Ein Weg in die Freiheit?

Kurzbeschreibung:
[Hanebado! // Monster/Jäger AU]

Nagisa Aragaki/Ayano Hanesaki

Autorennotiz:
[Hanebado! // Monster/Jäger AU]

Nagisa Aragaki/Ayano Hanesaki

Am 14.8.2021 um 23:08 von Feuchen auf StoryHub veröffentlicht

1. Kapitel: Namenloses Kapitel

Ihr Körper fühlte sich wie erstarrt, während sie vor sich die blutüberströmten Körper sah, die leblos am Boden lagen.

Mit ihrer linken Hand umklammerte sie immer noch den Griff eines Schwertes, dessen Klinge noch das Blut dieser Menschen besaß.

Das hast du gut gemacht, mein Kind“, hallte eine Stimme in ihrem Kopf wider.

Langsam legte sie sich einen Finger ihrer rechten Hand an das dunkelblaue Halsband, welches sie trug. Sie wusste, dass die Stimme daraus kam. Sie wusste, dass sie ihm nicht entkommen konnte.

Tief atmete sie ein und aus, steckte ihr Schwert zurück in die Schwertscheide und drehte sich einfach um, ohne noch einmal auf das Blutbad, was sie angerichtet hatte, zurückzusehen.

Sie musste hier weg.

Sie beschleunigte ihre Schritte immer mehr und rannte schließlich nach draußen, aus dem Gebäude und einen Weg entlang, ohne zu wissen, wo sie überhaupt hinrannte.

Sie wollte überall hin, nur nicht nach Hause. Konnte sie diese Wohnung überhaupt ihr Zuhause nennen? Hatte sie überhaupt etwas, was sie ihr Zuhause nennen konnte, seit sie niemanden mehr hatte?

Du versuchst doch nicht, zu fliehen, oder Ayano-chan? Du weißt, dass du mir nicht entkommen kannst.

Sie zuckte heftig zusammen und schüttelte den Kopf, stoppte langsam und atmete tiefer ein und aus. Wie weit war sie gerannt? Wieso fühlte sie sich so heftig außer Atem?

Ein wenig verwirrt drehte sie ihren Kopf von einer Seite zur anderen, bemerkte, dass sie inmitten eines Waldes war. Wie war sie hierhin gekommen? Warum war sie überhaupt hierhin gerannt, wenn sie doch wusste, dass sie vor den Kreaturen gewarnt wurde, die hier lebten, weil sie nicht zögerten, sie anzugreifen.

Ihre Hand fuhr zu dem Griff ihres Schwertes, ohne es allerdings zu ziehen. Wovor hatte sie denn Angst, wenn sie schon ganz andere Gegner besiegt und getötet hatte?

Langsam drehte sie sich wieder um, bewegte sich ein paar Schritte wieder in die andere Richtung, bevor sie erneut stoppte. Wo genau war sie überhaupt hingerannt? Wo musste sie hin?

Du weißt ... das ... mir nicht ... kannst“, drang die Stimme in ihrem Kopf wieder zu ihr durch, allerdings diesmal so undeutlich, als wenn irgendetwas die Verbindung störte. Lag das daran, dass sie in diesem dichten Wald war?

Hieß das vielleicht, dass sie hier eine Möglichkeit hatte, von ihm wegzukommen?

Sie wusste, dass es vermutlich eher vergebliche Mühe war, überhaupt darüber nachzudenken. Sie würde ihm niemals entkommen können.

Mit einem leichten Seufzen lehnte sie sich gegen einen Baumstamm und rutschte auf den Boden, streckte ihre Beine vor sich aus und sah einfach nur in die Ferne.

Selbst, wenn sie nicht fliehen konnte, vielleicht konnte sie hier einen Moment ausruhen, wenn sie nicht ständig seine Stimme hören konnte, weil irgendwas die Verbindung störte.

Diese Kreaturen würde sie schon besiegen können, wenn sie angegriffen wurde. Und ansonsten konnte sie doch auch einfach froh sein, wenn sie von diesem Leben erlöst werden würde. Was hatte sie denn noch, weswegen sie unbedingt am Leben bleiben musste?

 

 

Eine Berührung sorgte nach einer unbestimmten Zeit dafür, dass sie ihre Augen aufschlug und etwas verwirrter blinzelte. Direkt über ihr stand ein Wolf und blickte sie aus dunkelgrauen Augen an, während das Fell dieser Kreatur verwuschelt und ungewöhnlich dunkelrot war.

Erschrocken öffnete sie ihre Augen komplett und fühlte nach dem Schwert, um sich zur Not verteidigen zu können, auch, wenn sie diese Kreatur nicht wirklich verletzen wollte.

Vor allem, da dieser Wolf keinerlei Anstalten machte, sie anzugreifen, sondern einfach nur über ihr stand und ihr entgegenblickte, der Schweif schwenkte etwas zur Seite.

In dem Moment wusste sie echt nicht, was sie tun sollte, außer einfach nur ebenfalls in die Augen dieser Kreatur zu sehen.

Wenige Sekunden später bemerkte sie allerdings nur, wie sich dieser Wolf zurückbewegte und sich kurz darauf in eine etwas menschlichere Gestalt verwandelte, die allerdings große, spitze Wolfsohren und einen sehr buschigen Schweif besaß. Ihre Haare waren in der gleichen Farbe, wie ihr Fell, kurz und genauso strubbelig. „Was macht ein Menschenmädchen hier?“, drang die Stimme dieser Kreatur zu ihr.

„Was?“, erwiderte Ayano etwas zu überrumpelt, dass diese Kreatur kein normaler Wolf war. Davon abgesehen, dass sie sonst immer nur gehört hatte, wie blutrünstig diese Kreaturen, die hier lebten, waren.

„Du riechst nach Menschenblut“, sagte die Kreatur und legte ihren Kopf zur Seite.

„Eh ... ich bin–“, fing sie verwirrt zurückstarrend an, spürte aber kurz darauf eine Hand an ihrem Hals, oder eher dem Halsband, was sie umhatte, was sie dazu brachte, zu verstummen.

„Was ist das?“, fragte die Kreatur nach, „du bist doch ein Menschenmädchen, oder?“

„Ich ... das ... damit ich nicht fliehen kann“, flüsterte Ayano leise zurück, senkte ihren Kopf etwas und zog ihre Arme zu sich.

„War das ein Mensch oder sind sie so weit, dass sie einen Menschen gefangenhalten?“, fragte die Kreatur weiter nach.

„Er ... er hält mich für ... ich soll für ihn töten ...“, flüsterte sie vor sich hin, schloss ihre Augen für einen Moment. Wieso hörte sie diese Stimme eigentlich nicht mehr? Was genau verhinderte, dass er zu ihr über das Halsband sprechen konnte?

„Aber du willst das nicht“, erwiderte die Kreatur weiterhin ruhig, so dass Ayano wieder zu ihr blickte und bemerkte, wie sie grinste, „ich bin sicher, dass ich dich davon befreien könnte.“

„Nein“, schüttelte Ayano den Kopf und seufzte, „er würde mich finden. Egal, wo ich hingehe.“

„Hmmm ... aber ich will, dass du meine Partnerin wirst“, sagte die Kreatur und schmunzelte ihr entgegen, „du bist interessant.“

„Deine ... Partnerin?“, wiederholte Ayano etwas fragender, sah ihr wieder entgegen. Was oder wer war diese Kreatur eigentlich genau? Oder was meinte sie damit? Aber wenn sie ihr wirklich helfen konnte, von ihm wegzukommen? Vielleicht waren diese Kreaturen gar nicht so schlimm, wie ihr immer erzählt wurde?

„Jep, es ist so anstrengend, dass alle meinen, ich soll mir endlich jemanden als Partner suchen“, grummelte sie etwas knurrender vor sich hin, „deswegen ... du wärst unter meinem Schutz, Menschenmädchen.“

Ein wenig blickte Ayano sie einfach nur an, bevor sie etwas ihre Augen weitete. „Du meinst ...“, sie stoppte, während sie darüber nachdachte. Sie sollte diese Art von Partnerin dieser Wolfskreatur sein?! „Ich– ich kann doch nicht– du– du meinst nicht ...“

„Ihr Menschen habt komische Rituale dafür, ich weiß“, murmelte sie und zuckte mit den Schultern, beugte sich zu ihr vor und legte eine Hand an Ayanos Kinn, so dass sie sich direkt in die Augen sehen konnten, „aber du scheinst eh nicht glücklich mit deinem Leben zu sein.“

Ayano seufzte und schluckte etwas mehr, während sie dieser Kreatur gezwungenermaßen in die Augen blicken musste. „Ich ... ja ...“

„Mein Name ist übrigens Nagisa“, sagte sie kurz darauf und grinste sie weiterhin an, trat wieder einen Schritt zurück, bevor sie Ayano ihre Hand entgegenstreckte, „willigst du ein?“

Hatte sie überhaupt irgendetwas zu verlieren?

Einen Moment sah Ayano zu der angebotenen Hand, bevor sie wieder in Nagisas Augen blickte, zu den etwas zuckenden Wolfsohren, bevor sie schließlich nach der Hand griff und sich hochziehen ließ. „Ich ... was, wenn ... er mich findet?“

„Ich weiß, dass du irgendwann glücklich werden kannst, Ayano. Lass dich nicht von ihm besiegen, ja?“ Sie schluckte, als sie diese Erinnerung an ihre Freundin hörte, die bei einer Mission gestorben war, als sie gerade einmal vierzehn gewesen waren.

Die letzten drei Jahre hatte sie immer mehr das Gefühl gehabt, dass sie das niemals konnte, aber vielleicht, mit Nagisas Hilfe, konnte sie es doch?

„Wer auch immer dich sucht, ich werde nicht zulassen, dass irgendjemand dich zurückbekommt, Menschenmädchen“, sagte Nagisa und sah sie ernster an, bevor sie breit lächelte.

„Ayano“, flüsterte sie daraufhin, bevor sich ein kurzes Lächeln auf ihre Lippen legte, „ich heiße Ayano.“

Nagisa schmunzelte daraufhin und drückte ihre Hand etwas mehr. „Okay, Ayano! Dann lass uns erst einmal schauen, dass wir dir dieses Halsband abnehmen.“

In dem Moment konnte Ayano nicht anders, als ebenfalls einfach nur zu lächeln. Vielleicht war das wirklich die Chance, dass sie ein normaleres Leben haben konnte?

2. Kapitel: Namenloses Kapitel

Ein wenig erstaunt blickte Ayano zu dem Dorf, vor dem sie nach einer Weile stoppten, welches teilweise aus einfachen Hütten oder Baumhäusern bestand. Sie wusste ehrlich gesagt nicht, was sie erwartet hatte, wo sie hingehen würden, aber vermutlich kein relativ normales Dorf inmitten des Waldes.

„Überrascht, Ayano?“, fragte Nagisa nach und sah sie kurz darauf an, grinste etwas mehr, „komm, lass uns sehen, dass wir dir dieses Halsband abnehmen können.“

Ayano schluckte, nickte ein wenig und folgte ihr dann, bemerkte kurz darauf aber, wie sie von mehreren Seiten gemustert wurde. War es so merkwürdig, dass sie hier war, weil sie ein Mensch war? Sie bemerkte zwar, wie manche dieser Kreaturen miteinander tuschelten, aber nur so, dass sie es niemals hören konnte. Es sorgte nur noch mehr dafür, dass sie nicht wusste, ob das hier alles das Richtige war, was sie tat.

Still folgte sie Nagisa in eine der Hütten, die kurz darauf einen Weg nach unten freigab, den sie nahmen. Scheinbar war in dem oberen Bereich dieser Hütten nicht sonderlich viel, wenn sie das so sah.

„Du bist zurück, Nagisa“, drang eine weitere Stimme an ihre Ohren, worauf Ayano etwas zur Seite blickte und zu einer anderen Wolfskreatur mit eher grau-schwarzen Ohren und schwarzen, langen Haaren blickte, „... wer ist das?“

„Hab sie unterwegs gefunden“, erwiderte Nagisa und zuckte mit den Schultern, „kannst du rausfinden, was das für ein Halsband ist?“

Überrascht bemerkte Ayano, wie diese andere Kreatur sie nun genauer musterte, bevor sie ihre Augen zusammenzog. „Ein Mensch? Bist du sicher, Nagisa?“

„Macht das einen Unterschied?“, entgegnete Nagisa kurz darauf zurück.

„Du solltest echt aufhören, dich gegen die Ältesten zu widersetzen“, erwiderte diese Kreatur und bewegte ihre Hand zu dem Halsband, was Ayano immer noch trug, was dafür sorgte, dass sie etwas zurückzuckte.

Was genau meinte sie? War es doch keine gute Idee, dass sie mitgekommen war?

„Du weißt, dass ich mich um diese Sachen nicht kümmere, Riko“, brummte Nagisa und zuckte erneut mit den Schultern, „sie werden es schon akzeptieren müssen.“

Ayano schluckte, als sie das hörte, blickte vor sich und bemerkte, wie Riko sie genauer musterte. „Uh ... ich–“,

„Scheinbar kann sie dadurch von außen kontaktiert werden“, murmelte Riko vor sich hin, „hier sollte die Verbindung nicht funktionieren, aber woher hast du das genau?“

„Sie wurde scheinbar von jemandem festgehalten“, erwiderte Nagisa ruhig daraufhin.

„Ich kümmere mich darum“, sagte Riko und seufzte, lächelte dann etwas mehr in Ayanos Richtung, „aber du solltest dir überlegen, was du danach tun willst.“

„Was?“, fragte Ayano verwirrt nach, drehte ihren Kopf ein Stück zur Seite, um zu Nagisa zu blicken.

„Wir haben darüber schon gesprochen, sie wird meine Partnerin“, sagte Nagisa kurz darauf und verschränkte die Arme vor sich.

„Nagisa“, fing Riko etwas eindringlicher an, schüttelte den Kopf, sah weiterhin zu Ayano, „du weißt, dass du nicht mit einem Menschen eine Bindung eingehen kannst. Du bist die Anführerin unseres Rudels.“

„Sollte es nicht genau da meine Entscheidung sein, Riko?“, entgegnete Nagisa grummelnder, „sorry, aber ich werde mich nicht umentscheiden.“

„Du bist unverbesserlich“, seufzte Riko, schüttelte erneut den Kopf, sah Ayano ernster an, „was meinst du? Bist du sicher, dass du das willst?“

„Ich–“, fing Ayano an, senkte ihren Blick vor sich auf den Boden. War sie sich sicher? Wusste sie nicht, dass sie sonst sowieso nichts hatte und er sie sofort wieder finden würde, wenn sie anders versuchte, zu fliehen?

Ihre Augen richteten sich an Riko vorbei zu Nagisa, die nun ein wenig genauer zu ihr blickte und scheinbar ebenfalls auf eine Antwort wartete. Konnte sie sich überhaupt noch dagegen entscheiden?

„Ich weiß nicht, ob ich sonst irgendwo hinkönnte und ...“, sie flüsterte etwas mehr und sah langsam wieder vor sich, ohne jemanden der anderen anzusehen, „ich will das alles nicht mehr. Ich will nicht zurück zu ihm. Ich will das nicht.“

„Du musst nicht zurück, Ayano“, sagte Nagisa kurz darauf.

Langsam hob Ayano ihren Blick, sah erst zu Nagisa, dann zu Riko, die etwas mehr seufzte, allerdings schließlich lächelte.

„Die anderen werden nicht begeistert sein, dass ein Mensch hier ist“, sagte sie und verdrehte leicht die Augen, „aber solange du dich benimmst, werden sie nichts sagen.“

„D–Danke“, sagte Ayano leise daraufhin, „ich ... ich will ... ihr seid nicht so, wie alle erzählen.“

„Was, blutrünstige Kreaturen, die eure Spezie jagen?“, entgegnete Riko und schmunzelte ein wenig mehr, „wir greifen nur an, wenn wir müssen. Es gibt aber auch ... andere von uns.“

„Oh“, sagte Ayano etwas überrascht.

„Du heißt Ayano, ja? Dann wollen wir mal sehen, wie wir dieses Halsband aufkriegen“, sagte Riko und lächelte sie schließlich ruhig an.

„Ich lasse euch dann mal alleine“, sagte Nagisa und sah kurz zu Ayano, „keine Sorge, Riko kümmert sich schon darum.“

„Du kannst die anderen ja schonmal warnen, dass du ein Menschenmädchen aufgenommen hast“, erwiderte Riko und drehte kurz ihren Kopf zu ihr, bevor sie wieder Ayano ansah.

„Ja, ja, schon gut“, winkte Nagisa ab, bevor sie sich von ihnen abdrehte und wieder nach oben zurückging.

Ayano seufzte ein wenig mehr. „Ist das wirklich okay?“

„Hey, Nagisa-chan ist unsere Anführerin, niemand wird etwas gegen sie sagen“, zuckte Riko mit den Schultern, legte Ayano eine Hand auf den Kopf, „wir wissen außerdem alle, dass sie schon immer sehr eigen war.“

„Verstehe“, murmelte Ayano und nickte etwas mehr. Sie sah zur Seite und zu dem Schwert, was sie noch um ihre Hüfte trug, machte den Gürtel davon auf und hielt es Riko hin, „ich ... es ist besser, wenn ich das nicht bei mir trage, oder?“

Riko legte den Kopf schief, griff nach dem Schwert. „Du willst uns wirklich nichts tun, oder? Und ... frei sein?“

Still nickte Ayano, senkte danach etwas ihren Kopf. Wenn sie die Chance dazu bekam, dass sie nicht zurückmusste und weiter töten musste, würde sie es annehmen.

„Ich verstehe, wieso Nagisa dir vertraut“, sagte Riko schmunzelnd.