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Mami

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14.01.23 08:06
12 Ab 12 Jahren
Fertiggestellt

Der zweite Oneshot, der keine erfundene Geschichte, sondern erschreckende Wahrheit war und immer noch ist. Monika Weimar sagt älteren Lesern sicher noch etwas? Ein Monster von einer Frau, die ihre beiden wehrlosen Töchter einfach ermordet hat!

Carola und Melanie könnten heute noch leben, wären in meinem Alter, wäre da nicht dieses Monster, dass angeblich aus Liebe gehandelt hat. Gelebt haben sie im hessischen Philippsthal, unweit von Heringen, wo ich als Kind aufgewachsen bin und beide kannte. Damals war es mir weniger bewusst, was passiert war. Heute nimmt es mich sehr viel mehr mit, da auch ich ein Elternteil bin.

Trotzdem merkte ich, dass jemand fehlte, dass Kinder nicht mehr zum Spielen kamen, einfach aus dem Leben gerissen wurden, nur damit sich ein anderer Mensch ein neues und angeblich besseres Leben aufbauen konnte. Warum hat man die beiden nicht bei ihrem Vater gelassen? Wieso hat man Carola und Melanie erstickt und sie dann wie ein Stück Müll weggeworfen? 


Man hat beide Mädchen unweit von ihrem Elternhaus gefunden. Carola bei Herfa und Melanie in der Nähe von Bengendorf. Ebenfalls Ortschaften, die direkt an meiner lagen. Kali und Salz sagt vielleicht auch euch etwas, ein Salzbergwerk, was direkt in der Kleinstadt Heringen liegt und wo ich zur Schule ging. Die Ortschaften liegen alles sehr dicht zusammen, einige gehören sogar zu Heringen dazu und bilden heute Stadtteile. Von allen Richtungen thront der Kaliberg, liebevoll Monte Kali genannt. Blicke ich heute auf diesen Salzberg, denke ich oft an Melanie und Carola, daran, wie sehr sie gelitten und gekämpft haben mussten.

 

"Neue Erkenntnisse im Fall Monika Weimar".

So hieß es in den Nachrichten, die an diesem regnerischen Tag über den Bildschirm flackerten.

Die kleine Lucy sollte eigentlich längst Zähne putzen, sich umziehen und ins Bett gehen. Doch ihre Mutter war eingeschlafen, lag auf dem Sofa und das kleine Mädchen wagte es nicht, sie zu wecken. Ihr Geschwisterchen würde schon bald zur Welt kommen und da kam es öfter vor, dass sie schlief, sich schonte und ausruhte. Lucy blieb daher sitzen, sah gespannt auf den runden Bauch in der Hoffnung, das Baby würde wieder diese lustigen Beulen verursachen. An diesem Abend blieben sie jedoch aus und Lucy wandte enttäuscht den Blick ab.

Sie griff nach der Fernbedienung und wollte den Fernseher ausmachen. Auf dem Bildschirm erschienen die Bilder zweier Mädchen, die Lucy nur zu gut kannte. Melanie und Carola Weimar. Zwei Schwestern, mit denen sie oft gespielt hatte und die eines Tages nicht mehr wieder kamen. Lucy erinnerte sich. Die beiden hatten rötliche Haare, Melanie trug gerne stolz Schleifen im Haar und Carola besetzte am längsten die Schaukel. Sie sprang immer erst im hohen Bogen von ihr runter, wenn ihre Mutter sie rief.

"Mami", so riefen sie immer, wenn sie hoch ins Haus und zum Essen kommen sollten. Praktisch, wenn man direkt neben dem Spielplatz wohnte, welchen Lucy schon lange nicht mehr besucht hatte. Das letzte Mal war sie vor zwei Jahren dort, dann hatte es genießen, der Spielplatz wird abgerissen. Lucy blinzelte einige Male, dann tauchte das Bild von Monika Weimar auf.

Die Mutter der beiden Mädchen, die oft direkt nach der Arbeit zum Sandkasten steuerte und Melanie liebevoll auf den Kopf küsste. Danach half sie Carola auf der Schaukel, lachte mit ihr, kitzelte sie und auch für Lucy gab es immer nette Worte und oft einen Butterkeks.

Warum war sie im Fernsehen und warum sah der Spielplatz so seltsam mit diesem komischen Band aus? Lucy verstand nicht, was dort gesagt wurde, dann aber tauchten Personen auf, die sie nicht kannte, die vor einem riesigen Haus standen und Schilder hochhielten. Auf einem dieser Plakate stand deutlich das Wort "Mörder", während auf einem anderen "Monster" geschrieben stand. Die Menschen waren sauer, einige weinten, andere schrien die Mutter ihrer beiden Freundinnen an. Immer wieder tauchte das Wort "Kindsmörderin" auf und verängstigte Lucy. Rasch machte sie das Gerät aus, drehte sich langsam um und sah in das Gesicht ihrer Mutter, die sie streng ansah.

"Hab ich nicht gesagt, du sollst ins Bad gehen?"

Lucy nickte wie erstarrt mit dem Kopf, rutschte von ihrer Mutter weg und legte mit einem Mal die Hände schützend über sich. "Tu mir bitte nicht weh, Mam ...a." Sie stand unter Schock, ahnte, dass Melanie und Carola sehr wehgetan wurde und das von ihrer eigenen Mutter, die sie immer "Mami" nannten.

"Lucy?" Vorsichtig näherte sich die junge Mutter ihrer verängstigten Tochter. "Hab keine Angst vor mir, ich bin deine Mama, deine Mami, wie du immer sagst."

Lucy zitterte am ganzen Körper, sie weinte und hob schließlich den Kopf. "Du bist meine Mama. Mami hat ihren beiden Mädchen sehr wehgetan und der Spielplatz ist nicht abgerissen." Wieder weinte Lucy, wurde in die Arme ihrer Mutter gezogen und liebevoll über den Kopf gestreichelt.

"Ich hätte es dir gerne zur passenden Zeit gesagt, was mit Melanie und ihrer Schwester passiert ist, aber du hast es nun selbst erfahren. Nicht jede Mutter ist lieb, einige spielen dir nur die fürsorgliche Mutter vor und Monika ist einen Schritt zu weit gegangen", erklärte sie ihrer Tochter, die sich langsam beruhigte und vorsichtig über den Bauch, in dem ihre kleine Schwester war, streichelte.

"Ich sage nie wieder Mami und ich passe auf meine Schwester auf. Niemand darf ihr wehtun. Niemand darf mir wehtun, auch du nicht, Mama." Lucy sah ihre Mutter an. "Versprichst du mir, dass du uns niemals tot machst?"

Für einen Moment wich sämtliche Farbe aus dem Gesicht der Mutter, dann aber nahm sie ihre Tochter in den Arm und drückte sie vorsichtig an sich. "Ich verspreche es. Niemals sollen dir und deinen Schwestern ein Leid zugefügt werden. Weder durch mich, noch durch jemand anderen."

Lucy lächelte zufrieden. "Warten Melanie und Carola auf mich im Himmel? Sie sind doch im Himmel, oder?"

"Ja, und von dort passen sie auf alle kleinen Mädchen auf, dass niemals wieder eine Mami oder jemand anderes, sie aus dem Leben reißt."

 

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Die Rede ist hier von dem Kinderschutzengel, der leider, leider viel zu oft wegsieht und nicht eingreift. Viele denken, ein Mord passiert immer nur in Großstädten, in Orten, die man kennt und nicht da, wo sich Fuchs und Hase noch gute Nacht sagen. So ist es nicht, jedes Kind kann irgendwo Opfer von Gewalt werden. Die traurigen Bilanzen zeigen uns das auch heute noch auf und ich möchte euch bitten, wachsam zu sein. Klärt Kinder auf, wie sie sich Fremden zu verhalten haben. Abstand halten, nichts annehmen und laut schreien, wenn ihnen unwohl ist.

Erklärt ihnen, von Autos fernzubleiben. Kinder werden viel zu schnell in Autos gezogen, wenn sie zu dicht an diesen stehen und versuchen den Weg zu erklären. Noch wichtiger ist, sie sollen niemals zu Fremden ins Auto steigen! Vertraut keinem, den ihr nicht kennt, der aber die Geschichte mit der Mutter im Krankenhaus erzählt. Nicht umsonst sind Kindergärten heute abgesichert und für Fremde unzugänglich. Ein Fortschritt, wenn auch nur ein kleiner. Macht also unbedingt ein Passwort mit eurem Kind aus, damit Fremde es schwer haben, ihre Lügen glaubhaft zu verkaufen. Sagt immer Bescheid, wenn andere euer Kind aus der Schule abholt und wer die Person ist. Bringt euren Kindern unbedingt bei, Fremde nicht mit "Du" anzusprechen. Kinder duzen gerne und es sorgt für Aufsehen, wenn sie plötzlich jemanden siezen, der sie hinter sich her zerrt! Bleibt also immer wachsam, guckt und hört genauer hin, wenn ihr Kinder seht und euch etwas komisch vorkommt.

Damit schließe ich meinen zweiten Oneshot und gönne Lucy eine kleine Pause, bevor sie sich erneut mit ihrem Leben befassen und vieles erleiden muss. Wir treffen dann aber schon auf eine etwas ältere Lucy, die dann fast schon 18 Jahr alt ist.

 

 

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Autor

Pragomas Profilbild Pragoma

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Sätze:80
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Kurzbeschreibung

Zu früh, zu jung schieden Melanie und Carola aus dem Leben. Eine Tragödie, die eine ganze Familie auseinanderriss.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Trauriges auch im Genre Tragödie gelistet.