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Rausche 1.05

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3.12.2019 21:59
16 Ab 16 Jahren
In Arbeit

 

Im Überschwang der Freude das er bald wieder zu Hause war, aber hatte er sein sehr wichtiges Versprechen ganz vergessen, nun wollte er so schnell wie möglich alles wieder gut machen. Wo war die Kommissarin? Eben war sie doch da gewesen.

Keiner Verstand Erik, er schien mit einem Mal auch so aufgedreht. Karoline hielt seine Hand fest, achtete aber mehr auf das was Dr. Kessinka und Suza beredeten, obwohl sie so gut wie kein Wort verstand. Die Kommissarin kam mit einem Kaffee in der Hand zurück in den Aufenthaltsraum.

„Ich muss reden unter vier Augen!” Er löste sich von Karoline, lächelte sie an. Es hieß ´Hab keine Angst!`. So ließ sie ihn ziehen. Er war fahrig und nervös.

„Hat es mit dem Fall zu tun? Dann muss ich Kommissar Labbock hinzu ziehen, das weisst du?” Die Augen der Kommissarin folgten Erik.

„Es ist wichtig. Ich kann nicht glauben das ich es vergessen hab, wo ich mir noch vorgenommen hatte gleich alles zu sagen! Es ist über mich gekommen und plötzlich weiß ich wieder, warum ich hier bin.” Er schluckte, bekam ein leichtes Pochen in den Schläfen. Sie gingen in eine ruhige Ecke und was Erik ihr erzählte war unglaublich. Er hinkte hin und er hinkte schwankend her, atmete hektischer. Sie glaubte, das er sich das, was er sagte, ausgedacht hatte, lies es sich aber nicht anmerken. So abwegig das ganze war, so versprach sie ihm der Sache nach zu gehen... aber aus welchem Grund sollte er so plötzlich etwas Neues erfinden? Es wich von der ursprünglichen Aussage ab. Warum sollte Erik Lügen, fragte sie sich und könnte diese grausame Geschichte wirklich passiert sein oder dachte er es sich im Überschwang der Ereignisse nur aus? Sie mußte mit Labbock reden, sich eine zweite Meinung einholen und vorallem die Finger von diesem Fall lassen. Momentan war sie nicht in der Lage sich ein Bild der Wirklichkeit zu machen. Erik blickte auf den Fernseher. In dem Bericht der gezeigt wurde ging er um ein sieben jähriges Mädchen, das vor wenigen Wochen auf dem Heimweg verschwunden war. Das hämmern im Kopf wurde unerträglich.

„Hey, Kommissarin das ist sie! Marie?” Mit einem Mal wurde das hämmern zu einem stechenden Schmerz, die Hände umklammerten seinen Kopf. Kurz darauf brach er zusammen. Erik´s Zustand war kritisch.

Eriks Geschichte klang so unglaublich,´selbst Labbock glaubte zu Anfangs das es erfunden war und er es mit aktuellen Geschehnissen vermischte. Nur es gab keinen Grund. Die Kommissarin beschloss, trotz der Unglaubwürdigkeit, der Sache nachzugehen. Sie forschte auf eigener Faust nach. Wenn Erik wirklich etwas mit der Entführung des Kindes in den Nachrichten zu tun hatte, besaß er bestimmtes Täterwissen. Am nächsten Morgen sprach sie gemeinsam mit dem Kripobeamten, der den Fall „Marie” betreute am Telefon. Zu ihrer Überraschung stimmte bis auf Kleinigkeiten die Aussagen der Zeugen überein. Also besaß die Geschichte von Erik einen Wahrheitsgehalt von über 95 Prozent. Der Beamte schlug vor sich mit den Eltern von Marie in Kontakt zu setzen. Dieses tat die Kommissarin auch, aber sie hatte eingesehen einen großen Fehler begangen zu haben. Eriks Aussagen waren verwirrend, aber vielleicht sollten sie das auch sein. Sie hatte Labbock ins Vertrauen gezogen und ihm gegenüber gestanden, das sie befangen war, als sie den medizinischen Befund aus dem Krankenhaus erhalten hatten. So wurde es ihr untersagt sich in jeglicher Hinsicht weiter mit dem Fall zu beschäftigen. Sie gab nicht auf, auch wenn es auf den ersten Blick so aussah.

Zwei Tage später bekam sie eine wichtige Information, weitere Beweise. Ein Spaziergänger war mit seinem Hund im Wald unterwegs gewesen, ausgerutscht und vor einem Bretterverschlag gelandet, der Hund schnüffelte und zog einen verwesten Arm raus. Die Polizei fand weitere grausig zugerichtete Leichenteile, in den von Erik beschriebenen Schacht, stimmte in jedes Detail überein, wie auch der verlassenen Güterbahnhof welcher ganz in der Nähe war. Das war die grobe Geschichte, die Kommissarin Kiley kannte und solange Erik nicht bei Bewusstsein war würde es auch keine weiteren Aussagen geben. Noch am selben Abend des Entdeckung wurde der Schacht mit Hilfe eines Baukrahnes geöffnet. Der Regen der letzten Wochen hatte im Schacht den Wasserpegel aus irgendwelchen Gründen steigen lassen, ohne das es ablaufen hatte können. Als der Schachtdeckel geöffnet wurde trieben verwässerte und verweste Leichenteile an die Oberfläche, andere versanken im Sog in der Tiefe des Schachtes. Der bestialische Gestank sammelten sich im gesamten Waldgebiet. Kurz darauf begannen die ersten Medien zu berichten.

“Man oh man du hast auch nichts gerlernt, was hab ich dir das letzte Mal gesagt, ich entscheide wann wir uns wiedersehen! Mach dich nützlich hier nimm das hier!” Er wies Erik an Labbock zu fesseln, der langsam wieder zu sich kam , ihn und das Mädchen würde er am Leben lassen, dafür sollte Erik mit ihm mitkommen, da sie noch was zu klären hatten. Erik fesselte Labbock drückte ihn sein Taschenmesser in die Hand, erst beim dritten Mal behielt dieser es, denn er wollte das Erik sich damit beschützte, doch Maries Unversehrtheit war ihm in diesem Augenblick weit wichtiger. Labbock verstand den Jungen nicht.

„Es ist nicht nötig das du dich in Gefahr bringst!”

„Sie verstehens nicht? Was bleibt mir anderes übrig? ... Sie habens versaut!” Innerhalb von Sekunden sah Labbock das Leben aus Erik´s Augen weichen und er fand nur eine Leere.

„Hört auf zu reden! Stopf ihm das Maul!” Er warf ihm ein Tuch hin, zum Knebeln. :„Seh zu , wir haben nicht ewig Zeit!”

Aber Erik stopfte es Lubbock nur in den Mund. Er sah zu Marie, strich ihre Hand und dann verschwanden sie. Marie lebte und das war in Eriks Augen das Wichtigste. Sascha Brandner schubste ihn aus dem Waggon, denn ihm war nicht wohl. Er bedrohte ihn mit Labbocks Waffe.

„Geh! Mach schon!”

„Wohin?”

„Raus! ...Richtung Wald... Gott verdammter Bengel! Weiter ... schneller” Mit Absicht tat Erik blöd, Labbock sollte eine Spur haben. „Schneller,... lauf schon ...oder willst du eine Kugel in den Kopf!” Die Stimmen verstummten im Dickicht.

„Wo willst du hin? Man wird dich bald finden!” Erik sollte sich ins Auto setzen. „Dann gibt´s du immer noch eine gute Geisel ab, Nicht wahr?” Wenig später verließen sie die Gegend.

Nur kurz darauf traf Kathleen Kiley zusammen mit Tim Streicher am Tatort ein. Jonas unterrichtete sie. Jetzt seien auch Labbock und Erik wie vom Erdboden verschluckt. Er machte sich Vorwürfe vor allem weil so viel Zeit ohne ein Zeichen verstrichen war. Die Kommissarin stellte Tim Streicher Jona Martin vor, dann gab es einen Tumullt. Es dauerte mehrere Minuten eher sich Labbock von den dicken Tau befreien konnte. Dann erlöste er Marie, sie war unterkühlt und todmüde. Was jetzt mit Erik war, war fraglich. Labbock trug Marie, die in seine Sachen gewickelt war auf dem Arm. Immer mehr Leute um ringten sie.

„Ein Krankenwagen schnell!”, hallte es aus der Menge. Freude und Erleichterung trat auf die Gesichter, der Beteiligten. Die Beiden wurden sofort medizinisch versorgt.

Zehn Minuten später stellte sich dann heraus das Erik nicht unter den geretteten war, sofort waren weitere Maßnahmen zu seiner Suche eingeleitet worden.

 

Sascha Brandner, der wenigstens, sechs Opfer auf dem Kerbholz hatte, wollte ihn was schreckliches antun und sie waren wie vom Erdboden verschluckt. In den Medien richtete man die Aufmerksamkeit jedoch nur auf den Fall Marie, von Erik oder Brandner wurde nicht gesprochen, um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden.

Drei Tage später fand man fand eine Nachricht, Erik hatte sie in einer Pension hinterlassen und die Medien kochten von da an vor Gerüchten um Marie.

Vier weitere Tage waren sie jetzt unterwegs und in den Nachrichten kam nicht das geringste, deshalb fühlte Brandner sich relativ sicher dort unterzutauchen, wo man ihn und Erik am wenigsten vermutete in der Öffentlichkeit, zu einfach war er gestrickt, ob Labbock wenigstens das Begriffen hatte.

Sascha Brandner suchte ihnen eine Unterkunft aus dem Stadtverzeichnis. Auf dem Zimmer ging er die Straßenkarte durch.

„Dort werden sie dich spätestens schnappen!”

„Und wenn, bestimmt nicht mit dir! Bis dahin werd ich die Bullen eben noch vorführen!” Erik glaubte nicht, dass Brandner so dumm war und er lachte. Lachte ihn aus.

„Vorführen? Du? Vor wen denn?”

„Setz dich aufs Bett! Halt deine Schnauze verstanden!”

„Sie sind dir auf den Fersen, ganz dicht, das ist wohl eher der Fall!” Erik bekam sich nicht ein, die Übermüdung, die Kopfschmerzen, machte ihm schwer zu schaffen, was ihn ausfällig werden lies: „Du wirst dich erst in den Zeitungen bewundern können, wenn sie dich kriegen, in sämtlichen Zeitungen!”

„Du sollst ruhig sein, leg dich hin, schlaf oder tu sonst was!” Er studierte die Karte, aber das was Erik gesagt hatte, war wahr gewesen. Ununterbrochen spottete er weiter, bis Brandner ihn gezielt k.o. Schlug. Dann nahm er etwas aus seiner Tasche, schloß die Zimmertür von außen ab und ging auf die Straße. Beachtung fand er hier wirklich keine. Er war einer von Vielen der seine Besorgungen machte, dabei war er doch jemand ganz besonderes und sie sollten sich an ihn erinnern.

Spärlich bekam Erik Luft, er war unbekleidet, sein Körper war heiß und glühte. Wie lange es schon ging konnte er nicht sagen, die Kopfschmerzen ließen ihn bewußtlos werden. Als er registriete was vor sich gegangen war übergab er sich. Brandner saß auf dem Stuhl angelehnt und spielte mit dem blutigen Messer, in der anderen Hand die Pistole von Labbock und starrte sein grausames Meisterwerk an.

„Na gefällts dir? ... Ha ... Immer noch so eine große Klappe Herr Schlaukopf?”

„Krank! Krankes Schwein! Fick dich doch!” Erik stützte sich mit seinen Armen vom Bett ab. Leicht ran das Blut an die Innenseite seiner Handflächen. Dort wo Erik gelegen hatte war ein großer weißer Eiförmiger Fleck, rings herum war alles rot, von Blut beschmiert, seinem Blut. Erik fuhr sich durchs Haar, es war klitschnass und er konnte nur noch auf die Hand starren. Brandner hielt ihm einen Spiegel vors Gesicht, wo zwei grün - graue Augen das Einzigste waren, was an ihn erinnerte. Er stöhnte, atmete schwer, kurz davor zusammen zu brechen.

„So was ähnliches hab ich grad hinter mir! Du hast aber ein kurzes Gedächnis! Ich war kurz davor dich an zu kotzen, mal ehrlich ich werde nie verstehen was Lang so toll daran findet, ist es doch nur ein Mittel zu Unterdrückung und Entwürdigung. Ich bin nicht so.Wenn du nächstes Mal nicht gehorchst werd ich dich einfach nur aufschlitzen.” Er lachte als ob noch etwas anderes dahinter wäre. Irgendwas war hier anders gelaufen als sich beide gedacht hatten. Erik war kein Mensch mehr.

„Oh Gott nein ... Du ...” Sein Blick schweifte auf die Waffe die er jetzt erst zum Einsatz brachte, als Brandner vom Stuhl aufstand, legte er sie Erik vor die Füsse, das Hauptmerk blieb auf dem blutigen Messer : „... Du hast versprochen mich in Ruhe zu lassen! Das das letzte Mal hat dir Spaß gemacht , du hast keine Gefühle und das eben war auch kein Ausrutscher war. Dabei hatte ich nur eine Frage an dich... Warum ? ... Ich will eine verfluchte Antwort ... Warum hast du dieses Monster auf uns los gelassen?”

„Och, du tust mir so Leid, du hast auch so einiges versprochen Jungchen! ... Und du schleppst mir so einen Versager an der ... ich hatte einen so schönen Plan ... Aber das sagt mir doch nur eins wenn man jemanden wie dich in den Hand hat dann bringt man auch zu Ende was man anfängt. Die Kleine hol ich mir irgendwann wenn sie reif ist, du verstehst... Aber erst bist du dran. Dann werde ich mich um deine kleine Freundin kümmern, sie wird einsam sein ohne dich ... und so lange werdet ihr ja auch nicht getrennt sein... dann nehm ich mir ihre Freunde vor ... ein , zwei sind dabei die du kennst und niemand wird vor mir sicher sein ... Aber ich gebe dir eine Chance deine Letzte... du beweist mir nur das ich mich auf dich verlassen kann.” Er schlenderte ein paar Schritte durchs Zimmer. Da war das Geräusch auf das er gewartet hatte. Polizeisirenen. „Da sie kommen!”

„Und?” Erik war es egal und er zog sich seine Hose über.

„Ich hab sie angerufen! Ja. Wie schnell sie da sind wenn sie denken das hier eine Bombe versteckt ist.”

„Bombe?”

„Naja man sagt Bombe oder Feuer die Leute drehen durch. Doch schreist du nach Hilfe, wie du siehst passiert nichts. Sie spucken sogar auf dich. Aber Bombe meine Güte ... ich meine ja auch eine Menschliche... Ich werden jetzt gehen ... und ich werde ... davon kommen ... schließlich gibt es nicht einen Beweis ... und dann wenn du es am wenigsten erwartest ... in sechs oder sieben Jahren, was kriegt man für so´n Nümmerchen, die heutigen Gesetze sind da recht dürftig ... oder zwanzig Jahren gehörst du mir... jeden Tag gehörst du mir und du wirst an mich denken.” Brandner schaute aus dem Fenster, bereit jeden Augenblick zu verschwinden, in dem Moment griff Erik schnell nach der Waffe.

„Hey ho!” Er wich gleich ein paar Schritte zurück.”Sei vorsichtig ja! Nicht das du es gleich beendest!” Es ging alles zu einfach. Erik entsicherte die Waffe, ob noch Kugeln drinnen waren? Oder Brandner ihn in eine Falle laufen lies. Er schluckte. „Erst kotz du mir die Bude voll und dann bebedrohst du mich?” Obwohl es vieles gab, hatte Erik dem nichts entgegen zu setzen. „Gib die Wumme her! Du traust dich sowieso nicht auf mich zu schießen!”

„Komm nicht näher! Ich werde schießen!” Er schrie ihn an.

„Du müßtest verstehen, warum ich bin wie ich bin.”

„Das will ich gar nicht! ... Keinen Schritt näher!”

"Du bist wie ich!"

"Keinen Schritt näher ... Ich werde nie sein wie du!" Eriks Arm wurde schwerer. Blut ran immer schneller herab, auf den hellen Vorteppich.

"Deshalb wirst du auch nicht schießen und gibst mir, das Ding ... Ich gebe zu ich hab sie vergessen ..."

"Hör auf , sei still !" Er wechselte die Seiten und kämpfte mit sich wach und bei Verstand zu bleiben. Brandner kam näher, wurde anvisiert und ein Schuss fiel. Der Drall war so stark das Erik die Waffe fallen lies. Die Kugel durchschlug dicht neben Brandners Kopf die Fensterscheibe. Erik kroch auf den Boden und griff schnell die scharfe Waffe. Sie war geladen es war zu einfach. Doch Brandner Langsamkeit überraschte ihn genauso.

„Du hast auf mich geschossen.” , ungläubig starrte er auf Erik, er hatte ihn unterschätzt. Der Waffenlauf war dreißig Zentimeter vor seinem Gesicht, senkte sich auf Bauchhöhe, dann zielte er aufs Knie. Ein zweiter Schuß. Diesmal hielt er die Waffe fest.

„Ah!” Sascha Brandner brach ein. Ja er hatte nichts mit ihm gemeinsam.

„Aufs Bett!” Erik schwitzte, jetzt durfte er nicht abklappen, nicht bevor es endgültig überstanden war, denn das wäre sein Todesurteil.

„Du hast mich angeschossen! Du verfickter kleiner Bengel schießt mich an?”

„Aha ist mir wohl gerade entfallen. Vergess nicht dich aus zu ziehen, wenn ich drum bitten darf! Seh zu.”

„Nicht dein ernst Söhnchen!” So hatte er sich das Ende ganz und gar nicht vorgestellt. Erik schlug ihn mit der Waffe nieder. Die Sachen von Brandner benutzte Erik um ihn am Bett fest zu binden. Als alles sicher war, fiel die schwere Waffe gesichert auf den Boden. Erik ging ins Bad und machte sich zurecht, so wie er aussah konnte er nicht vor die Tür, selbst er ängstige sich vor dieser seltsam aussehenden Figur.

Die Polizei war auf höchster Bereitschaft. Erik mischte sich unter die evakuierten Leute der Pension. Alles schien wie in Zeitlupe zu gehen. Als er draußen war, streifte er umher, davon, aber nur wenige Schritte von der Pension entfernt. Er setzte sich auf eine Bank in der Nähe und wartete. Er war so müde, also schloß er die Augen und rauchte seine letzte Zigarette, die Gänsehaut auf seinem Körper blieb.

Als sie das Zimmer stürmten, war Brandner, auf den Bauch liegend, ans Bett gefesselt. Der Junge, der bei ihm sollte war unauffindbar, aber so wie das Zimmer ausgesehen hatte, war er schwer verletzt und konnte nicht weit gekommen sein.

Labbock wollte die Nachricht über den Funk weiter geben, als ihm ein bekanntes Gesicht begegnete. Er lief zur Bank, griff ihn an den Armen. Erik wurde wach.

„Willst du nach Hause?”

„Nichts lieber als das ... Aber da ist ein kleines Problem!” Die verbunden Wunden bluteten durch, Erik zeigte ihm seine Hand, auf der sich neues Blut angesammelt hatte. Labbock öffnete seine Jacke, kraftlos versuchte er ihn ab zu wehren. „Sanitäter!”

Einige Tage verbrachte Erik Bewusstlos im Krankenhaus, als er erwachte drehte er nur dank der Schmerzmittel nicht durch. Seine Gedanke waren klar getrieben von Panik und es ging darum sich auszusprechen, wem konnte er vertrauen, der Polizei nicht, seiner Familie nicht, denn niemand war sicher vor dem was dann sein würde. Er verdrängte seine Gedanken und ihm war schlecht, er war schon mehrfach an diesem Punkt, was er tun musste, es einfach nur vergessen. Benommen befreite er sich vom Tropf. Länger wollte er nicht hier bleiben. Schritt für Schritt wurde er auf den Beinen sicherer. Seine frisch gewaschenen Sachen lagen auf den Stuhl und er begann sich an zu ziehen. Ein anderer Patient der mit im Zimmer lag, hatte Erik´s kleinen Rundgang gemeldet, doch da hatte Erik schon das Zimmer verlassen.

Bennedikt war abgestellt worden um Labbock jeder Zeit Bericht zu erstatten. Er hatte sich gerade einen Kaffee geholt als Erik in der Cafeteria ordentlich in der Reihe anstellte. Die Bedienung kannte ihn und er ließ wie immer sein Essen auf Suzas Konto anschreiben. Er setzte er sich in die Ecke und begann mit seinem Mahl.

Suza setzte sich zusammen mit Bennedikt an Erik´s Tisch.

„Wer ist dein neuer Freund!” Er dachte nach, er kannte das Gesicht.

„Bist du okay?” Sie merkte das ihn etwas quälte.

„Ja, mir geht's gut! Nur leichte Kopfschmerzen. ...langsam beginne ich dieses Krankenhaus zu hassen. ” Es gab Hühnerfrikassee und Erik langte kräftig zu. „Ich hab vielleicht hunger!”

„Das ist Herr Benedikt, er arbeitet für die Polizei!” Suza stellte ihn vor."Du hast lange geschlafen."

„Polizei?” Erik dachte nach: „Da war irgend was, hm ich komm nicht drauf!” Munter aß er weiter, als er abrupt aufhörte. Seine Hände begannen sichtlich zu zittern. Er blickte von Suza zu Benedikt zurück. Es schien fast so als wäre er bereit zu flüchten, so wie er sich am Tisch fest krallte.

„Nein. Das ist nich passiert!” Suza wollte ihn beruhigen aber es wurde schlimmer. „Faß mich nicht an!” , zischte er und zog seinen Arm ganz dicht an seinen Körper, langsam kehrten die Schmerzen zurück.

„Herr Benedikt soll dich nach her zum Polizeirevier begleiten!”

„Und was ist wenn ich keine Lust habe mit zu gehen? Ich möchte mit der Kommissarin reden! Wo ist sie? Sie weis doch bescheid ich muss zu ihr Mama.” Erik stand auf, und wollte sie suchen.

„Auf dem Revier! Und es ist besser wenn du freiwillig mit kommst ohne welchen Ärger zu machen. Wir gehen am besten sofort. Sie wird da sein.” Ruhig mochte Benedikt Erik lieber, so kam er ihm eigenartig vor, er wirkte schuldig.

„Aber ich kann mit der Kommissarin sprechen?” Suza griff nach ihm, hielt ihn still.

„Das werden wir hinkriegen. Sie wird da sein.”

„Mama kommst du mit?”

„Ich ruf Papa an okay dann komme so schnell ich kann nach!”

„ Mir wäre lieber wenn du gleich mitkommst.” Erik gab nach und er schien ganz plötzlich besonnen und vernünftig, es ging ihm alles andere als gut.

„Hast du irgendwas?”

„Kopfschmerzen und Muskelkater! Ich will nicht alleine sein... und du machst deinen Scheißjob... Mama bitte ...”

"Es wäre kein Problem ich könnte sie sicher mitnehmen!"

"Ich komme nach ..." Sie bemerkte, das er sie nicht an sah auch als sie versuchte ihm in die Augen zu schauen. Diese Seite an ihr hasste er, als ob etwas an ihm war was sie nicht mochte.

"Mama ich will ..."

"Erik, ich komme nach ... Ich kann hier nicht einfach verschwinden, wir sind unterbesetzt."

"Okay! Dann nicht. Lass es dir schmecken."

Während der Fahrt zum Revier erfuhr Erik, das Labbock seit Tagen mit ihm sprechen wollte und nun da er einigermaßen stabill war, sprach nichts dagegen, denn in der Zwischenzeit war viel passiert.

Sein Vater verspätet sich wohl, Suza versuchte ihm hinterher zu telefonieren und erreichte ihn schließlich. Jona kam so schnell es ihm möglich war, aber wie sollte es anders sein, in Eriks Augen wieder zu spät. Seine Mutter hatten ihm den „Feind” ausgeliefert und im Stich gelassen und Kommissarin Kiley war ebenso wenig erreichbar, obwohl Benedikt es versprochen hatte.

Auch wenn Bennedikt bei ihm blieb, sollte Erik einschüchtern, war es keine vertraute Umgebung. Obwohl sein Gefühl ihm sagte das es nicht gut war das Labbock den Fall betreute ließ er sich auf das Spiel ein. Diesmal schienen sie ihm zu glauben, aber er war auch in seinen Aussagen sehr durcheinander. Vielleicht hatte man ihm deshalb einen weiteren Psychologen zur Seite gestellt, der ihn aushorchen sollte. Kein Wort bekam er aus Erik raus, weder was geschehen noch wie Erik nach Hause gelangt war oder sich in diesem Moment fühlte. Nichts sah man ihm an, er war kalt wie Eis und er war abwesend. Im Vordergrund stand die Sache mit Marie sie galt noch immer als vermisst und konfrontierten Erik mit den Konsequenzen wenn er weiterhin die Aussage verweigerte... Lebte Marie noch?
 

Kathleen Kiley hatte sich durchgesetzt, zwar hatte es mehrere Tage gedauert, aber dann durfte sie die Ermittlungen im laufenden Fall unter Auflagen wieder aufnehmen, solange es sich um den Fall Marie handelte. Ihre erste Spur führte sie zu den Eltern des vermissten Mädchen was Erik angeblich gekannt haben wollte. Vier Stunden Autobahn und zwei einhalb Stunden Landstraße lagen hinter ihr und sie hatte Tschanzberg erreicht. Die Kollegen von der Dienststelle verwiesen sie an den Beamten Tim Streicher. Wie sich heraus stellte war er der Vater von Marie.

„Was sind das für wichtige Hinweise die sie da haben wollen?” Tim Streicher war skeptisch und neugierig zugleich, schließlich hatte die ihm unbekannte Frau einen weiten Weg auf sich genommen.

„Wir haben einen ähnlichen Entführungsfall wie den ihrer Tochter gehabt und wir vermuten nach einer Aussage den selben Täter!”

„Sie vermuten? iIch will Beweise! Viele glauben Marie ist tot und das man sie die nächsten Tage irgendwo finden wird. Am Wasser oder an irgendeinem verlassenen Waldstück. Das grausam aber es wird so sein!” Er hatte aufgegeben an ein Wunder zu glauben.

„Wenn sie noch lebt!”

„Alles spricht dagegen... aber wenn, dann ... machen sie es uns nicht noch schwerer. Ich weis nur all zu gut wie so etwas endet ...länger wie drei Tage und es wird immer unwahrscheilicher. Meine Frau setzt es zu, sie läßt unsere zweite Tochter keinen Moment mehr alleine irgendwo hin und ich kann nichts machen!”

„Was ist mit ihnen?” „

Ich muss meine Gefühle für den Zeitpunkt aufsparen, wenn ich Marie wieder auf dem Arm halte... Das Schlimmste für mich ist, ich bin Polizist und kann in der Sache nichts ausrichten!” „Das hier kennen sie das?” Sie zog die Armkette mit dem kleinen Engel aus einer kleinen Pappschachtel. „Wo haben sie das her? ...Ja es gehört ihr?... Was für ein Spiel ziehen sie hier ab?”

Die Kommissarin erzählte die Geschichte sofern sie sie kannte.

„Wir haben wahrscheinlich Hinweise auf Maries Auffendhaltsort!”

„Vor ein paar Tagen gabs das schon mal... Es ist eine schwere Zeit für uns, dann ist da diese Ungewissheit, was nun ist, lebt sie oder tut sie es nicht... wenn sie mit sowas ankommen ... wissen sie mehr sagen sie es!”

„Ich weis zu gut was sie durchmachen müssen.” Kathleen Kiley wollte alles über Maries letzte Stunden erfahren.

„Marie hatte Schulschluß. Ausgerechnet an dem Tag kam ich zu spät. Ich oder meine Frau holten sie jeden Tag gegen vier von ihrer Freundin Celine ab... Sie wohnt nur ein paar hundert Meter von uns. Celine sagte sie wollte mir entgegen laufen weil sie keine Lust hatte zu warten... an dem Tag hatte ich ihr einen Abend auf dem Pferdehof versprochen... Sie kam nicht zu Hause an... Keiner hat etwas gesehen und nichts war auffällig.” Er fasste sich, das man ihn in den Innendienst versetzt hatte, es war alles andere als förderlich.

„Laut einer Aussage in unserem Fall, geht es ihr gut und sie lebt!”

„Laut welcher Aussage?”

„Es ist ein paar Tage her, aber wir sind dicht dran!”

„Ich möchte mit diesem Jungen sprechen, so schnell wie möglich!” Tim Streicher war auf einer heißen Spur, aber erst mußte alles abgeklärt und Personal zugewiesen werden und das hieß wiederum noch eine Nacht zu warten. Er lud die Komissarin zum Abendessen ein und bei ihm zu übernachten. Sie nahm an und lernte seine Frau Monika und seine ca. elfjährige Tochter Bianca kennen.

„Sie haben auch Kinder?” Monika goss ihr Kaffee in die kleine, edelverzierte Porzellantasse, die für Gäste reserviert schien.

„Ja einen Jungen und ein Mädchen!” Das Haus in dem die Familie lebte war nicht groß, aber sie hatten ein großes Hofgrundstück, welches hauptsächlich auf die Kinder ausgerichtet war.

„Das was ich so von ihnen kennen gelernt habe, läßt mich vermuten, das sie persönliches Intresse haben.” Tim schien gut zu beobachten.

„Der Junge das andere Opfer... Ist der Freund meiner Tochter!”

„Umso besser können sie ja verstehen was wir durch machen. Ich würde gern mehr erfahren.” Monika mußte sich ablenken Kathleen verstand es nur allzu gut. So lernten die Streichers Erik kennen, ohne ihn je gesehen, oder gesprochen zu haben.

Mit Labbock versuchte Erik so wenig wie möglich Worte zu tauschen. Aber noch weniger als mit ihm redete er mit Suza und Jona. Das er wütend auf sie war, war unverkennbar,aber auch erleichtert das sie bei ihm waren, eine Entschuldigung gab es nicht. Zwar waren sie jetzt da aber sie hatten ihn im Stich gelassen und auf den Anwalt wollte er auch pfeifen, wozu brauchte er einen Anwalt. Er durfte nach Hause, bis sich weiteres ergab. Noch war Erik nicht ganz bei Kräften, aber es ließ sich nicht ganz vermeiden, alle paar Stunden musste er unter Aufsicht, die verschriebenen Medikamente einnehmen, es machte ihn ruhiger und seine Schmerzen erträglicher. Nicolas war der Einzige bei dem er sich „normal” verhielt, ohne irgend welche Appartheiten.

Der erste Tag zu Hause und es kam ihm vor, als hätte sich wirklich nichts geändert. Sollte es so weiter gehen? Das es aber an ihm lag wollte er sich nicht eingestehen. Karoline wollte bei Erik schlafen, das Bedürfnis sie zu sehen hatte er nicht, auch weil er sich schämte.

Nicolas war es, der redete wie er sich gefühlt hatte als sein älterer Bruder Florian vor sieben Jahren umkam. Es war nicht das selbe, dennoch die Gefühle waren die gleichen. Er war bei einem Wohnungsbrand umgekommen. Nicolas Vater gab seiner Frau die Schuld, die Aufsicht vernachlässigt zu haben. Ein Jahr später kam die Trennung („Es kann doch nicht sein das wir länger leben als unser Sohn, das geht auch nicht!”). Sein Vater zog weg und starb darauf an einer schweren Krankheit ohne seine Kinder je wieder gesehen zu haben.

Erik duldete nur Nicolas, allen anderen konnte er nicht gegenübertreten.

„Ich erkenne dich nicht wieder!”

„Und ?”

„Wenn du es erzählst, geht es dir besser glaub mir! Ich hab lange gebraucht um mit Flories Tod fertig zu werden, viel hatten wir ja nicht gemeinsam, aber ich werde ihn auch nicht vergessen.” „Was sollte ich erzählen, da ist nichts.” Erik spielte mit seiner Mütze.

„Da ist was ganz bestimmt was, mir kannst du nichts vor machen.”

„Seit ich das letzte Mal was gegessen hab, habe ich weder hunger, noch die Lust irgendwas anderes zu Trinken. Die ganze Zeit ist mir schlecht, ich krieg so und so nichts runter, ... dabei müßte ich mich gut fühlen! Ich kanns dir nicht sagen... es wäre falsch.”

„Willst du mit in den Club kommen? Ein bisschen ablenken komm schon."

„Nein? Ich bleib lieber hier. Da muss ich keinen sehen.” Erik musste erreichbar sein, für den Notfall. Nicolas rief bei Karoline im Club an, es wurde nichts mit der Überraschungsfeier, selbst ihn hatte Erik jetzt vor die Tür gesetzt. So leicht gab er nicht auf und Nicolas schleppte kurz darauf Benji ,Steffie und Karoline mit. Jonas lies sie ins Haus. Es dauerte etwas aber dann kam Erik, mit Strickmütze und übergroßem Pullover ins Wohnzimmer.

Unsicher blickten Benji und Steffi sich an, auch wenn sie vorbereitet waren, ihn so zu sehen schockte. Steffi lies sich nicht abbringen Erik lange zu umarmen, während Benji ihn still mit Handshake begrüßte, ohne lästige Fragen und Erik brauchte seine Freunde und er brauchte es unbeschwert zu lachen.

Dann, es war in den Abendstunden meldete sich eine Frau sie schien Todesängste auszustehen, sie hatte zu erst ihre beiden Kinder in Sicherheit gebracht bevor sie sich einen Abend später meldete und ihre Aussage machte. Nach einem anfänglichen Verdacht war ein weiteres Indiz der Ring. Beim Fernsehen hatte sie den Ring, ein selbstgefertigtes Einzelstück erkannt und ihr Sohn hatte seinen Vater auf dem Phantombild erkannt. Da sich ihr Mann jeden Abend in den letzten, auch wenn es spät war, bei seiner Familie gemeldet hatte, kreiste man den Bezirk und vor allem das Waldgebiet ein.

Der Name des gesuchten war Sascha Brandner..., 38 Jahre.
 

Der nächste Tag, barg viele Ereignisse. Seit wenigen Stunden bestand ein Verdacht in dessen Verlauf Erik zusammen mit Labbock den Tatort als Zeuge identifizieren sollte.

Jonas fuhr mit, die Fahrt wurde lang. Man riet Erik zu einem Nickerchen, aber er traute sich nicht zu Schlafen, wo sie dem Teufel so Nahe waren. Sie besuchten den Tatort. Erik durfte anfangs den Wagen nicht verlassen. Als Labbock und Jonas nicht mehr zu sehen waren, stieg er aus. Er rauchte eine Zigarette, niemand beachtete ihn bis er von einem anderen Polizisten hinter die Absperrung geführt wurde, als gehörte er zu einen der einer der Schaulustigen. Erik wehrte sich nicht, folgte einem innerlichen merkwürdigen Gefühl. Ihn beschlich eine Ahnung als er in der Menge stand, seine Blicke fielen auf den alten entfernten Güterbahnhof.

Labbock kam zurück und sah wie Erik in der neugierigen Menschenmasse verschwand. Er lief ihm sofort hinter her, rief ihm nach, Erik hörte ihn nicht. Im Wald glaubte er seine Spur verloren zu haben, und wollte umkehren, ein Gefühl brachte ihn in Richtung des Güterbahnhofs, der nur sporadisch abgeriegelt war. Sie schienen hier mit den Untersuchungen vorläufig zu Ende zu sein. Erik beobachtete alles aus sicherer Entfernung, die Stimmen in seinem Kopf ließen ihn nicht los. Labbock war nicht zu überhören, als er wütent anstapfte.

“Junge sieh zu das du sofort zurück in den Wagen kommst!”

„Sie sind da unten!” Erik zeigte auf den Bahnhof ohne sich um zu drehen, rührte sich kein Stück aus seiner Deckung.

„Man hat alles durch sucht und gesichert! Da in der Halle ist niemand.”

„Nicht so laut! Ich rede nicht von dem Gebäude, die Wagons? Wann war das?”

„Gestern Abend! Die Streife schaut jede Stunde vorbei.”

„Das ist unübersichtliches Gelände. Sie wisssen doch am sichersten ist man wenn man seinen Verfolger im Blickfeld hat und wenn man gut ist seine nächsten Schritte voraus sehen kann.” An den Worten war was dran. Aber Erik glaubte so fest daran, das ihm Labbock einen Vorschlag unterbreitete, einfach mal nach zu schauen, es war nur ein Hirngespinnst.

„Es ist besser wenn wir uns trennen! Wir müssen jeden der Hänger durchsuchen” Warum? So war er doch sicher in seiner Nähe.

„Wenn du meinst Junge! Aber sag mir einen Grund warum sollte ich dich nicht sofort ins Auto setzen. Wenn sie da unten sind wie du meinst.”

"Macht sich doch gut, wenn sie die Lorbeeren ernten, warum das teilen? Ich will nur eine Antwort auf meine Frage. Das andere überlass ich ihnen." Er war noch immer ungläubig, sie würden nicht das geringste finden doch für Erik war es kein Spiel.

„In ca. zehn Minuten treffen wir uns unten an der Station! Sei vorsichtig. Stürz nicht.” Das er sein Spiel mit machte, ob etwas dran war. Das was Labbock nervte, war diese ständige Angespanntheit, wenn der Junge in der Nähe war. Es war so unerträglich und dieser ihm entgegen gebrachte Trotz, nicht der kleinste Funken von Respekt gegenüber seiner Person. Die Arbeit hatte Vorang und wenn hier auf dem alten verottenden Gelände mit hunderten alter Güterwagons wirklich etwas sein sollte, irgend eine verwertbare Spur, dann war seiner Beförderung so gut wie gesichert. Was interessierte dann in diesem Moment die Ängste eines Pubertierenden.

„Zehn Minuten!” Erik sah Labbock nach, während er sich in die entgegen gesetzte Richtung bewegte. So sehr der Junge auch nervte, wusste Labbock auch das er die Maus nur ködern musste damit sie in die Falle geriet. Hoffentlich war es für Marie nicht zu spät.

Das leise Klopfen kam so unregelmäßig, so das Labbock es kaum wahr nahm, wenn da nicht noch ein Wimmern gewesen wäre.

„Hallo! Polizei! Ist da jemand?” Das Echo einer Antwort klang in seinen Gedanken zurück, und tatsächlich wurde das Wimmer lauter. Es kam aus einem der hinteren baufälligsten Bahnwaggons. Die Aufschrift ”HAPPY TOYS” prangte in großen schwarzen Teerbuchstaben auf mehreren der vermoderten Holzcontainer. Labbock betrat einem der letzten, da kauerte jemand im Schatten im Dunkeln. Der Junge war verschwunden ausser Sichtweite. Ein kleines Bündel was zusammen gekauert weinte.

„Hallo Mädchen!” So schnell er konnte ging er auf die zusammen gekauerte Gestalt zu um sich zu vergewissern.

„Tu mir nicht weh!”, flehte sie, helles Licht traf ihr Gesicht, das ebenso schmutzig war wie der Waggon selber. Der selbe Schmutz den Erik an sich trug als sie sich zum ersten Mal an der Bahnhofsstation von Spandowerhaven begegneten. Das Kind hatte Angst, wollte weg von dem schrecklichen Ort. Der Waggon war nur schwer zu erklimmen. Halb verrottet und an den Berg gestützt, drohte er jeden Moment in sich zusammen zu brechen.

„Ich will dich zu Mama und Papa bringen. Mädchen ich will dir helfen!”

„Das glaub ich nicht!” Erst jetzt erblickte er die großen groben Fesseln an ihren Handgelenken. Eine Falle es war eine Falle und die größte Beute überhaupt war Sascha Brandner ins Netz geraten. Er streckte Labbock mit einem gezielten Schlag nieder.

Erik sah, wie sich der fette Bulle in den Waggon hievte, ein kurzer Schrei und dann Stille. Vorsichtig schlich Erik sich ran und wartete den Moment ab. Die Angst war groß aber Marie lebte, wie lange noch, hing von seiner Entscheidung ab. Er war zu klein, nicht stark genug. Dies war die letzte Chance, dann wäre er weg, wie er es Erik in all der Zeit gepredigt hatte. Sascha Brandner war abgelenkt, aber auch wenn Erik schwach war, aufgeben konnte er schwerlich. Seinen ganzen Mut fasste er zusammen als er ihn auf den Rücken, an den Hals sprang. Seine einzige Chance. Hin und her geschaukelt und saß der Junge plötzlich auf dem Boden, als Brandner ihn anstarrte war er ihm hörig, als hätte er erkannt, das der Leibhaftige vor ihm stand.

Autorennotiz

Kleines Extra 1 von 4 damals spukte die Geschichte schon 12 Jahre in meinem Kopf unter anderem Titel und eine etwas andere Handlung

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Kapitel:6
Sätze:561
Wörter:6.017
Zeichen:34.423

Kurzbeschreibung

... als Erik nach Wochen heimkehrt, beherrscht die siebenjährige Marie die Nachrichten...

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