******************** Sweet Temptation von Madeleine ******************** Er baumelt. Seit Stunden, Tagen, Wochen, Monaten. Anfangs weiter entfernt. Schlussendlich direkt vor meiner Nase. Der grüne Lolli. Wer braucht grüne Lollis? Andererseits: Grün ist die Farbe der Hoffnung. Worauf hoffe ich? Außerdem habe ich bereits einen Lolli. Zuhause. Einen roten. Rot wie die Liebe. Gut, er ist bereits etwas in die Jahre gekommen. Dafür schmeckt er aber noch immer hervorragend. Wie der Grüne wohl munden mag? Anders. Besser? Verführerisch lächelt er mich an. Sein buchstäblich betörendes Odeur benebelt nicht nur meine olfaktorischen Sinne. Mein Körper erwacht. Hat er jemals geschlafen? Ein wenig gedöst vielleicht. Vor Langeweile? Alltagstrott? Bin ich ein Trottel, wenn ich dem Alltag ein wenig enttrotten möchte? Vermutlich. Lasziv rückt er näher und näher. Ich bräuchte nur meine Zunge auszustrecken. Kurz kosten. Wäre er süß? Zu süß? Würde mir das pickige Zeug den Mund und in weiterer Folge meine Eingeweide verkleben? Zuckerschock? Oder wäre er genau richtig? Wie für mich gemacht. Dabei ist er das nicht. Er gehört jemand anderem. Einem bezaubernden, wunderbaren Wesen. Letzteres liebt seinen Lolli, der extra für dieses Geschöpf - und nur für dieses – in Rot erstrahlt. Das liebliche, anmutige Geschöpf kostet allerdings nur noch selten von seinem Lolli. Ihm reicht seine Anwesenheit. Liebe hat so viele Facetten. Die sinnliche bleibt in letzter Zeit auf der Strecke. Wieso auch immer. Lolli fühlt sich vernachlässigt. Er will wieder angehimmelt, gelutscht werden. Er ist schließlich kein Schau-, kein Möbelstück, sondern eine Süßigkeit, die (nach der) man (sich) verzehren sollte. Und so liebäugelt der liebe Lolli fremd. Er buhlt um sinnliche Aufmerksamkeit. Und landet irgendwie bei mir. Ich korrigiere: Er landete bei mir. Seit ein paar Tagen, Wochen ist grüner Lolli außer Reichweite. Keine Zeit und keine Lust mehr, vor meiner Nase zu baumeln. Vielleicht baumelt er jetzt woanders. Vor der Nase von jemand anderem. Und dabei war ich so nah dran, meine Contenance zu verlieren. Meine Fühler nach ihm auszustrecken. Von ihm zu kosten. Ihn zu lecken, ihn in meinem Mund aufzunehmen, ihn zu verschlingen. Uns beiden, oder auch nur mir, ein wenig Leben einzuhauchen. Aber nein. Meine Fantasie scheint mit mir durchzugehen, davonzugaloppieren. Fremde Lollis sind tabu. Auch dieser spezielle, sehr spezielle grüne. Grün wie die Hoffnung …   ******************** Am 1.7.2026 um 13:51 von Madeleine auf StoryHub veröffentlicht (https://storyhub.de/?s=WtVZj) ********************