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Rauschen 1.00

7
24.11.2019 22:16
16 Ab 16 Jahren
Fertiggestellt

3 Charaktere

Kommissarin Kiley

Der Junge

Brandner

Der Albtraum beginnt ...

  Vor einiger Zeit / Heute

Die Erinnerungen ließen ihn nicht los und er blickte nervös den Jungen an, der keine Regung zeigte und stumm in Gedanken seine Finger abzählte.

„Du wolltest mich also sehen, … da bin ich!“ Er setzte sich schlurfend, während einer der zwei Vollzugsbeamten seine Handfesseln kontrollierte.

„Sag mir eins. Warum bin ich hier? Doch nicht weil ich darum gebeten habe? Kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.“ Sein herabwürdigender Blick richtete sich an Kommissarin Kathleen Kiley. Sie schwieg den Moment ebenso wie der Junge mit dem starren Augen.

„So still kenne ich das Bübchen gar nicht. Hat´s ihm die Sprache verschlagen!“ Er suchte seinen Augenkontakt und der Junge erwachte aus seiner Trance und hörte auf seine Finger aneinander zu reiben.

„Bereuen sie nicht was sie getan haben?“ Mit verschränkten Armen stellte sich die Kommissarin Kiley neben den stillen Jungen um ihm Sicherheit zu bieten.

„Soll ich mich entschuldigen? Für was? … Bei dir Bübchen? ...Ich denke nicht!“ Etwas lief hier nicht nach seinem Plan, allein schon das sie sich beiden Auge in Auge gegenüber saßen. Er hatte nur vor gehabt zu provozieren und Aufmerksamkeit zu schaffen, ihn wieder zu sehen brachte keine Genugtuung.

„Herr Brandner, sie sind nicht Hauptverdächtiger in einer Reihe von kriminellen Straftaten. Ihnen wird auch mehrfacher Mord und Entführung vorgeworfen. Sie sind derjenige der sich bei einem ihrer Opfer entschuldigen wollte, ... da ist er, aber nur weil er es von sich aus wollte. Nicht weil sie es verlangt haben!“  Kommissarin Kiley wich keinen Zentimeter zur Seite. Nicht ein Wimpernschlag, nicht ein Zucken durchfuhr den Jungen, starr blickten sich beide an und der Mann in Fesseln verlor, während der Junge kurz lächelte und den Kopf ungläubig schüttelte.

"Sie müssen mich vor dem Teufel da beschützen, der kriegt ja nicht mal das Maul auf. Sitzt nur so da …“ Es schien ihn plötzlich zu reizen, das der Junge schwieg und ihm nur mit den Augen folgte. "Hör auf mich an zu glotzen! … Der will keine Entschuldigung ..." Er wollte aufstehen, doch dies wurde von einem der Vollzugsbeamten unterbunden.

„ … Danke für die Chance! Ich denke nicht das wir uns wieder sehen!“ Der Junge war fertig, das war es wofür er gekommen war, ein kurzes Hallo und Aufwiedersehen, und doch war es mehr. Beim Aufstehen stützte sich der Junge am Tisch ab und erst jetzt bemerkte der Mann was er in der Hand hielt. Er legte eine Patronenkugel auf den Tisch vor ihm und drehte sie zu zu ihm, so dass sie auf Brandner zeigte. "Du hast recht. Ich wollte dir nur etwas zurück geben, was dir gehört!"

"Komm wir sind Freunde, sag´s ihnen! Oder willst du das ich ihnen die ganze Wahrheit erzähle!... wie du gejammert hast ... und es kaum erwarten konntest das ich dich fertig mache... sag was ... wie sieht dein Plan aus ... Was soll die Scheiße deswegen holen sie mich her. Für nichts!“ Er fegte die Patrone vom Tisch und er ärgerte sich das er verloren hatte. Einer der Vollzugsbeamten brachte den Jungen aus dem Befragungsraum.

Die Kommissarin hob die Kugel auf.

„Die Wahrheit, dafür sind wir hier nicht wahr? ...Diese kleinen Dinger, es ist schon komisch, ... komisch das es nur ihr Knie war, wo wir das hier herausgeholt haben! Anderes ist hartnäckiger und wird man nicht so leicht wieder los!“ Sie knallte die Hand vor Brandner auf den Tisch.

"Wie geht’s ihrem Kollegen, sein Arsch ging gewaltig auf Grundeis als es Ernst wurde?“

"Er ist vorerst beurlaubt, aber ich wette mit ihnen, diesen Anblick von ihnen hätte er all zu gerne genossen!“

"Ich hätte nie Gedacht das der Junge dieses Schneid hat und es schafft mir Angst ein zu jagen, er hat wirklich dazu gelernt! ...BRAVO!"

"Er wollte ihnen nur noch einmal in die Augen sehen, um für sich ab zu schließen."

"Wenn sie das glauben sind sie dümmer als ich gedacht habe! Rotschopf!"

"Ihre Entschuldigung war nur ein Vorwand, das wusste er und dass wusste ich. ….Es ist vorbei … legen sie ihr Geständnis ab und ersparen sie den Kindern den ganzen Quatsch. Psychartrie oder Sicherheitsverwahrung für sie, ist das nicht verlockend ... Und das einzige was wir wollen, ersparen sie ihren Opfern die erneute Aussage!“

„Ich frage sie ernsthaft ... Glauben sie wirklich das es vorbei ist, ich habe so viele gefoltert … getötet vermuten sie...und ER ist einer von Zweien die mich überlebt haben, dass dies einen Grund hat, ist ihnen nicht in den Sinn gekommen? Und das ihre „Opfer“ ja so unschuldig sind, sie sind naiv?“

„Naiv, das Einzige was ich sehe ihre Taten haben keinen Sinn, sie sind nichts weiter als ein Serienmörder. Diese zwei Menschen haben es überlebt, weil sie sie unterschätzt haben.“ Die Kommissarin blickte auf die Patrone in ihrer Hand und legte sie zurück in die Mitte des Tisches.

„Sie liegen so falsch! Sie sind am Leben, weil ich es so wollte klar, so dicht war die Waffe an seinem beschissenen Kopf! Ich bestimme! Ich habe nicht abgedrückt!“ Er hielt sich die Hände an die Schläfe und zog sie über seinen Hals : „Mein Messer steckte in ihrem Fleisch! Was sollte mich dazu bringen irgendwas für sie zu tun!“

„Ihr Gewissen.“

„Wer sagt ihnen das ich eines habe!“

„Ihr Gewissen ist der Grund warum sie leben ... und sie wollen mir ihre Geschichte erzählen. ...Wer sind sie wirklich? Sie wollen es doch! Wie hat es bei ihnen angefangen? ... Mit toten Katzen?“

„Ich bin nur ein Krüppel!“ Er lachte sie aus. „Und ich bin nicht dumm! ...Soweit ich weis, hätte ich den Jungen vor der Verhandlung gar nicht sehen dürfen, es kann sie Kopf und Kragen kosten und am Ende haben sie nichts! Aber sie sind sich dessen bewusst … sie machen nichts undurchdachtes ...“

„Ein Vergehen von dem Niemand weis, weil niemand etwas gesehen oder gehört hat, ist kein Vergehen.“ Sie wies den zweiten Vollzugsbeamten mit einem Wink an, den Raum zu verlassen und nun waren sie alleine. Sie nahm ihm die Handfesseln ab und begab sich auf sehr dünnes Eis.

„Wer sind sie?“ Ihm fielen die roten Haare auf, er flüsterte vor sich hin. „Kennen sie das kleines dürre Mädchen? Sie haben den selben Duft, den alle Rothaarigen haben, mit Sicherheit kennen sie sich! Spätestens wenn ihr Blut an meinem Messer klebt und ich ihr die Haut abziehe, wie bei einen Karnickel.“

„Mich interessiert nur ihre Geschichte!“ Die Kommissarin lies sich von ihrem Weg ablenken und ebenso wenig zeigte sie wie sehr es sie anekelte, wenn er über seine Phantasien sprach.

„Ich bin nur ein Opfer, das Opfer einer alten Hure sprichwörtlich, heute ist es anders heute kümmert man sich um die Kinder, aber manche bleiben doch ewig unsichtbar...

Sechs Tage waren vergangen und Mutter nicht heimgekehrt. Am achten Tag, öffnete der Hausmeister endlich die Haustür. Nachbarn hatten meinen Lärm in der Wohnung vernommen. Ich blieb bei ihm und erlebte in der Zeit zum ersten Mal wie übel es war in diese Welt geboren zu werden.

Nach über zwei Wochen kehrte seine Mutter zurück, sie war fürsorglich wie selten und klärte das Missverständnis auf und ich schwieg. Wieder verschwand Mutter, es wurde zur Gewohnheit das ich etwas Geld auf dem Küchentisch fand und mich von da an selbst versorgte.

Bücher waren meine besten Freunde geworden, doch ist der Schule galt ich bei meinen Mitschülern als Psycho und und dumm, so mieden mich die andere Kinder quälten mich oder warfen Steine nach mir.

Ich fand diesen kleinen Vogel, er war aus dem Nest gefallen und er wollte ihn retten. Doch all trotz all meiner Bemühungen kam er nicht durch. Kurz darauf besuchte ich den Bauernhof meines Onkels und ich sah wie er sein Pferd niederstrecken musste, welches sich die Beine gebrochen hatte. Ich hatte kein Gefühl, weder Abscheu noch Mitleid, es war nur ein dummes Tier welches vor meinen Augen getötet worden war. Ebenso wenig als Scharfernte war und ich meinem ersten Tier Strom in den Schädel jagdte.

Obwohl ich gerne bei meinem Onkel war kam ich wieder zurück zu meiner Mutter, sie schien ihr Leben ordnen zu wollen und versprach ihm das alles besser werden würde. Ein halbes Jahr später fand sie ihr Zuhälter und es begann von vorne nur schlimmer. Im Drogenrausch gestand sie mir eines Tages, das mein Vater ihr Zuhälter war und es sie immer wieder zu ihm zog. Sie schien dieses Stück trotz allem was er ihr antat zu lieben. Liebe … Sie bot mir sogar irgendwann Koks an, damit ich ruhig blieb doch ich war von einer anderen Droge besessen.“

Er leckte über seine Lippen, schien nach zu denken und erzählte aus seinen Erinnerungen.:

“Ich hatte in meinem Bett Bruteier versteckt. Vorsichtig hielt ich sie unter das Licht meiner Leselampe und sah in den ersten ein pochendes Pünktchen, das nächste war dunkler und auch dieses bewegte sich, vorsichtig öffnet ich das Ei und das darin enthaltene Hühnerembryo lebte, die Augen klickten und blickten mich an umgeben von Dotter , so würde es bald nach Stunden verenden aber ich hatte anderes vor , ich hielt das Ei. Über einer Kerze erhitzte ich eine Nadel und er stach es in das Küken , wieder und wieder bis es sich nicht mehr bewegte. Eines Tages ich muss schon Teenager gewesen sein verfolgte ich Mutter, ich wollte den Mann, meinen Vater kennenlernen der ihr das alles angetan hatte. Eine Frau nach der anderen stieg in eines der dunklen Autos. Niemanden schien zu scheren um das was hier vor sich ging. Es wurde akzeptiert, auch das Frauen geschlagen wurden und da war er der Boss. Ich bekam Angst ihn anzusprechen, so kam ich jeden Abend kam er hier her an die Stelle wo die Huren ihrer Arbeit nach gingen. Jeden Tag taucht ich auf und wartet, dann kam der Boss und erkannte mich sofort und lies mich verprügeln. Zunehmend verschwanden in unserer Nachbarschaft die Haustiere mehr und mehr Suchmeldungen säumten die Straßen der Stadt, warum es war so ... keine Ahnung, ... kleine rote zarte Blüte.

...Ich kehrte jeden Abend dort hin zurück und wurde ab da geduldet. Als ich die erste Nutte ansprach und sie mit mir ging, stellte ich fest das sie alles für Geld mit mir tun wollte und ich schlug sie wütend zusammen und lies sie dort liegen, dann warf ich das Geld auf sie. Es war nur ekelerregend, wegen der paar Kröten so etwas an zu tun. Den nächsten Abend suchte ich mir die Nächste raus, nur in der Absicht diese Miststück diesmal zusammen zu schlagen, doch diese entkam und gab ihren Beschützer Bescheid. Sie fassten mich am nächsten Abend auf und ich wollte nur zum Boss, die Attacken waren meine Botschaft an ihn, aber bevor er zu ihn gelassen wurde, bekam ich die Quittung dafür zu spüren. Er fragte mich was ich will und zeigte auf einen der gutaussehenden Stricher. Ich lies mich an ihm aus, mehr noch als an den Frauen zuvor und da er sich nicht wehrte zerstörte ich ihm das schöne Gesicht.“

„Mat Mooney! Geht also auf ihr Konto?“

„Nur sein Fönes Geficht! Dieser Scheisser ... wer hätte gedacht das der Mal die Nachfolge vom Boss antritt, aber ich hatte besseres vor! So ist das schon okay, wie es gelaufen ist. Der Scheisser hat´s sich verdient.“

„Seit dem ist es ruhiger in der Gegend geworden!“

„Ist trotzdem nur ein … damals konnte der Boss seinen Ausfall nicht dulden und machte mir unmissverständlich klar mit dem Rat "nie Gesicht zu einer Geldmaschine "berühren, denn sonst wären sie wertlos. Er hätte sich wehren können, doch der Zuhälter wollte sehen mit wem er es zu tun hatte und ich bekam lebenslanges Hausverbot. Und meinen Vater habe ich nie wieder gesehen. Ich kehrte daraufhin zu meinem Onkel zurück und begann eine Lehre in einem Schlachtbetrieb in der Nähe seines Bauernhofes und kurz darauf beging ich meinen ersten Nuttenmord und es fühlte sich gut an. In den Folge Jahren etliche weitere, während ich die Frauen sofort umbrachte, lies ich die Stricher meistens bis zum dritten Treffen am Leben! Mit einer Ausnahme, und dieser Mensch war wirklich krank. Er hat gebettelt das ich ihn erlöse.“ Er erzählte kalt ohne Regung, ohne weitere Erklärung.

„Trotz ihres Wandels haben sie es zu einer eigenen Familie gebracht!“

„Die paar Mal die sie mich ran gelassen, aber Christine ist eine gute Frau! …Ja ... Privat lernte ich Christine kennen, mit meiner unaufdringlichen Art kam ich eben gut bei ihr an. Sie war Sekretärin für meine Abteilung des Schlachthofes und jedes Mal wenn ich meinen Lohnzettel abholte kamen wir uns näher. Für mich war es nur die perfekte Tarnung. Christine hingegen war wirklich in mich verliebt. Ich bestieg sie das 1. Mal in der Hochzeitsnacht und traf gleich, es ekelte mich an und ich erfand Ausreden, das nicht nochmal tun zu müssen. Meine Tochter kam zur Welt und für sie war ich der liebevollste Vater, ebenso wie für meinen Sohn der kurz darauf das Licht der Welt erblickte. Meine Kinder liebte ich und meine Frau verachtete ich für das was sie getan hatte. Wie konnte man so was tun und es Liebe nennen, mal ehrlich . Mit meinem Sohn hatte ich alle Pflichten erfüllt. In der Idylle kam ich irgendwann nicht mehr zur Ruhe und zu diesem Zeitpunkt lag mein letzter Mord knapp vier Jahre zurück. Ich zog mit meiner Familie in ein Haus, und mit dieser Freiheit begann der Trieb in mir erneut zu keimen und ich konnte wieder töten."

„Haben sie Namen für mich! Wann war das!“ Die Kommissarin erwartete irgendwelche Hinweise.

„Was sie bis heute nicht gefunden haben, werden sie nie mehr finden und das müssen sie mir erst beweisen. Es war alles so einfach … doch als sich der Erste wehrte begann es auch wieder Spaß zu machen!"

„Wieso nun der Junge und warum lebt er?“

„Ich hatte einen Arbeitsunfall und musste ins Krankenhaus um sich behandeln zu lassen. Ich sollte operiert werden und musste dort bleiben und da fiel mir das Häufchen Elend auf, wie er in diesen Moment abweisend von seinen Eltern behandelt worden war, kam er mir einsam vor. Daraufhin observierte er ihn über mehrere Tage. … meine Frau hatte sich von mir getrennt und irgendwie vermisste ich meine Kinder , ich habe ihnen nie etwas getan, aber seit Jahren stellt dieses Miststück es so dar. … ich vermisse sie auch jetzt, meine Kinder … Ich begann zu genesen und übernahm erneut die Nachtschicht um tagsüber den Jungen zu verfolgen, dafür fuhr ich jedes mal die zwei Stunden jeden Tag. Wenn ich nicht irre waren sie auch ein zwei Mal in seiner Nähe. Schlaflosigkeit beherrschte mich und ich bereitete alles vor. Zwischendurch musste ich natürlich töten um nicht vollkommen die Kontrolle zu verlieren und ich musste üben. Den Teufel werde ich tun ihnen Namen zu geben, das Rotschopf müssen sie schon alleine heraus bekommen.“

„Dann war es keine spontane Tat?“

„Spontane Taten hinterlassen Spuren und ich mache ganz gewiss keine Fehler und dann war ich trotz der ganzen Vorbereitungen, so kurz davor meinen Plan auf zu geben...“ Die Erinnerung daran lies es ihn nochmals durch leben. „Seine Freunde lachten ihn nicht aus oder beschimpften ihn, wie man es bei mir getan hatte. Er hatte einen funktionierenden Freundeskreis, war beliebt, selbst bei dem dürren rothaarigen Mädchen, er lies sich trotz Provokationen nicht unterkriegen und dann kam alles anders … er war alleine ... es war meine Chance.“

 

Autorennotiz

- gehört zur Reihe Rauschen insgesamt 4 Teile
- spielt ca. 2 Jahre nach dem Hauptakt 1997 oder 1998 von Teil 1

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Kurzbeschreibung

Ein Verhör ist erst der Anfang ...

Kategorisierung

Diese Story wird neben Krimi auch in den Genres Thriller, Freundschaft, Familie und Tragödie gelistet.

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