Split - Entzweit

Kurzbeschreibung:

Am 14.6.2019 um 14:21 von CasBacker auf StoryHub veröffentlicht

1. Kapitel: Prolog

  Split – Entzweit

    

    

 

    

    

    

    

    Es ist nicht immer eine Illusion,

    

    

    

                           Was wir nicht verstehen ... 

    

    

    

                 ...es könnte etwas Größeres sein ... 

    

    

    

                                      ...etwas Wichtiges!

    

    

 

    

    

    Prolog

    Vor 3 Jahren irgendwo in Los Angeles

 

    Die helle Sonne über Los Angeles schien auf die Erde hinab. Wärmte sie. Überzog die Stadt mit einem goldenen Schimmer.

    Wie jeden Tag herrschte auf den Straßen reger Verkehr. Es war früher Mittag und die Leute mussten ihre alltäglichen Besorgungen erledigen. Einkaufen, die Kinder zur Schule bringen, sich mit der besten Freundin zum Kaffee trinken treffen und den neuesten Klatsch und Tratsch austauschen.

    Bewegung. Überall herrschte Bewegung.

    Außerhalb des Mittelpunktes dieser enormen Bewegung aus Stress, Hektik und Abgasen, schienen die Straßen jedoch wie ausgestorben. Ein einsamer schwarzer Chevrolet fuhr gemächlich seinen Weg entlang. Leise Musik drang aus den Lautsprechern, mischte sich mit der stehenden Hitze. Die Frau lachte auf und tätschelte ihrem Mann die Hand. Ihr Blick schweifte aus dem offenen Fenster, erblickte das weite Meer. Leichte Wellen krochen am Strand entlang. Versiegten im hellen Sand und färbten ihn dunkel. Heute würde wieder ein wundervoller Tag werden. Sie zog die salzige Luft in ihre Lunge und seufzte. Vielleicht könnten sie ja alle zusammen ein Eis essen gehen. Sie dachte an ihren Sohn, der heute seinen ersten Tag in der neuen Schule hatte. Und daran wie er sich wohl schlug?

    „Glaubst du Ares wird sich gut einfinden in der neuen Schule?“ Der Strand verschwand aus ihrem Blickfeld, als ihr Mann in eine andere Straße einbog.

    Seufzend drehte er ihr den Kopf zu. Sah sie aus braunen Augen an. „Mach dir keine Sorgen um ihn. Er ist kein kleines Kind mehr.“

    „Es ist aber das Abschlussjahr. Ich weiß nicht“, abrupt endete ihr Satz. Panisch riss sie die Augen. Ihre manikürten Fingernägel krallte sich ins schwarze Polster des alten Chevy Impala. »Michael, pass auf!«, krächzte sie.

    Michael riss den Blick von seiner Frau los. »Das kann unmöglich sein«, flüsterte er und blieb mit quietschenden Reifen stehen.

    »Sie ist tot!«, stotterte die Frau und stierte weiter auf die Person, die plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht war. »Wie kann sie am Leben sein?«

    Mit zitternden Fingern öffnete sie die Beifahrertür. »Aria? Bist du das wirklich?« Ihre Stimme, kaum ein Flüstern, rann ihr schwer über die Lippen.

    »Helen Liebling, bleib im Auto! Sie ist es nicht!« Der Mann packte seine Frau am Handgelenk. Versuchte sie davon abzuhalten, die Karosserie zu verlassen, doch sie hörte nicht auf ihn. Entzog sich dem Griff und schritt auf die Person zu, die vor dem Auto stand. Starr und steif.

    Grüne Augen blickten die blonde Frau kalt an, ohne jegliche Mimik. Wie eine Maske lag das feine Gesicht im Schatten. Verdeckt hinter langen Haaren.

    Eine schnelle Bewegung, schwarzes Haar wirbelte herum. Der Mantel, den sie anhatte, wurde zur Seite geworfen. Entblößte eine schlanke Gestalt. Das Metall an ihrer Hüfte blitzte im Licht der Mittagssonne.

    „Ihr habt mich vergessen!“, schrie sie. Ihre Stimme klang verzehrt. Ihr Körper flackerte leicht. Anstrengung lag deutlich in ihrem Gesicht. Als müsste sie darum kämpfen hier zu sein. Hier zu existieren. „Ihr habt mich sterbenlassen und nun will ich mein Recht. Gebt mir den Splitter.“ Ihre Stimme wurde ruhiger, beinahe einem Flüstern gleich. „Oder sterbt.“

    Tränen rannten Helens blasse Wangen entlang, versiegten in ihrem hellen Kleid. Das sonst so gepflegte, blonde Haar hing ihr wirr ins Gesicht. Verdeckte zum Teil die großen, grünen Augen. Sie trat einen Schritt auf die mysteriöse Frau zu. „Ich kann nicht“, erwiderte sie mit gebrochener Stimme. Sie warf einen letzten Blick nach hinten, begegnete dem festen Blick ihres Mannes. Er wusste was kommen wird. Er wusste was getan werden muss! Helen faltete die Hände zusammen, einem Gebet gleich.

    Eine Explosion erschütterte die Straße.    

    Ein Schrei durchdrang den Lärm.

    Ein fallender Körper. Das helle Kleid rot durchtränkt.

    Letzte Worte, die die blassen Lippen verließen, bevor sie sich für immer schlossen. »Ares, es tut mir leid.«

    Ein Beben erfasste die Erde, dann war alles still. Die Straße verlassen. Alle verschwunden.        

 

2. Kapitel: Kapitel 1

Kapitel 1

Gegenwart, Las Vegas

    

    

    Scheinwerferlicht tanzte durch die Reihen des voll ausgebuchten, alten Theaters. Dicker, roter Samt hängt in prachtvoll geschwungenen Bahnen von der hohen Decke und verziert die große Bühne auf der das Spotlight einen kleinen, dicklichen Mann einfing. Er hielt sein Mikro fest in der Hand und fuhr es an die Lippen. Wild gestikulierten die Arme, versuchten Spannung aufzubauen. Sein Anzug spannte gefährlich am Bauch, drohte jeden Moment zu reisen. Das akkurat gelegte, schwarze Haar glänzte im Licht. Gel hielt es an Ort und Stelle und verhinderte, dass die Frisur durch Hitze und Schweiß zerstört wurde.   

    »Meine Damen und Herren. Hier ist er! Der einzige und wahre Meister der Magie ... Chapeau! Applaus! Applaus, meine Damen und Herren! Lassen Sie sich in die Welt des Erstaunens und der Unwirklichkeit entführen«, schrie der Ansager der Show durch die Lautsprecher des prall gefüllten Saals, im Herzen Las Vegas.

    Die Vorstellung, auf die das ganze Publikum sehnlichst wartete, würde gleich eröffnet werden.

    

    Chapeau stand hinter der Bühne und bangte seinem Einsatz entgegen. Und wurde nach wie vor genauso nervös wie zu Beginn seiner Karriere.

    „Es wird nie anders sein“, grinste er. Schnell wischte er sich über die feuchte Stirn. Blödes Lampenfieber!

    Trotz der langen Erfahrung kehrte die Nervosität immer wieder zurück. Er war bereits seit zwei Jahren in diesem Business. Fast täglich eine Show am Laufen und mit seinen zarten 20 Lebensjahren einer der jüngsten Profimagier in diesem Geschäft. Und das gleich mit einer eigenen Show in Las Vegas. Das konnte nicht jeder von sich behaupten. Da sollte man meinen, man sei auf so etwas vorbereitet.

    Doch dem war nicht so. Ganz und gar nicht!

    Lauter Applaus mischte sich mit der Eröffnungsmusik – „We Will Rock You“ von Queen - ein Klassiker, der nie alt wurde.

    „Let the show begin!“, sprach er sich Mut zu.

    Kurz straffte der Magier die Schultern, richtete nochmal die Kleidung zurecht, strich die imaginären Falten aus seinem schwarzen Frack und zupfte an der Fliege, die um den Kragen des weißen Hemdes geschlungen war.

    Nachdem der Moderator die Bühne verlassen hatte, wurde es Zeit die Show einzuläuten. Chapeau betrat grinsend und winkend die Bühne und nahm seinen Platz in der Mitte ein.

    Das Scheinwerferlicht blendete ihn im ersten Moment und kleine, weiße Punkte tanzten vor seinen Augen. Schnell blinzelte er sie weg. Von so etwas ließ er sich nicht aus der Fassung bringen! So etwas gehörte zum Business!

    Der Lautstärkepegel stieg an, kaum, dass der Spot seine Silhouette einfing.

    Chapeau lachte auf und entblößte eine Reihe weißer Zähne. Er lauschte diesem Klang. Diese Begeisterung war rein und ehrlich und erfüllte den Magier mit Selbstsicherheit und Zuversicht.

    Chapeau warf eine Kusshand ins Publikum. Sofort wurde es eine Nuance lauter. Vor allem hörte er deutlich die weiblichen Rufe, die aufreizend zu ihm herüber hallten.

     

    „Sieht er nicht wieder umwerfend aus?“, seufzte ein junges Mädchen in der zweiten Reihe.

    „Und so mysteriös“, fügte ihre Freundin schmachtend hinzu. Beide fingen an zu kichern.

    „Habt ihr gewusst, dass er der jüngst Magier in diesem Geschäft ist?“, lehnte sich ein junger, dunkelhäutiger Mann zu den beiden Mädchen rüber und mischte sich ihn ihr Gespräch ein.

    „Er soll ja ein richtiger Casanova sein“, fächelte sich das erste Mädchen Luft zu. Leichter Rotschimmer schlich sich auf ihre Wangen.

    „Alles Gerüchte, wenn ihr mich fragt“, brummte der junge Mann und sah nach vorne auf die Bühne. Fasziniert richteten sich seine blauen Augen auf den Magier. „Angeblich hat noch nie jemand sein Gesicht gesehen.“

    „Vielleicht trägt er die Maske auch im Bett“, lachten beide Mädchen auf, wurden aber durch ein ruppiges „SCHT!“ aus der ersten Reihe, prompt zum Schweigen verdonnert.

        

    »Danke«, rief Chapeau gegen den Lärm an, nachdem der Applaus langsam nachgelassen hatte. »Danke und herzlich Willkommen im La Chapellerie.«

    Chapeaus grüne Augen blitzten auf, nachdem er das Objekt seiner Begierde entdeckt hatte.

    „Das La Chapellerie, ist nicht nur ein Ort, an dem ich ein Kaninchen aus dem Zylinder ziehe.“ Er setzte besagten Zylinder ab und auf seinem Kopf saß tatsächlich ein kleines, weißes Kaninchen. Sofort fing das Publikum an zu lachen. Chapeau hob es runter und streichelte das weiche Fell. Galant schritt er die Treppen herab und blieb vor einer schmuckbehangenen Dame stehen. Ein prunkvoller Collier glänzte und schimmerte im Schein der Lichter in voller Pracht.

    „Es ist auch ein Ort voller Magie und Mysterien“, kurz schnippte er mit dem Finger und aus dem weißen Kaninchen wurde eine rote Rose. Zart hielt er sie sich an die Lippen und hauchte einen Kuss darauf. Dann verbeugte er sich vor der Dame und überreichte ihr die rote Blume. Verzückt nahm sie sie entgegen und strahlte über das ganze, viel zu viel geschminkte Gesicht.

    Chapeau war im wahren Leben kein Weiberheld, aber hier in diesen Räumen, in denen er sich wohlfühlte und die seine eigene kleine Fantasiewelt widerspiegelten, hier war er ein Künstler und konnte sich der erfundenen Rolle völlig hingeben.

    

    »Kommen wir zu meinem ersten Trick«, verkündete der Magier und holte einen Stapel Spielkarten hervor.

    Kaum, dass er das Päckchen zu Tage brachte, erhob sich ein aufgeregtes Raunen im halben Saal.

    »Ah, ich sehe, einige kennen den Trick bereits«, grinste er das Publikum keck an und erntete dafür laute Pfiffe.

    Lachend warf er den Stapel ins Publikum. Die erste Reihe zuckte kurz zusammen, eher sie fasziniert nach oben sah.

    Über ihren Köpfen blieben die Plastikplättchen in der Luft hängen. Wie auf dünnen Fäden schwebten sie hoch oben. Keinen Millimeter bewegten sie sich. Weder vor noch zurück, nicht einmal durch einen Windhauch ließen sich die Karten aus ihrer Starre reißen. Bis Chapeau schnippte.

    Es war ein leises, beinahe unhörbares Pressen zweier Finger aufeinander, doch die Lautsprecher ließen das Geräusch im ganzen Saal widerschallen. Ließen es in den Ohren vibrieren.

    Es herrschte eine unheimliche Stille. Keiner wagte es zu atmen. Alle warteten nur auf den einen Moment.

    Und dann geschah es…

    Die Spielkarten wurden immer heller und heller. Glühten förmlich im zarten Licht. Mit einem Mal verwandelten sie sich in eine Vielzahl kleiner gelb-leuchtender Schmetterlinge.

    Aus allen Ecken hörte man ein »Ohhh« und ein »Ahhh«, doch der eigentliche Trick sollte anschließend folgen.

    Mit einer weit ausholenden Handbewegung brachte der Magier die Lichter in Schwung. Die kleinen Schmetterlinge fingen an, aufgeregt mit den Flügeln zu schlagen. Es erwachte ein Tanz aus bunten Lichtern. Wie ein Schwarm fegten die entstandenen Wesen über die Köpfe der Zuschauer hinweg und explodierten in einem Feuerwerk aus Licht und Farben hinter ihrem Dirigenten.

    Kurz herrschte die Ruhe an, bis plötzlich tosender Beifall hereinbrach.

 

    So ging der ganze Abend weiter. Hier und da ein klassischer Trick, eine zersägte Jungfrau oder das plötzliche Verschwinden eines Objektes. Nichts Besonderes für einen Mann seiner Zaubererklasse. Es war eben sein täglicher Brotverdienst.

    

    Zum Abschluss der Show hatte sich Chapeau etwas Außergewöhnliches überlegt. Etwas, das seine Kollegen zwar oft versucht hatten, aber mit ihren Spezialeffekten stets nur eine Illusion vorgaukeln konnten. Und am Ende trotz allem kläglich daran scheiterten.

    »So, jetzt kommt der Höhepunkt«, verkündete der schwarzhaarige Magier. Leichte Musik begleitete die Einführung.

    »Ich werde heute die Grenzen der Physik brechen und beweisen, dass die Schwerkraft manipulierbar ist.«

    Wieder jagte ein Raunen durch die Reihen. Ungläubig und skeptisch.

    »Ich werde heute versuchen zu fliegen!«

    Es war nicht die Tatsache, dass er diesen Trick aufführte, welche die Leute in Erstaunen versetze, sondern das Extreme.

    Die Vorstellungen Chapeaus bestanden in erster Linie aus Standardtricks. Doch anders als seine Kollegen, baute er diese so weit aus, dass absolut kein Zweifel an ihrer Echtheit bestand. Die Leute glaubten nicht an echte Magie. Wollten nichts davon wissen. Konnten sich aus ihrer Sturheit nicht reisen und das Schubladendenken nicht abstellen. Wollten nicht wahrhaben, dass es da Draußen womöglich etwas Höheres gab. Etwas nicht Greifbares. Etwas, dass sogar die Wissenschaft nicht erklären konnte.

    Dieses Unwissen nutzte er zu seinem Vorteil aus. Er vermochte ihnen alles als einen Trick vorzuführen und keiner würde merken, dass es echte Magie war. Direkt vor ihren Nasen! Das war sein Geheimnis! Das war der Schlüssel seines Erfolges!

    Seine Manipulation ist und bleibt spezieller als die der erfahrenen Kollegen. Chapeaus Tricks waren einzigartig, genauso außergewöhnlich wie die Quelle der Magie, die in ihm wohnte, denn dabei handelte es sich um echte und reine Zauberei! Kein Hokuspokus und kein Fake.

    Diese Kräfte kamen vor drei Jahren, urplötzlich und ohne Vorwarnung und seitdem waren sie ein Teil seiner selbst. Woher diese Fähigkeit kam oder was sie zu bedeuten hatte, darüber zerbrach sich Chapeau nach wie vor den Kopf, doch ändern konnte er an seiner Situation nichts mehr und so hatte der junge Mann beschlossen, das Beste daraus zu machen und Geld damit zu verdienen.

    

    Das Gleiche geschah heute ebenfalls.

    Chapeau bat seine Assistentin, dem Publikum zu zeigen, dass er an keinen Seilen oder anderen Hilfsmitteln hing. Sie umrundete den Magier einmal, hielt dabei ein Stück Stoff in der Hand und zeigte jedem somit, dass es an nichts hängenblieb. Chapeau sprang einmal in die Höhe, dann von der Bühne.

    »Mein Herr, würden Sie mir einen Gefallen tun und schauen, ob ich an irgendwelchen Drähten hänge?«, forderte er einen Zuschauer in der ersten Reihe auf. Der Mann mittleren Alters sah den Zauberer mit großen Augen an.

    »Nur nicht schüchtern sein«, ermutigte ihn Chapeau und grinste ihn von oben herab an.

    Sofort sprang der Mann auf die Füße und betastete den Magier gründlich. Er war klein, reichte seinem Gegenüber bis zur Brust. Auf dem Kopf spross kein einziges Haar. Beinahe hätte Chapeau wetten können, dass er sich in der Glatze spiegeln konnte.

    Schnell verwarf er den Gedanken, räusperte sich und der Mann schreckte auf. Augenblicklich setzte er sich hin. Ein kräftiges Rot zierte seine Wangen.

    »Danke. Das war äußerst akribisch«, lachte der schwarzhaarige Zauberer auf. »Haben Sie irgendwelche Halterungen bemerkt?«

    Der Mann schüttelte den Kopf. Chapeau dankte ihm nochmal.

    »Möchten Sie auch mal prüfen?«, rief er einer Frau drei Reihen weiter, mit einem verschmitzten Lächeln zu.

    So machte er das mit einigen weiteren Zuschauern, bis selbst der letzte Skeptiker sicher war, keine Drähte, Seile oder andere Hilfsmittel an dem Mann zu finden.

    Chapeau begab sich wieder auf die Bühne und schnaufte durch. Das einzig Schwierige an diesem Trick war nur ... er hatte ihn bis jetzt noch nie versucht.

    Seit er das erste Mal seine Magie entdeckt hatte, wünschte er sich, das Fliegen zu versuchen, doch Angst und Unsicherheit hatten ihn stets gelähmt und so hatte er es nie ernsthaft versucht.

    Es war heute Premiere und Chapeau hatte keinen blassen Schimmer, ob es funktionieren, oder ob er sich nur bis auf die Knochen blamieren würde. Denn das Dumme an seiner Magie war ... sie hatte, wie alles Schöne im Leben, ihre Grenzen. Doch Fliegen? Das hatte er nie gewagt!

    

    Chapeau schlug in die Hände und stellte sich in Position.

    »Keine Tricks mehr«, flüsterte er sich selbst Mut zu.

    Als er die Augen schloss, zuckten wie immer, wenn er von der inneren Kraft gebrauchte, kleine Stromfunken durch seine Adern. Sie waren minimal und kaum spürbar, doch ihm machte es deutlich klar, wie andersartig er war.

    Die feinen Härchen in seinem Nacken stellten sich auf und ein leichtes Kribbeln rann durch seinen Körper.

    

    Er hatte oft in »Selbstfindungsbüchern« gelesen, man solle sich konzentrieren und auf seine innere Mitte hören. Das helfe einem, den Stress zu reduzieren und die Balance zu finden. Das hatte ihm schon oft geholfen, doch diesmal war es komplizierter.

    Es war, als würde ihn irgendetwas davon abhalten, seine Kraft bis zur Grenze auszuschöpfen. Wie eine Blockade stand dieses Etwas zwischen ihm und dem, was er nicht zu greifen vermochte.

    Kurz erlaubte sich Chapeau einen kleinen Blick ins Publikum. So viele Menschen sahen ihm jetzt dabei zu wie er versagte. All die Gesichter, mit Erstaunen, Skepsis und Hoffnung gefüllt. Dann fixierte sich sein Augenmerk auf eine spezielle Person.

    Pax!

    Besagte Person, sah mit großen Augen auf die Bühne. Verfolgte jede seiner Bewegungen. Chapeau wusste genau, wer er war. Kannte ihn sogar mehr als gut. Sie waren Freunde. Beste Freunde, doch Pax hatte davon keine Ahnung.

    Die grünen Augen des Magiers lagen Wimpernschläge lang auf dem anderen jungen Mann.

    Er gab ihm Mut. Hatte es schon immer, seit sie sich kannten.

    Mit einem Mal war die Unsicherheit wie weggeblasen. Er schloss die Augen und lächelte. Fühlte deutlich die Leichtigkeit, die seinen gesamten Körper durchströmte. Spürte, wie die Füße den Boden nicht mehr berührten und er immer weiter nach oben stieg.

    Als der Magier die Lider hob, schwebte er circa einen Meter über dem Boden.

    Selbstsicherheit durchfuhr seinen Körper und Adrenalin pumpte durch all die vielen Venen. Das Gefühl war phänomenal. Jeder Millimeter, jede Faser seines Körpers war angespannt, doch es nahm Chapeau nicht die Leichtigkeit und das Hochgefühl seines Stolzes.

    Alle Zuschauer hielten den Atem an. Konnten nicht glauben, was sie sahen. Zu kurios war die Situation. Ein Mann, der schwebte? Und doch würden sie keinen Zweifel daran hegen.

    Getuschel, aufgeregt und argwöhnisch, erhob sich durch die Reihen. Sein Blick lag immer noch auf Pax. Als würde er ihn stützen. Plötzlich sah Pax weg. Trennte den Augenkontakt. Ehe Chapeau etwas Weiteres unternehmen konnte, brach die Kraft in sich zusammen und der Magier landete unsanft auf dem harten Boden der Bühne. Lautes Klatschen begleitete seinen uneleganten Absturz. Doch er nahm es mit Würde hin.

    »Das nächste Mal sollte ich eine Matte hinlegen«, scherzte er und rieb sich übertrieben über den Hintern.

    Die Menge lachte und jaulte vor Begeisterung.

    So sollte ein Abschluss sein.

    Grinsend sah er ins Publikum und winkte allen zu.

    Perfekt!

    »Bevor ich den Abend hier beende«, der Magier ließ seinen Blick schweifen und blieb wieder bei Pax hängen. Unglauben lag in den blauen Augen. Der Schwarzhaarige lächelte leicht. Pax war immer für ihn da, selbst jetzt und davon ahnte der Blauäugige nicht einmal etwas.

    Eine vornehme Dame forderte seine Aufmerksamkeit und Chapeau riss sich von seinem Freund los.

    »Sie, Madame...« Die füllige Lady mittleren Alters mit deutlich zu viel falschem Holz vor der Hütte, sah verblüfft auf, als er auf sie deutete.

    »Sie sind aus gutem Hause, das sehen meine Augen deutlich«, zwinkerte er ihr keck zu. Es war die gleiche Dame, der er zu Beginn der Show die Blume geschenkt hatte. Sie kicherte mit ihrer hohen fipsigen Stimme. Dabei wippten ihre Brüste in ihrem recht offenen Dekolleté auf und ab. Für einen kurzen Moment hatte Chapeau Angst, sie würden herausfallen.

    »Hatten Sie nicht eine recht glänzende und große Kette bei sich? Sie sah überaus teuer aus, das habe ich gleich bemerkt«, deutete der Magier grinsend auf ihren Hals.

    Flink griff sie sich an die Stelle. Versuchte zu überprüfen, was der Magier ihr anzudeuten versuchte und als ihre Finger nur Haut, jedoch nicht das teure Schmuckstück ertasteten, erfasste Panik von ihr Besitz. Schrecken stieg in den wässrigen, blauen Augen auf. Ihr Gatte hielt sie aufrecht und sprach beruhigend auf seine Frau ein. Sätze wie:

    »Wir werden dir eine Neue kaufen« und »So teuer war sie nicht« drangen dem Schwarzhaarigen ans Ohr.

    Ablehnung stieg in Chapeau auf. Für einen kurzen Moment bemühte er sich um Beherrschung, um den Trick nicht sofort hier und jetzt abzubrechen. Doch er rief sich zur Ordnung, war er ja ein Profi. Außerdem hatte er eh ein As im Ärmel.

    »Keine Panik, Madame, sehen Sie nur da«, er deutete auf eine Frau, vier Reihen hinter ihr. »Ist das da nicht Ihre Kette?«

    Alle Blicke huschten zu dem jungen Mädchen. Erstaunt sah dieses an sich herab. Ihre Augen wurden groß. Schnappend öffnete und schloss sich ihr Mund. An ihrem Hals prangte die verschwundene Kette.

    Alle lachten und klatschten vor Begeisterung, und die dralle Dame bedankte sich bei dem Mädchen, als sie ihr die Kette überreichte. Damit war ebenfalls der letzte »Trick« vollbracht.

    

    Als sich Chapeau verabschiedete, wurden die Stimmen lauter. Brüllend und grölend. Die Masse tobte vor Begeisterung. Winkend grinste er nochmals in die Menge, warf der erfreuten, reichen Schrulle aus Reihe Eins einen Handkuss zu, ehe sich seine Gestalt in einer weißen Rauchwolke auflöste.

    Was diese nette Dame nicht wusste, war, dass ihre Kette den Platz mit einer Fälschung getauscht hatte.

    Lachend griff Chapeau in die Innentasche seines Jacketts und holte das edle Schmuckstück hervor. Illusionen waren doch etwas Feines, auch wenn sie nicht lange anhielten. Spätestens heute Abend würde sie sich auflösen, für einen längeren Zeitraum reichte seine Magie leider nicht aus.  

    Lange besah er das schöne Teil im Licht. Es glitzerte und funkelte atemberaubend. Chapeau war sichtlich zufrieden mit seiner Beute. Denn von den Zaubertricks allein, konnte man kein vernünftiges Leben führen, deswegen diese Nebenbeschäftigung.

    Chapeau war nicht nur ein Zauberer, sondern auch ein Dieb. Es waren nur kleine Bagatelle und nur ab und zu, man darf ja nicht auffallen. Kette hier, Ring da. Solange es sich mit seiner Magie vereinbaren lässt, wieso nicht? Schadet ja niemanden. Die Leute, die er beklaute, waren allesamt reiche Schnösel, die zu viel Schotter haben und es verkraften können.

    »So kann jeder Abend werden!«, feixte er und schloss die Tür seiner Garderobe hinter sich.

    Sein Blick schweifte zu der Uhr an der Wand. 3:17 zeigten die roten Ziffern an. Zeit, um sich auf den Weg nach Hause zu begeben.

    

3. Kapitel: Kapitel 2

Kapitel 2

    

 

    »Ares! Hast du die letzte Milch aus dem Kühlschrank genommen und nicht wieder aufgefüllt?!«, brüllte eine hohe, weibliche Stimme aus der Küche. Die darauffolgende, zuknallende Tür, verriet Ares, wie aufgebracht das Mädchen war, weil sie keine Milch abbekam.

    »Nein, ich war es nicht«, brummte Ares zurück und löffelte weiter seine Frühstücksflocken. Die leere Schachtel, mit der letzten Milch, versteckte er unauffällig unter dem Tisch.

    Ares war müde. Er würde sich jetzt gewiss nicht mit seiner keifenden Freundin auseinandersetzen. Die Nacht war verdammt noch mal zu kurz gewesen!

    Gähnend schielte der junge Mann auf sein Handy. 8:42. Müde!

    Zukünftig sollte er seine Show vielleicht etwas kürzen, sonst würde er weiterhin wie eine Leiche durch die Gegend laufen. Hier und da einige Tricks entfernen, dann wäre er früher im Bett. Eine Überlegung wäre es allemal wert.

    Wieder schlich sich ein Gähnen seine Kehle entlang. Erschöpft streckte er seine müden Glieder von sich. Ließ den Nacken leicht knacken. Am liebsten würde er hier und jetzt wieder einschlafen.

    Seufzend schob er sich einen weiteren Löffel seines Frühstücks in den Mund. Außerdem musste er heute dem Pfandleiher einen Besuch abstatten, fiel ihm ein. Die Kette, die er gestern in seinen Besitz genommen hatte, musste umgetauscht werden, bevor die Alte bemerkte, dass die Illusion verwunden war. Wenn sie es schon nicht längst hatte!

    Ares kicherte in seinen Löffel. Ihr Gesicht würde er gerne mal sehen, wenn im Safe plötzlich nichts mehr liegen würde.

    »Was ist so lustig?« Plötzlich baute sich ein Schatten vor ihm auf und holte den Magier aus seiner Grübelei.

    Johanna »Jo« Monrow ragte vor ihm auf, wie eine Mauer, die er unmöglich zu umgehen vermochte.

    Jo und er waren beste Freunde. Zusammen wohnten Ares und das keifende, blonde Ding in einer WG im Herzen von Vegas. Der dritte im Bunde war Pax. Seit dem letzten Jahr an der High School und dem damit verbunden Umzug nach LA waren sie unzertrennlich. Zusammen waren sie nach Vegas gezogen und jeder verfolgte mehr oder weniger seine Träume. Naja, zumindest versuchten sie das. Pax war der Junge aus seiner Show und sein bester Freund.

    Jo war ein halbes Jahr jünger als er und Pax. Mit ihren 19 Jahren war sie das Nesthäkchen in ihrer Männerbude, wohingegen Ares und Pax 2 Jahrzehnte aufweisen konnten.

    

    Ares zuckte nur mit den Schultern und ignorierte die Frage gekonnt.

    »Ich weiß, dass du es warst!«, knurrte sie ihren Mitbewohner an und ihre blauen Augen sprühten mörderische Funken auf die Schüssel voller Milch.

    »Könnte es vielleicht Pax gewesen sein?«, versuchte Ares abzulenken. Genüsslich kaute er weiter sein knuspriges Müsli.

    Hmmm Schoko ... Ich mag Schokolade.

    »Der pennt!«

    »Nicht mehr lange, wenn du so weiter brüllst«, entgegnete Ares gelassen und erhob sich von seinem Stuhl. »Schon mal im Schrank geschaut?«

    »Hältst du mich für so blöd?«

    Nach dieser Frage stieg Jo´s Wut eine Spur weiter an und Ares beschloss, darauf nicht zu antworten.

    Gemächlichen Schrittes begab sich der Schwarzhaarige in die Küche. Der Vorratsschrank stand etwas abseits der kleinen Einbauküche. Kurz schweifte sein Blick an den Möbeln entlang. Ein trauriger Ausdruck schlich sich für Sekunden in die grünen Augen. Seine Mutter hatte die gleiche Küche gehabt. Viele angenehme Stunden hatten sie damals darin verbracht und einige negative. Als sein Vater ... Ares vertrieb die düsteren Gedanken der Vergangenheit schnell.

    Federleicht strich er am hellen Holz der Fronten entlang und stand vor dem Schrank, in dem sie ihre Vorräte aufbewahrten.

    Kurz musste er tief durchatmen. Kreiste seine verspannten Schultern und knackste mit den Fingern.

    Los geht´s.

    Wie schon gesagt: Die Magie hatte Grenzen und diese inneren Schranken zeigten sich deutlich in der Energie. Sein Körper war von gestern Abend nach wie vor ausgelaugt. So hilfreich diese Kräfte waren, sie verbrauchten doch eine Menge seiner Reserven. Wie das zu Stande kam, hatte Ares bis jetzt nicht herausgefunden.

    Zu dem Zeitpunkt, als sich seine Magie entwickelt hatte, starben Ares‘ Eltern an einem Autounfall, fragen konnte er sie daher nach dem Warum nicht mehr. Dieser Abschnitt seines Lebens war für ihn besonders schwer gewesen. In einer neuen Stadt und dann ohne Eltern auskommen...   

    Doch das war jetzt Vergangenheit. Ares sah nach vorne. Verdiente sein eigenes Geld und lebte sein Leben. Allein!

    Ok, fast allein ... rief er sich die Nervensäge im Wohnzimmer wieder in den Sinn.

    

    »Also, los geht es«, murmelte er und rieb sich die Hände.

    Solche Sachen bereiteten ihm üblicherweise keine Schwierigkeiten. Es war nur ein lächerlicher »Beschwörungszauber«, aber Ares spürte deutlich, wie sich sein ganzer Körper dagegen sträubte. Die Muskeln schrien förmlich vor Erschöpfung.

    Mit dröhnendem Kopf legte Ares die Hand an die Tür des Vorratsschrankes. Sofort jagte der Energieimpuls durch jede einzelne Sehne in seinem Handgelenk bis hin zur Handfläche. Traf jede Bahn, jede Vene.

    Vor seinem inneren Auge stellte er sich die blöde Milchpackung vor, wie sie im Schrank stand, voll. Neu. Das Holz der Oberfläche fing mit einem Mal an zu wackeln. Knarzend und vibrierend versetzte er das Äußere des Küchenschrankes in Bewegung, bis es zu glühen anfing.

    In Bruchteil einer Sekunde hörte alles auf. Der Schrank stand wieder stocksteif da, ohne jegliche Aktivität.

    Ares Knie knickten ein, so ausgelaugt war er. Sein Atem beschleunigte sich, entwich ihm unregelmäßig aus der Lunge. An seiner Jogginghose wischte er sich die schweißnassen Hände ab. Stützte sich an den Knien ab, keuchte.

Sein Gesicht verzog sich vor Anstrengung. Ares presste die Zähne zusammen. Sein Körper krampfte. Er fühlte, wie kleine, unangenehme Impulse durch seinen Körper schossen.

    Schweißtropfen rannen seine Schläfen hinab, sammelten sich im Nacken und saugten sich in seinem weißen T-Shirt fest.

    „Ich sollte mich wieder ins Bett legen!“, stöhnte er, als er die Packung ergriff. Schwankte kurz.

    Als er sich sicher fühlte, verließ er die Küche und stellte die Milch wortlos vor Jo ab.

    Ihre blauen Augen weiteten sich ungläubig. Kurz erinnerte das blonde Mädchen Ares an einen aufgescheuchten Hasen. Doch im nächsten Moment wandelte sich der Ausdruck unverzüglich.

    »Wie, woher ... WO zum Geier hast du die Milch her?!«, blaffte sie ihren Freund an. Von der Überraschung war weit und breit keine Spur mehr.

    »Ich habe doch die Schränke durchsucht«, brabbelte sie vor sich her, als sie die Packung skeptisch beäugte.

    »Scheinbar warst du nicht gründlich«, neckte er Jo und goss sich einen Kaffee ein.

    »Ist übrigens die Letzte und da du sie aufmachst, musst du auch neue besorgen«, grinste Ares sie an. »Außerdem …«

    »LEUTE, ihr werdet nicht glauben, was gestern passiert ist!«, ertönte plötzlich eine aufgeregte Stimme. Keine Sekunde später tauchte die Person auf, zu der die Stimme gehörte.

    Ein dunkelhäutiger Junge, im gleichen Alter wie Ares, schlitterte mit freiem Oberkörper in die Küche. Hustend wand sich der Schwarzhaarige von dem Anblick ab. Das bittere Getränk, floss im heißen Strang die falsche Röhre entlang und schnürte Are die Luft ab.

    Pax Jackson, in Ares Augen der unglaublichste Kerl, den er je gesehen hatte, schritt halb nackt und fröhlich grinsend in die Küche. Schnappte Ares den Kaffeebecher aus der Hand und zwinkerte den buffen Mann keck zu.

    Ares Kehle war, so sehr zuschnürt, dass er nicht einmal einen Protest über die halb offenen Lippen brachte. Nur ein minimales Röcheln entkam ihm.

    Neidlos musste Ares gestehen. Pax Körper wies keinen Makel auf. Mit athletischen Muskeln und straffer, schokoladenfarbener Haut, raubte der Typ einem so ziemlich das Selbstbewusstsein.

    Ares seufzte schwer. Der Typ sah selbst, wenn er eben erst aus dem Bett gefallen war, super perfekt aus.

    Pax Haare waren üblicherweise akkurat gestylt. Mit den kurzen Dreadlocks, die entweder leicht in die Stirn hingen oder nach hinten gelegt waren, wenn er eins seiner Meetings hatte, stach er immer heraus. Doch im Moment waren sie nur zerzaust und standen wild vom Kopf ab. Und selbst das, sah er sehr gut aus. Verlieh dem Mann einen verruchten und verwegen Touch.

    Ares schluckte den Speichel, der sich in seinem Mund gesammelt hatte, runter und verschluckte sich prompt wieder.

    Dieser undone Look gefiel ihm verdammt erstklassig! An jedem Ohrläppchen hing ein Silber farbiger Stecker, ebenso wie auf dem linken Nasenflügel. Um seine Handgelenke schlangen sich einzelne Bänder. Ob von Festivals oder welche nur aus Leder, war egal. Pax nahm sie niemals ab und Ares fragte sich insgeheim, ob die demnächst mal seine Ellbogen erreichten, wenn es so weiter ginge. Alles in allem, war Pax eine coole Socke und so brachte er es nach außen.

    »Verdammt Pax, zieh dir was an!«, fauchte Ares, immer noch hustend und vergebens nach Luft ringend, nachdem er wieder die Sprache erlangt hatte.

    Hitze stauchte sich in seinem Kopf. Mit Mühe drängte er die Röte zurück. Den Klau des Kaffees, hatte er nicht einmal registriert.

    »Was Los Westwood!? Neidisch?«, grinste Pax den Andern jedoch nur an.

    Zog dann aber trotzdem sein Shirt über, welches ihm eindeutig zu kurz war und dank der tiefsitzenden Jogginghose, nicht hilfreich war. Deutlich konnte Ares die Hüftknochen sehen und wand den Blick schnell ab. Der tiefe Bariton in Pax´s Stimme, drang Ares unter die Haut. Vor allem wenn er so verschlafen klang. Leichte Gänsehaut durchzog seine Arme mit einem Mal.   

    »Träum weiter Jackson«, konterte Ares, nachdem er sein Husten wieder im Griff hatte und zog seinerseits sein Shirt ein Stück weit nach oben.

    Ares konnte zwar nicht mit Pax mithalten, der scheinbar mehr Zeit im Fitnessstudio verbrachte als zu Hause, doch auch er hatte keinen sooo unansehnlichen Body, gestand sich Ares ein. Dafür hatte der Schwarzhaarige einfach keine Zeit. Trotz allem konnte er gleichfalls einen kleinen Six-, oder zumindest Fourpack nachweisen.

    »Schluss damit! Ihr Testosterongesteuerten Affen. Setzt euch hin und esst!«, schnaubte Jo.

    »Pax du wolltest uns was erzählen?« Das Mädchen war wieder lockerer geworden, nachdem sie ihre Milch bekommen hatte und endlich mit ihrem Frühstück anfangen konnte. Auffordernd sah sie ihren Freund an.

    Ja Freund! Pax und Jo waren ein Paar, trotz des Versuches, es geheim zu halten, hat es Ares schon lange bemerkt. Zwar hangen sie es nicht an die Glocke, doch Ares wusste Bescheid. Er war aber froh, wenn die Beiden nicht vor ihm turtelten, was sie komischerweise nicht taten. Sie waren seit dem Kindergarten befreundet, da konnte sich ja schlecht nichts entwickeln. Oder sah Ares das falsch?

    Doch nicht nur seine Freunde hatten ein Geheimnis ... Er hatte sogar mehrere ... Und es versetzte ihm immer wieder einen leichten Stich, es ihnen nicht erzählt zu haben. Jetzt war es leider zu spät. Nach 2 Jahren Geheimniskrämerei gab es kein Zurück mehr.

    »Gestern ist er geflogen. So richtig und ohne Drähte, das hätte man bemerkt. Aber da war nichts. Keine Ahnung wie er das gemacht hat, aber es war unglaublich. ER war unglaublich«, sprudelte es aus Pax´s Mund heraus wie ein Schwall Wasser.

    Die blauen Augen fixierten seine Freunde aufmerksam. Aufgeregt wartete der junge Mann auf ihre Reaktion.

    Jo sah Ares ahnungslos an. Ihre Stirn krauste sich leicht.

    »Wovon sprichst du?«, fragte die Blonde, nachdem Pax nichts mehr sagte und nur abwartend seine Freunde ansah.

    Ares hielt sich bedeckt. Wusste er ja wovon, beziehungsweise wem, Pax hier so begeistert sprach.

    Eine kleine, warme Welle von Stolz durchflutete Ares. Er ließ es sich nicht anmerken, doch Ares freute sich immer über Pax Bewunderung. Es war sein kleiner Moment des Triumphes.

    »Na Chapeau!« Pax warf die Hände in die Luft, als würde er einfach nicht verstehen, wie seine Freunde so begriffsstutzig sein konnten.

    »Ich war doch gestern in seiner Show«, antwortete er kopfschüttelnd.

    ...Und da war es! Sein Geheimnis! Jo und Pax wussten nicht, wer Chapeau in Wirklichkeit war. Sie hatten keinen blassen Schimmer, dass Ares der mysteriöse Magier war und nicht, wie er sein Geld verdiente.

    »Was soll an dem Hochstapler so besonders sein?!«

    Autsch.

    Jo mochte den Magier nicht und das verheimlichte sie nicht Mal. Sie sagte es jedes Mal, wenn Pax von seinem Vorbild schwärmte, klar und deutlich.

    Ares seufzte verhalten und kratzte sich am Kopf. Er wusste exakt, wohin das Ganze jetzt führen sollte!

    »Mach ihn nicht schlecht Jo,« verteidigte Pax seinen Helden.

    Da war es wieder. Dieser kleine schneidende Schmerz in Ares Brust, der ihm verriet, dass er einmal mehr seine Freunde belog. Er hatte nur eine Sache im Sinn. Sie beschützen. Wollte sie nicht, dieser unbekannten Welt aussetzten, von der er selbst absolut keine Ahnung hatte. Doch eins wusste Ares - Sie war düster und gefährlich.      

    »Komm Ares, sag doch was dazu. Dir gefällt Chapeau doch auch oder?«, bittend sahen die blauen Augen ihn an.

    Jetzt saß er zwischen den Stühlen!

    Ares fuhr sich seufzend durchs schwarze Haar.

    »Na ja, ich weiß nicht. Ich habe ihn noch nie live gesehen, daher ...«, zuckte er mit den Schultern. »Außerdem muss ich los.«

    Schnell schnappte er seinen leeren Becher und erhob sich vom Stuhl.

    Einen tadelnden Blick Pax zuwerfend, wusch er die Tasse und räumte sie weg. Jetzt blieb er ohne seinen Kaffee! »Danke Pax«, grummelte er vor sich hin.   

    »Du kannst mich doch nicht in so einer wichtigen Situation allein lassen!«, protestierte Pax.

    Ares drehte sich um. Wie sollte er ihm in dieser Situation beistehen?

    »Hey Jo, ich bin Chapeau also sei nett zu ihm.« Oder »Sorry, dass ich euch die letzten Jahre belogen habe, aber ich habe Zauberkräfte und bin nicht wie ihr. Ach übrigens, bin ich der maskierte Magier, den Pax so gerne hat!«

    Keiner dieser Sätze verließ seine Lippen. Starr stand er nur da und fixierte seine Freunde. Verwirrung spiegelte sich in ihren Gesichtern. Hatte er das doch laut ausgesprochen? Nein! Unmöglich.

    »Ares?«, Pax trat einen Schritt auf seinen Freund zu und berührte in am Arm. Holte ihn aus der Bewegungslosigkeit.

    Ares entriss sich dem Griff. Kopfschüttelnd verließ er dem Raum. Er hörte Jo´s sanfte Stimme, die deutlich sagte: »Siehst du! Keiner interessiert sich für deinen blöden Magier.«

    Sein Herz schmerzte bei den Worten.

    Den Kiefer fest zusammengepresst, preschte er Richtung Zimmer.

    Er hatte keine Ahnung, wie lange er sein Geheimnis von den beiden verbergen konnte ... oder wollte. Von Mal zu Mal, viel es ihm immer schwerer.

 

 

4. Kapitel: Kapitel 3

Kapitel 3

    

    

    Leise schloss sich seine Zimmertür, sperrte die äußeren Geräusche ab. Hier konnte er, er selbst sein. In seinem kleinen, gemütlichen Zimmer.

    Die Sonne strahlte durch die leichten weißen Fenstervorhänge und überflutete den Raum mit ihrer Wärme. Beleuchtete die hellen Möbel, bestehend aus seinem Schreibtisch, einem Schrank und einer Kommode die direkt am Bettende stand.

    Das Lacken war immer noch, von der zu kurzen Nacht, zerwühlt und am liebsten würde sich Ares wieder in jene verkriechen, hätte er nicht eine dringende Angelegenheit zu erledigen.

    Ein Blick auf seinen Rucksack, ließ den jungen Mann seufzen. Unwillig schlenderte er zum Schrank. Dort kramte er eine Jeans raus und schlüpfte aus der bequemen Jogginghose in den rauen Stoff der Denim. Als Ares an seinem Shirt roch und kurz die Augen verdrehte, entschied er sich dafür, ein neues anzuziehen und wenn er wieder da wäre, der Dusche einen Besuch abzustatten.

    Auf dem Weg nach draußen schnappte er sich den Rucksack, mit dem Grund für seinen frühen Ausflug und die rote Zippjacke. Wieder glitt sein Blick zum Bett. Mist! Er hatte absolut keine Zeit sich darum zu kümmern! Knurrend bewegte sich seine Hand Richtung Lacken. Ein sanfter, roter Strahl Schlich sich aus den Fingerspitzen, drang in die Bettwäsche und erweckte sie zum Leben. Kissen bauschte sich auf. Die Decke faltete sich ordentlich am Bettende.

    Schweiß rann Ares die Stirn hinab, plötzlich viel das Kissen auf halbem Weg nach unten. Batterie leer! Seufzte Ares und stampfte auf das blöde Ding zu, schnappte es sich und pfefferte das weiche Federteil zurück auf das Bett. Als er sich aus dem Zimmer schlich, war er wieder pitschnass.

    »Verdammt!«, brummte er und wischte sich mit dem Saum seines Shirts über die Stirn.

    Vorsichtshalber verschloss er seine Zimmertür, war die Verkleidung ja darin. Nicht das Pax oder Jo in dem Zimmer herumwühlten, aber sicher ist sicher.

    Der Schlüssel drehte sich, das Schloss rastete zu und um die Ecke kam ein grummelnder Pax. Scheinbar hatte er den Streit mit Jo verloren. Ruckartig blieb er stehen. Seine Stirn legte sich in Falten, als sein Blick zu dem Schlüssel huschte.

    »Hast du was zu verbergen?« Die ausgelassene Stimmung von vorhin war spurlos verschwunden. Pax krauste die Stirn.

    Sein Zimmer lag genau neben Ares seinem. Sie wohnten schon seit zwei Jahren Tür an Tür und doch war Ares, nie in dem benachbarten Raum gewesen. Genauso wie anders rum. Sie hatten das Wohnzimmer zum Zocken, oder das Esszimmer, um sich zu unterhalten, während sie gemeinsam aßen. Doch in den Schlafzimmern waren sie noch nie gewesen. Ares fragte sich ob das für Jo´s Zimmer, ebenfalls galt. Ob Pax schon mal in ihrem war? So ein Blödsinn! Natürlich war er das, schließlich sind die beiden ein Paar! Schimpfte sich Ares einen Idioten. Wollte die Gedanken nicht zulassen, die sich ihren Weg in seinen Verstand bahnten. Eifersucht war etwas Schlimmes und das Letzte, was er empfinden wollte.

    »Alles gut«, entgegnete Ares weniger freundlich. Schüttelte daraufhin den Kopf.

    Woher die plötzliche Wut her kam, war ihm unbegreiflich, doch sie war da. Mit einem Schlag und ohne jegliche Vorwarnung war sie da. Fing erst nur ganz leicht an. In seinem Bauch weit hinten. Das Grummeln. Dann breitete es sich stückchenweise immer weiter nach oben aus. Ließ kleine Blitze in seinen Venen explodieren. Ares spürte die Magie deutlich. Sie versetzte ihm einen Schub, Adrenalin pumpte durch ihn durch. Wie ist das möglich? Er war doch so gut wie leer gewesen!

    Mit einem Schatz war er vor Pax. Griff an dessen T-Shirt und knallte ihn unsanft gegen die Wand. Sie waren gleich groß, dass bemerkte Ares zum ersten Mal deutlich. Womöglich nur ein paar Millimeter, die die Beiden unterschieden. Doch das war jetzt nebensächlich! Nie waren sich die beiden jungen Männer so nahegekommen. Oder hatte es Ares nicht bemerkt?

    Pax öffnete den Mund. Wollte etwas sagen. Er wehrte sich nicht gegen den harten Griff.

    Pax war nie einer gewesen, der handgreiflich wurde. Daher mochten ihn die Leute auch so sehr. Er war einer der guten Jungs. Immer nur am Helfen und die Probleme mit Worten lösen, anstatt mit Fäusten.

    Ares war da das Gegenteil. Er war beim besten Willen kein Rowdy, doch jetzt im Moment, war da diese Wut, die nicht kontrollierbar war. Im Gegensatz zu Pax war Ares hin und wieder in einer Schlägerei verwickelt gewesen. Und jedes Mal hatte er es genossen. War er dadurch ein schlechter Mensch? Er hatte zumindest nie selbst Streit gesucht. Nur sich verteidigt!

    Pax Hand hob sich, Ares kam es vor, wie in Zeitlupe, als sie sich sanft auf seine Schulter legte. Ares zuckte zusammen. Diese leichte Berührung, war schlimmer als ein Schlag und doch kam es dem Schwarzhaarigen vor, als hätte ihm Pax eine Ohrfeige verpasst. Sein Verstand dröhnte!

    Ares war wieder klar im Kopf. Sah panisch in die blauen Augen. War sich der Präsenz des dunkelhäutigen Jungen bewusst. Sofort zog er die Hände zurück, nuschelte ein »Sorry« und verschwand, so schnell seine Beine ihm tragen konnten aus der Wohnung.

    

    Als Ares den Wohnkomplex, im Herzen Las Vegas hinter sich ließ, war es um die Mittagszeit. Die Sonne knallte ohne erbarmen auf die Erdbewohner nieder und verschonte keinen einzigen arbeitenden Menschen.

    Sein Kopf schwirrte und pochte schmerzhaft, als er die überfüllten Straßen Vegas entlanglief. Er wäre mit dem Bus gefahren, oder mit dem alten klapprigen Fahrrad, welches im Keller stand, doch Ares entschied sich bewusst dagegen. Spazieren zu gehen um den Kopf frei zu bekommen, war im Moment wohl die beste Lösung. Er musste analysieren, was vorgefallen war und wie es zu so einem Aussetzer kommen konnte.

 

    Nach zwanzig Minuten Fußmarsch, kam er endlich an seinem Zielort an. Eine kleine, schäbige Bude mit einer Leuchtreklame über der Tür und der Aufschrift »OPEN«. Das Schild hatte schon weitaus bessere Tage erlebt, da nur vereinzelt die kleinen Lichter blinkten.

    Die Tür war aus Glas und dahinter vergittert. Schmutzig und marode. Neben dem Eingang stand eine Bank aus Holz, doch Ares würde sich nie im Leben daraufsetzten, komme was wolle. Die Fassade, an der die Bank anlehnte, gewiss um nicht umzufallen, verlor die Farbe und bröckelte in großen Mengen ab. Die dunklen Stellen hätte man ja übermalen können, dachte sich Ares, als er an dem Gebäude nach oben schaute. Doch scheinbar hatte es der Besitzer nicht nötig.   

    

    Ein leises »Bling« ertönte, nachdem Ares die Tür aufschwang. Im Inneren des Geschäfts war es dreckig und staubig. Nicht anderes, als das äußere Aussehen vermuten ließ.

    Vieles gab es hier nicht. Vereinzelte Regale standen an den Wänden, in denen sich aller möglicher Krimskrams verteilte. Einen Putzlappen hatten die auch schon lange nicht mehr gesehen. Dachte sich Ares und fuhr mit einem Finger über die Fläche. Skeptisch betrachtete er seinen schwarzen Finger. Unauffällig wischte er den Dreck an einem äußerst grässlichen Lampenschirm ab.

    Bei jedem Schritt wirbelte der Staub auf dem Fußboden auf. Ein Niesen schlich sich aus Ares Nase. »Hier sollte mal dringen aufgeräumt werden«, murmelte er vor sich hin, als er den Staub weg wedelte.

    Einige Schritte weiter saß ein Mann hinter der Theke und las in seiner Zeitung.

    »Pavel?«, rief Ares fragend zu dem Blonden herüber, doch der schien in nicht zu hören.

    Seine Haare schauten wirr aus dem schwarzen Beanie heraus. Sie reichten ihm bis zum Kin. Ares kannte den Mann schon einige Zeit. Normalerweise trug Pavel immer einen Dutt, wenn die Zotteln länger waren. Schien es jetzt aber, als wäre der Blonde beim Frisör gewesen.

    Ares trat dichter an den Tresen heran. Räusperte sich kurz, erhielt aber nach wie vor keine Reaktion.

    Pavel strich sich abwesend die Haare auf der linken Seite hinters Ohr und entblößte den schwarzen Ohrring, denn Ares mal eingetauscht hatte. Leicht musste er grinsen. Eigentlich sollte er das Schmuckstück verkaufen, aber ok ... Dann fiel sein Blick auf die Stöpsel, die im Ohr steckten. Grummelnd fuhr er sich übers Gesicht, ergriff eines der Kabel und zog es kurzer Hand raus. Sofort sprang der Blonde fluchend auf. Ares verstand kein Wort, da Pavel halb Tscheche halb Russe und zu einem Teil Japaner war, zumindest verkündet er es so. Wer weiß, welche Gene sich bei ihm sonst so verbargen. Das mit Japaner könnte man sogar glauben, denn seine Gesichtszüge waren fein und auch an den schwarzen Augen erahnte man es.

    »Verdammt Ares! Erschreck mich doch nicht so, Alter«, schimpfte Pavel und verstauchte das Musikgerät in eine Schublade.

    Kurz wischte er sich die Hände an dem beigen Hoodie ab und reichte sie seinem Gegenüber. Mit erhobener Augenbraue ergriff der Schwarzhaarige die dargebotene Hand und schlug ein. Danach versuchte er sie so unauffällig wie möglich an der Jeans abzuwischen. Wer weiß wo Pavel seine Hände überall heute hatte?

    Ein Blick auf den Tresen, ließ in tief seufzen. Nicht nur ein halb gegessenes Sandwich lag da, sondern auch allerlei merkwürdige Zeitschriften. Näher würde Ares nicht darauf eingehen. Es sollte sich die Hand komplett abhacken, um keine Infektion zu bekommen!

    »Was kann ich für dich tun mein Freund?« Pavel lehnte sich weiter über die Theke und ein gewisses, erwartungsvolles Strahlen trat in die tiefen, schwarzen Augen.

    »Ich habe da etwas, bei dem ich deine Hilfe brauche«, erklärte Ares und holte das Schmuckstück aus der Tasche.

    Augenblicklich zuckten Pavels Augenbrauen ungläubig nach oben. »Ohhhh wow! Wo hast du dich mein Leben lang versteckt du Schönste aller Schönen«, haute er und drehte die Kette in alle Richtungen.

    »Auf dem Hals einer reichten, alten Schabracke«, feixte der Schwarzhaarige. »Wie viel kannst du mir dafür geben?«

    »Hmm schwer zu sagen. Es ist nicht gerade eine wertlose Brosche oder sonst irgendein Firlefanz, was du hier anschleppst. Das, mein Guter, könnte problematisch werden.« Pavel kramte sein Refraktometer herauf und schon war er in seinem Element.

    »Also kriegst du sie nicht weg?«, überlegte Ares und schmiedete bereits einen Plan. Wollte nach der Kette greifen, doch Pavel zog sie aus seiner Reichweite.

    »Das habe ich nicht gesagt«, sagte der Blonde und hielt das Schmuckstück ins Licht.

    »Die Klunker sind wirklich echt«, hauchte er ehrfürchtig. »Wie zum Geier hast du die in die Finger bekommen?«

    Ares öffnete den Mund und war im Begriff zu antworten, doch Pavel schnitt in ab.

    »Ich will es gar nicht wissen!«, hob er die Hand. »Ich werde etwas Zeit brauchen um einen vernünftigen Käufer zu finden. Du weißt, wie die Sache abläuft.« Pavels Blick huschte immer wieder vom Collier zu Ares und zurück.

    »Ja ich weiß. Melde dich dann«, verabschiedete sich Ares. Kopfschüttelnd warf er Pavel, welcher ihn nicht mehr beachtete, einen letzten Blick zu, dann verließ er die Pfandleihe endgültig.

    Genau das war es hier… eine Pfandleihe, für all die netten Bürger Las Vegas, doch was sich hinter dem Tresen abspielte, war eine völlig andere Welt. Hehlerware, Drogen und sogar Waffen konntest du über den blonden Mann beschaffen.

    Pavel war ein netter Mann, drei oder vier Jahre, Ares vermochte es nicht mehr sagen, älter als er selbst.

    Immer wieder unterhielten sie sich nicht nur über die Ware. Ab und zu auch über private Sachen, wie Frauen und Familie, tauschten sie sich aus. Pavel hatte nichts von beidem mehr. Die Eltern starben, genauso wie Ares seine auch, vor langer Zeit.

    Und seine Frau? Die hatte ihn verlassen… nur wenige Monate nach der Ehe. Seit der Zeit baute sich Pavel die Zukunft in diesem Geschäft auf.    

 

    Weitere endlose Minuten vergingen, in denen Ares die Straßen entlanglief. Einfach nur gerade aus, ohne festes Ziel. Er wollte nicht wieder in seine Wohnung. Wollte nicht riskieren auf Pax zu treffen. Ihm war immer noch der Ausraster von heute Morgen peinlich. Was war nur in ihn gefahren?!

    Seufzend blieb er stehen. Was sagt die Uhrzeit? Ares kramte sein Handy aus der Hosentasche und entsperrte es. Verblüfft blickte er auf das Display. 1 Anruf in Abwesenheit Pax hatte versucht ihn anzurufen? Wieso hatte er es nicht bemerkt? Dann sah Ares das Blinken einer Nachricht:

    Alter, was war denn los? Hab ich etwas falsches gemacht?

    Meld dich bei mir.

    Ob er ihn anrufen sollte? Dann fiel sein Blick auf die Uhrzeit und Ares entschied sich, das auf später zu verschieben. So langsam sollte er die Show für heute Abend vorbereiten.

    Es wäre wieder der gleiche Ablauf. Tag für Tag. Nacht für Nacht. Ares kam mittags hierher, bereitet als vor. Keiner hatte das Recht, das kleine Theater, während der Zeit zu betreten. Und sobald es Abend wurde, zog er seine Maske über und wurde zu Chapeau. Er trat auf, beendete die Show und machte sich auf den Weg nachhause, schlief und am nächsten Tag fing das gleiche Spiel wieder von vorne an.

    

    Knarzend öffnete sich die schwere Eingangstür des alten, in den späten 40er Jahren gebauten, Gebäudes.

    Über der Tür hing ein großes Schild. Darauf stand in verschnörkelten Lettern: Chapeau, la Chapellerie und ein überdimensionales Bild, welches den Künstler höchstpersönlich zeigte, prangte ebenfalls darauf.   

    

    Ebenso wie gestern schaltete Ares das große Deckenlicht an. Die Scheinwerfer erhellten sofort den ganzen Raum in strahlendes Licht.

    Als Ares nach oben auf die Bühne schlenderte und die Augen für einen kurzen Moment schloss, hörte er das Publikum, wie es applaudierte und nach einer Zugabe schrie. Es war ein unglaubliches Feeling. Ein Gefühl von Akzeptanz und des Daheimseins. Ein Empfinden, das der Magier nicht missen wollte. Und deswegen beschäftigte er sich jeden Tag damit.

    Dafür arbeitete er so hart! Dafür wahrte er sein Geheimnis!

 

    Die Sonne über die Stadt der Träume und des Glückspiels versank in rasender Geschwindigkeit. Die Stunden bis zum Abend rannen dahin, wie kleine Sandkörner in einem endlosen Stundenglas.

    Eher sich Ares versah, war es schon Zeit für einen weiteren Abend voller Magie und Mysterien.

    

    Ares erlaubte sich einen kleinen Blick, zwischen den Vorhängen zu erhaschen. Heute waren die Plätze ein weiteres Mal reichlich gefüllt und die Stimmung, wie jeden Abend fulminant.

    Immer wieder huschten seine Augen über die Menge, auf der Suche nach Beute, auf der Suche nach einer nächsten Gelegenheit, auf der Suche nach blauen Augen. Doch er fand nur die erste Sache.

    

    Ein Trick war besser als der andere und Chapeau war im Rausch seiner Magie gefangen.

    Alles lief wie am Schnürchen. Die Leute staunten, applaudierte und lachten. Ares fühlte sich, als würde ihn nichts und niemand stoppen können.

    

    Gerade war er dabei Spielkarten in die Luft zu werfen, als Plötzlich die Situation mit einem Mal kippte und Ares Welt in sich zusammenbrach. Wie ein Kartenhaus in einer herbstlichen Brise.

    Lautes Getrampel dröhnte von draußen in das voll besuchte Theater. Stimmen erhoben sich und kamen immer näher, bis der Grund dafür durch die Saaltür stürmte.

    Das Publikum bekam Panik. Manche sprangen auf, waren im Begriff aus dem Gebäude zu fliehen. Vermummte Männer standen an den Ausgängen und blockierten diese.

    SIE stoben die Treppen hinab, wie eine Horde wild gewordener Pferde.

    In ihren beigen Uniformen. Bewaffnet mit Schlagstöcken und Pistolen.

    Cops!

    Augenblicklich kam einer der Polizisten auf Chapeau zu gerannt.

    Mit erhobener Waffe schrie er ihm etwas zu, doch Ares verstand kein einziges Wort. Wie durch Watte, drangen die Geräusche zu ihm durch. War das eine Razzia? Ein Überfall? Oder bloß ein miserabler Scherz?

    Ares wusste nicht, wo ihm der Kopf stand, bis der Cop ihn erreicht hatte, jetzt konnte er ihn deutlich klarer hören. Doch Ares wünschte sich, er hätte es nicht gehört. »Mr. Chapeau sie sind verhaftet, in Hinsicht auf den Einbruch beim Juwelier High. Sie haben das Recht zu schweigen ...«

    Mehr drang nicht in sein Gehirn durch. Einbruch? Welcher Einbruch?

    Das Klicken der Handschellen hallte unnatürlich laut in seinem Gehör wider. Die Schwere des Metalls, die fest und schuldig um die Handgelenke lagen, machten seine Situation überaus deutlich. Er war verhaftet!

    Die Polizisten drängten ihn in einen Streifenwagen. Blitzlicht der Kameras blendete ihn. Er konnte kaum hinsehen. Musste nicht, um zu wissen, dass sein Gesicht die morgige Schlagzeile schmücken würde.

    Im schrillen Ton der Sirenen rauschte der Polizeiwagen davon.

    

    Der Raum in den sie Ares brachten, war alt und abgenutzt. Graue Wände, graue Decke und selbst der Boden war grau. Nichts weiter, außer einem Tisch und zwei Stühlen, auf dem einen er nun saß, war hier zu finden. Keine Fenster, keine Blumen, die die triste Umgebung etwas freundlicher hätten gestalten könnten. Nichts! Außer der Kälte und des Hier und Jetzt.

    Es war einer dieser typischen Verhörräumen, wie Ares sie aus dem Fernseher kannten. In einer der Ecken bemerkte er die obligatorische Kamera. Immer dachte er, es sei ein Klischee und jetzt stürmten wohl der gute und der böse Cop rein und würden ihn in die Mangel nehmen.

    Wunderbar, das hätte ihm auch noch gefällt! Seufzte er und knallte mit dem Kopf auf die metallene, wie sollte es anders sein, graue Platte. Sofort bereute er es.

    Die Tür öffnete sich, ein Mann trat ein. Seine Marke wies ihn als Hauptkommissar aus. Ein so hohes Tier zur Befragung? Was hatte er verbrochen!?

    »So Mr. …,« Er sah auf seine Unterlagen »Chapeau?«, und runzelte die Stirn. »Warum ist kein richtiger Name angebenden?«, fluchte er dem Kollegen entgegen, der keine fünf Minuten nach ihm eingetreten war.

    Er war dünn und schmächtig. Mit einer großen Hornbrille und dem Ordner unter dem Arm, war er entweder der Praktikant, Lehrling oder irgendein Büroheini.

    »Es muss da drinstehen, Chef«, brabbelte er schnell und linste in die Unterlagen, dabei immer seine Brille hinaufschiebend. »Eigenartig ...«

    Seufzend massierte sich der Chef das Nasenbein. »Wie dem auch sei. Ihnen wird schwerer Diebstahl in mehreren Fällen vorgeworfen. Wir haben sie auf Video.«

    Bitte was?! Verblüfft sah Chapeau sein Gegenüber an. In seinem Theater waren keine Kameras!

    »Ich sage nichts ohne meinen Anwalt.« Diesen Satz hatte er in so manch einer Krimiserie gesehen und hätte nie gedacht, dass er jemals in so eine Situation geraten würde, in der er ihn bräuchte.

    Ob eines seiner Opfer doch etwas bemerkt hatte? Nein, unvorstellbar, und doch saß er jetzt hier.

    In diesem stickigen Gebäude, mit diesem Polizisten gegenüber.

    Scheinbar hatte der Kommissar mit so einer schnellen Antwort nicht gerechnet, denn eine Vene auf seiner glänzenden Stirn fing gefährlich an zu pumpen. Leichte rote Flecken bedeckten das blase, vom Falten zersetzte Gesicht. Das dünne, braune Haar war mit vielen grauen Strähnen durchzogen. Attraktivität sah anders aus, grinste Ares in sich.

    »Verdammt! Nehmt ihm diese Maske ab! Wir sind doch nicht beim Kinderfasching!«, brüllte er, als er Ares Grinsen bemerkte.

    Kleine Spucktropfen flogen aus dem Mund und landeten vor dem Schwarzhaarigen auf dem Tisch.

    Angewidert verzog Ares das Gesicht. Diese Geste schien dem Kommissar das Letzte bisschen Geduld zu rauben.

    Augenblicklich sprang er auf. Umrundete den Tisch und ergriff Chapeaus Maske.

    Panik durchfuhr Ares Glieder. Seine Hände waren gefesselt! Er konnte sich nicht wehren. Konnte nicht verhindern, dass die jahrelange aufgebaute Tarnung aufflog. Jetzt! Hier! In diesem Moment!

    Die grünen Augen fixierten das Helferlein. Ein leichter Impuls zuckte durch Ares Körper, ohne es kontrollieren zu können.

    Plötzlich schrie der dürre Mann auf. Erschrocken sprang er auf.

    Der Ordner in seinen Händen wackelte. Erst leicht, dann immer schneller. Blätter flogen daraus und fingen an zu qualmen.

    Prompt lies der Kommissar von ihm ab und rannte seinem Kollegen zu Hilfe.

    Ein kleines Feuer entzündete sich. Die Beamten huschten wie aufgeschreckte Hühner im Raum herum und Ares war nur nach Lachen zumute.

    Das kleine »Zing« der Sprinkleranlage in der Decke, versetzte Ares Giggeln schnell ins Gegenteil. Augenblicklich kam das kalte Nass auf sie herab und verwandelte den Boden in eine riesige Pfütze. Nichts blieb mehr trocken, auch Ares nicht. Seufzend schüttelte er den Kopf. Sein Zylinder schirmte ihn zum Teil ab, so dass das Gesicht wenigstens davon verschont blieb. Der Rest aber war plitsch nass.

    »So arbeitet also die Polizei von La Vegas? Vernichten Unterlagen und setzen das Gebäude in Brand?«, erklang eine spöttische Stimme aus Richtung Tür.

    Ares hob den Kopf und wäre am liebsten im Erdboden verschwunden. Könnte es noch schlimmer kommen?!

    In der Tür stand ein Mann, den Ares nur zu gut kannte.

    Sein grauer Anzug spante sich um breite Schulter. Die langen Beine steckten in ebenfalls grauen Hosen. Das schwarze Hemd bildete einen einfachen, aber gekonnten Kontrast. Die ersten Knöpfe waren offen, wegen der Hitze in Las Vegas, kein Wunder. Blaue, strenge Augen schauten die Anwesenden kalt an und das, wie immer akkurat getrimmte, blonde Haare, welches an den Seiten leicht ergraut war, rundete das Bild ab.

    Ares kannte ihn. Nicht so erstklassig, doch die vielen Fotos in ihrem Wohnzimmer taten ihr Übriges.

    »Wer sind sie!?«, fluchte der Kommissar und starte wutentbrannt den Neuankömmling an. Das Wasser immer wieder aus dem Gesicht wischend.

    »FBI. Ab hier übernehme ich«, war die knappe Antwort und als der FBI Agent seine Marke dem Kommissar vor die Nase hielt, runzelte dieser die Stirn. „Sind sie nicht im falschen Zuständigkeitsgebiet? LA ist doch weiter unten“, brummte der Kommissar mit einem Grinsen in seinem faltigen Gesicht.

    Hielt er sich für Witzig? Fragte sich Ares im Stillen und verfolgte die kleine Auseinandersetzung.

    „Ich glaube nicht, dass es sie etwas angeht“, entgegnete der FBI Agent und drehte sich wieder Ares zu. Der Schwarzhaarige sah die Vene auf der zu hohen Stirn, des Kommissars pulsieren. Wurde sie größer? Doch er hatte keine Zeit mehr, um zu grüben. Eine kräftige Hand schob sich unter seinen Oberarm und hievte ihn mit Leichtigkeit nach oben.

    »Wir nehmen Raum 2«, verkündete der FBI Typ und blickte die Polizisten mit erhobener Augenbraue an. Diese nickten nur missmutig.

    

    »Mr. Westwood« fing er an.

    Ares japste auf. Woher wusste er es!

    »Schauen sie nicht so schockiert drein. Wir sind das FBI. Glauben sie, wir würden jemanden wie Sie, nicht im Auge behalten?«, rollte der FBI Typ mit den Augen.

    »Agent Monrow, was machen sie in Vegas? Und was wichtiger ist: Bitte verraten sie Jo nicht, wer ich wirklich bin. Das kennt niemand und ich möchte, dass es auch so bleibt«, bettelte Ares, die Ketten an seinen Handgelenken klirrten auf dem metallenen Tisch.

    Sie saßen in Raum Nummer 2, hier sah es identisch aus wie im Raum vorher. Mit dem kleinen Unterschied, dass es hier keine Kameras gab. Jack Monrow war Jos Vater. Ares kannte ihn nur von gelegentlichen Besuchen und von den zahlreichen Fotos. Er und seine Tochter haben sich auseinandergelebt. Was der Grund dafür war, wusste Ares nicht. Jo sprach nur ungern von ihrer Familie.

    »Keine Sorge Mr. Westwood. Es geht hier nicht um ihr kleines Geheimnis. Und ich bin wegen ihnen hier«, Monrow setzte sich ihm gegenüber und ließ die Akte vor seine Nase fallen.

    Das Foto eines maskierten Mannes sprang Ares sofort ins Auge. Mit der Maske und dem Zylinder auf dem Kopf, sah der Typ fast genauso aus wie Chapeau. Wäre da nicht seine dunkle Haut gewesen. Wie konnte ihn die Polizei bei so einem deutlichen Unterschied nur verdächtigen?!

    »Das bin ich nicht!«, protestierte Ares sofort. Wollten die ihm etwas anhängen!? Ihn unschuldig - na ja fast unschuldig - ins Gefängnis stecken?!

    Ares spürte Wut in seinem Körper aufsteigen. Fühlte die Energie, wie sie auszubrechen drohte. Das durfte er jetzt nicht zulassen. Nicht noch einmal. Ein Brand pro Tag reichte aus! Er hatte nicht das Recht, hier Magie anwenden.

    Mit Mühe unterdrückte er das Zittern seiner Handflächen und die Kraft, die sich vibrierend in seinem Inneren sammelte.

    »Ganz ruhig Kleiner, wir wollen dir nichts anhängen«, sprach Monrow besänftigend auf Ares ein.

    Kann er meine Gedanken lesen?! Lauernd sah Ares sein Gegenüber an.

    Es fiel ihm deutlich schwer, bedacht zu bleiben, deswegen bohrte er seine Fingernägel in die Handflächen. Versuchte konstant, ein und aus zu atmen.

    »Wir wissen, dass du das nicht bist«, er deutete auf das Foto. »Aber wir haben gehofft, du könntest uns helfen heraus zu finden, wer es ist.«

    Agent Monrow lehnte sich zurück und verschränkte abwartend die Arme vor der breiten Brust.

    »Wie kommen Sie darauf ich könnte ihnen helfen?«

    »Schau mal weiter in die Akte. Darin steht alles, was du wissen musst«, antworte der Agent.

    Skeptisch blätterte Ares von Seite zu Seite.

    »Das kann doch nicht wahr sein«, murmelte er, je mehr Informationen er lass.

    »Dieser Kerl ... er ist wie ich!«, keuchte Ares ungläubig.

    »Woher haben Sie diese ... Woher wissen Sie von ...?«, stotterte der Teenager. Panik erfasste ihn, machte sich in ihm breit. Er war aufgeflogen! Aber sowas von!

    »Weißt du Ares ... ich darf dich doch Ares nennen?«, erkundigen sich Monrow freundlich. Ares nickte nur stumm.

    »Wir haben dich schon lange auf dem Schirm. Und deinen Hokuspokus ...na ja, sagen wir mal so. Solange es niemanden verletzt hat, haben wir es toleriert. Es gibt eine bestimmte Abteilung beim FBI, die sich um Menschen mit speziellen Fähigkeiten kümmert und sie beobachtet. Wenn keiner sich auffällig verhält, lassen wir diese Personen in Ruhe. Wenn aber einer aus der Reihe tanzt«, damit meinte er den Typen auf dem Foto. »Dann sind wir gezwungen einzugreifen.«

    Ungläubig hörte Ares Jack zu. Er hatte nicht gewusst, dass es andere Menschen wie ihn gab. Seit drei Jahren hat er sich wie ein Außerirdischer gefühlt und mit dem Wissen gelebt, er wäre der Einzige mit solchen Fähigkeiten. Sollte es sich jetzt ändern? Konnte er glauben, dass es mehr seiner Art gab?

    Sein Kopf schwirrte. Es waren deutlich zu viele Informationen.

    Es musste hier raus!

    Funken fingen an, um seine Handflächen zu sprühen. Rot, Violet. In den verschiedensten Tönen. Ares Kopf war dem Explodieren nahe. Wieso hat die Agency ihn nicht früher kontaktiert!? Warum das Ganze?!

    »Dieser Maskierte, hat einige wertvolle Sachen geklaut, von denen wir wissen, wenn sie in die falschen Hände geraten, wäre das verheerend. Es sind eine Art Splitter. Wie die eines Kristalls«, redete Jack Monrow weiter. »Verstehst du? Ares?«

    Schweiß rann Ares die Stirn hinab, ließ ihn blinzeln. Er konnte dem Agenten nicht mehr zuhören. Wie durch Watte drang die tiefe Stimme zu ihm durch.

    Etwas Feuchtes lief seine Wange hinab. Es war nicht nur der Schweiß. Tränen mischten sich mit der anderen Flüssigkeit, bildeten eine salzige Spur aus Verzweiflung und Trauer, bis sie letztendlich auf den Tisch tropften und sich dort zu einer kleinen Lache formten.

     

    »Warum kann ich ihnen da behilflich sein? Wenn es andere wie mich gibt, kann da keiner von denen helfen?!«, krächzte Ares verzweifelt.

    Seine Stimme drohte ihm zu versagen. Soweit war er schon! Heulte hier vor einem Erwachsenen wie ein kleines Kind!

    »Das Problem ist, Ares. Es gibt keinen, der die gleichen Fähigkeiten hat wie du. Verstehst du?«, antwortet Monrow bedacht, kam dabei ein Stück weit nach vorne.

    »Deine »Magie« ist etwas Besonderes. Die anderen haben nur eine Fähigkeit, wie zum Beispiel Telekinese. Du aber, kannst das alles in einem, das gab´s nicht Ares, und dieser Typ« Monrow deute mit dem Finger auf das Foto »kann das auch. Deswegen sind die Restlichen machtlos.«

    Der Agent blickte den Mann vor sich an. Das verzweifelte und nasse Gesicht des Jungen, weckten Monrows Vatergefühle.

    Kurz tätschelte er die Hand des Gefangenen. Wollte ihm Trost spenden und zeigen das alles in Ordnung war, hatte er zumal ja eine Tochter in dem gleichen Alter. Jo mag zwar nicht dasselbe durchmachen wie Ares, doch auf Grund seiner Arbeit, war Monrow selten zu Hause. Er wusste um die Trauer und Einsamkeit eines geliebten Menschen und Ares hatte sie beide verloren, Vater und Mutter.

    

    Etwas Besonderes? Diese Worte kreisten in Ares Kopf rum, wie ein Hubschrauber über Las Vegas. So hatte ihn bis dato nie jemand genannt.

    Kurz nahm er das Foto in die Hand und sah es sich genauer an. Ewas an seinem Doppelgänger kam ihm bekannt vor, doch er konnte beim besten Willen nicht rausfinden, was es war. Sein Inneres schrie es ihm entgegen, doch Ares verstand die Worte nicht.

    Der Schwarzhaarige wischte sich energisch über das Gesicht. Entfernte die Spuren seiner Schwäche.

    »Kein Wort! Zu niemandem! Keiner darf erfahren, wer ich wirklich bin, dann helfe ich ihnen auch.« Ares hatte einen Entschluss gefasst.

    Wenn dieser Typ genauso war wie er, dann währe es Ares vielleicht möglich mehr über sich selbst zu erfahren. Woher er seine Kräfte hatte oder wieso er sich so von den anderen unterschied.

    Ares willigte ein.

    Die Handschellen schlugen klirrend aneinander, als er Monrows Hand ergriff und sie schüttelte. Es war ein Abkommen. Ein Abkommen der gegenseitigen Hilfe. Hoffentlich war es die richtige Entscheidung.

    »Wieso wurde ich eigentlich verhaftet?!«, fielen dem Gefangenen die Handschellen wieder ein, die jetzt doch recht unangenehm wurden.

    »Reine Vorsichtsmaßnahme«, versicherte Monrow und schloss diese verfluchten Dinger wieder auf. »Das ist Spezialanfertigung für Leute wie dich«, Monrow sah auf die Handschellen. »Eigentlich solltest du nicht einmal das kleinste Fünkchen Magie benutzen können, doch du hast es geschafft den Raum in Brand zu stecken .... Verblüffend.« Monrows Blick glitt an den Handschellen vorbei auf Ares Hände. Seine Stirn kräuselte sich in grüblerischer Mine.

    Ares rieb sich die Handgelenke. Erstaunt folgte der dem Blick.

    Die Magie beruhigte sich zwar wieder und normalisierte sich mehr oder weniger, doch etwas stimmte nicht. Sie lief nicht ihn ihrer gewohnten Bahn.

    Plötzlich zuckte eine Schmerzenswelle durch den Körper des Teenagers. Zischend krümmte er sich.

    Diese unkontrollierbaren Anfälle hatte er immer wieder mal. Doch diesmal war es schlimmer. Lag es an der gestauchten Magie, die jetzt wieder frei lag?

    »Was zum...!«, entfuhr es Ares durch zusammen gebissene Zähne.

    Sein Körper spannte sich an und kleine Spannungsladungen drangen nach außen.      

    »Ares. Ich möchte, dass du mich begleitest.« Monrow, der die Situation nachdenklich beobachtet hatte, griff den Jungen am Unterarm und zog den Teenager, wie das Mal zuvor, auf die Beine.

    Kurz schnaufte Ares und atmete tief durch. Die Schmerzen ebneten leicht ab und er folgte dem größeren Mann widerwillig. Sein Körper füllte sich steif und starr an. 

    

    Stumm gingen sie den Gang entlang. Aus dem kleinen Raum, die Treppe hinab in die untersten Stockwerke. Sie kamen im Keller an. Ares wusste bei bestem Willen nicht, wo er hier war, bis sein Vordermann plötzlich das Schweigen brach.

    »Wie geht es Jo?«, wollte er wissen, als wären sie bei einem Kaffeekränzchen.

    Etwas aus dem Konzept gebracht überlegte Ares kurz. »Ihr gehts ganz gut soweit. Sie arbeitet und hat einen Freund«, antwortet Ares und dachte an die Beiden.

    „Ein netter junger Mann“, nickte Jack.

    „Sie kennen ihn?“, fragte Ares verblüfft.  

    Was sie wohl gerade taten? Sorgten sie sich um ihn? Haben sie überhaupt bemerkt, dass er weg war?

    „Durch meine spezielle Aufgabe, bin ich ihm das eine oder andere Mal begegnet. Ziemlich schweigsam der Gute, aber wenn er Jo gut behandelt, hat er meinen Segen“, plauderte der Ältere munter vor sich hin.

    „Schweigsam? Aber…“ Seit wann war Pax ein ruhiger Typ? Ares runzelte die Stirn und sah zu dem Größeren auf. Sprachen sie vom selben? Ares machte den Mund auf, wollte etwas erwidern.

    »Das ist unser Forschungslabor«, verkündete Monrow und brachte Ares zum Schweigen.  

    Ohne Mühe schob sich die schwere Eisentür auf und legte einen hellen Raum frei. Staunend folgte der Teenager dem größeren Mann hinein.

    Es war wie in einem Sciencefiction Film. So als würde man in einem Raumschiff stehen oder eine Zeitreise in die Zukunft machen.

    Überall standen Tische mit verschiedenen Reagenzgläsern und Computern herum. Allerlei High-Tech-Zeugs lag hier und da rum.

    Ares füllte sich wie James Bond, der gleich seine Gadgets bekam.

    Doch Monrow blieb nicht stehen. Er schlenderte weiter gemächlich durch den Raum. Die Leute begrüßten ihn freundlich, doch Ares gegenüber herrschte Misstrauen. Skeptisch wurde er von allen Seiten beäugt. Getuschel wurde wieder lauter.

    Der Teenager versuchte, cool und gelassen zu bleiben, auch wenn er sich am liebsten hinter dem breiten Rücken des Agenten versteckt hätte.

    »Hi«, »Hallo« und »Wie geht´s?«, waren so seine coolen Gesprächsfloskeln. Mehr brachte er nicht raus. Was sollte er sonst noch sagen? Hatte er, nach wie vor, sein Kostüm an und fühlte sich wie auf dem Präsentierteller.

    »Chapeau beweg dich!«, erklang eine laute Stimme und erst jetzt merkte Ares, dass er stehen geblieben war.

    Die Wissenschaftler um ihm herum, sahen ihn an. Stumm, akribisch und missbilligend. Es war ihm unangenehm, so zog Ares seinen Zylinder tiefer ins Gesicht und beeilte sich, zu dem wartenden Agenten zu kommen. Ares wollte Jacks Wut nicht auf sich ziehen.

    »Hier drinnen gibt es etwas, dass dir helfen sollte deine Kraft besser zu kontrollieren«, setzte Monrow, ihn in Kenntnis.

    Ares verstand nur Bahnhof. Was sollte ihm helfen?

    »Ich habe dir vorhin von den Schmuckstücken erzählt ...« Mit hochgezogenen Augenbrauen beobachtete der blonde Mann sein Gegenüber, eher er seufzte und einen Knopf drückte. Die Türen schoben sich mit einem leisen Zischen auseinander und entblößten reine Dunkelheit.

    Ares erkannte nichts außer der Finsternis, aber es war, als würde etwas nach ihm rufen. Wie ein leiser Hauch streichelte dieses Unbekannte sein Gesicht, berührte sein Inneres und trieb ihm Schweißperlen auf die Stirn.

    »Deine Mutter gab es uns nach deiner Geburt. Ich denke, es ist an der Zeit.«

    Bitte was?! Was geht hier vor? Ares wirbelte herum. Was hatte Monrow gesagt?!

    »Meine ...?«, mehr brachte Ares nicht raus.

    Er spürte eine große Hand auf seiner Schulter, eine kleine Bewegung und plötzlich verlor Ares den Stand und stürzte in die unbekannte Dunkelheit.

    

 

5. Kapitel: Kapitel 4

Kapitel 4

    

    

    Nichts als Schwärze empfing Ares in diesem endlos wirkenden Raum. Nicht einmal die Hand vor seinen Augen konnte er sehen.

    »Hey!«, schrie er gegen die Dunkelheit an. »Ist hier jemand?! Was soll der Mist!«

    Doch nichts und niemand antwortete ihm.

    

    Orientierungslos bewegte sich der Teenager in das Unbekannte.

    Der Boden fühlte sich flach und eben, unter seinen schwarzen Schnürschuhen, an. Als würde er auf einem Spiegel laufen. Nur das leise Klacken der Sohlen begleitete ihn in der Stille.

    Wieso schaffte er es nicht, seine Magie zu benutzen?

    Ares spannte den Körper an. Versuchte, sich zu konzentrieren. Nicht einmal einen kleinen Hauch schaffte er zu beschwören.

    »Verdammt!«, fluchte er.

    Kein Glimmen oder Funken, um der Dunkelheit zu entkommen. Nichts geschah. Etwas in seinem Inneren war wie blockiert.

    Kurz hob er die Hand vor sein Gesicht, nicht einmal die sah er. Die Dunkelheit drückte schwer auf seinen Kopf. Gaukelte ihm alles Mögliche vor. Schatten die nicht hier sein sollten. Geräusche, die es nicht gab.

    »Ares«

    »Hallo?«, flüsterte er. Hatte jemand nach ihm gerufen?

    Schatten huschten an ihm vorbei. Kreuzten seinen Weg oder liefen direkt in ihn hinein. Durch ihn durch.

    Er spürte sie nicht. Fühlte keine Berührung und doch war es so real. Es wurden immer mehr und mehr. Tauchten aus dem Nichts auf.

    Sie kämpften miteinander, schlachteten sich ab. Ares konnte ihre Bewegungen, nur wage sehen, konnte sie nicht verfolgen.

    Plötzlich stürmte eine Horde von Wesen auf ihn zu. Er konnte sie nicht zuordnen. Erhoben waren ihre Gliedmaßen, bereit zu zuschlage, zu morden. Klauen blitzten. Rasten auf ihn zu.

    Ares duckte sich blitz schnell. Kauerte sich zu einem Klumpen auf dem kalten Boden zusammen.

    Angst kroch ihm in die Glieder.

    »Ares«            

    Auf einmal drang ein leichtes Surren an sein Ohr. War das wieder nur Einbildung?

    Ares hob den Kopf. Eine Gestalt stand vor ihm. Schimmernd. Durchsichtig und nicht wie die anderen, schwarzen Klumpen aus Nichts.

    Die Hände hielt sie ausgebreitet, schützend. Wie eine unüberwindbare Wand.

    Ihr Gesicht sah er nicht, nur die blonden, langen Haare, wie sie in zarten Wellen ihren Rücken hinabflossen. Dann löste sie sich, in unzähligen Partikeln aus Licht, auf.

    Die Schatten verschwanden mit ihr zusammen, nur das stetige Surren drang durch die Schwärze zu ihm durch.

    Es knallte. Eine Explosion?!

    Es zwang, den am Bodenkauernden, auf die Beine zu springen. Flink wirbelte der Schwarzhaarige herum, konnte nicht ausmachen, woher es zu kommen schien.

    Wie ein Irrer drehte er sich um seine eigene Achse. Im Kreis, bis ihm schwindelig wurde. Wollte etwas sehen! Finden woher die Geräusche kamen! Aber es blieb weiterhin genauso dunkel.

    Zu dem Surren gesellte sich eine leise Stimme. Es war nur ein Hauch, doch sie kam ihm bekannt vor.

    Ares konnte nicht verstehen, worüber sie sprach. Sie war zu leise und undeutlich.

    »Ares« Ein Wispern, dem eines Windes gleich.

    Plötzlich flackerte ein Licht auf. Nicht weit von ihm. Es war nicht hell, doch es war etwas, was Ares half, nicht mehr in vollkommener Dunkelheit herum zu stolpern.

    Achtsam bewegte sich er sich darauf zu. Es war nicht die Neugier, die ihn dahinzog. Es war etwas anderes. Etwas Tieferes. Er konnte es nicht genau erklären. Es war ein inneres Empfinden, welches ihn leitete.

    Seine Schritte hallten in der Halle wider. Laut und monoton. Dann rannte er los. Überwand die Distanz. Jetzt stand er davor und wusste nicht, wie er sich verhalten sollte. Es berühren? Würde es ihn verbrennen? Oder weggehen? Doch dieses seltsame Licht, schien ihn nicht gehen lassen zu wollen.

    Unschlüssig sah Ares dem hellen Ding dabei zu, wie es sich, in einer nicht wahrnehmbaren Brise, zu wiegen schien. Die Stimme wisperte unaufhaltsam weiter.

    Ares erkannte sie langsam, je länger er hier stand. Eine kleine Träne rann ihm die Wange herab. Wie war das möglich? Es war seine! Und doch klang sie so befremdlich.

    Auf einmal flackerte das Licht mehr auf und verformte sich, bewegte sich schneller. Verließ seinen Platz.

    Es fing an zu tanzen, formte seine Kreise um Ares herum. Wiegte sich von einer Seite zur anderen.

    Faszinierend folge Ares dem Schauspiel. In Mitten des Lichtes konnte Ares etwas ausmachen, es sah aus wie ein kleiner, zerbrochener Stein. Ein winziges, funkelndes Stück Steinchen.   

    Plötzlich verschwand das Licht vor seinen Augen und ein stechender Schmerz durchzog den Schwarzhaarigen schlagartig.

    Diese kleine, zarte Flamme hatte sich brutal in seine Brust gerammt. Wie ein Schwert, durchspießte sie ihn. Fraß sich in die Innereien.

    Eine Schmerzenswelle nach der anderen jagte durch seinen Körper, begleitet vom Singsang der Stimme.

    Ares schrie auf, verzweifelt und voller Schmerz. Der Schrei vermischte sich mit der Stille. Dumpf und träge. Sein Kopf sandte einen Impuls nach dem andern. Glaubte gleich, verbrennen zu müssten.

    Schmerzhaft bäumte sich sein Körper auf.

    Wie Flammen pulsierte das Licht in Ares Venen. In der Dunkelheit strahlte der Schimmer unter seiner Haut. Jagte durch alle Bahnen. Er glühte förmlich von innen heraus.

    Oh Gott, wann hört es auf!?, flehte Ares verzweifelt, doch kein Laut verließ die zusammengepressten Lippen.

    Keuchend brach er zusammen. Schlang die Arme verzweifelt um seine bebenden Schultern.

    Das Licht sammelte sich an seinem Unterarm, glühte und zeichnete verschnörkelte Muster nach. Brannte sich in das Fleisch, bis es abklang und ein Symbol hinterließ.

    Heiß und pulsierend.

    Doch Ares war schon längst in seiner Ohnmacht gefangen.

    Sah es nicht.

    Das Zeichen, das in markierte, als das, was er war. 

 

 

 

6. Kapitel: Kapitl 5

Kapitel 5

    

    

    Vor 3 Jahren in Los Angeles

    

    »Ares? Schläfst du noch?«, rief eine helle, weibliche Stimme die Treppe rauf, zum ersten Stock des Einfamilienhauses im Herzen LA´s.

    Eine reizvolle, konforme Gegend, in welcher man sich gerne zur Ruhe setzte und einen Schwall Kinder zeugte.

    So dachten es Mr. und Miss. Westwood ebenfalls, die erst vor kurzem hergezogen waren. Eine kleine Familie, bestehend aus drei Mitgliedern. Vater, Mutter und Sohn. Ein Sohn, der heute seinen ersten Tag in der neuen Schule hatte.

    »Nein, Mom!«, schrie Ares zurück und riss panisch die Augen auf.

    Fluchend sprang er aus den weichen Lacken des mittelgroßen Bettes. Ein wilder Traum hatte den jungen Mann in seinen Armen festgehalten und wollte den Teenager nicht mehr loslassen. Immer noch konnte Ares die wirren Bilder in seinem Kopf sehen. Von abgetrennten Gliedmaßen bis hin zu Rauch und Feuer.

    Immer noch konnte er die Hitze deutlich auf seiner schweißnassen Haut spüren. Füllte den Rauch in der Lunge kratzen. Es war verrückt, so als hätte er denn Traum live miterlebt. 

    Schnell vertrieb er die Bilder. Es war nur ein Alptraum!

    Als sein Blick auf den Wecker fiel, erschrak er.

    Verdammt! Schimpfte Ares fluchend und hätte sich um Haaresbreite in der Decke verheddert. Wie eine Anakonda umschlang das weiche Stück Stoff seine Beine und hinderte ihn daran, sich zu bewegen.

    Mit Mühe und Not kämpfte sich der Teenager aus dem Gewirr aus Gliedmaßen und Stoff, und konnte letztendlich als Sieger daraus gehen.

    Schnell hastete er in das kleine Badezimmer, was er sein Eigen nennen konnte, da es niemanden gab, der es sich mit ihm teilen musste, vorbei an dem ganzen Chaos, welches in meinem Zimmer herrschte. Ares war froh, nicht über die Vielzahl an Kartons zu stolpern, die hier zurzeit herumstanden.

    Ares war ein Einzelkind. Was seine Vorteile hatte, wie zum Beispiel, dass eben erwähnte eigene Badezimmer.

    Während er im Bad stand und versuchte mit einer Hand die Zähne zu schrubben und mit der anderen das schwarze Vogelnest, welches sich seine Haare schimpften, in Ordnung zu bringen, dachte er über heute nach. Wie müsste er sich benehmen? Wie würden seine neuen Mitschüler in ausnehmen?

    Frustriert spuckte er die Zahnpaste ins Waschbecken und wusch sein Gesicht. Tropfnass starrte ihn der junge Mann aus dem Glasgefängnis an. Kleine Tropfen perlten von seinen Haarspitzen, die ihm in die Stirn hingen. Mit einer fließenden Bewegung, wischte er sie sich nach hinten und seufzte. Es war nicht nur das neue Jahr an einer neuen Schule, sondern sein letztes an der Highschool. Nächstes Jahr würde sich für ihn alles ändern, dann war er endlich erwachsen und konnte sein Leben leben, wie er es für richtig hielt.

    Zur Uni gehen, das wäre womöglich eine Option, doch Ares war nie der Lerneifrige gewesen. Unter Umständen hätte er ja eine eigene Show irgendwo, in einem kleinen Theater. Das war sein Traum.

    Ares liebte die Zauberei, seit er ein kleines Kind war, und wünschte sich in einem feinen Anzug, einmal auf einer Bühne zu stehen und die Zuschauer in Erstaunen versetzen. Aber seine Eltern hatten eine andere Zukunft für ihn geplant. Eine in der er studierte und etwas aus sich machte.

    Ares betrachtete sich wieder im Spiegel. Alles was er in seinem Kopf hatte, war Leere… gähnende Leere.

    Er hatte keine Angst vor dem - Was wird - oder - Sein könnte - In seinem Kopf hatte im Moment nur ein einziger Gedanke Platz. Sein Vater und das »Gespräch«, welches sie neulich geführt hatten. Von diesem Augenblick an, hatte sein Vater ein anderes Bild von seinem Sohn, dass konnte Ares in seinen Augen sehen. Mit einem Mal war der Funke, der früher die Liebe zu seinem Sohn war, erloschen. Der Gedanke schnürte Ares die Kehle zu. Hatte er mit seiner Beichte die Verbindung zu seinem Vater verloren? Ares schüttelte den Kopf. Er sollte sich jetzt nicht darum Sorgen.   

    Seufzend riss Ares den Blick von seinem Spiegelbild ab, da war eh nichts mehr zu retten. Er hätte ja duschen gehen können, überlegte er kurz. Womöglich stünde sein Haar dann nicht so schrecklich ab. Rasieren sollte er sich auch mal ... Fuhr er sich über die Stoppeln.

    Sein Handy bimmelte leise. Eine Erinnerung an die Zeit.

    »Fu...!«, reichte ihm, um keine Sekunde später schon die Treppe runter zu sausen. Dann eben ohne duschen und rasieren heute. Perfekt!

    »Hattest du das nicht schon gestern angehabt?«, empfing ihn, der tadelnde Blick Helen Westwoods, als er unten ankam.

    Dieser gewisse Ausdruck in ihren klaren, allwissenden Augen, lag auf der Jeans und dem schwarzen Hemd, das ihr Sohn trug.

    Wenn sie mit Ares Kleidungsstil nicht einverstanden war, sah sie ihn immer genau SO an.

    »Ich habe ein frisches T-Shirt angezogen«, verteidigte sich Ares und zupfte an dem grauen Shirt herum, um es zu verdeutlichen. Es war ein grauenvolles Stück Kleidung. Alt und verzogen, doch er hat in der Eile kein besseres gefunden. Sein gesamter Kleiderschrank, steckte halbwegs in einem der Kartons, die in seinem Zimmer verteilt standen.

    Man sollte meinen, nach zwei Wochen, in denen die Familie Westwood schon in diesem Haus wohnte, wäre es machbar sein Hab und Gut auszupacken! Ares war sich da nicht so sicher. Seiner Meinung nach, hatte er genügend Zeit dafür. Dass er die Anziehsachen nun immer suchen musste, war ihm bei dem Gedankengang nicht in den Sinn gekommen.   

    Kopfschüttelnd strich sich Ares Mutter die blonden Locken aus der Stirn. »Du solltest wirklich mehr auf dein Äußeres achten.«

    Ares lachte auf und zog aus dem Ärmel eine kleine, rote Blume. »Das werde ich,« mit einem Kuss auf die Wange überreichte er sie der Frau. »Versprochen«, sagte Ares.

    Helen lächelte leicht und schüttelte den Kopf. Unverbesserlich das Kind. Liebevoll sah sie ihren Sohn an.

    Wenn Ares diese Frau so ansah, konnte er nicht glauben, dass sie seine Mutter sei. Sie war so bildschön und perfekt. Mit ihrer zierlichen Figur, den blonden Haaren und den grünen Augen, glich diese Frau einer Göttin.

    Sein Dad hatte ihm als Kind, oft die Geschichte ihrer Begegnung erzählt. Er hatte scherzhaft gemeint, sie sei vom Himmel herabgestiegen und ihn als Ehemann auserkoren, weil sie seine schwarzen Haare so liebte. Doch Ares wusste, es waren nur Gutenachtgeschichten. Geschichten, die nicht wahr seihen, die er aber trotzdem gerne wieder hören würde.    

    Zart, strichen schmale Finger durch sein Haar, die gleichen Schwarzen wie die seines Vaters und holten Ares aus den Träumereien.

    »Was ist los Liebling? Du bist so still heute«, frage sie. »Du hast doch keine Angst vor der neuen Schule? Soll ich mitkommen?«, giggelte sie und die grünen Augen strahlten im Glanz eines Smaragds.

    Vielleicht war sie wirklich eine Göttin?

    Wieder zupfte sie an den Haaren ihres Sohnes.

    »So ist es besser. Nicht zu bändigen. Wie bei deinem Vater,« murmelte sie und versuchte das Chaos in Ordnung zu bringen.

    »Wenigstes habe ich deine Augen. Sonst würde ich glauben, ich sei adoptiert,« seufzte Ares theatralisch und gab seiner Mutter einen Kuss auf die Schläfe.

    Wenn er länger trödelte, würde er garantiert zu spät kommen!

    Schnell packte er das Frühstück ein, welches Helen ihm bereitgestellt hatte und schlang es mit großen Bissen runter.

    »Ares, dein Vater wartet im Auto. Er wollte dich zur Schule fahren«, hielt ihn Helen auf.

    Kurz schlich sich ein trauriger Blick in die klaren Augen, doch war er schnell verschwunden, als sie wieder aus dem Fenster in den Vorgarten schaute. Dort parkte bereits ein Auto mit laufendem Motor. Wartend, ungeduldig.

    

    Ares Hand lag auf dem Türgriff, als er innehielt. Etwas stoppte ihn einen Augenblick. Es war eins dieser nagenden Gefühle, die man nicht einzuordnen vermochte.

    Ares drehte sich nochmal um, aber seine Mutter stand bereits mit dem Rücken zu ihm und werkelte wieder am Herd rum. Der Geruch von gebratenen Eiern und Speck drang ihm in die Nase.

    Kurz beschlich ihn wieder dieses nagende Gefühl. So als würde man jemanden sein Wort gegeben haben und es dann vergessen einzuhalten.

    Ares schüttelte den Kopf. Was sollte er seiner Mutter schon versprochen haben?

    Die Tür fiel ins Schloss, sperrte sie und das quälende Unbehagen aus.     

    

    Schnell beeilte sich Ares, die Einfahrt herunter zu sprinten. Seinen Vater warten zu lassen war eine Todsünde.

    »Endlich wach?«, brummte die Stimme von Michael Westwood, kaum dass sein Sohn die Tür öffnete.

    »Tut mir leid, Sir«, entschuldigte sich Ares wie ein braver Sohn und setze sich auf den Beifahrersitz.

    Als junger Bursche war sein Vater in Europa stationiert. In Griechenland, um genau zu sein, da hatte er Helen kennen- und liebengelernt. Somit war Ares halb Amerikaner und halb Grieche. Wobei er bis jetzt noch nie das Heimatland seiner Mutter besucht hatte, nicht ein einziges Mal in den 17 Jahren, die er auf dem Buckel hatte.

    

    Die müden braunen Augen von Michael Westwood, sahen stur geradeaus, während er das Auto flink durch den Verkehr der Großstadt manövrierte.

    Keiner der beiden Männer sprach ein Wort. Beide hangen ihren Gedanken nach. Es herrschte eine Stille im Auto und nicht die angenehmen und gelassenen, sondern die angespannte und bedrückende Art.

    Es gab einen Grund, warum Ares Dad wütend auf ihn war. Sie hatten einen furchtbaren Streit gehabt und daran war allein Ares schuld. Wenn er seinem Vater nicht sein größtes Geheimnis anvertraut hätte, wäre es nie dazu gekommen. Seitdem herrschte Eiseskälte zwischen Vater und Sohn.

    Michael sprach mit ihm nur die wichtigsten Worte, blickte ihm nicht in die Augen und wenn es doch passierte, so sah Ares jedes Mal nur Enttäuschung in ihnen.

    »Lass ihm Zeit. Er wird es verstehen«, hörte er die Stimme seiner Mutter im Kopf. Wieder und wieder, wie sie versuchte, ihn zu trösten. Versuchte ihm beizustehen. So tolerant und liebreizend wie sie nun mal war.

    Damals hatte sie sich zu ihm gesetzt. Ihm übers Haar gestrichen und sanft angelächelt. Das hatte Ares Kraft gegeben und bis jetzt schöpfte er daraus. Nur darauf wartend, dass sein Dad in akzeptierte, so wie er war.

    

    Ruckartig blieb das Fahrzeug stehen. Holte den Jüngeren aus den Gedanken.

    Ares sah aus dem Fenster.

    Sie waren da. Die neue Schule.

    Wie ein Statement ragte das weiße Gebäude empor. Ein Manifest zum Neuanfang oder Niedergang?

    Ares seufzt. Das sollte sich erst zeigen! Der Schwarzhaarige war froh, dass er nicht mitten im Schuljahr wechseln musste. Sein Vater hatte die Beförderung, die ihm angeboten wurde, soweit nach hinten geschoben, dass sein Sohn die alte Schule bis zu den Sommerferien besuchen konnte. Doch nun war es soweit. Eine Woche Schonfrist hatte er gehabt, diese war aber endgültig vorbei.     

    

    Quietschend öffnete sich die Beifahrertür des alten, einst blauen Chevys. Das Geräusch erinnerte Ares an einen Seufzer. Unentschlossen verharrte der Schwarzhaarige und sah zu dem Gebäude. Faste Mut.

    Bevor er ausstieg, sagte er zu seinem Vater: »Ich bin immer noch dein Sohn!« Und ohne einen Blick auf den älteren Mann zu werfen, stieg er aus.

    Ares wollte nicht wieder die Enttäuschung sehen, nicht jetzt, wenn er einen neun Abschnitt begann.

    Micheal erwiderte nichts, und als die Autotür hinter ihm ins Schloss fiel, fuhr sein Dad davon.

    Ares sah ihm nicht nach. Zuhause würde er sich damit wieder beschäftigen, doch jetzt hat nur eine Sache Vorrang!

    

    Die Schultern strafend, marschierte er die Stufen hinauf in die neue Schule.

    Teens in verschiedenen Altersstufen, liefen auf den Gängen auf und ab. Versanken in ihrem alltäglichen Trott. Tauschte den neuesten Klatsch aus oder sahen starr auf ihr Smartphone. Der Geräuschpegel war enorm erhöht und doch schienen sich alle zu verstehen.

    Als Ares durch den doppelttürigen Eingang trat, warfen ihm nur vereinzelte Kids einen Blick zu. Das ein oder andere Mädchen fing sofort, mit ihrer Freundin an zu kichern und warfen dem Neuankömmling verstohlene Blicke zu. Doch im Großen und Ganzen wurde er ignoriert.

    Er war nur ein Schüler. Ein Neuer. Nichts Besonderes.     

    

    Sein erstes Ziel war das Sekretariat. Was Ares zum Glück schnell fand, doch dann kam das Problem mit den Klassen.

    Ein Blick auf den Plan, den die nette Dame ihm liebenswürdigerweise ausgehändigt hatte, brachte Ares nicht weiter. Alles sah gleich aus und verwirrte ihn umso mehr.

    »Entschuldigung?«, versuchte Ares, eines der Mädchen zu fragen, die an ihm vorbeihastete.

    Erschrocken sah sie den Jungen an und beschleunigte ihre Schritte eine Spur. Mit roten Wangen marschierte sie weiter.

    Ares sah ihr verwirrt hinterher. Hatte er etwas im Gesicht? Womöglich das Frühstück?! Schnell wischte er sich darüber.

    Auch der nächste Schüler denn er fragte, reagierte nicht anders. Mit zusammen gekniffenen Brauen, sah er auch im hinterher.

    Unfreundliche Mitschüler. Das kann heiter werden.

    Knurrend knüllte Ares den nutzlosen Plan zusammen und warf ihn im hohen Bogen in den Mülleimer. Ohne Mühe landete der Abfall genau da, wo er sollte.

    »Nicht schlecht.«

    Erschrocken wirbelte Ares zu der Stimme herum. Ein Junge im selben Alter stand vor ihm und klatschte in die Hände.

    Seine Augen strahlten in einem klaren, unnatürlichen Blau. Ares bemerkte sie sofort. Sie waren seltsam und mysteriös. Bei einem Afroamerikaner war das schon etwas ungewöhnlich, den seine Haut erinnerte Ares stark an helle Vollmilchschokolade. Die Haare waren genauso schwarz wie die von Ares, doch sie standen nicht, wie nach einem Stromschlag ab, sondern waren zu kleinen Zöpfen, an die Kopfhaut geflochten. Ein Ohrring prang am rechten Ohr, ebenso ein Piercing in der Nase.

    Sein weißes Hemd war bis zu den Ellbogen hochgekrempelt und entblößte ein Tattoo um seinen linken Unterarm. Es war nichts Besonderes, nur ein einfacher, schwarzen, dicker Strich, der sich um den Unterarm schlang, Wie ein Armreif, der für immer geprägt war.   

    Verwirrt sah Ares den anderen Teenager an.

    »Der Wurf«, kommentierte er seine Aussage und schien die Verwirrung in Ares Gesicht bemerkt zu haben.

    Oh.

    »Ja danke«, grinste Ares debil und wäre am liebsten im Erdboden verschwunden. Hatte er geglaubt, der Typ meinte ihn?!

    Ich Depp!

    »Ich bin Pax. Pax Jackson.« Hielt der Teenie, Ares die Hand hin.

    »Ares Westwood.«

    »Ares?«, Paxs Augen weiteten sich und Schalk tanzte in ihnen.

    »Meine Mutter ist Griechin. Frag nicht ... Pax«, verdrehte Ares nur die seine und musste in das Lachen mit einstimmen.

    »Stimmt. Mit meinem Namen haben ich es auch nicht grad gut erwischt. Meine Eltern sind schon lange nicht mehr da, daher kann ich niemandem die Schuld geben. Wobei ...« Pax strich sich nachdenklich am Kinn. »Ares ist ja der griechische Gott des Krieges und Pax soll ja der Frieden sein. Also Ares ... ab jetzt pass ich auf, dass du keinen Mist baust«, lachte Pax und boxte Ares in die Schulter. »Jetzt wo das geklärt ist, wo musst du hin?«

    Etwas verwirrt, von der ganzen Euphorie, hielt Ares seinem neuen Freund den Zettel hin, den er zuvor von der Sekretärin erhalten hatte.

    »Was für ein Zufall. Ich muss in die gleiche Klasse«, grinste der andere und deutete mit einem Kopfnicken an, ihm zu folge.

    Ares wunderte sich über Pax. All die Freude konnte doch nicht in einem normalen Menschen stecken?! Kopfschüttelnd folgte er seinem Klassenkameraden, und scheinbar neuem, besten Freund.

    

    Als die Beiden die Klasse erreichten, waren die Gänge bereits leergefegt. Der Unterricht hatte vor einigen Minuten begonnen und sie kamen als Letzter.

    Vor dem Klassenzimmer blieben beide stehen und Pax klopft an die Tür. Eine weibliche Stimme bat ihn, hereinzukommen.

    Ares war unsicher. Auch wenn er musste, so wollte er das Klassenzimmer nicht betreten. Unsicher stand er da und kaute auf seiner Lippe. Pax hielt ihn am Arm fest. Zwinkerte ihm aufmunternd zu und schob die Tür auf.

    Ares nickte zuversichtlich und wischte sich die schweißnassen Hände an der Jeans ab.

    »Tut mir leid Mrs Fieldson fürs zu spät kommen, aber ich habe da jemanden aufgabeln müssen«, erklärte er seiner Lehrerin und zog den neuen Schüler am Ärmel in die Klasse, und ließ ihn vorne alleine stehen.

    Pax schlängelte sich durch die Reihe, klatschte hier und da bei einem Mitschüler ein und setzte sich anschließend an einen Tisch, in der hinteren Reihe. Pax war ein sehr beliebter Schüler, dass konnte Ares auf Anhieb erkennen und wünschte sich auch so freundlich aufgenommen zu werden.

     Neben Pax saß ein blondes Mädchen. Dieses grinste ihn an, kaum dass er Platz nahm, und fing sofort an, mit ihm zu tuscheln.

    Höchstwahrscheinlich seine Freundin.

    Seufzend reichte Ares der wartenden Lehrerin den Zettel mit seinen Daten.

    Die neuen Mitschüler starrten ihn erwartungsvoll an. Auch hier kicherte das ein oder andere Mädchen. Steckten die Köpfe zusammen und tuschelten. Manch eine sah den Neuen mit schmachtenden Blicken an. Gewisse Mädchen waren weniger subtil und zwinkerte ihm offen zu oder warfen Handküsschen zu ihm rüber.

    Die Jungs dagegen, sahen das nicht gerne. Das machten ihre bösen Augenpaare deutlich.

    Wird ja ein tolles Jahr! Seufzte Ares.

    Auf einmal fühlte er sich noch unsicherer. Ares kam sich vor wie ein Anschauungsobjekt!

    Kurz schluckte er den Kloß hinunter und fing an sich kurz vorzustellen, wobei alle bei seinem Namen anfingen zu lachen, nur nicht Pax und das blonde Mädchen. Womöglich war sie ihm doch sympathischer als angenommen.

    Nachdem Ares fertig war, winkte die Blondine ihm zu. Neben ihr war ein Platz frei.

     Als Ares die Anstalten machte, sich zu ihr zusetzen, rutschte sie weiter und zwischen ihr und Pax blieb es leer. Machte ihm Platz.

    Kurz zögerte Ares. Doch was sollte er machen? Hier herumstehen wie ein Vollidiot und auf den leeren Stuhl starren, oder sich neben den anderen Jungen setzen?

    Seine Entscheidung wurde ihm abgenommen, den Pax sog ihn kurzerhand nach unten und Ares nahm brav Platz. Rechtzeitig, denn Mrs Fieldson warf ihm einen strengen Blick zu. Passend zu den, nach hinten gebunden, blonden Haaren. Ihr Gesicht war schmal und spitz. Genau wie ihre Statur. So wie ihr Nachname klang, vermutete Ares, dass sie Schwedin sei. Sie war ansehnlich, ohne Frage, doch die Frisur, der harte Blick und die schmale, schwarze Brille waren nicht gerade vorteilhaft.

    Ares räusperte sich und packte seine Tasche aus, während Pax ihn angrinste und ihn in die Schulter boxte. Wenn Pax das öfters anstellte, würde er bald blaue Flecken bekommen. Lachend wuschelte er ihm durchs schwarze Haar. Sofort ergriff Ares eine innere Wärme. Es war so leicht, mit Pax umzugehen. Es war, als würden sie sich schon seit Jahren kennen.

    Ares lächelte und boxte zurück.

    Vielleicht würde das letzte Schuljahr doch nicht so schlecht werden, wie angenommen?

    »Willkommen im Irrenhaus. Das ist Jo«, deutete Pax auf das blonde Mädchen, doch sie kamen nicht mehr dazu, sich näher kennen zu lernen, denn Fieldson hatte den Unterricht angefangen, und duldete keine Unterbrechungen.

    

    Es verging kein halber Schultag. Die Pause war gerade zu Ende, da öffnete sich plötzlich die Tür des Klassenzimmers, und ein Mann mit kahlem Kopf und karierter Alter-Mann-Jacke sauste in das Zimmer.

    »Das ist der stellvertretende Direktor«, flüsterte Jo Ares zu.

    Während der Pause, die die drei in der Mensa verbracht hatten, konnte Are die Blonde besser kennen lernen. Da erfuhr er über ihr schwieriges Familienleben, dass ihr Vater beim FBI war und kaum daheim. Ihre Mutter litt furchtbar darunter und griff immer wieder zur Flasche.

    Jo träumte von der großen Bühne als Musicaldarstellerin oder Schauspielerin. Sie hatte sich fest vorgenommen, nach der Highschool in die Schauspielschule zu gehen und dort zu studieren.

    Hollywood. Das war ihr Ziel. Beim Erzählen, hatte die blauen Augen gestrahlt, wie kleine Sterne am Firmament. Sofort hatte sie Pax aufgezogen und beide verfielen in eine Rangelei. Ares hatte das Schauspiel mit Freuden beobachtet und immer wieder seinen Senf dazugegeben. Er hatte sich glücklich gefühlt. Wer hätte geahnt das es nur wenige Augenblicke später, zerstört wurde.  

    

    Zielstrebig steuerte der kahle Mann die Lehrerin an, reichte ihr einen Zettel und verschwand wieder so schnell, wie er gekommen war, wieder aus der Tür.

    Kurz flogen ihre hellen Augen über das Stück Papier, ehe sie ihren Blick hob. Kurz suchte sie Blickkontakt und blieb letztendlich an Ares hängen.

    Als hätte ihm jemand ins Gesicht geschlagen, war ihm mit einem Mal speiübel.

    Alles fing an nach hinten zu rutsche, Angst kroch Ares in die Glieder und ließ sie taub werden.

    Mrs Fieldson rief seinen Namen, er hörte ihre Stimme, spürte Paxs Hand um seinen Arm, der ihn stützend hielt, doch alles war wie in Watte getaucht.

    Eine Panikattacke!

     Ares hatte nie eine gehabt, doch so stellte er es sich vor. Luft wurde ihm knapp. Wie ein Fisch schnappte er nach Sauerstoff, doch nichts wollte in seine Lunge gelangen.

    Er schmeckte den Rauch. Es war ein Traum! Spürte die Hitze der Flammen, die das blaue Blech zerfraßen. Hörte die Schreie, schmerzhaft in seinen Ohren wieder hallen.

    Vor seinen Augen blitzte es auf. Wie ein Sonnenstrahl, der sich in einer glatten Fläche spiegelte. Es blendete ihn! Ares kniff sie zusammen.

    Pax zog ihn aus dem Klassenzimmer. Ares stolperte und landete auf allen vieren. Er spürte den Schwindel. Alles drehte sich.

    Die Erde bebte plötzlich unter seinen Händen, oder war es nur das Zittern der Glieder? Ares wusste es nicht. Er war gelähmt. Konnte nichts hören und nichts fühlen, bis auf diesen Schmerz, tief in seinem Inneren. Er erinnerte sich an das Gefühl, welches er heute Morgen in der Küche gehabt hatte. Es war das Gleiche, nur intensiver. Sein Traum, kam ihm wieder in den Sinn. So real wie jetzt!

    Wie eine weit entfernte Gewitterfront hörte er das Stimmengewirr. Es wurde immer lauter, bis es plötzlich über ihm hereinbrach. Klar und deutlich.

    Ares hob den Blick, sah die panisch schreienden Mitschüler durcheinander rennen. Sie quetschten oder drängelten sich an ihm vorbei, nur um als erstes aus dem Gebäude zu kommen.

    Ares bewegte sich keinen Millimeter. Er hatte es gespürt, bevor es seine Lehrerin aussprach. »Ares, kommst du bitte zu mir?«

    Er hatte es heute Morgen in der Küche gespürt.

    Diese Angst. Er hatte es in seinem Traum gefühlt. Diesen Schmerz. Denn ganzen Tag über, wusste es sein Inneres…

     Seine Eltern ... Sie waren tot!

 

7. Kapitel: Kapitel 6

Kapitel 6

 

 

Gegenwart

 

Es ließ nach. Die Vibrationen ließen nach, klangen ab und verschwanden endgültig.

Zitternd lag Ares auf dem kalten Steinboden dieser dunklen Halle.

Fühlte Nichts. Sah Nichts. Nur die Hitze an seinem Unterarm. Eine unerklärliche Kraft wuchs in ihm heran.

Es kam Ares vor, als wäre ein Stück von ihm wieder da. Als wäre das verlorene Puzzelstück an seinen rechtmäßigen Platz gelegt worden. Er füllte sich wieder wie ein Stück.

Tränen kullerten seine Wange herab. Er hatte schon lange nicht mehr an die Zeit gedacht. An die Zeit, als seine Eltern starben und sein ganzes Leben sich mit einem Schlag änderte.

Damals stand ihm Pax zur Seite und hat auf ihn aufgepasst, so wie er es versprochen hatte. Von da an waren die beiden unzertrennlich. Ares und Pax. Krieg und Frieden.

 

Das zischende Geräusch der Schiebetür hörte er nicht, nicht die Schritte, die sich ihm näherten. Erst als sich eine Hand auf seine Schulter legte, bewegte sich Ares.

»Komm mein Junge, steh auf.« Jack Monrows Stimme klang wie ein Flüstern in seinen Ohren.

Weg war der strenge FBI Ton. Jack klang mehr nach einem besorgten Vater, als nach einem Agenten einer Bundesbehörde.

Schwerfällig erhob sich Ares und stand auf wackeligen Beinen auf. Ein starker Arm ergriff ihn stützend und führte Ares in das helle Licht der offenen Tür.

 

»Möchtest du ein Glas Wasser?«, fragte der großgewachsene Mann und sah abwartend auf den schwarzhaarigen Jungen herab.

Ares schüttelte nur mit dem Kopf, er wollte nichts. Nur verstehen was hier vor sich ging, und was das vorhin war. Wieso füllte er sich mit einem Mal so anderes? Stärker? Fremder?

Ares schaute sich in dem Raum um. Hier sah es aus, wie in einem normalen Büro. Sah man von den ganzen Fotos an den Wänden ab, die verschiedene Personen zeigten, die ihre Kräfte vorführten.

Ein großer, unordentlicher Schreibtisch stand am Ende des Raumes, dahinter ein Schrank. Ares saß auf einem schwarzen Sofa am Fenster. Es war offen und ein leichter Windhauch spielte mit den Vorhängen. Draußen versankt langsam die Sonne.

 Wie lange er schon hier war?

Sein Blick schweifte weiter und blieb an dem einzigen anderen Menschen in diesem Raum hängen.

Agent Monrow nahm ihm gegenüber, auf dem Sessel Platz. Zwischen Ihnen war ein kleiner runder Tisch.

Kurz musste Ares an das Bild eines Seelenklempners denken. Fehlte nur, dass Monrow einen Notizblock rausholte und ihm Frage gestellte wie:

»Wie fühlen Sie sich?«

Ares legte seine Maske und den Hut ab und fuhr sich durchs verschwitzte Gesicht. Die schwarzen Strähnen klebten unangenehm im Nacken und Stirn. Ein Frisörbesuch, demnächst würde nicht schaden. Dachte Ares und kratzte sich am Kopf.

»Was war das in dem Raum?«, stellte er die Frage, die ihm ohne Pause im Kopf spuckte.        

»Was es war, kann ich dir im Moment nicht sagen, nur dass deine Mutter es hier verwahrt hat, bis du soweit warst. Leider konnte sie es dir nicht selbst geben«, kurz machte Monrow eine Pause.

»Ob es jetzt der Fall ist oder nicht, kann ich nicht sagen, aber wir brauchen deine Hilfe bei der Ergreifung vom Maskendieb.« Ares hob eine Augenbraue. »Ich weiß der Name ist nicht einfallsreich. Du solltest jetzt dafür fähig sein und brauchst keine billigen Tricks mehr zu verwenden.«

Überlegend sah Ares auf seine Hände. Kann er ernsthaft mehr? Wenn es so funktioniert wie die Male davor, dann ...

Ares brauchte sich nicht mal anzustrengen. Ohne Mühe glomm eine kleine Flamme in meiner Handfläche auf. Rot und strahlend. Warm und vertraut.

Wahnsinn!   

»Der Maskendieb ist mächtig. Ich hoffe, du bist es ebenfalls.«

Das hoffe ich auch!

»Geh jetzt nach Hause und ruhe dich aus. Wir melden uns, wenn es etwas Neues gibt«, verabschiede sich Monrow an der Tür und schob Ares aus dem Büro.

Bevor der Teenager etwas erwidern konnte, wurde diese direkt vor seiner Nase zugeschlagen. Wie kam er vom Sofa runter?! Stand er so sehr neben der Spur?

Was zum...!?

Wolle der Agent ihm nicht seine Fragen beantworten?

 

 

»Agent Monrow«, die zarte Stimme Helens drang an sein Ohr und ließ den größeren Mann umdrehen.

Er war dabei in sein Auto zu steigen und zu seiner Familie zu fahren.

Fragend richteten sich die blauen Augen auf die zarte Gestalt, die unsicher vor ihm stand.

»Sie müssen mir Gefallen tun«, ängstlich blicke die Frau um sich.

 

 

Genau erinnerte sich John an den Moment, an dem Helen Westwood ihn um Hilfe bat. Seufzend ging er zum Fenster und sah auf die Straße raus. Ares war noch zu sehen. Verwirrt stand der junge Mann da und sah die Straße entlang.

Monrow seufzte.

 

»Wie kann ich behilflich sein Mme?«, John zog an seiner Zigarette und blies den Rauch abwarten aus.

»Ich möchte Ihnen das geben«, sie hielt ihm eine Schachtel entgegen.

Sie war überwältigend. Aus Holz und mit filigranen Schnitzereien verzieht. Am Deckel prang ein Symbol, doch Monrow konnte nicht sagen, was es zu bedeuteten hatte.

»Geben Sie es Ares, wenn er soweit ist«, Ihre Stimme zitterte. »Bitte.«

Monrow griff nach dem Kästchen. Drehte es in alle Richtungen. »Und wann weiß ich, wann es so weit ist?«

Helen schüttelte den Kopf. »Das werden Sie merken.«

Ihre Gestalt begann sich auszulösen. Ein letztes Lächeln warf sie dem FBI Agenten zu, eher sie mit einem gehauchtem »Danke« in kleine, funkelnde Partikel verschwand.

 

 

Das war das letzte Mal gewesen, dass John die Frau lebend gesehen hatte. Ein paar Tage später hatte man ihren Leichnam und die ihres Mannes gefunden. Laut Akte sollte es sich um einen Autounfall handeln, doch der Mann glaubte das nicht. Dahinter steckte weitaus mehr. Das sagte sein Bauchgefühl.

Monrow fuhr sich fahrig übers Gesicht, blickte weiter auf die Straße. Ares war bereits verschwunden.

 

Etwas verdattert begab sich Ares auf den Weg Richtung Wohnung. Er wollte nur ins Bett! Seine Glieder fühlten sich an wie Wackelpudding. Es war ein komischer Tag heute, und sein Verstand hat die letzten Ereignisse noch nicht verarbeitet.

Viele Fragen schwirrten ihm im Kopf herum, doch die sollte er kurz bei Seite schieben. Diese neue unbekannte Kraft forderte seinen Tribut und Ares Körper fühlte sich nicht wie sein eigener an. Er sollte sich eine Mütze Schlaf gönnen und sich morgen mit dem Thema auseinandersetzen.

 

Die Sonne war am Untergehen, als er die Straßen entlanglief.

Den Zylinder tief ins Gesicht gezogen, stampfe er den Weg entlang. Grummelnd rammte er die Hände in seine Taschen.

Hätte mich nicht einer der FBI Typen nach Hause fahren können?! Schließlich habe ich es ihnen zu verdanken, dass ich am anderen Ende der Stadt gestrandet bin. Fluchte Ares und kickte wütend einen Kieselstein davon.

Ares war so in seinen Gedanken versunken, dass er die Person erst nicht sah. Als die beiden zusammenprallten, war es bereits zu spät. Sein Geist reagierte automatisch. Er griff nach dem fremden Körper, wollte ihn vom Fallen abhalten, doch plötzlich ließ er zischend wieder los.

Ein kleiner, aber schmerzhafter Stromschlag ging von ihm aus und jagte durch seine Glieder. Die fremde Person schrie kurz auf und machte einen Satz nach hinten.

Ares ganzer Körper verkrampfte sich augenblicklich. Es war eine Stimme, die dem Schwarzhaarigen ziemlich vertraut vorkam. ZU vertraut, kannte er ihn schon seit drei Jahren.

Sofort riss er seinen Blick nach vorne.

Verdammt! Pax! Panik durchströmte ihn. Kann er mich erkennen?

Blitzschnell griff Ares in sein Gesicht. Die Maske war an ihrem Platz.

Zum Glück! Seufzte er erleichtert auf.

»Oh man, Chapeau!«, flüsterte Pax heiser.

Die blauen Augen strahlten in an, wie die bunten Reklametafeln um sie herum.

Autos fuhren hupend vorbei. Menschen blieben stehen und beäugten die beiden jungen Männer, die sich erschrocken gegenüberstanden.

Lange sah ihn Pax faszinierend an, doch dann schlich sich ein anderer Ausdruck in die Augen, ein skeptischer. Sein Kopf neigte sich nachdenklich zur Seite.

»Warte mal, du kommst mir bekannt vor,«, flüsterte er.

Das war der Moment, in dem die Panik in Ares Körper überschwappte. Ein Krächzen entfloh seiner Kehle, gepaart mit einem »Iks«.

Die nächsten Geschehnisse überschlugen sich rasend schnell. Paxs Augen weiteten sich. Er hob die Hand. Ares floh.

Mit einem lauten Knall verschwand sein Körper von der Straße und hinterließ Nichts außer einer Staubwolke und einem schockierten Fan.

Als Ares die Augen wieder öffnete, er hatte nicht mal bemerkt, dass er sie geschlossen hatte, sah er sein Zimmer vor sich.

Ich bin tatsächlich in meiner Wohnung aufgetaucht!

So eine weite Strecke zurückzulegen, war – zumindest bis jetzt – für ihn unmöglich!

Erleichtert seufzte er auf. Das hätte verdammt schief gehen können! Entledigte sich seines Fracks und hängte ihn vorsichtig in den Schrank. Kurz strich er die Schaubkörner vom schwarzen Stoff. Seine Finger fuhren sanft die Konturen nach. Wird er noch als Chapeau eine Zukunft haben, jetzt wo die Polizei ihn in so eine Situation gedrängt hatte?

Überrascht sah Ares auf seine Hand. Ein helles, einzelnes Haar, hatte sich im Stoff verfangen. Ares pickte es auf und hielt es sich vor die Augen. Seine Kehle schnürte sich zu. Kann es sein? Schlagartig löste es sich auf und war mit einem Mal weg.

Ares atmete tief durch. Sah er schon Gespenster!?

Grummelnd zog er sich weiter aus. Als er die Knöpfe am Hemdsärmel öffnete, zuckte er schmerzhaft zusammen.

Der weiße Stoff streifte unangenehm über seinen Unterarm. Schnell zog er den Ärmel nach oben und entblößte ein Tattoo. Ein dicker, schwarzer, in sich nicht geschlossener, Kreis umrandete ein spitzzulaufendes A. Die Ränder waren leicht gerötet, als wäre es erst frisch gestochen worden.

»Was zum...«, flüsterte Ares überrascht.

Ares wollte mit dem Finger darüberfahren, es spüren. Die leichte Unebenheit der Tinte. Die Empfindlichkeit der Haut.

Lange starrte er auf die Markierung, versunken in seine Gedanken.

Plötzlich klopfte es laut an der Tür, und als hätte er sich gestochen, zuckte der junge Mann zusammen.

»Ares? Bist du das?«, rief Jo fragend.

Klopfend stand seine blonde Mitbewohnerin vor dem Zimmer und wartete.

»Seit wann bist du wieder da?« Kaum hatte sie die Frage gestellt, drehte sich der Türknauf und Jo quetschte sich, ohne auf eine Antwort zu warten, zwischen Tür und Angel.

Panisch riss Ares die Hände hoch. Er hatte nach wie vor seine Verkleidung an! Sein Zylinder lag auf dem Bett, ebenso wie die Maske.

Vergessen war das Tattoo und was passiert war. Sie dürfte ihn so nicht sehen!

Wieder entfloh ihm ein kleiner Impuls aus der Hand, ohne dass er es kontrollierte.

Wie eine unsichtbare Welle löste es sich aus seinen Händen und umfing das Mädchen. Jo wurde mit einem Mal langsamer, bewegte sich in Zeitlupe und blieb erstarrt.

Oh Gott, was habe ich jetzt angestellt?! Panisch sah der Teenager auf seine Freundin.

Was sollte er jetzt tun?! Wie konnte er das rückgängig machen?!

Ares raufte sich die Haare. Ging zu Jo, wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht, doch sie verzog keine Miene.

Als Ares in Panik auszubrechen drohte, bemerkte er die minimale Bewegung ihrer Haare.

Scheinbar hält es nicht für lange.

Ares sah wie Jos Körper langsam aus der Starre erwachte, ihre Bewegung tauten auf.

Erleichtert seufzte der Teenager auf, doch angesichts der Tatsache das Jo bald wieder zu sich kommen würde und ihn so sehen konnte, blieb ihm nicht viel Zeit um sich darüber zu freuen. Er hatte immer noch seine Verkleidung an.

Schnell riss er sich die Sachen vom Leib und stopfte sie in den Schrank. Just in dem Moment, in dem Jo ihre normale Geschwindigkeit erlangte, zog Ares sich die Jogginghose über den Hintern.

»Wieso stehst du hier nur in Hosen rum?« Die Blondine sah ihn skeptisch an, wand den Blick aber nicht von ihm ab.

Ares Atmung ging schnell und unkontrolliert. Er füllte sich, als wäre er einen Marathon gelaufen. Das Adrenalin in seinen Venen, wollte nicht aufhören zu rasen.

Kurz räusperte sich der Schwarzhaarige. Jos Musterung war ihm unangenehm.

Flink schnappte er sich sein Oberteil, streifte es über und versuchte, die Blondine dabei nicht anzusehen. Zu peinlich war ihm die momentane Situation.

»Das ist mein Zimmer!«, blaffte Ares seine Gesellschaft an. »Ich kann hier rumlaufen, wie ich will!«

Der Schwarzhaarige spürte, wie Hitze seine Wangen hochkroch. Ist das unangenehm!

Jos Blick verfinsterte sich augenblicklich und im nächsten Moment bereute es Ares, sie so angefahren zu haben. Das Donnerwetter, welches kommen sollte, würde er sich am liebsten ersparen.

Jo öffnete den Mund, bereit Ares zu zerquetschen, wie eine niedere Kreatur. Plötzliches Gepolter lenkte die Beiden von der Situation glücklicherweise ab. Ein Schlüssel wurde hektisch im Schloss gedreht, bis die Tür krachend aufflog und einen Abdruck im weißen Putz hinterließ.

»Leute ihr werdet nicht glauben, wenn ich gerade getroffen habe!« Pax sauste in die Wohnung und blieb, hektisch atmend stehen. »Wo seid ihr?«, fragte er in die Leere hinein.

»Ares Zimmer«, brüllte Jo und verschränkte die Arme vor der Brust. Ihr Blick sagte deutlich: »Ich bin noch nicht fertig mit dir!«

Ares schluckte schwer.

Pax Stirn glänzte vor Schweiß, ebenso sein durchnässtes T-Shirt, als er der Stimme seiner Freundin folgte. Abwartend sah er von Jo zu Ares und zog das nasse Stück Stoff über den Kopf. Entblößte die sich schnell bewegende Brust.

»Wir sollen wohl raten«, flüsterte Ares dem Mädchen zu und versuchte Pax nicht anzustarren.

»Den Heiligen Geist?«, seufzte sie theatralisch zurück und ging auf das Spiel ein.

»In Vegas wäre das sogar möglich«, lachte Ares auf und boxte Pax in die Schulter, wie es der Dunkelhäutige immer bei ihm tat. Doch das bereute er augenblicklich, denn wieder ging ein Stromschlag von seinem Körper aus.

Die Hand schütteln, fluchte Ares. Sein wann war so geladen? Sie hatten doch keine Teppiche in der Wohnung!

Pax Gesicht verzog sich zu einer sauren Mine. Scheinbar war ihm nicht nach Scherzen zumute.

»Hört auf mit dem Quatsch!«

Kurz warf er Ares einen tadelnden Blick zu und rieb sich über die Stelle, die Ares zuvor berührt hatte.

Ares wusste, von wem Pax sprach. War der Magier ja dabei. Live und in Persona.

Auf einmal bemerkte Ares eine kleine Ungereimtheit: Wie kam Pax so schnell her? Sie waren am anderen Ende der Stadt! Vergessen war die elektrische Ladung seines Körpers.

Fragen konnte ihn Ares ja schlecht ... oder ...

»Erzähl. Wenn hast du getroffen und wo?« Mit verschreckten Armen wartete Ares auf die Antwort.

Auf seinen Unterarmen bildete sich eine leichte Gänsehaut, als er an ihren Zusammenprall denken musste. Dieser Blitz ... es war nicht normal. Jedenfalls stärker, als der von eben.

Paxs Gesicht hellte sich wieder auf und das Strahlen kehrte in die blauen Augen zurück.

»Es war Chapeau!«, verkündete er, als hätte er soeben im Lotto gewonnen.

»Wir sind uns eben am Polizeirevier über den Weg gelaufen. Das war sooo ...«

»Polizeirevier? Das ist aber ein ziemliches Stückchen bis hierher.«, bemerkte Ares stirnrunzelnd.

Wie hat es Pax so schnell hierhergeschafft?

»Ja, na ja ... ... da war ein Taxi ... es. Es spielt doch jetzt keine Rolle, wie ich herkam!«, brauste der blauäugige Mann auf. »Habt ihr nicht verstanden was ich euch versuche zu erklären?!«

»Ja doch, haben wir«, Jo verdrehte die Augen. »Du hast diesen Scharlatan getroffen. Ja und? Ist doch nur ein Mensch.«

Scharlatan? Aua!

»Ist ja nicht so, als würde er Babys aus brennenden Häusern retten oder so!«, schimpfte Jo.

Heute ist Jo aber wirklich in Kampflaune. Bemerkte Ares, sich am Kopf kratzend.

Ob es zu spät ist, um die Kurve zu kratzen?! Dachte er sich. Blöderweise war es sein Zimmer, in dem sie standen und diskutierten. Mit den zwei Streitenden wollte er jetzt lieber nicht in einem Raum sein!

Kurzentschlossen schob er die beiden über die Schwelle, schließlich standen alle in seinem Zimmer, und knallte die Tür kurzerhand zu.

Er brauchte dringend Schlaf. Sein Körper war ausgezehrt und matt. Ares wollte sich nicht vorstellen, wie weit nach unten seine Augenringe mittlerweile hingen.

Außerdem musste er sich dringend überlegen, wie es ab jetzt weiter ging.

»Chapeau« wurde von der Polizei verhaftet. Da durfte er nicht morgen einfach auftauchen und »Überraschung, Fehlalarm« rufen. Oder konnte er das irgendwie in seine Show einarbeiten?

Ares zermarterte sich sein Gehirn. Selbst als er frischgeduscht aus dem Bad trat, fand er einfach keine Lösung.

Als sein Kopf endlich auf dem weichen Kissen lag, brauchte es minimal fünf Minuten, ehe sich die grünen Augen schlossen und Ares in einen tiefen Schlaf fiel.

 

Schatten rannten an ihm vorbei. Schreiend, Hilfe suchend, verzweifelt. Alles war in Düsternis getaucht, in Schwarz und Blau. Hin und wieder sah er Rot. Doch woher die Farben kamen, konnte er nicht einordnen. Sein Kopf schwirrte, drehte sich, ohne einen klaren Gedanken fassen zu können.

Ein stehender Schmerz durchfuhr seinen Körper. Ließ ihn auf die Knie fallen. Da war es wieder!

Rot.

Es breitete sich aus. Unter ihm, vor ihm, über ihm. Überall!

Ares wollte schreien. Wollte um sich schlagen und von hier verschwinden.

Er blickte nach unten. Sah den Grund seines Schmerzes, fühlte die Klinge, die herausragte, ihn aufspießte.

Etwas Nasses ran ihm den Mundwinkel entlang. Sofort wischte es Ares weg. Rot.

Wieder diese Farbe!

Ein Schatten rannte auf ihn zu. Mit glänzender Waffe erhoben. Ares hörte das Surren, das zerschneidende Geräusch.

8. Kapitel: Kapitel 7

Kapitel 7

 

 

Schweißgebadet wachte er auf. Es war ein Traum! Träge wischte sich Ares übers Gesicht, vertrieb die Schrecken der Nacht aus deinem Verstand.

Ares erhob sich. Das Lacken triefte vor Nässe. So konnte er nicht wieder einschlafen. Er brauchte dringend ein neues und dazu noch einen erneuten Gang in die Dusche. Ares fühlte sich schmutzig und klebrig an. Der ganze Schweiß, bildete einen leichten Film auf seiner Haut. Ließ ihn frösteln.

Als das Wasser seinen Körper runter rann, war er mit einem Mal wach. Ares spürte diese neue, fremde Kraft die ihn vollkommen umgab und unentwegt pulsierte. Von den Haarspitzen bis in die kleinste Zelle seiner Füße, pochte das Unbekannte.

War es gut? Oder hat Ares einen großen Fehler gemacht, diese Macht in sich aufzunehmen?

Abwesend strichen seine Finger über den Unterarm. Fuhren über das Zeichen. Spürten die Unebenheiten, der Tinte. Es war real. Kein Traum. Was hatte es zu bedeuten?

Ares Kopf fiel gegen die Fliesen der Dusche. Die Kühle des klaren Wassers, linderte zumindest etwas die Krämpfe in seinen brennenden Muskeln.

Doch wie sollte es weiter gehen? Was hatte es für Auswirkungen auf Chapeaus Karriere? Ares wusste es nicht und ehrlich, er wollte es im Moment nicht wissen.

 

Nachdem Ares sich abgetrocknet und das Bett neu bezogen hatte, legte er sich wieder hin, schlaffen konnte er aber nicht, denn ein nerviges Summen hielt ihn davon da.

Bzzzz 

Das penetrante Klingeln, dröhnte unangenehm in seinen Ohren.

Gekonnt versuchte der junge Mann, sein Handy zu ignorieren. Er drehte sich auf die andere Seite und zog das Kissen über den Kopf. Probierte wieder einzuschlafen.

Es soll einfach leise sein, so schwer ist das doch gar nicht! Knurrte er frustriert und hätte das Teufelsding am liebsten gegen die nächste Wand gepfeffert. Doch nach geschlagenen zehn Minuten hielt er es nicht mehr aus. Da das Ding immer wieder vom Neuen anfing.

„JA!“, keifte er in den Hörer und wünschte seinen Gesprächspartner sofort die Pest an den Hals, denn der Wecker auf dem Nachttisch zeigte ihm 2 Uhr morgens an.

„Mr. Chapeau? Hier ist Agent Monrow. Könnten sie heute vorbeikommen. Es ist dringend. Wir haben neue Informationen, bezüglich des Maskierten.“, erklang die ruhige Stimme des FBI Agenten am anderen Ende der Leitung.

Wieso klang der Agent auf einmal so förmlich? Saß sein Chef bei ihm? Doch bei der unmenschlichen Zeit glaubte es Ares weniger. Viel mehr würde er darauf verwetten, dass er zuhause bei seiner Frau war, während er mit ihm gerade telefonierte.

Unbändige Wut stieg in Ares auf, doch die schluckte er runter. Hatte Monrow es ja auch nicht einfach in seinem Job und er machte ja nur seine Arbeit. Schließlich hatte Ares ja um Endeffekt freiwillig eingewilligt! Aber hätte es nicht bis zum nächsten Morgen warten können!?

„Ok ich komme vorbei“, brummte Ares monoton.

Ares war zum Schreien zu muten, doch um seine Mitbewohner zuliebe, verzichtete er darauf.

Kurz hörte er noch Monrows „Danke“, dann ertönte das monotone Tuten.  

Kaum das Ares Kopf wieder auf dem Kissen lag, schreckte er wieder auf. Sein Kopf ruckte Richtung Tür. Schritte!

Jemand schlich leise vor seiner Tür rum. Ob es Pax oder Jo sind?

Ares stand auf, um nachzusehen. Die Hand lag bereits auf dem Türgriff, da vernahm er die Geräusche einer sich bewegenden Person wieder, doch diesmal entfernten sie sich. Zu seiner Verwunderung hörte er aber keine Tür, die auf und zu ging.

Komisch. Ares schob seinen Kopf durch den schmalen Spalt und späte hinaus.

„Hallo?“, flüsterte er um seine Mitbewohner nicht aufzuwecken. Doch nur die Dunkelheit antwortete ihm, mit ihrer lautlosen Stimme. Niemand war da! Hatte er sich die Geräusche eingebildet? Still erstreckte sich der Flur vor. Stirnrunzelt machte er einen Schritt nach vorne, zog sein Bein aber wieder zurück. Ein beklemmendes Gefühl breitete sich in seinem Magen aus. Sein Blick huschte zur Tür zu seiner linken. Ein schwacher Lichtstrahl, zwängte sich unter der Tür hervor und ließ Ares aufatmen. War es doch Pax gewesen, der sich mitten in der Nacht auf den Fluren rumtreibt. Kopfschüttelnd schloss Ares die Tür und schmiss sich auf sein Bett. Mit starrem Blick auf die Decke gerichtet lag er da. Seine Gehirnzellen arbeiteten auf Hochtouren, bis ihn die Müdigkeit doch einholte und er letzten Endes einschlief.

 

 

 

Es war die Sonne, die ihn am nächsten Morgen wieder aus dem Schlaf holte. Auch nach der gegönnten Ruhe, war sein Körper nach wie vor angespannt und doch kraftlos.

Dank Monrows Anruf hatte er nicht wirklich mehr schlafen können. Ares füllte sich genauso mies wie am Tag davor.    

 

Seufzend kämpfte sich der verschlafene Mann aus der Decke und ins Badezimmer. Nach der nächtlichen Dusche hatte er diese zwar nicht mehr nötig, doch seine Haare, die heute noch mehr zu Berge standen als üblich, würden es ihm danken.

Das Waschen ging schnell und genauso flott war er angezogen. Er warf seinem Spiegelbild einen kurzen Blick zu, zupfte an den feuchten Strähnen und gab es letztendlich doch auf. Fuhr sich übers Kinn. Wieder hatte er es nicht geschafft sich zu rasieren. Doch das störte ihn nicht sonderlich. Er mochte diesen Dreitagebart irgendwie. Es ließ ihn älter wirken.

 

 Gähnend saß er mit seinem Frühstück am Tisch. Der Kaffee dampfte in schwachen Rauchschwaden leicht vor sich hin. Es war mittlerweile der Dritte, den Ares hatte.

Das Koffein in seinen Venen rauschte, doch brachte es nicht wirklich etwas. Selbst wenn er ihn schwarz trank. Obwohl er das bittere Getränk, lieber mit Milch und Zucker zu sich nahm, brauchte er heute jedoch die starke Dosis Koffein.

Das getoastete Brot lag mit Marmelade beschmiert auf seinem Teller, ohne das Ares ihn eines Blickes würdigte.

Wieder entfloh dem Teenager ein tiefer Seufzer. Sein Blick schweifte am Tisch vorbei. Er war allein hier. Ob die anderen Beiden noch schliefen?

 

Selbst nach einer Viertelstunde Toast anstarren, blieben die Plätze leer. Weder Jo noch Pax waren zu sehen und Ares fühlte sich mit einem Mal einsam. Sie hatten sich gegenseitig und wenn hatte er?

Ares wünschte sich jemanden an seiner Seite. Einen Menschen, bei dem er sich einfach fallen lassen konnte.

Einen Partner der nicht verurteilte, was und wie er war, sondern immer zu ihm stand. Eine Person, die ihn so akzeptierte, wie er eben war!

Fast wären Ares Tränen in die Augen geschossen. Schnell rieb darüber.

Auf ein Mal hörte er, wie sich eine Tür öffnete. Schlurfen Schritte bewegten sich in seine Richtung. Müde kam Pax um die Ecke und blieb abrupt stehen. Seine blauen Augen lagen, auf dem am Tisch sitzenden jungen Mann. Misstrauisch und doch neugierig.

Dieser Blick war tief und intensiv, und Ares musste feststellen, dass es ihm weitaus mehr gefiel, als es sollte.

Schnell stand er auf und eilte an Pax vorbei. Kurz grüßte er den etwas Größeren, doch vermied er den Blickkontakt.

Schließlich hatte er es eilig! Zumindest redete er sich das ein, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Er musste ja einen Dieb dingfest machen! Da konnte er sich jetzt nicht Pax und seinen Fan-Fantasien bezüglich Chapeau, beschäftigen.

Auch wenn es ihm gefallen würde!

 

„Also, was gibt es Mr. FBI Agent?“, fragte Ares den älteren Mann, als er die Zentrale betrat und schnurstracks in dessen Büro eilte. Heute war er in Zivil unterwegs und das brachte ihm den einen oder anderen Blick im Revier ein.   

Sein Weg war schnell und kurz. Er hat sich einfach hier her teleportiert. Hat ja gestern so souverän geklappt!

Monrow sah ihn finster an. Scheinbar hatte der Gute ebenfalls eine kurze Nacht. Ob es zuhause noch Trara gegeben hatte, weil er um die Zeit noch im Dienst gewesen war?

Etwas schadenfroh grinste ihn Ares an. Geschieht ihm recht!

„Die Maske hat heute Nacht wieder zugeschlagen“, verkündete er grummelnd und goss sich eine große Tasse Kaffee ein. Schwaz und bitter. Wie sein Gesichtsausdruck! Ares nickte verstehend und lehnte den dargebotenen Becher ab. Noch mehr Koffein und er würde im Dreieck springen.

„Wir sollten dringen über einen neuen Namen nachdenken“, warf Ares scherzhaft ein und erntete dafür einen fiesen Blick.

„Warum die miese Laune?“, fragte er mit schiefgelegtem Kopf.

Eigentlich war es ihm recht egal. Ares wollte das nur hinter sich bringen und schnell wieder im Theater sein.

Da er den gestrigen Tag verplempert hatte, musste er nun einiges aufzuholen.

Das Geld kommt schließlich nicht von alleine! Und sein Image musste er ja auch noch glätten! Ob überhaupt jemand zu seiner Show kommen würde oder nicht?

Na toll! Jetzt habe ich auch schlechte Laune! Ares verschränkte trotzig die Arme vor der Brust und saß zu dem Älteren. Eine tiefe Falte bildete sich zwischen seinen Augenbrauen.

Monrows Ausdruck steigerte sich immens von einem ich-lass-dich-auffliegen-und-pfeife-auf-deine-Zukunft- zu einem Noch-ein-Wort-und-ich-buchte-dich-ein Blick.

Ares hielt lieber die Klappe.

„Dieser Hund hat eine sehr teure Kette, aus einem wohlhabenden Haushalt, gestohlen“, grübelnd sah Monrow aus dem Fenster.

„Es muss sich um einen der Splitter handeln. Wir kennen sein nächstes Ziel und da kommst du ins Spiel. Ich möchte, dich heute Nacht am Lake haben.“

 

Die Splitter!

Immer wieder war die Rede von ihnen, aber Ares wusste beim besten Willen nicht, was es genau war, dass diese Dinger so wertvoll machte.

„Sagen sie mal“, fing Ares an und schaute sich um. „Warum haben sie eigentlich ein Büro im Polizeirevier? Ich dachte das FBI hat ihre eigenen Gebäude?“

Monrows Blick wurde eine Spur mieser. Während er seinen Kaffee schlurfte murmelte er etwas von „Budgetkürzungen“ und „Sauhaufen“. Ares lachte auf. Etwas Mitleid hatte er jetzt doch mit dem armen Mann.