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Verzauberte Weihnachten [Winter Edition]

7
14.12.2019 9:57
12 Ab 12 Jahren
In Arbeit

Aileen Katherine Collins [Naya Rivera] · 25 Jahre · Teilinhaberin der Hotelkette „Marbella“

Den schönsten Blumentopf des Jahres als beliebteste Arbeitgeberin würde Aileen wohl nicht gewinnen. Dafür weist sie andere viel zu gerne auf Fehler hin oder mischt sich in Dinge ein, die sie nichts angehen. Jedoch steht sie bei ihrem Onkel ganz weit vorne. Sie ist hochintelligent und bildet sich neben der Arbeit ständig weiter, obwohl sie den Managerposten zu bevorzugen scheint, erfährt man auch, dass sie sich selbst Sprachen beibringt. Allgemein ist ihre ausgeprägte Neugierde auch eine der typischsten Eigenschaften der Collins. Sie kann eben keinem Geheimnis lange wiederstehen. Andererseits ist es auch eine Gabe, ist sie durchaus fähig verschwundene Dinge zu finden oder die Herkunft von Gerüchten zu ermitteln. Gegen eine entsprechende Bezahlung selbstverständlich. Sie liebt ihre kleine Firmenfamilie und würde sie mit Zähnen und nichtvorhandenen Klauen verteidigen. Sie setzt sich für ihre Kameraden ein, beschützt die Schwächeren, auch wenn sie sich mit Leuten anlegen muss, die ihr körperlich oder geistig überlegen sind. Sie ist loyal bis zum bitteren Ende!

Brianna Oleanna Williams [Maia Mitchell] · 24 Jahre · Schauspielerin

Brianna ist eine eigenständige und selbstbewusste junge Frau, die schon in frühen Jahren lernen musste für sich selbst einzustehen und ihre Meinung in den Vordergrund zu stellen. Als sie noch klein war wurde sie von ihrem Vater unterdrückt und ihr wurde sein Wille aufgezwungen, welche ihre Zukunft beeinflussen würde. Damals wusste sie es noch nicht besser und hat sich darauf eingelassen. In der Schule war sie lernfähig und immer bemüht. Sie war eine der Besten in ihrer Klasse und hat nie schlechte Noten nach Hause gebracht, denn sie ließ sich kaum Freizeit. Immer saß sie am Lernen oder an Hausaufgaben oder Projekten. Wenn sie damit dann fertig war ging es an die Lektüre der Medizin, welche sie von ihrem Vater bekommen hatte. Man konnte sagen, sie ging auf zwei Schulen gleichzeitig. Er prüfte sie immer über die Themen ab mit welchen sie sich beschäftigt hatte. Es dauert einige Jahre bis sie einsah, dass es nicht der Weg war, welchen sie einschlagen wollte und es brauchte all ihren Mut sich ihrem Vater entgegenzustellen um ihm zu verkünden, dass sie nicht in seine Fußstapften treten würde. Bree war ein kreativer Mensch und wollte sich damit entfalten um das zu tun was sie liebte und was sie interessierte. Daher entschied sie sich für ein Schauspielstudium. Durch ihren Ehrgeiz und ihre Kreativität schlug sie sich wirklich gut und nachdem sie das Studium beendet hatte beschloss sie einen weiteren Schritt zu wagen und zog nach London. Die Williams war immer schon bereit für neue Abenteuer und dies kam ihr wie eines vor. Sie suchte sich einen Agenten und nahm an dem meisten Vorsprechen teil, bis sie sich einen Namen in der Branche machte und einige Rollen bekam.

Charles Samuel Collins [Peter Facinelli] · 45 Jahre · Hotelmanager der Hotelkette "Marbella"

Charles ist ein sehr engagierter Mensch, weshalb er es in seinem Leben bisher wohl auch soweit gebracht hatte. Durch die Missbilligung seiner Eltern hatte er sich noch mehr ins Zeug gelegt um seinen Traum in Erfüllung gehen zu sehen. Und was soll man sagen? Er hat es tatsächlich geschafft. Charlie führt nun eine angesehene Hotelkette, welche als einzelnes Hotel begonnen hatte und nun immer weiter wächst. Wenn er sich etwas in den Kopf setzt ist es schwer, besser gesagt unmöglich, ihn wieder davon abzubringen. Sein Ehrgeiz und Dickkopf haben sich jedoch bisher immer bezahlt gemacht. Wenn er sich einem Projekt widmet ist er voll und ganz dabei. Nichts wird bei ihm halbherzig angefangen. Aus diesem Grund plant er vorher immer alles genau durch um zu sehen ob sich eine Investition überhaupt lohnt. Er ist ebenfalls sehr neugierig und ist offen für neue Interessen oder Ideen, welche ihm im Hotel behilflich sein könnten. Charles ist ein Abenteurer und Sportler. Er geht gerne an seine Grenzen und versucht neue Dinge zu erkunden und kennenzulernen. Wenn er seine Zeit nicht mit der Planung und Führung seines Hotels verbringt findet man ihn in der Natur beim Wandern, Klettern oder einer Bootstour mit seiner Frau. Auch für die Kunst ist er zu begeistern. Im Grunde lehnt der Collins nichts ab bis er es nicht versucht hatte.

Damian Ashton Parsons [KJ Apa] · 22 Jahre · Schauspieler

Damian befindet sich früh in seiner Jugend in einem Konflikt zwischen seiner Leidenschaft, der Musik, dem Schreiben von Songs und dem Schauspielern, denn sein Vater hat eine andere Zukunft für ihn vorhergesehen und will ihn als Nachfolger für den Familienbetrieb. Er ist ein Familienmensch und es fiel ihm schwer seinem Vater diesen Wunsch abzuschlagen, aber er wollte sich und seinen Träumen treu bleiben. Anfangs war es schwierig zwischen ihnen da sein Vater ihn nicht verstehen konnte, aber schnell begriff er das Damian äußerst talentiert war was die Musik und das Schauspiel betraf und setzte alles daran seinen Sohn zu unterstützen und ihm zu helfen wo er konnte. Für den Rotschopf war es anfangs schwer sich zu öffnen und seine Angst und Unsicherheit zu überwinden, denn er traute seinen eigenen Fähigkeiten nicht über den Weg. Doch er sprang in das kalte Wasser und flog nach London um sich bei Agenturen zu bewerben. Mit jeder Absage legte sein Ehrgeiz zu und auch sein Selbstvertrauen wurde dadurch bestärkt, denn er wollte nicht aufgeben und glaubte an sich selbst. Sein Ehrgeiz zahlte sich schließlich aus, denn er schaffte es in eine Agentur und machte sich in der Branche einen Namen. Er ist sehr hilfsbereit und bietet sich gerne an um seinen Kollegen beim Text lernen zu helfen. Da er weiß wie schwer es manchmal sein kann, wenn man auf sich alleine gestellt ist.

Elizabeth Patricia Carson [Elizabeth Banks]  · 45 Jahre · Schauspielerin

Elizabeth ist eine sehr aufgeweckte, energische Person. Stillsitzen ist absolut nicht ihr Ding. Bei ihr ist grundsätzlich immer etwas los und sie macht mit ihrer Art sofort auf sich aufmerksam. Wenn sie das macht was sie liebt blüht sie auf und zieht alle Leute im Umkreis mit ihrer guten Laune mit sich. Sie versucht immer das Gute in allem zu sehen und sich niederschmettern zu lassen. Andere würden sie als naiv bezeichnen, aber Liz weiß genau auf was sie sich einlässt und dass es auch schief gehen kann. Trotzdem lebt sie in den Tag hinein und grübelt nicht über all ihre Aktionen nach, denn in ihren Augen ist das Leben zu kurz um sich ständig Sorgen zu machen und alles zu hinterfragen. Was ihren Job betrifft hatte sie einige Erfahrung gesammelt und scheut sich nicht ihren Kollegen zu helfen und dein ein oder anderen Tipp mit ihnen zu teilen. Besonders den Jüngeren nimmt sie sich gerne an und versucht ihnen die Nervosität und Unsicherheit zu nehmen. Meistens sieht sie sich als Mutterersatz und versucht ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

James Andrew Eric Phelps · 33 Jahre · Schauspieler

James ist ein vollkommener Scherzkeks, wo immer er zusammen mit seinem Bruder auftaucht, ist meist positives Chaos. Man sollte bei ihm und Oliver, die fast nur im Doppelpack auftauchen und agieren, immer mit dem Unmöglichsten rechnen. Wie  auch sein Bruder steht der Phelps gerne im Mittelpunkt und hört es gerne, wenn man sich an sie erinnert. Die Scherze und Streiche der beiden gehen gegen jeden, besonders aber gegen Leute die sie nicht leiden können oder die keinerlei Spaß verstehen. Sie sind wie die Weasley-Zwillinge im echten Leben. Für ihn steht die Familie an oberster Stelle und auch wenn er weiß, dass er diese mit seinen Verrücktheiten und Streichen manchmal in den Wahnsinn treibt versucht er sie so oft es ihm möglich ist zu besuchen. Er ist ein sehr vertrauensvoller Mensch und es fällt ihm schwer zuzugeben, dass er sich in manchen Leuten getäuscht hat, da er in ihnen immer nur das Beste sehen will.

Jennifer Penelope Olsen [Perrie Edwards] · 24 Jahre · Schauspielerin & Sängerin

Schon als Schülerin war Jennifer ausgesprochen ehrgeizig und wollte immer die Beste sein. Es war für sie schwer einmal nur Zweite zu werden. Das liegt vielleicht auch daran, dass ihr Vater die Familie verlassen hatte als sie gerade einmal fünf Jahre alt war. Seither kämpft sie jeden Tag. Sie versucht ihrer Mutter so zu helfen, wie es ihr möglich ist und sie nicht zu enttäuschen, wie ihr Vater es getan hat. Sobald es möglich war hatte die Blonde einen Nebenjob angenommen um ihrer Mutter finanziell unter die Arme zu greifen. Doch trotz allem hielt sie ihre Noten auf einem Einser-Schnitt. Jenn brachte kein einziges Mal eine schlechte Note nach Hause – und wenn sie dafür bis spät in die Nacht noch lernen musste war es ihr egal. Selbst im Studium hat sie hat geschuftet um so weit zu kommen, wie sie jetzt war.

Leigh Cassandra Kingsley [Dianna Agron] · 25 Jahre · Touristenführerin der Hotelkette „Marbella“

Leigh hat schon früh gelernt für sich alleine zu sorgen und daran ist ihre Mutter nicht ganz unschuldig, denn diese hatte nie wirklich Zeit für ihre Tochter gehabt, besser gesagt wollte sie sich keine Zeit mehr nehmen. Daher fällt es ihr auch schwer jemanden an sich ranzulassen. Schon mit fünf Jahren hatte sie sich eine Mauer aufgebaut um keine Gefühle einwirken zu lassen. Der Focus lag nur auf ihr selbst. Daher hatte sie sich auch in der Grundschule wie von selbst von allen anderen Leuten abgeschottet und war immer alleine gewesen, aber so wollte sie es auch und es machte ihr nichts aus. Obwohl sie sich manchmal ziemlich einsam fühlte… Aufgrund ihrer Art wurde Leigh von den Leuten oft falsch eingeschätzt, denn die meisten hielten sie für eitel und hochnäsig, aber sie war keines von beiden. Im Gegenteil - sie setzt sich gerne für Hilfsbedürftige ein und arbeitet ab und an in einem Waisenhaus und verteilt Essen an die Kinder. Jedes Mal, wenn sie dort ist bricht es ihr das Herz, wenn sie sehen muss, wie viele Kinder keine Familie mehr haben oder einfach abgeschoben wurden. Sie konnte es einfach nicht verstehen, wie man sein Kind hergeben oder sogar aussetzen konnte. Das war für sie einfach menschlos.

Oliver Martyn John Phelps · 33 Jahre · Schauspieler

Oliver ist ein eineiiger Zwilling. Und dieser Umstand hat ihn vom ersten Tag an geprägt. Nicht nur, dass er nie ohne seinen Bruder irgendwo auftaucht. Er braucht diesen auch wie andere die Luft zum atmen. Ein unsichtbares Band verbindet beide miteinander. Sie fühlen gleich, denken gleich und verstehen sich ohne Worte. Eine ganz besondere Beziehung, die nur die wenigsten Leute wirklich verstehen, die für die Zwillinge jedoch völlig normal und selbstverständlich ist. Daher könnte und wollte sich Oliver ein Leben ohne seine bessere Hälfte einfach nicht vorstellen. James gehört eben zu ihm. Und so ist es kein Wunder, dass die beiden Jungen alles zusammen unternehmen und sich selbst gegenüber auch stets harmonisch und in Eintracht agieren.  Andere hingegen würden das aufgeweckte Duo wohl eher als Wurzel allen Chaos beschreiben. Sie sind zweifellos die geborenen Scherzkekse und haben es faustdick hinter den Ohren. Und keiner der beiden muss sich erst von seinem Bruder zu Scherzen und Missetaten überreden lassen. Im Gegenteil. Die Zwillinge haben meist gleichzeitig dieselben brillianten – in den Augen vieler anderer wohl eher dummen – Ideen, verwirklichen diese zusammen und baden dann auch deren Konsequenzen stets gemeinsam aus. Und da es den beiden nicht an Einfallsreichtum und Kreativität fehlt, sieht man sich beinahe ständig mit ihren Geistesblitzen, Scherzartikeln und vor allem deren Folgen konfrontiert. Daher sollte man, wo immer sie auftauchen, mit dem Unmöglichsten rechnen. Und natürlich bleiben die Zwillinge in einem Raum voller Menschen nie lange unentdeckt. Im Gegenteil. Mit ihrem Auftreten und ihren Ideen ziehen sie schnell und vor allem gerne die Aufmerksamkeit auf sich.

Ryan Finnick Olsen [Matthew Daddario] · 27 Jahre · Barkeeper in der Hotelkette „Marbella“

In Ryan steckt mehr als man auf den ersten Blick vermuten würde. Durch seinen lässigen Kleidungsstil wirkt er zunächst wie ein harter, arroganter, abweisender Typ, dem man lieber aus dem Weg gehen möchte um sich keinen Ärger einzuhandeln. Er tritt immer mit Selbstsicherheit auf und hat sich auch seinen Freundeskreis dementsprechend sorgfältig ausgewählt. Besonders von Leuten, denen man ihre Unsicherheit von weitem ansieht hält er sich fern, da sie einfach nicht dazu passen würden. Er ist ein sehr aufgeweckter Kerl, der gerne etwas erlebt. Für ihn ist es schwer einfach nur rumzusitzen und nichts zu tun. Wenn er in der Arbeit einmal freie Zeit hat nutzt er diese immer aus um etwas zu unternehmen – sei es klettern zu fahren, wandern zu gehen oder die neuesten Escape-Rooms zu besichtigen. Alle in seinem Freundeskreis sind abenteuerlustig und aufgeweckt wie er weshalb es auch nicht schwer fällt mit ihnen etwas zu unternehmen. Ryan ist auch sehr ehrgeizig und wissbegierig. In seinem Beruf versucht er sich immer weiterzubilden und sich neue Dinge anzueignen. Wenn sich ihm eine neue Herausforderung bietet nimmt er diese an und ruht nicht eher bevor er es geschafft hat. Er gibt den Menschen gerne eine Chance bevor er sich einschätzt und einstuft und versucht immer das Gute in ihnen zu sehen. Durch seine offene Art fällt es ihm leicht schnell neue Freundschaften zu schließen. Er geht offen auf andere Leute zu und kommt schnell mit ihnen ins Gespräch.

Samantha Jennifer Morris [Taylor Momsen] · 23 Jahre · Rezeptionistin in der Hotelkette „Marbella“

Samantha scheint ein süßes und freundliches Mädchen zu sein, obwohl es sich in bestimmten Situationen dramatisch ändern kann. Zum Beispiel wenn sie von Jemandem als dumm bezeichnet wird, reagiert sie sehr beleidigt darauf und gibt meistens ein hoffnungsloses „What is that supposed to mean?“ von sich. Sie ist in der Lage, an den Emotionen der Leute, mit denen sie kommuniziert, zu erkennen, wie sie mit ihr umgehen. Doch schnell ändert sich ihre Empfindlichkeit und sie wirkt wie jedes Mal etwas hohlköpfig. Sam ist fähig, besonders wenn sie beleidigt ist, ziemlich hilflos und emotional zu werden. Man kann sie sehr leicht einschüchtern. Manchmal ist es ihr ein Bedürfnis ihren Freunden von den komischen Dingen zu erzählen von denen sie träumt oder sie die angeblich gesehen hat. Deshalb wird sie mitunter als verrückt und seltsam bezeichnet, trotzdem ist sie sehr beliebt. Eigentlich wird Sam von allen Leuten gemocht, und ihr ist es egal, wie derjenige sich verhält. Sie ist Mädchenhaft und sehr Naiv.

Vanessa Allison Collins [Elizabeth Reaser] · 42 Jahre · Eventmanagerin in der Hotelkette „Marbella“

Familie und Freunde stehen für sie ganz oben auf ihrer Prioritätenliste. Sie weiß, dass sie ohne ihre Nichte schon oft genug aufgeschmissen gewesen wäre und ist ihr unendlich dankbar, dass sie immer wieder die Geduld mit ihr aufbringt um ihr helfen. Für Vanessa ist es nicht immer leicht gewesen sich zu öffnen und auf Andere zu zugehen, aber mit der Zeit im Hotel und ihrem Job als Eventmanagerin hatte sich das zum Glück geändert. Man könnte sagen sie hatte sich mehr als nur verändert. Vom Charakter her war sie ein komplett neuer Mensch. Durch ihre Freunde hat Vanessa mehr an Selbstvertrauen gewonnen und glaubt nun an sich und ihre Fähigkeiten – egal was andere vielleicht ihr gegenüber sagen. Sie ist äußerst hilfsberei. Noch dazu ist sie sehr aufmerksam und merkt sofort, wenn jemand nicht bei der Sache ist und ihn etwas beschäftigt. Dann kommt auch ihre einfühlsame Seite zum Vorschein. Die Collisn kann sehr gut zuhören und wählt ihre Ratschläge immer sehr sorgfältig aus, denn sie will nichts Falsches sagen oder einen falschen Eindruck vermitteln.

Der Wecker riss Aileen aus ihrem unruhigen Schlaf und grummelnd drehte sie sich auf die andere Seite. War es schon Zeit um aufzustehen? Der Blonden kam es so vor als hätte sie sich gerade erst hingelegt. Das schrille Klingeln wollte nicht verstummen und ihr Verlobter schlief neben ihr wie ein Stein. Er schien vom morgendlichen Weckruf nichts zu bemerken. Seufzend schlug sie die Decke beiseite, beugte sich über Oliver hinweg und brachte das nervende Klingeln zum Verstummen. Erst in diesem Moment fiel es ihr siedend heiß ein, dass ihre beste Freundin heute anreisen würde. Das letzte Mal hatten sich die Beiden vor knapp drei Jahren gesehen. Mit einem Schlag war sie hellwach.

Auf Zehenspitzen tapste Aileen durch das Haus und machte sich in der Küche eine große Tasse Kaffee. Während die Maschine ihre Arbeit verrichtete huschte die Blondine durch die Räume um die Vorhänge beiseite zu ziehen und um zu lüften. Der schneidend kalte Wind verursachte bei ihr eine Gänsehaut, aber die abgestandene Luft musste raus. Da ein Frühstück für sie heute keine Option war schnappte sie sich ihre Tasse und ging wieder nach oben ins Schlafzimmer. Auch Oliver hatte beschlossen sich zu rühren und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn ehe er ins Badezimmer schlurfte. Schmunzelnd setzte sich die Collins an ihren Schminktisch um sich fertig zu machen.

Nachdem sie das Make-up erledigt hatte zog sie sich rasch an, denn langsam schloss sich ihr Zeitfenster und so würde sie es nie pünktlich zum Flughafen schaffen. Außerdem konnte man nicht wissen was einen erwarten würde – eine Verspätung des Fliegers, eine Gate Änderung oder sonstige Katastrophen. Hastig warf sich die Blonde ihren Mantel über und alles Wichtige was sie brauchte landete in ihrer Handtasche.

»Schatz? Ich fahre dann los. Wir sehen uns später oder sonst heute Abend!«, rief sie durchs Haus während sie in ihre Stiefel schlüpfte.

Oliver kam mit seiner Zahnbürste zwischen den Zähnen über die Treppe nach unten und gab seiner Verlobten einen Kuss. »Fahr vorsichtig! Und richte Leana schöne Grüße aus und dass ich mich freue sie bald kennenzulernen.« Er legte den Kopf leicht schief. »Sofern du ihr endlich von uns erzählst.«

Bisher war es der Collins noch nicht gelungen ihrer besten Freundin nähere Informationen zu ihrem Freund – nun Verlobten – zu geben. Das Ganze war schwerer als man denken würde. Doch langsam konnte sie sich nicht mehr davor drücken. Vor diesem Gespräch hatte Aileen etwas Panik.

Ein leichtes Nicken musste ihm als Antwort reichen, denn schon hatte sie das Haus verlassen und ging auf ihren Wagen zu. In diesem Augenblick fuhr auch ihr Schwager vor und schenkte ihr ein breites Lächeln. Er würde mit seinem Bruder nach London fahren.

»Guten Morgen Sonnenschein! Bereit für das große Wiedersehen?« James drückte sie leicht an sich. Er wusste wohl wie sehr sich seine Schwägerin darauf freute, denn seit Wochen lag sie allen damit in den Ohren.

Ein Schmunzeln trat auf Aileens Lippen. »Als würdest du die Antwort darauf nicht bereits wissen!« Sie stellte ihre Handtasche auf den Beifahrersitz. »Oli müsste jeden Moment fertig sein. Also bis später!« Sie winkte noch zum Abschied bevor sie aus der Ausfahrt rollte und losfuhr.

Der morgendliche Verkehr war erträglich und es ging zügig dahin. Ihr Handy hatte sie mit dem Radio verbunden und schon dröhnten ihre Playlisten aus den Boxen. Musik war der Blonden immer schon ein Trost gewesen. So konnte sie für kurze Zeit in eine andere Welt fliehen oder ihre Gefühle ausdrücken. Diese Leidenschaft verband sie auch mit Helena.

Die Collins hatte die Fahrt schnell hinter sich gebracht und es herrschte reges Treiben am Flughafen. Vier Runden brauchte es bis sie einen Parkplatz gefunden hatte und diesen für sich beanspruchen konnte. Trotz allem lag sie noch immer gut in der Zeit und konnte sich mit viel Glück noch einen Kaffee bei Starbucks gönnen. Nachdem sich Aileen ihr Parkticket organisiert hatte betrat sie das Flughafengebäude und musste sich erst einmal orientieren. Leute schoben ihre Koffer raus und rein und die Blonde musste darauf achten nicht über den Haufen gerannt zu werden oder das ihr „Namensschild“ zerstört wurde. Vorsichtig bahnte sie sich einen Weg durch die Besucher und checkte die großen Anzeigetafeln um das Gate der Griechin ausfindig zu machen. Jedoch hatte sich nichts an den Informationen geändert und erleichtert atmete sie auf. Zwar hatte sie noch etwas Zeit bis der Flieger landen würde, aber trotzdem war sie nervös.

Den Kaffee hatte sie dringend gebraucht und während Aileen an ihrem Becher nippte machte sie sich auf den Weg zum Gate. Laut ihrem Handy durfte es nicht mehr allzu lange dauern und nun hatten sich bereits einige Leute eingefunden, die wohl ebenfalls ihre Liebsten abholen wollten. Auch Aileen gesellte sich zu ihnen, holte ihr Namensschild hervor und grinste breit, denn darauf stand in großen Buchtstaben: Mrs. Weasley. Die beiden Mädchen waren schon immer verrückt nach den Weasley-Zwillingen aus Harry Potter gewesen und das würde immer ihr Insider bleiben. Aus diesem Grund hatte sich die Collins diese Aktion auch nicht verkneifen können. Wenn Leana nur wissen würde was dabei noch so auf sie zukommen würde…

Wenige Minuten später öffneten sich auch schon die Doppeltüren und die Passagiere betraten die Halle. Aileen stellte sich leicht auf Zehenspitzen, denn sie konnte beim besten Willen nichts sehen. Ein älterer Herr mit Hut versperrte ihr die Sicht. Als dieser jedoch seine Enkelin in den Arm schloss und von sie von Dannen zogen schon sich die Collins weiter nach vorne um zu warten. Langsam machte sie sich Sorgen, dass sie ihre beste Freundin vielleicht übersehen hatte, aber schließlich kam diese dann doch noch durch die Tür und scannte sofort den Bereich ab.

Als sich die Blicke der Mädchen trafen und die Pantagiota das Namensschild las war es um die Zwei geschehen. Die Freundinnen brachen in schallendes Gelächter aus und fielen sich um den Hals, wobei Helena ihren kleinen Koffer, welcher als Handgepäck gedient hatte, einfach mitten im Weg stehen ließ. Eine ältere Dame stolperte und wäre beinahe auf den Boden geknallt, wenn sie nicht jemand aufgefangen hätte.

»Entschuldigung, das war nicht meine Absicht. Geht es Ihnen gut? Ist Ihnen etwas passiert?«, fragte Leana in hektischem griechisch nach.

Die Dame wollte jedoch nichts hören. Wild fuchtelte sie mit ihrer Handtasche und beschwerte sich lautstark über die Jungend von heute während sie sich auf den Weg machte.

Nun konnten die Freundinnen nicht mehr an sich halten und prusteten los. Es dauerte einige Minuten bis sie sich wieder im Griff hatten.

»Ich freue mich so dich endlich wiederzusehen. Das letzte Mal ist viel zu lange her.« Aileen drückte ihre bessere Hälfte noch einmal an sich. »Wie war der Flug?« Sie schnappte sich den kleinen Koffer und gemeinsam machten sich die Mädchen auf den Weg zur Gepäckausgabe.

Helena folgte ihrer besten Freundin, denn auf ihren Orientierungssinn konnte sie sich nicht verlassen. Schon gar nicht, wenn so viele Leute um sie herum waren. Die Griechin lächelte übers ganze Gesicht. »Du glaubst nicht wie sehr ich mich freue hier zu sein. Auch wenn ein Teil meines Aufenthaltes mit Arbeit verbunden ist. Es hat nun lange gedauert, dass wir uns sehen.« Geschickt fuhr sie sich durch ihre Locken. »Im Grunde war der Flug in Ordnung. Doch vier Stunden können ziemlich lang werden. Aber ich bin froh, dass ich nun endlich hier bin. Ich habe dich und London vermisst!«

Seit ihrer Klassenfahrt vor zehn Jahren waren die Freundinnen nicht mehr gemeinsam in London gewesen. Wenn man darauf zurückblickte war es eine lange Zeitspanne. Nun waren sie erwachsen und konnten mehr erleben da ihnen andere Möglichkeiten offen standen. Aileen war gespannt was sie in nächster Zeit mit Helena erwarten würde. Immerhin gab es noch einige Informationen, welche ans Licht gebracht werden mussten.

Als sie bei der Gepäckausgabe von Leanas Flug ankamen waren sie die Letzten und es waren kaum noch Passagiere anwesend. Gemeinsam hielten sie Ausschau nach beiden Koffern, aber konnten diese nicht finden. Stirnrunzelnd liefen sie das Band entlang, aber keiner tauchte auf. Seltsam.

»Okay? Dieser Koffer rollt nun bestimmt zum vierten Mal an mir vorbei. Vielleicht hat ein Passagier deine verwechselt?«, fragte Aileen nach doch ihre beste Freundin schüttelte den Kopf.

»Meine Koffer stechen sofort heraus. Die hat niemand außer mir.« Die Schwarzhaarige ließ ein Schnauben vernehmen. »Ich schwöre dir, wenn sie verloren gegangen sind…«

Die Collins kaute leicht auf ihrer Unterlippe. »Vielleicht sollten wir am Schalter nachfragen. Dort können sie uns mit Sicherheit weiterhelfen!«

So sollte die gemeinsame Zeit der Mädchen nicht beginnen…

Sauer stimmte Helena dem Vorschlag zu bevor sie aufschrie. »Da hinten! Meine Koffer. Sie scheinen irgendwie festzuhängen.« Kurzerhand schlüpfte sie aus ihren Schuhen, stieg auf das Rollband und lief los um ihr Gepäck aus deren Klemme zu befreien. Einige Passagiere deuteten kichernd auf sie und andere riefen ihr empört zu. Die Beamten jedoch fanden ihre Aktion eher wahnsinnig und rannten schon auf sie zu um sie vom Förderband zu zerren. Jedoch war die Griechin schneller und befreite ihre Koffer. Triumphierend richtete sich die Dunkelhaarige auf und warf sich die Locken über die Schulter.

Aileen schüttelte sich vor Lachen und bot ihrer besten Freundin eine Hand an um ihr herunter zu helfen. Helene schlüpfte wieder in ihre Chucks.

»Okay, Katastrophe angewandt! Lass uns ins Hotel fahren. Ich kann es kaum erwarten zu sehen wie es aussieht.« Leana hakte sich bei Aileen unter und gemeinsam gingen sie zum Wagen.

Die Fahrt verging schnell da sich die Beiden einiges zu erzählen hatten. Nicht einmal der Stau fiel ihnen auf. Aileen kannte die Strecke auswendig, aber nicht einmal die Abkürzungen waren diesen Vormittag hilfreich. Dennoch kamen sie heil im Hotel an und die Blonde stellte ihren Wagen in der Tiefgarage ab. Mit dem Mitarbeiteraufzug fuhren sie nach oben in die Lobby, wo bereits hektischer Betrieb stattfand.

Leana wusste bereits, dass im Hotel für eine britische Serie gedreht wurde, aber dennoch hatte sie sich alles etwas anders vorgestellt. Während sie der Blonden zur Rezeption folgte sah sei sich neugierig um. Das Hotel sah von außen wie auch von innen äußerst nobel aus. Kaum zu glauben, dass sie nun für einen Monat hier wohnen würde.

Am Empfang wurden sie von einem jungen blonden Mädchen begrüßt, welche gerade mit Daten auf ihrem Computer beschäftigt war. »Herzlich Willkommen im Marbella. Mein Name ist Samantha. Wie kann ich Ihnen behilflich sein?«, meinte sie freundlich und hob den Blick. Erst in diesem Moment fiel ihr auf, dass ihre Vorgesetzte vor ihr stand. »Oh, hi Lee! Hallo Helena! Ich hoffe du hattest einen angenehmen Flug.«

Die Griechin war im ersten Moment etwas perplex, aber lächelte freundlich. »Danke, ich kann mich nicht beschweren.«

Aileen grinste breit als sie sich hinter die Rezeption begab. Ihren Mantel war sie über die Sessellehne und setzte sich an einen der Computer. »Samantha, wie lief dein Morgen? Gab es schon Vorfälle von denen ich wissen sollte?«

Die Blonde schüttelte den Kopf während sich Lee um die Reservierung von Helena kümmerte. »Nein, eigentlich nicht. Vier Gäste haben ausgecheckt. Deren Zimmer werden gerade gereinigt und für den Neubezug vorbereitet. Wir haben neun Neureservierungen und deine Tante hat einen Kellner gefeuert. Alles läuft wie immer.«

Die Collins lachte auf, denn das hörte sich ganz nach ihrer Tante an. »Na dann sollten wir wohl einen neuen Kellner einstellen.« Währenddessen versuchte sie immer noch die Buchung ihrer Freundin zu finden, aber es schien nirgends auf. Ein Seufzen kam über ihre Lippen. »Lea, hast du deine Buchungsnummer? Das System findet dich nicht unter deinem Namen.«

»Na vielleicht solltest du mit mehr Liebe an das Ganze rangehen.« Frech zwinkerte die Griechin ihrer besten Freundin zu und reichte ihr die Bestätigung. Sam stimmte ihr lachend zu und kümmerte sich dann um die neuen Gäste, welche soeben das Hotel betraten.

Aileen gab die restlichen Daten ein, speicherte die Zimmerkarte ab, legte sie in die Informationsmappe und reichte diese der Pantagiota. »Okay, das ist die Infomappe für das Hotel. Darin findest du die Hausordnung, alle wichtigen Nummern, die Speisekarte für den Zimmerservice und einen Eventplan. Dein Zimmer liegt im vierten Stock, Nummer 582. Ich bringe dich noch zum Aufzug.«

Helena nahm die Mappe in ihre freie Hand und folgte Lee zu den Aufzügen. »Ich habe ein Meeting am Nachmittag, aber wie wäre es mit Abendessen heute Abend? Du musst mir noch so viel erzählen was ich verpasst habe.«

Ein Kichern kam über Lees Lippen und sie stimmte dem Vorschlag zu. »Gut, dann sehen wir uns gegen Acht im Restaurant?«

Die Schwarzhaarige fuhr mit dem Aufzug nach oben und die Collins machte sich an die Arbeit. Gemeinsam mit Sam kümmerte sie sich um die weiteren Gäste, die ein- und auscheckten und stand für jegliche Fragen zur Verfügung. Als es etwas ruhiger wurde ließ sie die Morris alleine und machte sich auf den Weg in die Bar um der Filmcrew zu helfen. Ihr Verlobter lief ihr dabei jedoch nicht über den Weg.

Der restliche Tag flog an ihr vorbei, denn es war genug zu tun gewesen. Ehe sich Aileen versah war es kurz vor acht Uhr abends. Sie wurde an der Rezeption abgelöst und machte sich auf den Weg ins Restaurant. Nachdem ihre beste Freundin noch nicht da war setzte sie sich an einen Tisch und bestellte zwei Gläser Wein.

Leana ließ nicht lange auf sich warten und schon stürzten sich die Beiden in Erzählungen der letzten Vorkommnisse. Auch die Griechin hatte kaum noch Kontakt zu ihrer alten Clique aus der Schule. Daher wusste sie ebenso wenig was bei ihnen so los war wie Aileen. Aber Lee war ohnehin mehr am Leben ihrer besten Freundin interessiert. So erfuhr sie unter anderem, dass sich Helena vor zwei Wochen von ihrem Freund getrennt hatte. Ihr „Geheimnis“ behielt sie jedoch vorerst noch für sich.

Es wurde immer später und schließlich beschlossen sie noch auf einen Drink in der Bar vor zu schauen, denn das Restaurant schloss seine Türen. Ryan hatte hinter dem Tresen bereits alle Hände voll zu tun und ärgerte sich mit der neuen Angestellten, welche er einarbeiten musste. Jedoch hellte sich seine Miene schlagartig auf als sich die Mädchen an die Bar setzten.

»Einen wunderschönen guten Abend, Ladies. Was kann ich für euch tun?«, meinte er mit einem breiten Grinsen auf den Lippen.

Lea musterte ihn leicht bevor sie die Getränkekarte studierte. Aileen schmunzelte. »Ryan, alles klar?« Skeptisch beobachtete sie die Neue. »Bringst du uns zwei Vegas, bitte?«

Der Dunkelhaarige machte sich ans Mixen und Leana wackelte bedeutungsvoll mit den Augenbrauen. »Aber hallo! Du scheinst wohl immer beim selben Muster zu bleiben was Jungs angeht, oder?«

Lachend stieß ihr die Collins den Ellenbogen in die Seite. »Du bist unmöglich! Außerdem weiß ich nicht was du damit andeuten möchtest. Immer diese Unterstellungen!«

Die Pantagiota lachte. »Wenn ich mich richtig erinnere war es zuhause auch ein Barkeeper. Dunkelhaarig, braune Augen, charmantes Lächeln. Du hast einen Typ und das kannst du nicht abstreiten.«

Ryan brachte ihnen ihre Cocktails und hatte natürlich etwas von ihrem Gespräch mitbekommen. Ein freches Grinsen zierte seine Lippen. »Ich wäre sofort dabei gewesen, aber Aileens Herz ist bereits vergeben.«

Lee verdrehte grinsend die Augen und reichte Lea den Drink. »Auf eine unvergessliche Zeit!«

Der nächste Morgen lief hektischer als geplant. Helena war noch nicht dazu gekommen auszupacken und hatte vergessen für ihren Termin einen Wecker zu stellen. Deshalb war sie nun recht spät dran. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass sie noch zwanzig Minuten hatte. Dann würde das Interview mit BBC1 stattfinden, welche einen YouTuber aus Frankreich eingeladen hatten. Er machte Musik, aber sprach ein Wort Englisch und von verstehen war er weit entfernt. Helena wurde engagiert um für beide Seiten zu dolmetschen.

Im Eiltempo fischte sie ihre Klamotten aus dem Koffer, zog sich um und legte etwas Make-up auf. Ihre Haare flocht sie sich locker auf der Seite zusammen. Das musste für heute reichen, denn ansonsten würde sie es niemals pünktlich schaffen.

Während die Griechin zum Aufzug hastete schrieb sie eine kurze Nachricht an ihre beste Freundin. In ihren Unterlagen las sie noch einmal kurz die wichtigsten Informationen zu dem YouTuber nach, denn sie hatte noch nie von ihm gehört. Aber es würde nicht gut aussehen, wenn sie nichts über ihn wissen würde. Lea versuchte sich die wichtigsten Dinge einzuprägen und als sie in der Lobby ankam ging sie zur Rezeption.

Wie auch schon am Vortag saß Samantha auf ihrem Platz hinter dem Computer. »Guten Morgen, Helena. Wie kann ich dir behilflich sein?«, fragte sie freundlich nach.

Lea erwiderte ihr Lächeln. »Guten Morgen. Ich habe einen Termin mit BBC1. Ist zufällig schon jemand von ihnen hier? Ansonsten würde ich schon einmal in den Konferenzraum vorgehen und dort warten.« Sie legte ihre Unterlagen auf dem Tresen ab und hoffte insgeheim, dass noch niemand hier war.

Die Blonde suchte kurz in ihren Unterlagen und nickte leicht. »Also die Crew hat sich noch nicht angemeldet. Jedoch ist der Franzose bereits da. Ich habe ihn vor wenigen Minuten rüber gebracht. Mr.Collins und Aileen haben euch bereits Getränke und Snacks bereit gestellt. Sobald die BBC1 Crew kommt schicke ich sie dir rüber.« Aufmunternd lächelte sie der Griechin zu.

Dankbar nickte die Pantagiota und machte sich auf den Weg. So hatte sie wenigstens noch die Chance sich mit dem YouTuber zu unterhalten bevor es losging. Der Konferenzraum war zum Glück nicht zu verfehlen. Schwungvoll betrat sie den Raum, legte ihre Sachen am Tisch ab und ging zielstrebig auf den jungen Herren zu. Ihrer Schätzung nach zu urteilen war er vielleicht um die 22 Jahre.

Beide mussten nicht lange warten bis die Leute aus dem Sender eintrafen und das Interview begann.

In der Zwischenzeit lief Aileen schon zum fünften Mal in den sechsten Stock, da es dort ein Problem mit einem Gast gab und ihre Kolleginnen konnten das wohl nicht ohne sie aus der Welt schaffen. Obwohl sie eigentlich schon genug um die Ohren hatte kümmerte sie sich auch noch darum. Mit einem Angebot für zusätzliche drei Übernachtungen um den halben Preis war das Drama schnell aus der Welt geschafft und der Vormittag zog an der Blonden vorbei.

Als die Collins das nächste Mal einen Blick auf die Uhr warf war es bereits halb Zwei nachmittags und sie machte sich auf die Suche nach ihrem Onkel. Ihrem Wissen nach hatte er im Moment keine Meetings mehr also würde sie ihn wohl in seinem Büro finden. Das bedeutete, dass er sich vielleicht dazu überreden ließ mit ihr und Leana etwas essen zu gehen.

»Aileen, da bist du ja. Ich wollte mich soeben auf den Weg machen um dich zu suchen.« Charles lächelte breit und bot seiner Nichte eine Tasse Kaffee an. »Wie geht es deiner Freundin Helena? Alles in Ordnung? Wenn sie etwas braucht soll sie sich bei der Rezeption melden und wir kümmern uns darum!«

Dankend nahm sie die dampfende Tasse Koffein entgegen und nahm einen Schluck. »Danke, dass ich sie hier unterbringen durfte. Bei mir zuhause wäre es ziemlich umständlich gewesen.« Lee nagte nervös auf ihrer Unterlippe. »Außerdem haben wir noch nicht über die Veränderungen in meinem Leben gesprochen.«

Ihr Onkel zog eine Augenbraue nach oben. »Liebes! Ich weiß, dass ihr euch schon lange nicht mehr gesehen habt und es vieles zu besprechen gibt. Aber du hast dich verlobt und der Mann an deiner Seite ist nicht gerade unbekannt. Denkst du nicht, dass sie es verdient hat es von dir zu erfahren?«

Natürlich hatte er recht, aber sie wusste nicht recht wie sie das Thema aufgreifen sollte. Dennoch wollte sie es versuchen. »Ich werde es ihr sagen, aber ich brauche noch ein bisschen Zeit!« Aileen seufzte leicht auf. »Soweit ich weiß ist bei ihr alles in Ordnung. Wir haben uns heute noch nicht gesehen, denn sie hat doch dieses Interview, das sie dolmetschen muss. Wir wollen uns aber gleich zum Mittagessen treffen…Wieso kommst du nicht mit und fragst sie selbst?« Sie zwinkerte ihm zu.

Überrascht zog Charles eine Augenbraue nach oben und legte den Kopf leicht schief. »Ich will mich euch nicht aufdrängen. Wie du gesagt hast habt ihr euch so lange nicht mehr gesehen. Da habt ihr euch einiges zu erzählen und da passe ich doch nicht rein.«

Lee lachte auf und fuhr sich durch die Haare. »Wenn es stören würde hätte ich dich nicht gefragt und es dir angeboten!« Sie hakte sich bei ihm unter. »Wollen wir dann los? Ich verhungere!«

Ihr Onkel stimmte zu und die Drei trafen sich im Restaurant zum Mittagessen. Charlie bombardierte die Griechin mit Fragen, aber sie schien kein Problem damit zu haben alle zu beantworten. Helena erzählte ihnen dann auch von dem Interview, welches eine totale Katastrophe gewesen war. Anscheinend hatte ihr Chef einfach jede Anfrage angenommen ohne sich im Vorhinein darüber zu erkundigen was auf seine Dolmetscherin zukommen würde… Das kommende Monat würde noch interessant werden.

Da beide Mädchen am Nachmittag keine Termine hatten konnten sie sich endlich die Stadt ansehen und über alte Zeiten reden. Doch Aileen hatte da noch eine weitere kleine Sache geplant.

Die Britin legte ihrer besten Freundin den Arm um die Schulter und lächelte. »Was hältst du davon, wenn wir mit Leigh und ihrer Gruppe die London Tour mitmachen? So siehst du etwas von der Stadt im Winter und wir kommen auch zum Weihnachtsmarkt, denn das ist die letzte Station, wo sie stehen bleiben!« Zwinkernd fuhr sie sich durch die Haare.

Lea lachte auf, denn wenn sie mit Lee auf dem Weihnachtsmarkt enden würde kamen sie vor morgen früh bestimmt nicht mehr nach Hause. Aber wie hieß es so schön? No risk, no fun. Nickend stimmte sie dem Vorschlag zu. »Ich bin dabei. Wann geht es los?«

Aileen wackelte grinsend mit den Augenbrauen. »Yay, wusste ich es doch. Der Treffpunkt ist in der Lobby. Du hast eine Stunde Zeit und vergiss nicht dich warm anzuziehen. Ansonsten erfrierst du!«

Eine gute Stunde später trafen sich die Freundinnen wieder in der Lobby und bereits zahlreiche Gäste des Hotels warteten darauf, dass die Tour endlich losgehen würde. Lange mussten sie jedoch nicht warten, denn schon tauchte Leigh auf und alle stellten sich in einem Halbkreis um sie auf.

»Wunderschönen guten Nachmittag! Mein Name ist Leigh und ich bin für heute ihre Tourführerin. Der Bus wartet draußen bereits auf uns. Daher möchte ich Sie bitten erst einzusteigen, wenn ich ihre Namen aufrufe damit wir niemanden vergessen. Wer sich noch nicht bei mir eingetragen hat und trotzdem teilnehmen möchte kann sich noch eintragen sobald alle anderen aufgerufen wurden.« Die Blonde lächelte freundlich und rief nach der Reihe die Namen der Teilnehmer auf, welche auf der Liste auf ihrem Klemmbrett standen.

Schließlich blieben noch sechs weitere Gäste, Helena und Aileen über. Da noch genügend Platz vorhanden war schrieb die Kingsley die restlichen Namen auf und schon fuhren sie los. »Freut mich dich endlich kennenzulernen, Helena. Aileen hat schon so viel von dir erzählt.«

Leana lachte leicht. »Anscheinend hat sie jedem von mir erzählt. Aber freut mich ebenfalls.«

Die Mädchen hatten die erste Reihe am oberen Deck für sich ergattert und öffneten ihre Mäntel, denn im Bus war es verdammt warm. Ein Pluspunkt! Der Fahrer fuhr los und Leigh erklärte über das Mikrofon, wie die Tour ablaufen würde.

Die Griechin ließ den Blick aus dem Fenster schweifen. »Auch wenn ich schon einige Jahre nicht mehr hier war fällt mir erst jetzt auf, wie sehr ich London vermisst habe.« Ein Seufzen kam über ihre Lippen. »Man kann die Sehenswürdigkeiten nicht oft genug sehen. Finde ich jedenfalls.«

Aileen wohnte nun schon einige Jahre in London, aber sie wurde der Sehenswürdigkeiten nicht müde. Oft begleitete sie Leigh auf den verschiedenen Touren. Auch wenn sich an den Stopps nichts bis kaum etwas veränderte war es trotzdem schön zu wissen, dass immer noch alles beim Alten war.

Lee strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr. »Ich weiß was du meinst.«

Buckingham Palace, London Eye, Tower of London waren nur einige Halte der Tour, welche auf zwei Tage aufgeteilt war. Man konnte nicht alles auf einmal abfahren, denn da würde man ewig brauchen und nirgends genug Zeit haben um Fotos zu machen und sich umzusehen. Aber es wurde immer dunkler und schließlich neigte sich die heutige Tour dem Ende zu.

Leigh schnappte sich erneut das Mikro um die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich zu lenken. »Um den heutigen Tag ausklingen zu lassen dachten wir uns, dass es nett wäre, wenn sie den Weihnachtsmarkt erkunden könnten. Die Tour endet mit diesem Halt. Morgen starten wir um dieselbe Zeit mit dem zweiten Teil. Ich hoffe, dass ich sie dann ebenfalls wieder begrüßen darf. Nun wünsche ich Ihnen im Namen des gesamten Teams aus dem Marbella einen angenehmen Abend und noch viel Spaß!«

Alle Gäste klatschten und einige stiegen aus um sich den Markt anzusehen. Andere blieben wiederrum sitzen um zum Hotel zurück zu fahren. Helena und Aileen schlossen ihre Mäntel und stiegen aus, denn wenn man um diese Zeit nach London kam war er unbedingt einen Besuch wert.

Ein kalter Wind kam auf und wehte ihnen um die Ohren. Die Blonde zog sich ihre Mütze weiter über die Ohren und steckte ihre Hände in die Manteltaschen. »Okay, also sollen wir zuerst mal durchgehen und sehen was es überall so gibt oder holen wir uns erst einmal einen Glühwein um uns etwas aufzuwärmen?« Fragend sah sie ihre beste Freundin an, welche ebenfalls ihre Hände schützend eingepackt hatte.

»Glühwein hört sich gut an! Danach können wir etwas stöbern!« Lea schmunzelte. »Ich brauche ohnehin Inspiration für meine Weihnachtsgeschenke dieses Jahr.«

So schlenderten die Beiden los und suchten einen Punschstand, von denen es zu viele gab. Schließlich fanden sie einen, wo nicht zu viele Leute standen und Lee bestellte zwei Becher. Es duftete herrlich nach Äpfeln und Zimt. So kam man in Weihnachtsstimmung. Einen Becher rechte sie an die Griechin weiter. Der Glühwein schmeckte köstlich. Nicht zu süß und nicht zu bitter durch die Gewürze.

»Wie sieht dein Terminkalender in den nächsten Tagen aus?« Vorsichtig nippte Lee an ihrem Becher. »Ansonsten könnten wir uns ja morgen zusammen setzen und ein paar Dinge planen, die wir machen könnten solange du noch hier bist.«

Leana legte den Kopf leicht schief und leckte sich über die Lippen. »Ich muss zugeben, dass ich es nicht weiß. Mein Chef hat mir heute Nachmittag den Terminkalender geschickt. Ich bin noch nicht dazu gekommen alles durchzuarbeiten und zu planen.« Die Griechin lachte auf. »Aber das können wir morgen ändern. Ich habe bestimmt einige Tage frei, die wie nutzen können!«

Typisch für die Pantagiota. Aileen schüttelte grinsend den Kopf.

Nachdem sie ihre Becher geleert hatten schlenderten sie gemütlich weiter und sahen sich die verschiedenen Stände an. Einige interessierten die beiden Mädchen überhaupt nicht und an anderen wiederrum verharrten sie etwas länger und stöberten sich durch. Erst als sie einen Stand mit Duftkerzen fanden war es vorbei, denn Lee war im siebten Himmel.

»Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich eine größere Tasche mitgenommen!«

Helena prustete los. Man durfte ihre beste Freundin wirklich nicht mit Kerzen alleine lassen.

 

Der gestrige Abend war leicht aus dem Ruder gelaufen. Nachdem Aileen den halben Kerzenstand aufgekauft hatten waren sie an einer netten Hütte hängen geblieben, welche köstlichen Glühwein verkauften. Helena hatte kleinere Geschenke gefunden und eine große Tüte Kartoffelchips ausgegeben. Bis weit nach Mitternacht hatten sie die warme Flüssigkeit genossen und waren die besten Kunden gewesen. Immerhin hatten sich die Freundinnen auch noch immer genug zu erzählen gehabt.

Als der Weihnachtsmarkt schließlich schloss rief Aileen zwei Wagen aus dem Hotel, welche beide abholten. Lea fuhr zurück ins Marbella und die Collins nahm den Weg nach Cambridge auf sich. Beim Haus angelangt hatte sie einige Minuten damit zu tun um endlich das Schlüsselloch zu finden bevor sie endlich ins Bett fallen konnte.

Ihr brummte der Kopf als wäre sie geradewegs in eine Backsteinmauer gelaufen. Der Collins war speiübel und bei jeder Bewegung kam es ihr so vor als würde sich das Zimmer drehen. Mit einem Auge linste sie auf den Wecker um die Uhrzeit festzustellen. 11:54. Wow. So sah also ihr freier Tag aus. Oliver war bereits am Set und sie fühlte sich im Haus ziemlich alleine. Sie konnte nicht den ganzen Tag im Bett bleiben, denn spätestens morgen würde sie es fürchterlich bereuen. Aus diesem Grund schrieb sie eine Nachricht an Helena und machte sich auf den Weg unter die Dusche. Vielleicht würde ihr das gegen ihren Kater helfen…hoffte sie zumindest.

Nachdem sie im Badezimmer fertig war und umgezogen ins Zimmer kam fühlte sie sich um einiges besser. Lea hatte ihr in der Zwischenzeit geantwortet und fühlte sich ebenso geschlaucht. Daher beschloss die Blonde kurzerhand ihren Laptop zu packen und ins Hotel zu fahren. Immerhin musste Helena ihre Termine koordinieren und so konnten die Beiden gleich nachsehen welche freien Termine ihnen zur Verfügung standen.

Draußen hatte es um weitere Grade abgekühlt und ein eiskalter Wind blies ihr um die Ohren. Sofort zog Aileen die Schultern nach oben und trat von einem Fuß auf den Anderen während sie auf den Wagen des Hotels wartete, den sie sich zuvor bestellt hatte. Zitternd kaute sie auf ihrer Unterlippe und seufzte erleichtert auf als der schwarze Wagen vor ihr stehen blieb. Die Fahrerin lächelte freundlich und sie fuhren los zum Marbella. Zum Glück war die Heizung aufgedreht und sie musste nicht mehr frieren. Da auf der Strecke kaum Verkehr war kamen sie schnell im Hotel an.

Als sie die Lobby betrat traf sie auf Charlie, welcher sich ein Lachen nicht verkneifen konnte als er seine Nichte sah. »Gut siehst du aus. Da hat der Glühwein wohl geschmeckt, was?«

Sie warf ihm einen finsteren Blick zu. »Mach dich nicht über mich lustig. Ich habe das Gefühl als wäre ich überfahren worden.« Ein Stöhnen kam über ihre Lippen.

Grinsend legte der Collins den Kopf schief. »Vielleicht merkt ihr euch das für den nächsten Besuch am Markt. Ich habe Helena heute noch nicht gesehen. Am besten ihr zwei bestellt euch etwas aufs Zimmer. Macht euch einen gemütlichen Tag.«

Aileen nickte nur bevor sie zum Aufzug ging und nach oben fuhr. Sie war fertig. Als wäre sie gerade einen Marathon gelaufen…nie wieder Alkohol…

Als Lea die Zimmertür öffnete kam es der Blonden so vor als würde sie einen Blick in den Spiegel werfen. Die Griechin versuchte sich an einem leichten Lächeln und ließ es gleich wieder bleiben. »Mein Kopf platzt jeden Moment!«, kam es stöhnend von ihr. »Hast du zufällig Schmerztabletten dabei? Ausgerechnet diese habe ich zuhause in Griechenland vergessen!« Seufzend ließ sie sich aufs Bett fallen.

Die Collins schloss die Tür hinter sich und nickte. »Klar, ich habe alles dabei.« Schon kramte sie in ihrer Tasche nach dem Briefchen und reichte es an ihre beste Freundin weiter ehe sie es sich auf er Couch bequem machte.

»Ich fühle mich furchtbar. Wir hätten gehen sollen als deine Tante angerufen hat«, meinte die Schwarzhaarige und fuhr sich durch die Locken bevor sie diese zu einem hohen Pferdeschwanz band damit sie beim Arbeiten nicht stören würden.

Lee zuckte mit den Schultern. »Weil wir es nie besser wissen werden?!« Schließlich holte sie ihren Laptop, den Kalender und ihr Notizbuch mit dem Federmäppchen aus der Tasche und legte alles auf den kleinen Tisch. »Gut, dann gehen wir mal an die Arbeit würde ich sagen…« Fragend kaute sie auf ihrer Unterlippe. »Soll ich gleich beim Zimmerservice bestellen oder wollen wir noch warten?«

Helena hatte bereits alles was sie zum Arbeiten brauchte auf dem Bett bereit gelegt und fuhr ihren Laptop hoch. Auf die Frage von Aileen hin zuckte sie mit den Schultern und nahm einen Schluck von ihrem Wasserglas. »Ich weiß nicht. Aber was zu trinken wäre nicht schlecht. Cola, Orangensaft, Red Bull oder so. Essen können wir dann später auch noch.«

Nickend tippte die Teilinhaberin die Nummer in ihr Handy und gab Sam an der Rezeption alles weiter. Auch das Essen bestellte sie gleich mit und nannte eine Uhrzeit, wann es ihnen passen würde. Denn die Mädchen würden später garantiert darauf vergessen, wenn sie sich nicht gleich darum kümmern würden.

Während Lea alle Termine, die sie per Mail von ihrem Chef geschickt bekommen hatte in ihren Taschenkalender übertrug kümmerte sich Lee um ihre eigenen Termine, welche in nächster Zeit auf sie zukommen würden. Einige Mails wurden bearbeitet und beantwortet und es wurde eine neue Eventliste angelegt, da ihre Tante ihr den Plan zukommen lassen würde. Mit ihr sollte sie sich ebenfalls noch zusammen setzen. Vielleicht passte es ja morgen?

Nach einer Weile räusperte sich Leana. »Gut, hier kommt der Stand der Dinge. Fünf Tage. Mehr haben wir nicht und zwei davon nur nachmittags.« Sie biss auf die Rückseite ihres Kugelschreibers. »Und die letzten fünf Tage muss ich nach Dublin wie es aussieht.«

Aileen zog eine Augenbraue nach oben. »Du bist einen Monat hier und hast in dieser Zeit nicht einmal eine Woche frei? Das soll wohl ein Scherz sein, oder?« Damit hatte die Britin nicht gerechnet. Sie hatte auf mehr Zeit mit ihrer besten Freundin gehofft. »Na gut, dann machen wir das Beste daraus. Irgendwelche besonderen Wünsche?«

Helena zuckte leicht mit den Schultern. »Ich wei0 auch nicht so recht. Wir müssen aber unbedingt einen Tag für Christmas Shopping einplanen. Außer den Kleinigkeiten vom Markt habe ich noch kein einziges Geschenk. Für niemanden!«

Die Beiden lachten auf. Da hatten sie wieder was gemeinsam, denn auch die Blonde hatte noch nichts besorgt. Ein dringender Punkt auf der To-Do-Liste.

»Am besten wir nutzen den ersten freien Tag dafür, denn es ist jetzt schon überall die Hölle los und es wird von Tag zu Tag schlimmer«, kam es von der Collins und sie trug sich den Shoppingausflug sogleich in ihren Kalender ein. Das war das Gute am Managerposten, denn meistens konnte sie sich ihre freien Tage so legen wie sie diese brauchte. Außerdem war sie immer über ihr Handy erreichbar falls etwas passieren sollte.

Ihre beste Freundin stimmte ihr zu und trug es ebenfalls in ihren Planer ein. »Okay, hast du noch Vorschläge? Dann planen wir diese auch ein und an den restlichen Tagen können wir ja spontan sein!« Sie zwinkerte grinsend.

»Natürlich. Immerhin enden unsere spontanen Aktionen nie im Chaos«, meinte Aileen lachend. »Für einen Tag habe ich was geplant, aber das bleibt eine Überraschung.«

Die Dunkelhaarige verzog leicht das Gesicht, denn sie konnte Überraschungen nicht unbedingt leiden. Sie war zu neugierig dafür und wenn es nach hinten losgehen würde war es für sie immer schwer ein Pokerface aufzusetzen. Doch sie vertraute ihrer besseren Hälfte, denn sie kannten sich nun lange genug.

In der Zwischenzeit hatte ihnen der Zimmerservice auch die Getränke gebracht und die Mädchen hatten alle Termine koordiniert und Mails beantwortet. Damit hatten sie sich wohl einen gemütlichen Nachmittag verdient, oder nicht?

Fragend sahen sich die Zwei an, denn auf keinen Fall wollten sie das Zimmer verlassen. Aileen wäre außerdem nicht einmal passend gekleidet gewesen. Doch schon am ihnen die Idee.

»Wir brauchen einen Marathon!«, sagten sie gleichzeitig und brachen in schallendes Gelächter aus.

Lee machte sich grinsend am Fernseher zu schaffen. »Der Letzte ist viel zu lange her.« Die Filme waren in der Videothek des Marbella gespeichert und schon konnte der Harry Potter Abend starten.

Die Mädchen kuschelten sich ins Bett und versanken im Film. Nebenbei schrieb Lee mit Oliver, welcher sie später abholen würde um nach Hause zu fahren. Eine genaue Uhrzeit konnte er ihr jedoch noch nicht nennen, da noch nicht klar war, wann die Szene im Kasten war. Doch das war kein Drama. Immerhin hatte sie die perfekte Ablenkung – auch wenn sich ihr schlechtes Gewissen ständig meldete.

Der zweite Teil lief noch keine fünfzehn Minuten als die Blonde auf Pause drückte. Sie konnte diese „Geheimnis“ nicht länger für sich behalten. Nervös fuhr sie sich durch die Haare. »Ahm, ich muss mit dir reden. Es geht um meinen Freund.«

Sofort wurde Leana hellhörig. »Okay. Du weißt, dass du mir alles sagen kannst!«

Das war leichter gesagt als getan.

»Naja wir sind jetzt drei Jahre zusammen und du wolltest doch immer wissen wie er heißt und wie er aussieht, aber du hast nie wirklich was von mir erfahren?! Nun ja, das liegt daran, dass…dass du ihn eigentlich schon kennst.«

Nun war die Griechin erst recht verwirrt. Was sollte das heißen, dass sie ihn eigentlich bereits kannte? Ihr war kein Oliver bekannt, welcher in London lebte. »Sorry Süße, aber ich weiß nicht wen du meinst.«

Wir aufs Stichwort klopfte es an der Tür und die Collins sah sich panisch im Zimmer um als wollte sie sich verstecken während Lea an die Tür ging und den Phelps Zwillingen gegenüber stand.

»Hi Helena. Freut uns dich endlich kennenzulernen!«, meinte James mi einem breiten Grinsen und hielt ihr die Hand hin.

Wie mechanisch schüttelte sie diese bevor sie ihre Stimme wiederfand. »Freut mich auch..glaube ich jedenfalls.« Das Alles war im Moment gerade etwas viel für sie.

Aileen war in der Zwischenzeit aufgestanden und trat von einem Fuß auf den Anderen. »Ich wollte dir schon so lange Bescheid sagen, aber über Mail oder Handy kam es mir falsch vor. Das alles war so kompliziert und die ganzen Regeln vom Management haben es auch nicht leichter gemacht.«

Lea starrte noch immer auf die Zwillinge und drehte sich dann zu ihrer „Freundin“ um. »Ja, dass erklärt zwar einiges, aber drei Jahre Lee? Du hast das so lange vor mir verheimlicht und plötzlich wirfst du mir diesen Brocken vor die Füße.« Sie schüttelte den Kopf und fuhr sich durch die Haare. »Du solltest wohl nach Hause fahren. Ich muss morgen früh raus und sollte mich noch vorbereiten.« Ihr Blick ließ keine Widerrede zu.

Die Blonde ließ den Kopf hängen, schnappte sich ihre Sachen und verließ das Zimmer. Das war ja sehr schön nach hinten losgegangen. Sie hätte sich von Anfang an, an ihre Freundin wenden sollen als es mit Oliver ernst wurde, aber das hatte sie nicht. Nun stand dieses „Geheimnis“ zwischen ihnen und Aileen wusste nicht wie sie es wieder gut machen konnte.

Auf der Fahrt nach Hause kam kaum ein Wort über ihre Lippen. Oliver versuchte ihr gut zuzureden, aber seine Worte kamen nicht bei ihr an. Sie hatte alles vermasselt. So viel stand fest.

Der gestrige Nachmittag hatte eine heftige Wendung genommen und Leana hatte kaum geschlafen. Sie konnte nicht glauben, dass ihre angeblich beste Freundin seit drei Jahren mit einem britischen Schauspieler zusammen war. Noch dazu war es Oliver Phelps. Davon hätte sie doch hören oder lesen müssen? Doch sie wollte nicht länger darüber nachdenken, denn sie musste sich auf ihre kommenden Termine konzentrieren.

Um Aileen nicht über den Weg zu laufen hatte die Pantagiota in aller Frühe das Hotel verlassen und holte sich unterwegs ein kleines Frühstück und eine heiße Schokolade bei Starbucks. Sie musste ihre Gedanken sortieren…

Die Collins hatte kaum ein Auge zugemacht, denn sie fühlte sich furchtbar. Vermutlich hatte sie gestern die Freundschaft mit der Griechin zerstört. Ihr war zum Heulen. Die salzigen Tränen vermischten sich mit dem warmen Wasser, welches aus dem Duschkopf strömte. Am liebsten wäre sie den ganzen Tag im Bett geblieben, aber ihr Verlobter hatte sie gepackt und unter die Dusche gestellt. Nun stand er in der Küche und kochte Kaffee.

Nachdem sie im Badezimmer fertig war und sich angezogen hatte schlurfte sie nach unten um sich einen Schluck aus ihrer Tasse zu genehmigen. Die Blonde schlug ihren Kalender auf und seufzte. »Ich denke wir sollten heute getrennt fahren. Wie es aussieht brauche ich heute länger, denn es gibt noch einiges zu tun.«

Oliver gab ihr einen Kuss und sah auf ihren Kalender. »Gut, aber mittags gehst du mit uns essen. Keine Widerrede!« Damit seine Verlobte keine Chance hatte um zu protestieren trug er es auch gleich ein. »Ich liebe dich! Und wir sehen uns später!« Er küsste sie leidenschaftlich bevor er sich auf den Weg machte.

Ein Lächeln schlich sich auf Aileens Lippen und sie packte ihre Handtasche bevor sie sich ebenfalls ins Auto setzte und losfuhr. Ihr Handy verband sich automatisch mit dem Radio und sie ließ ihre Playliste laufen. Um sich auf andere Gedanken zu bringen sang sie lautstark mit und die Fahrt verging wie im Flug.

Samantha hatte an der Rezeption bereits einiges zu tun als die Blonde zu ihr stieß. »Morgen, Aileen!«, kam es mit einem leichten Lächeln von ihr als eine kurze Ruhe einkehrte.

»Guten Morgen.« Lee loggte sich am Computer ein. »Du siehst auch aus als hättest du kaum geschlafen. Geht’s dir gut?« Sie machte sich Sorgen um ihre Freundin.

Die Rezeptionistin fuhr sich durch die Haare. »Ich bin total fertig. Wir hatten letzte Nacht zu wenig Leute und ich musste kurzfristig einspringen.« Sie nahm einen Schluck von ihrem Kaffeebecher. »Sieht so aus als müsste ich heute auch wieder übernehmen.«

Aileen sah ihre Freundin etwas perplex an, denn ihr Onkel hatte ihr nichts davon erzählt. Wenn sie im Moment einen Personalmangel hatten sollte sie doch davon wissen. »Was? Kommt nicht in Frage. Ich kümmere mich darum, dass heute jemand die Schicht übernimmt!«

Der Vormittag verlief recht ruhig an der Rezeption und die Collins hatte zwischendurch Zeit um sich einige Blumenarrangements für die Hochzeit anzusehen. Es gab einige Favoriten, aber Aileen wollte die Blumen im Original sehen bevor sie sich mit Oliver gemeinsam entscheiden würde. Es gab noch so viel für die Hochzeit zu tun…

Die Mittagspause rückte immer näher und somit auch das Essen mit ihrem Verlobten und seinen Kollegen. Natürlich kannte sie alle, die bei der Serie mitspielten, aber es gab doch noch so viel zu tun. Außerdem schwirrte ihr die Sache mit Leana im Kopf herum. Doch sie hatte heute Morgen früh das Hotel für ihre Termine verlassen und war noch nicht zurück gekommen. Irgendwie mussten die Beiden das wieder auf die Reihe bekommen, denn sie waren doch beste Freundinnen.

Als Samantha von ihrer Pause zurückkam machte sich die Collins auf den Weg ins Restaurant. Oliver saß mit seinen Kollegen bereits an einem Tisch und alle lächelten breit als sie seine Verlobte sahen. Aileen erwiderte die freundliche Geste und ging auf die Gruppe zu.

Brianna sprang auf um sie zu umarmen. »Es ist schön dich zu sehen. Es kommt mir vor wie eine halbe Ewigkeit seit wir das letzte Mal zusammen gegessen haben.« Sie dirigierte die Blonde auf einen freien Platz. »Wie geht’s dir? Und wir laufen die Hochzeitsvorbereitungen?«

Lee lachte leicht auf und setzte sich. »Danke, alles gut soweit. Zwar gibt es noch einiges zu tun, aber es wird auch weniger.« Sie nahm einen Schluck von ihm Wasserglas und war froh als sich das Gesprächsthema auf die Show lenkte. Im Moment wollte sie nicht über das Chaos in ihrem Leben reden. Die Ablenkung tat ihr ganz gut auch wenn es nur für eine Stunde war. Jedoch verging diese Zeit wie im Flug und für Aileen ging es zurück an die Rezeption.

Ihr Onkel hatte in der Zwischenzeit versucht jemanden für die Nachtschicht zu organisieren, aber so kurzfristig hatte einer Zeit. Daher übernahm eine Kollegin den Nachmittag für Aileen und sie musste die Nacht an der Rezeption verbringen. Begeisterung sah zwar anders aus, aber dieses Mal war es nicht anders möglich.

Nachdem sie für die Hochzeit noch genug zu tun hatte wollte sie die paar Stunden noch nutzen um die Einladungen zu schreiben. Gemeinsam mit Oliver hatte sie die Gästeliste erstellt und diese würde sie nun Schritt für Schritt abarbeiten. Dafür hatte sie sich im Büro ihrer Tante ausgebreitet, denn diese war ohnehin unterwegs. So konnte sie in Ruhe arbeiten und wurde von niemandem gestört. Ihrem Verlobten schrieb sie noch schnell eine Nachricht, dass sie heute nicht nach Hause kommen würde und machte sich dann an die Arbeit.

Sie hatte sich gerade ein System überlegt und vorbereitet wie sie vorgehen wollte als schwungvoll die Tür geöffnet wurde und ihre Tante mit zwei Bechern Kaffee ins Büro kam. »Hallo Liebes! Charlie hat mich angerufen und ich dachte du könntest Hilfe brauchen. Außerdem habe ich Kaffee und Kuchen dabei!« Vanessa lächelte ihre Nichte breit an.

Aileen grinste. »Jeder mit Kuchen ist herzlich willkommen.« Sie stand auf um ihre Tante zu umarmen. »Ich könnte tatsächlich Hilfe brauchen, denn es sind mehr Leute als ich gedacht hatte. Außerdem werden es bestimmt noch mehr, denn einige kommen in Begleitung.«

Vanessa stellte ihre Sachen ab und schlüpfte aus ihrem Mantel. »Gut, dann sag mir wie du es dir vorgestellt hast und ich mache mich an die Arbeit. Vielleicht werden wir damit fertig, denn dann kann ich morgen die Einladungen zur Post bringen, wenn du willst.«

»Hört sich gut an, danke!« Aileen erklärte ihrer Tante wie sie sich den Ablauf vorgestellt hatte und schon legten die Beiden los. Die Karten hatten ein schlichtes, elegantes Design. Neben den wichtigsten Informationen war noch eine Karte für das Antwortschreiben dabei um die Zahl der kommenden Gäste anzugeben und um ein Menü zu wählen.

Die Blonde fühlte sich gut vorbereitet mit ihren Listen, aber trotzdem machte sie sich Sorgen etwas Wichtiges zu vergessen. Auf der einen Seite war Aileen froh darüber alles alleine organisieren zu können, aber auf der anderen Seite wünschte sie sich mehr Einsatz von Oliver. Immerhin ging es um ihre gemeinsame Hochzeit. Natürlich hatte er mit dem Dreh der Serie viel zu tun, doch es wäre bestimmt irgendwie machbar.

Das Räuspern von Vanessa riss die Collins aus ihren Gedanken. Sie sah zwischen der Liste und ihrer Nichte hin und her. »Ahm, ich nehme an du übergibst Helena die Einladung persönlich, oder? Immerhin ist sie gerade hier!«

Aileen schluckte schwer, denn das war noch das große Hindernis, welches sie überqueren musste. Natürlich hatte sie sich darüber bereits den Kopf zerbrochen, aber sie hatte noch keine Lösung für sich gefunden. Seufzend fuhr sie sich durch die Haare. »Ich weiß nicht wie ich es angehen soll, denn im Moment redet sie nicht einmal mit mir.« Ihre beste Freundin war ohnehin schon stinksauer. Da kam es wohl nicht gut an gleich mit der Hochzeitseinladung um Entschuldigung zu bitten. »Ich muss darüber nachdenken und mir etwas einfallen lassen.«

Vanessa legte die Einladung beiseite. »Das zwischen euch wird sich bald klären. Hab etwas Geduld. Immerhin seid ihr beste Freundinnen.«

Die Beiden kamen gut voran, aber bis zum Schichtbeginn würden sie es nicht mehr schaffen. Dennoch war Aileen froh, dass sie wenigstens den Großteil geschafft hatten. Die restlichen sechs Einladungen konnte sie vermutlich heute Nacht schreiben, da es an der Rezeption mit Sicherheit ruhig zugehen würde.

»Danke für deine Hilfe, Tante V!« Aileen packte alles zusammen und umarmte die Dunkelhaarige. »Ohne dich würde ich wohl noch ewig dran sitzen.«

Die Collins erwiderte die Umarmung. »Jederzeit! Du musst dich nur melden und ich helfe dir wo ich kann.«

Sie verabschiedeten sich voneinander und die Blonde machte sich auf den Weg um Samantha abzulösen. Es würde wohl eine lange Nacht werden…

Die Nacht war recht entspannt verlaufen. Drei Mal hatte man nach ihrer Aufmerksamkeit verlangt, aber jedes Mal waren es nur Kleinigkeiten gewesen. Daher hatte sie genug Zeit gehabt um die Einladungen fertig zu schreiben und diese zu den restlichen im Büro zu legen, welche ihre Tante zur Post bringen würde. Es war um einiges leichter, wenn man einige Aufgaben abgeben konnte.

Es kam ihr viel zu früh vor als sie abgelöst wurde, aber ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es Zeit war um nach Hause zu fahren und den freien Tag zu genießen. Zwar würde sie ihn definitiv ausnutzen, aber vorerst freute sich Lee auf ihr Bett und ein paar Stunden Schlaf.

Die Blonde holte ihre Sachen aus dem Personalraum und sah noch kurz bei ihrem Onkel vorbei ehe sie sich durch die Lobby auf den Weg zum Fahrstuhl machte. In Gedanken war sie schon bei ihrem Bett und hätte beinahe ihren Verlobten übersehen.

»Guten Morgen, Schatz! Wie lief die Schicht?«, kam es fragend von Oliver als er sie in den Arm nahm und ihr einen Kuss auf den Scheitel drückte.

Von Lee kam ein leichtes Seufzen. »Ganz okay. Es war ruhig und ich konnte die restlichen Einladungen fertig schreiben. Wenigstens einen Punkt, den ich von der Liste streichen kann.« Sie gab ihm einen kurzen Kuss. »Hilfst du mir heute Abend die Menükarte auszuwählen? Ich mache die Entwürfe heute noch fertig damit wir eines aussuchen können. In spätestens einer Woche müssen wir der Druckerei Bescheid geben.«

Oliver nickte. »Hört sich gut an. Dann können wir auch gleich einen Tag festlegen um uns um die Blumen zu kümmern. Ich bekomme heute den Drehplan für Dezember und Jänner und der sollte lockerer ausfallen. Dann kann ich dir mehr helfen.«

Das hörte sich ziemlich zuversichtlich an. Nun konnten die Zwei nur darauf hoffen, dass es wirklich so kam.

»Okay, dann sehen wir uns später. Ich liebe dich!« Aileen küsste ihn zum Abschied bevor sie mit dem Fahrstuhl nach unten in die Garage fuhr um nach Hause zu fahren.

Helena hatte Glück, denn heute konnte sie endlich einmal länger schlafen, denn die Tour würde erst um zehn Uhr starten. Sie freute sich darauf mit Leigh zu arbeiten und bei einer ihrer Führungen übersetzen zu dürfen. Heute würden sie einer Schulklasse aus Österreich die Stadt und deren Kultur näher bringen. Darauf freute sie sich seit Tagen.

Nachdem sie noch genug Zeit hatte und bereits fertig war beschloss die Griechin in Ruhe frühstücken zu gehen. Es war albern immer aus dem Hotel zu flüchten. Irgendwann musste sie sich mit ihrer besten Freundin zusammen setzen und darüber reden. Sie waren beide erwachsen. Leana rechnete schon damit, dass die Collins an der Rezeption sitzen würde, aber dem war nicht so. Vielleicht war sie gerade unterwegs? Die Dunkelhaarige überlegte kurz bevor sie auf den Tresen zuging. »Guten Morgen. Ist Aileen zufällig im Haus?«

Der Rezeptionist sah zu ihr auf. »Guten Morgen! Tut mir leid, aber Aileen hat heute frei. Kann ich Ihnen vielleicht behilflich sein?« Er schien sehr bemüht zu sein.

Leana schüttelte den Kopf und lächelte freundlich. »Danke, schon in Ordnung. Ich rufe sie später einfach an.« Also musste das klärende Gespräch wohl noch etwas warten. Vielleicht konnte sie von Leigh noch etwas erfahren, denn auch sie schien gut mit Aileen befreundet zu sein.

Nach einem ausgiebigen Frühstück traf sich die Dunkelhaarige mit der Touristenführerin in der Lobby. »Helena! Schön dich wiederzusehen!«, kam es mit einem breiten Lächeln von Leigh als sie die Griechin auch sogleich umarmte. »Ich war froh als Charlie mir gesagt hat, dass er dich als Dolmetscherin gebucht hat. Immerhin hast du auch in Österreich gelebt wie Aileen, oder?«

Etwas überrumpelt erwiderte Helena die liebevolle Geste. »Freut mich auch!« Ein Schmunzeln trat auf ihre Lippen. »Ich muss schon sagen es ist komisch, aber ich freue mich auf einige Erinnerungen aus der alten Heimat, die ich damit vielleicht auffrischen kann…Also wie sieht der Plan aus?«

Die Blonde reichte ihr den Ablaufplan und kümmerte sich schließlich um die Schülergruppe und deren Lehrer, welche soeben eintrafen. Lea überflog den Zettel und gesellte sich zu der Kingsley um sich vorzustellen und ihrer Arbeit nachzugehen. Es schien ihr bei den Schülern Pluspunkte einzubringen, dass sie auf Deutsch mit ihnen sprach und als sie erwähnte, dass sie ebenfalls aus Österreich kam hatte sie schon gewonnen.

»Also gut Leute. Der Bus wartet bereits draußen. Lasst uns loslegen und die Stadt erkunden«, meinte die Blonde gut gelaunt und kaum hatte jeder einen Platz gefunden ging die Tour auch schon los. Es standen am Vormittag einige Sehenswürdigkeiten an und eine Besichtigung vom Tower of London. Die Schüler waren alle äußerst interessiert und stellten auch Fragen, welche ihnen durch den Kopf schossen.

Gegen Mittag wurden alle für drei Stunden an der Tower Bridge entlassen und Treffpunkt war beim London Eye. Die Schüler mussten ihren Weg selbst finden. Das würde auf keinen Fall gut gehen. Doch Leigh und Helena würden die freie Zeit nutzen um essen zu gehen. Die Kingsley brennte darauf ihr ein kleines Restaurant zu zeigen, welches von zwei österreichischen Mädchen geführt wurde.

Lea war von der Speisekarte begeistert und konnte sich kaum für ein Gericht entscheiden, denn aus dieser Küche hatte sie schon lange nichts mehr gegessen. »Kann ich dich etwas fragen? Es geht um Aileen…«

Leigh nickte. »Klar, schieß los.«

Es war ihr etwas unangenehm die Kingsley auszufragen, aber sie brauchte mehr Antworten. »Du bist doch gut mit ihr befreundet was ich so mitbekommen habe. Was hältst du von der Beziehung zwischen ihr und Oliver?«

Im ersten Moment war die Blonde etwas verwirrt, aber dann begriff sie, dass Helena wohl erst seit kurzem davon wusste. »Ahm, ich kenne Lee nun schon seit sie nach London gezogen ist und seit sie und Oli sich daten ist sie förmlich aufgeblüht. Er tut alles dafür um für sie da zu sein und dass sie sich wohlfühlt. Die Beiden tun sich gegenseitig gut. Als hätten sie sich gesucht und gefunden.«

Hörte sich ganz danach an als wäre ihre beste Freundin glücklich und genau das hatte sie sich doch für sie gewünscht, oder nicht? Sie sollte sie später anrufen um zu reden.

Nachdem die Beiden gegessen hatten schlenderten sie noch durch die Straßen und sahen sich die Schaufenster an bevor sie sich zum London Eye begaben. Von den Schülern war weit und breit nichts zu sehen und es dauerte zwei weitere Stunden bis alle den Treffpunkt gefunden hatten. Die Lehrer waren dementsprechend schlechter Laune und Leigh mussten den zweiten Teil der Tour überarbeiten und kürzen, denn durch den Zeitverlust musste sie einige Halte streichen.

Die letzten zwei Stunden der Tour waren recht entspannt verlaufen, aber trotzdem war Leana froh als sie wieder in ihr Hotelzimmer kam. Eine warme Dusche war genau das Richtige und sie ließ sich extra lange dafür Zeit. Ihre angespannten Muskeln dankten ihr dafür. Da sie nicht vor hatte an diesem Abend noch einmal das Hotel geschweige denn das Zimmer zu verlassen bestellte sie sich eine Kleinigkeit aufs Zimmer.

Während sie wartete schaltete sie den Fernseher ein und in der eingespeicherten Videothek fand Helena die neue Serie der Phelps Zwillinge. Einen kurzen Moment überlegte sie und entschied sich schließlich der Serie eine Chance zu geben. Die Griechin war überrascht wie schnell sie sich dafür begeistern konnte, aber die Geschichten, welche unter den Charakteren erzählt wurden zogen sie in den Bann. Sie überhörte beinahe das Klopfen an der Tür. Das musste wohl der Zimmerservice sein.

Doch als sie die Tür öffnete erwartete sie ein ganz anderes Bild. Oliver Phelps mit ihrem Abendessen. Im ersten Moment wusste Lea nicht was sie sagen sollte doch dann konnte sie nicht anders als zu lachen. Das Bild, welches sich ihr bot, war einfach nur göttlich. »Ich wusste nicht, dass ich das Promi Menü bestellt habe!«

Oliver stimmte in ihr Lachen ein. »Tja, du kannst dich glücklich schätzen, denn dank mir hast du nun eine doppelte Portion Nachtisch bekommen.«

»Ich danke vielmals!«, meinte sie grinsend. »Aber nun mal ernsthaft. Was kann ich für dich tun?« Es war immer noch kaum zu glauben, dass sie sich gerade mit „George Weasley“ unterhielt.

Der Phelps fühlte sich etwas unwohl in seiner Haut, aber er wollte seiner Verlobten und Leana nur helfen. Er wusste, dass es Aileen mit der momentanen Situation nicht gut ging. »Ich weiß, dass es mich eigentlich nichts angeht und ich mich nicht einmischen sollte. Aber ich finde es nicht gut, dass meine Beziehung mit Aileen zwischen euch steht.« Er fuhr sich durch die Haare und seufzte leicht auf. »Es war nicht ihre Schuld, dass du es erst jetzt erfahren hast. Das ging alles von meinem Management aus. Tut mir leid, dass ich mich nicht mehr eingesetzt habe.«

Die Griechin seufzte leicht auf. »Schon okay. Ich habe vielleicht ein wenig übertrieben reagiert, aber mit einer solchen großen Nachricht einfach so rauszuplatzen…immerhin kennen wir euch aus den Harry Potter Filmen. Und nun ist meine beste Freundin mit dir zusammen. Das war alles auf einmal ziemlich viel.« Ein leichtes Lächeln schlich sich auf ihre Lippen. »Ich wollte heute mit ihr reden und mich für mein Verhalten entschuldigend, aber sie hat frei. Das muss ich wohl morgen Nachmittag nachholen falls sich Lee noch mit mir treffen will.«

Oliver war froh in welche Richtung das Gespräch lief. »Wieso kommt ihr Nachmittag nicht einfach nach Hause? Dann kann Lee dir das Haus zeigen und wir können uns alle unterhalten. James und ich übernehmen das Kochen«, schlug er optimistisch vor.

Das war ein nettes Angebot und die Pantagiota nickte. »Warum auch nicht. Das ist keine schlechte Idee.«

»Okay, dann lasse ich dich nun in Ruhe essen und wir sehen uns morgen!« Oliver grinste über das ganze Gesicht als er sich auf den Weg machte.

Lea sah ihm grinsend nach bevor sie ins Zimmer ging um endlich etwas zu essen. Doch nun war sie nervös, denn was würde sie morgen erwarten? Über was sollte sie sich mit den Zwillingen unterhalten?

Der gestrige Tag war ziemlich lang gewesen also hatte es Aileen nicht mehr geschafft wach zu blieben bis Oliver nach Hause kam. Auch als er ins Zimmer kam schlief sie wie ein Stein, aber trotzdem kuschele sie sich an ihn. Erst am nächsten Morgen als der Wecker klingelte wurde sie wach.

»Guten Morgen! Gut geschlafen?« Ein Lächeln schlich sich auf Olivers Lippen. Er strich seiner Verlobten eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

Aileen schmiegte sich in seine Handfläche. »Danke, zu gut wie es aussieht. Ich habe nicht einmal bemerkt, dass du nach Hause gekommen bist.«

Beide standen auf und gingen nach unten in die Küche um zu frühstücken. Heute hatten sie seit langem wieder einmal Zeit dafür. Die Blonde kümmerte sich um den Kaffee während Oliver alles auf den Tisch stellte. »Wie lief dein Tag gestern?«, fragte sie nach.

Er lehnte sich neben sie an die Anrichte. »War ganz okay.« Vorsichtig sah er sie an und räusperte sich. »Ich…also. Gestern habe ich Helena getroffen und wir haben uns unterhalten.«

Aileen hielt in ihrer Bewegung inne und sah ihn schließlich an. »Oh…und was hat sie gesagt?«, fragte sie unsicher nach. Wollte sie es wissen? Machte es die Sache zwischen ihnen noch komplizierter? War sie immer noch sauer? Konnten sie ihre gemeinsamen Pläne nun vergessen? Mit ihrer dampfenden Tasse Kaffee setzte sie sich an den Tisch.

Oliver belegte in Ruhe seinen Toast und nahm einen Bissen. »Wir haben uns gut unterhalten. Sie hat gestern nach dir gesucht und wollte mit dir reden um alles Ungeklärte aus der Welt zu schaffen. Außerdem hat Leana mir gesagt, dass sie sich für uns freut und ich habe sie für heute Nachmittag zu uns nach Hause eingeladen. Sie hat zugesagt.«

Es war als würde ihr ein Stein vom Herzen fallen. Also würde doch noch alles zwischen ihnen gut werden? »Ach, habt ihr euch zufällig getroffen oder hast du es darauf angelegt?« Sie zog eine Augenbraue nach oben, denn sie kannte ihn nun schon gut genug. »Aber warte mal! Zu uns nach Hause? Ich habe nichts vorbereitet und so kurzfristig kann ich mir nicht frei nehmen!«

Ihr Verlobter grinste schief. »Ich weiß nicht was du damit meinst.« Er legte ihr beruhigend die Hand auf den Arm. »Mach dir keine Sorgen. Du zeigst ihr das Haus und James hilft mir beim Kochen. Ist bereits alles geregelt!«

Da hatte sie wohl nichts mehr zu melden. Lee biss von ihrem Toast ab und zuckte mit den Schultern. »In Ordnung. Ich hoffe nur es gibt Brownies zum Nachtisch«, meinte sie zwinkernd und ging nach oben um sich fertig zu machen.

James holte die Beiden ab und gemeinsam fuhren sie zum Hotel. Durch einen Autounfall auf der Hauptstraße waren sie spät dran und die Jungs kamen fast eine Stunde zu spät zu ihrem Dreh. Aileen erfuhr an der Rezeption, dass ihr Onkel krank war und musste daher die Überprüfung der Zimmermädchen übernehmen. Eine sehr spaßige Arbeit!

Aus dem Büro von Charles holte sie sich die nötigen Unterlagen und machte sich auf den Weg. Laut Plan fingen die Mädchen heute mit sechs Zimmern im vierten Stock an und das wollte sie sich näher ansehen. Mit dem Aufzug fuhr sie nach oben und sah sich dabei die Akten an. Soweit schien alles in Ordnung zu sein. Doch das änderte sich schlagartig als sie die Vier am Boden sitzend und kichernd vorfand.

»Ich denke nicht, dass ihr zum Sitzen und Kichern eingestellt wurdet. Die sechs Zimmer sollten in zwei Stunden fertig sein. Also bewegt euch oder ihr sitzt in Zukunft auf der Straße und dort habt ihr mit Sicherheit nichts mehr zu lachen!« Außer sich vor Wut schrieb sie etwas auf ihr Klemmbrett.

Die Mädchen sprangen entsetzt hoch, stammelten etwas vor sich hin und machten sich sofort an die Arbeit. Das durfte wohl nicht wahr sein. Anscheinend mussten sie neues Personal einstellen, denn so konnte es nicht weitergehen. Sie musste sich auf ihre Leute verlassen können. So ging das auf keinen Fall.

»Wenn ich in zwei Stunden wieder komme sind die Zimmer auf Hochglanz geputzt und fertig. Und ihr kümmert euch bereits um die nächsten Räume. Ist das klar?!« Aileen ließ keine Widerrede zu und machte sich auf den Weg nach unten. Sie war stinksauer und brauchte eine kurze Pause, welche sie im Büro ihres Onkels verbrachte. Vorsichtig nippte sie an der dampfenden Tasse Kaffee bevor sie neue Stellenangebote ausschrieb. Ihre Entscheidung war endgültig. Nun musste sie nur noch Charles Bescheid geben, aber er würde ihre Entscheidung bestimmt unterstützen.

Es kam ihr ganz recht als ihre Tante ins Büro kam und einen guten Vorschlag hatte um sie von ihrem Ärger abzulenken: Weihnachtsdekoration shoppen. Das war genau das was sie im Moment brauchte. Die Beiden schnappten sich ihre Sachen und machten sich auf den Weg. Lee hatte das Handy dabei falls etwas aus den Fugen geraten sollte, aber sie hoffte nicht darauf.

In der Stadt war einiges los und viele Leute waren bereits im Weihnachtsstress. Doch das schreckte die beiden Collins nicht ab und sie betraten den ersten Laden. Dekoration gab es eindeutig genug, aber sie hatten einen eigenen Geschmack und es war nicht einfach Aileen und Vanessa zufrieden zu stellen.

Während sie durch die verschiedensten Regale stöberten erzählte sie ihrer Tante von der Katastrophe des Morgens. Auch sie schien es kaum glauben zu können und unterstützte ihre Nichte. So etwas konnten sie nicht durchgehen lassen. Insgesamt besuchten die Beiden acht Läden und hatten einiges eingekauft was am Nachmittag abgeholt werden würde. Alles in allem ein gelungener Einkauf.

Ihre Tante machte sich auf den Weg zu einem Meeting und Aileen fuhr zurück zum Marbella. Sie überprüfte noch einmal die gereinigten Zimmer und gab diese für die Rezeption frei. Da ihr Onkel wohl mindestens zwei Wochen ausfallen würde hatte sie noch mehr Arbeit als ohnehin schon. Weihnachten stand bald vor der Tür, sie musste ein Hotel führen und sie sollte auch noch ihre Hochzeit planen…ein Kinderspiel!

Die Zeit war verflogen und beinahe hätte sie auf den Nachmittag mit Leana und den Jungs vergessen. Sie packte den Kalender ihres Onkels ein und machte sich auf den Weg in die Lobby. Von den Zwillingen war noch nichts zu sehen, aber Lea wartete bereits. Etwas nervös ging sie auf ihre beste Freundin zu. »Hey, ich hoffe du wartest noch nicht lange. Die Jungs müssten jeden Moment kommen.«

Lea lächelte. »Keine Sorge. Bin gerade erst von meinem Termin zurück.« Sie strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. »Wegen letztem Mal… es tut mir leid. Ich habe überreagiert und ich wollte dich damit auf keinen Fall verletzen. Ganz ehrlich…ich freue mich für euch. Du hast es verdient, dass die jemand liebt so wie Oliver!«

Aileen drückte ihre beste Freundin fest an sich. »Ich hab dich lieb! Und mir sollte es noch mehr leidtun. Ich hätte mich nicht so einschüchtern lassen sollen und dir alles sagen. Aber ich war feige und hab alles kaputt gemacht. Es war der Horror für mich es vor dir geheim halten zu müssen.« Tränen traten in ihre Augen.

Die Griechin erwiderte ihre Geste. »Wir beide haben uns in dieser Situation wohl falsch verhalten. Lassen wir das einfach hinter uns.« Aufmunternd lächelte sie die Blonde an. »Aber dafür will ich jetzt alles wissen was ich in den letzten drei Jahren verpasst habe. Keine Geheimnisse mehr!«

Die Collins war kurz davor sich in die Erzählung zu stürzen als die Jungs auftauchten. Helena musste sich wohl noch etwas gedulden und sich daran gewöhnen die Zwillinge nun öfter um sich zu haben. Schon stiegen sie in den Wagen und James fuhr los. Die Pantagiota saß auf dem Beifahrersitz und hatte somit die große Ehre den DJ zu geben. War von den Jungs nicht die beste Idee gewesen.

Zwei Stunden später kamen sie beim Haus an und die Zwillinge waren etwas erleichtert, dass das Live-Konzert nun ein Ende hatte. Die Mädchen hingegen hatten beste Laune. Aileen gab ihrer besten Freundin eine Führung durch das Haus während die Brüder in der Küche standen um zu kochen.

»Ihr habt es wirklich schön hier. Aber am besten finde ich immer noch, dass du dein eigenes Büro hast, wo du auch all deine Bücher untergebracht hast«, meinte die Pantagiota begeistert und stöberte durch die Regale bevor sie zum Schreibtisch weiterging. »Hast du noch die Zeit um zu schreiben, oder hast du damit aufgehört?«

Lee lehnte sich grinsend gegen den Türrahmen. »Tja, er hat sein Gaming-Zimmer und ich habe mir hier einen Rückzugsort geschaffen. Manchmal schreibe ich noch aber im Moment habe ich zu viel um die Ohren. Und wie sieht es bei dir aus?«

Helena zuckte leicht mit den Schultern. »Ich versuche mir immer ein Wochenende im Monat zu nehmen, wo ich schreibe. Manchmal funktioniert es und dann auch wieder nicht.« Schließlich wurde sie auf eine To-Do-Liste aufmerksam und sah ihre beste Freundin mit großen Augen an als sie den Titel las. »Aileen Katherine Collins! Du steckst mitten in deinen Hochzeitsvorbereitungen und sagst mir kein Wort davon?«

Verdammt, die Liste! »Das wollte ich noch, aber wir haben nicht miteinander geredet…«, meinte die Blonde unsicher.

»Wo ist der Ring? Wann ist es soweit? Bin ich überhaupt eingeladen?« Die Griechin war ganz aus dem Häuschen.

Aileen lachte erleichtert auf und präsentierte stolz ihren Ring. »Deine Einladung liegt im Hotel. Wir haben an den 30.Juni gedacht. Das war auch der Hochzeitstag meiner Großeltern. Oder denkst du es ist eine doofe Idee dieses Datum zu wählen?«

Leana lächelte. »Deine Oma würde sich bestimmt freuen. Ich finde es ist eine sehr schöne Idee.« Sie umarme ihre Freundin fest.

Die Mädchen gingen nach unten und genau in diesem Moment wurde ihnen auch das Essen von den Jungs serviert. Es sah fantastisch aus und roch auch dementsprechend. Da hatten sie sich wirklich Mühe gegeben. Nebenbei wurden die Drei von Helena ausgefragt und alle wichtigen Themen wurden von ihnen abgedeckt. Besonders die Hochzeit war ein wichtiger Gesprächsstoff.

Es wurde immer später und ging langsam auf Mitternacht zu. Daher wurde es für Leana Zeit ins Hotel zurück zu fahren. Zuerst wollte sie sich einen Wagen rufen, aber James bot ihr an sie zu fahren. Er hatte morgen früh einen Dreh und wollte ohnehin im Ho übernachten. Dankbar nahm sie sein Angebot an und sie fuhren los.

Die Collins räumte die Küche zusammen und lächelte glücklich. Das war ein gelungener Abend gewesen. Ihre beste Freundin wusste endlich über alles Bescheid und sie musste keine Geheimnisse mehr vor ihr haben. Es konnte nur noch besser werden.

Es war kurz nach ein Uhr morgens als sie endlich ins Bett kroch. Der Tag war lang gewesen, aber hatte einen super Ausklang gefunden. Oli schlief bereits tief und fest. Aileen stellte sich zur Sicherheit noch einen Wecker ehe sie sich an ihn kuschelte um noch ein paar Stunden zu schlafen.

Ein schrilles Klingeln riss sie aus ihrem Schlaf und mit geschlossenen Augen tastete sie nach ihrem Handy. Das Hotel rief an. »Was ist los?«, fragte sie verwirrt nach als sie aus dem Bett schlüpfte und das Zimmer verließ.

»Tut mir leid, dass ich dich um diese Zeit anrufe, aber ich weiß keinen anderen Weg«, ertönte die Stimme von Samantha. »Zahlreiche Gäste stehen hier und andere rufen an, da aus einem Zimmer lautes Geschrei kommt. Ich habe alles versucht, aber ich komme nicht rein und alle haben nach dir verlangt.« Die Verzweiflung war ihr anzuhören.

Seufzend fuhr sich Aileen durch die Haare und warf einen Blick auf die Uhr. Drei Uhr morgens… »Okay, versuch die Lage zu entschärfen. Ich bin unterwegs!«

Auf Zehenspitzen tapste sie ins Zimmer um ihre Sachen zu holen und ging nach unten. In der Küche mache sie sich einen Kaffee, welchen sie in ihren To-Go-Becher füllte. Ihrem Verlobten legte sie eine Nachricht auf den Tisch und fuhr los. Die Straßen waren wie leergefegt was gut war, denn so kam sie schnell voran.

In der Lobby sah es aus wie auf einer Pyjama-Party. Unzählige Gäste saßen herum und klammerten sich an ihre Tassen mit Tee und heißer Schokolade. Kaum erblickten sie die Teilinhaberin stürmten sie auf Aileen zu. Aus dem Stimmengewirr konnte sie keine genauen Informationen filtern. Entschuldigend bahnte sich Aileen einen Weg zu Samantha, welche dem Tränen nahe war.

»Ich hab alles versucht, aber die Beiden machen die Tür nicht auf und streiten immer noch!« Die Blonde tippte etwas auf dem Computer ein. »Die meisten Gäste haben bereits damit gedroht auszuchecken.«

Die Collins legte ihre Sachen ab und nahm sich ihre Schlüsselkarte. »Okay, erzähl mir wie alles angefangen hat.«

Samantha versuchte sich zu sammeln und wurde etwas ruhiger. »Im Grunde bekam ich einen Anruf von einem Gast, welcher mir von dem Lärm erzählt hat. Daraufhin habe ich ihn gefragt ob er mir sagen kann woher es kommt und er meinte, dass es im Stockwerk unter ihm sein müsste. Ich wollte mich dann sofort auf den Weg machen, aber dann hat ununterbrochen das Telefon geläutet und die Gäste kamen auch an die Rezeption.« Sie seufzte auf und schüttelte den Kopf. »Bevor ich angerufen habe war ich oben beim Zimmer, aber ich komme mit meiner Karte nicht rein und auf meine Aufforderungen hat niemand reagiert.«

Aileen strich ihrer Freundin beruhigend über den Rücken. »Schon gut. Du hast alles richtig gemacht. Ich werde mich darum kümmern.« Sie war einen Blick auf die wartenden Gäste. »Am besten du versammelst alle um dich, entschuldigst dich noch einmal im Namen des Marbella für die Unannehmlichkeiten und jeder Gast bekommt einen Gutschein für den Welnessbereich!«

Die Morris nickte leicht. »Okay, aber du solltest noch etwas wissen bevor du nach oben fährst.« Die Rezeptionistin kaute auf ihrer Lippe. »Das Zimmer gehört Brianna und Damian.«

Na großartig! Das fehlte ihr gerade noch. Mit dem Aufzug fuhr sie nach oben und kaum hatte sie die Tür geöffnet vernahm sie die lauten Stimmen. Was zum Teufel dachten sich die Beiden dabei? Mit energischen Schritten ging sie auf deren Zimmer zu und hämmerte mit der Faust gegen die Tür.

Keine Reaktion!

Die Collins startete einen neuen Versuch.  

Wieder nichts! Doch nun kam ihre Zimmerkarte zum Einsatz und mit einem Klicken verschaffte sie sich Zutritt.

Wie vom Blitz getroffen blieb sie stehen, denn es sah aus als hätte eine Bombe eingeschlagen. Überall lagen Klamotten verstreut und einige Möbel waren umgestürzt. Brianna und Damian standen einander gegenüber und brüllten sich an. Von Aileen hatten sie noch keine Notiz genommen.

»Habt ihr Zwei komplett den Verstand verloren?!«, schrie die Blonde und verschaffte sich somit deren Aufmerksamkeit. »Was zum Teufel ist hier los?«

Mit großen Augen sahen sie ihre Freundin an und kamen ins Hier und Jetzt zurück. Brianna sah sich im Zimmer um und schlug sich die Hände vor den Mund. Offenbar hatte sie nicht bemerkt welches Chaos sie veranstaltet hatten. Auch Damian schien geschockt zu sein doch er fand seine Stimme als Erster wieder.

»Aileen, es…es tut uns leid«, stammelte er vor sich hin. »Irgendwie ist unser Streit außer Kontrolle geraten. Ich…ich werde das Chaos sofort beseitigen und…und komme natürlich für jeden Schaden auf, der entstanden ist.«

Brianna sank auf ihre Knie und Tränen strömten wie Bäche über ihr Gesicht. »Das…einfach alles war ein riesen Fehler. Ich hätte mich nie darauf einlassen sollen.«

Wovon redete sie eigentlich?

Aileen war nicht in der Stimmung um Rätsel zu raten. »Was war hier los? Ich habe da unten eine wütende Meute, die ich beruhigen muss, weil ihr hier rumschreit. Also…ich erwarte eine Erklärung!« Wütend stemmte sie die Hände in die Hüfte.

Die Dunkelhaarige schluchzte vor sich hin und Damian raufte sich die Haare doch keiner von den Beiden wollte die Situation aufklären…Wenn sie es so haben wollten!

»Ihr verlasst auf der Stelle mein Hotel!« Mit zornfunkelnden Augen sah sie die Beiden an. »Bis auf weiteres habt ihr Buchungsverbot. In einer halben Stunde habt ihr das Marbella verlassen.« Ihr Blick und Tonfall ließ keine Widerrede zu. Aileen war tief enttäuscht von ihnen.

Die Lage an der Rezeption hatte sich aufgelöst und kurz überlegte die Blonde sich im Büro ihres Onkels noch kurz hinzulegen, aber für zwei Stunden war es wohl nicht mehr nötig. Sie holte zwei Tassen Kaffee und setzte sich zu Sam an die Rezeption. Lee übertrug die Termine von Charlie auf ihren Kalender und stellte somit fest, dass sie drei Termine verschieben musste.

Es dauerte nicht lange bis zu ihrem ersten Termin des Tages. Ein junges Brautpaar hatte sich entschieden ihre Feierlichkeit im Marbella auszurichten und Aileen würde beim Frühstück alles mit ihnen planen und besprechen. Darauf freute sie sich schon seit Monaten. Alice und Henry waren freundlich und aufgeschlossen. Bei einigen Entscheidungen fragten sie die Blonde nach ihrer Meinung und die Planung und das Menü waren schnell fertig gestellt. Nach dem Termin waren alle glücklich und zufrieden.

Durch die vielen Termine und Anrufe lief die Zeit an Aileen vorbei und ehe sie sich versah war es Nachmittag. Sie hatte noch nicht einmal die Zeit gefunden um etwas zu essen. Das wollte sie ändern indem sie sich etwas aufs Büro bestellte, aber genau in diesem Moment bekam sie Besuch von Ryan.

»Hey Aileen! Hast du einen Moment Zeit oder komme ich gerade ungelegen?«, meinte er lächelnd.

Mit hochgezogener Augenbraue legte die Blonde das Handy nieder. »Du stellst dich gerade zwischen mich und mein Essen also muss es wirklich wichtig sein«, meinte sie zwinkernd und er nahm ihr gegenüber Platz.

Er fuhr sich durch die Haare. »Meine Kollegin für heute Nachmittag und heute Abend haben gerade abgesagt und so kurzfristig bekomme ich keinen Ersatz.« Ryan seufzte und sah sie hilfesuchend an. »Du hast nicht zufällig zwei Leute frei, die du heute bei mir einteilen kannst, oder?«

Auch das noch. Im Moment hatten sie ohnehin zu wenige Leute. Trotz allem sah Aileen im Computer nach, doch es gab keine guten Nachrichten. Und es kam noch schlimmer, denn genau in diesem Moment bekam sie eine Nachricht, dass die Sängerin für heute Abend aus familiären Gründen absagen musste. Das war ja perfekt!

Aileen stützte den Kopf in die Hände. »Großartig! Es wird immer besser…« Schließlich sah sie wieder auf. »Du musst dich wohl mit mir zufrieden geben, aber vorher muss ich noch schnell etwas anderes klären.« Sie packte ihre Sachen zusammen und stand auf. »Ach ja…Lust auf Pizza? Ich wollte mir gerade etwas kommen lassen.«

Der Dunkelhaarige grinste breit. »Pizza geht immer! Ich mache in der Bar alles soweit fertig!«

Die Blonde bestellte das Essen und machte sich auf den Weg ins Penthouse, wo heute gedreht wurde. Ihr Verlobter war gerade im Einsatz, aber Jennifer hatte wohl gerade Pause und das kam Aileen gerade recht, denn sie brauchte ihre Hilfe. Jenn spielte ebenfalls in der Serie mit und war auch noch als Sängerin tätig.

»Hi Jennifer! Kann ich dich einen Moment stören?«

Die Blonde lächelte breit. »Aileen, schön dich zu sehen. Was kann ich für dich tun?«

Die Collins ließ sich neben sie fallen und seufzte auf. »Es ist echt kurzfristig, aber kannst du heute die musikalische Untermalung in der Bar übernehmen? Mein Act für heute hat mir eben abgesagt und wir haben doch damals schon geredet, dass du einmal auftreten möchtest. Aber wenn du nicht kannst ist es auch kein Problem.«                                      

Die Olsen sah sie mit großen Augen an. »Natürlich will ich. Auf jeden Fall. Wann muss ich da sein?«

Erleichtert klärte Lee mit Jennifer die letzten Details und machte sich auf den Weg in die Bar. Bereits am späten Nachmittag trafen die ersten Gäste ein und je später es wurde umso voller wurde der kleine Raum. Die Beiden hatten alle Hände voll zu tun. Von Stunde zu Stunde wurde es stressiger und Aileen versuchte den Überblick nicht zu verlieren. Jennifer schlug sich gut auf der Bühne.

»Ich hatte keine Ahnung wie flexibel du bist!«, kam es grinsend von Helena, welche sich mit den Zwillingen an die Bar setzte.

Aileen lächelte. »Tja, du hast auch noch nie einen meiner Spezialcocktails getrunken!« Den Jungs servierte sie ein Bier und ihrer besten Freundin zauberte sie ein fruchtiges Erlebnis. »Lasst es euch schmecken«, kam es noch von ihr als sie auch schon zu den nächsten Gästen wuselte.

An diesem Abend war viel los. Jennifer performte bis nach Mitternacht ehe sie über die Lautsprecher Musik laufen ließen. Ihre Freunde saßen immer noch an er Bar. Helena und James waren in ein Gespräch vertieft und Oliver half ihr dabei die Tische zu bedienen und abzuräumen. Aileen hatte alle Hände voll zu tun und kam kaum dazu sich mit ihren Freunden zu unterhalten. Aber sie hoffte, dass sich alles bald wieder legen würde, wenn Charles zurück kam. Auf Dauer würde sie diesen Stress nicht durchhalten.

Ryan nahm sie sich kurz zur Seite. »Okay, wir zwei brauchen einen Drink!« Er reichte ihr ein Glas und lehnte sich an die Anrichte. »Ich bin dir für deine Hilfe heute echt dankbar und deinem Verlobten natürlich auch!«

Lee lächelte und nahm einen Schluck. »Schon, okay.« Sie unterdrückte ein Gähnen. »Aber auf Dauer schaffe ich das nicht. Weitere schlaflose Nächte überstehe ich nicht.« Sie band sich die Haare zu einem hohen Pferdeschwanz zusammen und machte sich wieder an die Arbeit.

Der Abend dauerte für die Blonde bis vier Uhr morgens und völlig erschöpft schleppte sie sich mit Oliver nach oben auf ihr Zimmer, das sie sich für diesen Abend gebucht hatten. Er hatte Glück, da sein Dreh erst am Nachmittag stattfand und konnte somit ausschlafen, aber Aileen musste bereits um acht Uhr morgens im Büro auffindbar sein. Jede Sekunde Schlaf war für sie also kostbar.

Oliver schlief tief und fest als sie auf Zehenspitzen das Zimmer verließ und nach unten fuhr. Ihr Kopf dröhnte wie verrückt, aber als Teilinhaberin musste sie verfügbar sein und konnte nicht einfach einen Tag blau machen. Doch ohne Kaffee und Frühstück würde sie heute nichts zu Stande bringen.

Als sie ins Restaurant kam blieb sie einen Moment überrascht stehen, denn Helena und James saßen bereits zusammen an einem Tisch. Die Beiden schienen sich gut zu verstehen und sie wollte auf keinen Fall stören. Aus diesem Grund belegte sich die Collins am Buffet ihren Teller und machte sich auf den Weg ins Büro. Sie ging alle eingegangen Mails durch und machte sich schließlich an die Vorbereitung für die erste Telefonkonferenz.

So wie es aussah würde sie heute den ganzen Vormittag im Büro verbringen. Hervorragend! Für mehr war sie heute ohnehin nicht in der Lage. Aileen schrieb ihrer besten Freundin um den Termin für morgen zu bestätigen und schon ging der erste Anruf über ihren Laptop ein.

Der Vormittag zog sich ewig in die Länge und es kam Aileen vor als würde es heute kein Ende nehmen. Doch schließlich beendete sie den letzten Anruf und hatte keine Termine mehr für den Tag. Sie ging noch einmal alle Protokolle durch, welche sie aufgeschrieben hatte und sortierte sie durch. So waren die Informationen leichter zu finden.

Doch da keine weiteren Termine angesagt waren konnte sie nach Hause fahren und eine Mütze Schlaf nachholen. Wirklich verlockend! Aileen packte ihre Sachen zusammen und ging an die Rezeption um Samantha Bescheid zu geben. Zwar würde sie über ihr Handy erreichbar sein, aber dieses Mal würde sie nicht die Fahrt auf sich nehmen um ein kleines Problem zu lösen. Das musste der Rezeptionistin klar sein.

Gerade als sie sich auf den Weg machen wollte vernahm sie ein Rufen hinter sich und wandte sich danach um. Es war Ryan. Mit einem breiten Grinsen kam er auf sie zu. »Du warst gestern ganz ehrlich meine Rettung. Ohne dich und deinen Verlobten hätte ich gestern Nacht die Bar nicht öffnen können.« Er fuhr sich durch die Haare. »Als kleines Dankeschön würde ich dich gerne zum Essen einladen. Was sagst du?«

Aileen schüttelte lachend den Kopf. »Schon okay. Ich helfe gerne wo ich kann. Außerdem gehört es zu meinem Job.« Schmunzelnd legte sie den Kopf schief. »Aber ein Essen abzulehnen wäre unhöflich. Also lass uns gehen.«

Die Beiden hatten Glück und bekamen gerade noch den letzten freien Tisch im Restaurant. Ryan entschied sich für den Mozzarella-Nudel-Auflauf und Aileen bestellte sich den griechischen Salat mit Gebäck.

»Also Ryan«, meinte Aileen als sie einen Bissen nahm. »Wie sehen deine Pläne für Weihnachten aus? Triffst du dich mit deiner Familie?«

Ryan schüttelte leicht den Kopf. »Meine Eltern haben eine Reise nach Barcelona gebucht und fahren über die Feiertage weg. Meine kleine Schwester ist alles andere als begeistert, denn wir haben uns seit Monaten nicht mehr gesehen, aber unsere Eltern interessiert das kaum.«

Aileen hatte keine Ahnung was bei ihm zuhause los war. Das musste schwer für ihn sein, dass er seine Familie so selten sah und ihm nun auch noch die Feiertage mit ihnen genommen wurde. »Es tut mir leid. Ich wollte kein empfindliches Thema ansprechen.«

»Schon okay. Du konntest es nicht wissen!« Er versuchte sich an einem schwachen Lächeln. »Ich bin es langsam gewohnt alleine zu sein. Mach dir keinen Kopf.«

Das klang fürchterlich traurig und einsam. So etwas hatte niemand verdient und schon gar nicht Ryan. Jedoch änderten sie das Thema und es war ein angenehmes Essen. Auch wenn es von ihm nicht nötig gewesen wäre sie einzuladen.

»Danke für das Essen und die vielen Lacher!«, meinte sie grinsend und umarmte ihn zum Abschied.

Ryan erwiderte die Geste. »Ich habe dir zu danken. Schönen freien Nachmittag und lass es dir gut gehen!«

Lee sah ihm noch kurz nach bevor sie sich auf den Weg nach Hause machte. Sie freute sich auf eine heiße Dusche und ihr Bett. Wenigstens für ein paar Stunden. Wenn Oliver nach Hause kam würde sie hoffentlich einige Stunden geschlafen haben damit sie noch etwas Zeit zusammen hatten.

Die Collins fühlte sich wie nach einem langen Urlaub als sie wach wurde. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihr, dass sie noch dreißig Minuten Zeit hatte bis ihr Verlobter nach Hause kam. In ihren dicken Kuschelsocken tapste sie nach unten in die Küche um zu kochen Sie hatte das Radio laufen und sang lautstark mit. Aileen lieferte eine kleine Performance ab und fühle sich an die Abende zurückversetzt, welche sie mit Leana und Karaoke verbracht hatte.

»Hier riecht es fantastisch!«, kam es grinsend von Oliver als er in die Küche kam. Er schlang von hinten seine Arme um sie und drückte ihr einen Kuss in den Nacken.

Aileen lächelte breit. »Na hoffentlich schmeckt es auch. Wie lief der Dreh?«

Der Phelps holte eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank und deckte den Tisch. »Eigentlich ganz gut. Und wie war dein Tag?«

Sie erzählte ihm von dem Gespräch mit Ryan und sie waren beide der Meinung, dass niemand ein solches Schicksal verdient hatte. Familie war das Wichtigste und besonders zu den Feiertagen sollte man seine Liebsten um sich haben.

»James scheint Gefallen an deiner besten Freundin gefunden zu haben!«, kam es zwinkernd von ihrem Verlobten. »Gestern haben sie sich wohl gut unterhalten und jetzt ist für ihn nur noch Leana wichtig!«

Ach so war das also. Grinsend richtete die Blonde das Essen an und setzte sich an den Tisch. »Ich würde mich für die Beiden freuen. Lea und James haben beide jemanden verdient und wenn sie einander gut tun unterstützte ich das.«

Den restlichen Abend kümmerten sich die Beiden um einige Dinge, welche die Hochzeit betrafen und ließen den Abend schließlich mit einer Flasche Wein und einem Film ausklingen.

An diesem Morgen wurde Aileen von ihrem Freund mit Frühstück am Bett geweckt und das war schon lange nicht mehr vorgekommen. Also hatte er entweder ein schlechtes Gewissen oder war sein Stunden wach. Meistens, wenn er ein anspruchsvolles Skript bekam war er die ganze Nacht wach und arbeitete daran wie ein Verrückter. Er war ebenso ein Perfektionist wie sie einer war.

»Guten Morgen«, meinte sie verschlafen und rieb sich über die Augen. »Womit habe ich denn das verdient?« Dankbar umklammerte sie die Kaffeetasse mit beiden Händen.

Oliver schlüpfte neben seiner Verlobten und die Decke und nahm sich einen Schluck von seinem Orangensaft. »Ich dachte mir du könntest eine Stärkung gebrauchen nachdem du mit Leana heute durch die Läden shoppen willst.« Ein breites Grinsen zierte seine Lippen.

Ganz unrecht hatte er damit nicht. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin hatte Lee heute einiges vor und es würde bestimmt ein langer Tag werden. Auch wenn sie mit Sicherheit einige Boxenstopps in Cafés einlegen würden. Es war eine liebe Geste von  Oliver. Die Blonde gab ihm einen Kuss bevor sie nach einem Brötchen griff, dieses belegte und herzhaft einen Bissen nahm.

»Gibt es schon einen Schlachtplan für heute?«, fragte der Phelps nach während sie sich fertig machten.

Aileen zog gerade ihren Lidstrich und prustete los. »Das klingt als wären wir auf einem Mordtrip. Wir gehen shoppen. Keine Ahnung was ihr Männer euch dabei ausmalt.« Sie band sich ihre zu einem Dutt. »Keinen konkreten Plan. Wir fahren in die Stadt und dann ergibt sich das von selbst…schätze ich!«

Oliver verdrehte grinsend die Augen. »Ich habe nur gefragt, da ich davon ausgegangen bin, dass du auch diesen Tag auf einer To-Do-Liste aufgeteilt hast.« Er gab ihr einen Kuss. »Ich kenne dich schon lange genug. Vergiss das nicht!«

Auch damit traf er wieder ins Schwarze. Bei Aileen war immer alles genau geplant. Für alles gab es eine Liste und meistens auch einen Zeitplan. Aber so funktionierte alles am besten für sie und Lee hatte nicht das Gefühl die Kontrolle zu verlieren.

Dieses Mal übernahm Oliver den Fahrdienst nach London, denn Aileen und Leana würden bestimmt etwas trinken. Danach würde die Collins nicht mehr fahren also war das die beste und einfachste Lösung. Außerdem hatte ihr Verlobter bis am späten Abend einen Dreh also konnte sie sich viel Zeit nehmen.

Helena wartete bereits in der Lobby  und umarmte ihre beste Freundin. Die Mädchen machten sich sogleich auf den Weg zur U-Bahn Station um ins Zentrum zu fahren und holten sich bei der kleinen Bäckerei um die Ecke einen Becher mit Heißer Schokolade.

Die Beiden drängten sich schließlich in die U-Bahn und Lea seufzte auf. »Also gut. Haben wir einen Plan oder gehen wir einfach darauf los?«

Aileen zuckte grinsend mi den Schultern. »Also ich habe nur die Leute aufgeschrieben für dich ich was besorgen muss. Doch da ich keine konkreten Vorstellungen habe was die Geschenke betrifft ist es bei mir nicht tragisch.« Sie nippte an ihrem Becher. »Wie sieht es bei dir aus?«

Da es der Griechin nicht viel anders ging besuchten sie zuerst die Oxford Street. Von hier aus gab es noch weitere Möglichkeiten, wenn sie nicht fündig werden sollten. Die Straße war voll mit Leuten, welche hektisch mit ihren Einkäufen durch die Gegend liefen.

»Nun gut. Ich hätte da vielleicht den perfekten ersten Stopp für uns!«, kam es zwinkernd von Aileen. »Was hältst du von einem Abstecher im Disney Store?«

Sofort begannen Leanas Augen zu leichten und die Mädchen machten sich auf den Weg. Die Schaufenster, an denen sie vorbei kamen, waren alle festlich geschmückt und so kam man gleich in Weihnachtsstimmung. An den kleinen Imbissständen roch es köstlich nach Keksen, Maroni, Zimt und gebratenen Äpfeln.

Als gäbe es keine andere Möglichkeit waren natürlich beide fündig geworden und verließen stolz mit ihrer ersten Tüte den Laden. Sie schlenderten die Straße entlang und betraten einige Läden, welche sie bereits vom Namen her kannten oder die einladend auf sie wirkten. Es dauerte nicht lange bis die Einkaufstaschen mehr wurden, aber auch einige Geschenke hatten sich darunter bereits gefunden. Daher beschlossen die Freundinnen eine Pause einzulegen um etwas zu essen.

Leana bestellte sich einen Fisch mit Kartoffeln und Gemüse doch Aileen entschied sich für einen Burger mit Pommes. Dazu genossen die Beiden ein Glas Wein.

Die Griechin strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. »Ich habe heute Morgen deine Tante gesehen als ich auf dich gewartet habe. Sie schien mir ziemlich gestresst zu sein. Alles okay bei ihr?«

Die Collins biss sich leicht auf die Unterlippe. »Vanessa plant gerade diese Sache und will, dass alles perfekt ist. Eigentlich darf ich noch niemandem sagen was los ist, aber ich denke dich darf ich einweihen.« Aileen nahm einen Schluck von ihrem Glas. »Am 24.Dezember wird es im Hotel einen Ball geben. Aber sie will es erst bekannt geben also tu dann einfach überrascht!«

»Wow, das ist eine coole Idee.« Helena war begeistert bis ihr eine Sache klar wurde. »Ich habe nichts eingepackt was man auf einen Ball anziehen könnte. Wir müssen ein Kleid finden und Schuhe. Außerdem eine Tasche und passenden Schmuck.«

Aileen lachte leicht auf. »Alles klar. Nach dem Essen gehen wir auf Mission. Keine Sorge! Wir finden alles was du brauchst. Besser gesagt was wir brauchen!«

Nach einem weiteren Glas und ihrem Essen machten sich die Zwei auf den Weg um sich Ballkleider und alle Accessoires zu besorgen. In den ersten drei Läden hatten sie kein Glück, aber schließlich machten sie einen Goldgriff. Es war ein kleiner, gemütlicher Laden und lag in einer Seitenstraße. Er hatte alles was man für einen magischen Abend brauchte. Die Mädchen waren im Moment die einzigen Besucher.

Die Verkäuferin war in ihrem Alter und freundlich. Sie bat sofort ihre Hilfe an und fing an die Freundinnen zu beraten. Sie fragte nach ihren Vorstellungen und Lieblingsfarben bevor sie jede in eine Kabine schickte um ihnen die Kleider zu bringen. Für den Anfang bekam jede drei Kleider, welche sie anprobieren sollte.

Das erste Kleid war bei beiden ein Reinfall und auch die zwei Anderen sahen nicht unbedingt besser aus. Jedoch ließen sich die Mädchen überreden, dass Lola ein Kleid für sie aussuchen würde, welches ihrer Meinung nach zu ihnen passen würde. Wenn das wieder ein Reinfall werden würde machten sie sich selbst auf die Suche. Doch Lola traf die perfekte Entscheidung! Zuerst war sich Aileen unsicher – besonders wegen der Farbe, aber es sah gut aus. Auch Helena war begeistert.

Zwei Stunden später verließen sie völlig ausgestattet den kleinen Laden und machten sich auf den Weg zur U-Bahn um zum Marbella zurück zu fahren. Es war bereits später Nachmittag und sie hatten alles besorgt was sie sich vorgenommen hatten. Bepackt mit ihren Tüten standen sie in dem überfüllten Wagon und konnten es kaum erwarten aussteigen zu können.

»Danke für den heutigen Tag, Das habe ich gebraucht«, meinte Leana als sie in der Lobby ankamen. »Ich freue mich jetzt schon auf unseren Nachmittag!« Sie lächelte breit.

Aileen stellte ihre Tüten ab. »Ich freue mich, dass wir das durchgezogen haben. So eine Auszeit schadet nie.« Grinsend schüttelte sie den Kopf. »Ich glaube ich habe es mit dem Shoppen etwas übertrieben, aber das war es wert.«

Auch die Griechin hatte mehr besorgt als der Plan gewesen war. »Tja, soll auch manchmal vorkommen, dass es etwas eskaliert.« Kurz sah sie sich in der Lobby um. »Holt dich Oliver ab oder willst du noch mit hoch kommen?«

»Schon okay. Ich muss noch Onkel Charlie anrufen und warte im Büro dann auf Oli.« Lee wackelte mit den Augenbrauen. »Außerdem musst du dich für dein Essen mit James fertig machen, oder?« Ihr Schwager hatte ihr davon erzählt und sie freute sich für die Beiden.

Helenas Wangen verfärbten sich. »Ahm…er hat es dir erzählt? Naja, er hat ich gefragt und ich wollte nicht unhöflich sein und ablehnen.«

Aileen umarmte ihre beste Freundin und wünschte ihr noch viel Spaß bevor sie sich auf den Weg machte. Lea sah ich grinsend nach bevor sie mit dem Aufzug nach oben fuhr. Im Zimmer angelangt schälte sie sich aus ihrem Mantel und den Stiefeln. Ein Teil der Einkäufe räumte sie in den Kleiderschrank und den Rest packte sie in ihren Koffer.

Danach sprang Leana unter die Dusche. Das warme Wasser entspannte ihre Muskeln und für einen kurzen Moment konnte sie abschalten. Sie wickelte sich in ein großes Badetuch und frischte ihr Make-up auf bevor sie sich anzog. Sie war viel zu früh fertig, aber sie war zu nervös gewesen um sich mehr Zeit zu lassen. Außerdem wusste sie nicht genau was James eigentlich vor hatte. Das musste sie wohl auf sich zukommen lassen.

Es kam ihr vor wie eine Ewigkeit als es endlich an die Tür klopfte. Nervös strich sie noch einmal über ihr Outfit ehe sie öffnete. James strahlte sie breit an und die Griechin musste zugeben, dass er verdammt gut aussah in dem grauen Mantel, den er trug. Also würden sie nicht im Hotel bleiben.

»Hey!«, kam es lächelnd von James.

Lea erwiderte sein Lächeln. »Hi. Gibst du mir noch zwei Minuten? Ich wusste nicht, dass wir außerhalb essen.« Hastig schlüpfte sie in ihre Stiefel und den Mantel.

»Lass dir Zeit. Ich hätte auch daran denken können dir was zu sagen.« Er lehnte sich lässig gegen den Türrahmen während er auf sie wartete. »Wie war eure Tour heute? Oli hatte die Befürchtung er müsse Lee mit einem Kleinbus abholen!«

Die Pantagiota lachte auf als sie nach ihrer Tasche griff. »Wir waren erfolgreich, danke der Nachfrage. Obwohl wir uns noch zurückgehalten haben.« Die Beiden machten sich auf den Weg zum Aufzug. »Also, wohin entführst du mich?«

Frech zwinkerte er ihr zu. »Wenn ich dir das sagen würde wäre es keine Entführung oder?«

Ein Wagen wartete bereits vor dem Hotel und es gab sogar Champagner. Während der Fahrt kamen sie auf verschiedenste Dinge zu sprechen und dabei auch über ihre Kindheit, das Leben am Harry Potter Set und warum Helena nach Griechenland zurück gezogen war. Ihre Nervosität war verflogen und sie freute sich auf den Abend auch wenn sie immer noch nicht wusste wo es hinging und was er vor hatte.

Schließlich hielten sie vor einem indischen Restaurant. Es war eher klein gehalten, aber verströmte eine gemütliche Atmosphäre. Auch wenn sie es vorerst nicht vermutet hatte war kaum noch ein Platz frei, doch James schien reserviert zu haben. Er nannte der Angestellten seinen Namen und schon wurden sie zu ihrem Platz gebracht.

»Das ist der beste Inder der Stadt. Ohne Reservierung hast du kaum die Chance auf einen Platz«, kam es von dem Phelps.

Es war auf jeden Fall einmal etwas Neues. »Gut, dann lasse ich dich als den Experten bestellen. Ich war zuvor noch nie indisch essen!«

Mit Freuden nahm er sich dieser Aufgabe an. Die ganze Zeit während sie im Restaurant saßen wurde es kein einziges Mal unangenehm zwischen ihnen. Die Beiden hatten immer ein Gesprächsthema und Helena fühlte sich wohl in seiner Nähe. Auch das Essen war ausgezeichnet, aber eindeutig zu viel.

»Okay, ich habe das Gefühl als würde ich jeden Moment platzen«, seufzte die Griechin als sie nach draußen gingen.

James nickte und stimmte ihr zu. »Wir könnten im Park noch eine Runde drehen, wenn du willst. Bis dahin müsste auch der Fahrer hier sein.«

Der Park war nicht groß, aber trotzdem tat es gut sich die Beine zu vertreten. Es waren einige Leute unterwegs, aber keiner nahm Notiz von ihnen. Man könnte fast meinen, dass sich Helena in einem Märchen befand als es anfing zu schneien. Das Bild, welches sich ihr bot, erinnerte sie an all die kitschigen Weihnachtsfilme auf Netflix, aber im Moment würde sie nichts daran ändern wollen. Sie warf einen Seitenblick auf James, welcher sie beobachtete.

Alles lief auf einmal wie in Zeitlupe. Sie wandte sich dem Phelps zu, welcher ihr eine lose Haarsträhne hinters Ohr strich bevor seine Hand auf ihrer Wange verweilte. Langsam beugte er sich zu ich hinab und Lea schloss erwartungsvoll die Augen.

Doch ein plötzliches Rufen ließ die Beiden auseinanderfahren. Es war ihr Fahrer. »Mr.Phelps! Wir können fahren, wenn sie soweit sind!«

Nach den Ereignissen des letzten Abends hatte sie kaum ein Auge zugemacht. Der Moment im Park war magisch gewesen und sie war sich sicher, dass es bestimmt zu einem Kuss gekommen wäre. Die Erkenntnis machte sie nur noch nervöser als Leana es ohnehin schon war. Da kam es ihr gerade recht, dass sie heute einen straffen Zeitplan hatte, denn so konnte sie auch James aus dem Weg gehen.

Da die Griechin noch genügend Zeit zur Verfügung hatte sprang sie unter die Dusche. Ihre Haare flocht sie sich zu einem seitlichen Zopf und ihrem Make-up verlieh sie einen leichten Glamour-Look bevor sie in ihr Outfit schlüpfte. Im Spiegel prüfte sie noch ein letztes Mal ihr Aussehen bevor Leana ihre Tasche packte. Einige Unterlagen waren zum Austauschen und sie ging ihren heutigen Tagesablauf durch bevor sie auf eine Nachricht von Aileen antwortete.

Am liebsten hätte sich die Dunkelhaarige sofort mit ihrer besten Freundin getroffen um über den Abend zu reden, aber auf der anderen Seite war sie sich nicht sicher, wie Lee bei der Sache reagieren würde. Immerhin ging es dabei um ihren Schwager. Aus diesem Grund beschloss Helena vorerst kein Wort darüber zu verlieren und machte sich auf den Weg zu ihrem ersten Termin.

Aileen schrieb ihrer besten Freundin während sie sich auf den Weg ins Büro ihrer Tante machte. Heute war sie sozusagen Vanessa zugeteilt was bedeutete, dass sie an den Vorbereitungen für den Ball arbeiten würden. Die Collins freute sich schon darauf und konnte es kaum erwarten mehr Informationen zu bekommen. Auch wenn sie sich sicher war, dass Vanessa aus den meisten Dingen ein Geheimnis machen würde.

»Morgen!«, meinte die Blonde gut gelaunt als sie das Büro betrat. »Wie sieht unser Tag heute aus?«

Vanessa zog fragend eine Augenbraue nach oben. »Guten Morgen! Was hast du denn gefrühstückt?« Sie schloss ihre Mappe und stand auf. »Solch gute Laune um diese Uhrzeit ist ungewöhnlich für dich.«

Aileen umarmte ihre Tante zur Begrüßung und zuckte leicht mit den Schultern. »Ich bin nur froh, dass ich dir einmal helfen kann. Also was hast du für mich zu tun?«

Gemeinsam gingen die Beiden in den Veranstaltungssaal und Lee staunte nicht schlecht als sie die Dekoration sah. Bisher hatte sich ihre Tante wirklich ins Zeug gelegt. Unzählige Schneeflocken hingen von der Decke in verschiedensten Größen und Formen. Es sah auf wie ein kleines Winter Wonderland. Am Ende des Raumes befand sich die Bühne mit einer Tanzfläche und danach waren überall runde Tische und Sesseln aufgestellt.

»Also, was denkst du?«

Die Collins sah ihre Tante mit großen Augen an. »Das sieht magisch aus! Wie kann ich dir dabei helfen?«

Erleichtert atmete die Eventmanagerin aus und fuhr sich durch die Haare. »Ich muss noch einige Telefonate führen um alles zu organisieren. Doch du könntest anfangen die Tische zu dekorieren.« Sie deutete auf die Bühne. »Alles was du brauchst ist in jeweils einem Karton. Also pro Tisch hast du eine Schachtel. Sobald ich fertig bin komme ich um dir zu helfen.«

Die Blonde machte sich sofort an die Arbeit um Vanessa so gut es möglich war unter die Arme zu greifen. Es war erstaunlich was sie bereits alles auf die Beine gestellt hatte. Lee schnappte sich die erste Schachtel und wandte sich einem Tisch in ihrer Nähe zu. Es gab ein Tischtusch und passende Überzieher für die Sessel, welche sie als erste anbrachte bevor sie mit der richtigen Dekoration begann. Alles war farblich abgestimmt und sie hoffte, dass sie den Vorstellungen gerecht wurde. Doch allzu viel konnte man mit den vorgegebenen Gegenständen nicht falsch machen.

Um die Stille zu verbannen holte sie ihre Kopfhörer aus der hinteren Hosentasche und steckte diese an ihm Handy an. Mit Musik ging ihr einfach alles besser von der Hand. Um in passende Stimmung zu kommen stellte sie eine Weihnachtsplayliste ein und machte sich weiter an die Arbeit. Besonders das neue Weihnachtsalbum von Lea Michele hatte es ihr angetan und während sie von Tisch zu Tisch ging hörte sie durch die Songs und bemerkte nicht, dass sie lautstark mitsang.

»It's the most wonderful time of the year. With the kids jingle belling and everyone telling you be of good cheer. It's the most wonderful time of the year«, sang sie lautstark vor sich hin und drehte sich einmal im Kreis. Erst dann fiel ihr auf, dass sie nicht mehr alleine war und ihre Tante zurück gekommen war.

Vanessa grinste breit und schnappte sich ebenfalls eine Kiste. »Lass dich von mir nicht aufhalten. Du weißt, dass ich es liebe, wenn du singst.«

Schmunzelnd packte Aileen die Kopfhörer weg. »Das überlassen wir mal lieber den Profis.« Sie holte sich eine weitere Kiste. »Lief bei deinen Anrufen alles gut?«, fragte sie nach, aber das Gesicht ihrer Tante sprach Bände.

Kopfschüttelnd seufzte diese auf. »Nicht unbedingt. Ich meine die wichtigsten Dinge sind ohnehin abgewickelt, aber ich wollte nur noch die Bestätigungen einholen.« Sie überzog den Tisch mit der Decke. »Doch nun hat einer der musikalischen Gäste abgesagt, da sie einen anderen Auftritt bekommen haben und dieser wird wohl besser bezahlt. Nun fehlt uns ein Act, denn die anderen Bands wollen und können kein längeres Set spielen, was ich auch irgendwie verstehe.« Sie sah ihre Nichte frustriert an. »Das bedeutet ich muss noch kurzfristig einen Act finden oder wir müssen Songs über die Anlage abspielen…«

Aileen konnte die Frustration verstehen, denn immerhin saß sie nun schon so lange an dem Ball und nun kam so eine Nachricht. Auf die Schnelle würde wohl niemand Zeit haben, denn immerhin war Weihnachten und diese Zeit wollte jeder mit seiner Familie verbringen, aber vielleicht gab es doch einen Ausweg?

»Ahm, ich weiß, dass du alles genau geplant hast und es dir vielleicht nicht unbedingt hilft, aber ich könnte mit Jennifer und Damian reden. Wir können vielleicht ein Set zusammen stellen und auftreten, wenn du möchtest?«, fragte sie vorsichtig nach. Immerhin wollte sie sich weder aufdrängen noch alles über den Haufen werden.

Sofort hellte sich die Miene der Collins auf. »Das würdest du machen? Ich meine du solltest den Ball doch genießen und ihn nicht als Arbeit sehen. Das war nicht so geplant.«

Lee lächelte. »Mach dir darüber mal keine Gedanken. Ich rede mit den Beiden und sage dir heute Abend Bescheid. Ich habe dir doch angeboten zu helfen und wenn das mein größter Beitrag ist, dann mache ich das gerne.«

Der restliche Vormittag war an den Beiden vorbeigezogen und Aileen wurde kurzfristig von Leana zum Mittagessen eingeladen was sie sich natürlich nicht entgehen lassen wollte. Außerdem brannte sie darauf zu erfahren wie das Date gelaufen war. James hatte sich diesen Morgen vor ihr gedrückt und sie hatte ihn nicht ausfragen können. Also war es entweder eine Katastrophe gewesen oder war besser gelaufen als sie gedacht hatten.

Lea saß bereits an einem Tisch als Aileen ins Restaurant kam und sie sah mehr nervös aus als sie sollte. Fragend nahm sie gegenüber ihrer Freundin Platz und zog eine Augenbraue nach oben. Das sah ihr nun nicht unbedingt ähnlich. Bevor sie überhaupt nur ein Wort sagen konnte schoss Helena auch schon los.

»Gestern war eine Katastrophe. Denke ich zumindest. Oder auch nicht, denn eigentlich war es ein schöner Abend und dann nicht mehr.« Helena sah hilfesuchend zu ihrer besten Freundin. »Hat er zu dir was gesagt? Ich gehe ihm schon den ganzen Tag aus dem Weg.« Sie brauchte Antworten…

Die Britin war mehr verwirrt als das sie sich auskannte was eigentlich gerade los war. Aber anscheinend war es nicht so gelaufen, wie sich die Griechin den Abend vorgestellt hatte. Sie legte Leana beruhigend eine Hand auf den Arm. »Okay, hol mal tief Luft und dann erzähl mir in Ruhe was passiert ist.«

Die Griechin nahm einen Schluck von ihrem Wasser und sammelt sich ehe sie sich in die Schilderungen des Abends stürzte. Im Grunde hatte der Abend super angefangen und war gut gelaufen bis sie sich noch die Beine vertreten hatten und im Park waren. Ab da weg wurde alles seltsam und komisch zwischen ihnen. Denn nach dem Zwischenruf des Fahrers waren sie in den Wagen gestiegen und hatten bis zum Hotel geschwiegen. Selbst ihre Verabschiedung war steif gewesen und nun wusste die Dunkelhaarige nicht wo sie stand und was sie eigentlich machen sollte.

Aileen hatte ihr aufmerksam zugehört und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen als der „Beinahe-Kuss“ erwähnt wurde. Doch warum sich James danach so komisch verhalten hatte konnte sie auch nicht genau sagen. »Also nachdem was du mir erzählt hast war der Abend doch ein voller Erfolg bis auf den Abschluss. Ich vermute ihr wart beide unsicher und wusstet nicht ob der Schritt richtig oder falsch gewesen war.« Sie bestellte sich ihr Essen bevor sie sich wieder auf ihre Freundin konzentrierte. »Mach dir darüber nicht zu viele Gedanken. Ich bin mir sicher, dass auch James sich den Kopf darüber zerbricht und das mit dir klären will. Das wird sich schon klären.« Aufmunternd lächelte sie der Dunkelhaarigen zu. »Dein Kuss kommt vielleicht schneller als du denkst.«

Zuerst hatte Leana befürchtet es würde komisch werden mit Lee darüber zu reden, aber nun wo sie es getan hatte war sie froh, dass sie sich dazu entschieden hatte. Ihr wurde etwas leichter. Vielleicht machte sie sich wirklich zu viele Gedanken und alles würde sich klären, auch wenn sie das Gefühl hatte ihm trotzdem aus dem Weg gehen zu müssen…

Die Pantagiota hatte leider nicht so viel Zeit wie sie gerne hätte, denn schon hastete sie weiter zu ihrem nächsten Termin und die Blonde machte sich auf den Weg nach der Filmcrew, denn sie brauchte dringend Jennifer und Damian um mit ihnen zu reden so wie sie es ihrer Tante versprochen hatte.

Sie besorgte noch drei Becher Kaffee ehe sie sich auf den Weg ins Penthouse machte. Heute fand der Dreh erneut dort statt und es herrschte reges Treiben. Anmerkungen wurden durch den Raum gerufen und Stylisten liefen mit ihren Pinseln hinter den Schauspielern her. Von ihr nahm kaum jemand Notiz außer dem Regisseur, welcher sie freundlich grüßte. Anscheinend interessierte es ihn nicht was sie hier zu suchen hatte. Vermutlich dachte er sie würde nach ihrem Verlobten suchen.

Damian und Jennifer saßen beide etwas abseits und gingen ein Skript durch. Im Moment waren sie nicht mit drehen beschäftigt was für sie gut war.

»Hey Leute. Ich hoffe ich störe euch nicht!«, meinte sie freundlich und gesellte sich zu ihnen.

Beide sahen lächelnd auf und schüttelten den Kopf. »Nein, bitte setzt dich. Was gibt’s?«, meinte Jennifer und legte ihr Skript beiseite.

Aileen reichte ihnen jeweils einen Becher und setzte sich auf einen der Barhocker. »Tut mir leid, dass ich euch hier so überfalle, aber ich müsste euch um einen Gefallen bitten.« Etwas unsicher sah sie Jenn und Damian an. »Meine Tante plant einen großen Weihnachtsball und bräuchte zusätzlich noch einen Act, der auftritt. Und ich habe gedacht, dass wir uns vielleicht zusammen tun könnten um zu performen. Die Zusage meiner Tan hätten wir.«

Damian sah sie mit großen Augen an. »Wow, das ist eine große Ehre. Immerhin sind wir keine Profis. Ist sich Vanessa dabei auch sicher?«

Auch Jennifer war überrascht, aber fühlte sich gleichzeitig geehrt.

Die Blonde nickte. »Sie würde sich freuen. Ich habe vorhin mit ihr geredet. Sie braucht nur noch unsere Zusage und dann steht das. Nur wenn ihr Lust und Laune habt und es euren Dreh nicht beeinflusst, natürlich.«

Sofort waren die Beiden einverstanden und erleichtert seufzte die Collins auf. Ein weiterer Punkt auf ihrer Liste, der erledigt war. Sie freute sich darauf mit den Beiden zusammen zu arbeiten und performen zu dürfen. Das würde bestimmt Spaß machen und war eine neue Erfahrung. Da keiner von ihnen am nächsten Tag einen Dreh hatte beschlossen sie sich am Vormittag in der Bar zu treffen um sich einen Plan und eine Setliste zu überlegen und dann zu proben. Das würde toll werden. Aileen war sich sicher. Den restlichen Tag über versuchte sie im Hotel alles abzuwickeln was zu tun war und konnte es kaum erwarten endlich nach Hause fahren zu können.

Helena hatte einen anstrengenden Tag hinter sich und ihre Füße schmerzten als sie gegen Abend endlich in der Lobby ankam. Samantha winkt ihr von der Rezeption aus zu und sie erwiderte die Geste ehe sie auf den Aufzug wartete. Nach einer kurzen Dusche würde sie heute einfach nur noch ins Bett fallen – so viel stand fest. In Gedanken war sie bereits bei ihrem weichen Kissen als sich die Türen des Aufzuges öffneten und ihr James gegenüberstand.

Sofort war sie in Alarmbereitschaft und überlegte umzudrehen und einfach wegzugehen, aber das wäre zu offensichtlich gewesen. Außerdem kam er nach unten und sie wollte nach oben.

»Hey!«, meinte sie schließlich und lächelte leicht.

Er schien ebenfalls überrascht zu sein sie zu sehen, aber erwiderte das Lächeln. »Leana, ich war auf der Suche nach dir. Also ich war eben bei deinem Zimmer um mit dir zu reden.«

Oh nein! Sie stieg zu ihm in den Fahrstuhl und spielte nervös mit dem Ring an ihrem Finger während er den Knopf für ihr Stockwerk drückte und sie sich nach oben in Bewegung setzten.

»Wegen gestern…also der Abend hat anderes geendet als ich es erwartet hatte«, meinte er schließlich und sah sie an.

Die Dunkelhaarige nickte leicht. »Ja, da ging es uns beiden wohl gleich.«

Er war wohl etwas unsicher, denn er wusste nicht so recht was er sagen sollte. »Tut mir leid, dass ich mich danach so komisch verhalten habe. Aber ich wusste nicht recht was ich tun sollte. Das alles war seltsam und ich wollte nichts falsch machen.«

Sie konnte ihn verstehen, aber dennoch hatte sie sich ein anderes Ende gewünscht. »Schon okay. Es war trotzdem ein schöner Abend.« Sie lächelte. Dieses Mal aufrichtig.

James lächelte ebenfalls. »Das nächste Mal sollten wir wohl mit der U-Bahn fahren da kann uns das nicht mehr passieren.«

Alleine diese Vorstellung war zum Brüllen.

Kichernd biss sie sich auf die Unterlippe und bemerkte plötzlich den Mistelzweig, welcher von der Decke des Aufzugs baumelte. Wer kam denn auf diese bescheuerte Idee? Steckte etwa ihre beste Freundin dahinter? Es wäre ihr zu zutrauen.

Auch James wurde nun darauf aufmerksam und grinste leicht. »Ein Mistelzweig.«

Ohne groß nachzudenken meinte Lea: »Er ist vermutlich voller Nageln.«

Beide lachten auf ehe sich ihre Lippen endlich berührten.

Nach den Ereignissen des letzten Abends hatte sie lange gebraucht um endlich einschlafen zu können, denn das Kribbeln und Dauergrinsen wollte Leana einfach nicht los lassen. Ihr Tag hatte definitiv ein überraschendes Ende genommen, aber sie wollte sich nicht darüber beschweren. James und sie hatten sich im Aufzug geküsst. Endlich sozusagen! Das hatte ihr wenigstens gezeigt, dass auch offenbar bei ihm Gefühle vorhanden waren welche die ihren erwiderten, aber darüber geredet hatten sie eigentlich nicht. Dafür hatten sie noch Nummern ausgetauscht als er sie zur Tür gebracht hatte und waren nun zum Frühstück verabredet.

Sie musste das alles erst verarbeiten bevor sie Aileen alles erzählen konnte also würde sie den Vormittag mit ihm auf sich zukommen lassen und danach hatte sie bestimmt genug Stoff um ihre beste Freundin zu versorgen. Doch dazu musste sie endlich aus dem Bett kommen und in die Lobby fahren. Sie war viel zu spät dran und musste sich auch noch hetzen um fertig zu werden. Ihre Haare flocht sie sich zu einem Zopf und zog eine Haube darüber, denn wie es aussah ging draußen ein ordentlicher Wind. Passte doch ganz gut um ihre Haarsituation zu verstecken. Das Make-up viel dezent aus und sie schlüpfte in warme Klamotten, denn sie wusste nur, dass sie draußen unterwegs sein würden.

Hektisch suchte sie noch ihre Sachen zusammen um sie in ihre Tasche zu werfen als es an die Tür klopfte. Verdammt! Bereits fünf Minuten zu spät. Das war mit Sicherheit James! Schnell warf sie noch einen Blick in den Spiegel bevor sie ihm öffnete.

»Guten Morgen!«, meinte er mit einem breiten Grinsen auf den Lippen.

»Hi«, kam es von ihr als sie sich ihren Mantel überwarf. »Bin schon fertig! Wartest du schon lange?« Es war ihr unangenehm, dass sie nicht pünktlich war.

James schüttelte den Kopf und gemeinsam gingen sie zum Aufzug. »Nein, alles gut. Hast du gut geschlafen?«

Leana lächelte. »Gut, denn das wäre nicht meine Absicht gewesen.« Sie stiegen in den Aufzug und fuhren nach unten. »Ja hab ich, danke.«

Keiner der Zwei wusste so recht wie er sich verhalten sollte, denn immerhin hatten sie auch noch nicht über den Kuss geredet. Aber das war wohl im Moment nicht der beste Zeitpunkt. Daher versuchten sie einfach ein Gespräch aufrecht zu erhalten. So erfuhr Helena auch, dass sie zuerst in einem kleinen Café frühstücken würden und danach ging es noch zur Schlittschuhbahn. Er hatte wohl alles sehr gut durchdacht und sie freute sich darauf mehr über ihn zu erfahren.

Es war nicht selbstverständlich, dass sich ein Junge solche Gedanken machte, wenn er ein Mädchen ausführte, dass er gerade erst getroffen hatte, aber James war es wichtig, dass sie sich wohl fühlte. Daher gab er sein Bestes sie immer wieder mit neuen Ideen zu überraschen und so auch mehr über sie in Erfahrung zu bringen. Darauf hoffte er diesen Vormittag.

Aileen war bereits seit den frühen Morgenstunden im Hotel, denn es gab in der Abwesenheit ihres Onkels viel zu tun. So standen heute einige Vorstellungsgespräche an, denn sie suchten nach neuen Zimmermädchen und zwei neuen Kellnern, denn immerhin war einer von Vanessa gefeuert worden und eine Mitarbeiterin würde in Kürze in Mutterschutz gehen. Die Collins musste dafür sorgen, dass genug Personal vorhanden war.

Ein letztes Mal ging die Blonde die Bewerbungsunterlagen durch bevor sie die erste Kandidatin ins Büro rief. Das junge Mädchen hatte sich an der Academy of Dance beworben und war leider abgelehnt worden, daher suchte sie einen Job um sich ihre Wohnung leisten zu können und würde ihr Glück im nächsten Jahr noch einmal versuchen. Sie schien motiviert zu sein und war sich ihrer Aufgabenbereiche bewusst. Jedoch würde es Aileen nicht viel von Nutzen sein, wenn sie ihre Prüfung im nächsten Jahr schaffen würde und dann ihren Job kündigen würde. Doch sie würde sie im Hinterkopf behalten.

Auch die weiteren Kandidatinnen waren nicht recht viel versprechend doch konnte sie mit Freude zwei neue Kellner einstellen, welche beide bereits Erfahrung in ihrem Bereich hatten und gute Dienstzeugnisse mitbrachten. Schon zwei Leute weniger, die ihr Sorgen machen mussten. Aber es fuchste sie, dass es mit den Zimmermädchen noch nicht geklappt hatte obwohl seit dem letzten Zusammenstoß alles ohne weitere Probleme mit den Mädchen lief. Vielleicht sollte sie ihnen noch eine Chance geben?

Gegen Mittag kam Oliver vorbei um seine Verlobte zum Essen einzuladen. Er hatte erst am Nachmittag einen Dreh und hatte seinen Vormittag damit verbracht mit der Bäckerei zu reden um einen Termin für die Tortenverkostung festzulegen was er stolz berichtete. Aileen war überrascht, denn sie hatten noch nicht darüber geredet und dass er von selbst diesen Schritt in die Hand genommen hatte freute sie. Sofort trug sie sich den Termin in ihren Kalender ein.

»Die Bäckerin, mit der ich mich getroffen habe, war sehr freundlich und begeistert über den Auftrag. Sie hat etwas von sechs Torten geredet mit denen sie uns überraschen will.« Oliver lachte. »Aber je mehr Auswahl desto besser, oder nicht?«

Die Collins schüttelte grinsend den Kopf, aber wo er recht hatte. »Danke, dass du das heute gemacht hast. Ein Punkt weniger um den wir uns kümmern müssen. Aber trotzdem gibt es noch einiges was ansteht. Doch mit deinen Terminen in Dublin fallen uns wieder einige Tage weg.« Es passte ihr ganz und gar nicht, dass er für ein paar Tage wegmusste, aber in seinem Job ging es manchmal nicht anders.

Oliver seufzte auf, denn es passte ihm auch nicht, doch danach würde es leichter werden. »Keine Sorge. Nach diesen paar Tagen habe ich mehr Zeit und dann kannst du mir deine Listen zuteilen.« Er küsste sie. Der Phelps konnte es kaum erwarten sie zu seiner Frau zu nehmen, aber bis dahin war es wohl noch ein längerer Weg.

Durch ihre vielen Aufgaben, welche sie im Moment über hatte vergaß sie die Zeit und kam beinahe zu spät zu ihrem Treffen mit Jennifer und Damian. Die Beiden waren bereits in der Bar und grübelten über ihren Notizbüchern als sie zu ihnen stieß. Aileen band sich die Haare zu einem Dutt und ließ sich neben Jenn fallen.

»Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat. Es gab noch so viel zu tun und dann war da noch dieser Anruf, den ich nicht ablehnen konnte«, meinte sie entschuldigend und holte ihren Kalender und ihr Notizbuch aus der Tasche.

Damian fuhr sich durch die Haare und legte seinen Stift beiseite. »Mach dir keinen Kopf. Ist doch klar immerhin leitest du hier ein Hotel. Wir sind auch erst vor einigen Minuten gekommen.« Er sah auf seine Notizen. »Jenn hatte bereits einige Ideen was die Songs angeht. Wir wollten noch deine Meinung dazu wissen.«

Neugierig sah sie zu der Blonden.

Jenn lächelte und umarmte Aileen kurz bevor sie auf ihre Notizen blickte. »Naja, Damian und ich haben über den Abend geredet und was am besten zur Setliste passen würde, aber deine Tante hat nichts genaueres dazu gesagt, oder?«

Aileen legte den Kopf leicht schief und schüttelte diesen. »Nein, ich denke wir haben freie Wahl. Mir gegenüber hat sich nichts erwähnt.«

»Gut, denn dann können wir das Set ein bisschen durchmischen. Also langsamere Lieder für die verliebten Pärchen da draußen und schnellere um alle auf die Tanzfläche zu bekommen.«

Die Idee war gut und würde sich sicherlich lohnen. Nun mussten sie nur noch die passenden Songs fingen, die auf all ihre drei Stimmen passten und die sie performen konnte. Da war es auch von Vorteil, dass Damian Gitarre spielen konnte. Die Drei überlegten und jeder schrieb einige Ideen auf, welche sie schließlich verglichen. Der Geschmack ging quer durch die Bank und sie entschieden sich dafür es mit Everything has changed von Taylor Swift und Ed Sheeran zu versuchen. Damian holte seine Gitarre und fing an zu spielen. Die Mädchen wechselten sich mit der Strophe ab und Aileen übernahm die Harmony als auch Damian einstieg. Für den Anfang klang es gar nicht einmal so übel.

Sie suchten weiter nach Songs und versuchten es mit allen Ideen, welche sie hatten bis sich die Drei auf eine Reihe Lieder einigen konnten. Nun hieß es nur noch Text einteilen und üben. Gemeinsam suchten sie nach Terminen, die bei allen funktionierten was schwerer werden würde, da die beiden unterschiedliche Drehtage hatten und auch Aileen nicht immer vor ihrer Verantwortung fliehen konnte, aber sie sahen der Sache trotzdem positiv entgegen und verbrachten den restlichen Nachmittag damit zu üben.

Zuerst hatte die Collins überlegt auf ihren Verlobten zu warten um gemeinsam nach Hause zu fahren, aber dann war ihr eingefallen, dass er seinen Wagen brauchen würde um am nächsten Tag nach Dublin zu fahren also musste sie ihren Wagen nach Hause fahren damit sie auch in die Arbeit kommen würde. Daher machte sie sich auf den Weg an die Rezeption um nachzufragen ob noch irgendwelche Nachrichten für sie eingegangen waren, aber zu ihrem Glück war das nicht der Fall. Daher konnte sie sich auf den Weg machen, denn Jennifer und Damian hatten sich auf den Weg zum Set gemacht. Beide hatten diesen Abend einen Nachtdreh und würden vor den frühen Morgenstunden nicht ins Bett kommen. Sie beneidete im Moment keinen von ihnen.

Sie war gerad auf den Weg zum Aufzug als sie hinter sich ein Rufen vernahm und sich danach umwandte. Es war Elizabeth, welche auf sie zukam. Ein breites Lächeln zierte ihre Lippen.

»Aileen. Dich habe ich ja schon ewig nicht mehr gesehen.« Sie strich sich eine ihrer blonden Locken hinters Ohr. »Warst du gerade auf dem Sprung oder hast du Zeit auf ein Glas Wein?«

Lee schmunzelte, denn der Wirbelwind war ihr schon lange nicht mehr über den Weg gelaufen. Da konnte sie eine Einladung auf ein Glas Wein kaum abschlagen. »Liz, schön dich zu sehen.« Sie warf einen Blick auf ihr Handy. Im Grunde hatte sie noch etwas Zeit. »Natürlich habe ich Zeit. Was hältst du von der Bar?«

Schon machten sich die Beiden auf den Weg und setzten sich an den Tresen. Während sich Elizabeth ein Glas Rotwein bestellte blieb Aileen bei einem Virgin Colada, denn immerhin musste sie noch zwei Stunden mit dem Auto fahren und trank nie Alkohol, wenn sie sich noch ans Steuer setzen musste.

»Wie geht es dir und den Kids? Die Jungs habe ich ja schon ewig nicht mehr gesehen!«, kam es von Aileen.

Die Blonde lächelte. »Ich komme zurecht, danke. Die Jungs fragen immer nach dir und wann ich sie endlich wieder einmal mitnehme. Sie haben wohl einen Narren an dir gefressen.« Elizabeth lachte auf und nahm einen Schluck von ihrem Glas. Damals hatte Aileen auf ihre Jungs aufgepasst als sie einen kurzfristigen Dreh hatte und ihr Mann auch unterwegs war. Das würde sie ihr nie vergessen. »Die bessere Frage lautet wohl wie es dir geht und was die Vorbereitungen für deine Hochzeit machen. Oliver ist wie ein verschlossenes Buch. Aus ihm bekommt man nichts raus. Nicht einmal Hinweise.«

Die Collins konnte sich noch lebhaft an den letzten Besuch von Felix und Magnus erinnern. Sie hatte die beiden Jungs sofort ins Herz geschlossen und würde sofort wieder ein Auge auf sie wergen falls sie einmal vorbei kommen würden. Mit ihnen hatte sie Spaß gehabt und war für einige Stunden abgelenkt gewesen von ihrem Managerposten. Das war auch wichtig zwischendurch eine Pause einzulegen und abzuschalten.

Ein Lachen kam über ihre Lippen. »Das sieht ihm ähnlich, dass er nichts verrät. Aber das kommt wohl auch davon, dass ich mich um die meisten Dinge kümmere während er gerade dreht. Mit der Zeiteinteilung läuft es im Moment nicht so wie wir es uns vorstellen, aber es nimmt langsam alles Formen an. Die wichtigsten Dinge sind besprochen. Nun fehlt nur noch mein Kleid. Aber das ist noch diese Woche dran«, meinte sie verschwörerisch. Sie hatte am Samstag einen Termin im Brautkleidgeschäft und war nervös.

Sofort begannen die Augen von Liz zu leuchten. »Ich kann mich noch an meine Kleidersuche erinnern als wäre es erst gestern gewesen. Du wirst bestimmt zauberhaft aussehen. Ich freue mich so für dich und Oliver. Ihr werdet ein wundervolles Paar werden.«

»Danke dir!«

Die Beiden saßen noch eine Weile zusammen und redeten dabei auch über den anstehenden Weihnachtsball und den Auftritt von Aileen mit Damian und Jennifer. Liz fand es eine hervorragende Idee und freute sich darauf die Drei zu unterstützen was wirklich nett von ihr war. Doch es wurde immer später und schließlich machten sie sich beide auf den Weg nach Hause. Aileen wollte den letzten Abend mit ihrem Verlobten genießen und Liz wollte noch Zeit mit ihren Söhnen und ihrem Mann verbringen bevor der Drehalltag sie wieder einholen würde.

Oliver hatte sich bereits früh aus dem Zimmer geschlichen um seine Verlobte nicht zu wecken. Er sprang noch unter die Dusche bevor er die Sachen aus dem Badezimmer noch in seinem Koffer verstaute. Es passte ihm genau so wenig, dass er für ein paar Tage nach Dublin reisen musste, aber seine Szenen würden dort abgedreht werden und darauf hatte er keinen Einfluss. Auch wenn es im gerade nicht passte. Immerhin wusste er, dass für die Hochzeit noch genug zu tun war und nun wo Aileen auch noch ihren Onkel vertreten musste hatte sie noch mehr Arbeit. Aber zum Glück würde er ihr bald einige Dinge abnehmen können und dann würde alles schneller von der Hand gehen.

Während er den Frühstückstisch fertig machte war auch Aileen wach geworden und ins Badezimmer geschlurft um zu duschen und sich frisch zu machen. Ihre Haare sahen aus wie ein Storchennest. In den letzten Tagen hatte sie viel darüber nachgedacht, dass Oli für ein paar Tage weg sein würde und war zu dem Entschluss gekommen, dass sie nicht alleine im Haus bleiben wollte. Da sie im Hotel ohnehin genug zu tun hatte würde sie die paar Tage dort übernachten also hatte auch sie einen kleinen Koffer gepackt und schleppte diesen nach unten.

»Guten Morgen, Darling. Kaffee?«, meinte Oliver liebevoll und reichte der Blonden eine Tasse.

Er wusste womit er sie glücklich machen konnte. Sie gab ihm einen leidenschaftlichen Kuss ehe sie sich an den Tisch setzten um zu frühstücken. Seine baldige Abreise war nicht Thema. Dafür wollte er wissen wie das Treffen mit Jennifer und Damian gelaufen war. Er freute sich darauf seine Verlobte auf der Bühne performen zu sehen. Doch bis dahin war noch etwas Zeit und er wusste, dass sie das alles auf die Reihe bekommen würde. Sie war eine Collins!

Schließlich war es jedoch soweit um aufzubrechen und Aileen hasste es sich von ihm zu verabschieden auch wenn es nur für die wenigen Tage war. Unzufrieden sah sie ihm nach als er aus der Einfahrt fuhr bevor sie sich selbst in ihren Wagen setzte und losfuhr. Die zwei Stunden Fahrt dauerten ewig, da es über Nacht ordentlich geschneit hatte und die Straßen waren schlecht geräumt und spiegelglatt. Beinahe hätte es zwei Unfälle gegeben, aber schließlich schaffte sie es noch heil anzukommen.

Ihr Zimmer hatte sie sich bereits Tage zuvor gebucht und holte sich nur noch ihre Schlüsselkarte an der Rezeption bevor sie nach oben fuhr um ihre Sachen auszupacken. Auch ihre Listen hatte sie mitgenommen um weiter an ihrer Hochzeit arbeiten zu können. Selbst einige Antwortschreiben waren bereits angekommen, welche sie an diesem Morgen noch durchgehen wollte bevor sie an die Arbeit gehen würde. Dafür hatte sie eigens eine Liste angelegt um anzugeben wie viele Leute zu einem Namen kommen würden und welches Menü sie gewählt hatten. Es waren nicht viele Briefe und somit schnell abgearbeitet.

Doch schließlich wurde es für sie Zeit ihrem Managerposten nachzugehen und mit dem Aufzug fuhr sie nach unten. In diesem Moment wurde sie bewusst, dass sie den gestrigen Tag kein einziges Wort von ihrer besten Freundin gehört hatte und beschloss ich vorerst eine Nachricht zu schreiben. Vielleicht hatte sie am Abend Zeit um sich zu treffen oder um einfach im Zimmer zu sitzen und zu reden. Immerhin musste sie das Hotel in den nächsten Tagen nicht zwingend verlassen. Mit den Fingern an der Tastatur ihres Handys machte sie sich auf den Weg in das Büro ihres Onkels und blieb mit einem Mal stehen als sie Charles auf seinem Sessel sitzen sah.

»Onkel Charlie?! Ich wusste nicht, dass du so schnell wieder kommst!«, meinte sie überrascht, aber sie war froh ihn zu sehen.

Charles lächelte seine Nichte an und seufzte leicht auf. »Du kennst mich schon lange genug um zu wissen, dass ich es nicht aushalte zuhause rumzuliegen.« Er blätterte durch die Notizen auf seinem Tisch. »Aber wie ich sehe hattest du alles im Griff. Bringst du mich dennoch auf den neuesten Stand?«

Die Blonde ließ sich ihm gegenüber in den Sessel fallen und erzählte ihm alles was in seiner Abwesenheit vor sich gegangen war. Besonders über den Zwischenfall mit den Zimmermädchen. Auch er war darüber aufgebracht, aber beschloss ihnen noch eine Chance zu geben solange er keinen anständigen Ersatz für sie fand. Aileen war froh darüber, dass er wieder da war, denn das bedeutete, dass sie wieder etwas Luft hatte.

»Danke, dass du dich um alles gekümmert hast. Vanessa hat mir erzählt was du alles auf die Beine gestellt hast und wie viel du auf dich genommen hast.« Stolz sah er sie an. »Ich habe gehört du schläfst für ein paar Tage im Hote… ist bei Oliver und dir alles in Ordnung.«

Lächelnd nickte sie. »Mach dir keine Sorgen. Uns geht es gut, aber er musste für den Dreh ein paar Tage nach Dublin und ich wollte nicht alleine im Haus bleiben.«

Nachdem ihr Onkel wieder da war musste sie ihre Pläne wieder über den Haufen werfen und sich überlegen was sie nun eigentlich mit ihrem Tag anfangen sollte, denn es waren genügend Leute eingeteilt und man konnte sie eigentlich nirgendwo brauchen. Doch auf dem Zimmer sitzen wollte sie auch nicht. Daher machte sie sich auf die Suche nach Leigh und hoffte, dass diese noch nicht aufgebrochen war.

Glück für sie stand diese gerade in der Lobby und begrüßte ihre Gruppe für die heutige Tour, welche den ganzen Tag gehen würde. »Guten Morgen, meine Damen und Herren. Sie haben sich für die London Experience Tour angemeldet was mich sehr freut. Mein Name ist Leigh und ich werde sie heue durch meine Heimat mitnehmen. Also wenn sie Fragen haben wenden sie sich gerne an mich. Unser Bus müsste jeden Moment kommen also können sie gerne draußen warten.« Sie lächelte breit. »Wenn jeder einen Platz gefunden hat werde ich mit der Teilnehmerliste durchgehen um sicherzustellen, dass wir niemanden vergessen haben.«

Lächelnd ging Aileen auf ihre Freundin zu. »Guten Morgen. Kannst du Unterstützung brauchen? Ich werde heute im Hotel nicht gebraucht.«

Leigh schmunzelte. »Dich kann ich immer brauchen. Aber nur um mich zu unterhalten.« Sie hakte sich bei ihrer Freundin unter und zog sie mit nach draußen, wo der Bus gerade anhielt. »Lass uns den Tag genießen.«

Während die Kingsley die Namen durchging versicherte sich Aileen das alle Teilnehmer einen Ausweis dabei hatten und sich wohlfühlten. Es waren auch jüngere Kinder dabei und sie wollte nicht, dass ihnen kalt oder langweilig werden würde. Doch alle waren bereit loszufahren und Leigh gab dem Fahrer das Zeichen. Zuerst erzählte sie den Ablauf, wie auch bei den kleineren Fahrten bevor sie die Sehenswürdigkeiten näher erklärte an denen sie vorbei kamen. Es gab einiges auf der Liste was abgefahren und angesehen werden musste, aber damit hatte sie genau den Geschmack der Teilnehmer getroffen, denn bei jedem Halt wurden ihr viele Fragen zu den Gebäuden und Geschichten dazu gestellt. Selbst Aileen hörte ihr aufmerksam zu und erfuhr somit das ein oder andere Detail, dass sie zuvor noch nicht gewusst hatte.

Um die Mittagszeit hielten sie in der Oxford Street, wo sie drei Stunden Pause machten. Die Teilnehmer konnten ihre freie Zeit nutzen wie sie wollten. Entweder sie shoppten sich durch die Läden oder gingen einen Happen essen. Leigh hakte sich wieder bei Aileen unter und die beiden machten sich auf den Weg in ein Restaurant, denn sie hatten einen Bärenhunger.

»Also was war in letzter Zeit bei dir los? Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit seit du mit Lea auf meiner Tour mitgefahren bist«, meinte die Kingsley neugierig.

Lee lächelte und zuckte leicht mit den Schultern. »Ach der übliche Stress im Hotel, aber ich bin wirklich froh, dass Onkel Charlie wieder zurück ist. Das alles wurde ganz schön viel.« Sie nahm einen Schluck von ihrem Glas. »Nebenbei versuche ich die Hochzeit zu planen und Tante V zu helfen mit der Organisation.«

Leigh zog eine Augenbraue nach oben. »Welche Organisation? Was plant Vanessa denn? Ich habe nichts davon gehört.«

Ups! »Ahm, naja sie sollte es dieses Wochenende bekannt geben. Dann weißt du mehr.« Entschuldigend lächelte sie ihre Freundin an. »Ich darf niemandem etwas davon sagen. Musste es versprechen!«

Natürlich versuchte die Blonde der Managerin Informationen zu entlocken, aber die Collins schaffte es den Fragen geschickt auszuweichen und so neigte sich ihre Pause auch dem Ende zu und sie mussten zurück zum Bus. Erstaunlicherweise waren alle Teilnehmer pünktlich und sie konnten weiterfahren. Auch Aileen wurden einige Fragen gestellt und die meisten konnte sie sogar beantworten, auch wenn Leigh bestimmt noch mehr Informationen zu bieten hatte. Aber es war schön einmal mit einer anderen Aufgabe vertraut zu sein.

Der Tag war angenehm gewesen und hatte jedoch auch schnell sein Ende genommen und sie landeten wieder beim Marbella. Die Gäste waren zufrieden und Leigh freute sich über das positive Feedback. Auch wenn sie noch einen Arbeitsbericht darüber schreiben musste. Lee hingegen hatte Feierabend und machte sich auf den Weg nach oben in ihr Zimmer. Sie wollte nur noch eine heiße Dusche und sich danach ins Bett kuscheln. Ihrem Verlobten schrieb sie eine Nachricht und fragte nach seinem Tag bevor sie im Badezimmer verschwand. Die Kälte schwand und sofort murmelte sie sich in ihren Pyjama und kroch unter die Decke. Ein Serien-Marathon war genau das passende um einschlafen zu können.

Gerade hatte sie etwas Ansprechendes auf Netflix gefunden als es an der Tür klopfte. Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen wer um diese Zeit noch stören würde, denn sie hatte auch nichts bestellt. Doch als sie öffnete stand ihr James gegenüber und hatte eine Tüte von Nandos dabei. Es war kurz vor Mitternacht.

»Hast du eine Ahnung wie spät es eigentlich ist?«, fragte sie nach als sie ihn ins Zimmer ließ.

James grinste. »Keine Ahnung, aber es ist nie zu spät für Nandos. Aber ich kann auch gehen und esse alleine.«

Lee lachte auf. »Nichts da!«

Sie deutete aufs Bett und nahm neben ihrem Schwager Platz, welcher sich ans Kopfende lehnte und anfing auszupacken. Ein Blick auf den Fernseher reichte aus. »Elité? Ist die Serie es wert?«

Die Collins zuckte leicht mit den Schultern. »Finden wir es raus.« Sie startete mit einem Knopfdruck und gemeinsam sahen sie sich die ersten drei Folgen an während sie ihr Fast Food verschlangen.

Nach den ersten beiden Folgen mussten die Beiden feststellen, dass die Serie nicht übel war. Der Handlungsstrang zog sich durch alle Charakter und man bekam einen Einblick in deren Leben. Also hatte sich die Recherche ausgezahlt um eine neue Serie zu finden. Doch der Abend sollte langsam zu einem Ende kommen. Immerhin war es bereits weit nach Mitternacht und Aileen musste früh raus um ihren Dienst an der Rezeption anzutreten.

»Es tut mir leid, dass Oliver die paar Tage nicht da ist um dir bei den Vorbereitungen zu helfen. Ich weiß, dass er ein schlechtes Gewissen hat«, kam es plötzlich von James und Aileen wandte sich ihm zu.

Sie schüttelte leicht den Kopf und lächelte. »Er weiß genau, dass ich es verstehe. Wir wussten beide, dass es nicht einfach werden würde nebenbei die Hochzeit zu organisieren und wir haben auch mit dem Gedanken gespielt einen Profi zu holen, aber du kennst uns. Wir sind perfektionistisch und wenn etwas nicht so läuft wie wir es uns vorstellen…das wäre noch schwieriger geworden.« Aileen fuhr sich durch die Haare und seufzte auf. »Aber das kriegen wir noch alles hin. Es ist noch genügend Zeit.«

Ihr Schwager nickte leicht und grinste schief. Seine Schwägerin war in der Tat eine Perfektionistin und auch sein Bruder war nicht ohne. Er war sich sicher, dass die Beiden eine wundervolle Hochzeit auf die Beine stellen würden. Der Tag würde ihnen für immer in Gedanken bleiben, wenn es dann soweit war.

»Klar bekommt ihr das hin. Keine Frage!« Aufmunternd lächelte er sie an. »Aber ich habe von einem kleinen Vögelchen gehört, dass es für dich zur Brautkleidanprobe gehen soll.« Er wusste nicht recht ob er mit seinem nächsten Schritt nicht etwas zu weit ging. »Klar wäre mein Bruder nicht mitgekommen beim Aussuchen, denn das bringt ja Unglück, aber ich dachte mir, dass du vielleicht gerne Unterstützung hättest und ich würde gerne mitkommen, wenn du nichts dagegen hast.«

Überrascht sah die Blonde ihren Schwager an, denn damit hatte sie nun nicht gerechnet. Absolut nicht! »Wow, damit hätte ich nicht gerechnet, dass du mitkommen möchtest. Aber ich würde mich freuen! Ich schätze deine Meinung und das weißt du auch!«

James lächelte. Er freute sich wirklich. Immerhin war das ein wichtiger Schritt in den Vorbereitungen und er wollte Lee gerne dabei unterstützen. »Okay, dann komme ich mit. Wann soll es losgehen?«

Aileen erzählte ihm von ihrem Termin morgen Nachmittag und das sie Helena damit überraschen würde, denn es ging dabei auch um das Brautjungfernkleid, dass ausgewählt werden sollte und diese Ehre sollte ihrer besten Freundin gebühren, wenn sie diese annehmen würde. Das jedoch würde erst morgen aufkommen, denn diese wusste noch nichts davon.

»Ich hoffe nur, dass Leana zusagt und ich sie damit nicht überfalle. Immerhin wusste sie bis vor wenigen Tage noch nicht einmal irgendeine Einzelheit von meiner Beziehung«, kam es seufzend von der Blonden. »Aber sie ist meine beste Freundin. Wird schon gut gehen!«, redete sie sich selber ein. Sie warf einen fragenden Blick zu James. »Was genau läuft jetzt eigentlich zwischen euch?«

Ein verträumtes Grinsen erschien auf dem Gesicht des Phelps als der Name der Griechin fiel. Anscheinend hatte es ihn richtig erwischt. »Was soll ich sagen? Ich weiß auch nicht genau was das zwischen uns ist. Aber wir verbringen viel Zeit zusammen und es macht Spaß. Ich fühle mich wohl mit ihr. Doch ich denke wir müssen uns unterhalten was das eigentlich ist und wie es weiter gehen soll, denn immerhin geht sie nach Weihnachten doch wieder nach Griechenland zurück. Oder?«

Die Collins freute sich für die Beiden. Sie hatten einander verdient. Und wenn daraus etwas Festes werden sollte unterstützte sie die Zwei dabei. Egal was es kosten würde. Jedoch schafften es Lee und James nicht mehr lange zu reden, denn beide schliefen auf ihrem Bett ein und wurden erst von dem Klingeln ihres Handys am nächsten Morgen geweckt.

Ihr tat alles weh als sie wach wurde und auch James rappelte sich stöhnend auf. Die Schlafposition der beiden war nicht gerade ideal gewesen und das bekamen sie nun zu spüren. Der Phelps verabschiedete sich mit einer Umarmung von seiner Schwägerin und machte sich auf den Weg um zu duschen und sich umzuziehen, denn sein Arbeitstag würde jeden Moment beginnen. Auch Aileen schleppte sich in das Badezimmer um zu duschen. Das warme Wasser entspannte ihre Muskeln und sie fühlte sich danach um einiges besser. Jedoch hatte sie keine Zeit um eine Massage des Duschkopfes zu genießen, denn im Eiltempo machte sie sich fertig um nicht zu spät zum Dienst zu erscheinen.

Auf dem Weg nach unten flocht sie sich ihre Haare seitlich zu einem Zopf und holte sich noch schnell einen Obstteller im Restaurant bevor sie zur Rezeption eilte. Samantha hatte bereits ihre Kollegen abgelöst und begrüßte ihre Freundin mit einem breiten Lächeln.

»Guten Morgen, Sam! Wie geht’s dir?«, meinte Aileen freundlich und setzte sich an ihren Platz um mit der Arbeit zu beginnen. Für sie gab es einige Mails abzuarbeiten und ihre Kollegin zu unterstützen, wenn mehrere Gäste nach Aufmerksamkeit verlangten.

Die Olsen seufzte leicht auf und lächelte. »Morgen. Geht schon. Ich habe fürchterlich geschlafen also versuche ich es heute einfach mit ganz viel Kaffee.«

Aileen lachte auf. »Wie jetzt? Mehr Kaffee als sonst?«

Auch Samantha stimmte in ihr Lachen ein und die beiden arbeiteten nebeneinander her.

Es war den ganzen Morgen über recht ruhig. Drei Gäste hatten eingecheckt und vier Leute hatten ihre Schlüssel abgegeben und reisten wieder zu ihren liebsten zurück. Im Grunde war es eine angenehme Schicht ohne viel Stress oder Problemen. Doch das änderte sich gegen Mittag als laute Musik von der Straße in die Lobby drang. Zuerst dachte sich Aileen, dass es vielleicht von einem Bus kam, welcher gerade eine Tour machte, aber schließlich stellte sich heraus, dass ein Straßenmusiker vor dem Hotel sein Set aufgebaut hatte und anfing auf seiner Gitarre zu spielen und zu singen.

»Was zum Teufel macht der Typ da draußen?«, kam es schließlich aufgebracht von Samantha. »Er kann doch nicht einfach seine Sachen da aufstellen und anfangen zu spielen…Braucht er dafür nicht eine Genehmigung von dir oder deinem Onkel? Immerhin befindet er sich auf eurem Grundstück.«

Damit hatte sie recht und Aileen wusste nichts davon, dass sie so etwas unterzeichnet hatten. Mit energischen Schritten ging sie nach draußen und stellte sich dem Straßenmusiker gegenüber, welcher sie von oben nach unten musterte. Ekelhaft!

»Entschuldigung, aber was denkst du eigentlich, dass du hier machst?« Ernst sah sie ihn an und hatte ihre Hände in die Hüfte gestemmt. Er dürfte ungefähr in ihrem Alter sein.

Ein freches Grinsen zierte seine Lippen. »Nach was sieht es denn für dich aus, Süße? Ich habe hier mein Set aufgebaut und spiele. Die Leute sollen meine Musik kennenlernen. Und vor allem mich!«

Was bildete sich dieser Kerl eigentlich ein? »Erstens bin ich nicht deine Süße.« Aileen war kurz davor überzukochen. »Zweitens klingt deine Musik scheiße. Und drittens befindest du dich hier auf meinem Grundstück also ist das hier Hausfriedensbruch und Lärmbelästigung. Also pack deine Sachen zusammen und sieh zu das du an Land gewinnst oder ich rufe die Polizei!«

Er sah das alles wohl als großen Scherz, denn er fing an zu lachen und spielte einfach weiter. Doch zum Spielen hatte er sich die falsche Person ausgesucht, denn wenn es um das Hotel ging und das Wohlbefinden ihrer Gäste war mit Aileen nicht zu spaßen.

Wütend stapfte sie nach drinnen, wo Samantha alle Hände voll zu tun hatte um die Telefonate der Gäste anzunehmen. Keiner war von dem Lärm begeistert, welcher von dem Musiker ausging und die Olsen versuchte die Wogen zu glätten so gut es ihr möglich war. Alleine würde sie hier nicht viel tun können, denn Manager war immer noch ihr Onkel Charlie und diesen musste sie nun finden.

Zum Glück war dieser in seinem Büro und auch Vanessa war bei ihm. Aileen schilderte ihm die Vorkommnisse von draußen und sofort waren die beiden in Alarmbereitschaft und begleiteten ihre Nichte nach draußen. Charles war sofort auf ihrer Seite und unterstützte sie in ihrem Vorhaben die Polizei zu rufen, denn nach weiteren Aufforderungen das Grundstück zu verlassen hatte sich der Musiker immer noch nicht aufgerafft seine Sachen zu packen und zu verschwinden.

Aileen hatte daraufhin auf Anweisung ihres Onkels die Polizei gerufen und diese hatten sich darum gekümmert. Natürlich verursachte die ganze Sache eine große Szene und unzählige Gäste und Passanten ließen sich das Schauspiel nicht entgehen, aber eine Stunde später war das Thema zum Glück abgehakt und der Alltag im Marbella konnte weitergehen.

Samantha und Aileen warteten noch darauf abgelöst zu werden und hatten somit wieder einen Tag geschafft.

Da Charles und Vanessa noch einmal mit ihr reden wollten machte sich die Collins nach ihrer Schicht auf den Weg ins Büro. Sie hatte keine Ahnung was los war, aber entweder es war geschäftlich oder privat. Aileen hoffte nur, dass es gute Nachrichten waren. Egal welche Richtung.

Beide lächelten sie aufmunternd an als sie das Büro betrat und setzte sich neben ihre Tante auf das Sofa, welche ihr bereits einen Kaffee vorbereitet hatte. Vorsichtig nippte sie daran und sah die Beiden abwartend an. Irgendwer von ihnen musste wohl anfangen zu reden…

»Wir haben dich gebeten zu kommen, weil es etwas gibt, das wir mit dir besprechen möchten«, meinte Charles und übernahm somit das Reden. Vanessa strahlte einfach nur über das ganze Gesicht und trank ihren Tee. »Uns war es wichtig, dass du die Erste bist die davon erfährt und dass du es von uns hörst.«

Aileen stellte ihren Becher ab. Was genau wollte er ihr damit sagen? Nachdem Vanessa lächelte ging es wohl nicht um ihre Scheidung…

Charlie fuhr sich durch die Haare und legte die Hände in den Schoß. »Also…wir werden Eltern!«

»Ist nicht wahr?« Abwechselnd sah Lee zwischen ihrem Onkel und ihrer Tante hin und her bevor sie beide stürmisch umarmte. »Das ist großartig! Ich freue mich so für euch!« Das waren großartige Neuigkeiten. Sie wusste wie lange es die beiden versucht hatten und nie hatte es funktioniert doch nun war es soweit. Sie würde eine kleine Cousine oder einen kleinen Cousin bekommen. Das war fantastisch!

Vanessa strahlte. »Danke Liebes! Wir wollten einfach, dass du die Erste bist die es erfährt. In den letzten Jahren bist du wie eine Tochter für uns geworden und das war uns wichtig!«

»Ich hab euch lieb!«

Den restlichen Nachmittag verschanzte sich die Blonde in einem der Konferenzräume um die Songs für den Ball zu üben. Jennifer und Damian hatten beide einen Dreh und hatten daher keine Zeit um sich mit ihr zu treffen, aber das hielt sie nicht davon ab alleine zu üben. Über den Laptop ließ sie die Musik laufen und ging alle Songs noch einmal Schritt für Schritt durch. Der Text war kein Problem und auch die Musik nicht, aber sie wollte einfach auf Nummer sicher gehen.

Jedoch wurde sie abgelenkt als sich die Tür öffnete und Helena ihr einen Besuch abstattete. »Hey! Ich dachte du könntest vielleicht eine Pause brauchen!«

Aileen lächelte breit. »Gerne. Wie liefen deine Termine heute?« Sie ließ sich auf einen der Sessel fallen und nahm einen Schluck aus der Wasserflasche.

Lea setzte sich neben sie und seufzte auf. »Irgendwie bin ich froh, wenn meine Termine hier vorbei sind. So unorganisiert war es noch nie. Jeden Tag stoße ich wieder auf Unregelmäßigkeiten und Probleme. Langsam habe ich die Nase voll….«

Die Britin konnte sich vorstellen, dass ihre beste Freundin es in ihrem Job nicht immer leicht hatte und ihr kam eine Idee. Breit grinste sie und stand auf. »Ich wüsste etwas, dass dich auf andere Gedanken bringt!«

Die Dunkelhaarige zog fragend eine Augenbraue nach oben, denn sie wusste, dass Skepsis bei ihrer Freundin manchmal angebracht war. »Was hast du vor?«

Aileen machte sich am Laptop zu schaffen und kurz darauf dröhnte der Soundtrack von „Mamma Mia“ aus dem Boxen. »Na komm schon! Ich weiß, dass du es willst.«

Helena prustete los und schlüpfte aus ihrem Mantel. Eine Tanzparty hatte noch nie geschadet!

Schon tanzten die Beiden wie verrückt durch den Raum und trällerten lautstark zu den Liedern dazu. Es war wie damals zu ihrer Schulzeit. Verrückt, locker und frei.

Der Tag hatte für James schon früh am Morgen begonnen, denn ein Dreh stand für ihn auf dem Plan und zwar um vier Uhr morgens. Es war dementsprechend kalt und er murmelte sich in seinen Mantel als er sich die Anweisungen vom Regisseur anhörte. Sanfter Schnee fiel und er spürte sie er langsam aber sicher nass wurde. Im Moment konnte er es eigentlich nicht gebrauchen krank zu werden. Immerhin standen die Feiertage bevor und er wollte seinem Bruder und Lee unter die Arme greifen was die Hochzeit betraf. Außerdem hatte er nur noch wenige Tage mit Leana bis sie wieder abreisen würde.

Sofort hatte er wieder ihr Gesicht vor Augen und hörte ihr Lachen als würde sie direkt neben ihm stehen. Auch wenn er sie erst zwei Wochen kannte kam es ihm vor wie eine Ewigkeit. In ihrer Nähe fühlte er sich einfach nur wohl und konnte er selbst sein. Er musste sich nicht verstellen oder aufpassen was er sagte und welchen Scherz er machte. Sie nahm ihn so wie er war und dafür war er äußerst dankbar. Doch ihre Zeit in London neigte sich dem Ende zu und dann würde er sie vermutlich für eine lange Zeit nicht wieder sehen. Darüber wollte er nicht nachdenken, aber es kam ihm immer wieder in den Sinn. Seine Konzentration litt darunter.

»James Andrew Eric Phelps! Kannst du mich hören?« Elizabeth wackelte mit ihrer Hand vor seinem Gesicht und versuchte somit seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Ein Lachen kam über ihre Lippen.

Der Phelps blinzelte heftig bis er ins Hier und Jetzt zurückkam und lächelte entschuldigend. »Tut mir leid, Liz. Ich war mit meinen Gedanken gerade wo anders.«

Schmunzelnd reichte sie ihm einen Kaffeebecher um sich aufzuwärmen während die letzten Einstellungen geprüft wurden. »Schon in Ordnung. Willst du darüber reden? Ich schätze es geht um Helena.« Sie strich sich eine Locke hinters Ohr.

Ein Seufzen kam über seine Lippen. War es denn so offensichtlich was ihn beschäftigte? Aber wenn er schon nicht richtig mit Aileen darüber reden konnte wie sollte es ihm dann bei jemand wie Liz gehen? Immerhin kannte sie Lea doch nicht einmal, oder? Aber vielleicht war genau das der Schlüssel? Sie konnte objektiv sein und ihm eine neutrale Meinung geben. Ein Versuch war es doch wert.

»Nun ja. Es ist irgendwie kompliziert.« Er nahm einen Schluck von seinem Becher und versuchte die richtigen Worte zu finden. Das war einfacher gesagt als getan.

Liz lächelte ihm aufmunternd zu. »Rede einfach darauf los. Denk nicht zu viel darüber nach was du sagen willst, dass macht es nur komplizierter.«

»Aileen hat uns immer schon viel von ihrer besten Freundin erzählt und man konnte sich dadurch eigentlich ein recht gutes Bild von ihr machen. Mir war klar, dass ich mich bestimmt gut mit ihr verstehen würde, da sie auch eine humorvolle Person ist, aber dann ist sie vor zwei Wochen hier aufgetaucht und alles hat sich für mich geändert.« Er fuhr sich durch die Haare.

»Ich liebe meinen Job und die Schauspielerei. In letzter Zeit läuft es so gut, dass ich nicht einmal über eine Beziehung oder eine feste Freundin nachgedacht habe. Und dann taucht Leana auf und wirft mein Leben komplett über den Haufen.«

Er musste lächeln, wenn er daran dachte als er sie das erste Mal gesehen hatte. »Wir haben sie damals auf ihrem Zimmer mit Lee überrumpelt. Sie wusste nichts von uns. Also jedenfalls nicht, dass Aileen etwas mit uns zu tun hat. Wir standen in ihrer Tür und irgendwie hat mich dieser Augenblick verändert. Sie war ungeschminkt und in bequemen Klamotten und trotzdem war sie das wunderschönste Mädchen, dass ich jemals gesehen habe.«

Elizabeth hörte ihm aufmerksam zu und lächelte.

»In den letzten Tagen habe ich sie besser kennengelernt und wir unternehmen viel zusammen. Sie bringt mich zum Lachen und bei ihr kann ich einfach Ich sein. Ich möchte noch so viel mit ihr unternehmen, aber ich weiß nicht wie das funktionieren soll, wenn sie in wenigen Tagen wieder nach Griechenland abreist. Denn dann bricht mit Sicherheit der Kontakt ab und das will ich auf keinen Fall«, beendete er seine Gedanken.

Einen kurzen Augenblick kam von der Blonden ein Wort bis sie sich räusperte. »Bei dir scheint ja gerade einiges los zu sein. Hast du mit Helena schon darüber geredet?« Sie nahm einen Schluck von ihrem Becher. »Ich denke es ist für euch beide wichtig herauszufinden wo ihr gerade steht und du solltest ihr alles genau so sagen wie du es mir eben gesagt hast.« Aufmunternd lächelte sie ihn an. »Deine Worte waren ehrlich und man merkt sofort wie wichtig sie dir ist. Dieses Gefühl solltest du auch ihr vermitteln, wenn ihr darüber sprecht. Es ist schön zu sehen wie gut sie dir tut.«

Erleichtert atmete James aus, denn er hatte auf einen guten Rat gehofft und er würde von Elizabeth mal wieder nicht enttäuscht. Sie hatte recht. Er musste mit Leana darüber reden was zwischen ihnen lief um zu wissen wo er stand und wie es weitergehen sollte. Vielleicht würde sich heute Abend eine Gelegenheit ergeben, wenn sie mit Aileen zurückkamen.

Aileen war bereits früh auf den Beinen gewesen und war nun im Auftrag ihrer Tante unterwegs, welche sich gerade mit den beiden Acts traf um den Ball und den Ablauf zu besprechen. In der Zwischenzeit war Lee in der Küche um den Menüplan für den großen Abend zu besprechen und musste drei Telefonate führen um die Eventplanung ihrer Tante in den kommenden Monaten zu verschieben, da sie später in der Schwangerschaft jeglichen Stress vermeiden sollte. Das war alles nicht so einfach, aber es ließ sich zum Glück alles regeln. Dennoch war der Vormittag für die Blonde stressig und sie wusste kaum noch was sie eigentlich zu tun hatte, wenn sie ihre Liste nicht geschrieben hätte.

Vanessa machte ein großes Geheimnis daraus wer am Ballabend noch auftreten würde, denn sie wollte dass es auch für ihre Nichte, Jennifer und Damian eine Überraschung blieb. Daher wurden alle beschäftigt bis die Besucher das Hotel wieder verlassen hatten. Am liebsten hätte Aileen spioniert, aber hatte sich dann doch noch um entschieden da sie genug zu tun hatte. Außerdem musste sie mit ihren Freunden noch üben. Der Tag hatte für die Collins eindeutig zu wenig Stunden…

Als der Vormittag vorbei war hätte Lee beinahe ihre Pläne für den Nachmittag vergessen. Sie wollte sich am liebsten einfach nur noch hinlegen und schlafen, aber als es ihr wie Steine von den Augen fiel war sie sofort wieder voller Euphorie und Adrenalin. Immerhin musste sie ihrer besten Freundin gleich eine sehr wichtige Frage stellen.

Aileen, Helena und James trafen sich in der Lobby und da ein großer Trubel herrschte beschlossen die Drei außerhalb in der Stadt essen zu gehen. Leana wusste noch immer nicht was diesen Nachmittag auf sie zukommen würde und hatte bereits versucht aus James eine Information herauszukitzeln, aber er war standhaft geblieben und hatte ihr kein Wort verraten. Auch Aileen verlor kein Wort während sie mit der U-Bahn fuhren. Sie wollte die Neuigkeit erst verkünden, wenn sie gemütlich saßen und etwas zu trinken hatten.

Es dauerte nicht lange bis sie einen kleinen, gemütlichen Laden fanden und sich an einen Tisch setzten. Nachdem sie bestellt hatten sah Lee einen guten Zeitpunkt um ihre beste Freundin aufzuklären. »Nun gut. Nachdem wir unsere Termin abgeglichen haben wusste ich, dass ich etwas Besonders machen möchte solange du noch hier bist und habe für diesen Nachmittag einen Termin bekommen.«

Die Griechin sah ihre beste Freundin gespannt an, denn sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen was auf sie zukommen würde.

Aileen war ziemlich nervös. »Aber zuvor gibt es da noch etwas, dass ich dich fragen muss.«

Lea nickte leicht. »Natürlich. Du weißt, dass du mich immer alles fragen kannst und ich für dich da bin. Was ist los?«

Die Blonde biss sich leicht auf die Unterlippe. »Du bist meine beste Freundin seit über zehn Jahren und mehr eine Schwester für mich. Ich kann mich immer bei dir melden und du warst für mich da als ich dich gebraucht habe. Daher wollte ich dich fragen ob du meine erste Brautjungfer und Trauzeugin werden willst.« Aileen hielt den Atem an.

Im ersten Moment kam von der Pantagiota kein Wort bevor sie aufstand und ihre Freundin fest umarmte. »Es wäre mir eine Ehre. Du kannst auf mich zählen!«

Beide strahlten über das ganze Gesicht und kleine Tränen hatten sich in ihren Augenwinkeln gebildet. Freudentränen!

Helena setzte sich wieder und strich sich über ihr Kleid. »Und was genau haben wie dann heute vor?«, fragte sie schließlich nach.

James grinste breit während er die Mädchen beobachtete. Er freute sich für seine Schwägerin, dass Lea zugesagt hatte und er freute sich, dass das ein weiterer Tag war an dem sie sich dann wieder sehen würden.

Lee grinste breit. »Nun ja. Die Braut und ihre Trauzeugin brauchen doch ein Kleid für die Hochzeit.«

Helena konnte es kaum glauben. Das würde der beste Nachmittag aller Zeiten werden. Sie dürfte dabei sein, wenn ihre beste Freundin ihr Kleid aussuchte. Niemals hätte sie damit gerechnet. Aber sie freute sich und würde sie bestimmt nicht enttäuschen.

Der Brautmodenladen lag nicht weit von ihrem Restaurant entfernt also beschlossen die Drei den Weg zu Fuß zurück zu legen und machten sich auf den Weg. Mit jedem Schritt wurde Aileen nervöser. Noch nie in ihrem Leben hatte sie ein Brautkleid angezogen oder auch nur aus Spaß probiert und nun war es soweit. Eigentlich hatte sie immer gedacht, dass ihre Oma ebenfalls dabei sein würde, aber das war leider nicht mehr möglich. Auch ihre Mutter war leider nicht dabei, aber diese würde bald nach London kommen und dann würde sie mit ihr noch einmal den Laden besuchen. Sie musste sich ja noch nicht heute entscheiden.

Im Laden bekamen sie eine nette, kompetente Verkäuferin zugeteilt, welche sehr bemüht war ihren Wünschen nachzukommen. Für Aileen war es wichtig zuerst ein Kleid für Helena zu finden. Sie wollte, dass sich ihre Trauzeugin wohlfühlte und sie hatte später immer noch Zeit um ein Kleid zu suchen. James hatte es sich auf einer weißen Stoffcouch bequem gemacht und Lee setzte sich neben ihn während Leana in der Umkleide war und das erste Kleid überwarf.

Die Griechin sah in jedem der Kleider atemberaubend aus, aber es schien einfach nicht das Richtige dabei zu sein bis die Verkäuferin noch eines hervorholte. Es war eine dunkelgrüne A-Linie mit einem spitzenversehenen Oberteil. Sie sah darin unglaublich aus.

»Wow, Lea. Du siehst wunderschön aus!«, kam es begeistert von Aileen als sie ihre Freundin musterte.

James hatte alle Worte verloren, die ihm in den Sinn gekommen waren, denn sie sah atemberaubend schön aus. Wenn sie schon in einem Brautjungfernkleid eine solche Figur machte, wie würde sie dann wohl beim Ball aussehen?

Leana war begeistert und zog sich wieder um, denn nun sollte es um Aileen und ihr Hochzeitskleid gehen. Gemeinsam schlenderten sie durch die Reihen der Kleider und suchten sich einige heraus, welche ihnen ins Auge stachen. Auch James hatte sich auf die Suche gemacht. So hatte Lee ein Kleid von ihrem Schwager, eines von ihrer besten Freundin und vier, welche ihr selbst ins Auge gefallen waren. Auch die Verkäuferin hatte sich drei rausgesucht und schickte die Collins in die Umkleide um das erste Kleid anzuprobieren.

Die Collins probierte alle neun Kleider an und drei davon kamen in die nähere Auswahl: das Kleid ihrer beiden Freunde und eines, das sie selbst ausgesucht hatte. Es war schwer sich zu entscheiden, denn sie sahen alle gut aus. Da sie jedoch noch Zeit hatte ließ sie sich die Drei vermerken, denn sie würde noch einmal vorbei kommen, wenn ihre Familie hier war damit auch sie ein Mitspracherecht hatten. Doch auch die Meinung von Helena und James war ihr wichtig.

»Danke, dass ihr heute mitgekommen seid. Ich wollte nicht alleine meine Kleider anprobieren, denn eure Meinung ist mir wichtig!«, meinte sie dankbar und umarmte die Beiden als sie das Geschäft verließen.

James legte ihr einen Arm um die Schulter. »Danke, dass du mich mitgenommen hast. Und mein Bruder wird Augen machen, wenn er seine umwerfende Braut in ihrem Kleid zu sehen bekommt.«

Lea stimmte ihm zu und hakte sich bei Aileen unter. »Ich freue mich, dass ich dich auf diesem Weg begleiten darf. Von mir aus könnte es schon soweit sein!«

Gemeinsam fuhren die Drei schließlich zurück zum Hotel, denn der Tag war lang gewesen und Aileen war froh, wenn sie einfach nur noch schlafen gehen konnte. Sie bedankte sich noch einmal bei den Beiden und machte sich auf den Weg in ihr Zimmer um den Abend ausklingen zu lassen und mit ihrem Verlobten zu telefonieren. Jeden Abend hatten sie nun dieses Ritual, wenn er weg war. Sie erzählten sich von ihrem Tag und was los gewesen war.

Nachdem seine Schwägerin sich verabschiedet hatte sah James seine Chance um mit Leana zu reden. Sie waren nun unter sich und konnten in Ruhe besprechen wie es weiter gehen sollte. »Hast du noch Lust etwas zu trinken?«, fragte er nach.

»Natürlich. Warum denn nicht!«, kam es mit einem Lächeln von ihr und die Beiden machten sich auf die Weg in die Bar, wo sie sich an einen etwas abgeschotteten Tisch setzten und bei Ryan ihre Getränke bestellten.

James nahm sich den Rat von Liz zu Herzen. Geradewegs heraus eröffnete er der Griechin seine Gefühle für sie und redete sich alles von der Seele, wie auch schon heute Morgen, denn wenn er weiter gewartete hätte würde er wohl wieder einen Rückzieher machen. Doch er wollte ein für allemal wissen wo er stand. Konnte er sich auf seine Gefühle für sie einlassen oder würde es nur im Drama enden?

Lea hörte ihm zu und biss sich leicht auf die Unterlippe, denn sie hatte nicht damit gerechnet, dass er auf einmal mit der Tür ins Haus fallen würde. Im Grunde hatte sie bereits damit abgeschlossen und es als kleinen Flirt angesehen, aber seine Aussage änderte nun alles. Seine Gefühle für sie waren ernst und ehrlich. Und auch sie empfand etwas für ihn und das nicht gerade wenig. Doch wie sollte das alles laufen? Sie lebte in Griechenland und er in London. Waren sie beide bereit für eine Fernbeziehung? Immerhin kannten sie sich gerade erst einmal zwei Wochen?

Die Dunkelhaarige fuhr sich durch die Haare. »Ich bin dir dankbar, dass du so ehrlich und aufrichtig mit mir bist was deine Gefühle betrifft. Das klärt natürlich bereits einige Dinge und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht das Gleiche für dich empfinde.« Sie legte ihm eine Hand auf den Arm. »Wir sollten es einfach langsam angehen lassen und uns kennen lernen. Zwischen uns wir es nicht einfach werden. Besonders durch deinen Bekanntheitsgrad und dann noch die Entfernung. Aber genießen wir doch einfach die Tage, die wir jetzt haben und danach sehen wir weiter.«

Das war nicht ganz die Antwort, die er sich erhofft hatte, aber es war ein Anfang.

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Diese Story wird neben Liebe auch in den Genres Alltag, Freundschaft und Familie gelistet.