******************** Eine Liebeserklärung - hochwissenschaftlich induziert von Wortjongleur ******************** Ich hab’ eine Liebeserklärung bekommen. Von einem Menschen, dem ich noch nie begegnet bin. Dem ich geographisch wohl noch nie in die Quere gekommen bin, obwohl sich unsere Wege seit einigen Jahren immer wieder kreuzen. Jedenfalls virtuell. Ja, von diesem Menschen hab’ ich eine Liebeserklärung bekommen. Und alles nur wegen eines Taxis - vive la genitif ! 😁 „Ich bin da, wenn man mich ruft“, hab’ ich in einem Anflug von Übermut großspurig hinausposaunt - nicht ahnend, was ich damit auslösen würde, auf welche Ideen ich Andere damit bringen könnte.  Und prompt wird mein Angebot auch dankbar - oder provozierend? 🤔 - aufgegriffen und in eine ungeplante Richtung weiterentwickelt: „Ich werd’ dran denken wenn meine nächste nächtliche Eskapade mich in eine Situation bringt, in der ich eine lebensverändernde Taxifahrt gebrauchen kann 🤣.“ Gut. Selbst schuld. Geschieht mir recht. Wenn ich so unvorsichtig und übermütig bin, dann muss ich die Reaktion wohl aushalten. Dennoch, so leicht mach’ ich’s dem Taxirufer nicht. Der Typ - ja, eine männliche Ausgabe der Spezies Mensch ist’s - wohnt irgendwo in Salzburg. Im Bundesland Salzburg. Wo genau, weiß ich nicht. Was ich aber weiß: Ich wohn’ NICHT in Salzburg. Definitiv nicht. Nicht mal ansatzweise. Mich findet man gewissermaßen im fernen Osten von Salzburg. Wenn also der Typ mitten in der Nacht im Landes Salzburg ein Taxi braucht … schwierig. Ob der ausreichend Geduld und Wartezeit hat? „Wenn’s ok ist, wenn das Taxi dann 3 Stunden braucht …“, schreib’ ich also zurück. Und erachte das Thema als erledigt. Und widme mich wieder dem, was ich schon zuvor nicht tun wollte. „Hast du etwa die ungefähre Zeit ausgerechnet die realistischerweise notwendig wäre, um den Magier aus Salzburg aus seiner Notsituation heraus zu retten? Ich bin gerührt 🤣“, beept und screent mich mein Handy an. So. Jetzt bin ich angestachelt. Spätestens jetzt hat er meine volle Aufmerksamkeit. „ungefähr ausgerechnet ...“, texte ich dem Typen zurück. „Mein Freund:“, setze ich fort. „Ein ‚ungefähr‘ wird dir nicht gerecht. Vielmehr hab’ ich die aktuelle Windrichtung berücksichtigt, die derzeitige Erdrotation samt der Stärke der Gravitation, die Hitze des Asphalts auf der Westautobahn, den Abrieb meiner Pirelli-Pneus und den Energiegehalt des Diesels in Ostösterreich …“  Dass ich auch die Luftfeuchtigkeit, den von der Luftmenge in meinen Reifen abhängigen Rollwiderstand derselben und das anhand bisheriger Daten in die Zukunft extrapolierte Verkehrsaufkommen miteinbezogen habe, versteht sich von selbst. Den wochentags- und uhrzeitabhängigen und deswegen wahrscheinlichkeitsgewichteten Aufenthaltsort des Taxirufers - eine genaue Adresse des Abholhorts kenn’ ich ja nicht - natürlich auch. Und klarerweise auch den Sauerstoffgehalt der zur Verbrennung des Diesels benötigten Luft, meine keinesfalls gleichverteilte Risikoneigung zur Ignorierung der Geschwindigkeitsbeschränkungen, das erhöhte Erscheinungspotenzial von Baustellen an bestimmten Tagen sowie bei verschiedenen Besetzungen der Führungsposition im Verkehrsministerium, die Wettervorhersage für die nächsten zehn Jahre zu jedem Flecken in Österreich - ich hab’ da einen Insider mit einer völlig neuen, fundamental und radikal innovativen Forecast-Methode an der Hand - , die Auswirkungen des Flügelflatterns eines Schmetterlings im indonesischen Regenwald, eines in China sich infolge schwerkraftbedingter Anziehungen um 90 vertikale Grad neigenden Fahrrads und natürlich auch das Aggressionspotenzial der vorwiegend männlichen Verkehrsteilnehmer, das sich großflächig entfaltet, wenn ich an ihnen vorbeigeleite. „Also mit hochwissenschaftlichen Methoden und in zig Szenarien“, tippe ich dann weiter. „Und dann das wahrscheinlichste Szenario genommen.“ Hugh, damit ist das Thema wohl erledigt. Denke ich. Denkt aber nicht der Typ. Der reagiert mit einer unerwarteten und in ihrer potenziellen Erwiderung noch unentschiedenen Liebeserklärung. „Ich liebe diesen Mann, ich werde es nicht bestreiten.“ Ich bin sprachlos. Und noch sprachloser werd’ ich, als eine unsere Unterhaltung verfolgende Person anmerkt, „Du meinst wohl den Lars?“. Schluck. Mir läuft’s kalt über den Nacken. Der Lars. Den hatte ich vergessen. Meinen in die Jahre gekommenen Boliden, ausgestattet mit der Gabe, zu den unmöglichsten Zeitpunkten bis dahin für noch unmöglicher gehaltene Macken an den Tag zu legen. Mist. Den Lars hatte ich nicht berücksichtigt. Dessen Launen hatte ich nicht miteinberechnet. Ich zwinge mich zu einer Klarstellung. „Dann sind’s 6 Stunden …“ Und nicht 3. Hochwissenschaftlich belegt natürlich.     ++++++++++++++++++++ Autorennotiz ++++++++++++++++++++ Wie der einfache Ruf nach einem Taxi eine wissenschaftliche Abhandlung nach sich zieht und in eine unerwartete Liebeserklärung mündet ... ******************** Am 29.6.2026 um 17:55 von Wortjongleur auf StoryHub veröffentlicht (https://storyhub.de/?s=6COQu) ********************