Nunc scio quit sit amor

Kurzbeschreibung:
Diese FF ist mein Herzstück aus meinen Fanfiction-Anfängen, deshalb ist sie auch nicht überarbeitet. Ihr bekommt sie so zu lesen, wie ich sie im Jahr 2012 geschrieben habe. ;)

Am 23.7.2020 um 21:23 von Mozambique auf StoryHub veröffentlicht

1. Kapitel: Namenloses Kapitel

 NUNC SCIO QUIT SIT AMOR

Jetzt weiß ich, was Liebe ist

 

© 2012 by Mozambique

 

***

 

Kapitel 1

 

 

Okay“, meinte Draco und stibitzte sich eine saftige Erdbeere aus dem Schälchen, indem er sich lasziv über seinen Freund beugte, sodass dessen grüne Augen aufblitzten wie strahlende Smaragde. Er ließ den Schwarzhaarigen abbeißen, bevor er sich die zweite Hälfte selbst in den Mund schob. Als er sich genüsslich den roten Saft von den Fingern leckte, wurde es Harry zu bunt. Blitzschnell hatte er sich auf den blonden Slytherin geworfen und ihn in die Matratze gedrückt.

Für wen hältst du dich eigentlich, Malfoy?“, knurrte er, hielt Dracos Handgelenke über dessen Kopf fest und saugte besitzergreifend am Hals seines Freundes.

Glaubst du, du kannst mich scharf machen, ohne dass ich etwas dagegen unternehme?“

Die grünen Smaragde trafen eisgraues Meer. Wo vor ein paar Wochen noch nur Arroganz, Eitelkeit und Überlegenheit, gemischt mit Angst und Furcht, anzutreffen waren, konnte man nun all die Gefühle entdecken, die Draco Malfoy achtzehn Jahre lang hatte unterdrücken müssen. Aufgewachsen im Hause einer mächtigen Reinblutfamilie, wurde er von kleinauf dazu erzogen, eine Maske aufzusetzen, die jegliches Gefühl verbarg. Niemand hatte diese Maske durchbrechen können. Niemand, siebzehn Jahre lang nicht.

Glaubst du, dass ich das nicht mit Absicht gemacht habe?“, konterte er nun schlagfertig und fand sich im nächsten Moment seiner Stimme beraubt, als Harry seine Worte mit einem Kuss erstickte.

Lachend schnappten die beiden Jungs kurze Zeit später nach Luft, rangelten noch kurz miteinander und ließen sich schließlich gemeinsam in die Kissen fallen. Es war praktisch, dass Draco als Schulsprecher seinen eigenen Schlafraum hatte - das im Übrigen sogar ein eigenes Passwort hatte. Nur zwei Personen kannten dies außer ihm - Blaise Zabini, sein bester Freund, und Harry Potter. Harry Potter, der Goldjunge, der Junge-der-lebte, der Retter der Zauberwelt, der Gryffindor, sein Erzfeind. Niemals hätte sich Draco träumen lassen, sich in den Armen eines Mannes wie zuhause zu fühlen - noch dazu in Potters Armen! Doch vor anderthalb Jahren, am Ende ihres sechsten Schuljahres, war sich der junge Fast-Todesser plötzlich gar nicht mehr so sicher gewesen, dass Mädchen die bessere Partie waren. Er konnte es noch heute genau vor Augen sehen: die Szene auf dem Turm, Dumbledore vor ihm, er selbst mit erhobenem Zauberstab, den er auf seinen Schulleiter gerichtet hatte. Wie aus dem Nichts war Harry aufgetaucht, stand plötzlich zwischen ihm und Dumbledore. Eins hatte ihm Draco schon hoch angerechnet - Potter war definitiv im richtigen Haus gelandet. Er hatte Mut, er wusste vermutlich besser als jeder andere Zauberer in seinem Alter, wie man sich richtig verteidigte - und er hatte die wahnsinnige Gabe, seinen Gegner mit Worten fertig zu machen.

Ja, ganz genau. „Malfoy“, hatte Potter damals zu ihm gesagt, seinen Zauberstab gezückt und ihn ruhig angeschaut. „Es wundert mich wirklich, dass ausgerechnet du die Befehle eines anderen ausführst. Hast sonst nicht immer du den Ton angegeben? Und jetzt stehst du hier und versuchst, deinem ach so tollen Meister zu gefallen. Wozu das Ganze? Er wird fallen. Früher oder später. Und was machst du dann? Verkriechst du dich wieder hinter deiner stählernen Maske? Du machst mir nichts vor, Malfoy. Du hast Angst.“

Selbstverständlich hatte er dies damals abgestritten. Ein Malfoy hatte keine Angst - und schon gar nicht vor einem Halbblut. Gott, war er damals engstirnig! Harry war nicht aus der Ruhe zu bringen. Sie standen sich Auge in Auge gegenüber, hatten den alten Zauberer, der sich Dumbledore schimpfte, vergessen. Es gab nur noch sie zwei.

Ich sag dir eins, Malfoy. Wenn du das hier zu Ende bringen willst, musst du erst an mir vorbei. Doch bedenke, dass mich Voldemort schon zigmal umbringen wollte. Er hat versagt. Der große Lord schafft es nicht, sich gegen einen kleinen Jungen durchzusetzen. Schaffst du es, großer Malfoy? Na los, töte mich.“

Draco wurde noch heute ganz schlecht bei dem Gedanken. Harry töten? Nie im Leben! Eher würde er Dutzende Crucios über sich ergehen lassen, bevor er seinem Freund auch nur ein Haar krümmte. Das war heute. Und das war gut so.

Hey, Schatz, wo bist du denn mit deinen Gedanken?“, murmelte eine sanfte Stimme an seinem Ohr.

Er wusste, er musste nicht antworten. Harry spürte, dass er an damals dachte.

Sie hatten viel geredet in dieser Nacht. Dumbledore war mehr als überrascht gewesen, dass er ihn nicht getötet hatte. Doch der letzte Satz Harrys hatte Draco wachgerüttelt. Gut, er war ein Slytherin, legte auf Moral nicht allzu viel Wert. Aber einen Menschen töten, nur weil ein angeblich mächtiger Magier es von ihm verlangte?

Aus irgendeinem Grund hatten er und Harry bis in die Morgenstunden zusammen gesessen. Harry hatte ihm so viel erzählt. All die Dinge, die Draco und die anderen Schüler kaum mitbekommen hatten. Kämpfe gegen Voldemort - Kämpfe, bei denen er selbst längst verzweifelt wäre, aber die Harry jedes Mal stärker gemacht hatten. Er erfuhr auch von der Prophezeiung. Keiner kann leben, während der andere überlebt. Zum ersten Mal hatte Draco Hoffnung geschöpft. Irgendwie spürte er, dass Harry Potter, sein Erzfeind seit dem ersten Schuljahr, wirklich derjenige war, zu dem er gemacht wurde, als Voldemort seine Eltern getötet hatte: der Retter der Zauberwelt.

Glücklicherweise hatte seine Mutter damals darauf bestanden, dass er das Dunkle Mal erst bekam, wenn er seinen Auftrag, Dumbledore zu töten, erledigt hatte. Dies war nicht der Fall und das kam ihm zugute. Mit Harrys und Dumbledores Hilfe schaffte es Draco, zu fliehen. Etliche Monate war er in verschiedene Gegenden appariert, die laut Harry von Zauberern gemieden wurden. Von Harry hatte er eine seltsame Münze bekommen, die für ihn eigentlich ganz normal ausgesehen hatte. Doch sein Verbündeter hatte nur gegrinst: „Wie, glaubst du, haben wir es letztes Jahr geschafft, die DA-Treffen festzulegen? Wir Gryffindors sind eben auch nicht blöd.“ Draco war beeindruckt, das musste er zugeben. Harry hatte die Münze ein klein wenig verändert. Nun erschien nicht mehr ein bestimmtes Datum, sondern eine Art Geheimcode, der Draco zeigen sollte, ob es sicher war, zurück zu kehren. ,Securus‘ sagte ihm, alles sei überstanden. ,Expectabis‘ bedeutete, er müsse noch abwarten. Diese beiden Codewörter hatte er niemals auf der Münze lesen können. Das einzige, was Harry ihm geschickt hatte, war: ,Succursus‘. Hilfe. Draco hatte nicht lange überlegt, er war direkt vor das Schulgelände appariert und hatte miterleben müssen, wie die Schlacht in vollem Gange gewesen war. Auf welcher Seite er gekämpft hatte, stand außer Frage. Er war derjenige gewesen, der seinen eigenen Vater davon abgehalten hatte, Harrys besten Freund zu töten. Er war derjenige gewesen, der direkt hinter Harry stand, als dieser den Dunklen Lord zu Fall brachte. Er war derjenige gewesen, den Harry als erstes umarmt und geküsst hatte. Geküsst. Die Gefühle, die ihn zu diesem Zeitpunkt überwältigten, waren heute sein Alltag. Er versuchte nicht mehr ständig, sich zu fragen, warum er sich ausgerechnet in Harry Potter verliebt hatte. Es war einfach so.

Willst du darüber reden?“, riss ihn besagter Held aus seinen Gedanken.

Ehrlich gesagt, gibt es da nichts mehr zu reden“, erwiderte ich lächelnd. „Aber eine Frage möchte ich dir gerne stellen.“

Nur zu.“

Warum hast du mich damals geküsst?“

Das fragst du noch? Draco, ich hab damals gerade Voldemort umgebracht, ich war erleichtert - ich hab nicht gewusst, was ich tue.“

Hättest du Ron geküsst, wenn er hinter dir gestanden hätte?“

Meinen besten Freund?!“ Auf Harrys Gesicht breitete sich ein Lächeln aus. „Schatz, versuchst du gerade herauszufinden, wann ich mich in dich verliebt habe?“

Zur Antwort grinste Draco nur verlegen.

Die Wahrheit ist, glaube ich, dass du von Anfang an etwas Besonderes für mich warst.“

Das hatte er nun nicht erwartet. Er war damals doch ein eingebildeter Elfjähriger gewesen - wie hatte Harry da etwas in ihm sehen können?

Harry beobachtete, wie es hinter Dracos Stirn arbeitete.

Ich hab dich immer irgendwie bewundert, auch wenn wir uns ständig nur gestritten und bekämpft haben. Aber als du da oben auf dem Turm vor mir standest, da wusste ich, ich konnte dich nicht zum Mörder werden lassen. Ich hätte es mir niemals verziehen. Und ich muss zu meiner Schande gestehen - ich hab mich nicht vor dich gestellt, um Dumbleodre zu retten. Gut, dass er das nicht hört.“ Ein kleiner Seufzer entwich ihm.

Ich wollte dich retten. Denn selbst wenn du Dumbledore getötet hättest, wenn Voldemort zufrieden gewesen wäre - der finale Kampf wäre so oder so gekommen. Die Chance stand immerhin bei fünfzig Prozent, dass ich als Sieger hervorgehen würde. Aber was wäre dann aus dir geworden? Du wärst für Dumbleodres Mord nach Askaban gewandert. Und das konnte ich einfach nicht zulassen. Auch wenn ich ein Gryffindor sein mag, manchmal naiv und ständig das Gute in den Menschen sehend - ich schwöre dir, ich hätte das nicht getan, wenn ich nicht damals schon viel für dich empfunden hätte.“

Draco sagte kein Wort, er sah seinem Freund einfach nur in die Augen. Das war besser als jede Liebeserklärung und er merkte, dass Harry noch nicht fertig war.

Richtig klar wurde es mir aber, als du dann weg warst. Sicher, ich war rund um die Uhr beschäftigt mit der Suche nach den Horkruxen - aber Ron und Hermine hatten es oft nicht leicht mir mir, so mies gelaunt war ich teilweise. Nur der Gedanke an dich hat mich davon abgehalten, aufzugeben, wenn wir wochenlang keine Erfolge erzielt hatten. Ich wusste, wenn ich Voldemort töten würde, dann wärst du frei. Wir wären frei.“

Die grünen Smaragde blitzten auf, doch diesmal nicht vor Lust, sondern vor übermäßigen Gefühlen der Liebe. Draco konnte sich nicht vorstellen, dass irgendeine Liebe stärker war als ihre. Sie waren wie Engel und Teufel, und doch wussten sie stets, was der andere dachte. Als Harry jetzt Tränen über die Wangen liefen, nahm Draco das Gesicht seines Geliebten in seine Hände und küsste jede einzelne, salzige Träne weg. Irgendwann fanden sich ihre Lippen und verschmelzten gemeinsam. In diesem Augenblick dachten sie beide dasselbe: Eine Liebe wie ihre konnte alles überstehen.

  

2. Kapitel: Namenloses Kapitel

NUNC SCIO QUIT SIT AMOR

Jetzt weiß ich, was Liebe ist

 

© 2012 by Mozambique

 

***

 

Kapitel 3

 

 

 

Seid ihr bald mal fertig?“, murrte Ron Weasley ungeduldig.

Nun lass die zwei doch, Ronald!“, wies Hermine ihn zurecht. „Man könnte glatt meinen, du wärst scharf auf den Unterricht!“

Nein, scharf auf den Zaubertrankunterricht war Ron gewiss nicht. Zwar hatte Gryffindor jetzt, wo Professor Snape gekündigt hatte, keine unfairen Punktabzüge mehr, aber es würde immer Rons Hassfach bleiben. Er nahm es Harry ein wenig übel, dass dieser in Zaubertränke seine neuen Stärken entdeckt hatte, seit Professor Slughorn dieses Fach übernommen hatte. Früher hatte er sich wenigstens zusammen mit seinem besten Freund über die schwierigen Zusammensetzungen der Zutaten beschweren können, doch jetzt bekam er nicht nur von Hermine, sondern auch von Harry, einen ungläubigen Gesichtsausdruck, wenn er mal wieder an einer Hausaufgabe von Slughorn verzweifelte.

Doch seine Ungeduld war darauf zurückzuführen, dass er sich ärgerte. Er ärgerte sich darüber, dass er Malfoy, den Freund seines besten Freundes, einfach nicht mehr hassen konnte. Draco, wie selbst er ihn inzwischen nannte, hatte ihm damals in der Schlacht das Leben gerettet. Zwar hatte Harry direkt neben ihm mit einem Todesser gekämpft, doch er hatte nicht gesehen, dass Lucius Malfoy kurz davor gewesen war, ihn mit dem Todesfluch zu töten. Wäre Draco nicht gewesen, hätte er nie mehr erleben können, wie Hermine ihm ihre Liebe gestand.

Dies war der zweite Grund, der ihn ärgerte. Nicht die Tatsache, dass Hermine endlich dasselbe für ihn zu empfinden schien wie er für sie, sondern, dass sie es nicht gut zeigen konnte. Wenn sie in ihrem Gemeinschaftsraum waren, war alles gut, da zierte sie sich nicht, auch Händchen halten auf dem Schulhof war okay - aber niemals hätte ihn Hermine in aller Öffentlichkeit so abgeknutscht wie Harry es gerade mit Draco tat. Die beiden konnten einfach nicht ihre Finger voneinander lassen, sie flüsterten sich alle paar Minuten Liebesschwüre zu und verbrachten jede freie Minute miteinander. Er und Hermine mussten manchmal förmlich betteln, damit sie ihren besten Freund mal für sich hatten.

Doch trotz der Tatsache, dass Draco nun auf Kerle stand und in einer festen Beziehung war, hielt ihn das nicht davon ab, gelegentlich in seine alte Slytherin-Arroganz zurückzufallen. Einen gewissen Ruf wollte er sich beibehalten, das verstand auch Harry, wie dieser Ron erzählt hatte.

Sie hatten gerade Verwandlung hinter sich gebracht und waren gerade auf dem Weg zum Zaubertrankunterricht gewesen, als zwei freche Slytherin-Zweitklässler sie aufgehalten hatten. Sie hätten eine Wette abgeschlossen, in der es um die Beziehung von Harry und Draco ging. Die Nesthäkchen hatten Dracos missbilligenden Blick geflissentlich ignoriert, da der besagte Ruf Dracos ganz besonders in Slytherin noch vorhanden war - die Jüngeren hatten eben großen Respekt vor dem Siebtklässler, der dazu auch noch ihr Schulsprecher war.

Harry dagegen hatte sich amüsiert die Wette erklären lassen. Gewettet worden war um eine Woche Hausaufgaben abschreiben, dass ein Potter niemals einen Malfoy in aller Öffentlichkeit küssen würde.

Als Ron dies gehört hatte, hatte er nur die Augen verdreht. Entweder, diese Slytherins waren doof wie Stroh, oder sein bester Freund hatte das Herumturteln gerissener angestellt, als er gedacht hatte. Es steckte eben doch irgendwie ein Slytherin in Harry.

Sogar Draco hatte grinsen müssen, als Harry ihn betont verächtlich angeschaut hatte.

Malfoy, weißt du, wie die darauf kommen, dass ICH dich küssen würde?“

Nicht die leiseste Ahnung, Potter. Aber es könnte damit zusammen hängen, dass hier gewisse Gerüchte im Umlauf sind.“

Gerüchte? Was denn für Gerüchte?“

Na ja, man munkelt, dass Potter, der Retter der Zauberwelt, sich in Malfoy, den Nachwuchs-Todesser, verliebt haben soll...“

Wie die darauf nur kommen...“

Obwohl, die Gesichter der beiden Zweitklässler hatten sich durchaus sehen lassen können, das musste Ron zugeben. Trotzdem, ihm wurde das Rumgeknutsche jetzt zu blöd.

Energisch schritt er auf die Jungs zu, Hermine im Schlepptau, und schob sie auseinander. „Wir kommen zu spät!“, sagte er nur auf Harrys fragenden Blick hin.

Dann zog er Harry mit sich mit, der gerade noch Dracos Hand fassen konnte.

Dieser meinte halb ärgerlich, halb amüsiert: „Also, bei aller Liebe, Schatz, dein bester Freund geht mir manchmal auf den Keks!“

Harry sagte nichts, aber innerlich stimmte er dem Slytherin zu.

 

 

* * *

 

 

Schön, schön!“, schnarrte die Stimme von Professor Slughorn durch das Klassenzimmer. Aufmerksam glitt sein Blick durch die Reihen. Allein an der Aufteilung der Schüler während des Unterrichts konnte er sehen, wie viel sich in den letzten beiden Jahren doch verändert hatte. Als Dumbledore ihn damals, vor zwei Jahren, wieder gebeten hatte, als Lehrer nach Hogwarts zurück zu kehren, hatte er die Feindschaft zwischen Gryffindors und Slytherins sofort wieder erkennen können. Damals wäre es einem Slytherin niemals in den Sinn gekommen, sich neben einen Gryffindor zu setzen.

Und heute?

In der ersten Reihe saß, wie üblich, das goldene Quintett - ja, wirklich. Aus dem goldenen Trio war ein Quintett geworden, was natürlich nicht zuletzt an der Beziehung von Harry Potter, dem Helden der Gryffindors, und Draco Malfoy, dem Eisprinzen der Slytherins, lag. Zusammen mit Hermine Granger, Ron Weasley und Blaise Zabini, Dracos bestem Freund, waren sie seit Beginn des Schuljahres unzertrennlich.

Und auch sonst sah Slughorn keine Gruppe, die ausschließlich aus Gryffindors oder Slytherins bestand - es schien, als wäre mit dem Fall des Dunklen Lords auch die Feindschaft der beiden Häuser verloren gegangen. Nun, Slughorn konnte das nur begrüßen. Ihm war zu Ohren gekommen, dass viele der Schüler offenbar bessere Noten zeigten, wenn sie nicht ständig Kleinkrieg gegen andere Häuser führten.

Also, meine Lieben“, fuhr er nun fort. „Wie ich erfahren habe, möchten einige von Ihnen nach Abschluss der Prüfungen eine Aurorenausbildung machen.“ Fünf Personen aus der ersten Reihe grinsten ihn an. „Selbstverständlich sind hierfür nicht nur entsprechende Noten in den einzelnen Fächern notwendig, nein, ein Auror muss auch schnelle Reaktionsfähigkeit, Kampfbereitschaft und einen kühlen Kopf besitzen. In einem Kampf zählen oft Sekunden, wie viele von Ihnen haben feststellen müssen. Es bleibt keine Zeit nachzudenken, wenn Sie einen starken Gegener vor sich haben. Sie dürfen nicht zögern, einen Fluch loszuschicken, der sich möglicherweise nicht mit Ihrem moralischen Bewusstsein verträgt. Entscheiden Sie sich für diesen Beruf, müssen Sie mit allen Wassern gewaschen sein. Sie müssen sich in Ihren Gegner hineinversetzen können, sich überlegen können, was er als Nächstes vorhat.“

In der Klasse war es mucksmäuschenstill geworden. Alle Siebtklässler von Gryffindor und Slytherin hingen an den Lippen ihres Zaubertrankprofessors. Nicht nur die Clique um Harry Potter, sondern auch einige andere wollten, angestachelt durch die gewonnene Schlacht gegen die Todesser, eine Aurorenausbildung machen.

Doch warum erzähle ich Ihnen das alles? Es ist nicht nur wichtig, die Zaubersprüche zu beherrschen, Sie müssen sich auch mit den Zaubertränken der dunklen Seite auskennen. Selbstverständlich ist es mir unter normalen Umständen nicht gestattet, Sie einen schwarzmagischen Trank brauen zu lassen, doch die Schulleiterin hat mir für die heutige Stunde die Erlaubnis gegeben.

Zur Wiederholung möchte ich Sie bitten, mir die Eigenschaften des Amortentia zu nennen.“

Wie immer schnellte Hermines Arm nach oben, ebenso Dracos, doch auch Harry konnte sich inzwischen mit seinem Wissen über Zaubertränke sehen lassen.

Ja, Mr. Potter?“

Der Amortentia ist der mächtigste aller Liebestränke, Professor“, antwortete Harry.

Er zeigt äußerlich alle Farben des Regenbogens, wobei auch immer die individuelle Lieblingsfarbe dabei ist. Atmet man den Duft des Trankes ein, so riecht er nach den Lieblingsdingen eines jeden einzelnen.“

Sehr gut, Mr. Potter, zehn Punkte für Gryffindor“, lobte ihn Professor Slughorn. „Können Sie sich denken, worauf ich hinaus will?

Mr. Malfoy?“

Ich denke schon, Sir.“ Dracos Gesicht nahm einen merkwürdigen Ausdruck an, wie Harry feststellte. Doch er verflog schnell, als Draco weiter sprach.

Ich glaube, Sie wollen uns etwas über den Gratioblivitum erzählen.“

Warum übernehmen Sie dies nicht, Mr. Malfoy? Sie scheinen bescheid zu wissen.“

Draco drückte kurz Harrys Hand, denn irgendwie beschlich ihn ein ungutes Gefühl, weil sie gerade jetzt über diesen Trank sprachen.

In Ordnung, Professor. Der Gratioblivitum ist einer der gefährlichsten schwarzmagischen Tränke. Obwohl auch der Armontentia schon nicht harmlos ist, sollte man, wenn man sich nicht auskennt, die Finger vom Gratioblivitum lassen. Er hat immer dieselbe Farbe, nämlich schwarz. Dies zeigt auch, wofür er steht, denn während der Armontentia Liebe bewirkt, so nimmt der Gratioblivitum diese. Trinken zwei Personen, die sich lieben, von diesem Trank, lässt dieser den Opfern ihre Liebe vergessen. Dies ist nicht so schlimm, wenn die Opfer, bevor ihre Liebe begann, sich gut leiden konnten. Dann verfallen sie einfach wieder in das Gefühl der Freundschaft. Doch wenn das Gegenteil der Fall ist, können die Auswirkungen furchtbar sein.“

Anerkennend schaute Professor Slughorn den jungen Slytherin an. „Ich bin sehr beeindruckt, Mr. Malfoy, nehmen Sie zwanzig Punkte für Ihr Haus. Kennen Sie auch den Gegentrank des Gratioblivitum?“

Es gibt keinen, Sir.“

Jetzt starrte die ganze Klasse Draco an. Einen Trank, für den es keinen Gegentrank gab, hatten sie noch nie kennen gelernt. Doch ihr Mitschüler war überzeugt von dem, was er sagte.

Die einzige Möglichkeit, die Wirkung des Gratioblivitum rückgängig zu machen, ist es, die ehemals Liebenden daran zu erinnern, dass sie sich lieben. Dies funktioniert aber nur, wenn die Liebe zwischen den beiden wirklich die wahre Liebe ist. Wahre Liebe bedeutet, dass man bereit ist, für den anderen zu sterben, dass man alles auf sich nimmt, um das Leben des anderen zu retten. Wahre Liebe bedeutet kompromisslose und uneingeschränkte Zuneigung zu dem anderen, egal, was dieser tut.“

Nicht nur die Schüler waren beeindruckt, selbst der alte Zaubertranklehrer musste schlucken. Er wusste zwar, dass Draco Malfoy ein Genie in der Wissenschaft der Zaubertränke war, aber er hätte nicht gedacht, dass er sich so sehr mit der wahren Liebe auseinander gesetzt hatte. Das, was der junge Malfoy für Harry Potter empfand, musste doch größer sein, als er geglaubt hatte.

Ich muss Ihnen bestimmt nicht sagen, wie überrascht ich von dem bin, was Sie uns gerade erzählt haben. Sie erhalten noch einmal dreißig Punkte für Slytherin.

Also gut“, räusperte er sich schließlich und wandte sich an die gesamte Klasse.

Hier stehen die Zutaten und die Zubereitung des Gratioblivitum“, er tippte mit dem Zauberstab an die Tafel, „doch bevor Sie anfangen, möchte ich Sie bitten, das entsprechende Kapitel Nummer fünf in Ihrem Buch zu lesen. Es beschreibt die Dinge, die Sie beim Brauen des Trankes beachten müssen. Und ich möchte Sie warnen.“ Die Stimme des Zaubertrankprofessors war ernst geworden. „Die Herstellung dieses Trankes findet ausschließlich in diesen vier Wänden statt. Niemand, und ich wiederhole, niemand von Ihnen ist befugt, diesen Trank selbstständig ohne Beaufsichtigung herzustellen. Professor McGonnagal sind uns über die Konsequenzen einig, sollten wir jemanden von Ihnen dabei erwischen, der sich nicht an die Regeln hält.“ Was die Konsequenzen waren, konnte sich jeder von ihnen ungefähr denken.

Nachdem sie das Kapitel zu Ende gelesen hatten, holte Draco die Zutaten aus dem Schrank, während Harry den Kessel aufbaute und ihn mithilfe seines Zauberstabs erhitzte. Die beiden arbeiteten so konzentriert, dass sie nicht merkten, wie sie beobachtet wurden.

Die eine Person war Hermine, die neben Harry saß. Sie runzelte nachdenklich die Stirn, während sie das eben Gehörte noch einmal reflektierte. Ihr Bauchgefühl hatte sie selten getäuscht, und sie fragte sich, ob Draco deshalb so viel über die wahre Liebe wusste, weil er glaubte, sie gefunden zu haben. Hermine wurde aus ihren Gedanken gerissen, als Ron sie anstupste. Natürlich, er wusste wieder einmal nicht, was er machen sollte. Seufzend machte sie sich daran, ihm alles geduldig zu erklären.

Genausowenig wie Harry und Draco merkte Hermine, wie Pansy Parkinson das Paar anstarrte. Auf ihrem Gesicht hatte sich ein hinterhältiges Grinsen gebildet, und man konnte förmlich spüren, wie ihr Gehirn einen fiesen Plan ausheckte.

Autorennotiz:
Diese FF ist mein Herzstück aus meinen Fanfiction-Anfängen, deshalb ist sie auch nicht überarbeitet. Ihr bekommt sie so zu lesen, wie ich sie im Jahr 2012 geschrieben habe. ;)