen eintragen lassen.“ Dabei deutete er auf ein paar wohlhabende und reichbehängte Männer, die links neben ihm an einem langen Tisch saßen, auf dem etliche Pergamentrollen gestapelt waren. „Danach zieht ihr einen Zettel mit einem Buchstaben darauf, der euch zu einem der jeweiligen Gehege auf dem Prüfungsgelände dort draußen zuordnen wird. Ihr folgt dann den Anweisungen des Fabelhüters und macht euer Fabelwesen unschädlich.“

RRRUUUAAHHHRR!

Ein leises Raunen ging durch den Raum, als das gewaltige Brüllen einer der Kreaturen von draußen lautstark im Hain widerhallte.

Der Älteste wartete kurz, bis es wieder ruhig war und fuhr dann weiter fort, als wäre nichts gewesen: „Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, haben wir zusammen mit dem Komitee und einigen Nachbarpolis in diesem Sternenzyklus etwas größeres aufgeboten, als ihr es von den letzten Prüfungen gewohnt seid. Es sollte für euch also eine Ehre sein, heute hier mit dabei sein zu dürfen. Vielen Dank für die viele Unterstützung all derer die uns dabei geholfen haben, dieses großartige Projekt auf die Beine zu stellen und damit den Panhellenischen Spielen in Theben in diesem Hekatombaion in nichts nachstehen wird. Und jetzt zu dem wichtigsten Punkt dieser Prüfung, der euch alle, denke ich, am Meisten interessieren dürfte. Damit die Prüfung nicht die Anforderungen des 7. Ranges übersteigt, werdet ihr die Aufgabe dieses Mal nicht alleine bewältigen. Denn jeder Buchstabe ist genau zweimal in der Kiste enthalten.“

Gleich nachdem er dies gesagt hatte, gingen bei fast allen Prüflingen die Augenbrauen nach oben. Einige fingen in diesem Moment sogar an, ihre Mitschüler genauer unter die Lupe zu nehmen, aber ausnahmslos jeder hatte den gleichen Gedanken: ‚Wer ist stark, wer nicht und wer passt zu meinem Element?‘

Dessen ungeachtet erklärte der Weise weiter: „Das bedeutet, ihr müsst zum Bestehen dieser Prüfung mit eurem zufällig ausgewählten Partner eine gemeinsame Strategie entwickeln und möglichst gezielt eure Fähigkeiten kombinieren. Wenn ihr das alle verstanden habt, können wir auch schon loslegen."

Ein zögerliches Nicken ging durch die Halle und zeigte die deutliche Nervosität der Teilnehmer. Die Anspannung im Raum war nun so groß, dass man sie förmlich in der Luft hätte zerschneiden können.

„Sehr schön!“, sagte Terpsichore zufrieden und wollte gerade das Podium verlassen, drehte sich dann doch noch einmal zu seinen Schülern um, wodurch alle kurz verwundert zu ihm hinaufsahen. Sein langer Bart folgte dabei elegant seiner Kopfbewegung.

„Ach eines vielleicht noch“, seine Miene wurde etwas ernster. „Ein Wort von mir als euer Meister zur Warnung. Ihr tretet in dieser Prüfung nicht ohne Grund zu zweit an. Fabelwesen sind wundersame, jedoch auch sehr gefährliche Geschöpfe. Sie greifen überlegt und gewissenhaft an und gehen mit ihren Opfern gnadenlos um. Unüberlegtes Handeln kann dann nicht nur zur Niederlage, sondern auch zu eurem Tode führen. Nehmt das also bitte zu Herzen und damit Algu di Sindré, meine Schüler. Die Prüfung ist hiermit eröffnet.“

Er deutete kurz höflich zu den Schatzmeistern und verließ dann endgültig das Podium. Gleich darauf hörte man auch schon das Quietschen der vielen Stühle, auf denen die 36 Teilnehmer gesessen hatten und nun aufgestanden waren, um sich in mehreren Reihen zur Anmeldung zu begeben. Das Gedränge zum langen Holztisch war groß, denn niemand wollte wertvolle Überlegungszeit verlieren und jeder wollte unbedingt wissen, gegen was und vor allen Dingen, mit wem er gleich zusammen kämpfen würde.

„Name?!“, brüllte ein schäbig aussehender Schatzmeister Wood an, als er endlich an der Reihe war. Er sah durch seine glasigen Augen grimmig zu ihm herüber. Um seinen Mund wucherte ein unansehnlicher Stoppelbart und er stank entsetzlich nach Rakí und Myrre. Man konnte ihm deutlich ansehen, dass er auf seine Aufgabe, die Prüflinge einzutragen, keine wirkliche Lust hatte.

„Wood“, antwortete er ihm knapp.

„Alter?!“, fragte er weiter und kratzte sich dabei seine Brusthaare, die unter dem teuren Gewand hervorschauten.

„58. Olympiade geboren, also bin ich in diesem Sternenzyklus 18 geworden.“

„Fähigkeit?!“

„Holz.“

„Hera?!“

„Mutter Foliage, verstorben. Vater Bark, fortgegangen.“

„Und Geschwister?!“

„Ja, einen kleinen Bruder namens Root.“

„In Ordnung, ziehe eine Nummer und begib dich dann nach draußen! Noch irgendwelche Fragen?!“

„Was? Äh… nein, ich denke nicht“, stammelte Wood, dem gerade auf die Schnelle keine Fragen einfielen, da ihm die hektisch, genervte Art des Schatzmeisters, zusammen mit seiner eigenen Nervosität, ganz durcheinander brachte.

„Gut! DER NÄCHSTE BITTE!“

Wood ging beiseite, um den nächsten Prüfling durchzulassen. Dann griff er durch den Schlitz des Losbehälters und zog einen Zettel daraus hervor. Beim Ansehen des Zettels weiteten sich seine Augen. Es stand der Buchstabe ‘Pi‘ darauf. Ohne lange darüber nachzudenken, zu welchem Fabelwesen dieser Buchstabe wohl am besten passen könnte, begab sich Wood instinktiv zum großen weit geöffneten Eingangstor, welches, durch das Licht von draußen, eine breite Lichtscharte hineinließ. Wood warf Sand noch ein entschlossenes Nicken zu, was von diesem gleichermaßen erwidert wurde und durchschritt schließlich das Tor nach draußen an die frische Luft.

 


Kapitel 5 - Bezaubernde Watery


 

Im Gegensatz zur schwach beleuchteten Halle des Hains, wirkte der noch ein wenig vom Nebel verschleierte Helios regelrecht grell, sodass Wood seine Umgebung zuerst nur verschwommen wahrnahm. Das, was ihn jedoch wieder sofort erreichte, waren die unzähligen verschiedenartigen Tierlaute, die sich in der Luft zu vermischen schienen. Gleich, nachdem Wood draußen war, nahm er einen tiefen Atemzug, wodurch sich schlagartig ein Teil seiner Anspannung löste. Anschließend schaute er sich, mit über den Augen gehaltener Hand, auf dem Prüfungsgelände um. Auf den Wegen, zwischen den Umzäunungen, befanden sich jetzt überraschenderweise keine neugierigen Zuschauer mehr. Um die Teilnehmer während der laufenden Prüfung nicht zu stören, waren sie, während sie alle drinnen saßen, wahrscheinlich durch das Komitee vom Gelände geschickt worden. An den Gehegen und Käfigen waren nun gut sichtbar weißbestrichene Holzschilder, mit großen Buchstaben darauf, angebracht, die den Teilnehmern den Weg zu ihrer Kreatur wiesen. Wood blickte noch einmal zu seinem gezogenen Zettel herunter und orientierte sich dann kurz, um zu wissen, in welche Richtung er gehen musste.

‘Mi‘, ‘Ny‘, ‘Xi‘,… der Weg seines Buchstabens führte ihn vom östlichen Pfad ab, herüber zum Südlichen und damit in einen Abschnitt, in dem er vorher noch nicht gewesen war. Er kam dabei an einigen Elementaren vorbei, teils noch wartend auf ihren Partner, teils schon mitten in der Besprechung ihrer Vorgehensweise. Die vielen Augen der eingesperrten Fabelwesen funkelten ihn beim Vorbeigehen böswillig an. Sie spürten offenbar, dass gleich etwas mit ihnen passieren würde und, dass die wenigen Prüflinge auf dem Platz irgendetwas damit zu tun hatten. Wood wurde wieder etwas flau im Magen, sodass sein Element Anfing seine Umgebung von ihm abzuschirmen, bis er nur noch den Weg und die Beschilderung vor sich zu seinem Ziel sehen konnte. Dennoch fiel ihm jeder Schritt beim Gehen immer schwerer und schwerer. Das einzige, was ihn ein wenig beruhigte, war die Tatsache, dass das Gehege mit der schrecklichen Klingenschwertbestie schon weit hinter ihm lag.

‘Omikron‘, ‘Pi‘,… plötzlich blieb er stehen und bemerkte, dass er beinahe mit jemandem zusammengestoßen wäre. Denn vor ihm stand, genau vor dem Gehege mit dem Buchstaben ‘Pi‘, eine junge Frau.

Sie trug ein traditionelles, blaues Gewand, ähnlich dem von Flame. Es war, durch Bänder um ihre Taille, weit aus eleganter ihrer weiblichen Figur angepasst. Auf ihrer Kleidung war auch ein Familienwappen eingenäht und auf dem Rücken trug sie einen sehr aufwändig verzierten Bogen. Das war für einen Elementar sehr ungewöhnlich. Denn, wenn es nicht unbedingt notwendig war, war es ihnen verboten, die Waffen der Menschen zu benutzen. Eigenartig daran war auch, dass sie zwar einen Bogen besaß, aber keinen Köcher oder Pfeile. Der Bogen interessierte Wood im Moment deutlich weniger, als die Tatsache, dass er einen weiblichen Kampfpartner hatte. Es war nicht so, dass es einen großen Unterschied machte, ob er nun mit einem Typen oder einer Frau hier zusammen antrat. Auch war es nicht das erste Mal, dass er auf einen weiblichen Elementar seines Alters traf. Doch brachten ihn gerade ihre grazile Gestalt und ihre gesamte Erscheinung irgendwie noch mehr aus der Fassung, als es die vielen Fabelwesen, um sie herum, sowieso schon taten. Wood versuchte es damit abzutun, das er wusste, dass viele Elementare eine gefühlsmäßige Verbindung zu einem anderem Mitglied, unter anderem, durch miteinander kongeniale Kräfte empfanden.

‚Das bedeutet aber‘, überlegte er, ‚dass sie womöglich eine elementarische Fähigkeit besitzt, die mit meiner harmoniert. Was in dieser Prüfung für uns beide auf jeden Fall von Vorteil sein dürfte.‘

Wood versuchte sich wieder zu entspannen und probierte, von der Seite her, in ihr Gesicht zu sehen. Aber bis auf ihre Nasenspitze konnte er leider nicht viel erkennen, da sie ihre langen bläulichen Haare offen trug und diese die Sicht versperrten.

„Hallo, äh…, hast du auch den Buchstaben ‚Pi‘?“, fragte Wood vorsichtig. Es war das Einzige, was ihm in seiner Nervosität in dem Moment einfiel, auch wenn die Frage im Prinzip überflüssig war. Denn warum sollte sie sonst direkt vor diesem Gehege herumstehen?

Erst jetzt schien auch sie ihn bemerkt zu haben. Sie drehte sich jedoch nicht zu ihm um, oder sagte etwas, sondern nickte nur zustimmend.

‚Komische Frau!‘, dachte Wood verwundert. Er fand es irgendwie seltsam, sie bisher nirgendwo je gesehen zu haben. Und das, obwohl sie so schnell eine solch magische Wirkung auf ihn hatte und alle Elementare des 6. Ranges eine große, gemeinsame Gruppe unter der Führung von Meister Terpsichore bildeten und die Lehr- und Unterrichtsstunden in der Regel immer zusammen abhielten. Aber warum das so war, würde er wahrscheinlich noch herausfinden.

Nachdenklich blickte Wood auf den Zettel herunter, den er in seiner Anspannung, in der Hand zerknüllt hatte. Er war durch sie so sehr abgelenkt, dass er schon fast vergessen hatte, warum er eigentlich hier war.

„Und… gegen was müssen wir beide antreten?“, fragte er zögerlich und sah wieder zu ihr hoch, in der Hoffnung, sie würde sich auch endlich einmal zu ihm umdrehen.

Sie stand aber weiterhin nur so da und sagte nichts, sondern streckte bloß ihren linken Arm vor sich aus und zeigte auf etwas vor ihr. Ihre glänzenden Haare wehten dabei leicht im Wind und gaben ihren verführerischen Duft preis, was Wood im Kopf ganz benebelt machte. Zudem verunsicherte ihn ihr merkwürdiges Verhalten. Bei dieser Art von Stress konnte ihm leider auch sein Element nicht weiterhelfen.

‚Ich muss mich jetzt aber trotzdem richtig auf die Prüfung konzentrieren‘, dachte Wood entschlossen und machte ein ernstes Gesicht. ‚Ich darf dieses Mal ausnahmsweise nicht zu leichtfertig sein, denn sonst muss ich sie, bei einer Niederlage, in einem Sternenzyklus wiederholen.‘ Das kam für ihn aber auf gar keinen Fall in Frage und daher starrte er nun angestrengt durch die Gitter des Geheges mit dem Buchstaben ‚Pi‘.

Vor ihnen, hinter einem hohen, grobmaschigen Zaun, befand sich eine weitläufige karge Ebene mit vereinzelten großen Gesteinsbrocken. Zwischen zwei stabilen Holzpalisaden an der nördlichen und östlichen Wand, wo der Platz eine leichte Biegung nach links machte, war eine riesige Balustrade errichtet worden. Auf beiden Seiten standen zwei hölzerne Wachtürme, an denen lange grüngelbe Banner hingen, die das Wappen des Prüfungskomitees trugen. An der südlichen, von ihnen aus gesehen rechten Seite verlief eine massive Holz- und Gesteinsmauer, die zum Schutz der Stadt um das gesamte Prüfungsgelände herum verlief. Aber selbst aus dieser Entfernung konnte Wood sehr gut erkennen, dass an ihr eine seltsam bekleidete monströse Gestalt angekettet war. Wood sah noch genauer hin. Doch plötzlich wich er schockiert ein Stück vom Zaun zurück. Soeben wurde ihm die Gefahr, in der er sich befand, wieder so richtig bewusst. Denn die Gestalt, die dort saß und höchstwahrscheinlich ihr Prüfungsfabelwesen darstellte, war ein Zyklop! Nur mit einem blutbefleckten Lendenschurz bekleidet, saß er mit einer riesigen Keule auf dem Arenaboden und wartete auf das Kommende. Über dem unteren Teil seiner Beine waren Fellbüschel gezogen, an denen noch vereinzelnd Krallen und Tierzähne hingen. Vollkommen lustlos und unbeseelt starrte er mit seinem einzigen Auge, welches sich mittig über der Nase befand, zu Boden. Ein Zyklop war mehr als nur ein einäugiger Riese, der den Menschen nicht nur körperlich sehr ähnlich sah. Denn, im Gegensatz zu anderen Fabelwesen, konnte er auch denken, wie ein Mensch und wusste mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, was mit dem nächsten GONG-Schlag kommen würde. Möglicherweise verstand er sogar alles, was sie untereinander absprachen und das machte ihn als Gegner noch weitaus beängstigender.

‚Schwierig!‘, überlegte Wood und überblickte ein weiteres Mal den Platz, um wirklich sicher zu gehen, auch ja nichts übersehen zu haben. ‚Diese Arena gehört zwar mit zu den größten auf dem Prüfungsgelände, bietet aber trotzdem nicht sehr viele Ausweich- oder Versteckmöglichkeiten. Vor allem dann nicht, wenn ich bedenke, dass wir bei so einem gewaltigen Wesen besser immer versuchen sollten, genügend Abstand zu halten. Im Nahkampf hätten wir beide nämlich keine Chance gegen ihn. Mal von der riesigen Keule abgesehen, kann so ein Zyklop ungeheure Kräfte entwickeln, die selbst einen erfahrenem Elementar Furcht einflößen. Wenn das nicht schon ausreicht, sind sie trotz ihrer enormen Größe zudem erstaunlich agil und wendig.‘

Wood wusste nicht, was mehr Unbehagen in ihm auslöste, zu wissen, dass er gleich gegen einen voll ausgewachsenen Zyklopen antrat oder erneut den Mut aufzubringen, weiter mit der wunderschönen, aber leider auch sehr verschlossenen Watery zu reden.

‚Watery? Genau!‘, kam ihm plötzlich der Gedankenblitz und er sprach seinen letzten Gedanken versehentlich laut aus: „Watery!“

„Was?“, fragte daraufhin die junge Frau und drehte sich erstaunt zu ihm um.

Zum ersten Mal konnte Wood ihr direkt in ihre bezaubernden, azurblauen Augen sehen, die leicht zu Schlitzen geformt waren, weil der Helios ungünstig ins Gesicht schien. Da der Nebel inzwischen komplett verzogen war, kamen die Lichtstrahlen nun ungehindert hindurch.

‚Sie ist unbeschreiblich hübsch‘, dachte Wood und war sofort ganz hin und weg von ihr. Sie hatte seidig matte Haut, eine zierliche Stupsnase und sinnliche, rubinrote Lippen. Zudem fiel ihm auf, dass ihre Wangen eine natürliche, rosa Färbung hatten und dass sie unten am Hals ein süßes, kleines Muttermal in der Form eines Wassertropfens besaß. Für einen kurzen Augenblick war alles um ihn herum wie ausgeblendet und er konnte nur noch sie sehen.

„Dein Name! Er lautet Watery, oder?“, fragte Wood leicht aufgeregt über seine überraschende Erkenntnis. Er wusste selbst nicht wie er plötzlich auf diesen Namen kam, aber irgendwie brachte er gerade sie mit diesem in Verbindung. Es war noch nicht einmal der ungewöhnliche Bogen, der scheinbar nicht aus Holz zu bestehen schien, oder das auffällige Familienwappen, welches einem sofort ins Auge stach, viel mehr war es ein vertrautes Bauchgefühl, etwas, was er deutlich spüren, aber nicht so richtig beschreiben konnte. Er sagte ihren Namen, quasi ohne darüber nachdenken zu müssen, als würde er sie vor langer Zeit schon einmal richtig gut gekannt haben.

„Ähm… ja, so heiße ich“, antwortete sie ihm mit einer sanften, liebevollen Stimme und senkte dann wieder schüchtern ihren Blick.

„Es freut mich dich kennenzulernen, Watery! Mein Name ist Wood“, sagte er dann kraftvoll, um seine Unruhe besser zu kaschieren, da er befürchtete, sonst peinlich vor ihr zu stottern. Er hielt ihr seinen Arm entgegen, woraufhin sie verwundert zurückwich. Nach kurzem Zögern erwiderte sie aber seine Geste und hielt ihm, wie es normalerweise unter Gleichrangigen üblich war, auch ihren Arm zur ehrenvollen Begrüßung hin. Sie vollzogen den Gruß und Wood blickte danach wieder ernst zu dem Gehege herüber, wobei Watery seinem Blick folgte.

„Gegen einen Zyklopen anzutreten wird nicht so einfach werden, befürchte ich. Meister Terpsichore meinte doch vorhin, wir sollten versuchen unsere Fähigkeiten klug zu kombinieren, um unser Fabelwesen zu besiegen. Meine elementarische Eigenschaft ist Holz! Damit würde ich aber alleine leider nicht allzu viel gegen dieses riesige Wesen ausrichten können. Welches ist denn deine, Watery?“, fragte Wood und schaute aus dem Augenwinkel zu ihr herüber.

„In deinem Fass ist Wasser drin, oder?“, fragte sie daraufhin sehr zurückhaltend, was Wood jetzt sogar noch mehr durcheinanderbrachte, als er es durch ihren Anblick und ihr Verhalten sowieso schon die ganze Zeit über war. Denn einmal abgesehen davon, dass sie mit einer Gegenfrage geantwortet hatte, passte ihre Aussage, aus seiner Sicht, überhaupt nicht zu seiner Frage.

Wood schaute hinter sich zu seinem umgeschnallten Holzfass und wusste nicht genau, wie er darauf reagieren, geschweige denn, was er darauf hätte Antworten sollen. Er kratzte sich am Kopf und schaute Watery nun völlig perplex an.

„Hmm… ja, wieso? Ich benötige viel davon für meine Holzfähigkeit. Wie kommst du darauf, dass da Wasser drin ist?“, fragte Wood weiter.

„Wasser! Das ist meine Fähigkeit.“ Ein Lächeln huschte kurz über ihr attraktives Gesicht. „Ich kann schon kleinste Mengen davon in meiner Umgebung spüren und es dann nach Belieben für mich einsetzen.“

Von ihrem hinreißenden Lächeln verzaubert, starrte Wood plötzlich ein weiteres Mal auf Waterys eingenähtes Familienwappen und dachte erst jetzt genauer darüber nach und auch daran, was sie ihm gerade gesagt hatte.

‚Wasser?! Natürlich! Sie wird wahrscheinlich die Tochter von Aqua sein, eine der drei Legendären Krieger und somit direkter Nachfahre der Kronos‘, überlegte Wood vollkommen überrascht und machte große Augen. Damit hatte er nun gar nicht gerechnet.

Die Kronos waren die Auserwählten der Menschen, die von den vier Schöpfern ihre Fähigkeiten als erste empfangen hatten. Mit der Zeit hatten sie sich aber untereinander immer mehr vermischt, so dass ihre Grundfähigkeiten Erde, Wasser, Luft und Feuer sich allmählich auflösten. Nur wenige Familien der Kronos hielten ihr Element absolut rein und behielten somit ihre vollständige Stärke, im Laufe der Generationen, aufrecht. Man nannte sie Reinseelige der Kronosnachfahren oder -abstämmige. Dazu gehörten unter anderem zum Luft-Element, Sky, Sohn von General Storm und einziger Enkel des Königs von Nereid Fulgur, zum Feuer-Element, Flame, dritter Sohn von Pyro, zum Erde-Element, Stone, zweiter Sohn von Rock, der Dritte der drei Legendären Krieger und schließlich zum Wasser-Element, Watery, Tochter von Aqua.

‚Sie ist bestimmt ziemlich stark und zusätzlich noch ein unerschöpflicher Vorrat an Nährstoff für meine Holz- und Wurzeltechniken. Eigentlich ist sie das Beste, was mir in dieser heiklen Situation hätte passieren können‘, dachte Wood freudig. ‚Das würde auch erklären, warum ich sie in Terpsichores Unterricht noch nie gesehen habe. Da sie bekanntlich Zuhause alleine von ihrer Mutter unterrichtet wurde und auch generell den Palast, in dem sie wohnte, nur sehr selten verließ. Kann mein vertrautes Gefühl zu ihr also nur durch eine flüchtige Begegnung aus der Vergangenheit stammen? Aber das ist doch gar nicht möglich. Egal! Ich muss mich jetzt wieder ernsthaft auf diese verdammte Prüfung konzentrieren!‘, schimpfte sich Wood ein weiteres Mal in seinen Gedanken selbst aus. ‚Eine Niederlage kann ich mir jetzt wirklich nicht erlauben, vor allen dann nicht, wenn ich bedenke, dass ich diese bezaubernde Frau neben mir auch noch mit herunterreißen würde und das würde ich mir niemals verzeihen können.‘

Nachdenklich starrte Wood wieder zum Gehege mit dem Zyklopen. Eine kurze Zeit verging, in dem keiner der Beiden etwas sagte.

„Gut, ich habe mir etwas überlegt“, entgegnete Wood ihr dann auf einmal, woraufhin ihn Watery überrascht ansah. „Ich versuche den Zyklopen, soweit es mir möglich ist, abzulenken. In der Zwischenzeit musst du probieren, dich ihm unbemerkt zu nähern. Wenn du dann schließlich nah genug herangekommen bist, brauchst du seine Luftröhre nur noch mit Wasser zu füllen und warten bis er erstickt. Und schon haben wir bestanden. Fertig!“

Watery sah Wood auf einmal vollkommen entsetzt an und versuchte schnell etwas zu sagen: „Nein, das kann ich nicht tun, da wir -“

GONG! GONG!

Doch die Glocke aus dem Hain unterbrach sie.

 


Kapitel 6 - Der Kampf gegen den Zyklopen


 

„Na gut, los geht’s!“, sagte Wood ganz euphorisch und erklomm, um vor Watery zu glänzen, mit nur ein paar leichten Sprüngen den hohen, grobmaschigen Zaun der Arena. Mit der rechten Hand locker an der oberen Kante festhaltend, hechtete er seitlich darüber hinweg. Auf der anderen Seite machte er ein paar Saltos in der Luft, bis er mit beiden Beinen schließlich fest auf dem Erdboden aufkam. Er richtete sich langsam aus der Hocke auf und drehte sich lässig zu Watery um, die ihm nur zögerlich, durch einen kleinen Seiteneingang, in das Gehege folgte, wobei sie den Zyklopen jedoch keine Sekunde aus den Augen ließ. Diese Tür, musste Wood peinlicherweise feststellen, hatte er vorher gar nicht gesehen, wodurch ihm seine Aktion von gerade eben mehr angeberisch, als wirklich beeindruckend vorkam. Wieder nach vorne starrend, versuchte er ihren Blick zu meiden.

Durch ein leises Kratzen auf dem Erdboden bemerkte Wood aber trotzdem, ohne hinsehen zu müssen, wann sie sich neben ihm aufgestellt hatte. Watery löste die Schlaufen ihres Umhangs und warf ihn von sich ab. Der Umhang schwebte ein Stück vom Wind getragen über den Boden, bevor er etwas abseits zum Erliegen kam. Übrig blieb ein armfreies, blaufunkelndes Kleid, mit herrlichem, goldfarbenen Mustern entlang der Nähte und Einschnitten im unteren Bereich, an beiden Seiten, für eine bessere Beinfreiheit, so ähnlich, wie bei einem langen Chiton. Wood konnte nicht anders und musste doch noch einmal einen Blick auf ihren schönen Körper werfen, der jetzt sogar noch besser zu erkennen war und seiner Meinung nach sogar ein wenig strahlte, was aber auch am hellleuchtenden Helios liegen konnte. Dabei fiel ihm auch ein eigenartig verschnörkeltes Symbol auf ihrer Schulter auf, dessen Bedeutung er aber nicht kannte.

Wood, der verzweifelt versuchte sich wieder auf die Prüfung zu konzentrieren, und Watery sahen zuerst zum Zyklopen, weil dieser bei dem Anblick der Beiden ein tiefes Brummen von sich gab, und dann nach links oben zur erhöhten Holzbalustrade. Auf der waren für den Fall, dass es eskalieren sollte, etliche Bogenschützen aufgestellt. In deren Mitte stand der Fabelhüter des Geheges und hielt mit seiner rechten Hand eine Feueruhr hoch. Die Feueruhr war ein mit Pech und Sägemehl beschichteter Stab, der auf eine bestimmte Länge abgeschnitten wurde. In regelmäßigen Abständen waren an dem Stab Fäden befestigt, an denen fünf Metallkugeln über einer großen Scheibe hingen. Wenn der Stab nun angezündet wurde, fielen die Kugeln im gleichen Zeitabstand herunter und ließen jedes Mal ein ‚Klong‘ erklingen.

Der Hüter war recht muskulös und trug eine einfache mit Nieten beschlagene Lederweste. Er hielt die Feueruhr gut sichtbar für die Beiden nach oben und rief ihnen mit einer ernsten und tiefen Stimme zu: „Bitte die Zettel mit den Buchstaben vorzeigen!“

Watery und Wood taten, wie ihnen geheißen und warteten dann mit Anspannung auf seine nächsten Worte.

„Gut, in Ordnung. Mein Name ist Lykorias, ich bin der Fabelhüter dieses Geheges und werde euren Kampf überwachen. Nach dem Anzünden des Stabes beginnt diese Prüfung und endet mit der letzten heruntergefallenen Kugel. Habt ihr das Fabelwesen in dieser Zeit nicht kampfunfähig gemacht, seid ihr durchgefallen.“ Lykorias wartete kurz, bis sie beide dies abgeknickt hatten, und fuhr dann weiter fort. „Wenn dann keine weiteren Fragen mehr sind, können wir auch sofort loslegen.“

Sie beide brachten vor Aufregung kein weiteres Wort mehr heraus.

„Also schön, macht die Ketten los!“, brüllte der Fabelhüter daraufhin quer über das gesamte Gelände.

Wood und Watery tauschten kurz ihre Blicke aus und machten sich dann schlagartig kampfbereit. Der Fabelhüter zündete den Stab an und gab ein weiteres Mal das Zeichen für die Helfer im Gehege, die Hand- und Fußschellen des Fabelwesens endlich zu öffnen. Die Helfer unterdrückten ihre Furcht vor dem Zyklopen und machten sich dann schließlich ans Werk.

Doch bevor sie alle Fesseln entfernen konnten, stand das monströse Fabelwesen plötzlich ruckartig vom Boden auf, wodurch die Männer an seinen Füßen, zum Schutze vor ihm, schnell davon sprangen und nach Deckung suchten. Der Riese drückte sich dann mit beiden Beinen fest vom Boden ab und schnellte seinen letzten noch angeketteten Arm kraftvoll nach vorne, wobei er einen Teil der massiven Holzmauer herausriss, die zum Schutz der Stadt um das gesamte Prüfungsgelände herum gezogen war. Die abgesplitterten Holzteile flogen mit hoher Geschwindigkeit auf Wood und Watery zu. Wood bildete schnell, ohne zu zögern, aus seinem rechten Arm ein Holzschild, um die Teile damit abzublocken. Watery blieb jedoch nur unberührt stehen und wunderte sich über Woods Verteidigungshaltung.

„Wood, das sind doch nur Holzteile. Schnell, halte sie mit deiner Fähigkeit auf!“, rief Watery aufgebracht und deutete mit einer Hand nach vorne.

„Was? Nein…. Pass auf!“

Ein breiter, schwerer Holzpfahl kam direkt auf Watery zu. Innerhalb von Sekunden warf Wood instinktiv sein Schild zur Seite, fasste an die Kante einer auf ihn zukommenden, rotierenden Holzplatte, drehte sich mit ihr um 270° und ließ sie immer noch rotierend auf den Pfahl zufliegen. Die Holzplatte zerschlug den Pfahl in zwei Hälften, die links und rechts von Watery zum Erliegen kamen. Erschrocken wich sie, mit den Händen vor dem Gesicht, zurück, weil kleine Splitterreste und feiner Sand in einem Windzug über sie hinwegfegten.

„Was sollte das denn jetzt?“, fragte sie aufgewühlt und sah zu ihm, durch ihre langen wild umherfliegenden Haare, schockiert herüber.

Aufgrund dieser Rettungsaktion hatte Wood einige herumfliegende Stücke abbekommen und lag nun rücklinks auf einem massiven Holzbalken. Dabei verlor er auch sein Wasserfass, welches ein paar Fuß neben ihm zum Stehen kam.

“Arrg…, ich kann nur Holz kontrollieren, in dem noch Leben ist, uhrr… und keines, in dem schon seit Sternenzyklen nichts mehr steckt“, stöhnte Wood verärgert und versuchte sich mühselig wieder aufzurichten.

Ein großer Schatten senkte sich plötzlich über die Beiden und lenkte ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Zyklopen, der jetzt von seiner letzten Fessel befreit war und sich vor ihnen zu voller Größe aufgetürmt hatte. Vollkommen starr schauten sie beide mit großen Augen zu ihm hoch. Mehr als 18 Fuß hoch überragte er alles, was sich in seiner Nähe befand. Selbst die Keule in seiner Hand war größer, als Watery und Wood zusammen. Bei jedem Schritt, den er machte, erbebte der Boden unter seinen Füßen und ein undurchdringlicher Berg von Muskeln überzog seinen gesamten Körper. Um seinen Hals trug er eine Kette, die aus Totenschädeln und anderen Gebeinen von Tieren bestand. Grimmig schaute er aus seinem menschlichen, narbenübersäten Gesicht mit seinem Auge zu den Beiden herunter. Zur Überraschung beider, griff er sie jedoch nicht an, sondern drehte sich um und versuchte, mit seiner Keule, sein bereits geschaffenes Loch in der Wand noch zu vergrößern. Die vielen Schützen der Arena spannten daraufhin hektisch ihre Bögen und nahmen den Koloss ins Visier. Sie besaßen aber keine normalen Pfeile, sondern welche mit Enterhaken als Spitze und einem am hinteren Teil befestigten Seil, um den Zyklopen nicht zu töten, sondern ihn vielmehr mit Gewalt in der Arena festzuhalten, wenn es sein musste.

KLONG!

Die Erste, der fünf Kugeln der Feueruhr fiel herunter.

„NEIN! Du bleibst schön hier!“, schrie Wood, der sich schnell wieder gesammelt hatte und befürchtete, die Bogenschützen würden sich einmischen, was ihrer beider Niederlage bedeuten würde.

Blitzschnell reagierte er und fasste unter sich den schweren Holzbalken, auf dem er lag. Er drehte sich mit ihm um seine eigene Achse und warf ihn, mit voller Wucht, dem Zyklopen in seine Kniekehlen. Watery beobachtete Woods Angriff und nutzte die Zeit, um sich dem Riesen, zwischen den vereinzelten Felsen hindurch, unbemerkt zu nähern, so, wie es ursprünglich der Plan gewesen war. Wood sprang rasch auf die Beine, lief ein kurzes Stück, ließ sich dann aber wieder absichtlich fallen und rutschte die letzten paar Fuß über den Sand zu seinem Wasserfass herüber, weil er ohne dieses keine Fähigkeiten benutzen konnte. Gleich, nachdem er es zu greifen bekam, nutzte er die Blöße des zusammensackenden Wesens aus, schlug so am Boden liegend seine Faust kräftig in die Erde und breitete, mit einem lauten Beben, seine Wurzeln unterirdisch in der gesamten Arena aus. Unter dem Zyklopen kamen Woods Wurzeln dann wieder heraus, umklammerten seine beiden Beine und bohrten sich wassersuchend in sie hinein. Dieser schrie vor Schmerzen und versuchte sich mit aller Kraft davon loszureißen.

KLONG!

Eine weitere Kugel war heruntergefallen.

„Jetzt! Ersticke ihn, wir haben nicht mehr viel Zeit!“, brüllte Wood aufgebracht zu Watery herüber.

Denn Watery war dem Zyklopen inzwischen nahe genug, um ihre Fähigkeit benutzen zu können, doch sie schien sich dagegen zu sträuben.

„Ich kann nicht. Es ist -“, versuchte sie zu sagen, brach aber ab, weil eine von Woods vielen Wurzeln am blutüberströmten Bein des Wesens abriss und knapp an ihr vorbeipeitschte. Wieder nach oben schauend, rollte sie sich erschrocken unter der herunterschnellenden schweren Keule, die der Zyklop wütend auf den Boden schlug, weg und brachte sich neben ihm wieder in Stellung.

„Was ist denn dein Problem? Worauf wartest du? Ich kann ihn nicht mehr länger festhalten!“, rief Wood ihr wütend zu und verzog vor Anstrengung das Gesicht.

Mit einem zugekniffenen Auge, hob sie nun doch zögerlich ihre Arme und unzählige kleine Wassertropfen flogen aus der Luft über ihr zusammen und anschießend hinein in den Rachen, des an den Fesseln zerrenden, Riesen. Langsam begann er zu husten und schnappte verzweifelt nach Luft. Plötzlich sackte Watery auf ihre Knie und sah mitfühlend zu ihm herauf, hielt ihre Fähigkeit aber immer noch zwanghaft aufrecht. Im Auge des Zyklopen platzten kleine Äderchen und es lief rot an.

KLONG!

Die dritte Kugel brannte vom Stab und fiel auf die Scheibe. Die Lippen des Wesens färbten sich allmählich blau und seine Muskeln fingen an sich zu verkrampfen. Er sackte nun auf seine Knie und schlug verzweifelt mit der linken Faust auf den Sandboden.

„Ja!“, schrie Wood siegessicher: „Gleich haben wir es geschafft.“

Woods Freude konnte Watery allerdings nicht teilen. Denn sie saß weinend auf der Erde und sah dem hilfeflehenden Zyklopen ins blutunterlaufene Auge. Mit beiden Händen an der Kehle fiel er schließlich röchelnd zur Seite und fing langsam an das Bewusstsein zu verlieren.

KLONG!

Die vorletzte Kugel fiel herunter. Nur noch wenige Herzschläge trennten sie von ihrem Sieg, als das Fabelwesen plötzlich wieder Luft bekam und beim Ausatmen reflexartig einen großen Schwall Wasser ausspuckte. Wood stand völlig fassungslos da.

„Was zum…, was ist passiert?“

Er wollte zu Watery sehen, aber der nun gänzlich wutentbrannte Zyklop versperrte ihm die Sicht. Die Keule blind durch die Luft schwingend, traf der immer noch an den Wurzeln hängende Koloss einen der zwei bemannten Holztürme. Die Wachen auf dem Turm sprangen schnell herunter, bevor sie unter den vielen Türmern begraben wurden. Die Bogenschützen auf der Balustrade spannten erneut ihre Bögen, doch der Fabelhüter stoppte sie dieses Mal mit vorgehaltener Hand. Gesteinsbrocken und Holzbalken flogen, durch die Wucht der Keule, quer über das gesamte Gehege hinweg, das mittlerweile wie ein Schlachtfeld aussah.

„Verdammt, was ist denn nur passiert?“, fragte sich Wood verwundert und blickte hastig zur Feueruhr herauf, wo sich das Feuer langsam zur letzten Kugel vorbrannte.

Er wusste, dass er nicht mehr auf Watery zählen konnte, zog daher seinen Arm schnell wieder aus dem Boden und schwang sich sein Fass auf den Rücken. Er rannte ein Stück auf den Zyklopen zu, ließ blitzartig eine Ranke aus seinem Arm kommen und sprang über einen vor ihm hinunterkommenden Stützpfeiler herüber. Anschließend schwang er sich direkt in die auf ihn zukommende Staubwolke, die von dem in sich zusammenstürzenden Wachturm verursacht wurde. In den undurchsichtigen Schwaden hangelte er sich dann, mit Hilfe seiner Ranken, durch die herumfliegenden Steine und Holzstücke hindurch und kam auf der anderen Seite, genau über dem Zyklopen, unbemerkt aus dem stark aufgewirbelten Sand wieder heraus. Als er direkt über ihm war, formte sich sein Arm zu einem riesigen, hölzernen Stamm, bereit zum Zuschlagen.

KLONG!

Doch die letzte der fünf Kugeln fiel auf die Scheibe der Feueruhr und deutete damit auf das Ende des Kampfes hin.

Der Fabelhüter, der den Kampf die ganze Zeit über interessiert verfolgt hatte, brüllte lautstark über den Platz: „Ende! Beide Prüflinge haben es nicht in der vorgegebenen Zeit geschafft das Fabelwesen unschädlich zu machen und sind damit durchgefallen.“

Der noch immer in der Luft schwebende Wood sah entsetzt zum Prüfer herüber, der den Helfern ein Zeichen gegeben hatte den Zyklopen wieder anzuketten und die Männer aus dem zerstörten Wachturm zu bergen. Sie griffen sich schnell Speere und Schwerter aus den geflochtenen Balatickkörben und kamen nur zögerlich hinter ihren schützenden Eisentoren hervor. Die vielen Bogenschützen auf der Balustrade, die sich zwischendurch wieder entspannt hatten, nahmen den Zyklopen erneut ins Visier, um den Helfern notfalls Rückendeckung zu geben.

„Nein, warten sie -“, rief Wood verzweifelt.

Doch plötzlich schmerzte sein Kopf und es wurde dunkel um ihn herum.

 


Kapitel 7 - Ringmoon


 

Etwa zeitgleich zu den Geschehnissen in Nereid, aber tausende Plethron südöstlich davon, hinter einer riesigen Schlucht, war ein großes Kriegslager von König Kyros dem Zweiten errichtet worden.

Das gut vor Spähern versteckte Lager war, bis auf einen schmalen Pfad, vollständig von Felsen umschlossen. Viele weiße Zelte waren über den Platz in Reihen angeordnet. Zudem gab es ringsherum etliche detailreiche, in die Felsen geschlagene, Häuser und Höhlen einer scheinbar längst vergangenen Zivilisation und boten nun Unterkunft für hunderte von Kriegern. In einem großen Gehege gab es einige Koudours und Brüffel, die den Soldaten als Reit- und Zugtiere dienten. Dutzende von schweren Ballisten und anderen Kriegsmaschinerien, sowie weitere weit aus gefährlichere Kreaturen, ließen den Eindruck einer in den Felsketten bevorstehenden Schlacht vermuten. Ein kleiner, korpulenter Mann ritt geschwind mit vier vermummten Begleitern auf Koudours, die beim Laufen eine lange Sandwolke hinter sich herzogen, den Hauptpfad durch die Schlucht entlang. Die Begleitkavallerie trug lange rote Gewänder und elegante schmale Schwerter. Als sie aus der Schlucht kamen, ritten sie an etlichen Soldaten vorbei, die zwischen den Zelten patrouillierten und sich verbeugten, als sie die fünf Reiter erblickten. Sie hatten es offenbar sehr eilig. Denn selbst, als ein Soldat mit seinem Mastrodon vor ihnen den Weg kreuzte, stoppten sie nicht, sondern ritten einfach durch die langen schlanken Beine des Tieres hindurch. Kurz vor einem gigantischen in die Felswand gehauenen Portal sprang der mollige Mann hastig von seinem Laufvogel und ging dann, schwer atmend, zu dem von zwei Bannerträgern bewachten Treppenaufgang hinauf. Der Eingangsbereich des äußerst beeindruckenden Portals war gut 50 Fuß hoch und wurde durch sechs Säulen gestützt. Mit hochgehaltener Hand deutete er seinen vier Begleitern an draußen zu warten.

„Hach… ist er noch da?“, schnaubte er, zur linken Wache gewandt.

Diese nickte bloß und deutete angespannt auf den großen Durchgang an der hinteren Wand des Eingangsbereichs, aus dem eine unheimliche, dunkle Aura zu kommen schien. Ein Schweißtropfen lief der Wache übers ernste Gesicht. Der Mann blickte sich noch einmal misstrauisch in der Felsenstadt um und Schritt dann, trotz seines Unbehagens, an der Wache vorbei. Er ging durch den kurzen Eingangsbereich und blieb dann zögerlich vor dem steinernen Durchgang stehen. Seine Augen mussten sich zwar noch an die Dunkelheit gewöhnen, aber er konnte jetzt schon deutlich im Inneren der finsteren Halle, die nur durch wenige Kerzen erleuchtet wurde, eine Gestalt erkennen, die mit einem schwarzen, breiten Umhang, auf einem wunderschön bestickten, dunkelroten Kissen saß.

„Meine Ehrerbietung, Ringmoon. Darf ich hereinkommen?“, flüsterte der dicke Mann zurückhaltend und verbeugte sich.

Die am Boden sitzende Person nickte zustimmend mit dem Kopf, woraufhin er dann schließlich vorsichtig die finstere Halle betrat. Dabei duckte er sich unter einer aus Glocken bestehenden Kugel hindurch, die am Eingang von der Decke hing. Obwohl er sie nicht berührt hatte, gab sie ein leichtes Klimpern von sich. Sein Blick wanderte neugierig in der Halle umher. Der Boden war nur spärlich mit geknüpften Teppichen ausgelegt und es standen überall wundersame Gerätschaften und Apparaturen, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Zudem gab es zwei Tischbänke mit Gläsern und Krügen für die Betreibung von Alchemie. An einigen der kunstvoll bemalten Wände waren Häute gespannt und in einer Ecke stand ein großes Gefäß mit einer schleimigen Flüssigkeit darin, in dem bizarres, schwarzes Getier schwamm. In der Luft lagen vielerlei seltsame Gerüche und alles in der Halle warf durch die flackernden Kerzen lange Schatten, die an den glatten Wänden zu tanzen schienen. Der am Boden befindliche Mann saß mit dem Rücken zu ihm und rührte sich nicht. Neben ihm lag ein schönes rotleuchtendes Schwert mit einer sehr schmalen und vor allem Dingen langen Klinge. Es hatte, obwohl es so schmal war, sogar noch zusätzlich ein Loch, das zwischen den beiden Schneiden verlief. Der Ansatz zum Griff war aus vergoldeter Bronze mit einem eingefassten Rubin, der im Lichtschein herrlich rot schimmerte.

„Sprich!“, sagte eine ruhige, männliche Stimme unter dem Umhang, gefolgt von mehreren flüsternden Stimmen, dessen Ursprünge jedoch nicht genau feststellbar waren.

„Mein Name ist Kyros der Zweite, Großkönig der Perser und Effendis aller Ländereien vom Osten der Ägäis bis zu den westlichen Ufern des Indus. Mein Ziel ist es Nereid, die Hauptstadt von Thessalien zu erobern und dabei bedarf es mir eurer Hilfe mächtiger Ringmoon, dies auch zu bewerkstelligen.“

König Kyros II, dem diese Worte nur sehr schwer von den Lippen kamen, trug nicht wie üblich eines seiner prachtvollen Gewänder, sondern eine generalsähnliche Rüstung mit einem goldfarbenen, breiten Umhang und anstatt einer Krone trug er einen aus samtigen Stoff, Elfenbein und Bronze gefertigten Helm. Sein rundliches Gesicht zierte ein kurzer, weißer Bart, der seiner Persönlichkeit noch zusätzlich Ausdruck verlieh. Ringmoon wartete einen Augenblick, bevor er antwortete. Dabei war es in der Halle so still, dass man nur noch das leise Knistern der brennenden Kerzen hören konnte.

„War es wirklich nötig, nur um mir diese Bitte zu unterbreiten, gleich mit einer ganzen Armee hier zu erscheinen?“, fragte Ringmoon, noch immer mit den vielen unheimlichen Flüsterstimmen, die sein Gesagtes wiederholten.

„Verzeiht mein Misstrauen, aber ich hörte, ihr hättet gelegentlich gewisse Launen, die schon vielen das Leben gekostet haben und ich dachte, ihr würdet somit meinen Vorschlag zumindest anhören, bevor ihr mich hier auf der Stelle grundlos hinrichtet“, antwortete Kyros mit einem leichten Zittern in der Stimme.

„Ach, das erzählt man sich also da draußen von mir? Nun gut! Und wie genau gedenkt ihr, König des persischen Reiches, meine Hilfe zu gebrauchen?“

Der König wurde immer nervöser und ging nun am Eingangsbereich auf und ab. Ringmoon übte auf ihn, obwohl er sich bisher noch nicht einmal bewegt hatte, einen unnatürlich starken Druck aus. Der König war es nicht gewohnt, dass es jemanden gab, der ihn so einschüchterte. Denn meistens war er es, der bei den Leuten Furcht und Schrecken auslöste.

„Meine noch im ganzen Reich verteilte Streitmacht ist zwar groß und so gut wie unbesiegbar, aber Nereids zahllose Elementare könnten für mein Vorhaben ein ernstzunehmendes Problem darstellen. Alle Elementare, die uns in Babylon entgegengetreten sind, waren unfassbar stark und selbst, als wir einige von ihnen gefangen nehmen konnten, sind sie lieber gestorben, als mit meinem Heer zusammen in den Krieg zu ziehen. Darum erbitte ich nun euch, großer Ringmoon, um Hilfe.“

Der König wählte seine Worte mit Bedacht, denn er wusste, dass er seine einzige Hoffnung war, den Krieg gegen Nereid zu gewinnen. Mit ihm riskierte er zwar eine Menge, doch für seine hohen Ziele durfte er jetzt keine Schwäche zeigen. Dafür ging es um zu viel. Ringmoon überlegte wieder lange, bevor er antwortete.

„Die Gesetze der Elementare verbieten es ihnen, sie in ihrem Vorhaben zu unterstützen. Selbst wenn sie wollten, könnten sie es nicht. Egal, was sie ihnen auch androhen, sie werden niemals mit euch kooperieren und schon gar nicht mit euch in die Schlacht ziehen.“ Er hielt kurz inne, bevor er fortfuhr: „und was eure Bitte angeht…, Nereid ist die Hochburg der Elementare. Dort leben in etwa eine halbe Millionen Menschen. Jeder tausendste von ihnen ist ein Elementar. Sie wollen also, dass ich euch über 500 Elementare, darunter mindestens 150 kampferprobte, elementarische Experten, vom Leibe halte? Mal abgesehen von der elementarischen Hilfe aus den Nachbarpolis, die noch dazukommen könnte.“

Dieses Mal überlegte sich der König ganz besonders gut, was er sagen wollte, denn er wusste, dass der nächste Punkt die entscheidende Wende in diesem Gespräch und seines gesamten Vorhabens sein könnte. Sein Gesichtsausdruck wurde wieder etwas selbstsicherer. Auch deshalb, weil er noch lebte, was ihm zeigte, dass er bei Ringmoon Interesse zu seinem tollkühnen Vorhaben geweckt hatte.

„Ich glaube nicht, dass wir viel Hilfe aus den Nachbarpolis zu befürchten haben. Es herrscht keinerlei Zusammenhalt zwischen ihnen in Helas. Und wie gesagt, mein Heer ist wirklich gewaltig und wird nicht vollkommen wehrlos gegen Nereids viele Elementare sein. Wir haben schon etliche von ihnen in anderen Städten besiegt. Außerdem“, er versuchte dabei nicht allzu plump zu klingen: „werdet ihr selbstverständlich alle, die für euch begehrten Seelen der gefallenen Elementare erhalten und zudem, sollten wir erfolgreich sein, natürlich auch den von Nereids König bewachten mächtigen Elementarstein.“

Der König hoffte ihn mit dem Stein überreden zu können. Denn jeder wusste, das Ringmoon nichts mehr begehrte als Nereids Elementarstein und es war fast unmöglich, ohne gleich mit einer ganzen Armee in die Stadt einzufallen, an ihn heranzukommen. Ringmoon fing erneut an zu sprechen, wodurch er Kyros ungeteilte Aufmerksamkeit hatte.

„Alleine, dass ihr mich hier in Al-Batrā finden konntet, zeigt mir, dass ihr ein schlauer und einflussreicher Mann seid, König Kyros der Zweite. Und ich rechne ihren Mut als Herrscher hoch an, dass sie trotz dieser Gerüchte über mich, ohne Begleitschutz diese Halle betreten habt.“ Ringmoons Stimme, sowie auch seine nachfolgenden flüsternden Stimmen, wurden etwas dunkler, was Kyros Gesichtsausdruck von einem siegessicheren zu einem eingeschüchterten Lächeln schlagartig änderte. „Dieses Angebot wurde mir vor einigen Morgen schon einmal unterbreitet und zwar von Männern, die nicht ganz so höflich waren, wie ihr es seid. Sie waren jedoch genauso töricht, wie ihr und glaubten, mich bestechen oder gar kontrollieren zu können.“

Kyros wusste ganz genau, von welchen Männern er gerade sprach. Ein paar Morgen zuvor schickte er nämlich, aus Angst vor Ringmoon, zwei Gesandte aus, die mit ihm verhandeln sollten, von denen er aber bis heute nichts mehr gehört hatte. Plötzlich wurde der König kreidebleich, als er noch einmal die an den Wänden gespannten Häute betrachtete. Schlagartig blieb er wie angewurzelt stehen. Es waren seine beiden Gesandten, denen die Haut abgezogen, vom Blut reingewaschen und anschließend auf etlichen Metallhaken aufgespannt wurde. Ihre Gesichter waren zwar unmöglich zu identifizieren, doch nun erkannte er die vielen persischen Tätowierungen auf ihrer Haut. Kyros wollte etwas zu seiner Entschuldigung sagen, doch er bekam kein einziges Wort mehr heraus. Denn der unerträgliche Druck in der Halle wurde nun so groß, dass es ihm den Hals zuschnürte und er kaum noch Luft bekam.

„Doch ich hoffe für sie, dass ich mich in diesem Punkt bei ihnen irre und belass es erst einmal dabei“, fing Ringmoon an zu sprechen, wodurch sich Kyros Starre vorerst löste. „Dessen ungeachtet bin ich bereit, euer Vorhaben zu unterstützen. Allerdings nur unter drei Bedingungen.“ Wie gefesselt verfolgte Kyros ganz genau seine Worte und versuchte, die beiden gespannten Häute vorerst zu ignorieren. „Erstens, meine Männer und ich haben freie Hand und werden nur bei elementarischen Angriffen einmischen. Alles andere ist euer Problem. Zweitens, bekomme ich alle elementarischen Seelen und natürlich auch den Elementarstein. Und drittens, werde ich mit meinen Männern bei dem kleinsten Anzeichen einer Niederlage sofort abziehen. Seid ihr mit all diesen drei Bedingungen einverstanden, König Kyros der Zweite.“

Kyros zuckte zusammen, als er seinen Namen hörte. Er blickte überrascht nach vorne, während Ringmoon sich langsam aufrichtete und sich zum ersten Mal zu ihm umdrehte. Seine rotfunkelnden Augen sahen in die des Königs, was diesem einen kalten Schauer über den Rücken laufen ließ. Er hielt ihm seine stark tätowierte Hand entgegen.

Ganz perplex starrte Kyros auf Ringmoons Hand. Er sollte es nicht wagen. Er würde es früher oder später bereuen, dessen war er sich sicher, doch er hatte keine andere Wahl. Mit einem kräftigen: „Ja!“, schlug Kyros nach kurzem Zögern ein und verspürte gleichzeitig einen stechenden Schmerz in der Hand. Er zog sie erschrocken wieder zurück und betrachtete sie. Ein schwarzes Mal hatte sich kunstvoll auf seiner Hand verewigt. Die Linien des Mals breiteten sich, wie von Geisterhand geführt, über die gesamte Handfläche aus. Ringmoon hielt seine Handfläche dem König entgegen. Auch dort war das schwarze Mal eingebrannt und zeichnete sich weiter über seine Tätowierungen hinweg.

„Ich bin mir sicher, dass ihr die Strafe kennt. Wenn ein solches Mal von einer Seite aus gebrochen wird, stirbt man. Aber wissen sie, was noch viel schlimmer ist? Wenn jemand mir nicht die nötige Achtung entgegenbringt, meinen Handel bricht und mir damit meine wertvolle Zeit stielt oder glaubt, mich in der Hand zu haben…, ich will es Mal so ausdrücken, an diesem Ort, an dem wir uns gerade befinden, lebten noch vor kurzem tausende von Nabatäer. Doch ihr Herrscher Natnu hatte sich nicht an unsere Abmachung gehalten und ist jetzt mit seinem gesamten Volk tief unter quantarschwerem Gestein begraben. Und was diese Stadt angeht, sie war vor den Felsen da und nicht umgekehrt. Ich denke, der Rest erklärt sich von selbst“, sagte Ringmoon mit einer beängstigenden Ruhe, was den König erschaudern ließ. Mit weit aufgerissenen Augen stand Kyros da. Er musste zugeben, Ringmoons Macht und Grausamkeit, bei weitem unterschätzt zu haben. „Aber keine Angst, solange ihr euch an die Regeln haltet, passiert euch und eurem Volk nichts. Sobald dieser Auftrag beendet ist, verschwindet es von ganz allein.“

Der mit Schweiß durchnässte Kyros hatte bekommen, was er brauchte und wollte, ohne irgendwelche Kriegsbesprechungen. Er wollte nur noch so schnell wie möglich aus dieser erdrückenden Halle heraus, einfach weg von diesem Monster, doch Ringmoon hielt ihn auf.

„Ich warte in vier Monden an der Gebirgsenge des Diolkos auf euch. Wenn ihr zu diesem Zeitpunkt nicht dort seid, betrachte ich diesen Handel und euer Leben als beendet.“

„Äh…, ja gut“, stammelte der König nervös. Eigentlich hatte er vorgehabt, mit seinen Truppen schon viel früher in Thessalien einzumarschieren, aber er hatte keine Lust, Ringmoons Entscheidung in einer langen Diskussion zu wiedersprechen. Dann würde er die Zeit eben nutzen, seine Armeen weiter aufzustocken und sich strategisch noch besser vorzubereiten.

König Kyros drehte sich um und ging bis zum Eingang der Halle, doch dort stoppte er abrupt ab, da Ringmoon ein weiteres Mal zu ihm sprach.

„Ach, nur so aus reiner Neugierde, wie groß ist ihr so gewaltiges Heer, mit dem ihr gedenkt, das mächtige Nereid in die Knie zu zwingen?“

Der König blickte noch einmal zu Ringmoon zurück, der gemächlich zu seinen Alchemie Tischen gegangen war und nur noch halb interessiert zuhörte. Sein tätowiertes Gesicht wurde nur leicht, unter dem Umhang, vom Kerzenschein beleuchtet und ließ daher seinen Gesichtsausdruck nicht genau erkennen. Normalerweise würde dem König bei dieser Frage ein Lächeln über die Lippen gehen, aber Ringmoons beängstigende Gestalt machte dies unmöglich.

„Über 100.000 Mann.“

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Kapitel:8
Sätze:865
Wörter:15.757
Zeichen:95.960

Kurzbeschreibung

Als Elementare werden Menschen bezeichnet, die von den vier großen Gottheiten auserwählt wurden, Elemente kontrollieren zu können. Sie sollen für dauerhafte Stabilisierung und Frieden in der Welt sorgen. Wood, ein einfacher Mischlingselementar mit der ungewöhnli-chen Fähigkeit Holz, verliebt sich während einer Prüfung in die wohlhabende Wasserelementarin Watery, die sich zunächst nicht für ihn zu interessieren scheint. Als jedoch, die Hochburg der Elementare Nereid, der Krieg droht, werden bei-de auf eine gefährliche Reise geschickt, die ihnen ihre schicksalshafte Begegnung erst so richtig bewusst macht.