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Leseprobenbuch

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1.2.2019 13:24
18 Ab 18 Jahren
Homosexualität
In Arbeit

Autorennotiz

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Wem eine der Leseproben gefällt, der kann sich das dazugehörige Buch gerne kaufen oder mir etwas Liebes dalassen.

Die Schokoeier hatte ich bereits gekauft. Es sollte folgendermaßen ablaufen: Ich versteckte überall in der Wohnung diese Eier. An Orten wie hinter den Sofakissen oder unter dem Teppich. Aber ich würde auch ganz offensichtlich welche verteilen. In der Badewanne. Im Waschbecken. In der Speisekammer. Naja das war jetzt nicht ganz so offensichtlich. Der Trick bestand darin, dass mein Liebster an jedem Ort an dem er eines der Eier fand, mit mir Sex haben würde.Auch wenn es unbequem war. Ich hatte mir gedacht, es könnte interessant werden. Deshalb verteilte ich gerade alle Eier in der Wohnung. Hier eins, dort eins, hmm...das könnte auch noch Spaß machen. Um ehrlich zu sein würde ich wohl am meisten Spaß an der Sache haben. Allerdings hielt Ben immer lange durch und hatte ein enormes Stehvermögen, weshalb ich mir keine Sorgen machte, dass es zu viele Eier werden könnten. Wir würden jede Menge Spaß haben, dessen war ich mir sehr sicher. Außerdem musste Ben ja nicht alle finden. Über das Wochenende wollten wir wegfahren und so würden wir erst an Ostern wieder zuhause eintreffen. Die Überraschung würde ihn also wirklich überraschen. Zumindest wenn alles nach Plan lief und wir nicht früher zurückkämen. Doch ich war guter Dinge. Das Wetter sollte gut werden und es war alles gepackt. Unsere Koffer standen bereits im Flur und in 5 Minuten würde mich Ben mit ihnen unten am Auto erwarten. Er kam gerade von der Arbeit und wollte danach gleich weiter. Er verließ sich auf mich, was das Packen anging und auch sonst hatte ich alles Organisatorische allein erledigt. Weil Ben mit seiner Arbeit meist voll ausgelastet war und ich mehr Freizeit hatte passte es so am besten. Ich freute mich auf den Urlaub und als ich fertig mit dem Verstecken der Eier war zog ich mich an, nahm die Koffer und machte mich auf den Weg zum Auto. Ein Grinsen zierte mein Gesicht, als ich an das bevorstehende Osterspektakel dachte.

 

Der Urlaub war wirklich super gewesen. Wir hatten uns prima entspannt und zwei Tage waren definitiv zu wenig gewesen. Doch da direkt nach unserer Ankunft am Flughafen ein Familienfrühstück mit meiner Familie auf uns wartete, hatten wir den Trip kurz halten müssen. Und etwas Gutes hatte das Ganze ja auch. Meine kleine Osterüberraschung hatte so erst ihren Platz bekommen. Als wir mit meinen Eltern und meinem älteren Bruder am Tisch saßen warf ich meinem Liebsten immer wieder verführerische Blicke zu. Er hatte längst bemerkt, dass ich etwas geplant hatte. Zu gut kannte er mich. Leider ließ sich das Frühstück nicht verkürzen. Meine Eltern waren nämlich sehr gespannt auf den Mann an meiner Seite und quetschten ihn gerade ordentlich aus. Kein Wunder. Er war der erste Mann den ich meinen Eltern vorstellte. Nur mein Bruder hielt sich zurück mit den Fragen. Nur eine hatte er. Er beugte sich am Tisch zu mir rüber und raunte: „Sag mal Ron, ist er denn auch gut im Bett?“ Er zwinkerte und ich verschluckte mich beinahe an meinem Orangensaft. „Bist du bescheuert? Du weißt doch was für gute Ohren Vati hat. Er soll ja nicht alles wissen.“ Es war typisch für meinen Bruder. Immer versuchte er mich in Verlegenheit zu bringen. Doch jetzt drehte ich den Spieß um und meinte lauter als nötig: „Nur zu deiner Information. Ich habe mit Sicherheit besseren Sex als du.“ Er wurde knallrot und unser Dad hatte definitiv mitbekommen worum es ging. Er warf uns nämlich gerade einen ziemlich bösen Blick zu. Die Sticheleien zwischen mir und meinem Bruder versetzten mich immer wieder zurück in meine Kindheit, in der wir uns gegenseitig immer wieder aufgezogen und damit unseren Vater an den Rande des Wahnsinns getrieben hatten.

 

Das Frühstück schien mir endlos lang zu dauern und ich hatte vollstes Mitleid mit meinem Liebsten, der ordentlich in die Mangel genommen wurde. Da mischten sich Fragen über sein Berufsleben mit welchen zu seinen bisherigen Beziehungen und er wurde doch tatsächlich von meiner Mutter gefragt, ob wir denn auch immer auf Sicherheit achten würden. Ben wurde knallrot, antwortete aber gewissenhaft: „Natürlich tun wir das, Frau Mergel.“ Diese Aussage schien meine Mutter zu beruhigen und sie ließ die Fragerei jetzt auch sein.


♥♥♥

 

Wir waren beide heilfroh, als wir nach hause kamen. Als wir im Flur standen meinte ich: „Warte. Geh noch nicht in die Küche. Ich hab da nämlich etwas vorbereitet.“ „So?“, fragte Ben. „Was denn? Eine Überraschung?“ Ben liebte Überraschungen. Deshalb überraschte ich ihn öfter. Eigentlich zu jedem Anlass der sich mir bot. Ich hatte das Gefühl, es machte ihn jedes Mal glücklich. So strahlte er auch jetzt. „Natürlich eine Überraschung“, sagte ich. „Da heute Ostern ist darfst du Eiersuchen. Und an jedem Ort an dem du eins findest“, ich zog mich langsam aus. „darfst du mich nehmen“, vollendete ich den Satz, als das letzte Kleidungsstück zu Boden gefallen war. Mein Penis stand jetzt schon. Allein die Vorstellung machte mich geil. Und nicht nur mir schien es so zu gehen, denn in Bens Jeans zeichnete sich deutlich sein Paket ab. „Na dann“, meinte er grinsend. „Los geht's mit dem Suchen.“

Es war ein Geschenk. Nur ein kleines Geschenk. Er hatte kaum darüber nachgedacht. Ein spontaner Gedanke. Nichts weiter. Georg würde es bestimmt mögen. So hatte er es sich gedacht. Dennoch stand er jetzt unsicher in ihrem Schlafzimmer und starrte auf das Bett. War es die richtige Entscheidung gewesen? Sie hatten nie über eine solche Option geredet. Klar, sie waren nicht so verklemmt wie andere Paare und schon gar nicht so, wie ihre heterosexuellen Freunde, und doch... Es kam ihm irgendwie falsch vor. Aber er hatte die Blicke seines Mannes bemerkt. Das gierige Stieren auf den Körper des anderen, des Fremden Mannes. Ansehen war erlaubt. Das war eine, von Anfang an festgelegte Regel. Anschauen. Mehr nicht. Schon gar nicht alleine. Aber das hier würde nicht Georgs Alleingang werden. Sollte es nie werden. Dies hier war eine Überraschung. Für Georg, und eigentlich auch für ihn. Greg. Doch jetzt fühlte es sich irgendwie seltsam an diesen schönen, nein anbetungswürdigen fremden Mann in ihrem Ehebett sitzen zu sehen. An das Bettgestell gefesselt wie bei einem SM-Spielchen. Doch das sollte es nicht werden. Naja, irgendwie ja schon. Ein ganz kleines Bisschen jedenfalls. Es würde heiß werden. Aufregend. Verboten gut. Verboten. Da kam Greg wieder an den Punkt. Es fühlte sich verboten an. Falsch. Einfach so falsch. Als hätte er Georg schon alleine deshalb betrogen, weil er den Stripper in ihr gemeinsames Zuhause gebracht und in ihr Bett gesetzt hatte. Er hatte ihn nicht angefasst. Nicht einmal um ihm die Hand zu schütteln. Dennoch fühlte er sich schmutzig und schlecht. Aber wenn er daran dachte, wie sein Liebster sein Geschenk vorfinden würde und sein Blick über die nackte Haut wandern würde... Dann verschwand der Gedanke daran, dass es falsch war. Es war für ihn. Greg's Vallentinsgeschenk an Georg. Er würde es lieben. Sie würden es beide lieben. Wie oft hatten sie sich schon überlegt wie es wohl wäre, noch einen weiteren Mann zu sich ins Bett zu holen? Zu oft. Sie hatten es sich vorgestellt. Mehr nicht. Zu sehr hatte es sich falsch angefühlt, einen anderen Mann zu lieben als den eigenen. Doch in den vergangenen Wochen hatte er Georg ansehen können, dass es ihm nicht um Liebe ging. Das war es nie gewesen. Sie beide liebten sich. Einen anderen Mann würden sie nicht lieben. Sie würden ihn lediglich für ihre eigene Lust benutzen. Ihre innersten, verdorbenen Wünsche, die sie entweder nicht zu zweit aufleben konnten, oder die einer von beiden nicht ausleben wollte, weil es einfach nicht sein Ding war.

 

Apropos Ding. Das harte Teil in seiner Hose zeigte Greg ganz deutlich, dass er dies Abenteuer ganz genauso sehr wollte, und auch brauchte, wie sein Mann. Nur im Gegensatz zu seinem Mann hatte er er die Idee, die schon seit Monaten in seinem Kopf herumschwirrte in die Tat umgesetzt. Sie war ihm im Kopf umher geschwirrt, seit sie das erste Mal in diesem Stripclub waren. Um ein bisschen Pep in die Beziehung zu bringen. Sich ein wenig aufzuheizen und dann nach Hause zu verschwinden und sich das Hin raus zu vögeln. Ja, auch er hatte den jungen, schönen, muskulösen Körper des Strippers unwiderstehlich gefunden. Auch er hatte seine Fantasien gehabt. Er hatte sich vorgestellt wie es wohl wäre diesen Mann zu küssen, ihn an sich zu ziehen und sich an diesem perfektem Körper zu reiben. Ihm an den Schwanz zu packen und ihn in den Mund zu nehmen. Zu sehen, wie Georg ihn küsste, streichelte...ihn ...fickte. Oder sich ficken lies? Dieser große Schwengel würde in Georgs weißem Arsch verschwinden und Georg würde stöhnen und den Kopf in den Nacken legen. Das Gesicht lustverzerrt. So wie er selbst, den Penis des Strippers tief in seiner Kehle. Ihn lutschend, saugend an dem geilen Stück Fleisch.

 

Greg hatte seine Augen geschlossen. Er lehnte sich an den Türrahmen. Seine Hand war längst in seiner Hose. Seine andere knöpfte diese auf und schob sie herunter. Er kickte sie von den Füßen und zog seine Unterhose hinunter. Kickte auch diese fort. Sein hartes Glied stand steif von seinem Körper ab. Die ersten Tropfen Vorsaft sammelten sich bereits an der Nille. Sie könnten das tun, was schon seit Wochen ihr Traum ist. Sich beide gleichzeitig in einem Arsch versenken. Zusammen kommen in diesem Arsch. In diesem Loch, welches nur für sie da war. Nur für die Befriedigung ihrer Lust. Er öffnete die Augen und sah dem Mann auf dem Bett ins Gesicht. Auch er war hart und in seinen Augen stand pure Lust. Nicht, weil er so gut bezahlt wurde, immerhin Tausend Euro, nein, man sah es ihm an, dass ihn die Vorstellung gleich mit zwei Kerlen Sex zu haben total an machte.

 

Greg hörte die Wohnungstür. Jetzt wurde es ernst. Würde sich zeigen, ob seine Idee gut oder schlecht war. Gott er betete dafür, dass Georg sie mögen würde. Den Stripper mögen würde und ihn dafür noch ein klein wenig mehr lieben. Ach, warum sollte er nicht? Auch für ihn ging hier ein Traum in Erfüllung. Er bekam heute nicht nur seinen Mann, sondern auch noch den geilen Stripper, den er schon so lange wollte. Was sollte hierbei schon schiefgehen? Das konnte nur geil werden. Man, er war auf Georgs Gesicht gespannte, wenn er ins Schlafzimmer kam und Sex mit Greg erwartete, doch anstelle seines Ehegatten nicht nur den, sondern auch noch den Stripper aus dem Club vorfand. Ihm würden die Gesichtszüge entgleisen und dann würde er Greg um den Hals fallen. Er würde ihn mit Küssen überhäufen und dann würde er in die Knie gehen und seinen Schwanz in seinen... . Pure Wunschvorstellung.

 

„Chrmmm... Was haben wir denn hier? Wolltest du etwa ohne mich anfangen?“

Das Handy in der Hand, saß Erik da. Er zitterte leicht. Sollte er wirklich wieder anrufen? Was ist, wenn heute ein anderer Mitarbeiter, der Seelsorge, ans Telefon ging? Aber es schien so, als wäre jeden Abend um diese Uhrzeit Ricos Dienstzeit. Außerdem arbeiteten nicht viele Leute, bei der Städtischen Seelsorge. Es war nur eine Handvoll. Die Chancen standen also gut, dass er wieder am anderen Ende der Leitung sein würde. Der Mann, dessen Stimme ihn jedes Mal, wenn er ihn anrief, erfüllte und ein Vibrieren durch seinen Körper schickte. Es war wie ein Stromschlag. Jedes Mal. Es durchfuhr ihn, überrollte ihn, wie eine Lawine. Sein Problem? Das, welches ihn noch vor wenigen Tagen nicht mehr schlafen ließ? Das war nur noch ein Vorwand. Eine kleine, unwichtig gewordene Sache, die er als Ausrede für seine täglichen, oder besser gesagt allabendlichen, Anrufe benutzte. Eine kleine Lüge, die keine echte Lüge war, wenn man denn so wollte.


Wieder wählte er die Nummer, die er mittlerweile schon auswendig kannte, und stellte auf Lautsprecher. So konnte er sich auf seinem kleinen roten Sofa zurücklehnen und einfach nur dieser wunderbaren Stimme lauschen. Tuut. Tuut. Tuut. „Hallo, hier ist Rico. Ich bin gerne für sie da, wenn sie möchten. Erzählen sie mir einfach was sie bedrückt!“ „Hey, hier ist Erik“, sagte er schlicht und wartete auf die schöne Stimme. „Oh, hey! Du wieder. Fehlt er dir immer noch so sehr?“, fragte sein Gesprächspartner, am anderen Ende der Leitung. „Nun ja, ich...“ Erik wusste nicht recht, was er sagen sollte. Er wollte nicht länger so tun, als riefe er wegen der Trauer, um seinen verstorbenen Mann an. Außerdem war sein Tod Monate her. Er wollte, nein er musste ehrlich zu Rico sein. „Um ehrlich zu sein“, begann er. „Es geht nicht mehr um ihn. Es geht um... Naja...ich rufe wegen dir an.“ „Wegen mir?“, das Erstaunen war deutlich aus Ricos Worten zu entnehmen. „Na, das ist mir nun wirklich noch nie passiert“, gestand er leise. Erik fuhr sich durch sein braunes, kurzgeschorenes Haar, oder das, was davon übrig war. „Ich...ich mag deine Stimme“, sagte er, schließlich. „Und nicht nur das. Ich mag die Art wie du redest. Und, dass du überhaupt mit mir redest. Das tut sonst nämlich keiner.“ Das kleine Geständnis brachte er nur sehr leise hervor. Irgendwie hatte er Angst es könnte Rico abschrecken. Doch die Angst war unbegründet. „Warum nicht?“, fragte er nämlich, ernsthaft interessiert. „An deinem Charakter kann es nicht liegen. Ich habe mich bereits Stundenlang mit dir unterhalten und hätte es sicher bemerkt, wenn du scheiße wärst. Also warum dann? Ist es dein Aussehen?“ Erik schüttelte den Kopf, obwohl sein Gesprächspartner dies natürlich nicht sehen konnte. „Ich denke ich sehe ganz okay aus. Ich schick dir gern ein Bild, dann kann ich es dir beweisen!“, sagte er, ohne groß nachzudenken. Erst dann fiel ihm auf, was er gerade gesagt hatte. Er hörte ein leises Lachen aus dem Handy. „Gerne“, sagte Rico und gab ihm ohne zu zögern seine private Handynummer.


Rico hatte ihm an diesem Abend ein Bild von sich geschickt. Natürlich bekam er prompt eines zurück. Die beiden Männer schienen sich zu gefallen und wie es so kommen musste, telefonierten sie seit dem jeden Abend. So auch heute. „Hey du!“, begrüßte der Telefonseelsorger den aufgeregten jungen Mann, am anderen Ende der Leitung. „Hey! Wie war dein Tag?“ „Geht so. Hatte vormittags Dienst und konnte mir so einiges anhören. Und dann hatte es auch noch so sehr geschneit, dass ich mittags mein Auto frei schippen musste. Das geht so langsam auf die Arme, wenn man das jeden Tag macht.“ Erik lachte. „Da kannst du dir das Fitnessstudio sparen. Musst nur jeden Tag 5 Autos ausbuddeln“, meinte er scherzhaft. „Das gibt aber gute Muckis!“, lachte Rico. „Ach, die hast du doch schon“, sagte der blonde Mann, während er sich auf dem Sofa ausstreckte. „Könnten aber noch mehr werden. Vielleicht sollte ich daran arbeiten sie zu definieren.“ „Das hast du nicht nötig“ sprach Erik. „Du bist sexy genug.“ Stille trat ein. Hatte er zu viel gesagt? War Rico vielleicht gar nicht an Männern interessiert? Hatte er sich etwa getäuscht? Sein Schwulenradar funktionierte doch sonst immer einwandfrei. „Danke, du auch“, hörte er schließlich, die erlösende Stimme des anderen Mannes. Er atmete erleichtert aus. Dann fiel ihm auf, dass dieser ihm soeben ein Kompliment gemacht hatte. Er errötete. „Danke. Das hat mir schon ewig keiner mehr gesagt. Genau genommen kam das letzte Kompliment der Art von Lukas, und der ist vor Monaten....Seid Monaten nicht mehr auf dieser Welt.“ Kurz herrschte erneut Schweigen. „Ich kann dir auch sagen warum. Du verkriechst dich seit seinem Tod. Gehst nicht mehr raus. Arbeitest von zuhause aus. Du kauft ja sogar deine Lebensmittel übers Internet. Den einzigen Menschen den du regelmäßig siehst ist der Paketbote. Hast du je darüber nachgedacht mal wieder vor die Tür zu gehen? Einen Spaziergang zu machen? Deine Mutter zu besuchen?“ Kurz flammte Wut in Erik auf und er zog die Stirn kraus. Seine Hände ballten sich zu Fäusten. Wie konnte er es wagen, ihm zu sagen, was er tun sollte? Es war schließlich nicht sein Leben und auch nicht seine Aufgabe. Und vor allem war er nicht Lukas! Er war nicht Lukas. Nicht. Lukas. „Alles okay?“, hörte er schließlich die Leise Stimme aus dem Hörer. „Entschuldige bitte. Ich bin zu weit gegangen. Ich mach mir nur Sorgen weißt du. Ich weiß, wir kennen uns eigentlich gar nicht, aber ich mag dich halt und möchte, dass es dir gut geht.“ Erik atmete tief durch. Rico meinte es gut. Natürlich tat er das. Trotzdem konnte er im ersten Moment nicht richtig damit umgehen. Eine Weile sagte er nichts, dann atmete er tief durch und sagte: „Ich weiß. Er fehlt mir nur so sehr. Bis vor kurzem konnte ich andere Männer nicht mal ansehen, weil mich jeder einzelne an ihn erinnert hat. Dabei sah keiner Lukas ähnlich. Aber dann, hab ich mit dir geredet. Anfangs über ihn und das hat gut getan. Dann irgendwann über alles Mögliche und irgendwie tat das noch mehr gut, aber... es ist al ob...“ Er musste nichts sagen. Rico wusste es bereits. Also beendete er den Satz für ihn. Sprach das aus, was er nicht im Stande war zu sagen. „Es fühlt sich an, als ob du ihn vergessen würdest.“ Erik ging nicht direkt darauf ein. Stattdessen sprach er weiter. „Es ist, als würde ich vergessen, was wir zusammen hatten. All die schöne und glückliche Zeit. All die Liebe und Zuwendung, die wir uns gaben. Als würde all das einfach verschwinden. Als wäre es nie da gewesen.“ Seine Stimme wurde ,zum Ende seiner Worte, immer leiser . Er hatte plötzlich einen dicken Klos im Hals, den er einfach nicht herunterschlucken konnte. „Du weist, dass das nicht wahr ist. Auch wenn es sich so anfühlt“, sagte der Seelsorger sanft. „Du verarbeitest nur endlich seinen Tod. Aber das bedeutet nicht, dass du ihn vergisst, oder das was ihr hattet. Das wird immer in deinen Erinnerungen bleiben. Er wird immer in deinem Herzen sein und du wirst ihn immer lieben, auch wenn du dich irgendwann erneut verlieben wirst.“ Stille trat ein. Nur das Atmen des Anderen sagte, dass sie immer noch miteinander telefonierten. Eriks laut klopfendes Herz, immer dann, wenn er Ricos Stimme hörte. Der Grund weshalb er nach den ersten 2 Telefonaten wieder angerufen hatte, fiel ihm wieder ein. Wurde ihm deutlich bewusst. Ihm wurde bewusst, dass es mehr war, als nur das Gefühl den anderen Mann zu mögen. „Ich glaube“, sagte er schlussendlich. „Ich bin gerade dabei.“ Nach ein paar Schweigesekunden hörte er : „Das ist doch gut, denn... ich bin auch dabei mich zu verlieben.“

Der Weg in sein Versteck war nicht weit. Das war auch nicht das Problem. Das Problem war eher, dass er sich beobachtet fühlte. Und das schon seit mehreren Wochen. Er wurde das Gefühl einfach nicht los, dass ein fremdes paar Augen ihn auf Schritt und Tritt verfolgten. Mehrmals war er an diesem Abend stehengeblieben und hatte sich umgeschaut. Immer auf der Hut. Immer darauf bedacht, dass sein suchender Blick seinem Verfolger nicht auffallen würde. Auch jetzt blieb er stehen und suchte mit unruhigem Blick die kleine Gasse, in der er sich befand, nach einem Anzeichen Ausschau, dass noch jemand hier war, doch er konnte beim besten Willen nichts in der Abenddämmerung ausmachen. Er reckte seine empfindsame Nase in den Wind und schnupperte. Angestrengt versuchte er die verschiedenen Gerüche der Großstadt auszublenden und einen anderen Geruch, als den von Lebensmittelresten, des Asiaimbis der nahegelegenen Hauptstraße, und Verwesungsgeruch verendender Tiere wahrzunehmen, doch nichts. So sehr er sich auch anstrengte, er konnte nichts besonderes riechen. Kein anderes Lebewesen. Dabei war er sich so sicher, dass er verfolgt wurde.


Aus einigen Metern Entfernung konnte Magnus den Wolf ausmachen, der verzweifelt versuchte, mittels seiner übernatürlichen Sinne, seinen Verfolger auszumachen. Vergeblich blieben seine Versuche. Wie schon seit Wochen. In den ersten Tagen seiner Verfolgung war er noch nicht bemerkt worden, doch dann hatte Magnus eine Blechdose vom Dach gekickt, ausersehen natürlich, und hatte somit die Aufmerksamkeit des Wolfswandlers auf sich gezogen. Er hatte ihn nicht gesehen. Sonst wäre der Vampir jetzt nicht hier, jedoch war der andere Mann seit dem sehr viel aufmerksamer geworden und war sich der Anwesenheit seines Verfolgers scheinbar immer bewusst. Magnus musste vorsichtiger werden. Sonst war er nie so unachtsam. Der junge Wolfswandler ging weiter. Auch Magnus setzte sich nun wieder in Bewegung. Schnell sprang er auf das gegenüberliegende Dach. Es war nicht mehr weit zum Versteck des Wolfes.Das wusste er, da er den Wolf schon öfter bis dahin verfolgt hatte. Er kannte die Lage, die Umgebung, wusste darum, dass das Versteck in einem verlassenen Viertel der Stadt lag. Dieses Mal wollte er vor ihm da sein. Schnell rannte er leichtfüßig hinüber zur nächsten Kannte. Der nächste Sprung musste genau geplant sein. Er machte sich bereit und sprang.


Mit zittrigen Fingern drehte er den Schlüssel im Schloss. Er öffnete die Tür und schlüpfte hinein. Erleichtert ließ er sich an der geschlossene Tür zu Boden sinken und schloss die Augen. Als er sie wieder öffnete legte sich eine kalte Hand auf seinen Mund und eine raue Stimme sagte: „Hier drinnen hört dich keiner Schreien Wölfchen.“ Kalte Angst manifestierte sich im Körper des Wolfes. Er konnte sich nicht bewegen. Seine Glieder fühlten sich wie taub an. Die aufkommende Panik lähmte ihn, machte ihn völlig bewegungsunfähig. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Das Gewicht des anderen Mannes drückte ihn fest gegen die Tür. Langsam wurde die Hand von seinem Mund genommen und ein Zeigefinger an die verdeckten Lippen seines Gegenübers gehalten. Der Mann trug ein Tuch über dem Gesicht. Eine Kapuze verdeckte sein Haupt. Nur seine stechenden, grünen Augen konnte Quin sehen. Schöne Augen, das musste er zugeben. Für einen Moment war die Angst verschwunden und er verlor sich in dem sanftem Grün.


Das schwere Atmen des jungen Wolfes streifte Magnus Gesicht, so nah war er ihm. Er musste unbedingt Abstand zwischen sie Beide bringen. Aber wie stellte er dies an, ohne dem Anderen eine Möglichkeit zur Flucht zu bieten? Schnell griff er nach den Schlüsseln, die der Andere hatte fallen lassen. Er steckte sie sich in eine seiner vielen Taschen, die er überall versteckt am Körper trug. „Du kannst mir nicht entkommen“, sagte er zur Sicherheit wohl wissend , dass dies eine Lüge war. Rein körperlich war er dem Wolfsmenschen unterlegen. Sowohl größentechnisch, als auch kräftemäßig. Er könnte sich leicht von ihm befreien, was er augenscheinlich aber nicht vorhatte, und dann durch das offen gelassene Fenster fliehen. Warum wehrst du dich nicht? Fragte sich der Vampir. Warum versuchst du nicht zu fliehen? Er stand auf und streckte seine Hand aus. „Komm schon. Hoch mit dir.“ Eine zitternde Hand legte sich in seine und mit einem Ruck war der junge Mann auf den Füßen.


„Wer bist du? Was willst du von mir?“, fragte Quin ängstlich, als er vor dem anderen Mann stand und ihn musterte. Er war etwa einen Kopf kleiner als er selbst und eher schmächtig. Komplett in Schwarz gehüllt, verschmolz er beinahe in der Dunkelheit Quins Behausung. In Menschlicher Gestalt hatte der Wolfswandler keine Chance gehabt, ihn rechtzeitig zu entdecken. Nicht die Geringste. „Eins nach dem Andern, junger Wolf“, antwortete ihm sein Verfolger. „Du brauchst dich nicht zu fürchten. Jedenfalls jetzt noch nicht.“ Quin wich einen Schritt zurück. Zumindest wollte er das, aber da fiel ihm auf, dass die Tür direkt hinter ihm, dieses Vorhaben unmöglich machte. Er saß in der Falle. Kalter Schweiß brach ihm aus und lief ihm die Schläfen entlang. Sein Herzschlag rauchte in seinen Ohren. „Bitte..“, stotterte er. „Bitte was?“, fragte sein Gegenüber, amüsiert lächelnd. „Bitte lass mich gehen? Bitte tu mir nicht weh?“ Quin nickte. „Tu mir nicht weh“, flüsterte er fast. Die Stimme hatte ihm versagt.


Gott, wie unterwürfig dieser Wolf bettelte. Wie er flehte. Diese zittrige Stimme. Magnus hörte die Angst fast, die den jungen Wolfsmann ergriffen hatte. Er stand da und sah ihn mit diesem Blick aus seinen braunen Augen an. Ein Blick den Magnus noch nie zuvor in den Augen eines seiner Opfer gesehen hatte. Obwohl er dieses Spiel schon öfter gespielt hatte, fühlte sich alles neu an. Anders als je zuvor. War es nur dieser Blick, aus den hübschen Augen des Jüngeren, oder war es etwas gänzlich anderes? Er wusste es nicht. Konnte nicht mal eine Vermutung anstellen. In seinem Magen kribbelte es. War es Hunger der ihn zu seiner nächsten Aktion trieb? Er wusste es nicht, aber er beugte sich nach vorn und drängte den Wolf somit mit dem Rücken gegen die verschlossene Tür. Seine Lippen berührten das zarte Fleisch des Halses seines Opfers.


Quin zitterte mittlerweile am ganzen Körper. Er zuckte zusammen, als sich kalte Lippen auf seinen Hals legten. Direkt über der Hauptschlagader. Sein Gegenüber war ein Vampir! Schoss es ihm durch den Kopf, als er eine feuchte Zunge spürte, die zärtlich über diese auserkorene Stelle leckte. Sie betäubte sie leicht, damit der Biss nicht zu sehr weh tun würde. Doch der Vampir biss nicht zu. Noch nicht. Warum tat er es nicht? Fragte sich Quin. Warum brachte er ihn nicht einfach um? Das war doch genau das, was Vampire auf der Jagt taten. Sie töteten. Und am liebsten töteten sie Wölfe. Allerdings nur dann, schoss es ihm durch den Kopf, wenn sie in Menschlicher Gestalt waren. Sie waren dann schwächer, und einen Gegner im geschwächten Zustand zu töten, war nun mal einfacher, wenn man wusste, dass man sonst nicht die geringste Chance haben würde.

„Aufstehen!“; tönte es laut vom Flur her. Kurz darauf klopfte es und Adam hatte gerade noch Zeit, mit einem Zipfel seiner Bettdecke, seine plötzlich zusammengeschrumpfte Erregung zu verdecken. Dann stand auch schon seine Mutter im Zimmer. „Mum!“, nölte er. „Hast du das Prinzip vom Klopfen denn immer noch nicht verstanden? Erst klopfen, dann warten. Und erst dann! Erst dann kannst du rein kommen! Ich hätte auch ein Mädchen zu Besuch haben können!“, sagte er wütend. Seine Mutter Marion schüttelte nur lachend den Kopf. „Du hast doch noch nie ein Mädchen mit nachhause gebracht. Ich glaube kaum, dass du jetzt, mit 16, damit anfängst“, sagte sie und verließ bereits wieder Adams Zimmer. Als sie die Tür schloss meinte sie noch: „Wenn du Hilfe bei den Hausaufgaben brauchst kannst du mich fragen. Dein Vater ist schon vorgefahren. Er sagte er wolle bei den Vorbereitungen für die Feier helfen. Um 18 Uhr fahren wir zwei los.“ Seufzend legte Adam den Kopf in den Nacken. Erstmal Duschen und Frühstücken, dachte er sich. Danach konnte er seine Hausaufgaben für das Wochenende erledigen. Und zwar allein. Seine Mutter nervte ihn in letzter Zeit nur.

 

Einige Stunden später waren seine Hausaufgaben fertig und Adam saß zusammen mit seiner Mutter im Auto und fuhr zur Party. Er trug ein offenes Hemd und darunter ein T-Shirt. Dazu trug er eine enge Jeans, die seinen Hintern ganz prima betonte. Seine Mum fand das Outfit natürlich absolut unpassend, aber er hatte es absichtlich so abgestimmt. Seine kurzen, braunen Haare hatte er wild zurecht gezupft und hoffte er würde so etwas selbstsicherer wirken. Marion hatte nur gemeint er sähe aus, als wäre er gerade erst aufgestanden. Selbstverständlich war das dem Sohn egal. Er war schließlich von seiner Wahl überzeugt. Sie würden heute Abend den Geburtstag von Adams Tante Roberta feiern. Roberta war Marions Schwester und somit Tobias Mutter. Der Verwandtschaftsgrad war Adam klar. Es lies allerdings dennoch nicht an Adams wilden Gefühlen zweifeln. Es war Adam schlichtweg egal. Es war ja nicht so, dass sie Geschwister waren. Das wäre ja auch eklig! Sein Cousin allerdings, das ging schon irgendwie klar, dachte sich der Teenager. Wenn er überhaupt eine Chance hatte. Immerhin wusste er, dass Tobias schwul war. Das war ein großer Vorteil, der nicht zu verachten war. Adam selbst wusste noch nicht, ob er lieber Jungs oder Mädchen mochte. Ein Mädchen mochte er auf jeden Fall. Ein Mädchen mit wundervollen Haaren und geilen Titten. Verdammt! Er wollte doch nicht mehr an sie denken! 
Sie hielten an. Sie waren da. Adam stieg aus und streckte sich erst mal ausgiebig. Endlich! Die lange Autofahrt war langweilig gewesen. Vor allem weil seine Mutter mal wieder über ihren Garten geredet hatte. Sie war eine echte Blumen-Närrin. Da konnte ihr keiner etwas vormachen. „Ich geh schon vor“, murmelte Adam in Richtung seiner Mutter und machte sich auf den Weg zum Haus seiner Tante. Er hatte sie lange nicht gesehen und wollte sie zu aller erst begrüßen. Tobi musste warten.


Kaum hatte er das Haus durch die offene Tür betreten stieg ihm der Duft von frisch gebrühtem Kaffee und Kuchen in die Nase. Tante Susi war eine fantastische Bäckerin und Adam freute sich schon auf den Kuchen. Noch viel mehr allerdings freute er sich gerade auf seinen Cousin. So viel Zeit war vergangen, als sie sich das letzte mal gesehen hatten. Er war irgendwie aufgeregt. Und das war noch untertrieben. Sein Herz schlug ihm sprichwörtlich bis zum Hals. Er bog um die Ecke und betrat die geräumige Küche, in der seine Tante gerade ein Blech frisch gebackenen Kirschkuchen aus dem Ofen holte und auf die Arbeitsfläche stellte. Als sie ihren Neffen sah breitete sie die Arme aus und kam freudestrahlend auf ihn zu. „Komm her, mein Großer!“, rief sie. „Man, bist du gewachsen!“ Adam lies sich drücken und sparte sich ein „Stimmt doch gar nicht. Ich bin immer noch 1,70“. Stattdessen drückte er Susi und lächelte sie an. „Geht es euch allen gut?“, fragte er höflich. Wie nebenbei fügte er an: „Wo ist denn Tobi? Noch oben?“ „Oh, gut geht‘s uns! Ja, er ist sicher immer noch am umziehen. Geh ruhig zu ihm!“ Mit wenigen Schritten war Adam schon am Treppenansatz und nahm dann mehrere Stufen auf einmal.

 

Oben angekommen blieb er stehen. Plötzlich unsicher, verharrte er an der Schwelle. Aus dem Zimmer links neben ihm drang laute Rockmusik. Das war Tobias Zimmer. Adam fasste Mut. Dann ging er die wenigen Schritte und nahm die Klinke in die Hand. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Er setzte ein lockeres Lächeln auf und betrat nach kurzem Klopfen den Raum. Warme Luft kam ihm entgegen und der Duft den Adam so sehr vermisst hatte. Tobis ganz eigener Geruch aus seinem Duschgel und dem Körpereigenen Duft. Diese einzigartige Mischung wirkte auf den Teenager, der gerade den Raum betreten hatte, wie ein Aphrodisiakum. Es war betörend. Tobias stand mit dem Rücken zu Adam am Fenster und rubbelte sich seine schwarzen Haare mit einem Handtuch trocken. Er trug nichts weiter als seine enganliegenden Boxershorts. Sie waren rot. Adam liebte rot. Und er liebte den Jungen vor ihm. Der Junge mit dem athletischem Körper eines Leistungsschwimmers und dem perfektesten Arsch den Adam je gesehen hatte. Zu gerne würde er dieses Prachtexemplar von Hintern mit beiden Händen fest packen. In seiner Hose regte sich was. Tobias hatte den Besucher noch nicht entdeckt, was dazu führte, dass er sich leicht erschrak, als er sich umdrehte und Adam entdeckte. „Hey“, sagte er leise. Zu leise, um die lauten Gitarrenklänge, die aus den Lautsprechern seiner Anlage strömten, zu übertönen. Er stellte die Musik aus und zog seinen Cousin lachend in die Arme. Kurz erwiderte Adam die überschwängliche Begrüßung. Als sie sich nun gegenüber standen sahen sie sich erstmals richtig an. „Lange nicht gesehen“, meinte Tobias und betrachtete Adam von oben bis unten. Ob ihm wohl auffiel wie nervös Adam war? „Ja“, stammelte Adam. „Schön dich wiederzusehen. Gut siehst du aus.“ Tobi lächelte. „Danke. Du auch“, erwiderte er, während er sich ein T-Shirt aus der Kommode nahm und sich über den Kopf zog. Suchend wanderte sein Blick durchs Zimmer. „Ah, da ist ja meine Hose“, sagte er und schnappte sich das Kleidungsstück von seinem Bett. Als Tobias sich fertig angezogen hatte ging er zur Tür. „Na komm. Wir werden sicher schon unten erwartet.“

 

Der Abend schritt zusehends voran und die beiden Teenager verstanden sich blendend. Sie hatten sich in den alten Schuppen zurückgezogen und saßen auf ein paar alten Decken, die ausgebreitet auf dem Boden lagen. Ein Kartenspiel lag vor ihnen und sie hatten gerade eine Runde „Mensch ärger dich nicht“ gespielt. Mittlerweile war Adam aufgetaut. Er fühlte sich sogar richtig wohl in seiner Haut, was vielleicht auch daran lag, dass er schon 2 Flaschen Bier getrunken hatte. Unerlaubterweise natürlich. Erlaubt hatte seine Mutter ihm nämlich genau eins. Nicht mehr. Adam jedoch wollte weder als Weichei, noch als Muttersöhnchen dastehen. Also trank er mehr. Schließlich wollte er cool und vor allem erwachsen wirken. So wie Tobi. Tobi strahlte Stärke und Selbstsicherheit aus. Eine Selbstsicherheit die Adam nur sehr selten hatte. Vor allem in der Schule. Immer wenn ein Mädchen ihn ansah schaute er schnell weg und wenn er es einmal schaffte eine Unterhaltung mit einem zu beginnen, dann fing er an zu stottern und man lachte über ihn. Aber hier und heute, neben dem coolen Tobias und mit ein wenig Alkohol, da fühlte er sich auf einmal unbesiegbar. Scheiß auf die Mädchen, die über ihn lachten und hinter hervor gehaltener Hand kicherten. Scheiß doch auf alle! Er würde es wagen! Heute würde er seinen Mut zusammen nehmen und Tobi küssen!


„Hast du eigentlich ne Freundin?“, fragte dieser ihn gerade. „Nein“, sagte Adam. „Die Mädchen mögen mich nicht sonderlich und die Jungs finden, ich wäre ein Weichei“, gab er zu. Es auszusprechen tat gut. Und Tobi reagierte völlig cool auf seine Worte. „Weißt du“; fing er an. „Ich konnte damals auch nicht gut mit Mädchen. Bis ich gemerkt hab, dass ich auf Jungs steh. Ab da war einfach der Druck weg. Ich musste keinem Mädchen mehr gefallen. Ich konnte Mädchen gegenüber ich selbst sein. Ich musste sie schließlich nicht mehr beeindrucken.“ „Da hast du's gut“, sagte Adam. „Aber bei Jungs geht es mir leider ähnlich, wie bei Mädchen.“ „Hast du schon mal überlegt woran das liegen könnte?“, fragte der Ältere. Adam schüttelte den Kopf, antwortete aber: „Ich glaub ich steh einfach auf beides.“ Aber stimmte das auch? Bisher fand Adam schließlich nur einen Jungen toll. Er war sich so unglaublich unsicher. Tobias sah ihn lange an. „Weißt du, wie du das herausfinden kannst?“, fragte er. Adam schüttelte den Kopf. Er erwartete eine Antwort, aber stattdessen beugte sich Tobias zu ihm und legte seine Lippen mit sanftem Druck auf die Adams.

Paul war geflohen. Von seiner eigenen Hochzeit. Er hatte seine frisch angetraute alleine am Buffet zurück gelassen und war regelrecht geflüchtet. Ihm war auf einmal alles zu viel. Die vielen Menschen. Freunde, Bekannte, Familie. Die laute Musik, die vielen Lichter. Das alles. Zu viel, zu laut. Er presste seine Hände auf die Ohren und stützte seine Ellenbogen auf den Tresen vor ihm. Er war die Straße entlang gelaufen und in irgendeine Bar gegangen. Naja, Kneipe traf es vielleicht eher. Es war schmuddelig hier. Nur ein paar wenige Menschen hielten sich zu so später Stunde noch in den Räumlichkeiten auf. Er trank einen Schluck des schalen Biers vor ihm und starrte sein Glas an. Er hatte diese große Fete doch gar nicht gewollt. Ihm hätte eine kleine Feier mit ein paar wenigen, ausgewählten Gästen aus dem engsten Freundeskreis gereicht. Aber seine Frau wollte die große Party. Er war nie ein großer Freund solcher Veranstaltungen gewesen. Aber er konnte seiner Marie auch nichts abschlagen. Nur deshalb gab es die Feier überhaupt. Was das alles gekostet hatte! Er durfte nicht mal daran denken. Er seufzte leise. Er sollte glücklich sein. Alles was er je gewollt hatte war Marie zu heiraten. Und jetzt, wo sie seine Frau war... . Er wusste es ja selbst nicht.

 

"Sie sind ja ganz schön schick angezogen, für so eine Spielunke." Hörte Paul eine Stimme neben sich sagen. Er schaute von seinen Glas auf. Neben ihm saß ein junger Mann ende Zwanzig und lächelte ihn an. Er trug eine Jeans und dazu ein lässig geöffnetes dunkelgrünes Hemd. Seinen Hals zierte ein schwarzes Band an dem ein silberner Drache hing. Sein Blondes Haar trug er verwuschelt. Der hatte wohl keine Probleme eine Frau ab zu kriegen. "Da drüben findet wohl so eine hochfeine Schikimickihochzeit statt." Sagte der Typ. Paul räusperte sich. "Ja," sagte er dann. "Das ist meine Schikimickihochzeit." Der Blonde schaute ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. "Oh!" meinte er. "Ich hätte nicht gedacht, dass du einer von denen bist." Paul schaute verärgert . "So? Und warum nicht?" Fragte er. "Oh, du siehst einfach viel besser aus als die da drüben." Meinte er feixend. Das nahm Paul als Kompliment und sein aufgekommener Ärger verrauchte wieder. Da fragte sein Gegenüber: "Wenn das deine Hochzeit ist, warum bist du dann nicht bei deiner Braut?" "Ist mir zu viel geworden." Antwortete er. Dann starrten beide Männer vor sich hin. Schweigen entstand. "Hey! Ich will den Laden dicht machen!" Durchbrach schließlich der Wirt die Stille. Paul sah sich um. Er und der Fremde waren die Einzigen die noch in der Kneipe waren. Ihm wurde bewusst, dass das bedeutete, dass er wieder zurück auf die Party musste. Er seufzte wieder. Dann bekam er eine Idee. "Weißt du wo es ne Kneipe gibt die so spät noch offen hat?" Fragte er den Blonden Schönling. Dieser schüttelte den Kopf. "Nein," sagte er. "Aber du könntest mit zu mir kommen. Ich wohne nicht weit von hier und hab noch Bier zu Hause." Sollte er das tun? Einfach so mit einem völlig Fremden mitgehen? Was solls. Dachte er schließlich. Er war schließlich keine Frau. Er war ein Mann. Er konnte sich bei einem Übergriff wehren. Immerhin hatte er in seiner Jugend geboxt. Klar, das war schon um die 17 Jahre her, aber verteidigen konnte Paul sich. "Warum nicht," sagte er zustimmend. "Die Party geht bestimmt noch 2 Stunden. Minimum."

 

Gemeinsam verließen sie die Kneipe. Sie gingen ein paar Meter die Straße entlang, vorbei an dem Gebäude in dem Pauls Hochzeitsfeier noch in vollem Gange war, über eine kleine Kreuzung, ein kurzes Stück durch einen Park und dann standen sie auch schon vor einem kleinen Einfamilienhaus. Es war ein Neubau, blau gestrichen. Das konnte er bei der Dunkelheit natürlich erst erkennen als sein Führer die Haustür aufschloss und das Licht im Flur anschaltete. Sie gingen hinein. Paul schloss die Tür hinter sich und schaute sich um. Der Flur war klein. Die Wände waren in einem seichten Gelb gestrichen. Eine Wendeltreppe führte ins Obergeschoss, eine Andere in den Keller. Zwei Türen gingen vom Flur ab. Eine war geöffnet und gab den Blick in das geräumige Wohnzimmer frei. Die andere war verschlossen. Da der Flur so klein war befand sich in ihm nur eine kleine Garderobe und ein Schuhschrank. Ein Foto hing an der Wand. Darauf zu sehen war ein kleines Mädchen im roten Kleid. "Deine Tochter?" Fragte Paul neugierig. Sein Gastgeber, der sich grade die Schuhe auszog und in den Schuhschrank räumte lachte kurz auf. "Nein," sagte er. "Meine Nichte. Die Tochter meines Bruders." Paul nickte. Er zog sich ebenfalls die Schuhe aus und stellte sie neben die Haustür. "Ich bin übrigens Sven." Stellte sich sein Gastgeber jetzt vor. Dann ging er ins Wohnzimmer. Paul folgte ihm. "Ich heiße Paul." Meinte er nur und begann sich im Wohnzimmer um zu sehen. Der Raum war beinahe vollständig von einer riesigen schwarzen Ledereckcouch ausgefüllt. Vor dieser stand ein Couchtisch aus Glas und an der gegenüberliegenden Wand hing ein großer Flachbildfernseher. Darunter stand ein Beistelltisch. Ebenfalls aus Glas. Darauf stand eine Spielekonsole und eine Telefonstation. Zwei Videospiele lagen daneben. "Setz dich ruhig," bot Sven an. "Ich hol nur schnell das Bier aus dem Kühlschrank." Dann verschwand er durch eine geöffnete Tür die vom Wohnzimmer abging. Dann war die verschlossene Tür im Flur wahrscheinlich die Badezimmertür. Paul ging zur Couch und setzte sich. Ein wenig mulmig war ihm ja schon. Er war schließlich noch nie einfach mit einem Fremden Mann mit nach Hause gegangen. Aber Sven wirkte völlig normal. Also kein verrückter Psycho, der Fremde auf der Straße aufließ und sie dann in seinen Keller lockte und ermordete. Zumindest hoffte er das. Neben dem Beistelltisch stand ein altmodisches CD-Regal in schwarz. Paul überlegte ob er aufstehen und sich die CD-Sammlung ansehen sollte, da kam Sven auch schon aus der Küche zurück. Er bemerkte seinen Blick zum CD-Regal. "Was hörst du für Musik, Paul?" Fragte er und reichte Paul eine geöffnete Flasche Bier. Dieser nahm es dankend entgegen und antwortete: "Nichts besonderes. Aber Rockig sollte es sein. Und du?" Sven setzte sich neben ihn. "Rock. Ausschließlich. Gern härter. Ich steh auf so ziemlich alles was hart ist." Die Zweideutigkeit seiner Worte schien ihm nicht bewusst zu sein. Paul war sie dafür um so deutlicher. Er grinste breit. "Was?" Fragte Sven. "Du hast grade gesagt du stehst auf alles was hart ist." Klärte Paul ihn auf. Da musste auch Sven grinsen. "Wenn du das sagst muss es wohl stimmen." Meinte er und sein Grinsen wurde zu einem flirty Lächeln. Paul wurde rot. Das hatte er auch noch nie erlebt. Das ein Mann mit ihm flirtete. Und er selbst hatte die Vorlage dafür geboten. Irgendwie schmeichelte ihm das. "Und auf was stehst du noch so?" fragte er mutig. Irgendwie fand er die Situation amüsant. Und was schadete es denn ein bisschen zu flirten. Seine Frau würde nie davon erfahren und er war nicht schwul. Wahrscheinlich war er deshalb auch so locker. Deshalb und wegen des Alkohols, der schon seit ungefähr 4 Stunden in ihn floss. Nur in Form von Bier versteht sich. Er war schließlich ein echter Mann. Sven räusperte sich. "Auf vieles," sagte er. "Auf so schnucklige Kerle wie dich zum Beispiel." Paul lächelte verlegen. Sven war also schwul. Na gut. Hatte er nichts gegen. Generell war Paul ein ziemlich offener und toleranter Mensch. Er war für Flüchtlinge. Und für die Homoehe! Ganz klar. Was sollte überhaupt dieser Quatsch von wegen heiliger Ehe und der Blödsinn. War Liebe nicht immer gleich? Egal welches Geschlecht sie betraf? Seiner Meinung nach schon. "Das ist schön zu wissen." Sagte er. Sven stellte sein Bier ab und lehnte sich nach hinten. " Soll ich dir zeigen auf was ich noch so stehe?" Fragte er Paul und schaute ihn mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen an. Paul hoffte, dass er damit nichts eindeutiges meinte. Trotzdem nickte er. Sven stand auf und bat Paul ihm zu folgen. Paul stellte sein Bier ab und folgte Sven die Kellertreppe hinunter. Unten angekommen betraten sie einen großen Kellerraum. Sven knipste das Deckenlicht an. Was Paul nun sah ließ ihn staunen.  

 Er wusste nicht wie es dazu gekommen war. Klar war nur, sie hatten es getan. Sie hatten Sex miteinander gehabt. Was war dabei? Könnte man denken, wenn sie keine Brüder wären. Doch das waren sie nun mal. Sie waren Brüder und nun war geschehen, was niemals hätte passieren dürfen. Was hatten sie nur getan? Diese Frage ging Torben nun schon seit Stunden durch den Kopf. Kein Wort hatten sie miteinander gesprochen seit der letzten Nacht. Nicht mal angesehen hatte Mark ihn. Er ging ihm ganz eindeutig aus dem Weg. Jetzt saßen sie in Marks Auto und starrten beide stur geradeaus auf die Straße. Irgendwann mussten sie doch miteinander reden. 
In der vergangenen Nacht hatten sie mal wieder in einem Motel irgendwo am Rande eines kleinen Kaffs halt gemacht. Sie mussten schließlich irgendwo übernachten. Nächte im Auto kannten sie nämlich nur all zu gut. Das brachte ihr Job mit sich. Als Geisterjäger wurde man leider selten bezahlt. Die meisten Menschen glaubten nämlich weder an Geister und Dämonen, noch an andere übernatürliche Wesen, wie Vampire oder Guhle. Dennoch hatten es sich die Dunkens schon vor Jahrzehnten zur Aufgabe gemacht eben jene Wesen zur Strecke zu bringen. Schon Torbens Ur-Ur-Großvater jagte diese übernatürlichen Kreaturen. Irgendjemand musste es ja schließlich tun. Es starben immerhin Menschen wegen diesen Mistviechern. So war es auch nicht verwunderlich, dass Torben und sein älterer Bruder Mark sich der Jagd nach dem Übernatürlichem ebenso verschrieben hatten, wie schon ihr Vater, Großvater, Ur-Großvater und Ur-Ur-Großvater. Sie waren echte Dunkens und sie waren verdammt stolz darauf! Selbst, wenn man sie für verrückt hielt und selbst wenn sie nicht bezahlt wurden und deshalb durch Kreditkartenbetrug ihr Leben finanzieren mussten. Sie würden weiter machen. Sie würden kämpfen. Für sich selbst, für ihre Familie, ihre Freunde und für alle Anderen. Bis es sie irgendwann umbringen würde. Und das würde es sie zweifelsohne. Irgendwann. 
Jedenfalls, in dieser Nacht, die auf einen Tag folgte an dem, Mark mal wieder einen hohen Alkoholpegel auf Dauer hielt, hatte Torben es wohl irgendwie geschafft seinen Bruder so lange zu reizen bis... nun ja, bis sie miteinander im Bett gelandet waren. Das er das irgendwann schaffen würde, hätte ihm eigentlich klar sein müssen. Immerhin hatte sein Bruder, seit dem Tod ihrer kleinen Schwester, ein nicht zu unterschätzendes Alkohol Problem. Kein Wunder, wenn er so darüber nachdachte. Immerhin machte er sich wegen Linas Tod immer noch Vorwürfe. Nicht nur er um genau zu sein. Selbst ihr gemeinsamer Vater, war der felsenfesten Überzeugung er wäre Schuld an ihrem Ertrinken. Eigentlich dachte das die ganze Familie. Nur er nicht. Nicht Torben. Er glaubte an seinen großen Bruder. Er hatte immer an ihn geglaubt. Und selbst wenn er es nicht tun würde, so wusste er es besser. Mark konnte nichts für den Tod ihrer einzigen Schwester. Nicht dafür und auch nicht an dem Selbstmord ihrer Mutter. Sie hatte einfach den Tod ihrer geliebten Tochter nicht verkraftet. Nach dem Tod ihrer Mutter hatten die beiden Dunkenbrüder nichts mehr, was sie noch zu Hause hielt. Also zogen sie los um zu jagen. Genau wie ihr Vater vor ihnen. Heimatlos und ohne jegliche finanzielle Mittel. Doch all das war jetzt nicht wichtig.
Torben gab sich einen Ruck. Er räusperte sich. "Mark." Stille. Wenn Torben ehrlich zu sich selbst war, hatte er auch nichts anderes erwartet. "Mark", versuchte er es wieder. Diesmal lauter. Mark drehte das Radio auf. Das konnte doch wohl nicht sein Ernst sein! Hatte er etwa vor, ihn den Rest ihres Lebens zu ignorieren? Torben versetzte der Gedanke einen Stich. Er schluckte. Doch er fasste einen Entschluss. Er würde die Sache jetzt klären. Das war Mark ihm schuldig! Immerhin ging die Sache von ihm aus. Ja, sie hatten beide getrunken, aber geküsst hatte er ihn! 
Torben konnte noch immer Marks Lippen spüren, die sich sanft gegen die Seinen bewegten. Seine Zunge die sich einen Weg zwischen sie bahnte. Die, die Seine anstupste, forderte. Er konnte ihn immer noch schmecken. "Mark, verdammt!", rief Torben und drehte die Musik aus. "Wir müssen darüber reden, was passiert ist!" Sein Bruder fuhr den Wagen an den Straßenrand und blieb mit quietschenden Reifen stehen. Dann drehte er sich schnaubend zu dem Jüngeren. "Du willst allen Ernstes darüber reden? Torben. Wir sind Brüder verdammt nochmal! Es ist NICHTS geschehen! Überhaupt nichts!" Der große Blonde stieg aus dem Wagen aus. Torben tat es ihm gleich, bevor er, wütend über die Naivität seines Bruders die Autotür zu schlug und ihn fast schon anbrüllte. "Das nennst du nichts? Ich versteh dich nicht, Mark! Erst fällst du in der vergangenen Nacht fast über mich her und dann tust du so als wäre nichts gewesen, ignorierst mich aber den ganzen Tag über! Ich weiß nicht, was in deinem kranken Hirn vor sich geht, aber um es dir begreiflich zu machen, sage ich es dir gerne ganz deutlich, damit dir die Lage, in der wir uns grade befinden bewusst wird. Du hast mich gevögelt! Deinen eigenen Bruder!" 
Mark hatte ihn berührt. Überall. Seine Hände und Finger an Stellen an Torbens Körper gehabt, die selbst er kaum berührte. Und schließlich war er in ihm eingedrungen. Marks harter Schwanz hatte sich tief in sein Inneres geschoben. In ihn gestoßen. Ihn zum Schreien gebracht. Die Erinnerungen waren noch zu frisch. Zu Intensiv. Mark stützte sich auf das Autodach. Er seufzte tief, bevor er leise zum Sprechen ansetzte. "Torb, ich ... Gott, ich kann das nicht. Bitte Torben, zwing mich nicht dazu darüber nachzudenken. Darüber zu reden. Ich...Ich kann nicht." Torben starrte ihn an. Er musste es sich eingestehen. Das Mark nicht darüber reden wollte, oder konnte, versetzte ihm einen Schlag. Denn er, Torben, musste darüber Reden. Verdammt nochmal, das was passiert war, hatte sich so richtig angefühlt! Und er war in dieser Nacht so unendlich glücklich, als er in den Armen seines Bruders lag. Er hegte schon lange heimliche Gefühle für den Älteren. Verbotene Gefühle. Er hatte lange genug versucht sie zu unterdrücken. Lange genug um zu verstehen, dass er sie nicht unterdrücken konnte. Jede noch so simple Berührung, ob nun beabsichtigt oder nicht, jedes Lächeln, dass Mark ihm zu warf, ließ Torbens Herz schneller schlagen und seinen Puls rasen. 
Er erinnerte sich noch bildhaft, an die Zeit in der alles begann. So lange war es her und dennoch wusste er genau, wie er sich damals gefühlt hatte. In seinem letzten Jahr an der Oberschule. Mark ging damals schon zur Uni. Torben ging morgens los zur Schule und wenn er Glück hatte, was meistens der Fall war, dann nahm ihn sein großer Bruder mit dem Auto mit. Er hatte den Wagen von ihrem Großvater geerbt und war sehr stolz darauf. Er lies kaum jemanden mitfahren, aber Torben durfte immer mit. Das war ein Privileg, dass er für sich beanspruchte. Und er freute sich jedes Mal tierisch, wenn Mark für ihn die Autotür öffnete und sie ihm aufhielt, wie für ein schönes Mädchen. Manchmal machte er einen Knicks bevor er einstieg. Nur so als Gag. Mark lachte jedes mal. Es war diese Lachen, dass ihn an diesem Morgen verzauberte. Ihm war einfach nie zuvor aufgefallen, wie schön es war. Doch das war es. Es war das schönste Lachen, das er je gehört hatte. Und immer wenn, Mark lachte strahlten seine Augen, wie tausend Sterne.Vorher, war es ihm nie aufgefallen. Jetzt jedes mal. Ohne, dass Torben es bewusst war, verliebte er sich Stück für Stück. Erst in dieses Lachen, dann in Marks Augen. Und irgendwann in den ganzen Mann. 
Torben drehte sich um. Ging ein paar Schritte in das nahegelegene Waldstück. Marks Blick in seinem Rücken. Der nächste Baum war dazu auserwählt Tritte und Schläge einzustecken und der nächste Busch musste Torbens Erbrochenes ertragen. Schließlich lehnte er an einem Baum und versuchte krampfhaft die Tränen zu unterdrücken. Er zitterte. Es schüttelte ihn förmlich. Dann vernahm er Schritte hinter sich. Er sah nicht auf. Nicht einmal als Mark ihn sanft in seine Arme zog und ihn fest an sich drückte. 
"Gott, Torb was soll ich denn sagen? Was willst du hören?" Fragte Mark leise, fast flüsternd. Der Kleinere schluchzte. Er klammerte sich fester an den großen Bruder, der ihn immer beschützt hatte. Schon als er ein kleiner Junge war. Er hatte ihn damals , beim Brand in ihrem Ferienhaus aus dem Brennenden Haus getragen. Ihn fest an sich gedrückt und hatte ihn selbst Stunden später nicht loslassen wollen. Er war noch ganz klein gewesen. Vielleicht 3 oder 4. Der Brandt hatte sich schnell im ganzen Haus ausgebreitet. Die Brandursache konnte nie geklärt werden. Mark hatte ihn bestimmt hunderte Male von Dämonen, Vampiren und anderem gerettet. Er war immer da gewesen. Sein Beschützer. Sein Bruder. Seine Familie.
Torben fühlte sich so schuldig. So unendlich schuldig.Er hatte in der vergangenen Nacht auch getrunken. Aber so betrunken war er nicht gewesen. Nicht genug um es auf den Alkohol schieben zu können jedenfalls. Es war alles seine Schuld. Als er gemerkt hatte wie der Alkohol, den sein Bruder, seit dem frühen Nachmittag in sich rein geschüttete hatte, seine Wirkung zeigte, hatte er es einfach ausgenutzt. Hatte sich Mut angetrunken und ging dann in die Offensive. Er hatte es förmlich darauf angelegt. Wenn auch nicht allzu bewusst. Jetzt Mark die Schuld zu zu weisen war nicht richtig.
Er würde so etwas niemals tun, hatte Torben gedacht. Nicht Mark, der große Frauenheld. Und dann hatte er ihn doch dazu getrieben. Hatte ihn solange gereizt, bis er auf seine Avancen eingegangen war. Verdammt, er musste das wieder grade biegen! Er konnte nicht zulassen, dass auf Grund seiner Fehler das gute Verhältnis zwischen ihm und Mark zerbrach. Das war einfach schon zu oft geschehen. Zu oft hatte er ihn enttäuscht.
Als Lina damals starb, hatte nicht nur Marks damit zu kämpfen. Auch ihre Elten hatten Probleme. Sie stritten sich ständig und all das belastete Torben. Es belastete ihn so sehr, dass er begann Drogen zu nehmen. Irgendwann erwischte ihn Mark in einer eindeutigen Situation. Er schrie ihn an und trotzdem erzählte er es nicht ihren Eltern. Unter einer Bedingung. Er würde sofort mit den Drogen aufhören. Aber Mark konnte nicht. Zu sehr lenkten ihn die Drogen von dem Kleinkrieg zu Hause ab und vor seiner Trauer. Als ihn Mark ein weiteres Mal erwischte, sagte er gar nichts mehr. Aber der Schmerz der Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben.
Torben versuchte sich aus Marks Umklammerung zu lösen. Sich zu befreien. Doch dieser hielt ihn fest. "Mark", versuchte es Torben. "Mark, lass mich! Ich kann das jetzt nicht. Nicht nach dem was passiert ist. Mark!" Doch Mark hielt ihn noch immer. "Nein, Torben. Du wolltest reden, also reden wir. Du hast Recht. Wir können das nicht so stehen lassen. Ich hätte das nicht zulassen dürfen. Es tut mir leid, Torb! Es tut mir so unendlich leid, kleiner Bruder." "Was?" Torben löste sich nun mit sanfter Gewalt von dem Älteren. Er brachte ein paar Schritte Abstand zwischen sie. "Aber du bist doch gar nicht Schuld! Du warst betrunken, Mark. Ich hab es ausgenutzt. Ich habe mich von meinen Kranken Gefühlen leiten lassen. Ich war so dumm. Es hätte mir klar sein müssen, dass ich damit alles kaputt mache. Es tut mir leid." Torben wurde immer leiser während er sprach. Zum Schluss waren seine Worte nur noch ein Flüstern. Ein Hauchen im Wind. Kaum hörbar.
Er musste weg. Weg von Mark. Weg von seinen Fehlern . Einfach nur weg. Er ging zum Kofferraum des Autos, nahm seine Tasche raus und wollte grade, ohne ein weiteres Wort verschwinden, da hielt ihn Mark an der Schulter fest. "Was für Gefühle Torb? Bitte sag mir was das für Gefühle sind, von denen du da geredet hast." Torben drehte sich weg. Lief einfach los. "Falsche Gefühle Mark. Falsche, kranke Gefühle. Aber das braucht dich jetzt nicht mehr zu kümmern", sagte er. Es war egal, was Mark jetzt denken würde. Er würde einfach gehen und das Problem wäre gelöst. Doch dazu kam es nicht, denn er wurde von dem Älteren gepackt und gegen den nächsten Baum gepinnt. "Was soll das alles?!", schrie er. "Was hast du nur mit mir gemacht? Warum kann nicht alles wie früher sein verdammt? Warum musste das passieren? Sag es mir Torben! Sag mir warum ich genauso krank bin wie du! Sag mir warum, verdammte Scheiße!" Mark ließ ihn los. Er lief auf und ab. Schien sich nicht beruhigen zu können. 
Torben wusste nicht was er sagen sollte. Er wusste nicht einmal was er denken sollte. Sein Bruder hatte ihm soeben, auf eine subtile Art zu verstehen gegeben, dass er seine Gefühle erwiderte. Torben war sprachlos. Ein winziger Teil in ihm sagte ihm, dass jetzt, wo er wusste, dass Mark genauso fühlte, alles gut werden würde, doch er wusste es besser. Gar nichts würde gut werden. Nie wieder. Hätte Mark es für sich behalten, wäre Torben einfach gegangen und hätte nichts gesagt, ja dann hätte vielleicht, aber auch nur vielleicht, alles wieder gut werden können. Das redete er sich zumindest ein. Doch die Wahrheit, wie unbedeutend sie in diesem Moment auch erscheinen mochte, war eine Andere. In dem Augenblick indem Mark, in der vergangenen Nacht, die Grenze überschritten und Torben ihn nicht aufgehalten hatte, waren die daraus folgenden Ereignisse vorherbestimmt gewesen.
Torben blickte zu Boden und sah erst wieder auf, als er Marks Schuhspitzen vor sich sah. Der Ältere legte sanft eine Hand an Torbens Wange und sah ihm tief in die Augen. "Verdammt Torb", flüsterte er. "Können wir jemals wieder einfach nur Brüder sein?" Torben wollte etwas sagen, aber er konnte nicht. Ein riesiger Kloß steckte in seinem Hals. Stattdessen lehnte er sich in die Berührung und schaute seinen Bruder mit einem verzweifelten Blick an. "Es tut mir so leid. Es tut mir so leid, dass ich mich nicht zurück halten konnte", sagte Mark traurig, bevor er seine Lippen auf die seines Bruders legte.
Es war ein letzter verzweifelter Kuss, der alles sagte. Er sagte, es tut mir Leid. Er sagte, ich wollte dich immer nur beschützen. Er sagte, du bedeutest mir alles. Er sagte, ich liebe dich. Und er sagte, ohne dich werde ich sterben.

 Verblüffung war nicht mal annähernd das richtige Wort für das, was Magnus empfand. Er war verwirrt und fragte sich, auf was er sich bei seinem Wölfchen überhaupt noch verlassen konnte. Was hatte dieser Gefühlsausbruch nur zu bedeuten? Die Härte wich aus seinem Gesicht und er lächelte leicht. Wenn es doch nur einfacher wäre. Wenn sie doch nur eine Chance auf Glück hätten. Nur eine winzige, eine hauchzarte. Nur eine einzige! Verdammt, er würde... ! Ja, was eigentlich? Für ihn kämpfen. Nur für ihn. Für ihn und ihre Liebe. Liebe? Nein. Niemals! Vampire verliebten sich nur ein mal in ihrem unsterblichen Leben und er würde sich nicht in einen Wandler verlieben. Nein! Ausgeschlossen! Das konnte er nicht. Er sah ihn an. Sah ihn an mit diesem Hundeblick und war verloren. Verloren in der Tiefe dieser wunderschönen braunen Augen. Seine Lippen legten sich schneller auf die des anderen, als er begreifen konnte, was er da gerade tat. So weich. So unfassbar weich. Nein, er durfte nicht! Durfte sich jetzt nicht fallen lassen, er... oh, Gott es fühlte sich so gut an. So unfassbar gut.

 

Er reagierte einfach nur. Wie mechanisch schlang er seine Arme um Magnus’ Nacken und presste sich an ihn. Endlich. Endlich durfte er ihn wieder spüren. Er hatte sich so sehr danach gesehnt. Sein Herz hatte sich danach gesehnt. Seine Lippen bewegten sich sanft auf denen des anderen, bevor er abrutschte und seinem ganz eigenen Pfad folgte. Hinunter über das glatte Kinn, ein Abstecher am rechten Ohr machend, weiter zum Hals, an dem er zu knabbern begann. Er saugte zärtlich die Haut zwischen seine Zähne, welche durch den Vollmond an Schärfe dazu gewonnen hatten. Beinahe durchdrangen sie die Haut. Aber eben nur beinahe. Hände strichen an seinen Schultern entlang. An seinen Seiten. Der Vampir knöpfte ihm das Hemd auf und streifte es ihm von den Schultern. Ließ es zu Boden gleiten. Ein kühler Luftzug streifte ihn, kühlte seine erhitzte Haut. Er schwitzte, im Zuge seines Zyklus. Er musste sich verwandeln, doch das hatte noch Zeit. Seine Haut spannte, doch er ignorierte es. Was er jedoch nicht ignorieren konnte war das Ziehen, welches sich in seinen Lenden breit machte. Der Vampir hatte eine nicht gerade geringe Wirkung auf den jungen Wolf und sein Geschlechtstrieb war, durch die nahende Wandlung in seine tierische Gestalt, leicht zu erwecken. Zu leicht.

 

Spürte er da etwa, wie sich etwas durch den Stoff der engen Jeans drückte, welche der Wolf trug? Sieh mal einer an, dachte er sich. Das musste er doch ausnutzen. Sanft fuhr er über die erhitzte Haut des Wandlers, glitt hinab zu dessen Hose. Ließ seine Hände in die Gesäßtaschen der Jeans gleiten und packte durch diese hindurch den festen Hintern. War das ein Schnurren, welches er da wahrnahm? Tatsächlich. Sein Wolf schnurrte wie ein Kätzchen. Ob er auch stöhnen konnte? Das ließ sich sicherlich herausfinden. Die Hände des Wolfes glitten jetzt über seine Schultern. Hinab über seine Arme, bis zu den Armbeugen und legten sich dann auf seine Brust. Quin hob den Kopf und sah ihn an. 

„Warum kann ich dich nicht hassen, Magnus? Sag es mir. Warum?“ 

Verzweiflung lag in seinem Blick. Magnus wusste genau wie er sich fühlte.

„Weil dich dein Herz verraten hat“, antwortete er. „Deshalb. Genau wie mein Herz mich verraten hat.“ 

Große Augen sahen ihn skeptisch an.

„Heißt das, dass du... ?“ 

Unwirsch zog der Vampir sein Wölfchen näher an sich.

„Nein“, sagte er, „das heißt es nicht.“ 

Begierig presste er seine Lippen auf die seines Gegenübers. Er wollte ihn zum Schweigen bringen. Quin sollte endlich still sein. Reden, reden, immer nur reden. Er hatte genug davon. In der kurzen Zeit, die sie eine Beziehung geführt hatten, hatte er sich genug von diesem sinnlosen Gequatsche anhören müssen. Er hatte längst genug. Viel lieber setzte er jetzt seinen Plan um. Schritt eins war bereits in vollem Gange. Ihm näher kommen. Dass sie sich so nahe kommen würden, das war so zwar nicht geplant, aber dieser verdammte Wolf war nun mal wie Katzengras für Katzen. Er konnte ihm einfach nicht widerstehen.

Ich sah ihn auf dem Schlachtfeld. Er war einer unserer Soldaten. In stolzer Pose hieb er seine Axt in die Luft, um den Sieg zu symbolisieren. Wie Jeder von uns. Sein schulterlanges, aschblondes Haar wehte leicht im kalten Wind des Winters. Seine schwere Rüstung ließ nur erahnen, welch ein Körper sich darunter verbarg, dennoch konnte ich seiner Statur viel abgewinnen. Breite Schultern wurden von Schulterplatten aus Nordstahl bedeckt und ein Kettenhemd verbarg einen starken Rücken. Seine Rüstung hatte im Kampf starken Schaden genommen. Die Beinschienen schienen beschädigt, ich konnte aus der Entfernung nicht sagen wie stark, und die Rückenplatten fehlten komplett. Der Schild des Kriegers war blutbeschmiert. Aber vermutlich war es nicht sein Eigenes.
Ich sah mir das Schlachtfeld an. Viele unserer Männer waren gefallen, oder schwer verletzt und in einer ganzen Masse von gegnerischen Soldaten stand er. Der Krieger, den ich so bewunderte. Ich hatte ihn, während dem Kampf beobachtet. Er war flink und stark. Ich hatte gesehen, wie er einem Gegner mit einem Hieb den Schädel spaltete. Seine Bewegungen waren von einer solchen Geschmeidigkeit und zeugten von so enormer Kraft, dass mich sein Anblick beim Kampf zusehends beeindruckt hatte.
Ich stieß mein Schwert mit Wucht in den, mit Blut bedeckten, Boden. Dann brüllte ich. Meine Stimme rollte über das Schlachtfeld wie eine Lawine. Und unsere Soldaten fielen in mein Brüllen ein. Mit stolzem Gang lief ich über die Leichen der Gefallenen. Bis hin zu dem Krieger, den ich beobachtet hatte. Mein Herz raste in meiner Brust, vor Anstrengung. Nun stand ich ihm gegenüber. „Ihr habt gut gekämpft, Soldat. Ihr seid wohl von allen unserer Krieger der Beste. Ich lade Euch in mein Zelt ein. Jetzt gleich", sagte ich zu ihm. Ich wusste nicht ein mal selbst warum ich ihn in mein Zelt einlud. Doch dieser Mann übte eine solche Faszination in mir aus, dass ich ihn unbedingt kennenlernen musste. Ich gab den Befehl, dass die restlichen Soldaten ins Lager zurückkehren sollten. Sanitäter würden sich um die Verletzten kümmern.
In meinem privaten Zelt, das etwa die Größe eines kleinen Pferdestalls hatte, angekommen bat ich den Krieger sich zu setzten. Er tat wie ihm geheißen und ich goss uns etwas Met ein. Ich war zwar der Prinz unseres kleinen Reiches, aber ich mochte es nicht ständig Bedienstete um mich zu haben. Genauso wenig wie, andere für mich bzw. für unser Land alleine kämpfen zulassen. Deshalb war ich in jeder Schlacht dabei, seit meinem 15. Lebensjahr. Mein Vater, der König des Nordwindtals, war zwar Anfangs dagegen gewesen, hatte sich jedoch überreden lassen, mich zum Soldaten ausbilden zu lassen. Jetzt mit 23 Jahren führte ich die königlichen Heerscharen im Namen des Landes gegen die Armeen unserer Feinde, die Zelander. Der Krieg um die Grenzlanden dauerte nun schon seit drei Jahren und schien kein Ende nehmen zu wollen. Alle Friedensverhandlungen waren gescheitert und wir hatten kaum eine andere Wahl gehabt als in den Krieg zu ziehen. Obwohl unsere Truppen sich gut schlugen und wir bisher nur geringe Verluste hatten,bereitete mir die momentane Lage Bauchschmerzen. Immer öfter suchte ich eine Ablenkung, um wenigstens für ein paar Stunden das Blutvergießen vergessen, oder wenigstens in den Hintergrund schieben zu können. Zuerst waren es Huren gewesen. Dann war es der Met dem ich verfallen war. Dies war auch der Grund weshalb ich immer ein paar Fässer in meinem Zelt aufbewahrte.

Ich reichte meinem Gast einen gefüllten Becher und lehnte mich mit meinem Becher in der Hand an den kleinen Tisch, auf dem einige Papiere verstreut lagen. „Warum bin ich hier?", fragte mich der Krieger, dessen Namen mir nicht bekannt war. Ich trank einen großen Schluck und Antwortete ihm wahrheitsgemäß: „Ich war neugierig auf den Mann, der als Einziger, besser kämpft als ich." Er schnaufte. „Ihr seid eingebildet", sagte er abfällig. „Und Ihr erlaubt Euch ziemlich Viel in Gegenwart Eures Prinzen", konterte ich. „Verzeiht, mein Prinz. Ich hatte nicht die Absicht Euch zu beleidigen", entschuldigte er sich. „Oh, nicht doch", sagte ich abschätzig."Da müsstet Ihr schon reichlich Schlimmeres sagen, um mich zu kränken." Eine Weile tranken wir schweigend unser Met. Dann fragte der Soldat mich: „Ich kämpfe also besser als ihr? Inwiefern?" „Nun", begann ich. „Ihr kämpft mit System. Ihr schlagt nicht einfach wild auf Gegner ein. Ihr passt den richtigen Moment ab. Ihr seid beeindruckend wenn Ihr kämpft." Und sicher nicht nur dann, schoss es mir durch den Kopf. Was dachte ich denn da? Er lachte. „Ich bin in Allem beeindruckend was ich tue", erwiderte er. „So? Was könnt Ihr denn sonst noch so?", fragte ich, mit ehrlicher Neugier. „Ich habe viele Qualitäten. Zum Einem, bin ich ein guter Schmied und zum Anderen bin ich ein hervorragender Kluntspieler", antwortete er, nicht ohne Stolz. Klunt war ein Spiel, dass mit Würfeln und Karten gespielt wird. Nicht Viele hatten ein gutes Händchen bei diesem Glücksspiel. Mit einigem Abstand sagte er: „Und ich bin gut beim Ficken." Er sah mir dabei tief in die Augen und streckte sich genüsslich. Was sollte das werden? War er verrückt? Er konnte doch nicht etwa seinem Prinz... . Wenn mein Vater davon erführe, würde er ihn hinrichten lassen! Ich schluckte. „Nun das sind wahrlich nicht zu unterschätzende Qualitäten." Ich trank einen ordentlichen Schluck Met. Davon konnte ich was gebrauchen, denn in mein Hirn brannte sich gerade ein Bild, dass ich schnell vergessen wollte. Mein unbekannter Krieger, laut stöhnend, direkt über mir. In mir. Ich rieb mir über den rauen Stoff meiner Hose. Das durfte doch nicht wahr sein. „Und welche meiner Qualitäten... Beeindruckt Euch am meisten, von den eben Genannten?", fragte der Soldat und stand auf.„Ich...weiß nicht", stotterte ich. Der Mann stand jetzt genau vor mir. Sein Atem streifte meine Wange. Die Nähe war drückend. Anziehend. Unwiderstehlich. Ich atmete schneller. Meine Hose spannte langsam. „Ich schätze", hauchte er an meinem Ohr. „Ich weiß es." Er hatte den Becher Met jetzt neben uns auf den Tisch gestellt, an dem ich lehnte und nahm mir jetzt auch Meinen aus der Hand. „Und?", fragte ich mit rauer Stimme. „Was ist es, was ich am beeindruckendsten finde?" Er beugte sich zu mir. Seine Lippen berührten fast meinen Mund. „Die Qualitäten...beim Ficken", sagte er, fast flüsternd. Dann legte er seine Lippen fordernd auf Meine und seine rechte Hand in meinen Nacken um mich an sich zu ziehen.

Tan lebte auf der Straße. Mit seinen 19 Jahren hatte er schon viel durch machen müssen. Nur hier draußen, wo keiner etwas von ihm erwartet, fühlte er sich wohl. Das Amt konnte ihn mal! Niemand hatte ihm zu sagen, was er zu tun und zu lassen hat! Nicht seine Spießereltern und auch sonst keine Sau! Sein Leben, seine Regeln, seine Entscheidungen! Auch wenn es schwer war. Doch so schwer hatte er es sich nicht vorgestellt. Betteln bringt nun mal nicht viel ein und ein Dach über dem Kopf wäre schon schön. Die Obdachlosenunterkünfte waren immer voll und Freunde, bei denen er pennen könnte gab es schon lange nicht mehr. Den letzten Winter hatte er beinahe nicht überlebt. Aber am schlimmsten war wohl die Einsamkeit. Er hatte niemals gedacht, dass er sich einmal einsam fühlen würde, doch jetzt, wo er jeden Abend alleine auf einer Parkbank einschlief, ist er verdammt einsam. Aber zurück zu seinen Eltern oder sich dem Amt beugen? Auf keinen Fall! Da krepierte er doch lieber im nächsten Winter. Einsam und allein, nachts auf einer Bank im Park. Hungrig und traurig. Nein. Nein, er war nicht traurig! Sich einzugestehen, dass er einsam war, ist eine Sache. Aber zu zu geben, dass er traurig war, eine gänzlich andere. Müde und frierend wickelte er seine löchrige Decke fester um seinem dünnen, beinahe dürren Körper und zog sich die Kapuze tiefer ins Gesicht. Verdammter Frost. Langsam wurde es Winter. Der Boden war bereits zu kalt um darauf zu schlafen, doch das Ordnungsamt scheuchte ihn immer wieder von de Parkbänken. Heute Nacht hatte er keinen Schlafplatz mehr bei Bekannten gefunden. Ihm war nur der Eingangsbereich der nahegelegenen U-Bahnstation als Nachtlager geblieben. Zumindest trocken hatte er es da. Auf der schmalen Abdeckung irgendwelcher technischen Gerätschaften war es auch nicht ganz so kalt wie auf dem Boden. Ein Blick gen Himmel. Es dämmert bereits. Sein Becher blieb heute beinahe leer. Die Menschen werden immer geiziger. Nur ein paar Münzen hatten sie ihm heute überlassen. Wütend starrte er in den Pappbecher.

 

Da viel vor seinen Augen ein Schein hinein. Tan stutzte. 500 Euro! Er sprang auf. „Entschuldigung! Hey, sie! Das ist doch viel zu viel!“ Vor ihm stand ein älterer Mann mit einem schicken Designermantel, einer Herrenhandtasche, teuren Schuhen und einem breiten Grinsen im Gesicht. „Keineswegs“, erwiderte er. „Nicht wenn du für mich arbeitest.“ Tan schaute völlig verdutzt. Mit dem Schein in der Hand stand er da. „Was für eine Arbeit?“ Der Mann lachte. „Na, was glaubst du denn? Ich bin nicht in dieser schlechten Gegend unterwegs, weil ich spazieren gehen will.“ Langsam machte es klick bei Tan. Er warb ihn an. Als Stricher! „Oh, nein!“, sagte er entrüstet. „Ich bin keine männliche Hure! Das mache ich nicht. Da müsste ich ja mit alten Weibern ficken!“ Der ältere Mann grinste schmutzig und meinte: „Dafür möchte ich dich nicht haben, nein. Ich schätze eher du würdest dich gut dazu eignen Männer glücklich zu machen.“ Mit großen Augen sah Tan ihn an. Er hatte sich wohl verhört. „Soll das ein Witz sein? Seh' ich etwas schwul aus?“ Sein Gegenüber verzog keine Miene als er antwortete. „Es spielt keine Rolle ob du schwul bist. Du musst Männer nicht attraktiv finden. Du musst sie nur befriedigen.“ Erbost stierte Tan ihn an. „Auf keinen Fall! Da müssen sie sich schon einen anderen Dummen suchen, der für sie Männer fickt! Und meinen Arsch halt ich auch nicht hin!“ Jetzt wurde der Fremde ungeduldig. „Weißt du was? Ich lasse dir das Geld da. Und meine Karte.“ Er reichte ihm eine schmale Visitenkarte. „Nur damit wir uns verstehen. Du bekämst ein Dach über dem Kopf, einen Raum für dich, ein warmes Bett und natürlich auch alles, was du sonst noch brauchst. Über das Essen hat sich bisher auch noch niemand beschwert. Bezahlt wirst du auch. Wenn du mich aufsuchen solltest, brauchst du das Passwort. Es steht auf der Rückseite der Karte.“ Mit diesen Worten verschwand er und lies einen völlig verwirrten Tan zurück, der ernsthaft über das unmoralische Angebot nachdachte.

Ich war noch nie so der Typ der gerne Partys machte, ausging um zu feiern, oder seinen Geburtstag feierte. Warum sollte ich auch? Dann war ich halt ein Jahr älter. Warum sollte das ein Grund zum Feiern sein? Ein Tag näher am Grab. Das nennt ihr pessimistisch? Mag sein. Doch sein wir doch mal ehrlich. Sterben tun wir alle. Manche feiern nur jedes Jahr, in dem es noch nicht soweit war. Im Endeffekt läuft es aber aufs Selbe hinaus. Du bist tot und verrottest in irgendeinem Grab. Das heißt nicht, dass ich nicht gerne lebe. Ich bin einfach nur realistisch. Auch wenn alle anderen sagen, ich wäre ein Schwarzseher. So ärgere ich mich wenigstens nicht dauernd darüber, wenn etwas nicht so läuft, wie erwartet. Und, ja, das habe ich im laufe meines Lebens gelernt. Habe keine großen Erwartungen. Dann kannst du auch nicht enttäuscht werden. So ist es einfacher. Allerdings bringt dir das auch nicht gerade viele Freunde. Tja, selbst wenn ich also meinen Sechsundzwanzigsten hätte feiern wollen, so hätte ich das nicht gekonnt, weil ich keine Freunde hatte, mit denen ich feiern könnte. Ich hatte nur Kevin. Ja, ich weiß, beim Namen Kevin denken die meisten Menschen an irgendeinen Deppen ohne Hirn und Schulabschluss, aber so ist Kevin nicht. Er studiert sogar. Ja, er ist nicht sehr gut darin, aber er ist wirklich klug. Hat echt was im Köpfchen. Vielleicht sind wir deshalb so gut befreundet.

 

Er sieht mehr in mir als einen Pessimisten. Er sieht mir in die Seele und weiß, dass ich meine Gründe dafür habe alles schwarz zu sehen. Und keine Partys zu machen. Ich trinke nicht gerne. Alkohol ist nicht nur für meinen eigenen Körper kacke. Also ich meine damit, dass ich alkoholisierte Menschen nicht ausstehen kann. Ein Bier? Dann verschwinde lieber gleich. Betrunkene Menschen machen dumme Sachen. Dinge wie Typen abschleppen die voll hässlich sind, oder sich ohne Kondom vögeln lassen. Tja, wenn ihr mich fragt, die haben ne fiese Geschlechtskrankheit verdient. Nicht sowas wie HIV. Was harmloseres. So fies bin ich dann auch wieder nicht, aber trotzdem. Verdient haben sie es. Wo war ich noch gleich? Ach ja. Geburtstage und ob man sie feiern sollte. Um endlich zum Punkt zu kommen und damit ich mich nicht wieder in Rage rede: Ich feiere meinen Geburtstag nicht. Ist ja nicht mal nen runder. Nicht, dass das ein Grund wäre ihn zu feiern. Ich wollte es nur mal erwähnt haben. Sechsundzwanzig zu werden ist keine große Sache für mich. Einen Tag näher... Na ihr wisst schon. Dass ich nicht feiern werde, weil ich es nicht ausstehen kann weiß Kevin. Kevin weiß nämlich alles über mich. Immer hin ist er ja mein bester Freund. Seit Kindertagen. Und ich weiß auch alles über ihn. Auch Dinge, die niemand anderes weiß.

 

Zum Beispiel, dass er immer noch manchmal popelt. Wie früher als Kind mit sechs Jahren. Und, dass ich ihn so zum Lachen bringen kann, dass seine Blase versagt und er sich einpisst. Das versuche ich allerdings zu vermeiden. Schwerfallen tut mir das aber schon. Oft schaukeln wir uns beim Lachen gegenseitig so hoch, dass er plötzlich aufspringt und zum nächsten Klo rennt. Wir lachen ziemlich viel miteinander. Manchmal auch übereinander. Nicht auf fiese Weise natürlich. Kevin ist der einzige der mich je so zum Lachen gebracht hat, dass ich Bauchschmerzen bekommen hab. Viel gelacht habe ich generell nie. Auch nicht als Kind. Ich war wohl immer schon eher melancholisch veranlagt. Da ist lachen nicht so drin. Zumindest bei mir. Trotzdem bin ich generell fröhlich und genau das mag Kevin wohl so sehr an mir. Ich bin ein Schwarzseher, der trotz melancholischer Tage, und davon gibt es viele in meinem Leben, immer fröhlich ist. Ein Sonderling eben. Die meisten Menschen verstehen mich und meine Art durchs Leben zu gehen einfach nicht. Nur Kevin, der versteht mich. Und ich verstehe ihn. Kevin ist ein Spaßvogel. Immer einen Witz parat. Schon in der Grundschule war er echt ein Clown. Regelmäßig wurde er des Klassenzimmers verwiesen, weil er den Unterricht mit irgendeinem Blödsinn, wie Popelschnippsen, gestört hat.

 

Ohne Kevin hätte ich die wohl schlimmste Zeit meines Lebens nie überstanden. Dann wäre ich wohl irgendwann an meinen Depressionen zu Grunde gegangen und hätte mir die Pulsadern durchtrennt. Aber dazu kam es nicht, denn immer wenn ich dachte, ich kann nicht mehr, war er da. Selbst wenn ich ihn dafür hasste, weil ich allein sein wollte und er mich nicht ließ. Kevin ließ sich nicht abschütteln. Manchmal machte ich einfach die Tür nicht auf. Dann setzte er sich davor und klopfte so lange, bis ich sie doch öffnete. Oder ein Nachbar die Polizei rief. Dann kam er auch irgendwann in meine Wohnung. Gott sei dank, ist diese schlimme Zeit vorbei und im Nachhinein betrachte ich es als ein Wunder, dass Kevin immer noch an meiner Seite ist. Er musste viel mit mir durchmachen. Ich habe ihn angeschrien. Getobt. Ihn angegriffen. Sowohl mit Worten, als auch mit Schlägen und Tritten. Jeder andere wäre gegangen. Spätestens dann. Aber Kevin war geblieben. Uns verband eine Freundschaft, die tiefer war, als Liebe es je sein konnte. Wir hatten alles zusammen erlebt. Die guten und die schlechten Zeiten. Das auf und Ab des Lebens.

 

Die Schulzeit hatten wir in einer Klasse überstanden, auch wenn es manchmal zum Kotzen war. Wir haben uns gegenseitig getröstet, wenn einen der Partner verlassen hatte und man am Boden war. Wir haben Freundschaften kommen und gehen sehen. Hatten gemeinsam Urlaub gemacht. In Italien, Spanien und Frankreich. Hatten beide die Ausbildung überstanden und uns gegenseitig beim Lernen unterstützt. Wir waren für einander da. So war es schon immer gewesen. Kevin hatte allerdings eine Sache an sich, die mich wirklich störte. Ich konnte sie ihm verzeihen. Immerhin gab es sonst kaum Dinge, die mich an ihm störten. Er feierte gerne. Er gehörte zu den Menschen, die am liebsten jedes Wochenende Party machten, sich besaufen gingen und um die Häuser zogen. Ein Mal hatte ich mitgemacht, Ein Mal. Das war der Auslöser für meinen Hass auf Alkohol gewesen.

 

Wir waren beide betrunken gewesen und kamen erst spät zu mir nach hause. Meine Wohnung war näher dran als seine und mit dem Auto konnte keiner von uns in unsrem stark alkoholisiertem Zustand noch fahren. Klar würde Kevin bei mir auf dem Sofa pennen. Jedenfalls war das der Plan gewesen. Am Ende allerdings war ich der jenige, der auf dem Sofa lag und Kevin schnarchte in meinem wunderbaren Bett vor sich hin. Natürlich hatte ich es nicht lange auf dem alten Zweisitzer ausgehalten und war, immer noch gut alkoholisiert, ins Schlafzimmer getappt, um mich in mein warmes, weiches Bett zu legen. Mein Gehirn funktionierte allerdings noch nicht so gut und vergaß natürlich, dass sich ja schon eine Person in dieser schönen Schlafstätte befand. Ich hatte mich also einfach dazugelegt, bemerkt, dass ich nicht alleine war und mich einfach an den warmen Körper vor mir gekuschelt. Kein Problem, könnte man jetzt denken und in meinem Zustand dachte ich damals nicht anders, doch dann drehte Kevin sich mit dem Gesicht zu mir, gab mir einen dicken Kuss auf die Lippen, drehte sich wieder um und schlief einfach weiter, als wäre es das normalste von der Welt. Natürlich war ich mit einem Schlag hellwach gewesen. Die restliche Nacht hatte ich kein Auge mehr zugemacht. Zu sehr hatte mich dieser Kuss, der natürlich nur durch die typische Saufbirne zustande gekommen war, durcheinander gebracht. Er hatte mein Herz dazu gebracht Purzelbäume zu schlagen und den Alkohol fast augenblicklich aus meinem Körper vertrieben.

Ich hasse Paketboten. Ja, wirklich. Ich hasse sie. Mein Freund würde mich hier am liebsten Korrigieren. „Hass ist ein viel zu großes Wort dafür“, würde er sagen. Er hat recht. Aber zu sagen: Ich hasse Paketboten ist einfacher, als zu sagen: Ich kann Paketboten nicht besonders gut leiden. Außerdem wäre diese Aussage eine deutliche Untertreibung. Ich hasse sie wirklich. Aber sie haben auch etwas gutes an sich. Neben all dem was mich an ihnen stört. Ich komme später zu diesen Dingen. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja. Sie haben auch etwas gutes. Man lernt seine Nachbarn kennen.

 

Ich bin sonst nämlich wirklich nicht der Typ, der sich für seine Nachbarn interessiert. Ich bin eben kein Herr Krause, der sich ein Kissen auf sein Fensterbrett legt, um sich beim Glotzen besser mit den Ellenbogen abstützen zu können. Und ich bin keine Frau Meier, welche immer penibel darauf achtet, dass die Haustür abends angeschlossen wird und das Treppenhaus immer sauber ist. Ich bin einfach nur Cosimo. Der freundliche Nachbar, der immer alle Pakete annimmt. Schuld eigen, würde meine Mutter sagen. „Du bist ja auch immer zu hause.“ Und irgendwie hat sie ja recht damit. Ich bin immer zuhause und das wissen die Paketboten mittlerweile auch. Ich muss zum Arbeiten halt nicht vor die Tür und das kommt mir sehr gelegen. Keine nervigen Kollegen und keine seltsamen Begegnungen im Treppenhaus mit Frau Müller, die einem sofort neugierig über die Schulter sieht, wenn man den Briefkasten lehrt. Naja, ab und an eben doch, weil ich ja immerhin ab und an mal einkaufen muss und die Versanddienstleister verhältnismäßig teuer finde. Ich bin jedenfalls selbst schuld an der Sache mit den Paketboten. Außerdem wohne ich im Erdgeschoss und es scheinen immer nur Leute etwas zu bestellen, die ganz oben wohnen. Da hat der Paketbote natürlich keine Lust hoch zu latschen. Also wird lieber gleich bei mir geklingelt. Die denken sich: „Der ist ja eh da. Die da oben nicht. Und ich hab auch keine Lust auf Treppensteigen.“ Faules Pack. Denken die, ich höre nicht, dass die nur bei mir klingeln?

 

Letztens erst, da klingelte wieder einmal so ein Paketbote. Selbstverständlich direkt bei mir. Warum auch nicht. Ich öffnete die Tür und der ausländische Paketmann fragte: „Können annehmen für oben?“ Ich antwortete etwas genervt, da ich von ihm beim Tippen gestört worden war: „Haben sie oben überhaupt geklingelt?“, und er antwortete erbost: „Immer ich klingeln! Ich nicht so einer der nicht tun.“ Ich hatte den Mann wohl auf dem falschen Fuß erwischt, also sagte ich: „Das glaub ich Ihnen ja. Ich wollte Ihnen nicht auf die Füße treten.“ Raten sie was er antwortete. Na los, raten sie schon! Sie kommen schon drauf. Richtig. Er erwiderte doch tatsächlich: „Nein, nein! Keine Füße.“ Ich musste mir wirklich das Lachen verkneifen. Zumindest erklärte das, warum die Paketboten nie oben bei meinen Nachbar klingelten, obwohl diese offensichtlich zuhause waren. Ich nahm ihm das Päckchen ab, unterschrieb und wünschte dem eher unfreundlichen Mann noch einen angenehmen Tag. Wenn ich mit Menschen umgehen musste, dann wollte ich wenigstens freundlich sein.

 

Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, dass der Umgang mit ihnen sehr viel leichter damit wird. Zumindest meistens. Trotzdem konnte ich mit Menschen nicht viel anfangen. Sie stressten mich schon mit ihrer bloßen Existenz. Ich konnte mit ihnen umgehen, ja, aber ich fühlte mich durch sie gestresst und gelegentlich auch bedroht, obwohl sie nur fies guckten. Dass das nicht normal ist, ist mir ja klar, doch so war es halt schon immer.

 

Glücklicher weise begegnete ich in meinem Alltag nicht sehr vielen Leuten. Das war der Vorteil, wenn man von zuhause aus arbeiten konnte. Was mein Beruf ist, fragt ihr euch jetzt sicherlich. Nun ja, ich bin Autor von Fantasyromanen. Nicht, dass das jemals ein großer Wunsch von mir gewesen wäre vom Schreiben zu leben, aber es hat sich halt so ergeben und das sehr früh. Ich war 18 als ich mich spontan und ohne großes Grübeln bei einem Verlag bewarb und prompt angenommen wurde. Nach meiner Ausbildung zum Buchhändler musste ich mir dann nicht mal einen Job suchen, da die Einnahmen meiner Bücher ausreichten um davon zu leben. Gerade so allerdings. Miete, Strom, Lebenshaltungskosten, all das war drin. Mehr aber nicht. Ab und an mal ein Buch, das konnte ich mir leisten. Und das brauchte ich auch. Für mein Seelenheil. Mehr war aber absolut nicht drin und so lernte ich ein Sparfuchs zu sein.

 

Der Paketbote brachte also keine Pakete für mich, sondern nur für meine Nachbarn. Ich selbst bestellte nämlich bis heute nicht über das Internet, oder den Katalog. Damals noch, um Versandkosten zu sparen, heute nur noch aus Gewohnheit. Ja, ich bin ein absolutes Gewohnheitstier. Ich habe mich schon immer schwer damit getan neue Dinge auszuprobieren. An diesem Tag nahm ich also wieder einmal ein Paket für einen Nachbarn an. Als ich auf den Namen auf dem Päckchen schaute fiel mir auf, dass es sich um den neuen Mieter handelte. Ich hatte noch nicht viel von ihm zu Gesicht bekommen.

 

Bei seinem Einzug, der besonders Lautstark von statten ging, hatte ich durch den Türspion einen Blick auf den jungen Mann erhaschen können. Er hatte rotblondes Haar, welches er wild in alle Richtungen gestylt hatte und trug zerschlissene Jeans. Natürlich durften bei diesem Look die guten alten Chucks nicht fehlen. Seine

Vergangenheit war ihm wohl noch nicht ganz vergangen. Die Überbleibsel aus alten Punkzeiten waren noch zu erahnen. Es lebe die Freiheit, oder so. Ich hatte keine Ahnung von diesem seltsamen Lebensstil. Einmal Punk, immer Punk, hieß es doch. Anfangs hatte ich noch die Hoffnung gehabt, mein neuer Nachbar nahm sich diesen Spruch nicht zu sehr zu Herzen, doch diese Hoffnung war spätestens dann verflogen, als laute Musik durchs ganze Haus schallte.

 

Nun würde ich diesen Typen wohl persönlich zu Gesicht bekommen. Paketbote sei Dank. Ich weiß schon, warum ich keine Paketboten mag. Am Abend klingelte es dann an der Tür. Ich hatte gerade frisch geduscht und öffnete daher nur mit einem Handtuch bekleidet und mit nassem Haar die Wohnungstür. Längst hatte ich das Paket vergessen. Vor mir stand mein neuer Nachbar von ganz oben. Er musterte mich kurz. Seine Augen glitten über meinen durchtrainierten Oberkörper. Sein darauffolgendes Grinsen konnte man durchaus als lüstern bezeichnen.

„Bitte?“, sagte ich unwirsch.

„Ähm. Mein Paket“, meinte er. „Es wurde bei ihnen abgegeben. Ich warte schon ewig darauf. Da sind Bücher drin die ich schon lange haben wollte.“

Ich stutzte. Der Typ las? Ernsthaft? Bei seinem Aussehen hätte ich jetzt wirklich nicht auf eine Leseratte getippt. Ich flitzte ins Wohnzimmer, schnappte mir das Paket und brachte es ihm.

Ich übergab es meinem Nachbarn und fragte dann doch neugierig: „Was sind es denn für Bücher?“

Verlegen kratzte der junge Mann sich im Nacken. 

„Es sind... Es ist homoerotische Literatur“, gab er dann kleinlaut zu, so als wäre es etwas, für das man sich schämen müsste.

Ich lächelte schmutzig. 

„Vielleicht kannst du sie mir ja mal ausborgen?“, fragte ich keck.

Irgendwie gefiel es mir meinen neuen Nachbarn ins Schwitzen zu bringen. Der Mann schluckte.

„Sicher“, antwortete er dann. „Ich bring sie dir, wenn ich durch bin.“

So lange hatte sich Phil auf seinen Sommerurlaub gefreut. Ein winziges Häuschen direkt am Strand. Abgeschieden von den ganzen anderen Touris und Anwohnern. Auf einer kleinen Insel mit wenigen Sehenswürdigkeiten. Allein, nur für sich. Ruhe, Entspannung pur. Mehr brauchte der junge Anwalt nicht. Nur sein kleines Häuschen am Meer.

 

Er schloss die Tür auf, betrat das Haus, schloss sie wieder hinter sich und legte den Schlüssel in die Schale auf der Kommode neben der Tür. Er atmete tief durch, sog den Duft des Hauses ein, der ihm so bekannt war. Jedes Jahr fuhr er her, um die Ruhe zu genießen. Weg von all dem Stress in seinem Leben. Weg von Familie, Freunden, Job. Einfach nur weg. Allein sein.

 

Selbst seinen Herd hatte er ausgeschaltet. Er wollte jetzt eine Woche nicht gestört werden. Weder von seiner Mutter, die sich über ihre Arbeit beschwerte, noch von seinen Freunden, die ihn auf irgendwelche Partys einluden, die doch immer nur öde und langweilig waren. Und schon gar nicht von irgendwelchen Klienten. Die waren nämlich häufig am Telefon.

 

Nachdem er seine Schuhe ausgezogen und ins Regal gestellt hatte und sein Koffer unter der Treppe geparkt war, begab sich Phil als erstes in die Küche, um in den Kühlschrank zu sehen. Er nahm sich eine Flasche Wasser, öffnete sie und setzte gerade zum Trinken an, da hörte er etwas an der Tür. Wie erstarrt hielt er inne, setzte dann die Flasche ab und lauschte gespannt. Es klang, als ob jemand die Tür aufschließen würde. Aber das konnte nicht sein. Er hatte gebucht! Hektisch stellte er die Flasche auf den Küchentresen und huschte ins Wohnzimmer. Von dort aus späte er um die Ecke in den Flur. Er hielt den Atem an. Wer konnte das sein? Jemand von der Vermietung? Aber warum?

 

Die Tür ging auf und es kam ein Mann, etwa im selben Alter wie Phil, herein. Was machte der hier? Phil straffte die Schultern, fuhr sich mir der Hand durch seine dunklen Locken und betrat den Flur. Der andere Mann blieb abrupt stehen, als er ihn sah.

„Wer sind Sie und was machen Sie hier?“, fragte er verwundert. „Ich habe gebucht!“

Phil runzelte die Stirn. Gebucht? Er selbst hatte gebucht.

„Das kann nur ein Irrtum sein“, erwiderte er. „Bis zum 23ten gehört das Haus mir.“

Irritiert schüttelte der andere Mann den Kopf.

„Nein. Das geht nicht. Ich habe bereits für die Woche bezahlt!“, stellte er mürrisch klar.

Die beiden Männer sahen sich verwirrt an. Dann seufzte Phil und hielt dem anderen Mann versöhnlich die Hand zur Begrüßung hin.

„Ich bin Phil“, sagte er und zwang sich zu einem freundlichen Lächeln.

Der Fremde konnte sicher nichts für das Chaos. Die Vermietungsfirma hatte wohl einfach Mist gebaut. Sowas kam vor. Es würde sich sicher alles regeln. Der andere Mann schaute ihn zuerst grimmig an, dann wurden seine Gesichtszüge aber weicher und er streckte ebenfalls die Hand aus, um Phils zu ergreifen. Ihre Hände berührten sich und Phil war wie elektrisiert. Seine Haut kribbelte unter der Berührung des Fremden.

 

„Jörn“, stellte sich der Mann kurz und knapp vor. „Was machen wir jetzt?“

Phil ließ seine Hand sinken und überlegte.

„Wir fahren zum Vermietungsbüro und klären das vor Ort“, schlug er schließlich vor.

Jörn war einverstanden.

 

Eine halbe Stunde später standen sie am Tresen des Vermietungsbüros und versuchten der Empfangsdame klar zu machen, dass etwas schief gelaufen war.

„Ich sagte ihnen bereits, wir haben beide für diese Woche gebucht. Getrennt voneinander. Nicht zusammen. Wir kennen uns gar nicht. Ich hätte das Haus für mich allein haben sollen.“

Die Frau am Empfang schien immer noch nicht zu begreifen, wo der Fehler war. Jörn neben ihm schnaufte genervt. Er hatte sich vor ihm schon geschlagene 25 Minuten den Mund fusselig geredet. Ohne Erfolg. Jetzt wurde er deutlich ungeduldiger. Er schien allerdings generell keine sehr geduldige Person zu sein.

 

Phil selbst musste schon von Berufs wegen Geduld erweisen, weshalb er meist sehr ruhig und gelassen blieb. Er atmete also tief durch und begann, noch einmal von vorne ihr Problem zu schildern. Dieses Mal schien es bei der Dame klick zu machen. Sie bat um einen Moment, begann dann wild in Papieren zu wühlen, nebenbei in ihrem Computer herumzustöbern, und fand dann augenscheinlich das Problem.

Sie schaute beide zerknirscht an und meinte dann: „Es tut mir leid. Da ist etwas schief gelaufen.“

Jörn drehte sich in ihre Richtung und wollte offensichtlich unfreundlich etwas erwidern, doch Phil legte schnell eine Hand auf seine Brust, drängte ihn mit sanfter Gewalt hinter sich und fragte laut, um eventuellen Protest seitens Jörn zu übertönen: „Und wie lösen wir nun das Problem?“

Die Empfangsdame schaute genickt.

„Leider haben wir kein Haus mehr frei, um einen von Ihnen umzuquartieren. Ich könnte Ihnen nur eine Rückerstattung für denjenigen geben, der zuletzt gebucht hat. Das wäre dann Herr Waltberg.“

 

Phil atmete tief durch. Er war aus dem Schneider. Jörn schaute allerdings sehr entsetzt. Er tat Phil leid. Er konnte ihn doch nicht einfach wieder abreisen und seinen Urlaub vernichten lassen. Er konnte schließlich nichts für das Chaos und brauchte bestimmt auch seinen Urlaub. Außerdem war Phil kein Unmensch.

Deshalb meinte er versöhnlich: „Wäre es möglich zu zweit in dem Haus zu wohnen, die Woche über? Dann müsste Herr Waltberg nicht auf seinen Urlaub verzichten.“

 Die Zeit verging in diesem Jahr mal wieder wie im Flug. Schon war kein Blatt mehr an den Bäumen. Alles war kahl und schließlich weiß, mit Schnee bedeckt. Zentimeterweise lag er auf den Gehwegen, machte die Äste der Bäume schwer. Manche brachen unter dem Gewicht. Die Sonne ließ den Schnee glitzern, war aber nicht in der Lage ihn zum Schmelzen zu bringen.

Die Parkbank war kalt, selbst unter der dicken Hose, welche ich heute trug. Frierend legte ich die Arme fröstelnd über meine Oberschenkel, versuchte zumindest ein klein wenig der Kälte davon abzuhalten durch meine Kleidung zu dringen, doch es war vergebens. Ich fühlte mich bereits durchgefroren. Doch aufstehen wollte ich nicht. Ich brauchte eine Pause. Eine kleine wenigstens. Meine Füße taten mir weh. Den ganzen Weg zum Bahnhof war ich gelaufen. Mein Wagen war in der Werkstatt und eigentlich hatte ich an diesem Wochenende nirgends mehr hin gemusst. Die öffentlichen Verkehrsmittel waren für mich keine echte Option gewesen. Sie waren unzuverlässig wegen des vielen Schnees und ohnehin völlig überfüllt. Langsam kroch die Kälte in mir hoch. Fröstelnd sah ich auf die Uhr, welche ich um mein Handgelenk trug. Mein Freund hatte sie mir letztes Jahr geschenkt. Zu meinem Geburtstag. Wir waren damals erst knapp 3 Monate zusammen gewesen und doch fühlte es sich an wie Jahre. Ich konnte es mir selbst nicht erklären, aber es war so. Ich musste lächeln, wenn ich daran dachte, wie intensiv sich schon damals alles angefühlt hatte. Vermissen tat ich meinen Liebsten sehr. Wir führten eine Fernbeziehung und sahen uns nur am Wochenende. Es war hart für mich, aber auch für meinen Freund.

 

Die Uhr zeigte kurz vor 11. Gleich würde der Zug am Bahnsteig einfahren und mein Liebster würde aussteigen. Ich stand von der grünen Bank auf, auf der ich gesessen hatte und setzte mich langsam in Bewegung. Ich hätte mir neue Handschuhe kaufen sollen. Meine Hände froren. Ich ging die wenigen Schritte bis zur Bahnhofsvorhalle, durchschritt diese, grüßte nebenbei den Mann vom Kiosk und betrat den Bahnsteig. Heute war es wieder besonders voll. Überall standen Menschen mit Koffern in dicken Winterjacken und Mänteln, mit Wollmützen und Ohrenschützern. Die elektronische Anzeige zeigte an, dass der Zug aus Richtung Bramsdorf gleich einfahren würde. Mein Herz schlug schneller. Endlich. Gleich würde mein Freund eintreffen. Unruhig zog ich mit der Spitze meines Fußes Halbkreise auf dem Boden des Bahnsteiges. Mittlerweile fror ich beachtlich. Es würde guttun wieder in meine Wohnung zu kommen. Dann endlich war es soweit. Der Fernzug fuhr ein, hielt und ich wartete gespannt darauf, dass mein Liebster aussteigen würde. Die Türen glitten auf und nach gefühlten Hundert anderen Menschen sah ich ihn endlich. „Markus!“, rief ich laut. „Markus, hier!“, ich riss meinen rechten Arm in die Luft und wackelte wie wild mit meiner behandschuhten Hand, welche sich mittlerweile leicht taub anfühlte. Der blonde Haarschopf regte aus der Menge hervor. Markus war groß. Fast 2 Meter maß er. Ich konnte sehen, wie er sich seine rote Pudelmütze aufsetzte, mich sah und sich ein Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete.

 

Er kämpfte sich durch die Menschenmassen zu mir umarmte mich stürmisch und schwups, wurde ich in die Höhe gerissen. Mühelos hob Markus mich hoch, stemmte mich über seinen Kopf und sah mich von unten herauf an, bevor er mich herumwirbelte, wieder vor sich auf den Boden des Bahnsteiges abstellte und mit einer Hand im Nacken zu einem zärtlich Kuss an sich zog. Ich umarmte ihn fest, drängte mich gegen den starken Körper und lehnte mich in den langersehnten Kuss. „Endlich bist du da“, hauchte ich an Markus Lippen, als wir uns wieder voneinander lösten. „Ich liebe es, wenn du mich überrascht und früher kommst. Deine Nachricht über den Spontanbesuch hat mir den Tag versüßt.“ Verschmitzt grinsend stand Markus da. „Ich konnte einfach nicht mehr einen Tag länger ohne dich sein, Maus“, sagte er glücklich. Maus. Das war der Spitzname, den er mir gegeben hatte. Weil ich immer schon ein graues Mäuschen war. Schüchtern, zurückhaltend, unauffällig. Bevor Markus in mein Leben getreten war, wurde ich kaum von Männern wahrgenommen. Daten war bei mir nur übers Internet möglich gewesen. In Bars oder Clubs ging ich in der Menge der attraktiven Typen einfach unter. Umso überraschender war es für mich, dass der hübsche blonde Mann, der ein wenig aussah wie ein Wikinger, mich bei einem Theaterbesuch einfach ansprach. „Ein tolles Stück, nicht war?“, hatte er gefragt. Ich hatte zuerst gar nicht begriffen, dass ich angesprochen wurde. Aber ich hatte geantwortet und wir waren ins Gespräch gekommen. Nach dem Theater waren wir dann noch gemeinsam essen gewesen und hatten uns so gut verstanden, dass wir uns gleich für den nächsten Tag verabredet hatten. Das war der Beginn unserer Liebe gewesen.

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Kurzbeschreibung

Hier findet ihr Leseproben zu einigen meiner Büchern die im Handel erhältlich sind. Den Rest findet ihr auf Bookrix. Hier findet ihr folgende Bücher als Leseprobe: Lustvolle Eiersuche, Der Valentinsdreier, Popcorn zu Weihnachten, Jagdsaison, Der Eine, Vernasch mich, Bittersüße Liebe, Jagdsaison 2 Liebesbisse, Nur eine Kriegsnacht lang, Tan Feuerspeer, Das besondere Geschenk, Von Punks und Paketboten, 7 Schritte bis zum Meer, Weihnachten mal anders.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Fantasy auch in den Genres Liebe und Erotik gelistet.