Fanfictions > Filme > Marvel Cinematic Universe > Zukunftsvision

Zukunftsvision

3
29.9.2017 12:44
6 Ab 6 Jahren
Fertiggestellt

Bruce und Tony starrten einander angestrengt an, während Helen Cho und ein Team der besten Doktoren durch den Raum eilten. Immer wieder hörte man überraschte Ausrufe, oder erstaunte Laute von den Leuten, während Cho strikte Anweisungen gab und der Cradle alles mit einem monotonen Summen untermalte.

Keiner schien sich um die beiden Genies zu kümmern, die am Rande des Raumes standen und anscheinend telepathisch ihre Gedanken austauschten. Sie wirkten so konzentriert aufeinander, dass sie nicht ein mal merkten, wie Helen Cho zu ihnen kam und das ganze Schauspiel sekundenlang schweigend betrachtete, ehe sie es wagte, sich zu räuspern.

Bruce schüttelte leicht den Kopf, als Tony zeitgleich damit begann zu nicken. Nur langsam konnten sie den Blick voneinander loseisen und sahen zu der Koreanerin. Ein schiefes Schmunzeln, oder doch schon eher ein Lächeln?, ließ ihre Mundwinkel nach oben zucken, doch ihre Augen erreichte diese fröhliche Geste nicht.
Stattdessen wirkten ihre Augen entschuldigend, beinahe traurig.

„Was habe ich gesagt?“, murmelte Bruce, fast vorwurfsvoll, was Cho eine Augenbraue heben ließ, da sie nicht gesehen hatte, wie die beiden sich unterhalten hatten.
„Ich glaube immer noch, dass du falsch liegst, Doktor“, das letzte Wort presste Tony schon fast genervt hervor, als wolle er mal wieder nicht einsehen, dass er auch falsch liegen könnte.

Bruce sah ihn mit einem Hauch Missbilligung an, fuhr sich mit der Hand über den Mund, als müsse er sich mit seiner Aussage zurückhalten und schüttelte dann einfach nur den Kopf: „Okay, lass uns doch hören, was Doktor Cho dazu zu sagen hat“
„Okay“
„Okay“

Wie zwei streitende Kinder, wanden sie sich vollends voneinander ab und der jungen Frau zu, die diese ganze, seltsame Konversation nur mit einem Stirnrunzeln beobachtet hatte. Als keiner der beiden Wissenschaftler ein Wort von sich gab, hörte man ihrerseits ein Seufzen. Sie blickte auf ihr Klemmbrett hinunter und begann damit einige Seiten durchzublättern. Wollte sie ihnen nicht in die Augen sehen?

„Man könnte sagen, wir hatten Glück im Unglück, dass sich ein so guter Operationssaal auf dem Hellicarrier befand und wir rechtzeitig erste Schritte einleiten konnten. Ich hätte selbst nicht mal gedacht, dass so etwas möglich ist, aber er hat ein Regenerationsvermögen, das schon beinahe unheimlich ist. Wir vermuten, dass es an Struckers Experimenten liegt“

Tony und Bruce warfen sich einen Blick zu und Helen wartete nur darauf, dass einer von ihnen ausrief: „Ich hab's doch gesagt!“, allerdings wartete sie darauf lange und fuhr lieber selbst fort: „Er ist noch nicht vollkommen über den Berg und wir können nicht sagen, ob irgendwelche Schäden bleiben werden. Der Cradle arbeitet auf Hochtouren und momentan ist es das Einzige, nebst unserer Überwachung, das wir tun können“

Sie nickten einander zu, ehe Helen Cho sich wieder abwandte und an die Arbeit machte. Tony und Bruce blieben einen Moment stehen und sahen sich das Arbeitsfeld an. Der Cradle stand in der Mitte des Raumes auf einer kleinen Erhöhung. Mehrere Monitore waren zur Überwachung angeschlossen, deren abgebildete Statuse nicht gerade dem entsprachen, was Cho ihnen versprochen hatte.
Doch die Doktorin schien zuversichtlich zu sein.
Also waren sie es auch.

„Warum machen wir das noch mal?“, fragte Tony, der sich bereits auf den Weg machte, den Raum zu verlassen, nun sichtbar ein kleines bisschen besser gelaunt, als zuvor.
Bruce verdrehte die Augen und ging seinem Freund hinterher: „So oft du mich das auch fragen wirst, du kriegst immer die selben Antworten von mir“




Nach und nach entließ Doktor Cho die Ärzte, damit sie sich ein wenig ausruhen konnten. Nur mit knapp einer handvoll blieb sie zurück.
„Wollen Sie nicht auch eine Pause machen?“, einer der Ärzte kam zu ihr herüber, nicht viel älter als sie selbst und zwang sie somit, von der kleinen, metallenen Schale in ihrer Hand aufzublicken.
„Nein. Nein, mir geht es gut“, sie blickte wieder hinab und schüttelte die Schale, in der 47 Kugeln ein leises Rasseln von sich gaben.

„Wirklich?“, ein amüsierter Unterton schwang in seiner Stimme mit, „Sie stehen seid fünf Minuten an ein und derselben Stelle und starren dieses Ding und seinen Inhalt an“
Cho hob abermals den Blick und sah ihn forschend an, ehe sie beschämt den Behälter beiseite stellte: „Ich werde mich hinsetzen, aber das Ganze weiterhin überwachen“, kam es bestimmend ihrerseits und sie zog sich einen Stuhl heran, damit sie weiterhin beobachten konnte, wie der Cradle arbeitete.

Ihre Augen hefteten sich auf den Monitor, der daran angebracht war. Alles deutete auf ein positives Resultat hin, doch es dauerte so unglaublich lange, dass sie selbst nicht wusste, ob und wie sie es weiterhin durchhalten sollte.
Jetzt, da sie saß, spürte sie, wie schwer ihre Knochen waren und Müdigkeit übermannte sie. Vielleicht sollte sie wirklich eine Pause machen.

Sie beobachtete die Ärzte am anderen Ende des Raumes, die sich leise über ihre Ergebnisse unterhielten und dabei Zettel und Daten austauschten. Sie bewegten sich kein bisschen von ihren Plätzen weg, an denen sie standen und die Stille des Raumes drückte auf ihren Kopf.
Helen unterdrückte ein Gähnen, doch konnte sie das zufallen ihrer Augenlider nicht aufhalten und ohne es verhindern zu können, döste sie auf diesem unbequemen Stuhl ein.

Bis sie plötzlich von einem lauten Piepen wieder aufgeschreckt wurde.




Es war später Nachmittag.
Steve befand sich mit den anderen Avengers auf der Trainingsebene des Towers und schrie sie immer wieder mit dem gleichen Befehl an: „Nochmal!“
Bruce hatte sich schon lange ausgeklinkt, saß auf einer der Bänke, eine Decke um die Schultern gewickelt und hörte lautstark klassische Musik.

Kurz nachdem Bruce ausgestiegen war, hatte es sich auch Tony zum Ziel gesetzt nicht reichlich mehr zu machen, als mit einem Schraubenzieher an einem seiner kleinen Roboter herum zubasteln. Und irgendwann hatte es auch Steve aufgegeben und trainierte lieber den Rest seiner Teamkollegen weiter, die immerhin einigermaßen interessiert darin schienen, sich trainieren zu lassen.

Während Thor ein wenig dem Hammerwerfen nachging und Natasha und Clint gegeneinander antraten, war es einzig und allein Wanda, die ihm momentan am meisten Sorgen machte. Seit dem Kampf um Sokovia und der Aufnahme ins Team hatte sie sich stark verändert. Sie versuchte zwar, sich anzupassen und kam mit den meisten Leuten hier klar, doch immer wieder gab es Momente, die sie alle außer der Bahn warfen.

Momentan stand sie alleine in einer Ecke des Raumes, konzentriert auf das, was sie tat und schien sich äußerlich nicht mal von den Kampfschreien seitens Natasha und Clint, noch von den Befehlen von Steve aus der Ruhe bringen.
Ein rötlicher Schimmer spiegelte sich auf ihren dunklen Haaren wieder, erhellte ihr blasses Gesicht und ließ sie in ihrer Konzentration noch unheimlicher aussehen.

Mit ihren Fähigkeiten ließ sie allerhand Gegenstände – Sandsäcke, Sitzbänke, Matten – in der Luft kreisen, baute sie zu skurrilen Gebilden zusammen und riss sie wieder ein, wobei sie sich wie in einem tranceartigen Tanz bewegte.
Mit gerunzelter Stirn beobachtete Steve Wanda, als sie abrupt stehen blieb, die Hände vor dem Gesicht erhoben, aber nicht mehr vollkommen auf die Gegenstände konzentriert, die sie mit ihrer Telekinese beeinflusste.

Langsam, ganz langsam legte sich ihre Stirn in Falten und abrupt ruckte ihr Kopf zur Seite, als würde sie angestrengt über etwas nachdenken. Steve holte bereits tief Luft und seine Hand zuckte zu seinem Ohr, in dem das kleine Headset steckte, mit dem er augenblicklich das ganze Quartier alarmieren konnte.

Doch noch bevor er ein Wort herausbringen konnte, passierte alles so schnell. Als würde ein unsichtbarer Damm brechen, quollen die Tränen hervor. Wanda konnte ihre Kräfte nicht mehr aufrecht erhalten und die Sachen stürzten zu Boden, ehe sie eine Geste machte, als würde sie mit den Händen abrutschen und es einen Sandsack erwischte, dessen ganzer Inhalt sich auf dem Boden verteilte.

Alle Augen waren auf sie gerichtet und Cap rief bereits: „Code Red! Wiederhole: Co-“, bevor er wusste, wie ihm geschah, zog ein kalter Luftzug an ihm vorbei, er strauchelte, drehte sich ein mal um sich selbst und stierte entsetzt in die Mitte des Raumes.
Alle anderen Anwesenden taten es ihm gleich.
„Ich hab's doch gesagt“, murmelte Bruce.
„Cho ist genial“, flüsterte Tony hinterher, konnte noch immer nicht fassen, was er dort mit eigenen Augen sah.




„Ich wette, das... habt ihr nicht kommen sehen“
Pietro Maximoff, quicklebendig, etwas mehr außer Atem als gewöhnlich, stand in seiner Krankenhauskleidung inmitten des Raumes und sah sie alle mit einem schiefen Grinsen im Gesicht an.

„Pietro!“, mit einem Schluchzen, dass ihre Stimme brechen ließ, war es Wanda, die sich als Erste zu Wort meldete und noch ehe sie den ersten Schritt auf ihren Bruder zumachen konnte, umfing er sie bereits in einer festen Umarmung.

Ungläubig und mit tränenüberströmten Gesicht fuhren ihre schmalen Hände über seine Arme, seine Brust, seinen Hals und seine Wangen, als müsste sie herausfinden, dass er wirklich real war. Ununterbrochen sprudelten irgendwelche russischen Wörter über ihre Lippen, abgehackt und immer wieder durch das Schnappen nach Luft unterbrochen, dass ihnen allen bald klar wurde, dass sie keinen vernünftigen Satz auf die Reihe brachte, ehe ihr Bruder sie leise unterbrach, ihr Gesicht mit den Händen umfing und einen Kuss auf ihre Stirn drückte.

Schockiert beobachtete Steve das Spektakel. Er hatte schon vieles gesehen. Männer, die sich in große Monster verwandelten, nordische Götter, er selbst war 70 Jahre lang im Eis eingefroren gewesen, aber noch nie hatte er erlebt, wie jemand wieder von den Toten auferstanden war.
Sofort schnellte sein Blick zu Tony und Bruce, die aussahen, als würden sie sich gegenseitig beglückwünschen.

Natasha beobachtete das ganze ebenfalls mit hochgezogener Augenbraue, während Clint ein schelmisches Grinsen auf den Lippen hatte und Steve meinte etwas zu hören, wie: „Ich wusste, dass der kleine Scheißer es schafft“
Der Erste, der nebst Wanda das Wort an den Läufer wandte, war Thor und seine Stimme hallte wie Donner von den Wänden wider.

„Der verlorene Sohn ist zurückgekehrt! Wenn das nicht ein Grund zum Feiern ist!“, sein ganzer Muskelberg stapfte auf den Jungen, der neben ihm merklich schmal aussah, zu und schlug ihm mit der flachen Hand kräftig auf den Rücken.
Pietro taumelte, obwohl er von seiner Schwester gestützt wurde und verzog vor Schmerzen das Gesicht.

Nun gesellten sich auch die anderen Avengers zu der kleinen Gruppe. „Wie ist das möglich?“, fragte Steve und hatte noch etliche skeptische Seitenblicke auf die beiden Doktoren geworfen.
„Ich bin eben unzerstörbar“, auch wenn er vor Schmerz die Zähne zusammenbeißen musste, schaffte das junge Talent es, sein freches Grinsen auf die Lippen zu kriegen, dass sie alle bereits zu gut kannten.

„Oder man kann auch sagen, dass er dumm genug war, sich als freiwilliges Experiment zu melden“, brachte Tony von der Seite ein, „Im Grunde hat ihm dies das Leben gerettet“
„Und der Cradle“, warf Bruce ein.
„Und der Cradle“, schnappte der Ältere direkt wieder auf, „Ein normaler Mensch hätte das unter keinen Umständen überleben können“

Der Captain und auch Natasha waren noch immer mehr als skeptisch, weil sie immer noch nicht ganz auf diese kleinen Schöpferspielchen vertrauten, die Tony und Bruce da austrugen, vor allem, wenn man bedachte, dass sie sowohl Ultron, als auch Vision hervorgebracht hatten.
Pietro war zwar zuvor schon am Leben gewesen, aber wer wusste schon, was sie ihm in dieser Gerätschaft noch haben angedeihen lassen.

Pietro schmunzelte, den einen Arm noch immer um seine Schwester gelegt, die ihn scheinbar nie wieder loslassen wollte, und meinte: „So gern ich auch eine Party zu meinen Ehren hätte, leider nicht heute. Die Ärzte sagen, ich brauche noch immer Ruhe“
„Wohl doch nicht mehr so flink auf den Beinen, was?“, patzte Barton und begegnete direkt einem herablassenden Blick seitens des Jungen mit dem silber-blonden Haar: „Dich würde ich sogar immer noch mit nur einem Bein schlagen können“

Mit eingeschnappter Miene, aber bereits Luft holend für einen weiteren Konterspruch, erwiderte Clint diesen Blick, doch noch bevor er die Chance hatte, seinen Mann zu stehen, mischte Wanda sich ein: „Okay, das ist genug“, ihr schwerer Akzent hatte etwas einlullendes, sodass sich automatisch alle Blicke auf sie richteten, „Er sagte, er braucht Ruhe“
Und obwohl sich ihre Mundwinkel leicht nach oben bogen, als sie einen Blick zu Barton warf, sah sie ihn ebenso warnend an, als sie ihren Bruder langsam aus der Halle hinaus führte.




Pietros restlicher Abend bestand daraus, weitere Check-ups über sich ergehen zu lassen. Man hatte ihm erlaubt ein paar Runden im Tower zu machen, um die anderen zu besuchen, doch als es langsam auf die Ruhezeit zu ging, diskutierte er ewiglich mit Helen Cho, dass er bei seiner Schwester sein sollte.
Irgendwann hatte die Doktorin nachgegeben. Oder der Junge war einfach zu schnell weggelaufen.

Die Zwillinge saßen, nun wieder vereint, auf dem Bett in Wandas Zimmer. Es war groß, jedoch noch nicht wirklich heimelig eingerichtet, viele Möbelstücke kamen von Stark und das wenige Dekor stammte wohl von seiner Assistentin, die Wanda erwähnt hatte.
Das Bett war so groß, dass sicher vier Leute darin Platz gehabt hätten. Mit roter Bettwäsche bezogen und bereits durch gelegen von ruhelosen Nächten.

Stille hatte sich langsam über sie gelegt, keiner von ihnen wusste so recht, über was er reden sollten, nachdem Wanda tausend Mal beteuert hatte, wie froh sie war, dass er wieder am Leben war und Pietro selbst sich ausreichend über ihr Leben hier im Tower informiert hatte.
Ein paar Mal war er durch ihr Zimmer getigert und hatte sich die Sachen angeguckt, nicht sonderlich interessiert, doch er wusste genau, warum er diese Ablenkung brauchte.

Als er sich nach einem weiteren Ausflug durch Wandas Zimmer wieder zu ihr umdrehte, musterte die junge Frau eingehend ihren Bruder. Als sich ihre Augenbraue hob, zeichnete sich ein Schmunzeln auf seinen Lippen ab.
„Hier ist nichts von Interesse für dich“, flüsterte er und tippte sich mit zwei Fingern gegen die Schläfe. Auf frischer Tat ertappt, wandte sie den Blick ab und eine leichte Röte schlich sich auf ihre Wangen.

Pietro und Wanda waren einander so nahe, dass sie nie ihre Kräfte auf ihn ausüben brauchte und wenn sie es doch tat, so erwischte er sie immer wieder dabei – zumindest, wenn sie sich im selben Raum befanden und er sie genau beobachten konnte – und selbst dann noch schien er sie manches Mal austricksen zu können, indem er ihr gedanklich einen idiotischen Popsong entgegen kreischte.

Die Sekunde, die sie Einblick in seinen Kopf hatte, war verschwendet. Statt zu grinsen, ihr A thousand miles in seinem gebrochenen Englisch entgegen zu schmettern und alsbald in einen dummen Tanz auszubrechen, war da nur Schwärze und eine Leere, die sich in seinen Augen widerspiegelte.

Das Bett bewegte sich leicht, als er sich wieder zu ihr setzte und sie aufblicken ließ. Sein Blick verriet nichts, außer einer unausgesprochenen Entschuldigung.
Wanda beugte sich zu ihm vor, nahm seine Hand und sah ihn eindringlich an, nicht etwa, um seine Gedanken zu lesen, sondern um ihn direkt zu fragen: „Was ist los, Pietro?“, ihr Daumen beschrieb leichte Kreise über seine rauen Fingerknöchel.
„Was soll los sein? Ich lebe, reicht das nicht?“, erwiderte er etwas schärfer, als er eigentlich wollte.
„Nein, ich meine: Was ist los mit dir, Pietro?“

Pietro sah sie an, als versuche er das erste Mal in seinem Leben in ihre Gedanken einzudringen.
„Du bist so still, so anders
„Wanda, es ist nichts“
„Ich kenne dich, Pietro. Sag mir, was passiert ist, oder ich werde sie wegen meiner auch mit Gewalt ansehen“

Pietro legte die Stirn in Falten und drückte ihre Hand, die sich noch immer in seiner befand.
„Es ist nichts, was wir aufhalten könnten“, flüsterte er, seine Stimme gebrochen von Angst und sein Blick vernebelt von Traurigkeit.
Wanda spürte den Schmerz, der ihr Herz zerriss, noch ehe sie sich vorbeugte und die Hände an seinen Kopf legte, um zu sehen.

Alles lag in Trümmern, Staub und Dreck verlorener Kämpfe wirbelten noch immer über den Asphalt. Einstige Gebäude waren nur noch Ruinen, seltsame Wesen wanden sich an den übrigen Steinen, die wie schiefe Zähne in die Luft ragten, Wesen die noch nie jemand zuvor zu Gesicht bekommen hatte.
Langsam zog die Szenerie an ihr vorbei, als würde sie sich in jemandes Körper befinden, der sich langsam in Bewegung setzte, zuerst in gemäßigtem Tempo, dann immer schneller, als wolle er dieser Hölle entkommen.

Und dieses Wort beschrieb es genau.
Flammen schlugen ihr entgegen, Hitze, die sie eigentlich nicht spüren sollte, brannte auf der Haut, unerträglich. Nun wieder langsamer, den Blick schweifen lassen, sah sie Menschen. Sie flohen in Panik, pure Angst und Verzweiflung in ihren Augen, Ruß auf ihren Gesichtern, Wunden an den Armen, alle schwach und verletzlich.
Und je weiter sie ging, desto grauenvoller wurde das Bild.

Berge von Leichen, aufeinander getürmt, als hätten sie keinen Wert, nie einen besessen. Unbekannte Gesichter, Zivilisten, die es nicht geschafft hatten. Ihr Blick stieg höher und je höher sie blickte, desto weniger wurden es. Rauer Stein kam zum Vorschein und erst verstand sie nicht, was dort zu sehen war.

Ihr Verstand brauchte, bis sie dieses Abbild des Grauens verarbeitet hatte. Bekannte, Kollegen, Freunde. Schwer verletzt, glasige Augen, die sie schuldig anstarrten, doch keiner regte sich. Jegliches Leben war aus ihnen gewichen, kalte, starre Leichen, die einen Vorwurf zu machen schienen, verdammt dafür, dass sie zu schwach gewesen waren, um diese Welt zu retten.

Doch noch bevor sie sich wundern konnte, wer für all das verantwortlich war, dröhnte ein unheimliches, abgehaktes Lachen durch ihren Kopf. Sie schauderte und hob verängstigt den Blick weiter in die Höhe.
Eine Figur, groß und angsteinflößend, jedoch nicht menschlich, saß auf einem Thron, womöglich aus Knochen geschliffen. Sie konnte das Gesicht nicht erkennen, doch an seiner Hand funkelte etwas, wie pures Gold und schillerte gleichzeitig in den bunten Farben eines Regenbogens.

Das ist euer Ende

Erschrocken zog Wanda die Hände zurück. Sie war kreidebleich und mit den vor Angst aufgerissenen Augen, in denen sich bereits Tränen sammelten, sah sie ihren Bruder fassungslos an: „Das kann nicht sein“
Langsam begann Pietro zu nicken, als müsse er ihre Aussage entkräftigen.

„Nicht nur ich, Wanda, wir alle sind näher am Tod, als am Leben“

Feedback

Logge Dich ein oder registriere Dich um Storys kommentieren zu können!

StoryHub Awards 2017

Diese Fanfiction anonym für die StoryHub Awards 2017 nominieren

Autor

heatherchiis Profilbild heatherchii

Bewertung

Noch keine Bewertungen

Statistik

Sätze:91
Wörter:3.107
Zeichen:18.491

Kurzbeschreibung

Wenn Totgeglaubte die Zukunft vorhersehen

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Drama (Genre) und OneShot getaggt.