******************** Die totale Vereinigung von Gumfet ******************** Die totale Vereinigung "Gar keine Frage", sagte Dr. Weber, "unser Institut ist wie für Sie gemacht. Der Durchschnittsmensch ist kein Problem für uns - leicht zu analysieren, noch leichter zufriedenzustellen. Aber ein Mann mit so hohen Ansprüchen.....". Er breitete ekstatisch die Hände aus. "Sie sind eine Herausforderung, mein Freund. Bei Ihnen müssen wir unser ganzes Können beweisen. Aber schließlich lebt die Vereinigungs GmbH von der Herausforderung. Sie werden das Resultat nicht bedauern, das darf ich Ihnen aufrichtig versichern.""Erklären Sie es mir noch einmal", antwortete Frank Miller, immer noch nicht ganz überzeugt."Nun ja, das Grundprinzip ist eindeutig", sagte Dr. Weber. "Bis heute ist eine eheliche Vereinigung in der gesamtem Menschheitsgeschichte noch niemals vollständig vollzogen worden. So einfach ist das.""Ach was!" erwiderte Frank Miller geringschätzig. "Sie übertreiben.""Durchaus nicht." Der Arzt errötete. "Als ich Vereinigung sagte, meinte ich auch Vereinigung im wahrsten Sinne des Wortes. Nun können wir wirklich nicht leugnen, dass eheliche Vereinigungen bereits zuvor schon vollzogen wurden, wenigstens körperlich, auf mehr oder weniger zufällige Art und Weise. Aber gefühlsmäßig, auf dem Gebiet des Intellektes, des Geistes - niemals! Und selbst auf körperlichem Gebiet.....". Dr Weber brach ab, als könne er den Schmerz nicht länger ertragen. "Aber wie könnte man unter den gegebenen Umständen etwas anderes erwarten? Man nimmt auf gut Glück einen Mann und eine Frau aus dem großen Sack, die auf tausenderlei sehr subtile Art und Weise ganz unvereinbar sind, und zwingt sie, auf unabsehbare Zeit in engstem, ununterbrochenen Kontakt miteinander zu leben.....". Er seufzte. "Kein Wunder, dass die Ehe zu einer Farce geworden ist. Sie ist lächerlich, sie ist immer lächerlich gewesen.""Bis die Vereinigungs GmbH kam", ergänzte Frank Miller ironisch."Genau", stimmte Dr. Weber zu. "Die Lage hat sich seit den `Furchtbaren Fünfzigern` verändert. Jetzt braucht man kein Risiko mehr einzugehen. Jetzt haben wir die Computer-Analyse und die Charakterdarstellung als Grundlagen unserer Arbeit. Kein Risiko, kein Glücksspiel. Jeder Zacken im Charakterbild des einen greift in den des anderen, zu jeder Nut gibt es den passenden Zapfen."Frank Miller kratzte sich das Kinn. "Irgendwo muss es doch eine Frau geben, die es wert ist, geheiratet zu werden", meinte er. "Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, wo.""Aber wie wollen Sie sie ohne unsere Hilfe finden? Da haben Sie praktisch überhaupt keine Chance. Nach Ihren eigenen Aussagen sollte Ihre Zukünftige doch ihre Leidenschaft für Latexkleidung teilen. Haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht, wieviel, oder besser gesagt, wie wenig Frauen auf sowas stehen? Und wie wollen Sie sie erkennen, wenn Sie ihr begegnen? Wie wollen Sie sie richtig beurteilen"? Dr. Weber lächelte. "Die Möglichkeiten zur Identifikation, mit denen wir arbeiten, existieren seit vielen Dekaden, aber wir sind die ersten, die Mut genug haben, sie auch anzuwenden. Sie brauchen uns nur das Startzeichen zu geben.""Ich glaube, Sie haben mich überzeugt", sagte Frank Miller. "Sie garantieren selbstverständlich für das Resultat?""Voll und ganz", antwortete Dr. Weber fröhlich. "Hundertprozentige Vereinbarkeit auf allen Gebieten, oder Sie erhalten Ihr Geld zurück und die Verbindung wird annuliert. Ich versichere es Ihnen."Das genügte Frank Miller. Als er den Auftrag unterschrieb, zitterte seine Hand keine Sekunde. Schließlich, dachte er bei sich, was habe ich dabei schon zu verlieren.Die Charakteranalyse war ermüdend; die Vereinigungs GmbH ließ klar erkennen, dass sie beabsichtigte, gründlich vorzugehen. Frank hatte ein oder zwei Fragebogen erwartet, die er ausfüllen musste, dazu ein Interview mit einem Mann mit dicker Brille, und sonst eigentlich gar nichts weiter. Als er eine Woche darauf wieder aus der `Mühle` auftauchte, war er ein tief erschütterter Mann.Es begann mit Körpermessungen, und Frank erfuhr, was Dr. Weber unter `gründlich` verstand. Man registrierte seine Größe und seinen Umfang, seine Schulterbreite und seine Armlänge. Man maß ihn mit Vernier und Schublehre so eingehend, dass es schon manchmal peinlich war. Sie prüften seine Augen auf den exakten Farbton, untersuchten sein Haar im Hinblick auf Wachstumsgeschwindigkeit und errechneten präzise das Fleisch-Muskel-Verhältnis seines Körpers. Nicht die geringste Einzelheit seiner Physis entging ihrer gewissenhaften Aufmerksamkeit.Auch andere Dinge wurden gemessen: seine Neigungen und Abneigungen, sein Geschmack, seine Vorurteile, seine bewussten Wünsche und seine unbewussten Sehnsüchte. Dazu natürlich der Grad seiner Empfindungen für Latexbekleidung und alles, was damit zusammenhängt. Männer in weißen Kitteln eilten zwischen ihm und dem Computer hin und her, programmierten die bereits feststehenden Daten, überprüften sie noch einmal und kamen zurück, um immer wieder neue Fragen zu stellen.Mit Hilfe der neuesten Geräte und Drogen definierten sie die Dimension seines Ich. Mit dem Neuropantographen krempelten sie seelisch sein Innerstes nach außen und verdrehten es, bis es einer Bretzel glich, entrangen ihm seine geheimsten emotionellen Reaktionen und transportierten sie auf die aktivierten Datenbanken des Computers. Gruppen von Interviewern wechselten sich ab, um seine Gedanken aus einem Dutzend verschiedener Richtungen zu attackieren, bis Frank ihnen fast ins Gesicht gesprungen und voller Wut hinausgestürzt wäre.Doch jeder Bestandteil der gewonnenen Ergebnisse kam in eine Datei, und jede Datei hinterließ Spuren in dem riesigen Computer, und als schließlich alles vorüber war, stand Frank Miller in elementarer Nacktheit dar - bereit, elektronisch gepaart zu werden.Es dauerte lange, wie Dr. Weber ihm ja gesagt hatte. Seine eigene Analyse war nur der erste Schritt; das Ausloten der in Frage kommenden Gefährtinnen geschah noch sorgfältiger. Reihe um Reihe weiblicher Charakterdateien wurden in die Maschine gefüttert, und Tag um Tag wanderte Frank Miller nervös hin und her, fest überzeugt, dass zum Schluss, wenn alle zur Verfügung stehenden Dateien geprüft und verworfen worden waren, keine mehr übrig bleiben würde.Eines Morgens jedoch erschien der Arzt; er strahlte."Unser Werk ist gelungen, mein Freund! Es war zwar nicht einfach, vor allem auf Grund Ihrer besonderen sexuellen Vorlieben. Aber nun ist der große Augenblick da. Sehen Sie!"Mit steigender Erregung starrte Frank auf die ausgedruckten Karten, die ihn und seine perfekte Ergänzung darstellten."Wo ist sie?" wollte er wissen. "Wann werde ich sie kennenlernen?""Sofort", antwortete Dr. Weber. "Es sei denn, sie könnten mir einen Grund nennen, warum Sie noch warten sollten."Trotz seiner angeborenen Vorsicht konnte ihm Frank keinen Grund nennen.Ihr Name war Barbara, und anfangs war er überzeugt, dass irgendwo jemandem ein schrecklicher Fehler unterlaufen sein müsse. Mit ihrem mausbraunen Haar, ihrer Oberweite von sechsundsiebzig Zentimetern und ihren leicht vorstehenden Schneidezähnen entsprach sie keineswegs seinem Schönheitsideal. Auch die Brille trug nicht dazu bei, seine Illusionen zu retten, genauso wenig wie ihre Gewohnheit, zu stottern, sowie sie sich ein wenig aufregte. Und als sie sich kennenlernten, war sie so durcheinander, dass sie den ganzen Tag kein einziges Wort herausbrachte; anscheinend war auch Frank Miller nicht ganz genau das, was sie erwartet hatte.Allmählich jedoch kamen sie einander näher. Am ersten Tag aß keiner von beiden einen Bissen. Barbara liebte extravagante Soßen und exquisite Salate und konnte überhaupt nicht kochen, während Frank ein Fleisch- und Kartoffelliebhaber war, der auf dem Esstisch keinerlei Mätzchen duldete. Am zweiten Tag jedoch stand wie ein Wunder ein Essen auf dem Tisch, das beiden in Maßen schmeckte, und am dritten Tag bestanden die Mahlzeiten aus reinstem Ambrosia. Sie begannen miteinander zu reden und stellten fest, dass ihre Interessen zwar voneinander abwichen, in den Grundzügen jedoch zusammenpassten. Wenn sie in unerwarteter Form auf Franks sonderbaren Geschmack an Jazz reagierte, amüsierte er sich über ihre Mozart-Quartette und fand, sie seien eine ausgezeichnete, wenn auch komische Entspannung für ihn. Auch ihr Geschmack in Bezug auf Bücher und Unterhaltung ging auseinander. So schlossen sie einen Kompromiss, bis keiner von beiden mehr den Ursprung eines bestimmten Interessengebietes erkennen konnte.Eine Zeitlang blieb ihre Verbindung platonisch. Am ersten Tag fiel nicht ein einziges Wort über die Ehe. Am zweiten Tag einigten sie sich auf die Feststellung, dass fleischliche Dinge im Grunde überflüssig seien, und sprachen stundenlang über geistige Erfüllung. Am dritten Tag fanden sie übereinstimmend, dass auch Primitivismus schließlich seine guten Seiten habe. Sie schliefen miteinander um vier Uhr früh auf dem Boden des Badezimmers, und das war keineswegs purer Zufall. Am vierten Tag endlich zeigte Frank seiner Frau den mit Latex- und Gummikleidung wohlgefüllten Schrank im Schlafzimmer und auch Barbara packte ihren letzten Koffer aus, der bisher abseits im Wohnzimmer gestanden hatte und der ihre ganze Latexausstattung enthielt.Nun brachte jeder Tag eine neue Bereicherung, eine neue Erfüllung. Sie spürten, wie sie einander immer näher kamen. "Es ist wundervoll", sagte Barbara. "Es war dumm, alles im ersten Augenblick zu erwarten.""Jawohl, dumm", pflichtete Frank ihr bei."Aber irgendwo muss doch ein Haken sein", sinnierte sie. "Wie sollen wir je erkennen, wann unsere Vereinigung vollkommen ist? Heute ist es schöner als gestern, und morgen wird es schöner als heute sein. Wo soll das enden?""Wer sagt denn, dass es enden muss?" entgegnete Frank und schob die beunruhigende Frage beiseite, die in seinen Gedanken bohrte. "Dr. Weber hat uns hundertprozentige Vereinigung versprochen und an seinen Fähigkeiten und dem Honorar gemessen, müssten wir sie bekommen. Wenn es aufhört, schöner zu werden, und mehr oder weniger Routine wird, dann wissen wir, dass wir am Endpunkt sind. Bis dahin - warum sich Sorgen machen?"Aber es wurde nicht zur Routine. Jeder Tag, den sie in ihrer Latexkleidung verbrachten, wurde erregender als der vorhergegangene, täglich erreichten sie neue Höhepunkte der Vereinigung. Voller Verwunderung stellten sie fest, dass sie begannen, dasselbe zu denken, dass sie schon vorher wussten, was der andere sagen wollte, und Unterhaltungen führten, die nur zur Hälfte ausgesprochen wurden. Auch auf sexuellem Gebiet fühlten sie sich wie im Latexparadies und ergänzten sich in ihrer grenzenlosen Lust auf das Trefflichste. Beider Leben war unvermittelt von einer seltsamen Heiterkeit getragen, als ständen sie unter dem Einfluss eines leichten Narkotikums. Es schien ihnen, als könne dies niemals enden.Doch selbstverständlich musste es einen Endpunkt geben.Eines Abends saßen sie, von Kopf bis Fuß vollständig in ihre schwarzen Latexcatsuits gehüllt, erschöpft von einem ganzen Tag ekstatischen Beisammenseins, auf dem Sofa, als Barbara sich plötzlich von ihrem Ehemann löste und ihn verblüfft anstarrte. Frank fühlte, wie ihm ein kalter Schauer über den Rücken kroch. Stirnrunzelnd sah er sie an."Ich fühle mich so merkwürdig", sagte Barbara."Ich weiß", antwortete Frank. "Ich fühle mich schon seit Tagen so.""Aber ich m-m-meine jetzt, auf einmal", sagte Barbara. "Es ist ein Gef-f-fühl, als müsste ich verbrennen! Es ist ganz anders als zuvor.""Du hast recht", nickte Frank, auf einmal ebenfalls beunruhigt. "Es ist tatsächlich anders.....""Ich finde es höchst unangenehm", sagte sie und stieß ihn von sich."Ich auch", antwortete er und wollte aufstehen."Irgendwas geht hier vor!""Irgendwas geht hier vor!""HILFE....."Es herrschte Stille, nur das Echo eines erstickten Schreis klang noch nach.Als ES eine Weile geschrien hatte, stand ES vom Sofa auf und ging auf seinen latexbedeckten Füßen in die Küche, um sich eine Kanne Kaffee zu machen.ENDE ******************** Am 28.3.2026 um 13:18 von Gumfet auf StoryHub veröffentlicht (https://storyhub.de/?s=jOomN) ********************