Otter bei Nacht

Kurzbeschreibung:

Am 17.12.2018 um 9:35 von TinaFroehlich auf StoryHub veröffentlicht

Sanft umschmeichelte sie das kühle Nass und brachte ihrem erhitzten Körper eine willkommene Abkühlung. Der Duft des Kiefernwaldes wehte über den See, dessen Oberfläche im Licht der Sonne funkelte. Libellen tanzten um sie herum und eine Schwalbe schien ihr all ihre Flugkünste darbieten zu wollen.

Dieser Ort ihrer Kindheit, ihrer Jugend. Sie hatte den Platz aus ihrem Leben verbannt. Ausgeschlossen. Doch wie ein alter Freund war der See ihr treu geblieben. Er schien eine Erinnerung aus den Tiefen ihres Bewusstseins hervorzulocken. Dieser magische Sommer vor achtzehn Jahren. Die Sterne über ihnen. Seine Hand in ihrer, seine tiefe, raue Stimme.

Sie legte sich auf die Wasseroberfläche und murmelte leise seine Worte: "Die Otter halten ihren Gefährten bei Nacht an der Hand, um nicht von einander fort getrieben zu werden ..."


 

In kräftigen Zügen glitt er durch den See und brach mit seinen breiten Schultern das Wasser, sodass kleine Wellen um ihn herum entstanden. Sein Atem floss rasch, manchmal prustend. Wasser spritzte ihm ins Gesicht und Tropfen tanzten wie muntere kleine Wesen in seinen rotblonden Haaren. Er hatte das Ufer vor Augen. Das Ufer, das er nicht erreichen wollte. Immer wieder schwamm er ihm entgegen - und immer wieder machte er kehrt. Floh vor der Vergangenheit, die dort zu lauern schien.

Allmählich begann er den Bogen einzuleiten, fort von dem heißen Sand und den glühenden Erinnerungen, die seine Bewegungen plötzlich lähmten.

Schwer seufzend legte er sich auf die Wasseroberfläche und murmelte mit tiefer, rauer Stimme: "Hätte ich doch nur deine Hand gehalten."