Storys > Geschichten > Fantasy > Little Stories

Little Stories

17
12.5.2019 16:41
18 Ab 18 Jahren
In Arbeit

Autorennotiz

Hallo :)
Wie in der Kurzbeschreibung erwähnt geht es hier um Charaktere, die vielleicht in meinen eigenen Büchern irgendwann auftauchen werden.
Ich würde mich sehr über Feedback freuen. Umso ehrlicher, umso besser! Am liebsten nehme ich Kritik, denn dann kann ich meine Charaktere besser ausbauen. Schließlich machen die Charaktere einen großen Teil eines Buches aus.
Vielen Dank!

2 Charaktere

Ravi

A thief

Gregor

A mercenary

A thief

 

Ravi glitt geräuschlos die Mauer hinauf. Es war, als würden ihre schlanken Finger einfach über die Steine schweben, sie kaum berühren. So sah es für alle anderen aus. Aber Ravi spürte den Stein unter ihrer Haut, wie ihre Hände und Füße in jeder noch so kleinen Spalte Halt fanden und ihre Arme und Beine sie die beinah komplett glatte Mauer nach oben zogen und schoben.

Bald schon hatte sie die oberste Kante erreicht und kroch wie ein Schatten über diese. Das Mädchen blieb geduckt hocken. Ihre komplett schwarze Kleidung und das pechschwarze Haar boten ihr in der stockdüsteren Nacht die perfekte Tarnung. Nur ihre Haut, alabasterweiß, und ihre Augen, graugrüne Leuchtpunkte, glänzten leicht im schwachen Mondlicht. Nichtsdestotrotz bemerkte keine der Wachen Ravis Eindringen.

Gelangweilt standen sie um eine Feuerschale herum und wärmten sich die Hände.

Eine kleine Wolke stieg aus Ravis Mund aus, als sie Luft still ausstieß.

Sie befand sich im sogenannten Himmelsreich, in einer von dessen zwei Hauptstädte. Genauer gesagt in Luna. Wenn Ravi sich anstrengte, konnte sie auf der anderen Seite des Himmelssees Lunas Zwilling, Sidus, ausmachen. Die beiden großen Städte waren durch eine in der Nacht glitzernden Brücke verbunden.

Aber dafür, dass sich Ravi in einer der Himmelsstädte befand, zeigten sich erstaunlich wenig Sterne. Selbst der Mond schien sich diese Nacht lieber hinter einer dicken Wolkendecke zu verstecken.

Gut für Ravi.

Schlecht für den reichen Herrn, der hier seit einigen Tagen versuchte seine überteuerte Waren zu verkaufen. Genauer gesagt hatte Ravi es auf ein besonderes Artefakt abgesehen. Vor ihrem inneren Augen erschien das Bild einer zarten Perlenkette, von welcher man sagt, sie hätte das Licht der Sterne in sich aufgefangen.

Ravis Auftragsgeber verlangte eine Menge Geld, damit sie diese Kette stahl. Er behauptete, der reiche Herr hätte sie ihm selbst gestohlen und es wäre ja nur gerecht, wenn er sie zurückbekam. Egal auf welche Art und Weise.

Ravi beobachtete noch eine Weile die Wachen. Ihre Augen waren in der Nacht besser, als die von reinblütigen Menschen. Die Diebin selbst war nur ein Mischling, dessen fremdes Blut ihr bei der Arbeit zu Gute kam.

Geschickt hangelte sich Ravi die Mauer auf der anderen Seite wieder hinunter. Sie kletterte nur ein kleines Stück, ehe sie auf einen der Bäume wechselte. Dafür bohrte sie ihre Finger fest in den Stein, stemmte die Füße dagegen und zielte. Mit Kraft drückte sie sich ab, flog an die zwei Meter durch die Luft und landete dann beinah geräuschlos in dem Geäst des Baumes. Sie balancierte auf einem Ast, bis sie ihr Gleichgewicht wiederfand.

Das Alles dauerte nur wenige Sekunden, aber es kam Ravi nicht annähernd so schnell vor.

Sicherheitshalber hockte sie sich auf den Ast, der ihr geringes Gewicht problemlos ertrug, und lauschte. Vorsichtig spähte die Diebin durch das dichte Blattwerk. Die Wachen standen noch immer an der Feuerschale. Einer von ihnen erzählte einen Witz und die anderen lachten.

Ein triumphierendes Grinsen machte sich auf Ravis Gesicht breit, dann huschte sie den Ast entlang zum Stamm. Von dort kletterte sie zum Boden, ließ sich das letzte Stück fallen und landete in der Hocke neben dem Baum. Ihre graugrünen Augen schielten erneut zu den wachhabenden Männern. Sie hatten sie immer noch nicht bemerkt.

Plötzlich knackte es hinter Ravi. Sofort wirbelte sie herum und stand einer Wache gegenüber, die gerade aus dem Gebüsch kroch und die Hose zuband. Die Diebin wollte hastig hinter den Baum springen, aber da hob der kleinwüchsige Mann den Kopf und starrte sie an. Einen Moment herrschte Stille.

Was macht ein Kind hier draußen?“, fragte er. Mit einem kurzen Blick versicherte sich Ravi, dass die anderen Wachen ihn nicht gehört hatten, dann machte sie blitzschnell einen Satz nach vorne. Erschrocken wich der Mann zurück und wollte bereits nach seinen Kameraden rufen, aber Ravi hielt ihm ihre Hand vor den Mund, während sie ihm eines ihrer kurzen Messer in die rechte Niere rammte. Er zischte vor Schmerz und krümmte sich. Die Diebin nutzte dies aus, um ihn einen Stoß zu verpassen, der ihn hinten über zurück ins Gebüsch beförderte. Einen Moment stand Ravi da und betrachtete die Hand, die dem Mann das Messer in den Leib gestoßen hatte. Etwas Blut ran an den dünnen Fingerspitzen herab.

Ravi schüttelte den Kopf, um die aufkommende Benommenheit loszuwerden. Sie setzte dem Gefallenen nach und zog ihr kleines Messer aus ihm. Er stöhnte.

Es tut mir leid“, flüsterte das Mädchen. Dann tat sie etwas, das sie bei einem ihrer älteren Brüder mal gesehen hatte. Vorsichtig bog sie den Kopf des Mannes nach hinten und drückte anschließend fest auf einen Punkt unterhalb des Kiefers. Die Wache versuchte ihre zierlichen Hände wegzuschlagen, aber Ravi blieb standhaft. Nur wenige Sekunden später erschlaffte der Mann und sie ließ schlagartig los.

Es tut mir leid“, wiederholte sie, sprang auf und eilte auf leisen Sohlen durch das Gebüsch zum Haus hinüber, in dem sie hoffentlich die Perlenkette finden würde. Ravi wollte so schnell wie möglich wieder weg von diesem Ort. Sie wollte diese blöde Kette holen und abhauen, bevor jemand den bewusstlosen Mann entdeckte. Vielleicht konnte man ihn noch retten. Vielleicht erlag er nicht dieser schweren Verletzung, die sie ihm zugefügt hatte. Heftig schüttelte sie den Kopf. Sie sollte sich auf den Auftrag konzentrieren und nicht auf das Schicksal eines Unbekannten.

Ravi erreichte das prunkvoll verzierte Haus und öffnete ein Fenster, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass die Luft rein war. Geschickt glitt sie in den dunklen Raum. Ihre Augen scannten das Zimmer und ihre Füße führten sie instinktiv zum Treppenhaus. Die Diebin stieg bis in die vierte Etage hinauf und blieb vor einer verschlossenen Tür stehen. Einen Moment zögerte sie, dann probierte sie zögerlich den Türknauf zu öffnen.

Der reiche Herr hatte nicht abgeschlossen.

Skeptisch starrte Ravi ins dunkle Innere des Raumes, ehe sie ihn betrat. Sie wurde von einem lauten Schnarchen begrüßt, das so plötzlich ertönte, dass sie heftig zusammen zuckte. Verärgert sah sie zum Übeltäter hinüber.

Der reichte Herr war dicker, als sie sich vorgestellt hatte und er sabberte auf sein samtiges Kopfkissen. Hinter ihm regte sich etwas. Oder eher jemand. Ein Kopf mit langen zerzausten Haaren tauchte hinter dem fetten Wanst auf und sich müde die Augen rieb. Es war eine nackte Frau, die Ravi verwirrt anblinzelte. Dem aufdringlichen Make-up nach zu urteilen war sie nicht die Gattin des reichen Herrn.

Was willst du hier?“, krächzte die Prostituierte mit vom Schlaf belegter Stimme. Ravi war für einen Moment wie festgefroren, dann verbeugte sie sich steif.

Mein Herr hat mit mir geschimpft, weil ich in diesen Räumlichkeiten etwas vergessen habe. Ich sollte es jetzt holen, damit dieser gute Herr es nicht mitbekommt“, log die Diebin und blieb in ihrer Verbeugung, um der nackten Frau ihren gespielten Respekt zu verdeutlichen.

Die Prostituierte schüttelte den Kopf.

Ich hätte nicht gedacht, dass man in Luna Kinder nachts in besetzte Hotelzimmer lässt. Wie alt bist du eigentlich? Neun? Zehn?“

Zwölf, Ma‘am.“

Du siehst jünger aus“, fassungslos schüttelte die nackte Frau erneut den Kopf.

Los, such, was du vergessen hast und dann verschwinde!“

Ravi nickte hastig und ließ ihren Blick durch den Raum schweifen. Ihre graugrünen Augen blieben an einem schmucklosen Kästchen hängen, dass direkt auf dem Nachttisch, direkt neben dem Kopfkissen des sabbernden Herrn, stand.

Die Diebin warf der Prostituierten einen unauffälligen Blick zu, dann lief sie auf leisen Sohlen zu dem Bett. Das Kästchen war verschlossen. Erneut sah Ravi zu der Frau. Sie hatte sich wieder hingelegt und beobachtete sie. So, dass die andere es nicht sah, zog das Mädchen einen Dietrich aus ihrem Gürtel und kurz darauf sprang das Schloss des Kästchens auf.

Was brauchst du denn so lange?“, fuhr die Prostituierte sie genervt an und setzte sich wieder auf. Hastig öffnete Ravi das Kästchen und vergewisserte sich mit einem einzigen Blick, dass die Perlenkette darin lag. Dann schloss sie den Deckel wieder, in dem Moment, in dem sich die Frau vollständig aufgesetzt hatte und sie verärgert anstierte.

Entschuldigung“, sprach Ravi und nahm das Kästchen.

Ich habe, was ich brauche“, fuhr sie fort und verbeugte sich noch einmal. Da erst fiel ihr die Schnur auf, die an dem schmucklosen Stück Holz mit seinem wertvollen Inhalt, befestigt worden war. Eine Klingel über den Bett, die die Diebin vorher nicht wahrgenommen hatte, begann zu läuten, umso mehr Ravi sich mit dem Kästchen von dem Bett entfernte.

Der reiche Herr schmatzte, riss dann aber die Augen auf, als er begriff, was das Läuten bedeutete. Sein dicker Bauch wackelte ekelerregend, als er hochfuhr. Die Prostituierte starrte ihn ungläubig an, während Ravi mit ihrem Messer die Schnur durchschnitt, auf dem Absatz kehrt machte und davon sprintete.

Ein Dieb!“, brüllte der reiche Herr und sprang aus dem Bett. Ihm schien das Kästchen so wichtig zu sein, dass er vergaß sich etwas zum Anziehen überzuwerfen, als er Ravi nachsetzte. Er rannte nackt den Flur hinunter, folgte ihr durch das Treppenhaus nach unten und in den Raum, in dem sie das Fenster geöffnet hatte. Aber sie war schneller und wendiger als er.

Mit einem Hechtsprung war sie aus dem offen stehenden Fensterladen gesprungen, rollte sich gekonnt ab und lief in das Gebüsch, direkt auf die Mauer zu. Während sie rannte, schob sie das Kästchen in ihre schwarze Jacke, dann stieß sie sich auf den letzten Metern kraftvoll ab. Sie knallte volle Wucht gegen den Stein der Mauer. Die Luft wurde aus ihren Lungen gepresst, vor allem dort, wo sich das Kästchen befand. Aber das hielt sie nicht auf.

Geschickter als eine Katze erklomm Ravi die oberste Kante. Erst da bemerkten die wachhabenden Männer den nackten reichen Herrn, der aus dem Haus gestürmt kam und dabei immer wieder rief: „Ein Dieb! Ein Dieb! So haltet ihn auf! Ein Dieb!“

Ravi grinste. Der Anblick der Wachen war einfach zu köstlich. Die eine Hälfte sah den alten Herrn einfach nur fassungslos an, während die anderen angeekelt die Blicke von seinem dicken Wanst abwandten.

Mit sicheren Handgriffen kletterte Ravi auf der anderen Seite der Mauer wieder nach unten. Wenn sie erst einmal im Straßenlabyrinth Lunas‘ untergetaucht war, würde keiner mehr sie zu fassen bekommen.

Ravi lächelte bei dem Gedanken an die stolzen Gesichter ihrer Geschwister, wenn sie ihnen die Perlenkette präsentierte. Es war ihr erster Auftrag, den sie komplett alleine erledigte.

Schon hatte das Mädchen die Straße unter den Füßen und lief los. Zurück in das Versteck ihrer Familie. Während sie von ihrem Erfolg beschwingt davon huschte, konnte sie noch das Geschrei des reichen Herrn vernehmen: „Ein Dieb! Ein Dieb!“

...

A mercenary

 

Die Faust traf krachend ihr Ziel. Gregor konnte spüren, als auch hören, wie der Kieferknochen unter seinen Knöcheln brach. Sein Gegner stöhnte, verdrehte die Augen und sackte in sich zusammen. Die Menge jubelte, kreischte, tobte.

Zwei halbwüchsige Knaben drängelten sich durch das Gewusel, griffen unter die Arme des ohnmächtigen Kämpfers und zerrte ihn aus dem Kampfring. Gregor stand noch immer keuchend an der gleichen Stelle und wischte sich mit seinen riesigen schwieligen Händen Schweiß und Blut aus den Augen. Oberhalb seiner linken Augenbraue war die Haut aufgeplatzt und seine Unterlippe buckerte ordentlich. Trotzdem lächelte er.

Einen solch guten Kampf genoss er. Die meisten Menschen bekamen vor seiner großen, mit Muskeln bepackten Gestalt und dem kantigen groben Gesicht sofort Angst und gingen ihm deswegen stets aus dem Weg. Seine vielen von harten Kämpfen zeugenden Narben ließen ihn zusätzlich noch gemeiner wirken. Und älter. Dabei war er gerade mal Anfang zwanzig.

Sein Blick glitten über die Leute hinweg, die ihm immer noch zu jubelten und blieb an den gleichen grünen Augen hängen, die auch er besaß. Sein älterer Bruder Lufus nickte ihm kaum merklich zu. Im Gegensatz zu Gregor hatte sein Haar nicht diese auffallende orangerote Färbung, sondern war schwarz wie die Nacht.

Das ebenso kantig grob geschnittene Gesicht des älteren Bruders kannte kein Lächeln, es sei denn ein Leben wurde vor Lufus beendet. Da dies momentan nicht der Fall war, hatte er seinen üblichen finsteren Blick aufgesetzt und analysierte abschätzend die Lage.

Gregor und Lufus waren hier, um ihrem neusten Auftragsgeber in diesen Ringkämpfen ordentlich Kohle verdienen zu lassen. Die Brüder kämpften für ihn, während er Wetten auf sie abschloss. Mittlerweile war das Publikum von Gregors Kampftalent begeistert, die reichen Herren, die wegen ihm Geld verloren, eher weniger.

Ein Lächeln schlich sich auf sein sonst so furchterregendes Gesicht. Diese Art von leicht verdientem Geld mochte er lieber, als die, bei denen er Leute umbrachte. Aber wenn man sich als Söldner ausgab, gehörte das Morden zu seinem Beruf. Ebenso wie das Risiko selbst getötet zu werden.

Gregor trat an den Rand des Ringes, wartete darauf, ob er noch einmal kämpfen konnte oder ob die reichen Herren heute genug vom Geldverlieren hatten. Die Menschen ihm gegenüber wichen auseinander und zwei Männer mit dem gleichen muskulösen Körperbau wie Gregor traten hervor. Aber sie waren nicht seine Gegner. Zwischen ihnen hing ein Kind in ihren Armen. Es war ein kleiner Junge, vielleicht gerade mal vierzehn Jahre alt und so spindeldürr wie ein junger Baum war. Er sah ängstlich aus, trat aber trotzdem in den Ring und reckte das Kinn. Gregor musterte ihn von oben bis unten. Zerschlissene Kleidung und Dreck, der die ganze Haut des Jungen dunkler färbte, deuteten auf seine Herkunft aus der Gosse hin. Er wollte nicht kämpfen, das sah Gregor ihm deutlich an, aber er musste, um irgendwie an Geld zu kommen.

Die Leute um sie herum buhten den Jungen aus und schrien Gregor zu, dass er das Kind in der Luft zerreißen sollte. Der Blick des Söldners traf den seines älteren Bruders. Lufus lächelte.

Der Junge wurde von den beiden kräftigen Männern weiter in den Ring gestoßen und fiel dabei fast der Länge nach hin. Das Publikum lachte ihn aus. Die kleinen Hände des Kindes ballten sich zu Fäusten, dann holte es tief Luft und stieß einen entschlossenen Schrei aus, bevor es auf Gregor zu stürmte.

Dieser packte mit einer Hand eines der dünnen Handgelenke des Jungen und hob ihn an diesem hoch. Sein verängstigter Gegner schlug wild um sich, versucht mit der freien Hand Gregor zu kratzen und zu schlagen, erreichte allerdings nur dessen Arm.

Die Menge feuerte den Söldner an, rief ihm zu, wie er das Kind am besten verprügeln konnte. Manche verlangten sogar nach einem blutigen Tod. Aber Gregor hatte andere Pläne.

Er ergriff die schlagende Hand des Jungen, dann setzte er ihn vorsichtig wieder auf den Boden. Das Publikum wurde plötzlich ganz still. Ein kurzer Blick zu seinem Bruder und Gregor wusste, dass Lufus‘ Lächeln wieder verschwunden war. Er ahnte, was in dem jüngere der beiden Söldner vor sich ging.

Gregor wandte sich dem Jungen wieder zu, der ihn aus großen Augen mit so viel Angst ansah, dass er tatsächlich ein schlechtes Gewissen bekam. Sanft ließ der Söldner ihn los und drehte ihn in die Richtung zurück, aus der er in den Ring geschoben wurde.

Die reichen Herren, die die Kampfhandlungen von der Sicherheit eines Balkons beobachtetet hatten, musterten den jungen Mann mit dem kantigen Gesicht argwöhnisch.

Das ein Junge ist!“, rief Gregor zu ihnen nach oben und er hörte ein unterdrücktes Prusten aus dem Publikum. Viele Leute fanden seine spezielle Art zu reden mit dem fremden Akzent und der nicht ganz richtigen Grammatik zum Lachen. Aber das war dem Söldner egal. Er war, wer und was er ist. Auch wenn Lufus ihm oft verbat den Mund aufzumachen.

Die Herren sich schämen sollten, dass ein Kind für sie um Leben und Tod kämpfen muss!“, fuhr Gregor fort. Dabei legte er seine riesigen Hände auf die schmächtigen Schultern des Kindes. Erst jetzt spürte er, wie sehr der Junge vor Angst zitterte.

Gregor verlangen Geld für seine Kämpfe und dann will er gehen!“, verkündete der Söldner. „Und der Junge auch.“

Du bist selbst noch ein Junge“, erwiderte sein Auftragsgeber kühl. „Also tu, was von dir erwartet wird. Brich dem Kind die Knochen, zertrümmer sein Gesicht oder reiß ihm die Eingeweide heraus. Das ist es, was wir hier sehen wollen, und nicht solche Moralapostel. Bisher hattest du keine Probleme die Leute mit den blanken Fäusten zu zerquetschen.“

Der Junge erstarrte, als Gregors Griff fester wurde. Der Söldner spannte den Kiefer an und starrte finster zu dem reichen Herrn auf. Die Leute um sie herum waren immer noch mucksmäuschenstill und warteten gespannt darauf, wie es weiterging.

Schließlich gab Gregor ein Schnauben von sich.

Gregor zerquetschen erwachsene Leute, die sich wehren können, keine Kinder. Kinder nichts verloren haben in Kampfring“, mit diesen Worten gab er dem Jungen einen Stoß, welcher ihn vom Kampfplatz stolpern ließ. Sofort ergriff das Kind die Flucht und hechtete geschickt zwischen den Beinen der Leute davon. Wütend zischte der Auftragsgeber und Gregor sah aus den Augenwinkeln, wie Lufus‘ Lippen stumme Flüche ausstießen und sein Bruder begann sich durch die Leute zu drängeln.

Die zwei kräftigen Männer, die den Jungen vorhin in den Ring gebracht hatten, griffen Gregor an. Der eine donnerte dem Söldner die Faust in den Magen, der andere packte sein orangerotes Haar und zerrte somit seinen Kopf nach hinten. Aber den Schwung nutzte Gregor um seine eigenen Fäuste hochzureißen und dem einen Kerl einen Kinnhacken vom Feinsten zu verpassen. Wie bei seinem letzten Gegner spürte er die Knochen unter seinem Schlag brechen. Nur wurde dieser Mann nicht gleich ohnmächtig, sondern taumelte benommen nach hinten. Erschrocken und empört knurrte der Mann, der seinen Griff in Gregors Haare verfestigte. Allerdings wand sich dieser um die eigene Achse, spannte seine Beinmuskulatur an und sprang ihm mit dem Kopf voraus in den Bauch. Dabei schlang er seine langen Arme um den Rumpf des Mannes, welcher den Griff in seinem Haar nun doch lockerte. Allerdings zu spät. Gregor brachte einen seiner Füße hinter die seines Gegners und brachte ihn so zum Fall. Hart landete der Mann auf dem Rücken, wurde aber gleich wieder von dem Söldner gepackt, welcher ihn nun mit den Fäusten bearbeitete, bis das Blut spritzte. Als der Kerl sich nicht mehr rührte, erhob sich Gregor.

Die Leute um ihn herum hatten einen großen Kreis um ihn gebildet und starrten ihn mit Entsetzen in den Augen an. Wütend bleckte Gregor die Zähne. Blut klebte noch von der aufgeplatzten Lippe an ihnen.

Der andere Mann mit dem gebrochenen Kiefer schwankte auf den Söldner zu, aber da zischte eine silberfarbene Schneide durch die Luft und mit einem fast schon sanften „Plop“ löste sich der Kopf des Mannes von dessen Hals. Lufus lächelte, als er sein nun blutbesudeltes Breitschwert mit dem verzierten Griff locker auf seiner Schulter ablegte.

In diesem Moment wurden die Türen zu der kleinen Kampfarena aufgerissen.

Keiner bewegt sich!“, brüllten Soldaten, die in Massen in das Gebäude strömten. Allerdings hörte keiner auf sie. Panik brach aus und das Publikum rannte wild durcheinander, suchte andere Fluchtwege, um nicht verhaftet zu werden. Gregor und Lufus warfen sich kurze Blicke zu. Dann stürmten sie auf die abgelegene und gut bewachte Treppe zu den reichen Herren zu. Die beiden Wachen auf der ersten Stufe wurden einfach von Gregor umgerannt und fielen anschließend Lufus‘ Breitschwert zum Opfer. Oben angekommen donnerte der jüngere der beiden Söldner mit langen schweren Schritten direkt auf ihren Auftragsgeber zu, packte ihm am Kragen und hielt ihn drohend über das Gelände des Balkons. Verängstigt händigte der reiche Mann ihm sofort den Sack voller Gold aus, das die Brüder heute im Ring erkämpft hatten.

Die anderen Reichen ergriffen die Flucht, als Lufus mit einem finsteren Lächeln die Treppe nach oben kam. Des Sieges sicher und ohne von den Razzia in irgendeiner Weise beunruhigt, trat er neben seinen jüngeren Bruder. Er nahm ihm den Goldsack aus den Händen und betrachtete erst dann die Soldaten, die versuchten so viele Leute aus dem Publikum wie möglich zu verhaften.

Lass uns abhauen“, verkündete Lufus und Gregor grunzte zustimmend. Der reiche Herr atmete fast schon erleichtert aus, fing dann aber an zu kreischen, als der jüngere der beiden Söldnern ihn über das Gelände fallen ließ. Das Gekreische stoppte abrupt, als der Reiche unten auf dem harten Boden aufschlug. Der Balkon lag nicht hoch, der Sturz war also nicht tödlich, aber trotzdem schmerzhaft.

Die Söldner – Brüder schlichen sich am Rand dem wild herum rennenden Gemisch aus Leuten und Soldaten zu einem Hinterausgang und schlüpften anschließend unbemerkt auf eine schmale Straße. Dort erst gab Lufus seinem jüngeren Bruder ein einfach Schwert, dessen Klinge einige Kratzer und Kerben aufwies. Mit einem glücklichen Lächeln nahm Gregor die Waffen entgegen. Sie war alt und schlicht, nicht so auffällig und bei weitem nicht so verziert wie Lufus‘ Breitschwert, aber der jüngere der beiden Söldner liebte dieses Schwert.

Komm jetzt“, eilte Lufus und verfiel, ohne auf Gregor zu warten, in einen flotten Laufschritt. Sein jüngerer Bruder folgte ihm augenblicklich und zusammen verschwanden sie in dem Gewirr aus Gassen.

Die Blicke der Leuten spiegelten pures Entsetzend und Angst wieder, als die beiden blutbefleckten Söldner an ihnen vorbei liefen. Wobei Gregor deutlich erschreckender wirkte als sein Bruder. Solch ein kantiges grobes Gesicht mit den vielen Blessuren und ein Hemd mit zahlreichen roten Flecken, Hinterlassenschaften seiner Gegner, sahen die Bürger dieser abgelegenen Bergstadt selten. Und somit machten sie den beiden auch sofort Platz.

Die Söldner blieben erst stehen, als sie außerhalb der Stadt waren. Lufus lächelte noch immer und mit Genuss betrachtete er das Blut auf seinem Breitschwert. Gregor betastete derweile vorsichtig sein geschundenes Gesicht.

Das hat Spaß gemacht“, verkündete Lufus schließlich. Dann verdunkelte sich sein Gesicht und er betrachtete seinen jüngeren Bruder mit einem bedrohlichen Blick.

Nur warst du wieder einmal erbärmlich! Hättest du dieses Kind einfach verprügelt hätten wir jetzt noch mehr Geld“, schimpfte er. Gregor zuckte nur mit den Schultern.

Ein Kind verletzten nicht richtig ist“, erwidert er ruhig. Lufus verpasste ihm einen Schlag ins Gesicht.

Halt den Mund. Du weichherziger Dummkopf“, donnerte er und stampfte dann davon. Gregor sah ihm stumm hinterher. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als er an den Jungen dachte.

Möge Lufus ihn doch immer wieder als dumm bezeichnen, Gregor bedauerte es keinesfalls, dem Kind nicht weh getan zu haben. Ja, er war ein Söldner, aber im Gegensatz zu seinem Bruder besaß er noch ein Herz. Wenn auch nicht gerade für seine Gegner. Aber tief in seinem Inneren war da Skrupel.

Und an diesen klammerte sich der große furchterregend aussehende junge Mann mit den vielen Narben.

 

...

 

 

Feedback

Logge Dich ein oder registriere Dich um Storys kommentieren zu können!

Autor

Jokeruls Profilbild Jokerul

Bewertung

Noch keine Bewertungen

Statistik

Kapitel:2
Sätze:269
Wörter:3.957
Zeichen:22.921

Kurzbeschreibung

Kurze Geschichten von den verschiedensten Charakteren, die hoffentlich irgendwann ihre Wege in meine geplanten Bücher finden.

Kategorisierung

Diese Story wird neben Fantasy auch in den Genres Freundschaft, Schmerz & Trost und Familie gelistet.