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#Writeinktober2019

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14.10.2019 19:38
In Arbeit

Goldene Zeiten
Klingt gut in ihren Ohren
Goldene Zeiten
Angst und Hemmungen verloren
Goldene Zeiten
Aus Gier und Überschwang geboren
Goldene Kleider
Das beste Schaf geschoren

 

Goldene Zeiten
Triumph von Mut und Verstand
Goldene Zeiten
Und ein ewiger Kampf
Goldene Zeiten
Und kein Gedanke daran
Dass man Gold nicht essen kann

Geh du als Beispiel uns voran
Ein Muster an Verständnisfülle
Hast dir Mund und Finger nie verbrannt
Du gibst der Leere eine Hülle

 

Geh du als Führer uns voran
Ein Muster an Entscheidungsstärke
Gefühlte Sicherheit schlägt Sachverstand
Du gehst mit Leidenschaft zu Werke

 

Steh du als Retter hinter uns
Ein Muster an Verlässlichkeit
Ein starkes Band verbindet uns
Du bist zu Opfern stets bereit

Du bist so müde und frustriert
Als hättest du aus Überzeugung
Und in Gruppen involviert
In purer Kraft- und Zeitvergeudung
Dich politisch engagiert
Dir die dümmsten Argumente
Ausreden und spottgetränkten
Schmähungen dir angehört
Und sie sachlich-rational,
ruhig, doch bestimmt pariert
Als hätt‘ es einen interessiert

 

Du bist so müde und zerrissen
Als hätt’st du mit dir ringen müssen
Die Dinge nicht so stehn zu lassen
Wie sie schon seit Jahren stehn
Bis sie mit uns untergehn

Ich will keinen Panzer trage
Den ich mir aus Kälte schmiede
Mit Schuldzuweisung mir verdiene
Und mit Gleichmut schön verziere

 

Ich will nicht im Keller wohnen
Wo ich die Gitter dekoriere
Jedes Missgefühl verliere
Und kein Leid mehr muss verspüren

 

Ich will mich nicht optimieren
Nicht die Taubheit honorieren
Nicht den Zustand ignorieren
Und Scheitern pathologisieren

Größer als die Angst, nicht geliebt zu werden
Ist die Angst, nicht lieben zu können
Kann Persönlichkeit den Charakter verderben
Oder macht der Druck und beklommen
Den Ängsten zu trotzen
Statt sie gelöst zu bekommen

 

Brauch ich dich, um meine Sünden zu entschuldigen
Oder sie, um dich bei mir zu halten
Welchen Göttern soll man huldigen
Wie sollen wir die Welt gestalten
Mehr sein, als nur hohle Worte
Mehr bewirken als rohe Gewalten

Sie wollen euch besiegen
Beschützen und beherrschen
Sie nennen es „Verlieben“
Wenn sie euch
Vor den Augen und Gedanken
Vor euch selbst und vor den andren
So gut es geht, verbergen

 

Sie wollen euch besiegen
Unterhalten, unterdrücken
Sie haben sich entschieden
In eurem Sinn
Für euch zu reden und zu denken
Euch zu halten, zu beschenkten
Euch immer weiter zu entrücken

Zeit sickert wie Blut aus der zerschlagenen Uhr
Bin ich schon oder bin ich nur
Der Riss, der deine Persönlichkeit spaltet
Der in dir eine Ahnung von Unbehagen entfaltet
Bin ich schon Frau unter Menschen
Fremd unter Gleichen
Ein Zwinkern am Bahnhof
Verschobene Weichen
Vom Weg abgekommen
Termine vergessen
Ein Licht ganz verschwommen
Zeigt pures Entsetzen
Zersplitterte Gläser
Zerrissener Schmuck
Es sickern Sekunden
Aus offenen Wunden
Wie Speichel, wie Blut

Was erreicht man, wenn man glücklich wird?
Außer das Unglück der andren zu meiden
Auf dass es dir nicht den Tag verdirbt
Wer hat das denn zu entscheiden?
Euphorie durch Ignoranz
Ist das noch zu beneiden?
Oder blamierst du dich nur ganz
Uns das so ungeniert zu zeigen?

Ich weiß nicht, ob ich frei oder verloren bin
Allein mit mir die Zeit verbringen
Scheint zerstörerisch und doch zugleich
Heilsam wie die Nacht zu sein
Mit dir würd ich mich einsam fühlen
Oder doch bedroht vom Zwang
Deine Seele anzurühren
Damit du meine sehen kannst
So mag ich denn geblendet sein
Für solcherlei Geschichte
Die Zeit mag wohl verschwendet sein
In der ich für dich dichte

Ich will das Gedicht
Von innen heraus
Vom Kern bis zur Schale
Als wirren Bericht
Als Schmerzen im Bauch
Als Krankheit zum Grabe
Zersetzen, zerstören, zertrümmern
Und habe
Dazu mir ein neues Handwerk erfunden
Die Grenzen von Sinn und Bedeutung
Im Text überwunden
Mein Zweifel, mein Ekel, mein Zorn, mein Ruin
I’m a cliché, you know what I mean
Ich will ohne Sprache
Ganz ohne Belastung
Durch tiefe Betrachtung
Und ohne Verständnis
Und ohne Verhältnis
Zu jenen, die ständig
Auch ohne Bedrängnis
Mit Vorsicht sich zieren
Und jeden Gedanken erst relativieren
Die Fassung verlieren
Drum will ich zerschlagen
Das ewige Aber
Das dumme Gelaber
Vom unbestimmten, unklaren
Unwidersprochenem Unbehagen
Zwischen den Zeilen
Und ach überhaupt
Gibt es denn einen
Der Dichtung noch braucht?

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suedeheads Profilbild suedehead

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Kapitel:10
Wörter:605
Zeichen:4.100

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Oktober 2019. Jeden Tag ein Gedicht. Regeln wie gehabt.

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