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Verzauberte Weihnachten [Winter Edition]

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30.12.19 16:45
12 Ab 12 Jahren
Fertiggestellt

Aileen Katherine Collins [Naya Rivera] · 25 Jahre · Teilinhaberin der Hotelkette „Marbella“

Den schönsten Blumentopf des Jahres als beliebteste Arbeitgeberin würde Aileen wohl nicht gewinnen. Dafür weist sie andere viel zu gerne auf Fehler hin oder mischt sich in Dinge ein, die sie nichts angehen. Jedoch steht sie bei ihrem Onkel ganz weit vorne. Sie ist hochintelligent und bildet sich neben der Arbeit ständig weiter, obwohl sie den Managerposten zu bevorzugen scheint, erfährt man auch, dass sie sich selbst Sprachen beibringt. Allgemein ist ihre ausgeprägte Neugierde auch eine der typischsten Eigenschaften der Collins. Sie kann eben keinem Geheimnis lange wiederstehen. Andererseits ist es auch eine Gabe, ist sie durchaus fähig verschwundene Dinge zu finden oder die Herkunft von Gerüchten zu ermitteln. Gegen eine entsprechende Bezahlung selbstverständlich. Sie liebt ihre kleine Firmenfamilie und würde sie mit Zähnen und nichtvorhandenen Klauen verteidigen. Sie setzt sich für ihre Kameraden ein, beschützt die Schwächeren, auch wenn sie sich mit Leuten anlegen muss, die ihr körperlich oder geistig überlegen sind. Sie ist loyal bis zum bitteren Ende!

Brianna Oleanna Williams [Maia Mitchell] · 24 Jahre · Schauspielerin

Brianna ist eine eigenständige und selbstbewusste junge Frau, die schon in frühen Jahren lernen musste für sich selbst einzustehen und ihre Meinung in den Vordergrund zu stellen. Als sie noch klein war wurde sie von ihrem Vater unterdrückt und ihr wurde sein Wille aufgezwungen, welche ihre Zukunft beeinflussen würde. Damals wusste sie es noch nicht besser und hat sich darauf eingelassen. In der Schule war sie lernfähig und immer bemüht. Sie war eine der Besten in ihrer Klasse und hat nie schlechte Noten nach Hause gebracht, denn sie ließ sich kaum Freizeit. Immer saß sie am Lernen oder an Hausaufgaben oder Projekten. Wenn sie damit dann fertig war ging es an die Lektüre der Medizin, welche sie von ihrem Vater bekommen hatte. Man konnte sagen, sie ging auf zwei Schulen gleichzeitig. Er prüfte sie immer über die Themen ab mit welchen sie sich beschäftigt hatte. Es dauert einige Jahre bis sie einsah, dass es nicht der Weg war, welchen sie einschlagen wollte und es brauchte all ihren Mut sich ihrem Vater entgegenzustellen um ihm zu verkünden, dass sie nicht in seine Fußstapften treten würde. Bree war ein kreativer Mensch und wollte sich damit entfalten um das zu tun was sie liebte und was sie interessierte. Daher entschied sie sich für ein Schauspielstudium. Durch ihren Ehrgeiz und ihre Kreativität schlug sie sich wirklich gut und nachdem sie das Studium beendet hatte beschloss sie einen weiteren Schritt zu wagen und zog nach London. Die Williams war immer schon bereit für neue Abenteuer und dies kam ihr wie eines vor. Sie suchte sich einen Agenten und nahm an dem meisten Vorsprechen teil, bis sie sich einen Namen in der Branche machte und einige Rollen bekam.

Charles Samuel Collins [Peter Facinelli] · 45 Jahre · Hotelmanager der Hotelkette "Marbella"

Charles ist ein sehr engagierter Mensch, weshalb er es in seinem Leben bisher wohl auch soweit gebracht hatte. Durch die Missbilligung seiner Eltern hatte er sich noch mehr ins Zeug gelegt um seinen Traum in Erfüllung gehen zu sehen. Und was soll man sagen? Er hat es tatsächlich geschafft. Charlie führt nun eine angesehene Hotelkette, welche als einzelnes Hotel begonnen hatte und nun immer weiter wächst. Wenn er sich etwas in den Kopf setzt ist es schwer, besser gesagt unmöglich, ihn wieder davon abzubringen. Sein Ehrgeiz und Dickkopf haben sich jedoch bisher immer bezahlt gemacht. Wenn er sich einem Projekt widmet ist er voll und ganz dabei. Nichts wird bei ihm halbherzig angefangen. Aus diesem Grund plant er vorher immer alles genau durch um zu sehen ob sich eine Investition überhaupt lohnt. Er ist ebenfalls sehr neugierig und ist offen für neue Interessen oder Ideen, welche ihm im Hotel behilflich sein könnten. Charles ist ein Abenteurer und Sportler. Er geht gerne an seine Grenzen und versucht neue Dinge zu erkunden und kennenzulernen. Wenn er seine Zeit nicht mit der Planung und Führung seines Hotels verbringt findet man ihn in der Natur beim Wandern, Klettern oder einer Bootstour mit seiner Frau. Auch für die Kunst ist er zu begeistern. Im Grunde lehnt der Collins nichts ab bis er es nicht versucht hatte.

Damian Ashton Parsons [KJ Apa] · 22 Jahre · Schauspieler

Damian befindet sich früh in seiner Jugend in einem Konflikt zwischen seiner Leidenschaft, der Musik, dem Schreiben von Songs und dem Schauspielern, denn sein Vater hat eine andere Zukunft für ihn vorhergesehen und will ihn als Nachfolger für den Familienbetrieb. Er ist ein Familienmensch und es fiel ihm schwer seinem Vater diesen Wunsch abzuschlagen, aber er wollte sich und seinen Träumen treu bleiben. Anfangs war es schwierig zwischen ihnen da sein Vater ihn nicht verstehen konnte, aber schnell begriff er das Damian äußerst talentiert war was die Musik und das Schauspiel betraf und setzte alles daran seinen Sohn zu unterstützen und ihm zu helfen wo er konnte. Für den Rotschopf war es anfangs schwer sich zu öffnen und seine Angst und Unsicherheit zu überwinden, denn er traute seinen eigenen Fähigkeiten nicht über den Weg. Doch er sprang in das kalte Wasser und flog nach London um sich bei Agenturen zu bewerben. Mit jeder Absage legte sein Ehrgeiz zu und auch sein Selbstvertrauen wurde dadurch bestärkt, denn er wollte nicht aufgeben und glaubte an sich selbst. Sein Ehrgeiz zahlte sich schließlich aus, denn er schaffte es in eine Agentur und machte sich in der Branche einen Namen. Er ist sehr hilfsbereit und bietet sich gerne an um seinen Kollegen beim Text lernen zu helfen. Da er weiß wie schwer es manchmal sein kann, wenn man auf sich alleine gestellt ist.

Elizabeth Patricia Carson [Elizabeth Banks]  · 45 Jahre · Schauspielerin

Elizabeth ist eine sehr aufgeweckte, energische Person. Stillsitzen ist absolut nicht ihr Ding. Bei ihr ist grundsätzlich immer etwas los und sie macht mit ihrer Art sofort auf sich aufmerksam. Wenn sie das macht was sie liebt blüht sie auf und zieht alle Leute im Umkreis mit ihrer guten Laune mit sich. Sie versucht immer das Gute in allem zu sehen und sich niederschmettern zu lassen. Andere würden sie als naiv bezeichnen, aber Liz weiß genau auf was sie sich einlässt und dass es auch schief gehen kann. Trotzdem lebt sie in den Tag hinein und grübelt nicht über all ihre Aktionen nach, denn in ihren Augen ist das Leben zu kurz um sich ständig Sorgen zu machen und alles zu hinterfragen. Was ihren Job betrifft hatte sie einige Erfahrung gesammelt und scheut sich nicht ihren Kollegen zu helfen und dein ein oder anderen Tipp mit ihnen zu teilen. Besonders den Jüngeren nimmt sie sich gerne an und versucht ihnen die Nervosität und Unsicherheit zu nehmen. Meistens sieht sie sich als Mutterersatz und versucht ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

James Andrew Eric Phelps · 33 Jahre · Schauspieler

James ist ein vollkommener Scherzkeks, wo immer er zusammen mit seinem Bruder auftaucht, ist meist positives Chaos. Man sollte bei ihm und Oliver, die fast nur im Doppelpack auftauchen und agieren, immer mit dem Unmöglichsten rechnen. Wie  auch sein Bruder steht der Phelps gerne im Mittelpunkt und hört es gerne, wenn man sich an sie erinnert. Die Scherze und Streiche der beiden gehen gegen jeden, besonders aber gegen Leute die sie nicht leiden können oder die keinerlei Spaß verstehen. Sie sind wie die Weasley-Zwillinge im echten Leben. Für ihn steht die Familie an oberster Stelle und auch wenn er weiß, dass er diese mit seinen Verrücktheiten und Streichen manchmal in den Wahnsinn treibt versucht er sie so oft es ihm möglich ist zu besuchen. Er ist ein sehr vertrauensvoller Mensch und es fällt ihm schwer zuzugeben, dass er sich in manchen Leuten getäuscht hat, da er in ihnen immer nur das Beste sehen will.

Jennifer Penelope Olsen [Perrie Edwards] · 24 Jahre · Schauspielerin & Sängerin

Schon als Schülerin war Jennifer ausgesprochen ehrgeizig und wollte immer die Beste sein. Es war für sie schwer einmal nur Zweite zu werden. Das liegt vielleicht auch daran, dass ihr Vater die Familie verlassen hatte als sie gerade einmal fünf Jahre alt war. Seither kämpft sie jeden Tag. Sie versucht ihrer Mutter so zu helfen, wie es ihr möglich ist und sie nicht zu enttäuschen, wie ihr Vater es getan hat. Sobald es möglich war hatte die Blonde einen Nebenjob angenommen um ihrer Mutter finanziell unter die Arme zu greifen. Doch trotz allem hielt sie ihre Noten auf einem Einser-Schnitt. Jenn brachte kein einziges Mal eine schlechte Note nach Hause – und wenn sie dafür bis spät in die Nacht noch lernen musste war es ihr egal. Selbst im Studium hat sie hat geschuftet um so weit zu kommen, wie sie jetzt war.

Leigh Cassandra Kingsley [Dianna Agron] · 25 Jahre · Touristenführerin der Hotelkette „Marbella“

Leigh hat schon früh gelernt für sich alleine zu sorgen und daran ist ihre Mutter nicht ganz unschuldig, denn diese hatte nie wirklich Zeit für ihre Tochter gehabt, besser gesagt wollte sie sich keine Zeit mehr nehmen. Daher fällt es ihr auch schwer jemanden an sich ranzulassen. Schon mit fünf Jahren hatte sie sich eine Mauer aufgebaut um keine Gefühle einwirken zu lassen. Der Focus lag nur auf ihr selbst. Daher hatte sie sich auch in der Grundschule wie von selbst von allen anderen Leuten abgeschottet und war immer alleine gewesen, aber so wollte sie es auch und es machte ihr nichts aus. Obwohl sie sich manchmal ziemlich einsam fühlte… Aufgrund ihrer Art wurde Leigh von den Leuten oft falsch eingeschätzt, denn die meisten hielten sie für eitel und hochnäsig, aber sie war keines von beiden. Im Gegenteil - sie setzt sich gerne für Hilfsbedürftige ein und arbeitet ab und an in einem Waisenhaus und verteilt Essen an die Kinder. Jedes Mal, wenn sie dort ist bricht es ihr das Herz, wenn sie sehen muss, wie viele Kinder keine Familie mehr haben oder einfach abgeschoben wurden. Sie konnte es einfach nicht verstehen, wie man sein Kind hergeben oder sogar aussetzen konnte. Das war für sie einfach menschlos.

Oliver Martyn John Phelps · 33 Jahre · Schauspieler

Oliver ist ein eineiiger Zwilling. Und dieser Umstand hat ihn vom ersten Tag an geprägt. Nicht nur, dass er nie ohne seinen Bruder irgendwo auftaucht. Er braucht diesen auch wie andere die Luft zum atmen. Ein unsichtbares Band verbindet beide miteinander. Sie fühlen gleich, denken gleich und verstehen sich ohne Worte. Eine ganz besondere Beziehung, die nur die wenigsten Leute wirklich verstehen, die für die Zwillinge jedoch völlig normal und selbstverständlich ist. Daher könnte und wollte sich Oliver ein Leben ohne seine bessere Hälfte einfach nicht vorstellen. James gehört eben zu ihm. Und so ist es kein Wunder, dass die beiden Jungen alles zusammen unternehmen und sich selbst gegenüber auch stets harmonisch und in Eintracht agieren.  Andere hingegen würden das aufgeweckte Duo wohl eher als Wurzel allen Chaos beschreiben. Sie sind zweifellos die geborenen Scherzkekse und haben es faustdick hinter den Ohren. Und keiner der beiden muss sich erst von seinem Bruder zu Scherzen und Missetaten überreden lassen. Im Gegenteil. Die Zwillinge haben meist gleichzeitig dieselben brillianten – in den Augen vieler anderer wohl eher dummen – Ideen, verwirklichen diese zusammen und baden dann auch deren Konsequenzen stets gemeinsam aus. Und da es den beiden nicht an Einfallsreichtum und Kreativität fehlt, sieht man sich beinahe ständig mit ihren Geistesblitzen, Scherzartikeln und vor allem deren Folgen konfrontiert. Daher sollte man, wo immer sie auftauchen, mit dem Unmöglichsten rechnen. Und natürlich bleiben die Zwillinge in einem Raum voller Menschen nie lange unentdeckt. Im Gegenteil. Mit ihrem Auftreten und ihren Ideen ziehen sie schnell und vor allem gerne die Aufmerksamkeit auf sich.

Ryan Finnick Olsen [Matthew Daddario] · 27 Jahre · Barkeeper in der Hotelkette „Marbella“

In Ryan steckt mehr als man auf den ersten Blick vermuten würde. Durch seinen lässigen Kleidungsstil wirkt er zunächst wie ein harter, arroganter, abweisender Typ, dem man lieber aus dem Weg gehen möchte um sich keinen Ärger einzuhandeln. Er tritt immer mit Selbstsicherheit auf und hat sich auch seinen Freundeskreis dementsprechend sorgfältig ausgewählt. Besonders von Leuten, denen man ihre Unsicherheit von weitem ansieht hält er sich fern, da sie einfach nicht dazu passen würden. Er ist ein sehr aufgeweckter Kerl, der gerne etwas erlebt. Für ihn ist es schwer einfach nur rumzusitzen und nichts zu tun. Wenn er in der Arbeit einmal freie Zeit hat nutzt er diese immer aus um etwas zu unternehmen – sei es klettern zu fahren, wandern zu gehen oder die neuesten Escape-Rooms zu besichtigen. Alle in seinem Freundeskreis sind abenteuerlustig und aufgeweckt wie er weshalb es auch nicht schwer fällt mit ihnen etwas zu unternehmen. Ryan ist auch sehr ehrgeizig und wissbegierig. In seinem Beruf versucht er sich immer weiterzubilden und sich neue Dinge anzueignen. Wenn sich ihm eine neue Herausforderung bietet nimmt er diese an und ruht nicht eher bevor er es geschafft hat. Er gibt den Menschen gerne eine Chance bevor er sich einschätzt und einstuft und versucht immer das Gute in ihnen zu sehen. Durch seine offene Art fällt es ihm leicht schnell neue Freundschaften zu schließen. Er geht offen auf andere Leute zu und kommt schnell mit ihnen ins Gespräch.

Samantha Jennifer Morris [Taylor Momsen] · 23 Jahre · Rezeptionistin in der Hotelkette „Marbella“

Samantha scheint ein süßes und freundliches Mädchen zu sein, obwohl es sich in bestimmten Situationen dramatisch ändern kann. Zum Beispiel wenn sie von Jemandem als dumm bezeichnet wird, reagiert sie sehr beleidigt darauf und gibt meistens ein hoffnungsloses „What is that supposed to mean?“ von sich. Sie ist in der Lage, an den Emotionen der Leute, mit denen sie kommuniziert, zu erkennen, wie sie mit ihr umgehen. Doch schnell ändert sich ihre Empfindlichkeit und sie wirkt wie jedes Mal etwas hohlköpfig. Sam ist fähig, besonders wenn sie beleidigt ist, ziemlich hilflos und emotional zu werden. Man kann sie sehr leicht einschüchtern. Manchmal ist es ihr ein Bedürfnis ihren Freunden von den komischen Dingen zu erzählen von denen sie träumt oder sie die angeblich gesehen hat. Deshalb wird sie mitunter als verrückt und seltsam bezeichnet, trotzdem ist sie sehr beliebt. Eigentlich wird Sam von allen Leuten gemocht, und ihr ist es egal, wie derjenige sich verhält. Sie ist Mädchenhaft und sehr Naiv.

Vanessa Allison Collins [Elizabeth Reaser] · 42 Jahre · Eventmanagerin in der Hotelkette „Marbella“

Familie und Freunde stehen für sie ganz oben auf ihrer Prioritätenliste. Sie weiß, dass sie ohne ihre Nichte schon oft genug aufgeschmissen gewesen wäre und ist ihr unendlich dankbar, dass sie immer wieder die Geduld mit ihr aufbringt um ihr helfen. Für Vanessa ist es nicht immer leicht gewesen sich zu öffnen und auf Andere zu zugehen, aber mit der Zeit im Hotel und ihrem Job als Eventmanagerin hatte sich das zum Glück geändert. Man könnte sagen sie hatte sich mehr als nur verändert. Vom Charakter her war sie ein komplett neuer Mensch. Durch ihre Freunde hat Vanessa mehr an Selbstvertrauen gewonnen und glaubt nun an sich und ihre Fähigkeiten – egal was andere vielleicht ihr gegenüber sagen. Sie ist äußerst hilfsberei. Noch dazu ist sie sehr aufmerksam und merkt sofort, wenn jemand nicht bei der Sache ist und ihn etwas beschäftigt. Dann kommt auch ihre einfühlsame Seite zum Vorschein. Die Collisn kann sehr gut zuhören und wählt ihre Ratschläge immer sehr sorgfältig aus, denn sie will nichts Falsches sagen oder einen falschen Eindruck vermitteln.

Der Wecker riss Aileen aus ihrem unruhigen Schlaf und grummelnd drehte sie sich auf die andere Seite. War es schon Zeit um aufzustehen? Der Blonden kam es so vor als hätte sie sich gerade erst hingelegt. Das schrille Klingeln wollte nicht verstummen und ihr Verlobter schlief neben ihr wie ein Stein. Er schien vom morgendlichen Weckruf nichts zu bemerken. Seufzend schlug sie die Decke beiseite, beugte sich über Oliver hinweg und brachte das nervende Klingeln zum Verstummen. Erst in diesem Moment fiel es ihr siedend heiß ein, dass ihre beste Freundin heute anreisen würde. Das letzte Mal hatten sich die Beiden vor knapp drei Jahren gesehen. Mit einem Schlag war sie hellwach.

Auf Zehenspitzen tapste Aileen durch das Haus und machte sich in der Küche eine große Tasse Kaffee. Während die Maschine ihre Arbeit verrichtete huschte die Blondine durch die Räume um die Vorhänge beiseite zu ziehen und um zu lüften. Der schneidend kalte Wind verursachte bei ihr eine Gänsehaut, aber die abgestandene Luft musste raus. Da ein Frühstück für sie heute keine Option war schnappte sie sich ihre Tasse und ging wieder nach oben ins Schlafzimmer. Auch Oliver hatte beschlossen sich zu rühren und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn ehe er ins Badezimmer schlurfte. Schmunzelnd setzte sich die Collins an ihren Schminktisch um sich fertig zu machen.

Nachdem sie das Make-up erledigt hatte zog sie sich rasch an, denn langsam schloss sich ihr Zeitfenster und so würde sie es nie pünktlich zum Flughafen schaffen. Außerdem konnte man nicht wissen was einen erwarten würde – eine Verspätung des Fliegers, eine Gate Änderung oder sonstige Katastrophen. Hastig warf sich die Blonde ihren Mantel über und alles Wichtige was sie brauchte landete in ihrer Handtasche.

»Schatz? Ich fahre dann los. Wir sehen uns später oder sonst heute Abend!«, rief sie durchs Haus während sie in ihre Stiefel schlüpfte.

Oliver kam mit seiner Zahnbürste zwischen den Zähnen über die Treppe nach unten und gab seiner Verlobten einen Kuss. »Fahr vorsichtig! Und richte Leana schöne Grüße aus und dass ich mich freue sie bald kennenzulernen.« Er legte den Kopf leicht schief. »Sofern du ihr endlich von uns erzählst.«

Bisher war es der Collins noch nicht gelungen ihrer besten Freundin nähere Informationen zu ihrem Freund – nun Verlobten – zu geben. Das Ganze war schwerer als man denken würde. Doch langsam konnte sie sich nicht mehr davor drücken. Vor diesem Gespräch hatte Aileen etwas Panik.

Ein leichtes Nicken musste ihm als Antwort reichen, denn schon hatte sie das Haus verlassen und ging auf ihren Wagen zu. In diesem Augenblick fuhr auch ihr Schwager vor und schenkte ihr ein breites Lächeln. Er würde mit seinem Bruder nach London fahren.

»Guten Morgen Sonnenschein! Bereit für das große Wiedersehen?« James drückte sie leicht an sich. Er wusste wohl wie sehr sich seine Schwägerin darauf freute, denn seit Wochen lag sie allen damit in den Ohren.

Ein Schmunzeln trat auf Aileens Lippen. »Als würdest du die Antwort darauf nicht bereits wissen!« Sie stellte ihre Handtasche auf den Beifahrersitz. »Oli müsste jeden Moment fertig sein. Also bis später!« Sie winkte noch zum Abschied bevor sie aus der Ausfahrt rollte und losfuhr.

Der morgendliche Verkehr war erträglich und es ging zügig dahin. Ihr Handy hatte sie mit dem Radio verbunden und schon dröhnten ihre Playlisten aus den Boxen. Musik war der Blonden immer schon ein Trost gewesen. So konnte sie für kurze Zeit in eine andere Welt fliehen oder ihre Gefühle ausdrücken. Diese Leidenschaft verband sie auch mit Helena.

Die Collins hatte die Fahrt schnell hinter sich gebracht und es herrschte reges Treiben am Flughafen. Vier Runden brauchte es bis sie einen Parkplatz gefunden hatte und diesen für sich beanspruchen konnte. Trotz allem lag sie noch immer gut in der Zeit und konnte sich mit viel Glück noch einen Kaffee bei Starbucks gönnen. Nachdem sich Aileen ihr Parkticket organisiert hatte betrat sie das Flughafengebäude und musste sich erst einmal orientieren. Leute schoben ihre Koffer raus und rein und die Blonde musste darauf achten nicht über den Haufen gerannt zu werden oder das ihr „Namensschild“ zerstört wurde. Vorsichtig bahnte sie sich einen Weg durch die Besucher und checkte die großen Anzeigetafeln um das Gate der Griechin ausfindig zu machen. Jedoch hatte sich nichts an den Informationen geändert und erleichtert atmete sie auf. Zwar hatte sie noch etwas Zeit bis der Flieger landen würde, aber trotzdem war sie nervös.

Den Kaffee hatte sie dringend gebraucht und während Aileen an ihrem Becher nippte machte sie sich auf den Weg zum Gate. Laut ihrem Handy durfte es nicht mehr allzu lange dauern und nun hatten sich bereits einige Leute eingefunden, die wohl ebenfalls ihre Liebsten abholen wollten. Auch Aileen gesellte sich zu ihnen, holte ihr Namensschild hervor und grinste breit, denn darauf stand in großen Buchtstaben: Mrs. Weasley. Die beiden Mädchen waren schon immer verrückt nach den Weasley-Zwillingen aus Harry Potter gewesen und das würde immer ihr Insider bleiben. Aus diesem Grund hatte sich die Collins diese Aktion auch nicht verkneifen können. Wenn Leana nur wissen würde was dabei noch so auf sie zukommen würde…

Wenige Minuten später öffneten sich auch schon die Doppeltüren und die Passagiere betraten die Halle. Aileen stellte sich leicht auf Zehenspitzen, denn sie konnte beim besten Willen nichts sehen. Ein älterer Herr mit Hut versperrte ihr die Sicht. Als dieser jedoch seine Enkelin in den Arm schloss und von sie von Dannen zogen schon sich die Collins weiter nach vorne um zu warten. Langsam machte sie sich Sorgen, dass sie ihre beste Freundin vielleicht übersehen hatte, aber schließlich kam diese dann doch noch durch die Tür und scannte sofort den Bereich ab.

Als sich die Blicke der Mädchen trafen und die Pantagiota das Namensschild las war es um die Zwei geschehen. Die Freundinnen brachen in schallendes Gelächter aus und fielen sich um den Hals, wobei Helena ihren kleinen Koffer, welcher als Handgepäck gedient hatte, einfach mitten im Weg stehen ließ. Eine ältere Dame stolperte und wäre beinahe auf den Boden geknallt, wenn sie nicht jemand aufgefangen hätte.

»Entschuldigung, das war nicht meine Absicht. Geht es Ihnen gut? Ist Ihnen etwas passiert?«, fragte Leana in hektischem griechisch nach.

Die Dame wollte jedoch nichts hören. Wild fuchtelte sie mit ihrer Handtasche und beschwerte sich lautstark über die Jungend von heute während sie sich auf den Weg machte.

Nun konnten die Freundinnen nicht mehr an sich halten und prusteten los. Es dauerte einige Minuten bis sie sich wieder im Griff hatten.

»Ich freue mich so dich endlich wiederzusehen. Das letzte Mal ist viel zu lange her.« Aileen drückte ihre bessere Hälfte noch einmal an sich. »Wie war der Flug?« Sie schnappte sich den kleinen Koffer und gemeinsam machten sich die Mädchen auf den Weg zur Gepäckausgabe.

Helena folgte ihrer besten Freundin, denn auf ihren Orientierungssinn konnte sie sich nicht verlassen. Schon gar nicht, wenn so viele Leute um sie herum waren. Die Griechin lächelte übers ganze Gesicht. »Du glaubst nicht wie sehr ich mich freue hier zu sein. Auch wenn ein Teil meines Aufenthaltes mit Arbeit verbunden ist. Es hat nun lange gedauert, dass wir uns sehen.« Geschickt fuhr sie sich durch ihre Locken. »Im Grunde war der Flug in Ordnung. Doch vier Stunden können ziemlich lang werden. Aber ich bin froh, dass ich nun endlich hier bin. Ich habe dich und London vermisst!«

Seit ihrer Klassenfahrt vor zehn Jahren waren die Freundinnen nicht mehr gemeinsam in London gewesen. Wenn man darauf zurückblickte war es eine lange Zeitspanne. Nun waren sie erwachsen und konnten mehr erleben da ihnen andere Möglichkeiten offen standen. Aileen war gespannt was sie in nächster Zeit mit Helena erwarten würde. Immerhin gab es noch einige Informationen, welche ans Licht gebracht werden mussten.

Als sie bei der Gepäckausgabe von Leanas Flug ankamen waren sie die Letzten und es waren kaum noch Passagiere anwesend. Gemeinsam hielten sie Ausschau nach beiden Koffern, aber konnten diese nicht finden. Stirnrunzelnd liefen sie das Band entlang, aber keiner tauchte auf. Seltsam.

»Okay? Dieser Koffer rollt nun bestimmt zum vierten Mal an mir vorbei. Vielleicht hat ein Passagier deine verwechselt?«, fragte Aileen nach doch ihre beste Freundin schüttelte den Kopf.

»Meine Koffer stechen sofort heraus. Die hat niemand außer mir.« Die Schwarzhaarige ließ ein Schnauben vernehmen. »Ich schwöre dir, wenn sie verloren gegangen sind…«

Die Collins kaute leicht auf ihrer Unterlippe. »Vielleicht sollten wir am Schalter nachfragen. Dort können sie uns mit Sicherheit weiterhelfen!«

So sollte die gemeinsame Zeit der Mädchen nicht beginnen…

Sauer stimmte Helena dem Vorschlag zu bevor sie aufschrie. »Da hinten! Meine Koffer. Sie scheinen irgendwie festzuhängen.« Kurzerhand schlüpfte sie aus ihren Schuhen, stieg auf das Rollband und lief los um ihr Gepäck aus deren Klemme zu befreien. Einige Passagiere deuteten kichernd auf sie und andere riefen ihr empört zu. Die Beamten jedoch fanden ihre Aktion eher wahnsinnig und rannten schon auf sie zu um sie vom Förderband zu zerren. Jedoch war die Griechin schneller und befreite ihre Koffer. Triumphierend richtete sich die Dunkelhaarige auf und warf sich die Locken über die Schulter.

Aileen schüttelte sich vor Lachen und bot ihrer besten Freundin eine Hand an um ihr herunter zu helfen. Helene schlüpfte wieder in ihre Chucks.

»Okay, Katastrophe angewandt! Lass uns ins Hotel fahren. Ich kann es kaum erwarten zu sehen wie es aussieht.« Leana hakte sich bei Aileen unter und gemeinsam gingen sie zum Wagen.

Die Fahrt verging schnell da sich die Beiden einiges zu erzählen hatten. Nicht einmal der Stau fiel ihnen auf. Aileen kannte die Strecke auswendig, aber nicht einmal die Abkürzungen waren diesen Vormittag hilfreich. Dennoch kamen sie heil im Hotel an und die Blonde stellte ihren Wagen in der Tiefgarage ab. Mit dem Mitarbeiteraufzug fuhren sie nach oben in die Lobby, wo bereits hektischer Betrieb stattfand.

Leana wusste bereits, dass im Hotel für eine britische Serie gedreht wurde, aber dennoch hatte sie sich alles etwas anders vorgestellt. Während sie der Blonden zur Rezeption folgte sah sei sich neugierig um. Das Hotel sah von außen wie auch von innen äußerst nobel aus. Kaum zu glauben, dass sie nun für einen Monat hier wohnen würde.

Am Empfang wurden sie von einem jungen blonden Mädchen begrüßt, welche gerade mit Daten auf ihrem Computer beschäftigt war. »Herzlich Willkommen im Marbella. Mein Name ist Samantha. Wie kann ich Ihnen behilflich sein?«, meinte sie freundlich und hob den Blick. Erst in diesem Moment fiel ihr auf, dass ihre Vorgesetzte vor ihr stand. »Oh, hi Lee! Hallo Helena! Ich hoffe du hattest einen angenehmen Flug.«

Die Griechin war im ersten Moment etwas perplex, aber lächelte freundlich. »Danke, ich kann mich nicht beschweren.«

Aileen grinste breit als sie sich hinter die Rezeption begab. Ihren Mantel war sie über die Sessellehne und setzte sich an einen der Computer. »Samantha, wie lief dein Morgen? Gab es schon Vorfälle von denen ich wissen sollte?«

Die Blonde schüttelte den Kopf während sich Lee um die Reservierung von Helena kümmerte. »Nein, eigentlich nicht. Vier Gäste haben ausgecheckt. Deren Zimmer werden gerade gereinigt und für den Neubezug vorbereitet. Wir haben neun Neureservierungen und deine Tante hat einen Kellner gefeuert. Alles läuft wie immer.«

Die Collins lachte auf, denn das hörte sich ganz nach ihrer Tante an. »Na dann sollten wir wohl einen neuen Kellner einstellen.« Währenddessen versuchte sie immer noch die Buchung ihrer Freundin zu finden, aber es schien nirgends auf. Ein Seufzen kam über ihre Lippen. »Lea, hast du deine Buchungsnummer? Das System findet dich nicht unter deinem Namen.«

»Na vielleicht solltest du mit mehr Liebe an das Ganze rangehen.« Frech zwinkerte die Griechin ihrer besten Freundin zu und reichte ihr die Bestätigung. Sam stimmte ihr lachend zu und kümmerte sich dann um die neuen Gäste, welche soeben das Hotel betraten.

Aileen gab die restlichen Daten ein, speicherte die Zimmerkarte ab, legte sie in die Informationsmappe und reichte diese der Pantagiota. »Okay, das ist die Infomappe für das Hotel. Darin findest du die Hausordnung, alle wichtigen Nummern, die Speisekarte für den Zimmerservice und einen Eventplan. Dein Zimmer liegt im vierten Stock, Nummer 582. Ich bringe dich noch zum Aufzug.«

Helena nahm die Mappe in ihre freie Hand und folgte Lee zu den Aufzügen. »Ich habe ein Meeting am Nachmittag, aber wie wäre es mit Abendessen heute Abend? Du musst mir noch so viel erzählen was ich verpasst habe.«

Ein Kichern kam über Lees Lippen und sie stimmte dem Vorschlag zu. »Gut, dann sehen wir uns gegen Acht im Restaurant?«

Die Schwarzhaarige fuhr mit dem Aufzug nach oben und die Collins machte sich an die Arbeit. Gemeinsam mit Sam kümmerte sie sich um die weiteren Gäste, die ein- und auscheckten und stand für jegliche Fragen zur Verfügung. Als es etwas ruhiger wurde ließ sie die Morris alleine und machte sich auf den Weg in die Bar um der Filmcrew zu helfen. Ihr Verlobter lief ihr dabei jedoch nicht über den Weg.

Der restliche Tag flog an ihr vorbei, denn es war genug zu tun gewesen. Ehe sich Aileen versah war es kurz vor acht Uhr abends. Sie wurde an der Rezeption abgelöst und machte sich auf den Weg ins Restaurant. Nachdem ihre beste Freundin noch nicht da war setzte sie sich an einen Tisch und bestellte zwei Gläser Wein.

Leana ließ nicht lange auf sich warten und schon stürzten sich die Beiden in Erzählungen der letzten Vorkommnisse. Auch die Griechin hatte kaum noch Kontakt zu ihrer alten Clique aus der Schule. Daher wusste sie ebenso wenig was bei ihnen so los war wie Aileen. Aber Lee war ohnehin mehr am Leben ihrer besten Freundin interessiert. So erfuhr sie unter anderem, dass sich Helena vor zwei Wochen von ihrem Freund getrennt hatte. Ihr „Geheimnis“ behielt sie jedoch vorerst noch für sich.

Es wurde immer später und schließlich beschlossen sie noch auf einen Drink in der Bar vor zu schauen, denn das Restaurant schloss seine Türen. Ryan hatte hinter dem Tresen bereits alle Hände voll zu tun und ärgerte sich mit der neuen Angestellten, welche er einarbeiten musste. Jedoch hellte sich seine Miene schlagartig auf als sich die Mädchen an die Bar setzten.

»Einen wunderschönen guten Abend, Ladies. Was kann ich für euch tun?«, meinte er mit einem breiten Grinsen auf den Lippen.

Lea musterte ihn leicht bevor sie die Getränkekarte studierte. Aileen schmunzelte. »Ryan, alles klar?« Skeptisch beobachtete sie die Neue. »Bringst du uns zwei Vegas, bitte?«

Der Dunkelhaarige machte sich ans Mixen und Leana wackelte bedeutungsvoll mit den Augenbrauen. »Aber hallo! Du scheinst wohl immer beim selben Muster zu bleiben was Jungs angeht, oder?«

Lachend stieß ihr die Collins den Ellenbogen in die Seite. »Du bist unmöglich! Außerdem weiß ich nicht was du damit andeuten möchtest. Immer diese Unterstellungen!«

Die Pantagiota lachte. »Wenn ich mich richtig erinnere war es zuhause auch ein Barkeeper. Dunkelhaarig, braune Augen, charmantes Lächeln. Du hast einen Typ und das kannst du nicht abstreiten.«

Ryan brachte ihnen ihre Cocktails und hatte natürlich etwas von ihrem Gespräch mitbekommen. Ein freches Grinsen zierte seine Lippen. »Ich wäre sofort dabei gewesen, aber Aileens Herz ist bereits vergeben.«

Lee verdrehte grinsend die Augen und reichte Lea den Drink. »Auf eine unvergessliche Zeit!«

Der nächste Morgen lief hektischer als geplant. Helena war noch nicht dazu gekommen auszupacken und hatte vergessen für ihren Termin einen Wecker zu stellen. Deshalb war sie nun recht spät dran. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass sie noch zwanzig Minuten hatte. Dann würde das Interview mit BBC1 stattfinden, welche einen YouTuber aus Frankreich eingeladen hatten. Er machte Musik, aber sprach ein Wort Englisch und von verstehen war er weit entfernt. Helena wurde engagiert um für beide Seiten zu dolmetschen.

Im Eiltempo fischte sie ihre Klamotten aus dem Koffer, zog sich um und legte etwas Make-up auf. Ihre Haare flocht sie sich locker auf der Seite zusammen. Das musste für heute reichen, denn ansonsten würde sie es niemals pünktlich schaffen.

Während die Griechin zum Aufzug hastete schrieb sie eine kurze Nachricht an ihre beste Freundin. In ihren Unterlagen las sie noch einmal kurz die wichtigsten Informationen zu dem YouTuber nach, denn sie hatte noch nie von ihm gehört. Aber es würde nicht gut aussehen, wenn sie nichts über ihn wissen würde. Lea versuchte sich die wichtigsten Dinge einzuprägen und als sie in der Lobby ankam ging sie zur Rezeption.

Wie auch schon am Vortag saß Samantha auf ihrem Platz hinter dem Computer. »Guten Morgen, Helena. Wie kann ich dir behilflich sein?«, fragte sie freundlich nach.

Lea erwiderte ihr Lächeln. »Guten Morgen. Ich habe einen Termin mit BBC1. Ist zufällig schon jemand von ihnen hier? Ansonsten würde ich schon einmal in den Konferenzraum vorgehen und dort warten.« Sie legte ihre Unterlagen auf dem Tresen ab und hoffte insgeheim, dass noch niemand hier war.

Die Blonde suchte kurz in ihren Unterlagen und nickte leicht. »Also die Crew hat sich noch nicht angemeldet. Jedoch ist der Franzose bereits da. Ich habe ihn vor wenigen Minuten rüber gebracht. Mr.Collins und Aileen haben euch bereits Getränke und Snacks bereit gestellt. Sobald die BBC1 Crew kommt schicke ich sie dir rüber.« Aufmunternd lächelte sie der Griechin zu.

Dankbar nickte die Pantagiota und machte sich auf den Weg. So hatte sie wenigstens noch die Chance sich mit dem YouTuber zu unterhalten bevor es losging. Der Konferenzraum war zum Glück nicht zu verfehlen. Schwungvoll betrat sie den Raum, legte ihre Sachen am Tisch ab und ging zielstrebig auf den jungen Herren zu. Ihrer Schätzung nach zu urteilen war er vielleicht um die 22 Jahre.

Beide mussten nicht lange warten bis die Leute aus dem Sender eintrafen und das Interview begann.

In der Zwischenzeit lief Aileen schon zum fünften Mal in den sechsten Stock, da es dort ein Problem mit einem Gast gab und ihre Kolleginnen konnten das wohl nicht ohne sie aus der Welt schaffen. Obwohl sie eigentlich schon genug um die Ohren hatte kümmerte sie sich auch noch darum. Mit einem Angebot für zusätzliche drei Übernachtungen um den halben Preis war das Drama schnell aus der Welt geschafft und der Vormittag zog an der Blonden vorbei.

Als die Collins das nächste Mal einen Blick auf die Uhr warf war es bereits halb Zwei nachmittags und sie machte sich auf die Suche nach ihrem Onkel. Ihrem Wissen nach hatte er im Moment keine Meetings mehr also würde sie ihn wohl in seinem Büro finden. Das bedeutete, dass er sich vielleicht dazu überreden ließ mit ihr und Leana etwas essen zu gehen.

»Aileen, da bist du ja. Ich wollte mich soeben auf den Weg machen um dich zu suchen.« Charles lächelte breit und bot seiner Nichte eine Tasse Kaffee an. »Wie geht es deiner Freundin Helena? Alles in Ordnung? Wenn sie etwas braucht soll sie sich bei der Rezeption melden und wir kümmern uns darum!«

Dankend nahm sie die dampfende Tasse Koffein entgegen und nahm einen Schluck. »Danke, dass ich sie hier unterbringen durfte. Bei mir zuhause wäre es ziemlich umständlich gewesen.« Lee nagte nervös auf ihrer Unterlippe. »Außerdem haben wir noch nicht über die Veränderungen in meinem Leben gesprochen.«

Ihr Onkel zog eine Augenbraue nach oben. »Liebes! Ich weiß, dass ihr euch schon lange nicht mehr gesehen habt und es vieles zu besprechen gibt. Aber du hast dich verlobt und der Mann an deiner Seite ist nicht gerade unbekannt. Denkst du nicht, dass sie es verdient hat es von dir zu erfahren?«

Natürlich hatte er recht, aber sie wusste nicht recht wie sie das Thema aufgreifen sollte. Dennoch wollte sie es versuchen. »Ich werde es ihr sagen, aber ich brauche noch ein bisschen Zeit!« Aileen seufzte leicht auf. »Soweit ich weiß ist bei ihr alles in Ordnung. Wir haben uns heute noch nicht gesehen, denn sie hat doch dieses Interview, das sie dolmetschen muss. Wir wollen uns aber gleich zum Mittagessen treffen…Wieso kommst du nicht mit und fragst sie selbst?« Sie zwinkerte ihm zu.

Überrascht zog Charles eine Augenbraue nach oben und legte den Kopf leicht schief. »Ich will mich euch nicht aufdrängen. Wie du gesagt hast habt ihr euch so lange nicht mehr gesehen. Da habt ihr euch einiges zu erzählen und da passe ich doch nicht rein.«

Lee lachte auf und fuhr sich durch die Haare. »Wenn es stören würde hätte ich dich nicht gefragt und es dir angeboten!« Sie hakte sich bei ihm unter. »Wollen wir dann los? Ich verhungere!«

Ihr Onkel stimmte zu und die Drei trafen sich im Restaurant zum Mittagessen. Charlie bombardierte die Griechin mit Fragen, aber sie schien kein Problem damit zu haben alle zu beantworten. Helena erzählte ihnen dann auch von dem Interview, welches eine totale Katastrophe gewesen war. Anscheinend hatte ihr Chef einfach jede Anfrage angenommen ohne sich im Vorhinein darüber zu erkundigen was auf seine Dolmetscherin zukommen würde… Das kommende Monat würde noch interessant werden.

Da beide Mädchen am Nachmittag keine Termine hatten konnten sie sich endlich die Stadt ansehen und über alte Zeiten reden. Doch Aileen hatte da noch eine weitere kleine Sache geplant.

Die Britin legte ihrer besten Freundin den Arm um die Schulter und lächelte. »Was hältst du davon, wenn wir mit Leigh und ihrer Gruppe die London Tour mitmachen? So siehst du etwas von der Stadt im Winter und wir kommen auch zum Weihnachtsmarkt, denn das ist die letzte Station, wo sie stehen bleiben!« Zwinkernd fuhr sie sich durch die Haare.

Lea lachte auf, denn wenn sie mit Lee auf dem Weihnachtsmarkt enden würde kamen sie vor morgen früh bestimmt nicht mehr nach Hause. Aber wie hieß es so schön? No risk, no fun. Nickend stimmte sie dem Vorschlag zu. »Ich bin dabei. Wann geht es los?«

Aileen wackelte grinsend mit den Augenbrauen. »Yay, wusste ich es doch. Der Treffpunkt ist in der Lobby. Du hast eine Stunde Zeit und vergiss nicht dich warm anzuziehen. Ansonsten erfrierst du!«

Eine gute Stunde später trafen sich die Freundinnen wieder in der Lobby und bereits zahlreiche Gäste des Hotels warteten darauf, dass die Tour endlich losgehen würde. Lange mussten sie jedoch nicht warten, denn schon tauchte Leigh auf und alle stellten sich in einem Halbkreis um sie auf.

»Wunderschönen guten Nachmittag! Mein Name ist Leigh und ich bin für heute ihre Tourführerin. Der Bus wartet draußen bereits auf uns. Daher möchte ich Sie bitten erst einzusteigen, wenn ich ihre Namen aufrufe damit wir niemanden vergessen. Wer sich noch nicht bei mir eingetragen hat und trotzdem teilnehmen möchte kann sich noch eintragen sobald alle anderen aufgerufen wurden.« Die Blonde lächelte freundlich und rief nach der Reihe die Namen der Teilnehmer auf, welche auf der Liste auf ihrem Klemmbrett standen.

Schließlich blieben noch sechs weitere Gäste, Helena und Aileen über. Da noch genügend Platz vorhanden war schrieb die Kingsley die restlichen Namen auf und schon fuhren sie los. »Freut mich dich endlich kennenzulernen, Helena. Aileen hat schon so viel von dir erzählt.«

Leana lachte leicht. »Anscheinend hat sie jedem von mir erzählt. Aber freut mich ebenfalls.«

Die Mädchen hatten die erste Reihe am oberen Deck für sich ergattert und öffneten ihre Mäntel, denn im Bus war es verdammt warm. Ein Pluspunkt! Der Fahrer fuhr los und Leigh erklärte über das Mikrofon, wie die Tour ablaufen würde.

Die Griechin ließ den Blick aus dem Fenster schweifen. »Auch wenn ich schon einige Jahre nicht mehr hier war fällt mir erst jetzt auf, wie sehr ich London vermisst habe.« Ein Seufzen kam über ihre Lippen. »Man kann die Sehenswürdigkeiten nicht oft genug sehen. Finde ich jedenfalls.«

Aileen wohnte nun schon einige Jahre in London, aber sie wurde der Sehenswürdigkeiten nicht müde. Oft begleitete sie Leigh auf den verschiedenen Touren. Auch wenn sich an den Stopps nichts bis kaum etwas veränderte war es trotzdem schön zu wissen, dass immer noch alles beim Alten war.

Lee strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr. »Ich weiß was du meinst.«

Buckingham Palace, London Eye, Tower of London waren nur einige Halte der Tour, welche auf zwei Tage aufgeteilt war. Man konnte nicht alles auf einmal abfahren, denn da würde man ewig brauchen und nirgends genug Zeit haben um Fotos zu machen und sich umzusehen. Aber es wurde immer dunkler und schließlich neigte sich die heutige Tour dem Ende zu.

Leigh schnappte sich erneut das Mikro um die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich zu lenken. »Um den heutigen Tag ausklingen zu lassen dachten wir uns, dass es nett wäre, wenn sie den Weihnachtsmarkt erkunden könnten. Die Tour endet mit diesem Halt. Morgen starten wir um dieselbe Zeit mit dem zweiten Teil. Ich hoffe, dass ich sie dann ebenfalls wieder begrüßen darf. Nun wünsche ich Ihnen im Namen des gesamten Teams aus dem Marbella einen angenehmen Abend und noch viel Spaß!«

Alle Gäste klatschten und einige stiegen aus um sich den Markt anzusehen. Andere blieben wiederrum sitzen um zum Hotel zurück zu fahren. Helena und Aileen schlossen ihre Mäntel und stiegen aus, denn wenn man um diese Zeit nach London kam war er unbedingt einen Besuch wert.

Ein kalter Wind kam auf und wehte ihnen um die Ohren. Die Blonde zog sich ihre Mütze weiter über die Ohren und steckte ihre Hände in die Manteltaschen. »Okay, also sollen wir zuerst mal durchgehen und sehen was es überall so gibt oder holen wir uns erst einmal einen Glühwein um uns etwas aufzuwärmen?« Fragend sah sie ihre beste Freundin an, welche ebenfalls ihre Hände schützend eingepackt hatte.

»Glühwein hört sich gut an! Danach können wir etwas stöbern!« Lea schmunzelte. »Ich brauche ohnehin Inspiration für meine Weihnachtsgeschenke dieses Jahr.«

So schlenderten die Beiden los und suchten einen Punschstand, von denen es zu viele gab. Schließlich fanden sie einen, wo nicht zu viele Leute standen und Lee bestellte zwei Becher. Es duftete herrlich nach Äpfeln und Zimt. So kam man in Weihnachtsstimmung. Einen Becher rechte sie an die Griechin weiter. Der Glühwein schmeckte köstlich. Nicht zu süß und nicht zu bitter durch die Gewürze.

»Wie sieht dein Terminkalender in den nächsten Tagen aus?« Vorsichtig nippte Lee an ihrem Becher. »Ansonsten könnten wir uns ja morgen zusammen setzen und ein paar Dinge planen, die wir machen könnten solange du noch hier bist.«

Leana legte den Kopf leicht schief und leckte sich über die Lippen. »Ich muss zugeben, dass ich es nicht weiß. Mein Chef hat mir heute Nachmittag den Terminkalender geschickt. Ich bin noch nicht dazu gekommen alles durchzuarbeiten und zu planen.« Die Griechin lachte auf. »Aber das können wir morgen ändern. Ich habe bestimmt einige Tage frei, die wie nutzen können!«

Typisch für die Pantagiota. Aileen schüttelte grinsend den Kopf.

Nachdem sie ihre Becher geleert hatten schlenderten sie gemütlich weiter und sahen sich die verschiedenen Stände an. Einige interessierten die beiden Mädchen überhaupt nicht und an anderen wiederrum verharrten sie etwas länger und stöberten sich durch. Erst als sie einen Stand mit Duftkerzen fanden war es vorbei, denn Lee war im siebten Himmel.

»Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich eine größere Tasche mitgenommen!«

Helena prustete los. Man durfte ihre beste Freundin wirklich nicht mit Kerzen alleine lassen.

 

Der gestrige Abend war leicht aus dem Ruder gelaufen. Nachdem Aileen den halben Kerzenstand aufgekauft hatten waren sie an einer netten Hütte hängen geblieben, welche köstlichen Glühwein verkauften. Helena hatte kleinere Geschenke gefunden und eine große Tüte Kartoffelchips ausgegeben. Bis weit nach Mitternacht hatten sie die warme Flüssigkeit genossen und waren die besten Kunden gewesen. Immerhin hatten sich die Freundinnen auch noch immer genug zu erzählen gehabt.

Als der Weihnachtsmarkt schließlich schloss rief Aileen zwei Wagen aus dem Hotel, welche beide abholten. Lea fuhr zurück ins Marbella und die Collins nahm den Weg nach Cambridge auf sich. Beim Haus angelangt hatte sie einige Minuten damit zu tun um endlich das Schlüsselloch zu finden bevor sie endlich ins Bett fallen konnte.

Ihr brummte der Kopf als wäre sie geradewegs in eine Backsteinmauer gelaufen. Der Collins war speiübel und bei jeder Bewegung kam es ihr so vor als würde sich das Zimmer drehen. Mit einem Auge linste sie auf den Wecker um die Uhrzeit festzustellen. 11:54. Wow. So sah also ihr freier Tag aus. Oliver war bereits am Set und sie fühlte sich im Haus ziemlich alleine. Sie konnte nicht den ganzen Tag im Bett bleiben, denn spätestens morgen würde sie es fürchterlich bereuen. Aus diesem Grund schrieb sie eine Nachricht an Helena und machte sich auf den Weg unter die Dusche. Vielleicht würde ihr das gegen ihren Kater helfen…hoffte sie zumindest.

Nachdem sie im Badezimmer fertig war und umgezogen ins Zimmer kam fühlte sie sich um einiges besser. Lea hatte ihr in der Zwischenzeit geantwortet und fühlte sich ebenso geschlaucht. Daher beschloss die Blonde kurzerhand ihren Laptop zu packen und ins Hotel zu fahren. Immerhin musste Helena ihre Termine koordinieren und so konnten die Beiden gleich nachsehen welche freien Termine ihnen zur Verfügung standen.

Draußen hatte es um weitere Grade abgekühlt und ein eiskalter Wind blies ihr um die Ohren. Sofort zog Aileen die Schultern nach oben und trat von einem Fuß auf den Anderen während sie auf den Wagen des Hotels wartete, den sie sich zuvor bestellt hatte. Zitternd kaute sie auf ihrer Unterlippe und seufzte erleichtert auf als der schwarze Wagen vor ihr stehen blieb. Die Fahrerin lächelte freundlich und sie fuhren los zum Marbella. Zum Glück war die Heizung aufgedreht und sie musste nicht mehr frieren. Da auf der Strecke kaum Verkehr war kamen sie schnell im Hotel an.

Als sie die Lobby betrat traf sie auf Charlie, welcher sich ein Lachen nicht verkneifen konnte als er seine Nichte sah. »Gut siehst du aus. Da hat der Glühwein wohl geschmeckt, was?«

Sie warf ihm einen finsteren Blick zu. »Mach dich nicht über mich lustig. Ich habe das Gefühl als wäre ich überfahren worden.« Ein Stöhnen kam über ihre Lippen.

Grinsend legte der Collins den Kopf schief. »Vielleicht merkt ihr euch das für den nächsten Besuch am Markt. Ich habe Helena heute noch nicht gesehen. Am besten ihr zwei bestellt euch etwas aufs Zimmer. Macht euch einen gemütlichen Tag.«

Aileen nickte nur bevor sie zum Aufzug ging und nach oben fuhr. Sie war fertig. Als wäre sie gerade einen Marathon gelaufen…nie wieder Alkohol…

Als Lea die Zimmertür öffnete kam es der Blonden so vor als würde sie einen Blick in den Spiegel werfen. Die Griechin versuchte sich an einem leichten Lächeln und ließ es gleich wieder bleiben. »Mein Kopf platzt jeden Moment!«, kam es stöhnend von ihr. »Hast du zufällig Schmerztabletten dabei? Ausgerechnet diese habe ich zuhause in Griechenland vergessen!« Seufzend ließ sie sich aufs Bett fallen.

Die Collins schloss die Tür hinter sich und nickte. »Klar, ich habe alles dabei.« Schon kramte sie in ihrer Tasche nach dem Briefchen und reichte es an ihre beste Freundin weiter ehe sie es sich auf er Couch bequem machte.

»Ich fühle mich furchtbar. Wir hätten gehen sollen als deine Tante angerufen hat«, meinte die Schwarzhaarige und fuhr sich durch die Locken bevor sie diese zu einem hohen Pferdeschwanz band damit sie beim Arbeiten nicht stören würden.

Lee zuckte mit den Schultern. »Weil wir es nie besser wissen werden?!« Schließlich holte sie ihren Laptop, den Kalender und ihr Notizbuch mit dem Federmäppchen aus der Tasche und legte alles auf den kleinen Tisch. »Gut, dann gehen wir mal an die Arbeit würde ich sagen…« Fragend kaute sie auf ihrer Unterlippe. »Soll ich gleich beim Zimmerservice bestellen oder wollen wir noch warten?«

Helena hatte bereits alles was sie zum Arbeiten brauchte auf dem Bett bereit gelegt und fuhr ihren Laptop hoch. Auf die Frage von Aileen hin zuckte sie mit den Schultern und nahm einen Schluck von ihrem Wasserglas. »Ich weiß nicht. Aber was zu trinken wäre nicht schlecht. Cola, Orangensaft, Red Bull oder so. Essen können wir dann später auch noch.«

Nickend tippte die Teilinhaberin die Nummer in ihr Handy und gab Sam an der Rezeption alles weiter. Auch das Essen bestellte sie gleich mit und nannte eine Uhrzeit, wann es ihnen passen würde. Denn die Mädchen würden später garantiert darauf vergessen, wenn sie sich nicht gleich darum kümmern würden.

Während Lea alle Termine, die sie per Mail von ihrem Chef geschickt bekommen hatte in ihren Taschenkalender übertrug kümmerte sich Lee um ihre eigenen Termine, welche in nächster Zeit auf sie zukommen würden. Einige Mails wurden bearbeitet und beantwortet und es wurde eine neue Eventliste angelegt, da ihre Tante ihr den Plan zukommen lassen würde. Mit ihr sollte sie sich ebenfalls noch zusammen setzen. Vielleicht passte es ja morgen?

Nach einer Weile räusperte sich Leana. »Gut, hier kommt der Stand der Dinge. Fünf Tage. Mehr haben wir nicht und zwei davon nur nachmittags.« Sie biss auf die Rückseite ihres Kugelschreibers. »Und die letzten fünf Tage muss ich nach Dublin wie es aussieht.«

Aileen zog eine Augenbraue nach oben. »Du bist einen Monat hier und hast in dieser Zeit nicht einmal eine Woche frei? Das soll wohl ein Scherz sein, oder?« Damit hatte die Britin nicht gerechnet. Sie hatte auf mehr Zeit mit ihrer besten Freundin gehofft. »Na gut, dann machen wir das Beste daraus. Irgendwelche besonderen Wünsche?«

Helena zuckte leicht mit den Schultern. »Ich wei0 auch nicht so recht. Wir müssen aber unbedingt einen Tag für Christmas Shopping einplanen. Außer den Kleinigkeiten vom Markt habe ich noch kein einziges Geschenk. Für niemanden!«

Die Beiden lachten auf. Da hatten sie wieder was gemeinsam, denn auch die Blonde hatte noch nichts besorgt. Ein dringender Punkt auf der To-Do-Liste.

»Am besten wir nutzen den ersten freien Tag dafür, denn es ist jetzt schon überall die Hölle los und es wird von Tag zu Tag schlimmer«, kam es von der Collins und sie trug sich den Shoppingausflug sogleich in ihren Kalender ein. Das war das Gute am Managerposten, denn meistens konnte sie sich ihre freien Tage so legen wie sie diese brauchte. Außerdem war sie immer über ihr Handy erreichbar falls etwas passieren sollte.

Ihre beste Freundin stimmte ihr zu und trug es ebenfalls in ihren Planer ein. »Okay, hast du noch Vorschläge? Dann planen wir diese auch ein und an den restlichen Tagen können wir ja spontan sein!« Sie zwinkerte grinsend.

»Natürlich. Immerhin enden unsere spontanen Aktionen nie im Chaos«, meinte Aileen lachend. »Für einen Tag habe ich was geplant, aber das bleibt eine Überraschung.«

Die Dunkelhaarige verzog leicht das Gesicht, denn sie konnte Überraschungen nicht unbedingt leiden. Sie war zu neugierig dafür und wenn es nach hinten losgehen würde war es für sie immer schwer ein Pokerface aufzusetzen. Doch sie vertraute ihrer besseren Hälfte, denn sie kannten sich nun lange genug.

In der Zwischenzeit hatte ihnen der Zimmerservice auch die Getränke gebracht und die Mädchen hatten alle Termine koordiniert und Mails beantwortet. Damit hatten sie sich wohl einen gemütlichen Nachmittag verdient, oder nicht?

Fragend sahen sich die Zwei an, denn auf keinen Fall wollten sie das Zimmer verlassen. Aileen wäre außerdem nicht einmal passend gekleidet gewesen. Doch schon am ihnen die Idee.

»Wir brauchen einen Marathon!«, sagten sie gleichzeitig und brachen in schallendes Gelächter aus.

Lee machte sich grinsend am Fernseher zu schaffen. »Der Letzte ist viel zu lange her.« Die Filme waren in der Videothek des Marbella gespeichert und schon konnte der Harry Potter Abend starten.

Die Mädchen kuschelten sich ins Bett und versanken im Film. Nebenbei schrieb Lee mit Oliver, welcher sie später abholen würde um nach Hause zu fahren. Eine genaue Uhrzeit konnte er ihr jedoch noch nicht nennen, da noch nicht klar war, wann die Szene im Kasten war. Doch das war kein Drama. Immerhin hatte sie die perfekte Ablenkung – auch wenn sich ihr schlechtes Gewissen ständig meldete.

Der zweite Teil lief noch keine fünfzehn Minuten als die Blonde auf Pause drückte. Sie konnte diese „Geheimnis“ nicht länger für sich behalten. Nervös fuhr sie sich durch die Haare. »Ahm, ich muss mit dir reden. Es geht um meinen Freund.«

Sofort wurde Leana hellhörig. »Okay. Du weißt, dass du mir alles sagen kannst!«

Das war leichter gesagt als getan.

»Naja wir sind jetzt drei Jahre zusammen und du wolltest doch immer wissen wie er heißt und wie er aussieht, aber du hast nie wirklich was von mir erfahren?! Nun ja, das liegt daran, dass…dass du ihn eigentlich schon kennst.«

Nun war die Griechin erst recht verwirrt. Was sollte das heißen, dass sie ihn eigentlich bereits kannte? Ihr war kein Oliver bekannt, welcher in London lebte. »Sorry Süße, aber ich weiß nicht wen du meinst.«

Wir aufs Stichwort klopfte es an der Tür und die Collins sah sich panisch im Zimmer um als wollte sie sich verstecken während Lea an die Tür ging und den Phelps Zwillingen gegenüber stand.

»Hi Helena. Freut uns dich endlich kennenzulernen!«, meinte James mi einem breiten Grinsen und hielt ihr die Hand hin.

Wie mechanisch schüttelte sie diese bevor sie ihre Stimme wiederfand. »Freut mich auch..glaube ich jedenfalls.« Das Alles war im Moment gerade etwas viel für sie.

Aileen war in der Zwischenzeit aufgestanden und trat von einem Fuß auf den Anderen. »Ich wollte dir schon so lange Bescheid sagen, aber über Mail oder Handy kam es mir falsch vor. Das alles war so kompliziert und die ganzen Regeln vom Management haben es auch nicht leichter gemacht.«

Lea starrte noch immer auf die Zwillinge und drehte sich dann zu ihrer „Freundin“ um. »Ja, dass erklärt zwar einiges, aber drei Jahre Lee? Du hast das so lange vor mir verheimlicht und plötzlich wirfst du mir diesen Brocken vor die Füße.« Sie schüttelte den Kopf und fuhr sich durch die Haare. »Du solltest wohl nach Hause fahren. Ich muss morgen früh raus und sollte mich noch vorbereiten.« Ihr Blick ließ keine Widerrede zu.

Die Blonde ließ den Kopf hängen, schnappte sich ihre Sachen und verließ das Zimmer. Das war ja sehr schön nach hinten losgegangen. Sie hätte sich von Anfang an, an ihre Freundin wenden sollen als es mit Oliver ernst wurde, aber das hatte sie nicht. Nun stand dieses „Geheimnis“ zwischen ihnen und Aileen wusste nicht wie sie es wieder gut machen konnte.

Auf der Fahrt nach Hause kam kaum ein Wort über ihre Lippen. Oliver versuchte ihr gut zuzureden, aber seine Worte kamen nicht bei ihr an. Sie hatte alles vermasselt. So viel stand fest.

Der gestrige Nachmittag hatte eine heftige Wendung genommen und Leana hatte kaum geschlafen. Sie konnte nicht glauben, dass ihre angeblich beste Freundin seit drei Jahren mit einem britischen Schauspieler zusammen war. Noch dazu war es Oliver Phelps. Davon hätte sie doch hören oder lesen müssen? Doch sie wollte nicht länger darüber nachdenken, denn sie musste sich auf ihre kommenden Termine konzentrieren.

Um Aileen nicht über den Weg zu laufen hatte die Pantagiota in aller Frühe das Hotel verlassen und holte sich unterwegs ein kleines Frühstück und eine heiße Schokolade bei Starbucks. Sie musste ihre Gedanken sortieren…

Die Collins hatte kaum ein Auge zugemacht, denn sie fühlte sich furchtbar. Vermutlich hatte sie gestern die Freundschaft mit der Griechin zerstört. Ihr war zum Heulen. Die salzigen Tränen vermischten sich mit dem warmen Wasser, welches aus dem Duschkopf strömte. Am liebsten wäre sie den ganzen Tag im Bett geblieben, aber ihr Verlobter hatte sie gepackt und unter die Dusche gestellt. Nun stand er in der Küche und kochte Kaffee.

Nachdem sie im Badezimmer fertig war und sich angezogen hatte schlurfte sie nach unten um sich einen Schluck aus ihrer Tasse zu genehmigen. Die Blonde schlug ihren Kalender auf und seufzte. »Ich denke wir sollten heute getrennt fahren. Wie es aussieht brauche ich heute länger, denn es gibt noch einiges zu tun.«

Oliver gab ihr einen Kuss und sah auf ihren Kalender. »Gut, aber mittags gehst du mit uns essen. Keine Widerrede!« Damit seine Verlobte keine Chance hatte um zu protestieren trug er es auch gleich ein. »Ich liebe dich! Und wir sehen uns später!« Er küsste sie leidenschaftlich bevor er sich auf den Weg machte.

Ein Lächeln schlich sich auf Aileens Lippen und sie packte ihre Handtasche bevor sie sich ebenfalls ins Auto setzte und losfuhr. Ihr Handy verband sich automatisch mit dem Radio und sie ließ ihre Playliste laufen. Um sich auf andere Gedanken zu bringen sang sie lautstark mit und die Fahrt verging wie im Flug.

Samantha hatte an der Rezeption bereits einiges zu tun als die Blonde zu ihr stieß. »Morgen, Aileen!«, kam es mit einem leichten Lächeln von ihr als eine kurze Ruhe einkehrte.

»Guten Morgen.« Lee loggte sich am Computer ein. »Du siehst auch aus als hättest du kaum geschlafen. Geht’s dir gut?« Sie machte sich Sorgen um ihre Freundin.

Die Rezeptionistin fuhr sich durch die Haare. »Ich bin total fertig. Wir hatten letzte Nacht zu wenig Leute und ich musste kurzfristig einspringen.« Sie nahm einen Schluck von ihrem Kaffeebecher. »Sieht so aus als müsste ich heute auch wieder übernehmen.«

Aileen sah ihre Freundin etwas perplex an, denn ihr Onkel hatte ihr nichts davon erzählt. Wenn sie im Moment einen Personalmangel hatten sollte sie doch davon wissen. »Was? Kommt nicht in Frage. Ich kümmere mich darum, dass heute jemand die Schicht übernimmt!«

Der Vormittag verlief recht ruhig an der Rezeption und die Collins hatte zwischendurch Zeit um sich einige Blumenarrangements für die Hochzeit anzusehen. Es gab einige Favoriten, aber Aileen wollte die Blumen im Original sehen bevor sie sich mit Oliver gemeinsam entscheiden würde. Es gab noch so viel für die Hochzeit zu tun…

Die Mittagspause rückte immer näher und somit auch das Essen mit ihrem Verlobten und seinen Kollegen. Natürlich kannte sie alle, die bei der Serie mitspielten, aber es gab doch noch so viel zu tun. Außerdem schwirrte ihr die Sache mit Leana im Kopf herum. Doch sie hatte heute Morgen früh das Hotel für ihre Termine verlassen und war noch nicht zurück gekommen. Irgendwie mussten die Beiden das wieder auf die Reihe bekommen, denn sie waren doch beste Freundinnen.

Als Samantha von ihrer Pause zurückkam machte sich die Collins auf den Weg ins Restaurant. Oliver saß mit seinen Kollegen bereits an einem Tisch und alle lächelten breit als sie seine Verlobte sahen. Aileen erwiderte die freundliche Geste und ging auf die Gruppe zu.

Brianna sprang auf um sie zu umarmen. »Es ist schön dich zu sehen. Es kommt mir vor wie eine halbe Ewigkeit seit wir das letzte Mal zusammen gegessen haben.« Sie dirigierte die Blonde auf einen freien Platz. »Wie geht’s dir? Und wir laufen die Hochzeitsvorbereitungen?«

Lee lachte leicht auf und setzte sich. »Danke, alles gut soweit. Zwar gibt es noch einiges zu tun, aber es wird auch weniger.« Sie nahm einen Schluck von ihm Wasserglas und war froh als sich das Gesprächsthema auf die Show lenkte. Im Moment wollte sie nicht über das Chaos in ihrem Leben reden. Die Ablenkung tat ihr ganz gut auch wenn es nur für eine Stunde war. Jedoch verging diese Zeit wie im Flug und für Aileen ging es zurück an die Rezeption.

Ihr Onkel hatte in der Zwischenzeit versucht jemanden für die Nachtschicht zu organisieren, aber so kurzfristig hatte einer Zeit. Daher übernahm eine Kollegin den Nachmittag für Aileen und sie musste die Nacht an der Rezeption verbringen. Begeisterung sah zwar anders aus, aber dieses Mal war es nicht anders möglich.

Nachdem sie für die Hochzeit noch genug zu tun hatte wollte sie die paar Stunden noch nutzen um die Einladungen zu schreiben. Gemeinsam mit Oliver hatte sie die Gästeliste erstellt und diese würde sie nun Schritt für Schritt abarbeiten. Dafür hatte sie sich im Büro ihrer Tante ausgebreitet, denn diese war ohnehin unterwegs. So konnte sie in Ruhe arbeiten und wurde von niemandem gestört. Ihrem Verlobten schrieb sie noch schnell eine Nachricht, dass sie heute nicht nach Hause kommen würde und machte sich dann an die Arbeit.

Sie hatte sich gerade ein System überlegt und vorbereitet wie sie vorgehen wollte als schwungvoll die Tür geöffnet wurde und ihre Tante mit zwei Bechern Kaffee ins Büro kam. »Hallo Liebes! Charlie hat mich angerufen und ich dachte du könntest Hilfe brauchen. Außerdem habe ich Kaffee und Kuchen dabei!« Vanessa lächelte ihre Nichte breit an.

Aileen grinste. »Jeder mit Kuchen ist herzlich willkommen.« Sie stand auf um ihre Tante zu umarmen. »Ich könnte tatsächlich Hilfe brauchen, denn es sind mehr Leute als ich gedacht hatte. Außerdem werden es bestimmt noch mehr, denn einige kommen in Begleitung.«

Vanessa stellte ihre Sachen ab und schlüpfte aus ihrem Mantel. »Gut, dann sag mir wie du es dir vorgestellt hast und ich mache mich an die Arbeit. Vielleicht werden wir damit fertig, denn dann kann ich morgen die Einladungen zur Post bringen, wenn du willst.«

»Hört sich gut an, danke!« Aileen erklärte ihrer Tante wie sie sich den Ablauf vorgestellt hatte und schon legten die Beiden los. Die Karten hatten ein schlichtes, elegantes Design. Neben den wichtigsten Informationen war noch eine Karte für das Antwortschreiben dabei um die Zahl der kommenden Gäste anzugeben und um ein Menü zu wählen.

Die Blonde fühlte sich gut vorbereitet mit ihren Listen, aber trotzdem machte sie sich Sorgen etwas Wichtiges zu vergessen. Auf der einen Seite war Aileen froh darüber alles alleine organisieren zu können, aber auf der anderen Seite wünschte sie sich mehr Einsatz von Oliver. Immerhin ging es um ihre gemeinsame Hochzeit. Natürlich hatte er mit dem Dreh der Serie viel zu tun, doch es wäre bestimmt irgendwie machbar.

Das Räuspern von Vanessa riss die Collins aus ihren Gedanken. Sie sah zwischen der Liste und ihrer Nichte hin und her. »Ahm, ich nehme an du übergibst Helena die Einladung persönlich, oder? Immerhin ist sie gerade hier!«

Aileen schluckte schwer, denn das war noch das große Hindernis, welches sie überqueren musste. Natürlich hatte sie sich darüber bereits den Kopf zerbrochen, aber sie hatte noch keine Lösung für sich gefunden. Seufzend fuhr sie sich durch die Haare. »Ich weiß nicht wie ich es angehen soll, denn im Moment redet sie nicht einmal mit mir.« Ihre beste Freundin war ohnehin schon stinksauer. Da kam es wohl nicht gut an gleich mit der Hochzeitseinladung um Entschuldigung zu bitten. »Ich muss darüber nachdenken und mir etwas einfallen lassen.«

Vanessa legte die Einladung beiseite. »Das zwischen euch wird sich bald klären. Hab etwas Geduld. Immerhin seid ihr beste Freundinnen.«

Die Beiden kamen gut voran, aber bis zum Schichtbeginn würden sie es nicht mehr schaffen. Dennoch war Aileen froh, dass sie wenigstens den Großteil geschafft hatten. Die restlichen sechs Einladungen konnte sie vermutlich heute Nacht schreiben, da es an der Rezeption mit Sicherheit ruhig zugehen würde.

»Danke für deine Hilfe, Tante V!« Aileen packte alles zusammen und umarmte die Dunkelhaarige. »Ohne dich würde ich wohl noch ewig dran sitzen.«

Die Collins erwiderte die Umarmung. »Jederzeit! Du musst dich nur melden und ich helfe dir wo ich kann.«

Sie verabschiedeten sich voneinander und die Blonde machte sich auf den Weg um Samantha abzulösen. Es würde wohl eine lange Nacht werden…

Die Nacht war recht entspannt verlaufen. Drei Mal hatte man nach ihrer Aufmerksamkeit verlangt, aber jedes Mal waren es nur Kleinigkeiten gewesen. Daher hatte sie genug Zeit gehabt um die Einladungen fertig zu schreiben und diese zu den restlichen im Büro zu legen, welche ihre Tante zur Post bringen würde. Es war um einiges leichter, wenn man einige Aufgaben abgeben konnte.

Es kam ihr viel zu früh vor als sie abgelöst wurde, aber ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es Zeit war um nach Hause zu fahren und den freien Tag zu genießen. Zwar würde sie ihn definitiv ausnutzen, aber vorerst freute sich Lee auf ihr Bett und ein paar Stunden Schlaf.

Die Blonde holte ihre Sachen aus dem Personalraum und sah noch kurz bei ihrem Onkel vorbei ehe sie sich durch die Lobby auf den Weg zum Fahrstuhl machte. In Gedanken war sie schon bei ihrem Bett und hätte beinahe ihren Verlobten übersehen.

»Guten Morgen, Schatz! Wie lief die Schicht?«, kam es fragend von Oliver als er sie in den Arm nahm und ihr einen Kuss auf den Scheitel drückte.

Von Lee kam ein leichtes Seufzen. »Ganz okay. Es war ruhig und ich konnte die restlichen Einladungen fertig schreiben. Wenigstens einen Punkt, den ich von der Liste streichen kann.« Sie gab ihm einen kurzen Kuss. »Hilfst du mir heute Abend die Menükarte auszuwählen? Ich mache die Entwürfe heute noch fertig damit wir eines aussuchen können. In spätestens einer Woche müssen wir der Druckerei Bescheid geben.«

Oliver nickte. »Hört sich gut an. Dann können wir auch gleich einen Tag festlegen um uns um die Blumen zu kümmern. Ich bekomme heute den Drehplan für Dezember und Jänner und der sollte lockerer ausfallen. Dann kann ich dir mehr helfen.«

Das hörte sich ziemlich zuversichtlich an. Nun konnten die Zwei nur darauf hoffen, dass es wirklich so kam.

»Okay, dann sehen wir uns später. Ich liebe dich!« Aileen küsste ihn zum Abschied bevor sie mit dem Fahrstuhl nach unten in die Garage fuhr um nach Hause zu fahren.

Helena hatte Glück, denn heute konnte sie endlich einmal länger schlafen, denn die Tour würde erst um zehn Uhr starten. Sie freute sich darauf mit Leigh zu arbeiten und bei einer ihrer Führungen übersetzen zu dürfen. Heute würden sie einer Schulklasse aus Österreich die Stadt und deren Kultur näher bringen. Darauf freute sie sich seit Tagen.

Nachdem sie noch genug Zeit hatte und bereits fertig war beschloss die Griechin in Ruhe frühstücken zu gehen. Es war albern immer aus dem Hotel zu flüchten. Irgendwann musste sie sich mit ihrer besten Freundin zusammen setzen und darüber reden. Sie waren beide erwachsen. Leana rechnete schon damit, dass die Collins an der Rezeption sitzen würde, aber dem war nicht so. Vielleicht war sie gerade unterwegs? Die Dunkelhaarige überlegte kurz bevor sie auf den Tresen zuging. »Guten Morgen. Ist Aileen zufällig im Haus?«

Der Rezeptionist sah zu ihr auf. »Guten Morgen! Tut mir leid, aber Aileen hat heute frei. Kann ich Ihnen vielleicht behilflich sein?« Er schien sehr bemüht zu sein.

Leana schüttelte den Kopf und lächelte freundlich. »Danke, schon in Ordnung. Ich rufe sie später einfach an.« Also musste das klärende Gespräch wohl noch etwas warten. Vielleicht konnte sie von Leigh noch etwas erfahren, denn auch sie schien gut mit Aileen befreundet zu sein.

Nach einem ausgiebigen Frühstück traf sich die Dunkelhaarige mit der Touristenführerin in der Lobby. »Helena! Schön dich wiederzusehen!«, kam es mit einem breiten Lächeln von Leigh als sie die Griechin auch sogleich umarmte. »Ich war froh als Charlie mir gesagt hat, dass er dich als Dolmetscherin gebucht hat. Immerhin hast du auch in Österreich gelebt wie Aileen, oder?«

Etwas überrumpelt erwiderte Helena die liebevolle Geste. »Freut mich auch!« Ein Schmunzeln trat auf ihre Lippen. »Ich muss schon sagen es ist komisch, aber ich freue mich auf einige Erinnerungen aus der alten Heimat, die ich damit vielleicht auffrischen kann…Also wie sieht der Plan aus?«

Die Blonde reichte ihr den Ablaufplan und kümmerte sich schließlich um die Schülergruppe und deren Lehrer, welche soeben eintrafen. Lea überflog den Zettel und gesellte sich zu der Kingsley um sich vorzustellen und ihrer Arbeit nachzugehen. Es schien ihr bei den Schülern Pluspunkte einzubringen, dass sie auf Deutsch mit ihnen sprach und als sie erwähnte, dass sie ebenfalls aus Österreich kam hatte sie schon gewonnen.

»Also gut Leute. Der Bus wartet bereits draußen. Lasst uns loslegen und die Stadt erkunden«, meinte die Blonde gut gelaunt und kaum hatte jeder einen Platz gefunden ging die Tour auch schon los. Es standen am Vormittag einige Sehenswürdigkeiten an und eine Besichtigung vom Tower of London. Die Schüler waren alle äußerst interessiert und stellten auch Fragen, welche ihnen durch den Kopf schossen.

Gegen Mittag wurden alle für drei Stunden an der Tower Bridge entlassen und Treffpunkt war beim London Eye. Die Schüler mussten ihren Weg selbst finden. Das würde auf keinen Fall gut gehen. Doch Leigh und Helena würden die freie Zeit nutzen um essen zu gehen. Die Kingsley brennte darauf ihr ein kleines Restaurant zu zeigen, welches von zwei österreichischen Mädchen geführt wurde.

Lea war von der Speisekarte begeistert und konnte sich kaum für ein Gericht entscheiden, denn aus dieser Küche hatte sie schon lange nichts mehr gegessen. »Kann ich dich etwas fragen? Es geht um Aileen…«

Leigh nickte. »Klar, schieß los.«

Es war ihr etwas unangenehm die Kingsley auszufragen, aber sie brauchte mehr Antworten. »Du bist doch gut mit ihr befreundet was ich so mitbekommen habe. Was hältst du von der Beziehung zwischen ihr und Oliver?«

Im ersten Moment war die Blonde etwas verwirrt, aber dann begriff sie, dass Helena wohl erst seit kurzem davon wusste. »Ahm, ich kenne Lee nun schon seit sie nach London gezogen ist und seit sie und Oli sich daten ist sie förmlich aufgeblüht. Er tut alles dafür um für sie da zu sein und dass sie sich wohlfühlt. Die Beiden tun sich gegenseitig gut. Als hätten sie sich gesucht und gefunden.«

Hörte sich ganz danach an als wäre ihre beste Freundin glücklich und genau das hatte sie sich doch für sie gewünscht, oder nicht? Sie sollte sie später anrufen um zu reden.

Nachdem die Beiden gegessen hatten schlenderten sie noch durch die Straßen und sahen sich die Schaufenster an bevor sie sich zum London Eye begaben. Von den Schülern war weit und breit nichts zu sehen und es dauerte zwei weitere Stunden bis alle den Treffpunkt gefunden hatten. Die Lehrer waren dementsprechend schlechter Laune und Leigh mussten den zweiten Teil der Tour überarbeiten und kürzen, denn durch den Zeitverlust musste sie einige Halte streichen.

Die letzten zwei Stunden der Tour waren recht entspannt verlaufen, aber trotzdem war Leana froh als sie wieder in ihr Hotelzimmer kam. Eine warme Dusche war genau das Richtige und sie ließ sich extra lange dafür Zeit. Ihre angespannten Muskeln dankten ihr dafür. Da sie nicht vor hatte an diesem Abend noch einmal das Hotel geschweige denn das Zimmer zu verlassen bestellte sie sich eine Kleinigkeit aufs Zimmer.

Während sie wartete schaltete sie den Fernseher ein und in der eingespeicherten Videothek fand Helena die neue Serie der Phelps Zwillinge. Einen kurzen Moment überlegte sie und entschied sich schließlich der Serie eine Chance zu geben. Die Griechin war überrascht wie schnell sie sich dafür begeistern konnte, aber die Geschichten, welche unter den Charakteren erzählt wurden zogen sie in den Bann. Sie überhörte beinahe das Klopfen an der Tür. Das musste wohl der Zimmerservice sein.

Doch als sie die Tür öffnete erwartete sie ein ganz anderes Bild. Oliver Phelps mit ihrem Abendessen. Im ersten Moment wusste Lea nicht was sie sagen sollte doch dann konnte sie nicht anders als zu lachen. Das Bild, welches sich ihr bot, war einfach nur göttlich. »Ich wusste nicht, dass ich das Promi Menü bestellt habe!«

Oliver stimmte in ihr Lachen ein. »Tja, du kannst dich glücklich schätzen, denn dank mir hast du nun eine doppelte Portion Nachtisch bekommen.«

»Ich danke vielmals!«, meinte sie grinsend. »Aber nun mal ernsthaft. Was kann ich für dich tun?« Es war immer noch kaum zu glauben, dass sie sich gerade mit „George Weasley“ unterhielt.

Der Phelps fühlte sich etwas unwohl in seiner Haut, aber er wollte seiner Verlobten und Leana nur helfen. Er wusste, dass es Aileen mit der momentanen Situation nicht gut ging. »Ich weiß, dass es mich eigentlich nichts angeht und ich mich nicht einmischen sollte. Aber ich finde es nicht gut, dass meine Beziehung mit Aileen zwischen euch steht.« Er fuhr sich durch die Haare und seufzte leicht auf. »Es war nicht ihre Schuld, dass du es erst jetzt erfahren hast. Das ging alles von meinem Management aus. Tut mir leid, dass ich mich nicht mehr eingesetzt habe.«

Die Griechin seufzte leicht auf. »Schon okay. Ich habe vielleicht ein wenig übertrieben reagiert, aber mit einer solchen großen Nachricht einfach so rauszuplatzen…immerhin kennen wir euch aus den Harry Potter Filmen. Und nun ist meine beste Freundin mit dir zusammen. Das war alles auf einmal ziemlich viel.« Ein leichtes Lächeln schlich sich auf ihre Lippen. »Ich wollte heute mit ihr reden und mich für mein Verhalten entschuldigend, aber sie hat frei. Das muss ich wohl morgen Nachmittag nachholen falls sich Lee noch mit mir treffen will.«

Oliver war froh in welche Richtung das Gespräch lief. »Wieso kommt ihr Nachmittag nicht einfach nach Hause? Dann kann Lee dir das Haus zeigen und wir können uns alle unterhalten. James und ich übernehmen das Kochen«, schlug er optimistisch vor.

Das war ein nettes Angebot und die Pantagiota nickte. »Warum auch nicht. Das ist keine schlechte Idee.«

»Okay, dann lasse ich dich nun in Ruhe essen und wir sehen uns morgen!« Oliver grinste über das ganze Gesicht als er sich auf den Weg machte.

Lea sah ihm grinsend nach bevor sie ins Zimmer ging um endlich etwas zu essen. Doch nun war sie nervös, denn was würde sie morgen erwarten? Über was sollte sie sich mit den Zwillingen unterhalten?

Der gestrige Tag war ziemlich lang gewesen also hatte es Aileen nicht mehr geschafft wach zu blieben bis Oliver nach Hause kam. Auch als er ins Zimmer kam schlief sie wie ein Stein, aber trotzdem kuschele sie sich an ihn. Erst am nächsten Morgen als der Wecker klingelte wurde sie wach.

»Guten Morgen! Gut geschlafen?« Ein Lächeln schlich sich auf Olivers Lippen. Er strich seiner Verlobten eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

Aileen schmiegte sich in seine Handfläche. »Danke, zu gut wie es aussieht. Ich habe nicht einmal bemerkt, dass du nach Hause gekommen bist.«

Beide standen auf und gingen nach unten in die Küche um zu frühstücken. Heute hatten sie seit langem wieder einmal Zeit dafür. Die Blonde kümmerte sich um den Kaffee während Oliver alles auf den Tisch stellte. »Wie lief dein Tag gestern?«, fragte sie nach.

Er lehnte sich neben sie an die Anrichte. »War ganz okay.« Vorsichtig sah er sie an und räusperte sich. »Ich…also. Gestern habe ich Helena getroffen und wir haben uns unterhalten.«

Aileen hielt in ihrer Bewegung inne und sah ihn schließlich an. »Oh…und was hat sie gesagt?«, fragte sie unsicher nach. Wollte sie es wissen? Machte es die Sache zwischen ihnen noch komplizierter? War sie immer noch sauer? Konnten sie ihre gemeinsamen Pläne nun vergessen? Mit ihrer dampfenden Tasse Kaffee setzte sie sich an den Tisch.

Oliver belegte in Ruhe seinen Toast und nahm einen Bissen. »Wir haben uns gut unterhalten. Sie hat gestern nach dir gesucht und wollte mit dir reden um alles Ungeklärte aus der Welt zu schaffen. Außerdem hat Leana mir gesagt, dass sie sich für uns freut und ich habe sie für heute Nachmittag zu uns nach Hause eingeladen. Sie hat zugesagt.«

Es war als würde ihr ein Stein vom Herzen fallen. Also würde doch noch alles zwischen ihnen gut werden? »Ach, habt ihr euch zufällig getroffen oder hast du es darauf angelegt?« Sie zog eine Augenbraue nach oben, denn sie kannte ihn nun schon gut genug. »Aber warte mal! Zu uns nach Hause? Ich habe nichts vorbereitet und so kurzfristig kann ich mir nicht frei nehmen!«

Ihr Verlobter grinste schief. »Ich weiß nicht was du damit meinst.« Er legte ihr beruhigend die Hand auf den Arm. »Mach dir keine Sorgen. Du zeigst ihr das Haus und James hilft mir beim Kochen. Ist bereits alles geregelt!«

Da hatte sie wohl nichts mehr zu melden. Lee biss von ihrem Toast ab und zuckte mit den Schultern. »In Ordnung. Ich hoffe nur es gibt Brownies zum Nachtisch«, meinte sie zwinkernd und ging nach oben um sich fertig zu machen.

James holte die Beiden ab und gemeinsam fuhren sie zum Hotel. Durch einen Autounfall auf der Hauptstraße waren sie spät dran und die Jungs kamen fast eine Stunde zu spät zu ihrem Dreh. Aileen erfuhr an der Rezeption, dass ihr Onkel krank war und musste daher die Überprüfung der Zimmermädchen übernehmen. Eine sehr spaßige Arbeit!

Aus dem Büro von Charles holte sie sich die nötigen Unterlagen und machte sich auf den Weg. Laut Plan fingen die Mädchen heute mit sechs Zimmern im vierten Stock an und das wollte sie sich näher ansehen. Mit dem Aufzug fuhr sie nach oben und sah sich dabei die Akten an. Soweit schien alles in Ordnung zu sein. Doch das änderte sich schlagartig als sie die Vier am Boden sitzend und kichernd vorfand.

»Ich denke nicht, dass ihr zum Sitzen und Kichern eingestellt wurdet. Die sechs Zimmer sollten in zwei Stunden fertig sein. Also bewegt euch oder ihr sitzt in Zukunft auf der Straße und dort habt ihr mit Sicherheit nichts mehr zu lachen!« Außer sich vor Wut schrieb sie etwas auf ihr Klemmbrett.

Die Mädchen sprangen entsetzt hoch, stammelten etwas vor sich hin und machten sich sofort an die Arbeit. Das durfte wohl nicht wahr sein. Anscheinend mussten sie neues Personal einstellen, denn so konnte es nicht weitergehen. Sie musste sich auf ihre Leute verlassen können. So ging das auf keinen Fall.

»Wenn ich in zwei Stunden wieder komme sind die Zimmer auf Hochglanz geputzt und fertig. Und ihr kümmert euch bereits um die nächsten Räume. Ist das klar?!« Aileen ließ keine Widerrede zu und machte sich auf den Weg nach unten. Sie war stinksauer und brauchte eine kurze Pause, welche sie im Büro ihres Onkels verbrachte. Vorsichtig nippte sie an der dampfenden Tasse Kaffee bevor sie neue Stellenangebote ausschrieb. Ihre Entscheidung war endgültig. Nun musste sie nur noch Charles Bescheid geben, aber er würde ihre Entscheidung bestimmt unterstützen.

Es kam ihr ganz recht als ihre Tante ins Büro kam und einen guten Vorschlag hatte um sie von ihrem Ärger abzulenken: Weihnachtsdekoration shoppen. Das war genau das was sie im Moment brauchte. Die Beiden schnappten sich ihre Sachen und machten sich auf den Weg. Lee hatte das Handy dabei falls etwas aus den Fugen geraten sollte, aber sie hoffte nicht darauf.

In der Stadt war einiges los und viele Leute waren bereits im Weihnachtsstress. Doch das schreckte die beiden Collins nicht ab und sie betraten den ersten Laden. Dekoration gab es eindeutig genug, aber sie hatten einen eigenen Geschmack und es war nicht einfach Aileen und Vanessa zufrieden zu stellen.

Während sie durch die verschiedensten Regale stöberten erzählte sie ihrer Tante von der Katastrophe des Morgens. Auch sie schien es kaum glauben zu können und unterstützte ihre Nichte. So etwas konnten sie nicht durchgehen lassen. Insgesamt besuchten die Beiden acht Läden und hatten einiges eingekauft was am Nachmittag abgeholt werden würde. Alles in allem ein gelungener Einkauf.

Ihre Tante machte sich auf den Weg zu einem Meeting und Aileen fuhr zurück zum Marbella. Sie überprüfte noch einmal die gereinigten Zimmer und gab diese für die Rezeption frei. Da ihr Onkel wohl mindestens zwei Wochen ausfallen würde hatte sie noch mehr Arbeit als ohnehin schon. Weihnachten stand bald vor der Tür, sie musste ein Hotel führen und sie sollte auch noch ihre Hochzeit planen…ein Kinderspiel!

Die Zeit war verflogen und beinahe hätte sie auf den Nachmittag mit Leana und den Jungs vergessen. Sie packte den Kalender ihres Onkels ein und machte sich auf den Weg in die Lobby. Von den Zwillingen war noch nichts zu sehen, aber Lea wartete bereits. Etwas nervös ging sie auf ihre beste Freundin zu. »Hey, ich hoffe du wartest noch nicht lange. Die Jungs müssten jeden Moment kommen.«

Lea lächelte. »Keine Sorge. Bin gerade erst von meinem Termin zurück.« Sie strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. »Wegen letztem Mal… es tut mir leid. Ich habe überreagiert und ich wollte dich damit auf keinen Fall verletzen. Ganz ehrlich…ich freue mich für euch. Du hast es verdient, dass die jemand liebt so wie Oliver!«

Aileen drückte ihre beste Freundin fest an sich. »Ich hab dich lieb! Und mir sollte es noch mehr leidtun. Ich hätte mich nicht so einschüchtern lassen sollen und dir alles sagen. Aber ich war feige und hab alles kaputt gemacht. Es war der Horror für mich es vor dir geheim halten zu müssen.« Tränen traten in ihre Augen.

Die Griechin erwiderte ihre Geste. »Wir beide haben uns in dieser Situation wohl falsch verhalten. Lassen wir das einfach hinter uns.« Aufmunternd lächelte sie die Blonde an. »Aber dafür will ich jetzt alles wissen was ich in den letzten drei Jahren verpasst habe. Keine Geheimnisse mehr!«

Die Collins war kurz davor sich in die Erzählung zu stürzen als die Jungs auftauchten. Helena musste sich wohl noch etwas gedulden und sich daran gewöhnen die Zwillinge nun öfter um sich zu haben. Schon stiegen sie in den Wagen und James fuhr los. Die Pantagiota saß auf dem Beifahrersitz und hatte somit die große Ehre den DJ zu geben. War von den Jungs nicht die beste Idee gewesen.

Zwei Stunden später kamen sie beim Haus an und die Zwillinge waren etwas erleichtert, dass das Live-Konzert nun ein Ende hatte. Die Mädchen hingegen hatten beste Laune. Aileen gab ihrer besten Freundin eine Führung durch das Haus während die Brüder in der Küche standen um zu kochen.

»Ihr habt es wirklich schön hier. Aber am besten finde ich immer noch, dass du dein eigenes Büro hast, wo du auch all deine Bücher untergebracht hast«, meinte die Pantagiota begeistert und stöberte durch die Regale bevor sie zum Schreibtisch weiterging. »Hast du noch die Zeit um zu schreiben, oder hast du damit aufgehört?«

Lee lehnte sich grinsend gegen den Türrahmen. »Tja, er hat sein Gaming-Zimmer und ich habe mir hier einen Rückzugsort geschaffen. Manchmal schreibe ich noch aber im Moment habe ich zu viel um die Ohren. Und wie sieht es bei dir aus?«

Helena zuckte leicht mit den Schultern. »Ich versuche mir immer ein Wochenende im Monat zu nehmen, wo ich schreibe. Manchmal funktioniert es und dann auch wieder nicht.« Schließlich wurde sie auf eine To-Do-Liste aufmerksam und sah ihre beste Freundin mit großen Augen an als sie den Titel las. »Aileen Katherine Collins! Du steckst mitten in deinen Hochzeitsvorbereitungen und sagst mir kein Wort davon?«

Verdammt, die Liste! »Das wollte ich noch, aber wir haben nicht miteinander geredet…«, meinte die Blonde unsicher.

»Wo ist der Ring? Wann ist es soweit? Bin ich überhaupt eingeladen?« Die Griechin war ganz aus dem Häuschen.

Aileen lachte erleichtert auf und präsentierte stolz ihren Ring. »Deine Einladung liegt im Hotel. Wir haben an den 30.Juni gedacht. Das war auch der Hochzeitstag meiner Großeltern. Oder denkst du es ist eine doofe Idee dieses Datum zu wählen?«

Leana lächelte. »Deine Oma würde sich bestimmt freuen. Ich finde es ist eine sehr schöne Idee.« Sie umarme ihre Freundin fest.

Die Mädchen gingen nach unten und genau in diesem Moment wurde ihnen auch das Essen von den Jungs serviert. Es sah fantastisch aus und roch auch dementsprechend. Da hatten sie sich wirklich Mühe gegeben. Nebenbei wurden die Drei von Helena ausgefragt und alle wichtigen Themen wurden von ihnen abgedeckt. Besonders die Hochzeit war ein wichtiger Gesprächsstoff.

Es wurde immer später und ging langsam auf Mitternacht zu. Daher wurde es für Leana Zeit ins Hotel zurück zu fahren. Zuerst wollte sie sich einen Wagen rufen, aber James bot ihr an sie zu fahren. Er hatte morgen früh einen Dreh und wollte ohnehin im Ho übernachten. Dankbar nahm sie sein Angebot an und sie fuhren los.

Die Collins räumte die Küche zusammen und lächelte glücklich. Das war ein gelungener Abend gewesen. Ihre beste Freundin wusste endlich über alles Bescheid und sie musste keine Geheimnisse mehr vor ihr haben. Es konnte nur noch besser werden.

Es war kurz nach ein Uhr morgens als sie endlich ins Bett kroch. Der Tag war lang gewesen, aber hatte einen super Ausklang gefunden. Oli schlief bereits tief und fest. Aileen stellte sich zur Sicherheit noch einen Wecker ehe sie sich an ihn kuschelte um noch ein paar Stunden zu schlafen.

Ein schrilles Klingeln riss sie aus ihrem Schlaf und mit geschlossenen Augen tastete sie nach ihrem Handy. Das Hotel rief an. »Was ist los?«, fragte sie verwirrt nach als sie aus dem Bett schlüpfte und das Zimmer verließ.

»Tut mir leid, dass ich dich um diese Zeit anrufe, aber ich weiß keinen anderen Weg«, ertönte die Stimme von Samantha. »Zahlreiche Gäste stehen hier und andere rufen an, da aus einem Zimmer lautes Geschrei kommt. Ich habe alles versucht, aber ich komme nicht rein und alle haben nach dir verlangt.« Die Verzweiflung war ihr anzuhören.

Seufzend fuhr sich Aileen durch die Haare und warf einen Blick auf die Uhr. Drei Uhr morgens… »Okay, versuch die Lage zu entschärfen. Ich bin unterwegs!«

Auf Zehenspitzen tapste sie ins Zimmer um ihre Sachen zu holen und ging nach unten. In der Küche mache sie sich einen Kaffee, welchen sie in ihren To-Go-Becher füllte. Ihrem Verlobten legte sie eine Nachricht auf den Tisch und fuhr los. Die Straßen waren wie leergefegt was gut war, denn so kam sie schnell voran.

In der Lobby sah es aus wie auf einer Pyjama-Party. Unzählige Gäste saßen herum und klammerten sich an ihre Tassen mit Tee und heißer Schokolade. Kaum erblickten sie die Teilinhaberin stürmten sie auf Aileen zu. Aus dem Stimmengewirr konnte sie keine genauen Informationen filtern. Entschuldigend bahnte sich Aileen einen Weg zu Samantha, welche dem Tränen nahe war.

»Ich hab alles versucht, aber die Beiden machen die Tür nicht auf und streiten immer noch!« Die Blonde tippte etwas auf dem Computer ein. »Die meisten Gäste haben bereits damit gedroht auszuchecken.«

Die Collins legte ihre Sachen ab und nahm sich ihre Schlüsselkarte. »Okay, erzähl mir wie alles angefangen hat.«

Samantha versuchte sich zu sammeln und wurde etwas ruhiger. »Im Grunde bekam ich einen Anruf von einem Gast, welcher mir von dem Lärm erzählt hat. Daraufhin habe ich ihn gefragt ob er mir sagen kann woher es kommt und er meinte, dass es im Stockwerk unter ihm sein müsste. Ich wollte mich dann sofort auf den Weg machen, aber dann hat ununterbrochen das Telefon geläutet und die Gäste kamen auch an die Rezeption.« Sie seufzte auf und schüttelte den Kopf. »Bevor ich angerufen habe war ich oben beim Zimmer, aber ich komme mit meiner Karte nicht rein und auf meine Aufforderungen hat niemand reagiert.«

Aileen strich ihrer Freundin beruhigend über den Rücken. »Schon gut. Du hast alles richtig gemacht. Ich werde mich darum kümmern.« Sie war einen Blick auf die wartenden Gäste. »Am besten du versammelst alle um dich, entschuldigst dich noch einmal im Namen des Marbella für die Unannehmlichkeiten und jeder Gast bekommt einen Gutschein für den Welnessbereich!«

Die Morris nickte leicht. »Okay, aber du solltest noch etwas wissen bevor du nach oben fährst.« Die Rezeptionistin kaute auf ihrer Lippe. »Das Zimmer gehört Brianna und Damian.«

Na großartig! Das fehlte ihr gerade noch. Mit dem Aufzug fuhr sie nach oben und kaum hatte sie die Tür geöffnet vernahm sie die lauten Stimmen. Was zum Teufel dachten sich die Beiden dabei? Mit energischen Schritten ging sie auf deren Zimmer zu und hämmerte mit der Faust gegen die Tür.

Keine Reaktion!

Die Collins startete einen neuen Versuch.  

Wieder nichts! Doch nun kam ihre Zimmerkarte zum Einsatz und mit einem Klicken verschaffte sie sich Zutritt.

Wie vom Blitz getroffen blieb sie stehen, denn es sah aus als hätte eine Bombe eingeschlagen. Überall lagen Klamotten verstreut und einige Möbel waren umgestürzt. Brianna und Damian standen einander gegenüber und brüllten sich an. Von Aileen hatten sie noch keine Notiz genommen.

»Habt ihr Zwei komplett den Verstand verloren?!«, schrie die Blonde und verschaffte sich somit deren Aufmerksamkeit. »Was zum Teufel ist hier los?«

Mit großen Augen sahen sie ihre Freundin an und kamen ins Hier und Jetzt zurück. Brianna sah sich im Zimmer um und schlug sich die Hände vor den Mund. Offenbar hatte sie nicht bemerkt welches Chaos sie veranstaltet hatten. Auch Damian schien geschockt zu sein doch er fand seine Stimme als Erster wieder.

»Aileen, es…es tut uns leid«, stammelte er vor sich hin. »Irgendwie ist unser Streit außer Kontrolle geraten. Ich…ich werde das Chaos sofort beseitigen und…und komme natürlich für jeden Schaden auf, der entstanden ist.«

Brianna sank auf ihre Knie und Tränen strömten wie Bäche über ihr Gesicht. »Das…einfach alles war ein riesen Fehler. Ich hätte mich nie darauf einlassen sollen.«

Wovon redete sie eigentlich?

Aileen war nicht in der Stimmung um Rätsel zu raten. »Was war hier los? Ich habe da unten eine wütende Meute, die ich beruhigen muss, weil ihr hier rumschreit. Also…ich erwarte eine Erklärung!« Wütend stemmte sie die Hände in die Hüfte.

Die Dunkelhaarige schluchzte vor sich hin und Damian raufte sich die Haare doch keiner von den Beiden wollte die Situation aufklären…Wenn sie es so haben wollten!

»Ihr verlasst auf der Stelle mein Hotel!« Mit zornfunkelnden Augen sah sie die Beiden an. »Bis auf weiteres habt ihr Buchungsverbot. In einer halben Stunde habt ihr das Marbella verlassen.« Ihr Blick und Tonfall ließ keine Widerrede zu. Aileen war tief enttäuscht von ihnen.

Die Lage an der Rezeption hatte sich aufgelöst und kurz überlegte die Blonde sich im Büro ihres Onkels noch kurz hinzulegen, aber für zwei Stunden war es wohl nicht mehr nötig. Sie holte zwei Tassen Kaffee und setzte sich zu Sam an die Rezeption. Lee übertrug die Termine von Charlie auf ihren Kalender und stellte somit fest, dass sie drei Termine verschieben musste.

Es dauerte nicht lange bis zu ihrem ersten Termin des Tages. Ein junges Brautpaar hatte sich entschieden ihre Feierlichkeit im Marbella auszurichten und Aileen würde beim Frühstück alles mit ihnen planen und besprechen. Darauf freute sie sich schon seit Monaten. Alice und Henry waren freundlich und aufgeschlossen. Bei einigen Entscheidungen fragten sie die Blonde nach ihrer Meinung und die Planung und das Menü waren schnell fertig gestellt. Nach dem Termin waren alle glücklich und zufrieden.

Durch die vielen Termine und Anrufe lief die Zeit an Aileen vorbei und ehe sie sich versah war es Nachmittag. Sie hatte noch nicht einmal die Zeit gefunden um etwas zu essen. Das wollte sie ändern indem sie sich etwas aufs Büro bestellte, aber genau in diesem Moment bekam sie Besuch von Ryan.

»Hey Aileen! Hast du einen Moment Zeit oder komme ich gerade ungelegen?«, meinte er lächelnd.

Mit hochgezogener Augenbraue legte die Blonde das Handy nieder. »Du stellst dich gerade zwischen mich und mein Essen also muss es wirklich wichtig sein«, meinte sie zwinkernd und er nahm ihr gegenüber Platz.

Er fuhr sich durch die Haare. »Meine Kollegin für heute Nachmittag und heute Abend haben gerade abgesagt und so kurzfristig bekomme ich keinen Ersatz.« Ryan seufzte und sah sie hilfesuchend an. »Du hast nicht zufällig zwei Leute frei, die du heute bei mir einteilen kannst, oder?«

Auch das noch. Im Moment hatten sie ohnehin zu wenige Leute. Trotz allem sah Aileen im Computer nach, doch es gab keine guten Nachrichten. Und es kam noch schlimmer, denn genau in diesem Moment bekam sie eine Nachricht, dass die Sängerin für heute Abend aus familiären Gründen absagen musste. Das war ja perfekt!

Aileen stützte den Kopf in die Hände. »Großartig! Es wird immer besser…« Schließlich sah sie wieder auf. »Du musst dich wohl mit mir zufrieden geben, aber vorher muss ich noch schnell etwas anderes klären.« Sie packte ihre Sachen zusammen und stand auf. »Ach ja…Lust auf Pizza? Ich wollte mir gerade etwas kommen lassen.«

Der Dunkelhaarige grinste breit. »Pizza geht immer! Ich mache in der Bar alles soweit fertig!«

Die Blonde bestellte das Essen und machte sich auf den Weg ins Penthouse, wo heute gedreht wurde. Ihr Verlobter war gerade im Einsatz, aber Jennifer hatte wohl gerade Pause und das kam Aileen gerade recht, denn sie brauchte ihre Hilfe. Jenn spielte ebenfalls in der Serie mit und war auch noch als Sängerin tätig.

»Hi Jennifer! Kann ich dich einen Moment stören?«

Die Blonde lächelte breit. »Aileen, schön dich zu sehen. Was kann ich für dich tun?«

Die Collins ließ sich neben sie fallen und seufzte auf. »Es ist echt kurzfristig, aber kannst du heute die musikalische Untermalung in der Bar übernehmen? Mein Act für heute hat mir eben abgesagt und wir haben doch damals schon geredet, dass du einmal auftreten möchtest. Aber wenn du nicht kannst ist es auch kein Problem.«                                      

Die Olsen sah sie mit großen Augen an. »Natürlich will ich. Auf jeden Fall. Wann muss ich da sein?«

Erleichtert klärte Lee mit Jennifer die letzten Details und machte sich auf den Weg in die Bar. Bereits am späten Nachmittag trafen die ersten Gäste ein und je später es wurde umso voller wurde der kleine Raum. Die Beiden hatten alle Hände voll zu tun. Von Stunde zu Stunde wurde es stressiger und Aileen versuchte den Überblick nicht zu verlieren. Jennifer schlug sich gut auf der Bühne.

»Ich hatte keine Ahnung wie flexibel du bist!«, kam es grinsend von Helena, welche sich mit den Zwillingen an die Bar setzte.

Aileen lächelte. »Tja, du hast auch noch nie einen meiner Spezialcocktails getrunken!« Den Jungs servierte sie ein Bier und ihrer besten Freundin zauberte sie ein fruchtiges Erlebnis. »Lasst es euch schmecken«, kam es noch von ihr als sie auch schon zu den nächsten Gästen wuselte.

An diesem Abend war viel los. Jennifer performte bis nach Mitternacht ehe sie über die Lautsprecher Musik laufen ließen. Ihre Freunde saßen immer noch an er Bar. Helena und James waren in ein Gespräch vertieft und Oliver half ihr dabei die Tische zu bedienen und abzuräumen. Aileen hatte alle Hände voll zu tun und kam kaum dazu sich mit ihren Freunden zu unterhalten. Aber sie hoffte, dass sich alles bald wieder legen würde, wenn Charles zurück kam. Auf Dauer würde sie diesen Stress nicht durchhalten.

Ryan nahm sie sich kurz zur Seite. »Okay, wir zwei brauchen einen Drink!« Er reichte ihr ein Glas und lehnte sich an die Anrichte. »Ich bin dir für deine Hilfe heute echt dankbar und deinem Verlobten natürlich auch!«

Lee lächelte und nahm einen Schluck. »Schon, okay.« Sie unterdrückte ein Gähnen. »Aber auf Dauer schaffe ich das nicht. Weitere schlaflose Nächte überstehe ich nicht.« Sie band sich die Haare zu einem hohen Pferdeschwanz zusammen und machte sich wieder an die Arbeit.

Der Abend dauerte für die Blonde bis vier Uhr morgens und völlig erschöpft schleppte sie sich mit Oliver nach oben auf ihr Zimmer, das sie sich für diesen Abend gebucht hatten. Er hatte Glück, da sein Dreh erst am Nachmittag stattfand und konnte somit ausschlafen, aber Aileen musste bereits um acht Uhr morgens im Büro auffindbar sein. Jede Sekunde Schlaf war für sie also kostbar.

Oliver schlief tief und fest als sie auf Zehenspitzen das Zimmer verließ und nach unten fuhr. Ihr Kopf dröhnte wie verrückt, aber als Teilinhaberin musste sie verfügbar sein und konnte nicht einfach einen Tag blau machen. Doch ohne Kaffee und Frühstück würde sie heute nichts zu Stande bringen.

Als sie ins Restaurant kam blieb sie einen Moment überrascht stehen, denn Helena und James saßen bereits zusammen an einem Tisch. Die Beiden schienen sich gut zu verstehen und sie wollte auf keinen Fall stören. Aus diesem Grund belegte sich die Collins am Buffet ihren Teller und machte sich auf den Weg ins Büro. Sie ging alle eingegangen Mails durch und machte sich schließlich an die Vorbereitung für die erste Telefonkonferenz.

So wie es aussah würde sie heute den ganzen Vormittag im Büro verbringen. Hervorragend! Für mehr war sie heute ohnehin nicht in der Lage. Aileen schrieb ihrer besten Freundin um den Termin für morgen zu bestätigen und schon ging der erste Anruf über ihren Laptop ein.

Der Vormittag zog sich ewig in die Länge und es kam Aileen vor als würde es heute kein Ende nehmen. Doch schließlich beendete sie den letzten Anruf und hatte keine Termine mehr für den Tag. Sie ging noch einmal alle Protokolle durch, welche sie aufgeschrieben hatte und sortierte sie durch. So waren die Informationen leichter zu finden.

Doch da keine weiteren Termine angesagt waren konnte sie nach Hause fahren und eine Mütze Schlaf nachholen. Wirklich verlockend! Aileen packte ihre Sachen zusammen und ging an die Rezeption um Samantha Bescheid zu geben. Zwar würde sie über ihr Handy erreichbar sein, aber dieses Mal würde sie nicht die Fahrt auf sich nehmen um ein kleines Problem zu lösen. Das musste der Rezeptionistin klar sein.

Gerade als sie sich auf den Weg machen wollte vernahm sie ein Rufen hinter sich und wandte sich danach um. Es war Ryan. Mit einem breiten Grinsen kam er auf sie zu. »Du warst gestern ganz ehrlich meine Rettung. Ohne dich und deinen Verlobten hätte ich gestern Nacht die Bar nicht öffnen können.« Er fuhr sich durch die Haare. »Als kleines Dankeschön würde ich dich gerne zum Essen einladen. Was sagst du?«

Aileen schüttelte lachend den Kopf. »Schon okay. Ich helfe gerne wo ich kann. Außerdem gehört es zu meinem Job.« Schmunzelnd legte sie den Kopf schief. »Aber ein Essen abzulehnen wäre unhöflich. Also lass uns gehen.«

Die Beiden hatten Glück und bekamen gerade noch den letzten freien Tisch im Restaurant. Ryan entschied sich für den Mozzarella-Nudel-Auflauf und Aileen bestellte sich den griechischen Salat mit Gebäck.

»Also Ryan«, meinte Aileen als sie einen Bissen nahm. »Wie sehen deine Pläne für Weihnachten aus? Triffst du dich mit deiner Familie?«

Ryan schüttelte leicht den Kopf. »Meine Eltern haben eine Reise nach Barcelona gebucht und fahren über die Feiertage weg. Meine kleine Schwester ist alles andere als begeistert, denn wir haben uns seit Monaten nicht mehr gesehen, aber unsere Eltern interessiert das kaum.«

Aileen hatte keine Ahnung was bei ihm zuhause los war. Das musste schwer für ihn sein, dass er seine Familie so selten sah und ihm nun auch noch die Feiertage mit ihnen genommen wurde. »Es tut mir leid. Ich wollte kein empfindliches Thema ansprechen.«

»Schon okay. Du konntest es nicht wissen!« Er versuchte sich an einem schwachen Lächeln. »Ich bin es langsam gewohnt alleine zu sein. Mach dir keinen Kopf.«

Das klang fürchterlich traurig und einsam. So etwas hatte niemand verdient und schon gar nicht Ryan. Jedoch änderten sie das Thema und es war ein angenehmes Essen. Auch wenn es von ihm nicht nötig gewesen wäre sie einzuladen.

»Danke für das Essen und die vielen Lacher!«, meinte sie grinsend und umarmte ihn zum Abschied.

Ryan erwiderte die Geste. »Ich habe dir zu danken. Schönen freien Nachmittag und lass es dir gut gehen!«

Lee sah ihm noch kurz nach bevor sie sich auf den Weg nach Hause machte. Sie freute sich auf eine heiße Dusche und ihr Bett. Wenigstens für ein paar Stunden. Wenn Oliver nach Hause kam würde sie hoffentlich einige Stunden geschlafen haben damit sie noch etwas Zeit zusammen hatten.

Die Collins fühlte sich wie nach einem langen Urlaub als sie wach wurde. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihr, dass sie noch dreißig Minuten Zeit hatte bis ihr Verlobter nach Hause kam. In ihren dicken Kuschelsocken tapste sie nach unten in die Küche um zu kochen Sie hatte das Radio laufen und sang lautstark mit. Aileen lieferte eine kleine Performance ab und fühle sich an die Abende zurückversetzt, welche sie mit Leana und Karaoke verbracht hatte.

»Hier riecht es fantastisch!«, kam es grinsend von Oliver als er in die Küche kam. Er schlang von hinten seine Arme um sie und drückte ihr einen Kuss in den Nacken.

Aileen lächelte breit. »Na hoffentlich schmeckt es auch. Wie lief der Dreh?«

Der Phelps holte eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank und deckte den Tisch. »Eigentlich ganz gut. Und wie war dein Tag?«

Sie erzählte ihm von dem Gespräch mit Ryan und sie waren beide der Meinung, dass niemand ein solches Schicksal verdient hatte. Familie war das Wichtigste und besonders zu den Feiertagen sollte man seine Liebsten um sich haben.

»James scheint Gefallen an deiner besten Freundin gefunden zu haben!«, kam es zwinkernd von ihrem Verlobten. »Gestern haben sie sich wohl gut unterhalten und jetzt ist für ihn nur noch Leana wichtig!«

Ach so war das also. Grinsend richtete die Blonde das Essen an und setzte sich an den Tisch. »Ich würde mich für die Beiden freuen. Lea und James haben beide jemanden verdient und wenn sie einander gut tun unterstützte ich das.«

Den restlichen Abend kümmerten sich die Beiden um einige Dinge, welche die Hochzeit betrafen und ließen den Abend schließlich mit einer Flasche Wein und einem Film ausklingen.

An diesem Morgen wurde Aileen von ihrem Freund mit Frühstück am Bett geweckt und das war schon lange nicht mehr vorgekommen. Also hatte er entweder ein schlechtes Gewissen oder war sein Stunden wach. Meistens, wenn er ein anspruchsvolles Skript bekam war er die ganze Nacht wach und arbeitete daran wie ein Verrückter. Er war ebenso ein Perfektionist wie sie einer war.

»Guten Morgen«, meinte sie verschlafen und rieb sich über die Augen. »Womit habe ich denn das verdient?« Dankbar umklammerte sie die Kaffeetasse mit beiden Händen.

Oliver schlüpfte neben seiner Verlobten und die Decke und nahm sich einen Schluck von seinem Orangensaft. »Ich dachte mir du könntest eine Stärkung gebrauchen nachdem du mit Leana heute durch die Läden shoppen willst.« Ein breites Grinsen zierte seine Lippen.

Ganz unrecht hatte er damit nicht. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin hatte Lee heute einiges vor und es würde bestimmt ein langer Tag werden. Auch wenn sie mit Sicherheit einige Boxenstopps in Cafés einlegen würden. Es war eine liebe Geste von  Oliver. Die Blonde gab ihm einen Kuss bevor sie nach einem Brötchen griff, dieses belegte und herzhaft einen Bissen nahm.

»Gibt es schon einen Schlachtplan für heute?«, fragte der Phelps nach während sie sich fertig machten.

Aileen zog gerade ihren Lidstrich und prustete los. »Das klingt als wären wir auf einem Mordtrip. Wir gehen shoppen. Keine Ahnung was ihr Männer euch dabei ausmalt.« Sie band sich ihre zu einem Dutt. »Keinen konkreten Plan. Wir fahren in die Stadt und dann ergibt sich das von selbst…schätze ich!«

Oliver verdrehte grinsend die Augen. »Ich habe nur gefragt, da ich davon ausgegangen bin, dass du auch diesen Tag auf einer To-Do-Liste aufgeteilt hast.« Er gab ihr einen Kuss. »Ich kenne dich schon lange genug. Vergiss das nicht!«

Auch damit traf er wieder ins Schwarze. Bei Aileen war immer alles genau geplant. Für alles gab es eine Liste und meistens auch einen Zeitplan. Aber so funktionierte alles am besten für sie und Lee hatte nicht das Gefühl die Kontrolle zu verlieren.

Dieses Mal übernahm Oliver den Fahrdienst nach London, denn Aileen und Leana würden bestimmt etwas trinken. Danach würde die Collins nicht mehr fahren also war das die beste und einfachste Lösung. Außerdem hatte ihr Verlobter bis am späten Abend einen Dreh also konnte sie sich viel Zeit nehmen.

Helena wartete bereits in der Lobby  und umarmte ihre beste Freundin. Die Mädchen machten sich sogleich auf den Weg zur U-Bahn Station um ins Zentrum zu fahren und holten sich bei der kleinen Bäckerei um die Ecke einen Becher mit Heißer Schokolade.

Die Beiden drängten sich schließlich in die U-Bahn und Lea seufzte auf. »Also gut. Haben wir einen Plan oder gehen wir einfach darauf los?«

Aileen zuckte grinsend mi den Schultern. »Also ich habe nur die Leute aufgeschrieben für dich ich was besorgen muss. Doch da ich keine konkreten Vorstellungen habe was die Geschenke betrifft ist es bei mir nicht tragisch.« Sie nippte an ihrem Becher. »Wie sieht es bei dir aus?«

Da es der Griechin nicht viel anders ging besuchten sie zuerst die Oxford Street. Von hier aus gab es noch weitere Möglichkeiten, wenn sie nicht fündig werden sollten. Die Straße war voll mit Leuten, welche hektisch mit ihren Einkäufen durch die Gegend liefen.

»Nun gut. Ich hätte da vielleicht den perfekten ersten Stopp für uns!«, kam es zwinkernd von Aileen. »Was hältst du von einem Abstecher im Disney Store?«

Sofort begannen Leanas Augen zu leichten und die Mädchen machten sich auf den Weg. Die Schaufenster, an denen sie vorbei kamen, waren alle festlich geschmückt und so kam man gleich in Weihnachtsstimmung. An den kleinen Imbissständen roch es köstlich nach Keksen, Maroni, Zimt und gebratenen Äpfeln.

Als gäbe es keine andere Möglichkeit waren natürlich beide fündig geworden und verließen stolz mit ihrer ersten Tüte den Laden. Sie schlenderten die Straße entlang und betraten einige Läden, welche sie bereits vom Namen her kannten oder die einladend auf sie wirkten. Es dauerte nicht lange bis die Einkaufstaschen mehr wurden, aber auch einige Geschenke hatten sich darunter bereits gefunden. Daher beschlossen die Freundinnen eine Pause einzulegen um etwas zu essen.

Leana bestellte sich einen Fisch mit Kartoffeln und Gemüse doch Aileen entschied sich für einen Burger mit Pommes. Dazu genossen die Beiden ein Glas Wein.

Die Griechin strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. »Ich habe heute Morgen deine Tante gesehen als ich auf dich gewartet habe. Sie schien mir ziemlich gestresst zu sein. Alles okay bei ihr?«

Die Collins biss sich leicht auf die Unterlippe. »Vanessa plant gerade diese Sache und will, dass alles perfekt ist. Eigentlich darf ich noch niemandem sagen was los ist, aber ich denke dich darf ich einweihen.« Aileen nahm einen Schluck von ihrem Glas. »Am 24.Dezember wird es im Hotel einen Ball geben. Aber sie will es erst bekannt geben also tu dann einfach überrascht!«

»Wow, das ist eine coole Idee.« Helena war begeistert bis ihr eine Sache klar wurde. »Ich habe nichts eingepackt was man auf einen Ball anziehen könnte. Wir müssen ein Kleid finden und Schuhe. Außerdem eine Tasche und passenden Schmuck.«

Aileen lachte leicht auf. »Alles klar. Nach dem Essen gehen wir auf Mission. Keine Sorge! Wir finden alles was du brauchst. Besser gesagt was wir brauchen!«

Nach einem weiteren Glas und ihrem Essen machten sich die Zwei auf den Weg um sich Ballkleider und alle Accessoires zu besorgen. In den ersten drei Läden hatten sie kein Glück, aber schließlich machten sie einen Goldgriff. Es war ein kleiner, gemütlicher Laden und lag in einer Seitenstraße. Er hatte alles was man für einen magischen Abend brauchte. Die Mädchen waren im Moment die einzigen Besucher.

Die Verkäuferin war in ihrem Alter und freundlich. Sie bat sofort ihre Hilfe an und fing an die Freundinnen zu beraten. Sie fragte nach ihren Vorstellungen und Lieblingsfarben bevor sie jede in eine Kabine schickte um ihnen die Kleider zu bringen. Für den Anfang bekam jede drei Kleider, welche sie anprobieren sollte.

Das erste Kleid war bei beiden ein Reinfall und auch die zwei Anderen sahen nicht unbedingt besser aus. Jedoch ließen sich die Mädchen überreden, dass Lola ein Kleid für sie aussuchen würde, welches ihrer Meinung nach zu ihnen passen würde. Wenn das wieder ein Reinfall werden würde machten sie sich selbst auf die Suche. Doch Lola traf die perfekte Entscheidung! Zuerst war sich Aileen unsicher – besonders wegen der Farbe, aber es sah gut aus. Auch Helena war begeistert.

Zwei Stunden später verließen sie völlig ausgestattet den kleinen Laden und machten sich auf den Weg zur U-Bahn um zum Marbella zurück zu fahren. Es war bereits später Nachmittag und sie hatten alles besorgt was sie sich vorgenommen hatten. Bepackt mit ihren Tüten standen sie in dem überfüllten Wagon und konnten es kaum erwarten aussteigen zu können.

»Danke für den heutigen Tag, Das habe ich gebraucht«, meinte Leana als sie in der Lobby ankamen. »Ich freue mich jetzt schon auf unseren Nachmittag!« Sie lächelte breit.

Aileen stellte ihre Tüten ab. »Ich freue mich, dass wir das durchgezogen haben. So eine Auszeit schadet nie.« Grinsend schüttelte sie den Kopf. »Ich glaube ich habe es mit dem Shoppen etwas übertrieben, aber das war es wert.«

Auch die Griechin hatte mehr besorgt als der Plan gewesen war. »Tja, soll auch manchmal vorkommen, dass es etwas eskaliert.« Kurz sah sie sich in der Lobby um. »Holt dich Oliver ab oder willst du noch mit hoch kommen?«

»Schon okay. Ich muss noch Onkel Charlie anrufen und warte im Büro dann auf Oli.« Lee wackelte mit den Augenbrauen. »Außerdem musst du dich für dein Essen mit James fertig machen, oder?« Ihr Schwager hatte ihr davon erzählt und sie freute sich für die Beiden.

Helenas Wangen verfärbten sich. »Ahm…er hat es dir erzählt? Naja, er hat ich gefragt und ich wollte nicht unhöflich sein und ablehnen.«

Aileen umarmte ihre beste Freundin und wünschte ihr noch viel Spaß bevor sie sich auf den Weg machte. Lea sah ich grinsend nach bevor sie mit dem Aufzug nach oben fuhr. Im Zimmer angelangt schälte sie sich aus ihrem Mantel und den Stiefeln. Ein Teil der Einkäufe räumte sie in den Kleiderschrank und den Rest packte sie in ihren Koffer.

Danach sprang Leana unter die Dusche. Das warme Wasser entspannte ihre Muskeln und für einen kurzen Moment konnte sie abschalten. Sie wickelte sich in ein großes Badetuch und frischte ihr Make-up auf bevor sie sich anzog. Sie war viel zu früh fertig, aber sie war zu nervös gewesen um sich mehr Zeit zu lassen. Außerdem wusste sie nicht genau was James eigentlich vor hatte. Das musste sie wohl auf sich zukommen lassen.

Es kam ihr vor wie eine Ewigkeit als es endlich an die Tür klopfte. Nervös strich sie noch einmal über ihr Outfit ehe sie öffnete. James strahlte sie breit an und die Griechin musste zugeben, dass er verdammt gut aussah in dem grauen Mantel, den er trug. Also würden sie nicht im Hotel bleiben.

»Hey!«, kam es lächelnd von James.

Lea erwiderte sein Lächeln. »Hi. Gibst du mir noch zwei Minuten? Ich wusste nicht, dass wir außerhalb essen.« Hastig schlüpfte sie in ihre Stiefel und den Mantel.

»Lass dir Zeit. Ich hätte auch daran denken können dir was zu sagen.« Er lehnte sich lässig gegen den Türrahmen während er auf sie wartete. »Wie war eure Tour heute? Oli hatte die Befürchtung er müsse Lee mit einem Kleinbus abholen!«

Die Pantagiota lachte auf als sie nach ihrer Tasche griff. »Wir waren erfolgreich, danke der Nachfrage. Obwohl wir uns noch zurückgehalten haben.« Die Beiden machten sich auf den Weg zum Aufzug. »Also, wohin entführst du mich?«

Frech zwinkerte er ihr zu. »Wenn ich dir das sagen würde wäre es keine Entführung oder?«

Ein Wagen wartete bereits vor dem Hotel und es gab sogar Champagner. Während der Fahrt kamen sie auf verschiedenste Dinge zu sprechen und dabei auch über ihre Kindheit, das Leben am Harry Potter Set und warum Helena nach Griechenland zurück gezogen war. Ihre Nervosität war verflogen und sie freute sich auf den Abend auch wenn sie immer noch nicht wusste wo es hinging und was er vor hatte.

Schließlich hielten sie vor einem indischen Restaurant. Es war eher klein gehalten, aber verströmte eine gemütliche Atmosphäre. Auch wenn sie es vorerst nicht vermutet hatte war kaum noch ein Platz frei, doch James schien reserviert zu haben. Er nannte der Angestellten seinen Namen und schon wurden sie zu ihrem Platz gebracht.

»Das ist der beste Inder der Stadt. Ohne Reservierung hast du kaum die Chance auf einen Platz«, kam es von dem Phelps.

Es war auf jeden Fall einmal etwas Neues. »Gut, dann lasse ich dich als den Experten bestellen. Ich war zuvor noch nie indisch essen!«

Mit Freuden nahm er sich dieser Aufgabe an. Die ganze Zeit während sie im Restaurant saßen wurde es kein einziges Mal unangenehm zwischen ihnen. Die Beiden hatten immer ein Gesprächsthema und Helena fühlte sich wohl in seiner Nähe. Auch das Essen war ausgezeichnet, aber eindeutig zu viel.

»Okay, ich habe das Gefühl als würde ich jeden Moment platzen«, seufzte die Griechin als sie nach draußen gingen.

James nickte und stimmte ihr zu. »Wir könnten im Park noch eine Runde drehen, wenn du willst. Bis dahin müsste auch der Fahrer hier sein.«

Der Park war nicht groß, aber trotzdem tat es gut sich die Beine zu vertreten. Es waren einige Leute unterwegs, aber keiner nahm Notiz von ihnen. Man könnte fast meinen, dass sich Helena in einem Märchen befand als es anfing zu schneien. Das Bild, welches sich ihr bot, erinnerte sie an all die kitschigen Weihnachtsfilme auf Netflix, aber im Moment würde sie nichts daran ändern wollen. Sie warf einen Seitenblick auf James, welcher sie beobachtete.

Alles lief auf einmal wie in Zeitlupe. Sie wandte sich dem Phelps zu, welcher ihr eine lose Haarsträhne hinters Ohr strich bevor seine Hand auf ihrer Wange verweilte. Langsam beugte er sich zu ich hinab und Lea schloss erwartungsvoll die Augen.

Doch ein plötzliches Rufen ließ die Beiden auseinanderfahren. Es war ihr Fahrer. »Mr.Phelps! Wir können fahren, wenn sie soweit sind!«

Nach den Ereignissen des letzten Abends hatte sie kaum ein Auge zugemacht. Der Moment im Park war magisch gewesen und sie war sich sicher, dass es bestimmt zu einem Kuss gekommen wäre. Die Erkenntnis machte sie nur noch nervöser als Leana es ohnehin schon war. Da kam es ihr gerade recht, dass sie heute einen straffen Zeitplan hatte, denn so konnte sie auch James aus dem Weg gehen.

Da die Griechin noch genügend Zeit zur Verfügung hatte sprang sie unter die Dusche. Ihre Haare flocht sie sich zu einem seitlichen Zopf und ihrem Make-up verlieh sie einen leichten Glamour-Look bevor sie in ihr Outfit schlüpfte. Im Spiegel prüfte sie noch ein letztes Mal ihr Aussehen bevor Leana ihre Tasche packte. Einige Unterlagen waren zum Austauschen und sie ging ihren heutigen Tagesablauf durch bevor sie auf eine Nachricht von Aileen antwortete.

Am liebsten hätte sich die Dunkelhaarige sofort mit ihrer besten Freundin getroffen um über den Abend zu reden, aber auf der anderen Seite war sie sich nicht sicher, wie Lee bei der Sache reagieren würde. Immerhin ging es dabei um ihren Schwager. Aus diesem Grund beschloss Helena vorerst kein Wort darüber zu verlieren und machte sich auf den Weg zu ihrem ersten Termin.

Aileen schrieb ihrer besten Freundin während sie sich auf den Weg ins Büro ihrer Tante machte. Heute war sie sozusagen Vanessa zugeteilt was bedeutete, dass sie an den Vorbereitungen für den Ball arbeiten würden. Die Collins freute sich schon darauf und konnte es kaum erwarten mehr Informationen zu bekommen. Auch wenn sie sich sicher war, dass Vanessa aus den meisten Dingen ein Geheimnis machen würde.

»Morgen!«, meinte die Blonde gut gelaunt als sie das Büro betrat. »Wie sieht unser Tag heute aus?«

Vanessa zog fragend eine Augenbraue nach oben. »Guten Morgen! Was hast du denn gefrühstückt?« Sie schloss ihre Mappe und stand auf. »Solch gute Laune um diese Uhrzeit ist ungewöhnlich für dich.«

Aileen umarmte ihre Tante zur Begrüßung und zuckte leicht mit den Schultern. »Ich bin nur froh, dass ich dir einmal helfen kann. Also was hast du für mich zu tun?«

Gemeinsam gingen die Beiden in den Veranstaltungssaal und Lee staunte nicht schlecht als sie die Dekoration sah. Bisher hatte sich ihre Tante wirklich ins Zeug gelegt. Unzählige Schneeflocken hingen von der Decke in verschiedensten Größen und Formen. Es sah auf wie ein kleines Winter Wonderland. Am Ende des Raumes befand sich die Bühne mit einer Tanzfläche und danach waren überall runde Tische und Sesseln aufgestellt.

»Also, was denkst du?«

Die Collins sah ihre Tante mit großen Augen an. »Das sieht magisch aus! Wie kann ich dir dabei helfen?«

Erleichtert atmete die Eventmanagerin aus und fuhr sich durch die Haare. »Ich muss noch einige Telefonate führen um alles zu organisieren. Doch du könntest anfangen die Tische zu dekorieren.« Sie deutete auf die Bühne. »Alles was du brauchst ist in jeweils einem Karton. Also pro Tisch hast du eine Schachtel. Sobald ich fertig bin komme ich um dir zu helfen.«

Die Blonde machte sich sofort an die Arbeit um Vanessa so gut es möglich war unter die Arme zu greifen. Es war erstaunlich was sie bereits alles auf die Beine gestellt hatte. Lee schnappte sich die erste Schachtel und wandte sich einem Tisch in ihrer Nähe zu. Es gab ein Tischtusch und passende Überzieher für die Sessel, welche sie als erste anbrachte bevor sie mit der richtigen Dekoration begann. Alles war farblich abgestimmt und sie hoffte, dass sie den Vorstellungen gerecht wurde. Doch allzu viel konnte man mit den vorgegebenen Gegenständen nicht falsch machen.

Um die Stille zu verbannen holte sie ihre Kopfhörer aus der hinteren Hosentasche und steckte diese an ihm Handy an. Mit Musik ging ihr einfach alles besser von der Hand. Um in passende Stimmung zu kommen stellte sie eine Weihnachtsplayliste ein und machte sich weiter an die Arbeit. Besonders das neue Weihnachtsalbum von Lea Michele hatte es ihr angetan und während sie von Tisch zu Tisch ging hörte sie durch die Songs und bemerkte nicht, dass sie lautstark mitsang.

»It's the most wonderful time of the year. With the kids jingle belling and everyone telling you be of good cheer. It's the most wonderful time of the year«, sang sie lautstark vor sich hin und drehte sich einmal im Kreis. Erst dann fiel ihr auf, dass sie nicht mehr alleine war und ihre Tante zurück gekommen war.

Vanessa grinste breit und schnappte sich ebenfalls eine Kiste. »Lass dich von mir nicht aufhalten. Du weißt, dass ich es liebe, wenn du singst.«

Schmunzelnd packte Aileen die Kopfhörer weg. »Das überlassen wir mal lieber den Profis.« Sie holte sich eine weitere Kiste. »Lief bei deinen Anrufen alles gut?«, fragte sie nach, aber das Gesicht ihrer Tante sprach Bände.

Kopfschüttelnd seufzte diese auf. »Nicht unbedingt. Ich meine die wichtigsten Dinge sind ohnehin abgewickelt, aber ich wollte nur noch die Bestätigungen einholen.« Sie überzog den Tisch mit der Decke. »Doch nun hat einer der musikalischen Gäste abgesagt, da sie einen anderen Auftritt bekommen haben und dieser wird wohl besser bezahlt. Nun fehlt uns ein Act, denn die anderen Bands wollen und können kein längeres Set spielen, was ich auch irgendwie verstehe.« Sie sah ihre Nichte frustriert an. »Das bedeutet ich muss noch kurzfristig einen Act finden oder wir müssen Songs über die Anlage abspielen…«

Aileen konnte die Frustration verstehen, denn immerhin saß sie nun schon so lange an dem Ball und nun kam so eine Nachricht. Auf die Schnelle würde wohl niemand Zeit haben, denn immerhin war Weihnachten und diese Zeit wollte jeder mit seiner Familie verbringen, aber vielleicht gab es doch einen Ausweg?

»Ahm, ich weiß, dass du alles genau geplant hast und es dir vielleicht nicht unbedingt hilft, aber ich könnte mit Jennifer und Damian reden. Wir können vielleicht ein Set zusammen stellen und auftreten, wenn du möchtest?«, fragte sie vorsichtig nach. Immerhin wollte sie sich weder aufdrängen noch alles über den Haufen werden.

Sofort hellte sich die Miene der Collins auf. »Das würdest du machen? Ich meine du solltest den Ball doch genießen und ihn nicht als Arbeit sehen. Das war nicht so geplant.«

Lee lächelte. »Mach dir darüber mal keine Gedanken. Ich rede mit den Beiden und sage dir heute Abend Bescheid. Ich habe dir doch angeboten zu helfen und wenn das mein größter Beitrag ist, dann mache ich das gerne.«

Der restliche Vormittag war an den Beiden vorbeigezogen und Aileen wurde kurzfristig von Leana zum Mittagessen eingeladen was sie sich natürlich nicht entgehen lassen wollte. Außerdem brannte sie darauf zu erfahren wie das Date gelaufen war. James hatte sich diesen Morgen vor ihr gedrückt und sie hatte ihn nicht ausfragen können. Also war es entweder eine Katastrophe gewesen oder war besser gelaufen als sie gedacht hatten.

Lea saß bereits an einem Tisch als Aileen ins Restaurant kam und sie sah mehr nervös aus als sie sollte. Fragend nahm sie gegenüber ihrer Freundin Platz und zog eine Augenbraue nach oben. Das sah ihr nun nicht unbedingt ähnlich. Bevor sie überhaupt nur ein Wort sagen konnte schoss Helena auch schon los.

»Gestern war eine Katastrophe. Denke ich zumindest. Oder auch nicht, denn eigentlich war es ein schöner Abend und dann nicht mehr.« Helena sah hilfesuchend zu ihrer besten Freundin. »Hat er zu dir was gesagt? Ich gehe ihm schon den ganzen Tag aus dem Weg.« Sie brauchte Antworten…

Die Britin war mehr verwirrt als das sie sich auskannte was eigentlich gerade los war. Aber anscheinend war es nicht so gelaufen, wie sich die Griechin den Abend vorgestellt hatte. Sie legte Leana beruhigend eine Hand auf den Arm. »Okay, hol mal tief Luft und dann erzähl mir in Ruhe was passiert ist.«

Die Griechin nahm einen Schluck von ihrem Wasser und sammelt sich ehe sie sich in die Schilderungen des Abends stürzte. Im Grunde hatte der Abend super angefangen und war gut gelaufen bis sie sich noch die Beine vertreten hatten und im Park waren. Ab da weg wurde alles seltsam und komisch zwischen ihnen. Denn nach dem Zwischenruf des Fahrers waren sie in den Wagen gestiegen und hatten bis zum Hotel geschwiegen. Selbst ihre Verabschiedung war steif gewesen und nun wusste die Dunkelhaarige nicht wo sie stand und was sie eigentlich machen sollte.

Aileen hatte ihr aufmerksam zugehört und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen als der „Beinahe-Kuss“ erwähnt wurde. Doch warum sich James danach so komisch verhalten hatte konnte sie auch nicht genau sagen. »Also nachdem was du mir erzählt hast war der Abend doch ein voller Erfolg bis auf den Abschluss. Ich vermute ihr wart beide unsicher und wusstet nicht ob der Schritt richtig oder falsch gewesen war.« Sie bestellte sich ihr Essen bevor sie sich wieder auf ihre Freundin konzentrierte. »Mach dir darüber nicht zu viele Gedanken. Ich bin mir sicher, dass auch James sich den Kopf darüber zerbricht und das mit dir klären will. Das wird sich schon klären.« Aufmunternd lächelte sie der Dunkelhaarigen zu. »Dein Kuss kommt vielleicht schneller als du denkst.«

Zuerst hatte Leana befürchtet es würde komisch werden mit Lee darüber zu reden, aber nun wo sie es getan hatte war sie froh, dass sie sich dazu entschieden hatte. Ihr wurde etwas leichter. Vielleicht machte sie sich wirklich zu viele Gedanken und alles würde sich klären, auch wenn sie das Gefühl hatte ihm trotzdem aus dem Weg gehen zu müssen…

Die Pantagiota hatte leider nicht so viel Zeit wie sie gerne hätte, denn schon hastete sie weiter zu ihrem nächsten Termin und die Blonde machte sich auf den Weg nach der Filmcrew, denn sie brauchte dringend Jennifer und Damian um mit ihnen zu reden so wie sie es ihrer Tante versprochen hatte.

Sie besorgte noch drei Becher Kaffee ehe sie sich auf den Weg ins Penthouse machte. Heute fand der Dreh erneut dort statt und es herrschte reges Treiben. Anmerkungen wurden durch den Raum gerufen und Stylisten liefen mit ihren Pinseln hinter den Schauspielern her. Von ihr nahm kaum jemand Notiz außer dem Regisseur, welcher sie freundlich grüßte. Anscheinend interessierte es ihn nicht was sie hier zu suchen hatte. Vermutlich dachte er sie würde nach ihrem Verlobten suchen.

Damian und Jennifer saßen beide etwas abseits und gingen ein Skript durch. Im Moment waren sie nicht mit drehen beschäftigt was für sie gut war.

»Hey Leute. Ich hoffe ich störe euch nicht!«, meinte sie freundlich und gesellte sich zu ihnen.

Beide sahen lächelnd auf und schüttelten den Kopf. »Nein, bitte setzt dich. Was gibt’s?«, meinte Jennifer und legte ihr Skript beiseite.

Aileen reichte ihnen jeweils einen Becher und setzte sich auf einen der Barhocker. »Tut mir leid, dass ich euch hier so überfalle, aber ich müsste euch um einen Gefallen bitten.« Etwas unsicher sah sie Jenn und Damian an. »Meine Tante plant einen großen Weihnachtsball und bräuchte zusätzlich noch einen Act, der auftritt. Und ich habe gedacht, dass wir uns vielleicht zusammen tun könnten um zu performen. Die Zusage meiner Tan hätten wir.«

Damian sah sie mit großen Augen an. »Wow, das ist eine große Ehre. Immerhin sind wir keine Profis. Ist sich Vanessa dabei auch sicher?«

Auch Jennifer war überrascht, aber fühlte sich gleichzeitig geehrt.

Die Blonde nickte. »Sie würde sich freuen. Ich habe vorhin mit ihr geredet. Sie braucht nur noch unsere Zusage und dann steht das. Nur wenn ihr Lust und Laune habt und es euren Dreh nicht beeinflusst, natürlich.«

Sofort waren die Beiden einverstanden und erleichtert seufzte die Collins auf. Ein weiterer Punkt auf ihrer Liste, der erledigt war. Sie freute sich darauf mit den Beiden zusammen zu arbeiten und performen zu dürfen. Das würde bestimmt Spaß machen und war eine neue Erfahrung. Da keiner von ihnen am nächsten Tag einen Dreh hatte beschlossen sie sich am Vormittag in der Bar zu treffen um sich einen Plan und eine Setliste zu überlegen und dann zu proben. Das würde toll werden. Aileen war sich sicher. Den restlichen Tag über versuchte sie im Hotel alles abzuwickeln was zu tun war und konnte es kaum erwarten endlich nach Hause fahren zu können.

Helena hatte einen anstrengenden Tag hinter sich und ihre Füße schmerzten als sie gegen Abend endlich in der Lobby ankam. Samantha winkt ihr von der Rezeption aus zu und sie erwiderte die Geste ehe sie auf den Aufzug wartete. Nach einer kurzen Dusche würde sie heute einfach nur noch ins Bett fallen – so viel stand fest. In Gedanken war sie bereits bei ihrem weichen Kissen als sich die Türen des Aufzuges öffneten und ihr James gegenüberstand.

Sofort war sie in Alarmbereitschaft und überlegte umzudrehen und einfach wegzugehen, aber das wäre zu offensichtlich gewesen. Außerdem kam er nach unten und sie wollte nach oben.

»Hey!«, meinte sie schließlich und lächelte leicht.

Er schien ebenfalls überrascht zu sein sie zu sehen, aber erwiderte das Lächeln. »Leana, ich war auf der Suche nach dir. Also ich war eben bei deinem Zimmer um mit dir zu reden.«

Oh nein! Sie stieg zu ihm in den Fahrstuhl und spielte nervös mit dem Ring an ihrem Finger während er den Knopf für ihr Stockwerk drückte und sie sich nach oben in Bewegung setzten.

»Wegen gestern…also der Abend hat anderes geendet als ich es erwartet hatte«, meinte er schließlich und sah sie an.

Die Dunkelhaarige nickte leicht. »Ja, da ging es uns beiden wohl gleich.«

Er war wohl etwas unsicher, denn er wusste nicht so recht was er sagen sollte. »Tut mir leid, dass ich mich danach so komisch verhalten habe. Aber ich wusste nicht recht was ich tun sollte. Das alles war seltsam und ich wollte nichts falsch machen.«

Sie konnte ihn verstehen, aber dennoch hatte sie sich ein anderes Ende gewünscht. »Schon okay. Es war trotzdem ein schöner Abend.« Sie lächelte. Dieses Mal aufrichtig.

James lächelte ebenfalls. »Das nächste Mal sollten wir wohl mit der U-Bahn fahren da kann uns das nicht mehr passieren.«

Alleine diese Vorstellung war zum Brüllen.

Kichernd biss sie sich auf die Unterlippe und bemerkte plötzlich den Mistelzweig, welcher von der Decke des Aufzugs baumelte. Wer kam denn auf diese bescheuerte Idee? Steckte etwa ihre beste Freundin dahinter? Es wäre ihr zu zutrauen.

Auch James wurde nun darauf aufmerksam und grinste leicht. »Ein Mistelzweig.«

Ohne groß nachzudenken meinte Lea: »Er ist vermutlich voller Nageln.«

Beide lachten auf ehe sich ihre Lippen endlich berührten.

Nach den Ereignissen des letzten Abends hatte sie lange gebraucht um endlich einschlafen zu können, denn das Kribbeln und Dauergrinsen wollte Leana einfach nicht los lassen. Ihr Tag hatte definitiv ein überraschendes Ende genommen, aber sie wollte sich nicht darüber beschweren. James und sie hatten sich im Aufzug geküsst. Endlich sozusagen! Das hatte ihr wenigstens gezeigt, dass auch offenbar bei ihm Gefühle vorhanden waren welche die ihren erwiderten, aber darüber geredet hatten sie eigentlich nicht. Dafür hatten sie noch Nummern ausgetauscht als er sie zur Tür gebracht hatte und waren nun zum Frühstück verabredet.

Sie musste das alles erst verarbeiten bevor sie Aileen alles erzählen konnte also würde sie den Vormittag mit ihm auf sich zukommen lassen und danach hatte sie bestimmt genug Stoff um ihre beste Freundin zu versorgen. Doch dazu musste sie endlich aus dem Bett kommen und in die Lobby fahren. Sie war viel zu spät dran und musste sich auch noch hetzen um fertig zu werden. Ihre Haare flocht sie sich zu einem Zopf und zog eine Haube darüber, denn wie es aussah ging draußen ein ordentlicher Wind. Passte doch ganz gut um ihre Haarsituation zu verstecken. Das Make-up viel dezent aus und sie schlüpfte in warme Klamotten, denn sie wusste nur, dass sie draußen unterwegs sein würden.

Hektisch suchte sie noch ihre Sachen zusammen um sie in ihre Tasche zu werfen als es an die Tür klopfte. Verdammt! Bereits fünf Minuten zu spät. Das war mit Sicherheit James! Schnell warf sie noch einen Blick in den Spiegel bevor sie ihm öffnete.

»Guten Morgen!«, meinte er mit einem breiten Grinsen auf den Lippen.

»Hi«, kam es von ihr als sie sich ihren Mantel überwarf. »Bin schon fertig! Wartest du schon lange?« Es war ihr unangenehm, dass sie nicht pünktlich war.

James schüttelte den Kopf und gemeinsam gingen sie zum Aufzug. »Nein, alles gut. Hast du gut geschlafen?«

Leana lächelte. »Gut, denn das wäre nicht meine Absicht gewesen.« Sie stiegen in den Aufzug und fuhren nach unten. »Ja hab ich, danke.«

Keiner der Zwei wusste so recht wie er sich verhalten sollte, denn immerhin hatten sie auch noch nicht über den Kuss geredet. Aber das war wohl im Moment nicht der beste Zeitpunkt. Daher versuchten sie einfach ein Gespräch aufrecht zu erhalten. So erfuhr Helena auch, dass sie zuerst in einem kleinen Café frühstücken würden und danach ging es noch zur Schlittschuhbahn. Er hatte wohl alles sehr gut durchdacht und sie freute sich darauf mehr über ihn zu erfahren.

Es war nicht selbstverständlich, dass sich ein Junge solche Gedanken machte, wenn er ein Mädchen ausführte, dass er gerade erst getroffen hatte, aber James war es wichtig, dass sie sich wohl fühlte. Daher gab er sein Bestes sie immer wieder mit neuen Ideen zu überraschen und so auch mehr über sie in Erfahrung zu bringen. Darauf hoffte er diesen Vormittag.

Aileen war bereits seit den frühen Morgenstunden im Hotel, denn es gab in der Abwesenheit ihres Onkels viel zu tun. So standen heute einige Vorstellungsgespräche an, denn sie suchten nach neuen Zimmermädchen und zwei neuen Kellnern, denn immerhin war einer von Vanessa gefeuert worden und eine Mitarbeiterin würde in Kürze in Mutterschutz gehen. Die Collins musste dafür sorgen, dass genug Personal vorhanden war.

Ein letztes Mal ging die Blonde die Bewerbungsunterlagen durch bevor sie die erste Kandidatin ins Büro rief. Das junge Mädchen hatte sich an der Academy of Dance beworben und war leider abgelehnt worden, daher suchte sie einen Job um sich ihre Wohnung leisten zu können und würde ihr Glück im nächsten Jahr noch einmal versuchen. Sie schien motiviert zu sein und war sich ihrer Aufgabenbereiche bewusst. Jedoch würde es Aileen nicht viel von Nutzen sein, wenn sie ihre Prüfung im nächsten Jahr schaffen würde und dann ihren Job kündigen würde. Doch sie würde sie im Hinterkopf behalten.

Auch die weiteren Kandidatinnen waren nicht recht viel versprechend doch konnte sie mit Freude zwei neue Kellner einstellen, welche beide bereits Erfahrung in ihrem Bereich hatten und gute Dienstzeugnisse mitbrachten. Schon zwei Leute weniger, die ihr Sorgen machen mussten. Aber es fuchste sie, dass es mit den Zimmermädchen noch nicht geklappt hatte obwohl seit dem letzten Zusammenstoß alles ohne weitere Probleme mit den Mädchen lief. Vielleicht sollte sie ihnen noch eine Chance geben?

Gegen Mittag kam Oliver vorbei um seine Verlobte zum Essen einzuladen. Er hatte erst am Nachmittag einen Dreh und hatte seinen Vormittag damit verbracht mit der Bäckerei zu reden um einen Termin für die Tortenverkostung festzulegen was er stolz berichtete. Aileen war überrascht, denn sie hatten noch nicht darüber geredet und dass er von selbst diesen Schritt in die Hand genommen hatte freute sie. Sofort trug sie sich den Termin in ihren Kalender ein.

»Die Bäckerin, mit der ich mich getroffen habe, war sehr freundlich und begeistert über den Auftrag. Sie hat etwas von sechs Torten geredet mit denen sie uns überraschen will.« Oliver lachte. »Aber je mehr Auswahl desto besser, oder nicht?«

Die Collins schüttelte grinsend den Kopf, aber wo er recht hatte. »Danke, dass du das heute gemacht hast. Ein Punkt weniger um den wir uns kümmern müssen. Aber trotzdem gibt es noch einiges was ansteht. Doch mit deinen Terminen in Dublin fallen uns wieder einige Tage weg.« Es passte ihr ganz und gar nicht, dass er für ein paar Tage wegmusste, aber in seinem Job ging es manchmal nicht anders.

Oliver seufzte auf, denn es passte ihm auch nicht, doch danach würde es leichter werden. »Keine Sorge. Nach diesen paar Tagen habe ich mehr Zeit und dann kannst du mir deine Listen zuteilen.« Er küsste sie. Der Phelps konnte es kaum erwarten sie zu seiner Frau zu nehmen, aber bis dahin war es wohl noch ein längerer Weg.

Durch ihre vielen Aufgaben, welche sie im Moment über hatte vergaß sie die Zeit und kam beinahe zu spät zu ihrem Treffen mit Jennifer und Damian. Die Beiden waren bereits in der Bar und grübelten über ihren Notizbüchern als sie zu ihnen stieß. Aileen band sich die Haare zu einem Dutt und ließ sich neben Jenn fallen.

»Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat. Es gab noch so viel zu tun und dann war da noch dieser Anruf, den ich nicht ablehnen konnte«, meinte sie entschuldigend und holte ihren Kalender und ihr Notizbuch aus der Tasche.

Damian fuhr sich durch die Haare und legte seinen Stift beiseite. »Mach dir keinen Kopf. Ist doch klar immerhin leitest du hier ein Hotel. Wir sind auch erst vor einigen Minuten gekommen.« Er sah auf seine Notizen. »Jenn hatte bereits einige Ideen was die Songs angeht. Wir wollten noch deine Meinung dazu wissen.«

Neugierig sah sie zu der Blonden.

Jenn lächelte und umarmte Aileen kurz bevor sie auf ihre Notizen blickte. »Naja, Damian und ich haben über den Abend geredet und was am besten zur Setliste passen würde, aber deine Tante hat nichts genaueres dazu gesagt, oder?«

Aileen legte den Kopf leicht schief und schüttelte diesen. »Nein, ich denke wir haben freie Wahl. Mir gegenüber hat sich nichts erwähnt.«

»Gut, denn dann können wir das Set ein bisschen durchmischen. Also langsamere Lieder für die verliebten Pärchen da draußen und schnellere um alle auf die Tanzfläche zu bekommen.«

Die Idee war gut und würde sich sicherlich lohnen. Nun mussten sie nur noch die passenden Songs fingen, die auf all ihre drei Stimmen passten und die sie performen konnte. Da war es auch von Vorteil, dass Damian Gitarre spielen konnte. Die Drei überlegten und jeder schrieb einige Ideen auf, welche sie schließlich verglichen. Der Geschmack ging quer durch die Bank und sie entschieden sich dafür es mit Everything has changed von Taylor Swift und Ed Sheeran zu versuchen. Damian holte seine Gitarre und fing an zu spielen. Die Mädchen wechselten sich mit der Strophe ab und Aileen übernahm die Harmony als auch Damian einstieg. Für den Anfang klang es gar nicht einmal so übel.

Sie suchten weiter nach Songs und versuchten es mit allen Ideen, welche sie hatten bis sich die Drei auf eine Reihe Lieder einigen konnten. Nun hieß es nur noch Text einteilen und üben. Gemeinsam suchten sie nach Terminen, die bei allen funktionierten was schwerer werden würde, da die beiden unterschiedliche Drehtage hatten und auch Aileen nicht immer vor ihrer Verantwortung fliehen konnte, aber sie sahen der Sache trotzdem positiv entgegen und verbrachten den restlichen Nachmittag damit zu üben.

Zuerst hatte die Collins überlegt auf ihren Verlobten zu warten um gemeinsam nach Hause zu fahren, aber dann war ihr eingefallen, dass er seinen Wagen brauchen würde um am nächsten Tag nach Dublin zu fahren also musste sie ihren Wagen nach Hause fahren damit sie auch in die Arbeit kommen würde. Daher machte sie sich auf den Weg an die Rezeption um nachzufragen ob noch irgendwelche Nachrichten für sie eingegangen waren, aber zu ihrem Glück war das nicht der Fall. Daher konnte sie sich auf den Weg machen, denn Jennifer und Damian hatten sich auf den Weg zum Set gemacht. Beide hatten diesen Abend einen Nachtdreh und würden vor den frühen Morgenstunden nicht ins Bett kommen. Sie beneidete im Moment keinen von ihnen.

Sie war gerad auf den Weg zum Aufzug als sie hinter sich ein Rufen vernahm und sich danach umwandte. Es war Elizabeth, welche auf sie zukam. Ein breites Lächeln zierte ihre Lippen.

»Aileen. Dich habe ich ja schon ewig nicht mehr gesehen.« Sie strich sich eine ihrer blonden Locken hinters Ohr. »Warst du gerade auf dem Sprung oder hast du Zeit auf ein Glas Wein?«

Lee schmunzelte, denn der Wirbelwind war ihr schon lange nicht mehr über den Weg gelaufen. Da konnte sie eine Einladung auf ein Glas Wein kaum abschlagen. »Liz, schön dich zu sehen.« Sie warf einen Blick auf ihr Handy. Im Grunde hatte sie noch etwas Zeit. »Natürlich habe ich Zeit. Was hältst du von der Bar?«

Schon machten sich die Beiden auf den Weg und setzten sich an den Tresen. Während sich Elizabeth ein Glas Rotwein bestellte blieb Aileen bei einem Virgin Colada, denn immerhin musste sie noch zwei Stunden mit dem Auto fahren und trank nie Alkohol, wenn sie sich noch ans Steuer setzen musste.

»Wie geht es dir und den Kids? Die Jungs habe ich ja schon ewig nicht mehr gesehen!«, kam es von Aileen.

Die Blonde lächelte. »Ich komme zurecht, danke. Die Jungs fragen immer nach dir und wann ich sie endlich wieder einmal mitnehme. Sie haben wohl einen Narren an dir gefressen.« Elizabeth lachte auf und nahm einen Schluck von ihrem Glas. Damals hatte Aileen auf ihre Jungs aufgepasst als sie einen kurzfristigen Dreh hatte und ihr Mann auch unterwegs war. Das würde sie ihr nie vergessen. »Die bessere Frage lautet wohl wie es dir geht und was die Vorbereitungen für deine Hochzeit machen. Oliver ist wie ein verschlossenes Buch. Aus ihm bekommt man nichts raus. Nicht einmal Hinweise.«

Die Collins konnte sich noch lebhaft an den letzten Besuch von Felix und Magnus erinnern. Sie hatte die beiden Jungs sofort ins Herz geschlossen und würde sofort wieder ein Auge auf sie wergen falls sie einmal vorbei kommen würden. Mit ihnen hatte sie Spaß gehabt und war für einige Stunden abgelenkt gewesen von ihrem Managerposten. Das war auch wichtig zwischendurch eine Pause einzulegen und abzuschalten.

Ein Lachen kam über ihre Lippen. »Das sieht ihm ähnlich, dass er nichts verrät. Aber das kommt wohl auch davon, dass ich mich um die meisten Dinge kümmere während er gerade dreht. Mit der Zeiteinteilung läuft es im Moment nicht so wie wir es uns vorstellen, aber es nimmt langsam alles Formen an. Die wichtigsten Dinge sind besprochen. Nun fehlt nur noch mein Kleid. Aber das ist noch diese Woche dran«, meinte sie verschwörerisch. Sie hatte am Samstag einen Termin im Brautkleidgeschäft und war nervös.

Sofort begannen die Augen von Liz zu leuchten. »Ich kann mich noch an meine Kleidersuche erinnern als wäre es erst gestern gewesen. Du wirst bestimmt zauberhaft aussehen. Ich freue mich so für dich und Oliver. Ihr werdet ein wundervolles Paar werden.«

»Danke dir!«

Die Beiden saßen noch eine Weile zusammen und redeten dabei auch über den anstehenden Weihnachtsball und den Auftritt von Aileen mit Damian und Jennifer. Liz fand es eine hervorragende Idee und freute sich darauf die Drei zu unterstützen was wirklich nett von ihr war. Doch es wurde immer später und schließlich machten sie sich beide auf den Weg nach Hause. Aileen wollte den letzten Abend mit ihrem Verlobten genießen und Liz wollte noch Zeit mit ihren Söhnen und ihrem Mann verbringen bevor der Drehalltag sie wieder einholen würde.

Oliver hatte sich bereits früh aus dem Zimmer geschlichen um seine Verlobte nicht zu wecken. Er sprang noch unter die Dusche bevor er die Sachen aus dem Badezimmer noch in seinem Koffer verstaute. Es passte ihm genau so wenig, dass er für ein paar Tage nach Dublin reisen musste, aber seine Szenen würden dort abgedreht werden und darauf hatte er keinen Einfluss. Auch wenn es im gerade nicht passte. Immerhin wusste er, dass für die Hochzeit noch genug zu tun war und nun wo Aileen auch noch ihren Onkel vertreten musste hatte sie noch mehr Arbeit. Aber zum Glück würde er ihr bald einige Dinge abnehmen können und dann würde alles schneller von der Hand gehen.

Während er den Frühstückstisch fertig machte war auch Aileen wach geworden und ins Badezimmer geschlurft um zu duschen und sich frisch zu machen. Ihre Haare sahen aus wie ein Storchennest. In den letzten Tagen hatte sie viel darüber nachgedacht, dass Oli für ein paar Tage weg sein würde und war zu dem Entschluss gekommen, dass sie nicht alleine im Haus bleiben wollte. Da sie im Hotel ohnehin genug zu tun hatte würde sie die paar Tage dort übernachten also hatte auch sie einen kleinen Koffer gepackt und schleppte diesen nach unten.

»Guten Morgen, Darling. Kaffee?«, meinte Oliver liebevoll und reichte der Blonden eine Tasse.

Er wusste womit er sie glücklich machen konnte. Sie gab ihm einen leidenschaftlichen Kuss ehe sie sich an den Tisch setzten um zu frühstücken. Seine baldige Abreise war nicht Thema. Dafür wollte er wissen wie das Treffen mit Jennifer und Damian gelaufen war. Er freute sich darauf seine Verlobte auf der Bühne performen zu sehen. Doch bis dahin war noch etwas Zeit und er wusste, dass sie das alles auf die Reihe bekommen würde. Sie war eine Collins!

Schließlich war es jedoch soweit um aufzubrechen und Aileen hasste es sich von ihm zu verabschieden auch wenn es nur für die wenigen Tage war. Unzufrieden sah sie ihm nach als er aus der Einfahrt fuhr bevor sie sich selbst in ihren Wagen setzte und losfuhr. Die zwei Stunden Fahrt dauerten ewig, da es über Nacht ordentlich geschneit hatte und die Straßen waren schlecht geräumt und spiegelglatt. Beinahe hätte es zwei Unfälle gegeben, aber schließlich schaffte sie es noch heil anzukommen.

Ihr Zimmer hatte sie sich bereits Tage zuvor gebucht und holte sich nur noch ihre Schlüsselkarte an der Rezeption bevor sie nach oben fuhr um ihre Sachen auszupacken. Auch ihre Listen hatte sie mitgenommen um weiter an ihrer Hochzeit arbeiten zu können. Selbst einige Antwortschreiben waren bereits angekommen, welche sie an diesem Morgen noch durchgehen wollte bevor sie an die Arbeit gehen würde. Dafür hatte sie eigens eine Liste angelegt um anzugeben wie viele Leute zu einem Namen kommen würden und welches Menü sie gewählt hatten. Es waren nicht viele Briefe und somit schnell abgearbeitet.

Doch schließlich wurde es für sie Zeit ihrem Managerposten nachzugehen und mit dem Aufzug fuhr sie nach unten. In diesem Moment wurde sie bewusst, dass sie den gestrigen Tag kein einziges Wort von ihrer besten Freundin gehört hatte und beschloss ich vorerst eine Nachricht zu schreiben. Vielleicht hatte sie am Abend Zeit um sich zu treffen oder um einfach im Zimmer zu sitzen und zu reden. Immerhin musste sie das Hotel in den nächsten Tagen nicht zwingend verlassen. Mit den Fingern an der Tastatur ihres Handys machte sie sich auf den Weg in das Büro ihres Onkels und blieb mit einem Mal stehen als sie Charles auf seinem Sessel sitzen sah.

»Onkel Charlie?! Ich wusste nicht, dass du so schnell wieder kommst!«, meinte sie überrascht, aber sie war froh ihn zu sehen.

Charles lächelte seine Nichte an und seufzte leicht auf. »Du kennst mich schon lange genug um zu wissen, dass ich es nicht aushalte zuhause rumzuliegen.« Er blätterte durch die Notizen auf seinem Tisch. »Aber wie ich sehe hattest du alles im Griff. Bringst du mich dennoch auf den neuesten Stand?«

Die Blonde ließ sich ihm gegenüber in den Sessel fallen und erzählte ihm alles was in seiner Abwesenheit vor sich gegangen war. Besonders über den Zwischenfall mit den Zimmermädchen. Auch er war darüber aufgebracht, aber beschloss ihnen noch eine Chance zu geben solange er keinen anständigen Ersatz für sie fand. Aileen war froh darüber, dass er wieder da war, denn das bedeutete, dass sie wieder etwas Luft hatte.

»Danke, dass du dich um alles gekümmert hast. Vanessa hat mir erzählt was du alles auf die Beine gestellt hast und wie viel du auf dich genommen hast.« Stolz sah er sie an. »Ich habe gehört du schläfst für ein paar Tage im Hote… ist bei Oliver und dir alles in Ordnung.«

Lächelnd nickte sie. »Mach dir keine Sorgen. Uns geht es gut, aber er musste für den Dreh ein paar Tage nach Dublin und ich wollte nicht alleine im Haus bleiben.«

Nachdem ihr Onkel wieder da war musste sie ihre Pläne wieder über den Haufen werfen und sich überlegen was sie nun eigentlich mit ihrem Tag anfangen sollte, denn es waren genügend Leute eingeteilt und man konnte sie eigentlich nirgendwo brauchen. Doch auf dem Zimmer sitzen wollte sie auch nicht. Daher machte sie sich auf die Suche nach Leigh und hoffte, dass diese noch nicht aufgebrochen war.

Glück für sie stand diese gerade in der Lobby und begrüßte ihre Gruppe für die heutige Tour, welche den ganzen Tag gehen würde. »Guten Morgen, meine Damen und Herren. Sie haben sich für die London Experience Tour angemeldet was mich sehr freut. Mein Name ist Leigh und ich werde sie heue durch meine Heimat mitnehmen. Also wenn sie Fragen haben wenden sie sich gerne an mich. Unser Bus müsste jeden Moment kommen also können sie gerne draußen warten.« Sie lächelte breit. »Wenn jeder einen Platz gefunden hat werde ich mit der Teilnehmerliste durchgehen um sicherzustellen, dass wir niemanden vergessen haben.«

Lächelnd ging Aileen auf ihre Freundin zu. »Guten Morgen. Kannst du Unterstützung brauchen? Ich werde heute im Hotel nicht gebraucht.«

Leigh schmunzelte. »Dich kann ich immer brauchen. Aber nur um mich zu unterhalten.« Sie hakte sich bei ihrer Freundin unter und zog sie mit nach draußen, wo der Bus gerade anhielt. »Lass uns den Tag genießen.«

Während die Kingsley die Namen durchging versicherte sich Aileen das alle Teilnehmer einen Ausweis dabei hatten und sich wohlfühlten. Es waren auch jüngere Kinder dabei und sie wollte nicht, dass ihnen kalt oder langweilig werden würde. Doch alle waren bereit loszufahren und Leigh gab dem Fahrer das Zeichen. Zuerst erzählte sie den Ablauf, wie auch bei den kleineren Fahrten bevor sie die Sehenswürdigkeiten näher erklärte an denen sie vorbei kamen. Es gab einiges auf der Liste was abgefahren und angesehen werden musste, aber damit hatte sie genau den Geschmack der Teilnehmer getroffen, denn bei jedem Halt wurden ihr viele Fragen zu den Gebäuden und Geschichten dazu gestellt. Selbst Aileen hörte ihr aufmerksam zu und erfuhr somit das ein oder andere Detail, dass sie zuvor noch nicht gewusst hatte.

Um die Mittagszeit hielten sie in der Oxford Street, wo sie drei Stunden Pause machten. Die Teilnehmer konnten ihre freie Zeit nutzen wie sie wollten. Entweder sie shoppten sich durch die Läden oder gingen einen Happen essen. Leigh hakte sich wieder bei Aileen unter und die beiden machten sich auf den Weg in ein Restaurant, denn sie hatten einen Bärenhunger.

»Also was war in letzter Zeit bei dir los? Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit seit du mit Lea auf meiner Tour mitgefahren bist«, meinte die Kingsley neugierig.

Lee lächelte und zuckte leicht mit den Schultern. »Ach der übliche Stress im Hotel, aber ich bin wirklich froh, dass Onkel Charlie wieder zurück ist. Das alles wurde ganz schön viel.« Sie nahm einen Schluck von ihrem Glas. »Nebenbei versuche ich die Hochzeit zu planen und Tante V zu helfen mit der Organisation.«

Leigh zog eine Augenbraue nach oben. »Welche Organisation? Was plant Vanessa denn? Ich habe nichts davon gehört.«

Ups! »Ahm, naja sie sollte es dieses Wochenende bekannt geben. Dann weißt du mehr.« Entschuldigend lächelte sie ihre Freundin an. »Ich darf niemandem etwas davon sagen. Musste es versprechen!«

Natürlich versuchte die Blonde der Managerin Informationen zu entlocken, aber die Collins schaffte es den Fragen geschickt auszuweichen und so neigte sich ihre Pause auch dem Ende zu und sie mussten zurück zum Bus. Erstaunlicherweise waren alle Teilnehmer pünktlich und sie konnten weiterfahren. Auch Aileen wurden einige Fragen gestellt und die meisten konnte sie sogar beantworten, auch wenn Leigh bestimmt noch mehr Informationen zu bieten hatte. Aber es war schön einmal mit einer anderen Aufgabe vertraut zu sein.

Der Tag war angenehm gewesen und hatte jedoch auch schnell sein Ende genommen und sie landeten wieder beim Marbella. Die Gäste waren zufrieden und Leigh freute sich über das positive Feedback. Auch wenn sie noch einen Arbeitsbericht darüber schreiben musste. Lee hingegen hatte Feierabend und machte sich auf den Weg nach oben in ihr Zimmer. Sie wollte nur noch eine heiße Dusche und sich danach ins Bett kuscheln. Ihrem Verlobten schrieb sie eine Nachricht und fragte nach seinem Tag bevor sie im Badezimmer verschwand. Die Kälte schwand und sofort murmelte sie sich in ihren Pyjama und kroch unter die Decke. Ein Serien-Marathon war genau das passende um einschlafen zu können.

Gerade hatte sie etwas Ansprechendes auf Netflix gefunden als es an der Tür klopfte. Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen wer um diese Zeit noch stören würde, denn sie hatte auch nichts bestellt. Doch als sie öffnete stand ihr James gegenüber und hatte eine Tüte von Nandos dabei. Es war kurz vor Mitternacht.

»Hast du eine Ahnung wie spät es eigentlich ist?«, fragte sie nach als sie ihn ins Zimmer ließ.

James grinste. »Keine Ahnung, aber es ist nie zu spät für Nandos. Aber ich kann auch gehen und esse alleine.«

Lee lachte auf. »Nichts da!«

Sie deutete aufs Bett und nahm neben ihrem Schwager Platz, welcher sich ans Kopfende lehnte und anfing auszupacken. Ein Blick auf den Fernseher reichte aus. »Elité? Ist die Serie es wert?«

Die Collins zuckte leicht mit den Schultern. »Finden wir es raus.« Sie startete mit einem Knopfdruck und gemeinsam sahen sie sich die ersten drei Folgen an während sie ihr Fast Food verschlangen.

Nach den ersten beiden Folgen mussten die Beiden feststellen, dass die Serie nicht übel war. Der Handlungsstrang zog sich durch alle Charakter und man bekam einen Einblick in deren Leben. Also hatte sich die Recherche ausgezahlt um eine neue Serie zu finden. Doch der Abend sollte langsam zu einem Ende kommen. Immerhin war es bereits weit nach Mitternacht und Aileen musste früh raus um ihren Dienst an der Rezeption anzutreten.

»Es tut mir leid, dass Oliver die paar Tage nicht da ist um dir bei den Vorbereitungen zu helfen. Ich weiß, dass er ein schlechtes Gewissen hat«, kam es plötzlich von James und Aileen wandte sich ihm zu.

Sie schüttelte leicht den Kopf und lächelte. »Er weiß genau, dass ich es verstehe. Wir wussten beide, dass es nicht einfach werden würde nebenbei die Hochzeit zu organisieren und wir haben auch mit dem Gedanken gespielt einen Profi zu holen, aber du kennst uns. Wir sind perfektionistisch und wenn etwas nicht so läuft wie wir es uns vorstellen…das wäre noch schwieriger geworden.« Aileen fuhr sich durch die Haare und seufzte auf. »Aber das kriegen wir noch alles hin. Es ist noch genügend Zeit.«

Ihr Schwager nickte leicht und grinste schief. Seine Schwägerin war in der Tat eine Perfektionistin und auch sein Bruder war nicht ohne. Er war sich sicher, dass die Beiden eine wundervolle Hochzeit auf die Beine stellen würden. Der Tag würde ihnen für immer in Gedanken bleiben, wenn es dann soweit war.

»Klar bekommt ihr das hin. Keine Frage!« Aufmunternd lächelte er sie an. »Aber ich habe von einem kleinen Vögelchen gehört, dass es für dich zur Brautkleidanprobe gehen soll.« Er wusste nicht recht ob er mit seinem nächsten Schritt nicht etwas zu weit ging. »Klar wäre mein Bruder nicht mitgekommen beim Aussuchen, denn das bringt ja Unglück, aber ich dachte mir, dass du vielleicht gerne Unterstützung hättest und ich würde gerne mitkommen, wenn du nichts dagegen hast.«

Überrascht sah die Blonde ihren Schwager an, denn damit hatte sie nun nicht gerechnet. Absolut nicht! »Wow, damit hätte ich nicht gerechnet, dass du mitkommen möchtest. Aber ich würde mich freuen! Ich schätze deine Meinung und das weißt du auch!«

James lächelte. Er freute sich wirklich. Immerhin war das ein wichtiger Schritt in den Vorbereitungen und er wollte Lee gerne dabei unterstützen. »Okay, dann komme ich mit. Wann soll es losgehen?«

Aileen erzählte ihm von ihrem Termin morgen Nachmittag und das sie Helena damit überraschen würde, denn es ging dabei auch um das Brautjungfernkleid, dass ausgewählt werden sollte und diese Ehre sollte ihrer besten Freundin gebühren, wenn sie diese annehmen würde. Das jedoch würde erst morgen aufkommen, denn diese wusste noch nichts davon.

»Ich hoffe nur, dass Leana zusagt und ich sie damit nicht überfalle. Immerhin wusste sie bis vor wenigen Tage noch nicht einmal irgendeine Einzelheit von meiner Beziehung«, kam es seufzend von der Blonden. »Aber sie ist meine beste Freundin. Wird schon gut gehen!«, redete sie sich selber ein. Sie warf einen fragenden Blick zu James. »Was genau läuft jetzt eigentlich zwischen euch?«

Ein verträumtes Grinsen erschien auf dem Gesicht des Phelps als der Name der Griechin fiel. Anscheinend hatte es ihn richtig erwischt. »Was soll ich sagen? Ich weiß auch nicht genau was das zwischen uns ist. Aber wir verbringen viel Zeit zusammen und es macht Spaß. Ich fühle mich wohl mit ihr. Doch ich denke wir müssen uns unterhalten was das eigentlich ist und wie es weiter gehen soll, denn immerhin geht sie nach Weihnachten doch wieder nach Griechenland zurück. Oder?«

Die Collins freute sich für die Beiden. Sie hatten einander verdient. Und wenn daraus etwas Festes werden sollte unterstützte sie die Zwei dabei. Egal was es kosten würde. Jedoch schafften es Lee und James nicht mehr lange zu reden, denn beide schliefen auf ihrem Bett ein und wurden erst von dem Klingeln ihres Handys am nächsten Morgen geweckt.

Ihr tat alles weh als sie wach wurde und auch James rappelte sich stöhnend auf. Die Schlafposition der beiden war nicht gerade ideal gewesen und das bekamen sie nun zu spüren. Der Phelps verabschiedete sich mit einer Umarmung von seiner Schwägerin und machte sich auf den Weg um zu duschen und sich umzuziehen, denn sein Arbeitstag würde jeden Moment beginnen. Auch Aileen schleppte sich in das Badezimmer um zu duschen. Das warme Wasser entspannte ihre Muskeln und sie fühlte sich danach um einiges besser. Jedoch hatte sie keine Zeit um eine Massage des Duschkopfes zu genießen, denn im Eiltempo machte sie sich fertig um nicht zu spät zum Dienst zu erscheinen.

Auf dem Weg nach unten flocht sie sich ihre Haare seitlich zu einem Zopf und holte sich noch schnell einen Obstteller im Restaurant bevor sie zur Rezeption eilte. Samantha hatte bereits ihre Kollegen abgelöst und begrüßte ihre Freundin mit einem breiten Lächeln.

»Guten Morgen, Sam! Wie geht’s dir?«, meinte Aileen freundlich und setzte sich an ihren Platz um mit der Arbeit zu beginnen. Für sie gab es einige Mails abzuarbeiten und ihre Kollegin zu unterstützen, wenn mehrere Gäste nach Aufmerksamkeit verlangten.

Die Olsen seufzte leicht auf und lächelte. »Morgen. Geht schon. Ich habe fürchterlich geschlafen also versuche ich es heute einfach mit ganz viel Kaffee.«

Aileen lachte auf. »Wie jetzt? Mehr Kaffee als sonst?«

Auch Samantha stimmte in ihr Lachen ein und die beiden arbeiteten nebeneinander her.

Es war den ganzen Morgen über recht ruhig. Drei Gäste hatten eingecheckt und vier Leute hatten ihre Schlüssel abgegeben und reisten wieder zu ihren liebsten zurück. Im Grunde war es eine angenehme Schicht ohne viel Stress oder Problemen. Doch das änderte sich gegen Mittag als laute Musik von der Straße in die Lobby drang. Zuerst dachte sich Aileen, dass es vielleicht von einem Bus kam, welcher gerade eine Tour machte, aber schließlich stellte sich heraus, dass ein Straßenmusiker vor dem Hotel sein Set aufgebaut hatte und anfing auf seiner Gitarre zu spielen und zu singen.

»Was zum Teufel macht der Typ da draußen?«, kam es schließlich aufgebracht von Samantha. »Er kann doch nicht einfach seine Sachen da aufstellen und anfangen zu spielen…Braucht er dafür nicht eine Genehmigung von dir oder deinem Onkel? Immerhin befindet er sich auf eurem Grundstück.«

Damit hatte sie recht und Aileen wusste nichts davon, dass sie so etwas unterzeichnet hatten. Mit energischen Schritten ging sie nach draußen und stellte sich dem Straßenmusiker gegenüber, welcher sie von oben nach unten musterte. Ekelhaft!

»Entschuldigung, aber was denkst du eigentlich, dass du hier machst?« Ernst sah sie ihn an und hatte ihre Hände in die Hüfte gestemmt. Er dürfte ungefähr in ihrem Alter sein.

Ein freches Grinsen zierte seine Lippen. »Nach was sieht es denn für dich aus, Süße? Ich habe hier mein Set aufgebaut und spiele. Die Leute sollen meine Musik kennenlernen. Und vor allem mich!«

Was bildete sich dieser Kerl eigentlich ein? »Erstens bin ich nicht deine Süße.« Aileen war kurz davor überzukochen. »Zweitens klingt deine Musik scheiße. Und drittens befindest du dich hier auf meinem Grundstück also ist das hier Hausfriedensbruch und Lärmbelästigung. Also pack deine Sachen zusammen und sieh zu das du an Land gewinnst oder ich rufe die Polizei!«

Er sah das alles wohl als großen Scherz, denn er fing an zu lachen und spielte einfach weiter. Doch zum Spielen hatte er sich die falsche Person ausgesucht, denn wenn es um das Hotel ging und das Wohlbefinden ihrer Gäste war mit Aileen nicht zu spaßen.

Wütend stapfte sie nach drinnen, wo Samantha alle Hände voll zu tun hatte um die Telefonate der Gäste anzunehmen. Keiner war von dem Lärm begeistert, welcher von dem Musiker ausging und die Olsen versuchte die Wogen zu glätten so gut es ihr möglich war. Alleine würde sie hier nicht viel tun können, denn Manager war immer noch ihr Onkel Charlie und diesen musste sie nun finden.

Zum Glück war dieser in seinem Büro und auch Vanessa war bei ihm. Aileen schilderte ihm die Vorkommnisse von draußen und sofort waren die beiden in Alarmbereitschaft und begleiteten ihre Nichte nach draußen. Charles war sofort auf ihrer Seite und unterstützte sie in ihrem Vorhaben die Polizei zu rufen, denn nach weiteren Aufforderungen das Grundstück zu verlassen hatte sich der Musiker immer noch nicht aufgerafft seine Sachen zu packen und zu verschwinden.

Aileen hatte daraufhin auf Anweisung ihres Onkels die Polizei gerufen und diese hatten sich darum gekümmert. Natürlich verursachte die ganze Sache eine große Szene und unzählige Gäste und Passanten ließen sich das Schauspiel nicht entgehen, aber eine Stunde später war das Thema zum Glück abgehakt und der Alltag im Marbella konnte weitergehen.

Samantha und Aileen warteten noch darauf abgelöst zu werden und hatten somit wieder einen Tag geschafft.

Da Charles und Vanessa noch einmal mit ihr reden wollten machte sich die Collins nach ihrer Schicht auf den Weg ins Büro. Sie hatte keine Ahnung was los war, aber entweder es war geschäftlich oder privat. Aileen hoffte nur, dass es gute Nachrichten waren. Egal welche Richtung.

Beide lächelten sie aufmunternd an als sie das Büro betrat und setzte sich neben ihre Tante auf das Sofa, welche ihr bereits einen Kaffee vorbereitet hatte. Vorsichtig nippte sie daran und sah die Beiden abwartend an. Irgendwer von ihnen musste wohl anfangen zu reden…

»Wir haben dich gebeten zu kommen, weil es etwas gibt, das wir mit dir besprechen möchten«, meinte Charles und übernahm somit das Reden. Vanessa strahlte einfach nur über das ganze Gesicht und trank ihren Tee. »Uns war es wichtig, dass du die Erste bist die davon erfährt und dass du es von uns hörst.«

Aileen stellte ihren Becher ab. Was genau wollte er ihr damit sagen? Nachdem Vanessa lächelte ging es wohl nicht um ihre Scheidung…

Charlie fuhr sich durch die Haare und legte die Hände in den Schoß. »Also…wir werden Eltern!«

»Ist nicht wahr?« Abwechselnd sah Lee zwischen ihrem Onkel und ihrer Tante hin und her bevor sie beide stürmisch umarmte. »Das ist großartig! Ich freue mich so für euch!« Das waren großartige Neuigkeiten. Sie wusste wie lange es die beiden versucht hatten und nie hatte es funktioniert doch nun war es soweit. Sie würde eine kleine Cousine oder einen kleinen Cousin bekommen. Das war fantastisch!

Vanessa strahlte. »Danke Liebes! Wir wollten einfach, dass du die Erste bist die es erfährt. In den letzten Jahren bist du wie eine Tochter für uns geworden und das war uns wichtig!«

»Ich hab euch lieb!«

Den restlichen Nachmittag verschanzte sich die Blonde in einem der Konferenzräume um die Songs für den Ball zu üben. Jennifer und Damian hatten beide einen Dreh und hatten daher keine Zeit um sich mit ihr zu treffen, aber das hielt sie nicht davon ab alleine zu üben. Über den Laptop ließ sie die Musik laufen und ging alle Songs noch einmal Schritt für Schritt durch. Der Text war kein Problem und auch die Musik nicht, aber sie wollte einfach auf Nummer sicher gehen.

Jedoch wurde sie abgelenkt als sich die Tür öffnete und Helena ihr einen Besuch abstattete. »Hey! Ich dachte du könntest vielleicht eine Pause brauchen!«

Aileen lächelte breit. »Gerne. Wie liefen deine Termine heute?« Sie ließ sich auf einen der Sessel fallen und nahm einen Schluck aus der Wasserflasche.

Lea setzte sich neben sie und seufzte auf. »Irgendwie bin ich froh, wenn meine Termine hier vorbei sind. So unorganisiert war es noch nie. Jeden Tag stoße ich wieder auf Unregelmäßigkeiten und Probleme. Langsam habe ich die Nase voll….«

Die Britin konnte sich vorstellen, dass ihre beste Freundin es in ihrem Job nicht immer leicht hatte und ihr kam eine Idee. Breit grinste sie und stand auf. »Ich wüsste etwas, dass dich auf andere Gedanken bringt!«

Die Dunkelhaarige zog fragend eine Augenbraue nach oben, denn sie wusste, dass Skepsis bei ihrer Freundin manchmal angebracht war. »Was hast du vor?«

Aileen machte sich am Laptop zu schaffen und kurz darauf dröhnte der Soundtrack von „Mamma Mia“ aus dem Boxen. »Na komm schon! Ich weiß, dass du es willst.«

Helena prustete los und schlüpfte aus ihrem Mantel. Eine Tanzparty hatte noch nie geschadet!

Schon tanzten die Beiden wie verrückt durch den Raum und trällerten lautstark zu den Liedern dazu. Es war wie damals zu ihrer Schulzeit. Verrückt, locker und frei.

Der Tag hatte für James schon früh am Morgen begonnen, denn ein Dreh stand für ihn auf dem Plan und zwar um vier Uhr morgens. Es war dementsprechend kalt und er murmelte sich in seinen Mantel als er sich die Anweisungen vom Regisseur anhörte. Sanfter Schnee fiel und er spürte sie er langsam aber sicher nass wurde. Im Moment konnte er es eigentlich nicht gebrauchen krank zu werden. Immerhin standen die Feiertage bevor und er wollte seinem Bruder und Lee unter die Arme greifen was die Hochzeit betraf. Außerdem hatte er nur noch wenige Tage mit Leana bis sie wieder abreisen würde.

Sofort hatte er wieder ihr Gesicht vor Augen und hörte ihr Lachen als würde sie direkt neben ihm stehen. Auch wenn er sie erst zwei Wochen kannte kam es ihm vor wie eine Ewigkeit. In ihrer Nähe fühlte er sich einfach nur wohl und konnte er selbst sein. Er musste sich nicht verstellen oder aufpassen was er sagte und welchen Scherz er machte. Sie nahm ihn so wie er war und dafür war er äußerst dankbar. Doch ihre Zeit in London neigte sich dem Ende zu und dann würde er sie vermutlich für eine lange Zeit nicht wieder sehen. Darüber wollte er nicht nachdenken, aber es kam ihm immer wieder in den Sinn. Seine Konzentration litt darunter.

»James Andrew Eric Phelps! Kannst du mich hören?« Elizabeth wackelte mit ihrer Hand vor seinem Gesicht und versuchte somit seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Ein Lachen kam über ihre Lippen.

Der Phelps blinzelte heftig bis er ins Hier und Jetzt zurückkam und lächelte entschuldigend. »Tut mir leid, Liz. Ich war mit meinen Gedanken gerade wo anders.«

Schmunzelnd reichte sie ihm einen Kaffeebecher um sich aufzuwärmen während die letzten Einstellungen geprüft wurden. »Schon in Ordnung. Willst du darüber reden? Ich schätze es geht um Helena.« Sie strich sich eine Locke hinters Ohr.

Ein Seufzen kam über seine Lippen. War es denn so offensichtlich was ihn beschäftigte? Aber wenn er schon nicht richtig mit Aileen darüber reden konnte wie sollte es ihm dann bei jemand wie Liz gehen? Immerhin kannte sie Lea doch nicht einmal, oder? Aber vielleicht war genau das der Schlüssel? Sie konnte objektiv sein und ihm eine neutrale Meinung geben. Ein Versuch war es doch wert.

»Nun ja. Es ist irgendwie kompliziert.« Er nahm einen Schluck von seinem Becher und versuchte die richtigen Worte zu finden. Das war einfacher gesagt als getan.

Liz lächelte ihm aufmunternd zu. »Rede einfach darauf los. Denk nicht zu viel darüber nach was du sagen willst, dass macht es nur komplizierter.«

»Aileen hat uns immer schon viel von ihrer besten Freundin erzählt und man konnte sich dadurch eigentlich ein recht gutes Bild von ihr machen. Mir war klar, dass ich mich bestimmt gut mit ihr verstehen würde, da sie auch eine humorvolle Person ist, aber dann ist sie vor zwei Wochen hier aufgetaucht und alles hat sich für mich geändert.« Er fuhr sich durch die Haare.

»Ich liebe meinen Job und die Schauspielerei. In letzter Zeit läuft es so gut, dass ich nicht einmal über eine Beziehung oder eine feste Freundin nachgedacht habe. Und dann taucht Leana auf und wirft mein Leben komplett über den Haufen.«

Er musste lächeln, wenn er daran dachte als er sie das erste Mal gesehen hatte. »Wir haben sie damals auf ihrem Zimmer mit Lee überrumpelt. Sie wusste nichts von uns. Also jedenfalls nicht, dass Aileen etwas mit uns zu tun hat. Wir standen in ihrer Tür und irgendwie hat mich dieser Augenblick verändert. Sie war ungeschminkt und in bequemen Klamotten und trotzdem war sie das wunderschönste Mädchen, dass ich jemals gesehen habe.«

Elizabeth hörte ihm aufmerksam zu und lächelte.

»In den letzten Tagen habe ich sie besser kennengelernt und wir unternehmen viel zusammen. Sie bringt mich zum Lachen und bei ihr kann ich einfach Ich sein. Ich möchte noch so viel mit ihr unternehmen, aber ich weiß nicht wie das funktionieren soll, wenn sie in wenigen Tagen wieder nach Griechenland abreist. Denn dann bricht mit Sicherheit der Kontakt ab und das will ich auf keinen Fall«, beendete er seine Gedanken.

Einen kurzen Augenblick kam von der Blonden ein Wort bis sie sich räusperte. »Bei dir scheint ja gerade einiges los zu sein. Hast du mit Helena schon darüber geredet?« Sie nahm einen Schluck von ihrem Becher. »Ich denke es ist für euch beide wichtig herauszufinden wo ihr gerade steht und du solltest ihr alles genau so sagen wie du es mir eben gesagt hast.« Aufmunternd lächelte sie ihn an. »Deine Worte waren ehrlich und man merkt sofort wie wichtig sie dir ist. Dieses Gefühl solltest du auch ihr vermitteln, wenn ihr darüber sprecht. Es ist schön zu sehen wie gut sie dir tut.«

Erleichtert atmete James aus, denn er hatte auf einen guten Rat gehofft und er würde von Elizabeth mal wieder nicht enttäuscht. Sie hatte recht. Er musste mit Leana darüber reden was zwischen ihnen lief um zu wissen wo er stand und wie es weitergehen sollte. Vielleicht würde sich heute Abend eine Gelegenheit ergeben, wenn sie mit Aileen zurückkamen.

Aileen war bereits früh auf den Beinen gewesen und war nun im Auftrag ihrer Tante unterwegs, welche sich gerade mit den beiden Acts traf um den Ball und den Ablauf zu besprechen. In der Zwischenzeit war Lee in der Küche um den Menüplan für den großen Abend zu besprechen und musste drei Telefonate führen um die Eventplanung ihrer Tante in den kommenden Monaten zu verschieben, da sie später in der Schwangerschaft jeglichen Stress vermeiden sollte. Das war alles nicht so einfach, aber es ließ sich zum Glück alles regeln. Dennoch war der Vormittag für die Blonde stressig und sie wusste kaum noch was sie eigentlich zu tun hatte, wenn sie ihre Liste nicht geschrieben hätte.

Vanessa machte ein großes Geheimnis daraus wer am Ballabend noch auftreten würde, denn sie wollte dass es auch für ihre Nichte, Jennifer und Damian eine Überraschung blieb. Daher wurden alle beschäftigt bis die Besucher das Hotel wieder verlassen hatten. Am liebsten hätte Aileen spioniert, aber hatte sich dann doch noch um entschieden da sie genug zu tun hatte. Außerdem musste sie mit ihren Freunden noch üben. Der Tag hatte für die Collins eindeutig zu wenig Stunden…

Als der Vormittag vorbei war hätte Lee beinahe ihre Pläne für den Nachmittag vergessen. Sie wollte sich am liebsten einfach nur noch hinlegen und schlafen, aber als es ihr wie Steine von den Augen fiel war sie sofort wieder voller Euphorie und Adrenalin. Immerhin musste sie ihrer besten Freundin gleich eine sehr wichtige Frage stellen.

Aileen, Helena und James trafen sich in der Lobby und da ein großer Trubel herrschte beschlossen die Drei außerhalb in der Stadt essen zu gehen. Leana wusste noch immer nicht was diesen Nachmittag auf sie zukommen würde und hatte bereits versucht aus James eine Information herauszukitzeln, aber er war standhaft geblieben und hatte ihr kein Wort verraten. Auch Aileen verlor kein Wort während sie mit der U-Bahn fuhren. Sie wollte die Neuigkeit erst verkünden, wenn sie gemütlich saßen und etwas zu trinken hatten.

Es dauerte nicht lange bis sie einen kleinen, gemütlichen Laden fanden und sich an einen Tisch setzten. Nachdem sie bestellt hatten sah Lee einen guten Zeitpunkt um ihre beste Freundin aufzuklären. »Nun gut. Nachdem wir unsere Termin abgeglichen haben wusste ich, dass ich etwas Besonders machen möchte solange du noch hier bist und habe für diesen Nachmittag einen Termin bekommen.«

Die Griechin sah ihre beste Freundin gespannt an, denn sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen was auf sie zukommen würde.

Aileen war ziemlich nervös. »Aber zuvor gibt es da noch etwas, dass ich dich fragen muss.«

Lea nickte leicht. »Natürlich. Du weißt, dass du mich immer alles fragen kannst und ich für dich da bin. Was ist los?«

Die Blonde biss sich leicht auf die Unterlippe. »Du bist meine beste Freundin seit über zehn Jahren und mehr eine Schwester für mich. Ich kann mich immer bei dir melden und du warst für mich da als ich dich gebraucht habe. Daher wollte ich dich fragen ob du meine erste Brautjungfer und Trauzeugin werden willst.« Aileen hielt den Atem an.

Im ersten Moment kam von der Pantagiota kein Wort bevor sie aufstand und ihre Freundin fest umarmte. »Es wäre mir eine Ehre. Du kannst auf mich zählen!«

Beide strahlten über das ganze Gesicht und kleine Tränen hatten sich in ihren Augenwinkeln gebildet. Freudentränen!

Helena setzte sich wieder und strich sich über ihr Kleid. »Und was genau haben wie dann heute vor?«, fragte sie schließlich nach.

James grinste breit während er die Mädchen beobachtete. Er freute sich für seine Schwägerin, dass Lea zugesagt hatte und er freute sich, dass das ein weiterer Tag war an dem sie sich dann wieder sehen würden.

Lee grinste breit. »Nun ja. Die Braut und ihre Trauzeugin brauchen doch ein Kleid für die Hochzeit.«

Helena konnte es kaum glauben. Das würde der beste Nachmittag aller Zeiten werden. Sie dürfte dabei sein, wenn ihre beste Freundin ihr Kleid aussuchte. Niemals hätte sie damit gerechnet. Aber sie freute sich und würde sie bestimmt nicht enttäuschen.

Der Brautmodenladen lag nicht weit von ihrem Restaurant entfernt also beschlossen die Drei den Weg zu Fuß zurück zu legen und machten sich auf den Weg. Mit jedem Schritt wurde Aileen nervöser. Noch nie in ihrem Leben hatte sie ein Brautkleid angezogen oder auch nur aus Spaß probiert und nun war es soweit. Eigentlich hatte sie immer gedacht, dass ihre Oma ebenfalls dabei sein würde, aber das war leider nicht mehr möglich. Auch ihre Mutter war leider nicht dabei, aber diese würde bald nach London kommen und dann würde sie mit ihr noch einmal den Laden besuchen. Sie musste sich ja noch nicht heute entscheiden.

Im Laden bekamen sie eine nette, kompetente Verkäuferin zugeteilt, welche sehr bemüht war ihren Wünschen nachzukommen. Für Aileen war es wichtig zuerst ein Kleid für Helena zu finden. Sie wollte, dass sich ihre Trauzeugin wohlfühlte und sie hatte später immer noch Zeit um ein Kleid zu suchen. James hatte es sich auf einer weißen Stoffcouch bequem gemacht und Lee setzte sich neben ihn während Leana in der Umkleide war und das erste Kleid überwarf.

Die Griechin sah in jedem der Kleider atemberaubend aus, aber es schien einfach nicht das Richtige dabei zu sein bis die Verkäuferin noch eines hervorholte. Es war eine dunkelgrüne A-Linie mit einem spitzenversehenen Oberteil. Sie sah darin unglaublich aus.

»Wow, Lea. Du siehst wunderschön aus!«, kam es begeistert von Aileen als sie ihre Freundin musterte.

James hatte alle Worte verloren, die ihm in den Sinn gekommen waren, denn sie sah atemberaubend schön aus. Wenn sie schon in einem Brautjungfernkleid eine solche Figur machte, wie würde sie dann wohl beim Ball aussehen?

Leana war begeistert und zog sich wieder um, denn nun sollte es um Aileen und ihr Hochzeitskleid gehen. Gemeinsam schlenderten sie durch die Reihen der Kleider und suchten sich einige heraus, welche ihnen ins Auge stachen. Auch James hatte sich auf die Suche gemacht. So hatte Lee ein Kleid von ihrem Schwager, eines von ihrer besten Freundin und vier, welche ihr selbst ins Auge gefallen waren. Auch die Verkäuferin hatte sich drei rausgesucht und schickte die Collins in die Umkleide um das erste Kleid anzuprobieren.

Die Collins probierte alle neun Kleider an und drei davon kamen in die nähere Auswahl: das Kleid ihrer beiden Freunde und eines, das sie selbst ausgesucht hatte. Es war schwer sich zu entscheiden, denn sie sahen alle gut aus. Da sie jedoch noch Zeit hatte ließ sie sich die Drei vermerken, denn sie würde noch einmal vorbei kommen, wenn ihre Familie hier war damit auch sie ein Mitspracherecht hatten. Doch auch die Meinung von Helena und James war ihr wichtig.

»Danke, dass ihr heute mitgekommen seid. Ich wollte nicht alleine meine Kleider anprobieren, denn eure Meinung ist mir wichtig!«, meinte sie dankbar und umarmte die Beiden als sie das Geschäft verließen.

James legte ihr einen Arm um die Schulter. »Danke, dass du mich mitgenommen hast. Und mein Bruder wird Augen machen, wenn er seine umwerfende Braut in ihrem Kleid zu sehen bekommt.«

Lea stimmte ihm zu und hakte sich bei Aileen unter. »Ich freue mich, dass ich dich auf diesem Weg begleiten darf. Von mir aus könnte es schon soweit sein!«

Gemeinsam fuhren die Drei schließlich zurück zum Hotel, denn der Tag war lang gewesen und Aileen war froh, wenn sie einfach nur noch schlafen gehen konnte. Sie bedankte sich noch einmal bei den Beiden und machte sich auf den Weg in ihr Zimmer um den Abend ausklingen zu lassen und mit ihrem Verlobten zu telefonieren. Jeden Abend hatten sie nun dieses Ritual, wenn er weg war. Sie erzählten sich von ihrem Tag und was los gewesen war.

Nachdem seine Schwägerin sich verabschiedet hatte sah James seine Chance um mit Leana zu reden. Sie waren nun unter sich und konnten in Ruhe besprechen wie es weiter gehen sollte. »Hast du noch Lust etwas zu trinken?«, fragte er nach.

»Natürlich. Warum denn nicht!«, kam es mit einem Lächeln von ihr und die Beiden machten sich auf die Weg in die Bar, wo sie sich an einen etwas abgeschotteten Tisch setzten und bei Ryan ihre Getränke bestellten.

James nahm sich den Rat von Liz zu Herzen. Geradewegs heraus eröffnete er der Griechin seine Gefühle für sie und redete sich alles von der Seele, wie auch schon heute Morgen, denn wenn er weiter gewartete hätte würde er wohl wieder einen Rückzieher machen. Doch er wollte ein für allemal wissen wo er stand. Konnte er sich auf seine Gefühle für sie einlassen oder würde es nur im Drama enden?

Lea hörte ihm zu und biss sich leicht auf die Unterlippe, denn sie hatte nicht damit gerechnet, dass er auf einmal mit der Tür ins Haus fallen würde. Im Grunde hatte sie bereits damit abgeschlossen und es als kleinen Flirt angesehen, aber seine Aussage änderte nun alles. Seine Gefühle für sie waren ernst und ehrlich. Und auch sie empfand etwas für ihn und das nicht gerade wenig. Doch wie sollte das alles laufen? Sie lebte in Griechenland und er in London. Waren sie beide bereit für eine Fernbeziehung? Immerhin kannten sie sich gerade erst einmal zwei Wochen?

Die Dunkelhaarige fuhr sich durch die Haare. »Ich bin dir dankbar, dass du so ehrlich und aufrichtig mit mir bist was deine Gefühle betrifft. Das klärt natürlich bereits einige Dinge und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht das Gleiche für dich empfinde.« Sie legte ihm eine Hand auf den Arm. »Wir sollten es einfach langsam angehen lassen und uns kennen lernen. Zwischen uns wir es nicht einfach werden. Besonders durch deinen Bekanntheitsgrad und dann noch die Entfernung. Aber genießen wir doch einfach die Tage, die wir jetzt haben und danach sehen wir weiter.«

Das war nicht ganz die Antwort, die er sich erhofft hatte, aber es war ein Anfang.

Der gestrige Abend hatte definitiv anders geendet als sich Leana das vorgestellt hatte, aber irgendwie war sie froh darüber, dass sie mit James noch zusammen gesessen hatte und nun einen Schritt weiter war. Nun wusste die Griechin, dass er Gefühle für sie hatte und sich etwas Ernstes vorstellen konnte. Dennoch war es nicht einfach. Immerhin lebten die Beiden ganz unterschiedliche Leben. Auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen würde schwer werden. Außerdem war da noch die Entfernung, die sie zusätzlich bewältigen mussten. Das sollte wohl durchdacht werden.

Doch für den Anfang würde sie heute den Tag mit ihm außerhalb von London in einer kleinen Therme verbringen. So waren sie für sich und konnten sich näher kennenlernen. Es gab noch so viele Dinge, die sie nicht über ihn und er nicht über sie wusste. Da war eine kleine Auszeit gerade das Richtige. Das war an diesem Tag nur möglich, da der Termin von Helena verschoben wurde. So hatte sie weitere 24 Stunden gewonnen, die sie in ihrem Sinne verbringen konnte.  

Sie war etwas nervös da sie keine Ahnung hatte wie sich das alles nun auf ihre „Beziehung“ auswirken würde, aber sie hoffte auf das Beste, denn sie konnte ihn wirklich gut leiden und hatte in den letzten Tagen starke Gefühle für ihn entwickelt. Natürlich war es etwas anderes, wenn man als Teenager für eine Star aus einem Film oder einer Serie schwärmte, aber für Leana fühlte es sich an als würde sie nun die nächste Stufe dieser Phase erreichen. Auch wenn sie niemals damit gerechnet hätte ihn und seinen Bruder kennen zu lernen geschweige denn, dass ihre beste Freundin mit einem von ihnen verlobt war. Doch ihre Arbeitsreise nach London hatte sie eines besseren belehrt.

Zum gefühlt zehnten Mal ging sie nun ihre Tasche durch um bloß nichts zu vergessen. Immer wieder sah sie dabei auf die Uhr und wartete auf das Klopfen an ihrer Tür. James hatte darauf bestanden sie an ihrem Zimmer abzuholen und sich nicht in der Lobby zu treffen. Obwohl es nicht nötig gewesen wäre freute sie sich über diese Geste. Kaum dachte sie an ihn verdoppelte sich auch schon ihr Herzschlag. Bisher hatte noch keiner ihrer Freunde eine solch extreme Wirkung auf sie gezeigt.

Schließlich kam das ersehnte Klopfen und mit einem breiten Grinsen auf den Lippen öffnete Helena ihm die Tür.

»Tut mir leid wegen der Verspätung, aber der Verkehr war fürchterlich«, meinte er entschuldigend als er ihr einen kurzen Kuss gab.

Leana fuhr sich durch die Haare und winkte ab. »Mach dir keine Sorgen. Wir hatten ja auch keine genaue Uhrzeit besprochen.«

James schnappte sich ich Tasche und schon ging es für die Beiden los.

Aileen trat ihre letzte Frühschicht für diese Woche an und fand sich alleine an der Rezeption wieder. Samantha hatte einen wichtigen Termin beim Arzt und würde erst später ihren Dienst antreten. Doch sonntags war es meistens gemütlich. Daher befasste sich die Blonde zuerst mit den eingegangenen Mails, welche das Hotel erreicht hatten. Einige darunter waren Bewertungen und andere wiederrum beinhalteten Fragen zu gewissen Bereichen oder Angeboten im Hotel. Lee hatte damit einiges zu tun und kümmerte sich nebenbei um die Gäste, welche nach ihrer Aufmerksamkeit verlangten.

Ihr Onkel schrieb ihr eine Nachricht, dass sie heute Nachmittag bei ihm zuhause eingeladen war und das kam ihr ganz recht, denn ihr Verlobter hatte bis abends einen Dreh und sie waren gemeinsam mit dem Auto diesen Morgen nach London gefahren. Auch ihm schrieb sie von der Einladung, denn er sollte zum Abendessen nachkommen und von Charlie aus konnten sie dann zusammen nach Hause fahren. Das hörte sich nach einem guten und verlockenden Plan an.

Zuerst jedoch musste sie ihre Schicht hinter sich bringen. Es war natürlich angenehm, wenn es etwas ruhiger war, aber so wie heute hatte die Collins kaum etwas zu tun. Besser wurde es als Samantha zu ihr stieß, denn so hatte sie wenigstens jemanden mit dem sie sich unterhalten konnte. Doch ihre Freundin war mit ihren Gedanken ganz wo anders…

So arbeiteten die Beiden still nebeneinander her und Aileen war beinahe froh als die Schicht zu Ende war und sie sich auf den Weg machen konnte. Eigentlich hatte sie noch vorgehabt bei ihrer Tante im Büro vorbeizuschauen, aber diese war wohl unterwegs, denn soweit sie wusste würde sie den Nachmittag alleine mit ihrem Onkel verbringen. Da es nichts mehr für sie im Hotel zu tun gab machte sie sich auf den Weg zur U-Bahn Station um zu ihrem Onkel zu fahren.

Der Weg war lang, aber sie vertrieb sich die Zeit damit Musik zu hören und die Leute um sich herum zu beobachten. Das war früher ihre Quelle zum Schreiben gewesen, aber in letzter Zeit hatte sie einfach keine Zeit mehr dafür gefunden. Mit dem Umzug damals nach London, ihrem Job als Managerin einer Hotelkette und nun der Planung ihrer Hochzeit. Auch wenn sie es schade fand und gerne mehr Zeit dafür hätte ließ es sich im Moment einfach nicht einbringen.

Ihr Onkel wartete bereits an der Haustüre auf sie als Aileen endlich bei ihm ankam. Die Blonde freute sich darauf einen freien Nachmittag mit ihrem Onkel zu verbringen. Ohne die Arbeit. Es war schon viel zu lange her seit sie sich außerhalb des Marbella getroffen hatten. Aber ihre Weihnachtstradition hatten beide nicht vergessen. Daher auch das Treffen an diesem Nachmittag.

»Komm rein, Kleines. Es ist viel zu kalt!«, meinte Charles lächelnd als er seine Nichte ins Haus bat und die Türe hinter ihr schloss. Während die Blonde aus ihren Schuhen schlüpfte nahm er ihr den Mantel ab. »Ich hoffe du hast Lust auf Kaffee, denn ich habe diesen neuen Sirup ausprobiert, welchen Vanessa auf dem Markt gekauft hat. Wir sind sozusagen die Testpersonen.«

Aileen lachte auf, denn mit Kaffee konnte man bei ihr nie etwas falsch machen. »Du kennst mich seit über zwanzig Jahren und fragst mich immer noch nach meiner Koffeinsucht?« Schmunzelnd folgte sie ihm in die große, offene Küche.

Die Backutensilien für ihren Keksbackmarathon standen bereits auf der Arbeitsfläche bereit und es roch köstlich nach warmen Lebkuchen und Kaffee. Da lief einem das Wasser im Mund zusammen. Sie freute sich auf den Nachmittag.

Nachdem sie eine gute dreiviertel Stunde damit verbracht hatten zu quatschen und Kaffee zu trinken ging es nun in der Küche los. Immerhin backten sich die Kekse nicht von selbst. Ihr Onkel konnte nicht nur gut backen sonders auch kochen. Aileen freute sich immer, wenn sie bei ihm zum Essen eingeladen war. Jedes Mal überraschte er mit einem neuen Gericht und Kreationen. Bisher war sie noch nie enttäuscht worden.

Im Hintergrund lief bereits Weihnachtsmusik gemischt mit den alltäglichen Songs, welche man im Radio täglich hören konnte. Während die Beiden vor sich hin arbeiteten sangen sie leise mit oder schunkelten zum Takt.

»Wie geht es Leana? In letzter Zeit habe ich sie oft gemeinsam mit James gesehen«, kam es zwinkernd von Charles und Aileen grinste.

Sie strich sich eine lose Haarsträhne hinters Ohr. »Die beiden sind heute in die Therme gefahren um einen Tag frei zu nehmen. Ich bin froh, dass sie sich so gut verstehen und wenn mehr daraus wird und es hält freue ich mich für die Beiden.«

Der Collins strich sich das Mehl von der Nase und lächelte. »Schön, dass sich alles zum Guten gewendet hat. Leana scheint sich in London wohl zu fühlen.«

So genau hatte sie mit ihrer besten Freundin noch nicht darüber gesprochen, aber London war immer schon ein großes Thema bei den beiden gewesen und Aileen hatte es gewundert, dass es die Griechin nicht hier her verschlagen hatte als sie Dolmetscherin wurde. Doch sie war zu ihren Wurzeln zurück gekehrt…

Ein Lächeln schlich sich auf ihre Lippen. »Ich bin dankbar, dass alles so gekommen ist, wie es nun ist. Sie ist meine beste Freundin – wie eine Schwester. Wenn ich sie durch mein Geheimnis verloren hätte wüsste ich nicht was ich jetzt machen würde.« Sie naschte von ihrem Keksteig. »Lea kennt mich besser als ich selbst. Sie findet immer die richtigen Worte, wenn ich ihre Hilfe brauche. Und ich würde nicht ohne sie an meiner Seite heiraten wollen.«

Charlie wusste wie viel seiner Nichte die Freundschaft zu der Griechin bedeutete und er hatte für die Mädchen gehofft, dass alles gut ausgehen würde. Nun schien es besser gekommen zu sein als erhofft. Helena hatte sich auch anderen Freunden von Aileen geöffnet und neue Freunde kennengelernt. Vielleicht gab ihr das zu denken um Griechenland hinter sich zu lassen und nach London zu ziehen, wo sie eine zweite Familie haben könnte? Er kannte die Dunkelhaarige nun lange genug um sie wie eine Nichte oder Tochter zu behandeln. Für Vanessa und ihr gehörte sie zur Familie – das stand außer Frage.

Er schob das Blech mit den Keksen in den Ofen. »Ich bin schon gespannt, wie es zwischen den Beiden weiter geht. Ich hoffe doch, dass Helena weiß, dass sie bei uns immer ein zuhause hat. Wir würden sie mit offenen Armen empfangen falls sie sich entscheiden sollte nach London zu kommen. Jobmäßig könnten wir auch etwas für sie regeln im Hotel. Eine Dolmetscherin kann man immer gebrauchen.« Er wischte das überflüssige Mehl von der Arbeitsfläche in seine Hand und ließ es im Müll verschwinden. »Falls ihr demnächst darüber reden solltet kannst du ihr das gerne von mir ausrichten!«, meinte er aufmunternd.

Aileen war dankbar, dass alle Helena mit offenen Armen empfangen hatten und sie so freundlich aufgenommen hatten. Jeder ihrer Freunde hatte sich mit ihr unterhalten und sie schienen sich auch alle gut zu verstehen. Das war Aileen wichtig gewesen.

»Danke Onkel Charlie. Wenn wir darüber reden sollten – falls sie das will – werde ich es ihr ausrichten!«

In der kleinen „Keksfabrik“ ging es gut voran. Nach drei Stunden hatten sie bereits 4 Sorten fertig und es roch köstlich. Am liebsten hätte Aileen sofort alle mitgenommen, aber dann wäre vermutlich bis Ende der Woche nichts mehr davon übrig. Immerhin kam auch morgen ihr Verlobter wieder nach Hause. Daher wären die Keksdosen vermutlich morgen schon leer gegessen.

Während sie die Küche aufräumten und dabei lauthals zu Frozen sangen endeten Aileen und Charlie in einer chaotischen Performance von Love is an open door und fegten dabei beinahe die Keksdosen von der Anrichte. Prustend lehnten sie sich schließlich an die Anrichte. So sah ein normaler Nachmittag im Hause Collins aus.

Eigentlich hatte sich Aileen vorgenommen nach dem Nachmittag mit ihrem Onkel ihre Sachen aus dem Hotel zu holen und nach Hause zu fahren, aber Charlie bestand darauf sie noch zum Essen einzuladen und sie wusste, dass sie keine Chance hatte es ihm auszureden. Daher stieg sie zu ihm ins Auto und sie fuhren los. Anscheinend ging es nicht ins Hotelrestaurant, denn sie fuhren in die entgegengesetzte Richtung. Auch gut.

Schließlich hielten sie bei einem Gasthaus mit der Aufschrift „Gasthaus zum lustigen Schmied“. Es war ein heimisches Restaurant aus Österreich. Das Ambiente sah von außen schon sehr gemütlich und ansprechend aus. Sie freute sich darauf. Auch die Menütafel im Vorderhof sah vielversprechend aus und alleine durch diese kleine Auswahl konnte sie sich schon nicht entscheiden was sie essen würde.

Charlie hielt ihr die Tür auf und eine freundliche, aufgeweckte Kellnerin kam auf sie zu und brachte sie zu ihrem reservierten Tisch. Warum er für zwei Personen reserviert hatte war Aileen ein Rätsel, aber schnell stellte sich heraus, dass sie wesentlich mehr Leute waren, denn ihre Familie aus Österreich saß bereits in der kleinen Stube. Das konnte doch nicht wahr sein, oder?

Damit hatte Aileen absolut nicht gerechnet und schon fiel sie ihren Eltern um den Hals. Auch ihre Tante, ihr Onkel, ihre Cousine und Cousin sowie ihr Großvater waren gekommen. Warum hatte ihr niemand etwas davon gesagt?

Freudentränen liefen ihr über die Wange. Es war viel zu lange her seit sie ihre Familie das letzte Mal gesehen hatte.

 

 

Der Abend mit ihrer Familie war wirklich schön gewesen. Aileen hatte sich gefreut, dass alle gekommen waren um sie zu überraschen. Selbst ihr Großvater. Sie wusste, dass er noch nie der große Reisetyp gewesen war und dass er nun den Flug auf sich genommen hatte bedeutete ihr sehr viel. Es war weit nach Mitternacht als sie alle ins Hotel zurückkamen und die Collins beschloss erst morgen nach Hause zu fahren, denn ihr Verlobter kam von seinem Dreh aus Dublin zurück und sie wollten den Tag zusammen verbringen bevor sie am Abend zur Nachtschicht antreten musste. Doch die Fahrt von zwei Stunden wollte sie nicht mehr auf sich nehmen.

Am nächsten Morgen brachte die Blonde ihre Sachen in den Wagen und verabschiedete sich noch von ihren Kollegen bevor sie sich auf den Weg machte. Über Nacht hatte es wieder geschneit, aber die Straßen waren zum Glück alle frei auch wenn sie gemütlicher fuhr, denn man musste einen Unfall nicht herbeisehnen. So konnte sie auch in aller Ruhe die Weihnachtsmusik genießen, welche im Radio gespielt wurde. Es gab eine One-Woman-Show in ihrem Wagen, denn sie sang lautstark mit und performte als wäre sie die Einzige auf der Bühne vor Millionen von Zuschauern. Immerhin musste sie sich keine Sorgen machen belauscht oder beobachtet zu werden, denn zuhause war ihr das schon einige Male passiert und davon gab es auch Videos als Beweis. Oliver machte sich gerne einen Spaß daraus.

Als Santa tell me von Ariana Grande an der Reihe war gab es für Aileen kein Halten mehr, denn es war einer ihrer Lieblingssongs. Sie gab alles was sie hatte und grinste über das ganze Gesicht als die letzten Töne verklangen. Weihnachten konnte kommen. Die Tage konnten für sie nicht mehr schnell genug vergehen. Doch am meisten freute sie sich nun darauf ihren Verlobten wieder in die Arme schließen zu können. Auch wenn es nur wenige Tage waren und sie immer wieder telefoniert und geschrieben hatten kam es ihr zu lange vor.

Oliver wartete bereits in der Einfahrt auf sie und Aileen war überrascht, denn sie hatte so früh nicht mit ihm gerechnet.

»Hallo Darling!«, meinte er mit einem breiten Lächeln auf den Lippen als er sie umarmte und leidenschaftlich küsste.

Aileen schmiegte sich in seine Arme und erwiderte die Geste. Sie hatte seinen Geruch vermisst.

»Was machst du denn schon hier? Ich dachte du kommst nicht vor Mittag?«, fragte sie nach und holte ihre Sachen aus dem Wagen, welche ihr natürlich von ihrem Verlobten abgenommen würden als sie ins Haus gingen.

Während sie sich aus ihren Klamotten schälte stellte Oliver den Koffer in die Waschküche. »Es wäre geplant gewesen, dass wir alle gemeinsam den Flug um dreizehn Uhr nehmen, aber einige von meinen Kollegen hatten es auch eiliger nach Hause zu kommen also haben wir uns umbuchen lassen. Ich bin aber auch erst vor wenigen Minuten nach Hause gekommen.« Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. »Wie geht es deiner Familie? Ich freue mich schon darauf sie endlich wieder zu sehen!«

Gemeinsam setzten sie sich im Wohnzimmer auf die Couch und Lee schmiegte sich an ihn. »Ich bin froh, dass du wieder da bist. Aber ich hoffe trotzdem, dass beim Dreh alles gut lief und dass du auch eine schöne Freizeit in Dublin hattest.« Lächelnd sah sie zu ihm auf. »Sie freuen sich schon dich wiederzusehen. Du kennst ja meine Mum. Sie hat tausend Fragen wegen der Hochzeit.«

Beide lachten auf und beschlossen schließlich sich einen gemütlichen Vormittag zu machen. Sie holten sich ihr Frühstück ins Wohnzimmer und schalteten Netflix ein. Es war Zeit für einen Weihnachtsfilm. Daher fiel ihre Wahl auf The Knight before Christmas. Die Kritiken waren nicht schlecht und auch von einigen ihrer Freunde hatten sie gehört, dass er nicht schlecht und einen Blick wert war.

»Ich habe in den letzten Tagen noch einmal darüber nachgedacht was Ryan mir erzählt hat als wir neulich essen waren«, meinte Aileen plötzlich und stellte auf Pause. »Er ist ein guter Freund und ich finde es traurig, dass er an den Feiertagen alleine zuhause in seiner Wohnung sitzt und sich essen kommen lässt, weil seine Familie keinen Wert darauf legt ihn bei sich zu haben.«

Oliver nickte leicht, denn auch ihm war der Gedanke erst vor kurzem wieder gekommen. »Ich könnte es mir nicht vorstellen so von meiner Familie abgestempelt zu werden. Was schwebt dir vor?«

Leicht biss sie sich auf die Unterlippe. »Naja ich hätte mir gedacht wir könnten ihn einladen um mit uns allen gemeinsam auf den Ball zu gehen und vielleicht am Weihnachtstag zum Essen einladen. Ich weiß, dass die Feiertage eigentlich für die Familie reserviert sind, aber er gehört doch irgendwie auch dazu…oder?«

Ihr Verlobter drückte ihre einen Kuss auf den Scheitel. »Du solltest mit ihm darüber reden und ihn einladen. Ich finde, dass ist eine schöne Idee von dir!«

Charles und Vanessa hatten hingegen den Vormittag über kaum Zeit für irgendetwas und konnten sich nicht einmal einen Kaffee holen. Die Dunkelhaarige feilte an den letzten Vorbereitungen für den Ball und Charles hatte als Manager alle Hände voll zu tun. Unzählige Mails wollten abgearbeitet werden und nebenbei versuchte er die Telefone mit den Investoren und Partnern abzuarbeiten. Man merkte nun erst recht, dass die Weihnachtszeit eingekehrt war.

Erst gegen Mittag hatten die Beiden Luft und trafen sich im Restaurant um etwas zu essen. Vanessa hatte bereits bestellt als ihr Mann zu ihr kam und nahm einen Schluck von ihrem Soda. Ein sanftes Lächeln umspielte ihre Lippen als sie mit einem Kuss begrüßt wurde.

»Ich hoffe du wartest noch nicht zu lange. Heute ist die Hölle los. Jeder will etwas von mir«, meinte Charlie seufzend und setzte sich ihr gegenüber.

Vanessa schüttelte den Kopf. »Keine Sorge. Ich bin vor ein paar Minuten gekommen und habe bereits für uns beide bestellt.«

Er legte eine Hand auf die ihre. »Danke, Schatz!« Prüfend sah er sie an. »Geht es dir gut? Du weißt, dass du dir in deinem Zustand nicht mehr zu viel aufladen solltest! Wir können die Aufgaben an Aileen abgeben. Sie hat es bereits angeboten zu helfen.«

Lächelnd verdrehte die Collins die Augen. »Ich bin in der sechsten Woche schwanger und nicht sterbenskrank. Ich merke, wenn es mir zu viel wird und dann werde ich Aileen Bescheid geben. Aber ich komme schon klar.«

Ein Seufzen kam über Charles Lippen. »Tut mir leid, aber ich mache mir einfach nur Sorgen!«

Sie wusste seine Besorgnis zu schätzen, aber damit machte er sie noch alle verrückt und das konnten sie im Moment nicht gebrauchen. »Mach dir lieber darum sorgen was wir mit deiner Familie anstellen, denn in den nächsten Tagen wird kaum jemand von uns Zeit haben, dass wir etwas mit ihnen unternehmen auch wenn ich es gerne machen würde.« Vanessa räusperte sich leicht. »Außerdem sollten wir unser kleines Geheimnis noch für uns behalten. Ein besorgter Ehemann reicht mir, da brauche ich nicht auch noch deine besorgte Familie hinter mir jetzt, wo der Ball ansteht.«

Auch Charles hatte sich darüber bereits Gedanken gemacht und er wusste, dass Aileen, Helena, James und Oliver schon eingeplant haben wer für sie etwas Zeit erübrigen kann und auch er und seine Frau würden ein paar Stunden freischaufeln können, aber mehr ging leider nicht. Doch für den Anfang könnten sie ihnen eine Rundfahrt organisieren.

»Meine Familie hat soweit ich weiß auch schon eigene Pläne vorbereitet was sie gerne machen würden. Annabelle hat ebenfalls schon einiges erarbeitet.« Er grinste. »Aber ich dachte, dass wir ihnen eine Rundfahrt bei Leigh organisieren könnten. Das macht sie bestimmt gerne. Nur unsere Familie mit dem Bus. So kann die Tour auch etwas detaillierter gestaltet werden.«

Sie beschlossen, dass es für den Anfang eine gute Idee war und Vanessa wollte sich am späten Nachmittag noch darum kümmern damit sie der Familie noch Bescheid geben konnte.

Die Zeit verflog wie im Flug und es fing immer mehr an zu schneien. Eine weiße Decke legte sich auf die Straße und Aileen musste ihren Wagen freischaufeln als sie sich auf den Weg nach London machen wollte, denn sie hatte die Nachtschicht. Die letzten paar Stunden hatte sie auf der Couch eingeschlafen und Oliver hatte ihr noch einen Wecker gestellt bevor er losgefahren war um seinen Eltern einen Besuch abzustatten.

Während der Fahrt lief der Radio leise im Hintergrund, denn sie brauchte alle Konzentration für die Straße, denn es war lange nicht mehr so gut zu fahren wie noch heute Morgen. Sie konnte froh sein, wenn sie es noch pünktlich schaffen würde. Noch mehr Sorgen machte ihr jedoch die Schneesturmwarnung, welche in diesem Moment im Radio durchgegeben wurde. Das konnte noch heiter werden, denn dieser sollte direkt über das Zentrum von London fegen. Sie rechneten mit Stromausfällen. Perfekt! Das Chaos im Marbella war damit vorbereitet.

Als sie schließlich ankam machte sich der kommende Sturm bereits bemerkbar. Die Lichter flackerten und die Computer zeigten immer wieder ein Störbild. Ihre Kollegin war erleichtert als sie die Blonde erblickte und erzählte ihr was alles vorgefallen war um ihre Schicht zu übergeben. Die Collins konnte sich vorstellen warum sie das Weite suchen wollte und sah ihr kopfschüttelnd hinterher bevor sie sich auf ihren Platz setzte. Mit den Computern würde es nicht lange gut gehen… Erst danach fiel ihr auf, dass mitten in der Lobby ein Flügel stand. Was hatte das denn zu bedeuten?

Eine handgeschriebene Nachricht ihres Onkels fiel ihr ins Auge.

Das Klavier soll dazu anregen weihnachtliche Stimmung zu verbreiten.
Jeder, der Lust und Laune hat kann sich setzten und anfangen zu spielen. Sei es ein Instrumental Stück oder mit Gesang.
Weihnachten steht vor der Tür. Also sollten wir uns alle zusammenstellen und etwas Stimmung verbreiten.
Ihr Marbella Team

Anscheinend stand am Flügel dieselbe Nachricht damit die Gäste nachlesen konnten was es damit auf sich hatte. Wenn ihrem Onkel etwas in den Sinn kam…

Kurzerhand beschloss sie alles was in ihrer Schicht auf sie zukommen würde auf Papier festzuhalten um eine Sicherheit zu haben. Sie verfasste eine Nachricht auf der Homepage um vor Störungen zu warnen und sich im Vorfeld für Buchungsfehler zu entschuldigend und dieselbe Nachricht postete sie auf den Social Media Seiten des Hotels. Mehr konnte sie in diesem Fall wohl ohnehin nicht tun.

Alle eingehenden Buchungen speicherte sie ab und schrieb sie händisch auf Formulare nieder. Es gab einiges für sie zu tun und es würde nicht gerade einfacher werden, denn am besten wäre es wohl auch, wenn sie die Buchungen der nächsten Tage aufschreiben würde. Sowohl diese, welche erst kommen würden als auch diese, die auschecken würden. Seufzend machte sie sich an die Arbeit.

Ein Räuspern ließ Aileen nach einiger Zeit hochfahren und sie blickte in das lächelnde Gesicht ihrer besten Freundin.

»Du siehst aus als könntest du Hilfe brauchen!«, meinte Helena aufmunternd und schlüpfte aus ihrem Mantel während sie die Cupcakes und den Kaffee abstellte.

Fragend sah sie die Griechin an, denn woher wusste was eigentlich los war?

Helena fing ihren Blick auf und setzte sich. »Charles und Vanessa haben sich gemeldet und gesagt was wohl im Hotel los ist, aber sie sind eingeschneit und können nicht kommen. Daher haben sie uns gebeten nach dir zu sehen. James hat jedoch einen Dreh und Oliver steckt in Cambridge fest. Daher hast du nur mich!«

Dankbar umarmte sie ihre Freundin. »Du bist meine Rettung, danke. Ich weiß schon nicht mehr wo hinten und vorne ist.« Sie warf einen Blick auf das Zettelchaos auf dem Tisch. »Das muss ich alles sortieren bevor ich weitere Formulare ausfüllen kann…«

Gemeinsam arbeiteten die Mädchen und sortieren die Zettel nach Datum und sowohl ob es um das Ein- oder Auschecken ging. So bekamen sie ein System und einen besseren Überblick. Danach kümmerten sie sich um die nächsten Daten am Computer bis dieser endgültig den Geist aufgab, wie auch der restliche Strom im Hotel. Mit einem Mal war es pechschwarz und Aileen konnte nicht einmal mehr ihre eigene Hand vor ihren Augen sehen. Wie blind tastete sie nach ihrem Handy und schaltete die Taschenlampe ein. Auch Leana hatte diesen Einfall und tat es ihr gleich.

In der gesamten Lobby konnte man überall die kleinen Taschenlampen angehen sehen. Einige gehörten zu Angestellten und andere wiederum zu Gästen. Anscheinend gab es ein Problem mit dem Generator des Notstroms und darum musste sich Lee nun kümmern. Lea hielt die Stellung an der Rezeption und verteilte mit einigen Mitarbeitern Taschenlampen an die Gäste, welche bei ihnen auftauchten während Lee mit zwei ihrer Kollegen in den Keller ging um sich um den Notstrom zu kümmern.

Zum Glück hatten sie das Problem schnell gefunden und im Hotel ging wieder das Licht an. Jedoch funktionierten weder die Computer noch die Aufzüge, welche zum Glück am Nachmittag schon gesperrt wurden. Nun konnten sie nur abwarten bis der Sturm vorüber zog.

Als Aileen in die Lobby zurückkam waren mehr Gäste anwesend als noch vor dem Stromausfall und alle schienen unsicher und nervös zu sein. Konnte man ihnen auch nicht verdenken, aber es bestand kein Grund zur Sorge und Lea versuchte bereits die Lage zu entschärfen. Kurzerhand setzte sich die Dunkelhaarige an das Klavier und fing an zu spielen bevor sie anfing zu singen. Aileen lächelte, denn sie hatte Lea schon lange nicht mehr spielen gesehen.

I’ll be home war ein wunderschöner Song und passte perfekt zur Weihnachtszeit. Die Blonde gesellte sich zu ihrer Freundin und sang die Harmonie. Ohne einen Blick wusste sie wann sie einsetzen musste. Die Beiden waren schon immer ein eingespieltes Team gewesen auch wenn sie schon lange nicht mehr die Gelegenheit dazu gehabt hatten. Es passte jeder Ton. Als hätten sie für diesen Fall geprobt.

Der restliche Abend lief für Aileen nicht so ruhig ab, wie sie es für die Nachtschicht gewohnt war. Durch den Stromausfall, welcher gegen Mitternacht eintrat lief alles aus dem Ruder. Die Computer gaben kein Lebenszeichen mehr von sich und auch die Telefone funktionierten nicht. Das Hotel lag im Dunklen und Gäste fanden ihren Weg mit den Taschenlampen auf ihren Handys zu ihr an die Rezeption. Sie versuchte die Lage zu entschärfen und ihre Kollegen, welche ebenfalls auf ihrer Schicht arbeiteten teilten Kerzen und Taschenlampen an die Gäste aus während Lee mit Ryan in den Keller ging im den Notstrom einzuschalten. Für diese Fälle waren sie zum Glück ausgestattet und der Generator brachte wieder Licht und Strom in das Marbella, aber für alle Fälle teilten sie weitere Taschenlampen und Kerzen aus. Niemand wusste wie lange der Sturm dauern würde oder ob Schäden verursacht wurden.

An der Rezeption selbst lief es still ab nachdem der Notstrom angelaufen war, aber dafür gab es so genug zu tun. In der Küche mussten sie dafür sorgen, dass die Lebensmittel richtliniengemäß aufbewahrt wurden und die Kühlkette nicht unterbrochen wurde. Außerdem war in der Bar der Kühlschrank ausgefallen und verursachte einen kleinen See, da die Eiswürfel ebenfalls am tauen waren. Mit vereinten Kräften arbeiteten alle zusammen und bekamen alles in den Griff. Am Morgen lief der Strom wieder normal und die Lage hatte sich zum Glück entschärft. Aileen konnte den Dienst ohne weitere Probleme an ihre Ablöse übergeben.

Charles besuchte sie an der Rezeption damit sie ihm einen Bericht liefern konnte und danach war sie entlassen. Doch sie hatte nicht damit gerechnet, dass sie von ihrem Verlobten überrascht werden würde. Oliver hatte die Nacht kein Auge zugetan und hatte sich Sorgen um seine Verlobte gemacht, denn durch den Sturm hatte er sie nicht erreichen können und war froh, dass es ihr gut ging und soweit im Hotel ebenfalls alles gut gelaufen war. Da er erst am Nachmittag einen Dreh hatte, hatte er sich mit seinem Bruder zusammengerufen. Die Zwillinge hatten beschlossen die Mädchen für einen Brunch auszuführen und ein Frühstück konnte Aileen nach dieser Nacht auf jeden Fall vertragen.

Helena hatte die letzte Nacht tief und fest geschlafen und hatte von den weiteren Problemen im Hotel nichts mitbekommen. »Wieso hast du mich denn nicht geweckt? Ich hätte euch irgendwie helfen können!«

Aileen schüttelte den Kopf. »Schon okay. War halb so wild.« Sie hatten in einem kleinen Café Platz genommen und sie studierte die Frühstückskarte. »Außerdem bist du selbst Gast bei uns und keine Angestellte. Du hast mir am Abend mit den Buchungen schon genug geholfen!«

Leana verdrehe leicht die Augen, denn diese Sturheit hatte sie an ihrer Freundin bestimmt nicht vermisst, doch auf der anderen Seite konnte sie ihren Standpunkt auch wieder verstehen.

Die Vier bestellten sich ihr Frühstück und redeten über den Ball und die Überraschung, dass Aileens Familie nun in London war. Helena hatte noch nicht die Gelegenheit gehabt um sich mit ihnen zu treffen, aber das hatte sie auf jeden Fall noch vor. Immerhin kannte sie Lees Familie nun auch schon über Jahre und hatte ihre Eltern schon ewige Zeit nicht mehr gesehen. Vielleicht würden sie alle gemeinsam zu Mittag essen die Tage?

»Das sollten wir wirklich machen! Mum hat mich bereits nach dir gefragt!«, kam es grinsend von der Collins als ihre beste Freundin ihr den Vorschlag machte essen zu gehen. »Manchmal kommt es mir so vor als wärst du ihre Tochter nicht ich!«

Die Mädchen lachten auf und genossen ihre Waffeln. Es war ein gemütlicher Vormittag und sie unterhielten sich über belanglose Sachen. Auch wenn sie ein paar Minuten nur schweigend einander gegenübersaßen war es nicht unangenehm. Doch die Zeit verflog wie im Flug und Helena sowie auch James mussten los. Beide hatten einen wichtigen Termin, welchen sie wahrnehmen mussten.

Aileen umarmte ihre beste Freundin sowie ihren Schwager bevor die beiden loszogen und fragend sah sie ihren Verlobten an. »Und was machen wir nun?«

Oliver bezahlte die Rechnung und half ihr in den Mantel. »Ich habe bei dem Blumenladen angerufen und gesagt, dass wir heute Vormittag vorbeikommen. Langsam sollten wir uns für die Blumen entscheiden!« Er küsste sie und schon machten sie sich auf den Weg.

Der Laden lag nur vier Straßen entfernt von dem kleinen Café weshalb sie das Auto auf dem Parkplatz stehen ließen und den Weg zu Fuß zurücklegten. Der Laden war nett eingerichtet und überall standen kleine zusammengestellte Gestecke. Die Gärtnerin kam mit einem breiten Lächeln auf die Beiden zu und führte sie weiter nach hinten, wo eine große Werkbank stand, wo bereits einige Blumenbouquets standen. Das waren nur Vorschläge, aber sie sahen alle auf ihre Art und Weise schön aus.

Aileen sah sich alle genauer an und für sie kamen zwei in die nähere Auswahl. Auch Oliver sah zwischen den verschiedenen Varianten hin und her und schließlich stellte das Paar fest, dass beide einen gemeinsamen Favoriten hatten. Dann würde dieser wohl die Tische an ihrer Tafel zieren. Eigentlich wollten sie sich nicht gleich festlegen, aber da beide begeistert davon waren machten sie Nägel mit Köpfen und besprachen mit der Gärtnerin die Details und das Datum, wann sie die Blumen brauchen würden. Diese schien sich über den Auftrag zu freuen.

»Das ging schneller als ich erwartet hatte«, meinte Oliver überrascht als sie wieder nach draußen in die kalte Winterluft traten und zurück zum Wagen gingen.

Lee lächelte leicht. »Ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass wir uns so schnell einigen, wenn ich ehrlich bin!« Sie vergrub ihre Hände in den Manteltaschen. »Aber ich freue mich. Eine weitere Sache, welche wir erledigt haben! Langsam nimmt es Formen an!«

Ihr Verlobter fuhr zurück zum Hotel, wo sie sich noch einen Kaffee holten bevor er zu seinem Dreh musste. Aileen würde noch für ein paar Stunden nach Hause fahren und sich hinlegen, denn langsam spürte sie, wie die Müdigkeit in ihre Knochen kroch und da sie wieder zur Nachtschicht antreten musste war etwas Schlaf bestimmt nicht verkehrt.

Während sie nach Hause fuhr machte sich Oliver auf den Weg in die Bar, wo heute gedreht werden würde. Laut Drehplan stand heute seine Szene mit Brianna und Damian an der Tagesordnung. Er freute sich darauf, denn mit den Beiden hatte er bisher immer seinen Spaß gehabt und in den kleinen Pausen dazwischen wurde ihnen nie langweilig. Doch dieses Mal war alles etwas anders. Oli spürte es bereits als er in der Maske saß und Brianna neben ihm fertig gemacht wurde. Zwar redete sie normal mit ihm, aber ihrem Freund Damian schenkte sie keinen Blick. Auch er schien eher abwesend zu sein. Was hatten die beiden bloß wieder für ein Problem?

Da es Probleme mit der Kamera gab hatten sie noch etwas Zeit bevor der Dreh beginnen würde und Oliver seufzte leicht auf bevor er sich vor Damian aufbaute. »Alles klar! Was ist zwischen dir und Bree los? Die Spannung zwischen euch ist wie ein Kraftfeld?«

Der Rothaarige sah abwesend zu ihm auf und zuckte mit den Schulter. Seine Hände hatte er um seinen Kaffeebecher gelegt. »Was fragst du mich denn…das geht schon sein einigen Tagen so.« Er warf einen Blick zu seiner Freundin. »Alles was ich sage bekommt sie in den falschen Hals. Und das macht mich wahnsinnig. Daher sage ich einfach nichts mehr.«

Oliver zog eine Augenbraue nach oben. Das war doch lächerlich und so konnte es auf keinen Fall weitergehen. Immerhin arbeiteten sie auch alle zusammen und das Missverständnis oder Problem, das zwischen ihnen stand wirkte sich auf alle aus ob es ihre Absicht war oder nicht.

»Gut. Wir müssen das hinbekommen. Bree und du ihr gehört doch zusammen«, meinte der Phelps. »Meinungsverschiedenheiten gibt es immer mal wieder, aber man sollte sich danach auch wieder zusammen raufen. Außerdem sollte man in einer Beziehung doch über alles reden können, denn wie soll man sonst miteinander auskommen?« Fragend zog er eine Augenbraue nach oben. »Natürlich ist es nicht immer leicht und man muss sich auf vieles neu einstellen, wenn man eine Beziehung eingeht, aber solche Streitereien oder gegenseitiges Anschweigen bringt euch auch nicht weiter.«

Damian fuhr sich durch die Haare und stemmte den Kopf in die Hände. »Das sagt sich so leicht. Sie will nicht mit mir reden. Seit dem Zwischenfall im Hotelzimmer als Aileen uns rausgeschmissen hat stimmt etwas nicht zwischen uns…«

Das hörte sich nach einem größeren Problem an als er sich zuerst gedacht hatte. Oliver setzte sich neben seinen Kollegen. »Soll ich vielleicht mit ihr reden?«

Ein leichtes Nicken gab ihm die Bestätigung und er ging auf die Braunhaarige zu. »Brianna, hast du eine Minute? Ich denke wir sollten uns unterhalten.«

Der Schauspielerin war nicht entgangen, dass er sich zuvor noch mit ihrem Freund unterhalten hatte und seufzte leicht auf. »Du wirst ohnehin nicht locker lassen, oder?« Doch sie wusste die Antwort auf ihre Frage bereits. Brianna fuhr sich durch die Haare. »Ich bin es langsam leid, immer wieder über dasselbe Thema mit ihm zu streiten. Doch er bekommt in letzter Zeit nicht einmal mit, dass wir uns darüber streiten, denn für ihn ist es bereits eine beschlossene Sache und was ich dazu zu sagen habe interessiert ihn nicht einmal.«

Etwas verwirrt zog Oli eine Augenbraue nach oben, denn er hatte keine Ahnung was sie ihm damit eigentlich sagen wollte. »Was genau ist denn zwischen euch los? Und was will er nicht hören?«

Sich nun bei Oliver darüber zu beschweren kam ihr irgendwie wieder kindisch vor, aber vielleicht sollte sie sich genau ihm anvertrauen. Bisher hatte sie noch mit niemandem darüber geredet was sie in ihrer Beziehung gerade beschäftigte. »Nun ja es geht hauptsächlich um die Feiertage. Unsere Familien kommen nicht miteinander klar. Wir hatten damals ein Familienessen organisiert um alle einander vorzustellen und es endete sozusagen in einem Blutbad. Alle hatten sich in den Haaren.« Sie schüttelte den Kopf. »Jetzt ist er der Meinung, dass wir Heilig Abend seine Familie einladen und meine ist ihm dabei egal. Sie können ja nach Silvester einmal vorbeikommen meinte er.« Wütend biss sich Brianna auf die Unterlippe. »Meine Familie hat genauso das Recht mich besuchen zu kommen und die Feiertage mit mir zu verbringen, aber er sieht das anders. Daher überlege ich alleine zu ihnen zu fahren und für ein paar Tage dort zu bleiben.«

Oliver hörte ihr aufmerksam zu und so hätte er Damian nun wirklich nicht eingeschätzt. Natürlich war es nicht leicht, wenn die Familien nicht miteinander auskamen, aber das war eine harte Sache. Er konnte nicht seine Wurzeln in den Himmel loben und ihre verdammen. Sie gehörten doch zusammen also sollten sie auch einen Weg finden um das Ganze zu lösen. Darüber sollten sie dringend miteinander reden, denn wenn es still zwischen ihnen stand war keinem von den Beiden damit geholfen.

»Wow, dass hört sich hart an. Aber ich denke nicht, dass Damian weiß, wie sehr er dich damit verletzt und dabei hat er sich bestimmt nichts gedacht!« Oliver schüttelte den Kopf. »Das ist eine Entscheidung, die ihr gemeinsam treffen müsst damit ihr auf eine Lösung kommt, die für euch beide akzeptabel ist. Du solltest ihm sagen wie du über die ganze Sache denkst, denn ich glaube nicht, dass er weiß, dass der Fehler darin liegt was er wegen seiner Familie vorhat.«

Fragend sah Bree ihn an. »Soll das heißen, dass er nicht weiß, dass ich deswegen sauer auf ihn bin? Das muss ihm doch klar sein.«

Oliver lächelte leicht. »Ich habe mit ihm geredet und das ist ihm nicht in den Sinn gekommen. Das kann ich dir versichern.«

Brianna überlegte kurz hin und her bevor sie aufstand um sich mit ihrem Freud zusammen zu setzen um zu reden. Anscheinend hatten beide nur einen leichten Stoß in die richtige Richtung gebraucht. Sie befanden sich in einer Zwickmühle und mussten versuchen eine Lösung zu finden, die für beide Seiten gut war und die niemandem einen Vorteil oder Ähnliches verschaffte. Das konnten sie nur unter sich klären.

Da die Kamera einen schwerwiegenden Schaden hatte und auch die restliche Ausrichtung einen Schaden davon getragen hatte mussten sie den Dreh ausfallen lassen. Der Schneesturm hatte wohl doch einigen Schaden hinterlassen. Doch Oliver sollte es recht sein, denn so konnte er noch etwas Zeit mit seiner Verlobten verbringen auch wenn sie vermutlich schlafen würde. Aber er würde es wohl nicht mehr rechtzeitig nach Hause schaffen bevor sie wieder losfahren musste.

Während sein Zwilling einen recht ereignisreichen Nachmittag hinter sich hatte war James vor dem Fernseher gesessen und hatte sich eine neue Serie gesucht, aber nichts wollte seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der freie Tag war etwas unerwartet für ihn gewesen, aber für den Abend hatte er sich zum Glück mit Leana verabredet und bald war es soweit, dass er sich auf den Weg machen konnte. Den ganzen Tag lang hatte er versucht sich abzulenken, aber immer wieder musste er an sie denken und das was sie zusammen hatten. Er wollte nicht, dass es enden würde, aber immer einen Schritt vor den Anderen. So hatten sie es besprochen. Doch wenigstens verbrachten sie immer noch viel Zeit miteinander. Auch diesen Abend. Sie würden auf ihrem Zimmer im Hotel was vom Zimmerservice bestellen und sich einen Film ansehen. Kein großer Aufwand. Einfach nur sie beide. Alleine!

Die kleine Gesangseinlage hatte Wunder gewirkt, denn die Gäste machten sich nun keine Gedanken mehr über den Stromausfall sondern lauschten der Musik. Aileen und Helena hatten ins Schwarze getroffen. Die Anwesenden stellten sich um das Klavier auf und summten leiste mit oder stimmten selbst mit ein. Die Mädchen lächelten einander an bevor sie den nächsten Song anstimmten. Rockin‘ around the christmas tree, Do you want to built a snowman und Baby it’s cold outside waren nur wenige Lieder, die vorkamen. Auch die Familie von Aileen gesellte sich zu ihnen.

Erst gegen drei Uhr morgens leerte sich die Lobby und alle gingen zurück auf ihre Zimmer. Auch Helena versuchte noch etwas zu schlafen, denn gemeinsam mit Lee hatte sie sich mit der Familie Collins zum Frühstück verabredet und sie wollten ihnen noch etwas von der Stadt zeigen bevor die Griechin am Nachmittag zu ihrem Termin mit einer Bank aufbrechen musste. Sie war als Dolmetscherin gebucht worden. Sie war bereits gespannt was auf sie zukommen würde.

Aileen schreib ein Protokoll für ihren Onkel was in der Schicht alles passiert war damit er die Informationen weitergeben konnte damit man sich darum kümmern würde um alle technischen Fehler zu beheben, welche vielleicht entstanden waren. Doch ihre Schicht war schneller vergangen als sie es sich gedacht hatte. Schon stand ihre Ablöse vor ihr und auch den Beiden gab sie ein kurzes Update was vorgefallen war damit sie wussten wie sie weiter vorgehen mussten. Lee packte ihre Sachen zusammen und machte sich auf den Weg ins Büro ihres Onkels um ihm den Zettel auf den Tisch zu legen. Hoffentlich schafften die Zwei es überhaupt ins Hotel, denn wenn die Straßensituation bei ihnen so schlecht war wäre es besser, wenn sie zuhause bleiben würden. Doch dann hätte er sich mit Sicherheit schon bei ihr gemeldet damit sie für ihn übernahm.

Daher zog sie sich ihren Mantel über und ging zurück in die Lobby um dort auf ihre Familie und Helena zu warten. Sie freute sich darauf mit ihnen gemeinsam den Vormittag zu verbringen. Auch Oliver versuchte etwas früher zu ihnen zu stoßen, aber die Straßen waren immer noch nicht frei. Dennoch war er froh, dass es ihr gut ging.

Es dauerte nicht lange bis sie vollzählig waren und schon machte sich die Gruppe auf den Weg. Marlena hatte bereits Helena in Beschlag genommen und Annabelle hatte sich ihnen angeschlossen. Edward und Samantha hatten sich jeweils auf einer Seite von Aileen eingehakt und fragten sie über die Hochzeit und allgemein was bei ihr in letzter Zeit so los gewesen war. Die Blonde konnte es immer noch kaum glauben, dass sie hier waren und sie sich wieder mit ihnen unterhalten konnte ohne dass sie es mit Verbindungsfehlern zu tun hatten.

Sie fanden einen Platz in einem Frühstückscafé mit einem großen Buffet. Helena war bereits mit James hier gewesen und Aileen war schon mehrere Mal hier Gast gewesen. Es gab für jeden etwas. Frisches Obst, Müsli, Marmeladen, Brötchen aller Art, Gemüse – jeder würde hier satt werden. Für die Familie Collins wurden drei Tische zusammen geschoben damit alle genug Platz hatten und schon konnte der Morgen starten. Jeder hatte etwas zu erzählen und sie ließen die Gelegenheit nicht aus um Helena und Aileen mi Fragen zu löchern. Besonders über die Hochzeit gab es viele Fragen bis Annabelle interessiert nachfragte was denn nun zwischen Lea und James lief.

Leana verschluckte sich beinahe an ihrer Melone. »Wie bitte?«, brachte sie hüstelnd hervor und sah ihre beste Freundin mit großen Augen an, aber diese hatte kein Wort darüber verloren und schüttelte den Kopf.

Ana lächelte breit. »Naja James hatte viel zu erzählen über dich. Daher frage ich einfach, denn er blockt mich immer ab, wenn ich ihn frage.«

Der ganze Tisch lachte und Andrew rettete die Griechin davor antworten zu müssen als er darauf aufmerksam machte, dass er Karten für den Ball besorgt hatte und sie sich noch Klamotten dafür besorgen müssten. Helena hatte ab da an ihre Ruhe auch wenn Ana immer wieder versuchte sie alleine zu erwischen um eine Antwort zu bekommen. Die Neugierde der Familie Collins.

Nachdem sie alle ausgiebig gefrühstückt hatten machten sie einen kleinen Spaziergang und Aileen und Helena führten die Familie etwas herum. Es war nicht sonderlich aufregend, aber es gab genug Leute, die man beobachten konnte und das machte Edward für sein Leben gerne. Auch ein Blumenladen war ihm ins Auge gefallen und gemeinsam mit Samantha war er auch schon darin verschwunden. Der Rest der Familie stand in dem kleinen Park und machten einige Fotos zur Erinnerung.

Es dauerte jedoch nicht lange bis es mittags wurde und Helena musste zu ihrem Termin mit der Bank aufbrechen. Auch Aileen verabschiedete sich, denn sie wollte sich noch einige Stunden hinlegen bevor die Schicht beginnen würde, aber zuvor übergab sie ihre Familie noch in die Hände von den Zwillingen. James und Oliver freuten sich schon seit Tagen darauf, denn sie hatten bereits von Charlie erfahren, dass die Familie kommen würde. Sie hatten eine Kleinigkeit geplant und machten sich sofort auf den Weg.

Aileen hatte sich den Schlüssel zum Zimmer ihrer Eltern besorgt um etwas zu schlafen und Lea holte ihre Unterlagen aus ihrem Zimmer, zog sich kurz um und machte sich auf den Weg. Das Hotel stellte ihr zum Glück einen Wagen zur Verfügung so musste sie nicht mit dem Taxi oder der U-Bahn fahren und hatte einen angenehmeren Weg. Sie würde auch wieder abgeholt werden und brauchte nur direkt den Fahrer anrufen was ziemlich praktisch war.

Das Gebäude der Bank sah beeindruckend aus und wirkte sehr elegant. Ihr wurden von zwei Sicherheitsleuten die Türe geöffnet und das Klacken ihrer Heels hallte auf den Wänden wieder als sie auf einen der Schalter zuging und sich vorstellte. Eine junge Dame, sie schätzte sie in ihrem Alter, lächelte freundlich und führte sie in den Konferenzraum, wo sie angewiesen wurde sich zu setzen.

Helena schlüpfte aus ihrem Mantel, nahm auf einem der Sessel Platz und holte ihre Unterlagen hervor. Viel Information hatte sie nicht also müsste sie wohl spontan übersetzen und sich einbringen. Eigentlich konnte sie es nicht leiden unvorbereitet zu sein, aber hier ging es leider nicht anders. Die Dame von vorhin brachte ihr ein Glas Wasser und bot ihr noch Tee oder Kaffee an, welchen die Griechin dankbar ablehnte.

Der Manager der Bank brauchte nicht lange bevor er sich zu ihr gesellte und sich freundlich bei ihr vorstellte. Er wirkte nett und sympathisch auf sie. Auch er schien noch sehr jung zu sein, aber hatte ein sicheres Auftreten und Lea war sich sicher, dass er genau wusste was er tat und wie er sich zu verhalten hatte. Mit kurzen Worten klärte er sie auf um was es bei der Investition ging, die er vorhatte und Helena bekam ein Bild davon was auf sie zukommen würde. So erfuhr sie auch, dass sie zwischen einem griechischen Unternehmer und der Bank dolmetschen würde. Etwas Heimat. War doch schön zu hören.

Es dauerte nicht lange bis der Unternehmer kam und Helena fiel beinahe ihr Glas aus der Hand. Das sollte doch wohl ein Scherz sein, oder? Arkadius Minas Floros. Ihr Ex-Freund! Seit wann war er denn bitte Unternehmer? Und was dachte sich ihr Chef dabei ihr diesen Auftrag zu geben? Er wusste genau was zwischen ihnen los gewesen war…

Auch er schien zu erstarren als er sie sah und sein Blick wechselte von überrascht zu verwirrt dann zu panisch. Anscheinend wusste er genau so wenig wie Helena wie es nun weiter gehen würde.

Die Griechin fand zuerst ihre Stimme wieder. »Kaliméra.« Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Auch wenn es ihr widerstrebte den Nachmittag über mit ihm zu arbeiten, aber es war ihr Job und der war ihr wichtig. Also Augen zu und durch.

Da ihm durch Leas Entscheidung abgenommen wurde wie er sich zu verhalten hatte tat er es ihr gleich und sie brachten das Gespräch ohne weitere Zwischenfälle hinter sich worüber die Pantagiota mehr als nur froh war, aber es war ihr noch leichter ums Herz als sie das Gebäude endlich verlassen konnte, denn sie wollte mit Kade nichts mehr zu tun haben. Das hatte sie sich vor Wochen bereits geschworen und nun kam er mit einem solchen Knall plötzlich wieder in ihr Leben. Das hatte sie kalt erwischt, aber sie war stolz auf sich, dass sie solide reagiert hatte. Auch wenn ihr danach gewesen war alles nach ihm zu werfen und ihn auf schlimmste Weise zu beleidigen.

Den Wagen aus dem Hotel hatte sie bereits gerufen, aber es würde noch einige Minuten dauern. Natürlich verständlich. In der Zwischenzeit schrieb sie Aileen und auch eine Nachricht an James. Jedoch mied sie es einem der beiden von ihrer Begegnung mit der Vergangenheit zu erzählen. Noch war sie nicht bereit über Arkadius zu reden. Vielleicht würde es auch nie so weit kommen. Doch das war im Moment nicht wichtig.

Gerade als sie ihr Handy einpackte und die Hände in die Manteltasche steckte vernahm sie ein Räuspern hinter sich und sie wollte sich nicht umdrehen. Warum konnte er sie nicht in Ruhe lassen? Er hätte einfach seine Sachen nehmen und fahren sollen. Wie kam er auf die Idee sie um ein Gespräch zu bitten? Dafür war es zu spät. Helena drehte sich weder zu ihm um noch würdigte sie ihn eines Blickes.

»Helena?!« Unsicher räusperte er sich erneut. »Ich weiß, dass du nicht mit mir reden möchtest und das verstehe ich. Aber ich wollte mich nur bedanken, dass wir dieses Meeting professionell behandelt haben und alles abwickeln konnten. Ich hätte es auch verstanden, wenn du ihn hättest platzen lassen.«

Sie verdrehte die Augen. Seinetwegen ihren Job verlieren? Niemals!

»Das ist mein Job! Und meine Zukunft lasse ich mir nicht erneut von dir verbauen. Also nimm diese Gelegenheit und gehe zurück nach Griechenland«, brachte sie gerade noch so zwischen ihren Zähnen hervor. Helena war stinksauer. Es lief bei ihr gerade so gut und nun kam er daher und alle Gefühle von damals kamen zurück. Die Trauer, Angst, Wut… Mit ihm konnte sie nichts Positives in Erinnerung bringen. Das sollte man über keine Beziehung sagen, oder?

Kade nickte leicht. »Ich weiß, dass ich früher viele Fehler gemacht habe. Doch ich habe mich geändert und arbeite jeden Tag an mir um mich zu bessern. Das hätte ich schon früher machen sollen, aber unsere Trennung und alles was du mir gesagt hast war eine Art Weckruf für mich.«

Die Schwarzhaarige lachte laut auf, denn glaubte er den Mist, den er erzählte? Natürlich konnten sich Menschen ändern, aber nicht von heute auf morgen und er war ein schwerer Fall. Niemand glaubte daran, dass man ihm noch helfen konnte und nun wollte er ihr erzählen er sei ein besserer Mensch geworden?

Es war ein Glück für ihn, dass in diesem Moment der Wagen des Hotels vor ihr stehen blieb, denn ansonsten hätte sie ihm vermutlich ins Gesicht geschlagen und ihn angebrüllt. Es war als wäre ein Schalter umgefallen, denn mit einem Mal verspürte sie diese Wut in sich. Kade brachte die schlimmsten Seiten in ihr zum Vorschein. Das Beste war es so viel Abstand wie möglich zwischen sich und ihn zu bringen. Doch sie wollte nicht sofort ins Hotel zurück, denn James sowie auch Aileen würden sofort merken, dass etwas bei ihr los war also ließ sie sich zum Hyde Park fahren um den Kopf frei zu bekommen.

Nach den technischen Schwierigkeiten, welche der Schneesturm verursacht hatte liefen die Computer noch immer nicht einwandfrei und sie behielten es bei alles schriftlich festzuhalten. Aus diesem Grund war Aileen froh, dass sie diese Schicht nicht alleine verbringen musste, denn Samantha war mit ihr eingeteilt. Sie hatte ihre Freundin schon einige Tage nicht mehr gesehen und sie hatten sich noch einiges zu erzählen.

»Was hast du in den Feiertagen vor? Ich habe auf dem Plan stehen sehen, dass du frei hast!«, fragte Aileen neugierig nach während sie einen ausgefüllten Bogen farblich markierte und auf den passenden Stapel legte.   

Die Blonde fuhr sich seufzend durch die Haare. »Kann ich dir noch nicht genau sagen. Meine Eltern wollen nicht wirklich feiern. Aber wir helfen jedes Jahr im Asylheim aus und verteilen essen. Danach werden wir zuhause sitzen und einen Film sehen. Nichts Aufwendiges.« Leicht zuckte sie mit den Schultern. »Was macht ihr alle?«

»Ich finde es ist eine schöne Idee Leuten zu helfen, die alleine sind und kein Dach über den Kopf haben. Das ist eine große Sache. Darauf kannst du stolz sein«, meinte Lee beeindruckt. Sie hatte keine Ahnung, dass Samantha jedes Jahr mit ihren Eltern den Bedürftigen half. »Naja, mein Onkel hat meine Familie einfliegen lassen also wird es wohl eher etwas Großer dieses Jahr. Jedenfalls gehen wir alle gemeinsam auf den Ball, am nächsten Tag sind Oliver, James, Helena, Ryan und ich bei uns zuhause – falls er zusagt jedenfalls.« Eine weitere Buchung kam an und Aileen holte sich ein weiteres Formular. »Und den Tag darauf sind wir alle gemeinsam bei Onkel Charlie zum Essen eingeladen und dann teilen wir Geschenke aus.«

Samantha ließ beinahe ihren Stift fallen und sah ihre Freundin mit großen Augen an. »Sagtest du gerade Ryan feiert mit euch?«

Ups. Da hatte sie wohl zu viel gesagt.

Etwas verlegten kaute die Collins auf ihrer Unterlippe. »Naja, es ist noch nicht ausgemacht. Ich muss ihn erst fragen ob er Lust hat. Bei ihm ist es dieses Jahr etwas kompliziert und ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass er alleine ist.«

Aileen war schon vor einiger Zeit aufgefallen, dass es eine Chemie zwischen Ryan und Samantha gab, aber keiner der Beiden schien einen Schritt wagen zu wollen. Entweder waren sie beide unsicher was er andere empfand oder sie hatten beide keine Ahnung. Doch sie war sich sicher, dass sie ein süßes Paar abgeben würden. Immerhin sah er nicht schlecht aus und sie war einfach eine liebevolle Person. Die beiden hatten ebenfalls das Glück verdient.

»Wenn du willst kannst du auch dazu kommen. Wir freuen uns immer, wenn unsere Freunde und Familie mit uns feiern«, schlug Aileen ihr plötzlich vor. Es wäre nichts dabei, wenn auch sie zum Essen kommen würde.

Sam sah sie mit großen Augen an und schüttelte den Kopf. »Nein. Um Himmels Willen. Die Feiertage sollte man sich für die Familie reservieren und ich kann mich euch nicht so aufdrängen. Ihr macht so schon genug.«

Ein Lächeln zierte die Lippen von Lee. »Stell dich nicht so an. Ich habe dich eingeladen also kannst du auch kommen. Außerdem bin ich mir sicher, dass Ryan sich freuen wird, wenn du auch kommst. Es wird Zeit, dass ihr euch einmal unterhaltet.«

Mit einem Mal sah Samantha aus als wäre sie sehr vertieft in ihre Arbeit und Lee piekte ihr grinsend in die Seite. Da gab es noch einiges zu tun.

Nach dem Treffen mit ihrem Ex-Freund war Leana ihren Freunden aus dem Weg gegangen, denn sie wollte nicht mit ihnen darüber reden. Doch wäre es ihr sofort aus dem Gesicht abzulesen gewesen, dass etwas nicht stimmte. Daher hatte sie einen langen Spaziergang im Hyde Park gemacht und schließlich ein kleines Café gefunden, wo sie sich eine heiße Schokolade und Waffeln gegönnt hatte. Sie hatte Zeit gebraucht um nachzudenken.

Doch auch diesen Morgen wusste sie immer noch nicht recht was sie davon halten sollte, dass Arkadius nun ins Geschäftsleben einstieg und dass sie ihm noch dazu verholfen hatte. Immerhin hätte sie dem Bankier auch wilde Geschichten erzählen können, denn der Grieche verstand kein Wort Englisch. Das hätte sie zu ihrem Vorteil nutzen können. Doch vermutlich wäre sie dann auch ihren Job losgewesen und das rentierte sich dann auch wieder nicht.

Helena war jedoch zu aufgewühlt und konnte mit dem Thema einfach nicht abschließen. Den restlichen Nachmittag und auch die Nacht über hatte sie es versucht, aber es wollte ihr nicht gelingen und das ärgerte sie. Immerhin lief es in ihrem Leben gerade gut. Sie war in London für ein Monat und hatte James und Oliver kennengelernt. Ihre Gefühle für den Phelps wurden immer stärker, aber nun stand diese Sache zwischen ihnen, die sie ihm einfach nicht sagen konnte. Aber wer sagte, dass sie sich überhaupt niemandem anvertrauen konnte?

Sie tauschte ihren Schlafanzug gegen eine dunkle Jeans und eine Longsleeve in hellgrau bevor sie in ihre Boots schlüpfte ihre Handtasche schnappte und nach unten an die Rezeption fuhr. Wenn sie Glück hatte war ihre beste Freundin noch da und war noch nicht nach Hause gefahren. Aileen kannte sie besser als alle anderen und ihr konnte sie sich anvertrauen. Das hätte sie vermutlich schon viel früher machen sollen. Und zum Glück war die Blonde noch da.

Aileen packte gerade ihre Sachen zusammen als sie ihre Freundin erblickte und lächelnd ging sie auf sie zu. »Guten Morgen! Geht’s dir gut?«

Helena umarmte die Collins. »Geht so. Hast du vielleicht Zeit zu reden?«

»Natürlich! Sollen wir ins Café um die Ecke gehen? Da ist nicht viel los und wir haben unsere Ruhe«, schlug die Blonde vor und merkte sofort, dass es ihre Freundin beschäftigte was sie ihr zu sagen hatte.

Die Beiden machten sich auf den Weg und die kalte Winterluft blies ihnen um die Ohren. Selbst der kurze Weg zu dem kleinen Café hatte dafür gesorgt, dass sie eiskalte Finger hatten und ihre Nasen liefen sobald sie das Warme betraten. Sie suchten sich einen Tisch weiterhinten aus sodass sie ihre Ruhe hatten und ungestört reden konnten. Damit warteten sie jedoch noch bis sie ihre Bestellung hatten.

Lea wusste nicht recht wie sie anfangen sollte und überlegte schon wieder das Ganze abzublasen doch Aileen würde nun nicht mehr locker lassen. Dieser Zug war für die Griechin abgefahren.

»Was liegt dir so schwer im Magen?«

Die Dunkelhaarige versuchte ihre Gedanken zu sortieren während sie ihre Hände um ihre Teetasse schloss. Wo sollte sie am besten anfangen…

»Ich habe dir doch vor zwei Jahren von meinem Freund Arkadius erzählt. Erinnerst du dich noch an ihn?« Fragend sah sie ihre beste Freundin an, welche nickte. »Nun ja, es lief nie so rosig, wie ich es dir erzählt habe. Im Gegenteil. Es war der Horror, aber ich wollte dir nie etwas sagen da du dir keine Sorgen machen solltest. Du warst so weit weg und ich wusste, dass du alles stehen und liegen lassen würdest um mir zu helfen daher habe ich nie etwas gesagt.«

Helena kaute unsicher auf ihrer Lippe und nahm vorsichtig einen Schluck aus ihrer Tasse.

»Anfangs lief es wirklich gut und ich dachte, dass er der Richtige war. Er sah gut aus, hatte tolle Charakterzüge an sich und tat alles dafür, dass es mir gut ging und ich mich wohlfühlte. Aber dann ist sein Großvater gestorben, der ihn aufgezogen hatte, da seine Eltern ihn schon als Säugling verstoßen hatten. Von da an ging alles abwärts.« Ein Schauer überzog sie als sie daran zurückdachte. »Es ging alles so schnell. Von einem auf den anderen Tag erkannte ich Kade nicht wieder. Täglich war er sturzbetrunken und zerlegte unsere Wohnung in kleine Stücke. Auch mir gegenüber ist ihm einige Male die Hand ausgekommen und ich habe lange gebraucht um den Schritt zu wagen und ihn zu verlassen.«

Aileen starrte ihre beste Freundin geschockt an, denn nie hatte sie etwas dieser Art erwähnt. Warum war sie damit nicht zu ihr gekommen? Sie hätte sie sofort zu sich nach London geholt um ihr zu helfen. Das durfte nicht wahr sein. Seit über zwei Jahren behielt sie das nun schon für sich?

Lea wagte es nicht den Blick zu heben. »Ich habe ihn verlassen und bin nach Karpathos umgezogen und es wurde gerichtlich erwirkt, dass er sich mir nicht mehr nähern durfte. Anfangs hielt er sich nicht daran, aber nach drei Monaten hatte ich dann meine Ruhe und versuchte neu anzufangen.«

Das war fürchterlich. Wieso rückte sie jetzt erst mit der Sprache raus, wenn das schon so lange zurück lag?

»Gestern stürzte dann alles wieder auf mich ein, denn ich hatte doch diesen Termin mit der Bank, welche in einen griechischen Unternehmer investieren wollte. Dieser Unternehmer war Arkadius.«

Aileen schlug die Hände vor den Mund. Sie wusste nicht was sie ihrer besten Freundin sagen sollte oder was sie tun konnte damit es ihr besser ging. Wie ging man mit einer solchen Situation um?

»Lea?! Wieso hast du nie etwas gesagt? Wir hätten dich da rausgeholt und dir geholfen«, kam es schließlich von der Blonden. »Ich weiß nicht was ich sagen kann oder soll. Denn Worte können das alles nicht rückgängig oder besser machen. Aber ich bin froh, dass du es mir nun gesagt hast. Ich bin immer für dich da, wenn du reden willst, dass weißt du doch!« Sie stand auf um ihre beste Freundin in den Arm zu nehmen. »Wie geht es dir jetzt, wo du ihn gestern plötzlich wieder gesehen hast? Er lässt dich doch in Ruhe oder? Ich hetzte ihm alle Behörden auf den Hals, die ich finden kann!«

Tränen stiegen der Pantagiota in die Augen und sie erwiderte die Umarmung. »Ich weiß es war dumm von mir nichts zu sagen, aber ich wusste doch, dass du mit deinem Umzug nach London und der Verantwortung als Teilinhaberin genug zu tun hattest, da wollte ich dir nicht auch noch meine Probleme auflasten…« Leicht schüttelte sie den Kopf. »Er wollte sich entschuldigen, aber ich habe ihm klar gemacht, dass er mich in Ruhe lassen soll. Ich denke er hat es verstanden. Er wirkte auch vernünftiger als damals, aber das interessiert mich nicht. Meine Arbeit habe ich gemacht und das war alles.«

Das war schon einmal eine gute Nachricht, dass dieser Arkadius sie in Ruhe ließ und nun nicht wieder auf dumme Gedanken kam. Das konnten sie nun gerade noch gebrauchen, dass er das Leben durcheinanderbrachte, das sich Helena gerade aufgebaut hatte.

»Danke, dass du dich mir anvertraut hast. Du kannst dir sicher sein, dass ich es für mich behalten werde!«

Leana war dankbar, dass Aileen ihr die Entscheidung darüber ließ wem sie es noch sagen würde, aber im Moment reichte es ihr schon, dass sie sich ihr gegenüber geöffnet hatte. Es war ihr um einiges leichter, dass sie nun nicht mehr alles in sich hineinfressen musste. Auch wenn es unangenehm war über diese Zeit zu reden, denn sie verdrängte es lieber.

Der Vormittag war verflogen was nach dem Geständnis der Griechin kein Wunder war. Doch sie musste sich für ihren Termin am Nachmittag sammeln und Aileen war nach Hause gefahren um einiges zu erledigen bevor sie am Abend wieder arbeiten musste.

Den heutigen Nachmittag würde Helena beruflich im Hotel verbringen, denn sie durfte mit dem Filmcast von James und Oliver zusammenarbeiten. Im deutschen Fernsehen würde es eine Art Dokumentation mit Interviews und kleinen Einblicken geben und Leana würde dabei sein um zu übersetzen. Den der Film wurde von Studenten gedreht und diese waren in Englisch nicht sehr bewandert. Dennoch bewunderte sie die Beiden, dass sie sich an ein solch großes Projekt wagten und eine Zusage dafür bekommen hatten. Sie würde die Beiden am Set kennenlernen und da sie wieder einmal zu früh dran war konnte sie noch mit James reden und lernte so auch gleich seine Kollegen kennen, welche alle äußerst nett zu ihr waren.

Mia und David waren beide äußerst sympathisch und wussten genau was sie machen wollten und wie sie es am liebsten umsetzen würden. Helena unterhielt sich eine Weile mit ihnen um einen Einblick zu bekommen und stellte ihnen schließlich das Cast vor. James und Oliver nahmen sich sofort der beiden Studenten an und führten sie über das Set. So bekam auch Helena eine kleine Tour und übersetzte an die Beiden. Es war interessant auch Hintergrundinformationen zu erhalten, denn so konnte man sich besser einfühlen was die Schauspieler Tag für Tag erlebten und wie ihr Arbeitstag aussah.

Mia beschloss für den Anfang einfach zu filmen, wie die Vorbereitungen für den Dreh aussahen und bekamen vom Regisseur eine genaue Einführung und Anleitungen, wie alles vor sich ging. Das ganze Team war bemüht den Studenten einen guten Content zu liefern.

Danach fingen sie mit den Interviews an. Leana gab ihr bestes um ihren Job gut zu machen und den Studenten so gut es ihr möglich war unter die Arme zu greifen, aber dennoch war sie froh, als sie eine Pause von einer halben Stunde machten, denn es waren ganz schön viele Informationen die zu übersetzen und weitergeben waren. Ein Kaffee und eine Kleinigkeit zu essen waren genau das Richtige was sie nun brauchte.

Sie durften das Buffet des Teams verwenden und sie füllte sich ihren Teller mit Salat und Hühnersticks. Ein Snack konnte wirklich nicht schaden. Es war ziemlich viel los, aber weiterhinten gab es eine kleine Couch, die von niemandem beachtet wurde und genau diese war im Moment ihr Ziel. Kaum hatte sie sich gesetzt und einen ersten Bissen genommen bekam sie Gesellschaft von Jennifer, welche sich neben ihr fallen ließ.

»Es freut mich, dass ich dich nun endlich mal persönlich kennen lerne. Aileen hat schon so viel von dir erzählt und seit du hier bist habe ich dich schon oft gesehen, aber noch nie die Möglichkeit gehabt mich vorzustellen«, meinte die Blonde grinsend. »Ich bin Jennifer.«

Lea lächelte freundlich. »Freut mich auch. Ich habe dich damals in der Bar singen hören. Du bist fantastisch!« Sie nahm noch einen Bissen.

Jenn schmunzelte. »Dankeschön! Ich war nervös und unvorbereitet, aber dennoch lief es nicht schlecht. Aber du musst gerade reden!« Sie deutete mit der Gabel auf die Pantagiota. »Ich habe dich mit Aileen in der Lobby singen hören. Ihr zwei seit fantastisch!« Schon am ihr eine Idee. »Wieso trittst du nicht mit uns zusammen beim Ball auf? Das wäre sicher toll!«

Das war ganz schon viel Begeisterung und Energie für einen solch zierlichen Menschen und Leana konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. »Schon gut wirklich. Ich war schon überfordert damit ein passendes Kleid zu finden, da Aileen mir erst so spät vom Ball erzählt hatte. Das reicht für mich, aber ich kann es kaum erwarten euch singen zu hören. «

So schnell wollte die Olsen aber nicht aufgeben. »Ach was. Das schaffst du locker. Du kommst nach meinem Interview einfach mit zur Probe. Du wirst sehen das wird super! Damian und ich gehen noch einmal alles durch, da Lee ihre Schicht hat.«

Mehr konnte die Griechin nicht mehr dazu sagen, denn schon war die Pause vorbei und der blonde Wirbelwind hatte sich aus dem Staub gemacht. Was hatte sie sich da bloß wieder eingebrockt? Das würde niemals gut gehen!

Aileen hatte nicht einmal zwei Stunden geschlafen als sie nach Hause gekommen war, denn es gab einfach viel zu viel zu tun. Daher fühlte sie sich eher wie ein Zombie als sie ihre Schicht antrat. Diese Nacht würde sie alleine an der Rezeption arbeiten, denn Samantha wurde gebraucht um in der Bar zu arbeiten, da es wieder einmal zu wenige Leute gab und Ryan diesen Tag frei hatte. Doch sie machte sich darüber keine großen Sorgen, denn was sollte schon groß passieren?

Eine Nachricht von ihrer besten Freundin verriet ihr, dass sie bei der Probe mit Damian und Jennifer gewesen war und sie konnte sich nur zu gut vorstellen, dass sie keine große Wahl gehabt hatte, aber warum denn auch nicht? Immerhin konnte sie gut singen und es wäre bestimmt ein Spaß gemeinsam auf der Bühne zu stehen und zu performen.

 

Der Abend hatte noch lange angedauert und Helena musste zugeben, dass sie durchaus ihren Spaß dabei hatte mit Jennifer und Damian zu proben, aber die Zeit war eindeutig zu kurz und das würde nicht funktionieren. Sie wollte die harte Arbeit der Drei nicht ruinieren indem sie ihren Text vergaß oder sonstige Katastrophen auftraten. Daher sagte sie ihnen ab, aber freute sich, dass sie an sie gedacht hatten.

Den Morgen hatte sie sich heute so gelegt, dass sie einen Termin beim Friseur wahrnehmen konnte. Aileen hatte ihr einen ihres Vertrauens genannt und gerade so hatte er sie noch drangenommen. Es war dringend nötig ihre Spitzen zu schneiden und vielleicht den Ansatz nachzufärben, aber das kam ganz darauf an wie viel Zeit Dustin aufbringen konnte. Leana war dankbar genug überhaupt dran zu kommen. Daher machte sie sich zeitig auf den Weg um nicht auch noch zu spät zu kommen. Zuerst hatte sie überlegt sich einen Wagen zu nehmen, aber sie waren im Hotel vollkommen ausgelastet also fuhr sie mit der U-Bahn und ging das letzte Stückchen zu Fuß.

Unterwegs holte sie sich noch einen Caramel Hot Chocolate und einen Muffin bevor sie den Salon betrat. Es herrschte reges Treiben und es dauerte einige Minuten bis ihre Ankunft bemerkt wurde. Sofort wurde ihr der Mantel abgenommen und ihr ein Platz angeboten wobei sich der Azubi zehn Mal entschuldigte sich nicht eher um sie gekümmert zu haben. Doch ihr machte das nichts aus, denn immerhin konnte sie sehen was alles los war.

Während sie auf einer Couch Platz nahm schrieb sie eine Nachricht an James und Aileen, denn mit ihrer Freundin gab es noch einiges wegen dem Ball zu besprechen und mit James war sie für heute verabredet und sie wollte einfach wissen wie es ihm ging und ob er einen guten Start in den Tag hatte. Natürlich hatte sie auch die Informationen für ihren Termin heute Nachmittag dabei und wollte diesen, wenn sie noch Zeit hatte durchgehen. Das kam nun ganz darauf an wie viel Zeit Dustin hatte und ob ihre Haare auch gefärbt werden würden.

Es dauerte nicht lange bis Dustin zu ihr kam um sich vorzustellen und sie auf ihren Platz zu bringen. Er war ein sehr lebendiger, aufgeweckter Kerl und sie konnte ihn vom ersten Moment an gut leiden. Auch war er sehr bemüht und wollte genau wissen was sie sich vorstellte bevor er einfach loslegte. Doch ihr Plan wurde über den Haufen geworfen als er besserer Vorschläge für sie hatte. Anfangs hatte sie noch bedenken und war sich nicht sicher, aber schließlich stimmte sie zu und ließ ihn einfach machen, denn Aileen hatte ihr versichert, dass er vertrauenswürdig war und er niemals etwas machen würde, was für einen nicht in Frage kam. Also hieß es wohl abwarten und sich überraschen lassen.

Während sich der Braunhaarige an die Arbeit machte ging sie ihre Unterlagen für den Termin durch und schrieb sich einige Anmerkungen auf, die sie später anbringen wollte. Doch es sah danach aus als würde es ein entspanntes Meeting werden. Das konnte sie nun brauchen kurz vor den Feiertagen, denn die letzten Tage hatten ihr völlig ausgereicht. Daher freute sie sich auch schon auf den Ball und den Tag danach, wo sie frei hatte. Sie brauchte diese Zeit um wieder aufzuladen.

Drei Stunden später war sie bei Dustin fertig und konnte es kaum glauben als sie in den Spiegel sah, denn er hatte wahre Wunder vollbracht. Ihre Haare waren um gute vier Zentimeter kürzer und vielen ihr in Wellen über die Schulter. Die Farbe war ein warmes, dunkles Braun und spiegelte einen leichten Rotton wieder wenn das Licht richtig einfiel. Sie war in ihren neuen Look verliebt.

In der Zwischenzeit waren Charles und Vanessa damit beschäftigt noch alle restlichen Punkte für den Ball zu erledigen und auch wenn die Braunhaarige jeden Tag daran gearbeitet hatte gab es noch einiges zu erledigen. Wie auch gewisse Tische für geladene und besondere Gäste zu reservieren. So bekamen die beiden Acts einen gemeinsamen großen Tisch mit ihrer Band. Sowie auch die Investoren und Partner von Charles bekamen ihren eigenen Platz. Die Bar musste überprüft werden und die Techniker wollten sich um den Aufbau kümmern.

Vanessa versuchte alles im Blick zu haben während Charles nebenbei noch ständig Anrufe zu erledigen hatte und die restlichen Einkäufe für Weihnachten und das Familienessen erledigen musste. Es lief mehr hektisch als gesittet ab, aber dennoch schafften sie alle Dinge zu erledigen, die sie sich für diesen Tag vorgenommen hatten.

Lee hatte den halben Tag verschlafen. Die letzten Tage hatten sie mitgenommen und waren anstrengend gewesen. Zwar würde sie liebend gerne mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen, aber es ließ sich nicht so einfach einplanen wie sie es gerne hätte, denn sie konnte sich nicht von heute auf morgen einfach frei nehmen. Aber sie hatten ihr immer wieder versichert, dass sie wussten, dass sie viel zu tun hatte und das kein Problem für sie darstellte.

Oliver hatte sie schlafen lassen als er gegen Mittag nach London gefahren war um zu seinem Dreh zu kommen. Er hatte bemerkt, dass sie den Schlaf brauchte also warum hätte er sie wecken sollen? Für ihn war es wichtig, dass es ihr gut ging und sich nicht übernahm. Dafür liebte sie ihn.

Jedoch musste sie sich wieder auf den Weg nach London machen um ihre Schicht anzutreten. Man könnte meinen, dass es lästig sein müsste jedes Mal eine Fahrt von knappen zwei Stunden auf sich zu nehmen, aber Lee störte es nicht. Das gab ihr Zeit um ihre Gedanken zu sortieren oder einfach nur nachzudenken. Wenn dem nicht der Fall war gab es einfach ein zwei stündiges Privatkonzert. Sie konnte sich nicht beschweren.

Ihr Onkel und ihre Tante hatten ihr bereits eine Nachricht hinterlassen, dass sie unterwegs waren um noch restliche Besorgungen zu machen. Das hieß so viel wie das Aileen heute im Hotel das Sagen hatte. Doch man würde sie nicht an der Rezeption finden sondern an der Bar mit Ryan, denn er hatte zu wenige Leute und sie würde einspringen um ihm zu helfen. Das traf sich auch ganz gut, denn so konnte sie mit ihm über die Feiertage sprechen und ihn zu sich nach Hause einladen, wie sie es mit ihrem Verlobten besprochen hatte.

Bevor sie sich auf den Weg zu Ryan machte hielt sie bei Samantha an der Rezeption an um nach dem Rechten zu sehen, aber es schien alles in Ordnung zu sein. Sie kümmerte sich um die Buchungen und Mails, die eingegangen und noch nicht bearbeitet wurden. Falls sie Hilfe brauchen würde wüsste sie wo Aileen zu finden war.

Ryan hatte bereits alle Hände voll zu tun, denn nachdem er seine Kollegin abgelöst hatte war ihm aufgefallen, dass diese einfach nichts gemacht hatte. Die Kühlschränke waren nicht nachgefüllt, es waren keine Orangen und Zitronen geschnitten und auch sonst war es die reinste Katastrophe. Schon weitem war ihm anzusehen, dass er genervt war.

»Ryan! Ich mach mich gleich auf den Weg und besorge alles, wenn du mir die Liste gibst!«, bot sie ihm auch sogleich an und hielt auffordernd ihre Hand hin.

Grummelnd fuhr er sich durch die Haare. »Hey Lee! Schon gut. Ich kümmere mich darum!« Er schrieb weiter auf seine Liste was aufgefüllt werden musste. »Aber ich wäre dir dankbar, wenn du die Arbeitsflächen abwischen könntest und das Obst schneidest. Wir haben einfach nichts hier.«

Die Blonde nickte und machte sich sofort an die Arbeit. Nebenbei bediente sie auch die Gäste damit Ryan in Ruhe die Liste fertig machen konnte um dann alles zu holen. Es war eine Katastrophe, dass es immer irgendwelche Probleme gab, weil einige Mitarbeiter anscheinend der Meinung waren, dass sie auch für das Nichts-Tun bezahlt werden würden.

Als die Bar schließlich wieder bestückt war lehnte sich Ryan neben sie an den Tresen und seufzte leicht auf. »Tut mir leid, dass ich vorhin so kurz angebunden war, aber ich fasse es nicht, dass man seinen Arbeitsplatz so hinterlassen kann. Immerhin wissen alle wie es aussehen muss und was getan werden muss.« Er nahm einen Schluck von seinem Soda. »Naja immerhin ist jetzt alles da was wir brauchen und wir müssen nicht später alle paar Minuten in das Lager laufen um Nachschub zu besorgen!«

Sie konnte seine Wut und Frustration durchaus verstehen. Ihr würde es auch so gehen, wenn sie ständig hinter ihren Kollegen nacharbeiten müsste. »Mach dir darüber bitte keinen Kopf. Mir ist schon klar, dass es viel zu tun war und gemacht werden musste.«

Er lächelte dankbar und lief eine Runde um die Tische abzuräumen und neue Bestellungen aufzunehmen. Aileen half ihm dabei die Getränke und Cocktails zu mixen und schon war er wieder unterwegs. Sie wartete eigentlich nur noch auf eine Möglichkeit um ihn wegen der Feiertage anzusprechen, aber es ergab sich einfach nicht, da auch das Thema nicht zwischen ihnen aufkam.

Doch die Möglichkeit kam genau in diesem Augenblick durch die Tür, denn Oliver steuerte auf die Bar zu und lächelte breit. Aileen hatte heute Nacht nicht mit ihm gerechnet, denn immerhin waren sie zum Brunch mit Helena und James verabredet. Er begrüßte sie mit einem Kuss und sie stellte ihm ein kaltes Bier an den Tresen.

»Was machst du denn hier? Ich dachte du bist nach Hause gefahren!«, kam es überrascht von der Collins als sie sich lächelnd durch die Haare fuhr.

Oliver zuckte lächelnd mit den Schultern. »Der Dreh hat länger gedauert und ich dachte mir, dann kann ich auch gleich hier bleiben und wir nehmen uns ein Zimmer.« Er schob ihr eine Zimmerkarte zu. »Auch wenn es mir wohl mehr bringt als dir.«

Lachend nahm sie einen Schluck und steckte die Karte in die hintere Hosentasche. »Danke. Soll ich dich morgen wecken?«

»Ich würde mich freuen!«, kam es von ihm mit einem frechen Grinsen als sie auch schon von Ryan unterbrochen wurden. »Ryan! Wie geht es dir?«

Der Braunhaarige begrüßte den Phelps freundlich und nickte. »Soweit ist alles in Ordnung, danke der Nachfrage. Bei dir auch? Freust du dich auf die drehfreien Tage?«

Oliver schlug bei ihm ein. »Gut zu hören!« Es kam ganz gut, dass er auf die Feiertage zu sprechen kam, denn so konnten sie ihm auch gleich ihren Vorschlag unterbreiten. »Ich bin froh etwas Luft zu haben und Zeit für meine Verlobte.« Er strahlte die Blonde an. »Hat sie eigentlich schon mit dir über die Feiertage und unsere Idee geredet?«

Fragend sah Ryan zu Aileen. »Nein, wir hatten wohl noch keine Gelegenheit dazu…«

Lee lächelte leicht und fühlte sich mit einem Mal etwas unsicher. »Nun ja, du hast mir ja beim Essen erzählt wie es bei dir dieses Jahr aussieht und Oli und ich haben darüber geredet. Wir würden uns freuen, wenn du zusammen mit uns allen zum Ball gehst und am nächsten Tag zum Essen kommst.« Vorsichtig sah sie ihn fragend an. »Wir wollen uns nicht aufdrängen oder dir das Gefühl geben, dass du „ja“ sagen musst. Das liegt ganz an dir, aber wir würden uns freuen dich bei uns zu haben.«

Damit hatte der Dunkelhaarige nun nicht gerechnet und im ersten Moment wusste er nicht recht was er sagen sollte. »Das…wow. Das ist wirklich nett von euch, aber ich will nicht in die Zeit mit eurer Familie eindringen. Ich komme schon zurecht.«

Oliver schüttelte den Kopf. »Mach dir bitte keine Gedanken, denn wir haben es dir doch angeboten. Wenn es uns stören würde hätten wir nie ein Wort darüber verloren. Außerdem freuen sich Charles und Vanessa, wenn du kommst!«

Aileen nickte zustimmend. »Charlie freut sich immer, wenn er kochen kann und da passt es ihm gut, wenn wir mehr Leute sind. Außerdem gehörst du für uns zur Familie! Also was sagst du dazu?«

Der Olsen nickte langsam. »Danke für die Einladung. Ich würde mich freuen zu kommen!«

Der Abend war schneller vergangen als es sich Aileen gedacht hatte. Die Gäste waren zahlreich erschienen und es gab nie eine Zeit in denen sie gelangweilt herumgestanden hätten, denn es war immer etwas zu tun gewesen. Als schließlich der letzte Gast gegangen war hatte sie Ryan dabei geholfen aufzuräumen während er die Vorräte aufgefüllt hatte. Aileen hatte die letzte Partie aus dem Geschirrspüler weggeräumt und alles wieder an seinen Platz gebracht. Zuletzt wurden noch die Tische und Ablagen abgewischt und sie konnten in den Feierabend starten. Jedenfalls konnte Ryan nun nach Hause fahren um zu schlafen doch Aileen hatte etwas anderes vor.

Mit dem Aufzug fuhr sie nach oben um ihren Verlobten zu wecken. Mit der Schlüsselkarte aus ihrer Hosentasche verschaffte sie sich Zutritt zum Zimmer, welches im Dunkeln lag. Die Vorhänge waren zugezogen und kein Geräusch ließ vermuten, dass Oliver bereits wach war. Sie tastete sich bis zum Badezimmer vor und schaltete dort das Licht ein um einen Überblick zu bekommen wo sie hingehen konnte. Jedoch stand nichts in ihrem Weg.

Leise schlüpfte sie aus ihren Schuhen und kroch zu ihrem Verlobten unter die Decke. Keine Bewegung von ihm. Er schien tief und fest zu schlafen und daher nicht zu bemerken, dass er nicht mehr alleine war. Es würde eine Herausforderung für Aileen werden ihn wach zu bekommen. Kichernd strich sie ihm eine wirre Haarsträhne aus dem Gesicht und stupste ihm auf die Nase, was von ihm das erste Lebenszeichen vernehmen ließ. Doch noch immer hatte er die Augen geschlossen. Sie versuchte es erneut ehe er die Augen öffnete und sie in eine feste Umarmung zog.

»Guten Morgen, Schlafmütze!«, meinte sie sanft und küsse ihn.

Oliver fuhr ihr durch die Haare und lächelte. »Guten Morgen Schönheit!«

Sie brauchten beinahe eine Stunde als sie endlich mit dem Aufzug nach unten in die Lobby fuhren. Aileen seufzt auf, denn sie waren zu spät dran und sie hasste es unpünktlich zu sein. Das war nicht ihre Art. James und Helena warteten bereits in der Lobby und auch der Fahrer wartete mit dem Wagen vor dem Marbella.

Unzählige Male entschuldigte sich die Collins für die Verspätung während sie mit dem Wagen zum Frühstück fuhren. Es war ebenfalls ein Buffet – ähnlich diesem, welches sie mi ihrer Familie besucht hatte. Genug Auswahl und für jeden Geschmack war hier etwas zu finden. Die Jungs gingen um die acht Mal um ihre Teller zu füllen. Wie konnte man so viel essen ohne zuzunehmen? Diese Frage stellten sich die Mädchen jedes Mal, aber eine Antwort auf diese Frage hatten sie noch nicht gefunden…

Leana nagte an ihrem Croissant. »Bekomme ich einen Hinweis wo es hingeht oder was wir machen? Diese Ungewissheit macht mich fertig!«, meinte sie plötzlich.

Aileen grinste breit. »Du wirst es schon noch früh genug erfahren. Aber ich habe etwas mitgenommen, dass uns vielleicht nützlich sein könnte.«

Mit diesem Hinweis konnte die Griechin nun erst recht nichts anfangen. Es war unfassbar, dass keiner der Drei jemals einen Hinweis hinterlassen hatte oder sich verplappert hatte. Doch lieber wäre es ihr gewesen, denn so würde sie vielleicht schon wissen was ihr heute bevor stand. Jedoch hatte sie keinerlei Anhaltspunkte also konnte sie auch nicht raten…

Auch James grinste bis über beide Ohren. »Es dauert nicht mehr lange. Also das wirst du auch noch abwarten können. Immerhin liegst du mir schon seit Tagen damit in den Ohren.«

Die Drei ließen sich mit Absicht alle Zeit der Welt mit ihrem Frühstück bevor sie bezahlten und weiterfuhren. Helena sah neugierig aus dem Fenster, aber das half ihr auch nicht weiter, denn woher sollte sie so wissen wo es hinging? Sie lebte nicht hier und hatte keine Ahnung wo sie eigentlich waren.

Oliver lachte auf. »Deine Neugierde wird in guten fünf Minuten gestillt werden.«

Langsam wurde auch Aileen nervös, denn hoffentlich freute sich ihre beste Freundin über die Überraschung. Sie hatten so oft darüber geredet gemeinsam einen Ausflug dorthin zu machen, aber es hatte sich bisher noch nie ergeben. Doch heute war der Tag gekommen und es würde noch besonderer werden als sie sich damals vorgestellt hatten, denn sie bekamen eine private Tour von James und Oliver.

Als der Wagen schließlich hielt und Leana das Logo der Harry Potter Studios lesen konnte quiekte sie begeistert. Das war die beste Überraschung die man ihr machen konnte. Daran hatte sie überhaupt nicht mehr gedacht. Oft hatte sie mit Aileen darüber gesprochen, dass sie gemeinsam nach London fliegen würden um die Studios zu besuchen, aber bisher war es ihnen nie gelungen. Nun war es soweit. Ein Traum ging in Erfüllung.

»Ist nicht wahr? Damit hab ich echt nicht gerechnet«, meinte Leana begeistert als sie ausstieg.

Aileen grinste bis über beide Ohren. »Nun ja, wir haben immer darüber geredet und ich dachte mir ich mache Nägel mit Köpfen. Und nun sind wir hier!« Sie drehte sich einmal um ihre eigene Achse. »Noch dazu bekommen wir eine private Führung von Mr. George und Mr. Fred Weasley!«

Zum Glück war die Überraschung geglückt und während sich die Zwillinge um alles kümmerten holte Aileen den Gyffindor- und Hufflepuffumhang aus der Tasche. Die Mädchen prusteten los und konnten sich kaum wieder beruhigen, aber dennoch zogen sie beide die Umhänge über. Immerhin mussten sie ihre Häuser repräsentieren. Es wäre ungeheuerlich in Muggelklamotten Hogwarts zu betreten.

Die Zwillinge waren sofort in ihrem Element und besorgten ihnen sogar noch Zauberstäbe. Natürlich hatten sie ihre eigenen dabei, welche sie am Set damals mitnehmen durften, aber die Mädchen bekamen die Zauberstäbe von Ginny Weasley und Nymphadora Tonks. So waren sie perfekt ausgestattet um Hogwarts und die Winkelgasse zu besuchen.

Unzählig viele Eindrücke strömten auf die Mädchen ein und sie konnten es beide nicht glauben, dass sie tatsächlich hier waren. Außerdem waren die Studios extra von einigen Mitarbeitern geöffnet worden damit sie ihre eigene Tour bekommen konnten, denn über Weihnachten hatten sie eigentlich geschlossen. Daher war es noch um einiges besser. Es gab viel zu erzählen und die Jungs erzählten ihnen auch von den Drehtagen und was alles hinter den Kulissen losgewesen war. Sie konnten sich beide vorstellen, dass es bestimmt cool gewesen wäre Teil davon zu sein.

Der Vormittag verging wie im Flug, da sie nicht auf die Zeit achteten sondern sich ganz und gar auf das Set konzentrierten und einige Fotos machten. Sie hatten alle ihren Spaß und genossen die gemeinsame Zeit. Ihre Umhänge ließen sie jedoch an als sie wieder in den Wagen stiegen, denn sie würden noch nach Kings Cross fahren um im Laden etwas Merch zu kaufen. Außerdem mussten sie noch ein Foto mit dem Gepäckwagen machen. Die Zwillinge würden jedoch solange im Wagen warten, denn ansonsten würden sie nie mehr den Bahnhof verlassen.

Die Schlange um ein Foto zu machen war ewig lange und sich anzustellen würde Stunden dauern daher beschlossen sie nur den Laden zu besuchen und zu shoppen. Am liebsten hätten sie einfach alles eingepackt doch dafür fehlten der Platz und das Geld. Dennoch sahen sich die Mädchen genauer um und das ein oder andere Teil tauchte in ihrem Einkaufskorb wieder auf. Am Ende konnten die Freundinnen mit jeweils zwei Tüten den Laden verlassen. Unter Umständen hatten sie etwas übertrieben, aber wenn sich die Möglichkeit ergab sollte man diese auch nutzen.

Oliver und James lachten auf als die Beiden zurückkamen und stolz ihre Tüten präsentierten.

»Es reicht wohl nicht einen Charakter aus dem Film zuhause zu haben, oder?«, kam es schmunzelnd von Oliver und Lee boxte ihm gegen den Arm.

Sie verstaute die Sachen im Kofferraum. »Soll das ein Scherz sein? Man kann nie genug Notizbücher und Hogwarts Inspiration haben.«

James hielt sich schön aus der Sache raus und nahm Helena ihre Tüten ab um sie ebenfalls in den Kofferraum zu legen. »Schön und gut. Streitet euch ein anderes Mal darüber. Wir sollten los, wenn wir unseren Tisch noch haben wollen!«

Die Jungs hatten für das späte Mittagessen einen Tisch in einem Restaurant gebucht, welches mehr im teureren Kreis lag, aber für die Zwillinge war es das allemal wert, wenn sie ihre Mädchen ausführen konnten. Außerdem gab es noch eine Überraschung von ihnen welche alle beide betrafen. Nicht einmal Aileen wusste etwas davon und Oliver war gespannt wie sie reagieren würde.

Der Kellner fragte bei ihrem Eintreten nach dem Namen der Reservierung und sah in seinem Computer nach bevor er freundlich nickte. »«Bitte folgen Sie mir. Ihre weiteren Gäste sind bereits eingetroffen.«

Aileen zog fragend eine Augenbraue nach oben, denn von weiteren Gästen wusste sie nichts. Oliver hatte kein Wort darüber verloren, aber es konnte nichts Gutes bedeuten, denn die Zwillinge grinsten beide wie ein Honigkuchenpferd.

Auch Helena sah fragend zwischen ihnen hin und her und wurde wieder nervös als sie bemerkte, dass auch ihre beste Freundin keine Ahnung hatte was das zu bedeuten hatte. Doch kurz darauf kamen sie auch schon bei ihrem reservierten Tisch an und wie angewurzelt blieb sie stehen. Das war doch wohl ein Scherz? Das konnten die Jungs nicht allen Ernstes gemacht haben, oder? Aber anscheinend doch.

James und Oliver hatten einige ihrer Schauspielerkollegen vom Harry Potter Set eingeladen, welche alle aufstanden um die Neuankömmlinge freundlich zu begrüßen. Aileen hatte die meisten bereits auf einer Feier der Phelps kennengelernt, aber mit Maggie Smith und Julie Walters hatte sie selbst noch nicht das Vergnügen gehabt und wusste selbst nicht recht wie sie reagieren sollte. Helena hingegen war komplett überfordert und wusste kaum noch was sie sagen sollte. Als hätte sie jegliches Wort auf Englisch verlernt.

Alle stellten sich freundlich vor und begrüßten sich gegenseitig bevor sie Platz nahmen und bestellten. Nachdem sie von Aileen bereits so gut wie alles wussten waren sie recht neugierig auf Helena, welche sich hilfesuchend unter dem Tisch an Lee klammerte.

»Aileen hat uns erzählt, dass du aus Griechenland kommst, Helena«, meinte Evanna interessiert. »Wie kommt es dann, dass du dich nun schon seit beinahe einem Monat hier in London aufhältst?«

Die Griechin versuchte sich zu sammeln und ruhig zu bleiben. »Beruflich arbeite ich als Dolmetscherin. Und es hat sich ergeben, dass in London einige Anfragen bestanden, die sich gut einplanen ließen.« Sie nahm einen Schluck von ihrem Wein. »Mein Chef hat die Aufträge für unsere Agentur gewinnen können und hat mich nach London geschickt. So hat es sich ergeben, dass ich auch Zeit mit meiner besten Freundin einplanen konnte.«

Die Kollegen der Jungs schienen schwer beeindruckt von ihr zu sein.

»Also kennen Aileen und du euch schon länger?«, fragte Tom nach.

Lee lächelte breit. »Wir kennen uns über zwölf Jahre, denn wir sind zusammen auf die gleiche Schule gegangen und waren in derselben Klasse. Leana ist meine beste Freundin und das wird sie auch immer bleiben!« Aufmunternd lächelte sie ihr zu.

Bonnie lächelte. »Ich finde es schön, dass ich über die Zeit und Entfernung nie den Kontakt zueinander verloren habt. Das ist echt gold wert.« Sie nahm einen Bissen. »Außerdem sind die Jungs auch schwer von dir begeistert. Sie haben mir auch schon vieles von dir erzählt!«

Damit meinte sie wohl James, denn Bonnie zwinkerte ihr grinsend zu. Hervorragend! Also wusste ohnehin schon jeder, dass zwischen ihnen etwas lief, aber hatte er auch mit ihnen darüber geredet, wie es weitergehen sollte, wenn sie wieder nach Griechenland fliegen musste? Denn dieses Gespräch hatten sie bisher noch nicht geführt und ihr graute davor…

Der Nachmittag war lustig und interessant. Sie erfuhren weitere Details von den Harry Potter Filmen und was sich im Hintergrund alles abgespielt hatte. Außerdem hatten Tom und Bonnie viele Geschichten über die Zwillinge zu erzählen. Es war perfekt! Ein weiterer Tag, den sie nicht so schnell vergessen würden. Besonders, da er auch auf Fotos festgehalten wurde. Leana hatte mit jedem von ihnen ein Einzelfoto und auf den spontanen Fotos sah man sie immer mit unterschiedlichen Leuten zusammen sitzen. Es war gemütlich und schön gewesen.

Für einen Tag war es dennoch viel an Erfahrungen und Erlebnissen, welche sie zu verarbeiten hatten. Daher beschloss die kleine Vierergruppe den Abend im Kino ausklingen zu lassen. Der neue Film vom Emilia Clarke schien der Renner zu sein und sie holten sich vier Karten für Last Christmas. Das war genau das Richtige um die Eindrücke des Tages zu verarbeiten.

Es war bereits weit nach Mitternacht gewesen als Aileen und Oliver nach Hause gekommen waren, aber der Tag hatte sich definitiv ausgezahlt. Dennoch waren beide todmüde ins Bett gefallen und hatten sofort eingeschlafen. Aileen hatte es nicht einmal mehr geschafft sich abzuschminken und würde es am Morgen definitiv bereuen, aber sie wollte einfach nicht mehr aufstehen. Konnte man es ihr übel nehmen?

Jedoch hatte sie vor der Heimfahrt noch bei ihrem Großvater vorbei gesehen, denn dieser hatte am Samstag seinen Geburtstag gefeiert und natürlich musste sie ihn mit einem kleinen Kuchen und einem Geschenk überraschen. Sie hatte ihn unendlich lieb und war froh ihn noch zu haben und dass es ihm gut ging.

Nach den letzten Tagen konnte sie endlich wieder einmal ausschlafen und sie fühlte sich wie ein neuer Mensch als sie gegen elf Uhr mittags endlich wach wurde. Das war ein Zeichen für sie, dass sie den Schlaf dringend benötigt hatte, denn im Normalfall schlief sie nie so lange. Langsam schälte sie sich aus dem Bett und streckte sich einmal durch. Oliver hatte ihr an der Tür eine kleine Nachricht hinterlassen und sie lächelte. Er war einfach zu süß für diese Welt. Gähnend machte sie sich auf den Weg nach unten in die Küche um sich Kaffee zu machen und band dabei ihre Haare zu einem unordentlichen Dutt nach oben. Die Kekse, welche sie mit ihrem Onkel gebacken hatte standen in ihrer Dose auf dem Tisch und diese würden ihr als kleiner Snack reichen, denn später würde sie sich mit ihren Eltern zu einem späten Frühstück treffen.

Während der Kaffee durch die Maschine in die Tasse lief huschte sie wieder nach oben um sich umzuziehen. Zuerst wollte sie sich in gemütliche Klamotten werfen, aber danach müsste sie sich erst recht wieder umziehen. Daher wurde es eine Leggins und ein Sweaterkleid. Fehlten nur noch ihr Schmuck und die Uhr. Soweit war sie dann fertig bis auf das Make-up, welches noch warten konnte.

Sie hatte sich vorgenommen die Zeit zu nutzen um das Haus zu dekorieren und die Geschenke einpacken, denn heute hatte sie die letzte Möglichkeit dazu. In diesem Moment war sie froh, dass sie sich am Anfang des Monats mit Helena den Tag genommen hatte um die Geschenke zu besorgen, denn ansonsten würde sie jetzt ziemlich blöd dastehen. Über ihre Anlage ließ sie Weihnachtslieder laufen und sang lautstark mit während sie alles einpackte und mit Namensschildern versah. Eine Verwechslung wäre nicht gerade gut gewesen, denn es für jeden ihrer Liebsten etwas bestimmtes womit kein anderer etwas anfangen konnte.

Als das geschafft war brachte sie die Päckchen nach draußen in den Wagen, denn die Bescherung würde bei Charles zuhause stattfinden, da auch er das große Familienessen veranstaltete. Daher hatten sich Aileen und Oliver auch dafür entschieden sich dieses Jahr keinen Weihnachtsbaum anzuschaffen, denn dieser würde einfach nur im Haus stehen und sie würden ihn kaum zu Gesicht bekommen. Umso mehr freute sie sich auf den Baum im Haus ihres Onkels und ihrer Tante, denn diese legten sich immer besonders ins Zeug.

Aileen holte die Dekoration aus dem Keller und machte sich an die Arbeit. Singend und tanzend hüpfte sie durch das Haus und verwandelte es in ein kleines Winterwunderland. Es war nicht übertrieben, aber man konnte den Geist von Weihnachten spüren, wenn man sich nun bei ihnen umsah. Genau so sollte es sein. In der Zwischenzeit hatte sie ihre dritte Tasse Kaffee und saß nun an ihrem Schminktisch um sich fertig zu machen. Ihre Mutter hatte sie bereits angerufen und sie hatten sich für drei Uhr im Hotel Restaurant verabredet. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass sie sich beeilen musste um es noch pünktlich zu schaffen.

Gerade noch rechtzeitig kam Aileen im Hotel an und ihre Familie wartete bereits in der Lobby auf sie. Ihre Tante hatte noch daran gedacht einen Tisch zu reservieren und sie nahmen alle Platz. Aileen war wieder einmal froh, dass sie nun alle um sich hatte und die Feiertage mit ihnen genießen konnte, denn das war ihr immer schon wichtig gewesen. Die Familie! Man konnte sie sich zwar nicht aussuchen, aber ohne sie wäre man genauso gut verloren. Daher sollte man dankbar sein und schätzen was man hatte.

Als alle bestellt hatten und langsam Ruhe einkehrte wandte sich das Thema wieder der Hochzeit zu. Jeder wollte wissen wie weit sie mit den Vorbereitungen waren und ob es was Neues gab.

Lee lachte leicht auf. »Es läuft langsam voran, aber diesen Monat war alles etwas stressig. Die Vorbereitungen für den Ball, die Weihnachtszeit im Allgemeinen und dann war auch noch Onkel Charlie krank und ich hatte gefühlt tausend Aufgaben mehr zu erledigen.« Sie strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr. »Aber die Einladungen sind verschickt, der Menüplan steht eigentlich, wir haben Blumen ausgesucht und wir waren im Brautladen.«

Marlena sah ihre Tochter mit großen Augen an und auch Samantha hielt für einen Moment inne. »Du hast bereits nach Kleidern gesehen? Und wann bekommen wir die Chance mit dir hinzugehen?«

Natürlich wollte sie gemeinsam mit ihrer Mutter, ihrer Tante und ihrer Cousine noch einmal hingehen, denn ohne sie würde Aileen ohnehin keine Entscheidung treffen. »Ich dachte nach den Feiertagen könnt ihr mitkommen. Wir haben am ersten Jänner Wochenende einen Termin. Dann kann ich euch die Braujungfernkleider zeigen, die wir ausgesucht haben und Ana kann ihres anprobieren!«

Sofort waren alle einverstanden und Aileen wollte alles wissen was sie in ihrer alten Heimat vermisst hatte. So erfuhr sie, dass ihre ehemaligen Nachbarn sich hatten scheiden lassen, eine alte Schulkollegin von ihr schwanger war und das der Sohn einer Freundin ihrer Mutter ins Ausland gegangen war und alle Fäden zu seinen Liebsten gekappt hatte. Lief doch alles so wie immer.

Ihre Familie hatte nach dem Essen eine Tour mit Leigh durch London um die Sehenswürdigkeiten zu sehen und mehr über die Geschichte zu erfahren und Aileen machte sich auf den Weg zur Probe mit Jennifer und Damian. Der Ball kam immer näher und sie wollten sicher gehen, dass alles glatt lief und keiner seinen Text vergaß oder von der Bühne fiel.

Als Lee in den Veranstaltungssaal kam wartete Jennifer bereits auf sie und saß auf der Bühne. Sie sah alles andere als erfreut aus – eher panisch. Kaum erblickte sie die Collins sprang sie auf und lief auf sie zu.

»Wir haben ein ernsthaftes Problem! Damian ist krank und kann nicht mit uns auftreten!«, sprudelte es auch schon aus der Olsen hervor und sie fuhr sich durch die Haare.

Mit großen Augen sah Lee ihre Freundin an. »Wie bitte? Was hast du eben gesagt?«

Das konnte und durfte nicht wahr sein… Was sollten sie denn jetzt machen? Alle Lieder waren so eingeteilt und aufgebaut worden, dass sie nur zu dritt zu performen waren. Das konnten sie nun vergessen, aber wie sollten sie innerhalb von zwei Tagen eine neue Show auf stellen? Immerhin war die Frist auch vorher schon beinahe zu kurz gewesen.

»Brianna hat es heute am Set unserem Regisseur gesagt, welcher natürlich den Drehplan des Tages ändern musste und so habe auch ich davon erfahren«, meinte Jenn. »Was sollen wir denn jetzt machen? Wir können doch nicht von einer Sekunde auf die Andere eine neue Show zusammenstellen oder? Das ist verrückt.«

Die Beiden setzten sich auf die Bühne und versuchten einen Weg zu finden um das alles zu klären. So kurzfristig konnten sie Vanessa nicht absagen. Zum einen hätte sie wieder eine Lücke, die sie füllen musste und zum anderen wäre sie mit Sicherheit enttäuscht. Daher hatten sie keine andere Möglichkeit als sich eine neue Setliste zusammen zustellen und zu proben wie die Verrückten. Auch wenn sie die Nacht durcharbeiten müssten.

»In Ordnung. Ich besorge uns Kaffee und dann machen wir uns an die Arbeit eine neues Set zusammenzustellen und dann heißt es Proben!«, meinte Aileen schließlich und Jenn stimmte ihr zu und wollte noch kleine Snacks bestellen.

Aileen sagte im Restaurant Bescheid und ließ den Kaffee in den Veranstaltungssaal bringen während sie selbst ihrem Onkel einen Besuch abstattete, denn durch die momentanen Umstände könnte sie dringend ein paar freie Tage brauchen auch wenn sie wusste, dass es nicht gerade günstig war. Dennoch verstand Charlie das Problem und es war kein Problem für ihn seiner Nichte die freien Tage einzutragen. So musste sie sich nicht auch noch darum kümmern neben den Proben irgendwie zur Arbeit zu kommen.

Als sie zurück kam war Jennifer nicht mehr alleine, denn sie hatte Helena bei sich. Was für eine Überraschung! Die beiden erzählten ihr von der gemeinsamen Probe und da hatte Jennifer die Idee, dass sie Leana noch mit ins Boot holen könnten, denn jetzt mussten sie ohnehin alles umplanen und wenn sie zu Dritt waren wäre es viel einfacher. Lee freute sich darüber, denn sie liebte es mit ihrer besten Freundin zu singen und gemeinsam aufzutreten würde sicher Spaß machen.

Schon setzten sich die Drei zusammen und versuchten einige Lieder zu finden, die zum Ball passen würden und die sie auch schnell einüben konnten, denn ihnen lief die Zeit davon. Es war auch nicht leicht, den Geschmack von allen zusammen zu bringen, aber als sie einen gemeinsamen Nenner fanden wurde es immer leichter Songs zu finden und als sie mit ihrer Auswahl zufrieden waren wurden die Texte eingeteilt und sie fingen an zu proben.

Die ersten Versuche waren eine Katastrophe. Sie verwechselten ihre Parts und sie sangen zu zweit oder keiner fühlte sich für einen Part verantwortlich. James und Oliver brachten ihnen in der Zwischenzeit auch etwas zu essen vorbei, denn sie wussten von den Mädchen was los war und konnten sich nur zu gut denken unter welchem Druck sie im Moment standen. Sie hielten sich auch nicht lange auf um die Proben nicht unnötig zu verzögern und zu stören.

Es war bereits nach zehn Uhr abends als sie einen Durchgang schafften ohne Zwischenfälle oder Probleme. Ein leichter Hoffnungsschimmer zeigte sich.

»Wir schaffen das schon! Auf der Bühne halten wir zusammen und kriegen das schon hin«, kam es schließlich von Aileen. »Unter anderen Umständen wären wir auch viel entspannter, aber wir müssen es nun so nehmen wie es gekommen ist. Ich bin mir sicher wir schaffen das.«

Helena nahm einen Schluck von ihrer Wasserflasche. »Das hier ist eine Ausnahmesituation. Ist verständlich, dass wir angespannt sind, aber ich denke auch, dass es auf der Bühne dann anders aussehen wird und wir uns gegenseitig da durchhelfen werden.«

Jennifer nickte zustimmend und setzte sich auf den Bühnenrand. »Ich bin echt froh, dass ich das mit euch zusammen mache. Wir kriegen das hin und es wird ein super Abend.«

Sie aßen noch etwas von der inzwischen kalten Pizza bevor sie sich noch einmal an einen Durchgang wagten. Es würde alles andere als einfach werden, aber sie würden es schaffen. Schon alleine an diesem Nachmittag hatten sie viel geschafft und auch morgen konnten sie den Tag noch zum Proben nutzen. Alles würde gut gehen. Sie mussten nur daran und an sich selbst glauben.

Todmüde und erschöpft fiel Aileen ins Bett. Es war halb zwei Uhr morgens und sie war erleichtert, dass sie im Hotel nun für einige Tage frei hatte. So konnte sie Zeit mit ihrer Familie verbringen und sich heute und morgen noch auf den Ball konzentrieren. Danach würde hoffentlich wieder etwas Ruhe einkehren, denn dieser Stress machte sie auf Dauer fertig zu zerrte an ihren Kräften. Doch nun hatte sie ein paar Tage, die sie mit ihren Liebsten verbringen konnte und darauf freute sie sich. Auch Oliver und der Cast hatten nun freie Tage bis zur zweiten Jänner Woche, wo der Dreh dann weitergehen würde. Das bedeutete, dass auch die Beiden Zeit zusammen genießen konnten ohne die Uhr im Auge zu behalten.

Oliver wurde vor seiner Verlobten wach und schlich sich leise aus dem Zimmer um sie nicht zu wecken, denn er hatte eine kleine Überraschung für sie. Auch wenn sie besprochen hatten sich keinen Baum zuzulegen hatte er gestern kurzerhand noch einen gekauft, denn sie verdienten es sich wohl zu fühlen und alle Klischees von Weihnachten in ihrem Haus zu zeigen. Nun wo sie auch freie Tage hatte zahlte es sich definitiv aus einen Baum aufzustellen und den Platz hatten sie dafür.

Daher machte er sich eine Tasse Kaffee und holte den Tannenbaum aus dem Garten und stellte ihn mit dem Kreuz auf. Er war eher kleiner geraten, aber er fand, dass gerade das seinen Charme ausmachte. Oliver hatte auch noch Schmuck besorgt und machte sich an die Arbeit. Er wollte Aileen mit einem fertigen Baum überraschen also konnte er nur hoffen, dass sie noch lange genug schlief, denn so konnte er ihr dann auch noch Frühstück ans Bett bringen.

Als er nach einer guten Stunde zufrieden sein Werk bewunderte schlief die Collins immer noch tief und fest weshalb sich Oliver in die Küche begab um eine kleines Frühstück zusammen zustellen. Er backte frische Brötchen im Ofen auf während er das Obst schnitt und Organen auspresste. Nachdem er alles was er brauche auf dem Tablett zusammengestellt hatte machte er sich auf den Weg nach oben ins Schlafzimmer. Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen als er seine Verlobte tief schlafend im Bett liegen sah, doch als er versuchte die Türe hinter sich zu schließen wurde sie wach.

»Guten Morgen!«, meinte der Phelps lächelnd und stellte das Tablett auf seinem Nachttisch ab.

Aileen streckte sich einmal durch und sah ihn noch etwas verschlafen an. »Morgen, wie lange bist du denn schon wach?« Sie setzte sich im Bett auf und lehnte sich an das Bettende.

Er setzte sich neben sie und platzierte das Tablett zwischen ihnen bevor er ihr einen Kuss gab. »Über eine Stunde. Daher dachte ich mir ich bringe dir Frühstück. Hast du gut geschlafen?«

Ein Lächeln zierte ihre Lippen als sie sich ihre Kaffeetasse nahm. »Womit habe ich dich bloß verdient?« Sie nahm sich ein Brötchen und beschmierte es mit Nutella. »Wie ein Stein. Ich war gestern echt fertig. Habe ich dich geweckt als ich nach Hause gekommen bin?«

Oliver hatte nicht mitbekommen wann seine Verlobte nach Hause gekommen war, aber es musste spät gewesen sein, denn gegen halb eins war er zu Bett gegangen. »Keine Sorge, ich kann nicht einmal sagen wann du gekommen bist.« Er nahm sich den Obstsalat. »Lief eure Probe gestern noch gut? Ich kann mir vorstellen, dass es nicht leicht für euch ist im letzten Moment alles neu einzustudieren und zu proben.«

Lee seufzte auf, denn es war eindeutig mehr Stress als dass es Spaß machte. »Es lief zum Schluss schon recht gut. Wir setzen uns heute noch einmal zusammen um zu üben und hoffen morgen einfach auf das Beste.« Vorsichtig nahm sie einen Schluck von ihrem Kaffee. »Wann fährst du los um Susan und Martyn zu holen? Ich wäre gerne mitgefahren, aber wir brauchen jede freie Minute um zu proben«, meinte sie entschuldigend.

Für den Phelps war es kein Problem, dass er alleine losfahren würde um seine Eltern zu holen. Immerhin würden sie sich später ohnehin alle im Marbella treffen. Da machte die Fahrt alleine auch nicht mehr viel aus. »Mach dir keine Gedanken, Liebling. Außerdem fährt James mit mir, denn Leana hat durch eure Proben ohnehin keine Zeit für ihn.«

Beide lachten auf und frühstückten gemütlich ehe sie sich fertig machten. Oliver würde James abholen und dann nach Sutton Coldfield fahren und Aileen würde sich auf den Weg nach London machen um sich mit Leana und Jennifer zu treffen. Es gab noch einiges zu tun.

Lea war diesen Morgen von Charlie zum Frühstück eingeladen worden was sie wirklich lieb von ihm fand. Sie wäre auch alleine gegangen oder hätte sich der Familie Collins angeschlossen, aber seiner Einladung wollte sie nicht absagen. Außerdem freute sie sich. Er war immer schon sehr nett zu ihr gewesen und hatte aufgenommen als wäre sie eine Tochter oder Nichte für ihn. Wie in einer zweiten Familie. Das schätzte sie sehr an ihm.

Charles freute sich darüber, dass sie seine Einladung angenommen hatte. In der Zeit wo sie nun hier war hatte er kaum Zeit gehabt sich mit ihr zu unterhalten und das tat ihm leid. Er wollte nicht, dass sie sich vernachlässigt fühlte oder das Gefühl hatte, dass sie ihm nicht mehr wichtig war. Daher hatte sich den Vormittag frei genommen um mit ihr zu reden. Seit sie nach Griechenland zurückgezogen war hatte er sie nicht mehr gesehen.

»Guten Morgen, Leana!«, meinte er freundlich als sie auf ihn zukam. »Freut mich, dass du die Zeit gefunden hast um mit mir zu frühstücken. Ich hoffe ich habe nicht deine Pläne über den Haufen geworfen.«

Lea lächelte breit und setzte sich mit ihm an einen Tisch. »Sei nicht albern. Ich habe mich gefreut.«

Charlie war erleichtert. »Vermisst du Griechenland bereits oder kannst du von London noch nicht genug kriegen?«

Die Griechin füllte sich Tee in ihre Tasse und schmunzelte. »Ich liebe Griechenland. Es ist meine Heimat, keine Frage. Aber London war immer schon mein Traum. Ich fühle mich hier so wohl. Außerdem gibt es einige Gründe, die darauf schließen würden, dass ich hier bleibe.«

Anscheinend hatte sie bereits darüber nachgedacht Griechenland hinter sich zu lassen. Charles fand es beeindruckend, dass sie nach ihrem Abschluss zurückgezogen war und sich dort ein Leben aufgebaut hatte. Das war bestimmt nicht leicht gewesen und sie war dort auf sich alleine gestellt. Ihre Familie lebte in Österreich und war nicht gleich um die Ecke, wenn sie Sehnsucht hatte oder einen Rat brauchte.

»Du weißt, dass du hier bei uns immer ein zuhause hast. Für uns gehörst du zur Familie«, kam es aufrichtig von dem Collins.

Helena lächelte dankbar. »Ich weiß das zu schätzen, vielen Dank.« Sie kaute leicht auf ihrer Unterlippe. »Aber ich weiß nicht was ich machen soll. Mein Leben in Griechenland kann ich doch nicht einfach stehen und liegen lassen und kopfüber nach London ziehen. Es müsste so vieles geplant werden.« Nervös spielte sie mit den Ringen an ihren Fingern. »Zuerst bräuchte ich eine Wohnung und einen Job. Außerdem müsste ich zusehen, dass ich zuhause aus meinem Vertrag des Appartements rauskomme und mein Chef mich kündigen lässt ohne weitere Probleme..«

Viele Gedanken schwirrten in ihrem Kopf herum und sie wusste nicht wie sie diese sortieren sollte…

Charlie konnte sich vorstellen, dass es viel zu tun gab falls sie sich entscheiden sollte nach London zu ziehen, aber alle Dinge und Gründe, die Lea ihm aufzählte waren nicht der Grund für ihre endgültige Entscheidung. Es ging hier viel mehr um sie und James und das sie nicht wusste ob sie den Sprung wagen sollte oder nicht.

Vorsichtig sah er sie an. »Das sind alles Gründe, die man durch logisches Denken und gute Organisation auf jeden Fall lösen konnte. Aber ich denke dir geht es tief im Inneren um etwas ganz anderes weshalb du dich nicht entscheiden kannst.« Er nahm einen Schluck von seiner Tasse. »Denkst du nicht auch, dass es eher um dich und James geht?«

Damit hatte er natürlich direkt ins Schwarze getroffen. Der Phelps war in ihr Leben getreten und alles hatte sich für sie verändert. Gerechnet hatte sie nicht damit, dass sie sich in diesem Monat verlieben würde und dann auch noch ausgerechnet in einen britischen Schauspieler. Das konnte nur ihr passieren. Warum hatte sie nicht einfach ihre Arbeit machen können. In Griechenland hatte sie sich ein Leben aufgebaut mit dem sie recht zufrieden war und nun das. In den letzten Wochen hatte sie nicht einmal an die Strände oder das Meer gedacht. Nur an dieses Lächeln mit den Grübchen und diese braunen Augen. Es war zum Verrückt werden.

»Nichts davon hatte ich geplant. Und jetzt sitze ich hier. Knappe zwei Wochen vor meiner Abreise und habe keine Ahnung was ich machen soll«, meinte sie seufzend. »Ich weiß doch nicht einmal was das zwischen James und mir ist. Bin ich für ihn einfach nur ein Flirt oder ist es ihm ernst? Ich will nicht mein Leben in Griechenland aufgeben nur um dann herausfinden zu müssen, dass ich nur eine Gelegenheit für ihn war.« Es wurde langsam Zeit, dass sie sich alles von der Seele redete.

Charles lächelte. »Wenn du mich fragst, wie es für mich aus meinem Blickwinkel aussieht, dann kann ich dir sagen, dass James verrückt nach dir ist. So ausgeglichen und gutgelaunt haben wir ihn schon ewig nicht mehr gesehen.« Aufmunternd sah er die Pantagiota an. »Du bist ihm wichtig. Und ihr zwei solltet euch darüber unterhalten wie es weitergehen soll und was das zwischen euch ist damit ihr einen nächsten Schritt wagen könnt. Damit fällt dir auch die Entscheidung leichter ob du zurückfliegst oder es eine Zeit lang mit London versuchst!«

War es wirklich so offensichtlich was zwischen Leana und James vor sich ging, dass es jeder bemerkte nur die Beiden nicht? Doch sie war dankbar, dass Charles ihr zugehört hatte und ihr einen guten Rat mitgeben konnte, denn er hatte Recht. Sie musste mit James reden, auch wenn sie lange Zeit nun versucht hatte dieses Gespräch zu verdrängen oder hinauszuzögern. Sie brauchte Gewissheit um zu wissen wie ihr Leben weiter aussehen würde.

Am späten Vormittag trafen sich die Mädchen schließlich um erneut zu proben. Heute waren sie alle besserer Dinge und hatten mehr Hoffnung in ihre Sache. Die ersten beiden Durchgänge liefen etwas holprig, aber mit jedem Versuch wurden sie besser. Die Einteilung lief ohne Probleme und auch die Harmonien stimmten perfekt. Vielleicht würde der morgige Tag doch nicht so schlimm laufen, wie sie noch gedacht hatten. Die Hauptsache war, dass sie Spaß hatten.

»Das war echt toll! Heute lief es viel besser als gestern«, meinte Jennifer begeistert als sie einen Schluck von ihrer Flasche nahm.

Die Beiden stimmten ihr zu. »Wir werden morgen unseren Spaß haben und so performen wie gerade eben. Dann kann nichts mehr schief gehen!«, kam es grinsend von Aileen.

»In Ordnung. Sollen wir morgen Vormittag noch einmal proben? Danach können wir uns auf meinem Zimmer fertig machen, wenn ihr wollt!«, schlug Helena vor und alle waren mit dem Vorschlag einverstanden.

Nach weiteren drei Durchgängen ließen sie es schließlich bleiben und Jennifer machte sich auf den Weg nach Hause während Aileen und Helena sich auf den Weg in das Büro von Charlie machten. Die gesamte Collins-Phelps Familie hatte es sich mit Kaffee, Tee und Keksen gemütlich gemacht. Es war ein gemütlicher Nachmittag, wo sich alle unterhielten und Neuigkeiten austauschten. Helena wurde James und Olivers Eltern vorgestellt und sie verbrachten alle eine ruhige Zeit zusammen bevor sich die Gruppe aufteilte.

Aileen und Oliver fuhren nach Hause, denn sie wollten noch ihre Sachen zusammenpacken, da sie den morgigen Tag im Hotel übernachten würden. James blieb bei Helena im Hotel und die Familien gingen zurück auf ihre Zimmer. Alle wollten ihren Abend alleine verbringen, denn morgen würde der Ball stattfinden und dafür würden sie genug Vorbereitung brauchen.

Zum gefühlt vierten Mal lief Aileen nun schon durch das Haus und überlegte ob sie nun wirklich alles ins Auto gebracht hatten was sie brauchen würden. Ständig hatte sie das Gefühl etwas vergessen zu haben, aber auch Oliver hatte ihr drei Mal versichert, dass alles im Wagen war. Schließlich gab sie es auf und schlüpfte in ihren Mantel und ihre Boots. Würde schon schief gehen. Schon am Vortag hatten sie beschlossen mit dem Wagen von Aileen zu fahren, aber die würde heute nur den Beifahrer spielen, denn ihr Verlobter hatte darauf bestanden zu fahren. Da wollte sie sich nicht beschweren.

Sie hatten sich im Marbella für die Nacht ein Zimmer genommen damit sie nach dem Ball nicht nach Hause fahren mussten und am nächsten Tag würden sie auch noch einmal dort übernachten, wenn die Feierlichkeiten bei Charles ein Ende fanden. Danach würden sie nach Hause fahren und die restlichen Feiertage in ihren vier Wänden verbringen. Auch ihre Familie würde dann in ein Hotel nach Cambridge ziehen, denn zuhause hatten sie leider keinen Platz um sie unter zu bringen. Darauf freute sich Aileen schon besonders.

Nachdem sie alles auf ihr Zimmer gebracht hatten gingen sie nach unten in die Lobby um sich mit dem Rest der Familie zu treffen, denn das Hotel veranstaltete einen großen Brunch im Restaurant und alle Gäste waren eingeladen. Selbst der Cast der Show war eingeladen worden. Aileen fand es eine schöne Idee, dass so alle zusammenkamen und sich unterhalten und kennenlernen konnten. Schnell hatten sich alle aufgeteilt und jeder hatte jemanden gefunden mit dem er sich unterhalten konnte. Selbst Oliver stand mit Elizabeth zusammen und offensichtlich redeten sie über den letzten Drehtag, den sie zusammen hatten.

Schmunzelnd nahm sie sich eine Kaffeetasse und sah sich um. Es war erstaunlich wie viele Leute hier waren, aber sie freute sich, dass die Idee mit dem Brunch solchen Anklang gefunden hatte. Andere waren wiederrum auswärts frühstücken gegangen, aber jedem das seine. In der Menge konnte sie schließlich Brianna ausfindig machen und ging auf sie zu.

»Brianna, wie geht es dir?«, fragte sie freundlich nach.

Die Braunhaarige lächelte sanft. »Aileen, schön dich zu sehen! Mir geht es gut, danke.« Sie nahm einen Bissen von ihrem Sandwich. »Wie geht es dir? Ich hoffe ihr konntet eure Show für heute Abend noch retten? Damian macht sich solche Vorwürfe«, meinte sie entschuldigend.

Lee fuhr sich durch die Haare und schüttelte den Kopf. »Er muss sich keine Gedanken machen. Niemand sucht sich aus krank zu werden. Ich hoffe es geht ihm bald besser.« Sie seufzte leicht auf. »Irgendwie wird es schon schief gehen. Wir mussten einiges ändern und neu einstudieren, aber es tut uns leid, dass er nicht dabei sein kann. Es wäre ein toller Auftritt geworden.«

»Ich werde es ihm ausrichten, wenn ich ihn sehe!«, meinte sie noch freundlich bevor sie in ein nächstes Gespräch verwickelt wurde.

Die Collins holte sich eine Kleinigkeit zu essen und wurde durch ein Winken auf Leigh und Ana aufmerksam. Grinsend ging sie auf die Beiden zu. »Leigh, wir haben uns schon ewig nicht mehr gesehen kommt mir vor«, meinte sie lächelnd und umarmte ihre Freundin. »Wie geht’s dir? Liefen die Touren gut?«

Leigh lächelte dankbar und erwiderte die Umarmung. »Danke, lief alles super und mir geht es gut. Wie geht es dir? Nervös wegen dem Auftritt heute Abend?«

Ihre Cousine Ana schüttelte den Kopf. »Sie hat keinen Grund nervös zu sein. Ich habe die Drei gestern proben gehört und sie sind wirklich gut. Das wird mit Sicherheit ein toller Abend. Ich freue mich schon darauf.«

Es war lieb von ihr, dass sie das sagte, denn das bestärkte Aileen darin, dass es kein Fehler war, dass sie nun ohne Damian auftreten würden.

»Danke, Cousinchen. Das ist lieb von dir.« Sie umarmte die Blonde. »Meine Nerven liegen blank, aber es wir schon schief gehen. Aber wo wir gerade vom Auftritt reden, die Mädchen und ich wollten das Programm noch einmal durchgehen… Kommt ihr hier klar?«

Leigh und Ana schienen sich sehr gut zu verstehen daher hatte sie keine Probleme damit die Beiden zurückzulassen und machte sich auf die Suche nach Leana und Jennifer, denn in der Bar konnten sie ein letztes Mal alles durchgehen. Der Veranstaltungssaal war bereits von Vanessa gesperrt worden damit niemand einen Blick hineinwerfen konnte.

Die Drei waren recht zufrieden mit der letzten Probe und Nervosität machte sich bei ihnen breit. Es wurde immerhin über dreihundert Gäste erwartet. Außerdem wussten sie immer noch nicht wer außer ihnen noch auftreten würde, denn bisher hatten sie die anderen Acts noch nicht getroffen.

»Hat dir deine Tante keinen einzigen Tipp gegeben wer es sein könnte?«, fragte Jennifer nach.

Auch Helena konnte es sich nicht vorstellen. »Irgendwas muss sie gesagt haben. Sind sie sehr berühmt oder sind sie nicht sehr bekannt? Ein kleiner Anhaltspunkt wäre nett, denn sonst falle ich vermutlich von der Bühne, wenn plötzlich jemand dort steht, denn alle Welt kennt und vor dem wir dann auftreten müssen.«

Aileen wusste es doch auch nicht und seufzte auf. »Keine Ahnung, wirklich. Ich habe es versucht, aber wenn Vanessa was geheim halten will, dann bekommt sie das auch auf die Reihe. Das macht mich selbst verrückt. Das könnt ihr mir glauben.«

Genau in diesem Augenblick kam Vanessa zu ihnen und lächelte breit. »Alles in Ordnung bei euch? Lief die Probe gut?«

»Hey Tante V! Wir sind positiv gestimmt«, kam es lächelnd von Aileen. »Was gibt’s?«

Die Braunhaarige schmunzelte. »Die anderen beiden Acts sind gerade angekommen und ich habe ihnen angeboten, dass sie hier einen kleinen Soundcheck machen können, wenn ihr fertig seid!«

Sofort hatte sie die Aufmerksamkeit der Mädchen, denn nun würden sie wohl erfahren, wer noch auf dem Ball auftreten würde und sie hielten für einen kurzen Moment den Atem an als sich die Türe erneut öffnete.

Nicht im Ernst?!

Es handelte sich hierbei um Jamie Lawson mit seiner Band und Sarah Darling mit Christian Smith. Lea und Aileen waren auf einem Konzert der beiden gewesen und liebten deren Musik. Sie konnten es kaum glauben, dass sie neben ihnen heute Abend auftreten durften. Freundlich stellten sie sich alle untereinander vor und die Drei überließen ihnen die Bar damit sie ihre Instrumente stimmen und noch einmal proben konnten.

Aileen zitterten immer noch die Hände als sie mit dem Aufzug nach oben fuhren um sich bei Helena auf dem Zimmer fertig zu machen. »Das ändert gerade alles. Damit hatte ich nicht gerechnet. Wieso hat meine Tante kein Wort darüber verloren?«

Auch die anderen Beiden waren aufgekratzt und Helena lachte leicht. »Wir waren zusammen auf deren Konzert und nun stehen wir sozusagen mit ihnen auf der Bühne. Das hätte ich mir nicht einmal im Traum gedacht.«

»Das wird mit Abstand der beste Abend, den ich jemals hatte. Ich drehe durch!« Jennifer strahlte über das ganze Gesicht.

Nun freuten sie sich noch mehr auf den Ball und machten sich langsam fertig. Sie halfen sich gegenseitig mit ihren Frisuren und dem Make-up. James und Oliver würden sie später abholen und Jennifer würde sie begleiten. Immerhin mussten sie als erster auf die Bühne und hatten ohnehin nicht viel Zeit um sich einen Platz zu suchen und etwas zu trinken. Der Spaß würde für die Mädchen erst etwas später beginnen.

Aileen und Helena wussten wie sie aussehen würden, denn immerhin hatten sie ihre Kleider zusammen gekauft, aber sie staunten nicht schlecht als Jenn umgezogen aus dem Badezimmer kam. Sie sah traumhaft schön aus. Das Kleid war schwarz und hatte ein mit goldverziertes Korsett. Am Rücken war es frei und es passte Jennifer wie angegossen. Dazu trug sie goldenen Riemenheels. So konnten sich die Drei definitiv sehen lassen.

Gerade als sie das letzte Mal Lipgloss auftrugen klopfte es an der Zimmertür. Das mussten wohl die Jungs sein. Nervös warfen sich die Mädchen noch einen Blick zu bevor sie die Türe öffneten. James und Oliver strahlten beide über das ganze Gesicht und staunten nicht schlecht. Die Mädchen sahen umwerfend aus und ihnen fehlten die Worte. Das würde mit Sicherheit ein unvergesslicher Abend werden.

Die Drei hakten sich beieinander unter und die Jungs gingen neben ihnen her. Keiner von ihnen wollte, dass sich Jennifer ausgeschlossen oder wie das fünfte Rad am Wagen fühlen sollte. Mit dem Aufzug ging es für die kleine Gruppe nach unten in die Lobby und als sie die Türen des Aufzuges öffneten konnten sie schon Musik hören, welche vom DJ gespielt wurde.

Der Saal sah nun in der Beleuchtung noch besser aus als am Tag. Aileen war überwältigt was ihre Tante auf die Beine gestellt hatte und sie sah noch dazu fantastisch aus in ihrem violetten Kleid, das sie trug. Begeistert und strahlend kam sie auf die Gruppe zu. »Ich wünsche euch einen wundervollen guten Abend! Was sagt ihr? Haben wir das Winterwunderland gut getroffen?«

Alle waren begeistert was sie aus dem Saal gezaubert hatte. »Das sieht großartig aus, Vanessa«, meinte Oliver ehrfurchtsvoll. »Ihr könnt echt stolz auf diese Leistung sein.«

Dankbar umarmte sie ihn und wandte sich dann an die Mädchen. »Ich bringe euch hinter die Bühne, denn in einer halben Stunden seid ihr dran.«

Sie verabschiedeten sich für den Moment von den Jungs und folgten der Braunhaarigen hinter die Bühne. Nun wurden sie erst recht wieder nervös, denn es dauerte nur noch wenige Minuten bis sie auf die Bühne mussten. Doch sie hatten alles im Griff. Sie hatten geprobt und es war gut gelaufen. Das würde es auch jetzt. Daran mussten sie glauben. Ihnen wurden die Kopfhörer angelegt und die Mikrofone überreicht.

Aileen zitterten die Hände und sie versuchte sich zu beruhigen und der Rede ihres Onkels zu lauschen, welcher in diesem Moment die Bühne betrat um sich damit abzulenken.

Charles strahlte breit als er die Bühne betrat und lächelte freundlich in die Runde. »Ich wünsche Ihnen allen einen wunderschönen guten Abend und vielen Dank, dass Sie so zahlreich erschienen sind.« Ein allgemeiner Applaus ging durch den Saal. »Ich möchte Sie auch nicht lange aufhalten und große Reden schwingen, denn wer mich kennt weiß, dass ich es selbst nicht leiden kann langen Reden Gehör zu schenken.« Er ließ den Blick über die Menge schweifen. »Meine Frau Vanessa hat diesen Ball mit einigen Helfern auf die Beine gestellt und hart daran gearbeitet uns allen einen unvergesslichen Abend zu bescheren. Dafür gebührt ihr ein großer Dank!«

Die Scheinwerfer vielen auf Vanessa, welch der Menge freundlich zuwinkte und ihrem Mann ein breites Lächeln schenkte.

»Wir haben heute drei musikalische Acts für Sie eingeladen, welche den Abend musikalisch untermalen und danach sorgt ein DJ für Musik – also seien sie versichert, dass der Abend nicht so schnell enden wird.« Charles lachte leicht auf. »Das Buffet wird nach unseren ersten Performern eröffnet, welche ich Ihnen nun nicht länger vorenthalten möchte.« Er räusperte sich einmal kurz. »Meine Nichte Aileen und ihre Freundinnen Helena und Jennifer haben für Sie ein kleines Programm zusammengestellt und ich wünsche Ihnen nun allen einen unvergesslichen Abend!«

Das war das Zeichen für die Mädchen um die Bühne zu betreten. Sie umarmten einander noch schnell bevor sie ihre Plätze einnahmen und das erste Lied zu spielen begann. Sie hatten sich dabei für ein Mashup von The Way you look tonight und You’ve never fully dressed entschieden. Mit jedem Ton wurden die Mädchen sicherer und vergaßen ihre Angst und Nervosität. Sie genossen nur noch den Moment auf der Bühne, denn wann sollte es eine solche Chance das nächste Mal geben?

Die Zeit verging wie im Fluge und sie schafften es durch ihre Songs ohne einen weiteren Fehler. Als hätten sie monatelang an ihrer Performance geübt. Niemandem würde auffallen was hinter den Kulissen losgewesen war und darauf konnten sie stolz sein. Sie endeten gemeinsam mit Deck the Rooftop um die weihnachtlichen Lieder nicht zu vergessen doch den Abschluss überließen sie Aileen mit O Holy Night.

Dankbar fielen sich die Mädchen um den Hals als sie wieder hinter der Bühne standen. Sie hatten es tatsächlich geschafft. Sie waren im Hotel aufgetreten. Sie waren vor Jamie Lawson und Sarah Darling aufgetreten. Es klang unwirklich, aber es hatte stattgefunden. Niemand würde ihnen das glauben, wenn sie nicht dabei gewesen waren.

»Entschuldigt, wenn ich euch gerade unterbreche, aber das war eine tolle Leistung, die ihr da oben gebracht habt!«, kam es plötzlich von Sarah Darling, welche hinter ihnen auftauchte. »Es war eine tolle Songauswahl und ich bin begeistert von deiner Performance von O Holy Night«, wandte sie sich nun an Aileen. »Ich würde mich nicht an den Song wagen. Aber echt Wahnsinn was ihr auf die Beine gestellt habt!« Sie lächelte die drei Mädchen noch einmal breit an bevor sie auf die Bühne ging um ihr Set zu spielen.

Das war zu viel des Guten für Aileen und ihre Freundinnen. Sie brauchten dringend einen Drink. Sie bahnten sich einen Weg durch die Leute und versuchten Oliver und James zu finden. Unterwegs bekamen sie von Gästen noch Komplimente für ihren Auftritt. Es war unwirklich und vermutlich würden sie alles erst am nächsten Tag realisieren. Am Tisch von Aileens Familie fanden sie schließlich auch die Zwillinge und wurden mit Komplimenten überhäuft. Auch Jennifer wurde liebevoll von ihnen aufgenommen und sie organisierten einen Sessel damit sie sich zu ihnen setzen konnten.

Sarah Darling lieferte eine super Show und Aileen sang begeistert bei all ihren Songs mit. Auch Leana ließ sich mitreißen. Es kamen Erinnerungen an das Konzert hoch, dass sie zusammen besucht hatten. Der Abend wurde immer besser und sie freuten sich schon auf die Show von Jamie. Doch zuerst wollte Lea sich noch einen Drink holen und James begleitete sie. Der ganze Tisch hatte noch einige Wünsche und die Beiden wollten sich darum kümmern.

»Das war eine super Leistung auf der Bühne. Ihr könnt echt stolz auch euch sein!«, meinte James aufrichtig als sie sich einen Weg an die Bar bahnten.

Lea strahlte. Sie war einfach nur glücklich und wollte den Abend mit ihren Liebsten genießen. »Danke dir. Es war unrealistisch da oben zu stehen und es war so schnell vorbei. Aber ich habe es genossen und werde mich wohl immer daran zurück erinnern.«

James konnte sich denken, dass es eine unvergessliche Erinnerung sein würde. Er hätte niemals damit gerechnet, dass er einen solchen Abend erleben würde und er hoffte, dass er noch besser werden würde, denn er wollte endlich seinen Mut zusammen nehmen und der Griechin seine Gefühle gestehen, aber dafür musste wohl der richtige Moment her, denn einfach so damit herauszuplatzen war doch nicht romantisch.

An der Bar wurde ihnen gesagt, dass man jeden Moment jemanden zu ihrem Tisch schicken würde. Für diesen Tag wurden extra Leute organisiert damit die Mitarbeiter des Marbella frei haben konnten und auch den Ball besuchen konnten. Auch sie hatten sich einen solchen Tag verdient und Lea fand das äußerst großzügig von Charles, Aileen und Vanessa.

»Wollen wir kurz an die frische Luft?«, fragte Leana plötzlich nach und James stimmte ihr zu und legte ihr sein Sakko über die Schultern damit sie in der kalten Luft nicht fror. Er musterte sie von der Seite und musste wieder einmal feststellen wie unglaublich schön sie aussah.

Lea bemerkte seinen Blick und zog fragend eine Augenbraue nach oben. »Habe ich was im Gesicht?«

James schüttelte den Kopf und strich ihr eine Haarsträhne hinters Ohr. »Nein, ich musste nur eben feststellen wie wunderschön du heute aussiehst. Aber eigentlich siehst du immer wunderschön aus.«

Die Wangen der Griechin färbten sich rot und ihr wurde unnatürlich heiß. Ihr Herz fing an wie verrückt zu rasen. Was stellte er bloß immer mit ihr an.

»Ich weiß, dass hier vermutlich nicht der beste Platz dafür ist und ich mir einen anderen Tag dafür hätte aussuchen sollen, aber ich will nicht länger schweigen und grübeln.« Sanft legte er eine Hand an ihre Wange. »Ich liebe dich Helena Thalia Pantagiota!«

Mit großen Augen starrte sie ihn an und es war ihr unmöglich etwas zu sagen. Es war als würden tausend Schmetterlinge in ihrem Bauch fliegen und sie fühlte sich wie losgelöst. Als hätten sich alle Probleme und Gedanken mit diesen sechs Worten aufgelöst. Sie überbrückte die letzten Zentimeter zwischen ihnen und küsste ihn leidenschaftlich. Es war nicht zu übersehen. Auch sie liebte ihn mit jeder Faser ihres Körpers und genau in diesem Moment fühlte es sich an wie zuhause.

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Kapitel:25
Sätze:3.632
Wörter:53.371
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Diese Story wird neben Liebe auch in den Genres Alltag, Freundschaft und Familie gelistet.