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Vater sag's! [Triggerwarnung: sexuelle Gewalt]

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10.09.21 22:29
16 Ab 16 Jahren
In Arbeit

Autorennotiz

Titelbild: pexels.com/de-de/foto/marketing-geschaftsmann-mann-person-288477

- Achtung! - es geht um eine Person, die vergewaltigt wurde.

Es ist sehr stark inspiriert von einem Buch, das ich offenbar, doch nicht fertiggelesen hatte.
Außerdem ist Alexander Bucks eine unveröffentlichte Romanfigur aus 2015 von mir. Ich habe es leider mit 105 Seiten verworfen aber soweit ich mich erinnern kann, war es ein Liebesroman, in dem er sich in eine Frau verliebt hat, die sich irgendwie immer in Baumkronen versteckt hat und nicht wusste was ne Gabel ist ... oder dachte sie es wäre eine Waffe? Egal, er hatte es auf jeden fall nicht leicht mit ihr.

In der Kanzlei Bucks war ein Anruf eingegangen, von dem man nicht allzu viel verstanden hatte. Jedenfalls dürfte er nun auf eine Frau Fauser warten, die der Lautstärke nach sehr genau erschienen war.

Anscheinend weder alleine noch mit der Manier, ein Kind hier vom Spielen zurückzuhalten, drangen die Geräusche direkt in sein Büro und vermutlich in seine vielleicht nicht mehr ganz so neutral eingestellte Laune.

Er sah nach und bekam mit wie ein lautes Wort Ruhe und das Gehen vierer ihrer Anhängsel befehligte.

Die Worthaberin war bestimmt über 1,70 m groß, schlank mit schwarzen Haaren, die ihr bis an die Ellenbogen reichten. Sie trug eine weiße Bluse mit schwarzer Hose und neongrünen Stöckelschuhen. Schätzungsweise war sie kaum älter als fünfundzwanzig Jahre.

Die anderen Frauen, die er nur kurz von vorne sah, waren fast eine exakte Kopie von ihr. Nur das je Eine neonpinke, neonblau, neonrot Schuhe trug.

Letztere Person war tatsächlich ein Kind, ein kleiner Rotschopf im Einschulalter. Warum sie ihn bei sich hatten, erklärte sich vielleicht an der frischen Schramme, die er im Gesicht hatte.

„Frau Fauser? Alexander Bucks." Sie lächelte und wirkte auf dem ersten Blick nicht so als bräuchte sie wirklich einen Anwalt.

„Es geht nicht um mich", kam sie sofort auf den Punkt aber es ging auch nicht wie gleich danach vermutet um den Jungen. Es ging um den Vater, welcher endlich mal Recht bekommen sollte.

Es ging nicht, fuhr sie im Büro fort und war dabei deutlich argwöhnischer, das ihn die Polizei dafür auch noch verlachte.

Bei der Nachfrage, worum es konkret ging, verzog sie den Mundwinkel. Eigentlich hatte sie gehofft, ihr Vater würde es selbst sagen. Doch sie hatten ihn nicht mal dazu gebracht, sich Rechtsbeistand zu holen. Er war vergewaltigt worden und seine Tochter war dazwischen gegangen. Nicht sie, sondern Juna, welche offenbar seit einem halben Jahr Kampfsport betrieb.

Luana seufzte. „Er glaubt, das er sowieso kein Recht bekommt. Ich weiß nicht wieso. Vielleicht kann er mit ihnen eher reden als mit uns. Er kann Juna ja kaum noch in die Augen sehen."

Die bedrückende Still unterbrach sie im festen Glauben, dass er sich auch dieser Sache annehmen wolle. „Wir haben keine Verwandten, wissen sie. Er hat sich immer allein um uns Neun gekümmert."

„Wie meinten sie das eigentlich mit der Polizei? Warum verlacht man ihren Vater dort?" Eigentlich ging er nicht davon aus, das die Antwort ''Sie tun nichts'' sein könnte. „Dreimal waren wir jetzt dort aber diese Alessia wurde immer noch nicht befragt und konnte jetzt einfach in den Urlaub fliegen."

Alessia hieß mit Nachnamen Wöllner und war eine Exfreundin vom Vater. Die Beziehung war daran gescheitert, dass sie keine Kinder bekommen hatten und sie unbedingt welche wollte. Nach dreieinhalb Jahren machte er Schluss.

Genau als sie fertig war zu erzählen, klopfte jemand an die Tür. Es war eine der vier Frauen, wie ihm die neonpinken Schuhe durch das Glas verrieten. Er ließ sie herein und sie tat es noch mit ihrem Handy in der Hand.

Aurora, stellte sie sich vor und nahm neben ihrer Schwester platz. Auch sie kam direkt zu dem, weshalb sie gekommen war. Ob er Zeit habe. Sie hätte ihren Vater dazu gebracht herzukommen.

Dies es nur unter einer List gegangen war, merkte er spätestens da, wo sie ihn mit rausgebeten hatten. Er war wohl damit her gelotst worden, das Juna nun Probleme habe auf Grund ihres Kampfsportes.

Für seine Tochter erwies er sich durchaus kämpferisch. Doch sobald das Gespräch auf das eigentlich umgelenkt wurde, machte er dicht und letztlich sagte, er das überhaupt nicht sei.

„Papa, du sagst jetzt was!", schimpfte eine der Frauen, die er namentlich noch nicht anhand der Schuhe zuordnen konnte. Das ''rote'' Team schlug dann den Rückzug zu einer Eisdiele vor.

„Fuxia, meine Schlüssel!" „Rede bitte Papa." Die Frau mit dem Kind auf den Schultern reichte ihm einen Autoschlüssel. „Ich hab dir die ganze Zeit schon gesagt, das Alessa ..." „Schluss jetzt! Abmarsch! Und wir reden noch Fräulein!", fauchte zuletzt Aurora an, die den Kopf senkte. Eben auch jene, die vermutlich Juna sein dürfte.

„Ich will nichts hören!", überfuhr er auch den Anwalt bei seinem Versuch zu helfen. Er ließ sich einfach nicht helfen. Trotzdem war aufgefallen, dass ihm die Sache sehr wohl nachging. Zumindest musste an der Sache irgendetwas dran sein.

Bevor sich alle samt beugten, schaffte er es Luana oder Aurora nach ihrer Adresse zu fragen. Der Vater hatte es nicht mitbekommen und zog mit seinen Kindern ab.

Gegen Abend versuchte Alexander noch einmal mit ihm zu sprechen. Traf aber zunächst nur eine der Vierlinge vor dem Haus. Welche konnte er nur raten. Sie saß Barfuß da und hatte die Stöckelschuhe von Aurora und Juna neben sich stehen.

Sie wischte sich die Tränen weg, als er sich nach ihr erkundigte. „Juna, richtig?" Sie nickte und fuhr sich erneut übers Gesicht. „Ich hab grad erfahren, dass sie neben ihm eingezogen ist. Er muss was sagen. Spätestens wenn sie nicht schwanger geworden ist, wird sie wiederkommen. Immer wieder, verstehen sie?" Sie machte sich wirklich Sorgen um ihn und stand nach der Sache wohl selbst noch unter Schock.

An sich war das Ganze noch nicht lange her, erzählte sie und legte zittrig etwas zur Seite. „Ich hab das gemacht, was Foxi ihm bestimmt ein dutzendmal an den Kopf geworfen hat. Ich bin ausgezogen wegen dieser vulgären Frau."

Wie sich herausstellte, waren seine Töchter gar nicht volljährig, obwohl sie durchaus so wirkten. „Ich bin zu unserem älteren Bruder nach Paris gezogen. Ich war überhaupt erst da, weil ich ihn bitten wollte, keine Beziehung mehr einzugehen. Sowas Bescheuertes." Sie schluchzte und nahm den zerknitterten Zettel wieder in die Hand.

„Falls er wieder abblockt, würden sie es dann auch noch ein drittes Mal versuchen? Egal was es kostet, wir bezahlen sie schon. Wir Vier sind Influencerinnen." Er lächelte vorsichtig und versuchte sie etwas zu trösten.

Im Anschluss versuchte er mit dem Vater zu sprechen. Doch das sah noch schwieriger aus, als es vor der Kanzlei gewesen war. Die Tochter Luana wurde sofort zusammengestaucht, als sie ihm seine Anwesenheit mitteilte. Ohne das er den Mann sehen konnte, verbannte er seine Tochter ins Zimmer und wollte eigentlich auch ihn hinauswerfen, wenn er sich nicht genau in diesem Moment irgendwo angeschlagen hätte.

Mit einer Platzwunde über dem Nasenrücken kam er hinter der Küchenzeile hervor, die zum Wohnzimmer zeigte, in dem der Anwalt stand. An der Wand rechts von ihm waren ebenfalls Spuren eines Ausrasters zu sehen.

Er fluchte plötzlich und hielt seine Fassade nicht mehr aufrecht. Seine Verzweiflung stach deutlich hervor. Dennoch wollte er nichts, aber auch rein gar nichts über die Nachbarin hören, von dessen Anwesenheit er wohl schon wusste.

„Herr Fauser, setzten sie sich doch mal. Brauchen sie einen Arzt?" „Ich bin Arzt!", bäffte er, hörte aber auf ihn und nahm an dem langen Esstisch im Wohnzimmer platz.

Alexander stellte sich zu ihm und bekam kurz darauf sogar die Einladung sich hinzusetzen. Nach etwas Zeit schien er sich dann doch öffnen zu wollen.

Er hatte die Frau selbst hereingelassen, nachdem sie ihn wochenlang schon mehrfach täglich angerufen hatte, um sich zu entschuldigen. Dass es doch wieder nur auf dasselbe hinauslaufen würde, glaubte er, hätte er sich denken können.

Zuerst sei sie ganz freundlich gewesen. Habe ihm wirklich versichert, dass ihr ihr Verhalten leidtäte. Sie habe sich einfach so sehr ein eigenes Kind mit ihm gewünscht. Gerade mit dem Kleinen hatte sie sich bestens verstanden. Er hatte sie auch immer Mama genannt, obwohl sie ja das gar nicht war.

Sie weinte, als sie sich dafür entschuldigte, es auch immer so vor den Kindern breit getreten zu haben. Den halben Tag hatten sie miteinander gesprochen und letztlich auch ganz unbefangen mit seinem Sohn gespielt.

Erst als er seinen Sohn zu Freunden in die Nachbarschaft schickte, merkte er, dies sie nicht vor hatte einfach wieder zu gehen. Auch ihre unter Tränen gestanden Entschuldigung war nichts wert. Sie hatte sich einfach ausgezogen, während sein Sohn die Türe durchquerte.

Zögernd brach er das bislang fast flüssige Gespräch ab und kratzte sich mit verkrampften Fingern an der Stirn.

„Warum rede ich eigentlich mit ihnen?", fragte er völlig fertig. „Ich sagte bereits, dass ich keinen wie sie brauche." Weder warf er ihn hinaus, noch sprach er weiter.

 

 

Der Vorschlag, ein Annäherungsverbot zu erwirken, brachte ihn halbwegs wieder ins Leben zurück. „Wie ich schon sagte, ich brauche ihre Dienste nicht. Ich bring sie zur Tür.“

Auch wenn er das vor hatte, waren seine Beine auf einmal schwächer als sein Wille. Mühselig drängte er ihn dennoch zur Tür. Außen saß immer noch Juna, welche mittlerweile ihre Beine auf die Sitzfläche hochgestellt hatte und an sich drückte. Von diesem Ausgang war sie bereits ausgegangen, das sah er ihr deutlich an.

„Wolltest du nicht in dein Hotel?“, grummelte er, nachdem er die Kraft dazu angesammelt hatte und warf ihr ein paar schwarze Turnschuhe hinaus. Kurz darauf fiel auch die Tür ins Schloss.

„Danke, dass sie es noch einmal versucht haben. Sie haben einen richtigen scheiß Job.“ Einen ihrer Füße stellte sie wieder auf den Boden. Ihr Blick selbst verharrte starr auf das Nachbargebäude, in dem auch er die Statur einer tanzenden Frau deutete.

„Sie ist beziehungsweise war Tänzerin, hat auch für namhaftere Personen auf der Bühne gestanden“, erklärte sie sachlich aber mit wässrigen Augen. „Und dreimal dürfen sie raten warum sie niemand mehr auf der Welt buchen würde!“ Dies kam von eine der Vierlinge, die im oberen Stockwerk aus dem Fenster gebeugt war. Er vermutete das es entweder Luana oder Fuxia war. Eigentlich eher Fuxia, die er von allen ein wenig aggressiver und unkonventioneller einschätzte.

Das Mädchen kletterte von ihrem Fenster auf das unbewachsene Rosengitter und landete schließlich gekonnt bei ihnen unten am Boden. Dort zog sie schlecht gelaunt die pinken Schuhe an.

„Du kannst sie nicht einfach so schlagen“, blieb die sitzende Schwester immer noch in ihrer sachlichen Art und Weise. „Natürlich kann ich das!“, erwiderte man mit dem Stöckelschuh drohend. Ein Argument, wo sich Alexander nun dachte eingreifen zu müssen.

Sie fand es nicht fair, dass sie Hausarrest bekommen hatte, ihre Schwester hinaus geworfen wurde und diese Frau, welche sie eigentlich beleidigte drüben fröhlich tanzte. Sie war sich sicher, dass selbst wenn sie ein Kind bekäme, sie immer noch nicht zufrieden wäre.

Mit viel Kunst hatte er sie beruhigt und ins Haus bzw. ins Hotel geschickt aber ganz sicher war er sich nicht, ob seine Überzeugung nicht vielleicht auf taube Ohren gestoßen war.

 

 

In der Kanzlei zurück machte sich sein Sekretär bemerkbar und drehte ihm einen Zeitungsartikel im Computerbildschirm zu.

Eine Journalistin Cataleya Fauser würde demnach in einem russischen Gefängnis festgehalten. „Lass mich raten, eine der Fauser-Töchter war hier?“ Während er die Frage stellte überlegte er, welche der vier Mädchen er nicht beim Haus gesehen hatte. Bei neun Kindern hätte es vielleicht auch ein Anderes sein können aber er glaubte nicht, dass er oder die Mädchen, den Anderen etwas gesagt hatten.

„Andere Frage, weiß sie davon?“ „Ich dachte nicht, dass es mir zusteht, sie über ihre Mutter aufzuklären. Der Artikel ist von 2006, da saß sie bereits ein Jahr.“ Sein Sekretär richtete den Tisch akkurat und machte sich zum Gehen fertig. „Der schlauaussehende Mann macht Schluss für heute“, ließ er als letztes fallen und sah dennoch bei einer nahegelegenen Polizeidienstelle vorbei.

Fuxia traf er dort nicht an aber es war auch genug Zeit vergangen, in der sie längst wieder von hier fort sein könnte. Wie befürchtet ging am nächsten Tag ein Anruf von Luana in der Kanzlei ein.

Gestanden ging er sofort davon aus, es würde nun um eine Sachbeschädigung gehen und er müsse eine der Vier vertreten. Doch noch war es nicht so weit, wie ihm die Schirmherrin der Vier erklärte. Gestern habe sie Fuxia noch davon abgehalten aber sie war schon kurz davor, dem Beamten wegen seiner doofen Bemerkung den Basketball von Bendix an den Kopf zu werfen.

Sie atmete laut aus, ehe sie ihre Fassung weiterhin so gut behielt. In erster Linie wollte sie ihn einfach nur darum bitten, ihnen irgendwie zu helfen. Sie wüssten niemand anderes. Als er ihnen das zu sicherte, kam die nächste Bitte. Die Frau hatte eine Jacke von ihrem Vater und in der seien der Ausweis, sein Führerschein und etwas Geld. Da ihr Vater morgen wegfahren wolle, wäre es gut, er bekäme die Sachen wieder.

Eigentlich war sein Tag heute ziemlich voll, dennoch bekam er es am Mittag kurzfristig unter bei der Frau vorbei zu schauen.

 

 

Die dunkelblonde, überraschend kleine Frau machte ihm in spärlich goldweißer Kleidung die Tür auf. Nur ihr Gesicht war mit einem Seidenschal verschleiert. „Ja?“, fragte sie unverständlich. Es klang, als würde sie unter Zahnschmerzen leiden. Vielleicht war sie aber nur von der Parfumwolke benebelt, die dem Anwalt unangenehm intensiv entgegenschlug.

„Frau Wöllner?“ Trotz der gereizten Luft gelangen ihm diese Worte halbwegs ohne zu husten. Die Frau zog unglaubwürdig den Schal etwas auseinander. Vermutlich um ihn überhaupt erst sehen zu können. Im Gegenzug dafür erkannte er aber auch, dass sie ein blaues geschwollenes Gesicht zu verbergen hatte.

„Brauchen sie ein Glas Wasser?“ Sie hatte sogar eine Flasche an der Tür stehen. „Nein, danke.“ Trotz seiner Verneinung wand sie sich ab und füllte das Glas, welches umgedreht dabei stand. „Hier, dann können sie mir leichter sagen, was sie wollen.“ Erneut wies er das Glas ab. „Rechtsanwalt Alexander Bucks.“ Ohne zu zögern kam von ihr die Argumentation: „Oh, schöner Beruf.“ Mit Sicherheit sollte das nur Hohn sein. Auch wenn ihre Art sich auf dumm zu stellen schien, für naiv wollte er sie erst einmal nicht halten.

„Tragen sie immer Männerjacken?“ Er sah zumindest eine die der Frau definitiv zu groß war. „Vielleicht hab ich auch einfach nur gern Männerbesuch. Hat wohl einer vergessen. Brauchen sie eine?“ Dass sie auf Ja anspringen würde, hätte er eigentlich nicht erwartet. Doch gerade dieses eine Wort hatte ihm den besagten Gegenstand einfach in die Hände legen lassen. Danach war das Gesprächsinteresse der Frau wohl verflogen. Sie schloss die Tür und sagte dazu kein Wort.

Da sein Auftauchen hier spontan gewesen war, vergewisserte er sich nun, ob er die Sache überhaupt gleich abgeben konnte. Er bekam den kleinen Sohn ans Telefon, Bendix hieß er wohl. „Bei Fauser.“ Ein Kichern folgte. „Papa ist nicht zu sprechen. Du rufst außerhalb der Gesprächszeiten an. Tschüss.“ Bevor er auflegen konnte, bekam er ihn gestoppt.

„Wer bist du?“ „Alexander Bucks, Anwalt.“ „Buchs wächst aber nicht an Wald. Mein Papa flucht auch immer über die Buchs. Sind jetzt alle kaputt. Sieht komisch aus. Sag ihm aber nicht das ich mein Ball reingeworfen habe aber platt sehen sie lustiger aus.“ Einen kurzen Moment brauchte er schon, um von seinem Nachnamen auf die Buchsbaumpflanze zu schließen.

„Ist eine deiner Schwestern da?“ „Lu! Da ist ein komischer Gärtner am Telefon.“ „Was ist?“ Sie kam näher und schimpfte, dass er nicht mit dem Telefon spielen solle. In den Hörer selbst wurde sie noch lauter und meinte, ehe sie abrupt auflegte, dass sie keinen Gärtner bräuchten. Immerhin wusste er so das sie da war. Er rief ja auf einer Festnetznummer an.

Die wenigen Schritte bis zum Haus legte er zu Fuß zurück und klingelte. Augenblicklich kamen die Wachhunde an und verteidigten ihr Grundstück, so wie es sich gehörte. „Ja?“, drang genervt aus der Freisprechanlage. „Alexander Bucks“, setzte er gerade an, als er oben ein Mädchen auf sie zu kommen sah. Warum auch immer hatte sie über einer Schulter einen prall gestopften Rucksack hängen.

„Kommen sie rein“, bot sie gleichklingens wie durch die Anlage an und öffnete ihm das Tor, „Legen sie es einfach oben auf die Kommode und schicken ihre Rechnung.“ Sie selbst trat nun hinaus.

„Frau Fauser, wo wollen sie hin?“ „Luana. Und ich geh jetzt einfach!“ Es lag wohl auf der Hand, dass sie keine Rückkehr plante und auch wenn es nicht bei ihm liegen dürfte sie davon abzubringen, versuchte er es wenigstens. Anscheinend sollte sie, laut ihren hasserfüllten Worten die Doofe sein.

Sollten sie doch auf die Beamten losgehen und sich am Ende selbst noch strafbar machen. Gern könnten sie auch einfach abhauen oder einfach weiterhin die Klappe halten aber sie würde sich deshalb nicht als Lügnerin hinstellen lassen. Sollte er doch in seinem Mäuseloch bleiben.

„Frau Fauser … Luana. Ihrem Vater fällt es nicht leicht, darüber zu sprechen.“ „Und! Mir reichts jetzt einfach. Er will sich nicht helfen lassen und ich warte ganz sicher nicht darauf, dass ihm Nächstesmal wirklich die Hand ausrutscht. Fuxias Sache, ob sie noch bleibt. Ich bin weg.“ „Überdenken sies nochmal.“ „Ganz sicher nicht! Die ganze Zeit kriegt ers Maul nicht auf aber jetzt sagt er der Polizei ganz brav, das seine Töchter spinnen!“ „Ich rede nochmal mit ihm, ja.“ Sein Versuch sie zu trösten blockte komplett ab. Es sei ihr egal, sagte sie. Doch das war es schlicht und einfach nicht.

Er ging hoch zum Haus und legte die Jacke ab, aus dem ein Autoschlüssel fiel. „Lu“, stand auf der Rückseite. Er fand es etwas merkwürdig legte es aber zu der Jacke dazu. „Herr Fauser?“ Im Haus blieb es still aber in der Nähe der Garage konnte er ihn nun durch ein Fenster sehen.

„Hallo Herr Fauser“, grüßte er skeptisch. Der Mann vor ihm war kreidebleich und versuchte zitternd einen der kugelförmigen Büsche nachzuschneiden, war aber kaum in der Lage diesen überhaupt zu treffen.

„Herr Fauser, lassen sie sich doch helfen.“ „Kein Geld.“ Beharrlich blieb er bei seinem Tun. Doch ein jasminartiger Duft verriet, dass er nicht alleine gewesen war. „Ich kann sie natürlich nicht zwingen aber ihre Töchter machen sich große Sorgen um sie. Geben sie sich einen Ruck, es gibt nichts was ich nicht schon gehört hätte.“

Irgendwas hatte er erreicht. Zumindest hielt er eine zeitlang inne und schien wirklich darüber nachzudenken aber der Erfolg blieb aus. Er hatte Alessia aus dem Haus gehen sehen und wies den Anwalt zum dritten Mal ab. Schwächer als all die anderen Male aber immer noch eingenommen genug.

„Ich lass ihnen meine Karte da.“ Diese sah er sich kurz an und steckte sie dann mit einem Nicken in die Hosentasche. Seine Arbeit entschied er nicht fortzusetzen und zog sich beeilend in die Garage zurück. Wohingegen Alexander sich zum Tor aufmachte.

 

 

„Sagt er immer noch nichts?“, kam eine Stimme aus dem Nichts. Er wandte sich um und hatte der Haltung nach Juna vor sich. „Entschuldigen sie, eigentlich warte ich nur auf meinen Bus. Es ist nur … vielleicht versteh ich langsam, warum er nicht will … nicht reden will. Können sie mich vielleicht ein Stück mitnehmen? Egal wohin, er will mich sowieso nicht sehen.“ Er stimmte zu und fuhr sie in Richtung des Hotels.

„Als ich die Beiden sah … ich war so angewidert. Ich habe irgendwas gebrüllt, sie beleidigt und dann muss ich sie geschlagen haben. Ich hatte einen richtigen Blackout. Diese Frau hat ein dick angeschwollenes Gesicht, bestimmt auch irgendwas gebrochen und das war mein Schlag, während sie ihn … vergewaltigt hat.“

Die Frau neben ihn schien die Welt nicht mehr zu begreifen, hatte gar Angst vor sich selbst. Vorallem nachdem sie ihm die Geschichte erzählt hatte. Zu hören, dass ihr Handeln Notwehr war, gab ihr nur bedingt etwas Selbstvertrauen zurück.

„Ich weiß, das ist vermutlich unverschämt“, begann sie beinahe flüsternd, als sie auf dem Parkplatz gehalten hatten. „Aber wie viele Fälle gehen den wirklich gut aus. Hat mein Vater vielleicht deshalb Angst?“ Sie sah auf einen zerknitterten Zettel hinunter, den er schon einmal bei ihr gesehen hatte. Im nächsten Moment tropfte eine Träne darauf.

„Wir haben keine Mutter, vielleicht ist das der Grund. Sie sitzt im Gefängnis oder? Vielleicht auch wegen so was. Nein, nein. Ich werde hysterisch!“ Sie schluckte schwer und wischte sich die Tränen weg. Dann hetzte sie aus der Tür hinaus, völlig planlos, wohin sie danach auch wollte.

Ein paar Stunden später entdeckte er, dass der Zettel von ihr im Fußraum liegen geblieben war. Da er klein war und ohnehin mit der Schrift nach oben lag, las er per Zufall, was drauf stand. ''Weil du ungern kochst – Deine Orchidee'' Ein eigenartiger Text für eine Sechzehnjährige, die hoffentlich nicht ihm galt. Er ließ das Schriftstück im Auto liegen und ging weiter seiner Arbeit nach.

 

 

Etwa zweieinhalb Wochen später lief er gerade an seinem telefonierenden Sekretär vorbei, als er die Worte ''Beruhigen sie sich Herr Fauser'' aufschnappte. Umgehend nahm er das Gespräch entgegen. „Kann ich mit ihnen sprechen?“ Seine Stimme klang mühsam kontrolliert, stotterte nicht und zitterte kaum. Diesmal schien er wirklich so weit zu sein. „Wollen sie in die Kanzlei kommen?“ Es kam ein sicherer Laut als Antwort. Keine Zweifel und irgendwie erleichtert, dass er ihm gerade das vorgeschlagen hatte.

„Halbe Stunde?“ „Fahren sie vorsichtig!“ „Ich werde meiner Tochter Bescheid geben. Dann bis später.“ Er drückte das Gespräch weg.

„Man muss schon sagen, Zeitungen können echt interessant sein“, überraschte ihn sein Sekretär. Diesmal legte er ihm einen Eklat vor, den sich Alessia bei einem Auftritt geleistet hatte. ''Muss mal Baby machen'' sagte wohl schon einiges.

Kurz bevor die dreißig Minuten vorüber waren, traten drei Personen in die Kanzlei. Der Mann in der Mitte sah furchtbar zugerichtet aus. Die Verletzung über der Nase war schon alt. Eine Weitere hatte er oberhalb der Schläfe und eine Dritte deutlich kleinere und schmalere seitlich am Hals. Unter den Augen lagen Schatten, als habe er mehrere Nächte wach verbracht. Doch schlimmer schienen Schmerzen auf der rechten Seite seiner Rippen zu sein.

„Macht keine Dummheiten“, zischte er schmerzgekrümmt den Mädchen zu, meinte aber wohl hauptsächlich jene mit pinker Handtasche. „Geht schon“, richtete er wiederum an die steif dabeistehende Person. Ihr schien es wohl auch nicht so gut zu gehen, nachdem sie bläuliche Lippen hatte. Sie sagte jedoch nichts und zwang ihre Schwester ruppig mitzukommen.

„Herr Bucks.“ Auch seine Hand wies Spuren auf, die so wirkten, als hätte er sie sich eingeklemmt gehabt. Was er jedoch keinesfalls wahrnahm war wieder ein Parfumduft.

„Sie sehen übel aus.“ „Ich war in meinem ganzen Leben noch nicht so tollpatschig wie jetzt.“ Zu Lachen tat gehörig in seiner Seite weh. „Die Kellertreppe“, log er. Zumindest konnte es nicht die ganze Wahrheit sein. An seinem Hals war eine Schnittwunde.

„Hörn sie, es geht mir um meine Tochter.“ Schwerfällig sank er auf einen Stuhl im nächsten Raum. „Ich rede von meiner Juna. Ich will nicht das sie ins Gefängnis muss.“ „Der Schlag auf Frau Wöllner“, nahm er es ihm ab, während er widerspenstig eine Schmerztablette trocken schluckte.

„Ich weiß, wie das läuft. Man bekommt nie recht und wenn man dann auch noch Pech hat wie ich geht der eine Anwalt in Rente und der Andere verliert die Lizenz oder soll ich sagen das Interesse. Haben sie irgendeinen Dreck am Stecken? Anderenfalls such ich mir sofort einen Anderen.“ Er senkte seinen Blick herab und nahm die zweite Schmerztablette ein. Diesmal jedoch mit dem angebotenen Wasser.

„Wie ich schon sagte, es ist mir wichtig, dass ihr nichts passiert. Deshalb muss das alles anders gehen.“ Seine Idee hierfür, war nicht das einfache Wegziehen seinerseits oder ihrerseits. Deshalb wäre er vermutlich auch nicht zum Anwalt gegangen. Er dachte daran, dass ihm ein Gespräch helfen könnte und wenn es nicht helfen würde, würde er ihr eben eine künstliche Befruchtung bezahlen.

„Meine Kinder geht das hier nichts an. Also auch wenn sie darauf drängen. Schlimm genug, dass sie mich so sehen mussten.“ Beim Versuch sich aufzurichten fiel ihm sein vibrierendes Handy aus der Tasche. Hundertachtunddreißig ungelesene Nachrichten verschwanden bewusst ignoriert in seiner Tasche zurück.

„Danke“, ächzte er und schaffte es auf die Beine. „Sie erreichen mich auf dem Handy meiner Tochter. Meines funktioniert nicht.“ Nebenbei schrieb er ihm auswendig eine Nummer auf. „Und lassen sie sich von meiner Luana nicht bequatschen. Sie tun das worum ich sie gebeten habe. Es wird zu keiner Gerichtsverhandlung kommen, auch keine Anzeige!“ Er verabschiedete sich und ging nachdem Einwurf einer dritten Tablette.

 

 

Alessia empfing ihn diesmal mit einer sanften Duftnuance und in einem langen hellblauen Kleid. Die Wasserflasche am Eingang war nun durch eine Andere ersetzt. Ansonsten hatte sich kaum etwas verändert. „Ich weiß ihren Namen nicht mehr aber ich habe nicht viel Zeit für sie. Ein Wasser?“ Sie schenkte bereits ein. „Nein, danke. Bucks war mein Name.“ Den Namen kannte sie sehr wohl noch und für eine Sekunde war auch sichtbar, dass er nicht erwünscht war.

„Gut, Herr Busch kommen sie rein.“ Sie öffnete die Tür bis zum Anschlag. Danach führte sie ihn an einen kleinen Sitzplatz in der Küche. Auch dort standen eine Wasserflasche und zwei Gläser bereit.

„Stört sie es, wenn ich noch etwas esse? Ich muss nach ihnen gleich los.“ Eigentlich erwartete sie keine Antwort. Zumindest war sie schon relativ schnell dabei eine Platte mit kleinen grünen Rollen auf den Tisch zu stellen. Den ersten Happen nahm sie sich schon herunter, bevor sie sich gesetzt hatte. „Was waren sie nochmal? Der Anwalt von Finjus. Keine Ahnung was sie hier wollen, eine Scheidung kanns schlecht sein.“ Sie schob sich den nächsten Bissen rein.

„Eine Scheidung vielleicht nicht“, begann er den Versuch mit einem Gespräch. Sein Gegenüber nahm aber kaum etwas davon wahr. Abatisch hatte sie größtenteils auf die Uhr gestarrt und wie eine Blöde an ihrem Zeigefinger herumgerieben. Der Finger war mittlerweile schon ganz rot, als sie auf ihrem Handy nachschaute.

Bendix, der Sohn seines Mandanten, war auf dem Sperrbildschirm zu erkennen. Er und sein heißgeliebter Basketball.

„Herr Grün, ich unterbreche sie mal“, unterbrach sie im Grunde sich selbst. „Ich muss jetzt los“, sagte sie. „Richten sie ihrem Mandanten eben aus, dass ich mich nicht verstecken werde. Mein Verhalten tut mir Leid, mehr kann ich nicht sagen.“

Mit Verhalten meinte sie wahrscheinlich eher ihre Vorgeschichte, nicht jedoch die Vergewaltigung und wieder beobachtete er, wie sie sich diesmal an einer Stelle am Arm wundscheuerte. „Gehen sie jetzt bitte.“ Ihre Stimme zitterte minimal. Seltsamer wurde es, als sie noch bevor sie die Tür schloss, die Glasflasche vom Tisch herunterschlug.

Am gernsten hätte er ihr seltsames Handeln hinterfragt aber mit sehr großer Wahrscheinlichkeit hätte es nur zu etwas geführt, was seinem Mandanten geschadet hätte. Noch am selben Tag sprach er mit ihm. Auch wenn sprechen auf sein Gegenüber kaum zutraf. Er nahms halt so hin, dass es diese Worte der Frau gab und betrachte die Sache nach etwas Gebrummel als abgehakt.

Allerdings hakte sich die Sache nicht so einfach ab. Vier Monate später hatte er wieder Luana vor sich in der Kanzlei sitzen. Sie klang heißer und hatte mittlerweile ein Beatmungsschlauch in der Nase.

„Ich entschuldige meinen Vater. Er hat einfach keine Kraft mehr. Schon sehr viel länger nicht mehr. Ich hoffe, sie konnten ihn immerhin ausreden, einfach alles zu gestehen.“

Sein vorangegangenes Treffen mit ihm war tatsächlich sehr schweigsam verlaufen. Weder mit ihm noch mit der Polizei hatte der völlig fertige Mann gesprochen. Vielleicht lag das aber eher daran, wie sehr ihn seine vier Töchter vor den Beamten und der Festnahme verteidigt hatten.

„Ich nehme an, er schweigt.“ Ihre Mimik war zu gleich verärgert als auch erleichtert. „Warum ich hier bin …“ setzte sie an, musste jedoch pausieren. Bevor sie wieder anfing, legte sie ihm zwei Fotografien auf den Tisch. „Das hier wird ihm sicher noch Probleme bereiten.“

Das eine Foto, auf welchem eine naturrothaarige Frau zu sehen war, schob sie ihm näher zu. Das Andere, ein Pärchenfoto mit ihrem jüngeren Vater und einer dunkelrothaarigen Frau, zog sie zu sich zurück.

„Sie sehen es bereits. Ja, es ist Bendix Mutter. Das Problem, welches ich meine ist, dass er damals mit ihr hätte gar nicht zusammen sein dürfen. Vormundschaft! Schuldige.“ Ihr Handy klingelte, unterbrach sie jedoch nicht als einzige.

Sie tippte eine Nachricht ins Handy und rang mehr als deutlich darum, standfest zu bleiben. „Sie können ihre Schwestern gern reinholen.“ „Sie sind damit beschäftigt Bendix zu suchen! Der hat das alles hier noch am wenigsten verstanden.“ Klar und deutlich hatte sie den Befehl dazugegeben. Ein Versagen würde sie nicht dulden. Auch ihr Eigenes nicht.

„Wer das hier ist, weiß ich nicht aber für den Fall, dass es auch irgendeine verkorkste Beziehung ist oder unsere Mutter … keine Ahnung sie wissen sicher, was sie sagen müssen. Ich kann jedenfalls nichts mehr für ihn tun. Ich kann ja nichtmal verhindern, das sie Bendix ins Heim stecken, wegen diesem verfluchten Scheiß hier. Egal, ich werde Auri jetzt zum Spielzeugladen fahren. Kann ich noch ein Wasser haben?“ Sein Sekretär brachte es gerade auf ihre vorherige Bitte hin in den Raum. „Ihnen soll ich ausrichten, dass sie sich bitte nicht zu sehr aufregen.“

„Hmh. Danke. Sie haben überhört, was ich gerade gesagt habe. Gut.“ Sie trank und beobachtete ihn über den Glasrand hinweg. „Glauben sie, dass mein Vater unschuldig ist?“ „Sie etwa nicht?“ Sie zuckte mit den Schultern. Eine genauere Antwort dauerte. „Ich habe Angst, das unser Hass auf sie die Sache fehlinterpretiert. Unser Vater war nie der größte Redner.“ Das Kabel ihrer Maschine landete zwischen ihren Fingern. „Außerdem könnte schon etwa Wahres dran sein, dass er ein bisschen zu gerne Sex hat.“ Per Gestik wies sie dabei auf sich selbst hin. Meinte aber sicher alle neun Geschwister. Sie schüttelte leicht den Kopf und lehnte sich im Stuhl zurück. „Jetzt fang ich schon selbst mit dem Scheiß an. Unser Vater vergewaltigt niemand. Schon gar nicht eine Frau, bei der er selbst sagt, das sie ihm zu laut stöhnt.“

Sie lachte als er kurz verwundert das Gesicht verzog. „Wie ich schon sagte, wir haben sie tausendfach gehört und ich schätze aus den Worten ''Bin ich dir jetzt leise genug, mein Häschen'' kann man genug ableiten.“

Das sie eine Pause einlegte, lag diesmal weniger daran, dass ihr die Luft knapp wurde. Viel eher hoffte sie darauf, dass er nun irgendwelche Fragen stellen würde, die ihren Vater vielleicht entlasten konnten.

Als er gerade dazu ansetzte, bekam sie eine Nachricht aufs Handy. „Nicht im Spielzeugladen, kein Busfahrer“, nuschelte sie in sich hinein. „Gut, versuch das“, gab sie ihr Eingetipptes wieder. Sie sah wieder auf und entschuldigte sich.

Sie wollten etwas über die Bilder wissen?“, entnahm sie es wohl seiner Geste zuvor. „Ich habe eine ganze Kiste von ihr auf dem Dachboden gefunden. Ich wollte sie mir ehrlich gesagt nicht alle ansehen aber wenn es hilft kann ich sie holen.“

Irgendwie klang die ''Kiste'' in seinem Kopf schwer und da es ihr nicht gut ging und es bislang keinen Grund dafür gab, lehnte er den Vorschlag ab. Dennoch ließ er sich ein bisschen mehr erzählen.

Die dunkelhaarige Frau auf dem Foto hatte ein Sternbild Schütze Tattoo auf der rechten Seite über der Hüfte. Interessant kam es ihm nur vor weil das Mädchen daran etwas stutzig machte.

Haben sie das Tattoo schon mal gesehen?“ „Ja an Alessia.“ Nachdem er ihr selbst gegenüber gestanden hatte, wusste er, dass dies falsch war. Sie hatte keine Tätowierung. Zumindest keine, die er hätte sehen können. „Nein, Sekunde ich muss mich korrigieren. Sie hatte eins aufgemalt, Sternzeichen Schütze, über der rechten Hüfte. Ich hab keine Ahnung warum, sie ist definitiv kein Tattoo Typ. Das weiß ich weil sie ziemlich von Jonny angeekelt war, nachdem sie seine Tätowierungen gesehen hat. Jonny ist unser Bruder, lebt in Neuseeland.“

Sie dachte immer noch über das Tattoo nach. Etwas war da wohl noch, was sie störte. „Was sagt denn ihr Vater dazu?“ „Zu Jonny oder dem gemalten Ding? Bei ihr hat das auf jeden Fall dazu geführt, dass er sich endlich getrennt hat.“ Sie freute sich darüber, wenn auch nur kurz.

Es ist so, für gewöhnlich erspare ich den anderen Vier was zu Hause los ist, in dem ich vorangehe. Ich stelle sicher, dass man sie nicht hört oder vielleicht auch sieht, falls es mal wieder nicht in ihrem ermäßen lag, sich etwas anzuziehen. … An diesem Tag war nicht sie zuhören sondern unser Vater. Sie waren auch nicht im Schlafzimmer sondern in der Küche oder Wohnzimmer. Sie wissen ja beides ist verbunden. Gesehen habe ich sie nicht aber das habe ich auch oft genug. Jedenfalls hat er gebrüllt, dass er keine Hengststation sei und er sie hinauswerfe, wenn sie sich nicht augenblicklich etwas anziehe. … Er hat sie hinausgeworfen in den Garten, die Kleider durchs Fenster hinterher und den Rest des Tages hat er sich im Schlafzimmer eingesperrt.“

Nach etlichen Versuchen hatte er sie nun ausgebremst bekommen. „Ignorieren sie das“, brummte sie, nachdem es wieder besser ging. „Ihr Tattoo hatte Krebs und Waage klein darunter stehen.“ Sie tippte auf das Bild. „Bei Alessia war es verwischt, keine Ahnung also. Es sollte ganz sicher genau dieses kopieren, auch wenn sie selbst Schütze ist.“ „Hatte sie denn eine Möglichkeit die Kiste zu sehen?“ „Nachdem sie sich im Haus frei bewegen konnte, ja! … Entschuldigen sie, sie haben recht, ich sollte aufhören mich darüber aufzuregen. Alessia ist es sicher nicht wert und sie tun was sie können, ich weiß.“ Traurig fiel ihr Blick zu Boden.

Es wäre schön, sie könnten mir versprechen, dass mein Vater da heil rauskommt.“ Dass er das nicht konnte war ihr klar. Sie lachte und meinte er solle ihr bloß nichts falsches Versprechen, wenn sie eins sei, dann definitiv sehr nachtragend.

Eine Frage vielleicht noch. Hätten sie vielleicht eine Idee, wo sich ein kleiner sechsjähriger Junge verstecken könnte.“ „Vielleicht bei dem Fußballspiel in ihrer Nähe.“ Er stand auf und brachte sie zur Tür vor. Seine Idee hatte sie an Fuxia weitergeleitet.

Auch wenn sie der Polizei vielleicht nicht mehr vertrauen, sollten sie sie miteinbeziehen.“ „Haben wir schon. Ich dachte, dass sie uns das raten würden aber wirklich hilfreich waren sie bis jetzt noch nicht.“ „Sie werden ihn schon finden.“ „Ich hoffe es. Ach ja, für den Fall, dass ich in der Klinik bin.“ Sie schrieb schnell eine Handynummer auf. „Auroras Nummer. Sie bloggt viel, also besser schreiben als telefonieren. Und falls sie ihn sehen …“ Sie fügte noch ein Bild von Bendix hinzu. „Bitte melden.“ Bemüht lächelnd verließ sie die Kanzlei.

 

Fortsetzung folgt ...

 

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Autor

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Kurzbeschreibung

Kein Wort darüber! Ich will nichts hören! Alexander Bucks steht einem "Mandanten" gegenüber der lieber Missetaten über sich ergehen lässt, anstatt etwas zu sagen oder gar zu tun.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Krimi auch in den Genres Entwicklung, Angst, Familie und Tragödie gelistet.

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