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Through Me Flows What You Call Time

7
19.2.2020 9:45
12 Ab 12 Jahren
Fertiggestellt

Autorennotiz

Work in Progress. Ich fand die Idee lustig und wollte sehen wo das Ganze hinführen könnte. Ein weiteres Kapitel ist in arbeit und lautet: "02 Maggy"
Konstruktive Kritik ist sehr willkommen!

Through me flows what you call time

 

01----------------------------------------Jeff

 

Jeffs Leben war nicht immer leicht, manchmal steinig, ab und zu steil. Jeff hatte kein besonderes Aussehen, keine geheimnisvolle Herkunft, keine abscheulichen Stiefeltern, keine übermäßig garstigen Charakterzüge und auch keine gewalttätige Vergangenheit. Rundum war Jeff wahrlich nichts Besonderes, wie auch die meisten Menschen auf der Welt nichts Besonderes sind. Durchschnitt, im besten Fall. Selbst seine Freunde waren nur durchschnittlich. Vielleicht ist das aber gerade der Grund dafür, dass Jeff eines Tages zum meistgesuchten Schurken auf dem Planeten werden würde. Wäre er in einem Comic gewesen, hätte man ihn gar als Superschurken bezeichnen können.

Jeff wuchs wohlbehütet und geliebt auf. Seine Eltern waren ein gütiges älteres Paar, dass den Jungen als Baby zu sich holte. Ihnen war es selbst leider vergönnt Kinder zu zeugen und so entschieden sie sich für eine Adoption. Ein Kind aus einem fernen Ort.

Ein Dorf, das älter als die Zeit selbst zu sein schien, flimmerte in der unerträglichen Mittagshitze. Über den Hügel waren vereinzelte Lehmhütten zu erkennen, gefangen im Strudel der Zeit. Eine Straße gab es nicht, keine, die hinein oder hinaus führte. Es wirkte fast schon unwirklich und doch waren dort Menschen. Sie schienen sich nicht lange außerhalb ihrer Behausung aufzuhalten. Nicht länger als nötig.

„Schatz, sieh, da!“ Toro zeigte in Richtung des Dorfes.

„Endlich.“ Enni sank zu Boden. Sie nahm sich eine Flasche Wasser aus dem Rucksack.

„Ich hab‘s doch gesagt. Oh Mann, Gott sei Dank hat der Kerl keinen Scheiß erzählt. Das wäre sonst sehr peinlich geworden.“ Toro rieb sich schuldig den Hinterkopf und lächelte verschmitzt.

„Willst du mich verarschen? Wir sind hier am Arsch der Welt, mit den letzten Vorräten, kämpfen mit dem Überleben und du willst mir sagen, dass alles ist Ordnung?“ Enni sprang auf, um auf ihren Mann loszugehen. Toro lächelte und erinnerte sich daran, warum er diese Frau so abgöttisch liebte. Dieses rebellische Herz, diese impulsive Ader. Dieses verzaubernde Lächeln, diese gütige, sanfte Seele. In diesem Moment durschnitt ein lautes Surren die Stille der Wüste. Ein leichtes Beben. Enni und Toro konnten es deutlich hören und fühlen, aber nichts sehen. Und mit einem Mal: Dunkelheit. Kurz danach, strahlendes Licht. Das Paar stand inmitten eines Hofs. Vor ihnen befand sich eine tiefrote Tür. Der Sandstein an den Wänden schimmerte golden in der Abendsonne, mit einem roten Schimmer. Sie wussten weder, wie sie hierhergekommen waren, noch wo genau „hier“ war. Sie blickten sich gegenseitig fragend an. Ihnen blieb nichts weiter übrig, als voranzuschreiten, schließlich waren sie nicht aus irgendeinem Grund hier.

In bestimmten Kreisen rappelte es gewaltig in der Gerüchtekiste. Es war die Rede von einem Dorf, einem ganz besonderem, in dem Kindern, die „unrein“ waren, unvorstellbare Dinge angetan wurden. Nachdem sie lauter unheimlichen und verstörenden Geschichten über diesen Ort lauschen mussten, beschlossen Toro und Enni etwas zu tun. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese Kinder zu retten. Oder zumindest eines.

Hinter der Tür führte ein langer Gang ins Dunkel. Weibliche Statuen in verschiedenen Posen waren zu beiden Seiten aus den Wänden gemeißelt worden. Die Passage endete in einem runden Kuppelsaal, in dessen Mitte eine Art Podest aus grauem Stein stand, wie ein kleiner Altar und darauf Reste alten Wachses längst ausgebrannter Kerzen, längst vergangener Zeiten. Sonst nichts. Der Raum war voller Menschen, alle versammelt um diesen schlichten Stein, alle weiblich, gekleidet in lange Mäntel aus dunkelvioletter Seide. Es duftete nach Lavendelöl. Als das Ehepaar den Saal betrat, flogen alle Augen gleichzeitig auf die beiden. Sie musterten sie von Kopf bis Fuß, gingen dabei in Scharen auf und ab. Vereinzelt ein leises Murmeln, ansonsten Totenstille.

„Euer Anliegen?“, durchbrach eine Stimme die Stille. Eine Gestalt näherte sich den Besuchern aus der Dunkelheit. Verhüllt in einen roten Mantel blieb sie wenige Meter vor ihnen stehen, in Erwartung einer Antwort.

„Wir…, wir, kommen wegen des Kindes. Wir kommen es zu holen“, stammelte Enni. Toro hielt sich lieber zurück, er schien hier nicht willkommen zu sein. Enni blickte der Gestalt tief ins Gesicht, das im Schatten der Kapuze kaum zu erkennen war.

„Also gut“, sagte die Gestalt nach einer Weile. „Aber seit gewarnt, dies ist kein besonderes Kind, nur Abfall. Ein krankes Kind, unwürdig und verflucht.“ Enni versuchte ihre Wut runterzuschlucken, sie musste sich diesmal beherrschen, sich nicht von ihrem Trauma aus Kindertagen triggern lassen, einatmen, ausatmen.

„Wir sind alle nicht vollkommen. Wir suchen doch nur unseren Platz in der Welt“, hauchte Enni mit gesenktem Kopf, kaum verständlich, vor sich hin. Toro legte seinen Arm liebevoll um sie und streichelte ihre Schulter.

„Die Entscheidung ist gefallen. Unsere Interaktion endet hiermit“, sprach die Gestalt, wandte sich ab und verschwand in der Dunkelheit. Wieder totenstille. Toro und Enni schraken auf, als das Geschrei eines Babys die Geräuschlosigkeit zerschnitt. Auf dem Podest hinter ihnen befand sich nun ein Korb, darin lag ein Säugling. Toro und Enni sahen sich gegenseitig an, dann schweifte ihre Blicke durch den Raum. Sie beobachteten die anderen Frauen durchdringlich, während sie gleichzeitig - nahezu synchron - zum Podest schlichen. Enni nahm den Korb vom Stein und erwartete Unruhe. Zunächst geschah nicht. Dann erstarrte die Menschenmasse, wandte sich ab und verharrte regungslos in dieser Haltung. Enni und Toro waren skeptisch, blickten sich gegenseitig fragend an. Sie wollte gerade etwas sagen, wurde aber in dem Moment vom selben Surren und Beben unterbrochen, dass sie an diesen eigenartigen Ort brachte. Kurz danach umhüllte sie Dunkelheit.

Jeff war Mitte zwanzig, gesund und hatte schon länger keinen Gedanken an seine Erkrankung verschwendet, die letzte Episode lag weit zurück. Er litt seit jeher an Wahnvorstellungen. Die Diagnose lautete wahnhafte Störung und wurde bereits im Kindesalter festgestellt. Jeff war dermaßen davon überzeugt Personen oder Objekte in seiner Umgebung zu sehen, die für alle Anwesenden offensichtlich nicht vorhanden waren, dass eine therapeutische Behandlung unverzichtbar wurde. Und als diese nach etlichen hundert Stunden und Sitzungen letztendlich nicht half, stieg man auf Antipsychotika um. Nach und nach, über Jahre hinweg, erhöhte man die Dosis der Medikamente, bis die Erkrankung nur noch episodenhaft vorkam. Jeff konnte bald damit umgehen, er lernte zwischen Realität und Wahn zu unterscheiden, Merkmale und Unterschiede zu beobachten.

Jeff war gerade auf dem Weg zur Arbeit, auf derselben Autobahn, wie jeden Tag. Nachdem er sich kurz davor an der Tankstelle noch schnell ein belegtes Baguette gekauft hatte. Und einen großen Becher Kaffee, mit Milch, kein Zucker. Jeff nippte daran. Im Radio lief Deep Purples Highway Star. Er trommelte im Rhythmus auf dem Lenkrad. Strahlendblauer Himmel. Hitze. Urplötzlich schoss ein gewaltiger Schmerz, wie eine Rakete durch Jeffs Körper. Als ob seine Wirbelsäule mit einem Ruck um hundertachtzig Grad verdreht wurde. Der Schmerz endete in seinem Schädel und versuchte, ihn zu spalten, mit messerscharfen Krallen. Jeff bemühte sich zum Standstreifen zu kommen, während er durch den dichten Verkehr manövrierte. Er konnte die Augen kaum offenhalten. - Er blinzelte immer schneller - Der Himmel färbte sich dunkelgrau. - Und schneller - Und für die Dauer eines Lidschlags, war er nicht mehr im Auto. Nicht auf der Autobahn. Nicht auf dem Weg zur Arbeit.

Ein Raum - ein Arbeitszimmer - mit einem großen, alten, hölzernen Schreibtisch. Dunkles uraltes Holz. Darauf eine grüne Lampe, darunter etliche Seiten weißen Papiers. Hinter dem Tisch saß eine Frau auf einem Lederstuhl, die Arme verschränkt, die Beine über einander geschlagen. Hinter ihr ein Fenster, hindurch schemenhaft ein Wald erkennbar. Es war ein heller Sommertag, die Sonne blendete ihn dermaßen, dass er das Gesicht der Frau nicht genau ausmachen konnte. Vielleicht war dort auch kein Gesicht, das er hätte erkennen können. Die Frau schien fast geisterhaft, er war sich nicht mal sicher, ob sie aus Fleisch und Blut bestand. Die Umrisse waren eindeutig, aber die Details verschwommen. Sie bewegte die Lippen, doch Worte waren es nicht, die diese verließen. Jeff konnte nur ein ohrenbetäubendes Rauschen hören, jedes Mal, wenn sie den Mund öffnete. Ein Geräusch wie tausend Wasserfälle gleichzeitig. Es war, als ob ihre Worte zensiert wurden. Außerdem roch es in dem Raum nach fauligem Obst und frischem Fleisch. Jeff wollte näher an den Tisch heran, näher zu der Frau, aber er konnte sich nicht bewegen, egal, wie sehr er kämpfte.

Im nächsten Moment war er wieder auf der Autobahn, viel zu schnell unterwegs. Er riss das Lenkrad zur Seite und trat mit aller Gewalt in die Bremse. Das Fahrzeug kam nach wenigen Metern auf dem Seitenstreifen zum Stehen. Panisch versuchte er den Gurt zu lösen, aber traf den Knopf nicht. Stattdessen zehrte er hektisch am Gurt. Sein Herz schlug mit der Gewalt einer Kanonenkugel und als der nächste Donner durch ihn fuhr, griff er sich an den Kopf, versuchte ihn vom Spalten zu bewahren. Panik setzte ein. Jeff schrie, konnte sich aber selbst nicht hören. Der Schmerz wurde unerträglich, Ohnmacht schlich sich langsam heran. Er presste die Augen zusammen, bis die Lider brannten.

Die Frau lief nun wild gestikulierend auf und ab, schien dabei Jeff anzubrüllen. Ihr Gesicht war weiterhin ein undefinierbares Stück glatter Haut. Und dieses unerträgliche Rauschen, dass die ganze Welt zu füllen schien. Sie ging zum Bücherregal hinüber, nahm das dickste Buch und riss die Blätter heraus, eins nach dem anderen. Dann schmetterte sie es gegen die Fensterscheibe und stürmte durch die einzige Tür hinaus. Jeff stand wie angewurzelt da, sagte nichts, konnte nichts sagen, blickte ihr nur hinterher.

Als er die Augen wieder öffnete und hastig nach Luft rang – er hatte wohl in der Zwischenzeit vergessen zu atmen – verschwand der Schmerz genauso plötzlich, wie er ursprünglich kam. Jeff schaffte es gerade noch eilig das Fahrzeug zu verlassen. Nachdem er seinen Mageninhalt dem Straßengraben übergab, blieb in ihm ein Gefühl der Leere zurück, wie ein unendliches Vakuum. Der Tagtraum fühlte sich dermaßen echt an, dass es Spuren hinterlaß. Er saß noch eine Weile nur da und starrte auf einen Punkt auf dem Boden, in Gedanken versunken. Als er seine Fahrt fortsetzte, fuhr er zur Sicherheit von der Autobahn ab und nahm den Weg über die Landstraße.

Jeff konnte sich nicht so recht auf seine Arbeit konzentrieren, er saß vor dem Laptop und schweifte gedanklich immer wieder ab. Er konnte sich nicht konzentrieren, musste ständig an die Frau und den Raum denken. Wer war sie, warum ist das relevant und allen voran, warum nimmt ihn das so mit? Am späten Nachmittag hatte Jeff ein Meeting mit einem potenziellen und vor allem wichtigen Klienten. Als er den Besprechungsraum betrat, konnte er kaum seinen Augen trauen. Er zweifelte daran, ob er wach war oder der ganze Tag nur ein Traum sei. Vielleicht lag er in Wahrheit in seinem gemütlichen, warmen Bett und drehte sich gerade von Seite zu Seite.

In dem Meeting-Raum, auf einem der dunklen, ledernen Drehstühle erwartete ihn die Frau ohne Gesicht. Mit dem Unterschied, dass sie nun ein Gesicht hatte. Ein umwerfendes obendrein. Jeff musterte sie sprachlos mit offenem Mund.

„Hallo, ich bin Frau T. Herr S. lässt sich entschuldigen, er ist kurzfristig verhindert. Ich vertrete ihn heute.“

Sie hielt Jeff die Hand hin und musterte ihn. „Herr …?“, sie wartete auf eine Antwort, sah aber, dass Jeff irritiert war.

„Geht es Ihnen gut? Sie sehen ein wenig blass aus.“

„Ja.., mhh, ja.. hm…“ Jeff räusperte sich. „Ja, ja, alles gut. Ich war nur gerade etwas…“ - er atmete tief ein - „…kennen wir uns irgendwoher?“ - und wieder aus - „Entschuldigen Sie bitte meine Frage, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass wir uns schon mal begegnet sind. Kann das sein?“

„Nicht, dass ich wüsste. Bekannt kommen Sie mir jedenfalls nicht vor.“ Sie lächelte verlegen, gleichzeitig zupfte sie nervös an ihrer Haarsträhne. Jeff wurde rot und rieb sich den Hinterkopf, was er immer tat, wenn er verlegen war. Die beiden blickten sich eine Zeit lang gegenseitig an und sagten nichts.

Das war der Tag, an dem sich Jeffs Leben änderte. Auch wenn er anfangs all seinen Mut aufbringen musste, um Maggy nach einem Date zu fragen, waren die beiden schon sehr bald ein Paar. Zunächst unsterblich verliebt, dann unzertrennlich verbunden, durch ein kleines Stück Edelmetall am Finger. Sie kauften zusammen ein Haus, das Leben nahm seinen Weg. Und wie Jeff, so war auch sein Leben durchschnittlich. Dafür aber ruhig und entspannt, mehr wünschte er sich auch nicht. Manch einer hätte es gar langweilig genannt, aber Jeff liebte die Langeweile. Und die Jahre flossen dahin. Recht unspektakulär.

Die Erkrankung, mit der Jeff geboren wurde, war nicht irgendeine Form einer psychischen Störung, nein, es war viel mehr als das. Es war so bedeutend, dass das Verständnis von Raum und Zeit infrage gestellt werden musste. Man nannte es irgendwann - in Ermangelung einer besseren Bezeichnung - "MorbusTempus". Jeff war der erste Mensch, der damit diagnostiziert wurde. Der Teil seines Gehirns, der für die Wahrnehmung von Zeit verantwortlich war, arbeitete nicht koordiniert, nicht ordnungsgemäß, war störungsanfällig. Und wahnhafte Störungen waren das Resultat.

Es war ein wunderschöner Sommertag in dem kleinen Vorort, in dem Maggy und Jeff lebten. Jeff war im Garten und zündete gerade die Grillkohle an, die Steaks lagen auf dem Tisch und das eiskalte Bier hielt er bereits in der Hand. Es war ein sehr langer Sommer, vielleicht zu lang. Der Boden war bereits rissig geworden, nachdem es seit Wochen nicht mehr geregnet hatte. Auf den Straßen waren kaum Menschen unterwegs, Autoreifen drohten zu schmelzen, wenn man sich länger an einer Stelle ohne Schatten befand. Irgendwas war schon den ganzen Tag merkwürdig, Jeff fühlte sich nicht besonders, was angesichts der sengenden Hitze nicht ungewöhnlich war. Er wollte gerade das Steak vom Tisch nehmen, als schlagartig der Tisch verschwand. In einem Moment stand Jeff noch vor dem Grill und legte sein Bier auf die Ablage daneben, um nach dem Steak zu greifen, und nach nur einem Lidschlag war alles weg. Die gesamte Szenerie wechselte, als ob jemand unerwartet einen Schalter umgelegt hätte.

Jeff befand sich zwar noch im Garten, aber die Details schienen nicht mehr zu passen. Die Möbel waren anders, standen an anderer Stelle und nirgends war ein Grill zu sehen. Geschweige denn Steaks und Bier. Der Himmel war bewölkt und der Boden völlig durchnässt. Jeff hatte eine leichte Regenjacke an, eine wie man sie im Frühling trägt. Das Haus schien verlassen zu sein. Jeff war sehr verwirrt, dennoch ruhig und gelassen. Fast schon analytisch. Und eines wusste Jeff mit Sicherheit - woher und warum konnte er nicht sagen - und zwar, dass er hier nicht wohnte. Oder besser gesagt, nicht mehr.

Einen Wimpernschlag später war der Himmel wieder blau und die Hitze überrollte Jeff wie ein Güterzug. Die Steaks, nach denen er gegriffen hatte, lagen auf dem Teller vor ihm. Doch mit dem nächsten Wimpernschlag änderte sich Jeffs gesamte Welt erneut.

Und danach wieder.

Und wieder.

Und immer wieder.

Und mit jedem weiteren Lidschlag kamen neue Versionen desselben Zeitpunkts hinzu. Jeff erlebte, wie es sich anfühlte gleichzeitig in der Vergangenheit, der Gegenwart und Zukunft zu existieren. Aus dem Nichts, ein Geräusch wie ein Kanonenschuss, ein Beben und dann ohrenbetäubende Stille. Jeff sank schmerzverzerrt zu Boden und übergab sich. Seine Muskeln verkrampften und zitterten unkontrolliert in regelmäßiger Abwechslung. Es war ein groteskes Bild. Das Leben in nur einem Wimpernschlag, von der Geburt bis zum Tod. Und dann wurde es dunkel, der Schmerz wich und seine Muskeln erschlafften und er versank in einer klebrigen, schwarzen Substanz.

 

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Endlich, nach so langer Zeit der Stürme, kehrte Ruhe ein. Ordnung. Jeff sah jetzt das Universum säuberlich strukturiert, fein gegliedert, analysiert und katalogisiert. Er sah jedes einzelne Molekül und alle anderen existierenden gleichzeitig. Das Alpha und das Omega und alles dazwischen. Jedes einzelne Atom seines Körpers vibrierte, er selbst war die Ordnung geworden. Jeff sank immer tiefer in eine Substanz ein, die sich anfühlte, wie warmer Teer. Als er die Augen aufriss, sah er Maggy über ihm. Sie schüttelte ihn, versuchte ihn zu wecken. Jeff sah sie durch einen feinen weißen Schleier hindurch, im Sichtfeld ein schwarzer Rand, als ob seine Augen versetzt hinter den Augenhöhlen lägen. Er konnte kaum verstehen, was Maggy sagte, ein leises Rauschen trommelte in seinem Ohr. Seine Sicht war verschwommen, er erlebte gerade mehrere Realitäten gleichzeitig. Dort, auf dem Boden im frisch gemähten Rasen, traf es Jeff dann, wie ein Meteorit. Die Zeit selbst floss durch ihn hindurch, unaufhaltsam, gewaltig, seit jeher und auf alle Ewigkeit.

 

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Autor

Alekss Profilbild Aleks

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Sätze:238
Wörter:2.845
Zeichen:17.105

Kurzbeschreibung

Jeffs Leben war nicht immer leicht, manchmal steinig, ab und zu steil. Jeff hatte kein besonderes Aussehen, keine geheimnisvolle Herkunft, keine abscheulichen Stiefeltern, keine übermäßig garstigen Charakterzüge und auch keine gewalttätige Vergangenheit.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Science Fiction auch in den Genres Mystery und Vermischtes gelistet.