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Dezember

16
30.8.2019 23:04
16 Ab 16 Jahren
Fertiggestellt

3 Charaktere

Tseng

Codename des derzeit ranghöchsten Turks. Rufus' rechte Hand und Berater, nachdem die Führungsriege der Firma bei der Meteorkrise fast vollständig ausgelöscht wurde. Tseng ist praktisch für die gesamte Lebensführung des Präsidenten verantwortlich: Personenschutz, Assistenz, Gebäudereinigung ... und wäre er nicht auch ein besonders guter Freund, hätte er schon längst entnervt gekündigt.

Elena

Elena ist das neueste, offizielle Mitglied der Turks, denen schon ihre Schwester angehört hat. Sie ist ShinRa treu ergeben und sehr ehrgeizig, legt allerdings teilweise auch ein gewisses Maß an Naivität und Unsicherheit an den Tag. Sie hat großen Respekt vor ihrem Boss Tseng, den sie offen bewundert.

Rude

Rude ist Renos schweigsamer Partner und mit seiner ruhigen, zurückhaltenden Art direkter Gegenpol zu diesem. Als Turk ist er professionell, fokussiert und ein exzellenter Faustkämpfer. Hinter seiner respekteinflößenden Erscheinung verbirgt sich allerdings auch eine überraschend sensible Seite.

Dezember

 

„Warte, meine -" Sie verstummte, als er auch schon prompt wie wortlos ihre Jacke hochhielt.

Die Dunkelheit stand massiv als schwarze, undurchdringliche Wand hinter der Fensterscheibe, die die drei Gestalten im gelbschimmernden Licht des Büros perfekt reflektierte. Zu dieser Jahreszeit wurde es früh dunkel. Deprimierend, wenn man dafür empfänglich war. Tseng war es nicht.

„Und meine Handta-" Ein Lächeln wuchs auf ihrem Gesicht, als ihre Handtasche unter der Jacke mit einem kleinen, demonstrativen Winken zum Vorschein kam. Die Fältchen um ihre Mundwinkel waren so schleichend im Laufe der Jahre gekommen, dass sie nicht einmal Reno aufgefallen waren. Oder er hatte sie bloß niemals zum Ziel seines Spottes gemacht, weil er seit einer Weile selbst allmählich Andeutungen von Furchen in seinen Zügen trug. Oder aber, er war letztendlich in so mancher Hinsicht doch noch erwachsen geworden. Tseng schloss es nicht aus. Auch wenn er taktvoll genug war, es niemals laut zu äußern, fand er, dass die ersten Zeichen des Alters Elena standen. Sie verliehen ihr die Reife, die er so lang vermisst hatte. „Okay, du kennst mich mittlerweile", lachte sie leise und band sich den Schal um.

Ein verliebtes Grinsen wurde zwischen den beiden ausgetauscht und ließ sie für einen flüchtigen Moment wie zwei Teenager wirken. Und dann war der Moment auch schon vorbei und es war gut so.

Er beobachtete neidlos, wie Rude ihr die dicke Winterjacke offenhielt, damit sie reinschlüpfen konnte und vorsichtig ihr blondes Haar unter dem Riemen der umgehängten Handtasche hervorholte.

„Ich werde so langsam verrückt deswegen, warum muss das ausgerechnet mir passieren!"
„Sowas sucht man sich halt nicht aus... Ich persönlich mag ja die aus Wutai nicht, sind nicht mein Fall. Und Männer, die längere Haare haben als ich, sind mir schon gar nicht geheuer! Aber attraktiv ist er wohl,... wenn man eben auf solche steht."
„Aber das ist wie in einem schlechten Film! Einem wirklich schlechten, nur dass ich keine Sekretärin bin!! Ich meine, Gaia, er ist mein Boss!"
„Tja, wo die Liebe hinfällt..."
„Hffff... Ich kann nur hoffen, dass dieser Spuk schnell..."
„Elena..."
„...wieder vorbei ist! Bei meinem Glück,..."
„Ähm, Elena..."
„Was denn? ... ...Oh Boss..!  Boss... …Stehen Sie schon länger da?"


Sie sahen so hübsch zusammen aus.

„Gut, das wär's für heute", erklärte sie in seine Richtung und verabschiedete sich gleichermaßen damit, während der Kollege, der inzwischen mehr als das war, ihr den Arm um die Schultern legte und die Hand in einer knappen Geste hob. „Bis morgen!"

„Bis morgen", entgegnete ihr beider Vorgesetzter in angemessener, routinierter Höflichkeit.

Es war sichtbar, wie gut die zwei einander taten. Sie hatte ihm über den Tod seiner Mutter hinweggeholfen und er ihr über...
Er war froh, dass diese Zeiten vorbei waren und sowohl Elena als auch Rude noch lebten, um sich gegenseitig diese Hilfe zu sein. Es war keine Selbstverständlichkeit. Dass sie überhaupt noch da waren. Und bei „da" dachte er nicht an die Abteilung.

„Wie ich hörte, hat Verdot dir den Punk als Partner zugeteilt."
„Ja. Wahrscheinlich soll er sich an mir die Hörner abstoßen."
„Er braucht einen Gegenpol. Jemanden, der ihn auf dem Teppich hält."
„Und ich brauche eine Krankenversicherung."
„Wozu? ShinRa kommt für deine medizinische Versorgung auf."
„Ich habe meiner Mutter geschworen, mir eine vernünftige Arbeit zu suchen, mit Krankenversicherung und geregelten Arbeitszeiten."
„Ich glaube, wenn sie wüsste, was du tust, wären das ihre geringsten Sorgen."
„Ich glaube, du könntest Recht haben. ...Du kennst doch diese ganzen Werbeartikel? ShinRa Blöcke, Kugelschreiber, Tassen und so weiter."
„Was ist mit denen?"
„Sie denkt, ich entwerfe die. Immer, wenn ich sie besuche, muss ich ihr einen Koffer von dem Zeug mitbringen. Sie verteilt es mit stolzgeschwellter Brust unter allen, die sie kennt und nicht kennt.  ...Sag jetzt einfach nichts."


Als sie ausser Sichtweite waren, gestattete er sich, ihnen hinterherzulächeln.

„Ich glaub, ich hab das Fenster in meinem Büro...-"

„- Das glaubst du immer."

Die Stimmen auf dem Gang entfernten sich und ließen ihn allein zurück.

--

Noch immer war er der letzte, der abends die Abteilung verließ. Eine der wenigen Konstanten im Leben der Turks.
Seine Schritte hallten durch die Leere, als er langsam über den Flur ging. Im spärlichen Licht, das aus seiner offenstehenden Bürotür fiel, folgte er seinem länger werdenden Schatten, der uneinholbar vorauslief.

Sich kurz hinabbeugend, platzierte er den Topf mit der Orchidee, die sie so bewundert hatte, auf Elenas Schwelle. Ohne sentimentalen Gedanken nachzuhängen, vollzog er den Akt kurz und bündig. Die Strähnen, die ihm dabei über die Schulter fielen, wirkten durch die mangelnde Beleuchtung wieder schwarz.

Als er einige Meter weiter die Tür zu Renos Büro passierte, hielt er jedoch ungeplant inne. Und Tseng ertappte sich dabei, es tatsächlich zu bedauern, dass sein Stellvertreter über die Tage mit den Rookies fortgereist war.

Reno...

„Ey Wutai! ...Ey Wutai! ....Du hast da was im Gesicht, Mann!"
„Du ebenfalls."
„Achja? Wassn?" - „Scheisse, bist du verrückt geworden?! Wenn die gebrochen ist, bring ich dich um! ...Fuck... In was für nem verdammten Club bin ich hier eigentlich gelandet?! Geht alle zum Lachen in den Keller... Shiva... Heh, weisste was?! Ich glaub, ich geh gleich mal zum Boss und stell ein paar Dinge klar, ich meine, immerhin wollt ihr mich in eurem Verein, oder? Hehe... Ja... Ich glaube, ihr braucht mich! Ah, verdammt..."


Er hätte sich damals eher die Zunge abgebissen, als zuzugeben, dass der dreiste Halbstarke Recht hatte. Sie hatten ihn gebraucht. Brauchten ihn auch heute noch. Mehr denn je.

Er trugt noch immer keine Krawatten, aber die Morgen, an denen er nach Alkohol roch, wenn er zur Arbeit erschien, waren seltener geworden. Sein Körper verzieh ihm die Eskapaden sichtbar schlechter. Und die meisten Tage in der Woche kam er mittlerweile pünktlich. Der große Rebell war etwas müde geworden, etwas geschliffener und sein Temperament im Laufe der Jahre abgekühlt.

Und Tseng selbst, Tseng war sehr müde geworden.

--

Die grelle, weisse Deckenbeleuchtung der Herrentoilette flackerte.
Er zählte innerlich bis drei, dann hatte sich das Licht der Neonröhre stabilisiert und der kalte Schein blieb konstant. Begleitet von einem Surren, das er mehr in seinem Kopf fühlte als hörte und auch nur an den Abenden, an denen er allein hier oben war und niemand die Ruhe störte. Es war kaum lauter als der eigene, ruhige Puls in den Ohren.

Er trat an das Waschbecken, legte die Dienstwaffe auf die Ablage und schöpfte ein paar Mal mit zittrigen Händen das eisige Wasser, um sein Gesicht hineinzutauchen. Das Zittern war nichts Neues. Es hatte bereits vor einer ganzen Weile begonnen.

Als er sich aufrichtete, rannen klare Tropfen von seiner Haut wie den Kacheln über dem Becken. Die Fliesen waren nass abwischbar. Pflegeleicht. Keine Umstände.

Sein Spiegelbild betrachtend, kehrten seine Gedanken zu Rufus.

„Duuuuuu~uu? Aber... sagst du das dem Präsident?"
„Wenn du es nicht möchtest, nein. Dann bleibt es unser Geheimnis."
„Er schimpft immer, weil ich bin ja zu groß dafür..."
„Keine Angst, ich werde ihm nichts verraten. Welcher schmeckt besser, der linke oder der rechte?"
„Mmmm.... Der!!"
„Das ist der linke. Alles, was sich auf dieser Seite von dir befindet, ist links und alles auf der anderen Seite ist rechts."
„Da ist links... Und da ist rechts! ...Ja?"
„Ganz genau, mein Großer."


Das Lächeln in seinem Gesicht trug eine Zärtlichkeit, die ungesehen bleiben würde.
Dann ließ er auch diese Erinnerung los und griff nach seiner Waffe.
Jetzt gab es nur noch sie und ihn.

„Du musst hier unterschreiben. Aber dann ist es offiziell, also sei dir besser sicher."
„Das bin ich."
„Willkommen bei ShinRa."


Sie hatten Recht gehabt. Es gab niemals ein Danach.

In der dunklen Stille der Abteilung beendete der Chef der Turks seine Ära und trat unwiderruflich zurück.

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Kurzbeschreibung

Ein Arbeitstag der Turks endet. Und mit ihm eine Ära.

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Diese Fanfiction wurde mit OneShot und Drama (Genre) getaggt.

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