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Melodie im Wind

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14.4.2018 11:29
16 Ab 16 Jahren
Heterosexualität
Fertiggestellt

2 Charaktere

Davy Jones

Der verfluchte, herzlose Käpt'n der Flying Dutchman.

Tia Dalma

Das menschliche Erscheinungsbild der Göttin Calypso.

≈ Melodie im Wind ≈


Die riesige Fleute segelte langsam in Richtung des Kontinents Afrika. Ihre Fahrt verlief schon seit Tagen schleppend. Da blähten die großen, weißen Segel sich plötzlich auf und die Shantys, die an Bord gesungen wurden fröhlicher.
Doch der Wind hielt an und binnen Sekunden zuckten schon die ersten Blitze über den ergrauten Horizont.
Der Gesang von fünfzig mutigen Seemännern verlor sich im größten Sturm, den sie je gesehen hatten.
Die eben noch fröhliche und motivierte Mannschaft hatte geglaubt, sie hätten endlich die Flaute überwunden und hatten voller guter Hoffnung und Euphorie begonnen die Segel in den Wind zu drehen.
Doch aus der sanften Brise aus Südosten war schnell eine Wolkenwand hereingebrochen.
Windböen rissen das Schiff wild hin und her und ließen es taumeln, als wäre es eine kleine Nussschale zwischen den Wellen.
Die nassen Taue rutschten den starken Männern aus den Händen und auf dem Deck war es rutschig, sodass immer häufiger Leute gegen die Reling gespült wurden, wenn eine Welle über das Schiff hinwegfegte.
Inmitten dieses Sturmes stand ein Mann am Steuer. Sein wildes Haar wurde vom Sturm zerzaust und Salzwasser rann seine Kleider herab. Er riss das Steuer herum und brachte das Schiff in eine Position, welche dem Wind am wenigsten Angriffsfläche bot. Seine Erfahrung sprach für ihn. Das Schiff schaukelte heftig, hielt sich aber.
Er lachte wild „Niemand hält mich auf! Ich werde dieses Kap umsegeln und sollte es eine Ewigkeit dauern!“, brüllte er. „Nicht mal dieser wilde Sturm wird mir im Weg stehen, hörst du das? Verfluche See! Ich trotze dir!“ Es war nicht die erste Unfreundlichkeit, die er in diesen Tagen ausstieß. Zumeist fluchte er laut, wenn eine Welle über Bord fegte und ihm einen Mann entriss. Es war nicht der erste Sturm, den sie auf ihrer Reise sahen.
Ein Mann kam durch den Regen auf ihn zugelaufen. Blitze zuckten über den schwarzen Himmel und erhellten kurz das besorgte, verzerrte Gesicht eines hageren Mannes mit eingefallenen Wangen. „Bei allem Respekt Sir!“, erhob er seine Stimme gegen das Grollen des Himmels. „Ich und auch die Crew hegen Zweifel an unserem Erfolg, solltet Ihr Eure geliebte See weiter verfluchen.“
Er war als erster Maat und Vertrauter des Käpt’n der Einzige der sich traute diesem irren Mann noch einhält zu Gebieten. Ihr Käpt’n hatte sich von dem ehrgeizigen und ehrlichen Seemann mit großen Träumen zu einem sturen und auch verrückten Käpt’n entwickelt, der mit seinem Irrsinn der See zu trotzen versuchte. Dies hatte sie schon einige Crewmitglieder das Leben gekostet und sie fuhren seit einigen Tagen von einem Sturm in eine Flaute und in den nächsten Sturm hinein, was nun doch etwas ungewöhnlich war - so empfand Wywern  als  gestandener Seemann zumindest ihre derzeitige Lage.
Sein Vorgesetzter bedachte ihn mit einem vernichtenden Blick. „Ihr alle wart begeistert, als ihr vernahmt, welche großen Pläne ich hege, doch nun kriecht ihr wie feige Kielratten an Deck, sobald ein paar Winde aufkommen.“ Er spuckte ins Wasser, welches sich zu seinen Füßen auf Deck gesammelt hatte.
„Diese Winde sind längst zu stark für uns, das Schiff wird dem nicht mehr standhalten. Ihr solltet die Götter nicht verärgern.“, waren die Bedenken seines Quartiermeisters.
„Der Einzige, der jemanden verärgert, seid Ihr!“, brüllte er den Mann an, der plötzlich um einiges kleiner wirkte. „Zurück auf Euren Posten!“
„Aye, Käpt’n.“, stieß dieser aus und machte auf dem Absatz kehrt.
Davy Jones, ein erfahrener und rauer Seemann mit einem wilden lockigen Bart, einer Klumpennase und kleinen dunklen Augen widmete seine Aufmerksamkeit wieder dem Steuer und er seine Fingernägel bohrten sich in das feuchte Holz, als eine Welle ihn wegspülen wollte, doch er stand sicher, auch wenn ihm Gicht und Regen ins Gesicht gespült wurden.
„Zeigt Mut Männer!“, bellte er. „Wir segeln auch durch diesen Sturm!“ Seine Stimme war etwas weniger Schroff, als er seiner Crew so wieder Hoffnung zusprach. Seine Wut galt nicht ihnen, nur dem Sturm welchen er durchsegeln wollte. Er würde seinen Plan verwirklichen. Auf der Suche nach dem Schatz in unbekannte Gewässer mit unbekannten Tiefen zu segeln hatte ihn gereizt doch nun machte der ständige Sturm ihn wütend.
Wollte die See ihn verspotten? Er hatte immer seine Liebe zum tiefen und unendlich geheimnisvollen Ozean ausgesprochen. Der salzige Wind, die Abenteuer, das Knarzen des Schiffes, all diesen wundervollen Dingen hatte er sich verschrieben, doch nun schimpfte er voller Wut über ihre aussichtslose Lage.
Das Schiff wankte in den meterhohen Wellen auf und ab.
Wieder fluchte Davy Jones laut. Dann plötzlich war es, als würde die See sich aufbäumen. Als würden die schaumigen weißen Wellen sich auftun und auf das Schiff herabbrechen.
Entsetzte Schreie der Crew drangen durch den Gichtregen, der sich über ihre Köpfe ergoss.
Jones riss mit einer Mischung aus Entsetzten und Furcht die dunklen Augen auf.
Er klammerte sich an das Steuer und erhob einen Arm wie zur Abwehr. Wasser zerrte an ihm, doch er schaffte es, seinen Posten zu halten. Als er den Kopf wieder hob ertönte ein lautes Ächzen.
Mit Entsetzen musste er mitansehen, wie der Großmast mitsamt seinem Segeln und Rahsegel dem Sturm und den Wassermassen nachgab und dann mit einem hässlichen Krachen nach Backbord kippte. Seile rissen und peitschten, schwer und nass durch die Luft.
Drei Crewmitglieder wurden unter dem schweren Balken begraben. Holz splitterte und ein Vierter, der sich an der Reling festgehalten hatte wurde von Bord geschleudert. Mit einem Schrei wurde er von den tobenden Wellen verschluckt und tauchte nicht mehr auf.
„Nein!!“, brüllte der Käpt’n erzürnt. Das Heulen des Sturms übertönte seinen Schrei. Weniger Masten bedeuteten weniger Widerstand im Wind, doch dies war ein harter Verlust und ein großer Schaden selbst für diese Fleute, die bisher jedem Sturm getrotzt hatte.
Eine neue riesige Welle türmte sich auf und riss das Schiff Richtung Backbord, wo noch der Mast dümpelte. Der abgerissene Stumpf der noch an Deck lag wurde hin und her gerissen. Seemänner hechteten aus dem Weg als ein neues Knarzen zu hören war. Die bereits mitgenommene Reling brach vollends und ein Loch klaffte in der Außenwand auf.
Die Welle fegte über Deck und riss das Schiff seitwärts um.
Das alles war binnen weniger Sekunden passiert. Zu wenig Zeit als das der erfahrene Käpt’n etwas hätte tun können.
Die Welle schlug über dem Schiff auf und als sie verklang, trieben nur noch Splitter in der unruhigen See.
Der Sturm hatte die Flying Dutchman verschluckt.
Ihr Käpt’n war vom Steuer weggespült worden und sank langsam in die Tiefe. Es war finster um ihn, bis irgendwo weit fort über ihm ein Licht aufblitzte und ein Donner grollte. Er würde sterben. Waren das bereits all seine Abenteuer gewesen? Die Abenteuer des mutigen Mannes Davy Jones, der auf der Suche seines größten Abenteuers bei der Umschiffung des Kaps der guten Hoffnung im Sturm gekentert war?
Seine Augen brannten feucht und in seiner Kehle schmeckte er kaltes, salziges Wasser, welches ihn würgen ließ.
Die geliebte See schmeckte plötzlich widerlich, brennend und tödlich...


Mit einem Aufkeuchen schreckte Davy Jones aus seinen wirren Träumen.
Er hob den Kopf von seinen Seekarten, auf dem Tisch und lehnte sich schwer atmend in seinem Stuhl zurück.
Er hatte lange nicht mehr von diesem Tag geträumt. Warum kam diese schmerzliche Erinnerung ausgerechnet hier und jetzt.
Seine kleinen finsteren Augen fixierten die Seekarten vor ihm. Die Tentakel, welche nun anstelle seines Bartes zuckten, umklammerten noch immer das kleine, silberne Schmuckstück, genauso wie er eingeschlafen war.
Er legte das filigran gearbeitete Herz aus Silber auf den Tisch.
Eine schmerzliche Wut begann in ihm zu kochen, brannte sowie das Salz an jenem Tag in seinen Lungen gebrannt hatte.
Er ließ seine Hand auf den Tisch niedersausen. Die schwere Krebsschwere krachte auf das feuchte Holz und die verschiedenen nautischen Geräte erzitterten und klirrten.
Wenn etwas Davy Jones, den verfluchten Käpt’n des Geisterschiffes Flying Dutchman aus der Fassung bringen könnte, dann war es die Erinnerung an jenem Tag. Die Erinnerung an einen Sturm von dessen Ausmaß der damals noch junge Seemann nie hätte zu träumen gewagt. Ein Sturm der sein Schiff zum Kentern gebracht hatte inmitten eines wütenden Getöses aus Wellen, Wind und Blitzen. Doch vor allem war es die süßlich widerliche und irrwitzige Erinnerung an jene Frau, die ihm an diesem Tage das Leben gerettet - nein verschont hatte.
Er erinnerte sich daran, wie er glaubte, nun sterben zu müssen. Inmitten der zornig, aufgewühlten See war er gesunken und hatte schmerzhaft aufgehört zu Atmen. Er hatte schon mit seinem Leben abgeschlossen, da hatte er etwas gespürt. Es war ihm als würden Hände ihn auffangen. Die Berührung war so sanft wie die wogenden Wellen die an den Strand brandeten, so sanft wie eine Briese von Wind an heißen Tagen und sie hatten ihn nach oben getragen. Zugleich waren die Hände stark wie ein Seemann, hattten ihn am die Luft getragen und als er benommen wieder etwas wahrnahm da hatte er an einem endlosen Strand ohne Horizont gelegen.
Seine Barthaare zitterten wütend bei dem Gedanken an das Wesen, das er an diesem Tag kennengelernt hatte.
„Ihr verflucht die See, Mr. Jones?“, hatte sie gefragt. Er hatte ihr keine Antwort geben können. Zu verwirrt war er. Seine Knochen hatten sich angefühlt, als wären sie allesamt gebrochen und diese Frau... Sie war bildschön gewesen. Nicht hergerichtet, fein angezogen, mit gekämmten Haaren und Kleidern die sie adrett wirken ließen, wie die Frauen aus den Hafenstädten es taten, das alles brauchte diese Frau nicht. Sie war einfach so schön, wie sie war. Ihre Haut hatte die dunkle Farbe, wie auch die Einheimischen der karibischen Inseln sie hatten. Die Haare waren schwarz und wild ineinander verworren. Geschmückt war sie nicht mit Gold und Silber, sondern mit buntem Plunder und ihre Haut war bemalt mit Symbolen.
Davy Jones kniff die Augen zusammen und wiegte die silberne Kette in der Hand. Diese Kette war ein Geschenk eben jener Frau gewesen. Eine Erinnerung, die ihn begleiten sollte, auch wenn sie selbst nicht zugegen war.
An jenem Tag hatte er sein Herz zum ersten Mal verloren. Er hatte sich verliebt.
Wie naiv er doch gewesen war. Er hatte die Frau gefragt, wer sie war. Ihre Antwort war so einfach gewesen. „Ich bin die See....“, hatte sie gesagt und es hatte nach so viel mehr geklungen, als es war. Er hatte in ihre Augen gesehen. Sie hatten wild gefunkelt, wie das Wasser welches silbrig und kristallklar um die Inseln wogte und gleichzeitig waren sie dunkel und geheimnisvoll. So tief und vielverheißend wie die Untiefen in den Ozeanen dieser Welt...
Er hatte es ihr sofort geglaubt. Es hatte keinen Zweifel an ihren Worten gegeben. Diese Frau WAR die See.
Es gab eine Zeit, da hatte Davy Jones angenommen, dieses Weib hätte sich auch in ihn verliebt, so wie er in diesen Augenblick ihr verfallen war. Sie hatte ihn nicht getötet und letztendlich sogar sein Schiff aus der Tiefe zurückgeholt, obwohl er sie zuvor im Sturm so beschimpft und gepeinigt hatte.
Sie hatte ihm ein Angebot gemacht. Ein Handel für die Ewigkeit und er hatte angenommen um niemals von ihr getrennt sein zu müssen. Er hatte zugestimmt bis ans Ende aller Tage zur See zu fahren, um sie wieder zu sehen. Er hatte sogar eine Aufgabe dafür in Kauf genommen, hatte seine Seele verfluchen lassen. Das Einzige was er sich wünschte, war für immer bei seiner geliebten See sein zu dürfen.

Ein lautes Hämmern riss ihn aus seinen Gedanken und sein Kopf zuckte zur Tür. „Wer stört mich?“, zischte er erzürnt, wobei seine zitternde Hand beinahe das kleine Herz zerquetscht hätte, welches er noch immer hielt.
„Käpt’n, wir haben einen Schiffbrüchigen aufgelesen!“, rief eine Männerstimme draußen.
„Aha...“, brummte er. Irgendwie kam ihm das gerade Recht. Es würde ihn ablenken.
Er erhob sich, wobei der Stuhl geräuschvoll über den Boden scharrte.
Der Seemann würde das Fürchten lernen. Mit schweren Schritten stapfte der einbeinige Käpt’n der Flying Dutchman zur Tür und stieß diese krachend auf. Das Crewmitglied zuckte leicht und trat ihm aus dem Weg. Er hatte den Kopf aus Frucht eingezogen. Seine Haut war blass, was allerdings nicht an seiner Angst lag, sondern am Fluch, der dieses Schiff heimsuchte. Algen und Seepocken verunstalteten seine aufgequollene Haut. Jones würdigte ihm keines weiteren Blickes mehr, sondern kam herüber zu einem Mann, der an Deck kniete.
Dieser Mann war kräftig gebaut und um die 40, wobei das nicht ganz so leicht zu sagen war, da die raue See einige Männer manchmal älter wirken ließ, als sie waren. Sein rundliches Gesicht war gen Boden gerichtet, doch er sah auf, als Jones sich humpelnd näherte.
Jones stapfte nah an ihn heran und sah mit einem angwiederten Blick auf den Seemann. Er musste schmunzeln. Der Mann sah jämmerlich aus. Durchnässt und blass, die Lippen blau angelaufen die Augen rot, entzündet vom Salz gereizt und trocken. Er trug gerissene Kleidung und ein Kopftuch war um seine Stirn gebunden. Er war kein ehrlicher Matrose... außerdem schien er von Bord gefallen zu sein, denn kein Schiffswrack war weit und breit zu sehen. Seine Hände wiesen Striemen auf, wie von Seilen. „Ein Meuterer“, riet Jones belustigt ohne groß weiter zu überlegen und ein hämisches Grinsen huschte über sein entstelltes Gesicht... Dieser Mann war über die Planke geschickt worden. Die Crew lachte und es klang grausam in der mondlosen Nacht.
„NEIN“, keuchte der Mann, als wolle er sich verteidigen. Er schien keine Angst zu haben vor der entstellten Crew der Dutchman.
„Du hast lange ausgehalten, du bist noch am Leben, aber du bist kurz davor zu sterben...“, stellte Jones interessiert fest. Warum fürchtete er sich nicht vor der verfluchten Mannschaft und warum war er noch nicht ertrunken?. „Aber von diesem Schiff kommst du nicht lebend runter.“, fuhr er fort.
Wieder hallte Lachen durch die Nacht. Die verdammte Crew wusste, dass ihnen kein anderes Schicksal vergönnt war und so hatten sie mit der Zeit begonnen die kalte, herzlose Art ihres Käptn zu teilen. Dem Sterbenden wurde ein Säbel an die Kehle gehalten. Plötzlich zitterte er. „Lasst mich in Frieden!“, brüllte der kräftige Mann, versuchte um sich zu schlagen, doch Maccus, ein Crewmitglied mit einem furchteinflößenden Haikopf drehte ihm die Arme auf den Rücken.
Jones beugte sich nun zu ihm herab. „Äusserst interessant. Vor einer verdammten Mannschaft und einem Geisterschiff hast du keine Furcht, aber Angst zu sterben hast du, nicht wahr...“ Es war mehr eine Feststellung als eine Frage und der arme Kerl sah weg.
Er hob den Kopf des Mannes an, der still geworden war. „Du weißt nun, wie es sich anfühlt in den Fluten zu versinken. Wenn sich das Salz in deine Lungen brennt und die Kälte dir das Leben aussaugt. Du weist, wie es ist von der See verschluckt zu werden, hilflos herabzusinken in die Finsternis. Du willst das nicht nochmal spüren, hab ich recht... Fürchtest du den Tot? „
Ein Nicken, zu mehr schien er nicht imstande zu sein.
„Du kannst dem entkommen... willst du das? Ich kann dich in meine Crew aufnehmen.“
Wieder ein Nicken.
Jones richtete sich auf. Die Sache war beschlossen. „Wie nennt man dich?“
„Billy Turner....“, murmelte er. „Willkommen an Bord Mr. Turner.“, zischte Jones und drehte sich um. Er sah noch aus dem Augenwinkel, wie sie ihn lachend auf die Beine zogen, dann verschwand er wieder in seiner eigenen Kajüte und ließ die Tür zuknallen. Er wusste sie würden wieder an ihre Arbeit gehen. 100 Jahre an Bord dieses Schiffes hatte sie gelehrt, zu tun, was er wollte. Denn sonst würden sie bestraft und das wussten sie alle.
Diesen Seemann in sein ewiges Schicksal zu verdammen, fühlte sich gut an. So wie er verdammt war und an die See gefesselt, so sollten es auch die anderen sein.
Seine Grausamkeit war Genugtuung und zugleich ein stummer Protest gegen Calypso, die Seegöttin selbst. Seit Jahren schon erstickte er seinen Schmerz auf diese Weise. Indem er andere mehr verletzte, als er selbst zerrissen war. Das alles war sie Schuld. Diese verrückte Frau, so liebenswert und grausam zugleich. Wild und frei wie die See und wechselhaft wie die Gezeiten. Dafür hatte er sie geliebt... und das hatte er bereut am Ende. Er ließ sich wieder auf seinem Stuhl nieder. Das Geisterschiff ächzte und Jones öffnete das kleine Silberherz, welches noch auf dem Tisch vor ihm lag. Kaum hatte er es geöffnet und die kleine Spieluhr aufgezogen wurde das Seufzen und Klagen der Dutchman übertönt von einem lieblichen Klimpern. Das kleine Schmuckstück spielte eine sanfte Melodie.
Es war ihr Lied.. Es gehörte nur den Beiden. Doch die süßen Klänge drangen schon lange nicht mehr an Davy Jones Herz. Denn er hatte es ein zweites Mal verloren. Nicht an eine Frau, sondern er hatte es sich selbst herausgerissen. Er hatte den Schmerz der Liebe nicht mehr ertragen und hatte seine Gefühle weggesperrt. Auf dass nie wieder jemand sein Herz berühren könnte. Er wandte sich ab und nahm Platz vor der großen Orgel. Einst ein prächtiges Musikinstrument, nun rostig und voller Schlick. Geisterhaft und voller Algen war sie, so wie alles auf der damals, so stolzen Dutchman. Zerschlissen und vernachlässigt so wie die Aufgabe die Calypso ihm gegeben hatte.
Trotzdem waren die Klänge noch wohltuend und hallten in seinen Ohren. Die Melodie die sein Herz berührte, obwohl es weit fort war, an einem Ort, den niemals jemand finden könnte. Zusammen mit Hunderten von Briefen die er seiner Geliebten geschickt hatte, während er auf See war, dessen Siegel jedoch nie aufgebrochen worden war von der Person für die sie bestimmt waren.
Die Gefühle die er noch hegte machten ihn wütend. Er wollte sie loswerden, um alles in der Welt doch jeder Versuch besiegelte ihren Fluch mehr und zerstörte seine Seele wieder ein kleines Stückchen.

Geisterhaft glitt die Dutchman über die Meere.
Davy Jones ließ die Orgel singen. Dieselbe Melodie wie sie auch aus dem kleinen mechanischen Herzen drang. Die Klänge erfüllten das Schiff und waren ein Schrei seiner Seele. So voller Hass und Liebe zugleich.
Es war alles, was ihm noch geblieben war. Dieses verzweifelte Lied voller unendlicher Qualen. Eine Melodie die vom Winde fortgetragen wurde als einziger Zeuge der Gefühle die ihn einst mit der Meeresgöttin Calypso verbunden hatten und nun nicht mehr losließen.
Die Musik hallte voller Wehklagen unter dem dunklen Himmel und verklang in der mondlosen Nacht.
Die Melodie eines grausamen und einsamen Mannes, die verweht wurde vom Wind und vielleicht von der See vernommen wurde.

Spieluhr

Autorennotiz

Danke an alle Leser!
Link führt zu Youtube, zum offiziellen Soundtrack von Fluch der Karibik.

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Sätze:203
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Kurzbeschreibung

Alles was Davy Jones geblieben ist, ist die silberne Spieluhr, die ihn an Calypso erinnert und ihn grausam werden lässt, gegenüber den auf See Verstorbenen.

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Schmerz und Trost getaggt.