******************** Es reicht! von Gabrieleart ******************** Es ist heiß. Und schwül. In dieser Cloud tummeln sich flüchtige Gedanken. Süden. Südfrüchte. Orangen, Grapefruits, Pomelos. Zitronen. Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, mach Limonade draus. Das Glas ist halb voll mit Zitronenlimonade. Oder ist es halb leer? Genug, um zufrieden zu sein? Lakom, so las ich neulich, sei die Ablöse des Minimalismus. Nicht weniger sei mehr. Genug sei das richtige Maß. Wer bestimmt, was genug ist? Wann es reicht? Jeder einzelne. Vor Jahren saß ich einem TCM-Mediziner gegenüber. Er war Chinese, eine Koryphäe in der Universitätsklinik in Wien. Wir kamen ins Plaudern. „Meine Kollegen verstehen nicht, warum ich in meiner Wohnung bleibe. Ich könnte mir mit meinen Kindern doch noch ein Haus am Land leisten“, meinte er. „Ich kann aber nur in einem Bett schlafen, auf einem Sessel sitzen und an einem Tisch essen. Das ist mir genug.“ Lakom war dem Arzt mit Sicherheit kein Begriff. Vielleicht existierte er damals noch gar nicht. Der gesunde Menschenverstand sagte ihm, dass er sich nicht vergleichen musste mit den anderen Kolleg:innen, die mehrere Autos besaßen und mehrere Nebenwohnsitze ihr Eigen nannten. Vielleicht wohnt er ja mittlerweile in einem Haus, weil die Wohnung tatsächlich nicht groß genug für seine beiden heranwachsenden Jungen war. Ein Genug ist erweiterbar und verkleinerbar, dehnbar, lebenselastisch sozusagen. Solange etwas im Glas ist, das meinen Durst stillen kann und meinem Genuss dient, ist die Welt für mich in Ordnung. Mein Glas ist gefüllt. Nicht voll. Nicht leer. Ich gönne mir einen Schluck Limonade. Wasser mit Limettensaft und Minzeblättern aus dem Garten. Der Garten! Er hat zurzeit nicht genug. Nicht genug Wasser. Die Wiese macht einen jämmerlichen Eindruck. Trockenrasen nennt man das, wobei selbst Rasen irreführend ist. Wenige Wildkräuter kommen mit der lang anhaltenden Trockenheit hier im Osten Österreichs zurecht. Schafgarbe hier, Pippau dort, Flockenblumen und Dost inselartig verstreut zwischen Verdorrtem, das sich einmal Wiese nannte. Der Minze geht es gut, im Schatten neben dem Kompost. Dem Schnittlauch auch. Er wird gegossen. Kostbares Trinkwasser wird sparsam verwendet. Es ist nicht genug vorhanden, um alle Wiesen zum Grünen zu bringen und alle Pools zu füllen. Am kleinen Teich herrscht reges Treiben. Allerlei Vögel baden und trinken vom kostbaren Nass. Es reicht ihnen zum Überleben in dieser sengenden Hitze. Die Wechselkröten, für die ich die Teichschale vor 2 Jahren eingraben ließ, sind leider ausgeblieben. Amseln, Tauben, Eichelhäher, Krähen, Elstern, Sperlinge, Meisen und Finken, neuerdings auch Bluthänflinge, „fliegen“ auf die Erfrischung. Wobei, von Erfrischung kann bei 38 Grad Außentemperaturen nicht die Rede sein. Eher von Thermalbad. Ich wende mich wieder meinem Erfrischungsgetränk zu. Limettenlimonade. Dank Eiswürfeln ein Genuss. Die Sonne lässt die Früchte reifen. Sonne, Sommer, Hitze. Genug! Es reicht! Vorerst. ++++++++++++++++++++ Autorennotiz ++++++++++++++++++++ Ein paar Gedanken zur Hitzewelle, zum Umgang mit Ressourcen, zum Leben. ******************** Am 3.7.2026 um 18:27 von Gabrieleart auf StoryHub veröffentlicht (https://storyhub.de/?s=MleOU) ********************