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Rauschen 1.03

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1.12.2019 21:09
16 Ab 16 Jahren
In Arbeit

20. Oktober

Der strenge Geruch der Herbstfeuer lag in Luft, und so langsam erwachte Erik aus seiner Trance auf einer abgelegenen Parkbank. Die Kälte hatte ihn geweckt. Erst wusste er nicht, wo er sich befand, dann Stück für Stück, kam ihm mehr und mehr bekannt vor. Er kannte den Ort, doch der Name wollte ihm nicht einfallen. Der Bahnhof der kleinen Ortschaft Kossvitz war nicht weit entfernt, seine Heimatstadt Spandoverhaven lag gerade mal weniger als 20 Kilometer im Westen. Er blickte sich um, aber kaum jemand von den wenigen Leuten, die unterwegs waren, bemerkten ihn. Seine Sachen waren dreckig und verschlissen. Einige Zeit blieb er auf der Bank sitzen, bis er sich übergeben musste. Er wischte sich über den Mund und atmete die Hände auf die Knie gestützt tief ein. Mehr als eine Woche war seit seinem Anruf zu Hause vergangen. Ungläubig ging sein Blick gen Himmel, das Sternbild des Orion, die Plejaden standen dort still. Er lachte auf, in seinem Kopf drehte sich alles und er schlurfte leicht humpelnd zum Bahnhof, die breite Nebenstraße runter. Warum auch warten, zu Hause war nicht weit und er wollte nur schlafen in seinen eigenem Bett. Und er begann zu laufen, die Schritte wurden schneller, er ignorierte die Schmerzen und er rannte um sein Leben, als gäbe es keinen Morgen. Gerade noch rechtzeitig erreicht er die halbstündige Bahn, er sucht sich einen leeren vierer Platz. Erik durchsucht die Taschen, fand eine fast leere Schachtel Zigaretten mit gequollen Pappstreichhölzern, fünfzig Mark und einen kleinen Zettel mit einer Botschaft, der nur er verstand.“M“.

Der Schaffner kam einige Zeit später durch. Er hielt Erik auf den ersten Blick für eines der Bahnhofskinder aus der Großstadt, die mal wieder auf Diebestour unterwegs waren und er fragte ihn ein bisschen aus, doch seine Antworten brachten nicht viel. Er ging weiter seiner Arbeit nach, überreichte ihm im Tausch für den Fünfziger Wechselgeld und eine Fahrkarte. Erik dachte nur an sein Bett, er fuhr sich mit seinen Fingern durchs fettige Haar und tastete Strähne für Strähne seinen Kopf ab, er stank erbärmlich. Die Wunde die er fand hatte er vergessen, bis eben. Die Schmerzen kehrten in stärker werdenden Intervallen zurück, unerträglich, er musste sich ablenken und machte sich eine der Zigaretten an, sie schmeckten nicht mal schlecht. Der Schaffner schaute auf seiner Rücktour noch mal bei Erik vorbei, er lächelte ihn unfreundlich, abgeneigt an.

„Ist doch ein Raucherabteil?“ Erik störte das nicht er dachte nur an zu Hause, es war vorüber.

„Sicher!“


 

Suzanna Martin hatte gerade Pause, als die Kommissarin auftauchte und sie zur Seite nahm. Kathleen Kiley war ruhig und Erik´s Mutter erwartete das Schlimmste, dann lächelte sie: „Wir haben ihn. Er sitzt im Zug!”

„Ist er es wirklich?” Ungläubig erleichtert lächelte sie.

„Ja!”

„Dann lass uns fahren!”

„Sie werden hier her kommen!”

„Das ist wahr?… ich kanns nicht glauben Kathy!” Sie wurde unruhig, und die Kommissarin stand ihr bei.


 

Es waren unwirkliche Minuten bis Erik vor ihr stand. Er ging an Kommissar Labbocks Seite bis er seine Mutter sah, dann lief er auf sie zu. Suzanna stand vor ihm, seine Augen waren vertraut, sie umarmten sich und Erik lies sie nicht mehr los. Seine Beine waren wie Gummie und Suza stützte ihn.

„Mama ich will nur noch nach Hause.” Er öffnete die Augen, sah die Arbeitskollegen seiner Mutter, wie sie sie umringten und er nahm Abstand.

„Ich wusste, das du nicht wegläufst du nicht! Das passt nicht zu dir.” Sie bemerkte die verschlissenen Sachen, es waren die mit denen er vermisst gemeldet worden war. Als sich ihr Blick auf die Kommissarin richtete, folgte der Erleichterung eine nüchterne Erkenntnis.

„Hey, ich war so kurz davor?” Jetzt noch konnte er Witze machen, seinen Humor hatte er bei behalten, er starker Husten, der unterstrich wie sehr er angeschlagen war, unterbrach ihn.

„Das geht nicht!” , sagte Labbock und legte seine Hand auf Erik ´s Schulter.

„Hey !” Erik schlug die Hand weg, Suzanna beruhigte ihn und erklärte.

„Wir müssen dich erst Untersuchen, zudem brauchen sie deine Aussage!”

„Ich hab nichts zu sagen! Mama. Ich will nach Hause.”, flüsterte er kaum hörbar und hielt sie fest. Suzanna reagierte mehr als Mutter als als Ärztin, dass wusste sie und Erik auch, weshalb er den Mund hielt.

„Ich regele das! “ Suzanna blickte auf die Uhr. „Am besten sag ich Schwester Magaret Bescheid, ich hol dir was ordentliches zum Anziehen und dann gehen wir okay! Du bleibst bei ihr, bis ich Feierabend hab. Du gehst jetzt mit der Polizei in die U2 und sie werden nichts machen, bis ich wieder da bin.“

„Mach ich!“ Kommissar Labbock und der Beamte Bennedikt begleiteten Erik als Schwester Magaret wenig später hinzu kam und sich um ihn zu kümmerte.

„Es muss nicht viel passiert sein!“ Vergebens versuchte die Kommissarin Suza aufzumuntern, ohne viel Wirkung. Sie lief zum Umkleideraum hinter dem Ärztezimmer und klopfte am Ruheraum an.

„Das glaub ich nicht. Er sieht schlimm aus! Wer weiß was ihm passiert ist?Ich kenne die Vorschriften! Ich suche nur einen Arzt für seine Untersuchung!“

"Hast du ihn angelogen!“ Die Komissarin überraschte die Abgeklärtheit.

„Kess bist du da, bist du wach!“ Sie klopfte noch Mal an.

„Du weist genau so gut wie ich, das er heute Abend nicht nach Hause geht!“

„Sicher weis ich das ...Kess?“ Es hörte sich verzweifelt an.

„Ja ich komme ja schon, was ist denn los?“ Dr. Kessinka öffnete die Tür zum Ruheraum, überrascht von dem Tumult der sich ausserhalb abspielte. Suzanna´s Mann Jonas musste jeden Augenblick da sein, aber die Momente schienen bis dahin unendlich, sie wollte sich ablenken und konnte doch nicht zurück an die Arbeit. Sie versuchte sich von der U2 fern zu halten. Labbock wollte nun endlich mit seiner Befragung beginnen und holte Kommissarin Kiley hinzu.

Sie sah , dass er sich in einem der kleinen Spiegel in der Wand betrachtete, sie stellte sich davor, denn sie benötigten seine Hilfe, während Erik´s Platzwunde von Schwester Magaret versorgt wurde. Erik hielt still und schien auch ein wenig abwesend.

„Machen sie noch nicht zu viel!“ Kommissar Labbock folgte seinem Protokoll und erntete von Schwester Magaret böse unfreundliche Blicke. „So Junge nun lass uns mal Klartext reden einverstanden !” Er schien etwas zu fordern und Erik sollte es ihm liefern.

„Fangen sie an und dann lassen sie mich in Ruhe !” Erik verzog keine Miene immer dieser leere dumpfe Blick.

„Kannst du uns sagen, wo die letzten Wochen warst? Deine Abwesenheit hat ´ne Menge Ärger verursacht.“

„Irgendwo!“ Er sprach dazwischen, es baute sich eine aggresive Stimmung zwischen ihnen auf,ob es an Labbock´s schroffer Art lag oder das Erik, nicht reden wollte, war unmöglich zu bestimmen.

„Einige sagen, du hattest Streit und bist weg gelaufen, war das so?“

„Wenn sie es meinen, wird es so gewesen sein!“ Magaret legte ihre warme Hand auf seine Schulter, Erik sah zu ihr und hielt sie fest, als wollte er sich schützen.

„Du bist ganz schön heruntergekommen. Deine Familie hat sich Sorgen gemacht erkläre uns den Grund, wenn es so war.”

„Tut mir Leid kann ich nicht! ...Auf den Weg hier her habe ich nicht mit ihnen gesprochen und jetzt werde ich meine Meinung, auch grade für sie ändern. Ich kann sie nicht leiden.” Er hielt eine kleine Dino - Spielfigur in der anderen Hand und fuhr damit auf den Tisch seine Runden. Er war sich nicht so ganz darüber klar was vor sich ging und dachte nach.

„Damit musst du klar kommen Junge!“

„Muss ich wohl!“

„Kannst du nicht reden? Mit mir? Dann rede hier mit Kommissarin Kiley.“

„Ich will nur meine Ruhe! Ist das so schwer zu verstehen?“

„Wo bist du die letzten Wochen gewesen ?”

„Ich kann´s nicht sagen!”

„Wir werden so nicht weiter kommen das weißt du?” Labbock schien so ungeduldig , etwas machte ihn nervös.

„Bin ich Gott ? Ich weis es nicht!” Erik wurde mit einem Mal sehr wütend.

„Woran erinnerst du dich denn? Kannst du uns, dass wenigstens sagen?”

„Ich bin in diesem kleinen Kaff aufgewacht, aber sie können das vergessen, ich bin sicher niemand hat etwas gesehen!” Hilflos sah Erik zur Kommissarin. Nur aus dem Vorwand sich zurück zu halten, durfte Kathleen dabei sein und sie tat es. Erik war enttäuscht von ihr, dass sie ihn ans Messer lieferte, das hatte er nicht von ihr gedacht. Dabei wollte er nur ein Gespräch unter vier Augen mit ihr und das machte er deutlich: „Mensch ich bin nicht der einzige, der Mal abgehauen ist... sie nerven mich!”

„Also gibst du alles zu ! ... Du hast dich mit deinem Vater gestritten ... Wolltest mal raus hier ... sehen wie das Leben auf der Straße so ist. Das Geld ist dir wohl ausgegangen und bist gestrandet? Dann hast du festgestellt was für ein prächtiges Leben du doch hier hattest und bist zurück gekommen!”

„Was reden sie für ´ne hirnrissige Scheiße, glauben sie doch was sie wollen.”

„Wem willst du was beweisen?”

„Niemanden!”

„Du hast unsere Zeit verschwendet, und das mindeste was du tun kannst um die Sache aufzuklären, ist uns zu sagen, wo du warst! So viel Aufruhe wie du hier verursacht hast bist es schuldig.”

„Bin ich angeklagt? Wegen was? Nichts also lassen Sie mich in Ruhe!”

„Wir führen unser Gespräch ein anderes Mal weiter, doch wir kommen auf dich zurück!” Labbock verlies die U2, doch Eriks böser Blick ging auf die Kommissarin nieder, die nur still da gestanden hatte. Was Erik erst Minuten später auffiel war, dass Labbock Jemandem von der Stattur her, enorm ähnlich sah, den er nicht ausstehen konnte, das war ein Grund, warum er schwieg, nicht zu viel den Falschen Leuten zu verraten. Magaret räumte etwas später die Sachen auf. Erik war schlecht drauf, er war müde und hatte viel durchgemacht und keinen Bock auf irgend welche Gespräche. In den nächsten zwei Stunden sollte er noch weiter untersucht werden, die Ergebnisse sollten dann fest stehen. Sie würden mehr als Ärger bringen und das brachte wiederum noch mehr unangenehme Fragen, dessen war sich Kathleen Kiley sicher und sie versuchte Labbock zur einer Lösung zu überreden. Erik hatte noch nicht mal Zeit gehabt sich zu frisch zu machen,was ihn noch mehr wurmte. Magaret wollte die Kopfwunde versorgen. Sie wartete noch etwas bevor sie den Raum unter einen Vorwand verlies. Erik wartet weiter auf Suza, sie hatte es ihm versprochen.

Nicht seine Mutter sondern Dr. Kessinka betrat mit seiner Wechselkleidung den Untersuchungsraum zusammen mit der Kommissarin und Schwester Magaret. „Kess?“ Er saß in sich gesunken auf dem Patientenstuhl.

„Na wie geht’s dir!“ Sie legte die mitgebrachten Unterlagen auf den Untersuchungstisch.

„Mir ist schlecht, mein Bauch tut weh, Kess ich will nach Hause!“ Er beobachtete sie, wie sich vorbereite Hände reinigte und nach den Latexhandschuhen griff. Magaret breitete weiteres vor.

„Erik!“ Sie setzte sich vor ihn auf einen der 2 Rollstühle auf Augenhöhe. „Ich will ehrlich mit dir sein …, wir haben den Verdacht das dir was geschehen ist worüber du nicht reden kannst oder willst. Frau Kiley hat sich bereit erklärt und ich denke das ist in deinem Sinne bei deiner Untersuchung dabei ist, zudem bleibst du heute Nacht erst Mal hier.“

„Ich könnte weglaufen!“

„Da draußen an den Bullys wirst du nicht vorbei kommen!“

„Muss ich was sagen?“ Er blickte zum Boden, als Magaret einen Vorhang vor die Krankenliege schob.

„Nein! Heute nicht! Wir werden auch Fotos machen, wenn dir etwas unangenehm ist sprich es an. Okay?“

„Ja!“

„Können wir anfangen?“ Längst waren nicht nur der Ärztin die Striemen und Abdrücke an seinen Handgelenken aufgefallen. „Du ziehst dich erst Mal aus und wenn du so weit bist ... Stück ür Stück, wir haben Zeit. Du findest einen Kittel den kannst du dir später überziehen.“

„Wozu braucht ihr meine Sachen!“ Mit den Füssen zog er seine Schuhe aus und verschwand hinter den Vorhang.

„Wir sichern Spuren!“

„Seht ihr wann ich mir in die Hose gemacht habt oder was!“

„So ähnlich!“

„Hier viel Vergnügen!“ Er reichte seine Jeans versteckt hinter dem Vorhang, raus und die Kommissarin nahm sie ab und versiegelt sie. Er lugte kurz vor.

“ … Warum hast du mich vorhin im Stich gelassen! Ich meine Hallo.“

„Es ist hier viel geschehen, ... und im Grunde dürfte ich nicht mal hier sein, weil ich mich zu sehr eingemischt habe, aber nun bin es!“

„Dann will ich nicht wissen, wie der Typ da, dieser Labbock Verdächtige behandelt, aber die Polizei muss anscheinend nehmen was sie kriegt. Seit dem Bahnhof hat der nur grosse Scheisse gelabert Kommissarin und sein Schoßhündchen hat ihm schön hinterher gehechelt.“ Er reichte weitere Sachen an.

„Bist du soweit, dann komm bitte vor?“

"Den Kittel soll ich anziehen?" Jetzt wo er niemanden ansehen musste konnte er erzählen und Witze reissen, aber das änderte sich schlagartig, als er ihnen Auge in Auge gegenüberstand.

"Ja erstmal!" Sie wussten alle er redete um die Angst zu verdrängen.

"Ganz schön luftig."Von da an schwieg er ,folgte stumm Dr, Kessinka´s Anweisungen.


 

 

Polizei muss anscheinend nehmen was sie kriegt. Seit dem Bahnhof hat der nur grosse Scheisse gelabert Kommissarin und sein Schoßhündchen hat ihm schön hinterher gehechelt.“ Er reichte weitere Sachen an.

„Bist du soweit, dann komm bitte vor?“

"Den Kittel soll ich anziehen?" Jetzt wo er niemanden ansehen musste konnte er erzählen und Witze reissen, aber das änderte sich schlagartig, als er ihnen Auge in Auge gegenüberstand.

"Ja erstmal!" Sie wussten alle er redete um die Angst zu verdrängen.

"Ganz schön luftig."Von da an schwieg er ,folgte stumm Dr, Kessinka´s Anweisungen.


 

 

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Kurzbeschreibung

Erik trägt ein Geheimnis in sich, was ihn nicht zur Ruhe kommen lässt

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