******************** Im Eichenhaine von Nachtwanderer ******************** Im Eichenhaine Ich erwachte aus einem tiefen, schweren Traume, der böse an meinem Gemüte nagte. Danieder lag ich auf feuchtem Gras, und der herbe Geruch desselben stieg mir in die Nase. Der Regen befeuchtete mein Antlitz, und ein sonderbares Gefühl ergriff mich, als sei ich entrückt aus dieser Welt. Peinhaftes Bauchgrimmen empfand ich, als habe ich mich an süßen Speisen gar gütlich getan. Schwerfällig öffnete ich meine nachtragenden Augenlider. Nebelig wie die Bergtäler der Alpen zur Dämmerröte erkannte ich erst schemenhaft die Umgebung. Wo war ich? Zagmütig versuchte ich mich aufzurichten. Hatte ich der Trunkenbolderei gefrönt ? Wie ein Specht an einem Baume pochte der Schmerz in meinem Haupte. Verwundert erkannte ich, dass ich mich in einem erhabenen Eichenhain befand. Stumm blickten die starken Wächter des Waldes mich an. Doch was war das? In der ferne vernahm ich einen grässlichen Laut, ja es klang nach einem getriebenen Wesen, was ich nicht zu erkennen vermochte. Ein Schauergefühl überkam mich.Mühselig begann ich, meinen Leib zu regen, als müsse ich erst aus steinernem Schlafe erwachen. Plötzlich überkam mich ein schweres Gefühl, und der Name Amelie durchdrang meine Gedanken. Amelie – anklagend hallte dieser Name nach. Nachtgründig kam die Erinnerung wieder. Amelie – die kleine,unschuldige Tochter des Alchemisten, die an Schwindsucht erkrankt ward und die ich als Arzt nicht zu retten vermochte. Federstill war es nun, doch ein tief trauriger Schmerz überkam mich, und mir ward, als wäre ich in einer Jammerwelt gefangen. Wieder ertönte jener Laut, doch klang er nun nicht mehr wie ein Schrei, sondern wie ein fernes Wehklagen, das sich in meine Seele krallte. Da brach ich zusammen, als hätte die Schuld selbst ihre kalten Finger um meine Brust gelegt und mich zu Boden gezwungen. Und ich lag noch immer im Walde, von der Schuld zu Boden gezwungen, während hoch oben in den Bäumen das Wehklagen Amelies wie ein ferner Klageruf der Toten ertönte. Betrübt, die Wangen genetzt von Tränen und Regen, starrte ich empor in das unendliche, nächtliche Firmament. Suchten meine Augen dort oben eine Antwort, die mir die Erde verwehrte? Doch die Sterne schwiegen, verborgen hinter dem grauen Schleier der Wolken, so wie das Schicksal der kleinen Amelie hinter dem Schleier des Todes verborgen blieb.Mühsam richtete ich meinen Oberkörper auf. Das Prasseln des Regens auf den Blättern der Tausendjährigen war zu hören; der Anklagende Ruf war verstummt. Ich vernahm ein leichtes beben unter mir, was war dies? Rhythmisch steigerte es sich von Sekunde zu Sekunde. Plötzlich: LICHT! ATEM! ODEM! Die Schatten des Waldes zerstoben wie Rauch im Sturm. Ich lag nicht mehr auf feuchtem Moos, sondern auf den harten Dielen meiner eigenen Arztstube! Tränenüberströmt erblickte ich den Alchemisten über mir. Sein Angesicht war von tiefer Sorge gezeichnet, und während er meine Hand hielt, drangen seine steten Rufe wie heilender Balsam in meine Ohren: ‚Es war nicht Eure Schuld, Herr Medicus! Bei Gott, es war nicht Eure Schuld!‘ ++++++++++++++++++++ Autorennotiz ++++++++++++++++++++ Diese Erzählung entspringt der dunklen Romantik. Sie behandelt Themen wie Schuld, Verlust und die fragile Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit. Empfohlen für Leserinnen und Leser ab 16 Jahren, die Freude an atmosphärischer, melancholischer Prosa haben. ******************** Am 31.12.2025 um 23:04 von Nachtwanderer auf StoryHub veröffentlicht (https://storyhub.de/?s=8KmAH) ********************