Storys > Geschichten > Trauriges > Sebastian

Sebastian

149
1
19.06.17 14:14
16 Ab 16 Jahren
Homosexualität
Fertiggestellt

Eine Ewigkeit konnte einen zermürben, doch auch schon 4000 Jahre zu leben hatte Spuren auf Simiar hinterlassen, obgleich er doch von sehr starken Gemüt war. Es gab Tage, an denen er einfach keinen Sinn mehr an seinem Leben finden konnte.
Die vielen Kriege in denen er schon gekämpft hatte, hatten nicht zu einer Änderung seiner Meinung beigetragen, eher hatten sie seine Seele noch weiter zerrissen. Die vielen Elben, die er neben sich fallen sah, als unauslöschliches Bild in seine Träume geschlichen.
In dem letzten Krieg hatte er schon beinahe gehofft, tödlich verwundet zu werden oder zu fallen und konnte es selbst nicht glauben, wie wenig sein Leben ihm mittlerweile wert war.
Doch das Schicksal war nicht so gnädig zu ihm gewesen und so war er wie durch ein Wunder ohne eine größere Wunde wieder nach Hause zurückgekehrt.
Wie an vielen seiner schwarzen Tage befand er sich in einer der vielen Wirtschaften der Hauptstadt des Elbenreiches. Ihr Ruf war nicht der Beste, doch das tat dem Alkohol, der hier ausgeschenkt wurde, keinen Abbruch. Und deswegen war er hergekommen. Er wollte vergessen. Einfach alles vergessen.
Der braunhaarige Elb war ganz in seine Gedanken versunken, oder besser gesagt, in das, was noch davon übrig war. Als ein Luftzug durch den dunstigen Raum der Spelunke zog und ein heller Streifen Licht durch den Türspalt in das dämmrige Dunkel fiel.
Eine schlanke Gestalt ging mit federnden Schritten durch die Reihen der Tische und an den Schanktisch. Neben Simiar kam er zum Stehen.

Radiate simply, the candle is burning so low for me.

Als er sich vorbeugte um seine Bestellung entgegen zu nehmen, streifte er mit seiner Seite die Hüfte von Simiar. Es war eine leichte Berührung und doch nahm Simiar sie wahr.
Alarmiert schaute der Braunhaarige auf, ein Tribut an seine Kriegerausbildung und sein langes bisheriges Leben als solcher. So sehr er es auch versuchte, aber die erlernten Verhaltensmuster waren längst zu seinen Eigenen geworden.
Auch der fremde Elb sah ihn an und schenkte ihm nach einem kurzen Moment ein strahlendes Lächeln. Seine Augen sprühten beinahe Funken und waren unendlich schön.
Doch nach einem kurzen Augenblick war das Augenpaar auch schon wieder unter den der anderen Besuchern des Lokals verschwunden.
Simiar vergrub sich wieder in seinen Gedanken, doch ihn begleitete ein Lichtstreif durch die dunklen Welten seines Kopfes. Augen und ein Lächeln, die strahlten wie einer der hellen Sterne am nachtblauen Abendhimmel.
Das jedoch änderte nichts daran, dass er sich wieder einmal in seinem Leben sehr nahe an dem Abgrund befand und er nur unter großen Anstrengungen, dem Drang zum Springen widerstehen konnte. Mit jedem Mal wurde es schwieriger am Leben festzuhalten.


Es war eine weitere Berührung und ein Blick in seine Augen und Simiar war ihm komplett verfallen. Für ihn gab es keine Rettung mehr, er würde sein weiteres Leben auf diesen einen Elben ausrichten, hatte endlich etwas gefunden für das es sich zu leben lohnte.
Der schlanke Elb machte den sonst starken Krieger willenlos. Das Einzige, was er noch im Sinn hatte, waren die weichen Lippen auf den Seinen, seiner Haut, die feingliedrigen Finger auf seinem Körper. In diesen Moment konnte er sich auf nichts anderes mehr konzentrieren, wusste nicht mehr wer er war und selbst des Namen seines Liebhaber konnte er sich beizeiten nicht mehr entsinnen.

Generate me limply, I can't seem to place your name, Cherie.

Er war für ihn wie eine Droge. Und machte ihn abhängig. Die fremden Lippen streifte über die empfindliche Haut seiner Hüften und strahlende Augen blickte ihn von unten herauf an.


Wenn er in einem dieser Moment seine Gedanken, die ihm durch den Sinn rasten ordnen sollte, er wüsste nicht wie. Da war so viel. Seine Empfindungen, Fetzen seiner Erinnerung, Bilder seines Geliebten Arion, seiner langen rabenschwarzen Haare im Kerzenlicht.

To rearrange all these thoughts in a moment is suicide.

Es wäre unmöglich, ein Versuch wäre vergeblich.
Er spürte weiche Lippen an seinem Hals und verlor sich wieder in diesen unglaublichen Augen.
Seine Hände erkundeten den fremden und doch beinahe schon vertrauten Körper. Er fuhr leicht über das Schlüsselbein und zog Kreise auf dem flachen Bauch.
Simiar konnte sehen, dass auch Arion vor Verlangen brannte, sein Atem ging genauso schwer wie sein eigener.


Fast schon kam es den beiden Elben, unterschiedlicher als man auf den ersten Blick wohl dachte und durch ein Band verbunden, dass sicherlich nicht zu erwarten war, so vor als würden sie den jeweils anderen schon seit Jahrhunderten kennen und doch konnten sie die gemeinsamen Tage an den Händen abzählen.

Come to a strange place, we'll talk over old times we never spied.

Das hielt Arion aber nicht davon ab, seinen Liebsten, denn auch er war dem anderen hoffnungslos verfallen, an seinen Lieblingsplatz weit ab der Stadt zu zeigen. Viele würde es wahrscheinlich als einen merkwürdigen Ort bezeichnen, aber für ihn hatte das kleine Stück Land etwas magisches, dass er mit seiner anderen Hälfte teilen wollte. Der Schwarzhaarige wollte über die Vergangenheit reden, wissen, was Simiar berührt hatte, Sachen, die er nicht miterlebt hatte, erfahren. Seine Dämonen kennenlernen.
Über die Zeiten sprechen, die hätten sein können, wenn sie sich früher begegnet wären.


Die Leute, die von ihrer Verbindung wussten, hatten ihm einen neuen Namen gegeben, Sebastian.
Der Leidende. Arion hatte diese Legende schon gehört, ein Elb, der aufgrund seiner Überzeugungen gelitten hatte und das nicht nur ein einziges Mal, bis er endlich gestorben war.

Somebody called me Sebastian
Somebody called me Sebastian


Doch was hatte das mit ihm zu tun. Konnte er sich nicht glücklich schätzen die Liebe und noch dazu so eine tiefgehende zu finden? Manche Elben vermochten sie ihr ganzes langes Leben nicht zu finden.
Warum sollte er also leiden?


Gemeinsam betraten sie die Räume Simiars und leise fiel hinter ihnen die Türe zu. Regungslos standen sie noch ein paar Minuten beieinander, dann umfassten die Hände Arions die Handgelenke des Braunhaarigen und zogen ihn langsam in sein Schafzimmer und zum Bett.
„Weißt du, ich wollte schon lange ein Gedicht über dich schreiben, es ist auch fast fertig, nur ich finde einfach kein Wort, dass sich auf deinen Namen reimen möchte“, wisperte er dem Krieger in sein rechtes Ohr. Sein Atem streifte über die Haut seines Geliebten und jagte ihm Schauer durch den Körper. Er schaute ihn lange an, dann schlug er mit blitzenden Augen „Versuch es doch mal mit Arion“ vor und veränderte die Position der beiden Elben, dass er dem Schwarzhaarigen den Nacken küssen konnte.

Work out a rhyme, toss me the time

Schließlich fanden sich auch die Lippen der beiden und vereinten sich in einem Kuss, der immer drängender und tiefer wurde. Wie immer, wenn die beiden Liebenden zusammen waren, war es als wurde die Zeit nicht mehr den normalen Gesetzen, ihrem normalen Fluss folgen, sondern Bögen schlagen und stehen bleiben.
Sie landeten auf dem Bett und entledigten sich gegenseitig immer wieder unterbrochen von Küssen, Liebkosungen und intensiven Blickkontakt, der dunkelbraunen fast schwarzen Augen mit den eisblauen, ihrer Kleidung.

lay me
you're mine


Den Mund seines Liebhabers auf seinem Körper spürend, seufzte Arion leise, „Nimm mich“. Doch auch ohne viel Lautstärke hatte es Simiar gehört. Für mit seiner Hand an der Wange des anderen Elben entlang, über seine Halsbeuge und Schulter, seine Seite und schließlich auch über die Innenseite seiner Schenkel.
Als er aufschaute, blickte er in die eisblauen Augen, die ihm bei jeder seiner Berührung gefolgt sein schienen.
„Du bist ganz mein“, wisperte er leise und sah die blauen Augen aufglimmen, als er vorsichtig in ihn eindrang und von einem lustvollen leisen Schrei seines Geliebten begleitet wurde.
Seine eigenen Empfindungen überrollten ihn wie einer der gewaltigen Wellen des großen Meeres bei Sturm. Lust. Verlangen. Begierde. Liebe. Und Angst.

And we all know, oh yeah!

Jeder in der Stadt wusste es, dass er, der Krieger in den Diensten des Reiches und der hübsche und talentierte Theaterschauspieler zusammen waren. Und sie keiner mehr trennen konnte.
Niemand zweifelte mehr daran, würde diese Verbindung in Frage stellen.


Die Sonne schien durch eines der Fenster der Gemächer und der durch die unruhige Luft aufgewirbelte Staub tanzte in den Lichtstrahlen und glitzerte wie Feenstaub. Ein paar der Strahlen fielen durch die halbherzig zugezogenen schweren Vorhänge auf die weißen Laken des Bettes.
Halb zugedeckt lag dort der schlanke Elb in den Armen des durchtrainierten Älteren.
Das Licht spielte auf seiner Haut, der leichte Wind, der durch das geöffnete Fenster drang, verfing sich in seinen langen schwarzen Haaren und ließ sie sich leicht bewegen.
Einige Momente später schlug Arion die blauen Augen mit einem leichten Seufzen auf. Er spürte den warmen Arm um seine Hüften, Bilder letzter Nacht blitzten in seinem Geist auf.
Niemals hatte er so etwas erlebt. Natürlich hatte auch er schon einige Liebhaber gehabt, aber keiner hatte ihn bisher so tief in seiner Seele berührt und ihm diese Empfindungen geschenkt.
Sehr vorsichtig drehte er sich in der Umarmung von Simiar, seinem schönen und starken Geliebten mit der doch so verletztlichen Seele um. Er liebte es ihm in seinem Schlaf zu beobachten. Weg waren die ernsten Züge, verursacht durch seinen Dienst als Krieger, er sah einfach nur wunderschön aus, wie er schlafend vor ihm lag, sein Gesicht entspannt und friedlich und das Laken enthüllte seinem Blick doch sehr viel des Körpers.
Der Schwarzhaarige war froh, dass er durch seine Gegenwart wenigstens die meisten Alträume Simiars vertreiben konnte, wenn auch noch lange nicht alle. Er konnte es nicht ertragen, dass seine andere Hälfte leiden musste. Seine langen Finger streiften sanft über die Wange des schlafendes Elbs. So zart schien er in diesem Moment.

Your Persian eyes sparkle

Als er seine Hand wieder sinken ließ, schlug Simiar die dunkelbraunen Augen auf. In ihnen spiegelte sich so große Liebe wider und das Sonnenlicht schien sie in zwei Tigerauge-Steine zu verwandeln und sie glitzerten wie die Sterne in der Nacht am Himmelszelt.
Diesem Elben konnte man nicht widerstehen. Arions Hände wanderten abermals, wie schon gestern Nacht über den Körper, gestählt durch das lange Training als Krieger, und näherten sich langsam der Körpermitte an.
Auch sein Geliebter war nicht untätig und zog das Laken, das auf dem Körper des Schauspieler verblieben war, weg und zeichnete Muster auf dessen Brust. Ließ seine Zunge über die Brustwarzen gleiten und spielte mit ihnen. Arion entwich ein Stöhnen und fand kurz darauf mit seinen weichen Händen Simiars Glied. Der Krieger zog scharf die Luft ein, als die Finger die empfindlichen Haut berührten. Dann schmiegte er sich enger an seinen Geliebten.
Das weiße Laken rutschte langsam auf den Boden.


Niemals zuvor hatte er dieses Gebäude betreten und das obwohl er nun schon seit beinahe 4000 Jahren auf der Welt weilte und davon mehr als die Hälfte auch in dieser Stadt der Städte verbracht hatte. Der Hauptstadt, Juwel der Elben des Zeitalters und doch nur ein Abglanz von der einstigen Pracht der alten Städte und dem Einfluss und der Machte der Elben.
Seine Zeit, er konnte es schon seit einiger Zeit spüren, war allmählich vorbei. Und doch hatte er genau jetzt Arion gefunden. Das Stück seiner Seele, das er schon seit seiner Geburt gesucht hatte ohne es auch nur zu ahnen. Wegen ihm und seiner Einladung war er nun hier. In der ersten Reihe hatte man ihm einen Stuhl auf Weisung seines Geliebten reserviert.
Gestern Nacht hatte Arion ihm die Handlung des Stücks Wort für Wort zugeflüstert, während er zarte Küsse auf seinem Körper verteilt hatte. Aber welche Rolle er spielte, hatte er auch auf eine Nachfrage seitens Simiars nicht verraten wollen.
Als er nun auf der Bühne stand mit nichts am Leib außer der Schminke und einem blütenweißen Tuch in das er kunstvoll gewickelt war, da regte sich Verlangen in dem braunhaarigen Elben; wie gern würde er den schlanken Körper Umwicklung für Umwicklung von dem Stoff befreien.
Wenn er sich nicht irrte und er dem Stück richtig folgen konnte, denn die Handlung, die ihm Arion nachts zugeflüstert hatte, hatte er kaum wahrgenommen, spielte der Dunkelhaarige eine Frau um welche sich, aufgrund ihrer Schönheit, zwei Männer rissen und die sich selbst in Intrigen am Hofe verwickelt hatte.
Diese Rolle passte zu dem Blauäugigen, Frauen waren zwar von jeher relativ gleichberechtigt mit den männlichen Elben gewesen, aber das Theater hatte schon immer nur den Männern gehört und so war es auch nicht weiter verwunderlich, dass sein Geliebter mit den langen seidigen schwarzen Haaren, der schlanken Gestalt, den blauen Augen und dem wunderschönen androgynen Gesicht für die Rolle ausgesucht worden war.

your lips, ruby blue
never speak a sound


Seine sinnlichen Lippen waren mit blauer Farbe geschminkt worden, Simiar würde sie so gerne küssen, bis kein Hauch Farbe mehr auf ihnen zu sehen war. Und dennoch sprachen sie in diesem Stück kein einziges Wort, spielte Arion doch eine stumme Rolle.
Der Krieger konnte es kaum erwarten seinen Elben in seinem Bett zu haben. Kein anderer würde ihn je besitzen.


„Du bist so fröhlich, es ist wahrlich wie Balsam auf meiner Seele mit dir zusammen zu sein, mein Geliebter.“ Simiar gab dem jüngeren Elben einen Kuss auf das schwarze Haar. Mit einem Blick auf die am Boden verstreuten Kleider fügte er noch hinzu, „aber bei deiner Robe hast du doch sehr hohe Ansprüche.“ In seinen Armen bewegte sich Arion im Bett um dem Krieger in die fast schwarzen Augen sehen zu können.
„Meine Ansprüche sind nur deshalb so hoch, weil ich dir gefallen will, ich will der Schönste für dich sein.“ Er lächelte.

You, oh so gay, with Parisian demands,
you can run around


Der Braunhaarige beugte sich hinab zu dem Elben und verschloss seinen Mund mit einem Kuss. Als er geendet hatte, setzte Simiar zu einer Erwiderung an. „Nebenbei bemerkt, du kannst für meine Augen nur der schönste Elb der Stadt, des Reichs sein, gleich welche Robe du auch immer trägst. Schließlich muss es ja einen Grund haben, dass ich dir deine Herumtreiberei mit deinen Theatermitstreitern immer verzeihe.“
Arion fuhr mit einem Finger über die Unterlippe seines Gegenübers. „Das verzeihst du mir allein, weil du mich liebst.“
„Ach ja?“ Er wurde mit einer hochgezogenen Augenbraue angeschaut. „Ja.“
Er fuhr mit seiner Zunge über die noch immer geschlossenen Lippen seines Geliebten, der ihm daraufhin Einlass gewährte.
Simiar strich ein paar Strähnen aus dem Gesicht von ihm, fuhr über die spitzen Ohren und küsste seinen Nacken. Er drehte den Kopf legte einen Hand auf die Wange und zog ihn für ein Kuss zu sich.
Dann gaben sie sich langsam ihrem Liebesspiel hin.


Es mochte an dem noch recht jungen Alter Arions liegen, oder einfach an seinem Wesen oder vielmehr seiner Erziehung und auch seinem Beruf als Schauspieler, doch er hatte eine andere Ansicht als der Elb mit den beinahe 4000 Jahren auf der Welt. Viele der Gepflogenheiten zwischen den Ständen und des sozialen Lebens wurden vereinfacht, manche Sachen waren komplett vergessen worden von den jüngeren Generationen.

And your view of society screws up my mind
like you'll never know


Oft belustigten Simiar diese Vorstellungen und er dachte bei sich, dass manche Lösungen doch weit weniger umständlich waren als die alten Sitten, aber manchmal konnte er es einfach nicht verstehen, es machte ihn schier verrückt wie man das geändert hatte, wo doch die alte Begrüßung oder Art ein Fest zu feiern doch um einiges besser gewesen war.
In diesen Momenten fühlte der Krieger sich immer ein wenig alt und überlegte, ob es doch nicht besser war, sein Leben langsam aufzugeben. Doch dann schenkte Arion ihm einen Blick und er bereute diesen Gedanken sogleich wieder.


An die Wand gelehnt, die starken Arme des Kriegers rechts und linkes neben seinem Kopf, hauchte Arion, „entführ mich in eine andere Welt.“ und nahm eine Hand, die unter seiner Berührung locker wurde, von der Wand in seine und zog den Braunhaarigen zu seiner Garderobe, die er in dem Theater besaß. Der aber blieb vor der offenen Türe stehen und schaute den kleineren Elben an. „Es ist das erste Mal, dass du mir diesen Raum zeigst. Darf ich auch wirklich eintreten?“
„Komm herein und entführ mich, Geliebter.“
Simiar stieß die Türe hinter sich zu. „Es stört uns auch keiner?“ Er erntete ein Kopfschütteln und begann damit, den schwarzen Elben unter Küssen aus seinen Kleidern zu befreien.
Langsam fuhr er mit seinen Lippen über die Brust, den flachen Bauch und schließlich auch über die Lenden Arions. Zur Belohnung bekam er ein Seufzen.

Lead me away, come inside,
see my mind in kaleidoscope


Es war Arion so, als ob er nach dem Liebesakt in die Seele Simiars blicken konnte und dort viele der Gefühle und auch ein paar der Erinnerungen sah, die der Elb, der doch ein wenig mehr Jahre auf der Erde verbracht hatte als er selbst, erlebt hatte. Wenn es nicht nur seine eigenen Phantasie oder Einbildung war, konnte er in den Augen auch ganze Geschichten erahnen. Auf jeden Fall aber einen beträchtlichen Teil seiner ein wenig dunklen Seele.
Den Krieger selbst amüsierte die Vorstellung Arions, aber er erzählte ihm auch so ein paar seiner Erinnerungen, wenn gleich es meistens nur die erfreulichen und nicht die düsteren, die seine Seele überschatteten, waren.


Einen seiner Kameraden, die mit ihm im Theater spielten, hatte er gefragt, was sie alle damit meinten. Er konnte es einfach nicht verstehen. Wie kamen Außenstehende darauf, so etwas zu vermuten?

Somebody called me Sebastian
Somebody called me Sebastian


„Du hast dich verändert, seit du ihn kennst. Er hat dich mit in seine dunkle depressive Welt gezogen und je länger ihr zusammen seid, desto mehr versinkst du mit ihm darin. Er zerstört dich. Du wirst leiden, wenn du weiter bei ihm bleibst. Bitte, tue es für dich.“
Er hatte ihn nur verständnislos angeschaut. Wie konnte man so etwas verlangen?
Egal, ob er es wollte oder nicht, er konnte Simiar nicht verlassen, nicht alleine lassen. Es würde sein Innerstes in Stück reißen.
Und er wollte es auch gar nicht. Was wussten die Anderen schon von seinem Geliebten und ihrer Beziehung?


Die Zeit verging und Arion wurde so einiges klar. Simiar versank immer wieder in seinen grauenvollen Erinnerungen und selbst er konnte ihn dann nur mit Mühe wieder in das Jetzt zurückbringen.
Aber so sehr es Arion auch versuchte, er konnte Simiar nicht verlassen, jeder einzelne Tag ohne ihn fühlte sich wie der Tod an. Ihm war es selbst klar, dass das keine gesunde Beziehung mehr war, die er da führte, aber was konnte er schon der Liebe entgegensetzen?

Mangle my mind, love me sublime
do it in style


Simiar hatte ihn in seinen Bann gezogen, zerfetzte mit jedem seiner Blicke, seiner Berührungen seinen Verstand ein bisschen mehr, liebte ihn mit allem, was er hatte, verführte ihn ihn mit Stil und vollkommen.
War für ihn alles, was zählte, was er wollte und wichtig für ihn war.


Die Blick der anderen waren zwar meist auf ihn gerichtet, wenn er unterwegs war, doch keiner versuchte ihn mehr anzusprechen, so wie früher.

so we all know, oh yeah!

Es schien als wussten alle, selbst in anderen Teilen der Stadt, dass Arion vergeben war und niemals mehr aus dem Bann des Kriegers frei käme.


Der Krieger hatte es bemerkt, dass sein Geliebter in letzter Zeit, wenn auch nur sehr halbherzig versucht hatte, ihn zu verlassen, hatte es aber nie länger als einen oder zwei Tage ohne ihn ausgehalten. Wahrscheinlich hatte der Schwarzhaarige vor seiner Vergangenheit, seiner dadurch verletzten Seele Angst, doch konnte er es nicht zulassen, dass er ihn eines Tages wirklich verließ und nicht mehr zurückkehrte. Er brauchte ihn, Arion war das einzige Licht, dass er noch in der Dunkelheit erblicken konnte, der einzige Grund, weshalb er sich noch an sein Leben klammerte und es nicht zuließ, dass er es sich es selbst nahm.

You're not gonna run, baby we've only just begun, baby to compromise

Er konnte ihn nicht gehen lassen, sie hatten schon so viel aufs Spiel gesetzt und doch standen sie erst am Anfang. Vielleicht konnte ihn sein Geliebter ja retten? Ihn aus seiner Dunkelheit reißen und die ganzen Erinnerungen, die ihn heimsuchten, von all den verstorbenen Elben, vertreiben oder gar nehmen?


In letzter Zeit kam es häufiger vor, dass sie gemeinsam die Wirtschaft besuchten in der sie sich zum allerersten Mal gesehen hatten. Und nicht minder oft verließen sie ihn auch erst in den Morgenstunden wieder.

Slagged in a bowery saloon love's a story we'll serialise

Da es dort niemanden interessierte, wie vielleicht in anderen Wirtshäusern und Teilen der Stadt, was man tat, solange man nur regelmäßig etwas zu trinken bestellte, küssten sie sich hemmungslos und jedem, der dort regelmäßig einkehrte, musste ihre Liebesgeschichte wie eine Serie vorkommen, die immer weitergehen würde.


Als er den Kuss beendete, blickte er in das Gesicht, welches mit schwarzen Haaren umgeben war.
Blasse Haut, wie bei einem Engel, dazu die blauen Augen und der grüne Lidschatten. Es machte ihn nahezu überirdisch schön.

Pale angel face, green-eye shadow, the glitter is outaside

Jeder der Elben hatte einen inneren Schein, woher er kam konnte keiner sagen, doch als Arion den Krieger nun ansah konnte er ihn nicht mehr sehen. Nicht einmal der schwache Schein, der immer noch existiert hatte. Das Funkeln in seinen Augen war verschwunden.


Simiar war sich sicher, dass keiner es jemals vermochte auch nur einen kleinen Teil des Strahlens zu ergründen, welches seinen Geliebten anhaftete. Vielleicht bekamen sie auch keine Gelegenheit mehr dazu. Er konnte sich damit trösten, dass er wahrscheinlich immer der Einzige bleiben würde, der die Liebe des Elben, die wahre tiefe Liebe, besessen hatte, die Leidenschaft, einfach alles was er geben konnte und schließlich noch das Wichtigste, sein Herz.

No courtesan could begin to decipher your beam of light

Wenn er ging würde er das alles mitnehmen. Arion schmiegte sich an seinen nackten Körper, legte seine Arme um seinen Hals und verschränkte sie in seinem Nacken.
Dann küsste er Simiar mit allem, was er besaß.


Arion wusste, dass die Leute Recht behalten hatten, er litt und konnte nichts unternehmen um es zu ändern. Einzig und allein sein Geliebter hatte die Macht dazu. Doch selbst seine Stärke hatte versagt. Er hatte seinen Kampf beinahe aufgegeben, es war zu viel gewesen für seine Seele.
Simiar, der Krieger, hörte auf zu kämpfen, war es nach so langer Zeit leid geworden, selbst mit Arion besaß er keine Kraft mehr.

Somebody called me Sebastian
Somebody called me Sebastian


Und zog damit seinen Geliebten mit sich. Ließ ihn alles spüren, was er auch spürte. Teilte seine Albträume mit ihm ohne es zu wollen.
Ihr Verbindung wurde ihm zum Verhängnis und er konnte so vieles nachempfinden und fühlen. Seine Seele litt genauso daran wie Simiars.


Arion war es schon lange gleichgültig, was Simiar mit seinem Herzen, dass er schon seit ihrem ersten Treffen unwiderruflich besaß, anstellen vermochte. Er konnte es nicht beeinflussen, genauso wenig wie er die zerstörte Seele seines Geliebten heilen konnte.

Dance on my heart, laugh, swoop and dart,
la-di-di-da


Die Götter hatten dies zu entscheiden oder Simiar selbst, wer wusste das schon.
Der Braunhaarige besaß ihn ganz, dürfte auf seinem Herzen tanzen, lachen, ihn ergreifen und herumwirbeln, denn er wollte nur mit ihm zusammen sein.
Abgrund und Himmel lagen so nahe beieinander.
Und sie beide tanzten zusammen auf dem schmalen Grat dazwischen, bereit jederzeit aufzusteigen oder zu fallen.
Neigten sich immer mehr dem Abgrund zu.


Fast jeder kannte die Geschichte der zwei Elben, der eine strahlend und jung, der and're gebrochen und gewesen.
Wie Tag und Nacht.
Arion und Simiar.

Now we all know you, yeah!

Autorennotiz

Das Copyright dieser Geschichte liegt bei mir (außer der Liedtext, der gehört Cockney Rebel), die Personen sind von mir frei erfunden (oder habt ihr schon mal einen Elben gesehen?^^).

Feedback

Logge Dich ein oder registriere Dich um Storys kommentieren zu können!

0
Elenyafinwes Profilbild
Elenyafinwe
M
Am 18.06.2017 um 20:27 Uhr
Hallo,

ich mag das Grundsetting der Geschichte sehr, das hat es mir echt angetan. Aber ich finde, besonders am Anfang, wo die beiden zusammen kommen, springt es etwas zu sehr. Auch leuchtet mir Simiars Niedergang nicht ganz ein. Ich glaube fast, dass es diesem Text durchaus gut getan hätte, hättest du ihm mehr Raum über mehrere kleine Kapitel gegeben, um die Geschichte detaillierter zu entwickeln. Aber wie gesagt, prinzipiell gefällt mir das Setting.

lg Auctrix
magicblues Profilbild
magicblue (Autor)Am 19.06.2017 um 14:17 Uhr
Kannst du mir das nochmal etwas genauer schreiben? Dann überarbeite ich den Text nochmal und schreibe ihn ggf. auch um. Die Geschichte liegt mir nämlich wirklich sehr am Herzen:)

Autor

magicblues Profilbild magicblue

Bewertung

Eine Bewertung

Statistik

Sätze:124
Wörter:4.071
Zeichen:23.637

Kurzbeschreibung

Zwei Elben und eine Begegnung, die ihr Schicksal in Liebe verbindet. Doch die Dämonen der Vergangenheit schlafen nicht ewig. Songfic zu dem Lied Sebastian von Cockney Rebel.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Trauriges auch in den Genres Fantasy, Liebe, Schmerz & Trost gelistet.

Ähnliche Storys

Wie es wäre
Von Tressa
134
In der Mitte des Lebens
Von Madame99
185 3 1 12
Antipathie
Von Celineporz
118 3,5 12
Nichts
Von simplyme
137 2 2 12
Warum tust du mir das an?
Von Mausi
162 9 16