Monster

Kurzbeschreibung:
Trigger-Warnung: Sexuelle Gewalt, Mobbing

Autorennotiz:
Trigger-Warnung: Sexuelle Gewalt, Mobbing

Am 8.7.2019 um 20:56 von Katzenhai auf StoryHub veröffentlicht

1. Kapitel: Eine Geschichte über Monster

Als sie ein Kind gewesen war, war alles einfacher. Sie hatte gedacht, dass die Monster unter der Treppe lebten. Dass sie nach ihren nackten Füßen greifen würden, wenn sie in den Keller ging, um eine Flasche Selters zu holen. Dass sie sie packen und fressen würden, so wie es der Wolf mit Rotkäppchen und ihrer Großmutter getan hatte.
Es waren Zeiten, die mit Angst geschwängert waren, weil es niemand verstanden hatte. Es gibt keine Monster, hatten ihre Eltern gesagt und den Kopf geschüttelt. Hilfe gab es keine. Sie soll sich nicht so anstellen, hatte sie gesagt.

Als sie in die Grundschule kam, bekamen die Monster neue Gesichter. Da war die Lehrerin, die schnell schrie und Strafarbeiten verteilte. Da waren die Jungs, die ihr an den Haaren zogen und sie auslachten, wenn sie deswegen weinte. Sie muss es ignorieren, hatten ihre Lehrer gesagt. Wenn sie nicht reagierte, würden die Jungs aufhören, hatten sie gesagt.
Aber das stimmte nicht. Es wurde schlimmer. Sie verfolgten sie bis nach Hause, jagten und schlugen sie. Niemand verstand es. Niemand half ihr, also nahm sie es hin und ignorierte den Schmerz. Monster, hatte sie gedacht, sind Menschen. Aber noch hatte sie nicht gewusst, wie schlimm sie wirklich waren.

Als sie in der Pubertät kam, wurde sie von dem bösen Mann, der im Park auf sie lauerte, gewarnt. Man hatte ihr gesagt, dass es die Fremden waren, die böse waren und ihr Böses wollten. Die Monster kamen von Außen und sie dürfe niemals alleine unterwegs sein.
Vor ihren Freunden hatte sie niemand gewarnt. Niemand hatte sie davor gewarnt, dass ihr erste Freund Sex haben wollte, obwohl sie es nicht wollte. Wenn sie ihn liebte, muss sie das tun, hatte er gesagt, so macht man das in einer Beziehung. Er war das bisher schlimmste Monster.

Als sie erwachsen wurde, heiratete sie und die Monster und die Angst verschwandrn aus ihrer Welt. Ein Traum in Weiß, Rosen und fliegende Tauben. Er war Akademiker, reich, hübsch und ein Schmeichler. Er legte ihr die Welt zu Füßen – für ein paar Jahre. Die Fassade bröckelte im vierten Jahr ihrer Ehe. Und die erste Ohrfeige bekam sie drei Tage nach dem vierten Hochzeitstag. Das erste Mal vergewaltigte er sie zwei Wochen später.
Sie hat so ein Glück, sagten ihre Eltern. So einen Mann findet man nicht überall, sagten sie. Sie traute sich nicht, ihnen zu widersprechen, denn sie wusste, dass sie nicht an Monster glaubten und sie nicht hören würden.

Schon gar nicht, wenn das Monster schön und reich war. Denn dann verstand es niemand.

2. Kapitel: Namenloses Kapitel