Storys > Kurzgeschichten > Liebe > Kurzgeschichten aller Art

Kurzgeschichten aller Art

21
05.03.21 21:46
16 Ab 16 Jahren
Homosexualität
Fertiggestellt

Ende 2019 kamen mir ein paar Ideen, die sich nicht als ganze Geschichte schreiben lassen.

Eher sind es Ideen für kurze Storys und da man diese nicht immer alleine als Oneshot schreiben will, habe ich mir ein Buch dafür zugelegt.

Man findet hier also alles, was kurz und knackig ist.

Woher aber stammen diese Ideen, worin sehe ich meine Inspiration?

Das ist unterschiedlich und ich sage es mal so, dass viele meiner Ideen aus Dokumentarfilmen für Erwachsene stammen.

Sorry für das Wort, aber so steht es tatsächlich in der Beschreibung einiger Filme und hin und wieder kommt auch da geballter Humor vor, den man hinterher gar nicht mehr sieht.

Den mache ich mir dann zunutze, greife ihn auf und schreibe es in eigenen Worten nieder.

Hin und wieder sind es aber auch Bilder, Storys von Instagram, die einen dazu bringen, kurze Geschichten zu schreiben.

Klingt verrückt, aber nur so funktioniert es und sorry, aber ich bin gerne verrückt und schreibe das nieder, was ich will und nicht, was andere wollen.

Kurzgeschichten sind die, die man schreibt, wenn sie spontan kommen oder man an seinen Großprojekten einfach mal hängenbleibt.

Da lohnt es sich einen Abstecher in die Weiten des Internets zu machen.

Auf Instagram, wo man durch so manche Story inspiriert wird.

Aber auch durch den Alltag, durch Medien und Filme.

Man muss nur genau hinsehen, den Humor dahinter finden und niederschreiben.

Hier wird Humor ziemlich großgeschrieben und ich kann schon mal sagen, dass ich bereits drei lustige Kurzgeschichten in Planung habe.

Wer es nicht abwarten kann, der kann gerne vorerst Alarm im Darm lesen.

Eine Geschichte über Bohnen, die man zufällig auf Instagram fand.

Habt Spaß und lasst ein bisschen Liebe da.

Spontan entstand diese Kurzgeschichte und das am 26.12.2019.

Eine Geschichte ist es nicht wirklich, sie ist so vor Wochen passiert und das wahre Leben schreibt doch meist die lustigsten Geschichten.

Ich musste es niederschreiben und man kann sich sicher sein, dass hin und wieder solche Kurzgeschichten auftauchen.

Namen wurden jedoch auf Wunsch jedoch geändert, denn nicht jeder möchte namentlich im Internet genannt werden.

Ich schon mal gar nicht und Freunde ebenso wenig wie deren Verwandte.



⚜⚜⚜⚜⚜⚜⚜



Dieser Zustand, wenn man nicht mehr schläft, aber auch nicht wirklich wach ist.

Man vernimmt so seine Umwelt ganz anders wahr, bewusster und auch irgendwie intensiver.

So ich jedenfalls, der seit ein paar Minuten im Bett liegt und das mit einer Katze im Rücken.

Persa, dazu haarig und am Schnurren.

Hört auf den Namen Ginger und gehört zu meinem besten Freund, der hier irgendwo auch noch im Bett herumliegen muss.

Und obendrauf noch sein Cousin, der irgendwo rechts neben ihm liegen sollte.

Wo wir gerade von liegen sprechen, irgendwas ist da scheinbar noch wach und im Bett, drückt sich erbarmungslos in meinen Rücken und ...

Holy Shit.

Mein erster Gedanke, ehe ich ganz langsam die Augen öffne und leise „What the hell?", murmel.

Entweder liegt Tobi neben mir oder aber Adam, wobei ich das nicht ganz glauben will.

Bitte lass es Tobi sein, denke ich mir, hebe ganz langsam den Kopf und drehe mich so, dass ich sehen kann, wer sich da mit seiner fiesen Morgenlatte an meinen Arsch drückt.


„Scheiße!", entfährt es mir laut, worauf Adam verschlafen die Augen öffnet, dreimal blinzelt und mich ansieht.

„What is wrong?", will er wissen, richtet sich langsam auf und wartet scheinbar auf eine Erklärung.

Schön und gut, aber sieh mich doch bitte nicht so treudoof, verschlafen an.

Wie war noch gleich das englische Wort für Latte?

Mist, es fällt mir echt nicht ein und Adam sein Blick hilft mir wenig dabei.

„Julian?"

„Äh ..." Verstohlen blicke ich auf Tobi, dann zu Ginger und schließlich krieg ich mein Englisch doch noch auf die Reihe.

„He has a boner."

So schnell wie Adam an den Rand des Bettes robbt und schließlich aus diesem herausfällt, kann ich gar nicht gucken.

„What the fuck?"

„Was treibt ihr da?" Rosmary steht plötzlich in der Tür, blickt erst Adam an, dann mich und schließlich springt dieser auf und verlässt hastig das Zimmer.

„I want go."

Bitte?

Lass mich doch nicht alleine mit Tobi!

Mein Englisch aber lässt mich im Stich, während ich aus dem Bett haste, Adam hinterher sprinte und laut durch den Flur „Jalarachahala", rufe.

„Julian?" Tobis Mutter ruft mir nach, ich drehe mich nochmals um und rufe ihr zu, dass es bei Tobi wohl etwas länger dauert.

Verstört betrete ich unten kaum später die Küche, werde wie Adam auch, von der ganzen Familie angesehen.

„Was ist? Habt ihr was angestellt?"

„No, nothing", kommt es wirsch von Adam, während ich knallrot neben ihm anlaufe und seiner Aussage keinen rechten Glauben verleihe.

Tatjana sieht uns von oben bis unten an, dann aber grinst sie und faselt etwas von Gangbang.

„Was zur Hölle ..." Mir fehlen die Worte, ich will am liebsten heulen, gleichzeitig aber lachen, als Tobi endlich in die Küche kommt und so tut, als wäre er sich keiner Schuld bewusst.

„Jalarachahala." Einzig seine Worte, bevor er sich setzt, genüsslich in seinen Tost beißt und einen Topflappen ausweicht, den ich ihm schmollend an den Kopf werfen will.

„Rocco?“ Suchend sah Kevin sich um, klapperte das ganze Anwesen ab und doch konnte er vorerst seinen Kollegen und guten Freund nicht finden.

„Wo steckt der Kerl?“, murmelte er leise, suchte weiter und bekam schließlich den Tipp, er solle bei den Hängematten nachsehen.

Davon hatten sie zwar nur eine, dennoch machte er sich auf den Weg, fand Rocco endlich und doch war er wenig begeistert. „Wie siehst du aus, du Penner? So kann ich nicht mit dir zusammenarbeiten.“

„Äh was?“ Rocco der geschlafen hatte blinzelte, nahm seine Sonnenbrille ab und krabbelte langsam aus der Liege heraus. „Haben wir heute nen Dreh, oder was machst du so nen Fass auf?“

„Nein, aber ich bin heute hinter der Kamera und du bist mein Assistent und rasieren hättest du dich auch mal können“; beschwerte sich Kevin, ehe er mit dem Kopf schüttelte und Rocco hinter sich herzog. „Mach jetzt, ich brauch nen guten Film und du weißt, was du zu tun hast.“

Rocco rollte genervt mit den Augen, folgte jedoch seinem Kollegen und doch kam er nicht umhin kurz etwas an seinem Handy zu tippen.

„Was soll das? Konzentriere dich gefälligst“, moserte Kevin, ehe er sich ins Haus schlich, wo Marty bereits Bilder von Jamie und Nino schoss.

Rocco folgte, stellte sich jedoch ungeschickter an, als Kevin lieb war und prompt wurden beide von Marty ermahnt, das Set zu verlassen.

Wirklich daran halten taten sie sich nicht, versteckten sich eher im Flur und da fiel Kevin ein, dass er Hunger hatte. „Mach mir mal was zu essen, Rocco. Ich halt hier die Stellung.“

Rocco nickte, schlich sich in die Küche und es dauerte ewig.

Zwar hörte man irgendwas, doch so langsam verlor Kevin die Geduld und betrat nach fünf Minuten mehr als angefressen die Küche.

Bevor er Rocco verbal einen Einlauf verpassen konnte, reichte der ihm ein Brot, welches das Fass beinahe zum Überlaufen brachte.

Käse.

Auf dem Brot lag ernsthaft Käse und wirklich jeder wusste, dass Kevin diesen nicht vertrug.

„Bist du eigentlich noch ganz dicht? Du weißt, dass ich ne Allergie habe.“ Kevin hielt unterstreichend Rocco die Scheibe Käse unter die Nase, ehe er sie in die Ecke pfefferte und aus der Küche rauschte.

Rocco folgte ihm, konnte sich jedoch ein dümmliches Grinsen nicht wirklich verkneifen und zückte bereits wieder sein Handy, auf welchem er eifrig tippte und es anschließend wegsteckte, da Kevin ihn erneut gerufen hatte.

Ungesehen blieben die beiden dabei nicht, Marty hatte sie erneut erwischt und dieses Mal war er nicht mehr  ruhig, jagte sie mit dem Billard-Queue durch die gesamte Villa und schließlich laut schimpfend nach draußen.

Schöne Scheiße, der Film war dahin und das war ganz alleine Rocco seine Schuld.

Er hätte ihn schlagen können, so aber jagte er Rocco quer durch den Garten, vorbei an Jack, der den beiden verwirrt nachblickte, aber sich nicht einmischte.

Wenn Kevin sauer war, dann richtig und das wusste er noch am besten und ebenso Adam, der hinter ihm auftauchte und grinste.

„Scheint, als hätte Rocco richtig Mist gebaut.“

„Kann uns egal sein, ist deren Sache.“

„Stimmt, aber am Ende kriegt es wieder einer ab und ich hab darauf so gar keinen Bock“, beschwerte sich Adam weiterhin, doch nur solange, bis Jack die Nase voll hatte und ihn unsanft ins Wasser stieß.

Wasser war auch etwas, was Kevin nach der gesamten Rennerei gebrauchen könnte, doch Rocco hatte daran so gar nicht gedacht.

„Was?“ Fragend sah Rocco seinen Kollegen an.

„Hast du eigentlich ein Gehirn oder ist bei dir da oben nur Stroh?“, wollte Kevin mit ernstem Blick wissen, doch eine Antwort bekam er nicht.

Rocco war schon wieder am Handy und so langsam reichte es.

„Kannst du endlich mal ne Flasche Wasser holen? Ich verdurste hier und du hast nichts Besseres zu tun, als am Handy zu kleben?“

„Geh halt selber in die Küche. Ich hab die Faxen dicke. Such dir nen anderen Deppen, der dir den Arsch nachträgt“, verteidigte Rocco sich angefressen, ehe er Kevin einfach stehen ließ und weiterhin am Handy tippte.

„Sag mal gehts noch?“ Fassungslos sah Kevin ihm nach, stapfte dann jedoch zurück ins Haus, in die Küche und was er da sah, beziehungsweise hörte, schlug dem Fass den Boden aus.

Rocco saß am Tisch und auf der Anrichte saß er, lachte sogar und machte seine Witze über ihn.

Das war zu viel, das Fass lief über und Kevin war richtig sauer. „Sehr witzig, ich lach dann später.“

„Chill mal“, lachte Andre, reichte Kevin eine Flasche Wasser und sofort schraubte dieser sie auf, nahm einen Schluck und spuckte diesen sofort aus.

Wohlgemerkt Andre mitten ins Gesicht.

„Was soll der Mist?“, regte sich Kevin lautstark auf, ignorierte hierbei jedoch Rocco, sondern eher fixierte er nun Andre mit bitterbösen Blicken.

„Hey, das war meine Idee, lass ihn daraus“, mischte sich Rocco ein, stellte sich zwischen die beiden und versuchte weitgehendst zu vermitteln, ehe es noch eskalieren konnte.

„Deine?“ Kevin ließ vorerst von Andre ab.

Rocco nickte mit einem lässigen Grinsen, erzählte, warum er ihn geprankt hatte und mit welchen Hintergedanken.

Er verschwieg jedoch nicht, dass Andre davon gewusst hatte, ebenso Jack und auch Adam war irgendwo involviert gewesen.

Kevin blickte eine Weile zwischen Rocco und Andre hin und her, er schien zu überlegen und doch stieß ihm das Gehörte böse auf.

So sehr, dass er Rocco wortlos aus der Küche schob, hinter ihm die Tür zu donnerte, abschloss und sich ohne jegliche Gesichtsregung Andre zuwandte, der noch immer auf der Anrichte hockte und vor sich hin grinste.

„Fahr mal nen Gang runter, Alter. Mich prangt man die ganze Zeit und ich reg mich nicht so auf.“

Noch immer dieses Grinsen, dazu eine Ruhe weg, die alles andere als angebracht war.

„Ich soll einen Gang runterfahren, ja?“, wiederholte Kevin die Worte seines Kollegen.

„Wäre ein Anfang, ja“, schmunzelte Andre mit verwegenen Lächeln, welches jedoch sehr schnell verschwand, da Kevin nun endgültig der Geduldsfaden riss.

„Auf den Tisch.“ Er deutete es lediglich an, unterstrichen mit einem strengen Blick, der keinerlei Widerwort zulassen würde.

Andre hatte zwar keine Ahnung, was das jetzt werden sollte, folgte aber der stummen Anweisung und setzte sich auf den Küchentisch. „Und jetzt?“

Kevin antwortete nicht, stattdessen trat er an den Tisch heran, auf welchem Andre saß, zog ihn vorerst von diesem herunter und drehte ihn um.

Er drückte ihn bestimmend nach vorn, beugte sich dicht über ihn und knurre. „Jetzt bring ich dir Manieren bei.“

Ruckartig zog er dabei die Hose runter und bevor Andre richtig reagieren konnte, klatschte es bereits einmal auf seinen Hintern und das so heftig, dass er zusammen zuckte.

„Wowow mach mal sachte“, lachte er dennoch, doch Kevin ließ sich weder aufhalten, noch davon abbringen, kniete sich hinter Andre und biss sanft aber dennoch bestimmend in dessen wohlgeformten Hintern.

Adam, der die beiden letztendlich hörte, sah zu Jack rüber. „Irgendwie bin ich ja so gar nicht neidisch.“

„Ach ernsthaft?“ Jack grinste, zog Adam an sich und biss ihm frech in die Unterlippe. „Mich müsstest du für die harte Nummer nicht prangen.“

Weintrauben, dann eine Nektarine und zu allem Überfluss auch noch einen Apfel.

Ganz sauber waren die beiden nicht und so manches Mal zweifelte Andre am Verstand des Kameramannes, der irgendwas von einem Frühstück brabbelte, was man andersherum essen konnte.

Immer auf seine Kosten, als würde er irgendwie „verarscht mich“ auf der Stirn stehen haben.

Und Kevin zog da mal eben locker mit.

Erst stieg er zum Fenster rein, störte seine morgendliche Rasur und dann besaß er noch die Frechheit, Weintrauben in seinen Arsch zu stecken.

Wohlgemerkt unter tosendem Gelächter und doch konnte er ihm deswegen nicht böse sein.

Er war dafür einfach zu gerissen, dazu dieses hinreißende Lächeln, welches so manchen Ärger einfach vergessen ließ.

Außerdem war es sein Job, ihr Job und da musste man dennoch professionell an die Sache herangehen und so manches schlucken, was einem doch sauer aufstieß.

Dazu gehörten scheinbar auch Weintrauben, von denen sich Kevin genüsslich eine in den Mund schob und ihm frech zuzwinkerte.

Ganz toll, am liebsten hätte Andre sich umgedreht, das Set verlassen und doch war der Andere wieder so süß, dass er den Gedanken ganz schnell vergessen hatte.

„Konzentriert euch bitte und hört jetzt auf euch anzumuffeln. Wir müssen das die Tage im Kasten haben“, appellierte Luke an die beiden Jungs, die sofort wieder in ihrem Job waren und sich heiß und innig vor dem Kaffeeautomaten küssten.

Luke hielt die Kamera drauf, hatte zuvor schon einige Anweisungen gegeben und die beiden waren ganz Profi, wussten, was sie zu tun hatten und wechselten langsam Szene und Standort.

Kevin saß nun auf der Anrichte, Andre kniete zwischen seinen Beinen, wurde jedoch nach wenigen Minuten nach oben gezogen und erneut fordernd geküsst.

Heftig nach Atem ringend lösten sich beide und verlangend blickte Kevin seinen Kollegen an.

"Wo leg ich dich jetzt am besten hin?", fragte er mehr sich selber und doch drang diese Frage bis rüber zu Marty.

"Auf den Wäscheständer."


Wie selbstverständlich klangen die Worte, sorgten für einige Lacher und es dauerte, bis Luke sich besinnen und aufhören konnte zu lachen.

"Gut, dann mach Andre mal den Wäscheständer."

Beide sahen sich an, verfielen erneut in Gelächter und konnten mit einem Mal nicht wirklich ernst bleiben. "Ich kann nicht mehr. Erst die Trauben und jetzt das."

"Machen wir morgen weiter?"

"Ja, aber ohne Weintrauben und Nektarinen in meinem Arsch!"

Kevin sagte dazu nichts, zog ihn eher an und zu sich und flüsterte kaum hörbar "Miluji tě".

Schon wieder war sie da oder noch immer?

Ich hatte keine Ahnung, aber es störte mich ganz gewaltig und obendrein war sie auch noch hässlich und unförmig.

„Hör mal, ich“, setzte ich zum Sprechen an, doch Kevin war schneller, zog mich an sich und noch ehe ich mich versah, lagen seine Lippen auf den meinigen und brachten mich zum Schweigen.

Leise seufzend ergab ich mich, erwiderte den Kuss und doch störte sie mich immer noch.

Allein, weil sie hinter uns stand, ich mich dabei unwohl fühlte und sie nicht ausstehen konnte.

Kevin schien zu merken, dass ich mich anspannte, sogar versteifte und letztendlich löste er den Kuss und sah mich fragend an. „Habe ich irgendwas falsch gemacht?“

„Nicht direkt“, erwiderte ich, atmete tief durch und drehte mich weg. „Sie da hinten stört mich. Sie ist immer da, sie nervt und sie ist hässlich. Ich will sie hier nicht haben.“

„Bitte?“ Kevin tat entrüstet, er verstand wirklich null und er verteidigte sie sogar. „Übertreibst du nicht etwas?“

„Nein, tu ich nicht. Aber mir reicht es langsam. Tag ein Tag aus ist die hier und ich hab dir schon zig mal gesagt, dass ich sie unnütz finde. Ich fühle mich mit ihr mehr als unwohl und ich will sie hier raus haben.“

„Ich sage ja, du übertreibst“, wiederholte sich Kevin, ehe er überlegend durch das Zimmer streifte und wieder stehenblieb. „Soll ich sie jetzt herausschmeißen, oder was?“

„Ich bitte darum. Entweder sie geht oder ich.“

Ein Seufzen erklang und mit den Augen rollend, schritt er auf mich zu, packte mich an den Schultern und nagelte mich buchstäblich an ihr fest. „Sie bleibt und warum sie bleibt, wirst du gleich merken.“

Äh was?

„Ich wiederhole mich nur ungern, sie oder ich.“ Ein letzter Versuch, der ignoriert und stattdessen meine Hose geöffnet und heruntergezogen wurde.

„Entspann dich, Andre. Es ist nur eine Lampe“, murmelte er und ehe ich protestieren konnte, setzte er bereits seine Zunge ein und das so geschickt, dass ich sie tatsächlich vergessen hatte.

Wenn, auch nur für wenige Augenblicke.

„Bor setz dich, du machst mich kirre!“

„Halt die Klappe, ich bin nervös.“

Darauf kam erstmal nichts, nur Gebrumme, was ich ohnehin nicht verstand, weil es kein deutsch war.

Wunderbar und irgendwie war ich jetzt schon genervter, als ich es sein sollte.

Eigentlich sollte ich mich freuen, mir nen zweites Loch in den Arsch jubeln und nen russischen Volkstanz auf dem Tisch aufführen.

Aber nichts, eher kramte ich in meinen Hosentaschen nach Kleingeld für den Fall der Fälle.

„Was machst du?“ Nino sah mich verwirrt an, dann aber verstand er und musste lachen.

„Komm schon, Dei, so schlimm wird es nicht werden. Notfalls rollt Alex die Mülltonne rein.“

„Klar und am besten noch ne Rakete, damit ich ihn im schlimmsten Fall auf den Mond schießen kann.“

Uhhh Alex war genervt und das noch schlimmer als ich es bereits war.

Einzig Robin saß gechillt auf dem Bett, knabberte seine Chips und grinste über beide Ohren.

Immerhin einer, der das neben Nino lustig fand und nicht ahnte, dass ich ganz sicher sterben würde.

Elendig an Nasenbluten krepierte und das nur, weil man skypt.

Lachhaft.

Für all jene, die nicht wissen, worum es überhaupt geht, geschulte Leser und Insider aber wissen es und der Rest kann mich mal am Bobbes knutschen.

Aber zurück zum Chat, beziehungsweise zu einem Telefonat via Skype, dem ich nicht wirklich folgen konnte.

Immerhin hatte keiner was von Salat gesagt, denn das hätte ich immerhin noch verstanden, wobei ich mir nicht ganz sicher war, bei dem, was Nino da alles gelesen hatte.

Es war aber wohl Kapitel vier, denn Adam hatte ich noch verstanden, was auch nicht schwer war, da es ein Name war.

Das kam aber erst später.

Zuerst kam Jerome und das mit seinem niedlich, gebrochenem Englisch und sichtlicher Überforderung.

Zum Knutschen, dieser blonde Lockenkopf.

Immerhin redete er locker über das Wetter und neidisch guckten wir alle vier auf den Sonnenuntergang in Afrika.

Hier goss es nämlich in Strömen und da wir uns ohnehin in Feucht befanden, konnte man auch gleich Nasshausen daraus machen.

Oder Frierdichtot.

Kalt war es nämlich auch und dunkel.

Arschdunkel und zudem hatte ich Bauchschmerzen vom allerfeinsten.

„Was hat er?“

Er?

Wer ich?

Überrumpelt glotzte ich buchstäblich wie ein Mondkalb in die Kamera und wäre schon jetzt am liebsten im Erdboden versunken.

Himmel nein, das fing echt gut an und Mister Sexiness war noch nicht mal im Bilde.

Dafür aber jemand anders und sofort musste ich heftig lachen, fiel fast von meinem Stuhl runter und vergrub mich lachend in Robins Hosenbein.

Warum?

Tja, dafür müsste man Sankt Benedikt lesen, um auf Kutten Günther … äh … Helmut zu kommen.

Ist aber nicht online aber in Produktion und wurde später noch übersetzt vorgelesen und für gut empfunden.

Es gab sogar Lob und man war erstaunt, wie sehr ich die pornöse Seite wiedergeben konnte.

Ich gebs gerne an Majuda weiter, die seinen Charakter wunderbar studiert hat und durch mich immer gut mit Futter versorgt wird.

Und ich bin süß.

Ein süßer Kerl, der aussah wie ne Tomate und sich in Robins Hosenbein geniert hatte.

Robin musste ohnehin viel erleiden den Abend.

Erst hatte ich ihn vor Lachen gebissen, ich hätte sonst gebrüllt, als man die Weintrauben auspackte und die mich enorm triggerten.

Fragt nicht, ich weiß, wohin man diese neben einem Apfel und einer Nektarine hinschieben kann.

Mit Wassermelonen kenn ich mich ebenfalls aus und mit Senf und Ketchup.

Auf meine Frage hab ich allerdings nicht wirklich eine zufriedenstellende Antwort bekommen, aber immerhin geht es ihm gut.

Mein Babyboy, Milchgesicht und Knuddelbär.

Man muss ihn einfach lieben und sein Babyface ist einfach zu drollig.

Richtig süß wurde es aber, als sich Tom und Ash wohl stritten und doch noch der Salat bitter um die Ecke kam.

Ernsthaft, es klang wie Chicorée und verdammt, ich weiß, was das heißt und dafür musste man nichts übersetzen.

Das hatte sogar Alex verstanden, sich fast an seinem Wodka verschluckt den Nino fast auf die Hose gespuckt bekam.

Robin blieb verschont, aber nicht sein loses Mundwerk, was er wie so oft noch schlimmer als ich an den Tag legen konnte.

Da kam dann was von Kleber im Gesicht oder Vorsicht, es klebt bereits nach wenigen Sekunden fest im Gesicht.

Ja sicher doch, die Diskussion hatte ich letztens erst mit meinem Freund und ich hatte auch gestern nachgehakt und nein, Ejakulat klebt nicht wie Pappe im Gesicht nach ein paar Sekunden.

Es ist auch nicht schädlich oder ekelhaft, es ist nen Fetisch und demnach leben und leben lassen.

Aber nun mal zu Mister Sexiness in seiner wunderbar knappen, gelben Hose, die mehr nicht verdeckte, als bedeckte.

Man kann sich nun einen Deidara vorstellen, der mit sich ringt hinzusehen oder wegzusehen.

Ich sah hin.

Ja, ich sah wirklich hin und Himmel ich hatte kein Nasenbluten und ich lebe auch noch.

Er ist auch nur ein Mensch mit einem für viele grenzwertigen Beruf und doch ist er auch nur ein normaler Mann, mit dem man reden kann.

„Wow your Boyfriend is pretty and he have green Hair. I love it.“

Ja, grüne Haare habe ich aber nein, ich bin nur der beste und nicht der feste Freund meines besten Freundes.

Fand Alex im Hintergrund nicht so pralle und schmollte.

Robin war am Lachen und ich war erstmal hin und weg von dieser Stimme.

Sie klingt aber auch zu niedlich, wenn er Englisch spricht und hey, ich konnte sogar teils echt gut mit ihm reden.

Nicht viel, aber ich hab fast alles verstanden.

Englisch versteh ich besser, als das ich es sprechen kann.

Immerhin hab ich ihm nicht gesagt, dass ich nen Fanboy des Todes bin und wirklich jeden mit seiner Person nerve.

Ich war nicht mal im Fanboy-Modus, sondern eher ruhig und besonnen.

Bin ja auch nen paar Jahre älter und nen ganzen Kopf größer.

Son Mist aber auch, aber hey, ich hatte meinen schönen Moment und den werde ich so schnell nicht vergessen.

Ich zerre davon noch lange und ich hab lachen müssen wie lange nicht mehr.

Und mein Kleingeld in der Hosentasche?

Nun ja, das kullerte heute Morgen durch Nino sein Schlafzimmer, nachdem Robin es geschafft hatte, über meine Hose zu stolpern.

Und allesamt hatten wir nen fetten Kater.

Nie wieder Wodka, dazu den russischen und sündhaft teuren.

Langeweile machte sich breit, ebenso knurrte Adam der Magen, der lässig auf der Veranda saß und Jack dabei zusah, wie er versuchte ein paar Dehnübungen zu machen.

Kevin hingegen sonnte sich, hatte dazu die Sonnenbrille aufgesetzt und Andre war irgendwo hinter der großzügigen Villa.

Vermutlich schwimmen oder aber bei Billy und Darius.

Adam seufzte, zündete sich eine Zigarette an und sah erneut zu Jack, der mittlerweile aufgehört hatte und sich zu Kevin setzte. „Irgendwas sollten wir machen. Es ist stinklangweilig.“

„Wem sagst du das und Hunger hab ich auch!“, murrte Adam zur Antwort, blies den Rauch aus seiner Lunge und drehte sich suchend um. „Wo steckt eigentlich unser Babyface?“

„Keine Ahnung“, erwiderte Jack Schulter-zuckend und auch Kevin schien keine Antwort darauf zu haben.

„Vielleicht hinten oder …“

Ein Klappern und Scheppern ließ die drei Jungs aufhorchen, sich erheben und neugierig wie sie waren, schritten sie vor die Villa und sahen grübelnd zum silbernen Van, der auf dem Hof stand.

„Was treibt er da?“

„Keine Ahnung, aber sieht schon witzig aus“, grinste Jack vor sich hin, ehe er sich anschlich und dicht hinter Andre stehenblieb.

Völlig in Gedanken und mit dem Kopf im Grill, wuselte der braunhaarige Wuschelkopf in diesem herum und merkte nicht, was hinter ihm geschah.

Er hörte auch nichts, hatte Kopfhörer im Ohr und summte vor sich hin.

Jack nutzte das gnadenlos aus, ignorierte Adam, der bereits ahnte, was er vorhatte und auch Kevin schien nicht sonderlich begeistert zu sein, wollte ihn sogar noch aufhalten und doch war es bereits zu spät.

Jack stand dicht hinter Andre, grinste noch immer und mit einem Ruck zog er ihm frech die Hose einfach runter.

Entnervt von der Situation nahm Andre die Stöpsel aus dem Ohr, drehte sich aber nicht um. „Was soll der Mist? Geh Jack oder Adam ärgern, aber lass mich in Frieden.“

„Öhm …“ Kevin stand wie ein begossener Hund da, während Jack lachte und Adam triumphierend angrinste. „Du schuldest mir Kohle, ich hab die Wette gewonnen.“

„Welche Wette?“ Andre zog sich die Hose hoch, drehte sich um und ließ den Grill vorerst Grill sein.

„Mir kam da was zu Ohren, beziehungsweise bin ich nicht taub“, schmunzelte Jack.

„Aja und deswegen zieht man mir die Hose runter“, erwiderte Andre noch genervter und mogelte sich an seinen drei Freunden vorbei.

„Welcher Affe hat dich denn gebissen?“ Adam sah seinem besten Freund nach, entschied sich jedoch ihn nicht weiter auszufragen. „Die Wette ist nicht gewonnen, Jack. Die Laune spricht ja wohl deutlich dagegen, meinst du nicht?“

„Ich weiß, was ich gehört habe und die Wände sind nicht wirklich dick.“

Kevin, der noch immer zwischen den beiden stand, wirkte ratlos und runzelte die Stirn. „Was ist das für eine Wette und was hat die mit Andre und seiner Hose zu tun? So ganz steig ich da nicht durch.“

„Du steigst vielleicht nicht durch aber definitiv drauf und das fernab der Kamera und das ist doch ziemlich offensichtlich, was da genau zwischen euch läuft“, antwortete Jack, wurde kurz darauf aber etwas unsanft von Billy weggeschoben, der an das Auto herantrat und den Grill gemeinsam mit Darius heraushob.

„Pack lieber mal mit an, statt waghalsige Gerüchte in die Welt zu setzen“, moserte der über-tätowierte Kerl mit Piercing an der Lippe.

„Ja doch“, knurrte Jack, ehe er mit anpackte, den Grill vorsichtig herauszog und gar nicht mehr mitbekam, wie Kevin sich ganz leise bei Billy bedankte und schließlich im Haus verschwand.

Grillen war eine mega gute Idee, die von allen gut angenommen wurde und man sich gerade Gedanken machte, wer was essen und vorbereiten wollte.

Kevin und Adam wollten typisch Rindersteak und Jack entschied sich für ein paar Rostbratwürste.

Andre, Billy und Darius hingegen wollten einfach nur Hähnchenschenkel und Luke war der Meinung heute mal auf Fleisch ganz zu verzichten.

Fisch und Gemüse fanden also genauso ihren Platz auf dem großen Grill und die Stimmung war ausgelassen und freundlich.

Adam und Jack blödelten wie immer herum, während Kevin unschön auf dem Klavier herumklimperte.

Andre hingegen saß im Wohnzimmer auf der Couch, las eines der vielen Bücher und unterhielt sich hin und wieder mit Darius.

Billy half Luke am Grill und Marty und Lukas kümmerten sich um Salate und Getränke.

Jeder hatte seine Aufgabe, störte den Anderen nicht und kurze Zeit später saßen allesamt gemeinsam am Tisch.

„Hab ich einen Hunger“, kam es von Adam, der sich bereits über sein Steak hermachte und genüsslich zu kauen begann.

„Nicht nur du, ich könnte ein ganzes Schwein verdrücken“, erwiderte Jack, nahm sich bereits die zweite Wurst vom Grill und noch etwas von dem Gurkensalat, den Lukas gemacht hatte.

Andre hingegen aß schweigend, schien noch immer schlecht gelaunt zu sein und als Adam wie so oft einen seiner Sprüche losließ, war er nicht mehr zu halten und warf ihm seinen Hähnchenschenkel an den Kopf.

Zumindest versuchte er es, traf dabei leider Billy, der das Ganze weniger lustig fand und zum Ketchup griff.

Davon angesteckt nahm sich Darius den Senf, zielte damit auf Andre, der über und über mit beidem bekleckert war.

„Sag mal seid ihr noch ganz dicht?“, regte er sich auf, sprang von seinem Stuhl auf und stürmte stinksauer nach draußen in den Garten.

Kevin erhob sich ebenfalls, folgte Andre raus in den Garten und fand ihn rauchend im hinteren Teil.

Er sah, dass er sauer war, immerhin hatte es sein Lieblingsshirt erwischt und woher er das hatte, wusste Kevin nur zu genau.

„Kindsköpfe“, murmelte er, kam näher und erst da sah er, dass Senf und Ketchup nicht nur auf dem Shirt klebten. „Am besten ziehst du es aus und gehst duschen.“

Andre nickte, zog sich das Shirt über den Kopf und legte es über den Gartenstuhl, der unmittelbar neben ihm stand. „Dann will ich mal und danach versuch ich mein Shirt zu waschen.“

„Und wann verpasst du Billy und Darius einen Einlauf?“

„Gar nicht. Hab keinen Bock mich mit den beiden wegen Nichtigkeiten zu streiten“, erwiderte Andre, ehe er zurück ins Haus ging, Adam ignorierte und ebenso Jack sein dümmliches Grinsen.

„Und ich hab meine Wette doch gewonnen. Hab es gerade von Billy erfahren.“

„Und wenn schon, seine Aktion war für den Arsch“, murrte Kevin nun selber, ehe er an Jack vorbei und nach oben ging.

Adam blickte die Treppe rauf, dann aber zu Jack und zu Billy, die abklatschten und sich derbe freuten. „Was war das denn?“

„Nichts, nichts, aber du schuldest mir noch immer Kohle.“

Grummelnd zückte Adam seine Brieftasche und steckte Jack einen Schein zu. „Mit dir wette ich nie wieder.“

„Bor so ne Scheiße, ey“, regte Jack sich auf, ließ sich mehr oder weniger auf das Sofa fallen und sah bockig in die Runde.

Adam sah auch nicht besonders glücklich aus und Kevin sah stattdessen frustriert in den Kühlschrank. „Das wird eng die nächsten Tage.“

„Na super“, nörgelte Jack weiter, griff sich ein Kissen und legte maulig seinen Kopf auf diesem ab. „Schlimmer kann es echt nicht mehr kommen, oder?“

„Nicht wirklich“, erwiderte Adam, der gelangweilt durch seine Instagram Benachrichtigungen scrollte und abgelenkt wirkte.

Alle standen sie unter Quarantäne, ein Virus war derzeit im Umlauf und sie hatten ausgerechnet in einem der Betroffenen Gebiete einen ihrer Filme gedreht.

Berufs und Ausgangsverbot für alle drei und das für ganze zwei Wochen.

Noch fühlte sich keiner krank, sie wirkten gesund und doch sah Jack nachdenklich aus dem Fenster. „Auf die Dachterrasse dürfen wir aber noch, oder?“

„Sicher, ist ja außer uns, keiner hier, den wir anstecken könnten“, beantwortete Kevin die Frage, schmierte sich sein Brot und legte sich ein Blatt Salat obendrauf.

„Bist du jetzt unter die Veganer gegangen?“, lachte Adam.

„Ne, aber Wurst ist knapp und ich hab Hunger“, erwiderte Kevin sachlich, ehe er verwirrt zur Tür sah, an der es klingelte.

Bestimmt Luke, der nach ihnen sehen wollte und wehe, wenn nicht, mit Salat würde hier wohl kaum einer satt werden und das Klopapier war auch fast alle und nur noch schwer zu bekommen.

„Ich mach schon auf.“ Jack erhob sich, schritt zur Tür und öffnete diese schwungvoll.

„Hoppla.“ Mehr bekam er vorerst nicht raus, ließ den Anderen jedoch rein und schloss hinter ihm die Wohnungstür. „Was machst du hier?“

„Quarantäne. Ich war bis vor zwei Tagen ebenfalls in Italien.“

„Fuck, das wird lustig werden“, erwiderte Jack ironisch, ehe er zurück ins Wohnzimmer lief und sich Kevin schnappte. „Andre ist hier, er war scheinbar auch in Italien.“

„Okay?“ Kevin sah nicht gerade begeistert aus aber ändern konnte er es auch nicht.

„Reißt euch etwas zusammen und geht euch am besten, wenn es möglich ist, aus dem Weg.“

Kevin fuhr sich gestresst durch die Haare und sah seinen besten Freund an. „Versuchen kann ich’s, aber ich spreche da echt nur für mich. Du kennst ihn, er ist nicht mehr wie damals.“

Jack nickte verstehend. Andre hatte sich seit sie in Afrika waren, stark verändert und das eher negativ als positiv.

Von Andre mit Hundeblick war nicht mehr viel übrig geblieben und Adam wusste das am allerbesten.

Jedoch war er auch einer der wenigen, der so noch Kontakt zu ihm hatte, ihn regelmäßig traf und wusste, wie man ihn zu nehmen hatte.

„Hoffen wir einfach, dass Adam ihn unter Kontrolle hat“, murmelte Kevin leise, ehe er zurück ins Wohnzimmer ging und sich auf die Couch setzte.

Jack nickte einfach, folgte kaum später und blieb jedoch an der Tür zur Terrasse stehen. „Wie machen wir das jetzt?“

„Na ja, Jerome und Ashton sind noch in Amerika, die müssen da auch vorerst bleiben. Heißt, wir können ihr Zimmer nutzen und sollten es beiden jedoch sagen“, ging Kevin gezielt auf die Frage ein, ehe er zu Adam sah. „Du schläfst am besten mit Andre in Jerome seinem Zimmer und Jack im Zimmer von Ash.“

„Klingt nach nem Plan, oder?“, wandte sich Adam an Andre, der direkt neben ihm saß, bisher jedoch nichts gesagt hatte und lieber mit seinem Bruder via Instagram chattete.

„Mir egal“, murmelte er dann aber doch ohne den Blick zu heben.

„Fein, dann hätten wir das ja geklärt“, grinste Jack zufrieden. „Alkohol haben wir aber nicht zufällig da?“

„Doch, aber nur noch Wodka“, erwiderte Kevin und schien zu überlegen. „Wir müssten echt jemanden losschicken, der einkaufen gehen kann. Zu viert wird das echt die reinste Qual.“

„Das wird allein schon ne Qual, weil ich dich zwei Wochen ertragen muss.“

Wow es ging schneller los, als gedacht und noch ehe Adam oder Jack etwas sagen konnten, machte Andre munter weiter.

„Könnt ihr euch bitte zusammenreißen? Wir sind in einer ernsten Lage und in keinem Wettbewerb. Verschiebt euren Kleinkrieg auf den nächsten Monat“, stöhnte Jack entnervt.

„Andre bitte, es sind zwei Wochen. Danach siehst du ihn doch gar nicht mehr“, appellierte Adam an dessen Vernunft, sah ihn eingehend an und zog ihn letztendlich hinter sich her und raus auf die Terrasse. „Butter bei die Fische! Was ist bei euch kaputt? Du stänkerst ja nur noch gegen ihn. Was zur Hölle hat er dir eigentlich angetan, dass du so Scheiße bist?“

„Je to trochu hloupá děvka!“

Adam blinzelte einige Male und musste das erstmal sacken lassen. „Es ist sein Job, schon vergessen?“

„Všichni jste se plazili po jeho zadku.“

„Ach und du nicht?“, erwiderte Adam gereizter als er es eigentlich wollte. „Du sprichst hier von einem sehr guten Freund von mir und ganz ehrlich, das ist Unsinn, was du da sagst. Keiner kriecht ihm in den Arsch.“

„Justin, zvlášť“, knurrte Andre, steckte sich eine Zigarette an und blies mehr als stinkig den Rauch aus den seiner Lunge.

„Justin ist mir noch nie in den Arsch gekrochen. Ich weiß nicht, wie du darauf kommst.“ Kevin, dazu völlig ruhig und an der Tür stehend. „Es klingt fast so, als könntest du ihn nicht leiden und ich frag mich warum.“

„Geht dich einen Scheiß an.“

„Es geht mich etwas an. Ich bin sein Coach und bin für ihn verantwortlich“, wagte Kevin einen erneuten Versuch, kam dabei näher und deutete Adam an, er möge sie bitte allein lassen.

Adam ging schweigend zu Jack ins Wohnzimmer, dennoch behielt er die beiden im Auge und sah immer wieder angespannt nach draußen.

Nur für den Fall es könnte eskalieren.

„Rede endlich und friss nicht immer alles in dich rein.“

„Ich fresse gar nichts in mich rein.“

„Ich sehe es doch. Ich seh es auf Instagram und ich sehe genauso gut, was du da alles schreibst.“

„Ist mir egal“, schnarrte Andre, schnippte die Kippe über die Brüstung und sah starr geradeaus auf die Stadt.

„Andre“, seufzte Kevin. „Was ist seit Afrika damals anders zwischen uns? Ich dachte, wir sind sowas wie Freunde und nicht bloß Kollegen.“

Freudlos lachte Andre bei diesen Worten auf. „Ja genau Freunde“, wiederholte er, biss sich dabei heftig auf die Unterlippe und umschloss noch fester das Geländer.

Kevin kam langsam unbemerkt näher, blieb dicht hinter ihm stehen und umfasste ihn schließlich an der Hüfte. „Du bist eifersüchtig. Das ist es.“

„Bin ich nicht“, grummelte es unter heftiger Gegenwehr zurück.

„Doch. Immerhin weiß ich ganz genau, was ich dir in Afrika gesagt habe und das meine ich noch immer so.“

„Merkt man leider so gar nichts von“, murrte Andre, der sich noch immer versuchte aus der Umarmung zu lösen, scheiterte und schließlich aufgab, sich wehren zu wollen. „Du hast dich danach wie ein Arsch aufgeführt und dann verlangst du ernsthaft noch, ich soll mich um dieses Kind kümmern, während du schön nach Kapstadt fliegst.“

Kevin seufzte erneut.“ Ich musste nach Kapstadt und das weißt du. Ich kann auch nichts dafür, wenn Luke da keine Rücksicht nimmt.“

„Wie soll er das, wenn er es nicht mal weiß? Immerhin hast du es ja nicht mal angedeutet“, beschwerte sich der Braunhaarige weiterhin.

„Ich hab nichts gesagt, weil du nichts gesagt hast. Ich war mir nicht mal sicher, ob du überhaupt verstanden hast, was ich dir in der Küche nach dem Dreh gesagt habe.“

„Hast du es denn verstanden?“

„Schon und auch, was du sonst noch gesagt hast“, schmunzelte Kevin wissend und schwelgte bereits in Erinnerungen.

„Aha.“ Andre spürte, dass Kevin locker gelassen hatte, drehte sich daher um und sah ihn wie ein begossener Pudel an. „Už žádné hrozny.“

„Schade, dabei sind sie so lecker“, grinste Kevin, ehe er die letzten Zentimeter überbrückte und Andre, trotz Quarantäne küsste.

Da saßen sie nun und wirkten allesamt sehr betroffen.

Kevin weinte sogar, lehnte sich an Adam, der schweigend den Arm um ihn gelegt hatte und dennoch zu Jack herübersah. "Ihn trifft das am meisten."

"Ich seh es, aber was wollen wir machen? Es geht nicht und das war von vornherein klar", erwiderte der Blonde mit Tunnel im Ohr und wirkte beinahe, als hätte er keinerlei Feingefühl.

Dabei ging es ihm genauso nahe, nur tat er sich schwer, dies zu zeigen.

Er war nicht wie Kevin und Adam, denen man sofort ansah, was sie fühlten und schlimmer noch war Andre, der sich noch gar nicht geäußert hatte.

Eher schwieg er, biss sich ständig auf die Unterlippe und trieb Adam damit fast in den Wahnsinn. "Hör auf damit, mich macht das kirre."

Adam war nicht nur angefressen, er war müde und Kaffee hatte er heute Morgen auch noch keinen bekommen.

"Jetzt hört doch mal auf", mischte Kevin sich ein, hob den Blick und sah nicht nur Adam an, sondern auch Andre, der sofort den Kopf wegdrehte und zu Jack sah. "Ich kann das echt nicht mehr. Es geht einfach nicht."

"Ist das alles, was du dazu zu sagen hast?", wandte sich Jack an seinen Sitznachbarn und wirkte zum ersten Mal fassungslos.

"Dieses ständige Hin und Her. Budapest, dann wieder Prag und wieder zurück. Das geht so nicht, das macht fertig und dieses ständige Fliegen schlägt auch auf den Magen."

"Mag ja sein, aber denkt auch mal jemand an Kevin?", mischte sich nun auch Luke ein, der die ganze Zeit geschwiegen hatte und die Jungs dabei filmte.

Jack seufzte, er nuschelte irgendwas mit Andre, der sich wiederum an Adam wandte und dieser sah zu Luke und der zu Kevin. "Wie es scheint, ist da nichts zu machen. Es muss sein und du wirst das akzeptieren."

"Ich will aber nicht. Das waren immerhin drei Jahre und ich hänge an dem Kerl", beschwerte sich Kevin, während sich alles in seinem Innern zusammenzog und ihm erneut die Tränen kamen.

Luke konnte es ja verstehen, ebenso Adam, der beruhigend über den Rücken seines Kumpels streichelte. "War schon ne geile Zeit, aber wir müssen ihn gehen lassen."

"Und mit wem kuschel ich dann nachts?", murrte es neben Adam weiter. "Ich lieb den Kerl."

Jack sah erstaunt rüber zu Kevin, ebenso Andre, der sich dezent räusperte. "Nun übertreib mal nicht. Franky ist ein Kater, ein Tier und wir wussten von Anfang an, dass er irgendwann gehen muss."

Verdammter Hund und elender Bastard waren noch die nettesten Beschimpfungen, die Jack für seinen Kollegen einfielen, der ihn ein paar Stunden zuvor richtig in den Arsch getreten hatte.

Getreten im Sinne von, abgelenkt und somit hatte er schlechter abgeschnitten, als ihm lieb war.

Dabei war diese bescheuerte Sportstunde seine Idee und die von Gino, der der Meinung war, ein paar der Jungs seien zu speckig geworden.

Kevin hatte ihn abgelenkt, dazu massiv und am Ende büßte er entscheidende Punkte ein und stand Adam gegenüber ziemlich scheiße da.

Sein siegessicheres Grinsen war ihm noch immer ein Dorn im Auge, während er muffig seine Wassermelone schnitzte und sich ein Stück des Fruchtfleisches in den Mund schob.

"Das magst du doch, Kevin", redete er mit dem Stück Obst, während er brutal von oben heraus mit einem großen Küchenmesser darauf einstach.

"Und niemand wird uns jetzt noch trennen", plapperte er mit vollem Mund weiter, während die Melone langsam ein Gesicht bekam.

"Niemals!"

Zufrieden sah er sein Werk an, aber da fehlte noch was.

"Du brauchst einen großen Mund. Du kannst damit von einem Ohr zum anderen Grinsen, du blöder Sack."

"Und dann magst du mich auch wieder."

Noch ein Stück der Melone wanderte in seinen Mund. "Und du kannst heute nur noch eines für mich tun.

Ein dümmliches Grinsen schlich sich auf Jacks Lippen, während er das letzte aus dem Obst herausholte und stolz das Gesicht der Melone ansah. "Oh warte, nicht weinen. Ich mach deinen Mund etwas größer."

"Tief magst du es doch auch. Schön tief muss dein Mund werden."

Adam, der von seinem Strandausflug kam und Jacks Worte von weitem hörte, blieb irritiert in der Veranda-Tür stehen und besah sich das Schauspiel.

Da stand sein Kollege und einer seiner besten Freunde und hielt seine Nulle in eine Melone rein.

Erst musste er nur breit grinsen, dann aber brach er in schallendem Gelächter aus und trat schließlich näher heran. "Was zur Hölle machst du da?"

"Ich fick Kevin", knurrte Jack, ehe er die Melone von seinem Schwanz nahm, auf den Boden legte und wegkickte.

Adam hielt sich vor Lachen den Bauch, er kugelte sich fast schon und wischte sich die Tränen aus den Augen weg.

"Wer braucht schon Kevin, wenn du mich hast."

Jack schmunzelte, hakte sich bei Adam ein und eilig verschwanden die beiden im Schlafzimmer.

Allein aber blieb Kevin im Garten und sah böse zerdeppert aus.

Müde schälte Jack sich aus den Federn, trat auf den Balkon, wo bereits Gino schon stand und das nackt wie Gott ihn schuf.

Kein ungewohnter Anblick, sie waren Kollegen und da kam es oft vor, dass sie sich so sahen und Schabernack im Kopf hatten.

So wie Jack, der sich hinter Gino stellte und ihm frech in den Bauch pickte. "Seh ich da einen Hauch von Fett?"

"Ich geb dir gleich mal fett", lachte Gino, drehte sich zu seinem Kollegen um und küsste trotz der Neckerei dessen Lippen.

"Ach komm, etwas Sport würde nicht schaden", merkte Jack an, nachdem sie sich voneinander gelöst hatten.

Gino dachte darauf nach, dann aber nickte er und grinste verwegen. "Ein paar der Jungs sind wirklich etwas speckig geworden. Da hilft nur ausreichend Bewegung."

Jack rieb sich freudig bereits die Hände und zusammen mit seinem Kollegen trommelte er die anderen Jungs zusammen, scheuchte sie auf der Veranda zusammen und baute sich majestätisch vor ihnen auf.

"Ihr seid fett, ihr seid träge und das geht nicht", fing er an, schritt wie ein Oberfeldwebel an seinen Kollegen vorbei und besah sie kritisch. "Schaut euch Adam an. Die Perfektion von einem Mann. Sportlich, gutaussehend und kein Gramm zu viel auf den Rippen."

Jack ging weiter, blieb vor Helmut stehen und stutzte. "Was ist das? Babyspeck?"

Unterstreichend kniff er in die besagte Stelle rein, wandte sich dann aber ab und trat in den Garten. "Wir machen jetzt den Propeller und wehe, ihr weigert euch mitzumachen."

"Den was?", fragte Kevin verwirrt nach, dann aber musste er lachen, da er ahnte, was das für eine Sportstunde wurde.

Eine nicht ganz ernstzunehmende und doch bemühte sich jeder, folgte der Anweisung und vehement musste sich Adam das Lachen verkneifen, da Jack tatsächlich einen Hubschrauber imitierte.

Auch Jerome nahm es nicht ganz so ernst mit dem Sport, stand einfach nur locker da und hielt sich seinen locker in der Hand.

Natürlich blieb das nicht unbemerkt und sofort stand Jack auf dem Schirm und das direkt vor Jerome. "Was wird das?"

"Na der Propeller", erwiderte Jerome, doch Jack schüttelte den Kopf. "Runter auf die Knie und Liegestütze!"

Ohne zu murren, tat der Andere was verlangt wurde und doch hielten es nicht alle für nötig mitzumachen.

Eher blödelten sie herum und das gefiel Jack ganz und gar nicht.

"Adam du auch und gleiches gilt für dich, Kevin"

Beide sahen sich grinsend an und kicherten.

"Wird es bald oder soll ich nachhelfen?"

Die Geduld von Jack war dahin, doch Adam trat lachend aus der Reihe hervor und schob ihn beiseite. "Chill mal, ich übernehme ab jetzt."

Lediglich nickte er, stellte sich auf Adams alten Platz und ermahnte Kevin neben sich, ernst zu bleiben.

Konnte er aber nicht, denn nun war die Übung Achselhaare kraulen dran, die ordentlich für Gelächter aber auch für Verwirrung sorgte.

Besonders bei Helmut, der unter seine Arme sah und stutzte. "Ich hab keine und jetzt?"

"Dann nimm die von deinem Nebenmann", wies Adam ihn an.

Helmut nickte, kraulte Joel neben sich unter den Armen und doch musste auch er sich nun das Lachen verkneifen.

"Und jetzt zehnmal wiederholen."

jedna

dvě

tři

čtyři

pětka

Bis zehn wurde gezählt, erst auf Tschechisch, dann aber fing Adam auf Deutsch an.

"Und jetzt in Germany. Eins, zwei, drei, vier, sieben, neun, zähn, zeen ... zehn!"

Ja, die deutsche Sprache ist nicht ganz so einfach und Patzer passieren.

Aber man möge es Adam verzeihen, er hat sich immerhin Mühe beim Zählen gegeben.

Der Tag fing ja schon mal gut an und sichtlich genervt setzte sich der blonde, junge Mann mit einer Tasse Kaffee an den Schreibtisch.

Er war müde, man sah es ihm an und doch musste er heute arbeiten und das bis spät in die Nacht.

Leise seufzend fuhr er den Rechner hoch, stellte die Kamera richtig ein und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.

Ein paar Minuten hatte er noch und nutzte diese, um sich vorzubereiten, vor allem aber wollte er die Bilder von gestern verdrängen.

Nichts gegen Frauen, aber diese war nicht nur dick gewesen, sie war hässlich und obendrauf auch noch oberflächlich.

Da wunderte sich auch sein Kollege nicht mehr, dass vier Dosen Bier und eine Flasche Eierlikör auf dem Schreibtisch standen.

"Das hilft auch nicht mehr."

"Mag sein, aber es hilft ungemein, es zu ertragen."

"So schlimm war es?"

"Glaub mir, so viel Alkohol gibt es nicht, um sich so eine schön saufen zu wollen."

Verstehend nickte der Lockenkopf und legte freundschaftlich seine Hand auf die Schulter seines Kollegen. "Vergiss es einfach. Es gehört zu deinem Job und sei froh, dass solche Personen eher selten im Chat unterwegs sind."

Hoffentlich behielt er recht und es kamen nicht noch mehr solcher Frauen, die die Weisheit mit der Suppenkelle gefressen hatten und sich aufspielten wie ein Gott und der Meinung waren, sie wüssten alles.

Solche Leute waren nicht nur nervig, sie waren auch anstrengend und vermiesten einem schon mal die Lust am Arbeiten.

"Kopf hoch. Vergiss die Pferde-Fresse und denk nicht mehr dran."

Pferde-Fresse traf es genau richtig und veranlasste ihn dazu zu lächeln und schließlich lachte er laut und winkte ab. "Hau schon ab, sonst kann ich gar nicht mehr arbeiten."

"Viel Spaß", flötete der Andere an der Tür, wich jedoch dem kleinen Stressball, welcher nach ihm geworfen wurde aus und verzog sich lachend nach drüben in die Küche.

"Dann will ich mal", seufzte der Blonde, lehnte sich zurück und wartete, dass sich der erste Chatpartner rührte und ihn anschrieb.

Lange musste er nicht warten, eine Nachricht ploppte auf und bei genauerem Hinsehen stellte er fest, dass es sogar jemand war, der die selber Sprache sprach.

Das erleichterte einiges, Englisch konnte er zwar, aber hin und wieder fielen ihm Worte nicht ein oder aber er nutzte das falsche und fühlte sich dann ziemlich unwohl.

Jetzt war das anders, man schrieb locker hin und her, hatte viel zu lachen und irgendwann tauchte dann die Frage aller Fragen auf und ob man doch lieber über die Cam reden wollte.

Der Andere war einverstanden, dennoch ließ er sich Zeit und bevor das Bild seinerseits auftauchte, hörte man bereits ein Lachen. "Was machst du denn mit vier Dosen Bier und einer Flasche Eierlikör?"

Ups die Stimme kam ihm dann doch bekannter vor, als ihm lieb war.

Da lachte tatsächlich sein alter Kollege über ihn und das mit dem süßesten Lächeln, das er je gesehen hatte.

"Du?"

"Überrascht?", lachte der braunhaarige Wuschelkopf, zog dabei wie selbstverständlich an seiner Zigarette und zwinkerte ihm frech zu.

"Nun ja, mit dir hab ich nicht gerechnet. Warum auch?", murmelte es auf der anderen Seite der Leitung und eine leichte Röte legte sich auf sein Gesicht.

"Auf Insta merkst'e ja nichts. Da kommt von deiner Seite auch nur Uladula."

Wie war das?

Ula - was?

Der Blonde überlegte kurz, öffnete dabei die erste Dose Bier und geriet ins Stocken.

Natürlich.

Der Kerl mit dem schlechten Englisch.

Jener, der ihn mit Eis, statt Sonnencreme einschmieren wollte.

"Das warst also du."

"Ja, das war ich und nein, dass mit dem Eis war kein Fehler."

Vor Schreck fiel ihm fast das Bier aus der Hand, wurde gerade noch so abgefangen und doch erwischte es die Flasche Eierlikör, die laut scheppernd zu Boden fiel.

"Schöne Scheiße", murrte er, blickte wenig begeistert auf den Boden und auf die gelbe Masse, die sich langsam verteilte.

"Der schöne Likör", hörte er, ruckte mit dem Kopf wieder hoch und stieß sich diesen jedoch böse an der Tischkante an.

"Verdammt", fluchte er, hielt sich die geschundene Stelle und wieder war da dieses verdammt süße Lächeln.

"Soll ich pusten kommen?"

Ja, bitte, schoss es ihm durch den Kopf, doch bevor er antworten konnte, war der Andere weg und der Chat beendet.

Bei genauerem Hinsehen sah er, dass gar kein Chat stattgefunden hatte und kein Likör war verschüttet.

Stattdessen waren vier Dosen Bier leer und sein Kopf drehte sich ganz gewaltig.

Das Auto war fertig, der Lack saß und vor morgen konnte er ohnehin nichts mehr an dem Wagen machen.

Zeit für den wohlverdienten Feierabend und den verbrachte er dann doch gerne auf dem Sofa und beschäftigte sich mit ganz normalen Sachen.

Abschalten und ...

Noch bevor er das Sofa erreichte, nahm er sein Handy, öffnete Instagram und sah sich ein paar Storys seiner Freunde an.

Nicht wirklich der Renner, aber schon zum Schmunzeln und einige Selfies waren dann doch ziemlich schräg.

Besonders das von Jiri, der eine urkomische Grimasse schnitt und Andre deswegen kurz lachen musste.

Typisch, aber so war er und er zählte nun seit Jahren schon zu seinen besten Freunden.

Auf ihn war Verlass, ihm konnte man alles erzählen und nichts kam an Dritte oder wurde irgendwie sonst weitergetragen.

Die App wurde geschlossen, er stand auf und ging vom Wohnzimmer aus rüber in die Küche, holte sich einen Kaffee und setzte sich zurück auf die Couch.

Kaum saß er, kam auch schon Velvet, stupste ihn mit der Nase an und forderte somit ihre Streicheleinheiten ein.

Eine weiße Spitzdame, der man nur schwer widerstehen konnte.

Besonders nicht, wenn sie einen direkt ansah, den Kopf schief legte oder direkt seine Beine in Beschlag nahm und sich auf den Rücken rollte, um am Bauch gekrault zu werden.

Und genau das tat sie nun, rollte sich um, sah ihn erwartungsvoll an und bellte einmal auffordernd auf.

"Schon gut, ich kraule dich ja", murmelte Andre, ehe er der Aufforderung nachkam und Velvet ausgiebig das Fell kraulte.

Zufrieden schloss der kleine Spitz die Augen, öffnete sie jedoch gleich wieder, da sie sich von einem Klingen dann doch gestört fühlte und Reißaus nahm.

Andre sah ihr lächelnd nach, dann aber sah er auf sein Handy, las sich die SMS seines Kumpels durch und runzelte die Stirn.

Wer machte wo was und was sah komisch, beziehungsweise affig aus?

Wovon redete Vladimir?

Andre tippte rasch eine Antwort, bekam kaum später wieder eine SMS und nun wusste auch er endlich was los war.

Sieh an, sieh an.

Da war also jemand im Urlaub, dazu auf den Philippinen und das seit zwei Wochen.

Ein Luxus den Andre noch nie verstand, lieber seinen Urlaub auf Kreta verbrachte oder ab und an in Ungarn.

Da gab es auch schöne Orte und man lief nicht unbedingt Gefahr sich mit seltsamen Tropenkrankheiten anzustecken.


Nun war Andre aber dennoch neugierig, öffnete erneut Instagram und rief das Profil seines ehemaligen Kollegen auf.

Die Story, von der Vladimir sprach, fand er ebenso, tippte diese an und sofort ertönte Gangnam Style und mehr schlecht als recht, tanzte sein Ex vor der Kamera.

Andre fiel fast vor Lachen vom Stuhl, er amüsierte sich köstlich und wurde von sechs Hunden komisch angesehen.

Besonders aber von Magie, die verstört vom Sofa heruntersprang und sich hinter dem Sessel versteckte.

"Soll ich nen Arzt rufen, oder gehts?", wollte Andres Bruder wissen, der völlig ahnungslos das Wohnzimmer betrat und Magie auf den Arm nahm.

"Habs gleich." Wieder verfiel er in Gelächter und das, obwohl er genau wusste, dass Kevin alles andere als tanzen konnte.

Lukas rollte mit den Augen, setzte sich neben seinen Bruder und neugierig sah er auf dessen Handy. "Nicht dein Ernst? Erst zickst du die ganze Zeit wegen dem die Leute an, stänkerst öffentlich gegen ihn und dann schaust du aber seine Instatorys an?"

"Ich hab nur das angeguckt und hätte es wohl kaum, wenn Vladimir das nicht erzählt hätte", verteidigte Andre sich schmollend, ehe er sein Handy weglegte, Kevin auf den Arm nahm und streichelte.

"Schon klar", winkte der Jüngere ab und dachte sich seinen Teil.

Er wusste ganz genau, dass ihm sein Bruder etwas vormachte, er insgeheim noch immer an Kevin hing und einfach zu stolz war, auf diesen zuzugehen.

Lukas beobachtete seinen Bruder eine Weile, dann aber verließ er das Wohnzimmer und ging nach draußen.

Zum einen wollte er telefonieren und zum anderen war da noch Magie, die dringend Auslauf brauchte.

Fernab vom Haus seines Bruders rief er direkt Adam an und erzählte diesem brühwarm von seinen Beobachtungen.

Angesichts dieser Tatsache war Adam erstaunt, sah zu seinem Kollegen Jack, der wiederum zu seinem Handy griff und telefonierte.

Jetzt hieß es handeln, dazu schnell und das am besten noch, bevor die Grenzen dicht machten oder ein Rückflug nicht mehr möglich war.

"Und?", wollte Adam nach einiger Zeit wissen.

"Geht klar und er weiß Bescheid. Schick du ihm die Adresse, ich bin ansonsten aus der Sache raus."

Adam rollte mit den Augen, versprach jedoch Jack, dass er die Adresse weitergab und legte schließlich auf.

Mehr konnte auch er nicht machen, der Rest lag nicht an ihm, sondern vielmehr bei Andre und dessen Bruder Lukas.

So vergingen ein paar Tage und in denen merkte man deutlich, wie schlecht gelaunt Andre war oder er versuchte, irgendwas zu überspielen und versteckte.

Besonders aber merkte man es an Kevin, einem niedlichen kleinen Hund, der plötzlich wieder so viel Aufmerksamkeit bekam, dass es schon verdächtig war.

Auch an diesem Tag lag der Hund dicht neben ihm, schlief genauso wie Andre auch und rührte sich nicht.

Lukas stand im Wohnzimmer, besah sich das Bild und schmunzelte.

Dann aber wandte er sich ab, schritt leise  zum Flur, zur Haustür und öffnete die Tür.

"Psst er schläft", merkte Lukas leise an, schloss hinter ihm die Tür und schlich auf leisen Sohlen zurück zu seinem immer noch schlafenden Bruder, der bereits von drei Hunden belagert wurde.

"Den hat er ja immer noch", stellte Lukas sein Besuch fest und prompt wurde er freudig von zwei weiteren Hunden begrüßt, die auf dem Sessel lagen.

Vanilla und Magie, die um ihn herumsprangen, gestreichelt werden wollten und immer wieder an ihm hochsprangen.


"Der reinste Fellhaufen", lachte er leise, nahm Vanilla jedoch schließlich auf den Arm und gnadenlos nutzte dieses das aus und leckte ihn freudig von oben bis unten hin ab.

Er ließ sie gewähren, setzte sich mit der kleinen Hundedame hin und kraulte ihr das Fell.

"Kaffee?", fragte Lukas.

"Klar."

"Ich nehme an, du trinkst ihn noch immer mit Milch."

"Richtig", erwiderte er schmunzelnd und sah auf, da sich Kevin rührte, ihn ansah und laut bellend auf ihn zukam.

So laut, dass auch Andre wach wurde, verschlafen blinzelte und sich plötzlich ruckartig aufsetzte.

Fassungslos sah er nicht nur seinen Hund Kevin an, sondern auch seinen Exfreund, der dummerweise den gleichen Namen hatte. "Was machst du hier?"

"Dich besuchen. Nach was sieht es denn sonst aus?", erwiderte der Andere, nahm Lukas die gereichte Tasse ab und nahm vorerst einen Schluck.

"Du wusstest davon?" Andre sah bockig seinen kleinen Bruder an, der stumm nickte und sich neben ihn auf die Couch setzte. "Irgendwer musste doch was machen. Man sieht ja deutlich, dass da noch irgendwas ist."

"Das da ..." Andre blieben die Worte im Hals stecken, seine Haltung versteifte sich und ebenso wich er den Blicken von Lukas aus, der ihn ganz genau beobachtete.

Aber nicht nur er.

Auch Kevin entging das Verhalten nicht, er setzte die beiden Hunde neben sich und stand schließlich auf.

"Du warst mit einem Mal weg, hast weder gesagt warum, noch hast du dich von irgendwem verabschiedet. Nicht mal von Adam und er ist dein bester Freund."

"Wozu hätte ich mich verabschieden sollen? So war es deutlich besser", murmelte Andre vor sich hin, griff dabei nach vorne zum Tisch, nahm sich seine Zigaretten und zündete sich sogleich eine an.

Lukas schüttelte den Kopf, wandte sich jedoch ab und sah es für angebrachter, die beiden alleine zu lassen.

"Ich verstehe es nicht. Ich verstehe dich nicht, Andre", seufzte Kevin und setzte sich neben seinen ehemaligen Kollegen.

"Musst mich auch nicht verstehen", grummelte es neben ihm leise.

"Ich will dich aber verstehen und auch, das warum."

"Hatte halt einfach keinen Bock mehr. Mir war das alles zu viel", hörte er Andre sagen und verdrehte mehr als genervt die Augen.

"Und deswegen hört man auf und sagt dann nichts? Ist klar."

"Ist so, find dich damit ab."

"Tut mir leid, aber das werde ich ganz sicher nicht", knurrte Kevin leise, nahm Andre die Zigarette ab, drückte sie im Aschenbecher aus und ignorierte gekonnt dessen Gemecker. "Rauchen ist ungesund und du weißt, dass ich das nicht mag."

"Was du magst und was nicht, das ist mir sowas von egal." Andre sprang auf, tigerte durch sein Wohnzimmer und fuhr sich gestresst durch die Haare. "Was soll das überhaupt? Musst du nicht arbeiten?"

"Müsste ich schon, aber erst nächste Woche", antwortete er darauf und erhob sich von der Couch.

"Dann geh anderen auf den Sack, aber nicht mir", moserte Andre weiter.

"Keine Lust", winkte Kevin lässig ab." Außerdem interessieren mich andere nicht."

"Sind ja ganz neue Töne." Andre blieb stehen, drehte sich um und blickte Kevin an. "Geh einfach wieder zurück nach Prag und mach deinen Job. Ich bin aus der Sache raus und das hab ich Adam bereits mehrfach gesagt."

"Darum geht es mir nicht. Mir geht es um dich, um uns. Darum, was du einfach hingeschmissen hast und mir hast du damit nicht nur vor den Kopf gestoßen."

"Mir wurde das zu viel, wie oft denn noch?", regte sich Andre erneut auf. "Wenn du das kannst, dann bitte, aber ich kann es nicht und ich will es auch nicht."

"Du willst es nicht?", wiederholte Kevin leise. "Mich auch nicht?"

"Tut mir leid, aber nein. Nicht so. Meine Nerven machen das nicht mit und ich halt sowas auf Dauer einfach nicht aus."

Kevin biss sich bei diesen Worten auf die Unterlippe, er schwieg eine ganze Weile und schien zu überlegen.

"Geh einfach bitte."

Gehen?

Nein, so nicht, da müsste Andre ihn schon herausschmeißen.

"Ich werde nicht gehen. Ich bin nicht so feige wie du."

"Ne feige biste nicht, aber ein Dickkopf, wie er im Buche steht und jetzt verschwinde endlich", wiederholte sich Andre mit mehr Nachdruck, mogelte sich in die Küche und tat einfach so, als wäre der Andere gar nicht mehr da.

Er und Dickkopf?

Der Dickkopf war in seine Küche geflohen und überhaupt war es Andre, der sich seit zwei Jahren versteckte und so tat, als würde ihn alles nicht mehr interessieren.

Kevin war sauer, stinksauer und enttäuscht.

Dennoch betrat auch er die Küche, schlich sich an Andre an, der an der Kaffeemaschine stand und an dieser hantierte.

Nur wenige Zentimeter trennte sie und noch bevor Andre sich umdrehen konnte, hatte er diesen bereits von hinten umarmt.

"Dickschädel", brummte er in seinen Nacken, grinste verwegen und wissend, da Andre sich zu schütteln begann und sich damit mehr oder weniger selber verriet.

"Lieber ein Dickschädel, als ein blödes Arschloch."

"Werd nicht frech", knurrte Kevin und biss Andre sanft dabei in den Nacken. "Das Arschloch bist du und das seit zwei Jahren."

"Pfff ..." Mehr sagte Andre nicht dazu, er wehrte sich aber auch nicht mehr, sondern lehnte sich an den Anderen an und schloss für einen Moment die Augen.

"Miluji tě", flüsterte er kaum später, öffnete die Augen, drehte sich um und sah Kevin weinen. "Já taky, hloupý muž."



Vielen Dank an alle Leser, für jedes Sternchen und jeden Kommentar. Ihr seid klasse und es freut mich, dass euch meine Geschichte gefallen hat.

Feedback

Logge Dich ein oder registriere Dich um Storys kommentieren zu können!

Autor

Deidaras Profilbild Deidara

Bewertung

Noch keine Bewertungen

Statistik

Kapitel:17
Sätze:481
Wörter:10.562
Zeichen:59.720

Kurzbeschreibung

Eine Sammlung an Kurzgeschichten, die sich so nicht zu einem Buch zusammenfassen lassen. Humor trifft hier auf Alltag, auf Instagram und hin und wieder auch auf Filme, die etwas eigen sind.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Liebe auch in den Genres Alltag und Freundschaft gelistet.