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Tötet sie alle!

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05.01.20 15:56
6 Ab 6 Jahren
Fertiggestellt
Tötet sie alle!


Schneeflocken, vermischt mit kalter Asche, wehten durch die kalte Winternacht. Ein weißer Schatten glitt durch die dichten verschneiten Bäume eines Waldes. Seine Robe mit darunterliegenden langen weiß-roten bestückten Federn strichen sanft über den Schnee.
Mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung strich der weiße Pfau die Spitze seines lang-gewellten Schwertes im Schnee ab. Blutsflecken bedeckten das Ende seiner Waffe.
Er hatte es getan. Und es war leichter gewesen als er gedacht hatte. So einfach. Er hatte nur das Mitleid unterdrücken müssen.
Der junge Lord schnaubte.
Mitleid.
Ein schändliches Wort. Stärke war das Gegenteil davon. Mitleid besaß keine Zukunft.
Lautes Wolfsgeheule durchdrang die Nacht.
Er musste zurück. Zurück nach Hause. Er konnte es kaum erwarten seinen Eltern die frohe Nachricht zu überbringen, dass ihrem Sohn nie ein Unheil wiederfahren wird… durch einen Krieger in Schwarz und Weiß… einem Panda.
Die Pandas waren Vergangenheit. Für immer. Niemand wird sich mehr ihm in den Weg stellen um sein Schicksal zu verfüllen. Alle sollen es sehen. Ganz China wird sich vor ihm verneigen. Und nichts wird ihn daran hindern.
Der Wind wehte ihm Schneeflocken ins Gesicht. Doch er spürte sie nicht. Er lauschte nur den Wind, der ein sanft flüsterndes Pfeifen durch die Bäume durchzog…
Der Lord horchte auf. Da weinte ein Baby. Nicht weit von ihm entfernt.
Wachsam suchten seine roten scharfen Augen die Umgebung ab, immerzu dem zaghaften Weinen folgend, bis er an das Ende des Waldes erreichte, der auf einen Hügel lag.
Der junge Lord formte die Augen zu schmalen Schlitzen.
Fußspuren im Schnee führten den Hügel runter zu einem Karren mit mehreren Holzkisten.
Der Pfau hob sein Schert und ging mit langsamen Schritten den Hügel runter. Der Schnee knirschte sachte unter seinen Füßen.
Das Geschrei wurde lauter. Nur noch ein paar Schritte.
Der weiße Herrscher hielt den Atem an, als zwei kleine Augen ihn aufsuchten.
Es war ein Baby, aber ein Panda-Baby.
Mit Tränen gefüllten Augen lag es in der Holzkiste und weinte.
Für einen kurzen Moment starrte der Lord es an. Dann krampfte sich sein Magen vor Wut zusammen.
Dieses elende Volk von Feldarbeitern!
Das erklärte warum die Panda-Frau auf sich aufmerksam gemacht hatte. Und er war auch noch so ein Narr gewesen auf ihr billiges Ablenkungsmanöver hereinzufallen.
Sie wollte ihr Baby beschützen.
Ein böses Lächeln überzog seinen Mund.
Pech für dich. Ich habe dein Baby gefunden.
Das Weinen des Panda-Babys flaute ein wenig ab und mit großen Augen beäugte es ihn unsicher.
Er kicherte. „Tut mir leid, doch es ist an der Zeit es zu Ende zu bringen.“
Der Pfau hob sein Schwert an, an dem noch altes Blut dran klebte. Das spitze Ende des tödlichen Instrumentes schwebte gefährlich nahe über dem kleinen Körper. Neugierig betrachtete das Baby es und versuchte danach zu greifen.
„Hör auf damit“, sagte der Lord genervt. „Das ist kein Spielzeug!”
Er schwenkte das Schwert ein wenig zur Seite. Auf einmal begann das Baby wieder laut zu weinen.
Verärgert rollte Shen mit den Augen und seufzte tief. "Hör auf zu weinen."
Dabei öffnete sich sein Pfauenrad.
Mit einem Mal, hörte das Baby auf zu schreien und sah ihn wieder mit großen Augen an. Dann begann es zu lachen.
Verwirrt starrte der Lord den kleinen Panda an. Noch nie hatte ein Baby ihn angelacht. Prüfend betrachtete er es. Er hatte schon oft zuvor Pandas in der Stadt gesehen. Ja, Babys waren süß, hatte er auch gedacht, aber hier handelte es sich um ein Monster.
Das Baby streckte seine kleine Hand nach ihm aus.
Hastig blickte der Thronfolger sich um. Doch da war niemand in der Nähe. Er spießte das lange Schwert in den Boden und wagte sich ein wenig näher an das Panda-Baby heran. Noch nie hatte er eins so nah gesehen. Vorsichtig berührte er mit einer Federspitze seines Flügels dessen Stirn. Das Baby kicherte verzückt. Es griff nach der Feder, steckte sie in den Mund und lutschte daran. Der weiße Vogel verzog ein wenig den Schnabel und strich mit der anderen Federhand über den Oberkörper. Es war so schön flauschig.
Ein warmes Lächeln umspielte seine Lippen. Genauso ein ähnliches Gefühl hatte er verspürt, als sich seine Eltern um ihn gekümmert hatten.
Meine Eltern.
Schnell zog der Lord seine Hände zurück.
Das Baby konnte sich nicht erklären warum und versuchte wieder eine seiner Federn zu berühren.
Doch das Gesicht des nachfolgenden Gongmen Herrschers blieb düster und kalt.
Ich muss es schnell tun.
Er nahm wieder sein Schwert zur Hand und zielte damit erneut auf den kleinen Baby-Körper.
Das Panda-Baby gab ängstliche Geräusche von sich und begann zu wimmern.
Shens Hände verkrampften sich um den Schwertgriff.
Noch nie hatte er ein Baby getötet. Ehrlich gesagt, hatte er zuvor noch niemanden umgebracht, bis auf heute. Obwohl die Wölfe die Hauptarbeit erledigt hatten.
Tötet sie alle, hatte er gebrüllt. Und sie taten es.
Er war alleine. Alleine mit einem Ungeheuer in Form eines Pandas.
Die Augen des Babys füllten sich mit Tränen.
Die Atmung des Pfaues beschleunigte sich. Die Augen wirkten so unschuldig.
Wieder setzte das Baby zu einem Schluchzen an. Der Lord sackte innerlich zusammen und ließ die Waffe sinken.
Sanft legte er eine seiner Finger-Federn auf die kleinen Panda-Lippen.
„Psst“, flüsterte er sanft. „Bleib ganz ruhig. Es wird sehr schnell vorbei sein.“
Das Baby gluckste leise und schloss die Augen, während der Lord mit beruhender Stimme fortfuhr:
„Schlaf, kleiner Panda.“
Doch plötzlich verhärteten sich seine Gesichtszüge.
Tötet sie alle!
Mit aufbringen all seiner Kraft, trat er mit voller Wucht gegen den Karren.
Der Holzwagen rollte den Hügel runter und fuhr in den Fluss. Mit zittrigen Knien beobachtete der Pfau wie das Gefährt im Wasser versank. Für einen kurzen Moment war noch das Weinen des Babys zu hören, bis dieses allmählich verstummte.
Er warf einen Blick zum Himmel.
Es war getan. Er konnte es nie mehr zurücknehmen.
Er hatte seinen Weg selber gewählt. Er war über sich selbst hinausgewachsen. Niemand würde ihn mehr für einen Schwächling halten, wie so viele es getan hatten.
Alle werden es sehen.
Er nahm einen tiefen Atemzug.
Die Pandas waren weg. Nichts und niemand stand ihm jetzt mehr im Weg.
Er hatte es geschafft die Prophezeiung zu verändert.
Jetzt müssen sich seine Eltern nie mehr Sorgen um ihn machen. Mit ganzer Sicherheit würden sie ihn unterstützen.
Ein Heulen drang durch die Nacht.
Das Zeichen, es war vorbei.
Alle seine Feinde waren tot.
Ausgerottet
Er breitete seine Flügel aus.
Es ist vollbracht. Der Beginn meines Triumphs.
Er musste seinen Eltern unbedingt die gute Nachricht überbringen.
Noch einmal blicke er auf den Fluss. Der Holzwagen war teilweise verschwunden, nur noch ein paar Kisten schwammen auf dem dunklen Wasser.
Die Fluten werden für es schon Sorge tragen.
Zum letzten Mal regte sich kurz sein Gewissen bevor er es vollständig unterdrückte.
Mitleid war so ein fieses Gefühl, wenn man es einmal ignoriert hat.
Er wird lernen es weiterhin zu unterdrücken. Es soll nie wieder in ihm aufkommen. Niemals wollte er es wieder fühlen. Nur Ruhm und Ehre sollen seinen Weg pflastern.
Er warf dem Fluss nochmal einen allerletzten Blick zu. Es war das Beste für ihn. Das Beste für alle. Dieses Baby würde ihm niemals seine Taten verzeihen.
„Es tut mir leid, kleiner Panda.“
Dann verließ er eilig den Ort.
In freudiger Erwartung seine Eltern zu sehen, wie stolz sie auf ihn sein werden, ohne zu wissen, dass dieses der Anfang seines Untergangs war.

Autorennotiz

Die Idee mit dem Fluss stammt nicht von mir. Am Ende des Films von „Kung Fu Panda 2“ kann man sehen, wie Po auf seiner Reise mit einem kleinen Holzkarren in den Fluss fäll, wo er dann wiederum von einem Schiff aufgegabelt wird… Nur in diesem Fall hatte Shen den nötigen Stoß dafür gegeben.

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Kurzbeschreibung

Shen findet ein Panda-Baby, nachdem er dessen Mutter getötet hat.