******************** Sexualisierte Gewalt von Antigone ******************** ++++++++++++++++++++ Kurzbeschreibung ++++++++++++++++++++ Sexuelle Belästigung Es war an einem heißen Sommertag. Ich saß im Zug auf dem Weg nach Wien zu meiner Tochter. Ich strickte gerade an einer leichten luftigen bunten Sommerdecke. Ich liebte es, mich auf der fast einstündigen Fahrt meiner Leidenschaft des Strickens hinzugeben. Die Bewegung der Finger, durch die die bunte Wolle gleitet, das monotone Faden holen, umschlagen, durchziehen, … bringt mich in einen Flow, lässt meine Gedanken ruhig dahinfließen und zur Ruhe kommen. Ich bin allein im Abteil des Zuges. An einem Fensterplatz habe ich es mir gemütlich gemacht. Die bunte Sommerlandschaft gleitet an mir vorüber. Der Himmel ist wolkenlos und blau. Die Sonne strahlt mit ihrer ganzen Kraft und erreicht die dunkelsten Stellen meiner Seele. Ich fühle mich leicht, energievoll, ganz dem Leben und der Lebendigkeit in mir verbunden. Irgendwann sehe ich, wie ein junger Mann — ich schätze ihn auf Mitte zwanzig — einsteigt und einige Reihen vor mir Platz nimmt, sein Gesicht mir zugewandt. Nichts Ungewöhnliches. Nun bin ich nicht mehr allein im Abteil. Ich registriere den Mitreisenden, wende meinen Blick wieder ab, schaue aus dem Fenster und stricke weiter. Dann bemerke ich, dass der Mann seltsame Handbewegungen macht. Das kann doch nicht sein? Denke ich. In aller Öffentlichkeit? Ich drehe mich um, schaue, ob noch jemand im Zug ist. Aber da ist niemand. Ich und der fremde junge Mann sind allein im Waggon. Ich sehe noch einmal zu ihm hin. Jetzt habe ich keinen Zweifel mehr. Es ist eine sexuelle Handlung, die er da, mit dem Blick auf mich gerichtet, ausführt. Plötzlich ist meine sommerliche Leichtigkeit verschwunden. Ein unangenehmes, mulmiges Gefühl macht sich in mir breit. Da steht er auf, bewegt sich auf mich zu und setzt sich näher zu mir, nur der Mittelgang ist zwischen uns. Er ist weiterhin mit seinem besten Stück beschäftigt, während er zu mir sagt: „Ich hoffe, das stört Sie nicht. Ich bin eh gleich fertig.“ Ich bin geschockt, sage, dass mich das sehr wohl stört, packe meine Sachen zusammen und setzte mich ganz weit weg von ihm, ohne mich noch einmal umzudrehen. Zum Glück ist die nächste Station schon der Hauptbahnhof. Erleichtert steige ich aus und fahre mit dem Bus weiter. Ich atme tief durch. Das Erlebnis wirkt nach. Ich erzähle es meiner Tochter. Sie meint, ich hätte zur Polizei gehen sollen. Daran habe ich nicht gedacht. Der Mann hat mich körperlich nicht berührt, nicht bedroht, und doch habe ich mich als Opfer gefühlt. Als Sexualobjekt. Ungefragt für seine sexuellen Bedürfnisse missbraucht. Das ist eine Form von Gewalt, die in der Seele Spuren hinterlässt und einem positiven Männerbild nicht gerade förderlich ist.     ******************** Am 4.7.2026 um 17:55 von Antigone auf StoryHub veröffentlicht (https://storyhub.de/?s=vXa6a) ********************