Storys > Geschichten > Drama > Angels Complicated Lovestory...!

Angels Complicated Lovestory...!

51
3
13.04.21 23:46
18 Ab 18 Jahren
Homosexualität
In Arbeit

Mein Name ist Angel Summers. Ich finde den Namen echt cool. Tja, wäre ich doch nur so cool wie mein Name. Was gibt es über mich zu erzählen? Wenn man meinen Namen hört, dann denkt man wahrscheinlich, dass ich ein hübsches, geheimnisvolles und selbstbewusstes Mädchen bin. Naja, tatsächlich ist es genau das Gegenteil. Also zum Einen bin ich kein Mädchen, sondern ein Junge. Ob ich hübsch bin, kann ich selbst gar nicht so wirklich beurteilen. Ich denke schon, dass ich nicht unbedingt hässlich bin. Aber bin ich hübsch? Keine Ahnung. Aber ich bin auf jeden Fall alles andere als beliebt. Ich bin ein schwuler Teenager, der sich auch gerne mal androgyn kleidet. Beim Kaufen meiner Klamotten gehe ich auch oft mal in die Frauenabteilung. Für Frauen gibt es einfach viel schönere Sachen. Doch meistens trage ich schwarze Jeans und schwarze Shirts, wo auch mal der ein oder andere farbige Eyecatcher zu finden ist. Ab und zu findet auch das ein oder andere Make-Up den Weg in mein Gesicht. Ich höre leidenschaftlich gerne Rock Musik. Allerdings meistens so in der Symphonic-Metal Richtung. Auf meiner alten Schule waren mein Style und meine Sexualität ein großes Thema. Dort war ich nur der Schwuchtel – Emo! Nun, jetzt gehe ich auf eine andere Schule. Diese ist im Vergleich zu meiner alten, mit einem guten Ruf versehen. Okay, ich weiß natürlich, dass ein guter Ruf nicht immer etwas zu bedeuten hat. Aber meine Hoffnungen sind groß. Schlimmer als auf der anderen Schule kann es doch nicht werden, oder? Immerhin ist mein Leben schon schwer genug! Dass ich schwul bin, wissen meine beste Freundin Ava (die ebenfalls auf meine neue Schule geht) und meine Geschwister Kian und Suri (gehen auch auf meine neue Schule) und natürlich meine alten Klassenkameraden. Meine Eltern haben davon keine Ahnung. Meinem Vater kann ich es nicht erzählen, denn er ist wahrscheinlich der größte Schwulenhasser, den ich kenne. Als er 18 war, erfuhr er, dass sein Bruder schwul ist. Und seitdem hat er nie wieder ein Wort mit ihm gesprochen. Das ist jetzt 30 Jahre her und es sieht nicht danach aus, als würde es sich ändern. Zu meinem Onkel Dario habe ich übrigens ein tolles Verhältnis (wovon mein Dad auch nichts weiß). Ich bin oft heimlich bei ihm und seinem Mann Steve. Sie wissen beide ebenfalls, dass ich schwul bin, und sie unterstützen mich, wo sie können. Meiner Mum kann ich auch nichts von meiner Sexualität erzählen, denn sie würde es vermutlich meinem Vater erzählen. Doch manchmal glaube ich, dass sie etwas ahnt. Denn während sie mich bei allem, was ich tue unterstützt, versucht mein Vater mich ständig zu einem „richtigen Mann" zu erziehen. Meine Situation ist also total kompliziert. Und dann war ich auch noch auf einer Schule, wo ich wegen meiner Sexualität gemobbt wurde. Hoffentlich habe ich auf der neuen Schule mehr Glück. Aber wirklich dran glauben tue ich nicht...

 

„Angel stehst du bitte auf? Es gibt Frühstück." Meine Mutter streckt ihren Kopf durch meine Zimmertüre und spricht mich etwas lauter an. In ihrer Stimme kann ich erkennen, dass sie sich wohl über etwas aufgeregt hat. Wenn ich wetten könnte, dann würde ich tippen, dass es wegen meines Dad ist. Die beiden streiten mittlerweile fast täglich. Und das meistens lautstark. „Alles klar, Mum, ich komme gleich runter." Ohne noch ein weiteres Wort zu sagen, geht sie wieder raus und lässt mich alleine. Langsam stehe ich auf und gehe mich duschen. Danach ziehe ich mich an und gehe in die Küche. Dort angekommen werde ich direkt von meinem Dad empfangen, der die Augen verdreht. „Junge, du hast schon wieder so unmögliche Klamotten an. Kannst du dich nicht mal vernünftig kleiden? So wie andere Jungs in deinem Alter?" „Die Sachen gefallen mir, Dad. Und deshalb trage ich sie auch." Ich verstehe einfach nicht was er ständig an meinen Sachen auszusetzen hat. Ja, meine schwarze Jeans hat Löcher, aber das ist heute angesagt. Fast jeder trägt das so. Und ich trage ein schwarzes T-Shirt mit roten Sternen darauf. Sterne mag ich auch. Also was ist sein beschissenes Problem? Es ist einfach jeden Tag das Gleiche! Eigentlich sollte es mich langsam echt kalt lassen, aber das tut es nicht. Es versetzt mir jedes Mal einen Stich, wenn er wieder auf mir rumhackt. Und wenn es nur meine Klamotten sind. Es nervt! Gerade will mein Vater wieder aufbrausen, da versucht meine Mum die Situation zu beruhigen. „Lass den Jungen doch tragen, was er will. Er findet es schön und ich finde auch, dass ihm die Sachen gut stehen. Hör doch endlich auf, unseren Sohn ändern zu wollen." Man erkennt an Mums aggressivem Tonfall, dass sie wütend ist. Sie muss sich echt beherrschen, nicht auszurasten. Ihre Worte zischt sie in einem wütenden Ton, der mich und meine Geschwister zusammenzucken lässt. Sagte ich eben noch, dass Mum versucht, meinen Vater zu beruhigen? Sie hat eher das Gegenteil erreicht. Denn er nimmt die Worte meiner Mum als Anlass, wieder komplett auszurasten. „Ich versuche einfach unserem Sohn beizubringen, wie sich ein Mann zu kleiden hat. Was ist daran so falsch? Willst du, dass er sich zu einer Schwuchtel entwickelt? Also ich nicht. Deshalb achte ich darauf. So wie er aussieht, wird er niemals eine Freundin finden." Seine Worte hat mein Vater eher gebrüllt als normal gesprochen. Weshalb ich nun sehr stark zusammengezuckt bin. Das nutzt er aus, um direkt nochmal auszurasten. „Mensch Junge, benimm dich doch nicht wie so eine Pussy. Du bist ein richtiges Weichei. Das musst du echt ablegen." Dazu sage ich nichts mehr, sondern stochere niedergeschlagen in meinem Müsli rum. Versteht ihr nun, warum ich meinem Vater nicht die Wahrheit sagen kann? Er würde mich enterben und verstoßen, wenn er es wüsste. Ja, er benimmt sich echt scheiße, wenn es darum geht. Aber er ist trotzdem mein Dad. Und ich liebe ihn. Also muss ich es vor ihm geheim halten. Würde er es erfahren, dann wäre hier die Hölle los. „Schatz, was hast du denn heute so vor an deinem letzten Tag, bevor du auf die neue Schule gehst?" Mum lächelt mich an und versucht extra, meinen Vater zu ignorieren. „Ehm, ich treffe mich heute mit Ava, wir wollen den letzten Tag zusammen genießen." Das ist übrigens nicht ganz die Wahrheit. Ich treffe mich zwar später mit Ava, aber vorher fahre ich zu meinem Onkel. Aber das kann ich meinem Vater natürlich nicht sagen. Meine Mum nickt lächelnd und wendet sich dann an meine Geschwister. „Und was habt ihr so vor?" Kian lehnt sich lässig in seinem Stuhl zurück und lächelt. „Ich gehe mit den Jungs Football spielen und dann mit ihnen und ein paar Mädels an den See." Mein Bruder Kian ist einer der beliebtesten Jungs der Schule. Er ist Teil der Schulfootballmannschaft. Mein Vater ist wahnsinnig stolz auf ihn, denn Kian ist halt typisch Mann. So wie mein Vater auch mich gerne hätte. Kian ist perfekt durchtrainiert, er ist beliebt, gut in der Schule und ein echter Mädchenschwarm. Wir sind 11 Monate auseinander, was er mir aus Spaß immer wieder unter die Nase reibt. Wahrscheinlich denken die meisten jetzt, dass wir nicht gut miteinander klarkommen, aber so ist es tatsächlich nicht. Wir haben ein tolles Verhältnis zueinander. Ich liebe ihn über alles, genau wie ich meine Schwester Suri liebe. Sie ist 15 und fast schon eine sehr gute Freundin. Die zwei sind, neben meinem Onkel Dario und seinem Mann Steve, meine Stütze in der Familie. Suri ist Cheerleaderin an der Schule und ihre beste Freundin ist der Kapitän der Cheerleader. DALIA! Ich mag sie nicht und ich glaube, sie mag mich ebenfalls nicht. Dalia ist extrem eingebildet und hält sich für die Geilste. Ist sie aber meiner Meinung nach nicht. Naja egal, ich möchte jetzt echt nicht über sie nachdenken. Ich bin froh, dass ich jetzt nicht nur auf die gleiche Schule wie Ava gehe, sondern auch wie meine Geschwister. Die Beiden sind immer für mich da und beschützen mich, vor allem Kian. Daher hoffe ich einfach, dass ich es in der neuen Schule besser haben werde. Aber hoffen und spekulieren bringen nichts. Ich muss mich einfach darauf einlassen. Wird schon alles gut! Hoffe ich! „Siehst du, dein Bruder verhält sich ganz normal. Er macht Dinge, die völlig normal für Männer sind. Nicht so wie du, im Zimmer irgendwelche Gedichte und so einen Kram schreiben." Mein Vater verdreht die Augen und schaut dann wieder grimmig in meine Richtung. Ja, ich schreibe Gedichte und auch manchmal Songs. Das kann ich gut und es macht mir Spaß, aber das versteht mein toller Dad ja nicht. Wenn es nach ihm ginge, dann würde ich den ganzen Tag Football spielen und an Autos schrauben. Aber das interessiert mich einfach nicht. Nur leider kann er das ja nicht akzeptieren. „Dad, lass Angel doch seine Hobbies. Die Sachen, die er schreibt sind wirklich gut und er hat Talent. Er muss doch nicht irgendeinen Sport machen, um ein Mann zu sein. Du solltest endlich mal verstehen, dass wir einfach unterschiedlich sind. Wären alle Menschen gleich, dann wäre es doch langweilig." Bei diesen Worten lächelt Kian mich an. Und ich bin ihm wie so oft dankbar, dass er sich für mich einsetzt. Ich kann sehen, dass bei meinem Vater die Halsschlagader bedrohlich anfängt zu pulsieren. Gerade will er wahrscheinlich wieder anfangen auf mir rumzuhacken, als meine Mutter ihm zuvor kommt. „Michael, sei jetzt endlich still und lass den Jungen in Ruhe. Angel ist toll, genau so wie er ist. Hör auf, ihn ständig ändern zu wollen. Du bist einfach ein furchtbarer Mensch und langsam fängst du echt an mich zu nerven mit deinem ständigen Meckern." „Sag mal geht's noch? Nur weil du zulässt, dass sich unser Sohn zu einem armseligen Opfer entwickelt, muss ich das nicht zulassen. Der Junge wird langsam aber sicher zu einer Schande für diese Familie und das werde ich hier nicht dulden. Ich ziehe keinen Versager groß." >> Klatsch<< Meine Mum hat meinem Dad ohne Vorwarnung eine geknallt. Der Schlag hatte ordentlich Bums, denn seine Wange wird sofort rot. Kurz ist er zu perplex um etwas zu sagen, doch dann steht der Vulkan kurz davor zu explodieren. Das ist für meine Geschwister und mich das Signal, die Küche so schnell es geht zu verlassen. Wir wissen, dass unser Dad niemals eine Frau schlagen würde. Hätten wir auch nur den kleinsten Verdacht, dass er ihr was tun würde, dann würden wir bleiben. Doch beim gegenseitigen Anbrüllen wollen wir nicht anwesend sein. Meine Eltern streiten sich in letzter Zeit sehr oft. Meistens bin ich daran schuld. Naja, eigentlich immer! Ich spüre, wie mir die Tränen kommen, doch ich versuche krampfhaft, sie zu unterdrücken. Die Worte meines Vaters tun jedes Mal einfach so sehr weh. Warum kann er mich nicht lieben und akzeptieren, so wie ich bin? Stattdessen macht er mich ständig fertig, weshalb meine Mum immer wieder mit ihm streitet. Meine Familie ist fast am Ende! Und ich bin daran schuld.

 

 

 

 

 

 

 

Könnt ihr Angels Gedanken verstehen? Oder findet ihr, dass er keine Schuld hat ?��

„Mach dir keinen Kopf Angel. Unser Vater wird sich irgendwann noch einkriegen und die Dinge anders sehen." Kian versucht mich mit seinen Worten zu beruhigen, aber das funktioniert nicht wirklich. „Nein, er wird sich nicht beruhigen oder die Dinge anders sehen. Du hast ihn gehört, Kian. Ich bin eine Schande für die Familie. Er hasst mich und das obwohl er noch nicht mal weiß, dass ich schwul bin. Würde er es wissen, dann würde er mich im hohen Bogen rauschmeißen. Vorausgesetzt ich habe Glück, denn wenn ich Pech habe, dann versucht er vorher die „Schwuchtel" aus mir heraus zu prügeln." Ich hasse dieses Wort, aber ich weiß, dass ich genau das für meinen Vater wäre, wenn er die Wahrheit wüsste. Traurig schaue ich auf den Boden und merke dann, wie meine Schwester ihren Arm um mich legt. Eben habe ich noch versucht, meine Tränen zu unterdrücken, aber das kann ich jetzt einfach nicht mehr. Plötzlich bricht es aus mir heraus und ich fange bitterlich an zu weinen. Mit jedem Mal, wo mein Vater auf mir herumhackt, kann ich spüren, wie mein Herz ein klein wenig mehr bricht. Die Frage ist, wie lange halte ich es noch aus, bevor mein Herz endgültig in 1000 Teile zerbricht? Ich fange immer mehr an zu weinen, weshalb Suri mich nun fest in den Arm nimmt. Und dann ergreift Kian wieder das Wort.

„Angel, du weißt, dass ich niemals zulassen würde das er dich schlägt oder rausschmeißt oder? Solange ich lebe, wird dir nie wieder jemand Gewalt antun. Das habe ich mir geschworen, als du deine alte Schule verlassen hast." Sein Tonfall ist sanft und freundlich und er schenkt mir ein warmes und liebevolles Lächeln. Dafür liebe ich meine Geschwister, denn sie sind einfach immer für mich da. Ohne sie könnte ich das alles gar nicht aushalten. Auch wenn ich das nicht will, wandern meine Gedanken zu Kians letzten Satz. Genauer gesagt, zu dem Teil mit der alten Schule. Ich schlucke und merke dabei wie mir schlecht wird.

Seit meine Mum mich von der Schule weggeholt hat, haben wir nie wieder darüber gesprochen, was damals alles passiert ist. Das war vor einem halben Jahr. Seitdem war ich zu Hause und habe versucht, die Sachen zu verarbeiten. Zu schlimm sind die Erinnerungen an die alte Schule und an ihn...LAURIN! Bevor ich mit Laurin zu tun hatte, hätte ich niemals gedacht, dass man vor einem Menschen so schreckliche Angst haben kann. Wenn ich ihn von weitem auf mich zukommen sehe, dann wechsle ich blitzschnell die Straßenseite, oder kehre um. Wenn ich alleine irgendwo bin, schaue ich mich an manchen Tagen, nach jedem Schritt um. Das tue ich um sicherzustellen, dass er nicht plötzlich hinter mir auftaucht. Laurin ist nicht nur ein übler Mobber, er ist ein Monster. Noch immer habe ich oft Alpträume wegen ihm, manchmal wache ich schreiend auf. Meistens kommen Kian und Suri dann in mein Zimmer gestürmt um mich zu trösten. Unsere Eltern bekommen das nie mit, da sie auf einer anderen Etage liegen. Unser Haus hat 2 Etagen und meine Eltern schlafen unten, während wir 3 oben liegen. Ich bin Suri und Kian unendlich dankbar, dass sie es unseren Eltern nie erzählen. Und ebenfalls dankbar bin ich dafür, dass sie mich nicht zwingen über die Sache mit Laurin zu sprechen. Ich will die Vergangenheit einfach nur vergessen. Leider ist das nicht so einfach, wenn dein Dad ständig davon anfängt. Und das nicht gerade nett. Er sagte ständig so Sachen wie: „Bist doch selbst schuld, wenn du dich wie so eine ekelhafte Tunte benimmst. So etwas hätte ich auch verprügelt!"

 

Ja, sowas muss ich mir immer wieder von ihm anhören. Ich glaube, dass er mich gar nicht mehr liebt. Das tut er glaube ich schon nicht mehr, seit ich in die Junior High gekommen bin. Egal was ich versuche, nichts ändert daran etwas. Alles was ich mir wünsche, ist die Liebe und Unterstützung meines Vaters. Ich liebe ihn doch! Der nächste Schwall Tränen bricht heraus. Es schmerzt einfach so sehr nicht vom ihm akzeptiert zu werden. „Ja, ich weiß, Kian. Und ich bin wirklich froh, dass ich euch beide an meiner Seite habe. Ohne euch würde ich wahrscheinlich längst durchdrehen." Beide umarmen mich und wir lächeln uns an. Als keiner von uns mehr etwas sagt, können wir unsere Eltern in der Küche immer noch streiten hören. Und das obwohl wir draußen auf der Treppe sitzen.

 

Um den Streit unserer Eltern nicht weiter hören zu müssen, gehen wir zusammen zu Kians Auto. Da er fast 17 ist, hat er schon eins. Ein schönes Teil. Und nicht gerade billig. Natürlich hat er den von unserem Dad bekommen, von wem auch sonst. Wann immer es sich ergibt, nimmt er uns beide mit. „Steigt ein, ihr zwei. Angel ich nehme an, dass du nicht den ganzen Tag mit Ava verbringst? Viel eher hattest du wahrscheinlich vor, zu Onkel Dario zu fahren?" Ich grinse leicht. Meinen Geschwistern kann ich echt nichts vormachen, sie durchschauen mich immer sofort. „Ja das ist richtig. Wir haben gestern Abend telefoniert und er hat mich zu sich und Steve eingeladen." „Alles klar, wir fahren dich hin, oder Suri?" „Klar, fahr los. Dann kann ich Onkel Dario auch nochmal Hallo sagen." Meine Geschwister haben ebenfalls , wenn auch heimlich, ein gutes Verhältnis zu Dario und Steve. Dad würde komplett ausrasten, wenn er es wüsste. Keine 20 Minuten später parken wir vor dem Haus unseres Onkels. Zusammen gehen wir zur Haustür und Kian klingelt. Nur ein paar Sekunden später öffnet unser Onkel uns auch schon die Tür. Als er uns drei sieht, strahlt er vor Freude und winkt uns herein. „Oh, wie schön euch alle drei zu sehen, kommt doch rein."

 

Das tun wir dann auch. Im Wohnzimmer werden wir dann auch schon von Steve empfangen. Suri umarmt unseren Onkel und gibt ihm einen Kuss auf die Wange. Dann macht sie das Gleiche bei Steve. Und als auch Kian die beiden mit Umarmungen, aber ohne Küsse auf die Wange, begrüßt hat, bin ich dran und umarme die beiden ebenfalls. „Wollt ihr drei etwas trinken? Habt ihr schon gefrühstückt?" Freudig schaut Dario uns an. „Für mich und Suri nichts, Onkel. Aber Angel hat heute nur in seinem Müsli rumgestochert. Er könnte etwas vertragen. Suri und ich sind gleich verabredet. Wir wollten Angel nur hier absetzen. Und am besten packst du zum üppigen Frühstück noch ein paar fette Umarmungen und aufmunternde Worte obendrauf." Verständnislos stöhnt Dario auf und verdreht die Augen. „Lasst mich raten, mein lieber Bruder hat mal wieder auf Angel rumgehackt?" „Ja das hat er. Kian und ich wären am liebsten dazwischen gegangen. Aber dann hat Mum ihm schon eine verpasst. Danach sind wir dann gegangen. Hatten keine Lust, uns wieder diesen ganzen Mist anzuhören. Dad hat Angel als größte Schande der Familie bezeichnet. Kennst ihn ja." Suri schüttelt verständnislos den Kopf. Onkel Dario tut es ihr gleich. „ Komisch, eigentlich dachte ich immer, ich wäre die größte Schande der Familie. Dieser Mann kann sich aber auch echt nicht entscheiden. Nun gut, ihr könnt dann jetzt zu euren Verabredungen gehen. Steve und ich kümmern uns um euren Bruder." Suri und Kian machen sich zum Aufbruch bereit, nachdem Kian ein kurzes „Danke" in den Raum geworfen hat. Zum Abschied drücken mich sowohl Suri, als auch Kian noch einmal an sich. Kian hält mich etwas länger, als gewöhnlich im Arm, ehe er mir schließlich ein warmes Lächeln schenkt, was mich automatisch mitlächeln lässt.

 

"Lass den Kopf nicht hängen, kleiner Bruder. Wir haben doch uns. Krone richten und weiter geht's." Ich nicke, auch wenn der dicke Kloß in meinem Hals, der seit dem Frühstück mein Begleiter an diesem Morgen ist, bereits wieder an zu schwellen beginnt. "Danke", hauche ich schwach, denn zu mehr fühle ich mich in diesem Augenblick auch nicht in der Lage. Was würde ich nur ohne Kian tun? Was würde ich ohne meine Geschwister, meinen Onkel und Steve bloß anfangen? Ohne ihre Unterstützung... daran mag ich gar nicht denken. Nachdem meine Geschwister gegangen sind, bin ich nun mit Dario und Steve alleine. Mein Onkel nimmt sich Kians Worte zu Herzen und zaubert im Eiltempo ein üppiges Frühstück. Währenddessen zeigt mir Steve Fotos vom letzten Urlaub der beiden. „Angel, du musst unbedingt mal mit uns in den Urlaub fliegen. Die Karibik ist wunderschön. Und auch Australien und Afrika sind unglaublich." Wenn ich mir die Bilder von weißen Sandstränden, türkis-blauem Wasser und wunderschönen Sonnenuntergängen ansehe, dann glaub ich ihm sofort. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, dass es so schöne Orte auf der Welt gibt. Klar, Los Angeles ist auch toll, aber das kann man mit solch schönen Orten nicht vergleichen.

„Oh, ich würde wirklich sehr gerne mal mitkommen, aber ihr wisst, dass es nicht geht." Steve schaut kurz traurig zu Dario, bevor er wieder anfängt zu sprechen. „Stimmt, das geht ja nicht wegen deines Dads. Es ist so schade, dass er so ein festgefahrener und verbohrter Blödmann ist." „Tja, ich hasse es ja, das ich ihm noch nicht mal sagen kann, dass ich Kontakt zu Onkel Dario habe. Ich verstehe ihn einfach nicht. Es ist immerhin sein Bruder." Dario hat gerade die letzten Sachen auf den Tisch gestellt, als er niedergeschlagen aufstöhnt. „Weißt du Angel, dass mein Bruder seit 30 Jahren nicht mit mir geredet hat, weil ich schwul bin? Das tut auch jetzt noch unglaublich weh. Er ist immerhin mein Bruder und ich vermisse ihn. Aber 30 Jahre sind eine lange Zeit und ich glaube nicht daran, dass er sich jemals ändern wird. Dein Vater wird mich nie wieder als seinen Bruder ansehen. Für ihn bin ich gestorben, weil ich Frauen nicht so lieben kann, wie er es tut. Das muss ich akzeptieren. Aber du solltest dir nicht alles von ihm gefallen lassen. Es ist egal, ob er dein Vater ist oder nicht. Du bist ein wertvoller Mensch Angel. Ja, du bist schwul. Na und? Dieses Thema ist für Kids in deinem Alter schon so alles andere als einfach. Ich weiß es. Immerhin habe ich mich mit 17 getraut, mich zu outen. Und das war verdammt schwer. Davor habe ich jahrelang mit mir gekämpft. Habe mich für meine Gefühle gehasst, habe mich gefragt, warum ich so ein Monster bin. Und ich habe mich gezwungen, hetero zu sein. Ich hatte sogar eine Freundin."

Ich reiße überrascht die Augen auf. „Du hattest eine Freundin? Das wusste ich ja gar nicht." „Ja, hatte ich. Da war ich 15. Wir waren ein Jahr zusammen. Dieses Jahr war für mich eine emotionale Qual. Mit ihr hatte ich sogar mein erstes Mal. Und ich fand es grauenhaft. Mit einem Mädchen zu schlafen fühlte sich einfach nicht richtig an. Irgendwann habe ich dann mit ihr Schluss gemacht und ihr war sofort klar, dass ich schwul bin. Deshalb war es für sie auch okay. Wir waren danach noch befreundet. Und sie war es schließlich, die mich ermutigt hat mich vor meiner Familie zu outen." Es ist einfach immer interessant, neue Dinge über Dario zu erfahren. „Wie haben Oma und Opa denn auf dein Outing reagiert?"

„Ganz anders als dein Vater. Mum und Dad haben mich verstanden und mir ihre volle Unterstützung zugesagt, egal wohin mein Weg mich führen würde. Sie wollten nur, dass ich glücklich bin. Du kannst dir nicht vorstellen, was ich für wahnsinnige Angst vor dem Outing hatte. Okay, vermutlich kannst du es doch, denn du ringst ja selbst mit dir. Aber zum Glück haben beide positiv reagiert und mich verstanden. Dadurch fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen. Dadurch war ich motiviert, es auch meinem Bruder zu sagen. Doch dein Vater war da ganz anders. Er kam auf mich zu und schlug mehrmals auf mich ein. Dein Opa hielt ihn zurück, doch da lag ich schon auf dem Boden. Dein Vater hat mir eine Rippe und die Nase gebrochen. Und als ich da so lag und mein Vater ihn zurückhielt, da spuckte er mich an. Noch am selben Tag zog dein Vater aus. Als Begründung sagte er: 'Ich will nicht mit so einer abartigen Schwuchtel in einem Haus leben. Tritt mir bloß nie wieder unter die Augen, sonst bringe ich dich um. Sowas Ekelhaftes wie du gehört abgeschlachtet!" Das waren seine letzten Worte an mich. Du siehst, dein Dad hat eine Meinung und nur die ist richtig."

Bei seiner Erzählung fängt er an zu weinen und er versucht eindeutig, nicht völlig zusammenzubrechen. Man merkt ihm an, dass er auch nach 30 Jahren nicht damit klarkommt. Auch mir kommen die Tränen, wenn ich ihn so traurig und verzweifelt sehe. Wie kann mein Dad nur so sein? Zu seinem eigenen Bruder? Das ist doch krank. Es scheint ihn noch immer förmlich zu zerreißen. Diese Wunden können auch nach 30 Jahre nicht heilen. Warum ist Dad so? Würde er seine Drohung wirklich wahrmachen? Würde er Onkel Dario wirklich umbringen, wenn sie sich jemals wieder sehen würden? So viele Fragen, auf die ich keine Antwort weiß. Kann ein Mensch wirklich so grausam sein? Das will ich irgendwie nicht glauben. Ich schlucke und mir wird schlagartig schlecht.

 

 

 

Was denktihr über die Geschichte, die Dario erzählt hat? Ziemlich übel oder ? Lasst mir gerne eure Meinung dazu da��

Angespannt und sichtlich nervös stelle ich die Frage, die mir gerade im Kopf rumschwirrt.

„Hast du Angst vor ihm wegen dieser Drohung, Onkel?" „Ehrlich gesagt ja! Er hat mich damals so hasserfüllt angesehen, so hat mich noch nie jemand angeschaut. Und ich weiß, dass er es ernst meinte. Ob er es heute immer noch so sieht, weiß ich nicht. Aber wenn ich ehrlich bin, dann will ich es nicht herausfinden." Dario weint noch immer und in seinen Augen kann ich neben der Trauer auch große Angst sehen. In was für einer kranken Welt leben wir eigentlich? Ein erwachsener Mann, der Todesangst vor seinem Bruder hat? Das sollte so nicht sein. Ich nicke verstehend, denn ehrlich gesagt bin ich mit der Situation überfordert.

Was ich da gerade gehört habe, jagt mir einen eiskalten Schauer über den Rücken. Ich sehe meinen Dad jetzt irgendwie mit anderen Augen. Und plötzlich kommt mir ein schlimmer Gedanke. 
Würde er...? Zögerlich stelle ich meinem Onkel die Frage, die mich gerade quält. „Glaubst du, er würde mir etwas antun, wenn er wüsste, dass ich schwul bin? Immerhin bin ich sein Sohn. Sein Fleisch und Blut! Andererseits bist du sein Bruder und er hat so etwas zu dir gesagt, weshalb du immer noch Angst hast."

Mitleidig schaut mein Onkel mich an und ihm Augenwinkel kann ich erkennen, dass Steve mich ebenfalls mitleidig anschaut. Der Kloß, der sich gerade wieder in meinem Hals bildet, droht mich zu ersticken.

„Keine Ahnung, Angel. Ich hoffe es wirklich nicht. Irgendwie will ich nicht wahrhaben, dass mein Bruder wirklich so grausam sein könnte. Aber weißt du, was ich weiß?"

Ich schüttle nur den Kopf. „Du hast etwas, was ich damals nicht hatte. Geschwister, die auf mich aufpassen. Kian würde niemals zulassen, dass dein Vater dir etwas antut. Das weißt du doch hoffentlich, oder?" „Ja, du hast Recht. Ich bin echt froh, dass ich Kian habe und auch Suri. Die beiden beschützen mich, wo sie nur können." „Siehst du? Dir wird nichts passieren. Aber jetzt lass uns am besten das Thema wechseln. Steve und ich wollen heute ein bisschen im Garten arbeiten. Magst du uns helfen? Du bleibst doch sicher noch, oder?" „Klar helfe ich euch. Ava und ich treffen uns erst heute Nachmittag. Ich habe also noch Zeit."

Steve und Dario lächeln mich beide an und ich lächle zurück. Dann frühstücken wir in Ruhe weiter. Aber meine Gedanken kreisen immer wieder zu meinem Vater. Und langsam bekomme ich wirklich Angst vor ihm.

Zwei Stunden später sind wir schon fleißig im Garten. Ich mähe den Rasen, während mein Onkel sich um die Rosen kümmert. Steve befreit unterdessen die Beete von Unkraut. Im Garten findet man wirklich die verschiedensten Pflanzen. Von Rosen über Sonnenblumen bis hin zu Tulpen. Wenn man den Garten betritt, dann sieht man vor sich ein Meer aus bunten Schönheiten.

Es haben sich echt die zwei Richtigen gefunden. Beide haben eine Leidenschaft für schöne Dinge und beide haben den sogenannten grünen Daumen.

Dafür habe ich sicher kein Talent. Bei mir gehen einfache Topfpflanzen schon meistens ein. Spricht also nicht gerade für einen grünen Daumen.

Mein Talent bezieht sich eher auf das Schreiben.

So, als könnte mein Onkel meine Gedanken lesen, ergreift er das Wort.

„Schreibst du eigentlich noch Angel?" „Ja, ab und zu noch. Meine Gedanken häufen sich manchmal so sehr, dass ich sie mal ordnen muss. Und das geht am besten durch Aufschreiben." Steve lächelt mich an und legt eine Hand auf meine Schulter. „Hör bloß niemals damit auf. Ich kenne deine Texte und du bist wirklich gut. Das solltest du weiter verfolgen." „Mach ich auf jeden Fall. Danke Steve!" Ich bin froh, dass Steve, Dario, Kian und Suri meine Leidenschaft zu schätzen wissen.

Die restliche Zeit sprechen wir über Gott und die Welt. Das lenkt mich super von meinem Leben ab und das wissen die beiden auch.

Am Nachmittag bin ich auf dem Weg zu Ava. Wir haben ausgemacht, dass wir uns erstmal bei ihr treffen und dann zusammen in die Stadt gehen.

Ich bin zu Fuß unterwegs, weshalb ich meine Kopfhörer aufgesetzt habe. Ich höre eigentlich immer Musik, wenn ich alleine unterwegs bin. So komme ich am besten zur Ruhe und kann die Realität für eine Weile abschalten. Warum also sollte es jetzt anders sein?

Gerade bekomme ich eine Nachricht von Kian. Während ich sie lese und dabei die Musik in den Ohren dröhnt, bekomme ich nicht wirklich mit, wo ich hinlaufe.

>>Knall<< Ich lande schmerzhaft auf dem Boden und reiße mir sofort die Kopfhörer raus. Mein Oberschenkel schmerzt ordentlich. Aber ich habe keine Zeit, mich weiter damit zu befassen. Denn ich sehe mich um. Und was ich sehe, lässt mein Herz höher schlagen und mir stockt für einen kurzen Moment der Atem. Über mir steht ein Junge. Er sieht mich an und lächelt entschuldigend. „ Es tut mir leid..., i-...ich habe nicht richtig aufgepasst... w... wo ich hinlaufe." Den Satz stammle ich eher, als das ich ihn vernünftig sage. Denn ich bin abgelenkt vom Anblick des Jungen über mir. Er ist blond, hat blaue Augen und scheint ungefähr so groß zu sein wie ich. Da er ein Muskelshirt trägt, kommen eben diese bei ihm gut zur Geltung. Und seine Muskeln gefallen mir, ebenso wie der Rest von ihm. Sein Gesicht sieht aus, als hätte ein Engel es gemalt. Noch nie zuvor habe ich einen so schönen Menschen gesehen.

„Ach, das macht doch nichts. Ich habe auch nicht wirklich aufgepasst, wo ich hinlaufe. Ist bei dir alles okay?" Ich nicke nur, weil ich immer noch zu fasziniert bin. Er reicht mir seine Hand und hilft mir auf. Als ich seine Hand berühre, fängt es in meinem Körper furchtbar an zu kribbeln. Und ich kann spüren, wie ich anfange zu schwitzen, weil ich so nervös bin. „Nun, ich muss leider weiter. Kleiner Tipp, Handy und Musik gleichzeitig ist eine schlechte Idee." Er zwinkert mir zu und bevor ich noch etwas sagen kann, ist er auch schon wieder weg. Ich starre ihm mit offenem Mund und pochendem Herzen hinterher. Wer war das?

Ich höre, wie mich meine innere Stimme anschreit. Verdammt Angel, warum hast du ihn nicht nach seinem Namen gefragt? Ihr werdet euch doch sicher nie wieder sehen.

Obwohl es wahrscheinlich nichts bringen würde ihn wiederzusehen. Er steht bestimmt nicht auf Jungs. Ich brauche mir also gar nichts einreden.

Schnell, aber ohne Musik, bringe ich die restliche Strecke zu Ava hinter mich. Völlig außer Atem klingle ich bei ihr.

Es dauert keine fünf Sekunden, da öffnet sie mir auch schon die Tür.

Stürmisch trete ich ein, was sie sofort kommentiert.

„Hey, bist du auf der Flucht oder warum stürmst du hier so schnell rein?" Sie grinst mich an und ich versuche nach Luft zu schnappen.

„Ich muss dir etwas erzählen. Du glaubst nicht, was mir gerade eben passiert ist. Ich war auf dem Weg zu dir und du weißt, dass ich beim Laufen immer Musik höre. Genau das habe ich jetzt auch getan. Dann hat Kian mir geschrieben, weshalb ich beim Laufen und Musik hören aufs Handy geguckt habe. Plötzlich bin ich mit jemandem zusammengestoßen. Als ich nachgeschaut habe, mit wem ich da zusammengestoßen bin, habe ich in ein Gesicht gesehen, wie von Engeln gemalt. Er hat mir aufgeholfen und ist dann wieder verschwunden. Keine Ahnung, wie er heißt und ich werde ihn wohl auch nie wieder sehen, aber sein Anblick geht mir nicht mehr aus dem Kopf." Nach Luft ringend stütze ich mich an der Couch ab, während ich meine andere Hand gegen meine Rippen drücke. Da ich gerannt bin, schmerzt meine Rippe nun ziemlich und meine Luft will auch noch nicht so wirklich zurückkommen. Ich habe so schnell geredet, dass ich mir nicht sicher bin, ob sie überhaupt alles verstanden hat. Verträumt und traurig zugleich schaue ich meine beste Freundin an. Sie grinst!

Moment, warum grinst sie? Was ist daran so lustig? Das ist echt deprimierend. Ich werde ein wenig sauer. Immerhin habe ich ihr gerade erzählt, dass ich meinem absoluten Traumprinzen begegnet bin, den ich garantiert nie wieder sehen werde. Und sie hat nichts Besseres zu tun als zu grinsen? Ich schaue sie böse funkelnd an, was sie wieder grinsen lässt.

„Lass mich raten, blond, blaue Augen, Sixpack und das Schönste, was du jemals gesehen hast?" „Ehm, ja. Woher weißt du das? Kennst du ihn etwa?" Ihre Worte überraschen mich gerade völlig, weshalb ich sowohl Mund als auch Augen aufreiße.

„Das war Jay Harper. Er geht auch auf unsere Schule. Alle Mädchen und schwulen Jungs stehen auf ihn. Und alle hetero Jungs wollen so sein wie er. Jay ist der Star der Footballmannschaft. Dein Bruder kennt ihn auch. Sie sind sogar befreundet." Jetzt bin ich noch überraschter. „Wieso habe ihn denn noch nie bei uns gesehen?" „Jay ist ein verwöhnter, reicher Junge. Er trifft seine Freunde nur an den nobelsten Orten, vor allem bei sich zu Hause. Aber ich möchte nicht zu viel erzählen. Mach dir morgen selbst ein Bild."

Sie hat Recht, das werde ich wohl tun. Aber ich bin gerade einfach nur glücklich, dass ich ihn doch tatsächlich wiedersehen werde. Und das sogar schon morgen. Würde meine Rippe nicht immer noch wehtun und würde ich endlich mal wieder Luft bekommen, dann hätte ich jetzt Luftsprünge machen können. So sehr freue ich mich gerade, dass ich diesen wunderschön Menschen wiedersehen werde.

Jetzt freue ich mich wirklich total auf morgen...



 

Ist da jemand verknallt? :D Was denkt ihr? :D

 

Am nächsten Morgen liege ich noch so lange wie möglich im Bett. Keinen Bock, meinem Dad vor der Schule zu begegnen. Ich war gestern noch eine ganze Weile bei Ava. Wir haben noch sehr viel über die Schule geredet. Eigentlich wollten wir ja in die Stadt gehen. Allerdings haben wir uns dagegen entschieden, weil ich noch zu mitgenommen war, von meiner Begegnung mit Jay.

JAY! Dieser Name klingt genauso traumhaft, wie er aussieht. Ich habe ständig versucht, Ava noch weitere Informationen über diesen Kerl zu entlocken, aber sie schwieg eisern. Als Antwort auf meine Fragen sagte sie immer nur: „Mach dir selbst ein Bild!"

Irgendwann habe ich dann aufgegeben. Bringt ja eh nichts. Trotzdem deprimiert es mich, dass ich nichts von ihr erfahre. Am liebsten will ich einfach alles über diesen Traum von einem Mann wissen. Aber sie blieb stur. Diskutieren bringt da auch nichts.

Als ich dann nach Hause kam, war mein Dad zum Glück nicht da. Ich habe die Gelegenheit dann genutzt und bin direkt in mein Zimmer gegangen. Später kamen Suri und Kian noch dazu. Sie wollten wissen, wie mein Tag mit unserem Onkel war. Zögerlich habe ich ihnen dann erzählt, was ich erfahren habe.

Und Onkel Dario hatte wirklich Recht. Als Kian hörte, wie Dad damals bei Dario reagiert hat, da meinte er zu mir: „Angel, du brauchst keine Angst haben, okay? Du weißt, dass ich niemals zulassen werde, dass er dir etwas antut. Sollte er es wagen, einmal auch nur die Hand gegen dich zu erheben, dann bekommt er es mit mir zu tun. Ich werde dich immer beschützen, das weißt du doch."

Tatsächlich haben seine Worte mich dann etwas beruhigt. Ich weiß einfach, dass ich mich voll und ganz auf meinen großen Bruder verlassen kann. Er beschützt mich!

Als ich die Haustüre höre, begebe ich mich dann auch in die Küche. Denn das bedeutet, dass mein Dad endlich gegangen ist. Freudig führt mich mein Weg in die Küche, wo ich auf meine Geschwister und meine Mum treffe. Nachdem ich einen freundliches „Guten Morgen" in den Raum geworfen habe, setze ich mich an den Tisch. Dass meine Familie mich verdutzt anguckt, ignoriere ich einfach mal. „Sag mal, warum hast du denn eigentlich so gute Laune?" Suri sieht mich fragend an und ich lächle. „Naja, Dad ist schon auf Arbeit, weshalb wir in Ruhe essen können. Und ich freue mich auf die Schule. Bin total gespannt, wie die Leute da so sind. Ich freue mich zwar, aber ich habe auch Angst, dass ich dort wieder gemobbt werde."

Mum verlässt kurz die Küche, um die Post anzunehmen, da der Postbote gerade geklingelt hat. Das nutzt Kian, um mich auf meinen letzten Satz anzusprechen.

„Du brauchst dir keine Sorgen machen, dass sie dich mobben, weil du schwul bist. An dieser Schule wird deshalb keiner gemobbt, dafür hat Jay gesorgt."

Überrascht reiße ich die Augen auf. Da mein Bruder das Thema Jay anspricht, kann ich das nutzen, um endlich ein paar Antworten zu bekommen.

„Ich bin Jay gestern begegnet und Ava hat mir dann erzählt, dass er auf unsere Schule geht. Aber wirklich viel wollte sie mir nicht erzählen. Was muss ich über ihn wissen?" „Warte mal, wann bist du ihm denn begegnet?" Kian schaut mich fragend und mit großen Augen an. „Naja, als ich gestern auf dem Weg zu Ava war, da war ich abgelenkt, weil du mir geschrieben hast. Und ich hab Musik gehört. Plötzlich bin ich mit ihm zusammengestoßen. Er hat mir dann hochgeholfen, nachdem ich gefallen bin. Und dann ist er einfach verschwunden. Ich war völlig sprachlos und geblendet von seinem Aussehen." Genau wie bei Ava rede ich auch jetzt in einem so schnellen Tempo, dass ich erst wieder Luft holen muss.

Da Mum kurz in den Keller gegangen ist, können wir so frei reden. „Angel, ich kann dir nur einen guten Rat geben. Jay ist einer meiner besten Freunde und deshalb weiß ich, wie er ist. Verlieb dich auf keinen Fall in ihn. Das erspart dir eine ganze Menge Schmerzen. Vertrau mir!"

Irgendwie macht mich das noch neugieriger auf Jay. „Wieso sagst du das, wenn er doch einer deiner besten Freunde ist?" „Ganz einfach, weil ich ihn kenne. Er ist der coolste Junge der Schule und jedes Mädchen und jeder schwule Junge begehren ihn. Das weiß er und das nutzt er aus. Jay ist nicht der Traumprinz, den du dir vorstellst. So viele Herzen hat er schon gebrochen, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Am besten ist es, wenn du für ihn unsichtbar bleibst. Nimmt er dich einmal ins Visier, dann bist du verloren. Du bist mein Bruder und ich will dich nur beschützen."

„Aber als wir zusammengestoßen sind, da war er so nett. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er ein schlechter Mensch ist."

„Das ist er auch nicht. Wenn du mit ihm befreundet bist, dann ist er einer der tollsten Menschen, der alles für seine Freunde tut. Aber wenn er jemanden haben will, dann nimmt er ihn sich auch. Dabei ist es ihm egal, ob er der Person wehtut oder nicht. Jay ist nicht der Typ für die große Liebe. Er ist eher der Typ für eine Nacht. Und das willst du dir sicher nicht antun."

Da Mum wieder in die Küche kommt, beenden wir das Gespräch und essen stumm unser Frühstück zu Ende. Natürlich schwirren mir Kians Worte unaufhörlich im Kopf rum. Ich soll mich nicht in ihn verlieben? Also wenn ich die Signale, die mein Körper aussendet, richtig deute, dann bin ich das bereits. Wenn ich nur seinen Namen höre, dann klopft mein Herz wie wild und ich bekomme eine Gänsehaut. Das muss doch ein Zeichen für Verliebtheit sein, oder? Naja, ich muss mich jetzt wohl erstmal auf den Schultag konzentrieren und versuchen nicht an Jay zu denken. Wird wahrscheinlich alles andere als einfach.

Dieser Gedanke, lässt mich geknickt den Kopf senken.

Eine halbe Stunde später sitzen wir zu dritt bei Kian im Auto und fahren zur Schule. Trotz der Warnung meines Bruders kreisen meine Gedanken ständig nur um Jay. Ich bin immer noch total aufgeregt, weil ich ihn gleich endlich wiedersehen werde. Also, das hoffe ich zumindest.

„So, kleiner Bruder, bist du bereit für eine völlig neue Welt? Bist du bereit für das große Abenteuer 'Neue Schule'?" Kurz schlucke ich. „Naja, ich bin mir noch nicht so ganz sicher. Jetzt, wo wir direkt davor stehen, habe ich doch ein bisschen Angst." Beruhigend klopft Kian mir auf die Schulter. „Wird schon alles gut. Und außerdem sind wir da." Ein kurzer Blick zu meinen Geschwistern, die mich anlächeln, reicht und ich entspanne mich wieder etwas.

„Okay, es kann losgehen!" Etwas weniger nervös, betrete ich zusammen mit Kian und Suri das Schulgelände.

„Also, Kleiner, dahinten ist die Kifferecke. Da tummeln sich, wie der Name verrät, die Junkies. Dort möchte ich dich bitte niemals sehen, sonst muss ich dich leider versprügeln." Während er auf eine kleine Sitzbank, direkt beim Müll zeigt, grinst er mich an. Bei dem Gedanken an Drogen verziehe ich angeekelt das Gesicht. Sowas werde ich niemals nehmen. Ich habe nicht mal Interesse an Zigaretten. Und Drogen sind für mich ein absolutes NO-GO!

Dann gehen wir weiter und stoppen bei einer Wiese. „Dort treffen sich meistens die Esoterik-Idioten und Vegetarier. Du siehst, dass hier irgendwie jeder so seinen Platz hat, beziehungsweise die Randgruppen haben halt ihren Platz. Drinnen in der Bibliothek sind dann die Streber. Und dort hinten am Zaun, der das Footballfeld vom eigentlichen Schulgelände trennt, dort findet man uns, die Sportler und die Cheerleader."

Kian zeigt geradeaus und dort sehe ich auch direkt alle versammelt. Alle Cheerleader und wahrscheinlich auch alle Sportler. Und dann erblicke ich IHN!

Lässig auf einer Bank sitzend, schaut Jay auf sein Handy. Oh mein Gott, warum muss er so unglaublich schön sein? In meinem Hals bildet sich wieder dieser Kloß und ich werde wieder nervös.

„Okay, ich gehe mal Ava suchen. Wir sehen uns dann später." Ohne auf eine Antwort zu warten, gehe ich ins Gebäude und suche meine beste Freundin. Ich musste da jetzt einfach weg, sonst wäre ich vermutlich noch zusammengeklappt, weil meine Beine schon anfingen zu zittern und ich weiche Knie bekam.

Zum Glück muss ich gar nicht so weit laufen, denn sie steht ziemlich am Eingang vor, ich schätze, ihrem Spind. „Guten Morgen Angel, da bist du ja. Na, wie ist der erste Eindruck für dich?" „Die Schule ist auf jeden Fall viel schöner als meine alte Schule. Ich bin echt gespannt, wie meine Zeit hier wird." Ava lächelt mich nickend an. „ Und? Hast du deinen Traummann schon gesehen?" Jetzt grinst sie. „Ja, habe ich. Als Kian und Suri mir draußen alles gezeigt haben. Deshalb bin ich dann auch schnell geflüchtet. Irgendwie bekam ich weiche Knie. Und das, obwohl er mich noch nicht mal angesehen hat." Irgendwie schaut sie mich jetzt mitleidig an und ich ahne, worauf das hinaus läuft.

„Sei froh, dass der König deine Anwesenheit noch nicht bemerkt hat. Sobald seine Hoheit dich wahrnimmt, hast du entweder ein Problem, oder das beste Leben hier." Fragend sehe ich meine beste Freundin an. „Wie meinst du das? Kian hat mir schon viel von ihm erzählt, aber leider nicht genug. Ich verstehe nicht was so schlimm an ihm ist? Erkläre es mir bitte!"

„Angel, ich weiß ni..." Ich unterbreche sie energisch. „Ava, bitte. Seit ich mit ihm zusammengestoßen bin, muss ich ständig an ihn denken. Und ich will wissen was mich erwartet. Nein, ich muss es wissen, bitte."

Ava holt tief Luft bevor sie mir dann endlich antwortet.

„Also gut, aber denk daran, ich habe dich gewarnt. Jay ist halt der Schwarm der Schule. Gefühlt alle wollen ihn. Und einige haben ihn auch bekommen. Doch allerdings immer nur für eine Nacht.

Einigen gefiel es so, weil sie nur einmal den coolsten und beliebtesten Jungen der Schule vögeln wollten. Aber einige haben sich mehr erhofft. Und viele tun es noch immer. Aber jeden, der mehr wollte, hat er danach abgeschossen. Dann kam Liv! Sie meinte immer, sie und Jay wären zusammen, aber für ihn war es einfach eine Affäre. Nichts weiter! Als Liv dann schwanger wurde, hat er sie bedroht und gezwungen, das Kind abzutreiben. Sie kam damit nicht klar und hat fluchtartig ein paar Tage später die Stadt verlassen. Jay kann ein echt netter Kerl sein, aber wenn er etwas haben will, dann holt er es sich. Und dabei ist es ihm egal, wie sehr er Menschen verletzt."

Damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Ist das wirklich wahr? Aber Jay kam doch so nett rüber. Okay Angel, komm mal klar. Er hat zwei Sätze zu dir gesagt. Ihr habt kein ganzes Gespräch geführt.

Gerade will ich etwas erwidern, als die Eingangstür aufgeht und Jay mit seinem ganzen Gefolge hereinkommt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass bei seinem Auftauchen der Raum heller wird. Fakt ist, dass er eine wahnsinnige Aura ausstrahlt. Lässig und verdammt cool, stolziert er durch den Flur. Man merkt ihm an, dass er die ihm geschenkte Aufmerksamkeit genießt.

Ich schaue ihn stumm an und hoffe, dass er meinen Blick erwidert. Doch er geht einfach an mir und Ava vorbei, als wären wir Luft. Weil ich wohl ziemlich traurig schaue, wirft mir meine Schwester, die zusammen mit den Cheerleadern, dicht hinter den Sportlern geht, einen aufmunternden Blick zu. Er hat mich nicht mal angesehen. 
Obwohl ich es gar nicht will, werde ich traurig. Das tut echt ganz schön weh. Ich hoffe so sehr, dass er mich noch bemerkt und wir wieder ins Gespräch kommen.

Ein paar Stunden später...

Als die letzte Stunde fast vorbei ist, muss ich niedergeschlagen feststellen, dass er mich immer noch nicht bemerkt hat. Oder vielleicht hat er das, aber es ist ihm einfach egal. So wie Ava und Kian gesprochen haben, ist es ihm wahrscheinlich wirklich egal. Dabei hatte ich so gehofft, ihn richtig kennen lernen zu dürfen. Aber es ist ja erst der erste Schultag, vielleicht wird das noch. Ich hoffe es wirklich. Er soll mich wenigstens einmal ansehen, damit ich seine tollen Augen nochmal bewundern kann. Diese Augen! Wieder schlägt mein Herz höher und ich muss mich anlehnen, weil meine Beine wieder zittern.

Nach der letzten Stunde begebe ich mich zu meinem Spind, um meine Tasche zu holen. Auf dem Weg dorthin kommt Jay mir zusammen mit 2 Freunden entgegen.

Wieder sehe ich ihn an und wieder erwidert er es nicht. Vielleicht sollte ich es wirklich aufgeben. Aber ich will nicht, denn er ist der Grund, warum ich die letzte Nacht nicht geschlafen habe.

Was kann ich nur tun, damit er mich endlich sieht? Ach verdammt, was soll denn passieren wenn er mich sieht? Glaube ich wirklich, dass ich den bösen Jungen ändern kann? Dass er sich unsterblich in mich verliebt und wir für immer zusammen sein werden? Sich sowas einzureden wäre wirklich ein großer Fehler, denn so tut es dann noch mehr weh. Und das will ich mir wirklich ersparen. Aber ich kann einfach nicht anders, als ihn zu bewundern.






 

So, hier ist dann jetzt auch das neue Kapitel � was sagt ihr zu Angels erstem Schultag?�� � bis dann �

Nach der Schule fahren Kian, Suri und ich in die Stadt noch was essen. Wir alle haben gerade Bock auf Burger mit Pommes. Da Suri Vegetarierin ist, gibt es für sie nur den Veggie-Burger. Kian und ich bestellen uns dagegen den größten und fettigsten Burger, natürlich mit ganz viel Fleisch. Man sieht es mir nicht an, aber ich kann schon echt ordentlich essen. Bei dem Angebot hier, läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Und mein Magen macht auch schon ganz schön Randale.

Nach ein paar Minuten betritt Ava ebenfalls das Lokal. Ich winke ihr sofort zu.

„Hey Ava, komm her. Setz dich zu uns." Freudig strahlend kommt sie auf uns zu und setzt sich hin. „Hallo Leute, hatte nicht erwartet euch hier zu sehen. Angel, du gehst nach der Schule doch meistens direkt nach Hause. Keine Lust, deinem Dad zu begegnen? Oder einfach nur Lust auf Burger?" „Ehrlich gesagt beides. Der Hunger ist sogar gerade größer als der Missmut über meinen Vater. Warum bist du nicht direkt nach Hause gefahren? Hat deine Tante nicht heute Geburtstag?" „Ja hat sie. Und genau deshalb bin ich auch hier. Es fällt sowieso nicht auf, wenn ich später komme. Du kennst meine Familie ja."

Darauf nicke ich nur. Ihre Familie besteht eigentlich zu 95 % aus Spießern, die auf die perfekte Etikette achten. Ava passt da irgendwie gar nicht rein. Aber man kann sich seine Familie ja bekanntlich nicht aussuchen. Ginge das, hätte ich sicher nicht so einen Vater.

Der Kellner kommt und reißt mich aus meinen Gedanken. „Was kann ich euch bringen?" Wir schauen alle nochmal schnell in die Karte und suchen uns was aus.

Nachdem wir bestellt haben, möchte ich nochmal einen Versuch wagen, etwas über Jay herauszufinden.

Doch noch bevor ich etwas sagen kann, öffnet sich die Ladentür und Jay himself betritt zusammen mit Lucien, seinem besten Freund, das Lokal. Ich kann wieder nicht anders, als ihn anzustarren. Doch als er und Lucien auf uns zukommen, senke ich den Blick ganz schnell. Ich will nicht, dass Jay irgendwann denkt, dass ich ihn stalke.

Naja, genau genommen tue ich es ja in gewisser Weise schon irgendwie. Aber ich möchte auf keinen Fall, dass er mich für verrückt hält.

„Kian, ich wusste nicht, dass du hier essen wolltest. Lucien und ich wollten uns noch einen schnellen Burger gönnen, bevor es gleich zum Schwimmen geht. Hey Suri!" Er beugt sich zu ihr runter und gibt ihr einen Kuss auf die Wange und umarmt sie. Dann schaut er tatsächlich mich an. „Hallo, ehm, ich glaube, dein Name ist Angel? Kians kleiner und Suris großer Bruder?" „Ehm, ja. Hi." Mehr bekomme ich nicht raus. Bei seinem Anblick bleibt mir wieder jedes Wort im Hals stecken. Jay nickt mir nur stumm zu und wendet sich dann an Ava.

„Ava, ich bin überrascht dich hier mit Suri und Kian zu sehen. Ich dachte immer, du magst uns Sportler nicht? Und die Cheerleader sind alles nur dumme Tussis für dich?" Plötzlich grinst Jay und ich habe das Gefühl, mein Herz bleibt gleich stehen. „Ja das stimmt schon, aber Kian und Suri sind da die Ausnahme. Abgesehen davon, dass sie die Geschwister meines besten Freundes Angel sind, musste ich auch feststellen, dass Suri für eine Cheerleaderin wirklich nett und gar nicht eingebildet ist. Und Kian ist kein aufgeblasener Arsch, so wie der Rest eures Teams."

Während sie diese Worte spricht, funkelt sie Jay böse an. „Autsch, dass tat echt weh Ava. Warum bist du immer so fies zu mir?" „Das weißt du genau. Du bist ein arrogantes und bösartiges Arschloch. Deshalb verdienst du es nicht anders. Sorry Leute, aber mir ist gerade echt der Appetit vergangen. Da gehe ich doch lieber zum Geburtstag meiner Tante. Bis morgen!"

Und schon verschwindet sie ohne ein weiteres Wort zu sagen. Wir alle schauen ihr schweigend hinterher. Und Jay sieht kurz so aus, als wäre er ein Welpe, den man irgendwo ausgesetzt hat. Aber er fängt sich auch wieder schnell und setzt seinen coolen Blick auf.

„Nun denn. Kian und Suri, kommt ihr später auch zum See? Alle anderen werden auch da sein." „Klar, wir werden da sein, Bro." Kian lächelt seinen Freund an und Suri nickt zustimmend. „Cool, dass wird lustig. Hey Angel, komm doch mit. Kommt einfach alle drei. Dann lernst du mal alle kennen, mit denen deine Geschwister zu tun haben." Während er spricht, klingt seine Stimme warm und freundlich. So wie gestern, als wir zusammengestoßen sind.

Da fällt mir etwas ein. Erinnert er sich schon nicht mehr an mich? Nach noch nicht mal ganz 24 Stunden?

Irgendwie macht mich dieser Gedanke traurig. Aber Jay wartet ja noch auf meine Antwort. „Klar, ich komme gerne." „Okay gut. Lucien, lass uns was bestellen und dann abhauen, ich will noch duschen, bevor wir zum See fahren."

„Alles klar! Bye Suri, Kian. Und Angel!" Wow, Lucien kann tatsächlich reden? Ich habe ihn den ganzen Tag eigentlich nur als Jays stummen Schatten erlebt. Aber jetzt weiß ich, dass er reden kann. Was mich grinsen lässt.

Die beiden gehen zum Tresen und ich schaue Jay noch kurz hinterher. Doch dann wende ich mich wieder an meine Geschwister, da mir Avas Verhalten wieder in den Kopf kommt.

„Sagt mal, was hat Ava eigentlich für ein Problem mit Jay? So angepisst habe ich sie noch nie erlebt. Und das muss schon was heißen." Suri und Kian schauen sich an, bevor meine Schwester das Wort ergreift. „Naja, Ava und Jay hatten mal was miteinander. Sie gingen etwa eine Woche miteinander. Zumindest glaubte Ava das. Für Jay war es nur eine kurze Affäre. Ava hatte ihr erstes Mal mit Jay und zwei Tage später hat er sie abserviert. Das hat sie unglaublich verletzt. Ava sagt seitdem, dass sie ihn hasst. Aber so ganz glaube ich das nicht. Und dann ist da noch diese andere Geschichte. Nachdem Jay Ava fallen ließ, ging in der Schule halt die Story rum, dass Jay Ava entjungfert hat. Und das es der schlechteste Sex war, den er jemals hatte. Nach ein paar Stunden, kannten alle diese Story. Irgendwie ist sie diese Story nie losgeworden."

Völlig geschockt reiße ich die Augen auf. Wie ekelhaft ist so ein Verhalten bitte? Ich fasse es einfach nicht. „Angel, als einer von Jays besten Freunden kann ich dir sagen, dass diese Story nie im Leben wahr ist. Ja, Jay kann manchmal echt ein richtiges Arschloch sein, aber sowas ist grausam. Und das würde er niemals tun. Er hat uns gegenüber immer wieder beteuert, dass er es nicht war. Und ich glaube ihm. Jay ist kein Monster!"

So wirklich weiß ich nicht, was ich davon halten soll. Kann ich Jays Version glauben? Ava ist aber meine beste Freundin, sie hat sich das ja definitiv nicht eingebildet. Darüber muss ich auf jeden Fall mal mit ihr reden.

Ohne dass ich es will, wandern meine Gedanken zu der Tatsache, dass Jay mit mir gesprochen hat. Und er hat mich zum See eingeladen mit all seinen Freunden. Darüber freue ich mich wirklich total. Deshalb beeile ich mich auch etwas beim Essen, damit wir schnell los können. Denn wir müssen noch kurz nach Hause um Schwimmsachen zu holen.

„Da will wohl jemand so schnell wie möglich zum See." Kian grinst mich frech an. „Ja klar, dass Wetter ist schön und an diesem See war ich noch nie. Kenne nur den See im Süden der Stadt. Den Mountain Lake! Aber am Hollywood Hills Lake war ich noch nie. Also beeilt euch mal etwas, damit wir flott nach Hause können um unsere Sachen zu holen." „Ah ja, dass du so schnell los willst, hat also nichts damit zu tun, dass Jay persönlich dich eingeladen hat?" Meine Schwester grinst frech und ich schüttle energisch den Kopf.

„Nein auf keinen Fall. Ich freue mich einfach, etwas mit euch zu unternehmen und eure Freunde kennenzulernen." Verlegen vermeide ich den Augenkontakt mit meinen Geschwistern. Kian zückt sein Handy und grinst ebenfalls breit. „Gut, wenn es nichts mit Jay zu tun hat, dann kann ich ihn auch kurz anrufen und absagen. Können dann demnächst was mit dir und unseren Freunden unternehmen, aber ohne Jay. Hast du doch bestimmt nichts gegen?" Ich springe halb über den Tisch um sein Handy zu greifen, da er mir gegenüber sitzt. „Wage es dich Kian, ich knall dir eine!" Jetzt grinse ich auch. „Ja okay, gut, vielleicht liegt es ja doch an Jay, dass ich so schnell wie möglich los möchte." Immer noch breit grinsend schütteln meine Geschwister den Kopf. Aber sie sagen nichts dazu. Worüber ich übrigens froh bin.

Eine halbe Stunde später sind wir zu Hause angekommen. Natürlich warten unsere Eltern schon auf uns. „ Ihr kommt aber spät. Das Essen ist fertig. Wascht euch die Hände und setzt euch." Mum lächelt uns alle abwechselnd freundlich an. „Sorry Mum, aber wir sind verabredet. Wir beide gehen mit unseren Freunden zum See. Und Jay hat Angel auch eingeladen, damit er mal alle kennenlernt."

Gerade will Mum antworten, als Dad dazwischen grätscht. „Angel mit euren Football Freunden? Er kommt endlich zu Kontakten mit echten Kerlen? Super, dann wird diese Pussy ja doch noch ein richtiger Mann."

Verletzt von seinen Worten senke ich den Kopf und kämpfe mit den Tränen. Natürlich gießt das nur noch mehr Öl ins Feuer. Bedrohlich, mit der Faust im Anschlag, kommt er auf mich zu. „Wage es bloß nicht, jetzt zu heulen. Bist du ein Mädchen?" „Ey Dad, es reicht jetzt mal langsam. Hör auf, Angel ständig runter zu machen. Er ist perfekt, so wie er ist. Und er wird sich nicht ändern, ob dir das gefällt oder nicht. Also komm mal wieder runter." Kian hat sich schützend vor mich gestellt und bäumt sich jetzt ebenfalls wütend vor unseren Vater auf.

Wieso habe ich gerade das Gefühl, dass gleich eine Faust fliegen wird? Nur habe ich keine Ahnung, welche von beiden es sein wird. Allerdings hätte ich niemals mit dem gerechnet, was als nächstes passiert. Mein Vater senkt seine Faust und tritt wieder zurück. Dass er so schnell aufgibt, hat wohl auch Kian nicht erwartet, denn als er sich zu mir rumdreht, schaut er kurz überrascht. „Lasst uns unsere Badesachen holen und dann weg hier."

Ohne auf eine Antwort zu warten, schiebt Kian uns regelrecht aus der Küche. Wir gehen also gemeinsam hoch und packen unsere Schwimmsachen. Ich bin als erstes fertig, aber traue mich wegen vorhin nicht alleine runter. Zum Glück kommen Suri und Kian nur kurze Zeit später auch aus ihren Zimmern. Kian will gerade als erster runtergehen, als ich ihn am Arm packe und so aufhalte.

„Warte Kian. Du hast mich eben vermutlich gerettet. Wärst du nicht da gewesen, dann hätte Vater mich bestimmt geschlagen. Danke!" Wieder schaue ich niedergeschlagen zu Boden. „Hey, mach dir keinen Kopf. Solange ich da bin, wird er dich nicht anrühren. Das habe ich dir versprochen. Und dieses Versprechen halte ich auch. Hab dich lieb, du kleiner Chaot. Und jetzt lass uns los, bevor du mir und Suri weiter wegen Jay auf die Nerven gehst." Er grinst mich an und ich grinse zurück.

Dann machen wir uns wirklich auf den Weg zum See.

Als wir ankommen, scheinen schon alle da zu sein. Jay entdecke ich auch direkt. Und im nächsten Moment bereue ich es auch sogleich. Denn als ich ihn da nur mit Badeshorts bekleidet am Ufer sehe, habe ich das Gefühl, wieder weiche Knie zu bekommen. Sein Körper ist wie sein Gesicht einfach nur perfekt. Jay hat ein schönes Sixpack, was aber nicht zu heftig ist. Genau das mag ich so bei Jungs. Jay ist einfach der Wahnsinn. Das muss ich immer wieder feststellen.

Wir gehen auf die Gruppe zu und dann bemerkt er uns auch direkt. „Ah, super. Ihr seid ja endlich da. Dann kann die Party jetzt losgehen!" Suri und Kian setzen sich zu ihren Freunden und ich bleibe ein bisschen verloren stehen. Das merkt Jay direkt, weshalb er mich jetzt direkt anspricht. „Angel, setz dich zu mir. Es ist okay, du bist hier willkommen. Du musst da nicht so schüchtern am Rand stehen. Komm schon!" Ich tue was er sagt und setze mich neben ihn.

„Leute, hört mal alle kurz her. Das ist Angel, er ist der Bruder von Suri und Kian. Ihr wisst, was das heißt. Die beiden sind Teil unserer Familie und deshalb will ich, dass ihr alle nett zu Angel seid." Alle nicken ihrem Oberhaupt zu. „Siehst du? Du brauchst dich nicht davor fürchten, dass jemand dich belästigt. Dafür sorgen wir alle. Wenn du in Zukunft in der Schule mit irgendwem Probleme bekommst, dann sag einem von uns Bescheid und wir regeln das dann. Okay?" „Ja mach ich, danke." Er nickt zufrieden und wendet sich dann an meine Geschwister. „Warum seid ihr eigentlich so spät?" Kian fährt sich unsicher durch die Haare.

„Naja, unser Vater hat uns aufgehalten. Er hat Stress gemacht und wollte auf Angel losgehen. Da war dann ein bisschen Trouble. Er macht Angel schon eine Weile das Leben schwer." „Warum das? Also wenn ich fragen darf?" Bei dieser Frage wendet sich Jay direkt wieder an mich. „Ich bin in seinen Augen eine Schande, weil ich nicht typisch Junge bin, so wie Kian." Jay nickt verstehend. „Okay. Ich nehme an, dass du nicht auf Girls stehst, womit er das größte Problem hat?" Erschrocken sehe ich Jay an und weiß nicht so recht, was ich dazu sagen soll.

„Ehm,... also!" Er unterbricht mich. „Ist schon gut. Hier hat niemand ein Problem damit, wenn jemand schwul, lesbisch, bi oder was auch sonst ist." „Dass ich schwul bin, weiß er noch nicht mal, sonst wäre es noch schlimmer, schätze ich." Wieder nickt er verständnisvoll. „Von Kian und Suri wissen wir, wie dein Vater zu Homosexualität steht. Aber lass dich von ihm nicht ärgern. Er ist ein Idiot." Bei diesen Worten klopft Jay mir freundlich auf die Schulter. Und das jagt ungefähr hunderttausend Schmetterlinge durch meinen Körper.

Ich bin wirklich total in einen Jungen verliebt, den ich eigentlich gar nicht kenne. Und über den ich nicht nur Gutes gehört habe. Sowas kann aber auch nur mir passieren. Das ist wieder so typisch für meine Pechsträhne der letzten Jahre.






 

Was haltet ihr von Jay und seinen Freunden? Und glaubt ihr, Jay wird Angels Gefühle irgendwann erwidern? Lasst es mich in den Kommentaren wissen�

Wir sind jetzt ungefähr zwei Stunden hier am See und nach dem Gespräch am Anfang hat Jay mich dann wieder komplett ignoriert. So wie in der Schule auch. Diese Tatsache macht mich wieder ein bisschen traurig, aber das lasse ich mir nicht anmerken. Allerdings sitze ich seither aber auch ziemlich stumm da und versuche, zumindest so zu tun, als würde ich kein Interesse an ihm haben.

Zwischendurch gehe ich auch mal mit meinen Geschwistern ins Wasser. Oder besser gesagt, ich werde von ihnen ins Wasser geschleppt. Wiederstand ist da zwecklos, deshalb versuche ich es auch gar nicht erst. Gerade unterhalte ich mich mit Lucien, während Jay mit Kian im Wasser irgendwelche Männlichkeitstests macht. Irgendwie sieht das ja albern aus.

„Warum kommst du jetzt erst auf unsere Schule? Und wo warst du vorher?" Lucien sieht mich fragend und abwartend an. „Ich war auf der Southside Highschool. Dort hatte ich aber starke Probleme, weshalb meine Mum mich auf eurer Schule angemeldet hat. Was den Vorteil hat, dass meine Geschwister und meine beste Freundin auch dort sind." „Uhh, die Southside Highschool, Laurins Gebiet. Blöder Wixxer!" Als er Laurins Namen ausspricht, macht er ein Gesicht, als würde er gleich etwas kaputt schlagen wollen. Ich nicke niedergeschlagen Und ängstlich. Die Erinnerungen an Laurin machen mich wieder so fertig, dass ich anfange zu zittern. Trotzdem bin ich um Fassung bemüht, während ich spreche.

„Ja, naja. Laurin war wohl der Hauptgrund für meinen Wechsel. Ich wurde dort von fast allen gemobbt wegen meines Styles und weil ich schwul bin. Aber Laurin war der schlimmste von ihnen. Nach einem Vorfall im Januar entschied meine Mum dann, dass es reicht." „Darf ich fragen, was das für ein Vorfall war?" Ich schlucke und überlege, ob ich es ihm erzählen soll. Wochenlang konnte ich nicht darüber sprechen. Und bei dem Gedanken an das, was passiert ist, habe ich das Gefühl zu ersticken. Vielleicht ist es jetzt einfach an der Zeit mal darüber zu reden. Aber ich weiß nicht, ob ich es schaffe, deshalb fange ich nur zögerlich an zu erzählen.

„I...ich war gerade auf dem Weg von Ava n...nach Hause. Und da gehe ich oft durch den Park. Es war schon Abend und daher sehr dunkel. Ungefähr auf der Hälfte der Strecke, wurde ich... Ich wurde von hinten gepackt und irgendwo hingeschleppt. Als wir stehenblieben, standen ungefähr fünf Leute um mich herum und zwei hielten mich fest. Dann stand Laurin vor mir. Er hatte zwar genau wie alle anderen eine Maske überm Gesicht, aber ich kenne ja seine Stimme. Während zwei seiner Freunde mich halt festhielten, zog er mir meine Klamotten aus. Sogar die Unterhose." Kurz unterbreche ich, weil ich die Tränen unterdrücken muss. „Dann hat einer seiner Leute ihm ein Seil gegeben und ein anderer half ihm, mich komplett nackt auf den Boden zu setzen und mich an einen Baum zu fesseln. Es waren minus 8 Grad, also furchtbar kalt. Das Klima hat zu Beginn des Jahres ja echt verrückt gespielt. Ich kann mich nicht erinnern, dass es hier jemals so kalt war." Beim Gedanken an diese Kälte wird mir schlecht, aber ich erzähle weiter. "Laurin stopfte mir eine Socke in den Mund, damit ich nicht schreien konnte." Wieder stoppe ich und merke, wie ich Panik bekomme. Trotzdem versuche ich weiterzuerzählen. „Als ich dann gefesselt war, schrieb Laurin das Wort 'Schwuchtel' auf meine Stirn. Und dann..." Wieder stoppe ich, doch dann nehme ich all meinen Mut zusammen und erzähle auch den Rest. „... dann zogen sie alle ihre Hosen herunter und pinkelten mich an. Ich bekam es überall ab, vor allem aber im Gesicht. So haben sie mich dann zurückgelassen. Nach ein paar Stunden fand Kian mich Gott sei Dank. Wäre er nicht gekommen, dann..." Ich breche ab und mir kommen die Tränen. Außerdem ringe ich nach Luft, da ich jetzt eindeutig eine Panikattacke habe. Suri setzt sich neben mich und nimmt mich in den Arm.

„Laurin ist so ein verdammter Bastard!" Ich habe gar nicht mitbekommen, dass Jay wieder bei uns ist. Er setzt sich wieder zu uns, dicht gefolgt von Kian. „Angel, das ist grausam. Und das ist eine schwere Straftat. Hast du ihn angezeigt?" Jay scheint sichtlich geschockt. „Nein, habe ich nicht. Ich hatte so große Angst. Kian hat mich dann zu unserem Onkel gebracht. Ihm haben wir alles erzählt, aber gesagt, dass wir nicht wüssten, wer es war. Und meiner Mum haben wir erzählt, dass ich von irgendwelchen Leuten aus der Schule beinahe verprügelt wurde. Daraufhin hat sie mich von der Schule genommen."

„Angel, du hättest ihn wirklich anzeigen sollen. Das war, wie schon gesagt, eine schwere Straftat. Er hat dich wissentlich bei Eiseskälte nackt an einen Baum gefesselt und ist dann gegangen. Und er ist offensichtlich nicht zurückgekommen. Wer sowas tut, der nimmt nicht nur den Tod seines Opfers in Kauf. Nein, derjenige will sein Opfer in diesem Moment töten. Das war versuchter Mord, Angel. Sowas ist echt kein Spaß."

Jays Blick ist immer noch geschockt. „Jay, ich weiß. Aber ich hatte solche Angst vor ihm und habe sie immer noch. Und außerdem hätte ich dann der Polizei alles erzählen müssen. Dann hätte mein Vater davon erfahren. Deshalb wollte ich es einfach nur vergessen." Jay nickt verstehend und wendet sich dann an meinen Bruder. „Kian, wie war das für dich damals?" „Ganz ehrlich, Jay? Ich war damals drauf und dran, Laurin zu töten. Frag Angel, ich war auch schon auf dem Weg zu Laurins Lieblingstreffpunkt am Sportplatz. Angel ist mir hinterher und hat mich aufgehalten. Der einzige Grund, warum ich es nicht getan habe, war, weil ich wusste, dass Angel unserem Vater hilflos ausgeliefert wäre, wenn ich in den Knast gekommen wäre."

Ja, da hat Kian Recht. Wäre er ins Gefängnis gekommen, dann wäre zu Hause keiner mehr da, der stark genug ist um mich zu beschützen, wenn Dad wieder ausrastet. „Das kann ich absolut verstehen, Kian. Wenn ich einen kleinen Bruder und so einen scheiß Vater hätte, dann würde ich auch alles tun, um weiter für ihn da sein zu können. Aber Angel? Hör mir bitte genau zu. Laurin wird dich nie wieder anfassen und dir wehtun, okay? Wenn er es je wieder versucht, dann bekommt er es mit uns zu tun. Das verspreche ich dir."

„Danke Jay." Ich bin ihm gerade wirklich dankbar. Und es ist wirklich schön, endlich mal Leute zu haben, die auf mich aufpassen. Kian ist ja auch nicht immer überall dabei. „Keine Ursache, du bist Kians und Suris Bruder. Da ist das selbstverständlich." Bei diesen Worten umarmt er mich und die Schmetterlinge in meinem Bauch laufen wieder zu Hochformen auf. Kurz denke ich an die schreckliche Situation mit Laurin, doch da Jay mich immer noch umarmt, fällt mir auf, wie unglaublich gut er riecht. Am liebsten wäre es mir, wenn er mich nicht mehr loslässt. In seinen Armen fühle ich mich gerade total wohl. Aber irgendwann lässt er mich dann doch los und wendet sich an die ganze Gruppe, die sich mittlerweile wieder auf einem Fleck versammelt hat. „ Leute, was haltet ihr jetzt mal von einem Spiel? Ich habe da ganz klassisch Flaschendrehen im Kopf. Habt ihr Lust?"

Alle stimmen nickend zu. Auch ich entscheide mich dafür. Wird bestimmt lustig. „Wollen wir direkt die erste Runde als Kussrunde spielen? Eine Minute Zungenkuss? Ich denke das ist kein Problem für euch, oder? Wir sind ja alle offen genug dafür." Wieder stimmen alle nickend zu. Jetzt werde ich aber nervös. Was wenn mal die Flasche auf mich zeigt und ich dann jemanden küssen muss? Ich habe sowas doch noch nie gemacht. Hoffentlich zeigt die Flasche nicht auf mich. Das wäre wirklich peinlich.

Jay nimmt selbstbewusst die Flasche. „So, ich fange an. Die Flasche entscheidet, wen ich küssen soll. Auf geht's! Und dann dreht er mit großem Schwung die Flasche. Mit jeder Bewegung der Flasche werde ich nervöser. Auf der einen Seite wird meine Angst immer größer, aber auf der anderen Seite wird mir ganz warm bei dem Gedanken, dass die Flasche vielleicht auf mich zeigen könnte.

Jay hat so fest gedreht, dass die Flasche immer noch in Bewegung ist. Doch so langsam kommt sie zum Stillstand. Und ist gefährlich nah in meiner Richtung.

Im nächsten Moment wird meine Nervosität ins Unendliche getrieben. Denn die Flasche stoppt tatsächlich bei mir. Oh mein Gott! Das bedeutet, dass Jay und ich uns jetzt eine Minute küssen müssen. Mit Zunge! Ich habe Angst!

„Angel, die Flasche hat sich für dich entschieden. Das bedeutet, wir werden uns jetzt küssen. Du brauchst nicht nervös zu sein, es wird alles gut."

Dann beugt er sich vor und greift mit seinen Händen mein Gesicht und kommt mit seinem Mund meinem immer näher. Dieser Moment hat irgendwie etwas magisches. Und ich kann das Knistern zwischen uns förmlich hören. Nichts hätte mich auf das vorbereiten können, was als nächstes passiert. Er legt seine Lippen auf meine! Im ersten Moment bin ich völlig hilflos und fühle mich überrumpelt. Doch dann entspanne ich mich und fange an zu genießen, was ich da spüre. Seine Lippen sind so unglaublich weich, ich gebe mich dieser Situation voll und ganz hin. Weshalb ich auch meine Augen geschlossen habe.

Ein paar Sekunden später öffnet er seinen Mund und tippt mit seiner Zunge gegen meine Lippen. Auf diese Weise verlangt er nach Einlass. Und diesen gewähre ich ihm dann auch. Kaum habe ich das getan, fängt seine Zunge auch schon an meine zu suchen. Ich strecke sie ihm entgegen und es beginnt ein leidenschaftlicher Zungenkampf. Einen Sieger kann man daraus nicht erkennen. Unser Kuss wird von Sekunde zu Sekunde leidenschaftlicher. Ich fühle mich, als würde ich fliegen. Das ist unglaublich! Und soweit ich das beurteilen kann, küsst Jay unglaublich gut.

Während meine Hände am Anfang noch regungslos auf meinen Beinen lagen, berühren sie mittlerweile seine Hüften. Er protestiert nicht, also scheint es für ihn okay zu sein. Seine linke Hand berührt noch immer sanft mein Kinn und meine Wange, während die andere Hand in meinem Nacken liegt. Noch nie hab ich so etwas Unglaubliches erlebt. Mein Herz rast wie verrückt und ich spüre wie mein Puls in die Höhe schießt. Ich wünschte, diese Minute würde niemals enden.

Wenn man vom Teufel spricht, ertönt Kians Stimme. „Die Minute ist um!" Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr ich meinem Bruder gerade eine verpassen will. Langsam löst Jay den Kuss und ich öffne meine Augen. Er hält noch einen kurzen Moment mein Gesicht und schaut mir tief in die Augen. Jay sieht mich mit einem Blick an, den ich irgendwie nicht definieren kann. Seine Augen sehen verträumt aus und auf seinen Lippen bildet sich ein zögerliches, ja fast schon unsicheres Lächeln. Er beißt sich plötzlich verführerisch auf die Unterlippe, was mir fast den Verstand raubt. Aber ich muss einen klaren Kopf behalten, sonst endet das hier nicht gut. Mein ganzer Körper schreit nämlich gerade nach ihm. Nein er verlangt nach Jay! Jede Faser meines Körpers will ihn. Doch ich erinnere mich an Kians Warnung und an die Geschichte über Ava.

Er wird mich verletzen! Ich darf mich nicht auf seine Spielchen einlassen. Es geht nicht! Aber ich will ihn verdammt nochmal so sehr. Vor allem wenn er sich so auf die Lippen beißt. Okay Angel, guck nicht mehr auf seine Lippen, sonst drehst du noch durch. Stattdessen schaue ich ihm wieder in die Augen. Das war aber ein Fehler, denn sie ziehen mich in ihren Bann.

Und wieder versinke ich in diesen Augen. Doch dann lässt er mein Gesicht los und legt wieder seinen coolen Blick auf. Dann wendet er sich wieder an den Rest der Gruppe.

„So, weiter geht es. Wer ist als nächstes dran? Lucien, willst du?" „Klar, gib her." Jay reicht ihm die Flasche und Lucien dreht sie auch direkt. Ihn trifft es gut, denn er darf Nika küssen, die zufällig auch seine Freundin ist. Dann muss Kian Dalia Küssen. Toby küsst Suri. Marc küsst Chris. Nathalie küsst Joy und so weiter. irgendwann sind alle durch. Jay entscheidet, dass wir eine kurze Erfrischungspause machen sollen. Deshalb gehen einige von uns wieder ins Wasser. Unter anderem ich. Naja, ich sitze eher am Rand des Sees und habe die Füße im Wasser. Jay war gerade noch im Wasser, doch jetzt setzt er sich neben mich. „Alles gut? Hast du Spaß?" „Ja, hier ist es echt toll und es ist wirklich lustig mit euch." Jay lächelt wieder so wunderschön. Kann der Kerl mal damit aufhören? Ich dreh sonst noch durch.

„Du Angel, kann ich dich was fragen?" „Klar!" Ich werde wieder nervös. „Das war nicht dein erster Kuss, oder? Also du hast schon Erfahrung, schätze ich?" „Ehm, nein. Das war mein erster Kuss. Ich habe noch nie..." Ich breche ab, weil es mir peinlich ist.

Überrascht reißt Jay die Augen auf und schaut mich ungläubig an. „Echt? Wow, Respekt! Du kannst es auf jeden Fall richtig gut. Der Kuss war der Wahnsinn. Hab noch nicht viele gehabt, die so gut sind." „Danke!" Mehr weiß ich darauf nicht zu sagen. Damit hätte ich jetzt echt nicht gerechnet. Meint er das ernst? Scheint so, denn er lacht nicht. Ich habe keine Zeit weiter drüber nachzudenken, denn er ergreift wieder das Wort.

„Ist bestimmt komisch, oder? Gestern stoßen wir zufällig zusammen und heute küssen wir uns." „Du erinnerst dich daran? Ich dachte du hättest mich nicht erkannt?" Jetzt lacht er. „Ey, das ist noch nicht mal 24 Stunden her. Ich habe ein gutes Gedächtnis. Außerdem vergisst man dein Gesicht nicht so schnell." Er zwinkert mich frech an und steht dann auf, um wieder ins Wasser zu gehen.

Ich nehme mir eine kalte Limo aus der Kühltasche und hänge meinen Gedanken nach. Immer wieder wandern meine Gedanken zu dem Kuss. Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich so etwas Unglaubliches erlebt. Nie hätte ich gedacht, dass es so wunderschön sein kann jemanden zu küssen. Jays Lippen fühlten sich toll an und sein Atem roch nach Erdbeeren.

Ich spüre noch seine Hände in meinem Gesicht und Nacken, so als wären sie noch da. Die Stellen kribbeln wie verrückt! Und wenn ich an den Kuss denke, dann fühle ich mich wieder berauscht. Fühlt es sich so an, wenn man unsterblich verliebt ist? Denn genau das bin ich, das ist mir seit dem Kuss noch klarer geworden. Ich liebe Jay Harper. Das kann und will ich nicht mehr bestreiten. Alles in mir kribbelt und es fühlt sich an, als würden hunderte Schmetterlinge in meinem Bauch tanzen. Ich will dieses Gefühl nie wieder loswerden.

Aber wird Jay jemals dasselbe fühlen? Oder wird es nie was mit uns? Ich hoffe nur, dass ich nicht irgendwann einer seiner One Night Stands sein werde. Das könnte ich nicht verkraften.

Den restlichen Nachmittag redet Jay kein Wort mehr mit mir. Ehrlich gesagt ignoriert er mich wieder. Und das tut wieder so scheiße weh. Warum macht er das ständig? Wir knutschen und dann ignoriert er mich? Ist das seine Masche? Na dann halleluja. Aber okay, dieses Spiel kann ich auch spielen. Zumindest versuche ich es. Ist nämlich gar nicht so leicht, wenn man so verliebt ist.

Am frühen Abend machen Suri, Kian und ich uns dann wieder auf den Heimweg. Darauf habe ich eigentlich gar keinen Bock. Aber ich kann ja nicht an den See ziehen, nur um Dad nicht zu begegnen. Dad! Dieses Wort verdient er gar nicht mehr so richtig, aber er ist halt trotzdem mein Vater.

Wahrscheinlich hat er schon wieder die nächsten Attacken für mich parat. Ach, wie ich mich schon auf zu Hause freue.

Zu Hause angekommen warten unsere Eltern tatsächlich schon mit dem Abendessen auf uns. Von draußen konnten wir sie eben noch streiten hören, aber jetzt ist Ruhe. „Na, wie war euer Nachmittag am See?" Mum lächelt uns freundlich an und deutet uns an, dass wir uns setzten können. „Es war super Mum. Angel hat Suris und meine Freunde kennengelernt. Und sie lieben ihn. Er wurde direkt als Mitglied anerkannt." Kian grinst breit und schaut dann unseren Vater an, weil der mal wieder missmutig schnaubt.

„Hast du ein Problem, Dad?" Kians Tonfall deutet auf Angriffslust hin. „Naja, ich wundere mich nur, dass eure Clique sowas wie Angel bei sich aufnimmt. Er passt gar nicht zu euch. Ihr seid starke, selbstbewusste und vernünftige Menschen. Nicht so ein Witz wie euer Bruder."

Ohne ein Wort zu sagen steht unsere Mum auf und stürmt aus der Küche. Schnellen Schrittes geht sie die Treppe hoch. Was hat sie vor?





 

Okay, es ist ziemlich viel los in diesem Kapitel � Angel erzählt von dem schrecklichen Ereignis mit Laurin! Hättet ihr gedacht, dass Laurin so grausam sein kann? Dann war da noch der Kuss vom Flaschendrehen. Süß oder?:D

Und die letzte Frage, die uns alle wohl beschäftigt, ist: Was hat Angels Mum vor? ... Was denkt ihr?� bis Freitag ihr Lieben �

Völlig perplex starren wir ihr hinterher und dann schauen wir drei uns nicht weniger ratlos an. Von oben hören wir ab und zu Geräusche, aber wenn Mum sauer ist, dann sollte man sie besser in Ruhe lassen. Naja, zumindest sehe ich das so, offensichtlich aber im Gegensatz zu meinem Bruder. Denn seine Worte reißen mich aus meiner Schockstarre.

„Suri, gehst du bitte mal nach oben und schaust nach ihr? Ich würde ja selbst gehen, aber ich will nicht das Risiko eingehen, dass Dad meine Abwesenheit nutzt, um Angel etwas anzutun." Suri nickt unserem Bruder unsicher zu und ich schaue dann nervös und auch etwas ängstlich zu meinem Vater. Doch er beachtet mich gar nicht, zu sehr ist er damit beschäftigt, die Treppe anzustarren.

Auf einmal erschrecken wir drei total, denn es fliegen plötzlich ein Koffer und zwei große Taschen die Treppe runter und landen mit einem lauten Knall auf dem guten Eichenholzlaminat. Was passiert hier gerade? Mum wird doch nicht ausziehen, oder? Oh bitte, dass kann sie nicht machen. Sie kann uns nicht mit ihm alleine lassen. Das kann sie uns doch nicht wirklich antun wollen. Meine Angst wird immer größer und ich spüre wieder einen unangenehmen Kloß in meinem Hals. Den Tränen nahe bin ich auch wieder und ich habe echt damit zu kämpfen nicht loszuheulen.

Nachdem die Koffer geflogen sind, ist mein Vater dann aus seiner Schockstarre erwacht und springt augenblicklich auf. Mit schweren, schnellen und stampfenden Schritten geht er in den Flur, wo bereits meine Mutter wartet. „Was soll das? Haust du jetzt ab, nur weil du nicht einsehen willst, dass ich Recht habe? Das ist lächerlich, aber das weißt du ja sicher, oder?" Dads Worte scheinen Mum so richtig wütend zu machen, denn sie sieht aus, als würde sie gleich explodieren. Ungefähr so muss es aussehen, wenn ein Vulkan kurz davor ist auszubrechen. Als sie das Wort ergreift, zucke ich erschrocken zusammen, denn sie brüllt unseren Vater an, wie noch nie zuvor. Ihre Stimme dröhnt unglaublich in den Ohren und ich glaube nicht, dass sie noch lauter werden kann.

„DAS SIND NICHT MEINE TASCHEN, SONDERN DEINE. DU VERDAMMTES ARSCHLOCH WIRST JETZT HIER VERSCHWINDEN! HAU AB! DENN ICH WERDE NICHT ZULASSEN, DASS DU DEN ARMEN ANGEL WEITER FERTIG MACHST. SO ETWAS WIE DU HAT NICHT DAS RECHT, SICH VATER ZU NENNEN. DU BIST DIE SCHANDE DIESER FAMILIE UND NICHT ANGEL. JETZT MACH, DASS DU WEGKOMMST. ICH WILL DICH NICHT MEHR SEHEN!"

Moment mal, was? Geschockt starre ich noch immer auf das Szenario vor mir. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass mein Vater jetzt wieder komplett ausrasten würde, so wie er es leider ständig tut. Aber es passiert nicht, stattdessen schaut er Mum an, als wäre er ein Kind, dem man das Spielzeug weggenommen hat. „Das meinst du nicht ernst? Du schmeißt mich raus? Schmeißt du wirklich 20 Jahre Ehe weg? Bitte überlege dir nochmal, ob du das wirklich willst."

Mein sonst so aggressiver und aufbrausender Vater schaut seine Frau niedergeschlagen an und es sieht so aus, als würde er krampfhaft versuchen seine Tränen zu unterdrücken.

Meine Mum öffnet die Haustüre und spricht dann wieder zu meinem Dad, doch diesmal ist ihre Stimme ruhiger und eher traurig. „Ich will, dass du verschwindest. Geh Michael!" Er scheint zu verstehen, dass jeder Versuch zu protestieren sinnlos wäre, weshalb er einfach stumm seine Sachen nimmt und dann wirklich das Haus verlässt.

Kurz schaut Mum ihm hinterher, während wir sie schluchzen hören können. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie gleich zusammenbricht, weshalb ich aufstehe und auf sie zugehe. Keine Sekunde zu früh, wie sich herausstellt, denn plötzlich bricht sie wirklich weinend an der Tür zusammen. Bei ihr angekommen lasse ich mich ebenfalls auf den Boden fallen und nehme sie in den Arm. Sie vergräbt ihr Gesicht in meinem T-Shirt, weshalb dieses großflächig mit ihren Tränen benetzt wird. Aber das stört mich nicht, denn alles, was gerade zählt, ist meine Mum. Beruhigend streiche ich ihr über den Rücken, doch leider erzielt es nicht die gewünschte Wirkung. Sie schafft es nicht sich zu beruhigen, stattdessen fängt sie immer stärker an zu weinen und zu schluchzen.

Kian und Suri sitzen mittlerweile auch bei uns auf dem Boden und umarmen meine Mum. Noch immer klammert sie sich schluchzend an mir fest und ich weiß nicht so recht, was ich tun kann um sie zu beruhigen. So wie es aussieht, ist die Ehe meiner Eltern jetzt wirklich am Ende und das ist meine Schuld. Wäre ich doch nur der Sohn, den mein Vater wollte, dann wäre in dieser Familie alles gut. Aber weil ich bin wie ich bin, ist jetzt alles kaputt. Das schmerzt gerade wirklich sehr, aber ich muss stark sein für meine Mum. Ich kann jetzt nicht ebenfalls zusammenbrechen, denn Mum braucht mich jetzt. Sie braucht uns. „Es tut mir so leid Mum. Das ist alles meine Schuld." Sie hebt langsam ihren Kopf und schaut mich liebevoll an, während sie meine Wange streichelt. „Angel, ich möchte, dass du mir jetzt ganz genau zuhörst. Du bist nicht daran schuld, sondern dein Vater. Ja, ich liebe ihn, sonst wäre ich keine 20 Jahre mit ihm verheiratet. Aber ich ertrage es einfach nicht mehr, wie er dich behandelt. Du bist perfekt, so wie du bist. Lass dich von ihm auf keinen Fall ändern, okay? Bleib bitte, wie du bist. Ich bin unglaublich stolz darauf zu sehen, was für ein toller Junge du geworden bist. Ich liebe dich."

Sie gibt mir einen liebevollen Kuss auf die Stirn und lächelt mich dann wieder an. Ich streiche ihr die Tränen aus dem Gesicht und drücke sie wieder an mich. „Danke Mum, ich liebe dich auch. Und du bist die beste Mum, die man sich vorstellen kann." Keiner von uns sagt mehr was, auch Suri und Kian nicht, die beiden sitzen immer noch stumm da und umarmen uns. Ich möchte Mum so viel Kraft und Stärke geben wie möglich, damit sie die Trennung von Dad so gut es geht verkraftet. Wir müssen jetzt alle mit dieser Situation klarkommen und als Familie zusammenhalten. Es gibt jetzt nur noch uns vier.

In der Nacht liege ich noch eine ganze Weile wach, denn meine Gedanken kreisen immer wieder zu dem Streit meiner Eltern. Noch immer kann ich gar nicht so wirklich fassen, was passiert ist. Mum hat Dad wirklich rausgeschmissen. Nach 20 Jahren Ehe zieht sie jetzt eine Konsequenz und schmeißt ihn raus? Irgendwie ist das nicht so wirklich zu realisieren, aber Dad ist auch selbst schuld. Wäre er doch einfach mal ein liebevoller Vater und würde ALLE seine Kinder so akzeptieren, wie sie sind. Aber das kann er ja nicht. In meinem Kopf rattert es gewaltig, denn mir schießt ein Gedanke in den Kopf. So oft habe ich mir gewünscht, dass mein Vater einfach mal für ein paar Tage verschwindet, dann wiederkommt und sich unser Verhältnis bessert.

Aber jetzt ist er wahrscheinlich endgültig weg und akzeptieren wird er mich trotzdem nicht. Er kann Monate wegbleiben, es wird sich nicht ändern. Er wird sich nicht ändern! Und genau das ist es, was mich immer wieder traurig macht und mich sehr verletzt. Alles was ich immer wollte, war ein richtiger Vater. Aber stattdessen habe ich einen, der mich hasst. So sollte es einfach nicht sein. Wieder merke ich, wie mir die Tränen hochschießen und ich beschließe, sie einfach rauszulassen. Diese Nacht werde ich mich wie so oft in den Schlaf weinen, ich kenne es ja nicht anders. Es ist mein Schicksal, immer wieder Schmerzen zu spüren. Innerliche Schmerzen! Schmerzen, die die Seele Stück für Stück auseinanderreißen.

So wird das wirklich nichts mit Schlafen, da brauche ich es gar nicht zu versuchen. Also setze ich mich auf und greife nach meinem Handy. Kurz zögere ich, da es bereits kurz vor Mitternacht ist, aber er hat gesagt, wenn ich ihn brauche, dann kann ich mich zu jeder Zeit melden. Also wähle ich seine Nummer. Es klingelt einen kurzen Moment, doch dann ertönt die vertraute Stimme meines Onkels. „Hey Dario, sorry das ich mich so spät melde. Bestimmt habe ich dich geweckt, aber ich wusste nicht wen ich sonst anrufen soll. Ich muss einfach mit jemandem reden, sonst drehe ich durch." „Soll ich dich abholen und dann reden wir?" Ich zögere kurz, da ich wieder die Uhr im Blick habe. Doch dann entscheide ich mich dafür. „Wenn es dir nichts ausmacht, ja!" „Gut ich bin in 15 Minuten da. Komm bitte zu der Kreuzung bei euch, ich kann ja schlecht vor eurer Tür parken." Von mir kommt nur ein kurzes Okay und ich lege auf. Da ich schon im Bett lag, muss ich mich jetzt komplett anziehen und meine Sachen schnappen.

Fünf Minuten später bin ich fertig und verlasse leise das Haus. Mit schweren und nervösen Schritten mache ich mich auf den Weg zu der Kreuzung, an der ich abgeholt werde.

Ich schaue mich immer wieder um, denn meine Angst, dass Laurin plötzlich auftauchen könnte, ist noch immer unglaublich groß und lässt mich zittern. Ich frage mich, ob das irgendwann mal besser wird. Oder werde ich für den Rest meines Lebens Angst haben, wenn ich alleine unterwegs bin? Ich hoffe nicht! Diese Angst frisst mich nämlich immer mehr innerlich auf. Immer wieder sehe ich mich ängstlich und nervös um. Meistens, weil ich irgendwelche Geräusche höre, aber zwischendurch auch so. Angespannt sehne ich mir Darios Auto herbei und dieses erscheint dann auch zum Glück endlich.

Als es zum Stehen kommt, reiße ich die Tür auf und springe förmlich in den Wagen. Ohne es zu kommentieren, fährt mein Onkel los und ich starre einfach nur schweigend aus dem Fenster. Hier im Auto will ich nicht reden und ich muss meine Worte und Gedanken erstmal sammeln. Während der Fahrt beobachte ich jede vorbeiziehende Laterne, jeden Baum, jedes Haus und jedes Auto. L.A. ist nachts einfach so wunderschön. Ich bin so froh in dieser wunderschönen, bunten Stadt zu leben. Der Blick auf die vorbeiziehende Stadt lenkt mich kurz von meinen Gedanken ab und lässt mich träumen. Deshalb merke ich im ersten Moment auch gar nicht, dass wir angekommen sind. Erst Onkel Darios Stimme reißt mich aus meinen Gedanken.

„Wir sind da. Falls du vorhattest hier im Auto zu übernachten, gerne. Doch ich würde dir empfehlen, vielleicht eher reinzukommen." Ich zucke leicht zusammen, weil ich nicht damit gerechnet habe, angesprochen zu werden, was genau genommen Schwachsinn ist, da ich immerhin mit ihm im Auto sitze. Oder wie ich gerade feststelle, saß. Denn mein Onkel ist längst ausgestiegen und auf meine Seite gekommen, wo er mir nun geduldig und breit grinsend die Tür aufhält. „Oh sorry, ich komm schon." Schon steige ich aus und folge ihm ins Haus. Im Wohnzimmer sehe ich dann auch schon Steve und bekomme direkt ein schlechtes Gewissen. Ich habe die beiden wahrscheinlich aus dem Bett geholt. Oh je, darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Shit!

„Es tut mir so leid, dass ich euch so spät störe. Ich wollte euch wirklich nicht vom Schlafen abhalten, aber ich wusste nicht, mit wem ich sonst reden soll." Traurig schaue ich auf den Boden und spüre wieder wie meine Tränen hochkommen. Steve scheint mein Tränen-Dilemma zu bemerken, denn er setzt sich neben mich und nimmt mich fest in den Arm. „Was ist denn los? Gab es Zuhause wieder Ärger?" Ich nicke zögerlich und lehne meinen Kopf vorsichtig an Steves Schulter. „Heute ist es eskaliert. Dad hat wieder auf mir herumgehackt und daraufhin hat Mum in rausgeschmissen." Mein Onkel reißt überrascht die Augen auf und als ich meinen Kopf von Steves Schulter nehme und ihn ansehe, kann ich erkennen, dass er genauso geschockt schaut. Damit hat wohl keiner der Beiden gerechnet.

Kurz ist es still, doch dann findet mein Onkel als erster seine Sprache wieder. „Deine Mum hat was? Ich hätte jetzt wirklich alles erwartet, aber nicht das." Bis gerade eben hat mein Onkel noch gestanden, aber jetzt muss er sich wohl doch hinsetzen, zu sehr scheint ihn meine Nachricht zu schocken. Beide starren mich mit offenem Mund an. So geschockt habe ich die beiden noch nie erlebt. Und ich kenne sie nun seit fast 6 Jahren.

 

 

 

 

 

Nun, so ziemlich alle hatten Recht mit ihren Vermutungen. Angels Mum hat ihren Mann nun wirklich rausgeschmissen. Und das nimmt sie ganz schön mit. Ist auch irgendwie klar, denn 20 Jahre sind eine lange Zeit. Wie fandet ihr, die Reaktion von Angels Dad auf die Situation?�� lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen � Bis Montag �

 

 

„Ja, er hat mich halt wieder mit seinen Worten schikaniert und da ist Mum wohl der Kragen geplatzt. Sie ist wortlos vom Esstisch aufgestanden und nach oben gerannt. Kian hat Suri nach oben geschickt um nachzusehen, was los ist. Und nach ein paar Minuten kamen dann Dads Koffer und Taschen die Treppe runtergeflogen." Bei dem Gedanken muss ich tatsächlich irgendwie grinsen. So traurig die ganze Situation auch ist, aber wie die Koffer geflogen sind, sah irgendwie schon lustig aus. Man könnte meinen, sie hat mit Dads Koffern Weitwurf für eine Olympiade geübt. „Dann kam sie runtergestürmt und hat ihn rausgeschmissen. Er dachte erst, dass es ihre Taschen sind, weil sie vorhätte zu gehen. Als sie ihm dann an den Kopf knallte, dass sie ihn rauswirft, war er total geschockt. Dad wirkte plötzlich total verzweifelt und hat noch versucht sie umzustimmen, aber das war vergebene Liebesmüh. Mum blieb hart und er ist dann einfach gegangen. Und dann ist Mum einfach weinend an der Tür zusammengebrochen." Bei dem Gedanken an Mum, wie sie auf den Boden zusammengesackt ist und furchtbar geweint hat, kommen mir wieder die Tränen.

Ich habe sie noch nie so verzweifelt erlebt, wie in diesem Moment. Man hat einfach gemerkt, wie sehr sie Dad liebt. 20 Jahre sind auch eine echt lange Zeit. Das einfach zu beenden muss unendlich wehtun. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie sowas ist. Und innerlich hoffe und bete ich, dass ich sowas niemals erleben muss. Okay, seien wir mal ehrlich, um so etwas erleben zu können, muss vorher erstmal eine Beziehung oder Ehe stattfinden. Davon bin ich aber so ungefähr 1 Millionen Lichtjahre entfernt. Und warum? Na, weil ich mich ja unbedingt unsterblich in einen Kerl verlieben musste, den ich niemals haben werde.

„Wie geht es ihr denn jetzt?" Onkel Dario schaut mich mitleidig an. Und man kann deutlich erkennen, dass Mum ihm gerade unglaublich leidtut. Immerhin hätte er nie gedacht, dass meine Eltern sich mal trennen würden. „Naja, sie hat noch sehr lange geweint, aber irgendwann konnten wir drei sie dann beruhigen. Sie ist dann irgendwann eingeschlafen. Und ich bin dann auch ins Bett gegangen, konnte aber wegen der ganzen Situation nicht schlafen. Den Rest kennst du ja." „ Weißt du Angel, es ist für euch alle schon lange nicht einfach, dass dein Dad so ein Mensch ist. Auch für deine Mum nicht. Sie liebt dich und als Mama will sie ihre Kinder beschützen. Das ist ein Urinstinkt bei Müttern. Sie hat all die Jahre gesehen, wie dein Dad dich behandelt und nun ist für sie der Punkt gekommen, wo sie das einfach nicht mehr ertragen kann." „Ja, aber ich bin an allem Schuld. Auch wenn sie sagt, dass es nicht so ist. Ich weiß es einfach, denn wenn ich nicht schwul wäre oder mich wie Kian verhalten würde, sprich typisch Mann, dann hätte unsere Familie nicht diese Probleme."

War Onkel Darios Blick eben noch liebevoll, so ist er jetzt ernster und auch sein Tonfall sagt eindeutig aus, dass er mich zurechtweisen will. „Angel, hör bitte endlich auf dir die Schuld zu geben. Du bist nicht schuld! Und du solltest endlich lernen, dich und deine Sexualität zu akzeptieren und auch lieben zu lernen. Du bist ein wertvoller Mensch und das du schwul bist, ist nichts verwerfliches oder unnormales. Du bist genauso ein normaler Mensch wie deine Geschwister.

Das Problem liegt bei den Menschen, die dich nicht so nehmen wollen wie du bist und nicht bei dir. Die Ehe deiner Eltern ist nicht deinetwegen kaputt gegangen, sondern wegen deines bescheuerten Vaters. Er hat alles kaputt gemacht und nicht du. Wäre dein Vater ein besserer Mensch, dann wäre eure Familie völlig in Ordnung, aber er ist ein verdammtes Arschloch. Lass dich nicht vom ihm runterziehen, das will er doch."

Ja okay, er hat ja schon irgendwie Recht. Aber es tut einfach weh zu wissen, dass meine Eltern sich ständig meinetwegen gestritten haben. Und jetzt sind sie sogar getrennt. Das kann ich nicht einfach verdrängen. Aber es stimmt, ich muss endlich anfangen mich zu akzeptieren. Nachdem ich die alte Schule verlassen habe, habe ich mir geschworen, einen kompletten Neuanfang zu starten. Also sollte ich auch langsam mal damit anfangen. Sonst wird das nichts.

Am nächsten Morgen...

Wir haben die ganze Nacht geredet und jetzt sitze ich wieder im Auto meines Onkels, der mich nach Hause fährt. Obwohl ich nicht geschlafen habe, bin ich überhaupt nicht müde, was zwar irgendwie seltsam ist, aber wahrscheinlich liegt es an der ganzen Situation zu Hause und Jay, weshalb ich zu aufgekratzt bin, um müde zu sein. Ja genau, dass wird es sein. Irgendwann, wenn sich bei mir mal alles wieder beruhigt, wird es auch wieder mit dem Schlafen besser, denke ich.

Da mein Dad ausgezogen ist, fährt mich mein Onkel direkt bis vor die Haustüre. Nachdem ich mich von ihm verabschiedet habe, gehe ich schnellen Schrittes zur Haustür. Ein kurzer Blick auf mein Handy verrät mir, dass es kurz vor 6 ist. Das bedeutet, dass alle wahrscheinlich gerade schon am Frühstückstisch sitzen. Kian habe ich gestern Abend noch eine Whatsapp-Nachricht geschrieben, dass ich bei unserem Onkel bin. Ich bin gespannt, was er Mum gesagt hat, wo ich bin. Soll ich ihr die Wahrheit sagen? Ich weiß nicht so recht.

Dad und sie reden zwar nicht miteinander, weshalb sie es ihm auch garantiert nicht sagen wird, aber was ist, wenn sie ein Problem damit hat, dass ich Kontakt zu Onkel Dario habe? Was denn, wenn sie sauer wird? Andererseits ist es Mum, sie ist immer verständnisvoll und eigentlich fast nie sauer. Und vielleicht ist es nun an der Zeit, mich meiner Mum anzuvertrauen. Sie liebt mich und sie würde sicher nicht so ausrasten wie Dad.

Entschlossen schließe ich die Tür auf und betrete unser Haus. Ich habe noch nicht mal die Tür zu, da ertönt schon Mums Stimme aus der Küche. „Angel, bist du das?" „Ja Mum, ich bin es." Mein Weg führt mich direkt in die Küche, wo wirklich alle drei sitzen und auf mich zu warten. „Wo warst du Junge? Kian und Suri sagten mir nur, dass ich mir keine Sorgen machen muss, denn dir würde es gut gehen. Aber sie sagten nicht, wo du bist. Also von wo kommst du?" Ich schlucke nervös und schaue kurz zu meinen Geschwistern. Ein Blick reicht und sie wissen, worüber ich nachdenke. Zustimmend nicken sie, was mir sagt, dass es der richtige Weg ist.

„Ich hab die Nacht bei Onkel Dario und seinem Mann Steve verbracht. Ich konnte nicht schlafen, weshalb ich ihn angerufen habe. Er kam dann und hat mich abgeholt. Wir drei haben die ganze Nacht geredet. Ich musste mal mit jemandem über gestern Abend reden, der nicht beteiligt war." Ich unterbreche kurz und warte auf ihre Reaktion. „Du warst bei eurem Onkel? Wie kommt das? Also seit wann hast du mit ihm Kontakt?" Sie schaut mich völlig überrascht an und man sieht er eindeutig an, dass sie damit niemals gerechnet hätte.

Noch bevor ich selbst antworten kann, ergreift Kian das Wort. Und auch er ist sichtlich nervös. „Ehm, Mum? Nicht nur Angel hat Kontakt zu ihm, Suri und ich haben ebenfalls Kontakt zu Onkel Dario und Steve. Grandpa hat vor Jahren den Kontakt zwischen uns hergestellt. Seit sechs Jahren haben wir drei heimlich Kontakt zu ihm und Steve. Wir sind oft bei den beiden." „Wie konntet ihr das so gut verheimlichen?" „Wir mussten es geheim halten. Dad wäre durchgedreht, wenn er gewusst hätte, dass meine Brüder und ich zu seinem verhassten Bruder Kontakt haben. Du darfst es Dad auch bitte nicht erzählen, Mum." Mum lächelt und nimmt Suris Hand in ihre. „Natürlich werde ich ihm nichts verraten. Wenn er es wüsste, dann wäre hier die Hölle los und das will ich auf keinen Fall. Sind er und Steve denn gut zu euch?" Wir alle drei nicken und ich ergreife wieder das Wort. „Die beiden sind super lieb und wir verstehen uns super mit ihnen. Steve und Onkel Dario sind immer für mich da und sie helfen mir bei bestimmten Themen sehr. Durch sie lerne ich viel besser mit mir umzugehen." Mum scheint nicht zu verstehen was ich meine, weshalb sie mich fragend ansieht.

„Was meinst du damit mein Liebling?" „Mum, ich..." Oh Gott, warum ist es so verdammt schwer, meiner Mum die Wahrheit zu sagen? Es ist doch meine Mum und sie wird mich danach trotzdem noch lieben, oder? Ich meine, sie wird mich doch sicher nicht verstoßen, oder? Scheiße, was mache ich hier eigentlich? In meinem Hals bildet sich wieder der altbekannte Kloß und er scheint immer größer zu werden. Plötzlich bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich die Worte wirklich aussprechen kann. Was, wenn Mum sich vor mir ekelt? Wenn sie mich rausschmeißt? Das könnte ich nicht ertragen. Ängstlich fange ich an zu zittern und mir kommen auch wieder die Tränen und diesmal schaffe ich es nicht sie zurückzuhalten.

Im Augenwinkel kann ich erkennen, dass meine Geschwister von ihren Plätzen aufgestanden sind und im nächsten Moment spüre ich die Hand meines Bruders auf meiner Schulter, während Suri sich neben mir auf einen der Stühle setzt und meine Hand greift. „Es ist okay, wir sind bei dir. Sag es ihr!" Kians Hand streicht nun liebevoll über meine Schulter. Und das motiviert mich, meinen ganzen Mut zusammen zu nehmen.

Jetzt oder nie Angel. „Ich bin schwul. Dads Befürchtungen sind längst wahr. Ich weiß seit Jahren, dass ich auf Jungs stehe. Es ist nicht nur eine Phase, es ist das, was ich bin. Aber bitte, ich bin immer noch der gleiche Angel, den du immer gekannt hast. Ich bin immer noch dein Sohn. Bitte hasse mich nicht! Ich habe lange versucht mich dagegen zu wehren, aber es geht nicht. Es würde mich nur unglücklich machen. Und von Onkel Dario und Steve habe ich gelernt, dass ich zu mir selbst stehen muss."

Jetzt fange ich richtig an zu weinen und vergrabe mein Gesicht in meinen Händen. Innerlich stelle ich mich schon darauf ein, von Mum angebrüllt und zum Teufel gejagt zu werden. Während Kian und Suri mich zu trösten versuchen, kann ich erkennen, wie Mum von ihrem Stuhl aufsteht und auf mich zukommt. Aus Reflex zucke ich zusammen und fange noch stärker an zu zittern.

Mum nimmt sich einen Stuhl und setzt sich direkt vor mich. Kommt jetzt das Donnerwetter? Nein! Das von mir erwartete Geschrei bleibt aus, stattdessen spüre ich, wie sie meine Hände nimmt. Und dann höre ich ihre Stimme und diese ist weich und freundlich. „Angel, sieh mich bitte an." Das tue ich dann auch zögerlich. Meine Tränen wische ich mir kurz grob weg, damit ich sie richtig sehen kann. „Du bist und bleibst immer mein Kind. Das wird sich niemals ändern. Ganz egal, ob du hetero oder schwul bist. Du bleibst du. Und ich liebe dich so, wie du bist, nichts und niemand kann das ändern. Ich werde immer stolz auf dich sein, ganz egal, was du tust oder was du bist. Ich bin nicht wie euer Vater. Alles, was ich will, ist, dass du glücklich bist. Und wenn du das irgendwann mit einem Mann an deiner Seite bist, dann ist das so. Das macht dich nicht weniger liebenswert als deine Geschwister. Es freut mich zu wissen, dass dein Onkel dir da in all den Jahren so eine gute Stütze war. Und nun will ich diesbezüglich auch eine Stütze für dich sein. Was immer du auf dem Herzen hast, du kannst es mir sagen." Überglücklich über ihre Worte, falle ich ihr regelrecht um den Hals. Ich drücke sie fest an mich und sie erwidert es mit derselben Stärke. Mit dieser Reaktion habe ich nicht gerechnet, aber sie ist einfach komplett anders als Dad. Darüber bin ich so unglaublich froh.

„Danke, Mum, das bedeutet mir so unglaublich viel. Ich liebe dich so sehr." Den letzten Satz schluchze ich eher als ihn zu sprechen, aber sie versteht mich trotzdem. „Ich dich auch, mein Schatz. Ich werde dich immer lieben." Kurz umarme ich sie noch fest, doch dann kommt mir etwas in den Kopf, weshalb ich wieder ängstlich zu sprechen anfange.

„Mum, bitte versprich mir, dass du Dad nichts davon erzählst. Er darf das niemals erfahren. Wenn er es herausfindet, wird er mir wehtun. Und davor habe ich große Angst." Ich zittere wieder. „Keine Angst, ich werde ihm nichts sagen. Er wird es nicht erfahren." Wieder drückt sie mich fest an sich. Und es überkommt mich ein Glücksgefühl.

Es fühlt sich so unglaublich befreiend an, dass ich ihr endlich die Wahrheit gesagt habe und den Mut hatte mich zu outen. Gerade fällt eine unglaublich große Last von mir ab und ich bin einfach nur glücklich. „Ihr beide wisst es schon länger, nehme ich an?" Mum schaut grinsend zu Kian und Suri. Nervös, fährt Kian sich durch die Haare. Er steht mittlerweile neben mir, weshalb ich das sehen kann.

„Ja, wir wussten es schon von Anfang an. Angel musste sich damals jemandem anvertrauen und das waren wir."

Mum nickt nur verstehend und grinst dann verschmitzt. „Nun sag schon, gibt es da einen Traumprinzen in deinem Leben, an den du dein Herz verloren hast?" Ihr Grinsen wird breiter und ich schaue ertappt gen Boden. Wieder schießt Jay in meinen Kopf. Doch bevor ich selbst antworten kann, übernimmt das mein Bruder für mich.

„Unser kleiner Chaot hier liebt es offensichtlich kompliziert und steht auf Herausforderungen. Angels Traumprinz ist Jay!" Jetzt grinst er und Mum schaut mich überrascht an. „Ist da denn eine Chance? Also von Jays Seite aus?" Wieder übernimmt Kian. „Naja, sexuell gesehen ja, denn Jay ist bisexuell. Aber du kennst ihn, er ist jetzt nicht gerade ein Beziehungsmensch. Angel ignoriert nur leider alle Warnungen." „Ich ignoriere gar nichts. Aber es geht nun mal nicht, dass ich von euch gewarnt werde und auf einmal ist Jay mir völlig egal. Ich bin total verliebt in ihn und ich kann daran einfach nichts ändern. Ich versuche es ja, aber es geht einfach nicht. Egal was ich versuche, er will mir einfach nicht aus dem Kopf gehen."

„Ist Jay denn wenigstens nett zu eurem Bruder? Oder ärgert er ihn deswegen?" Suri ergreift das Wort und kommt Kian damit zuvor. „Jay würde Angel niemals deswegen fertig machen, Mum. Er bemüht sich um ein gutes Verhältnis zu Angel. Und er hat auch dafür gesorgt, dass niemand in der Schule Angel mobbt, weil er schwul ist. Das lässt Jay nicht zu. Nicht nur bei Angel, sondern auch allgemein. Auf dieser Schule soll Angel es besser haben." Mum schaut mich kurz geschockt an und greift dann wieder nach meiner Hand. „Wurdest du deswegen in der alten Schule gemobbt?" Ich kann nur nicken, denn darüber sprechen kann und will ich nicht. Sie hakt auch zum Glück nicht weiter nach.

Stattdessen nimmt sie mich einfach wieder stumm in den Arm. Wir drei sind wirklich eine starke Familie und wir brauchen Dad und sein aggressives Verhalten eindeutig nicht. Wir haben uns und nur das zählt...




 

Na was sagt man dazu?� Angel hat sich endlich vor seiner Mum geoutet. Hättet ihr das gedacht? Und wie findet ihr das Kapitel?�� freue mich wie immer über Feedback � bis Mittwoch �

Keine Ahnung, wie lange wir einfach so da sitzen und uns einfach nur umarmen. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, doch irgendwann beendet Mum die Situation und ergreift das Wort. „Ihr müsst zur Schule, beeilt euch, sonst kommt ihr noch zu spät." Ein Blick auf die Uhr, die an der Wand hängt, verrät mir, dass Mum Recht hat. Wir müssen uns echt beeilen, sonst kommen wir wirklich noch zu spät.

Also essen wir flott unser Frühstück und machen uns dann auf den Weg. Ich hatte jetzt keine Zeit zu duschen, aber das macht nichts. Wir haben in der vierten Stunde Sport und danach dusche ich ja eh. Da fällt mir ein, ich habe doch hoffentlich nicht mit Jay Sport? Wenn doch, wird das Duschen danach echt peinlich. Dann würde er mich möglicherweise nackt sehen. Oh Gott und ich würde IHN nackt sehen. Bei dem Gedanken wird mir total heiß und ich beginne zu schwitzen. Hoffentlich merken meine Geschwister das jetzt nicht. Ansonsten ziehen sie mich wieder damit auf.

In der Schule angekommen, werden wir auch direkt von Jay und seinen Leuten empfangen. „Guten Morgen ihr drei. Alles gut bei euch?" Jay lächelt Kian und Suri an und dann wandert sein Blick zu mir, wo er mich dann angrinst. Moment, wieso grinst er mich denn jetzt an? Ich schlucke nervös und schaue absichtlich woanders hin, denn sein Grinsen lässt mein Herz wieder höher schlagen. Was macht er nur ständig mit mir? Wieso reagiere ich so krass auf diesen Kerl? Er braucht nur zu atmen und ich habe das Gefühl durchzudrehen. Das ist doch nicht normal, oder? Ist es normal so zu reagieren, wenn man verliebt ist? Ich habe einfach keine Ahnung, denn ich war zuvor noch nie in jemanden verliebt. Also kann ich es nicht beurteilen. „Alles gut, Angel? Du schaust gerade wie ein angeschossenes Reh." Wieder grinst er. Kann er bitte mal damit aufhören? „Alles bestens, danke." Diese Worte spreche ich eindeutig etwas zu zickig, denn er grinst immer noch. Wahrscheinlich ist ihm bewusst, dass ich versuche, ihm gegenüber abweisend zu reagieren. Er antwortet nicht darauf und da ich jetzt stur in eine andere Richtung schaue, kann ich nicht erkennen, ob er noch immer grinst. Krampfhaft versuche ich einen Weg aus dieser Situation zu finden, weshalb ich mich energisch umsehe. Und da ist mein Weg hier raus auch schon. Ava! Meine beste Freundin steht an ihrem Spind und schaut traurig in unsere Richtung, weshalb ich schnellen Schrittes zu ihr laufe. „Hey Ava, wie geht es dir?" „Als ob es dich interessiert, wie es irgendjemand anderem als Jay geht. Du hast doch nur ihn im Kopf und hängst jetzt sogar ständig mit ihm und seinen Leuten rum. Bist du jetzt ein Teil seiner Clique, ja?"

Ihre Stimme hat sowohl einen aggressiven, als auch einen traurigen Unterton. „Ja naja, er hat mich zum Mitglied erklärt und wir verstehen uns wirklich gut. Mensch Ava, du weißt doch, dass ich ihn toll finde. Und jetzt bekomme ich die Chance ihn besser kennenzulernen. Genau das hatte ich mir doch gewünscht. Und außerdem hast du mir gesagt, dass ich mir ein eigenes Bild machen soll. Genau das tue ich. Und ich finde ihn nett. Außerdem glaube ich, dass er mich auch irgendwie mag." Ava schnaubt verächtlich und sieht mich dann wütend an. „Du bist doch nicht wirklich so blöd zu glauben, dass er dich wirklich mag? Jay spielt nur mit dir. Er flirtet heftig mit dir und umgarnt dich solange, bis er hat was er will. Dich in seinem Bett. Er wird dich einmal ficken und dann abschießen, so wie er es immer tut. Sei doch nicht so naiv."

„Das glaube ich einfach nicht, okay? Ich kann Jay vielleicht verändern. Ja, ich kenne die Geschichten über ihn und auch deine Geschichte, aber auch wenn ich alles andere glaube, das was er dir angeblich angetan hat, kann ich einfach nicht glauben." „ANGEBLICH? Dieses Schwein hat mich benutzt und mich dann lächerlich gemacht! Glaubst du, ich erfinde sowas einfach? Ganz sicher nicht. Und es enttäuscht mich, dass du sowas echt von mir denkst. Ich dachte, du wärst mein bester Freund. Aber so wie es aussieht, habe ich mich da wohl getäuscht." Sie will gerade davonstürmen, als ich sie am Arm festhalte und so versuche aufzuhalten. „Ava, warte bitte, so war das nicht gemeint." >> Knall << Ava verpasst mir eine Ohrfeige. Völlig perplex stehe ich da und starre sie mit Tränen in den Augen an. „Leck mich Angel, wir waren die längste Zeit Freunde." Und dann dreht sie sich wieder um und geht wirklich, diesmal halte ich sie allerdings nicht auf, sondern lasse sie ziehen, während ich hier noch immer völlig geschockt stehe.

Doch nach einem kurzen Moment setze ich mich auch in Bewegung und stürme über den Flur. Wohin weiß ich nicht, einfach nur weg. Auf halber Strecke werde ich allerdings von Jay am Arm gepackt und aufgehalten. „Angel, was ist passiert?" Er schaut mich an und bemerkt natürlich meine Tränen. „Warum weinst du?" „Lass mich los Jay." „Nein, was ist los? Rede mit mir." Ich reiße mich los und stürme nach draußen, aber er folgt mir. „Bleib stehen und rede mit mir." Ich bleibe tatsächlich stehen, drehe mich zu ihm um und ohne es zu wollen, brülle ich ihn an. „Ava hat mir eine geknallt und die Freundschaft gekündigt, weil ich Zeit mit dir und deinen Freunden verbringe. Sie hasst dich und mich jetzt auch, weil ich mich mit dir abgebe. Ich kenne die Geschichte von dir und Ava, genau wegen dieser Geschichte ist sie wütend auf mich, weil ich mit dir abhänge."

Er hält immer noch meinen Arm fest und dann schleift er mich zurück ins Gebäude. „Jay, was soll das?" „Halt den Mund und komm einfach mit." Er sagt das so, als hätte ich eine Wahl. Die habe ich aber nicht, denn er schleift mich ja hinter sich her. Irgendwann erkenne ich, dass wir direkt auf Ava zusteuern. Was hat er vor?

Was soll das? Direkt vor Ava kommen wir zum Stehen und sie schaut sofort wütend von mir zu Jay. „Was soll das jetzt? Lasst mich in Ruhe." Da Ava auf der Treppe zur ersten Etage sitzt, stützt sich Jay am Geländer ab und schaut auf Ava herab. „Angel ist gerade völlig fertig an mir vorbeigerannt. Und erst wollte er mir nicht sagen, was los ist. Doch dann meinte er, du hast ihm die Freundschaft gekündigt, weil er Zeit mit mir verbringt. Du machst einen großen Fehler. Angel ist dein bester Freund und du willst das wegwerfen?" Wütend schlägt Ava ihr Buch zu, welches sie gerade noch gelesen hat. Und funkelt Jay böse an. „Das geht dich nichts an, du blöder Arsch!" Jay sieht Ava mit einem fast schon flehenden Blick an und er sieht dabei wieder aus wie ein ausgesetzter Welpe. „Ava, bitte! ich war das nicht. Ich habe diese Scheiße nicht rumerzählt. Warum sollte ich sowas tun? Zumal es ja noch nicht mal die Wahrheit war. Ich bereue unsere Nacht nicht und es war alles andere als furchtbar. Bitte, ich weiß nicht wer das verbreitet hat, aber ich war es wirklich nicht. Du musst mir glauben. So etwas Grausames würde ich niemals irgendjemandem antun, das ist das Letzte."

Jay hat Tränen in den Augen und er sieht Ava immer noch flehend an. Sie schaut allerdings, ebenfalls mit Tränen in den Augen, wieder auf ihr Buch und ignoriert Jay wieder. „Okay, hasse mich von mir aus weiterhin. Denn ich kann leider nicht beweisen, dass ich es nicht getan habe. Aber bitte gib der Freundschaft zu Angel noch eine Chance. Wir können doch beide Zeit mit ihm verbringen." Da sie immer noch stur auf ihr Buch schaut, geht Jay einfach stumm weg und lässt mich mit ihr alleine.

Kurz zögere ich, doch dann setze ich mich neben sie und ergreife unsicher das Wort. „Ava, es tut mir Leid. Natürlich würdest du sowas nicht erfinden und das meinte ich auch gar nicht so. Ich glaube nur einfach nicht, dass Jay das getan hat. Und nachdem was ich gerade gesehen habe, glaube ich es noch weniger. Irgendjemand wollte Jay wahrscheinlich einen reinwürgen und hat dich als Kollateralschaden ausgewählt. Du bist meine beste Freundin und ich will dich nicht verlieren. Aber ich kann einfach nicht anders als in Jays Nähe zu sein. Ich habe mich total in ihn verliebt, das kann ich nicht mehr abstreiten. Ich will das gar nicht, aber egal was ich versuche, um nicht mehr so zu fühlen, es bewirkt eher das Gegenteil. Angel Summers ist vollkommen verrückt nach Jay Harper. Ob ich das will oder nicht." „Das verstehe ich ja, aber ich will einfach nicht, dass du verletzt wirst. Ich kann auf keinen Fall zulassen, dass er dir wehtut. Du bist mein bester Freund. Ich kenne ihn und seinen Ruf schon länger als du und daher bin ich vorsichtig. Natürlich ignoriere ich nicht, dass er gerade dafür gesorgt hat, dass wir jetzt reden. Und ich habe seine Tränen gesehen. Und ja, er hat vielleicht doch einige gute Seiten. Aber er ist nicht der Beziehungstyp. Doch du schon und deshalb kann das nicht funktionieren. Ich habe dich zu sehr lieb, als das ich mit ansehen will, wie er dir das Herz bricht." Sie lächelt mich freundlich an und ich lächle zurück. „Das weiß ich zu schätzen und ich passe schon auf mich auf. Aber ich möchte dich einfach nicht verlieren." Wortlos umarmt sie mich und dann ertönt wieder ihre Stimme. „Wirst du nicht. Ich liebe dich, du hoffnungsloser Romantiker." Wir grinsen uns an und umarmen uns wieder, das tun wir bis die Schulglocke ertönt.

Die ersten beiden Stunden gehen blitzschnell vorbei und die Pause verbringe ich mit Ava. Ich bin so froh, dass wir uns schnell wieder versöhnt haben. Wenn Ava mich hassen würde und wir wirklich zerstritten wären, dann könnte ich das niemals ertragen. Sie ist ein Teil von mir und wir haben schon so viel Scheiße zusammen durchgemacht. Alleine mein Leid durch Laurin, da war sie immer für mich da und hat mich aufgebaut, wenn ich am Boden lag. Beim Gedanken an Laurin fange ich wieder an zu zittern und es bildet sich wieder der altbekannte Kloß in meinem Hals.

Stopp, Angel! Hör auf an Laurin zu denken. Du musst nach vorne schauen. Die Vergangenheit ist genau das, Vergangenheit. Hier geht es mir viel besser. Hier werde ich akzeptiert, so wie ich bin. Und das habe ich Jay zu verdanken. Bei ihm muss ich mich übrigens noch dafür bedanken, dass er meine Freundschaft zu Ava gerettet hat. Zum Glück haben wir gleich Geschichte zusammen, da kann ich mich bedanken.

Als es zur nächsten Stunde klingelt, verabschiede ich mich von Ava und mache mich dann auf den Weg in den Klassenraum. Als ich dort ankomme, stelle ich fest, dass neben Jay ein freier Platz ist. Aber ich kann mich doch nicht einfach so dahinsetzen, oder? Nein, das geht nicht. Deshalb schaue ich mich nach einem anderen freien Platz um, als ich Jays Stimme höre.

„Angel, komm setz dich neben mich." Er grinst mich wieder so verführerisch an und nachdem ich einmal kurz geschluckt habe, setze ich mich dann wirklich neben ihn. „Na, alles okay? Konntest du dich mit Ava aussprechen oder hat sie dich auch ignoriert?"

„Wir haben geredet. Und wir haben uns auch versöhnt, dafür möchte ich dir danken. Du hast die Situation gerettet. Also, danke!" Er lächelt mich freundlich an und klopft mir fröhlich auf die Schulter. „Gern geschehen! Es reicht ja, wenn sie eine Person hasst. Da sollte kein Platz sein für eine zweite Person. Sonst müsste ich ja ihren Hass mit jemand anderem teilen."

Er grinst zwar wieder, aber ich kann deutlich erkennen, dass es nur gespielt ist und ihm die ganze Situation wehtut. „Weißt du Jay, ich denke, sie möchte dir gerne glauben, aber sie kann es vermutlich einfach nicht. Du sagst ja selbst, du kannst nicht beweisen, dass du das nicht getan hast. Und gerade das macht es Ava sehr schwer, dir zu glauben. Ich glaube, sie weiß tief in ihrem Herzen, dass du gar nicht so ein schlechter Mensch bist. Aber auch Ava hat ein sehr großes Ego und sie ist nicht so leicht zu knacken. Gib ihr Zeit." „Glaubst du mir denn?" „Ja, das tue ich." Jay nickt nur und dann beginnt auch schon der Unterricht.

Wirklich zuhören kann ich dem Lehrer allerdings nicht, denn meine Gedanken kreisen ständig um Jay. Und die Tatsache, dass er gerade neben mir sitzt, macht es nicht besser.

Als die Stunde vorbei ist, stürme ich zu meinem Spind, denn ich muss mich erstmal wieder Jays Nähe entziehen, weshalb ich zur Sporthalle sprinte. Hoffentlich muss ich Jay jetzt erstmal nicht mehr sehen.

Tja, was soll ich sagen? Mein Beten bleibt ungehört, denn kaum komme ich in der Sporthalle an, stelle ich fest, dass ich tatsächlich mit ihm Sport habe. Und das bedeutet, dass wir nachher im gleichen Raum duschen. Shit, genau das wollte ich doch vermeiden. Wenn ich ihn nachher nur mit Handtuch bekleidet sehe, dann kann ich mich sicher wieder nur schwer beherrschen. Daran will ich gar nicht denken. Was, wenn er dann merkt, dass ich auf ihn stehe? Das wäre eine absolute Katastrophe.

Konzentriere dich jetzt bitte auf den Unterricht, Angel, sonst bekommst du noch einen Ball oder so ins Gesicht. Das wäre mehr als peinlich.

„So Jungs, heute steht mal wieder Basketball an. Toby, Jay, ihr seid die Teamkapitäne, wählt euer Team. Jay, du beginnst." „Ich wähle Lucien!" Sein bester Freund kommt auf ihn zu und klatscht ihn ab. Danach wählt Toby und er nimmt Chris. Jay nimmt Kian! Toby nimmt Stefan. Jetzt ist Jay wieder dran mit Auswählen. Und mit seiner Wahl hätte ich jetzt nicht gerechnet, denn er nimmt tatsächlich mich. Ist ihm nicht klar, dass ich eine absolute Niete in Sport bin? Naja okay, Basketball kann ich tatsächlich ein bisschen. Kian und ich haben es oft gespielt, aber das hier sind alles Profis. Die spielen das ständig. Da kann ich doch nur versagen.

„Okay Leute, kommt her." Jay ruft das Team zusammen, wahrscheinlich um einen Schlachtplan zu entwickeln. „Also, da wir ja eigentlich immer ein Team sind, weiß jeder von euch, was zu tun ist. Wir machen sie platt. Und Angel? Du brauchst dir keine Sorgen machen. Du deckst Kian einfach, okay?" Ich nicke nur. Das bekomme ich auf jeden Fall hin. „Alles klar, dann los." Und schon pfeift der Trainer, damit das Spiel losgehen kann.

Tatsächlich erfülle ich meine Aufgabe recht gut und trage so dazu bei, dass wir das Spiel mit 4 Punkten Vorsprung gewinnen. Nachdem der Trainer das Spiel für beendet erklärt hat, verfallen wir in wilde Jubelstürme. Auch ich lasse mich davon treiben und umarme freudestrahlend meinen Bruder. Dann kommt Jay auf mich zu und umarmt mich ebenfalls. Das lässt mein Herz wieder unnatürlich schnell schlagen. Dieser Kerl sorgt noch irgendwann dafür, dass ich einen Herzinfarkt bekomme. Er macht mich einfach mit jeder Geste und jeder Handlung völlig verrückt.

„Das reicht für heute, Jungs. Ab unter die Dusche mit euch." Shit, die letzten Minuten habe ich verdrängt das ich gleich im selben Raum sein werde wie Jay, während wir uns duschen müssen. Sofort wird mir wieder heiß und ich denke wieder an Jays nackten Oberkörper. Diese Wahnsinnsbauchmuskeln, ich will sie so gerne berühren.

Will darüber streicheln, seine Haut unter meinen Fingern spüren und ich will jeden einzelnen Zentimeter seines Oberkörpers küssen, inklusive seiner starken und durchtrainierten Oberarme. Will mit meinen Lippen jedes Stück seines Körpers erkunden. Und ich will seinen Hals küssen, immer und immer wieder, während er erregt meinen Namen haucht.

Als mir wieder heiß wird, zwinge ich mich an etwas anderes zu denken, denn ich spüre wie mir das Blut ganz gefährlich weit nach unten schießt. Bevor sich da etwas regen kann, denke ich schnell an unsere 80 jährige Nachbarin und stelle sie mir nackt vor. Schon ist mir nicht mehr heiß und das Blut hört auf, sich da unten zu sammeln. Gut, dass hat schon mal funktioniert. Ansonsten wäre ich auch echt aufgeschmissen gewesen. Schnell begebe ich mich auch in die Umkleide und begebe mich zu meinem Schrank. Oh nein, mein Schrank ist genau neben dem von Jay.

Das ist doch echt eine Verschwörung gegen mich, oder? Jay steht neben mir und er trägt nur noch seine Shorts. Er ignoriert mich und scheint nicht zu bemerken, dass ich immer wieder einen Blick auf ihn erhasche. Stattdessen begibt er sich zu den Duschen, die natürlich auch noch rechts neben seinem Spind sind. So kann ich ihn beobachten, während er duscht. Ob das jetzt gut oder eher ein Problem ist, wird sich noch zeigen. In Gedanken versunken ziehe ich mein T-Shirt aus, doch stoppe dann und beobachte ihn wieder.

Jay steht mit dem Rücken zu mir in der Dusche und als er seine Short auszieht, habe ich freie Sicht auf seine Kehrseite. Wow, was für ein geiler Arsch! An diesem Kerl ist einfach alles perfekt. So gerne würde ich diesen wundervollen Po jetzt berühren und das nicht nur mit meinen Händen!

Ich ertappe mich selbst dabei, wie ich mir im Gedanken immer wieder wünsche, dass er sich umdreht und ich einen Blick auf sein bestes Stück erhaschen kann. Doch er dreht mir die ganze Zeit den Rücken zu. Ich beobachte ihn, wie er sich über seinen nassen Hals, runter zu seiner Brust fährt und diese, auf sehr erotische Weise einseift. Als er komplett eingeseift ist, stellt er sich wieder unter den Duschkopf und lässt das Wasser auf seinen Körper herunter prasseln. Ich kann einfach nicht anders als ihn zu beobachten. Und ich ignoriere die Tatsache, dass mir das Blut wieder nach unten zu schießen beginnt. Hypnotisiert von seinem Anblick beiße und lecke ich mir immer wieder über die Lippen.

Nach ein paar Minuten scheint er fertig zu sein, denn er stellt das Wasser aus und lässt sein Handtuch über seine Hüfte gleiten und bindet es dann fest. Erst dann dreht er sich um. Noch total geflasht von der Situation merke ich zu spät, dass ich ihn noch immer anstarre. Denn plötzlich treffen sich unsere Blicke und er grinst wieder so verführerisch. Als er auf mich zukommt, wende ich meinen Blick von ihm ab. Aber blöderweise bringt das jetzt auch nichts mehr, denn er weiß längst, dass ich ihn beobachtet habe.

„Na, hat dir die Show gefallen?" Wieder dieses verdammte Grinsen. Ich bin völlig überrumpelt und stottere meine Worte eher, statt sie vernünftig zu sagen. „Ich... e...ehhhm... Ich habe nicht..." „Doch hast du, ich habe es gesehen. Aber es ist wirklich nicht schlimm. Sag doch einfach, was du willst. Ist gar nicht so schwer." Ich versuche mich krampfhaft auf sein Gesicht zu konzentrieren, was mir allerdings nicht so wirklich gelingen will. Denn während er spricht kommt er mir immer näher. Nervös ringe ich nach Luft und versuche, die richtigen Worte zu finden. „I...ich we...weiß nicht, was du meinst?" Sein Grinsen wird breiter und auch irgendwie diabolisch, während er immer näher kommt. Als er mir so nah ist, dass keine Hand mehr zwischen uns passt, presst er seinen Körper an meinen und berührt mit seiner Hand mein Kinn. Das tut er aber auch nur um meinen Kopf zur Seite zu drehen um dann mit seinem Gesicht zu meinem Ohr zu wandern. Ich kann seinen Atem an meinem Hals und Ohr spüren und mir wird wieder schlagartig heiß. Mein Atem wird, ohne das ich es will, schneller und meine Knie wieder weich.

Ich zucke leicht zusammen, als ich seine Stimme an meinem Ohr höre. Er haucht die Worte mit einem so erotischen Ton, dass ich glaube, gleich wirklich wahnsinnig zu werden. „Ich weiß, dass du mich willst, Angel." Mehr sagt er nicht mehr, sondern fährt mit seiner Nase lasziv mein Ohr und dann meinen Hals entlang, dann entfernt er sich einen Schritt von mir und ich ringe wieder nach Worten. „D...das stimmt n...ni...nicht!" „Da sagt dein Freund da unten aber etwas ganz anderes. Du solltest wohl mal kurz kalt duschen gehen."

Wieder grinst er frech, geht zu seinem Spind und dreht mir einfach den Rücken zu. Ein Blick nach unten verrät mir, dass er Recht hat. An meiner Hose zeichnet sich eindeutig eine ordentliche Beule ab. Mein Penis hat heftig auf Jays Aktion reagiert. Schnell ziehe ich meine Hose aus und laufe dann zur Dusche. Dort stelle ich das Wasser wirklich auf kalt und nachdem ich meine Boxershorts ausgezogen habe, lasse ich das eiskalte Wasser auf meine Erregung prasseln. Zum Glück hilft das und da unten nimmt alles wieder seinen Normalzustand an. Jay hat bei mir einen Ständer verursacht und das ohne meine Intimzone zu berühren. Dieser Kerl raubt mir den Verstand und jetzt weiß er blöderweise, welche Wirkung er auf mich hat. Bin ich Jay Harper nun in die Falle getappt? Das wäre wahrscheinlich mein Untergang. Ich muss mich in Zukunft echt zusammenreißen, sonst endet das noch echt böse.

Schnell dusche ich zu Ende und ziehe mich dann ebenso schnell an. Kian scheint auf mich zu warten, denn er lehnt lässig am Türrahmen. „Was war das denn eben?" Jetzt grinst auch er mich an und ich könnte ihn gerade echt erwürgen. "Klappe Kian!" Mehr sage ich nicht, sondern schiebe mich an ihm vorbei. Meine Gedanken kann ich noch immer nicht von dem abwenden, was da eben passiert ist. Und mein Puls rast immer noch. Ich drehe echt noch durch!

Durch das Piepsen meines Handys, werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ich habe eine SMS bekommen. Als Absender steht nur ANONYM! Ich öffne sie und lese. „15 Tage!"

15 Tage? Was soll das bedeuten? Passiert etwas in 15 Tagen? Oder was ist damit gemeint? Und wer hat diese SMS geschrieben? Schlagartig werde ich nervös und starre immer wieder diese Worte an. Was soll das?
 

 

 

 

 

 

 


 

Oha, es ist ziemlich viel los im Kapitel oder ? Angels Streit mit Ava, Jays "Duschporno"� und eine mysteriöse SMS. Was glaubt ihr, hat es damit auf sich? Lasst es mich wissen ��

Noch immer starre ich die SMS an und frage mich, was das denn zu bedeuten hat. Doch dann denke ich darüber nach, dass sich vielleicht einfach nur jemand bei der Telefonnummer geirrt hat. Das ist doch sicher nicht an mich. Denn es macht einfach keinen Sinn mir sowas zu schicken. Genauso muss es sein. Da hat jemand einfach die falsche Nummer eingeben.

Also brauche ich mir keinen Kopf zu machen. Löschen und vergessen! „Angel? Ich rede mit dir. Hörst du zu?" Kians Worte reißen mich aus meinen Gedanken und ausnahmsweise bin ich darüber mal froh. „Du weißt schon, dass Jay jetzt gecheckt hat, dass du auf ihn stehst? Er ist nicht blöd und du bist in seine Flirtfalle getappt. Jay hat dich im Visier und da kommst du jetzt nicht so einfach raus. Aber ich schätze, insgeheim sehnst du dich längst danach, dass er dich in sein Bett zerrt, oder?" Wenn mein Bruder nicht endlich aufhört, mich ständig so blöd anzugrinsen, dann dreh ich ihm echt den Hals um.

„Du weißt genau, dass ich kein Typ für eine Nacht bin. Ja, ich will Jay. Das bestreite ich nicht, du würdest mir das sowieso nicht glauben, aber ich will der Einzige für ihn sein. Und solange ich das nicht bin, wird das zwischen uns nicht passieren. Solange werde ich nicht in seinem Bett landen." „Und du glaubst den Quatsch selbst, den du da von dir gibst? Willst du mir wirklich sagen, du würdest nicht schwach werden, wenn er es versucht? Ich kenne Jay länger als du und ich weiß, dass er sich im Augenblick noch nicht allzu sehr anstrengt, dich rumzukriegen. Sobald er es aber richtig darauf anlegt, hast du nicht die geringste Chance. Einfach, weil du in ihn verliebt bist. Du wirst dann auf jeden Fall schwach werden und dann LANDEST DU IN SEINEM BETT! Das weißt du genauso gut wie ich." Verdammt, er hat ja Recht. Wenn es wirklich dazu kommt, dass Jay sich anstrengt, wie Kian sagt, dann werde ich definitiv schwach. Ich kann ihm einfach nicht widerstehen. Am besten ist es wohl, wenn ich erstmal versuche auf Distanz zu gehen, so verliert er vielleicht das Interesse an mir. Das will ich zwar nicht, aber es ist besser, als wenn ich eines seiner Betthäschen werde. Dazu bin ich nicht geboren. Für mich gibt es nur die Liebe und keinen ungezwungenen, bedeutungslosen Sex. Tja, wie erkläre ich das meinem Körper, der noch immer mit jeder Faser nach Jay verlangt?

„Ja okay, du hast Recht. Zufrieden? Du weißt, ich will das nicht, aber ich kann nicht anders. Jay ist einfach... Ach du verstehst davon nichts, du stehst auf Frauen." Wieder grinst er mich an und er weiß ganz genau, dass er mich damit echt nervt, aber genau deshalb macht er es trotzdem. „Du, ich bin zwar hundertprozentig hetero, aber auch ich habe funktionierende Augen und sehe daher, dass Jay ein verdammt gutaussehender Kerl ist. Ich gehöre ebenfalls zu den Heterokerlen, die gerne so aussehen würden wie er." Jetzt bin ich es der zur Abwechslung mal grinst.

„Du bist doch ebenfalls ein sehr gutaussehender Kerl. Und das sage ich nicht, weil du mein Bruder bist. Ich sage es, weil es so ist. Aber tu mir bitte einen Gefallen, lass uns jetzt bitte das Thema wechseln. Nach der Aktion eben muss ich jetzt wirklich an etwas anderes denken, sonst normalisiert sich mein Blutdruck gar nicht mehr." Wir schauen uns an und fangen beide an zu lachen. „Ach verdammt, warum ist das so kompliziert, Kian?" Mein Bruder zuckt nur mit den Schultern und wir gehen einfach stumm zum Mittagessen.

Dort angekommen holen wir unser Essen, setzen uns zu den anderen und gerade will ich anfangen zu essen, als Ava am Tisch auftaucht und nervös auf ihr Tablett starrt. Nur zögerlich beginnt sie zu sprechen und schaut Jay dabei unsicher an. „Ehm, darf ich... also darf ich mich zu euch setzen?" Ich erkenne deutlich, wie sie nervös schluckt und es scheint, als hätte sie Angst vor Jays Antwort. Doch er lächelt sie einfach freundlich an, bevor er ihr antwortet. „Natürlich darfst du, setz dich ruhig neben Angel. Willkommen an unserem Tisch." Kein hämisches Grinsen, kein arrogantes Verhalten, er lächelt einfach nur. Wahrscheinlich ist er einfach froh, dass Ava einen Schritt auf ihn zuzumachen scheint. Und ich bin ehrlich gesagt sehr überrascht, dass sie diesen Schritt gemacht hat. Über die Gründe muss ich sie aber später auf jeden Fall noch ausfragen. „Wie geht es dir, Angel? Ich hab dich die ganze Zeit gesucht und dachte mir jetzt einfach, ich schaue mal bei der Clique nach." Bei diesen Worten grinst sie frech und ich bin ihr wirklich dankbar, dass sie nicht gesagt hat, sie schaut einfach mal bei Jay nach. Das wäre jetzt wirklich peinlich geworden, denn ich versuche mir tatsächlich immer noch einzureden, dass er keine Ahnung von meiner Besessenheit für ihn hat.

Die Tatsache, dass dieser Versuch nach der Duschaktion einfach nur mehr als sinnlos ist, ignoriere ich einfach mal.

„Es geht so, bei uns Zuhause ist es gerade echt komisch. Mum hat gestern Abend Dad rausgeworfen. Und deshalb war alles gestern sehr emotional." „Moment mal, was? Sie hat ihn rausgeschmissen? Wow, das hätte ich echt nicht von ihr erwartet." Gerade will ich antworten, da ergreift Kian schon das Wort. „Naja, ich schätze dieses Mal hat es gereicht. Er hat wieder auf Angel rumgehackt und ihn beschimpft. Das war wohl der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat." Ava verdreht die Augen und schnaubt genervt, bevor sie mich anspricht. „Was hat er jetzt wieder zu dir gesagt?"

"Er meinte halt, dass es ihn wundert, dass Jay so etwas wie mich in seine Clique aufnimmt. Weil ich ja gar nicht in diese Clique hineinpassen würde. Weil er und seine Leute ja alle starke und selbstbewusste Menschen sind und ich dagegen nur ein Witz wäre." Ich schaue geknickt auf mein Essen. Nun ist es Jay, der verächtlich schnaubt. „Der einzige Witz in dem Ganzen ist dein Vater. Du bist kein Witz, Angel, und du passt hier super rein. Wir alle finden dich echt cool. Nur das sollte für dich zählen und nicht, was dieser Idiot sagt. Ja, ich weiß, dass er dein Dad ist, was es nicht einfach macht. Aber versuche wenigstens, dir seine Worte nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. Okay?"

Ich nicke nur stumm und als Jay mich angrinst, wird meine Stimmung wieder fröhlicher. „Außerdem hat der König persönlich dich zum Mitglied seines Hofstaats ernannt. Da kann dein Dad rummotzen, wie er will. Seine Majestät hat dich registriert und akzeptiert und nur er entscheidet, wen er zu mögen hat. Dein Vater kann da machen, was er will." Das Jay anwesend ist, ignoriert Ava gekonnt, während sie diese Worte spricht. „Der König? Seine Majestät? So werde ich also von manchen genannt?" Jay grinst Ava amüsiert an. „Nein, nicht manche nennen dich so. Jeder nennt dich so. Du bist der König dieser Schule. Du weißt, dass dich fast jeder wie einen Gott verehrt. Und jetzt tu nicht so, als wüsstest du es nicht. Jay Harper ist nicht dumm!" „Sie verehren mich, weil ich einen göttlichen Körper und ein göttliches Gesicht habe. Nicht wahr, Angel?" Jay grinst SCHON WIEDER und ich schlucke den Kloß in meinem Hals runter, der sich wieder einmal bildet. „Ehm, keine Ahnung. Kann sein." Darauf antwortet Jay nicht, sondern grinst nur weiter breit. Und ich weiß genau, dass es eine Anspielung auf die Sache in der Dusche war, dass er gerade meine Meinung hören wollte. Wir alle fangen an zu lachen und die Stimmung könnte nicht besser sein. Wenn es nach mir ginge, könnte die Pause noch ewig so weitergehen, aber wir haben leider gleich noch Mathe und dann ist der Schultag erst vorbei.

Nach der Schule treffe ich mich mit Ava, wir gehen zu ihr und machen erst zusammen Hausaufgaben und dann hören wir einfach Musik und quatschen. Natürlich spricht sie mich wieder auf Jay an. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn wir das Thema einfach mal lassen könnten. „Wie läuft es eigentlich mit deinem Traumprinzen? Hast du dir schon in Gedanken vorgestellt, wie sein Arsch aussieht?" Ich werde schlagartig rot und schaue verlegen weg, während ich die Antwort eher in meinen nicht vorhandenen Bart brummel. „Das brauche ich nicht, denn ich habe ihn schon live gesehen." Gerade hatte Ava die Colaflasche am Mund angesetzt und einen kräftigen Schluck genommen, da verschluckt sie sich daran. „Du hast was? Warte mal, wann?" Ich versuche, ihrem geschockten Blick zu entgehen und die richtigen Worte zu finden, denn beim Gedanken an die Situation in der Umkleide wird mir wieder total heiß.

„Naja, heute nach dem Sportunterricht in der Umkleide. Jay ging in die Dusche und ich habe ihn beim Duschen beobachtet. Ich wollte das gar nicht, aber ich konnte meinen Blick einfach nicht vom ihm abwenden. Während er geduscht hat, stand er die ganze Zeit mit dem Rücken zu mir. So hatte ich freie Sicht auf seinen Hintern. Ich habe ihn beobachtet, bis er fertig war und rauskam." Ava schaut mich an, als würde ich ihr erzählen, dass ich ein Alien bin. „Hat er bemerkt, dass du ihn beobachtet hast?" „Oh ja, das hat er." Bei diesen Worten schlucke ich schwer, denn ich spüre plötzlich wieder seinen nackten Oberkörper an meinem. Es ist, als wäre er gerade wieder hier und tut das wieder. „Was heißt das? Wie hat er auf deine ungewollte Spanner-Aktion reagiert?" „Er kam auf mich zu und hat mich gefragt, ob mir die Show gefallen hätte.

Jay kam immer näher und als er ganz dicht vor mir stand, meinte er, ich soll einfach sagen, was ich will und das es nicht so schwer wäre. Ich hab gestottert und versucht mich rauszureden, aber er presste seinen nackten Oberkörper eng an meinen und flüsterte mir die Worte 'Ich weiß das du mich willst!' ins Ohr. Verdammt Ava, er weiß jetzt das ich auf ihn stehe und das bedeutet, er wird wahrscheinlich versuchen, mich rumzukriegen. Du weißt, das ich ihm dann nicht widerstehen kann." Nochmals hart schluckend sehe ich meine beste Freundin an und warte auf ihre Reaktion. Diese lässt auch nicht lange auf sich warten, denn nachdem sie mir mit offenem Mund zugehört hat, fängt sie sich jetzt wieder und räuspert sich.

„Du bist ihm ins Netz gegangen und er wird jetzt anfangen, nach dir zu schnappen. Und du kannst nichts dagegen tun. Du bist ihm hilflos ausgeliefert, Angel." Als ob ich das nicht schon wüsste, aber danke für die Erinnerung Ava. Wofür hat man auch sonst beste Freunde, wenn nicht dafür, dass sie einem das Offensichtliche sagen? „Danke für das Aussprechen des Offensichtlichen. Ohne dich wäre ich da gar nicht drauf gekommen, Ava." „Ich wollte es ja nur nochmal gesagt haben." Kurz grinst sie und fährt dann natürlich fort. „Was willst du jetzt machen? Willst du so tun, als wäre das nur ein dummer Zufall gewesen? Und das es dich gar nicht groß interessiert hat?" Diesmal schnaube ich verächtlich und greife mir an die Stirn. „Das kann ich leider vergessen, denn mit seiner Aktion hat er mir einen Ständer beschert und er war es, der es bemerkt und mich darauf hingewiesen hat. Er ist nicht dumm, er kann eins und eins zusammenzählen. Aber ich weiß nicht, ob ich noch normal mit ihm umgehen kann nach der Sache. Auf der einen Seite will ich ihm nicht noch mehr Bestätigung geben, aber auf der anderen Seite will ich über ihn herfallen und seinen ganzen Körper küssen."

„Sieh an, mein kleiner schüchterner Angel wird zur kleinen Wildkatze und das alles wegen Jay. Aber gut. Dass er die Latte bemerkt hat, macht das Leugnen natürlich so ziemlich unmöglich. Müssen uns also wohl etwas Anderes ausdenken, wobei ich glaube, du solltest einfach auf dein Herz hören und vorsichtig sein. Mehr kannst du denke ich nicht machen." Da hat sie wohl Recht, ich muss versuchen ihm nicht komplett zu verfallen. Und das wird alles andere als einfach. Alleine sein verdammtes Grinsen ist jedes Mal eine große Versuchung.







 

Mal wieder ein relativ harmloses Kapitel:) was sagt ihr?� und was sagt ihr dazu, dass Ava einen Schritt auf Jay zu gemacht hat?�� 

Am frühen Abend bin ich wieder Zuhause. Mum ist mit Suri und Kian unterwegs, aber soweit ich weiß, wollten sie bald zurück sein. Also nutze ich die Zeit, um mein Zimmer etwas aufzuräumen, hier herrscht nämlich wieder ziemliches Chaos. Aber ich finde trotzdem immer alles, also ist es eigentlich nicht so schlimm. Mum würde mich allerdings killen, wenn sie das Zimmer so vorfinden würde.

Vom Klingeln meines Handys werde ich abgelenkt und ein Blick aufs Display verrät mir, dass es Jay ist. Schnell gehe ich ran und begrüße ihn mit klopfendem Herzen. „Hey Jay, was gibt es?" „Hi Angel, hast du Bock noch vorbeizukommen? Ich habe gerade sturmfrei und sowohl Lucien als auch Kian sind beschäftigt. Und daher dachte ich, du hast vielleicht Lust einen Film oder so zu gucken?" „ Ehm, klar, ich komm vorbei." „Ich hol dich ab, wenn du willst?" „Okay, gerne." „Gut, ich bin in 15 Minuten bei dir."

Dann legt er auf und ich lasse mich auf mein Bett fallen. Oh Gott, Jay hat mich zu sich eingeladen. Ich werde gleich mit ihm ALLEINE bei ihm zu Hause sein. Das bedeutet, dass ich mich wirklich total zusammenreißen muss, damit ich keine Dummheiten mache.

Schnell räume ich noch ein wenig auf und schnappe mir meine Sachen. Denn Jay müsste gleich hier sein, dann will ich fertig sein. Und ich habe Recht, denn gerade gehe ich die Treppe runter, als es auch schon an der Tür klingelt. Mein Herz fängt wieder an, schneller zu schlagen und das nur, weil Jay vor meiner Haustüre steht. Ich bin doch wirklich nicht normal. Schnell renne ich die letzten Stufen runter und öffne dann nervös die Tür. „Na du, fertig?" Jay schaut mich grinsend an und ich versuche einfach cool zu bleiben. „Jo, wir können losfahren." Ich husche schnell an ihm vorbei und gehe zu seinem Auto. Da seine Tür aufgeschlossen ist, steige ich auch direkt ein. Kurz darauf steigt auch er ein und fährt los. „Was hast du gerade so getrieben, als ich dich angerufen habe, Angel?" „Ach, eigentlich nur aufgeräumt, also nichts Besonderes. In meinem Zimmer herrscht ein ziemliches Chaos und da muss ich mal so ganz langsam anfangen, Ordnung zu schaffen." Jetzt bin ich es der grinst. Denn ich höre in meinem Kopf die Stimme meiner Mum, wie sie sich wieder über das Chaos aufregt. Aber ich muss mir schon selbst eingestehen, dass sie Recht hat. Mein Zimmer ist wirklich manchmal schlimm. „Gut, also habe ich dich nicht bei irgendetwas gestört?" „Nö, eigentlich nicht. Hast mich wahrscheinlich vor einem langweiligen Abend gerettet."

Wir fangen beide an zu lachen und dann sprechen wir erstmal nicht. Ich beobachte stumm die vorbeiziehenden Bäume, Häuser und Laternen. Im Grunde traue ich mich einfach nicht, ihn anzuschauen. Was, wenn ich wieder anfange ihn anzustarren? Das wird sein Ego nur weiter puschen. Und das brauche ich heute Abend nicht, während ich mit ihm alleine bin. Wer weiß, was er dann tut? Daran will ich gar nicht erst denken.

Mein Blick huscht unauffällig und kaum bemerkbar in seine Richtung und es scheint, als würde er meinen Blick bemerken, denn er schaut zwar aufmerksam auf die Straße, aber seine Hand, die anfangs noch normal auf dem Schaltknüppel lag, umschließt diesen jetzt wie einen erregten Penis und er bewegt seine Hand auf dem Knüppel auf und ab, so als würde er einen Penis mit der Hand stimulieren. Ich schlucke nervös und ja auch ein wenig erregt, während ich das Ganze weiter beobachte. Mein Blick wandert dann allerdings zu seinem Gesicht, natürlich noch immer so unauffällig wie nur möglich. Tatsächlich rede ich mir trotzdem ein, dass er meinen Blick nicht bemerkt. Auch als ich deutlich ein freches Grinsen in seinem Gesicht entdecken kann.

Passiert jetzt das, wovor Kian mich gewarnt hat? Gibt er sich jetzt alle Mühe, um mich ins Bett zu kriegen? Legt er es jetzt wirklich darauf an? Wenn das passiert, dann bin ich geliefert. Wie soll ich ihm da bitte widerstehen? Verdammt, Junge, hör doch bitte auf mit diesen Aktionen! Ich muss stark bleiben und darf ihm nicht in die Falle tappen. Okay, Angel, schau aus dem Fenster und konzentriere dich nicht mehr auf Jay. Genau das tue ich dann auch und plötzlich höre ich seine Stimme. Dabei kann ich deutlich heraushören, dass er noch immer grinst. „Alles in Ordnung, Angel?" "Jo, alles bestens, danke." Mehr sage ich nicht, sondern schaue weiter stur und stumm aus dem Fenster. Von ihm höre ich nur ein, meiner Meinung nach siegessicheres, Kichern. Das lässt mich wieder schlucken.

Aber als wir in eine Einfahrt abbiegen, konzentriere ich mich auf das, was ich da vor mir sehe. Jays Haus ist ein ganzes Stück größer als unser Haus und es sieht von außen schon sehr edel und teuer aus. Es ist ganz in Weiß gehalten und die riesigen Fenster lassen das ganze sehr einladend wirken. Ich bin einfach nur begeistert. Dieses Haus sieht so toll aus. Ich wusste ja schon von Kian, dass Jays Familie Geld hat, aber ich hätte mir trotzdem nicht so ein tolles Haus vorstellen können. „Steigst du aus, oder willst du im Auto übernachten?" Ich zucke zusammen, als Jay anfängt zu sprechen und mir währenddessen die Tür aufhält. Ich war so im Gedanken, dass ich gar nicht bemerkt habe, dass wir angehalten haben. Wortlos steige ich aus und schaue vom Haus zu Jay. „Hier wohnst du? Das Haus ist ja der Hammer. Kian hat erwähnt, dass deine Eltern gutes Geld verdienen, aber ich hätte trotzdem nicht mit so einem Haus gerechnet." „Naja, wenn die Eltern weltweit einige sehr gut laufenden Firmen haben, dann wohnt man schon mal so. Es ist ein schöner Luxus, aber ich brauche es gar nicht wirklich, um glücklich zu sein." Während er redet, betreten wir das Haus und ich schaue mich staunend um. „Da hast du Recht, aber wirst du eines Tages nicht alles erben? Also das hier und die Firmen?"

"Nein, mein großer Bruder wird die Firmen erben und ich bekomme einen Anteil am Grundstück und natürlich vom Vermögen. Aber die Geschäfte leitet Kai dann. Darüber bin ich auch sehr froh, denn für mich ist das alles nichts." Wir gehen eine massive Marmortreppe hoch und biegen dann links ab. Vor einer Türe machen wir Halt und als er sie öffnet, kommt sein Zimmer zum Vorschein. Und dieses Zimmer ist genauso wie ich es mir vorgestellt habe. Es passt einfach zu hundert Prozent zu Jay. Zwei seiner Wände sind in himmelblau gestrichen und die zwei anderen in Weiß, aber mit blauen Akzenten wie zum Beispiel dem Spruch:

Let your dreams be bigger than your fears.

Welcher über seinem Bett in verschiedenen Blautönen geschrieben steht. Im Raum verteilt finden sich einige Sportartikel, wie zum Beispiel Hanteln, ein Sandsack und Boxhandschuhe und eine Hantelbank. Sein Zimmer ist so groß, dass diese Sachen hier locker Platz haben. Außerdem besitzt er ein Schlagzeug und eine Gitarre. Damit hätte ich jetzt allerdings nicht gerechnet. „Du spielst Gitarre und Schlagzeug? Das habe ich nicht erwartet." „Ja, ich spiele Schlagzeug seit neun Jahren und Gitarre seit drei. Für beides hatte ich sogar Unterrichtsstunden, aber nur kurz. Das Meiste habe ich mir selbst beigebracht. Kian hat erzählt, dass du Songs schreibst und das du eine schöne Stimme hast, stimmt das?" Er lächelt mich an und nimmt seine Gitarre erwartungsvoll in die Hand. „Ehm, naja. Also ich denke nicht, dass meine Stimme besonders schön ist, aber das mit den Songs ist richtig." „Lass mal was hören und ich begleite dich auf der Gitarre." Schnell schüttle ich den Kopf und protestiere. „Auf keinen Fall. Ich singe meine Songs nicht. Wenn ich mal was singe, dann eher bekannte Songs, aber nichts Eigenes." Jay sieht aus als würde er angestrengt über etwas nachdenken und dann scheint es, als bekäme er gerade einen Geistesblitz.

„Kennst du How you remind me von Nickelback?" Unsicher nicke ich und ahne Furchtbares. „Ich spiele den Song und du singst ihn. Keine Widerrede, ich gehe dir sonst so lange auf die Nerven, bis du es tust." Wieder dieses Grinsen. Und ich erkenne, dass Protestieren wirklich nichts bringen wird, also nicke ich zustimmend. Dann fängt er auch schon an die ersten Töne zu spielen. Als mein Einsatz kommt, fange ich unsicher und schüchtern an zu singen...:

Never made it as a wise man
I couldn't cut it as a poor man stealing
Tired of living like a blind man
I'm sick of sight without a sense of feeling
And this is how you remind me

This is how you remind me of what I really am
This is how you remind me of what I really am

It's not like you to say sorry
I was waiting on a different story
This time I'm mistaken
For handing you a heart worth breaking
And I've been wrong
I've been down
Into the bottom of every bottle
These five words in my head scream
Are we having fun yet

Yet, yet, yet, no no
Yet, yet, yet, no no

It's not like you didn't know that
I said I love you and I swear I still do
And it must have been so bad
'Cause living with him must have damn near killed you

And this is how you remind me of what I really am
This is how you remind me of what I really am

It's not like you to say sorry
I was waiting on a different story
This time I'm mistaken
For handing you a heart worth breaking
And I've been wrong
I've been down
Into the bottom of every bottle
These five words in my head, scream
Are we having fun yet

Yet, yet, yet, no no
Yet, yet, yet, no no
Yet, yet, yet, no no
Yet, yet, yet, no no

Never made it as a wise man
I couldn't cut it as a poor man stealing
And this is how you remind me
This is how you remind me

This is how you remind me of what I really am
This is how you remind me of what I really am

It's not like you to say sorry
I was waiting on a different story
This time I'm mistaken
For handing you a heart worth breaking
And I've been wrong
I've been down
Into the bottom of every bottle
These five words in my head, scream
Are we having fun yet

Yet, yet
Are we having fun yet
Yet, yet
Are we having fun yet
Yet, yet
Are we having fun yet
Yet, yet, no, no

Während ich gesungen habe, waren meine Augen geschlossen und jetzt öffne ich sie so langsam wieder. Wollte ich anfangs doch gar nicht singen, habe ich mich mittendrin einfach treiben lassen und habe es einfach nur genossen, mal frei heraus und laut zu singen. Zu Hause ging das nie wegen Dad. Ich liebe es aber zu singen, auch wenn ich ja, wie bereits erwähnt, nicht wirklich singen kann. Oder zumindest der Meinung bin, denn als ich Jay anschaue, stelle ich fest, dass er mich mit offenem Mund anstarrt. „Angel, das war toll. Ich dachte, du könntest nicht singen? Das hörte sich gerade aber ganz anders an. Du hast echt Talent."

„Danke, aber ich dachte eigentlich immer, dass ich es nicht so gut kann." Verlegen lächle ich. „Oder wahrscheinlich kann ich es wirklich nicht und deine Ohren funktionieren einfach nur nicht richtig. Es kann aber auch sein, dass du einfach keine Ahnung hast." Ich strecke ihm frech grinsend die Zunge raus und im nächsten Moment springt er von seinem Stuhl auf und stürmt auf mich zu. „Na warte, Freundchen!" Plötzlich packt er mich und schleppt mich zu seinem Bett, wo er mich dann auch drauf schubst und damit ich nicht abhauend kann, setzt er sich auf meine Hüfte. Und dann fängt er diabolisch grinsend an, mich zu kitzeln. Erschrocken quieke ich und fange dann laut an zu lachen. Verzweifelt versuche ich, mich seinen Kitzelattacken zu entziehen, aber es klappt einfach nicht. Er ist einfach stärker als ich. Egal, was ich versuche, er lässt keinen Widerstand zu.









 

Na was sagt ihr dazu ? Angel mit Jay ALLEINE in seinem Zimmer? Kann das gut gehen ?�� Freue mich wie immer über euer Feedback zu diesem Kapitel ���

„Jay hör auf, bitte." Lachend winde ich mich unter ihm, doch anstatt von mir abzulassen, kitzelt er mich nur noch stärker. „Vergiss es, Kleiner. Du musst für diese Frechheit bestraft werden. Und eine Flucht ist unmöglich. Im Moment gehörst du mir, es gibt nichts, was du dagegen tun kannst." Er grinst noch immer auf diese diabolische Art und ich winde mich immer noch unter ihm, während ich immer wieder versuche seine Hände von mir wegzubekommen. „Bitte, es... ahhhhh haha. Es tut mir leid, bitte sei gnädig, bitte." Ich lache immer lauter und mir kommen schon die Tränen. Der Bauch tut auch schon weh vor Lachen.

„Na gut, ich will mal nicht so sein. Du wirst von weiteren Kitzelattacken verschont." Während er spricht, hat er meine Arme links und rechts von meinem Kopf fest im Griff und schaut mich dabei immer noch diabolisch grinsend an. Erst schaut er mir intensiv in die Augen, doch dann wandert sein Blick runter zu meinen Lippen und fixiert diese mit einem irgendwie gierigen Blick, während er sich auf seine Lippe beißt. Dieser Anblick lässt mein Herz wieder höher schlagen und wenn ich diese Situation jetzt nicht auflöse, dann passiert etwas, was auf keinen Fall passieren soll.

Nur hält er mich immer noch fest, deshalb bin ich nicht in der Lage etwas zu machen. Außer ihn anzusprechen. „Jay, lass mich bitte los. Ich muss auf Klo." Er zieht eine Augenbraue hoch und grinst dann wieder, aber lässt mich dann wirklich los. „Wie du willst. Das Bad ist hinter der zweiten Tür rechts." Ich nicke und gehe dann schnellen Schrittes aus dem Zimmer und ins Bad. Ich muss zwar nicht, aber ich musste mich aus dieser Situation befreien, denn mein Blut schoss wieder ganz gefährlich nach unten. Das Letzte, was ich mir jetzt leisen kann, ist eine zweite Latte in Jays Gegenwart. Das würde definitiv nicht gut für mich enden. Beziehungsweise nicht gut für mein Vorhaben, nicht mit Jay im Bett zu landen.

Ich stütze mich am Waschbecken ab und schaue in den Spiegel, während ich ein paar Mal durchatme. Bevor er noch merkt, dass ich eigentlich geflüchtet bin, begebe ich mich wieder zu ihm in sein Zimmer. Und im nächsten Moment hasse ich mich dafür, dass ich nicht noch zwei Minuten gewartet habe, denn als ich die Tür aufmache, steht er oben ohne an seinem Schrank und scheint ein neues Shirt zu suchen. Ich stehe wieder hier und starre seinen Körper an, was er natürlich direkt bemerkt. Wie sollte es auch anders sein.

„Möchtest du weiter da stehen bleiben und mich anschmachten, oder kommst du rein und setzt dich?" Wieder dieses Grinsen. „Ich schmachte dich überhaupt nicht an, Jay." Schnell versuche ich, so cool wie möglich wieder zum Bett zu gehen, und setze mich dann da drauf. „Nein, überhaupt nicht. Ist klar, Angel. Aber hey, ich kann dich verstehen. Ich bin halt einfach geil. Da kann man nicht anders." „Wow! Habt ihr eigentlich noch ein zweites Haus, wo nur dein riesiges Ego wohnt?" Er lacht auf und zieht sich dann endlich ein Shirt an. „Komm schon, ich hab doch Recht. Du stehst auf mich, Angel." „Nein tue ich nicht. Du überschätzt deine Wirkung auf andere. Nicht jeder ist verrückt nach dir und will dich bespringen." So selbstbewusst wie möglich lache ich auf.

Er kommt unterdessen auf mich zu und grinst wieder breit. „Oh, da hat dein Freund da unten heute in der Umkleide etwas ganz anderes gesagt." „Jay, ich stehe auf Kerle, das ist bekannt. Du bist ein Kerl. Und du siehst zugegebenermaßen unglaublich gut aus. Ich hatte noch nie irgendwelche Erfahrungen mit körperlicher Nähe. Auf einmal kommst du mir halbnackt so nah und das hat eben diese Reaktion ausgelöst. Ist doch wohl völlig normal. Immerhin hast du deinen Körper an meinen gepresst. Sowas lässt garantiert niemanden kalt, der noch keine Erfahrung hat. Du und ich sind Freunde und das war's." Entschlossen schaue ich ihn an und versuche dabei ernst zu bleiben. Was mir erstaunlicherweise auch echt zu gelingen scheint. Nur leider macht Jay nicht den Anschein, als würde er mir auch nur ein einziges Wort davon glauben. Er setzt sich noch immer grinsend neben mich und ich glaube langsam, dass er gar nicht anders kann als zu grinsen. Ohne Vorwarnung und noch bevor ich reagieren kann, greift er nach meinem Gesicht und zwingt mich so, ihn anzusehen. Dabei kommt er meinem Gesicht mit seinem wieder gefährlich nah. „Wenn ich dich jetzt also küssen würde, dann würde dich das völlig kalt lassen? Du würdest dich wehren und mir weitere Aktivitäten verwehren?" „Genauso ist es. Das hast du gut erkannt." Bei diesen Worten nehme ich seine Hand von meinem Gesicht weg und verschränke die Arme vor der Brust.

„Na schön, Angel, wie du willst. Rede es dir ruhig weiter ein. Aber gut, ich werde nichts tun, was du nicht willst. Aber ich werde nicht ruhen, bis du zugibst, was du wirklich willst. Bis du sagst, wonach du dich insgeheim sehnst. Doch glaub mir, ich werde es dir alles andere als leicht machen, dich gegen die Wahrheit zu wehren. Fakt ist: ICH WILL DICH! Und ich weiß, dass du mich auch willst. Auch wenn du das ständig entschieden abstreitest. Irgendwann wirst du schwach." Logisch was jetzt kommt oder? Er grinst natürlich, was auch sonst? Als er gerade sagte, dass er mich will, war ich mir sicher, dass mein Herz ein paar Schläge ausgesetzt hat. Und mein Atem dafür umso schneller wurde.

„Naja, was soll's? Sollen wir einen Film gucken?" Ich nicke nur und er steht auf, um zu seiner, nicht gerade kleinen, Filme Sammlung zu gehen. „Action oder was lustiges?" „Von mir aus gerne Action." Er nickt und holt einen Film aus dem Regal. „Ist The Expendables in Ordnung?" „Klar, ich mag den Film." Wortlos legt er die Disc ein und nachdem er ein paar Chips geholt hat, kommt er dann auch aufs Bett.

Nachdem er den Film gestartet hat, lehnt er sich an und wir schauen schweigend den Film. Okay ja, er schaut ihn und ich schaue ständig zu ihm rüber. Auf den Film konzentrieren kann ich mich nicht wirklich. Er hat gesagt, dass er mich will? Er will mich? Er will mich wirklich? Jay hat es also wirklich auf mich abgesehen. Und er wird nicht aufgeben bis ich schwach werde und mich auf ihn einlasse? Verdammte Scheiße, jetzt bin ich wirklich in seine Falle getappt und daraus gibt es kein Entkommen.

Ja, natürlich will ich ihn und ich will so sehr mit ihm schlafen. Mein ganzer Körper verlangt nach wie vor nach diesem Kerl. Aber wenn ich mich darauf einlasse, dann vögelt er mich einmal und dann kommt der oder die Nächste. Wenn ich Glück habe, dann will er eine kurze Affäre mit mir und dann schießt er mich ab. Aber das will ich nicht. Ich will mit ihm zusammen sein und das am besten für den Rest meines Lebens. Er soll sich in mich verlieben, damit wir glücklich werden können. Aber das wird niemals passieren. Jay wird sich niemals in mich verlieben. Und genau deshalb darf ich nicht mit ihm im Bett landen, denn ich will nicht nur eins seiner Betthäschen sein.

Ich muss also unbedingt stark bleiben. Klar, Angel, als wäre das so einfach. Du weißt genauso gut wie Jay, dass du das auf keinen Fall schaffen wirst.

Späten Abend bin ich wieder zu Huhause, denn ich wollte auf keinen Fall bei ihm übernachten. Ihr wisst warum! Deshalb habe ich gesagt, ich möchte Mum wegen der Trennung von Dad im Moment nicht allzu lange alleine lassen. Ich hoffe jetzt einfach mal, dass er mir geglaubt hat. Zumindest hat er nichts gesagt, was das Gegenteil vermuten lässt. Natürlich wollte er mich dann noch nach Hause fahren, wofür ich auch dankbar war. Denn ich möchte nach wie vor nicht nachts alleine irgendwo rumlaufen.

Da ich von Jay beim Aufräumen unterbrochen wurde, setze ich das jetzt fort und arbeite mich langsam durch dieses Chaos. Vielleicht sollte ich mir mal angewöhnen, alle zwei bis drei Tage aufzuräumen. Denn ich hinterlasse echt ständig eine ziemliche Unordnung. Aber da ich mich kenne, weiß ich das es eh nichts mit dem Vorhaben wird. Dafür bin ich einfach zu faul.

Und genau deshalb habe ich jetzt den Stress, dass ich so viel aufräumen muss. Da muss ich aber wohl oder übel jetzt durch. Je mehr ich mich beeile, desto schneller bin ich fertig und kann den restlichen Abend noch genießen.

Beim Aufräumen fallen mir plötzlich Dinge in die Hand, die ich schon ewig nicht mehr gesehen habe. Oder von denen ich nicht mehr wusste, dass ich sie überhaupt besitze. Unter anderem finde ich gerade mein allererstes Spielzeugauto, was ich je geschenkt bekommen habe. Dad hat es mir geschenkt und ich bin mir sicher, dass ich mich sehr darüber gefreut habe. Dieses Auto macht mich wieder traurig, denn beim Gedanken an meinen Dad wird mir bewusst, dass er mich damals noch geliebt hat. Und heute verabscheut er mich, wie es aussieht. Es ist einfach nur traurig, dass es so weit kommen konnte.

Wir könnten so eine tolle Familie sein, aber Dad schafft es einfach nicht mehr, mich zu lieben und das obwohl ich ihm nichts getan habe. Ein Vater sollte für sein Kind da sein, es lieben und unterstützen. Aber nicht wie Dreck behandeln. Das Auto noch immer in der Hand haltend, sacke ich traurig auf meinem Bett zusammen und erinnere mich an meine Kindheit zurück. An die Zeit, in der noch alles gut war. Wo Dad keine Unterschiede zwischen seinen Kindern gemacht hat. Ich erinnere mich daran, wie wir fünf damals so oft die tollsten Sachen unternommen haben. Wir sind oft in den Park gefahren und haben dort ein tolles Picknick gemacht. Mum und Suri haben dann zusammen irgendwelche Bilder gemalt, während Dad, Kian und ich Basketball oder Baseball gespielt haben. Dad hat mich immer in die Luft gehoben und mich bejubelt, wenn ich gewonnen habe. Und wir spielten auch oft eine Siegerehrung nach. Das war immer so lustig und ich fühlte mich einfach nur geliebt und geborgen. Er sagte mir immer wieder, wie lieb er mich hat und das er immer stolz auf mich sein wird. Oft unternahm er auch einfach nur etwas mit mir alleine. Im Park ließen wir auch oft Drachen steigen oder wir gingen ins Schwimmbad oder an den Strand, wo er mir das Schwimmen beigebracht hat. Dad und ich waren früher das Dreamteam in der Familie. Unser Verhältnis war so eng, dass es schien, als könnte uns nichts trennen. Doch all das änderte sich, als ich älter wurde und mich entgegen seiner vorgeschriebenen Normen entwickelte. Dabei weiß er noch nicht mal etwas von meiner Sexualität. Wüsste er es, dann weiß der Teufel was er dann tun würde. Deshalb darf er es niemals erfahren. Klasse, ich will wieder ein gutes Verhältnis zu meinem Dad haben, aber das geht nicht, da er mich hasst und ich so ein großes Geheimnis vor ihm habe.

Ich spüre, wie mir die Tränen kommen, aber wie so oft versuche ich auch jetzt, sie zu unterdrücken.

Vom Klingeln meines Handys werde ich aus dem Gedanken gerissen. Ein Blick aufs Display verrät mir, dass es Kian ist. Ich stelle mich ans Fenster und gehe ran. „Was gibt's? Wo steckt ihr?" „Wir waren noch etwas essen, aber sind gleich zu Hause. Was hast du denn so getrieben?" Ich grinse bei dem Gedanken an meinen Abend. „Ich war bei Jay. Wir haben Filme geschaut und haben gequatscht. Sein Haus ist ja echt der Wahnsinn. Da kann man sich echt leicht verlaufen. Kein Wunder, dass er euch alle fast immer zu sich einlädt. Da passen wahrscheinlich alle Schüler unserer Schule rein." Ich lache belustigt auf und stelle mir eine Schulparty in Jays Haus vor. Das wäre garantiert extrem lustig. Aber seine Eltern würden ihn wahrscheinlich erwürgen, wenn er solche Partys zu Hhause feiern würde. Als hätte Kian meine Gedanken gehört, greift er das Thema auf.

„In diesem Haus hat schon die ein oder andere krasse Party stattgefunden. Das Haus ist dafür wirklich super." „Seine Eltern erlauben ihm solche Partys zu Hause? Mum würde uns erschlagen, wenn wir auf so eine Idee kommen würden." Wieder lache ich belustigt auf und grinse vor mich hin.

„Tja, naja erzähl mal, wie war es bei ihm? Bist du schwach geworden?" „Hör bloß auf, Kian. Wir hätten uns fast geküsst und er stand irgendwann oben ohne vor mir, weil er sich umziehen wollte. Bei seinem Anblick hätte ich wieder fast einen Herzinfarkt bekommen. Dieser Kerl raubt mir einfach den Verstand und ich bin total verrückt nach ihm." Gerade will ich noch etwas sagen, als ich hinter mir einen Knall wahrnehme und noch bevor ich mich umdrehen kann, höre ich die Stimme meines Vaters. „ALL MEINE BEMÜHUNGEN WAREN UMSONST? DU BIST LÄNGST EINE WIDERLICHE UND DRECKIGE SCHWUCHTEL? ICH HÄTTE DIR DIESE ABARTIGKEIT LÄNGST AUSTREIBEN SOLLEN!"





 

Oh Shit, Angels Dad hätte die Wahrheit nicht erfahren dürfen � was glaubt ihr, wird jetzt passieren?��

Mein Vater schreit mich an und ich fahre erschrocken herum. Er steht vor mir und ich kann deutlich erkennen, dass er vor Wut kocht. Sein Blick ist total wütend, angeekelt und sehr bedrohlich. Ängstlich schaue ich ihn an und als ich beginne zu sprechen, spüre ich wieder diesen Kloß in meinem Hals und außerdem bekomme ich auf einmal furchtbare Angst. Denn er kommt bedrohlich auf mich zu. „Dad, warum bist du hier? Wie kommst du hier rein?" Als er schnellen Schrittes auf mich zukommt, weiche ich so weit es geht nach hinten aus. Aber das verhindert nicht, was als nächstes passiert. Er packt mich und wirft mich aufs Bett. Dann schlägt er auf mich ein und ich kann nichts dagegen tun, denn er ist viel zu stark.

„Dad, bitte hör auf. Ich bin dein Sohn." Lange hatte ich nicht mehr so eine Angst wie jetzt gerade. Immer wieder versuche ich ihn von mir wegzubekommen oder zumindest den Schlägen auszuweichen. Aber jeder Versuch scheitert. Immer und immer wieder schnellt seine Faust in mein Gesicht. Ich blute längst an Nase und Lippe. Mein ganzes Gesicht schmerzt furchtbar und ich fange wieder an zu weinen, doch diesmal nicht aus Trauer, sondern aus Angst. Das wird auch noch schlimmer, als ich ihn wieder reden höre. „HALT DEIN MAUL, DU DRECKIGE MISSGEBURT. DU BIST NICHT MEIN SOHN. ICH HABE KEINE EKELHAFTE SCHWUCHTEL ALS SOHN." Kaum hat er diese Worte ausgesprochen, enden seine Schläge. Doch anstatt von mir abzulassen, umschließt er mit beiden Händen meinen Hals und drückt zu. Geschockt und unter Todesangst reiße ich meine Augen auf. Ich merke, wie mir die Luft wegbleibt. Panisch versuche ich irgendwie Luft und seine Hände von meinem Hals weg zu bekommen, aber auch hier bin ich wieder chancenlos. Von mir kommt nur gequältes Röcheln und ich versuche mit letzter Kraft Worte herauszubekommen.

„D...da...Dad, bitte. Hö...h...hör auf. I...ich be...komme keine Luft. Bitte!" Leider geht er nicht auf mein Flehen ein, sondern drückt noch fester zu. Mit Tränen in den Augen schaue ich ihn an und blicke ihm in seine kalten und hasserfüllten Augen. Jetzt weiß ich, dass er mich wirklich umbringen wird. Oh bitte nicht, ich will nicht sterben. Aber das werde ich, wenn er mich nicht loslässt. Und nichts, absolut rein gar nichts deutet daraufhin, dass er von mir ablassen würde.

Plötzlich höre ich Kian schreien und kurz darauf wird Dad von mir weggezogen und dann gegen die nächste Wand geschubst. Sofort ringe ich nach Luft und dabei huste ich gequält, während ich mit meiner Hand meinen Hals festhalte. Mum und Suri kommen auf mich zu und nehmen mich in den Arm, während Kian sich um Dad kümmert.

„BIST DU WAHNSINNIG? DU WOLLTEST IHN UMBRINGEN? DEINEN EIGENEN SOHN?" Während er spricht, packt Kian Dad am Kragen und schleift ihn raus. „Suri, ich halte ihn draußen fest, ruf du bitte sofort die Polizei." Suri nickt nur und greift sofort nach ihrem Handy. Ihre Worte während des Telefonats nehme ich nicht wahr. Zu geschockt bin ich von dem, was eben passiert ist. Nachdem Suri aufgelegt hat, kommt sie zu mir, setzt sich neben mich aufs Bett und nimmt mich, genau wie Mum, in den Arm. Ich vergrabe meinen Kopf in Mums Bluse und fange immer stärker an zu weinen. „Er wollte mich umbringen. Mein eigener Vater wollte mich töten. Warum hasst er mich nur so? Ich verstehe nicht, warum er mich nicht einfach akzeptieren kann. Bin ich wirklich eine abartige Missgeburt, Mum? Das hat er gesagt. Bin ich abartig, ekelhaft und nicht liebenswert, weil ich auf Jungs stehe?" „Nein, mein Junge. Das bist du ganz und gar nicht. Du bist ein toller Mensch und ein toller Sohn. Wir anderen lieben dich so, wie du bist." Ich vergrabe mein Gesicht noch mehr in ihrer Bluse, doch dann wird mir bewusst, dass ich noch immer blute. „Ich hole etwas um deine Wunden zu versorgen, Angel. Zumindest bis die Polizei und der Notarzt kommen. Deine Nase ist wahrscheinlich gebrochen und das muss behandelt werden."

Dann ist sie auch schon verschwunden. Aus dem Flur höre ich Dad und Kian, wie sie sich lautstark anbrüllen und es scheint, als würde Dad versuchen sich zu wehren. Aber gegen Kian kommt er nicht an, da kann er machen, was er will. Ich weine noch immer bitterlich, aber nicht wegen den Schmerzen im Gesicht, sondern nach wie vor aus Angst. Noch immer kann ich nicht realisieren, dass mein eigener Vater versucht hat mich zu töten. Ich kann das weder fassen, noch verstehen.

Ja, ich wusste, dass er ausrasten würde, wenn er von meiner Sexualität erfahren würde, aber niemals hätte ich mir vorstellen können, dass er mir so etwas antun könnte. Auch wenn ich mir immer wieder die Frage gestellt habe, ob er mir wehtun würde, wenn er es erfahren würde, hätte ich nie wirklich gedacht, dass es tatsächlich mal passieren würde. Diese Erkenntnis tut mehr weh als die Schmerzen in meinem Gesicht. „ Hier, Angel, das kühlt die Schwellungen. Drück es auf die schmerzenden Stellen. Ich versuche deine Nase etwas zu versorgen. Das wird jetzt wehtun, aber du musst stillhalten." Ich nicke nur und lasse meine Schwester machen, während ich mir den Sack Eiswürfel aufs Gesicht drücke, den Suri mir gegeben hat.

Während sie vorsichtig versucht meine Nase versorgt, zucke ich zusammen, denn es tut doch echt verdammt weh. Vom Klingeln der Tür werden wir abgelenkt. „Ich geh schnell aufmachen." Suri springt auf und verlässt das Zimmer. Einen kurzen Moment später hört man mehrere laute Stimmen. Eine davon ist die von Dad, er protestiert wieder. Und dann hört man die Stimmen verschiedener Männer. Wahrscheinlich die Beamten. Als schnelle Schritte auf der Treppe zu hören sind zucke ich instinktiv zusammen, doch es ist nicht Dad. Suri kommt dicht gefolgt von 2 Beamten und 2 Sanitätern. Als letztere mich sehen, kommen sie auf mich zu und breiten ihre Arztkoffer vor mir aus. Während einer der Beamten anfängt zu sprechen. „Können Sie mir sagen was passiert ist, junger Mann? Ihre Schwester sagte am Telefon, dass sie von ihrem Vater angegriffen wurden?" Ich versuche in meinem Kopf die richtigen Worte zu sammeln, aber es will mir nicht gelingen, stattdessen fange ich wieder an zu weinen und bekomme daher kein Wort heraus. Gerade kommt Kian herein und übernimmt die Aussage, zu der ich nicht fähig bin. „Meine Mum, meine Schwester und ich waren gerade von einem Shoppingtrip in der Stadt, auf dem Weg nach Hause. Ich rief meinen Bruder über die Freisprechanlage an, weil ich wissen wollte, wie es ihm geht. Und um ihn zu informieren, dass wir gleich zu Hause sind. Dann plauderten wir noch kurz über seinen Tag. Sie müssen wissen, dass mein Bruder homosexuell ist und es seit Jahren vor unserem Vater verheimlicht, da dieser hochgradig homophob ist. Bei diesem Telefonat sprachen wir über dieses Thema und auf einmal hörte ich durch das Telefon unseren Vater schreien. Dann hörte ich meinen Bruder verzweifelt aufschreien und dann einen dumpfen Knall. Dieser kam wahrscheinlich dadurch, dass Angel sein Handy vor Schreck fallen ließ. Dad hat in der Vergangenheit schon oft gewalttätige Züge gegenüber Angel gezeigt, weshalb bei mir alle Alarmglocken läuteten. Ich trat aufs Gas und wir fuhren so schnell wie möglich hier her. Ich stürmte nach unserer Ankunft direkt hier hoch und fand meinen Vater wie er über Angel gebeugt war und ihm mit den Händen die Kehle zudrückte. Angel weinte und flehte unseren Vater an und man konnte deutlich die Todesangst in seiner Stimme hören. Ich habe Dad von Angel runtergerissen und ihn gegen die Wand geschleudert. Dann habe ich ihn gepackt und nach unten gebracht, damit Angel ihn nicht mehr sehen muss. Meine Schwester hat sie dann auch schon gerufen."

Kian beendet seine Erzählung und ich versuche wieder meine Tränen zu unterdrücken, aber auch diesmal will es mir nicht gelingen. Nur schwer kann ich mich darauf konzentrieren, was die Ärztin für Untersuchungen vornimmt. Naja, sie stoppt die Blutung meiner Nase und untersucht mich wohl auf irgendwelche Brüche oder Prellungen. „Ihre Nase ist gebrochen, junger Mann und sie haben einige Hämatome, aber gebrochen ist nichts weiter. Ihre Luftrohre hat leichte Quetschungen davongetragen, aber nichts was im Krankenhaus behandelt werden müsste. Ich verarzte ihre Nase ordnungsgemäß und dann bekommen sie von mir Schmerzmittel, was sie 3 Mal am Tag nehmen. Und ansonsten ruhen sie sich aus. Keine körperliche Anstrengung und keine Aufregung." Keine Aufregung? Die Ärztin hat gut reden. Ihr Dad hat ja auch nicht versucht sie umzubringen.

Trotzdem nicke ich und versuche zumindest mich zu beruhigen, aber es klappt nicht. „Ich muss kurz telefonieren, bin gleich wieder da." Kian schnappt sich sein Handy und verlässt den Raum. Und ich? Ich sitze hier wieder und versuche WIRKLICH nicht zusammenzubrechen. Das gelingt mir auch für den Moment. So kann die Ärztin ihre Arbeit zu Ende bringen und die Polizisten nehmen noch die Aussagen von Suri und meiner Mum auf, aber ich höre ihnen wieder nicht zu. Immer und immer wieder spielt sich das Passierte vor meinem inneren Augen ab, egal wie sehr ich versuche an etwas anderes zu denken. Alles was ich sehe ist, mein Vater, wie er über mich gebeugt ist und mich hasserfüllt ansieht. Und dann spüre ich wieder seine Hände an meinem Hals, wie sie ihn zudrücken. Ich weiß, dass er nicht mehr hier ist, aber es fühlt sich so real an.

Von der energischen Stimme des Polizisten werde ich wieder aus meinen Gedanken gerissen. „Wir werden ihren Vater erstmal mitnehmen und er wird in Untersuchungshaft kommen. Was er getan hat war eine schwere Straftat. Er wollte Sie umbringen. Das ist keine Kleinigkeit. Dafür wird er wahrscheinlich mehrere Jahre Haft bekommen. Allerdings müssen wir prüfen, ob er unter Alkoholeinfluss steht und oder ob irgendwelche psychischen Faktoren vorhanden sind. Beides würde unter Umständen mildernd wirken. So kann es sein, dass er eine kurze Gefängnisstrafe bekommt, die sich auf ein paar Monate beschränkt und der Rest kann auf Bewährung angesetzt werden. Aber wie es letztendlich läuft, kann ich ihnen nicht voraussagen. Das müssen wir sehen. Sagen Sie, Junge, während des Angriffs, konnten sie da irgendwie Alkohol bei ihm riechen?" Ich nicke zögerlich, denn das war mir erst gar nicht bewusst. Oder ich war zu geschockt und verängstigt um es richtig wahrzunehmen.

„Ja, ich konnte Alkohol an ihm riechen. Aber ich habe das wohl ausgeblendet." „Alles klar, junger Mann. Das war es dann auch erstmal von unserer Seite aus. Sie sollten jetzt erstmal zur Ruhe kommen und wir melden uns bei ihnen. Alles Gute, Junge, und es tut mir sehr leid, was ihnen passiert ist. Ein Vater sollte seinem eigenen Kind sowas nicht antun. Erst recht nicht aus den Gründen, wie ihr Vater es getan hat. Ich habe einen Sohn, der so alt ist wie ihr Bruder und er hat mir vor zwei Jahren gebeichtet, dass er schwul ist. Im ersten Moment war ich zwar geschockt, weil ich es nicht erwartet habe. Aber er ist und bleibt immer mein Junge und ich werde ihn immer lieben, egal ob schwul oder nicht. Dazu scheint ihr Vater nicht in der Lage zu sein, was gleichermaßen unverständlich wie tragisch ist. Naja, machen sie es gut, Junge, und denken sie immer daran, Sie sind gut und richtig so, wie sie sind. Ihr Vater ist der, der etwas falsch gemacht hat." Bei diesen Worten lächelt der Polizist mich an und streicht mir beruhigend über die Schulter.

Nachdem die Ärztin mir meine Tabletten gegeben hat, verabschieden sie und die restlichen Sanitäter sowie die Polizisten sich und lassen uns alleine. Mein Puls ist immer noch schnell und ich kämpfe, wie die ganze Zeit schon, gegen die Tränen an. Den Schmerz in meinem Gesicht spüre ich kaum noch, zu sehr stehe ich wahrscheinlich noch unter Schock. Ich starre einfach ins Leere, ohne ein Wort zu sagen. Mein Blick fällt auf mein erstes Spielzeugauto, was ich von Dad bekam. Es muss wohl runtergefallen sein, als Kian unseren Vater gegen den Schrank geschubst hat. Wie im Wahn springe ich auf, greife mir das verdammte Ding und werfe es mit aller Kraft in die hinterste Ecke meines Zimmers. Einen Moment später breche ich laut schreiend und weinend auf dem Boden zusammen.





 

Angels Dad hat wirklich versucht ihn umzubringen � der ein oder andere von euch hat es bereits geahnt � zum Glück kam Kian noch rechtzeitig � Er hat seinem Bruder das Leben gerettet � Was sagt ihr dazu?�

„Angel, bitte beruhig dich." Mum ist in dem Moment, wo ich zusammengebrochen bin aufgesprungen und zu mir gestürmt, um mich in den Arm zu nehmen. Aber anstatt es zuzulassen, wehre ich mich gegen die Umarmungen, indem ich versuche sie von mir wegzudrücken. Sie lässt das allerdings nicht zu und meine Geschwister sitzen mittlerweile ebenfalls auf dem Boden und versuchen mich zu beruhigen. Durch relativ festes Einschlagen auf Kians Oberkörper versuche ich auch ihn wegzubekommen, aber für ihn ist es natürlich nicht schwer, mich davon abzuhalten. Also gebe ich auf und breche erneut weinend zusammen, diesmal in den Armen meines Bruders und mein Gesicht in sein T-Shirt vergrabend. Ich schluchze und weine unaufhörlich weiter, bis es an der Tür klingelt, weshalb Kian aufsteht. „Ich gehe schon aufmachen." Und dann ist er auch schon verschwunden. Ich weine wieder, da ich noch immer die Bilder nicht aus dem Kopf bekomme. Mein Gesicht vergrabe ich mittlerweile bei meiner Mum in der Bluse. Um mich herum nehme ich gerade alles nur gedämpft war. Doch als ich eine bestimmte Stimme höre, komme ich wieder ins Hier und Jetzt. Es ist Jays Stimme. „Angel, es tut mir so leid." Ich drehe mich um, da ich mit dem Rücken zur Türe sitze und schaue ihn an. „J...Jay wa...was machst d...du hier?" „Kian hat mich angerufen und mir erzählt, was passiert ist. Und ich bin so schnell ich konnte hergefahren."

Während er spricht, kommt er auf mich zu und als er Anstalten macht, sich neben mich setzen zu wollen, steht Suri auf und macht ihm Platz. Ich merke wieder, wie sich eine weitere Heulattacke ihren Weg raus bahnt und Jay scheint es ebenfalls zu bemerken. Denn er nimmt mich in den Arm und drückt mich fest an sich. Da bricht es dann wieder aus mir heraus und ich benetze jetzt das Oberteil von der nun dritten Person mit Tränen. Doch Jay scheint es nicht zu stören, denn er streicht mir einfach nur sanft über Rücken und Kopf.

„Warum nur? Warum? Ich bin doch sein Sohn, sein Fleisch und Blut. Ich verstehe es einfach nicht." Jays Stimme ist sanft, freundlich, beruhigend und niedergeschlagen zugleich. „Keine Ahnung, Angel. Ich weiß es wirklich nicht. Aber eins weiß ich, es ist nicht deine Schuld. Du hast nichts falsch gemacht und du bist großartig, so wie du bist." Jay gibt mir einen sanften Kuss auf die Stirn und spricht dann weiter. „Komm, wir setzen uns mal auf dein Bett. Du solltest nicht hier auf dem harten Boden sitzen." Bevor ich überhaupt etwas sagen kann, ist er schon aufgestanden und hebt mich vorsichtig auf die Beine. Da mir extrem schwindelig ist, was nach meinem Ausbruch eben auch verständlich ist, muss er mich stützen, während er mich zum Bett führt.

Dort angekommen setzen wir uns dann und er nimmt mich direkt wieder in den Arm. So langsam spüre ich, wie ich mich etwas beruhige. „Wir lassen euch dann mal alleine." Kian will gerade aus dem Zimmer gehen und Suri will ihm folgen, doch Mum protestiert. „Ich sollte aber bei eurem Bruder bleiben." Suri schiebt Mum regelrecht aus dem Zimmer, während sie spricht. „Es ist schon okay, Mum. Angel und Jay sollten jetzt mal alleine bleiben." Suri und Kian lassen keine weiteren Diskussionen von Mum zu, während sie sie aus dem Zimmer treiben und Kian dann die Tür hinter sich schließt.

Jetzt sind Jay und ich alleine und ich werde immer ruhiger und meine Tränen trocknen so langsam. Das bemerkt Jay auch sofort und wischt er mir mit seinen Daumen noch die letzten herunterlaufenden Tränen weg, während er mich anlächelt. Und ich lächle einfach zurück. „So möchte ich das, Angel. Wenn du lächelst, dann bist du viel hübscher, als wenn du weinst." Als unsere Blicke sich treffen, scheint es, als würden wir uns mit unseren Blicken gegenseitig fixieren. Jays Hand wandert zu meiner Wange und streicht sanft darüber, während er mit seinem Gesicht meinem immer näher kommt. Ich lasse es einfach geschehen während ich abwechselnd in seine Augen und auf seine Lippen schaue.

In dem Moment, wo seine Lippen meine berühren, fliegen wieder tausende Schmetterlinge durch meinen Körper. Ich schließe meine Augen und will mich gerade komplett in den Kuss fallen lassen, da berührt er mit seiner Nase meine und da meine gebrochen ist, verschwinden die Schmetterlinge und machen Platz für einen echt heftigen Schmerz. Ich zucke zusammen und stöhne schmerzhaft auf. Jay merkt sofort, dass ich Schmerzen habe und schaut mich deshalb entschuldigend an.

Doch tatsächlich bin ich es, der sich entschuldigt. „Tut mir leid." Ich drehe meinen Kopf verlegen weg und der Schmerz in der Nase klingt so langsam wieder ab. „Ehhmm, wofür entschuldigst DU dich denn jetzt? Ich habe dich geküsst und nicht umgekehrt. Außerdem habe ICH nicht darüber nachgedacht, dass deine Nase gebrochen ist. Also müsste ich mich doch wohl entschuldigen." Er schaut mich noch immer mit diesem entschuldigenden Blick an.

„Ja, aber ich habe es zugelassen und das hätte nicht passieren dürfen.
WIR SIND FREUNDE, JAY! Und das war's. Mehr ist da nicht zwischen uns und das weißt du. Ich werde keine weitere deiner Bettgeschichten sein. Auch wenn ich weiß, dass du versuchst mich rumzukriegen, es wird nicht funktionieren. Also lass es bitte gut sein." Er grinst wieder und schaut mir tief in die Augen, weshalb ich wieder wegschaue, damit ich nicht doch schwach werde.

„Na schön, wenn du unbedingt dabei bleiben willst, dass du nicht auf mich stehst. Irgendwann wirst du nachgeben und dazu stehen. Ich kann warten. Aber es war taktlos von mir dich jetzt zu küssen. Ich möchte einfach gerade für dich da sein und dich auf andere Gedanken bringen. Doch ich sehe ein, dass es nicht richtig war. Sollen wir einfach einen Film gucken? Wenn du willst, dann bleibe ich heute Nacht hier, dann bist du nicht alleine." „Ja, ich würde mich freuen, wenn du heute Nacht hier bleibst." Von ihm kommt nur ein Nicken und dann suchen wir einen Film aus, den wir gucken können.

Wirklich konzentrieren kann ich mich aber nicht auf den Film, weil meine Gedanken immer wieder zu Dad kreisen. Doch ich schaffe es zum Glück die Tränen zu unterdrücken. Irgendwann merke ich aber, wie mir langsam die Augen zu fallen und irgendwann schlafe ich einfach ein.

Am nächsten Morgen wache ich auf und stelle fest, dass ich in Jays Armen liege. So wie es aussieht habe ich wohl in dieser Position geschlafen. Doch was noch wichtiger als meine Position ist, ist die Tatsache, dass er seinen Arm und mich gelegt hat. Was hat das zu bedeuten? Empfindet er etwa auch so wie ich?

Ach Angel, rede dir sowas doch nicht ein. Das tut er sicher nicht. Jay wird sich niemals in mich verlieben. Wir sind nur Freunde und er sieht mich als sein nächstes Sexobjekt. Er hat keine Gefühle für mich, deshalb sollte ich es mir nicht einreden. Das würde nur unnötig wehtun. Ich merke wie Jay sich bewegt, weil er wach zu werden scheint. Deshalb tue ich auch so, als würde ich gerade erst aufwachen. Eigentlich erwarte ich, dass er mich von sich wegschiebt oder fragt, was ich hier tue, aber als ich meine Augen öffne und ihn (gespielt) verschlafen ansehe, grinst er nur MAL WIEDER und beginnt dann zu sprechen. „ Guten Morgen, hast du gut geschlafen?" Ich richte mich schnell auf und nicke. „Sorry für mein offensichtliches Bedrängen heute Nacht. Das muss für dich sicher unbequem gewesen sein." „Ach Quatsch nein. Alles gut. Ich habe tatsächlich auch gut geschlafen. Wie geht es dir denn, Angel?" Ich stöhne einmal verzweifelt auf und schaue dann nervös auf meine Finger. „Es geht so. Ich muss immer wieder an gestern denken und es tut einfach weh. Ja mir war klar, dass er völlig ausrasten würde, wenn er von meiner Sexualität erfährt. Und auch wenn ich wusste, dass er damals auf seinen eigenen Bruder losgegangen ist und ihm mit dem Tod gedroht hat, nur weil dieser auf Männer steht, hätte ich nie gedacht, dass er mir, seinem eigenen Sohn so etwas antun würde. Wir standen uns immer so nah, als ich noch klein war. Er hat mir das Fahrradfahren und Schwimmen beigebracht. Dad war immer für mich da und ich weiß, dass er mich geliebt hat. Und jetzt? Jetzt ist da keine Liebe mehr, sondern nur noch Hass. Das ist alles meine..." Jay fällt mir mit strenger Stimme ins Wort. „Angel, hör auf. Es ist nicht deine Schuld, dass es so ist wie es ist. Du hast nicht darum gebeten schwul zu sein und du bist nicht daran schuld, dass er dich fast umgebracht hat. Das ist alleine seine Schuld. Er ist ein schlechter Mensch. Du dagegen bist ein toller, guter und wahnsinnig liebenswerter Mensch. Nur weil du nicht seinen Normen entsprichst, rastet er so aus. Das ist nicht normal. Du dagegen bist völlig normal. Ich glaube, ich sollte dir mal helfen, Selbstbewusstsein und innere Stärke zu bekommen. Dann kannst du endlich lernen so zu sein, wie du willst und stolz auf dich und das zu sein, was du bist."

„Viel Spaß dabei. Damit hast du dir eine Lebensaufgabe aufgehalst, Jay." Ich grinse ihn frech an. „Ach Quatsch, ich habe schon schlimmere Fälle gehabt. Ich werde das hinbekommen, verlass dich darauf." Er zwinkert mir zu und grinst wieder frech dabei. „Kann ich hier bei euch duschen gehen Angel?" „Klar, du weißt ja, wo das Bad ist." Er nickt nur und geht dann auch ins Bad, während ich hier sitzenbleibe und über seine Worte nachdenke. Jay hat Recht, ich muss anfangen selbstbewusster zu werden und nicht immer mir die Schuld für alles zu geben. Aber leider fürchte ich, dass es nicht so einfach wird. Jay will mir allerdings dabei helfen es zu schaffen. Das kann ja was werden.

Mein Handy reißt mich mal wieder aus meinen Gedanken. Ich nehme es vom Nachtschrank und schaue nach, wer mir geschrieben hat. Geschockt und leicht nervös stelle ich fest, dass es wieder ANONYM ist, genau wie gestern. Ich öffne sie und lese:... 14 Tage...!

Gestern dachte ich noch, dass es ein Zufall war und das sich da jemand bei der Nummer geirrt hat. Aber jetzt glaube ich, dass es wirklich an mich gerichtet ist. Doch was hat es zu bedeuten? Was wird in 14 Tagen passieren? Und von wem kommen diese verdammten Nachrichten? So langsam bekomme ich es wirklich mit der Angst zu tun. Denn sowas ist doch einfach nur gruselig. Schnell lege ich mein Handy beiseite und versuche nicht über diese komische SMS nachzudenken, denn nach dem ganzen Drama mit meinem Dad kann ich das jetzt nicht auch noch gebrauchen. Und tatsächlich bekomme ich auch direkt die Chance über etwas anderes nachzudenken, denn Jay betritt nur mit einem Handtuch um die Hüften, mein Zimmer. Ich versuche natürlich ihn nicht anzustarren. Aber auch diesmal will es mir nicht gelingen. Immer wieder wandert mein Blick über seinen Körper. So wie es aussieht, scheint er es aber diesmal nicht zu bemerken. Oder er tut nur so als ob. Egal, Hauptsache er reagiert da nicht wieder drauf. Jay nimmt sich frische Klamotten, die er aus seiner Sporttasche hervorzieht, und verschwindet wieder im Bad.

Nach fünf Minuten kommt er aber auch schon wieder und ist zum Glück vollständig angezogen. So bleiben mir weitere Peinlichkeiten erspart. „Was wollen wir heute machen Angel?" Skeptisch sehe ich Jay an, denn er scheint vergessen zu haben, dass wir mitten in der Woche haben. „Ehm, wir müssen in die Schule Jay. Das weißt du doch oder?" Okay, warum sieht er mich jetzt ungläubig an? „Du gehst nicht zur Schule. Deine Mum wird dich für den Rest der Woche entschuldigen und ich werde einfach schwänzen. Also können wir eine ganze Menge unternehmen. Deine Mum wird der Schule deine Situation erklären und dann ist es kein Problem, wenn du auch was unternimmst, obwohl du entschuldigt bist. Nun sag schon, was wollen wir machen?" Ich überlege kurz und dann weiß ich was. „Naja, also ich möchte gerne Interesse für Sport entwickeln. Vielleicht kannst du mich da ein wenig trainieren?" „Klar, sollen wir mit Basketball anfangen? Schließlich weißt du da schon so ein paar Grundlagen. Dadurch ist es einfacher für dich es zu lernen." Ich nicke nur und dann springe ich auf, schnappe mir meine Sachen und gehe dann auch mal ins Bad duschen. Zum Glück ist mir nicht mehr schwindelig, weshalb das Duschen wohl kein Problem sein dürfte.

Ehrlich gesagt, kann ich es kaum erwarten mich mit Jay auf den Weg zu machen. Ich freue mich auf den gemeinsamen Tag.






 

Okay, also Jay war doch wirklich süß in diesem Kapitel oder ?� was sagt ihr dazu ? Glaubt ihr, Jay empfindet vielleicht doch etwas für Angel?��

Und was haltet ihr von der zweiten SMS?

Die letzten Tage waren echt toll. Jay und ich haben mega viel unternommen. Er hat mir wie versprochen ein bisschen Basketball beigebracht und zwischendurch waren wir am See schwimmen oder wir waren Burger essen oder im Kino. Gestern Abend war ich wieder bei ihm und wir haben Filme geschaut und uns lange unterhalten. Tatsächlich hat er nicht mehr versucht mich rumzukriegen, wofür ich auf der einen Seite wirklich dankbar bin, aber auf der anderen Seite will ich ihn ja nach wie vor und hatte daher gehofft dass er mich küssen würde. Ja ich weiß, ich will keine seiner schnellen Nummern oder kurzen Affären sein. Aber ich bin einfach verrückt nach ihm.

Heute ist Dienstag und ich bin noch immer von der Schule freigestellt. Montag werde ich aber wieder zur Schule gehen. Jay habe ich allerdings gezwungen nicht weiter zu schwänzen. Während er brav zur Schule geht, unternehme ich zwischendurch was mit Mum. Gestern Nachmittag war ich bei Ava und wir haben uns einen lustigen Abend gemacht. Letzten Mittwoch hat mein Vater mich fast getötet, doch vor Samstag war ich nicht in der Lage, Ava davon zu erzählen. Als sie es hörte, trieb es ihr die Tränen in die Augen. Sie war unglaublich geschockt und konnte nicht fassen, dass Dad sowas tun würde. Aber wer kann das schon fassen? Niemand! Jeder, der davon erfährt, ist einfach zu geschockt. Jay hat den anderen aus der Clique davon erzählt und jeder von ihnen rief mich an, um zu hören wie es mir geht, oder schrieb Nachrichten. Einige von ihnen kamen mich sogar besuchen und versuchten mich abzulenken. Wirklich gelingen wollte es aber niemandem. Nur Jay schaffte es, mich auf andere Gedanken zu bringen. Und in den Nächten, die er bei mir war oder ich bei ihm, hatte ich auch keine Alpträume. In den Nächten, wo wir nicht zusammen sind, wache ich immer wieder schreiend auf und bekomme dann Panikattacken mit Heulkrämpfen.

Jedes Mal, wenn ich die Augen schließe, sehe ich meinen Dad über mir, wie er mich mit diesem eiskalten Blick anschaut und dann spüre ich auch jedes Mal seine Hände an meinem Hals. Eigentlich werde ich dieses Gefühl seiner Hände an meinem Hals auch tagsüber nicht los. Es fühlt sich ständig so an, als würde ich keine Luft bekommen und als würde ein schwerer Druck auf meinem Hals liegen.

Heute ist dieses Gefühl aber noch schlimmer als die ganze Woche, denn heute ist Dads Verhandlung. Leider sollte der Polizist Recht behalten, denn Dad war wirklich betrunken und deshalb kann es passieren, dass er mit einem blauen Auge davon kommt. Bei diesem Gedanken wird mir übel und ich habe das Gefühl, mich gleich übergeben zu müssen. Das würde bedeuten, dass er freikommen würde und dann hält ihn nichts mehr davon ab, mich wieder anzugreifen. Das macht mir unglaubliche Angst und lässt mir auch wieder die Tränen in die Augen schießen. Als es an meiner Tür klopft, wische ich mir die Tränen schnell mit meinem T-Shirt weg und schaue zur Tür. Es ist Mum und als sie mich sieht, wird ihr Blick ebenfalls traurig. Sie ist meine Mum, natürlich hat sie bemerkt, dass ich geweint habe. „Angel Schatz, ich weiß, dass du Angst hast vor der Verhandlung und vor allem davor, deinen Dad zu sehen, aber wir sind bei dir. Und in dem Gebäude sind eine Menge Polizisten. Er kann dir nichts tun." „Das weiß ich, aber der Gedanke, ihn gleich zu sehen, macht mir trotzdem Angst." Schweigend nimmt sie mich in den Arm und streicht mir beruhigend über den Rücken. Mit ihrer Hilfe schaffe ich es, mich dazu aufzuraffen, zum Frühstück hinunter zu gehen.

Auch wenn ich keinen Hunger habe, will ich trotzdem beim Frühstück dabei sein. Das ist nämlich eindeutig besser, als alleine im Zimmer zu sitzen und über die anstehende Verhandlung nachzudenken. Ich stelle fest, dass Suri und Kian schon am Tisch sitzen und auch eher nur ihr Frühstück hin und her schieben statt es zu essen. Sie scheinen also auch nicht wirklich etwas runter zu bekommen. Kein Wunder, denn wir sind alle extrem angespannt.

Ich setze mich zu meinen Geschwistern an den Tisch, während Mum mein Frühstück zuzubereiten scheint. Rührei mit Toast. Aber wie gesagt, davon werde ich eh nichts runterbekommen, auch wenn es eigentlich mein Lieblingsfrühstück ist. „Guten Morgen, Kleiner, konntest du einigermaßen schlafen?" Kian lächelt mich zögerlich und hoffnungsvoll an. Gerne würde ich ihm die gewünschte Antwort geben, aber ich schüttle stattdessen den Kopf. „Nein, ich habe kein Auge zugemacht. Ich habe mich einfach nicht getraut einzuschlafen wegen der Alpträume. Alles, woran ich denken konnte, war diese Verhandlung heute. Und auch jetzt will das nicht aus meinem Kopf gehen. Ich habe so Angst davor, ihn heute zu sehen." Wieder bin ich den Tränen nahe und da Kian neben mir sitzt, nimmt er mich sofort fest in den Arm und streicht mir mit der einen Hand beruhigend über den Rücken und mit der anderen über meine Wange. Er drückt mich fest an sich, so als müsste er mich genau in diesem Moment vor etwas beschützen. „Kian? Ich habe die letzten Tage nicht die Kraft gehabt, darüber zu sprechen, aber da ist etwas, dass ich dir unbedingt sagen will und auch muss. Kian ich...," Kurz stoppe ich um tief Luft zu holen und um mal wieder die aufsteigenden Tränen runterzuschlucken.

„Wenn du letzte Woche nicht gewesen wärst, dann wäre ich jetzt tot. Dad hätte mich umgebracht. Aber ich lebe und das nur dank dir. Du hast mir das Leben gerettet und dafür kann ich dir niemals genug danken. Jedes „Danke" dieser Welt wäre zu wenig."

Ich schaffe es nicht die hochsteigenden Tränen erneut zu unterdrücken, also lasse ich sie einfach raus, während Kian mich noch fester an sich drückt.

„Du musst mir nicht danken, du bist mein kleiner Bruder und ich werde dich immer beschützen, ganz egal was passiert. Kein Wort dieser Welt kann beschreiben, wie sehr ich dich liebe, Kleiner. Ich würde alles für dich tun. Ohne zu zögern würde ich für dich sterben." Seine Worte treiben mir noch stärker die Tränen in die Augen und ich schluchze leise, während ich mein Gesicht in seinem T-Shirt vergrabe. „Ich liebe dich auch, Kian. Und alles was du gerade gesagt hast, kann ich nur erwidern." Wir schweigen, denn es bedarf keiner weiteren Worte. Mein Bruder und ich sitzen einfach nur stumm da, während ich weine und er mich fest im Arm hält. Ein Blick zu meiner Mum und Suri verrät mir, dass sie beide ebenfalls den Kampf gegen die Tränen verloren haben.

Vom Klingeln der Tür werde ich aufgeschreckt. Schlagartig und ohne es zu wollen verkrampfe ich und bekomme Angst. Angel beruhige dich doch. Dad kann es nicht sein, denn er sitzt im Gefängnis, bzw. gerade wahrscheinlich schon im Gerichtsgebäude, da die Verhandlung in 2 Stunden beginnt. „Mum kannst du kurz aufmachen? Ist für Angel." Bei seinem letzten Satz hebe ich den Kopf und schaue ihn irritiert an.

Aber meine Verwirrung löst sich recht schnell auf, als ich die Stimme der Person höre, die gerade aufgetaucht ist. „Guten Morgen, Mrs. Summers. Kian hat mich gefragt, ob ich als Begleitung für Angel mitkommen kann. So als moralische Unterstützung und genau das möchte ich auch: Ihren Sohn heute unterstützen." Es ist Jay! Ich schaue meinen Bruder überrascht an, der mich nur angrinst, bevor er mir leise etwas zuflüstert. „Wenn du weiterhin nicht willst, dass Jay merkt, wie verknallt du in ihn bist, solltest du das Tempo deines Herzschlags etwas unter Kontrolle bringen. Ich spüre deinen Herzschlag gerade mehr als deutlich. So als wärst du gerade 5 Stunden Marathon gelaufen." Jetzt grinst er noch breiter. Ich springe auf und das, ohne allzu gestört zu wirken.

„Hey Angel, ja ich weiß, dass ich wieder schwänze. Aber ich denke, zu diesem Anlass dürfte das doch nicht allzu schlimm sein, oder?" Auch er grinst mich frech an, bevor er mich packt und an sich drückt. Diese Umarmung tut gerade so unglaublich gut, dass kann man sich nicht vorstellen. Am liebsten hätte ich es, wenn Jay mich nie wieder loslassen würde. Aber blöderweise geht das nicht. Und wenn ich mich jetzt die ganze Zeit an ihm festklammere, dann erklärt er mich ganz eindeutig für komplett bescheuert. Das ist allerdings etwas, dass ich ganz gerne vermeiden würde, wenn es möglich ist.

„Danke, das du hier bist." Ich löse die Umarmung und lächle ihn an. „Keine Ursache, kleiner Engel." Jay zwinkert und ich schlucke schwer. Hat er mich gerade kleiner Engel genannt? Mir wird gerade schlagartig warm und mein Herz fängt wieder schneller an zu schlagen. Außerdem habe ich das Gefühl rot zu werden, weshalb ich mich wieder an den Tisch setze und doch eine Kleinigkeit esse. „Jay, magst du mit uns frühstücken?" Mum steht mittlerweile wieder am Herd und zaubert weiter am Frühstück. „Ja gerne."

Jay setzt sich neben mich und als alle etwas zu Essen vor sich haben, versuchen wir alle mehr oder weniger erfolgreich zu frühstücken.

Im Gericht...

Etwas über eine Stunde später betreten wir das Gericht und in dem Moment, wo ich die Schwelle übertrete, wird mir wieder schlagartig übel. Jetzt gibt es kein Zurück mehr, gleich treffe ich auf Dad und muss auch noch gegen ihn aussagen. Am liebsten würde ich jetzt schreiend wegrennen, aber das geht ja nicht. Ich muss da jetzt durch. Du schaffst das, Angel! Mein Versuch mich selbst zu motivieren klappt aber nur so semi gut. Kian, Mum, Suri, Jay, Ava (die auch ins Gericht gekommen ist, um mir beizustehen) und ich sitzen oder stehen jetzt im Flur vor dem Gerichtssaal. Die Geschworenen, Staatsanwalt und Verteidiger sind bereits im Saal und wir warten noch, bis auch wir reingeholt werden. Ich versuche noch immer verzweifelt mich zu beruhigen, aber das kann ich komplett vergessen, als etwas weiter hinten im Gang eine Tür aufgeht und Dad in Begleitung eines Beamten den Flur betritt. In dem Moment wo sich unsere Blicke treffen, drücke ich mich panisch, mit weit aufgerissenen Augen und zitternd gegen die Lehne der Bank und versuche wohl in die Wand zu kriechen. Sofort spüre ich wieder seine Hände an meinem Hals und mir bleibt wieder die Luft weg. Sein Blick ist genau wie an dem Abend eiskalt. Ich schlucke schwer und weiche mit jedem Schritt, den er näher kommt weiter nach hinten. Der Polizist führt ihn an uns vorbei und währenddessen kommt von ihm kein Wort, nur dieser eiskalte Blick. Ich spüre das sowohl Kian als auch Jay mich schützend festhalten, während er in den Saal geführt wird. Mum, Suri und Ava folgen ihm, da sie als Zuschauer bei der Verhandlung teilnehmen. Nur Kian und ich sind als Zeugen aufgestellt. Jay ist auch als Zuschauer hier, aber er hat darauf bestanden, solange bei mir hier draußen zu bleiben, bis ich aufgerufen werde.

Die Verhandlung geht los und nach ein paar Minuten wird Kian aufgerufen, weshalb er den Saal betritt, nachdem er mich nochmal umarmt hat. Da die Türen geschlossen sind, kann ich nicht hören was da drin gesprochen wird. Aber das will ich eigentlich auch gar nicht, denn dann würde ich seine Stimme wahrscheinlich schon hören, bevor ich überhaupt in diesem Saal bin. Und das könnte ich nicht ertragen. „Hey Angel, versuch dich zu beruhigen. Du schaffst das, okay? Es wird alles gut. Wir sind alle bei dir." Er nimmt meine Hand und streicht sanft mit seinem Daumen darüber. Ich nicke zögerlich und auch immer noch ängstlich und nervös, das nimmt Jay zum Anlass um mich in den Arm zu nehmen, was ich ohne Protest zulasse. Seine Nähe beruhigt mich tatsächlich etwas und spendet mir die nötige Kraft, die ich brauche, um das gleich durchzustehen.

Ich weiß nicht wie viel Zeit vergeht, aber irgendwann werde ich von einem Beamten angewiesen, den Saal zu betreten. Langsam stehe ich auf und betrete den Saal, dicht gefolgt von Jay, der sich im Saal dann einfach in den Zuschauerraum zu meiner Familie und Ava setzt. Mit einem fetten Kloß im Hals, schweißnassen Händen und furchtbar klopfendem Herzen gehe ich den schmalen Gang zwischen den Zuschauerbänken entlang, direkt auf den Richter zu um, von mir aus rechts von ihm, auf dem Zeugenstuhl Platz zu nehmen. Krampfhaft versuche ich es zu vermeiden meinen Dad anzusehen. Auch als ich mich hinsetze, drehe ich den Kopf extra etwas in die andere Richtung und senke ihn. Doch als ich angesprochen werde, muss ich wieder geradeaus und somit in seine Richtung gucken, was mich schlucken lässt.

Ich werde belehrt und meine Personalien werden geprüft, danach erhebt sich der Staatsanwalt und kommt auf mich zu. „Mr. Summers, ist es okay wenn ich Angel zu Ihnen sage?" „Ja, das ist in Ordnung." Ich schlucke wieder nervös.

„Angel, Ihr Bruder hat uns eben bereits seine Sicht der Situation geschildert. Allerdings ging er ja erst dazwischen, als das Meiste schon passiert war. Bitte erzählen Sie uns doch von Anfang an, was genau passiert ist. Sie brauchen keine Angst haben, hier sind Sie sicher." Wieder schlucke ich schwer. „Ich war den Nachmittag bei einem Freund zu Besuch und als ich nach ein paar Stunden wieder nach Hause kam, wollte ich mein Zimmer aufräumen, da dort ziemliches Chaos herrschte. Ich wurde aber vom Klingeln meines Handys unterbrochen. Es war mein Bruder Kian. Er war zusammen mit meiner Mum und meiner Schwester in der Stadt und wohl gerade auf dem Weg nach Hause. Kian wollte hören wie es mir geht, da ich sehr unter der Trennung meiner Eltern litt. Und er wollte wissen, wie mein Tag war. Also erzählte ich ihm alles und plötzlich hörte ich hinter mir einen lauten Knall und dann die wütende Stimme meines Dads." Der Anwalt unterbricht mich um eine Frage zu stellen. „Warum war Ihr Vater wütend? Können Sie das beantworten?" „Er hat durch dieses Telefonat erfahren, dass ich auf Jungs stehe. Diese Tatsachte habe ich lange vor ihm geheim gehalten, da ich weiß das er einen Hass auf Schwule hat. Deshalb haben meine Geschwister und ich das immer für uns behalten." Der Anwalt nickt und ich versuche schwer schluckend noch immer, nicht meinen Vater direkt anzusehen.

„Ihr Vater hat also durch Ihr Telefonat mit Ihrem Bruder von Ihrer Sexualität erfahren? Wie genau kam es dazu? Also haben Sie mit ihrem Bruder über einen anderen Jungen gesprochen, den Sie besonders mögen?" Es fühlt sich an, als würde mein Herz stehen bleiben bei der Frage des Staatsanwalts. Warum muss er mir hier jetzt diese Frage stellen? Hier, wo Jay doch anwesend ist und alles hört? Wenn ich diese Fragen jetzt weiter wahrheitsgemäß beantworte, dann verrate ich Jay doch, dass ich auf ihn stehe. Verdammter Mist! Aber ich habe keine andere Wahl als ihm zu antworten. „Ja, es ging bei dem Gespräch um einen Jungen, den ich mag. Das hat mein Vater gehört, weshalb er ausgerastet ist." „Ist der junge Mann Ihr fester Freund? Und kennt Ihr Vater seinen Namen?" Ich schüttle den Kopf, bevor ich antworte. Meine Nervosität wird immer größer und ich traue mich nicht Jay anzusehen.

„Wir sind nicht zusammen und mein Dad kennt seinen Namen nicht. Das soll auch so bleiben, denn ich habe Angst davor, was mein Vater ihm vielleicht antun wird, wenn er seinen Namen kennt." Zum keine Ahnung wievielten Mal schlucke ich jetzt diesen verdammten Kloß in meinem Hals herunter, oder zumindest versuche ich es. Noch immer vermeide ich den Augenkontakt zu Jay.

„Was hat ihr Vater gesagt, als er das Telefonat mitbekam?" Jetzt zieht sich meine Kehle wieder zu, aber ich muss trotzdem antworten, ob ich will oder nicht. „Er sagte zu mir: All meine Bemühungen waren umsonst? Du bist längst eine widerliche und dreckige Schwuchtel? Ich hätte dir diese Abartigkeit längst austreiben sollen! Bei diesen Worten drehte ich mich zur Tür und sah ihn wütend dort stehen. Als er irgendwie bedrohlich auf mich zukam, wich ich nach hinten aus. Aber er überbrückte schnell die Distanz zwischen uns, packte mich und schmiss mich aufs Bett. Dann fing er an, auf mich einzuschlagen. Er traf immer wieder mein Gesicht und auch meinen Bauch. Aber die meisten Schläge bekam ich ins Gesicht. Ich flehte ihn an aufzuhören, aber das tat er nicht. Irgendwann stoppte er dann, aber auch nur um seine Hände an meinen Hals zu legen. Ich riss panisch meine Augen auf und bekam furchtbare Todesangst, als er mit beiden Händen zudrückte. Die Luft blieb mir weg und ich bekam immer mehr Angst. Ich flehte ihn an aufzuhören und sagte ihm, dass ich keine Luft mehr bekomme. Aber das animierte ihn nur dazu, noch fester zuzudrücken. Immer wieder habe ich verzweifelt versucht, seine Hände von meinem Hals zu bekommen, aber das schaffte ich nicht. Er ist stärker als ich. Ich hatte also keine Chance. Irgendwann hörte ich meinen Bruder schreien und im nächsten Moment wurde Dad von mir runtergezogen. Kian packte ihn und schubste ihn gegen die Wand. Dad wehrte sich, als Kian ihn packte und aus dem Zimmer zog, aber Kian ist zum Glück stärker als unser Vater. Suri rief dann die Polizei und Kian brachte Dad nach unten. Ich versuchte währenddessen wieder Luft zu bekommen, aber das klappte nur sehr schwer, da mir ja auch alles wehtat von den Schlägen meines Dads. Irgendwann kamen dann die Beamten und nahmen Dad mit."

Ich beende meine Erzählung und während ich während der ganzen Zeit, in der ich erzählte, versuchte, relativ ruhig zu bleiben, brach es dann doch aus mir heraus und ich fing an zu weinen. Von meinem Vater höre ich ein verächtliches Schnauben, was natürlich auch der Richter mitbekam. „ Zeigen Sie gefälligst ein bisschen Respekt, er ist immerhin Ihr Sohn. Wenn Sie sich nicht benehmen können, dann verweise ich Sie des Saals." Von Dad kommt daraufhin nichts mehr, weshalb der Staatsanwalt fortfährt. „Eine letzte Frage habe ich noch. Sind Sie sich sicher, dass Ihr Vater sie wirklich getötet hätte, wenn Ihr Bruder Sie nicht gerettet hätte? Immerhin sind Sie sein Sohn, sein eigen Fleisch und Blut." Ich brauche nicht lange überlegen um die richtige Antwort zu wissen. „J...ja, i...-ich habe es in seinen Augen gesehen. Den blanken Hass. Wäre mein Bruder nicht gewesen, dann wäre ich jetzt tot." Bei diesen Worten bricht es aus mir heraus und ich fange furchtbar an zu weinen. Und obwohl ich schreckliche Angst habe, fließen die Worte einfach so aus mir heraus. „WIESO? WIESO HAST DU DAS GETAN? ICH BIN DEIN SOHN. WIR SIND VOM SELBEN BLUT! ICH HABE DICH GELIEBT. NUR WEIL ICH SCHWUL BIN, BIN ICH DOCH KEIN ANDERER MENSCH. ICH BIN IMMER NOCH DER KLEINE ANGEL, DEM DU DAS FAHRRADFAHREN UND SCHWIMMEN BEIGEBRACHT HAST. WIE KONNTEST DU MIR DAS NUR ANTUN?" Ich habe mich auf dem Stuhl nach vorne gebeugt und schreie ihn verzweifelt an, während ich noch immer fürchterlich weine und am ganzen Körper zittere.

Ich schaue ihn sogar dabei an und warte auf eine Antwort. Doch als er spricht, wünsche ich mir, er würde nichts sagen. „Du bist nicht mein Sohn. Du bist eine ekelhafte Schwuchtel." Mehr sagt er nicht und seine Miene ist dabei noch immer eiskalt, während ich erneut das Gefühl habe, dass mein Herz in tausend Teile zerbricht.







 

Die Verhandlung gegen Angels Dad hat begonnen � was sagt ihr dazu ? 

„Das reicht! Der Angeklagte wird bis zur Urteilsverkündung in die Zelle gebracht. Die Geschworenen ziehen sich jetzt bitte zur Beratung zurück. Die Beweisführung ist hiermit geschlossen." Der Richter steht auf und verlässt den Saal, dicht gefolgt von den Geschworenen. Auch ich stehe auf und gehe auf die Anderen zu, die schon auf mich warten. Noch immer bin ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch, was Kian sofort bemerkt, weshalb er auf mich zustürmt und mich stützt, während wir wieder auf den Flur gehen. Dort setze ich mich wieder auf die Bank, auf der ich zuvor schon saß, und meine Mum und Jay setzen sich links und rechts von mir ebenfalls auf die Bank. Meine Tränen fließen noch immer wie ein Sturzbach aus mir heraus, während ich ohne nachzudenken meinen Kopf einfach auf Jays Schulter ablege. Das kann ich doch jetzt nicht mehr machen, jetzt wo er weiß, dass ich in ihn verliebt bin. Er hat jetzt die Bestätigung, die er wollte und ich konnte nichts dagegen tun. Gerade will ich meinen Kopf wieder von seiner Schulter nehmen, als er seinen Arm um mich legt und mich fest an sich drückt. Mit seiner freien Hand streichelt er mir wieder beruhigend über meine Wange und ich lasse es einfach zu.

Kian, Mum, Ava und Suri holen sich etwas zu trinken, weshalb ich mit Jay nun alleine bin und in mir steigt augenblicklich die Panik auf. Er wird mich doch jetzt garantiert auf das ansprechen, was ich im Gericht gesagt habe. Oh scheiße! „Es wird alles gut, Angel. Du hast das toll gemacht und sowohl der Richter als auch die Geschworenen haben jetzt erlebt, was für ein totales Arschloch dein Dad ist. Alles wird gut, da bin ich sicher." „Es war so schlimm, da auf dem Stuhl zu sitzen, ihn zu sehen und all diese Fragen zu beantworten." Ich spüre wie er mir einen leichten Kuss auf meinen Kopf haucht und das lässt mein Herz wieder höher schlagen. „Ja ich weiß, aber du warst tapfer und hast das wie gesagt wirklich toll gemacht. Und am Schluss hast du bewiesen, was für ein starker Mensch du bist. Es ist vorbei, du hast es geschafft."

Er verliert kein einziges Wort über das, was ich ihm bei meiner Aussage offenbart habe. Es irritiert mich, aber gleichzeitig bin ich auch froh, dass er nicht darauf eingeht. Als Kian, Suri, Ava und Mum zurückkommen, stelle ich fest, dass sie mir und Jay auch etwas Warmes zu trinken mitgebracht haben. „Für meinen wundervollen, starken und mutigen kleinen Bruder einen heißen Kakao und für meinen besten Freund einen schwarzen Kaffee. Schwarz wie deine Seele." Bei diesen Worten grinst Kian Jay frech an und fängt sich dafür direkt einen Schlag auf den Hinterkopf ein. „Vorsicht Freundchen, ich bin außerdem auch der Kapitän des Footballteams. Noch so ein Spruch und du sitzt die nächsten Spiele auf der Bank. Der Coach liebt mich, es wäre also kein Problem für mich, dir ein paar Strafrunden auf der Bank aufzuhalsen."

Jetzt ist es Jay, der grinst. „Ich flehe um Gnade, euer Majestät. Bitte vergebt mir, denn es tut mir leid." Gespielt ängstlich und sehr theatralisch geht Kian vor Jay auf die Knie und sieht dabei aus, als würde er Jay anflehen, sein Leben zu verschonen. „Nun gut, es wird dir nochmal vergeben, aber ich hoffe, dass sowas ja nie wieder vorkommt." „Danke, mein König, Ihr seid so gnädig." Jay grinst noch immer während er spricht. „Ich bin eben gleichermaßen gnädig wie heiß." Bei diesen Worten dreht er den Kopf zu mir und zwinkert mir zu. Darauf verdrehe ich nur die Augen, natürlich aus Spaß und wir alle fangen furchtbar an zu lachen. „So gefällt mir das. Mein kleiner Bruder, der wieder lachen kann." Kian lächelt freundlich und ich muss ihm Recht geben, gerade konnte ich wirklich für einen kurzen Moment abschalten.

Das Urteil...

„Die Geschworenen befinden den Angeklagten der schweren Körperverletzung und dem versuchten Mord im Alkoholrausch für schuldig!"

Einer der Geschworenen ist aufgestanden, um das Urteil der Jury vorzutragen, was der Richter nickend zur Kenntnis nimmt. Wir sind längst wieder zur Urteilsverkündung im Saal, genau wie Dad, der allerdings über eine Seitentüre hineingeführt wurde, damit er mir nicht auf dem Flur begegnet. Als der Richter sich räuspert, werde ich aus meinen Gedanken gerissen und höre ihm aufmerksam zu.

„Die Jury hat entschieden und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich mit der Urteilsfindung schwergetan habe. Denn auch wenn ich den sehr hohen Alkoholpegel des Angeklagten an dem Abend beachten muss, würde ich am liebsten ein höheres Urteil verhängen, denn was ich hier erlebt habe, war einfach nur furchtbar. Ein Sohn, der Todesangst vor seinem eigenen Vater hat, weil dieser versucht hat, den Jungen zu töten. Das ist gleichermaßen unverständlich wie abscheulich. Doch leider bin ich durch den aufgelisteten Promillewert von 1,4 dazu gezwungen, das strafmildernd zu berücksichtigen. Auch wenn es mir eindeutig zuwider ist. Der Angeklagte wird daher zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt. Außerdem wird ihm eine Therapie auferlegt, die er bereits während seiner Haft beginnen wird. Und zu guter Letzt wird ein Kontaktverbot gegen den Angeklagten zu seinem Sohn verhängt. Er darf seinen Sohn nicht telefonisch, per Post oder sonst wie kontaktieren. Und er darf sich dem Jungen nicht weiter als 200 Meter nähren. Bevor ich die Verhandlung nun schließe möchte ich Ihnen noch etwas mit auf den Weg geben. Homophobie ist leider noch immer weit verbreitet. Während Menschen wie Sie den Homosexuellen die Schuld geben, kann ich Ihnen ganz klar sagen, dass die Schuld einzig und alleine bei Ihnen und all den anderen liegt, die genauso denken, wie Sie es tun. Gewalt gegen fremde Homosexuelle ist schon wirklich abartig. Aber hierbei handelt es sich um Ihr eigenes Kind, welches Sie nach der Geburt auf dem Arm hatten, welches Sie gefüttert und gewickelt haben. Welchem Sie alle wichtigen Dinge wie Laufen, Fahrradfahren und Schwimmen beigebracht haben. Das Kind, dem Sie bei den Hausaufgaben geholfen haben und welches Sie getröstet haben, wenn es traurig war. Diesem Kind haben sie ins Gesicht geschlagen und anschließend ihre Hände an seinen Hals gelegt und zugedrückt, während dieses Kind Sie angefleht hat aufzuhören. Und warum? Weil Sie hörten das Ihr Sohn schwul ist? Weil er Jungs statt Mädchen toll findet? Anstatt sich zu freuen, weil ihr Junge sich offensichtlich verliebt hat, verurteilen Sie ihn für seine Sexualität? Ich sag Ihnen etwas. Es ist egal, ob das eigene Kind schwul, lesbisch oder transsexuell ist. Die Hauptsache ist doch, dass unsere Kinder gesund und glücklich sind. Mal abgesehen davon, dass Homosexualität nichts Ekelhaftes oder Unnormales ist, so musste ich feststellen, dass Ihr Sohn ein unglaublich toller Junge ist. Er ist stark, klug, warmherzig und freundlich. Eigenschaften, die ihn definieren und nicht, ob er irgendwann eine Ehefrau oder einen Ehemann hat. Nichts ist reiner und leuchtender als die Liebe eines Sohnes zu seinem Vater. Denken Sie mal darüber nach und vor allem, was Sie dem Menschen angetan haben, den Sie nach der Geburt mit einem Lächeln auf den Lippen und Freudentränen in den Augen im Arm hatten. Die Verhandlung ist geschlossen." Mit diesen Worten erhebt sich der Richter und verlässt den Saal.

Ich bin sprachlos und emotional so fertig wegen der Worte des Richters. Was er da gesagt hat, ließ meine Tränen wieder hochsteigen und ich ließ sie einfach raus. So schöne Worte hätte ich gerne von meinem Dad irgendwann mal gehört, aber sie werden niemals über seine Lippen kommen. Und genau diese Erkenntnis schmerzt wieder so schrecklich. Es fühlt sich an, als würde mir jemand ein Messer ins Herz stoßen. Dad hat ein Jahr Gefängnis bekommen plus eine verordnete Therapie und er darf sich mir nicht mehr nähren? Der Richter hätte ihm gerne eine höhere Strafe verhängt, aber weil Dad an dem Abend betrunken war, konnte der Richter nicht höher gehen, was ich durchaus verstehen kann. Aber was, wenn Dad in einem Jahr gegen die Auflagen verstößt und mir irgendwo auflauert? Stopp Angel, daran darfst du jetzt nicht denken. Das wird schon nicht passieren. Du hast Menschen um dich herum, die dich lieben und dich beschützen. Dir wird nichts passieren. „Mr. Summers, schön dass ich Sie noch erwische. Was ich Ihnen noch mit auf den Weg geben wollte, lassen Sie sich auf keinen Fall von Ihrem Vater klein oder schlecht machen. Alles, was ich eben zu Ihrem Vater sagte, meine ich vollkommen ernst. Sie kommen mir wie ein kluger, freundlicher und guter Junge vor. Und ich bin mir sicher, dass Sie Ihre guten Eigenschaften eines Tages Ihren Kindern vermitteln werden. Es tut mir so leid, dass Ihr Vater nicht sehen kann, was für einen großartigen Sohn er hat. Und eigentlich sollten diese Worte vom ihm kommen und nicht von einem Fremden, aber ich wünsche Ihnen, dass Sie glücklich werden. Und das vielleicht sogar mit dem jungen Mann, für den Ihr Herz offensichtlich zu schlagen scheint. Dieser kann sich wirklich glücklich schätzen, von jemandem wie Ihnen geliebt zu werden. Gäbe es mehr Menschen wie Sie, dann wäre diese Welt ein besserer Ort für alle. So ich entschuldige mich, aber ich muss leider weiter. Alles Gute, mein Junge."

„Danke und vielleicht auf Wiedersehen." Der Richter entfernt sich von uns und ich muss erneut seine Worte sacken lassen. Er hat Recht, ich darf mich von Dad nicht kaputt machen lassen.

Kurz schaue ich ihm noch hinterher, doch dann sehe ich mich um und suche Jay und Kian. Erst sehe ich die beiden nicht, aber dann entdecke ich sie etwas abseits von uns. Sie unterhalten sich, aber worüber kann ich nicht hören. Und letztendlich ist es auch egal. Es geht mich schließlich nichts an. Irgendwie erschöpft setze ich mich auf die Bank und lehne den Kopf an die Wand an. Kian und Jay kommen nun auch wieder zu uns und setzen sich wieder neben mich. Bevor wir das Gericht verlassen, muss ich noch schnell auf die Toilette.

Dort angekommen erleichtere ich meine Blase und als ich mir die Hände wasche, vibriert mein Handy. Ein Blick aufs Display verrät mir, dass es wieder eine SMS von UNBEKANNT ist. Diese Nachrichten hatte ich in dem ganzen Chaos heute völlig verdrängt. Es blieb nicht bei den beiden ersten Nachrichten. Jeden Tag bekam ich eine und jedes Mal war es das gleiche Prinzip. Die Tage wurden runtergezählt. Und auch jetzt ist es nicht anders.

"9 Tage"

Noch immer habe ich keine Ahnung was das zu bedeuten hat und es beunruhigt mich langsam wirklich sehr. Natürlich habe ich niemandem von den Nachrichten erzählt, weil ich den Anderen keine unnötige Angst machen will. Ich muss erstmal herausfinden, was das zu bedeuten hat.

„Angel, mein Schatz, wollen wir mal so langsam los?" Mum streichelt mir über die Schulter, während sie mich freundlich ansieht. Ich nicke nur und dann setze ich mich zusammen mit den Anderen in Bewegung. „Okay, also Jay und ich sind beide mit dem Auto hier. Bei mir passen 4 Leute rein. Aber vielleicht will jemand mit Jay fahren?" Bei dieser Frage grinst mich mein Bruder frech an, wofür ich ihm am Liebsten eine knallen will. Nervös schlucke ich, denn eigentlich will ich ja mit ihm fahren, aber nachdem was er jetzt im Gericht erfahren hat, traue ich mich irgendwie nicht, mich als Jays Mitfahrer zu melden. Brauche ich auch gar nicht, denn Jay stellt genau die Frage. „Angel, magst du bei mir mitfahren? Allzu lange ist die Fahrt zwar nicht, aber zu zweit macht es mehr Spaß, finde ich." Diesmal zwinkert er nicht, sondern lächelt freundlich und ich nicke zögerlich. Damit ist es besiegelt.

Ich darf bei meinem Traummann mitfahren und muss hoffen, dass er nicht über das spricht, was ich bei Gericht gesagt habe. Bitte Jay, reiß dich einmal zusammen und lass den Ego-Arsch nicht heraus. Ich möchte einfach nur, dass Jay das ganz schnell wieder vergisst, was er da gehört hat. Aber was mache ich mir eigentlich vor? Er wird das nicht vergessen. Jay weiß jetzt, was ich empfinde und das ist auf jeden Fall ein großes Problem. Das macht alles jetzt nur noch komplizierter.





 

Puhh, dass ist das neue Kapitel �� was sagt ihr dazu ? Also erstmal, hättetihr genau wie Angel vermutet, dass Jay die Chance nutzen und Angel auf seine Aussage ansprechen würde? Oder war euch klar, dass er das nicht tun würde? .....Wie fandet ihr die Worte des Richters? Lasst mir gerne euer Feedback da��

„Steig ein, dann können wir los." Jay hält mir wie ein Gentleman die Tür seines Wagens auf und ich steige ein. „Du kommst doch auch noch mit zu uns, Jay? Mum kocht gleich für uns alle." „Klar, ich bin dabei. Da sage ich nicht Nein." Ich lächle ihn an und er fährt los. Wir reden die halbe Fahrt kein Wort. Jay schaut stumm auf die Straße und ich schaue zu Anfang noch auf die vorbeiziehende Landschaft, aber dann kreisen meine Gedanken wieder um die Verhandlung und Dads Verhalten, weshalb ich meinen Blick senke und dann wieder, den Tränen nahe, auf meine Hände starre. „Hey kleiner Engel, Kopf hoch. Du hast dich heute toll geschlagen."

„Ja, aber ich muss immer wieder an Dads eiskalte Worte denken, nachdem ich ihm meine Meinung gesagt habe. Wie kann er nur so sein? Ich kann es nicht verstehen." Wie so oft in letzter Zeit, kommen mir wieder die Tränen. „Ihn versteht keiner. So jemanden wie ihn muss man auch nicht verstehen. Diese Menschen leben in ihrer eigenen Welt mit ihren eigenen kranken Normen und Werten. Natürlich ist mir bewusst, dass es nicht einfach ist, aber du musst versuchen die innere Stärke zu finden, darüber zu stehen. Alles, was der Richter über dich gesagt hat, ist zu hundert Prozent wahr. Du bist ein so herzlicher, witziger, mutiger, starker und großartiger Mensch. Und dein Dad ist ein Idiot, wenn er das nicht erkennt."

Jay legt seine Hand auf meine und streichelt sanft mit seinem Daumen über meinen Handrücken. Diese Geste lässt mein Herz wieder höher schlagen. „Du hast vermutlich recht, Jay." „Natürlich habe ich Recht." Und wieder sein altbekanntes Grinsen. „Ich wollte mich übrigens bedanken, dass du heute an meiner Seite warst und mich unterstützt hast. Ohne deine Ermutigungen hätte ich das sicher nicht durchgestanden. Also vielen Dank, dass du heute dabei warst." „Keine Ursache, ich bin immer für dich da." Wir schweigen wieder beide und Jay lässt meine Hand los.

Nach etwa 20 Minuten kommen wir dann zu Hause an und ich stelle fest, dass die anderen auch zeitgleich mit uns ankommen. Zusammen betreten wir das Haus und ich lasse mich erschöpft auf die Couch fallen. Jay setzt sich neben mich und nimmt mich wieder in den Arm, da ich wieder kurz davor bin zu weinen.

„Ihr seht niedlich zusammen aus." Ich reiße meine Augen erschrocken auf und werfe meiner Mum einen bösen Blick zu. Ist das gerade wirklich ihr Ernst? Sie bringt mich damit in große Schwierigkeiten. Gerade will ich etwas erwidern, da kommt Kian mir zuvor. „Mum, ernsthaft, du solltest in die Küche gehen. Los, hopp!" Kian scheucht sie regelrecht aus dem Wohnzimmer. „Angel, hast du eigentlich mittlerweile Onkel Dario angerufen und ihm erzählt, was hier so los ist?" Geschockt über Kians Frage reiße ich die Augen auf.

Scheiße! Onkel Dario habe ich völlig vergessen. Er hat keine Ahnung von dem was passiert ist. Daran habe ich einfach nicht gedacht. Wie konnte ich das nur vergessen? Er wird bestimmt sauer auf mich sein, weil ich ihm nichts erzählt habe.

„Kian, er weiß noch gar nicht, was passiert ist. Wie konnte ich das nur vergessen? Scheiße." „Ich ruf ihn an." Und schon verschwindet Kian aus dem Wohnzimmer, um zu telefonieren. „Mein Onkel wird sicher sauer auf mich sein." „So ein Quatsch Angel. Er wird bestimmt nicht sauer sein. Im Gegenteil, ich denke eher er wird Verständnis für deine Situation haben. Was ich so höre, scheint dich dein Onkel sehr zu lieben und er wird verstehen, dass du es in dem ganzen Trubel einfach vergessen hast. Außerdem ist es für dich auch einfach nicht so leicht, darüber ständig zu sprechen." Jays Worte ergeben irgendwie Sinn. „Jay hat Recht Angel, dein Onkel wird es verstehen." „Wow, kann jemand ein rotes Kreuz im Kalender machen? Ava gibt mir tatsächlich Recht. MIR!" Jay lacht auf und grinst Ava dann an, welche davon allerdings recht unbeeindruckt bleibt. „Nur fürs Protokoll, ich bin nach wie vor kein großer Fan von dir, aber du hast nun mal einfach Recht." Mit verschränkten Armen lehnt Ava sich auf ihrem Sessel zurück. Kurz konnte ich sehen, wie Kian in die Küche gehuscht ist und dann geht er immer noch telefonierend wieder vor die Türe. Was hat das zu bedeuten?

Meine Frage soll nicht lange unbeantwortet bleiben, denn Kian kommt wieder ins Wohnzimmer und ergreift das Wort. „Ich habe Onkel Dario nur erzählt, dass es dir nicht gut geht und es einiges zu erzählen gibt. Er und Steve kommen gleich vorbei. Mit Mum ist es schon geklärt und für sie ist es kein Problem." Ich nicke nur und merke dann, dass ich doch tatsächlich echt hungrig bin. Der leckere Geruch von Essen, der aus der Küche kommt, macht das nicht gerade besser. „Das Essen ist in etwa einer halben Stunde fertig. Ich habe euch allen mal ein Glas Cola gemacht. Greift zu, ihr müsst doch Durst haben." Mum steht mit einem Tablet im Wohnzimmer, auf dem sechs Gläser gefüllt mit Cola stehen. Wir alle nehmen uns ein Glas, auch Mum und dann setzt sie sich auch zu uns. Keiner sagt etwas, was eigentlich ein bisschen unheimlich ist. Doch zum Glück unterbricht das Klingeln der Türe diese peinliche Stille.

„Ich geh schon." Kian springt auf und rennt zur Türe. Keine 30 Sekunden später höre ich die Stimmen von Onkel Dario und Steve im Flur und im nächsten Moment betreten sie zusammen mit meinem Bruder das Wohnzimmer. Mum steht als erste auf und stellt sich nervös vor die Beiden. „Hallo, ich bin Kathrin. Schön euch kennenzulernen." Nervös schüttelt sie erst Steve und dann Dario die Hand. Onkel Dario scheint allerdings noch nervöser zu sein als Mum. Denn man kann eindeutig seine Unsicherheit in seinem Gesicht ablesen. „Hi Kathrin, ich bin Dario und das ist mein Mann Steve." „Ja ich weiß, meine Schwiegereltern haben Fotos von euch in ihrem Haus, daher weiß ich auch, wer von euch wer ist. Freut mich wirklich, dass wir uns endlich kennenlernen. Angel und seine Geschwister haben mir bereits erzählt, wie gut ihr immer für ihn da wart. Setzt euch doch." Das mit dem Hinsetzen wird nichts, als die beiden mich erblicken. Noch immer habe ich deutliche Spuren von Dads Angriff im Gesicht. „Oh mein Gott, Angel, wes ist passiert? Wer hat dich so verletzt?" Ich antworte nicht, sondern schaue ihn nur stumm und traurig an. Daraufhin schaut er alle anderen einmal an und schlagartig entgleisen ihm alle Gesichtszüge, genau wie Steve.

„Sag mir jetzt bitte nicht, dass mein Bruder dir das angetan hat?" Mir kommen wieder die Tränen und ich schlucke schwer. „Ihr solltet euch wohl besser hinsetzen." Kian schaut die beiden vielsagend an und will gerade fortfahren, als ich ihm zuvor komme. „Vor sechs Tagen kam ich abends nach Hause und stellte fest, dass Kian, Suri und Mum nicht zuhause waren. Also ging ich in mein Zimmer, um da ein bisschen aufzuräumen. Ich wurde aber vom Klingeln meines Handys unterbrochen. Es war mein Bruder. Kian wollte hören, wie es mir geht. Und er wollte wissen, wie mein Tag war. Also erzählte ich ihm alles und plötzlich hörte ich hinter mir einen lauten Knall und dann die wütende Stimme von Dad. Dad hat mitbekommen, wie ich am Telefon über Jungs geredet habe.

Er sagte dann zu mir:

ALL MEINE BEMÜHUNGEN WAREN UMSONST? DU BIST LÄNGST EINE WIDERLICHE UND DRECKIGE SCHWUCHTEL? ICH HÄTTE DIR DIESE ABARTIGKEIT LÄNGST AUSTREIBEN SOLLEN!

Bei diesen Worten drehte ich mich zur Tür und sah ihn wütend in der Tür stehen. Er kam auf mich zu, stieß mich aufs Bett und beugte sich über mich. Dann fing er an auf mich einzuschlagen. Er traf immer wieder mein Gesicht und auch meinen Bauch. Dann..." Ich muss abbrechen, da ich das heute nicht nochmal erzählen kann.

„Da der Anruf immer noch aktiv war, konnten wir alles hören. Wir waren bereits auf dem Heimweg und ich trat aufs Gas. Als wir hier ankamen, rannte ich sofort hoch in Angels Zimmer und da sah ich, wie Dad über ihn gebeugt war und beide Hände an seiner Kehle hatte. Natürlich habe ich ihn sofort von Angel weggezogen und hier nach unten gebracht. Suri hat das die Polizei gerufen, die ihn dann mitnahmen." Kian hat zum Glück für mich übernommen, da ich nicht mehr in der Lage bin weiterzureden. Sowohl Onkel Dario als auch Steve haben Tränen in den Augen und schauen mich geschockt an. „Er wollte dich umbringen? Dein eigener Vater?" Mehr als ein Nicken bekomme ich nicht hin, während ich immer wieder schluchze.

„Ich hoffe doch, dass dieser Mistkerl bestraft wird?" Wieder ist es Kian der antwortet. „Heute war die Verhandlung. Dad wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Und da er an dem Abend betrunken war, was nicht zum ersten Mal der Fall war, wurde er dazu verdonnert, eine Therapie zu machen. Außerdem darf er sich Angel nicht mehr als 200 Meter nähern."

Dario und Steve sind zu geschockt um etwas zu sagen, stattdessen nicken sie nur.

Aber irgendwann schafft es mein Onkel als erster aus seiner Schockstarre. „Angel, warum hast du mich denn nicht angerufen? Ich hätte dir beigestanden. Das heute war doch sicher alles andere als einfach für dich." „Es tut mir so leid, dass ich mich nicht gemeldet habe, aber das alles hat mich so fertig gemacht, dass ich gar nicht daran gedacht habe es dir oder euch zu erzählen. Bitte seid mir nicht böse!" Augenblicklich kniet sich mein Onkel vor mich und greift nach meinen Händen. „Angel, natürlich sind wir dir nicht böse. Wie könnten wir dir auch böse sein? Du hast die letzten Tage so viel durchgemacht, da ist es verständlich, dass du nicht daran denkst, dich zu melden. Niemand ist sauer auf dich. Ich bin nach allem, was ich gerade gehört habe, einfach nur froh, dass es dir gut geht. Und ich bin froh, dass du das heute nicht alleine durchstehen musstest. Komm her." Ohne auf eine Reaktion von mir zu warten, packt er mich und drückt mich an sich. Das tut einfach nur gut.

„Ich hoffe, dass ihr alle Hunger habt? Steve, Dario? Ihr esst doch sicher mit, oder?" „Also wenn wir dürfen, dann würden wir uns sehr freuen." Ich bin Mum echt dankbar, dass sie die getrübte Stimmung durch ihre Frage aufgelockert hat. Wir alle gehen in die Küche und setzen uns, während Mum uns ihren leckeren Nudelauflauf serviert. Das duftet unglaublich gut und langsam überkommt mich echt großer Hunger.

Am nächsten Tag...

Der gestrige Tag ging recht gut zu Ende. Onkel Dario und Steve waren noch sehr lange da und wir haben so viel geredet. Vor allem Mum hatte ja all die Jahre nachzuholen. 20 Jahre sind eine lange Zeit und deshalb stellte Mum ganz schön viele Fragen. Sie verstand sich nach anfänglicher Nervosität von beiden Seiten sehr gut mit den beiden. Und für Suri, Kian und mich war das schön mit anzusehen. Vor allem ist es gut, dass wir jetzt nicht mehr heimlich zu unserem Onkel fahren müssen. Das ist irgendwie ein befreiendes Gefühl.

Heute habe ich mich mal wieder mit Ava verabredet. Wir wollen ins Kino gehen und dann einfach nur bei ihr abhängen. Ich verbringe in letzter Zeit echt zu wenig Zeit mit ihr. Ava soll sich nicht vernachlässigt fühlen. Meine ganze Zeit geht fast nur für Jay drauf. Ja, natürlich bin ich ihm wirklich dankbar, dass er mich so gut ablenkt, aber je mehr Zeit ich mit ihm verbringe, desto schwerer fällt es mir mich zu beherrschen, damit ich nicht schwach werde. Deshalb brauche ich heute mal den Tag Entzug von Jay. Morgen sind wir schon wieder bei ihm verabredet. Er hat mich gefragt, ob ich morgen bei ihm übernachten möchte und ich habe aus, mir völlig unerklärlichen Gründen, zugestimmt. Bin ich eigentlich bescheuert? Ich ALLEINE mit Jay! Über Nacht! Wahrscheinlich im selben Bett! Wie soll ich mich da zusammenreißen? Das kann doch niemals gut gehen oder? Ich will gar nicht daran denken.





 

Okay, es war wieder ein bisschen was los im Kapitel � Dario und Angels Mum haben sich endlich kennen gelernt �❤ was sagt ihr dazu ? Und Jay war wieder wirklich süß zu Angel � der ist doch verknallt in angel oder ?�� und Angel soll bei Jay übernachten?�� ganz alleine? Ohne Erwachsenen Aufsicht? Ob das gut geht?� was meint ihr?�❤

Bevor ich mich auf den Weg zu meiner besten Freundin machen kann, piept mein Handy wieder und sofort wird mir schlecht, denn ich ahne, was da gekommen ist. Ich soll Recht behalten, denn als ich die Nachricht öffne steht da: 8 Tage...!

Was bedeutet das, verdammt nochmal? Und von wem kommen diese SMS? Diese zwei Fragen quälen mich seit Tagen und ich finde darauf keine Antwort. Diese Tatsache macht mir von Tag zu Tag immer mehr Angst. Als ich gestern Abend im Bett lag, fing ich an, über eine ganze Menge nachzudenken. Unter anderem auch über diese komischen Nachrichten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir diese SMS Angst machen sollen. Jemand will mich einschüchtern! Deshalb habe ich überlegt, wer da in Frage kommt. Zum Einen natürlich mein Dad, aber der sitzt im Gefängnis und das schon seit der zweiten SMS. Natürlich könnte er jemanden beauftragt haben, mir diese Nachrichten zu schicken, aber ich kann mir das irgendwie nicht vorstellen.

Allerdings ist der andere Gedanke sogar noch schlimmer. LAURIN! Was, wenn er dahinter steckt? Und was, wenn diese SMS mir mitteilen, in wie vielen Tagen ich auf ihn treffen werde? Bei diesem Gedanken wird mir schlecht und schwindelig. Es fühlt sich an, als würde sich alles um mich herum drehen und ich würde jeden Moment zusammenbrechen. Seit Monaten habe ich Laurin jetzt nicht mehr gesehen und ich möchte gar nicht daran denken, was passiert, wenn ich ihm wieder begegne. Bei unserem letzten Aufeinandertreffen wollte er mich umbringen. Was, wenn er das wieder versucht oder dann sogar schafft?

Bitte, diese Nachrichten dürfen nicht vom ihm sein, ich packe das sicher alles nicht nochmal. „Angel, ist alles okay?" Ich war so im Gedanken, dass ich gar nicht bemerkt habe, dass Kian in mein Zimmer gekommen ist. „Ja klar, ich hatte nur wieder die Ereignisse der letzten Tage im Kopf. Sonst ist alles okay." So überzeugend wie möglich versuche ich diese Worte rüberzubringen. Und es scheint mir auch zu gelingen, denn Kian nickt nur verstehend, aber geht nicht weiter darauf ein. Eigentlich will ich mit jemandem über diese Nachrichten sprechen, aber ich weiß nicht, was passiert, wenn die Person erfährt, dass ich etwas erzählt habe. Deshalb schweige ich lieber. „Soll ich dich zu Ava fahren?" „Ja gerne, dann bin ich schneller da." Zusammen verlassen Kian und ich das Haus und gehen zu seinem Auto.

Auf der Fahrt reden wir zuerst nicht wirklich, aber dann ergreife ich doch das Wort. „Ich freue mich so sehr, dass Mum sich mit Onkel Dario und Steve so gut versteht. Jetzt müssen wir nicht mehr heimlich dahin und Mum hat jemanden, mit dem sie auch mal über Probleme reden kann. Das braucht sie nach der Trennung. Und ich bin froh, dass Onkel Dario und Steve nicht sauer auf mich sind, weil ich mich nicht gemeldet habe. Die Beiden hat es echt sehr mitgenommen, das alles zu erfahren." „Ja, das hat es. Aber ich denke, dass unser Onkel jetzt auch Angst hat. Jetzt wo er weiß, dass Dad dazu fähig gewesen wäre, seinen eigenen Sohn zu töten, bin ich mir ziemlich sicher, dass er sich darüber Gedanken macht, dass Dad dann auch kein Problem damit hätte, seinem Bruder etwas anzutun. Ich schätze, das würde jedem in so einer Situation Angst machen." Da hat er Recht. Was für Ängste muss Dario in sich haben, jetzt wo er weiß, wozu Dad fähig ist? Hoffentlich findet Dad niemals heraus, wo Dario und Steve wohnen, das wäre schrecklich und ich will mir nicht vorstellen, was dann passieren würde. Da ich merke, dass ich wieder Angst bekomme, versuche ich schnell das Thema zu wechseln.

„Kian? Du musst mir etwas erklären. Jay war doch im Gericht dabei und er hat gehört, was mich der Staatsanwalt alles gefragt hat und er hat meine Antworten darauf gehört. Und eigentlich hatte ich erwartet, dass er das nutzen würde, um mich weiter anzumachen, aber er hat nichts dazu gesagt, warum? Du kennst ihn besser als ich, daher hast du darauf vielleicht eine Antwort?" „Jay ist kein Unmensch, er hat gesehen wie schlecht es dir ging und das wollte er nicht ausnutzen, um dich rumzukriegen." Ich sehe meinen Bruder fragend an. „Woher willst du das wissen? Ich meine, er hat es ja nicht auf der Stirn stehen." „Du hast doch sicher gesehen, wie Jay und ich im Gericht gesprochen haben? Da sagte ich zu ihm, dass er sich benehmen soll, weil es dir verdammt mies geht und anstatt mit seinen Spielchen weiterzumachen, soll er einfach für dich da sein und dich unterstützen. Daraufhin meinte er zu mir, dass er es auch nicht anders vorhatte. Denn er ist nicht der Typ, der sowas ausnutzt. Aber Angel? Er hat registriert, was der Anwalt gefragt hat und was deine Antworten waren. Jay weiß, dass du Interesse an ihm hast und er hat mir deutlich klargemacht, dass er dich will. Aber er hält sich relativ zurück, weil du mein Bruder bist und ich einer seiner besten Freunde. Fakt ist: Er will dich! Aber da er kein Beziehungs- und Liebestyp ist, will er dich in seinem Bett haben. Ich kenne ihn und weiß, dass er nicht aufgeben wird, bis er hat, was er will. Du hast im Grunde nur zwei Möglichkeiten. Entweder sagst du ihm ganz deutlich, dass er damit aufhören und dich in Ruhe lassen soll oder du lässt dich auf ihn ein. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht. Du und ich wissen aber beide, dass du es nicht übers Herz bringen kannst, ihn endgültig abzuweisen, da du seine Nähe und die vertrauten Momente mit ihm zu sehr genießt. Du musst dich entscheiden!"

Ich starre meinen Bruder mit aufgerissenem Mund an. „Er hat dir ganz deutlich gesagt, dass er mich will? Kian, ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich bin total in ihn verliebt, aber ich weiß, dass er niemals genauso fühlen wird. Deshalb will ich mich eigentlich nicht auf ihn einlassen. Aber alles in mir will ihn und das so sehr, dass es mir den Verstand raubt. Was würdest du an meiner Stelle tun?" „Ich weiß es nicht, aber eins weiß ich. Dich behandelt er komplett anders als alle anderen, die er sonst ins Bett bekommen wollte. Es ist ihm unglaublich wichtig, dass er dir nicht wehtut. Er gibt sich unglaublich große Mühe, für dich da zu sein, unterstützt dich, wo er nur kann. Du bist irgendwie anders für ihn als die Anderen. Das kannst du zu deinem Vorteil nutzen, wenn du es geschickt machst. So, wir sind da. Viel Spaß und grüße Ava. Bis heute Abend." Ich habe gar nicht gemerkt, dass wir zum Stehen gekommen sind. Irritiert steige ich aus und verabschiede mich dann von ihm. Auf dem Weg zur Haustüre sehe ich, dass Ava wohl schon am Fenster auf mich gewartet hat, denn die Türe wird aufgerissen und meine beste Freundin strahlt mich an. „Na endlich bist du da. Ich freue mich schon die ganze Zeit darauf, endlich wieder was mit dir zu unternehmen. Komm endlich rein oder willst du draußen Wurzeln schlagen?" Ohne auf eine Antwort zu warten, reißt sie mich ins Haus und schließt die Türe. „Setz dich, willst du was trinken?" Ich nicke grinsend und sie verschwindet blitzartig in der Küche, doch kommt nach ein paar Sekunden schon wieder. „Also erzähl, wie läuft Mission: Jay wiederstehen?" Sie grinst und ich funkle sie gespielt böse an. „Hör auf zu grinsen. Es läuft eher so semi erfolgreich. Jay versucht alles, um mich rumzukriegen, aber ich versuche standzuhalten. Allerdings denke ich, je mehr Zeit ich mit ihm verbringe, desto gefährlicher wird es. Und morgen schlafe ich bei ihm, davor habe ich besonders Angst. Was, wenn es dann passiert? Was, wenn ich es nicht mehr schaffe ihm zu widerstehen?"

„Du musst dich einfach entscheiden, was du willst. Willst du Jay und findest dich damit ab, dass ihr nie mehr als Sex haben werdet? Oder distanzierst du dich von der ganzen Sache und wirst niemals die Chance haben, ihm nahe zu sein." Ich lasse mich stöhnend auf ihrer Couch nieder und sehe sie verzweifelt an. „Ich weiß einfach nicht was ich machen soll, Ava, ich weiß nicht, was das Richtige ist. Aber vielleicht weiß ich es, wenn ich morgen bei ihm bin." „Ja genau, vielleicht wirst du morgen endlich deine Antwort finden. Hauptsache, du wirst nicht verletzt. Tut er dir weh, dann reiße ich ihm die Eier ab." Ich lache lauf auf und stelle mir das gerade bildlich vor. "Da musst du dich glaube ich hinten anstellen. Wenn er mir wehtut, dann lässt Kian dir wahrscheinlich nichts mehr übrig." Wir bekommen beide einen Lachkrampf bei der Vorstellung, wie Jay vor Kian wegläuft, um nicht verprügelt zu werden.

Der restliche Tag verläuft super und wir haben unglaublich viel Spaß. So viel wie heute habe ich schon lange nicht mehr gelacht. Es sind heute eine ganze Menge peinliche Fotos von uns entstanden, die man problemlos gegen uns verwenden kann. Die müssen auf jeden Fall dringend unter Verschluss bleiben, sonst wird das ganz schön peinlich für uns. Bei dem Gedanken fange ich wieder an zu lachen. Zum Glück sitze ich alleine in meinem Zimmer, sonst würde mich noch jemand für komplett bescheuert erklären. Es ist knapp 18 Uhr und ich weiß gerade nichts mit mir anzufangen. Eigentlich wäre ich noch bei Ava, aber bei ihr Zuhause ist wohl dicke Luft, weil es Probleme auf der Arbeit ihres Dads gibt. Da haben wir entschieden, dass ich besser nach Hause gehe. Also sitze ich jetzt hier und überlege was ich machen soll.

Mein Handy klingelt, weshalb ich mich erschrecke. Aber nach einem kurzen Moment fange ich mich wieder und krame es aus meiner Hosentasche. JAY! Sofort schlägt mein Herz schneller als ich seinen Namen auf dem Display sehe. Nervös gehe ich dran, aber versuche natürlich meine Nervosität am Telefon zu unterdrücken.

„Hey Jay, was gibt's?" „Es gibt eine kleine Planänderung, wenn du damit einverstanden bist. Meine Eltern wollen morgen irgendwelche Mitarbeiter einladen, dass bedeutet ich muss als Sohn natürlich dabei sein. Aber meine Eltern sind gerade aufgebrochen, um einen schönen Abend zu zweit zu verbringen. Die kommen die nächsten Stunden auf keinen Fall wieder. Hast du Lust, heute schon bei mir zu übernachten? Ich würde dich auch abholen?" Mein Mund ist eindeutig schneller als mein Gehirn, denn die Antwort kommt eindeutig zu schnell. „Ja klar!" „Okay, ich freue mich. Pack alles zusammen was du brauchst, ich bin in einer halben Stunde da. Muss noch kurz was mit Lucien klären." „Alles klar, bis gleich." Ich lege auf und lasse mich aufs Bett fallen. Bin ich eigentlich bescheuert? Heute schon bei Jay übernachten? Das geht doch auf keinen Fall gut. Aber ich kann ihm jetzt nicht mehr absagen, mal abgesehen davon, dass ich das auch gar nicht will. Was, wenn er mich heute wieder küsst? Da meine Nase nicht mehr wehtut, wird sie uns nicht unterbrechen. Jetzt wünsche ich mir aber, dass sie noch wehtun würde, so würde schlimmeres verhindert werden.

Verdammt, ich sollte doch meine Sachen packen. Er kommt sicher gleich schon.

In Windeseile packe ich das Nötigste zusammen und gehe dann schon mal runter ins Wohnzimmer, wo ich direkt fragend von meiner Familie angesehen werde. „Nanu, wo geht es denn hin?" Mum sieht fragend meine Tasche an. „Jay hat angerufen und gefragt, ob ich heute schon bei ihm übernachten will. Morgen haben seine Eltern wohl irgendwas geplant, wo er brav dabei sein muss. Deshalb wollte er unser Treffen gerne auf heute verschieben. Darf ich, Mum?" „ Klar, viel Spaß. Kommt er dich holen?" Ich nicke nur und setze mich dann zu meinen Geschwistern auf die Couch. „Ich würde ja sagen, pack Gleitgel ein. Aber wie ich Jay kenne, hat er welches da." Kian grinst und ich schlage ihm kräftig auf den Arm. „Du bist so ein blödes Arschloch, Kian. Es wird nichts laufen!" „Ist klar! Ich frage dich dann morgen, ob was gelaufen ist." Bei seinen Worten schlucke ich, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich mein Wort halten kann. Jetzt, wo ich weiß, dass ich bei ihm übernachte, schreit mein Körper noch stärker nach ihm. Und ich denke nicht, dass ich mich noch lange dagegen wehren kann. „Kian, hör auf deinen Bruder zu ärgern." Mums Stimme klingt zwar ernst, aber als ich sie ansehe, grinst sie ebenfalls. Na toll, nicht mal Mum kann ernst bleiben.

Vom Klingeln der Tür werde ich aufgeschreckt und noch bevor ich überhaupt reagieren kann, springt Kian auf und geht zur Tür. Natürlich folge ich ihm, bevor er noch auf komische Ideen kommt. „Hi Jay." Hi Bro. Angel, bist du soweit?" „Ja, auf jeden Fall, wir können sofort los." Ich rede viel zu schnell und meine Schritte sind ebenfalls schnell, als ich mich an Kian vorbeischiebe und zu Jays Auto gehe. Kian und Jay lachen beide, aber das ignoriere ich, so gut es geht. „Viel Spaß euch und denkt dran, Angel sollte morgen noch sitzen können, wenn es geht." Ich fahre herum und werfe meinem breit grinsenden Bruder einen vernichtenden Blick zu. „Leck mich, Kian." „Ne du, lass mal. Das übernimmt doch sicher jemand anderes." Ich nehme den Football, der auf der Wiese vom Vorgarten liegt und werfe damit Kian ab. Da er sich bereits umgedreht hat, um zu gehen, erwischt der Ball ihn am Hinterkopf, was mich diabolisch auflachen lässt. Ich zeige ihm den Mittelfinger, als er sich die offenbar schmerzende Stelle haltend umdreht. Hat er jetzt davon. Blöder Arsch! Jay grinst nur stumm und denkt sich wahrscheinlich seinen Teil.

„Alles gut? Oder bist du wegen irgendwas nervös?" Jay grinst und ich schaue nur stur aus dem Fenster. „Nö, alles bestens. Gibt doch auch keinen Grund, nervös zu sein. Wir verbringen doch nicht das erste Mal Zeit miteinander." „Das stimmt, aber du schläfst zum ersten Mal BEI mir." Er betont das „Bei" extra und legt währenddessen seine Hand auf mein Bein. Allerdings nicht in der Nähe des Knies, sondern verdächtig weit oben. Und anstatt sie einfach nur ruhig zu halten, streichelt er sanft meinen Oberschenkel und wandert dabei immer weiter nach oben und nach innen. Scheiße, das endet garantiert böse heute. Ich kann und will mich nicht dagegen wehren, also lasse ich es stumm zu, während ich weiter aus dem Fenster gucke und so tue, als würde seine Handlung gerade nicht 100000 Schmetterlinge durch meinen Bauch jagen.



 

Oha, jetzt wird es glaube ich wirklich ernst für Angel. Alles deutet doch daraufhin, dass Jay heute alles tun wird um Angel rumzukriegen oder? Was meint ihr?�❤

"Du hast aber schon bei mir geschlafen. Also ist das ja auch nichts Neues." Ich lache belustigt und auch etwas siegessicher auf. „Ja, das stimmt schon, aber da ging es dir beschissen und ich habe mich zusammengerissen und war brav. Das habe ich heute nicht vor." Geschockt reiße ich meine Augen weit auf und schlucke hart, als er mich siegessicher angrinst. Scheiße! Ich bin definitiv geliefert. Mein Gehirn sagt mir immer noch, dass es nicht richtig ist, aber mein ganzer Körper sieht das ganz anders.

„Entspann dich, Kleiner, ich werde nichts tun, was du nicht willst. Und dich auch nicht zu irgendwas zwingen. Das wäre nämlich Vergewaltigung und das würde ich niemals tun. Wir sind übrigens da." Ich schaue mich irritiert um und stelle fest, dass er Recht hat. Wow, ich habe gar nicht mitbekommen, dass wir schon eine Weile gefahren sind.

Damit er mich nicht wieder wie beim letzten Mal auffordern muss, steige ich hastig aus dem Auto aus. Und genau wie bei meinem ersten Besuch hier bin ich auch jetzt wieder fasziniert von diesem gigantischen Haus. Jay schließt auf und wir gehen schweigend hinein. Auch wenn ich mich beim letzten Mal schon umgesehen habe, lasse ich meinen Blick wieder umher wandern. Dieses Haus ist toll. Und irgendwie passt es zu Jays Ruf. Jay ist der König unserer Schule und das hier ist ein Zuhause, eines Königs würdig.

Als wir in seinem Zimmer ankommen, steure ich instinktiv das Bett an, aber entscheide mich doch dagegen, sonst kommt Jay wieder auf irgendwelche Ideen. Also mache ich einen Schlenker nach links und setze mich auf die kleine Couch. Dort ziehe ich meine Jacke aus und lege sie auf die Lehne.

„Willst du was trinken, Angel?" „Ja, eine Cola wäre toll." Er nickt nur und geht dann zu seiner Minibar, die mir beim letzten Mal übrigens nicht aufgefallen ist. Dort holt er dann eine große Flasche Cola heraus und stellt diese auf den kleinen Beistelltisch vor der Couch. „Ich habe gerade festgestellt, dass ich keine Gläser mehr hier oben habe. Hole kurz welche. Nicht weglaufen, bin sofort wieder da." Und schon ist er verschwunden.

Seine Abwesenheit nutze ich, um mich ein bisschen umzusehen. Was man Jay gar nicht zutraut, er hat ein ziemlich großes Bücherregal in seinem Zimmer. Das fand ich schon beim letzten Mal interessant, aber jetzt entscheide ich mich dazu, mal ein wenig zu stöbern. Er besitzt echt viele Bücher. Und hier findet sich wirklich alles Mögliche. Von Krimis, über Romane, zu Thriller bis hin zu Horror. Aber er hat auch eine Menge Sachbücher. Bücher über Tiere, über Planeten, über die Natur, über Architektur, Musik und noch so einiges mehr. Es ist echt interessant, wie breit gefächert die Auswahl ist.

„Du kannst dir gerne mal etwas ausleihen, wenn dir was gefällt." Ich drehe mich zu ihm und schaue ihm dabei zu, wie er beide Gläser mit Cola füllt und mir dann ein Glas reicht. Dankend nehme ich es an und wende mich dann wieder den Büchern zu. „Du hast auch Bücher über Architektur? Ich dachte das würde dich nicht so interessieren." „Tut es auch nicht, aber Mum und Dad haben sie mir damals geschenkt, um mein Interesse zu wecken. Hat nur nicht funktioniert." Wir lachen beide und mir schießt eine Frage in den Kopf, die ich ihm schon letztes Mal stellen wollte. „Du sagtest beim letzten Mal, dass du nicht in die Fußstapfen deiner Eltern treten willst, aber du hast nicht erzählt, was du stattdessen machen willst. Ich vermute jetzt zwar mal ganz stark, dass du etwas im Rampenlicht und begleitet von tosendem Applaus machen willst, aber was genau würde ich gerne wissen?"

„Du irrst dich tatsächlich Angel. Ich habe zwei Sachen im Kopf. Entweder irgendwann Football Coach an unserer Schule oder ein eigenes Fitnessstudio aufmachen. Aber kann mich noch nicht so wirklich für eine Sache entscheiden." Mit großen Augen und offenem Mund schaue ich ihn an. „DU? Du könntest ein weltberühmter Footballstar werden, dem die Frauen und schwulen Männer nur so hinterherlaufen. Damit könntest du super erfolgreich werden und du willst Coach an unserer Schule werden oder ein Fitnessstudio aufmachen? Das hätte ich jetzt echt nicht erwartet." „Weißt du, klar klingt das verlockend, aber ich möchte das die Menschen mich für das schätzen was ich tue und kann und nicht dafür, dass ich gut aussehe." „Klar, weil es dich ja auch so krass stört, dass man dich auf dein Aussehen reduziert." Ich grinse ihn breit an und strecke ihm die Zunge raus, was ihn zum Lachen bringt.

„Du hast natürlich Recht und ich genieße es, dass mich die Leute geil finden. Wenn du Teenager bist, dann ist das toll und so. Aber auf Dauer bringt dich das auch nicht weiter. Daher möchte ich was machen, woran ich Spaß habe und womit ich auch richtige Anerkennung bekommen kann." Das klingt tatsächlich einleuchtend, aber es ist einfach so überraschend, dass es ausgerechnet von ihm kommt.

„Was willst du denn später mal machen, Angel?" Da muss ich tatsächlich überlegen, denn so wirklich habe ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht.

„Das weiß ich ehrlich gesagt noch gar nicht. Irgendwas Kreatives wahrscheinlich. Musik oder was mit Mode oder sowas. Aber was genau, keine Ahnung." „In der Musik kann ich mir dich echt gut vorstellen, da du ja auch echt gut singen kannst. Aber auch Mode würde echt zu dir passen. Wenn du da mal eine Unterwäschekollektion rausbringst und ein sexy Männermodel brauchst,..." „Dann rufe ich dich an, ja!" Ich war einfach mal so dreist, ihn zu unterbrechen, was uns wieder beide lachen lässt. Jay lässt sich auf die Couch fallen und klopft auf den freien Platz neben sich. Ich komme der stummen Bitte nach und setze mich. Doch während Jay sich lässig nach hinten lehnt, bleibe ich nach vorne gebeugt sitzen. „Hast du mal mit deiner Familie über diese Ideen gesprochen, Angel? Kian, Suri, deine Mum und deine beiden Onkel würden dich doch sicher unterstützen, oder?" „Ja, sie meinten immer, ich soll meine Träume verwirklichen und sie helfen mir, wo sie nur können. Dafür bin ich ihnen echt dankbar, aber trotzdem denke ich, dass Mum hofft, ich mache etwas Bodenständiges." Jay nickt verstehend und schaut dann fast nachdenklich aus. „Da sind unsere Eltern wohl gleich, nur dass meine hoffen, ich würde irgendwann doch ins Familienunternehmen einsteigen. Ich meine, immerhin haben sie drei Kinder, wovon nur eins daran Interesse hat. Ich interessiere mich überhaupt nicht dafür und meine Schwester ist ein totaler Reinfall. Sie setzen all ihre Hoffnungen jetzt in meinen Bruder." „Warte mal, du hast noch eine Schwester? Ich dachte, da gibt es nur David? Wieso hast du noch nie über deine Schwester geredet?" Jay wirkt bei meiner Frage irgendwie angespannt. „Wir reden seit knapp zwei Jahren nicht mehr miteinander. Sie hat sich von der Familie abgekapselt und sich den Drogen und Alkohol zugewandt. Ich sehe sie ab und zu auf Familienfeiern und da grüßt man sich, aber das eher sehr unterkühlt. Sie ist aber selber schuld, wenn sie sich so scheiße verhält. Dafür habe ich ein tolles Verhältnis zu David, worüber ich froh bin. Meine Schwester brauche ich nicht."

An seinem Ton merke ich, dass er nicht weiter darüber reden will, daher lasse ich das Thema dann auch. Plötzlich knurrt mein Magen, da ich heute noch nicht allzu viel gegessen habe. Jay nimmt dieses Knurren auch wahr und lächelt. „Hunger?" Ich nicke nur. „Ich ehrlich gesagt auch. Hast du Lust, was zusammen zu kochen? Ich mache eine sehr beliebte Nudelpfanne, also beliebt in dieser Familie und bei der Clique. Interessiert?" Ich nicke fasziniert. Er kocht? Wow, ich glaube, ich verliebe mich gerade noch mehr in diesen Kerl. Er überrascht mich wirklich immer mehr.

Ich folge ihm in die Küche und bin echt gespannt, was er so zaubern wird.

Okay wow, die Küche ist krass. Sie ist so groß wie mein Zimmer und unser Wohnzimmer zusammen, also verdammt groß. Die Schränke sind weiß gehalten und glänzen. Die Küchengeräte wie Ofen, Spülmaschine, Kühlschrank und Spüle sind aus Edelstahl und mitten im Raum ist eine riesige Kochinsel, wo dann auch nochmal ein Ofen, Spüle und eine Spülmaschine zu finden sind. Die Wände sind in einem schönen Mintgrün. Die Essecke besteht aus einem Tisch an dem mindestens sechs Leute Platz haben. Und sowohl Stühle als auch Tisch sind aus hellem Holz. Welche Art Holz kann ich allerdings nicht sagen, damit kenne ich mich nämlich nicht aus. Diese Küche ist auf jeden Fall ein absoluter Traum.

Ich bin so in Gedanken und begeistert von der Küche, dass ich gar nicht mitbekomme, dass Jay längst angefangen hat, sich alle Zutaten und Küchenwerkzeuge zurecht gelegt hat. „Sorry, ich habe nur eure tolle Küche bewundert. Wie kann ich dir helfen? Was soll ich tun?" „Kein Problem, jeder bewundert diese Küche, der sie zum ersten Mal sieht. Ehm, du kannst gerne schon mal die Tomaten waschen und dann in kleine Würfel schneiden und danach die Paprika." „Okay, mach ich." Wie aufgetragen wasche ich erst die Tomaten und dann die Paprika, bevor ich beides in kleine Würfel zu schneiden beginne. Als die Tomaten fertig geschnitten sind, reiche ich sie Jay, damit er sie in die Pfanne geben kann, wo er bereits kleingeschnittenes Hähnchenfleisch mit Öl angebraten hat. Danach gab er noch Zwiebeln dazu und jetzt gibt er die Tomaten dazu. Doch irgendwann stoppt er und grinst diabolisch, während er von den Tomatenstücken zu mir und wieder zurück sieht. Er wird doch nicht etwa?

In dem Moment, wo mich zwei Tomatenstücke im Gesicht treffen, weiß ich, dass er es sehr wohl tut. Das bedeutet Rache. Ich nehme mir eine Hand voll Paprika und werfe ihn ebenfalls ab. So geht das ein paar Mal hin und her, bis wir uns dann entscheiden doch mal weiterzumachen. Das Essen kocht sich schließlich nicht von alleine.

Während ich immer wieder in der Pfanne rühre, damit nichts anbrennt, beseitigt er die Spuren unserer kleinen Eskalation. Die Aufräumaktion nutzt er, um wieder mit seinen Spielchen zu beginnen. Denn er stellt sich mit dem Rücken zu mir gewandt genau neben mich und bückt sich sehr langsam und provokant. Natürlich starre ich auf seinen Hintern. Glaubt ihr echt, ich würde das jetzt nicht ausnutzen? Ich kann halt nicht anders. Jay erhebt sich wieder und geht an mir vorbei und dabei streift er, natürlich nur ganz zufällig, mit seiner Hand meinen Hintern. Diese Geste lässt mich leicht zusammenzucken und mir das Blut wieder etwas nach unten schießen. Natürlich reicht ihm das noch nicht, denn er steht hinter mir und greift nach etwas das vor mir auf der Küchenzeile liegt. Dabei drängt er sich sehr nah an mich und drückt mich sanft gegen die Platte. Mit pochendem Herzen lasse ich es geschehen.

Eine Stunde später...

Wir haben gegessen und ich habe ordentlich zugeschlagen. Aber es war auch verdammt lecker. Jay kann wirklich echt gut kochen. Zum Nachtisch hat er noch Schokoladeneis rausgeholt, welches wir jetzt gerade genüsslich in seinem Zimmer essen. Oder besser gesagt, ich esse das Eis, während Jay mit seinen Provokationen weitermacht. Fast jeden Löffel nimmt er auf so erotische Weise zu sich, dass es mich schon wieder wahnsinnig macht. Er lässt seine Zunge immer wieder mit einem lasziven Blick über den Löffel gleiten, was meinen Puls in die Höhe schießen lässt. Ich kann nicht anders als ihn zu beobachten. Das merkt er natürlich, weshalb er seine Show noch wilder fortführt. Ich beiße mir nervös auf die Unterlippe und sehe ihm dabei zu wie er seine mittlerweile leere Schüssel auf den Tisch stellt.

Da meine auch bereits leer ist, stelle ich sie daneben. Und als ich mich nach vorne beuge, um sie abzustellen, spüre ich seine Hand wieder an meinem Hintern, wie sie mit dem Finger kreisende Bewegungen auf meiner Arschbacke macht.

Mein Gehirn schaltet auf Flucht, welche ich auch sofort ergreifen will. „ Jay, ich gehe wohl doch besser nach Hause. Bei dir zu schlafen scheint wohl keine gute Idee zu sein."

Ich springe auf und bewege mich schnellen Schrittes auf die Tür zu. Doch noch bevor ich sie öffnen kann, steht Jay schon hinter mir und stemmt sich mit beiden Armen dagegen. Auf diese Weise schließt er mich zwischen sich und der Tür ein. Eine Flucht ist damit unmöglich. Ruckartig drehe ich mich zu ihm.

„Vergiss es, Angel! Ich lasse dich nicht einfach so gehen. Sei endlich ehrlich." „Ehrlich? Ich weiß nicht was du meinst." Verzweifelt versuche ich nicht nervös und unsicher zu klingen, aber das gelingt mir glaube ich nicht so gut. „Doch, das weißt du. Sag endlich, was du willst. Sag endlich, dass du mich willst und hör auf, dich ständig rauszureden." Als er seinen Körper an meinen presst schlucke ich schwer und versuche nach Worten zu ringen, doch über meine Lippen kommt kein einziger Ton.








 

Okay, bevor wir über das letzte Stück vom Kapitel reden� was sagt ihr zu Jays " Drohung " am Anfang, dass er sich nicht zusammenreißen wird?

Jay hat eine Schwester, zu der das Verhalten aber beschissen ist� was denkt ihr warum? Steckt da vllt noch viel mehr hinter? �❤

Und jetzt reden wir natürlich über den letzten Teil des Kapitels� jetzt legt Jay es wirklich drauf an oder? ��� wird Angel stark bleiben und ihn erneut abweisen? Oder bekommt Jay jetzt was er will? ANGEL INS BETT!!! Was meint ihr?�❤

Kurze Ankündigung �� ich habe so ganz dezent Angst vor dem nächsten Kapitel ���� ihr werdet mich hassen�❤ Es kommt kein gewöhnliches Kapitel online � NEIN ! Es wird nur ein winzig kleines mini Kapitel. Noch nicht einmal 500 Wörter ����❤❤ und dann müsst ihr wieder zwei Tage warten bis wieder ein richtiges Kapitel kommt ��❤ Ja ich bin fies��❤�

Er ist mir so nah, dass ich seinen Atem auf meinem Gesicht spüren kann. Als er sich erst leicht in die Lippe beißt und dann darüber leckt, spüre ich, wie mir immer wärmer wird. Wir schauen uns tief in die Augen und mein Herz rast immer schneller. Noch immer seinen Körper an meinen pressend fängt er langsam an, sein Becken an meinem zu reiben, bevor er mit seinem Gesicht wieder Richtung Ohr und Hals wandert, so wie letztens in der Umkleide.

„ Wir beide wissen, dass du letztens in der Umkleide nicht einfach nur so reagiert hast, weil du noch keine Erfahrung hast und plötzlich ein halb nackter Kerl vor dir stand. Es hätte jeder andere an meiner Stelle sein können und du hättest nicht so reagiert. Du hast einen Ständer bekommen und zwar nur meinetwegen. Und warum? Weil du mich willst. Du sehnst dich danach von mir geküsst und berührt zu werden. Rausreden bringt dir nichts, Angel, du stehst auf mich, gib es endlich zu. So schwer ist das nicht. Auch wenn du es vielleicht nicht denkst, aber ich merke, wie du mich ständig ansiehst und ich weiß das du im Gericht mich meintest"

Noch immer schweigend schlucke ich immer wieder schwer und spüre wie meine Knie immer weicher werden. Dann höre ich wieder seine Stimme, aber diesmal direkt an meinem Ohr.

„ICH WILL DICH ANGEL!" Er knabbert leicht an meinem Ohrläppchen, was mir erst recht das Blut nach unten treibt und das wird nicht besser, als er anfängt meinen Hals zu küssen. Als er mir wieder in die Augen sieht, kann ich deutlich einen gierigen Blick erkennen. „Wie ich schon sagte, ich werde dich zu nichts zwingen. Und wenn du mir hier und jetzt ganz klar und deutlich sagst, dass du nichts von mir willst, und dass ich das lassen soll, dann werde ich aufhören. Dann werde ich keine Aktionen mehr starten, dann sind wir einfach nur ganz normale Freunde. Es ist deine Entscheidung." Wieder beginnt er meinen Hals zu küssen und auch wieder sein Becken an meinem zu reiben. Mein Kopf, der sonst immer wieder nach Vernunft schreit, ist nun endgültig verstummt und alles was ich wahrnehme sind mein unnormal schneller Herzschlag sowie Puls, das Blut, welches mir immer weiter nach unten schießt und dort etwas in Bewegung setzt, meine Knie, die immer weicher werden, die unzähligen Schmetterlinge in meinem Bauch, die Samba zu tanzen scheinen und Jays Lippen an meinem Hals. „I...ich, ich will...!" Er stoppt und sieht mir wieder in die Augen. Sein Becken presst er dagegen immer heftiger gegen meines. „ Ja? Was willst du, Angel?"






 

So hier ist das angedrohte Mini Kapitel ��� ich geh mich schon mal verstecken����

Jetzt geht Jay aber endlich so richtig ran oder ? Wird Angel immer noch hart bleiben oder wird das nächste Kapitel nicht jugendfrei?�� was denkt ihr?�❤�

Feedback

Logge Dich ein oder registriere Dich um Storys kommentieren zu können!

0
Deidaras Profilbild
Deidara Am 10.02.2021 um 18:44 Uhr Mit 4. Kapitel verknüpft
Huuu jetzt wird es langsam spannend.
Blackstars Profilbild
Blackstar (Autor)Am 12.02.2021 um 19:04 Uhr
danke ;) freut mich:)
0
Deidaras Profilbild
Deidara Am 06.02.2021 um 13:14 Uhr Mit 3. Kapitel verknüpft
Jetzt liest es sich schon besser. Absätze sind wichtig, der Leser fühlt sich sonst vom Text erschlagen.
Blackstars Profilbild
Blackstar (Autor)Am 08.02.2021 um 12:55 Uhr
die Kapitel haben eigentlich auch Absätze, aber hatte mit Handy hochgeladen und da waren die Absätze plötzlich weg:D...
0
Deidaras Profilbild
Deidara Am 01.02.2021 um 11:24 Uhr Mit 1. Kapitel verknüpft
Huhu, na wen haben wir denn hier? Dich kenne ich doch.

Mach unbedingt mehr Absätze, so liest es sich schwer und wirkt überladen.
Ansonsten ist die Idee aber bisher ganz süß und ich werde dranbleiben.
Blackstars Profilbild
Blackstar (Autor)Am 01.02.2021 um 12:16 Uhr
Ja hi � danke für den Tipp mit dieser Seite � es freut mich sehr, dass es dir bis jetzt gefällt:)

Autor

Blackstars Profilbild Blackstar

Bewertung

3 Bewertungen

Statistik

Kapitel:21
Sätze:162
Wörter:1.733
Zeichen:9.742

Kurzbeschreibung

Angel ist 16 Jahre alt und ein Außenseiter. Das bekommt er vor allem wegen der Mobbingattacken, die er täglich auf seiner Schule ertragen muss, zu spüren. Da er sehr darunter leidet, beschließt seine Familie deshalb vom Stadtrand in das Zentrum von Los Angeles zu ziehen. Angel lebt sich relativ schnell ein und findet neue Freunde. So kommt es auch dazu, dass Angel den beliebtesten Jungen der Schule trifft. Den coolen Mädchenschwarm Jay. Er spürt sofort, dass Jay ihm sehr gefällt und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Doch wie sieht Jay das Ganze? Haben die Gefühle von Angel überhaupt eine Chance? (LGBTQ-Geschichte, Postingtage: montags, mittwochs und freitags)

Kategorisierung

Diese Story wird neben Drama auch in den Genres Liebe, Erotik gelistet.